Ackerland im Ausverkauf

Feld bei Dienstedt (Thüringen). Foto: Michael Sander / CC BY-SA 3.0
In Ostdeutschland kaufen Investoren große landwirtschaftliche Flächen. Wie kann eine gerechte Verteilung von Ackerböden aussehen?

Susanne Aigner | TELEPOLIS

Rund 70 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland gehören nicht mehr den Bauern, die sie bewirtschaften. Wie weit der Ausverkauf bereits fortgeschritten ist, zeigt eine im November 2017 veröffentlichte Studie am Thünen-Forschungsinstitut.

Der Wissenschaftler Andreas Tietz untersuchte 853 Unternehmen in fünf ostdeutschen Bundesländern daraufhin, wie sich deren Eigentümer-Struktur seit 2007 verändert hat. So waren Anfang 2017 bei jedem dritten Agrarbetrieb ortsfremde, überregional aktive Investoren die Mehrheitseigentümer.

Am höchsten war die Quote mit 41 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern, am zweithöchsten in Brandenburg mit 36 Prozent. Im betrachteten Zeitraum sind in 155 Fällen die Kapitalmehrheiten auf neue Eigentümer übergegangen, wobei zu knapp drei Viertel aller Fälle die Käufer überregional aktive Investoren waren. Jeweils die Hälfte der Fläche entfiel auf landwirtschaftsnahe Investoren, die andere Hälfte auf Investoren aus anderen Wirtschaftsbereichen.

Während sich die Bodenpreise im Westen in den letzten Jahren verdoppelten, haben sie sich im Osten seit 2007 sogar verdreifacht. In Brandenburg zum Beispiel sind die Böden zumeist sandig und wenig ertragreich. Dennoch liegen die Hektar-Preise zwischen 15.000 und 18.000 Euro. Das rechnet sich vor allem für riesige Agrargesellschaften mit tausenden Hektar Land.

Dem Grundstückverkehrsgesetz zufolge müsste der Kauf von Landwirtschaftsflächen eigentlich behördlich genehmigt werden. Damit die örtliche Landwirtschaft weiter bestehen kann, erhalten Bauern aus der Region ein Vorkaufsrecht – normalerweise. Mittlerweile geht das meiste Land allerdings über so genannte Share Deals weg: Anstatt die Ackerfläche direkt zu kaufen, übernimmt der Investor mehrheitlich die Anteile der Agrargesellschaft, der das Land gehört.

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Die Wirtschaft der Türkei leidet unter dem Streit mit der EU

Blick in den Handelssaal der Istanbuler Börse.Foto: Kevin P. Hoffmann
Blick in den Handelssaal der Istanbuler Börse.Foto: Kevin P. Hoffmann
In der türkischen Wirtschaft schlummern gewaltige Kräfte und große Risiken. Seit dem Putschversuch sind Investoren verunsichert. Ein Streifzug durch Istanbul

Von Kevin P. Hoffmann | DER TAGESSPIEGEL

Die kurvige Zufahrt zur Börse von Istanbul ist von Metallzäunen mit Stacheldraht gesäumt. Das Gebäude hat viele Winkel, schlecht einsehbare Ecken. Das war wohl schick bei der Einweihung 1985 – machte die Lage aber noch unübersichtlicher am späten Freitagabend des 15. Juli 2016: Panzer röhrten sich den Hang mit Blick auf den Bosporus hinauf, Putschisten eröffneten das Feuer. Sie wollten den Handelssaal kapern, um beim Börsenstart am Montagmorgen das Marktgeschehen kontrollieren zu können. Wie den gesamten türkischen Staat.

Der Versuch scheiterte blutig. Zwei Menschen, ein Sicherheitsmann und ein ziviler Angestellter der Börse, starben bei den Gefechten. 40 wurden verletzt. An die „Märtyrer“ erinnert ein tischgroßer Gedenkstein aus Marmor mit Inschrift und Fotos der Opfer am Fuße zweier haushoher türkischer Flaggen. In ihrem Schatten steht die Skulptur „Bulle und Bär“, das Symbol für steigende und fallende Kurse.

