Pseudowissenschaft und Verschwörungstheorie

Symbolbild. Bild: hippo by swatts
Welches sind die Gemeinsamkeiten verschiedener pseudowissenschaftlicher Strömungen?

AG Evolutionsbiologie

Aus Japan erreichen uns Meldungen über die Erfolge von Impfgegnern. Diese seien hier zum Anlass genommen, die Gemeinsamkeiten zwischen unterschiedlichsten pseudowissenschaftlichen Strömungen zu erörtern.

Kreationismus ist gegenwärtig in den Industrienationen beileibe nicht die einzige wissenschaftsfeindliche Strömung. So ist es mehr als erstaunlich, dass in modernen Bildungsgesellschaften dutzende pseudowissenschaftliche Ideengebäude und Verschwörungsmythen kursieren. Um nur einige Beispiele zu nennen: 9/11-Verschwörung, Astrologie, Bachblütentherapie, Chemtrails, Impfkritik, klassische Anthroposophie, Homöopathie, Klimawandel-Leugnung, Kreationismus, Mondlandungskritik, Numerologie, Prä-Astronautik, Radiästhesie,  Rutengängerei, (siderisches) Pendeln, Schüssler-Salz-Therapie, UFOlogie.

All diese Strömungen haben bemerkenswerte Gemeinsamkeiten: Sie beharren auf längst widerlegten Positionen, postulieren nicht nachweisbare Kräfte, stellen unbewiesene Behauptungen auf oder berufen sich auf falsche Fakten. Des Weiteren zitieren sie selektiv nur diejenigen wissenschaftlichen Ergebnisse, die in ihr Gedankengebäude zu passen scheinen, und ignorieren den großen Rest. Die Nicht-Anerkennung ihrer Positionen begründen sie mit einer Verschwörung des (wissenschaftlichen oder politischen) Establishments. Teils wird neben krudem Verdrehen wissenschaftlicher Fakten immer wieder auch auf Zitat(ver)fälschungen[1] zurückgegriffen.[2]

Besonders erschreckend ist dabei, dass ein erheblicher Anteil (oft sogar die Mehrheit der Bürger) auch in Bildungs-/Industrienationen mindestens einer dieser Ideen anhängt. Die Gründe dafür dürften komplex sein: Ein wichtiger Aspekt ist sicherlich die immense Komplexität unseres Wissens, das von keinem Menschen mehr annähernd überschaut werden kann. Pseudowissenschaften bieten hier simple und gut zu verstehende Alternativen.[3] Hinzu kommt die Tatsache, dass das „Weltgeschehen“ ebenso kompliziert und unüberschaubar geworden ist. Wie kommt es zu den Zyklen von Wirtschaftskrisen? – um nur ein einziges Beispiel zu nennen. Auch hier bieten Pseudowissenschaften und Verschwörungsmythen einfache und griffige Gegenentwürfe.[3]

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Facebook: Vier Arten von Impfgegnern trollen

Bild: 4ever.eu
Wer Impfgegner auf Facebook über einen Kamm schert, wird kaum gegen sie ankommen. Das zeigt eine Studie der University of Pittsburgh, die einen Online-Troll-Angriff gegen eine örtliche Kinderklinik genauer unter die Lupe genommen hat.

pressetext

Demnach sind Impfgegner zwar meist Mütter, dennoch gibt es aber vier grundverschiedene Typen. Um deren Bedenken zu zerstreuen, wäre es sinnvoll, in der Kommunikation mit ihnen auch wirklich auf ihre jeweiligen Vorbehalte einzugehen.

Skeptiker verstehen

Impfgegner auf sozialen Medien sind Spinner, die man nicht ernst nehmen kann – so sehen das viele. „Wenn wir jeden, der eine andere Meinung hat, einfach abtun, geben wir die Chance auf, ihn zu verstehen und einen gemeinsamen Nenner zu finden“, warnt hingegen Brian Primarck, Leiter des Center for Research on Media, Technology, and Health https://crmth.pitt.edu . Daher hat sich ein Team am Zentrum eine Trollkampagne aus dem Jahr 2017 näher angesehen, bei der Impfgegner ein Facebook-Video der Klinik Kids Plus Pediatrics https://kidspluspgh.com zur HPV-Impfung mit tausenden impfkritischen Kommentaren bombardiert hatten.

