Schlagwort-Archive: Humanismus

Liberalismus ist Humanismus

Bild. The European/Gemeinfrei

Der Liberalismus ist die einzige politische Philosophie, die den individuellen Bedürfnissen des Menschen entspricht. Der Liberalismus will die freie Entfaltung des Menschen: Liberalismus ist daher auch Humanismus.


Von Hasso Mansfeld|The European

Die heute so selbstverständlichen Errungenschaften der Aufklärung sind vor allem Errungenschaften des Liberalismus. Das liberale Bürgertum hat die Willkürherrschaft des Absolutismus überwunden und so die Grundlagen einer modernen, freien Gesellschaft gelegt. Die rigorose Trennung von Kirche und Staat, die Entwicklung eines für jeden zugänglichen Bildungssystems, und die Durchsetzung eines gesunden Egoismus, der es dem Menschen erst erlaubt, frei von Gängelung, selbstbewusst „Ich“ zu sagen, wurden von Liberalen erkämpft. Der Verfassungsstaat und die freie Marktwirtschaft sind Ergebnisse liberalen Denkens und Handelns.

Der Liberalismus vertraut dem Individuum

Liberalismus ist konkret, nicht abstrakt. Seine Grundsätze erschließen sich jedem. Ausgehend von der Kant’schen Erkenntniskritik, die es verbietet, moralisch Bindendes aus Transzendentalem oder aus Tradition abzuleiten, macht Liberalismus den einzelnen Menschen zum Maß aller Dinge: „Handle nur nach derjenigen Maxime, von der du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

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Meuchelmord an Humanismus und Aufklärung

Eines der Opfer – zwar erstochen, aber schon vorher dem Tode nah. Foto: Pete CC-BY-3.0

Der französische Autor und Profi-Provokateur Michel Houellebecq meinte in einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» dass der Humanismus und die Aufklärung tot seien. Im Angesicht von Islamismus und Nationalismus, die immer bestimmender werden, keine absurde Idee. Nur, wer ist der Mörder?


Von Patrick Etschmayer|news.ch

Die Mordopfer wurden gemeuchelt und sie liegen mit mehreren Messerstichen im Rücken auf dem Boden. Die Frage ist – wer war der Täter? Waren es die jubelnden Islamisten, die dort drüben gerade darüber streiten, ob sie von ihnen entführte Christen enthaupten oder verbrennen sollen? Oder waren es die besorgten national gesinnten Bürger dort hinten, von denen sich einige nach dem Marsch zum Schutz des Abendlandes vor dem Islamismus mit Brandsätzen zu einem Flüchtlingsheim aufmachen? Oder sind es jene populistischen Politiker, welche, obwohl selbst mit fetten Bankkontos ausgestattet, das Übel für alles immer ennet der Grenze verorten, egal in welchem Land sie auch sein mögen und dies von jedem erreichbaren Podest, Balkon oder von jeder Bühne in die Welt hinaus krakeelen? Oder sind es gar jene ultra-konservativen, klandestinen und tief-katholischen Vereinigungen, welche die Wiedererrichtung von Monarchien anstreben?

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Buschkowsky: „Islamismus auf dem Vormarsch“

In Neukölln tragen immer mehr Muslime traditionelle, verhüllende Kleidung, findet Buschkowsky Foto: Garry Knight / flickr | CC BY 2.0

Für den Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky ist Integration kein politisches Abstraktum, sondern tägliche Arbeit. Dass sich der traditionelle Islam immer mehr Anhänger erfreut und integrative Arbeit somit herausfordernder wird, erklärt er in einem Gespräch mit dem Magazin Stern.


pro Medienmagazin

Der Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ sei „sowas von falsch“, findet Buschkowsky. „Wenn der Satz einen Beitrag zur Entstehung der Werteordnung in unserem Land testieren soll, dann ist er Blödsinn. Der Beitrag des Islam zu Reformation, Aufklärung und zum Humanismus ist mir nicht präsent, sorry“, sagt er am Donnerstag im Stern.

Allein in Nord-Neukölln lebten 75 Prozent der Kinder von Hartz IV, erklärt der scheidende Bezirksbürgermeister. Einwandererkinder hätten meist von Hause aus nicht die Möglichkeit auf ein selbstbestimmtes Leben. Das liege unter anderem an den Eltern, am Umfeld und an tradierten Familienriten. „Bildungsferne wirkt da wie eine Seuche.“ Gute Jobaussichten seien nahezu nicht vorhanden.

