Mein sonderbarer Winter mit einer Schamanin in Kasachstan

Das Qurbān Bild: Denis Vejas
Das Qurbān Bild: Denis Vejas
Der Sufismus ist ein mystischer Zweig des Islam, der in der muslimischen Welt einen eher zweifelhaften Ruf genießt. Sufis verfolgen einen unorthodoxen Ansatz, der sich stark auf die esoterischen Aspekte des religiösen Lebens konzentriert. Sie streben nach einer direkten, persönlichen Erfahrung mit Gott.

Von Denis Vejas | VICE.com

Als der Islam in Kasachstan Einzug hielt, vermischte sich der Sufismus mit den animistischen Glaubensvorstellungen der dort lebenden Nomadenvölker und ihren bereits existierenden schamanischen Traditionen. Die Baksi, traditionelle Heiler und Seher, konvertierten und führten ihre Traditionen als Sufi-Derwische fort. Sie verpflichteten sich extremer Armut und Enthaltsamkeit, um andere auf einem asketischen Weg zu Gott zu führen.

Viele glauben, dass Bifatima Dualetova eine von Kasachstans letzten Sufi-Derwischen ist. Zum ersten Mal traf ich sie im September 2010 auf einer Reise durch Zentralasien. Die Einheimischen, bei denen ich in Almaty untergekommen war, erzählten mir von einer Schamanin, die irgendwo am Rande des kleinen Dorfs Ungurtas nahe der kirgisischen Grenze lebte. „Das letzte Haus im Dorf; am Fuße des ‚Heiligen Hügels'“, sagten sie.

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‚Merkwürdig: Vor allem linke Parteien setzen sich für den Islam ein‘

Kurienkardinal Kurt Koch in „Rheinischer Post“: „Als merkwürdig empfinde ich es, dass sich vor allem Parteien auf dem linken Spektrum für den Islam einsetzen, obwohl viele Überzeugungen im Islam nicht ihren parteipolitischen Leitlinien entsprechen.“

kath.net

„Als merkwürdig empfinde ich es, dass sich vor allem Parteien auf dem linken Spektrum für den Islam einsetzen, obwohl viele Überzeugungen im Islam nicht ihren parteipolitischen Leitlinien entsprechen.“ Dies sagte Kurienkardinal Kurt Koch im Interview mit der „Rheinischen Post“. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass „in Europa nicht die Stärke des Islams, sondern die Schwäche des Christentums das eigentliche Problem“ sei, „die Stimme des Christentums“ sei „besonders in Europa schwach“. Doch Christen müssten „unseren Glauben bezeugen und gerade auch im Dialog mit anderen Religionen Farbe bekennen, was der Inhalt unseres christlichen Glaubens ist“. Weiterhin gebe es aber „auch in Europa lebendiges Christentum“.

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Dumm: Prälat Imkamp und Atheismus-Wahn – Christen-Proll

Respekt_Christen

Bei mancher philosophischen oder theologischen Kritik am Islam sollten gläubige Christen ein wenig genauer hinschauen, denn häufig ist Islamkritik Religionskritik.

Von Wilhelm Imkamp | Die Tagespost

Von ferne grüßt Voltaire’s Mohammed-Drama, der den Islam prügelte, aber das Christentum, näherhin den Katholizismus, meinte. Längst läuft unter dem Deckmantel der Islamkritik die Generalmobilmachung gegen die christliche Religion, gegen Gott überhaupt. Da marschieren, „die Reihen dicht geschlossen“, die alten Kampftruppen des organisierten Atheismus, begleitet von den Edelfedern des deutschen Feuilletons im Nimbus ihrer Unfehlbarkeit, eifrig begleitet vom Regietheater. Aus Schauspielerinterviews springt einen unvermittelt nun wirklich dümmlicher Atheismus an: „Mir fehlt wirklich jede Art von Glauben… für mich existiert kein Gott, wie auch immer man ihn nennen könnte“ (Ewan McGregor).

