Italien: Priester wegen Häresie und Schisma exkommuniziert

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Seit Jahren beschimpft ein Priester aus Palermo den Papst und die Kirche. Alle Vermittlungsversuche sind gescheitert, an Auftrittsverbote hält sich der Priester nicht – damit hat er sich nun die Exkommunikation zugezogen.

katholisch.de

Das Erzbistum Palermo hat einen seiner Priester exkommuniziert. Die Diözese teilte auf ihrer Webseite mit, dass Erzbischof Corrado Lorefice bereits im August in einem Dekret bestätigt hatte, dass sich Alessandro Maria Minutella aufgrund von Häresie und schismatischen Handlungen die Exkommunikation als Tatstrafe zugezogen hat. Am Dienstag sei dem Priester das Dekret zugestellt worden.

Über die Benennung der Straftaten hinaus, die dem Priester zulasten gelegt werden, macht das Erzbistum keine weiteren Angaben zu den Gründen für die Exkommunikation. Der Konflikt zwischen Minutella und dem Erzbistum schwelt schon seit 2015.

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Missbrauch und Häresie: Kritik an Bayerns Kreuz-Beschluss

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Das Kreuz als Bekenntnis zur Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern? Nicht nur der Würzburger Hochschulpfarrer sieht das anders. Sein Offener Brief an Markus Söder findet weite Verbreitung.

katholisch.de

Der katholische Studentenseelsorger im Bistum Würzburg, Burkhard Hose, übt scharfe Kritik am Beschluss, Kreuze in allen bayerischen Dienstgebäuden aufhängen zu lassen. Das Christentum werde „von Ihnen dazu missbraucht, um die Ausgrenzung von Menschen anderen Glaubens zu betreiben“, schreibt er in einem am Dienstagabend auf Facebook veröffentlichten Offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Über diese Entwicklung sei er gemeinsam mit vielen anderen Christen sehr besorgt: „Ich bitte Sie eindringlich: Beenden Sie den Missbrauch des Christlichen und seiner Symbole als vermeintliches Bollwerk gegen den Islam.“

Am selben Tag hatte die bayerische Staatskanzlei den Beschluss des Kabinetts mitgeteilt, wonach künftig jeweils im Eingangsbereich öffentlicher Gebäude ein Kreuz als „sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland“ angebracht werden solle.

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Spaemann: Kirche durch Amoris-Laetitita-Konflikt schwer belastet

Robert.SpaemannPhilosoph wirft dem Papst in deutscher „Tagspost“ Unklarheit und Zweideutigkeit vor – Kritik u.a. an „Amoris laetitia“-Passage, wonach auch Jesus „nur ein anspruchsvolles Ideal vorgeschlagen hat“

kath.net

Die katholische Kirche ist durch Konflikte an der Kirchenspitze nicht grenzenlos belastbar, hat der deutsche Philosoph Robert Spaemann in einem weiteren kritischen Beitrag zum Papstdokument „Amoris laetitia“ gewarnt. Der Spaemann-Artikel erschien bereits in der Vorwoche in der Würzburger Zeitung „Die Tagespost“, wurde jetzt aber in zahlreiche Sprachen übersetzt. In ihm wird dem Papst Unklarheit und Zweideutigkeit vorgeworfen.

So behaupte „Amoris laetitia“ etwa, auch Jesus habe „nur ein anspruchsvolles Ideal vorgeschlagen“, kritisiert Spaemann und setzt dem anderslautende Bibelstellen entgegen. Jesus habe etwa gebieten können „wie einer, der Macht hat und nicht wie die Schriftgelehrten und Pharisäer“, und Jesus verweise im Gespräch mit dem reichen Jüngling „auf die innere Einheit der Nachfolge mit der Einhaltung der zehn Gebote“ (Lk 18,18-23). Jesus predige somit keineswegs bloß ein Ideal, wie dies der Papst schreibe, so Spaemann, „sondern er stiftet eine neue Realität, das Reich Gottes auf Erden“.