Dabei hat das Team die Profile 197 zufällig ausgewählter Kommentatoren genauer analysiert. Obwohl es sich um eine Klinik handelt, die nur den Raum Pittsburgh bedient, haben die Forscher allein in dieser Auswahl User aus 36 US-Bundesstaaten sowie acht Ländern gefunden. Die Mehrheit der Imfgegner auf Facebook sind demnach Mütter. Soweit das Team politische Einstellungen ermitteln konnte, waren 56 Prozent der Kommentatoren Trump-Anhänger. An zweiter Stelle (elf Prozent) kamen jedoch Unterstützer des gerade für US-Verhältnisse weit links stehenden Bernie Sanders. Schon das legt nahe, dass Impfkritiker eine eher diverse Gruppe sind.

Mehr als nur Autismus

Auch die oft als ein Hauptargument von Impfgegnern dargestellte Sorge, Impfungen würden Erkrankungen wie Autismus auslösen, ist laut der Analyse nicht allgemein gültig. Vielmehr sind Personen, die Bedenken zur „Sicherheit“ von Impfungen haben, nur einer von vier wichtigen Subtypen. Anderen fehlt „Vertrauen“ – einerseits in die Wissenschaft und andererseits in persönliche Freiheiten oder sie bevorzugen „Alternativen“ wie Homöopathie. Letztlich gibt es noch die echten Verschwörungstheoretiker, die beispielsweise glauben, die Regierung würde verheimlichen, dass das Polio-Virus gar nicht existiert.

Es scheint also nicht sinnvoll, Impfgegner mit allgemeinen Botschaften zu begegnen, warnt Studien-Erstautorin Beth Hoffman. „Jemandem aus der ‚Vertrauen‘-Gruppe zu sagen, dass Impfungen keinen Autismus auslösen, könnte sie beispielsweise entfremden, da das gar nicht ihre Sorge ist“, erklärt sie. Um Impfgegnern auf sozialen Medien zu begegnen, wäre es sinnvoller, den Skeptiker-Gruppen mit jeweils auf sie zugeschnittenen Botschaften zu begegnen. Bei Personen, denen das Vertrauen mangelt, könnte es beispielsweise sinnvoll sein, auf die Sorge einzugehen, dass Pflichtimpfungen ihre Entscheidungsfreiheit bezüglich des Kindes einschränken.

Kongress „Spirit of Health“ in Berlin, MMS, Wunderheiler und jede Menge Blödsinn

Screenshot bb.
Am ersten Märzwochenende will ein internationaler Kongress für alternative Heilverfahren seine Besucher durch neues „Erfahrungswissen“ anleiten, besser für ihre Gesundheit zu sorgen. Für 179 Euro werden den Besuchern 15 bekannte alternative Heilungsansätze von ihren Erfindern praxisnah vorgestellt.

Dr. Michael Utsch | EZW

Das Spektrum ist breit – zu Wort kommen Impfgegner, Tierschützer, Nahrungsergänzungsmittel-Erfinder, Naturheilkundler und Reiki-Meister. Ivo Sasek, der Gründer der Organischen Christus Generation, referiert über „Gesetzmäßigkeiten der Heilung“, und der kroatische Heiler Braco wird mit seinem Blick das Publikum in Bann ziehen. Veranstaltet wird der Kongress von Jim Humble-Verlag, der seinen Sitz in den Niederlanden hat. Humble wird kritisiert, weil er vor 20 Jahren das Wundermittel „MMS“ entdeckt haben will, das Heilung von Krebs, Aids, Alzheimer oder Tuberkulose in Aussicht stellt. Wegen der massiven Kritik hat Humble in den USA die Kirche „Genesis II“ als Rahmen für Heilungsprozesse ins Leben gerufen. Dort wird Menschen die Möglichkeit gegeben, MMS „legal“ durch ein „Sakrament“ einnehmen zu können.

Das professionell gestaltete, 60-seitige Konferenzmagazin informiert ausführlich über das Programm des Berliner Kongresses, die Referenten und ihre Vortragsinhalte. Noch nicht genannt ist der genaue Veranstaltungsort. Vage wird „Berlin Zentrum“ angegeben, der Raum soll erst zwei Wochen vor Beginn öffentlich gemacht werden. Die beiden Vorgängerkongresse in Niedersachen und Hessen hatten erhebliche Proteste nach sich gezogen. Dem Veranstalter wurden Verschwörungstheorien über eine angebliche Komplizenschaft von Pharma-Lobby, Politik und den Medien sowie mangelnde wissenschaftliche Nachweise der behaupteten Heilwirkungen vorgeworfen.