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Die Geschichte des evolutionären Humanismus

Schweiz: «Auch hier gab es einen Clash der Religionen»

Hat die Schweiz und Zürich geprägt: Reformator Huldrych Zwingli, hier auf einem Gemälde von Hans Asper um 1531. Foto: PD

Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger und Botschafter Tim Guldimann äussern sich zu den Lehren, die sich aus 500 Jahren Reformation für die Gegenwart ziehen lassen.

Mit Moritz Leuenberger und Tim Guldimann sprach Res Strehle|Tages Anzeiger

Jubiläen sind in der Regel langweilig – warum sollte ausgerechnet das 500-Jahr-Jubiläum der Reformation in Zürich interessant werden?
Moritz Leuenberger: Ein Jubiläum ist nur dann langweilig, wenn es sich nostalgisch zurücklehnt. Jedes Jubiläum kann aber auch benutzt werden, um über die Gegenwart und Zukunft nachzudenken.

Dann denken wir über den ­Protestantismus nach. Zürich ­verdankt ihm viel.
Tim Guldimann: Für die Schweiz bedeuten diese Aktivitäten zur Erinnerung an die Reformation, die Möglichkeit in Erinnerung zu rufen, dass die beiden Reformatoren Zwingli und Calvin bei der Entwicklung der Schweiz eine wichtige Rolle gespielt haben. Das in Deutschland einzubringen, hat den Zweck, zu zeigen, dass über Zwingli der Gedanke des Humanismus in die Reformation Eingang gefunden hat. Das äussert sich auch in einem anderen Verhältnis der Reformation zur Bürgerschaft als in Deutschland. Bei Calvin auch in der Tatsache, dass die Reformation durch ihn zu einer globalen Bewegung über den deutschen Sprachraum hinaus wurde, insbesondere nach Nordamerika.

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Hässlich-schöne Natur: Bibel des Grauens

Caspar Henderson: Wahre Monster Ein unglaubliches Bestiarium Matthes & Seitz; 349 Seiten; 38,00 Euro

Caspar Henderson:
Wahre Monster
Ein unglaubliches Bestiarium
Matthes & Seitz;
349 Seiten; 38,00 Euro

Spinnen, Reptilien und auch Viren sind Wunderwerke der Natur. Caspar Henderson widmet ihnen einen prächtig illustrierten Band: “Wahre Monster”, die aussehen wie mittelalterliche Dämonenfratzen.

Von Hilmar SchmundtSpON

An einem sonnigen Sommernachmittag saß der britische Journalist Caspar Henderson mit seiner Frau in einem Park. Er las das Buch “Einhorn, Sphinx und Salamander” des argentinischen Autors Jorge Luis Borges. Darüber schlief er ein und träumte: So ein Buch will ich auch schreiben!

Vier Jahren ist das her, nun erscheint sein Werk auf Deutsch – und tatsächlich: Es ist gelungen. Auch wenn er fast das Gegenteil seines Vorbildes gemacht hat. Während Borges in seinem “Buch der imaginären Wesen” 1957 Ausgeburten der Fantasie besingt, darunter doppelköpfige Schlangen, Engel und Dämonen, beschränkt sich Henderson strikt auf Fakten. In alphabetischer Reihenfolge schreibt er über Tiere wie Axolotl, Yetikrabbe oder Zebrabärbling. Doch die Fakten muten oft fantastischer an als jede Fiktion. “Wahre Monster” ist ein Kompendium des Staunens, eine literarische Wunderkammer der Biologie.

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Antisemitismus und Islamfeindlichkeit: Ein Vergleich von auferlegten Gruppenidentitäten

Muslimische Frauen: Oft Ziel von anti-islamischen Ressentiments und Angriffen © by Garry Knight auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ

Können einige der sprachlichen Mechanismen, die dem stereotypischen Porträt des „Kollektiven Juden“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts entsprachen, in den Stereotypen des „Muslims“ zu Beginn des 21. Jahrhunderts gefunden werden? Dieser und weiteren Fragen geht Cora Alexa Døving nach.