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Wir glauben alle an den gleichen Gott – beim Wahrheitsanspruch ist Schluss

Bild: erf.de
Bild: erf.de
Es ist eine Stammtischparole: „Wir glauben doch alle an den gleichen Gott. Da sind die kleinen Unterschiede nebensächlich.“ Das Problem: Der erste Satz stimmt. Der zweite nicht.

Von Susanne Haverkamp | katholisch.de

Die erste Antwort auf die Frage: „Glauben wir alle an den gleichen Gott?“ ist ebenso banal wie einsichtig. Ja, wir glauben alle an den gleichen Gott – weil es nur einen gibt. „Wenn Gott lediglich ‚unser Gott‘ wäre“, schreibt der bekannte tschechische Soziologe und Priester Tomas Halik, „wäre er ein Stammesgott mit einer begrenzten Kompetenz und nicht der Schöpfer des Himmels und der Erde, der Herr der ganzen Welt, der sichtbaren und der unsichtbaren.“ Dass er das aber ist, bekennen alle drei Religionen, um die es hier geht: Judentum, Christentum und Islam.

Ein Stammesgott, der in Konkurrenz zu den Göttern der Nachbarländer stand, so wurde der Gott Israels zunächst gesehen – viele Stellen im Alten Testament machen das deutlich. Das erste Gebot „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“ (Exodus 20,2-3) zeigt das beispielhaft. Vor allem in der Zeit des babylonischen Exils (ab 587 v. Chr.) setzte sich dann die Auffassung durch, dass diese Alleinstellung für alle Völker, nicht nur für Israel gilt. „So spricht der Herr: Ich bin der Erste, ich bin der Letzte, außer mir gibt es keinen Gott“ (Jesaja 44,6). Gott wird zum universalen Gott für alle Völker, zum Schöpfer und Herrn der ganzen Welt. Dieser Gott war der Gott Jesu. Barmherzigkeit, Nächstenliebe, selbst die Anrede „Vater“ sind im jüdischen Gottesbild fest verankert.

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Intolerant sein wie die AfD? Kann die Kirche auch

Lutherjahr

Bei Protestanten gibt es Intoleranz sowohl gegenüber dem Islam als auch gegenüber der AfD.Einige Gemeinden sind offen für Muslime, nicht aber für evangelische AfD-Anhänger.Andere Gemeinden hegen ausgrenzende Vorurteile gegenüber Homosexualität und Islam.

Von Matthias Kamann | DIE WELT

Dieser Befund ist bitter für die evangelische Kirche. Nicht einmal aktive Gemeindeglieder interessieren sich für die Papiere, die an der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) verfasst werden.

Ja, egal sind jene Kirchentexte den Christen an der Basis sogar dann, wenn es um hochbrisante Themen geht, um Judenhass, um Abneigungen gegen Homosexuelle oder die Angst vor dem Islam. Auch da gilt, dass für die Gemeindeglieder „Informationen der EKD und Diskussionen auf der Ebene der EKD praktisch keine Rolle spielen“.

So steht es in einer Studie, die für einen besonders fleißigen Texte-Produzenten erstellt wurde, die EKD-Synode. Die hat für ihre diesjährige Tagung in Magdeburg vom Sozialforschungsinstitut Proval in einer qualitativen Untersuchung erheben lassen, wie an der Basis über das Verhältnis zu Juden, Homosexuellen und Muslimen gedacht wird.

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Muslim-Vertreter: Verbände müssen mehr in Seelsorge investieren

Koran

Eine Seelsorge nach christlichem Vorbild gibt es im Islam noch nicht. Erol Pürlü vom Koordinationsrat der Muslime wünscht sich eine theologische Auseinandersetzung innerhalb des Islam, damit muslimische Seelsorge möglich wird.

evangelisch.de

Der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime, Erol Pürlü, hat die islamischen Verbände zu mehr Engagement für die Etablierung muslimischer Seelsorge aufgefordert. „Wir kommen nicht umhin, in hauptamtliches Personal zu investieren und dafür Geld in die Hand zu nehmen“, sagte Pürlü am Montag bei einer Tagung der Deutschen Islamkonferenz in Berlin.

