Lexikon der Anti-Feministen

HP agentin.org. Screenshot: bb
Das Online-Portal „Agent*In“ der Heinrich-Böll-Stiftung listet Gegner feministischer Positionen auf – und stößt auf harsche Kritik. Ist es ein „Pranger“ oder setzt es nur konsequent den Geschlechterkampf fort, der im Internet tobt?

Von Kathleen Hildebrand | Süddeutsche.de

Dutzende Namen stehen da, alphabetisch geordnet in vier Spalten. Jeder ist verlinkt zu einer Seite über die Person. Das sieht nach Wikipedia aus, doch was auf den Seiten steht, konzentriert sich auf einen einzigen Aspekt, nämlich auf die antifeministischen Positionen der aufgeführten Person. Nach gleichem Prinzip werden auch Organisationen, Ideologien und Kampagnen geführt. „Ultrakatholisch“ sei der eine Mensch, steht da, die andere Zeitschrift gehöre zur „Neuen Rechten“, wieder andere Personen verträten monarchistische Positionen. Eine Kartei für Antifeministen? Ordentlich verlinkt und verknüpft? Was ist da los?

Am Montag vergangener Woche ist das Online-Lexikon Agent*In online gegangen. Die Abkürzung steht für „Anti-Gender-Networks Information“. Es ist ein Wiki, also ein Online-Lexikon, das die Netzwerke, Organisationen und öffentlichen Vertreter von antifeministischen Positionen offenlegen soll. Katholische Organisationen wie Opus Dei und die Legionäre Christi sind darunter, die AfD und Gruppierungen der Neuen Rechten. Aber auch einzelne Journalisten, die in etablierten Medien veröffentlichen oder in Talkshows auftreten. Das Gunda-Werner Institut der Heinrich-Böll-Stiftung hat es von einer Gruppe freier Autoren und Wissenschaftlern erstellen lassen. Bislang gibt es 177 Einträge. Aber das Lexikon soll wachsen. Und es erfährt schon jetzt heftige Ablehnung.

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Lügenpresse? Wieso Lügenpresse?!?

Bild: heise.de
Kommt der Journalismus beim Thema Flüchtlingspolitik seiner demokratischen Aufgabe nach? Diese Frage steht im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts, das derzeit an der Hamburg Media School durchgeführt und von der Otto Brenner Stiftung der IG Metall gefördert wird. Auf der Jahrestagung des Netzwerks Recherche stellte der Projektleiter Michael Haller Anfang Juli erste Ergebnisse der Inhaltsanalyse vor.

Von Dietmar Jazbinsek | TELEPOLIS

Insgesamt wurden rund 34.000 Presseberichte aus den Jahren 2009 bis 2015 auf ihre Aussagetendenz hin untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: 82% der Berichte vermittelten ein positives Bild von der „Willkommenskultur“, 12% fielen neutral aus und nur 6% der Artikel übten Kritik. Für das Jahr 2015 konstatiert das Hamburger Forscherteam eine abrupte Änderung der Tonlage: Bis zum August wurde die „Pro-Euphorie“ in der Presse als gesellschaftlicher Konsens ausgegeben, nach Angela Merkels einsamer Entscheidung für eine Grenzöffnung nahm der Dissens über die unkontrollierte Zuwanderung mehr und mehr Raum ein. Doch auch in dieser Phase kam der Journalismus seiner demokratischen Aufgabe, Distanz gegenüber den Regierenden zu wahren, nicht nach, sondern stellte sich in den Dienst der regierungsamtlichen Flüchtlingspolitik. Die Kritiker wurden nun nicht mehr marginalisiert, sondern als „rechtsnational affiziert“ verunglimpft, so Haller.

Jeder Flüchtling eine Bereicherung

Es gibt viele Gründe, Merkels Dekret „Wir schaffen das“ in Zweifel zu ziehen, und es gibt einige wenige Journalisten, die diesen Gegenargumenten seit Beginn der Flüchtlingskrise öffentlich Gehör verschaffen – Roland Tichy zum Beispiel, oder Harald Martenstein im Tagesspiegel, Frank A. Meyer im Cicero und Dirk Schümer in der Welt. Doch von den Kritikern der Willkommenskultur ist allem Anschein nach niemand zu Deutschlands wichtigstem Medienkongress eingeladen worden.

