Papst kritisiert Politik: Instrumentalisierung von Angst

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Papst Franziskus hat die Instrumentalisierung von Ängsten durch Politiker angeprangert. Für überwunden gehaltenes Misstrauen, Verachtung bis hin zu Hass gegenüber Angehörigen anderer Ethnien, Nationen oder Religionen verbreiteten sich heute erneut, beklagte er am Donnerstag im Vatikan.

evangelisch.de

Politiker fielen der Versuchung anheim, Ängste zu instrumentalisieren und aus kurzsichtigen Wahlkampfinteressen heraus illusorische Versprechen zu machen. Wieder erstarkte Ängste führten zu Intoleranz, Diskriminierung und Ausgrenzung, sagte der Papst bei einer Audienz für Teilnehmer einer Antirassismus-Konferenz im Vatikan. Die damit einhergehende Verletzung von Grundrechten gehe bis hin zu Bedrohungen der körperlichen Unversehrtheit, sagte er unter Anspielung auf Übergriffe auf fremdländisch aussehende Menschen.

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Thilo Sarrazin – Rassismus im Gewand der Religionskritik

Dieser Weg wird kein leiser sein: Thilo Sarrazin holt in Berlin zum Rundumschlag gegen den Islam aus / picture alliance
In seinem neuen Buch warnt Thilo Sarrazin vor einer vermeintlichen Islamisierung Europas. Das Werk offenbart nicht nur eine erschreckende Unkenntnis der Quellen. Es scheitert auch an einem wesentlichen Widerspruch

Von ABDEL-HAKIM OURGHI | Cicero

Wer hätte geahnt, dass die seit Jahrhunderten andauernde Sinnkrise des Islam zusehends zu einer Krise des Westens wird? Dass sich zahlreiche gesellschaftliche Probleme des Westens in der Debatte um den Islam bündeln und hitzige Diskussionen entfachen? Trotz aller Forschungen zum Islamismus, trotz aller Kriege in der islamischen Welt und trotz aller Anstrengungen um einen islamischen Religionsunterricht muss man konstatieren: Die Islamwissenschaftler haben viele aktuelle Entwicklungen verschlafen und ihre Deutungshoheit im Diskurs über den Islam verloren. Dominiert wird die Debatte von Stimmen, die laut und undifferenziert, aber erfolgreich Alarm schlagen. Dazu braucht man anscheinend weder Kenntnisse des Arabischen noch aktive Erfahrung mit den Muslimen und der islamischen Welt, weder Vertrautheit mit den Originalquellen noch eigene Recherchen.

Eine dieser lauten Stimmen ist der Volkswirt und Publizist Thilo Sarrazin. Fünf Kernüberzeugungen lassen sich aus seinem neuen Werk „„Feindliche Übernahme. Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“ gewinnen. Erstens: Die Rückständigkeit des Islam sei auf die wortwörtliche Interpretation des Korans zurückzuführen. Dieser Islam sei „beim besten Willen keine Religion des Friedens und der Toleranz, sondern eher eine Gewaltideologie“, in der Liebe und Barmherzigkeit nur den gläubigen Muslimen gälten. Ferner begünstige die Religion des Islam „Autoritätshörigkeit und Gewaltbereitschaft“ und befördere Stagnation, Intoleranz und Unbildung, indem sie „Wissbegier und Veränderungsbereitschaft“ behindere.

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Philosoph Alexander Grau: „Hier prallen Milieus aufeinander“

foto: reuters / david w. cerny Leben in der eigenen Blase, im eigenen „Stamm“ mache Gesellschaften unfriedlich, sagt der Philosoph Alexander Grau.
Der Philosoph Alexander Grau ortet in den westlichen Gesellschaften eine neue Lust an der Empörung, kombiniert mit einer meinungsbildenden „Hypermoral“. Dies führe zu Vereinfachung, Ideologisierung – und letztlich Intoleranz

Interview Walter Müller | derStandard.at

Mitunter bedarf es bloß eines Stichwortes, eines Namens, und das Netz fällt in Schnappatmung: #MeToo, Felix Baumgartner, Andreas Gabalier – und schon geht’s rund in der Posting- und Twittercommunity.