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Wie eine Religion reformieren, die das seit 1400 Jahren verweigert?

Gebet-islamDie islamische Star-Intellektuelle Ayaan Hirsi Ali träumt von einer muslimischen Reformation. Klingt gut, ist aber ziemlich illusorisch. Leider.


Von Christian Ortner|Die Presse

Ist der Islam mit dem Leben in einer westlichen, liberalen Demokratie des 21. Jahrhunderts eigentlich kompatibel? Können Muslime gleichzeitig ihrem Glauben anhängen und sich in die Moderne integrieren? Nur, wenn sich der Islam grundlegend verändert und einer Reformation im Stile Luthers unterwirft, behauptet die Politologin und Bestsellerautorin Ayaan Hirsi Ali, in Somalia geboren und selbst Muslima, in ihrem neuen Buch „Reformiert Euch!“.

Rotzfrech schlägt sie fünf Pflöcke ein, die den Islam vereinbar mit der Jetztzeit machen sollen: eine Abkehr von der wortwörtlichen Koran-Exegese; Verzicht auf die Scharia als oberste Rechtsquelle; das Abschütteln der Vorstellung, wonach das Leben im Jenseits Vorrang vor dem Diesseits habe; Abschaffung der Rechte spiritueller islamischer Führer, Fatwas auszusprechen; schließlich Abkehr vom Prinzip des Heiligen Krieges.

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Bedroht Rosamunde Pilcher das christliche Familienbild?

Bild: biografieonline.it/
Keine Irrlehre wütet so zerstörerisch wie jene vom perfekten Partner.


Von Johannes M. Schwarz|kath.net

Aus dem Tagebuch eines Jerusalempilgers) Die Hälfte der Ehen scheitert heute. Gründe dafür gibt es viele. Einer davon, scheint mir besonders tragisch. Es ist die Häresie der Rosamunde Pilcher. Immer wenn ein Traumprinz und eine Traumfrau am Strand in den Sonnenuntergang reiten, während die schäumende Gischt um die Hufe des weißen Schimmels spritzt, dann ist eine Beziehung in Gefahr. Immer wenn sich in einer Romanze die Helden umarmen und sich ins Ohr hauchen: „You complete me!“ bricht eine Familie auseinander. Denn keine Irrlehre wütet so zerstörerisch wie jene vom perfekten Partner. Nichts ist so ketzerisch, wie der Glaube, dass mich der andere glücklich machen kann. Die romantisch verklärte Liebe ist ein Götze. Viele huldigen und opfern ihm, bevor er sie verschlingt. Die romantische Liebe ist ein Ideal, aber nicht das Ideal einer christlichen Partnerschaft.

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Comprendre l’état d’Israël : Idéologie, religion et société

Die wirklich langfristige Gefahr für die Existenz des Staates Israel geht nicht von den Palästinensern aus, wie dies kürzlich der Chef des Mossad, Tamir Pardo, behauptete, sondern von den rechtgläubigen, orthodoxen Juden, für die der Zionismus, obgleich politisch relativ erfolgreich, eine Häresie am Judentum darstellt.

Von Ludwig WatzalBetween The Lines

Für die Aufarbeitung dieses Themas gibt es keinen kompetenteren Kenner als Yakov Rabkin, Professor für Geschichte, Jüdische Zeitgeschichte und Wissenschaftsgeschichte an der Universität von Montreal.