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Geld kennt keine Moral

Ein Zuhause der Petrodollar: Die saudische Börse in Riad ©AP
Saudi-Arabiens Potentaten sind für die deutsche Wirtschaft willkommene Investoren und Kunden. Die Nähe zum Terror stört dabei kaum jemanden. Muss das sein?

Von Bernd Freytag, Johannes Pennekamp|Frankfurter Allgemeine

Für gute Geschäfte scheint Nils Schmid kein Weg zu weit. Mit Unternehmern aus Süddeutschland ist der baden-württembergische Wirtschafts- und Finanzminister am vergangenen Wochenende nach Saudi-Arabien gereist. Die „Saudi-Gazette“ zeigt den SPD-Politiker mit einem bestens gelaunten Vertreter der Handelskammer von Riad. Gute Stimmung – noch bessere Geschäfte: Rund ein Viertel der deutschen Ausfuhren in den Golfstaat stammen aus Baden-Württemberg. Und wenn die Gespräche vor Ort fruchten, fließen bald noch ein paar Petrodollar mehr ins Ländle. Schmids Reise ist nichts Außergewöhnliches, deutsche Politiker und Manager geben sich in dem Staat, der es mit den Menschenrechten nicht so genau nimmt und einen intoleranten und rückwärtsgewandten Islam exportiert, die Klinke in die Hand.

„An einer demokratiefreien Zone wird bereits gearbeitet“

Christian Nürnberger. Foto: © Kay Blaschke.
In seinem Buch Die verkaufte Demokratie legt der Journalist Christian Nürnberger die Zusammenhänge dar, wie die zivilisatorischen Errungenschaften der Nachkriegszeit, von willfährigen Politikern unterstützt, Stück für Stück dem Markt geopfert werden. Dabei setzt sich der SPD-Politiker und Ehemann der Fernsehmoderatorin Petra Gerster auch mit der Frage auseinander, wie die verloren gegangene Macht von den Bürgern wieder zurückerobert werden könnte.


Von Reinhard Jellen|TELEPOLIS

Herr Nürnberger, wenn wir in Sachen marktkonformer Demokratie nach vorne in das Land Chile im Jahr 1973 blicken: Wie viel Demokratie können sich unsere Märkte heutzutage noch leisten?

Christian Nürnberger: : Immer weniger. Nehmen Sie nur Facebook, Google und das ganze Big-Data-Business als Beispiel. Deren Geschäftsgrundlage beruht auf der fortgesetzten Aushebelung unseres Grundrechts auf informationeller Selbstbestimmung. Wenn die EU es wagte, diesen Konzernen samt aller Trittbrettfahrer die Datenspionage zu untersagen, wäre nicht nur ein Milliardengeschäft kaputt, sondern wären auch Hunderttausende von Arbeitsplätzen weg. Das wagt kein Politiker. Ein Merkmal unserer Zeit ist ja, dass diejenigen, die wir per Stimmzettel mit Macht ausstatten, von dieser Macht kaum noch Gebrauch machen, und wenn sie es aber doch versuchen sollten, scheitern, weil sie es mit Kräften zu tun bekommen, die mächtiger und stärker sind als sie.

Und das Merkwürdige ist, dass diese Ungeheuerlichkeit noch kein einziges Mal Thema einer Talkshow war, obwohl das Faktum seit 1998 allen bekannt sein könnte. Damals hat auf einer Party in einem der höchsten Hochhäuser Deutschlands der damalige Dresdner-Bank-Vorstand Ernst-Moritz Lipp mit Blick auf rund 500 feiernde Finanzstrategen und Topleuten aus der Wirtschaft gesagt: „Deutschland ist ein Supertanker, aber im Führerhäuschen sitzt nicht der Bundeskanzler, sondern da sitzen die Leute, die hier auf dem Podium sind!“

Wie das? Hatte es 1998 bei uns einen Putsch gegeben wie in Chile 1973?

