Neonicotinoide: Gefahr im Honigtau

Bienen laben sich an Honigtau von Mottenschildläusen, auch weiße Fliegen genannt. © Alejandro Tena

Unerkanntes Risiko: Nicht nur über kontaminierten Pollen und Nektar können sich Bienen und Co mit Neonicotinoiden vergiften. Auch Honigtau stellt offenbar eine Gefahr dar, wie eine Studie mit Schlupfwespen und Schwebfliegen zeigt. Das zuckerhaltige Ausscheidungsprodukt von Läusen ist eine wichtige Nahrungsquelle für viele nützliche Insekten. Kontaminierter Honigtau könnte für die Insektenwelt daher ein noch bedeutenderes Risiko sein als vergifteter Nektar, so das Fazit der Forscher.

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Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft gilt als eine mögliche Ursache für den Rückgang von Bienen und vielen anderen Insekten in unserer Natur: Insektizide wie die Neonicotinoide schaden erwiesenermaßen nicht nur den Schädlingen, die sie bekämpfen sollen, sondern auch Honigbienen, Hummeln, Wespen und Co. Denn sie kommen über kontaminierten Pollen und Nektar ebenfalls in Kontakt mit den Giften.

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Neonicotinoide: EU verbietet bienenschädliche Pflanzenschutzmittel

Bienen können die Insektizide über Pollen und Nektar aufnehmen Quelle: Getty Images

Lange Zeit wurde darüber diskutiert und erforscht, ob bestimmte Insektenmittel verboten werden sollen. Sie rauben Bienen die Orientierung und schaden somit der Artenvielfalt. Eine Sorge aber bleibt.

DIE WELT

Eine gute Nachricht für Bienen: Die EU hat am Freitag beschlossen, dass Neonicotinoide nicht mehr auf Äckern ausgebracht werden dürfen. In dem zuständigen EU-Ausschus in Brüssel hatte sich eine Mehrheit gegen den Einsatz dieser Insektengifte ausgesprochen. Die Stoffe Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid dürfen nun nur noch in Gewächshäusern versprüht werden, wie die EU-Kommission mitteilte. „Die Gesundheit der Bienen bleibt für mich von größter Bedeutung, weil sie Artenvielfalt, Lebensmittelproduktion und Umwelt betrifft“, sagte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) freute sich über das Freilandverbot für die Stoffe Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid. „Heute ist ein guter Tag für den Schutz der Bienen in Deutschland und in Europa.“

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Honig ist mit Pestiziden kontaminiert

Honigbienen produzieren Honig aus belastetem Pollen und Nektar. Die Pestizide gelangen so auch in unsere Nahrungskette. © freeimages

Drei Viertel sind kontaminiert: 75 Prozent der Honige weltweit enthalten inzwischen Neonicotinoide – viele Proben waren sogar mit gleich mehreren dieser Pestizide versucht, wie eine Studie enthüllt. Die Pestizide gelangen über den von Bienen gesammelten Pollen und Nektar in den Honig. Zwar sind die gemessenen Konzentrationen für uns nicht akut gesundheitsschädlich, für die Honigbienen aber schon, wie die Forscher im Fachmagazin „Science“ betonen.

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Neonicotinoide sind die weltweit am häufigsten eingesetzten Insektenbekämpfungsmittel – ein Drittel der Äcker werden mit diesen Pestiziden behandelt. Inzwischen jedoch mehren sich die Hinweise darauf, dass Neonicotinoide für Honigbienen, Hummeln und weitere nützliche Bestäuberinsekten schädlich sind. Sie stören unter anderem deren Orientierungssinn, wirken wie eine Droge und machen Wespen geruchsblind. Die Neonicotinoide stehen daher seit einigen Jahren im Verdacht, mitschuld am weltweiten Bienensterben zu sein.

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Insektizide machen Wespen geruchsblind

Die Wespe Nasonia vitripennis parasitiert Fliegenpuppen - und ist daher sehr nützlich. © Joachim Ruther
Die Wespe Nasonia vitripennis parasitiert Fliegenpuppen – und ist daher sehr nützlich. © Joachim Ruther

Sensible Nützlinge: Insektizide schaden nicht nur Bienen und anderen Bestäuberinsekten, auch wertvolle Helfer im Pflanzenschutz leiden. Ein Experiment belegt, dass schon kleinste Mengen eines Neonicotinoids die Wahrnehmung von parasitischer Wespen stört. Als Folge finden sie weder ihre Paarungspartner noch die Fliegen, in die sie ihre Eier ablegen, wie die Forscher im Fachmagazin Scientific Reports“ berichten.