Konferenzmagazin „Spirit of Health“

„Hormonpapst“ Huber für „Goldenes Brett vorm Kopf“ nominiert

Ein Impfgegner, der selbsternannte „König von Deutschland“ und ein an Schutzengel glaubender „Hormonpapst“ sind für das „Goldene Brett vorm Kopf“ nominiert.

Die Presse.com

Das „Goldene Brett vorm Kopf“, ein Negativpreis für den „größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres“, wird am 23. November von der Skeptiker-Vereinigung GWUP (Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) in Wien und Hamburg vergeben.

Mit seinen „antiwissenschaftlichen Behauptungen“ begründen die Skeptiker die Nominierung von dem immer wieder als „Hormonpapst“ titulierten Gynäkologen Johannes Huber, Professor an der Medizinischen Universität Wien. Konkret werden seine beiden Bücher „Es existiert: Die Wissenschaft entdeckt das Unsichtbare“ (2016) und „Der holistische Mensch: Wir sind mehr als die Summe unserer Organe“ (2017) genannt, in denen er „eine Vielzahl esoterischer Ideen präsentiert – von Schutzengel über magische Aura bis hin zu übersinnlicher Informationsübertragung und die Bedeutung früherer Leben für unser zukünftiges Schicksal“.

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Um Kinderkrankheiten auszurotten, hilft nur eine Impfpflicht

Bild: Centers for Disease Control/Barbara Rice (Public Domain – USGov)

Sollte sich der deutsche Gesetzgeber nicht zu einer Impfpflicht durchringen können, sollte Kindern von Impfgegnern der Zugang zu Tagesstätten und Schulen verweigert werden. Ein Kommentar.

Von Til Knipper | DER TAGESSPIEGEL

Donald Trump ist Impfgegner. An dieser Stelle könnte dieser Kommentar eigentlich bereits enden. Oder? Wen das nicht davon überzeugt, in Deutschland eine Impfpflicht einzuführen oder zumindest die eigenen Kinder freiwillig durchimpfen zu lassen, der ist wahrscheinlich auch sonst für Tatsachen und Argumente schwer erreichbar. Aber Scherz beiseite.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will jetzt die Kitas verpflichten, Eltern beim Gesundheitsamt zu melden, wenn sie sich der verpflichtenden Impfberatung verweigern. Und der Bundesgerichtshof hat diese Woche einem Vater das Recht eingeräumt, seine Tochter gegen den Willen der Mutter impfen zu lassen. Aber die Maßnahmen aus Politik und Rechtsprechung reichen nicht aus. Und auch auf die Gefahr hin, dass jetzt den Eltern aus dem Prenzlauer Berg, dem Berliner Ortsteil mit den notorisch niedrigen Impfquoten, der Milchkaffee aus der Hand fällt: Um die verharmlosend Kinderkrankheiten genannten, erheblichen Gesundheitsgefahren von Masern, Windpocken, Polio und Co. auszurotten, muss in Deutschland eine Impfpflicht eingeführt werden.

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So gefährlich sind Heilpraktiker in Deutschland

Patienten versprechen sich von der Alternativmedizin sanfte Therapien – doch die Behandlung durch Heilpraktiker ist oft gefährlich. Der stern-Report zum Thema erschien im Heft 17/2017 vom 20.4.2017. © iStockphoto/Getty Images
Heilpraktiker genießen in Deutschland fast grenzenlose Therapiefreiheit – und brauchen keine fundierte Ausbildung. Selbst eine Serie von Todesfällen im vergangenen Sommer konnte das bislang nicht ändern. Ein stern-Report deckt erschreckende Gesetzeslücken auf.

Von Bernhard Albrecht | stern.de

Ein kleiner, beleibter Mann in langem Arztkittel öffnet die Tür. Breite Nase, volles braunes Haar, warmherziges Lächeln. „Bitte sehr, die Praxis ist im Untergeschoss.“

Wolfgang Buck [Name von der Redaktion geändert], 66 Jahre alt, Heilpraktiker, bittet zur Behandlung. Das weiße Einfamilienhaus in Franken mit dem neuen Zwölfzylinder-BMW vor der Garage scheint seinen beruflichen Erfolg zu bezeugen. Doch Buck muss sich vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: fahrlässige Tötung.