Wie bedeutsam die existentielle Gefahr für den Staat Israel von innen immer noch ist, hat der Autor in dem Buch „A Threat from Within: A Century of Jewish Opposition to Zionism“ überzeugend dargestellt. Trotz Stigmatisierung jeglicher Kritik an der Politik des Staates Israel als „Antisemitismus“ oder „jüdischer Selbsthass“ hat der jüdische Widerstand gegen den Zionismus eine bemerkenswerte Ausdauer erwiesen. Wie es scheint, wird dieser Widerstand solange andauern, wie das „zionistische Unternehmen“ (Zionist Enterprise) im „Heiligen Land“ andauert. Ob die Werte des Judentums wie „Frieden“ oder „friedlicher Ausgleich mit den Nachbarstaaten“ gegenüber zionistischen „Werten“ wie „Eroberung“, „Unterdrückung“ und „Militarismus“ obsiegen werden, bleibt eine offene Frage.

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Vatikan und Mafia: Das Kreuz mit den Killern

Papst Franziskus mit Jesus-Chip bei einer Messe im kalabrischen Sibari. Bild: ap
Das Verhältnis zwischen Mafia und Vatikan ist komplex. Und die katholische Kirche tut sich schwer damit, sich von der Mafia zu distanzieren.

Von Ambros Waibeltaz.de

„Mafiosi sind exkommunziert.“ So interpretierte Radio Vatikan die deutlichen Worte, die Papst Franziskus bei einer Messe im kalabrischen Sibari am vergangenen Samstag gegen die dort heimische Mafia-Organisation ’Ndrangheta gefunden hatte. Einen Tag später formulierte der Sender schon vorsichtiger: „Hat der Papst die Mafia exkommuniziert?“ Antwort: Nein beziehungsweise schwierig. Denn das Kirchenrecht unterscheide, sagt Radio Vatikan, zwischen der Exkommunikation als „Tatstrafe“ und als „Spruchstrafe“. Im ersten Fall „tritt die Exkommunikation automatisch ein, zum Beispiel bei Abtreibung, Sakrileg, Häresie u. a.“.

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Culture Clash – Religion al dente

Spaghettimonster_and_adamDie Nudeljünger der Pastafaris wollen offiziell als religiöse Bekenntnisgemeinschaft missverstanden werden. Das hätte durchaus seine Reize.

Von Michael PrüllerDie Presse.com

Also ich finde es gut, dass die Anhänger des fliegenden Spaghettimonsters ihre Anerkennung als religiöse Bekenntnisgemeinschaft beantragt haben. Gerade weil es sich bei ihnen um die Parodie einer Religion handelt. Denn das wirft spannende Fragen auf. Etwa: Warum kümmert sich der Staat überhaupt um Religion? Und was ist Religion?

Die muntere Nudeltruppe, die sich Pastafari nennt, versucht als kirchenkritische Bewegung zu zeigen, dass zwischen dem Glauben an den Gott der Christen und dem Glauben an ein Spaghettimonster kein qualitativer Unterschied besteht.

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Wiederverheiratet Geschiedene: Kommt es im März 2014 zum Schisma?

Robert Zollitsch
Robert Zollitsch (CC-by-sa/3.0/de by Schwarzwälder)
Zuerst erfolgte der Angriff durch Erzbischof Reinhard Kardinal Marx von München-Freising, dann jener von Bischof Stefan Ackermann von Trier. Im Fadenkreuz hatten beide den Präfekten der Glaubenskongregation, Kurienerzbischof Gerhard Müller.

Katholisches Magazin für Kirche und Kultur

Dieser hatte es gewagt, als Reaktion auf den Sonderweg der Erzdiözese Freiburg im Breisgau zum Umgang mit den wiederverheiratet Geschiedenen, die für die gesamte Weltkirche verbindliche katholische Ehelehre einzuschärfen. Glaubenspräfekt Müller hatte es nicht explizit so gesagt, aber so gemeint: Das Ehesakrament gilt auch für die Kirche in Deutschland. Und genau so haben es die deutschen Bischöfe verstanden, und einige fühlten sich ertappt, gestört und es trieb ihnen den Zorn ins Gesicht.