Die Fachkonferenz widmete sich der Frage, wie in Militär, Gefängnissen und Krankenhäusern eine muslimische Seelsorge nach dem Vorbild des Angebots der christlichen Kirchen aufgebaut werden kann. Pürlü sagte, die Muslime müssten sich zunächst mit dem Begriff „Seelsorge“ theologisch auseinandersetzen, da es ihn im Islam so nicht gebe. Zudem müsse über die Ausbildung von Seelsorgern gesprochen werden. Die Ausbildung von Imamen an Universitäten steht in Deutschland noch am Anfang.

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Säkularisierung: Kehrt die Religion zurück nach Europa?

Tomáš Halík ist ein tschechischer Priester und Intelektueller (Carl Court / AFP)
Tomáš Halík ist ein tschechischer Priester und Intelektueller (Carl Court / AFP)
Die Welt erlebt eine Wiederkehr der Religion, sie kommt in der Gestalt des Islams ins säkularisierte Europa zurück – sagt der tschechische Soziologe und Religionsphilosoph Tomáš Halik. Atheistische Denker widersprechen Haliks These: Sie sehen nach wie vor einen Niedergang der Religion, zumindest in unseren Breiten. Wer liegt richtig?

Von Burkhard Schäfers | Deutschlandfunk

„Gott ist tot – beziehungsweise hat nie gelebt.“ „Gott ist die Liebe.“ „Gott lässt sich mit unseren Worten nicht beschreiben.“ Es gibt so viele Formen von Glauben und Unglauben, wie es Menschen gibt, sagt der tschechische Soziologe und Denker Tomás Halik:

„Es gibt einen tiefen Glauben, es gibt auch eine politisch missbrauchte Religion, es gibt eine naive Bigotterie. Und auch im Atheismus gibt es einen militanten Atheismus, einen stolzen Atheismus – aber es gibt auch einen Atheismus der Schmerzen, von den Leuten, die sagen: Es gibt so viele schreckliche Dinge in meinem Leben.“

Tomás Halik vereint in seiner Person zwei Perspektiven: Die des soziologischen Beobachters religiöser Phänomene – und die des Gläubigen in einem säkularen Umfeld in Tschechien.

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Martin Luthers Reformation: Der Islamismus des Christentums

Das Lutherhaus im thüringischen Eisenach. Foto: epd
Das Lutherhaus im thüringischen Eisenach. Foto: epd
Der Islam bedürfe einer Reformation, heißt es immer wieder. Darin drückt sich ein großes Missverständnis dessen aus, was die Reformation war: der fanatische Versuch der Wiederherstellung der reinen Lehre.
 

Von Arno Widmann | Frankfurter Rundschau

Am kommenden Montag, den 31. Oktober 2016, wird das Reformationsjubiläum in Berlin eröffnet werden. Das ist eine von Hunderten Veranstaltungen, mit denen an den Beginn der Reformation am 31. Oktober 1517 erinnert werden soll. Es ist das Datum des berühmten Anschlags der 95 Thesen Martin Luthers (1483 – 1546) an die Schlosskirche zu Wittenberg.

In der Einladung zur Auftaktveranstaltung heißt es: „Bund, Länder, Kommunen, die evangelischen Kirchen in Deutschland und die Zivilgesellschaft begehen das Reformationsjubiläum gemeinsam und eröffnen es feierlich am 31. Oktober 2016 in Berlin.“ Ein Gutteil der Reformationsgeschichte steckt schon in diesem Satz. Die Reformation ist kein innerkirchliches, nicht einmal ein nur-religiöses Ereignis. Sie ist ein Staatsakt, bei dem der Bundespräsident, einst ein protestantischer Pfarrer, die Festrede hält. Im Jahre 2000 hatte es keine vergleichbare Veranstaltung zur Feier der Geburt Christi gegeben. Die Verbindung von Landesherrn und protestantischer Kirche ist besonders eng.