Der deutsche Essayist und Philosoph Alexander Grau ortet etwas Genüssliches an diesem Phänomen der kollektiven Erregung, eine „Neue Lust an der Empörung“. Alexander Grau befindet, eine „Hypermoral“ habe Platz gegriffen, und dieser „Hypermoralismus“ sei zu einer Leitideologie, zum meinungsbildenden Monopol geworden. Über dieses Phänomen hat er jüngst ein Buch geschrieben. „Alle anderen Erwägungen werden diskreditiert“, sagt Grau, „sogar technische, wissenschaftliche oder ökonomische Probleme werden zu moralischen Fragen umgedeutet.“

Der moralische Diskurs verfüge über ein „enormes Emotionalisierungspotenzial“, sagt Grau. Indem er Gefühle mobilisiere, entlaste er zugleich vom Nachdenken. Moralische Normen bildeten „das Wohlfühlbecken, in dem die Seele des modernen Menschen munter planscht“. Und dieser grassierende Moralismus trage nicht nur zu einer intellektuellen Vereinfachung, sondern auch zu einer „extremen Ideologisierung“ bei, sagt Grau.

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Dodo Ditib warnt vor Intoleranz in der Gesellschaft

Der türkisch-islamische Verband Ditib warnt vor einer wachsenden Intoleranz in der deutschen Gesellschaft. „Wir erleben heute wieder Anfeindungen auf unseren Straßen, die wir für überwunden hielten“, schreibt der Ditib-Vorsitzende Nevzat Asikoglu in seiner am Freitag in Köln veröffentlichten Weihnachtsbotschaft.

evangelisch.de

„Menschenfeindlichkeit und das Infragestellen unserer freiheitlich-demokratischen Werte auf vielen Ebenen unserer Gesellschaft werden bedauerlicherweise zunehmend salonfähig“, erklärte der Ditib-Vorsitzende. Auch der Umgang mit religiösen Minderheiten in der Welt stimme „sorgenvoll“.

Die Religionsgemeinschaften müssten sich gegen Hass und für den Zusammenhalt der Gesellschaft positionieren, erklärte Asikoglu. 2017 habe das Reformationsjubiläum evangelische, katholische, orthodoxe, jüdische und muslimische Gläubige in Deutschland näher zusammen gebracht, lobte der Ditib-Vorstandsvorsitzende.

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„Religion lenkt davon ab, die richtigen Dinge zu tun“

Als Kind wollte Martin Wagner Bischof werden. Jetzt ist er hessischer Landessprecher eines Konfessionslosenverbundes. Warum er Religionen für gefährlich hält und gut mit der Erkenntnis leben kann, „ein unbedeutendes Sandkörnchen in der Weltgeschichte“ zu sein, erzählt er im Interview.

hessenschau.de

Über ein Drittel der deutschen Bevölkerung gilt als konfessionslos. Einer von ihnen ist der Frankfurter Martin Wagner. Der 64-Jährige ist Landessprecher des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) Hessen. Für ihn ist die organisierte Religion mitverantwortlich für religiöse Gewalt und Intoleranz. Wagner arbeitet als Berater und engagiert sich in der Flüchtlingshilfe.

hessenschau.de: Herr Wagner, Sie waren früher Mitglied in der katholischen Kirche. Warum lehnen Sie Religion inzwischen ab?

Martin Wagner: Als Kind habe ich immer als Berufswunsch Bischof angegeben und bin auch bis zum Einschreiben in das Theologie-Studium gekommen. Dann habe ich mich in verschiedenen Etappen wegbewegt. Das begann mit politischen Gründen wie dem Aufstand der Jugend in den 68er-Jahren und ging bis hin zur Philosophie. Ich bin dann zum Marxisten geworden und zu einem ziemlich engagierten Atheisten.

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Bedford-Strohm – Mission ist Kontrolle

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat die Mission als „eine völlig unverzichtbare Dimension der Kirche und des Christseins“ gewürdigt.

evangelisch.de

Es komme nicht darauf an, ob andere Menschen die Botschaft vom menschenfreundlichen Gott überhaupt hören wollten, „von dieser Menschenfreundlichkeit aber gar nicht zu reden, wäre unverantwortlich“, sagte der Bischof am Donnerstag laut vorab verbreitetem Manuskript bei einer Predigt auf der Wartburg. Mit dem Gottesdienst unter freiem Himmel eröffnete er die Festwoche „500 Jahre Reformation in Eisenach“.