Von Cora Alexa Døving—IslamiQ

Existieren Ähnlichkeiten zwischen stereotypischen Porträts von Minderheiten, ungeachtet des sozialen und historischen Kontextes? Können einige der sprachlichen Mechanismen, die dem stereotypischen Porträt des „Kollektiven Juden“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts entsprachen, in den Stereotypen des „Muslims“ zu Beginn des 21. Jahrhunderts gefunden werden? Ist es insgesamt relevant, den Antisemitismus mit anderen Formen der Intoleranz, Diskriminierung und des Rassismus im Einklang zu betrachten? Diese Fragen bilden einen Teil der vergleichenden Analyse der antisemitischen Texte vom Anfang des 20. Jahrhunderts und antiislamischen Debatten, die heute in Norwegen geführt werden.

Während sich dieser Artikel gegen eine grundlegende Analogie zwischen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit (und ebenso gegen eine Analogie zwischen der strukturellen Position der Juden im neunzehnten Jahrhundert und Muslimen heute) stellt, argumentiert er für die Bedeutung einer vergleichenden semantischen Analyse der negativen Stereotypen des „Muslims“ und des „Juden.“

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»Posthumanismus:« Jenseits des Menschen

HumanismDem Humanismus wurde schon oft das Totenglöckchen geläutet. Heute aber, in einer Welt, in der Klonschafe und Onko-Mäuse leben, Drohnen unbemannt ihr Ziel finden, Maschinen immer intelligenter werden und der Mensch, mit allerlei Prothesen bestückt, vom «Neuro-Enhancing» träumt, wirkt die alte Vorstellung eines privilegierten, von Tier und Technik klar abzugrenzenden Vernunftwesens «Mensch» wie aus der Zeit gefallen.

Von Andrea RoedigNeue Zürcher Zeitung

Der Humanismus sei eine epistemologisch, politisch und ethisch nicht mehr haltbare Position, er habe sich überlebt und werde auch als runderneuerter Neohumanismus (etwa einer Martha Nussbaum) nicht glücken, meint jedenfalls die an der Universität Utrecht lehrende Philosophin Rosi Braidotti.

Ein «vitalistischer Materialismus»

Ihr Buch «Posthumanismus. Leben jenseits des Menschen» ist eine Programmschrift. Braidotti versucht darin, ein eigenes Konzept «posthumaner Subjektivität» plausibel zu machen, theoretisch zu fundieren und gegen andere Positionen abzugrenzen. Die Argumente gegen den Humanismus, die sie vorbringt, sind aus der postmodernen, der feministischen und der Theorietradition der «Postcolonial Studies» der letzten Jahrzehnte sattsam bekannt: Er sei selbstherrlich, euro- und anthropozentrisch, ein Herrschaftsdiskurs weisser, westlicher Männlichkeit, der eine begrenzte, beschränkte Perspektive für eine universelle ausgebe.

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Revolution des Glaubens

Peter Marshall Die Reformation in Europa Aus dem Englischen von Ulrich Bossier Verlag: Reclam, Stuttgart 2014 ISBN: 9783150108666 19,95 €

Im Oktober 1517 begehrt in Wittenberg ein bislang unbekannter Augustinermönch gegen die Missstände in der römischen Kirche auf. Die Gedanken, die der aufmüpfige Theologe in 95 Thesen zusammenfasst, sind hochbrisant – und der katholischen Kirche ein Dorn im Auge.

Von Theodor KisselSpektrum.de

Nicht durch seine guten Werke, sondern nur durch den Glauben (sola fide) und die göttliche Gnade (sola gratia) erlange ein Christ das Seelenheil, predigt Martin Luther. Jeder Gläubige solle selbst in der Bibel lesen, um zu Gott zu finden.

Luther fordert die Menschen damit auf, in Glaubensfragen ausschließlich ihrem eigenen Gewissen zu folgen und nicht mehr klerikalen Dogmen. Revolutionär daran ist der Gedanke, dass Gläubige auch ohne Unterstützung eines geweihten Priesters mit Gott in Verbindung treten können. Damit verliert der katholische Klerus sein Monopol auf Vermittlung und Deutung der Religion – und der Papst seine Autorität als alleiniges geistliches Oberhaupt des Westens.

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Gut, besser, Mensch – Ersatzreligion evolutionärer Humanismus?

Michael Schmidt-Salomon Hoffnung Mensch, Verlag: Piper, München 2014 ISBN: 9783492056083 19,99 €

“Wir Menschen sind eine extrem potente und von Grund auf gute Spezies. Deswegen sind wir auch in der Lage, die größten Probleme unserer Welt in den Griff bekommen”. Auf den ersten Blick wirkt die These, die Philosoph Michael Schmidt-Salomon in seinem jüngsten Werk “Hoffnung Mensch” vertritt, provokant, absurd und bestenfalls naiv.