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Umfrage: Großteil der Thüringer hat Vorbehalte gegenüber dem Islam

Die Thüringer haben einer Umfrage zufolge erhebliche Vorbehalte gegenüber dem Islam. 80 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört.

evangelisch.de

Das geht aus dem aktuellen „Thüringen Monitor“ zu den politischen Einstellungen im Land hervor. Islamkritischen oder -feindlichen Aussagen hätten 86 Prozent der Thüringer zugestimmt. „Allein das Ausmaß der Islamkritik zeigt, dass wir es hier nicht mit einem Phänomen zu tun haben, das auf ein politisches Lager begrenzt ist“, heißt es in der von der Staatskanzlei in Auftrag gegebenen Analyse.

Nach Auffassung der Soziologen der Universität Jena, die die Untersuchung vornahmen, ist die Ablehnung kein neues Phänomen. Sie habe bereits vor dem Flüchtlingszustrom im vergangenen Jahr und der „jüngsten Serie islamistisch inspirierter Terroranschläge“ auf hohem Niveau gelegen. Der gesamte „Thüringen Monitor“ soll Anfang November vorgestellt werden. Die Staatskanzlei veröffentlichte bereits erste Details der Studie.

Europa und der Islam – Kann Literatur Freiräume im vorpolitischen Raum schaffen?

Daniel Cohn-Bendit und die türkische Autorin Elif Shafak beim Forum
Daniel Cohn-Bendit und die türkische Autorin Elif Shafak beim Forum „Weltempfang“
Meinungs- und Pressefreiheit, Menschenrechte, die Position der Frau – Schlagworte einer Debatte, die auch auf der Frankfurter Buchmesse geführt wird. Wie sieht das Verhältnis Europas zu islamisch geprägten Ländern aus?

Von Sabine Peschel | Deutsche Welle

Es ist ein hochbrisantes Thema: Der Islam wird häufig kriminalisiert, mit Islamismus in Verbindung gebracht und in die Nähe des Terrorismus gerückt. Auf der Frankfurter Buchmesse wird die Beziehung Europas zu islamisch geprägten Ländern vielfach diskutiert. Wie sollte man umgehen mit ultrakonservativ geprägten Staaten wie Saudi-Arabien oder Katar? Welche Rolle spielt die Türkei? Und wie wirken sich innereuropäische Entwicklungen aus, etwa die Abschottung gegen Flüchtlinge, die Fremdenfeindlichkeit oder der nationalistisch gefärbte Populismus?

Auf der Buchmesse ist der „Weltempfang“ traditionell der Ort, an dem Podiumsdiskussionen, Gespräche und Lesungen mit internationalen Autoren, Intellektuellen und Übersetzern stattfinden. In diesem Jahr widmet sich das Forum dem Thema „Europa“ – und geht gleich zur Eröffnung großformatig an seinen Gegenstand heran: „Europa und der Islam“ – das sei eine der wichtigsten Debatten der Messe, urteilt Messedirektor Jürgen Boos bei seiner Begrüßung. Auf dem Podium: die türkische Star-Autorin Elif Shafak und der algerische Schriftsteller Boualem Sansal, Friedenspreisträger von 2011. Beide hätten „Jahre ihres Lebens damit verbracht, Phänomene unserer Zeit zu analysieren und bestimmte globale Entwicklungen zu erklären“, so Boos.

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Islamischer Gospel

Bild: heise.de/TP
Bild: heise.de/TP
Der Islamwissenschaftler Muhammad Sameer Murtaza meint, dass der Islam keine Reformation braucht, aber gerade eine Entwicklung durchmacht, die das Christentum aus seiner eigenen Geschichte kennt

Von Ulrike Heitmüller | TELEPOLIS

Der pakistanisch-deutsche Islamwissenschaftler Muhammad Sameer Murtaza ist promovierter Islam- und Politikwissenschaftler bei der Stiftung Weltethos, wo er zu Gegenwartsströmungen im Islam, islamischer Philosophie sowie Gewaltlosigkeit im Islam forscht. Er hat ein neues Buch geschrieben: Die gescheiterte Reformation – Salafistisches Denken und die Erneuerung des Islam.