Dabei räumte er ein, dass Mission „nach 2.000 Jahren Christentum für viele Menschen kein positiv besetzter Begriff mehr“ sei. Viele würden damit „zuallererst Intoleranz, Absolutheitsanspruch, Zwangsbekehrung und eben auch blutige Gewalt“ verbinden. „Im Namen der Kirche, im Namen des Christentums ist bitteres Unrecht geschehen“, so Bedford-Strohm.

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Götz Aly: Weihnachten in Aleppo

 Zivilisten versuchen im Westen Aleppos, ihr Hab und Gut zu retten. Foto: dpa
Zivilisten versuchen im Westen Aleppos, ihr Hab und Gut zu retten. Foto: dpa
Anders als in Berlin lag in Aleppo Schnee an Weihnachten, und erstmals seit fünf Jahren feierten die Christen dort in Ruhe. Während des innerstädtischen Krieges standen sie weitgehend auf der Seite der Regierungsstreitkräfte, weil sie von diesen am ehesten Glaubensfreiheit erhofften, während die vielfach landesfremden Dschihadisten für sie Intoleranz, Not und Tod brachten.

Von Götz Aly | Berliner Zeitung

Wir müssen uns von der Einteilung in gut und böse verabschieden

Diese islamistischen Gotteskrieger wurden und werden von unseren Medien als „die Rebellen“ oder „die Opposition“ – sprich: als die Guten im syrischen Bürgerkrieg – verniedlicht, ebenso von Angela Merkel. Im scharfen Gegensatz zu ihr weigert sich der von Papst Franziskus im vergangenen Sommer ernannte, auch für Syrien zuständige Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, solchen Parteinahmen zu folgen.

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Intolerant sein wie die AfD? Kann die Kirche auch

Lutherjahr

Bei Protestanten gibt es Intoleranz sowohl gegenüber dem Islam als auch gegenüber der AfD.Einige Gemeinden sind offen für Muslime, nicht aber für evangelische AfD-Anhänger.Andere Gemeinden hegen ausgrenzende Vorurteile gegenüber Homosexualität und Islam.

Von Matthias Kamann | DIE WELT

Dieser Befund ist bitter für die evangelische Kirche. Nicht einmal aktive Gemeindeglieder interessieren sich für die Papiere, die an der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) verfasst werden.

Ja, egal sind jene Kirchentexte den Christen an der Basis sogar dann, wenn es um hochbrisante Themen geht, um Judenhass, um Abneigungen gegen Homosexuelle oder die Angst vor dem Islam. Auch da gilt, dass für die Gemeindeglieder „Informationen der EKD und Diskussionen auf der Ebene der EKD praktisch keine Rolle spielen“.

So steht es in einer Studie, die für einen besonders fleißigen Texte-Produzenten erstellt wurde, die EKD-Synode. Die hat für ihre diesjährige Tagung in Magdeburg vom Sozialforschungsinstitut Proval in einer qualitativen Untersuchung erheben lassen, wie an der Basis über das Verhältnis zu Juden, Homosexuellen und Muslimen gedacht wird.

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Junge Islamkonferenz: Wenn schwule Atheisten auf Muslime treffen

Nina Prasch, Leiterin der Jungen Islamkonferenz Quelle: Jakob Hoff
Nina Prasch, Leiterin der Jungen Islamkonferenz Quelle: Jakob Hoff
Die Junge Islamkonferenz bricht mit vielen Tabus der bisherigen Debatte um Muslime.
Das Diskurs-Projekt richtet sich gegen Ausgrenzungen sowohl bei Migranten als auch bei Deutschstämmigen. Resolutionen werden nicht geschrieben, weil diese laut den Organisatoren sowieso nur in Schubladen landen würden.

Von Matthias Kamann | DIE WELT

Gender muss sein. Es gibt „Wissenschaftlerinnen“ und „Bloggerinnen“, es geht um LGBT, das steht für Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender. Aber: Wir sind bei der Jungen Islamkonferenz (JIK). Das macht die Sache spannend: Lesben treffen auf Kopftuchträgerinnen. Atheisten auf Gläubige. Deutschstämmige auf Migranten.