Von Maren EmmerichSpektrum.de

Hat nicht der neueste IPCC-Bericht gerade enthüllt, dass wir es verpasst haben, die anthropogen verursachte Klimaerwärmung auf ein überschaubares Maß zu begrenzen? Zeigen die aktuellen Konflikte in Syrien, Zentralafrika oder der Ukraine etwa nicht, wie sehr wir zur Gewalt neigen? Ist es nicht offensichtlich, dass wir aufgrund destruktiven Verhaltens uns früher oder später die Lebensgrundlagen entziehen werden?

Schmidt-Salomon ignoriert die aktuellen Probleme in der Welt zwar nicht. Allerdings bezieht er sie erst im letzten Drittel des Buchs in seine Diskussion ein. In den Abschnitten davor holt er weit aus und erzählt viele Geschichten, mit denen er eine versöhnliche, ja bewundernde Perspektive auf die Menschheit eröffnen möchte.

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Britische Intellektuelle: Großbritannien kein christliches Land

Großbritanniens Premier David Cameron hat das Land, das er regiert, als christlich bezeichnet – und damit den Widerspruch von 50 britischen Intellektuellen herausgefordert. Sie sagen, Cameron würde damit die Spaltung der Gesellschaft schüren.

Mehr als 50 britische Intellektuelle haben Premierminister David Cameron wegen dessen Aussage, das Königreich sei ein christliches Land, kritisiert. In einem offenen Brief, der am Montag in der britischen Zeitung “Daily Telegraph” veröffentlicht wurde, werfen sie ihm vor, mit dieser Haltung “Entfremdung” zu schüren. Zu den Unterzeichnern des Briefes zählen die Bestseller-Autoren Sir Terry Prachett und Ken Follett, der Chemie-Nobelpreisträger Harold Kroto sowie weitere Wissenschaftler, Journalisten, Akademiker und Philosophen. Einer der Hauptunterzeichner ist Jim Al-Khalili, Präsident der Britischen Humanistischen Vereinigung.

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Gottlos glücklich – Das Hasenfest war ein voller Erfolg

hasenfest_titelUnter dem Motto “Gut ohne Gott: Miteinander braucht keine Religion” feierten mehrere säkulare und humanistische Organisationen das Hasenfest 2014 als einen Aktionstag für eine offene Gesellschaft und gegen religiöse Intoleranz.

hpd

Nicht Bibel und Koran mit ihren weithin bekannten widersprüchlichen und inhumanen Aussagen, sondern universelle menschliche Fähigkeiten wie Vernunft, Liebe und Verantwortungsbewusstsein sollten die Grundlage für ein gelungenes Zusammenleben im 21. Jahrhundert darstellen. Dies war die Grundaussage des Hasenfests 2014, das mit einem kollektiven Kirchenaustritt 2011 seinen Anfang nahm und mittlerweile jährlich in zahlreichen Städten durchgeführt wird.

Die Aktionen reichten von Infoveranstaltungen (Frankfurt: Menschenrechtsverletzungen an Atheisten; Mainz: Spendenmöglichkeiten an nichtreligiöse gemeinnützige Organisationen), Filmvorführungen (Bochum) bis hin zu kollektiven Kirchenaustritten (u.a. München, Trier, Saarbrücken). Und natürlich wurde gegen das Tanzverbot demonstriert.

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Roma Tag – Antiziganismus in der deutschen Öffentlichkeit

Roma-Fahne” Die Diskriminierung der Roma ist salonfähig “
Der Politologe Markus End forscht über Antiziganismus. Er sagt: Klischees von “den Roma” sind im Journalismus verankert, in der Gesellschaft und im Koalitionsvertrag.

Ein Interview von Lisa Caspari – ZEIT

ZEIT ONLINE: Herr End, heute ist Internationaler Roma-Tag, Anlass über die Situation der Minderheit zu sprechen. Was halten Sie davon, dass es einen speziellen Tag dafür gibt?

Markus End: Am 8. April 1971 fand in London der erste internationale Roma-Kongress statt und dieser Tag wird seither von den Interessensvertretungen als Feier- und Gedenktag begangen. Das ist doch ein guter Anlass, darauf hinzuweisen, dass Diskriminierung der Sinti und Roma nach wie vor salonfähig ist.

