Christoph Benzmüller: Der Gottesbeweiser

Christoph Benzmüller lässt Studierende nach Gott suchen. Dafür bekam er jetzt den Lehrpreis der FU.Foto: promo
Vor drei Jahren bewies Christoph Benzmüller Gott am Computer. Nun erhält er den Lehrpreis der FU für seine Vorlesung über „Compuational Metaphysics“

Von Luisa Hommerich | DER TAGESSPIEGEL

In einer Woche, wenn das Semester an der Freien Universität beginnt, werden sich Christoph Benzmüllers Studierende an ihre Computer setzen und sich daran machen, die Existenz Gottes zu beweisen – oder sie zu widerlegen. „Computational Metaphysics“ heißt die Vorlesung, in der 30  Master-Studierende der Philosophie, der Mathematik und der Informatik lernen werden, philosophische Argumente auf ihren logischen Kern zu reduzieren und mit einem Programm auf Widersprüche zu prüfen.

Für das Konzept der Lehrveranstaltung erhielt der Informatikprofessor Christoph Benzmüller am Montagabend den mit 10 000 Euro dotierten Lehrpreis der Freien Universität. Damit ausgezeichnet werden seit 2013 herausragende Projekte, die die Ergebnisse der Spitzenforschung in die Lehre bringen. Die Auszeichnung sowie das Konzept der „forschungsorientierten Lehre“ sind Bestandteile des Exzellenzkonzeptes der FU.

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Chaostheorie: Nicht-lineares Systemverhalten

Jim Al-Khalili Chaostheorie [DVD] Verlag: Furnace und TVF International / Komplett-Media, Grünwald 2016 ISBN: 9783831281855 19,99 €
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Kleine Manipulationen an einem System können zu dramatisch verschiedenen Entwicklungen führen: Das ist die Kernaussage der vorliegenden Filmdokumentation, durch die uns der Physiker Jim Al-Khalili von der University of Surrey (England) führt. Al-Khalili befasst sich unter anderem mit Alan Turing (1912-1954), einem der einflussreichsten Theoretiker der frühen Computerentwicklung und Informatik.

Von Stefan Gillessen | Spektrum.de

1952 veröffentlichte dieser ein theoretisches Modell (den „Turing-Mechanismus“), mit dem sich beschreiben lässt, wie Dinge spontan Gestalt annehmen. Solche Selbstorganisationsprozesse gibt es in der Natur viele, etwa die Morphogenese bei Embryonen, die Bildung von Sanddünen oder das Entstehen farbiger Muster auf Tierfellen. Turing initiierte damit eine Disziplin, deren Fortschritte er nicht mehr verfolgen konnte – er nahm sich mit 41 Jahren das Leben, vermutlich infolge der Hormonbehandlung, zu der er als Homosexueller genötigt worden war.

Ungefähr zeitgleich, aber ohne von Turing zu wissen, entdeckte der russische Chemiker Boris Beloussov (1893-1970) Systeme aus mehreren chemischen Reaktionen, die nichtlinear reagieren und so zeitliche Oszillationen aufweisen. Mathematisch werden derlei Vorgänge durch Gleichungen beschrieben, wie Turing sie entdeckt hatte. Veröffentlichen konnte Beloussov seine bahnbrechenden Erkenntnisse nicht, denn seine Kollegen glaubten ihm nicht. Wie konnten die einfachen Gleichungen, denen ein solches System gehorcht, ein so kompliziertes Verhalten hervorbringen?

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Gender: Das Biologische ist auch sozial – Ideologie in die Biologie

Bilden Fische wirklich einen „Harem“? Biologen sind nicht immer dagegen gefeit, unreflektiert Begriffe aus der Menschen- auf die Tierwelt zu übertragen – inklusive menschlicher… – Foto: picture alliance / Reinhard Dirscherl
Oft wird behauptet, Biologie stehe im krassen Widerspruch zur Genderforschung. Das ist falsch. Beide sollten zusammenarbeiten.
 

Von Kerstin Palm|DER TAGESSPIEGEL

„Was? Du bist Biologin und Genderprofessorin? Wie passt das denn zusammen?“ Solche und ähnliche Reaktionen begegnen mir immer wieder, wenn ich Auskunft gebe über meinen Beruf. Diese Bemerkungen zeigen zum einen, dass die Genderforschung eher in den Geistes- und Sozialwissenschaften als in den Naturwissenschaften verortet wird. Zum anderen aber glauben die meisten, wie daran anschließende Gespräche ergeben, dass zwischen Geschlechtertheorien der Biologie und der Genderforschung ein tiefgreifender Widerspruch besteht. Liefert die Biologie nicht objektive Fakten über feststehende biologische Geschlechterunterschiede, die von der Genderforschung vehement bestritten werden, weil sie alle Geschlechterdifferenzen als gesellschaftlich konstruiert ansieht?