Glaubenspräfekt Müller erinnerte daran, daß es für die katholische Kirche keine Möglichkeit gibt, Zweitehen zu segnen und anzuerkennen, nicht einmal als Bußakt für den unschuldig geschiedenen Ehepartner, wie es die orthodoxe Kirche kennt. Eine Praxis, die jedoch einer Verdunkelung des Ehesakraments gleichkommt und daher nicht nachahmenswert sein könne.

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Päpste und Gewalt im Hochmittelalter: Mit eiserner Zunge gepredigt!

In seinem Buch Selig sind, die Verfolgung ausüben – Päpste und Gewalt im Hochmittelalter rekonstruiert der Historiker Gerd Althoff die Rechtfertigungsmuster christlicher Brutalität unter Papst Gregor VII. dem „Heiligen Satan“ der katholischen Kirche.

Von Reinhard JellenTELEPOLIS

Bischof Bonizo von Sutri, seinerzeit enger Vertrauter von Papst Gregor VII schreibt, dass der selig zu preisen sei, der um der Gerechtigkeit willen Gewalt ausübe. Dies ist eine Botschaft, die in der Bergpredigt nicht vorkommt. Wie erklären Sie diese Diskrepanz?

Gerd Althoff: Bischof Bonizo beschäftigte sich in dem Werk, aus dem das Zitat stammt, zentral mit der Frage: Ist es dem Christen erlaubt, für die Wahrheit (das heißt die christliche Lehre) Gewalt anzuwenden? Er sammelte hierzu Beispiele aus der Geschichte sowie Zeugnisse der Bibel und der Kirchenväter, mit denen er die gestellte Frage nachdrücklich bejahte: Wenn es jemals für Christen erlaubt war, Gewalt für den Glauben anzuwenden, dann jetzt im Kampf gegen die Anhänger des häretischen und tyrannischen Königs Heinrich IV. Und deshalb stellte er die, die für den Glauben Gewalt anwendeten, denen gleich, die in der Bergpredigt seliggepriesen werden, weil sie um der Gerechtigkeit willen Gewalt erleiden.

Nicht nur Bonizo sondern auch andere Unterstützer Papst Gregors VII.  haben diesen Widerspruch zur Bergpredigt bewusst in Kauf genommen, weil sie mit anderen Bibelstellen belegen konnten, dass der Gott des Alten Testaments selbst Vernichtungsbefehle gegen die gab, die ihn nicht verehrten, und dass er überdies diejenigen belohnte, die sich für seine Sache ereiferten und ihn mit Gewalt unterstützten. Man hat mit anderen Worten im endenden 11.  Jahrhundert von Seiten der päpstlichen Partei die Friedens- und Liebesgebote des Neuen Testaments außer Acht gelassen und versucht, mit Hilfe von Geschichten des Alten Testaments eine Theorie zu fundieren, die Gewaltanwendung im Auftrage und Dienste der Kirche für legitim erklärte.

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Neca eos annes – Deus suos agnosa

Corbis
Erbarmunglos verfolgte die Inquisition Andersgläubige als Ketzer. Prozessakten zeigen das Schicksal des südfranzösischen Dorfes Montaillou. Es galt als widerständiges Nest der Katharer. Und war jahrzehntelang das Ziel unerbittlicher Säuberungsaktionen.

Von Thorsten OltmerSpON

Es gibt kein Entrinnen. Alle wissen, was es bedeutet, wenn plötzlich der Pfarrer an die Tür klopft oder nach der Predigt einen Brief überreicht – es ist die Vorladung der Inquisition.

Guillaume Fort erhält sein Schreiben am 6. April 1321, dem Montag vor Palmsonntag. Darin steht, er sei der Ketzerei, der Häresie, verdächtig und habe am Samstag in der Stadt Pamiers vor den Untersuchungsrichtern der Inquisition zu erscheinen. Komme er nicht aus freien Stücken, werde er vorgeführt.

