Tanzverbot an Karfreitag: wichtige Tradition oder religiöse Bevormundung?

Steht ganz Oben auf der Liste. Jeder ein Kreuz. Screenshot: Youtube
Alle Jahre wieder wird an Karfreitag über das gesetzliche Tanzverbot debattiert. Der Karfreitag zählt zu den sogenannten stillen Feiertagen, an denen öffentliche Tanz- und Musikveranstaltungen in Kneipen und Clubs verboten sind. Im Oktober 2016 hat das Bundesverfassungsgericht die Vorschrift bereits gelockert. Seither darf es auch Ausnahmen vom Tanzverbot geben. Trotzdem flammt die Frage, ob das Tanzverbot grundsätzlich noch zeitgemäß ist, regelmäßig wieder auf.

Badische Neueste Nachrichten

Ist das Tanzverbot an Karfreitag auch heute noch wichtig oder ist die Vorschrift längst überholt? Zwei BNN-Redakteure haben unterschiedliche Ansichten.

Pro (David Falkner): „Es gibt kein Recht auf Feierwut, auch wenn manche das gerne so hätten.“

Einfach mal die Füße stillhalten! Das Tanzverbot sorgt immer und immer wieder für die gleichen Diskussionen. Was soll die Aufregung? Ja, bis 2015 hatte Baden-Württemberg eines der striktesten Feiertagsgesetze Deutschlands. Dann wurde es aber gelockert. Heute gilt nur noch an einem Tag im Jahr generelles Tanzverbot, am Karfreitag. Zeitlich begrenze Tanzverbote gelten am Gründonnerstag, am Karsamstag, an Allerheiligen, am Volkstrauertag, am Buß- und Bettag und am Totensonntag. Insgesamt also sieben Tage im Jahr, sieben Tage von 365. Mehr nicht. Sieben Tage, an denen es heißt: Okay, heute bleibt die Disko eben zu. Statt der Frage nach der Legitimation des Tanzverbots könnte man stattdessen fragen: Tut das Tanzverbot irgendjemandem weh? Nein, tut es nämlich nicht. Es gibt kein Recht auf Feierwut, auch wenn manche das gerne so hätten. Wie wäre es also, sich einfach mal zurückzulehnen und Rücksicht zu nehmen auf andere? Auf die, denen Besinnung und Ruhe an einigen ausgewählten Tagen im Jahr tatsächlich wichtig ist, denen wichtig ist, dass am Karfreitag oder am Volkstrauertag keine Bässe aus dem nächsten Partykeller hämmern. Die gibt es nämlich auch – und nur, weil sie nicht neben euch auf dem Dancefloor abzappeln, heißt das nicht, dass ihre Meinung nichts bedeutet. Bei der letzten großen YouGov-Umfrage befürwortete übrigens eine Mehrheit der Deutschen das Tanzverbot. Also: Einfach mal Rücksicht nehmen. Bei so vielen anderen Themen klappt das – warum nicht auch bei der Religion?

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Atheisten verspotten Christen mit „Heidenspaß-Partys“

Ausnahmen vom Tanzverbot sind nach dem Gerichtsentscheid möglich, wenn eine Veranstaltung Ausdruck einer Abgrenzung gegenüber dem Christentum ist. Foto: picture-alliance/dpa
Atheisten in Bayern veranstalten am Karfreitag – an diesem Tag gedenken Christen der Kreuzigung Jesu – „Heidenspaß-Partys“ mit Tanz in München und Regensburg.

idea.de

Im Freistaat gilt zwar ein Tanzverbot an „stillen Tagen“ – darunter Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag –, aber das Bundesverfassungsgericht hatte im November entschieden, dass es in Bayern insbesondere am Karfreitag Ausnahmen von der Pflicht zur Stille geben muss. Das Gericht gab damit einer Beschwerde des „Bundes für Geistesfreiheit München“ statt. Ausnahmen vom Tanzverbot sind demnach möglich, wenn eine Veranstaltung Ausdruck einer Abgrenzung gegenüber dem Christentum ist.