Um solche Missverständnisse und Fehleinschätzungen zum Tätigkeitsbereich der Genderforschung zu überwinden, helfen Beispiele aus meinem Forschungsbereich und zunächst einmal grundlegende Einblicke in das umfassende interdisziplinäre Feld der Geschlechterforschung.

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Massenvernichtungswaffen: Studienverbot für verdächtige ausländische Studenten

Milzbrandsporen. Bild: CDC
In Großbritannien wurden seit 2007 fast 1000 Postgraduierte abgewiesen, Abgeordnete wollen nun auch britische Studenten einbeziehen, die „homegrown“ Terroristen werden könnten


Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Im Vorlauf zum Irak-Krieg, als die US-Regierung mit der Hilfe der britischen Regierung „Beweise“ dafür fabrizierten, dass Hussein weiterhin Programme zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen habe, kam auch Rihab Taha ins Spiel. Die auch „Dr Germ“ genannte Wissenschaftlerin hat in Großbritannien 1980-1984 Mikrobiologie studiert und sich mit pflanzlichen Toxinen beschäftigt. Sie galt zusammen mit Huda Salih Mahdi Ammash oder „Mrs Anthrax“ als der Kopf hinter dem irakischen Programm zur Herstellung von biologischen Waffen. Beide Frauen wurden festgenommen und 2005 wieder von den Amerikanern aufgrund nicht wirklich bekannter Gründe aus der Haft entlassen (Absolution für die Bösen).

Vermuten lässt sich nur, dass Taha, die sich den Amerikanern gestellt hatte, bereitwillig über das Waffenprogramm gesprochen haben wird. Nach dem ersten Golfkrieg hatte sie gegenüber UN-Inspektoren zugegeben, Anthrax, Clostridium, Rizin etc. hergestellt zu haben. Vermutlich wurde dabei klar, dass es nach dem ersten Golfkrieg kein solche Programm mehr gab. Dazu kommt, dass die USA dem einstigen Verbündeten gegen den Iran neben chemischen Waffen auch Kulturen von Milzbrand, Botulinum, Clostridium, West-Nil-Virus oder Pest geliefert hatte. Gut möglich also, dass man lieber keinen Prozess wollte, der manches schwarze Kapitel der US-Politik noch einmal hätte aufkommen lassen, nachdem man bereits unter falschen Behauptungen den Krieg legitimiert hatte (Der Irak, die USA und die Massenvernichtungswaffen). Ganz ausgeschlossen ist aber auch nicht, dass sie auf Druck des al-Qaida-Führers al-Sarkawi, auf den der Islamische Staat zurückgeht, freigelassen wurde. Dieser hatte 2004 drei Geiseln genommen (und getötet) und die Freilassung aller gefangenen Frauen verlangt. Die einzig bekannten weiblichen Gefangenen der Amerikaner waren Taha und Ammash.

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Apokalyptisch: Höllensturz und Hoffnung

Zehn Professoren aus Deutschland glauben, dass unsere Zivilisation kurz vor dem Zusammenbruch steht.

kath.net

„Wir sind zehn Professoren aus Deutschland. Und wir glauben, dass unsere Zivilisation kurz vor dem Zusammenbruch steht. Allen Ernstes. Wir sind national und international anerkannte Topexperten in den Feldern Medizin, Finanzen, Ethik, Psychologie, Biophysiologie, Wirtschaft, Informatik, Rechtswesen und Biophysik. Und wir sehen den Berg, an dem unsere Gesellschaft zerschellen wird, auf uns zu kommen. Das Ende der Welt zu beschwören hat derzeit wieder Konjunktur, das wissen wir. Nichts liegt uns ferner, als uns in den Chor der Kassandras einzureihen, die das Abschmelzen der Polkappen beklagen, die Vergiftung der Meere, die Überbevölkerung … Das alles findet statt. Was uns bevorsteht, ist aber noch viel schlimmer als all das.“

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Queen begnadigt schwules Code-Genie Alan Turing

Der geniale Code-Knacker Alan Turing im Alter von 16 Jahren AFP
Alan Turing war ein mathematisches Genie. Weil er homosexuell war, wurde er allerdings 1952 verurteilt – eine anschließende Hormon-Behandlung trieb ihn offenbar in den Tod. Jetzt hat in die Queen begnadigt. Kritikern geht das aber nicht weit genug.

FOCUS ONLINE

Er half den Briten entscheidend dabei, den Zweiten Weltkrieg zu gewinnen, und wurde doch Opfer seiner Zeit. Alan Turing, der die weltberühmte Enigma-Maschine der Nazis mit knackte, beging 1954 Selbstmord. Ein Anlass dazu war wohl eine chemische Behandlung, die ihm ein Gericht verordnet hatte – weil er homosexuell war. Für diese Verurteilung hat sich die Queen nun entschuldigt und Turing rehabilitiert, berichtet der „Guardian“.