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Gender und Sex

Foto: Iris Brosch/heise.de
Ist Gendertheorie Aufklärung oder ideologische Verblendung?

Von Till Nikolaus von Heiseler|TELEPOLIS

Gender Mainstreaming ist in aller Munde. Ampelmännchen sollen Ampelfrauen werden und es muss auch schwule und lesbische Ampelmännchen geben. Röhrende Hirsche müssen aus Prospekten für Wildparks verschwinden und der Begriff Gender-Mainstreaming wurde vor Kurzem in die 24. Ausgabe des Dudens aufgenommen.

Der Begriff wurde erstmals Mitte der 1980er Jahre auf einer UN-Weltfrauenkonferenz vorgeschlagen. Die Gleichstellung der Geschlechter sollte nicht mehr als Frauenproblem gesehen werden, sondern als gesamtgesellschaftliches. Seit Ende der 90er Jahre ist Gender Mainstreaming erklärtes Ziel der EU.

Es geht um Geschlechtergerechtigkeit. Und diese muss überall hergestellt werden. Kindern soll in der Schule erklärt werden, dass es unendlich viele sexuelle Identitäten gibt, und „besorgte Bürger“ und rechtspopulistische Organisationen laufen dagegen Sturm, fordern „ein Ende des Gender-Schwachsinns“ und verlangen die „widernatürliche Ideologie an den Wurzeln auszumerzen“.

Gleichzeitig werden EU-weit Milliarden von Euro für Genderprojekte ausgegeben. Neben Klos für Männer und Frauen soll es ein drittes Klo geben, ein Unisex-Klo für all die, die nicht wissen, ob sie Männlein oder Weiblein sind. Es entstanden mittlerweile etwa 200 Professuren für Genderstudien und 2000 Gleichstellungsbeauftragte sind bundesweit beschäftigt. Als der renommierte Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera Gendertheorie als eine spezifisch europäische Variante der Leugnung der Evolution beschrieb, war das Geschrei groß. Man könnte meinen, dass, wenn es heute einen Kulturkampf gibt, er hier stattfindet.

Dabei hatte alles so schön begonnen, nämlich mit der umwerfenden Agnes-Studie des amerikanischen Soziologen Harold Garfinkel, der in den 1960er Jahren eine Geschlechtsumwandlung forschend begleitete. Agnes wurde mit einem männlichen Genital geboren, fühlt sich aber, solange sie denken kann, als Frau.

Wenn wir in ein Theater gehen, sind damit gewisse Erwartungen und Verpflichtungen verbunden: Die Erwartung und Verpflichtung, in einer Reihe zu stehen, um die Karte abzuholen, und eine Vorstellung schweigend anzusehen. Die Psychologie spricht hier von Skripts. Einige dieser Skripts sind geschlechtsspezifisch. In der Agnes-Studie wurde deutlich, dass das Geschlecht nicht nur eine Frage des biologischen Geschlechts ist, sondern dass es zu Praktiken der Her- und Darstellung des Geschlechts im täglichen Leben kommt, die im Normalfall unbemerkt in Alltagsroutinen reproduziert werden.

Agnes ist auch deshalb ein wunderbares Beispiel, weil sie ihre Rolle als Frau genoss und zum konservativen Frauenbild geradezu ein Liebesverhältnis hatte. Sie liebte es zu knicksen, in den Mantel geholfen zu bekommen, und sie liebte Küchen- und Handarbeiten. Diese wunderbare Studie kannte kein Gut und Böse, sondern es ging allein darum, die sozialen Tatbestände zu verstehen: Geschlecht ist nicht einfach nur angeboren, sondern hat immer auch mit Nachahmung und Identifikation zu tun.

Das Geschlecht drückt sich nicht einfach nur aus, sondern es wird als Rolle kulturell hergestellt. Doch kann man daraus schließen, dass es allein die Kultur und die Orientierung an Vorbildern und Stereotypen sind, die einen Mann zum Mann und eine Frau zur Frau machen? Könnte es nicht sein, dass sich hinter der offensichtlichen Zurschaustellung des einen oder anderen Geschlechts eine grundlegendere, nämlich biologische, Realität verbirgt?