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Katholische Kirche warnt davor, die „stillen Tage“ auszuhöhlen

 Besonders geschützt ist in Bayern der Karfreitag. (Foto: Stephan Rumpf)
Besonders geschützt ist in Bayern der Karfreitag. (Foto: Stephan Rumpf)
Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Tanzverbot an „stillen Tagen“ hoffen Münchner Club-Betreiber auf Erleichterungen.
Die katholische Kirche mahnt dagegen zu Zurückhaltung.

Von Jakob Wetzel, Veronika Wulf | Süddeutsche.de

Steht das strikte Tanzverbot an den „stillen Tagen“ nun vor dem Ende? Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts hoffen Münchner Club-Betreiber zumindest auf spürbare Erleichterungen. Die Richter hatten entschieden, dass Ausnahmen nicht pauschal per Gesetz ausgeschlossen werden dürfen.

Das Gericht habe damit klar Position bezogen, sagt Alexander Wolfrum, der Vorsitzende des Verbands der Münchner Kulturveranstalter. „Wir rechnen damit, dass Veranstalter jetzt Ausnahmeanträge für viele Tage stellen werden.“ Und die Verwaltung müsse sich künftig an den Spruch des Gerichts halten. Die katholische Kirche dagegen mahnt zu Zurückhaltung.

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Was an Karfreitag und Ostern verboten ist – und was nicht

Tanzen gehen? An den stillen Feiertagen ist das verboten. (Foto: dpa)
Bayern und Baden-Württemberg nehmen die „stillen Feiertage“ besonders streng – aber auch in Berlin gibt es ein Tanzverbot. Auch manche Filme dürfen nicht gezeigt werden.

Von Elisa Britzelmeier|Süddeutsche.de

Wer danach sucht, wo man an den Feiertagen in München so hingehen kann, wird wohl schneller bei Gottesdiensten landen als im Club. Denn Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag sind in Bayern als „stille Feiertage“ besonders geschützt – und damit gilt das viel diskutierte Tanzverbot. Genauer gesagt: Nur Veranstaltungen mit „ernstem Charakter“ sind erlaubt. Und weiter heißt es im bayerischen Feiertagsgesetz: „Am Karfreitag sind außerdem in Räumen mit Schankbetrieb musikalische Darbietungen jeder Art verboten.“

Für jedes Bundesland gelten andere Regeln. In Bayern, wo man es mit den stillen Feiertagen besonders streng nimmt, beginnt der angeordnete Schutz am Karfreitag um Mitternacht. Wer tanzen gehen will, muss bis Ostersonntag warten. Schon seit Jahren halten das viele für nicht mehr zeitgemäß in einer säkularen und nicht mehr rein christlich geprägten Gesellschaft.

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Splatter-Ritual: „Wer mein Fleisch kaut und mein Blut trinkt, bleibt in mir“

Frei nach Da Vinci, Quelle: BadA$$Mood
Frei nach Da Vinci, Quelle: BadA$$Mood
An Gründonnerstag feiern Christen das Abendmahl zur Erinnerung an Jesu letztes Mahl mit den Jüngern. Brot und Wein stehen dabei als Symbole für Christi Leib und Blut. Doch der Theologe Jan Heilmann zieht das in seiner Doktorarbeit in Zweifel: Jedenfalls dem Evangelisten Johannes sei es nicht um Jesu Körper gegangen, sondern um seine Worte.