Wer an Islam denkt, denkt an Terror, aber, so Murtaza, die Gemeinschaft der Muslime macht gerade eine Entwicklung durch, die das Christentum aus der eigenen Reformation kennt. Und bis diese Entwicklung abgeschlossen ist und der Terror aufhört, vergehen seiner Schätzung nach sicher noch 100 Jahre. Dennoch stellt sich Murtaza gegen die weit verbreitete Überzeugung, dass der Islam eine Reformation brauche.

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Vorbild Reformation? – Wissenschaftler diskutieren über eine Modernisierung des Islam

Passt der Islam zu einem freiheitlichen, pluralen Rechtsstaat? Viele halten eine Modernisierung für notwendig. Als Vorbild taugt womöglich die Reformation, die vor 500 Jahren mit den Thesen Martin Luthers gegen Missstände in der Kirche begann.

Von Frank Bretschneider | Qantara.de

In der Geschichte des Terrorismus markieren die Anschläge von New York und Washington vom 11. September 2001 eine Zäsur: Der Westen wurde seither mehr und mehr zur Zielscheibe islamistischen Terrors. Auch in Europa wächst die Angst – nicht nur vor Terroristen, sondern auch vor dem Islam als Religion. «Der Islam ist in weiten Teilen der öffentlichen Wahrnehmung im Westen das, was früher der Kommunismus war: ein gefährlicher, unberechenbarer, auf die Weltherrschaft zielender Gegner,» sagt der Islamwissenschaftler und Buchautor Michael Lüders.

Vor diesem Hintergrund wird der Ruf nach Reformen im Sinne eines aufgeklärten Islam immer lauter. Eine Blaupause für die theologische Erneuerung der muslimischen Religion könnte die Reformation vor 500 Jahren sein, die mit ihrem Freiheitsbegriff das Christentum entscheidend verändert habe, erklärten Wissenschaftler vor einigen Tagen auf einer Fachtagung in Düsseldorf.

Die meisten Teilnehmer zeigten sich überzeugt, dass der Protestantismus, begriffen als die von Martin Luther ausgehende «Befreiung des gläubigen Subjekts vom Dogmatismus», durchaus ein Vorbild für eine Islamreform sein kann. «Religion muss ein Prinzip, sich zu individualisieren, in sich haben», sagt etwa der Historiker und Kulturwissenschaftler Jörn Rüsen. «Religion ohne Humanismus ist dagegen gefährlich.»

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Intolerant, das sind die anderen!

Burka und Burkini, Islam und Österreich: Toleranz an den Tag zu legen bedeutet nicht nur, das Andere, Abweichende auszuhalten, sondern vor allem, sich selbst auszuhalten. Anmerkungen zu Österreichs (In-)Toleranz.

Von Amani Abuzahra | der Standard.at

Toleranz ist schei*e“, so der Titel einer Podiumsdiskussion bei einem Festival im Nachbarland. Goethe drückte es nicht ganz so direkt aus, als er bereits im 18. Jahrhundert schrieb: „Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein; sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“

Wie dehnbar der Begriff Toleranz ist, zeigt, dass für die einen Toleranz einer Geringschätzung gleichkommt, für die anderen wiederum die idealste Form des Zusammenlebens ist.