Am Telefon haben wir uns als Paar ausgegeben. Bei meiner Frau sei Brustkrebs diagnostiziert worden. Sie reicht ihm den Fake-Befund einer Gewebeprobe, den er aufmerksam studiert. Die fiktive Geschwulst ist sehr bösartig. Aber auch so klein, dass eine Therapie nach den von Krebs-Experten entwickelten medizinischen Leitlinien 95 Prozent der Patientinnen dauerhaft heilen würde. „Meine eigenen Diagnosemethoden sind manchmal aussagekräftiger“, sagt Wolfgang Buck – und zückt eine Rute aus glänzendem Stahl mit langer, schwingender Antenne.

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Trotzdem bin ich gegen Impfpflicht!

Bild: Centers for Disease Control/Barbara Rice (Public Domain – USGov)

Seuchen wie Masern sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Die Zahl der Impfgegner steigt, Einwanderer bringen Krankheiten mit. Soll der Staat eine Impfpflicht einführen? Unsere Autoren streiten.

Von Kathrin Spoerr, Holger Kreitling | DIE WELT

Dreihunderteinunddreißig Menschen erkrankten im letzten Jahr an Masern. Das ist wenig, wenn man große Zahlen dagegen hält: Ungefähr zehn mal so viele (3214) starben 2016 bei Unfällen im Straßenverkehr, 700 mal so viele (233.716) starben im Jahr davor an Krebs.

Es besteht also kein Grund, den nationalen Notstand auszurufen, nur weil eine Kinderkrankheit zurückkehrt, die Deutschland eigentlich bereits ausgerottet haben wollte. Das könnte man meinen. Das meinen auch viele. Bittesehr. Dies ist ein freies Land.

Wenn das Meinen aufhört und das Tun beginnt, dann ist auch die Grenze der Toleranz schnell erreicht. Zum Beispiel dann, wenn Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen. Sie entscheiden ja nicht für sich allein, was schon verrückt genug wäre, sondern für ihre Babys, die sich nicht gegen ihre Eltern wehren können. Es spricht sehr viel dafür, diesen Eltern die Freiheit zu nehmen und eine staatliche Impfpflicht einzuführen.

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„March for Science“: Woher kommt der Hass auf Forscher?

Bild: heise online
In aller Welt sind Wissenschaftler mit wachsender Skepsis und sogar Anfeindungen konfrontiert. Manche müssen ihr Land verlassen – und bekommen Asyl in Deutschland. Am Samstag nun wollen Menschen in aller Welt für die Freiheit der Forschung demonstrieren.

Von Violetta Kuhn | heise online

Das Ende ihrer wissenschaftlichen Karriere in der Türkei besiegelte Latife Akyüz selbst, mit einer einfachen Unterschrift. Die Forscherin unterzeichnete im Januar 2016 eine Petition und forderte darin den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan auf, mit den Kurden im Land Frieden zu schließen. Unmittelbar darauf habe eine wahre Lynchkampagne gegen sie begonnen, erzählt sie. „Es war beängstigend.“

Die Lokalzeitung ihrer Stadt Düzce, nahe Istanbul, berichtete über sie als „Terroristin“ an der örtlichen Universität, TV-Sender schlossen sich an, in den sozialen Medien ergoss sich Hass über die heute 42-Jährige. Akyüz wurde suspendiert, festgenommen, mit einem Reiseverbot belegt und schließlich wieder freigelassen – „alles innerhalb von drei Tagen nach meiner Unterschrift“, sagt Akyüz. Sie verließ erst die Stadt, dann das Land. Heute forscht die Sozialwissenschaftlerin in Frankfurt, wo sie eine Art wissenschaftliches Asyl bekommen hat.

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Bericht über die Arbeit des Sekten-Info NRW

Die hohe Anzahl an Beratungsfällen in den letzten Jahren hat sich auch im Jahr 2016 nicht verändert. Die Arbeit im Konfliktfeld der neuen religiösen und ideologischen Bewegungen und Psychogruppen gestaltet sich fortwährend spannend und arbeitsintensiv. Die Gruppen versprechen Glück, Lebenserfüllung und einfache Antworten auf komplexe Fragen.