Von Anne Kampf|evangelisch.de

Johannes 6,53-59+63+68, aus dem Griechischen übersetzt von Jan Heilmann:

53 Es sprach nun zu ihnen Jesus: Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr nicht esst das Fleisch des Menschensohnes und nicht trinkt sein Blut, habt ihr kein Leben in Euch. 54 Derjenige, der mein Fleisch kaut und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben und ich werde ihn aufwecken am letzten Tag. 55 Denn mein Fleisch ist wahres Essen und mein Blut ist das wahre Trinken. 56 Derjenige, der mein Fleisch kaut und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm. 57 Ebenso wie mich der lebendige Vater geschickt hat und ich so durch den Vater lebe, so wird derjenige, der mich kaut, – auch dieser wird durch mich leben. 58 Dieser ist das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist. Nicht wie die Väter gegessen haben und gestorben sind – Derjenige, der dieses Brot kaut, wird leben in Ewigkeit. 59 Dies sagte er in der Synagoge, als er in Kapernaum lehrte. (…) 63 Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch hilft gar nichts. Die Worte, die ich zu euch gesagt habe, sind Geist und sind Leben. (…) 68 Es antwortet ihm Simon Petrus: Herr, zu wem sollten wir gehen? Worte des ewigen Lebens hast Du.

Herr Heilmann, Ihre These lautet: „Essen und Trinken ist die Annahme von Lehre.“ Wie kamen Sie auf die Idee, eine Arbeit zu dieser These zu schreiben?

Jan Heilmann: Ich habe mich mit Mysterien im Johannesevangelium beschäftigt, also mit der Vorstellung des Gott-Essens zum Beispiel. Darauf verweisen ja die Begriffe vom Fleisch-Essen und Blut-Trinken, so ist es zumindest immer angenommen worden. Ich war also mit einer anderen Fragestellung an den Text herangegangen und der hat sich meiner Idee dann entgegengestellt: Die Textanalyse hat mir gezeigt, dass eine solche Vorstellung im Johannesevangelium gar nicht zu finden ist, sondern dass Jesus mit dem Essen seines Fleisches und dem Trinken seines Blutes auf die Aufnahme seiner Lehre hinweist. Jesus ist im Johannesevangelium immerhin das fleischgewordene Wort Gottes.

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Konzerte, Tanzen, Umzüge: Das ist an Karfreitag nicht erlaubt

DerverzweifelteJesusAb Freitag beginnen die Osterfeiertage. Was vielen nicht klar ist: Ostern ist das wichtigste christliche Fest im ganzen Jahr. Deshalb schützt das deutsche Grundgesetz einige Ostertage als sogenannte „stille Tage“. Als besonders schützenswert gilt der Karfreitag, der Tag der Kreuzigung von Jesus Christus. An diesem Tag ist Abfeiern in der Regel tabu.


Berliner Kurier

Allerdings handhaben die Bundesländer die Ostertage in ihren jeweiligen Feiertagsgesetzen oder Verordnungen recht unterschiedlich. Als besonders locker fällt Berlin auf. Viele Feierwütige fliehen deshalb über Ostern in die deutsche Hauptstadt.

Wann darf man nicht tanzen?

An Karfreitag – in diesem Jahr der 3. April – sind öffentliche Tanzveranstaltungen in den meisten Bundesländern ganztägig untersagt. In manchen Feiertagsgesetzen sind solche Events sogar schon von Gründonnerstag (2. April 2015) bis Karsamstag (4. April 2015) verboten. Darüber hinaus gibt es zum Teil besondere Bestimmungen, dass Gottesdienste nicht durch Lärm gestört werden dürfen.

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Mitten in Bayern: Stille als Spaßverderber

jesus_schaukel

Jugendliche haben so ihre Probleme mit den „stillen Tagen“. Karfreitag wird halt in einem katholischen Alpendorf ernsthafter begangen als in einem Multi-Kulti-Stadtteil von Berlin. Aber auch früher ging es nicht nur ruhig zu.


Von Hans Kratzer|Süddeutsche.de

Viele Jugendliche halten den Karfreitag für den schlimmsten Tag des Jahres. Nicht wegen der Kreuzigung Christi, von der Feierwütige eh keine Notiz nehmen. Vielmehr fühlen sie sich in ihrer Existenz bedroht, weil Tanz und Discomusik an diesem Tag verboten sind. Das hat der Staat so verfügt. Doch wie soll man dieses Gesetz all den jungen Leuten erklären, die Ostern nicht mehr von Weihnachten unterscheiden können, aber am Karfreitag in der Disco ihren Spaß haben wollen?