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Sex im Nonnenkloster

Sant’Ambrogio della Massima, Bild: public domain

Geheime Initiationsriten und sexuelle Gewalt: Hinter den Klostermauern von Sant’Ambrogio in Rom spielten sich Mitte des 19. Jahrhunderts ungewöhnliche Szenen ab. Der Münsteraner Kirchengeschichtler Hubert Wolf hat pikante Details in einem Buch zusammengetragen.

Von Michael Hollenbach Deutschlandradio Kultur

„Die unkeuschen Handlungen wurden mit Berührungen durch die Hände, den Körper und zwei- oder dreimal auch durch die Zunge begangen. Maria Luisa erwies sich als am meisten begierig nach den Berührungen des Körpers, (…) und sie machte Bewegungen und einen solchen Laut, dass ich das nicht mit Worten auszudrücken mag.“

Die junge Nonne Maria Giancinta beschreibt, wie die Novizenmeisterin Maria Luisa sie zwang, in ihr Bett zu kommen und mit ihr zu schlafen. Sexualisierte Gewalt in einer Zelle des Nonnenkloster Sant’Ambrogio in Rom anno 1856. Als stellvertretende Leiterin des Klosters erklärt Maria Luisa den Nonnen, mit denen sie Sex hat, ihre Körperflüssigkeit sei von Gott gegeben, um damit die Schwestern zu heilen. Die sexuelle Gewalt wird religiös legitimiert.

Und es bleibt nicht bei Einzelfällen im römischen Kloster Sant’Ambrogio. Für die Schwestern, die nach dem Noviziat ihr Ordensgelübde ablegen, existiert eine Art Initiationsritus. In der Nacht vor der Profess muss jede Novizin mit Maria Luisa in einem Bett schlafen. Dabei lag man – so ist in den Akten zu lesen – Gesicht an Gesicht und Brust an Brust, statt – wie es die Ordensregel vorsah – die Nacht allein im Gebet zu verbringen.

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Religionen und politische Macht – Gewaltlosigkeit ade!

Tausende Buddhisten gehen im September 2012 gegen die muslimische Rohingya-Minderheit auf die Straße. (Bild: picture alliance / dpa / Man Thar Lay)

In dem Moment, in dem Religionen politische Macht gewinnen, kann ein Primat der Gewaltlosigkeit oftmals nicht aufrechterhalten werden, sagt der emeretierte Theologieprofessor Hermann Häring. Dies zeige sich beispielsweise bei den Vertreibungen von Muslimen durch Buddhisten in Birma.

Hermann Häring im Gespräch mit Philipp GesslerDeutschlandradio Kultur

Ralf bei der Kellen: 2011 endete im südostasiatischen Staat Burma die Herrschaft des Militärs. Und wie so oft nach dem Ende solcher Diktaturen brachen auch hier lange unterdrückte Kämpfe zwischen verschiedenen Ethnien und Glaubensgemeinschaften auf. In den letzten Tagen und Wochen tauchten immer wieder Berichte auf, dass die muslimische Minderheit Burmas von der buddhistischen Mehrheit vertrieben wird. Dass der Buddhismus, der von vielen als eine friedliebende Religion wahrgenommen wird, eine solche gewalttätige Seite haben soll – das zu glauben fällt vielen Menschen schwer. Mein Kollege Philipp Gessler hat sich aus diesem Anlass vor der Sendung mit dem emeritierten Professor für Wissenschaftstheorie und Theologie Hermann Häring unterhalten und wollte zunächst von dem Tübinger Gelehrten wissen, ob wir nun unser Bild vom Buddhismus revidieren müssen.

Hermann Häring: Ja und nein. Ich glaube, wir müssen einfach den Buddhismus auch mal in seiner politischen Realität sehen. In der Regel erleben wir den Buddhismus als Religion, als Fluchtpunkt für Aussteiger, die sich dort in Meditationen flüchten, die eben die Idee der Gewaltlosigkeit, des Sich-Zurückziehens im Buddhismus, des Mitleids kennengelernt haben, aber nicht eben die Frage: Wie realisiert sich Buddhismus jetzt zum Beispiel in einer Kultur, wenn politische Mächte von buddhistischer Herkunft seien? Dann wird das natürlich auch sehr nüchtern.