Von Sabine Riede | Sekten-Info NRW

Neu ist die steigende Zahl von Menschen, die bereit sind, Verschwörungstheorien Glauben zu schenken. Ob Reichsbürger, Impfgegner, Verschwörungstheoretiker oder Esoteriker, immer mehr Menschen richten sich nicht nach Evidenzen, sondern nach Gefühlen. Neben der konsumorientierten Esoterik, die nach wie vor den größten Zulauf zu verzeichnen hat, bilden sich immer wieder neue kleine Gruppen mit einer hohen Abhängigkeit der Mitglieder. Auch gibt es erschütternde Beispiele von Menschen, die abseits der Schulmedizin nach Heilungsmöglichkeiten suchen oder Menschen, die aus Glaubensgründen einen Kontaktabbruch zu den eigenen Kindern zulassen. Die großen bekannten Gemeinschaften der 80er Jahre haben eher rückläufige Mitgliederzahlen.

Insgesamt wurden im Jahr 2016 963 Anfragen beim Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. registriert. Von den 963 Anfragen erhielten 489 Personen durch ausführliches Informationsmaterial und ein bis zwei klärende Gespräche Hilfestellung von den MitarbeiterInnen des Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V.. In 474 Fällen war ein intensiverer und längerer Beratungsverlauf mit bis zu 27 Fachkontakten notwendig. Um einen besseren Vergleich mit den Vorjahren zu ermöglichen, sind wie jedes Jahr die 489 Informationsanfragen und die 474 Beratungsfälle in zehn Kategorien zusammengefasst worden. Insgesamt sind in den zehn Kategorien Anfragen mit der Bitte um Information und Beratung zu 350 verschiedenen Gruppierungen und Anbietern enthalten (vgl. Diagramm 1).

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«Impfungen führen zu Krebs und Masturbation»

Zita Schwyter ist bekennende Impfgegnerin.Bild: fr/ Toggenburger Zeitung
Zita Schwyter ist bekennende Impfgegnerin.Bild: fr/ Toggenburger Zeitung
Im Toggenburg machen die Impfgegner zunehmend mobil. Die Heilpraktikerin Zita Schwyter spricht sogar von einer Impfkrankheit mit schauerlichen Symptomen.

20min.ch

«Symptome der Impfkrankheit: Schlafstörung, Legasthenie, Stottern, Autismus, Hirntumor oder Masturbation», heisst es auf einem Zettel im Behandlungszimmer von Heilpraktikerin Zita Schwyter aus Uznach SG. Das alles seien mögliche Folgen, wenn Eltern ihre Kinder impfen lassen, so heisst es in der«Toggenburger Zeitung».

Mit ihrer Haltung ist Impfgegnerin Schwyter nicht allein. Im Toggenburg gibt es laut der Zeitung derzeit einen regelrechten Run auf «Informationsabende» rund um das Thema Impfen. Und die Impfgegner finden offenbar Gehör, denn laut der Weltgesundheitsorganisation WHO lassen sich immer weniger Menschen impfen.

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Studie zu HPV ist ein Fest für Impfgegner

 Mädchen soll die Immunisierung gegen Humane Papillomviren (HPV) vor Gebärmutterhalskrebs bewahren. (Foto: dpa)
Mädchen soll die Immunisierung gegen Humane Papillomviren (HPV) vor Gebärmutterhalskrebs bewahren. (Foto: dpa)
  • Eine Studie in einem Fachmagazin sät Zweifel an der Impfung gegen den Auslöser von Gebärmutterhalskrebs.
  • Die Arbeit enthält nach Ansicht vieler Wissenschaftler grobe Mängel. Die Studie japanischer Forscher müsse zurückgezogen werden, fordern sie.
  • Die Wirksamkeit und Sicherheit von HPV-Impfungen ist gut belegt. Dennoch ist die Impfskepsis in einigen Ländern groß.

Von Kathrin Zinkant | Süddeutsche.de

Das Postfaktische hat im ausklingenden Jahr eine überraschend steile Karriere hingelegt. Vergessen wird dabei gern, dass die Ignoranz gegenüber Tatsachen keineswegs ein neues Phänomen ist – zum Beispiel was Impfungen betrifft. Aktuell betrifft es die Schutzimpfung gegen Humane Papillomviren, kurz HPV. Das zeigt ein Streit um ein Forschungspapier, das vor wenigen Wochen im Open Access Journal Scientific Reports erschien.