Schon schleichen sich Politiker ans junge Wahlvolk heran, darunter auch Heuchler, die von ihrer Ministrantenzeit schwärmen, aber ihre Kirche seitdem nicht mehr betreten haben. Es raunzt die Landesregierung in Baden-Württemberg gegen das Tanzverbot, die Jungliberalen liebäugeln am Karfreitag mit einer Spaßoffensive und selbst der aufgeklärte Deutsche Städte- und Gemeindebund will am Karfreitag nicht mehr nur Passionsmusik hören.

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Lockerung des „Tanzverbots“ an Feiertagen in Heidelberg gestoppt

Foto: Hugh O’Neill – Fotolia.com/evangelisch.de
Die Stadt Heidelberg ist nach Auffassung des Regierungspräsidiums Karlsruhe mit ihrer Lockerung des „Tanzverbots“ an Feiertagen zu weit gegangen.

evangelisch.de

„Wir haben die Stadt Heidelberg gebeten, künftig wieder nach den gesetzlichen Bestimmungen zu verfahren“, sagte Uwe Herzel, Pressesprecher des Regierungspräsidiums, am Dienstag auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd). Dieser Sonderweg sei damit beendet.

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Atheistische Aktion in Düsseldorf: Wenige verlassen die Kirche

Bild: wdr.de
34 traten am Gründonnerstag aus: 18 Personen aus der katholischen Kirche, 15 aus der evangelischen Kirche und eine Person aus dem Judentum – 21 ließen sich die Austrittsgebühr erstatten.

kath.net

Der Aufruf der atheistischen Initiative „Düsseldorfer Aufklärungsdienst“ zum kollektiven Kirchenaustritt am Gründonnerstag (17. April) ist auf geringe Resonanz gestoßen. Der stellvertretende Pressesprecher am Amtsgericht Düsseldorf, Richter Marcel Dué, sagte der Evangelischen Nachrichtenagentur idea: „Die Aktion hat sich auf jeden Fall nicht wahnsinnig ausgewirkt.“ Es habe an dem Tag 34 Austritte gegeben – 18 aus der katholischen und 15 aus der evangelischen Kirche sowie einen Austritt aus dem Judentum.

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THE BIBLE: No Easter this year, they have found the Body

Die amerikanische Erfolgsserie „The Bible“ läuft zu Ostern auch auf dem deutschen Fernsehsender VOX Foto: 20th Century Fox
Die erfolgreiche amerikanische Fernsehserie „The Bible“ soll nun auch in Deutschland laufen. Der Privatsender VOX strahlt die zehn Folgen in diesem Jahr zwischen Gründonnerstag und Karsamstag aus.

pro Medienmagazin

In Nordamerika und Spanien war die vom US-Sender History Channel produzierte Miniserie „The Bible“ bereits ein Riesenerfolg. Die 13,1 Millionen Zuschauer der Auftakt-Episode stellten einen neuen Rekord für das Kabelfernsehen auf. Es ist bereits eine Fortsetzung in Arbeit.

Die Serie besteht aus zehn Folgen, die einzelne Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament erzählen. Bei Vox ist folgende Ausstrahlungsreihenfolge geplant: Am Gründonnerstag (17. April) ab 20.15 Uhr die drei Folgen „Am Anfang“, „Exodus“ und „Das Gelobte Land“; am Karfreitag (18. April) ab 20.15 Uhr die drei Folgen „Könige und Propheten“, „Babylon“ und „Hoffnung“; am Karfreitag (19. April) ab 20.15 Uhr „Der Weg“, „Verrat“, „Die Passion“ und „Frohe Botschaft“.