Vielfalt also soll das Thema sein – fürs ganze Land. „Wer ist dieser Deutschland?“, heißt eine JIK-Veranstaltung am Samstag in Berlin, wo unter anderem der schwule Pariser Imam Ludovic Mohamed Zahed vor mehreren Hundert Teilnehmern auftreten soll. Um „Erfahrungen mit Pluralität“ soll es gehen und um deren Verteidigung gegen die Feinde der Pluralität unter Alteingesessenen wie Migranten.

„Viele junge Menschen in Deutschland sind mit einem sehr viel größeren Maß an Vielfalt aufgewachsen als noch ihre Eltern und gehen damit weithin angstfrei um“, sagt die JIK-Projektleiterin Nina Prasch, 45, Islamwissenschaftlerin und keine Muslimin. Jenen jungen Leuten wolle man „Gehör verschaffen und sie ermutigen, sich selbst in der Öffentlichkeit zu Wort zu melden“.

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Intolerant, das sind die anderen!

Burka und Burkini, Islam und Österreich: Toleranz an den Tag zu legen bedeutet nicht nur, das Andere, Abweichende auszuhalten, sondern vor allem, sich selbst auszuhalten. Anmerkungen zu Österreichs (In-)Toleranz.

Von Amani Abuzahra | der Standard.at

Toleranz ist schei*e“, so der Titel einer Podiumsdiskussion bei einem Festival im Nachbarland. Goethe drückte es nicht ganz so direkt aus, als er bereits im 18. Jahrhundert schrieb: „Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein; sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“

Wie dehnbar der Begriff Toleranz ist, zeigt, dass für die einen Toleranz einer Geringschätzung gleichkommt, für die anderen wiederum die idealste Form des Zusammenlebens ist.

Elastischer Begriff

Toleranz scheint also ein elastischer Begriff zu sein. Duldung, Akzeptanz, Anerkennung und Respekt, aber auch Beleidigung, Indifferenz und Verkennung – all dies soll sich unter Toleranz ausgehen. Wie die Österreicher dazu stehen und vor allem wie dehnbar der Begriff ist, untermauert die „Toleranzumfrage“, die vom Mauthausen-Komitee in Auftrag gegeben wurde. Die Studienleiterin von meinungsraum.at, Christina Matzka, attestiert insgesamt eine Verbesserung und zunehmend tolerantere Haltung der Österreicher, vor allem in Bezug auf Behinderung, Geschlecht und Homosexualität. Lediglich beim Islam werde eine Ausnahme gemacht: Dem sei man nicht so tolerant gegenüber. Genauso wenig tolerant zeigt der Österreicher sich in der Einschätzung des Toleranzpotenzials seiner österreichischen Mitbürger.

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Europäische Bischöfe besorgt über Zurückdrängung der Religion

Das Kreuz mit den Religionen
Das Kreuz mit den Religionen
Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE): In Europa gehen „durch diskriminierende Praktiken viele soziokulturelle Zeichen in die Richtung, dem Christentum eine marginale Rolle zuzuteilen“.

kath.net

Der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) hat zum Abschluss seiner Jahresvollversammlung am Wochenende in Moncaco einen Appell an die Regierungen gegen eine Zurückdrängung der Religion aus dem öffentlichen Leben gerichtet. Österreich war bei dem Treffen im Fürstentum durch Kardinal Christoph Schönborn vertreten. Das Thema der Religionsfreiheit und Intoleranz gegenüber Christen referierte der Wiener Historiker Martin Kugler vom „Observatory on intolerance and discrimination against Christian in Europe“. Er zeigte sich insbesondere besorgt über die Entwicklungen in Frankreich, Großbritannien, Holland und Skandinavien.

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Asli Erdogan spricht aus, worüber andere schweigen

© Andreas Pein Sie beschreibt, was das Regime des türkischen Präsidenten ausmacht: Asli Erdogan.
Asli Erdogan schrieb vehement an gegen Intoleranz und Gewalt, für die das Regime des türkischen Präsidenten steht. Nun sitzt sie im Gefängnis. Eine Stimme wie ihre darf nicht verstummen.