Philipp Gessler: Gerade der Buddhismus – weil Sie von Nüchternheit sprechen – der Gründerzeit, also aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert, erscheint ja als eine sehr gewaltfreie Religion. Manchen Überlieferungen aus dieser Zeit zufolge sei es den buddhistischen Gläubigen sogar bei Gefahr des eigenen Lebens verboten, einen Angreifer zu töten. Von dieser radikalen Friedlichkeit scheint der Buddhismus der heutigen Zeit ja ziemlich weit weg zu sein, oder?

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Das Wort „Sekte“ ist so schön kurz und schaurig

Sun Myung Moon und seine Ehefrau Hak Ja Han, Bild: wikipedia

Was ist die Bewegung des Anfang dieser Woche gestorbenen Sun Myung Moon? Warum wir nicht von „Sekten“ sprechen sollten – und warum wir es trotzdem tun.

Von ANNE-CATHERINE SIMONDie Presse

Im Jahr 1935 hatte der Südkoreaner Sun Myung Moon eine Vision von Christus, der ihm auftrug, seine Erlösungsmission zu Ende zu bringen. Zu diesem Zweck entstand die Vereinigungskirche mit Sitz in Seoul. Eine synkretistische neue religiöse Bewegung wird sie auf Wikipedia genannt, allgemein bekannt ist sie aber in erster Linie unter dem Namen „Moon-Sekte“.

 Und so schrieben auch die meisten deutschsprachigen Zeitungen (inklusive dieser) am Anfang dieser Woche, der „Gründer der Moon-Sekte“ sei gestorben. Gegen diese Ausdrucksweise hat es einigen Protest gegeben. So schrieb unter anderem Gerald Hödl, Professor am Wiener Institut für Religionswissenschaft, sie sei „diffamierend“ und „irreführend“.

Gerhard L. Müller sieht sich nicht als „Großinquisitor“

Gerhard L. Müller links im Bild

Oberster Glaubenshüter rechnet mit verstärktem Gegenwind

WELT ONLINE

Erzbischof Gerhard Ludwig Müller rechnet in seinem neuen Amt als oberster Glaubenshüter der katholischen Kirche mit verstärkten Anfeindungen. „Natürlich gibt es sicher Gegenwind und auch Kampagnen oder Machenschaften, die da betrieben werden“, sagte der Präfekt der Glaubenskongregation der Nachrichtenagentur dapd in Regensburg. Es sei das „erzreaktionäre Rüstzeug der Meinungsmacher, dass sie immer ihre Stereotypen wiederkäuen, die gleichen Phrasen von sich geben“.

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Channeln mit Engeln

Blendwerk der Moderne?
Foto: Jock und Scott

Früher war sie eine richtige Geheimlehre, heute ist die Esoterik in der Mitte der Gesellschaft angekommen

Von Andrea Roedigder Freitag

Mindestens 36 riesige Regalmeter misst die Esoteriksektion in der Thalia-Buchhandlung in der Wiener Landstraße. Wer hier mal etwas länger verweilt, spart sich den nächsten Fantasyfilm. Los geht die Reise in das unglaubliche Universum der Channelmedien und Geistheiler. Engel verkünden, Edelsteine schwingen, Earthing ist keinesfalls im übertragenen Sinne mit „Erdung“ zu übersetzen. Orakel weisen den Weg. Magisch sind Kräuter und Schilde. Steig auf in Astralwelten und die fünfte Dimension, lerne die Weisheit von Atlantis, sei im Einklang mit der göttlichen Matrix, höre die Lichtsprache, die Botschaften von Lady Rowena, die Durchsagen des Meister Konfuzius oder lese Das Evangelium der Maria Magdalena. Huna-Code, Jesaja-Effekt, Soul-Body-Fusion: Die Fülle an Titeln und Themen ist wahrlich erschlagend, und das Thalia-Angebot ist selbstverständlich noch bescheiden im Vergleich zu dem der richtigen Fachhandlungen für Esoterik des täglichen und außeralltäglichen Bedarfs.