Elastischer Begriff

Toleranz scheint also ein elastischer Begriff zu sein. Duldung, Akzeptanz, Anerkennung und Respekt, aber auch Beleidigung, Indifferenz und Verkennung – all dies soll sich unter Toleranz ausgehen. Wie die Österreicher dazu stehen und vor allem wie dehnbar der Begriff ist, untermauert die „Toleranzumfrage“, die vom Mauthausen-Komitee in Auftrag gegeben wurde. Die Studienleiterin von meinungsraum.at, Christina Matzka, attestiert insgesamt eine Verbesserung und zunehmend tolerantere Haltung der Österreicher, vor allem in Bezug auf Behinderung, Geschlecht und Homosexualität. Lediglich beim Islam werde eine Ausnahme gemacht: Dem sei man nicht so tolerant gegenüber. Genauso wenig tolerant zeigt der Österreicher sich in der Einschätzung des Toleranzpotenzials seiner österreichischen Mitbürger.

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Dieses ständige Religions-Bashing nervt – heul doch

hailänder im Gebet vor einer Buddha-Statue in Nakon, westlich von Bangkok (2016). Bild: EPA
Thailänder im Gebet vor einer Buddha-Statue in Nakon, westlich von Bangkok (2016). Bild: EPA
Religionen sind an allem schuld. Vor allem der Islam, aber auch das Christen- und das Judentum (etwas weniger der Buddhismus und Naturreligionen).

Von Kian Ramezani | watson.ch

Schuld an allen Kriegen und allen Übeln dieser Welt. Die Schlussfolgerung «ohne Religionen wären wir besser dran» und die Forderung «Religionen gehören abgeschafft» finden sich regelmässig in unserer Kommentarspalte und ernten stets Applaus.

Mich nervt dieses reflexartige Religions-Bashing. Es zeugt meines Erachtens nicht von Aufgeklärtheit, sondern von Unverständnis.

Unter der Oberfläche mancher Religionskritik schimmert die Geringschätzung des Glaubensakts durch. Ein aufgeklärter Mensch weiss, ein Religiöser glaubt «nur». Als sei Wissen dem Glauben irgendwie überlegen. Es ist der sprichwörtliche Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen. Wissen gehört in die Wissenschaft, Glauben in die Religion. Sie schliessen einander nicht aus, aber wer sie vermischt, endet in der Sackgasse.

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Rettet die Freiheit – auch die der anderen

Bild: HUFFPO Religion
Bild: HUFFPO Religion
Der Islam gilt als grösste Herausforderung für unsere Toleranz. Dabei stellt er weder eine Antithese zum Westen dar, noch kann er allein für das Verhalten von Muslimen verantwortlich gemacht werden.

Von Kristin Helberg | Neue Zürcher Zeitung

Es ist schwer, dieser Tage die Freiheit zu verteidigen. Denn viele meinen damit nur noch, ihre eigene Freiheit zu denken und zu tun, was sie für richtig halten. Dass damit die Freiheit der anderen einhergeht, Dinge ganz anders zu machen als sie selbst, wollen sie nicht wahrhaben. Dabei beginnt genau hier die Toleranz. Sie tut weh, weil wir Meinungen und Verhaltensweisen ertragen müssen, die uns gegen den Strich gehen. Etwa wenn jemand sein Gesicht tätowiert oder verhüllt, wenn Männer Männer küssen und Frauen lieber nicht die Hand eines fremden Mannes schütteln.

Vor 130 Jahren waren es die Juden

Womit wir beim Islam wären, der scheinbar grössten Herausforderung für unsere Toleranz. Er gilt als Quelle von Terror, Frauenfeindlichkeit und Gewalt, weswegen sich mancher Retter des «jüdisch-christlichen Abendlandes» berufen fühlt, gegen eine «Islamisierung» zu kämpfen. Schade nur, dass er dadurch die Grundfesten unserer freiheitlichen Ordnung, die er vermeintlich retten will, zu Grabe trägt. Er müsste es besser wissen. Denn der öffentliche Diskurs folgt einem Schema: Vor 130 Jahren waren es die Juden, denen man in Deutschland verweigerte Integration und Parallelgesellschaften unterstellte. Damals ging es um die Unvereinbarkeit des jüdischen Rechts mit den Werten der Mehrheitsgesellschaft, ganz so, wie wir es heute über «die Scharia» lesen. Tatsächlich wurde aus dem «christlichen Abendland» erst nach dem Holocaust das «jüdisch-christliche Abendland». Der Ausdruck soll folglich das schlechte Gewissen der Deutschen beruhigen, die Geschichte bereinigen und als Kampfbegriff alles Islamische ausschliessen.