Japanische Wissenschaftler wollen darin belegen, dass extrem hohe Dosen des HPV-Impfstoffs Gardasil in Mäusen ein schweres neurologisches Syndrom verursachen können. Die Autoren der Studie nennen es HANS, für „HPV associated neuro-immunopathetic syndrome“. Mehrfach legen die Forscher nahe, dass die Impfung das Syndrom auch im Menschen auslöst, obwohl ihre Arbeit eine solche Deutung nicht zulässt – unter anderem, weil den Mäusen eine tausendfach höhere Dosis verabreicht wurde.

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Krieg gegen die Wissenschaft

Klimaskeptiker streiten vehement ab, dass der Mensch schuld sei an dem Temperaturanstieg auf der Erde Foto: imago/Jochen Tack
Die Antiaufklärung formiert sich und bedroht auch die Demokratie, warnt der Wissenschaftsjournalist Shawn Otto in den USA.
 

Von Manfred Ronzheimer | taz.de

Wissenschaft in den USA ist unter Beschuss, aber nicht nur dort. Das Lager der Skeptiker wächst: von Kreationisten, die in der Schule die Evolutionslehre durch den Schöpfungsbericht der Bibel ersetzen wollen, über Impfgegner, die sich der Schulmedizin verweigern und damit Masern-Epidemien in der breiten Bevölkerung auslösen, bis zu den Leugnern des vom Menschen ausgelösten Klimawandels. Vor allem wollen die Wissenschaftsverweigerer nicht länger passiv in ihrem Winkel der Ignoranz verharren, sondern aktiv und aggressiv auf Forschung und Lehre Einfluss nehmen.

Der US-amerikanische Wissenschaftsjournalist Shawn Otto hat diese Bewegungen der Gegenaufklärung jetzt in einem Buch zusammengefasst, dem er den etwas martialischen Titel „The War on Science“ (Krieg gegen die Wissenschaft) gegeben hat. Was Otto alarmiert: „In den letzten 20 Jahren ist die anti­wissenschaftliche Haltung in der Politik völlig akzeptabel geworden“.

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„Genmanipulierte Lebensmittel sind nicht schädlich“

Bild: International Rice Research Institute (IRRI) CC BY 2.0
Bild: International Rice Research Institute (IRRI) CC BY 2.0
Diplom-Biologin Julia Offe hält die Befürchtungen für völlig absurd und sieht sogar Chancen. Im Interview spricht sie außerdem über Heilpraktiker, Wünschelrutengänger und Impfgegner.

Von Marco Tripmaker | DIE WELT

Persönliche Heilungsgebete für fünf Euro, hellseherischer Kontakt zu Verstorbenen und Klangschalen, die auf dem Bauch stehend zur Ich-Findung und Entspannung beitragen sollen:

Diplom-Biologin Julia Offe (43) überfällt auch Wochen nach dem Besuch der letzten Esoterik-Messe ein Schmunzeln, wenn sie über die Dinge, die sie dort gesehen hat, spricht. Gepaart mit einem Gefühl von Wut, „denn es ist doch unglaublich, wie viele Menschen auf solchen Veranstaltungen hinters Licht geführt werden.“

Julia Offe ist Vorstandsmitglied bei der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften – kurz Skeptiker –, ein Verein mit bundesweit 1400 Mitgliedern, der sich gegen Pseudowissenschaften und Esoterik wendet. Bis Sonnabend tagen die Skeptiker mit interessanten, öffentlich zugänglichen Vorträgen in der HAW Hamburg. Die „Welt“ sprach mit Julia Offe über Gentechnik, Heilpraktiker und Wünschelrutengänger.

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Impfgegner verliert 100.000-Euro-Wette – muss aber nicht zahlen

© dpa Masern wegen Trennungstraumata? Der Impfgegner Lanka bei seinem ersten Prozess um die verlorene Wette im März 2015.
Im Internet hat ein Impfgegner die Existenz von Masernviren bestritten und demjenigen viel Geld versprochen, der sie nachweisen könne. Als das passierte, wollte er nicht zahlen. Ein Gericht gab ihm nun recht. Warum?