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Bayern verkürzt stille Feiertage

bayern_VGHDie sogenannten stillen Feiertage in Bayern werden um zwei Stunden kürzer.

evangelisch.de

Der Landtag in München stimmte am Dienstagabend einem Gesetz zu, das den Feiertagsschutz neu regelt. Er beginnt nun erst um zwei Uhr morgens statt wie bisher um Mitternacht. Die alte Regelung bleibt jedoch an Karfreitag und Karsamstag gültig. Im Gesetzentwurf begründete Innenminister Joachim Hermann (CSU) die Änderung mit dem „heutigen Ausgehverhalten vieler Menschen“.

Stille Feiertage in Bayern sind Aschermittwoch, Gründonnerstag, Karfreitag und -samstag, Allerheiligen, Volkstrauertag, Totensonntag sowie Buß- und Bettag. An ihnen sind Tanzveranstaltungen verboten. Der Heilige Abend gilt ab 14 Uhr als stiller Tag. Gegner des neuen Gesetz hatten in den vergangenen zwei Wochen im Internet rund 1.800 Unterschriften gesammelt. Auch der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hatte die Verkürzung immer wieder abgelehnt.

Eine ähnliche Änderung gab es im Februar in Bremen: Das Land verkürzte den Schutz der stillen Feiertage Karfreitag, Volkstrauertag und Totensonntag.

Vaduz: Rückfall in vorkonziliare Zeiten – Messe im alten Ritus

Bild: Katholisches Magazin

Wie bereits angekündigt, zelebrierte Erzbischof Wolfgang Haas von Vaduz am Gründonnerstag die Chrisammesse mit seinem Klerus in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus.

Katholisches Magazin für Kirche und Kultur

Erzbischof Haas war damit der erste Diözesanbischof Europas, der seit der Liturgiereform von 1969/1970 die Weihe der Heiligen Öle und die Einsetzung des Priestertums durch Jesus Christus am ersten Tag des Triduum Paschalis im Alten Ritus feierte. Den Altardienst verrichtete die Petrusbruderschaft aus dem nahegelegenen Priesterseminar der Bruderschaft in Wigratzbad am Bodensee. Die Erzdiözese Vaduz wurde 1997 von Papst Johannes Paul II. aus dem gleichnamigen Dekanat der Diözese Chur errichtet. Sie entspricht dem Territorium des Fürstentums Liechtenstein.

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»Mittlerweile sind 38 Prozent der Bürger konfessionsfrei«

Gabriele Förster, Foto: privat

Atheistische Organisationen werben am Gründonnerstag in 13 deutschen Städten für den Kirchenaustritt.

Gabriele Förster ist stellvertretende ­Sprecherin des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (­IBKA), Landesverband Hessen

Interview : Gitta Düperthal jW

Unter dem Motto »Ich lass’ dich beten, laß du mich tanzen!« fordern säkulare Organisationen zum »Hasenfest 2013« am Gründonnerstag zum gemeinsamen Kirchenaustritt auf. Wie wird der begangen?

Bundesweit zum dritten Mal protestiert die säkulare und humanistische Szene gegen die intolerante Feiertagsgesetzgebung, die sämtliche Tanz-, Sport- und Unterhaltungsveranstaltungen an sogenannten »stillen Feiertagen« verbietet – sogar Demonstrationen! Aktionen dagegen gibt es in 13 Städten, unter anderem in München, Trier, Kaiserslautern, Saarbrücken und Mainz. Im Namen vieler gläubiger Menschen sowie auch gottlos Glücklicher werben wir so für Toleranz. Wir wollen niemanden von seinem Glauben abbringen oder beim Beten stören – wir wollen uns aber nicht am Karfreitag diktieren lassen, zu Hause im stillen Kämmerlein hocken zu müssen. In Frankfurt am Main zum Beispiel wird ein rosa Hase Austrittswilligen am Gründonnerstag den Weg zum Amtsgericht weisen, wo der Austritt zu Protokoll gegeben wird. Dazu werden Informationen zum »Leben danach« gegeben.

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Karfreitag: Tanzen in Bremen?