Von Karen Krüger | Frankfurter Allgemeine

Wie schön war das Bild, das die Türkei im Oktober 2008 von sich zeichnete, damals, als das Land Ehrengast der Frankfurter Buchmesse war. Das Ehrengast-Logo war ein Fest der Farben; ein Mosaik, von dem die geladenen türkischen Regierungsvertreter sagten, es symbolisiere das gleichberechtigte Nebeneinander der verschiedenen Kulturen und Stimmen in der Türkei. Die Autoren, mit denen man sich schmückte, wussten freilich, dass das schöne Selbstporträt eher ein Zerrbild war – nicht wenige von ihnen wurden damals von türkischen Nationalisten mit dem Tod bedroht. Auch die Ausstellung im Gastlandforum zeigte Ankaras Schönfärberei. Sie präsentierte Schriftsteller wie Yasar Kemal oder den Lyriker Nazim Hikmet, deren Werke der türkischen Literatur Weltruhm beschert haben. Dass viele der vorgestellten Autoren ihr Schreiben und ihr Engagement mit Verfolgung und hohen Gefängnisstrafen bezahlen mussten, blendete die Schau aus. Einige dieser Schicksale scheinen sich nun zu wiederholen.

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Wir dürfen uns niemals dem Islam anpassen

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Wer den säkularen Rechtsstaat gegenüber den Geboten fanatischer Imame für verhandelbar hält, hat sich bereits der Intoleranz unterworfen. Es ist höchste Zeit, etwas an der Gesetzeslage zu ändern.

Von Dirk Schümer | DIE WELT

Wie geht die westliche Gesellschaft mit den Bedrohungen durch islamischen Fundamentalismus um? Ganz einfach: Wir müssen uns dem Islam anpassen und den staatlichen Säkularismus zurückfahren. Diese Position des französischen Soziologen Farhad Khosrokhavar findet auch in Deutschland Fürsprecher.

Seit Beginn der Flüchtlingskrise wird von Politikern gefordert, auch die Deutschen müssten von den neuen Mitbürgern Gebräuche übernehmen; Integration sei schließlich keine Einbahnstraße.

Und so ist es kein Zufall, dass der aus dem Iran stammende Khosrokhavar das rigide Verbot der Vollverschleierung und das Kopftuchverbot im Staatsdienst als überzogene Maßnahme des französischen Staates betrachtet. Was ist schließlich schlimm an einer Polizistin oder einer Richterin mit Kopftuch?

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Piusbrüder-Oberer: ‚Wir sind keine Schismatiker‘ – Hassprediger

Bishop Bernard Fellay at an SSPX ordination ceremony for priests in Econe, southwest Switzerland, June 29, 2009/Denis Balibouse
Bishop Bernard Fellay at an SSPX ordination ceremony for priests in Econe, southwest Switzerland, June 29, 2009/Denis Balibouse
Fellay: „Bischofsweihen, die 1988 zur Exkommunikation führten, waren äußerlich gesehen Tat des Ungehorsams, aber nicht die Ablehnung der Autorität“ – Unter Papst Franziskus kommen sich Rom und die Bruderschaft immer näher.

kath.net

„Wir haben immer den Primat des Papstes anerkannt“ und „wollten um nichts in der Welt eine Trennung von Rom“: Das stellte der Generalobere der Piusbruderschaft, Bernard Fellay, am Dienstag in einem Interview mit den „Salzburger Nachrichten“ klar. Auch wenn jene Bischofsweihen, die 1988 zur Exkommunikation des Piusbruderschafts-Gründers Marcel Lefebvre und der von ihm geweihten Bischöfe geführt haben „äußerlich gesehen, eine Tat des Ungehorsams waren“, so seien sie als eine Art Akt der Notwehr zu sehen gewesen: „Wir sind keine Schismatiker, wir sind nicht von der Kirche getrennt“, so Fellay.

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Schäuble kritisiert Politisierung der Protestanten

© Jens Gyarmaty Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble
Wolfgang Schäuble kritisiert die Evangelische Kirche für ihre Einmischung in Politik und Wirtschaft – und wirft Martin Luther Intoleranz vor.