ZEIT ONLINE: Lassen sich die Vorurteile gegenüber der Minderheit in konkrete Zahlen fassen?

End: Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer hat in seiner jüngsten repräsentativen Umfrage herausgefunden, dass 44,2 Prozent der Deutschen der Aussage “Sinti und Roma neigen zur Kriminalität” zustimmen. Neben dieser eindeutigen Diskriminierung sind aber auch subtile Zuschreibungen weit verbreitet. Wer sagt, dass alle Sinti und Roma so tolle Musik machen, hat ein Stereotyp einfach positiv verpackt. Er impliziert, dass Angehörige der Volksgruppe anders sind, dass sie nur Musik machen und nicht arbeiten wie “wir”.

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„Absage an die Religioten: Ohne Gott ginge es uns besser“

TheCreation_399„Absage an die Religioten: Ohne Gott ginge es uns besser.“ Dies ist Überschrift, Motto und die Hauptaussage eines polemischen Beitrags in der freireligiösen Zeitschrift „Wege ohne Dogma“ (WOD 22. Jg. 9/2013, 187ff). Geschrieben wurde der Beitrag von dem Religionskritiker und Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung, Michael Schmidt-Salomon.

Von Dr. Reinhard HempelmannEZW

Der Text ist ein Nachdruck. Einige Monate zuvor erschien er im Playboy 5/2013. Immer wieder verweist der Autor darauf, dass religiöse Überzeugungen und religiöse Praxis wahnhaft seien, dass sie für die Zivilisation eine große Gefahr darstellten. „Denn eine Zivilisation, die das Atom spaltet und über Satelliten kommuniziert, kann es sich nicht leisten, religiösen Fiktionen aus grauer Vorzeit zu folgen.“ (189)

Im Nachgang zur Publikation dieses Beitrages entwickelte sich eine kontroverse Diskussion darüber, inwiefern ein atheistischer Exklusivismus in einer Zeitschrift Platz finden sollte, deren Anspruch es ist, für Toleranz, Pluralismus und Freiheit in allen weltanschaulichen und religiösen Fragen einzutreten. Bis heute ist diese Diskussion in den nachfolgenden Ausgaben der Zeitschrift nicht zum Stillstand gekommen. Kirsten Reuter bemerkt etwa im Dezemberheft: „Wer seinen Vernunftglauben mit dieser Arroganz vorträgt, sitzt im selben Boot wie diejenigen, die er bespuckt. Und wo immer Aufklärung zum Dogma verkommt, läuft sie Gefahr, Gewalt als Mittel der Missionierung zu akzeptieren. Diesen Irrweg haben andere Religionen bereits überwunden.“ (WOD 12/2013, 261) Renate Bauer formuliert als Fazit und Reaktion auf den Artikel Schmidt-Salomons, dass dieser mit seinem Beitrag „dem Humanismus jeglicher Form keinen Gefallen getan (habe).“ (263).

Auch auf die Kritikerinnen und Kritiker Schmidt-Salomons wurde kritisch reagiert: „Seit wann darf in freireligiösen Kreisen keine Religionskritik geäußert werden?“ (WOD 1/2014, 13) Die freireligiöse Landesgemeinschaft Hessen hatte bereits in der Phase der beginnenden Diskussion im September 2013 eine Erklärung abgegeben, in der es heißt, dass „die betriebene ,Atheisten-Hatz’ nicht hinnehmbar“ und der „Freireligiösen-klerikalen Intoleranz“ ihre Grenzen aufzuzeigen seien (WOD 1/2014, 19).

Auch in den Folgeheften (WOD 2 und 3/2014) geht es um die Verhältnisbestimmung zwischen einem freireligiösen und einem atheistischen Selbstverständnis. Während der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) die Freireligiösen – hier und da offensichtlich erfolgreich – dazu einlädt, unter sein Dach zu kommen, den eigenen Namen zu ändern und atheistischen Perspektiven mehr Raum zu geben, sehen andere Freireligiöse dies ausgesprochen skeptisch.