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Laizität und Islam: Ausweg Säkularismus

Bild: qantara.de
Bild: qantara.de
Der bekannte saudische Soziologe und Al-Hayat-Kolumnist Khalid al-Dakhil analysiert in seinem Essay den Stellenwert von Säkularismus und Islam im historischen Kontext.

qantara.de

In der religiös-politischen Kultur der Araber war der Säkularismus stets gleichbedeutend mit Atheismus und einem Mangel an religiösem Glauben. In der abendländischen Kultur jedoch, die am Säkularismus festhält, wird dies überhaupt nicht so gesehen. Eine der Folgen dieses Kontrastes ist, dass die Muslime in den Säkularismus eine Bedeutung projizieren, die dieser nicht nur nicht besitzt, sondern die auch nicht mit den ideologischen Voraussetzungen des Begriffs übereinstimmt.

Bisweilen wird in der islamischen Welt behauptet, dass Menschen aus dem europäischen Kulturkreis, die an das Konzept des Säkularismus glauben, dies mit der Tatsache begründeten, dass das Neue Testament verzerrt worden sei, wodurch sich das Christentum von seiner ursprünglichen Bedeutung, der Wahrheit oder der Rolle, die Gott ihm ursprünglich zugedacht hatte, entfernt habe. Und dies sei auch der Grund dafür gewesen, warum Europa in das „dunkle Zeitalter“ gefallen sei, aus dem es nur durch den Säkularismus befreit werden konnte.

Dahinter steckt ein gewisses Paradox, denn wenn es der Säkularismus war, der den Westen aus dem „dunklen Zeitalter“ in die Aufklärung geführt hat, und wenn Säkularismus gleichzeitig Atheismus und mangelnder religiöser Glaube bedeutet, war es folglich also nicht der Glauben, sondern der Atheismus und der Mangel an Glauben, der den Weg aus der Dunkelheit der Unwissenheit, Rückwärtsgewandtheit in das Zeitalter der Erkenntnis und Freiheit geführt hat. Doch hält eine solche Auffassung einer näheren empirischen Analyse wirklich stand?

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Die offene Gesellschaft sägt an dem Ast, auf dem sie sitzt

© dpa Überwachungskameras am Alexanderplatz in Berlin
© dpa Überwachungskameras am Alexanderplatz in Berlin
Bundeswehreinsätze im Innern, doppelte Staatsbürgerschaft als Sicherheitsrisiko: Beim Kampf um mehr Sicherheit werden Menschen- und Bürgerrechte zur Disposition gestellt. Die offene Gesellschaft sägt an dem Ast, auf dem sie sitzt.

Von Gerhart Baum, Konstantin Kuhle | Frankfurter Allgemeine

Ob Flüchtlingskrise, Islam oder Terrorismus – die Art und Weise, wie wichtige Debatten hierzulande geführt werden, verdeutlicht: Westliche Gesellschaften geraten immer mehr in einen Zustand der Verängstigung und Verunsicherung. Grundlegende Menschen- und Bürgerrechte werden zur Disposition gestellt. Statt diesen Prozess zu entschärfen und zu moderieren, wirken Politik und Medien mitunter als Beschleuniger.

Kürzlich aus Kreisen der Union veröffentlichte Pläne enthalten Vorschläge zur automatischen Gesichtserkennung und zur Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung. Hinzu kommen Rufe nach einem Einsatz der Bundeswehr im Innern und nach einer Aufweichung der ärztlichen Schweigepflicht. Parallel dazu werden Zweifel genährt, ob sich türkischstämmige deutsche Staatsbürger auf die Versammlungsfreiheit berufen können. Pauschal werden Inhaber zweier Staatsbürgerschaften zum Sicherheitsrisiko erklärt. In unserem Nachbarland Frankreich wird der Ausnahmezustand in der Verfassung verankert.

