Vatikan: Papst soll Jesuiten Teilhard rehabilitieren

Pierre Teilhard de Chardin (1955). Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 Archives des jésuites de France

Pierre Teilhard de Chardin wollte zwischen Theologie und Naturwissenschaften vermitteln. Doch die Kirche verurteilte seine Werke. Jetzt richtet seine eigene Behörde einen Appell an Papst Franziskus.

katholisch.de

Seine eigene Behörde appelliert an Papst Franziskus, den französischen Jesuiten Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955) zu rehabilitieren, vor dessen Schriften der Vatikan 1962 wegen „schwerer Irrtümer“ und Abweichungen von der kirchlichen Lehre gewarnt hatte. Der päpstliche Kulturrat verabschiedete während seiner Vollversammlung in Rom am Samstag eine Petition, die sich für eine Aufhebung dieser Rüge (Monitum) des Heiligen Offiziums ausspricht, wie das Internetportal „Vatican Insider“ am Mittwoch berichtete. Die Petition soll Franziskus in den kommenden Tagen überreicht werden. Dem päpstlichen Kulturrat gehören rund ein Dutzend Kardinäle und Bischöfe aus aller Welt an. Präsident des Rates ist der italienische Kurienkardinal Gianfranco Ravasi.

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Reichskonkordat: Warum die Kirche mit den Nazis einen Pakt schloss

Foto: picture-alliance / akg-images
Vor 80 Jahren schlossen die katholische Kirche und Hitler-Deutschland den ersten völkerrechtlichen Vertrag des Dritten Reiches. Der Zeithistoriker Thomas Brechenmacher erklärt, wie es dazu kam.

Von Sven Felix KellerhoffDIE WELT

Es war der erste außenpolitische Erfolg der Regierung Hitler: Am 20. Juli 1933 unterzeichneten Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli, ab 1939 Papst Pius XII., und Vizekanzler Franz von Papen in Rom das Reichskonkordat zwischen dem Vatikan und Deutschland. Es beendete formal die jahrzehntelangen Auseinandersetzungen des preußisch-protestantisch geprägten deutschen Nationalstaates und der übernationalen katholischen Kirche. Gut zwei Wochen vor der Unterschrift unter das Konkordat hatte sich die Deutsche Zentrumspartei, seit 1870 die entscheidende Kraft des politischen Katholizismus, selbst aufgelöst. Seit vielen Jahren schon forscht der Historiker Thomas Brechenmacher über die Umstände dieses Reichskonkordats. Der Professor für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam hat persönlich die Unterlagen im berühmt-berüchtigten „Geheimarchiv“ des Vatikan gesehen und ausgewertet.

Die Welt: Was war das Reichskonkordat nun wirklich – Hitlers Dank für die Zustimmung der Zentrumspartei zum Ermächtigungsgesetz vier Monate zuvor? Oder der Versuch, der katholischen Kirche in Deutschland eine formalrechtliche Grundlage für die Abwehr des nationalsozialistischen Totalitätsanspruchs zu geben?

Thomas Brechenmacher: Eindeutig Letzteres. Um mit Konrad Repgen zu sprechen: Das Reichskonkordat war die „vertragsrechtliche Form der Nichtanpassung der Katholischen Kirche an das Dritte Reich“. Dagegen hat die Zustimmung der Zentrumspartei zum Ermächtigungsgesetz mit dem Reichskonkordat nichts zu tun. Schon gar nicht war das Reichskonkordat ein „Geschenk Hitlers“, sondern ein von beiden Seiten äußerst hart verhandelter völkerrechtlicher Vertrag.

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Sex im Nonnenkloster

Sant’Ambrogio della Massima, Bild: public domain

Geheime Initiationsriten und sexuelle Gewalt: Hinter den Klostermauern von Sant’Ambrogio in Rom spielten sich Mitte des 19. Jahrhunderts ungewöhnliche Szenen ab. Der Münsteraner Kirchengeschichtler Hubert Wolf hat pikante Details in einem Buch zusammengetragen.

Von Michael Hollenbach Deutschlandradio Kultur

„Die unkeuschen Handlungen wurden mit Berührungen durch die Hände, den Körper und zwei- oder dreimal auch durch die Zunge begangen. Maria Luisa erwies sich als am meisten begierig nach den Berührungen des Körpers, (…) und sie machte Bewegungen und einen solchen Laut, dass ich das nicht mit Worten auszudrücken mag.“

Die junge Nonne Maria Giancinta beschreibt, wie die Novizenmeisterin Maria Luisa sie zwang, in ihr Bett zu kommen und mit ihr zu schlafen. Sexualisierte Gewalt in einer Zelle des Nonnenkloster Sant’Ambrogio in Rom anno 1856. Als stellvertretende Leiterin des Klosters erklärt Maria Luisa den Nonnen, mit denen sie Sex hat, ihre Körperflüssigkeit sei von Gott gegeben, um damit die Schwestern zu heilen. Die sexuelle Gewalt wird religiös legitimiert.

Und es bleibt nicht bei Einzelfällen im römischen Kloster Sant’Ambrogio. Für die Schwestern, die nach dem Noviziat ihr Ordensgelübde ablegen, existiert eine Art Initiationsritus. In der Nacht vor der Profess muss jede Novizin mit Maria Luisa in einem Bett schlafen. Dabei lag man – so ist in den Akten zu lesen – Gesicht an Gesicht und Brust an Brust, statt – wie es die Ordensregel vorsah – die Nacht allein im Gebet zu verbringen.

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