Die intensive Diskussion über das Selbstverständnis freireligiöser Gemeinschaften weist darauf hin, dass einzelne Mitglieder deutlichere Reformsignale von dem schrumpfenden und teilweise unsichtbar gewordenen Bund Freireligiöser Gemeinden in Deutschland (BFGD) erwarten. In einem Interview, das Carsten Frerk von der Giordano Bruno Stiftung mit der freireligiösen Ute Janz führte, ist zu lesen, dass sie einer Namensänderung und vor allem einem Anschluss freireligiöser Gemeinschaften an den Humanistischen Verband skeptisch gegenübersteht. Die Freireligiösen hätten sich dem Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften (DFW) angeschlossen, sich damit für einen anderen Weg entschieden und seien damit sehr gut gefahren.

Was in der skizzierten Debatte noch weiterer Klärung bedarf, ist die Frage des Verhältnisses von Humanistischen Verbänden zu der ausgrenzenden Religionskritik der Giordano Bruno Stiftung. Der Ausgangspunkt der Kontroversen war ein polemisches Pamphlet, dessen Aussagen zu dem Konzept eines „praktischen Humanismus“ genauso wenig passen wie zu der Tradition der freireligiösen Gemeinden, die Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Deutschkatholizismus und den ursprünglich protestantischen Lichtfreunden entstanden.

Dodo-Thierse: „Sozialstaat fußt auf christlichen Wurzeln“

thierse_zdfWolfgang Thierse sprach sich für eine pluralistische Gesellschaft aus, in der auch die Religionen ihren Platz haben. Voraussetzung hierfür sei echte Toleranz, die sowohl eigene Standpunkte, als auch die Anerkennung anderer Überzeugungen bedinge.

morgenweb.de

Nein, Christen haben es nicht schwer in der SPD und auch Gläubige anderer Religion sind mehr als nur geduldet. Das weiß natürlich auch Wolfgang Thierse, der Vizepräsident des deutschen Bundestages. Doch dem Bundestagsabgeordneten, der nach 23 Jahren im Parlament im Herbst nicht mehr antritt, geht es bei seinem Auftritt im Palais Hirsch um mehr als nur um Toleranz gegenüber Christen und der Kirche. Ihm geht es um ein Weltbild, bei dem politisches, ehrenamtliches Engagement auf einem christlichen Fundament ruht. Für einen gestandenen Sozialdemokraten eine auf den ersten Blick befremdliche Vorstellung.

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Vom völkischen Größenwahn des Katholizismus

Vorige Woche im Vatikan. Der Papst ernennt 6 Kardinäle und nutzt die Gelegenheit, in Arroganz und Impertinez kaum zu übertreffender Art, den weltumspannenden Anspruch der katholischen Kirche zu betonen.

B16:

[…] Die Kirche sei “katholisch”, weil sich die christliche Botschaft an allen Menschen richte, […]Zwar habe sich Jesu Mission zu Lebzeiten auf das jüdische Volk beschränkt. Von Anfang an sei sie jedoch darauf ausgerichtet gewesen, “allen Völkern das Licht des Evangeliums zu bringen”.

Die katholische Kirche sei im Auftrag Jesu verpflichtet jede ethnische, nationale und religiöse Spaltung zu überwinden. Tränen in den Augen knien die Katholen darnieder. Der Pappa gibt ihnen Größe zurück, verbal. Nach den Schlüpfrigkeiten unter priesterlicher Soutane, vor allem gegen Kinder, endlich wieder eine Frohbotschaft. Es kann nur eine Kirche Christi geben, natürlich die katholische. Ihre Universalität gründe letztlich auf der Universalität des “einzigen göttlichen Heilsplans für die Welt”.

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Humanismus und Rechtskultur

Bild: diesseits.de

Es gibt keinen Humanismus ohne Humanität, ohne Barmherzigkeit. Der Begriff „Menschenwürde“ wurde in der Antike entdeckt, in der Renaissance wieder angeeignet, Ende des 18. Jahrhunderts erstmals in individuelle „Menschenrechte“ gegossen. Hier setzte dann das Streben nach Humanisierung des Rechts ein. Eine Konferenz geht dem nach.

Dr. Horst Groschoppdiesseits.de

Goethe berichtet um 1820 in den Wanderjahren vom Streben nach „menschlicher Behandlung der Gefangenen”, dem Streben, „gegen Schuldige gelind, gegen Verbrecher schonend, gegen Unmenschliche menschlich zu sein”. Das klingt wie in aktuellen Debatten, was den Umgang mit Gefangenen überall auf der Welt und auch hierzulande betrifft, denken wir nur an das Thema „Sicherungsverwahrung”.