Christian Nürnberger: Eben nicht. Was damals in Chile passierte, war ein brutaler Militärputsch, über den der dann regierende Diktator Pinochet gesagt hatte, die Demokratie müsse gelegentlich in Blut gebadet werden, damit sie fortbestehen kann. Was wir dagegen bei uns seit rund einem Vierteljahrhundert beobachten, ist eine schleichende Entdemokratisierung, hinter der nicht ein benennbarer Putschist und auch keine CIA steckt, sondern ein historisches Ereignis: der Fall der Mauer, der Zusammenbruch des Kommunismus.

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Buddha sitzt auf der Festplatte

Das Silicon Valley zieht Informatiker und Investoren an, aber auch viele Esoteriker und Hochstapler. Eine TV-Serie macht nun einen Heidenspass daraus.


Von Linus Schöpfer|Basler Zeitung

Für viele Fans wars die beste Szene der ersten Staffel: Informatiker Erlich Bachmann fährt mit psychoaktiven Pilzen im Gepäck in die kalifornische Wüste; er sucht dort nach dem ultimativen Namen für sein neues Start-up. Bachmann kommt auf den Trip, die Logos von Google, Facebook, Twitter und anderer Digitalgrössen umschwirren ihn. Ein Name fällt ihm zwar nicht ein – dafür ein Slogan, der sich als Mantra in seinem Kopf festsetzt: «Making the World a Better Place.»

Bachmann, seine nerdigen Buddies und ihre gemeinsame IT-Bude stehen im Zentrum der HBO-Produktion «Silicon Valley», deren zweite Staffel diese Woche begonnen hat. Die Serie macht sich lustig über die Esoterik und das Weltverbesserungspathos, die das namensgebende kalifornische Tal seit längerem schon umwabern. In den 50ern und 60ern pilgerten die Beatniks hierher; die Hippies gründeten Kommunen, um mit politischen Theorien, Drogen und fernöstlichen Religionen zu experimentieren.

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Heiliger Krieg, heiliger Profit, mafiöse Strukturen

Protest gegen die Islamisten der Boko Haram in Nigeria. Foto: REUTERS
Die Führer der Islamisten mögen gläubig sein oder auch nicht, vorrangig geht es ums Geschäft: Der Journalist Marc Engelhardt hat ein Buch über islamistischen Terror und die Macht des Geldes geschrieben.

Von Thomas SchmidFrankfurter Rundschau

Es sind Bilder, die sich einprägen: 130 Mädchen, mit Kopftuch und in traditionelle muslimische Gewänder gehüllt, posieren wie auf einem großen Klassenfoto, aber keines lacht – es sind christliche Mädchen, aus einer nigerianischen Schule entführt von der islamistischen Boko Haram, was so viel heißt wie „Bücher sind Sünde“.

Ist der Terror nur Ausdruck von Fanatismus? Ist es nur religiöser Verblendung geschuldet, wenn in den letzten fünf Jahren in Nigeria Tausende von Menschen getötet wurden? Geht es um einen Krieg zwischen christlichem Süden und islamischem Norden? Ein eben erschienenes Buch spürt diesen Fragen nach. Im Titel steckt schon die Kernthese: „Heiliger Krieg, heiliger Profit“.

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Islamische Investments als alternative Geldquelle

Abdelhak El Kafsi, einer der Gründerväter des modernen "Islamic Banking"

Anleihen. In Europa haben Unternehmen und Staaten Probleme, Geld auszuleihen. Dabei wird eine liquide Quelle außer Acht gelassen: islamische Finanzierungen.

Von Edith LacknerWirtschafts Blatt

Wien als Finanzzentrum für CEE -von diesem Wunschbild heimischer Wirtschaftsromantiker ist in Anbetracht verlustreicher Engagements der Austro-Banken in Mittel-und Osteuropa mittlerweile nicht viel mehr als ein Klischee geblieben. Abdelhak El Kafsi, einer der Gründerväter des modernen „Islamic Banking“, hat die Bundeshauptstadt hingegen fix am Radar. Der Grund: Österreich und die umliegenden Länder entwickeln eine Reihe von Projekten, die in schariakonformen Investitionsplänen gefragt sind. Dabei geht es um viel mehr als die in Mitteleuropa zunehmend forcierten Vorhaben bei Wind-und Solarenergie.