Von Jan Grossarth|Frankfurter Allgemeine

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat anlässlich des anstehenden Reformationsjubiläums deutschen Protestanten eine einseitige Politisierung vorgeworfen. Das wirke „schal“, wenn der spirituelle Kern verlorengehe, meint Schäuble – und führe seiner Beobachtung zufolge auch dazu, dass „Christen mit abweichenden politischen Ansichten ausgeschlossen“ würden. Das schreibt Schäuble (CDU) in einem Gastbeitrag für die neueste Ausgabe der Fachzeitschrift „Pastoraltheologie“. Welche Christen die Meinungsäußerung welcher Christen ausschlössen, konkretisierte Schäuble nicht. So nannte er nicht genau, auf welche kirchlichen Gruppen oder Organisationen er anspielte.

In politischen Debatten, etwa über die Flüchtlings- oder Wirtschaftspolitik, bringen sich entschieden vor allem die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und Landeskirchen ein. Sie vertreten Positionen, die dem politisch linken Spektrum zugeordnet werden können. Die ehemalige Ratsvorsitzende Margot Käßmann tritt als Pazifistin auf, in Erinnerung ist ihr Satz von 2010, „nichts ist gut in Afghanistan“. Erst kürzlich sprach sie sich wieder dafür aus, dass Deutschland das Militär abschaffe, „wie etwa Costa Rica“.

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Zentralrat der Juden spricht sich für Obergrenzen aus

Josef Schuster (m) und seine Stellvertreter Mark Dainow (r) und Abraham Lehrer in Frankfurt (Archivbild) © Arne Dedert/dpa
Der Zentralrat der Juden in Deutschland fordert ein Limit für den Zuzug von Flüchtlingen. Sie entstammten Kulturen, in denen Hass und Intoleranz fester Bestandteil seien.
 

ZEIT ONLINE

Der Zentralrat der Juden in Deutschland fordert ein Limit für den Zuzug von Flüchtlingen. „Über kurz oder lang werden wir um Obergrenzen nicht herumkommen“, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster der Zeitung Die Welt (Montagausgabe) laut Vorabbericht. Er plädierte zugleich für kontrollierte Zugänge in die Bundesrepublik.

Schuster nannte als Begründung vor allem die Herausforderungen bei der Integration. „Viele der Flüchtlinge fliehen vor dem Terror des Islamischen Staates und wollen in Frieden und Freiheit leben, gleichzeitig aber entstammen sie Kulturen, in denen der Hass auf Juden und die Intoleranz ein fester Bestandteil ist“, sagte er. „Denken Sie nicht nur an die Juden, denken Sie an die Gleichberechtigung von Frau und Mann oder den Umgang mit Homosexuellen.“

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Volker Beck: Grußwort zum “Marsch für das Leben”

Bild: Grün ist Lila
Am 19. September 2015 findet in Berlin wieder der sogenannte „Marsch für das Leben“ statt. Der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck wurde für ein Grußwort angefragt. Der Bitte kommt er gerne nach und wir veröffentlichen dieses hier vorab.

GRÜN IST LILA

Sehr geehrte Damen und Herren,

für Ihre Anfrage für ein Grußwort zum sogenannten „Marsch für das Leben“ möchte ich Ihnen herzlich danken und der Einladung gerne nachkommen. Das menschliche Leben vor Vernutzung und Angriffen im Namen von Nützlichkeitsüberlegungen zu schützen, ist ein wichtiges Anliegen, beispielsweise bei Sterbehilfe und PID. Jedes Leben hat den gleichen Anspruch auf Schutz und Respekt. Jeder Mensch ist gleich wertvoll.

Die Würde jedes einzelnen Menschen vor Intoleranz, Diskriminierung und Gewalt zu schützen, ist mein Anliegen und meine Mission. Der Einsatz für die Rechte von Sterbenden, für die Rechte von Schwangeren und für die Rechte von Kindern ist mir daher sehr wichtig.