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Neonicotinoide sind schon seit längerem in der Diskussion, drei dieser Insektizide dürfen seit 2013 in der EU nur noch eingeschränkt verwendet werden. Denn es mehren sich die Hinweise darauf, dass diese Substanzen trotz gegenteiliger Beteuerungen der Hersteller Bienen und anderen wichtigen Bestäuberinsekten schaden. So beeinträchtigen sie die Orientierung der Tiere, wirken auf Hummeln wie eine Droge und könnten sogar Mitschuld am Schwund der Singvögel sein.

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Risiko durch Pestizide für Bienen größer als angenommen

In Europa sind alleine 4000 Gemüsesorten von Bestäubungen der Biene abhängig. / Bild: APA/dpa/Silas Stein
In Europa sind alleine 4000 Gemüsesorten von Bestäubungen der Biene abhängig. / Bild: APA/dpa/Silas Stein

Neonicotioide gefährdeten Bienen und Hummeln und somit auch die Landwirtschaftsproduktion, zeigt eine Greenpeace-Studie. Die NGO fordert ein Komplettverbot.

Die Presse.com

Pestizide aus der Gruppe der Neonicotinoide bedrohen nicht nur Bienen, sondern auch andere Lebewesen ernsthaft. Das geht aus einer am Donnerstag von Greenpeace veröffentlichten Studie hervor. Unabhängige Wissenschafter der University of Sussex haben dafür die Ergebnisse von hunderten wissenschaftlichen Untersuchungen seit 2013 überprüft. Aufgrund der Ergebnisse forderte die NGO ein Totalverbot.

Laut der Studie sind Neonicotinoide in der Umwelt allgegenwärtig und kontaminieren Gewässer, Böden und Vegetation. Sogar Vögel könnten demnach unter den Auswirkungen leiden. Die drei untersuchten Stoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam unterliegen seit 2013 zwar einem EU-weiten Teilverbot, die negativen Auswirkungen sind aber nach wie vor erheblich, so die Umweltschutzorganisation. Greenpeace forderte daher ein Totalverbot der aus ihrer Sicht gefährlichen Pestizide, für das sich Umwelt- und Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) auf europäischer Ebene einsetzen sollte.

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Glyphosat und andere Gifte

Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)
Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)

Schon wieder gab es keine benötige Mehrheit für die Neuzulassung des vielfach angewendeten Herbizides. Dabei gibt es noch viele andere Substanzen im Ackerbau, die hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit untersucht werden müssten. Überhaupt stellt sich die Frage, was Ertragssteigerungen mittels Pestizide nützen, wenn rund die Hälfte der Nahrungsmittel vom Acker schließlich in die Mülltonne wandern?

Von Susanne Aigner | TELEPOLIS

Bei der zweiten Abstimmung über Glyphosat am 6. Juni enthielten sich sieben von 28 Mitgliedstaaten. Allein Malta stimmte dagegen. Nun läuft die Glyphosat-Zulassung am 30. Juni 2016 aus. Bis dahin kann die EU-Kommission immer noch den Berufungsausschuss beanspruchen. Bringt dieser nicht das gewünschte Ergebnis, kann sie schließlich im Alleingang entscheiden.

Dabei steckt sie in folgender Zwickmühle: Befürwortet sie Glyphosat um weitere 18 Monate, muss sich die Kommission den Vorwurf gefallen lassen, Erfüllungsgehilfe von Monsanto und anderer Saatgutkonzerne zu sein. Lässt sie die Zulassung auslaufen, muss sie mit Klagen der Hersteller rechnen – glaubt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Zur Giftigkeit von Glyphosat liefern diverse Studien widersprüchliche Ergebnisse. Der Aussage der Internationalen Krebsforschungsagentur der WHO (IARC) vom März 2015, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“ sei, stehen die Erkenntnisse des Sachverständigenausschusses für Pestizidrückstände (JMPR) der WHO gegenüber. Dieser hält es für „unwahrscheinlich“, dass Glyphosat-Rückstände in Lebensmitteln Krebs verursachten.

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