Quelle: brightsblog
Quelle: brightsblog

Wer darf an „stillen Feiertagen“ was? Mit dem herannahenden Osterfest beginnt die Debatte, ob an Karfreitag in deutschen Diskos getanzt werden darf. In diesem Jahr ist Bremen der Vorreiter. Die dortige rot-grüne Regierung will das Tanzverbot – nicht nur – an Karfreitag lockern. Kritik kommt von Christen, Gewerkschaften und den eigenen Parteimitgliedern.

pro Medienmagazin

Ein entsprechender Antrag im Bremer Landesparlament soll den religiösen Einfluss einschränken. Angestrebt wird eine Regelung ähnlich wie in Berlin. Dort muss an kirchlichen Feiertagen von sechs bis 21 Uhr Ruhe sein, am Totensonntag und Volkstrauertag jeweils von sechs bis 17 Uhr. Die Antragssteller begründeten ihr Anliegen damit, dass sie in Berlin von „keiner gesellschaftlichen Gruppe mehr ernsthaft in Frage gestellt“ wird.

Laut der Tageszeitung „taz“ ist vor allem Bremens SPD-Bürgermeister Jens Böhrnsen, ein überzeugter Protestant, von dem Vorstoß nicht begeistert. Ein Bremer Student hatte im März 2011 eine öffentliche Petition gegen das Tanzverbot an Feiertagen gestartet. Jetzt scheint er ein erstes Etappenziel zu erreichen. Laut Informationen der „taz“ sollen 2018 die Verbote der Bremer Feiertagsgesetze ganz fallen.

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Gottesstaat Bayern: Zocken an „stillen Tagen“ verboten

bayern_VGHDeus lo vult könnte man sagen. Er will es aber nicht, jedenfalls sind seine Intentionen diesbezüglich nicht bekannt. Das Bodenpersonal des Allmächtigen kennt aber die Wünsche und Befindlichkeiten und setzt sie durch. Es geht um den Fakt, ob das Verbot zum Betrieb von Spielhallen mit verfassungsrechtlich gewährleisteter Berufsfreiheit vereinbar ist.

Wie aus der Überschrift ersichtlich ist es das offensichtlich. Aschermittwoch, Gründonnerstag und Karsamstag darf in Bayern nicht gezockt werden. Obwohl ich noch nie eine Spielhalle von Innen gesehen habe ist es doch signifikant zu erkennen, wie weitreichend Einschnitte aus religiöser Bevormundung gehen.

Aschermittwoch, das Ende der Narrenzeit, Ruhe ist angesagt. Nach Tagen des gottgefälligen Saufens und der Heiterkeit, fährt der gute Christ nach Bad Pyrmont zum entschlacken. Hat er doch reichlich Giftstoffe aufnehmen können. Natürlich ist Entschlacken ohne Gottes-Segen oder seiner Knechte einfach nur profan und eines Christen, auch saufenden, unwürdig. Ein Christ geht dann nicht ins Spiel-Casino und zockt sich seinen Brägen frei. In andächtiger Art und Weise hat er Gott zu danken, dass seine Leber noch mitspült und die Ehefrau die karnevalistischen Seitensprünge nicht mitbekommen hat. Ab Aschermittwoch wird gefastet, das Fressen und Saufen, die Völlerei schlechthin ist bis Ostern passè. Zocken nun auch, wie uns der bayrische Verwaltungsgerichtshof wissen lässt.
Am fünften Tag der Karwoche, Gründonnerstag, gedenken die Christen des letzten Abendmahles von Jesus und seinen 12 Aposteln. Da ist kollektive Trauer angesagt und besonders grünes Gemüse (Grünkohl, Salate, Nesseln, junge Triebe) und grüne Kräuter sind zur Ernährung empfohlen. Der Verwaltungsgerichtshof hat das bisher noch nicht geregelt. Die Christen dürfen mit Sicherheit hoffen, es wird kommen. Keine fetten Haxen, Weißwurst, so etwas gehört juristisch, will sagen verwaltungsrechtlich geregelt. Freudenschreie von Gewinnern an Spielautomaten sind obsolet.