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Informatik-Professor: „Arterhaltung ist nicht der Sinn des Lebens“

Eckhard_Kruse-Der_Geist_in_der_Materie

Den Erkenntnissen der modernen Geistesforschung begegnen auch Naturwissenschaftler heute nicht mehr nur mit Ablehnung. Dem Heidelberger Eckhard Kruse – seit 2008 Professor für Angewandte Informatik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim – gelang in seinem Buch „Der Geist in der Materie“ eine überzeugende Synthese von Wissenschaft und Spiritualität. Eine der Ideen: Das Gehirn ist nicht die zentrale Recheneinheit, sondern ein Internet-Browser. Und jenseits des Alltagsbewusstseins gebe es eine Fülle unterschiedlicher Bewusstseinszustände.

Rhein-Neckar-Zeitung

Herr Professor Kruse, was treibt einen Informatiker dazu, das Geistige zu suchen?

Es sind letztlich Erfahrungen, die ich gemacht habe, etwa bei Selbsterfahrungsseminaren wie der Familienaufstellung. Oder bei der Meditation. Da gibt es Phänomene, die nicht hineinpassen in die Weltsicht, die man als Schulwissenschaftler hat. Auch ein Gedankenübertragungserlebnis mit meiner Frau gehört dazu. Ich habe dann versucht, die Sache systematisch anzugehen. Es gibt eine Menge Bücher über Gedankenübertragung, Telepathie, Hellsehen. Selbst der amerikanische Geheimdienst hat da im Bereich Spionage geforscht. Nicht alles ist natürlich ernst zu nehmen.

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Gerd Doeben-Henisch: Der informationelle Grenzgänger

Prof.Dr.phil Dipl.theol Gerd Döben-Henisch, Bild: homepage

Länger als zwei Jahrzehnte war Gerd Doeben-Henisch Mitglied des Jesuitenordens, bis er aus der Kirche austrat und sich der Informatik zuwandte. Die Wissenschaft bietet ihm nun neue Sichtweisen auf alten Fragen.

Von Gregor HonselTechnology Review

Wenn Gerd Doeben-Henisch sich Zeit nimmt, aus seinem Leben zu erzählen, landet das Gespräch rasch bei grundsätzlichen Dingen – beim menschlichen Bewusstsein, bei formaler Logik, bei Gott. Er spricht über philosophische Sackgassen, spirituelle Erlebnisse und Glaubenskrisen, über künstliche Intelligenz, Genetik und Evolution.

Dabei kann er aus der Erfahrung von zwei verschiedenen Leben schöpfen: Eines vor dem März 1990, eines danach. Damals trat der heute 63-Jährige aus der Kirche aus – nach 22 Jahren im Jesuitenorden, nach Theologiestudium und Priesterweihe. Seitdem beschäftigt er sich vor allem mit Informatik und künstlicher Intelligenz und ist heute Professor an der Fachhochschule Frankfurt. Wie passen diese beiden Leben zusammen? Sind Religion und Computer tatsächlich zwei Sphären von so unterschiedlicher Natur wie Eier und Äpfel? Oder kann Theologie die Informatik im Gegenteil sogar bereichern?

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Professorale Märchenstunde

Prof. Dr. Thomas Schimmel, Institut für angewandte Physik, Uni Karlsruhe

„Je mehr wir von der Natur entdecken, desto größer wird Gott.“ Diese Ansicht vertrat der Physikprofessor Thomas Schimmel (Karlsruhe) auf der Hauptkonferenz der Studiengemeinschaft Wort und Wissen, die vom 3. bis 6. Juni in Rehe (Westerwald) stattfand.

factum online

Nach den Worten von Professor Schimmel sind die bis ins kleinste Detail abgestimmten Gesetzmäßigkeiten in der Natur ein Hinweis auf das Wirken eines Schöpfers. Der britische Physiker Paul Davies habe diese Feinabstimmung mit der Präzision eines Scharfschützen verglichen, der ein Ziel mit einem Zentimeter Durchmesser am anderen Ende des beobachtbaren Universums treffe.

Schimmel zufolge kann die Wissenschaft die Naturgesetze lediglich verstehen, aber nicht sagen, woher die Spielregeln kommen. Zwar lasse die Größe des Universums die Größe des Schöpfers erahnen, man könne Gott aber nicht mit naturwissenschaftlichen Methoden beweisen. Deshalb dränge sich die Frage auf, wie der Mensch mit seinen begrenzten Erkenntnissen in einem riesigen Universum Gott finden könne.

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