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Zwei US-Mormonen wegen Millionenbetrugs von Geldanlegern angeklagt

Der Salt-Lake-Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist das bekannteste architektonische Symbol des Mormonentums. Foto: wikipedia

Die US-Börsenaufsicht SEC ist zwei Betrügern auf die Spur gekommen, die ähnlich wie der Banker Bernard Madoff zahlreiche Anleger um ihr Geld gebracht haben sollen.

Basler Zeitung

Vater und Sohn sollen so Kirchenmitgliedern 220 Millionen Dollar abgeknüpft haben.

Der 58-jährige Wendell Jacobsen und sein 33-jähriger Sohn Allen aus dem US-Bundesstaat Utah erleichterten rund 220 Mormonen mit einem Schneeballsystem um ihr Geld, wie die SEC am Donnerstag mitteilte. Die Geschädigten gehörten wie sie selbst der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an. Vater und Sohn nutzten demnach ihre Kontakte über die Mormonenkirche aus, «um das Vertrauen künftiger Investoren zu gewinnen».

Bei einem Schneeballssystem werden Anlegern grosse Investitionsgewinne vorgespiegelt, die aber nur aus Einzahlungen neuer Anleger finanziert werden. Die Jacobsens gaukelten ihren Anlagern etwa über drei Jahre vor, mit ihrem Geld Immobilien zu kaufen und die Häuser dann zu sanieren und zu vermieten. Meist sei das Geld aber nie in Immobilien investiert worden, teilte die SEC mit.

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Diktatoren, Investoren und Plagiatoren: Wie man sich selbst auf den Leim geht

Robert Trivers, Bild: Uni Göttingen

2011 ist das Jahr der gescheiterten Diktatoren, Investoren und Plagiatoren. Der Evolutionsbiologe Robert Trivers liefert dazu die passende Theorie: Sie erklärt, warum Betrüger nicht nur andere, sondern auch sich selbst hinters Licht führen

Von Ulrich SchnabelZEIT ONLINE

Menschen sind merkwürdige Wesen. Sie verfügen über ein hoch entwickeltes Denk- und Wahrnehmungsvermögen und können ihre Umwelt vom fernsten Stern bis zum kleinsten Atom präzise vermessen. Wenn es aber um die eigene Person geht, sind sie mitunter für das Offensichtlichste blind. Dann scheinen all ihre kognitiven Fähigkeiten nur dazu zu dienen, sich die Wahrheit schönzureden.

Das zurückliegende Jahr bot für diese These reichhaltiges Anschauungsmaterial. Die Realitätsverweigerung arabischer Diktatoren, das Lavieren angesichts der Euro-Krise oder die Guttenberg-Affäre – scheinbar grundverschiedene Themen, die doch eine Gemeinsamkeit verbindet: Immer wieder erwiesen sich die Protagonisten als unfähig, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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Staatsknete für Noahs Arche

Wurde an "authentischerer" Stelle schon mal in kleinerer Form nachgebaut: Greenpeace-Aktivisten errichteten 2007 am Berg Ararat in der Türkei eine Arche, um auf die Erderwärmung aufmerksam zu machen. Foto: rtr

Kentucky braucht Jobs. Also will sein Gouverneur den Nachbau der Arche Noah fördern. Experten sehen darin einen Bruch mit der US-Verfassung, denn die Idee stammt von einer christlichen Sekte.

Von OP – taz

Was macht der Gouverneur von Kentucky, um die Arbeitslosenquote in dem US-Bundesstaat zu senken? Er lässt eine Arche errichten und bietet den Investoren massive Steuererleichterungen an.

Ein „originalgetreuer“, 152 Meter langer Nachbau der Arche Noah soll in Grant County entstehen – bevölkert von Tieren und Darstellern der Familienmitglieder Noahs. Das Riesenschiff ist als Herzstück des an christlichen Themen orientierten Freizeitparks „Begegnung mit der Arche“ (Ark Encounter) geplant, wie die New York Times am Montag berichtete.

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