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Häresie unter bekennenden Atheisten

Foto: arslibertatis.com

Es mehren sich die Zeichen – von Wundern wird man nicht schon sprechen wollen –, die auf eine Häresie unter den bekennenden Atheisten hindeuten. Den Ton gaben eher hemdsärmlige Gemüter an, die, wie der Evolutionsbiologe Richard Dawkins, den Religionen ohne viel Federlesens alles Übel der Welt in die Schuhe zu schieben versuchten.

Von Uwe Justus WenzelNZZ Online

Der Ton war naturgemäss ein lauter, und die Beschimpfungen bewegten sich auf der weltanschauungsneutralen Fanatismus-Skala gelegentlich in demselben Intensitätsbereich wie geifernde Predigten religiöser Fundamentalisten.

Seit einiger Zeit sind im Lager der Neuen Atheisten, wie sie bisweilen genannt werden, besonnenere Stimmen zu hören. Nach André Comte-Sponville, einem französischen Popularphilosophen, der unlängst eine entspannte «Spiritualität ohne Gott» empfahl und verriet, woran auch Atheisten glauben, ist soeben Alain de Botton, erfolgreicher Lebenshilfeliterat, mit einem sanften, im Ton geradezu netten Atheismus-Buch auf den Markt gekommen. Der Autor, in Zürich geboren, in London lebend, distanziert sich von den «militanten» Atheisten. Er rät den Ungläubigen, von denen zu lernen, die an etwas Übernatürliches glaubten (das es zwar natürlich gar nicht gebe); er ruft dazu auf, Brauchbares aus dem Repertoire religiöser Lebensbewältigung zu stibitzen – und bei der eigenen, «säkularen» Lebensgestaltung in Anwendung zu bringen.

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Jessas Maria! Aufruhr in der katholischen Kirche

Quelle: h8.abload.de

In der katholischen Kirche herrscht Aufruhr: Pfarrer begehren auf, Gläubige fliehen, und einige Renegaten feiern sogar illegale Messen.

Von  Florian GasserZeit.de

Es ist ein Ort, an dem Furchtbares geschehen sein soll – Häresie soll es gewesen sein, zumindest. Ketzer sollen hier die Eucharistie gefeiert haben, ohne für die Erteilung des Altarsakraments geweiht worden zu sein, wie es das katholische Kirchenrecht zwingend vorschreibt. Früher wäre man für dieses Delikt vor einem Inquisitionstribunal gelandet. Heute beschäftigt der Fall immerhin noch ein Diözesangericht in Innsbruck.

Der Ort des Frevels ist ein gemütliches Wohnzimmer in einer Wohnung in Absam. Hier zelebrieren die pensionierte Pädagogikdozentin Martha Heizer und ihr Mann Gert mit Freunden private Messen. Kein Priester ist anwesend. Das rüttelt an den Grundpfeilern des katholischen Glaubensgebäudes.

Die Wände in der alpinen Gottesstube sind holzvertäfelt, am Tisch flackert eine Kerze. In einer Ecke lehnt eine Gitarre neben dem Notenständer. Früher war Gert Heizer Religionslehrer an einem Gymnasium, so wie Ingrid Mayer, die ebenfalls am Tisch sitzt. Inzwischen sind auch die beiden in Pension.

An diesem Donnerstag müssen die Renegaten in der Gerichtskanzlei im bischöflichen Ordinariat zu Innsbruck antreten. Sie sind zu einer »Sachverhaltsdarstellung« vorgeladen. Das häretische Trio hat gar nicht vor, sein abtrünniges Treiben zu leugnen.