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Shitstorm gegen Ronja von Rönne: Der Nazi-Vorwurf ist ein Ritterschlag

shitstorm

Heute ist man langweilig, wenn man noch nie in die rechtsradikale Ecke gestellt wurde, meint Harald Martenstein. Dass so viele gegen die Autorin Ronja von Rönne und ihre Feminismus-Kritik vorgehen, hat eher was mit Spießertum zu tun. Eine Glosse.

Von Harald Martenstein|DER TAGESSPIEGEL

Eigentlich ist es heute ein Zeichen dafür, dass du als Autor ein bisschen langweilig bist, wenn du noch nie in die rechtsradikale Ecke gestellt wurdest. Es ist wie in den 50er Jahren, nur andersherum. Wenn du in den 50ern für die Anerkennung der Oder- Neiße-Grenze warst oder für die Legalisierung der Homosexualität, dann hieß es, der ist Kommunist. Wenn du heute Zweifel an irgendwas Feministischem äußerst, stehst du ruckzuck als Nazi da. Der Nazivorwurf ist eine Art Ritterschlag für interessante Texte geworden. Ich war deshalb sehr stolz, als ich, wegen eines Essays über Genderforschung (das ist eine Art feministische Theologie) in einer Publikation der grünen Heinrich-Böll-Stiftung als NPD-Sympathisant angeprangert wurde. Die NPD ist nämlich auch dagegen. Damit ist der Beweis erbracht, oder?

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Über die Sehnsucht nach moralischer Überlegenheit

© Fengel
Von Zeit zu Zeit erreichen mich solche Briefe, die Autoren verzichten in der Regel auf eine Anrede.


Von Harald Martenstein|ZEIT ONLINE

„Ich glaube, du bist ein Faschist. Diese soup question aus der sich deine erbärmliche Existenz speist, wie du es schaffst mit deinem Gefasel selbst die ZEIT zu infiltrieren in der so respektable Persönlichkeiten wie Fischer und v. Randow relevante Beiträge zur gesellschaftlichen Entwicklung publizieren, da generierst du Mittel aus Beiträgen, derer sich selbst Bild schämen müsste. Warum kehrst du nicht den Hof, vielleicht kannst du wenigstens das und ersparst uns deine vermeintlich philosophischen Ergüsse. Ich meine es nur gut, jeder dort, wo er hingehört.“

Lieber Harald S., zuerst möchte ich Ihnen gratulieren, weil Sie diesen Brief unter Ihrem echten Namen abgesandt haben. Nicht jeder Ihrer Gesinnungsgefährten hat so viel Mumm. Ich habe mir Ihr Profil im Internet angeschaut. Sie sind, unser gemeinsamer Vorname deutet ja darauf hin, nicht mehr der Jüngste. Wir haben beide die gleiche Frisur. Sie mögen, wie ich, coole Sonnenbrillen. Würden wir uns sympathisch finden, wenn wir uns zufällig kennenlernen? Nicht auszuschließen. Manchmal mag man Menschen, obwohl sie anders denken als man selbst. Lassen Sie diesen Gedanken ruhig zu.

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Harald Martenstein: „Dann schreibe ich ‚Nazi-Mörderinnen‘ „

Harald Martenstein / Bild: Die Presse
Der Journalist und Romancier Harald Martenstein will sich nicht zum Binnen-I zwingen lassen, eher wechselte er den Beruf. Ein Gespräch über die Aggressivität der „Lordsiegelbewahrer der politischen Korrektheit“.


Von Norbert Mayer|Die Presse

Die österreichische Bundeshymne ist unlängst umgeschrieben worden, wegen der Gleichberechtigung. Statt „Heimat bist du großer Söhne“ heißt es nun „Heimat großer Töchter und Söhne“. Was halten Sie davon?