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„Religionsfreiheit der Muslime gehört zu Deutschland“

2006 begann der Dialog zwischen Staat und Muslimen. Die Bilanz: Luft nach oben. De Maizière fordert Transparenz von Islamverbänden. Schäuble spricht über das Versäumnis deutscher Einwanderungspolitik.

DIE WELT

Es ist eine Erfolgsgeschichte, wenn auch eine verkrampfte: Zum zehnjährigen Bestehen der Deutschen Islamkonferenz haben Vertreter von Staat und muslimischen Verbänden das Gremium als Erfolg gewürdigt.

Angesichts der Zuwanderung und der aufgeheizten Debatte über den Islam sei es heute aber umso wichtiger, dass es das Gesprächsforum gebe, sagte der Gründer, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), bei einem Festakt in Berlin.

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Mathias Rohe: „Die Millionen Islamexperten sind eine Landplage“

Bild: Mathias Rohe
Bild: Mathias Rohe
Mathias Rohe hat das erste Überblickswerk zum Islam in Deutschland vorgelegt. Was hält er von den Diskussionen um Burkaverbot, Ditib und Terrorismus? Und ab wann wird Islamkritik zu Islamhass? Ein Interview.

Von Sebastian Dalkowski | RP Online

Ihr Buch lässt den Schluss zu, dass Sie ein Freund der Sachlichkeit sind. Doch was zum Thema Islam im Umlauf ist, müsste selbst Sie zur Weißglut treiben.

Mathias Rohe Ich habe mir abgewöhnt, meinen Blutdruck von Publikationen abhängig zu machen. Es stimmt, dass es eine destruktive Literatur gibt, die so weit von den Fakten weg ist, dass sie die Atmosphäre vergiftet. Das gilt für die Texte von Islamverherrlichern genauso wie für die von Islamhassern. Aber ich lese auch viel Vernünftiges. Es gibt eine breite Mitte von Leuten mit unterschiedlichen Blickwinkeln.

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Houellebecq: „Ich bin ein halber Prophet“

Schriftsteller Michel Houellebecq in Paris. ©AFP
Schriftsteller Michel Houellebecq in Paris. ©AFP
Am Montagabend hat der französische Schriftsteller Michel Houellebecq in Berlin den Frank-Schirrmacher-Preis erhalten. In seiner Dankesrede widmete er sich der Frage: Wenn der Islam eine religiöse Macht ist – was sind dann wir?

Frankfurter Allgemeine

„Die Zahl der Beleidigungen steigt“, sagte Michel Houellebecq in Berlin in seiner Dankesrede über die Reaktionen, die ihm in seiner französischen Heimat oftmals entgegen gebracht werden. Mit seinem Roman „Unterwerfung“ hatte der Schriftsteller vor anderthalb Jahren die umstrittene Dystopie einer islamistischen Regierung in Frankreich erschaffen. Dafür erhielt er nicht nur Beifall. Houellebecq nannte den Umgang mit ihm eine „Hexenjagd“ und griff besonders die Zeitung „Le Monde“ an: „Es gibt viele französische Journalisten, die sich über meinen Tod ganz ernsthaft freuen werden.“

Die Stellung der französischen Linken verglich Houellebecq mit einem in die Enge getriebenen Tier, „das Todesangst verspürt und gefährlich wird“. Deshalb sei die Linke immer aggressiver geworden. Er selbst will sich nicht den „Neuen Reaktionären“ zuschlagen lassen, ein in Frankreich aktuelles Etikett, das verschiedenste Positionen zusammenfasst. „Aber wenn die Neuen Reaktionäre derart verschieden voneinander sind, derart unterschiedlich, dass sie definitiv nichts miteinander gemein haben, dann ist dies so, weil ihre Gegner, die neuen Progressivisten, ein enger denn je definierter, äußerst kleiner und äußerst anspruchsvoller Kreis sind.“

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