Frankfurter Allgemeine

In einem skurrilen Wettstreit um die Existenz von Masernviren hat es eine überraschende Wende gegeben: Ein Impfgegner vom Bodensee ist nicht dazu verpflichtet, einem Mediziner aus dem Saarland eine von ihm ausgelobte Prämie über 100.000 Euro für den Nachweis des Masernvirus zu zahlen. Das Oberlandesgericht Stuttgart gab der Berufung des 52 Jahre alten Impfgegners am Dienstag statt. Das Landgericht Ravensburg hatte ihn vor einem Jahr noch zur Zahlung der Wettschuld an den Arzt verpflichtet.

Es habe sich bei der Ankündigung des Impfgegners nicht um eine Wette oder ein Preisausschreiben gehandelt, auf die der heute 32 Jahre alte Mediziner aus dem Saarland reagiert hatte, sondern um eine Auslobung. So begründet es jedenfalls das Oberlandesgericht in seinem Urteil. Und dabei bestimme alleine derjenige, der auslobt, die Regeln und wofür er bezahlt.

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Studie: Kein Autismus durch Masern-Impfung

Bild: Centers for Disease Control/Barbara Rice (Public Domain - USGov)
Bild: Centers for Disease Control/Barbara Rice (Public Domain – USGov)
Erneute Entwarnung: Die Angst vor einem erhöhten Autismus-Risiko von Kindern durch die Masern-Mumps-Röteln -Impfung ist unbegründet. Das belegt die bisher größte Studie dazu mit gut 95.000 Kindern. Sie zeigt erneut, dass unter den als Säugling geimpften Kindern nicht mehr Autismus-Fälle auftreten als bei den nichtgeimpften. Dies galt selbst in den Familien, in denen es bereits ältere Geschwister mit Autismus gab, wie die Forscher im Fachmagazin „JAMA“ betonen.


scinexx

Das Gerücht, die Masern-Mumps-Röteln-Kombinationsimpfung (MMR) würde Autismus verursachen, kuriert seit Ende der 1990er Jahre. Auslöser war damals eine Veröffentlichung im Fachmagazin „The Lancet“, die sich hinterher nicht nur als falsch herausstellte, sondern sogar als teilweise auf gefälschten Daten beruhend. Seither haben zahlreiche Studien diesen vermuteten Zusammenhang wiederlegt.

Längst widerlegt – doch Ängste bleiben

Zudem weiß man heute, dass sich Indizien für einen Autismus bei den betroffenen Kindern schon lange vor der Impfung feststellen lassen: Sie zeigen unter anderem veränderte Hirnströme und ein stärkeres Kopfwachstum. Die auffallenden Symptome im Verhalten treten allerdings meist erst mit etwa eineinhalb bis zwei Jahren auf – und damit nach der MMR-Impfung. Deshalb hält sich die Angst mancher Eltern vor der Impfung hartnäckig – auch angeheizt durch Impfgegner.

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Impfgegner muss 100.000 Euro an Arzt zahlen

Bereits mehr als 900 Menschen in Deutschland haben sich in diesem Jahr nachweislich mit Masern angesteckt© Lukas Schulze/DPA
Ein Impfgegner muss in einem kuriosen Streit um die Existenz von Masernviren 100 000 Euro an einen Arzt zahlen. Das hat das Landgericht Ravensburg entschieden.


stern.de

Der Biologe hatte im Jahr 2011 demjenigen eine entsprechende Prämie ausgelobt, der die Existenz und Größe der Masern-Viren mit Hilfe von wissenschaftlichen Publikationen belegen könne. Der Mediziner hatte genau das getan und die Summe vor Gericht eingefordert. Die Richter gaben ihm Recht.

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Am Berliner Helmholtzplatz feiert die Idiotie fröhliche Urständ

Credit: Wellcome Library, London/CC BY 4.0
Credit: Wellcome Library, London/CC BY 4.0
Es ist erstaunlich, warum Deutsche so schnell in die USA schauen, wenn sie nach Prototyp-Idioten suchen. Religiöse Amerikaner findet man besonders dumm. Vor allem die, die glauben, Gott hätte die Welt in sechs Tagen erschaffen und zwar erst vor ein paar Tausend Jahren.