Woran misst sich hier das Menschliche? Was sind die Kriterien? Welche Rechtsfelder wären zu bearbeiten, wenn es um humane Lösungen gesellschaftlicher Widersprüche geht – über das Problem des Umgangs mit Verurteilten hinaus? Wie steht es heute um die Menschenwürde in unserer Rechtskultur? Wie sind Grenzfälle zu bewerten im Streit der Ethiken? Ist das Ziel gar ein humanistisches Recht? Letzteres ist sicher strittig und dürfte nicht verwechselt werden mit „humanem” Recht.

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Dodo des Monats September 2012: Johannes Singhammer(CSU)

Dodo des Monat September 2012

Bei den Recherchen für den Dodo-Preisträger des Monats September ging mir ein Licht auf. Ein ganz besonderes Exemplar eines katholischen Fundamentalisten hat es erwischt. Der Mann, Johannes Singhammer, sitzt seit 1994 im Bundestag. Steht sofort die Frage, wer oder was wählt so eine Type?

Paulus an die Galater

“Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten! Denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten.”

Mit diesem Zitat wendete sich die Partei Bibelfrommer Christen(PBC) gegen das provokantes Theaterstück “Corpus Christi”, des US-amerikanischen Dramatikers Terrence McNally. Der Dramatiker hat in seinem Bühnenwerk, Jesus und seine Jünger, als saufende Homosexuelle dargestellt. Diese Darstellung verletze aufs Gröbste die religiösen Gefühle der Christenheit. Ach ja, die PBC schäme sich fürs Abendland.

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2. Vatikanisches Konzil: Dodo Kissler ex cathedra

Vollversammlung des Konzils im Petersdom, Bild: heiligenlexikon.de

Vor 50 Jahren begann das Zweite Vatikanische Konzil. Es war durch und durch katholisch. Nicht alle, die sich auf das Konzil berufen, kennen dessen Texte. Zeit für eine Klarstellung.

Von Alexander KisslerFOCUS ONLINE

Sogar eine Sonderbriefmarke im Nennwert von 45 Cent wird erscheinen. Vom kommenden Donnerstag an kann jeder, der es mag, seine Postkarte in Erinnerung an ein historisches Ereignis frankieren. Genau 50 Jahre sind vergangen, seit in Rom die katholische Kirche ihr Zweites Vatikanisches Konzil eröffnete. An den Ehrungsfeierlichkeiten landauf, landab wäre nichts auszusetzen; der Mensch ist ein nostalgisches Wesen, das gerne zurückblickt. Die Konzilsjubeltage der Altvorderen indes befremden. Je geringer nämlich die Kenntnis der Konzilstexte ist, desto lauter wird dem Konzil applaudiert. Je weniger das Konzil bekannt ist, desto verbissener wird dessen Anerkennung gefordert. Darum kann die Devise dieser Tage nur lauten: Rettet das Konzil in seiner wahren Aussage!

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Humanismus und Aufklärung: Kein Respekt für Respektlose

M. Schmidt-Salomon, Bild: brightsblog

” Wir müssen für die Werte von Humanismus und Aufklärung entschieden eintreten”, sagt der Philosoph Michael Schmidt-Salomon. Sonst haben jene, die das Rad der Geschichte zurückdrehen möchten, leichtes Spiel.

Von ANTJE BERGSÜDWEST PRESSE

Was stört Sie an der öffentlichen Diskussion über das Video “Die Unschuld der Muslime” am meisten?

SCHMIDT-SALOMON: Es ist dieser Reflex: Religiöse Fanatiker müssen nur auf die Barrikaden gehen, schon fordern westliche Politiker Respekt für religiöse Gefühle. Das ist absurd, weil gerade diese Fanatiker den Respekt gegenüber Andersdenkenden mit Füßen treten.

Nun wird darüber diskutiert, ob man das Video “Die Unschuld der Muslime” zeigen soll oder nicht. SCHMIDT-SALOMON: Der Trailer zu dem Filmchen verrät, dass es sich dabei wohl nicht um ein hochrangiges Kunstwerk handelt. Allerdings gilt die Kunstfreiheit auch für schlechte Filme! Wo kämen wir hin, wenn wir es von ästhetischen Kriterien oder gar vom Einverständnis religiöser Fanatiker abhängig machen würden, ob ein Film in Deutschland gezeigt werden darf oder nicht?

All das erinnert an 2006, als Muslime gegen die dänischen Mohammed-Karikaturen demonstrierten.

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