Wer will, dass es weniger Schwangerschaftsabbrüche gibt, muss sich für rechtzeitige und altersgerechte Sexualaufklärung einsetzen. Gerade ungewollte Schwangerschaften von Teenagern können verhindert werden, wenn in der Schule Sexualität und Verhütung  auf den Lehrplänen stehen und Verhütungsmittel frei verfügbar sind. Wer Schwangere unterstützen möchte, muss auch Angebote schaffen, die das Leben mit Kind leichter machen. Dazu gehören zum Beispiel größere finanzielle Unterstützungen für Alleinerziehende und der Ausbau von Kitas. Eine Diskussion über eine Verschärfung des Abtreibungsrechtes und Angriffe auf das Selbstbestimmungsrecht der Frauen sind dagegen ein Irrweg.

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Wien: Evangelische Ausstellung über Luthers Antisemitismus

luther_1„Drum immer weg mit ihnen!“: Diesen markig-aggressiven Ausspruch Martin Luthers über die Juden seiner Zeit haben die Gestalter als Titel einer Ausstellung gewählt, die ungeschönt über den Antisemitismus Luthers und die „dunkle Seite der Reformation“ informieren will.

kathweb

Die ab 27. September in vier evangelischen-lutherischen Kirchen in Wien geöffnete Schau aus Deutschland wurde vom „Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit“ für Österreich adaptiert. Aufgezeigt werden nicht nur die Intoleranz Luthers gegenüber dem Judentum seiner Zeit, sondern auch die Vorgeschichte dieser Haltung, die Rezeption des lutherischen Antijudaismus im „Dritten Reich“ sowie die Frage nach den Konsequenzen für heute, heißt es in der Ankündigung des Evangelischen Pressedienstes (epdÖ).

Im ersten von sieben Ratschlägen Martin Luthers, wie Christen mit Juden umgehen sollen, findet sich auch ein Aufruf zu offener Gewalt. Luther empfiehlt, „dass man ihre (der Juden, Anm.) Synagoge oder Schulen mit Feuer anstecke und, was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. Und solches soll man tun, unserem Herrn und der Christenheit zu Ehren…“.

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EKD-Ratsvorsitzender: Mission ist unverzichtbar

Der der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat die Mission als eine „völlig unverzichtbare Dimension der Kirche und des Christseins“ bezeichnet.


evangelisch.de

Heinrich Bedford-Strohm (2011). Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA 3.0/Michael Lucan

Von der Menschenfreundlichkeit Gottes nicht zu reden, wäre unverantwortlich, sagte der bayerische Landesbischof am Sonntag in seiner Predigt anlässlich des 250. Kirchweihjubiläums der Martinskirche in Memmingen-Steinheim im Allgäu. Mission bedeute von einem Gott zu erzählen, der die Gewalt verabscheut, das Leben liebt und die Schwachen schützt.

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Vatikan: Intoleranz und Diskriminierung im Internet bekämpfen – dann fangt mal an

Paul Tighe – AFP
Der Heilige Stuhl wendet sich gegen einen Missbrauch des Internets zu Zwecken der Ausbeutung und Herabwürdigung von Menschen. Über das Netz werde heute in vielfältiger Weise Diskriminierung und Gewalt gefördert, sagte der Sekretär des Päpstlichen Rates für Soziale Kommunikationsmittel an diesem Mittwoch beim Weltgipfel zur Informationsgesellschaft in Genf.


Radio Vatikan

Deshalb lade der Heilige Stuhl „alle dazu ein, das Verbreiten von Worten und Bildern zu vermeiden, die Menschen herabwürdigen, Hass und Intoleranz fördern, die Würde und Intimität der menschlichen Sexualität verletzten oder die Schwachen und Verletzlichen ausbeuten“, so Paul Tighe. Die Tagung widmet sich den Chancen und Risiken der Informationsgesellschaft. Der Vatikan hatte bereits mehrfach zum Kampf gegen Pornografie im Internet aufgerufen.

Neue Medien können aus Sicht des Vatikans eine wichtige Rolle in der Lösung globaler Problem spielen. Viele der größten Zukunftsbedrohungen vom Klimawandel bis Nahrungsmittelkrisen und von Krieg und Terrorismus bis hin zu Kriminalität seien nur im Dialog und durch gemeinsame Strategien zu bewältigen, so Tighe. Digitale Netzwerke besäßen ein Potenzial zur Förderung der Solidarität unter den Menschen.

 

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