Böss in Berlin

Diese Leute nennen sich Kreationisten und bauen Museen, in denen Kinder auf Dinosauriermodellen reiten können, denn einst lebten Dinosaurier und Mensch nebeneinander. Eine These, die noch plausibler wäre, wenn es bei Jesaja heißen würde: „Tyrannosaurus Rex und Lamm sollen weiden zugleich, der Herrerasaurus wird Stroh essen wie ein Rind, und der Allosaurus soll Erde essen. Sie werden nicht schaden noch verderben auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.“

Tatsächlich bringen die Kreationisten ein beeindruckendes Maß an Ignoranz gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen mit. Sollte das ein Maßstab für Dummheit sein, sind die Kreationisten tatsächlich dumm. Dann müsste aber auch nicht extra in die USA geschaut werden. Ein Blick nach Berlin würde völlig reichen. Genauer: Berlin Prenzlauer Berg. Hier leben gebildete Jungeltern, die ihre Kinder nicht impfen. Mit wissenschaftlichen Erkenntnissen muss man denen gar nicht kommen. Die kennen all diese Argumente und haben sie geprüft, doch sie konnten nicht vor ihrem homöopathischen Gewissen bestehen. Deswegen werden die Kinder nicht geimpft. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus vollster Überzeugung.

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Esoteriker und Impfgegner: Immun gegen die Wissenschaft

So sieht der Impfpass eines Impfgegners aus picture alliance
Die Lehrerin schwingt das Pendel, der Manager rennt zum Guru, der IT-Fachmann liest Bücher über morphologische Felder. Das alles spielt sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts ab, über 250 Jahre nach Beginn der Aufklärung. Und es betrifft zumeist Angehörige bildungsnaher Gesellschaftsgruppen


Von Alexander Grau|Cicero

Kritik ist der Anfang aller Aufklärung. Deshalb sind wir so stolz auf unser kritisches Bewusstsein. Und deshalb schulen wir das kritische Denken unserer Kinder.

Doch Aufklärung ist eben nicht nur Kritik. Aufklärung bedeutet immer auch Bejahung, Bekenntnis und Zustimmung: zur wissenschaftlichen Rationalität etwa, zu den Methoden der Naturwissenschaften, zu einem wissenschaftlich fundierten Weltbild. Eine Aufklärung, die sich in Kritik erschöpfen würde, wäre keine Aufklärung, sondern lediglich eine andere Form von Borniertheit.

Irrsinn im Namen der Aufklärung

Aufklärung pendelt daher immer zwischen zwei Polen. Einerseits muss sie an dem Erklärungsanspruch wissenschaftlicher Rationalität festhalten, ohne dabei in Dogmatismus zu verfallen. Zugleich muss sie kritische Distanz wahren, ohne dabei zu einem blinden Kritizismus zu verkommen. Aufklärung ist ein kompliziertes Geschäft.

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Esoterik und Aberglaube: Argumente gegen „Bullshit“

Bild: brightsblog
Bild: brightsblog
Die Skeptiker Rhein-Main wollen Anhänger von Esoterik und Verschwörungstheorien von der Realität überzeugen. Doch manchmal hilft nur Kopfschütteln.


Von Leonie Feuerbach|Frankfurter Allgemeine

Himalaya-Salz hat eine ganz andere Energie als gewöhnliches Salz. Im Zeichen des Steinbocks Geborene sind ernsthafte Menschen, jene mit Sternzeichen Löwe lebensbejahende. Wer erste Zeichen einer Erkältung spürt, sollte das homöopathische Mittel Umckaloabo nehmen. Was diesen Aussagen gemein ist? Sie sind wissenschaftlich nicht haltbar. Und sie treiben Holm Gero Hümmler auf die Palme. Hümmler ist promovierter Physiker und Mitglied der Skeptiker Rhein-Main. Er will esoterische Mittelchen und Verschwörungstheorien mit den Methoden der Wissenschaft entlarven.

An einem Abend im Januar steht Hümmler auf der Bühne des Club Voltaire in der Innenstadt. Die Zuhörer drängeln sich von der Bühne im hinteren Teil des Kellergewölbes bis vorne an die Bar. Quantenmechanik und Relativitätstheorie, sagt Hümmler zum Publikum, würden oft bemüht, um abstruse Konzepte vermeintlich wissenschaftlich zu belegen. Hinter alldem steckt laut Hümmler das gleiche Schema. Die Autoren nehmen wissenschaftliche Begriffe und verwenden sie in ihrer Alltagsbedeutung. So werde etwa aus Masse Energie und daraus die Energie der Gedanken. „Das ist aus Sicht der Relativitätstheorie totaler Bullshit.“ In der Quantenphysik geht es um kleinste Teilchen, die sich auf eine Art und Weise verhalten, die nur schwer vorstellbar ist, wie er erklärt.

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