Der Aufruhr in Tirol könnte für die katholische Kirche in Österreich zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen. Die Zeichen stehen auf Sturm: Die Pfarrer-Initiative rund um Helmut Schüller ruft zum Ungehorsam gegen die Bischöfe auf. An diesem Wochenende treffen sich die rebellischen Priester zu einer Generalversammlung in Linz. Außerdem rückt eine Laieninitiative mit Reformbegehren den Bischöfen seit geraumer Zeit zu Leibe.

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Irrlehrer: Fliegende „Ketzer“-Pfarrer

Die evangelischen Kirchen können ihre eigenen Pfarrer rauswerfen, wenn sie Irrlehren vertreten. Seit 1910 ist das dreimal vorgekommen. Foto: lagom /fotolia

Was müssen Pfarrer glauben? Dürfen sie predigen, dass es Gott nicht gibt? Offensichtlich nicht, das zeigt aktuell wieder der Fall des Hamburger Theologen Paul Schulz. In Anführungszeichen wird Schulz in den Medien als „Ketzer“ bezeichnet – ein Begriff, der mittelalterlich anmutet. Ein „Ketzer“ ist einer, der einer Irrlehre, einer Häresie anhängt. Doch das Wort Häresie (vom griechischen haíresis) bedeutet nicht mehr als „Wahl, Anschauung“. Demnach ist ein Häretiker einfach nur einer, der eine andere Anschauung als die offizielle Lehre der Kirche vertritt.

Von Anne Kampfevangelisch.de

Gerade in den evangelischen Kirchen ist vieles zu glauben erlaubt. Die Anschauungen über Gott und dessen Beziehung zu den Menschen gehen weit auseinander, und das darf durchaus so sein. Wann ein Ketzer ein Ketzer ist oder anders ausgedrückt: Welche Lehre als Irrlehre gelten soll, ist deshalb nur schwer festzustellen. Der Marburger Neutestamentler Rudolf Bultmann (1884-1976) hat dazu gesagt: „Es kann in der protestantischen Kirche keine Verwaltungsinstanz geben, die die Lehrnorm festsetzt und autoritativ über rechte Lehre und Irrlehre entscheidet.“ Doch es gibt sie, solche Verwaltungsinstanzen: die so genannten Spruchkammern, die im Einzelfall über die Lehre von Pfarrern urteilen.

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Jetzt ist alles klar, die Häresie in theologischen Fakultäten ist schuld an der Kirchenkrise

Quelle: uibk.ac.at

Häresien im Theologiestudium
Wenn während meines Theologiestudiums „die kirchliche Lehre vorkam, dann meist nur um sie zu kritisieren“ – Ein Insiderbericht von einer katholischen Fakultät in Österreich von N.N.

Kath.net

N.N. hat vor einigen Jahren einer österreichischen Universität Theologie studiert, inzwischen ist er als Religionslehrer aktiv. N.N. schreibt über seine Erfahrungen im Rahmen des Theologiestudims folgendes:

Lehrende und Inhalte

In meinem Studium wurde die Lehre der Kirche nicht rezipiert. Der Katechismus und kirchliche Dokumente spielten in meinem Studium fast keine Rolle. Sie wurden von den Lehrenden nicht angeführt und ich wurde niemals dazu angehalten, den Katechismus oder ein kirchliches Dokument (Enzyklika, …) zu lesen.

Wenn die kirchliche Lehre vorkam, dann meist nur um sie zu kritisieren ohne wirklich zu verstehen, warum die Kirche das lehrt. Besonders auffällig war dies in der Dogmatik und Fundamentaltheologie sowie der Moraltheologie. Am Beginn des Studiums steht ein dogmatischer Einführungskurs in die Grundlagen des Katholischen Glaubens.

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