Karfreitag dann der Tag der Tage. Da wird der Todesstunde des Gottessohnes gedacht, da ist man nicht fröhlich, lebenslustig, da sagt der gute Christ, Scheiße warum lebe ich und Christus nicht. Um die Christenheit nun nicht ganz in depressive Stimmungen verfallen zu lassen, zur Verhinderung des kollektiven Suizids, vermittelt man die frohe Botschaft für den Ostersonntag. Still sind da nur noch die Biergärten, ansonsten ist wieder christliche Völlerei angesagt, der Gottessohn fährt ja bald in den Himmel. Wie schön. Bleibt die Frage, wann die Richter des Verwaltungsgerichtshofes nach Oben fahren? Es wäre nicht schlecht. Die rechtliche Bevormundung von Menschen hätte, zumindestens vorübergehend, ein Ende.

Bayerischer Verwaltungsgerichtshof, Urteil vom 22.10.2012
– 22 B 10.2398

Törichte Pfaffenargumente zum „stillen“ Feiertag

Karfreitag: Der mögliche Kreuzestod eines möglichen Menschen Jesus. ©dapd

Während die Christen am Karfreitag des Leidens und Sterbens Jesu gedenken wollen, rufen Gegner der staatlich verordneten Feiertagsruhe zu bundesweiten Tanz-Flasmobs auf. Bischöfe werben dagegen dafür, den Tag für Einkehr und Besinnung zu nutzen.

domradio.de

Auch in diesem Jahr wird um die Stille am Karfreitag gestritten. Die Piratenpartei in Frankfurt und Gießen rief zu „Tanzflashmobs“ an dem Feiertage auf. Unterdessen haben das Regierungspräsidium Gießen und die Stadt Frankfurt am Main die Tanz-Demonstrationen untersagt. Unter anderem auch für Köln und Hannover kursieren Aufrufe zur Demonstration im Internet. Die Protestaktionen richten sich gegen das Feiertagsgesetz, was unter anderem den Diskothekenbetrieb über die Osterfeiertage einschränkt. Auch bei den Schaustellern regte sich Kritik an der gesetzlich geregelten Ruhe.

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Ein Ü-Ei für Kirchen-Deserteure

Bild: © Aktionsbündnis Kirchenaustritt, http://www.hasenfest.org
Kirchenaustritt: Zur Belohnung gibt's ein Ü-Ei

Die Initiative „Hasenfest“ will am Gründonnerstag möglichst viele Menschen dazu bewegen, aus der Kirche auszutreten. Als „Belohnung“ gibt es passend zum Osterfest ein Schoko-Ei. Die Kirchen ignorieren die Aktion noch.

Von Miryam Nadkarnihr-online

Hinter der Initiative „Hasenfest“ verbirgt sich eine Kooperation zwischen der religionskritischen humanistischen Giordano-Bruno-Stiftung (GBS) und dem Mainzer Onlinemagazin „Ficko“. Seit 2011 werben sie über Facebook, Flyer und Mund-zu-Mund-Propaganda für einen kollektiven Kirchenaustritt am Gründonnerstag – dieses Jahr trifft sich die Gruppe neben Mainz auch in Wiesbaden.

Thorsten Barnickel ist einer der Hauptorganisatoren. Der 33 Jahre alte Biologe und Patentanwalt in Ausbildung ist mit 16 Jahren selber aus der Kirche ausgetreten und hält von ihr bis heute nichts: „Das ist eine sehr einflussreiche Institution, die ihre moralischen Grundsätze von einem tausende Jahre alten Buch ableitet, das von Leuten geschrieben wurde, die weniger Ahnung von der Natur und Biologie des Menschen hatten als heutzutage viele Zehntklässler.“

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Der Streit um die Stille – Was darf man am Feiertag?