Harald Martenstein: Das klingt nicht. Vielleicht sollte man einen ganz neuen Text schreiben. Ich bin immer skeptisch, wenn die Geschichte im Nachhinein umgeschrieben werden soll. Kürzlich habe ich über einen ähnlichen Streit in Berlin geschrieben. Die Mohrenstraße sollte umbenannt werden, „Mohr“ sei ein herabsetzender Begriff für schwarze Menschen. Da kenne ich aber noch schlimmere Straßennamen.

Nennen Sie ein konkretes Beispiel.

Karl-Marx-Straße. Es gibt von Marx extrem antisemitische Aussagen. Seinen Konkurrenten Ferdinand Lassalle hat er einen „jüdischen Nigger“ genannt. Ich glaube nicht, dass man das in puncto Rassismus toppen kann. Niemand hat bis jetzt aber die Umbenennung der Karl-Marx-Straße gefordert, vor allem nicht die Linkspartei, die eigentlich im antifaschistischen Kampf ganz vorn steht. Antisemitismus war zu den Zeiten von Marx Mainstream. Bis auf ein paar tapfere Außenseiter haben alle so gedacht. Ich glaube nicht, dass man an die Menschen des 19. die Maßstäbe des 21. Jahrhunderts anlegen kann.

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Gender-Bewegung: ‚Jobmaschine für meschugge Akademikerinnen‘

Bild: meine-moleküle.de
Die Kritik in säkularen Medien an der sogenannten Gender-Forschung wächst. „Gender Mainstreaming“ bedeutet die Gleichschaltung der Geschlechter, aber auch von Gruppen wie Homosexuellen oder Intersexuellen. Auch in der evangelischen Kirche spielt diese Bewegung eine große Rolle, etwa mit Gender-Beauftragten.

kath.net

Die Bewegung huldige dem „absurden Gedanken, Männer und Frauen, dazu Hinz und Kunz, Homo und Hetero seien absolut gleich, die Unterschiede nur anerzogen“, schreibt die Kolumnistin der Stuttgart Zeitung, Sibylle Krause-Burger. Dies sei „nichts anderes als ein Wahn“. Ihn in Dogmen zu verwandeln, habe nichts mit Wissenschaft zu tun.

Das Bestreben der Gender-Bewegung habe „etwas Sektiererisches, ja Totalitäres, etwas Faschistisches“. Es solle gegen jede Erfahrung geglaubt und gelebt werden. Der Kolumnistin zufolge vermehren sich „die Gender-Lehrstühle wie die Kaninchen“. Sie habe in einer Statistik der Freien Universität Berlin 164 Gender-Professuren an deutschen Universitäten und Fachhochschulen gezählt: „Das ist schon fast eine Industrie, auf alle Fälle aber eine Jobmaschine für meschuggene Akademikerinnen.“

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Genderstudien, Antiwissenschaft und Biologismus

Foto: davemett (CC-BY-NC-SA 2.0)
Die Tageszeitung taz antwortet auf einen Artikel in der vergangenen Ausgabe des ZEIT-Magazins, der Genderstudien als „Antiwissenschaft“ brandmarkte. Die taz widerspricht: Genderstudien folgen einem umfassenden Wissenschaftsverständnis und haben dazu beigetragen, „viele krude Vorstellungen zur Geschlechterdifferenz“ zu überwinden.

pro Medienmagazin

Der Artikel von Sabine Hark und Paula-Irene Villa verteidigt Genderstudien als Bollwerk gegen Naturalismus. Die „Leitdifferenz“ männlich-weiblich rühre von einem „biologistischen Verständnis“ des 18. Jahrhunderts her. Dieses setze den Geschlechtsunterschied als naturgegeben voraus und führe diesen ausschließlich auf biologische Aspekte wie Hormone oder Gene zurück.

Diese Auffassung habe sich auch auf die Gesellschaft ausgewirkt. So sei der Mediziner Rudolf Virchow (1821-1902) zu dem Schluss gekommen, Frauen hätten aufgrund ihrer biologischen Verfasstheit kein Recht zu studieren. „Dass wir von vielen kruden Vorstellungen zur Geschlechterdifferenz heute weit entfernt sind, ist nicht zuletzt ein Verdienst der Genderstudies“, resümieren die Autoren.

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