Die Dornenkrone ist ein Symbol für das Leiden und Sterben Christi am Karfreitag, einem der höchsten christlichen Feiertage. Darf man an diesem Tag tanzen und feiern? Die Kirchen setzen sich dafür ein, dass der Feiertag "still" bleibt. Foto: epd-bild/Stefan Arend

Mit dem Palmsonntag (1. April) beginnt die Karwoche, die Zeit des Erinnerns an Jesu Sterben. Am Karfreitag, seinem Todestag, bleiben Konzerthallen, Kinos und Diskotheken vielerorts geschlossen. So regeln es die Bundesländer in ihren Feiertagsgesetzen. Gegen das sogenannte Tanzverbot regt sich inzwischen Kritik.

Von Barbara Schneiderevangelisch.de

Auch in diesem Jahr wird um die Stille am Karfreitag wieder gestritten. Nach Tanz-Flashmobs vor dem Frankfurter Römer und auf dem Bremer Marktplatz im vergangenen Jahr ruft in diesem Jahr die Gießener Piratenpartei für Freitag übers Internet zu einer Tanz-Demo auf. Auch bei den Schaustellern regt sich Kritik an der gesetzlich geregelten Ruhe: Stehen doch etwa auf dem Hamburger Frühjahrs-Dom oder der Osterwiese in Bremen an diesem Tag die Fuhrgeschäfte still.

Die Karfreitagsruhe ist in den einzelnen Landesgesetzen streng geregelt: Öffentliche Tanzveranstaltungen, aber auch Sportturniere und Konzerte mit Schankbetrieb sind am Karfreitag verboten. Je nach Bundesland verschieden, beginnt die gesetzlich festgeschriebene Ruhe schon am Gründonnerstag und kann bis Karsamstag dauern. Ausgenommen sind Veranstaltungen, die „der Würdigung des Feiertages“ dienen, wie es etwa im Feiertagsgesetz von Sachsen-Anhalt heißt. Ein Verstoß kann mit Bußgeld geahndet werden. Die Geldstrafe reicht von bis zu 1.500 Euro etwa im Saarland bis hin zu 10.000 Euro in Bayern.

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Demo-Verbot für Atheisten in Spanien

Die Fußwaschung und das Letzte Abendmahl (Altarretabel des Sieneser Doms) Bild: wikipedia

Als „klare Provokation für Katholiken“ bezeichnet die Regionalregierung von Madrid einen Protest am Gründonnerstag

Von Ralf StreckTelepolis

Die konservative Regionalregierung in der spanischen Region Madrid, zu der die Hauptstadt gehört, hat es Atheisten verboten, am Gründonnerstag zu demonstrieren. Das Datum, die Uhrzeit und der von den Veranstaltern gewählte Ort für die Demonstration „an einem für Katholiken so bedeutsamen Tag“, an dem gleichzeitig religiöse Akte zelebriert würden, „ist wenigstens dem Willen zur Provokation geschuldet“, heißt es in der Verbotsverfügung der Regierung.

Obwohl die Veranstalter drei alternative Routen zum zentralen Platz im Stadtteil Lavapies angeboten hatten, wurden sie allesamt verboten, weil alle Routen „nahe an Zonen“ lägen, in denen „traditionell katholische Prozessionen“ stattfänden. Allein dadurch könne es sich um „Zwang oder Einschüchterung für den Ausdruck des katholischen Glaubens“ handeln, wird in einem angeblich laizistischen Staat argumentiert, um mit der Demonstrationsfreiheit ein Grundrecht auszuhebeln.

Wie sensibel katholische Fundamentalisten reagieren, haben sie im vergangenen Jahr zum Papst-Besuch deutlich gemacht. Damals hatte Ana Botella, die Frau von Ex-Ministerpräsident José María Aznar, davon gesprochen, dass mit Demonstration gegen den Besuch von Benedikt XVI. provoziert werden solle. Die frühere Verantwortliche für Umwelt und Verkehr in Madrid wollte deshalb alle Proteste verbieten. Sie ist in ihrer postfaschistischen Volkspartei (PP) zur Bürgermeisterin der Hauptstadt aufgestiegen.

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