Die offene Gesellschaft sägt an dem Ast, auf dem sie sitzt

© dpa Überwachungskameras am Alexanderplatz in Berlin
© dpa Überwachungskameras am Alexanderplatz in Berlin
Bundeswehreinsätze im Innern, doppelte Staatsbürgerschaft als Sicherheitsrisiko: Beim Kampf um mehr Sicherheit werden Menschen- und Bürgerrechte zur Disposition gestellt. Die offene Gesellschaft sägt an dem Ast, auf dem sie sitzt.

Von Gerhart Baum, Konstantin Kuhle | Frankfurter Allgemeine

Ob Flüchtlingskrise, Islam oder Terrorismus – die Art und Weise, wie wichtige Debatten hierzulande geführt werden, verdeutlicht: Westliche Gesellschaften geraten immer mehr in einen Zustand der Verängstigung und Verunsicherung. Grundlegende Menschen- und Bürgerrechte werden zur Disposition gestellt. Statt diesen Prozess zu entschärfen und zu moderieren, wirken Politik und Medien mitunter als Beschleuniger.

Kürzlich aus Kreisen der Union veröffentlichte Pläne enthalten Vorschläge zur automatischen Gesichtserkennung und zur Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung. Hinzu kommen Rufe nach einem Einsatz der Bundeswehr im Innern und nach einer Aufweichung der ärztlichen Schweigepflicht. Parallel dazu werden Zweifel genährt, ob sich türkischstämmige deutsche Staatsbürger auf die Versammlungsfreiheit berufen können. Pauschal werden Inhaber zweier Staatsbürgerschaften zum Sicherheitsrisiko erklärt. In unserem Nachbarland Frankreich wird der Ausnahmezustand in der Verfassung verankert.

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„Religionsfreiheit der Muslime gehört zu Deutschland“

2006 begann der Dialog zwischen Staat und Muslimen. Die Bilanz: Luft nach oben. De Maizière fordert Transparenz von Islamverbänden. Schäuble spricht über das Versäumnis deutscher Einwanderungspolitik.

DIE WELT

Es ist eine Erfolgsgeschichte, wenn auch eine verkrampfte: Zum zehnjährigen Bestehen der Deutschen Islamkonferenz haben Vertreter von Staat und muslimischen Verbänden das Gremium als Erfolg gewürdigt.

Angesichts der Zuwanderung und der aufgeheizten Debatte über den Islam sei es heute aber umso wichtiger, dass es das Gesprächsforum gebe, sagte der Gründer, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), bei einem Festakt in Berlin.

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Mathias Rohe: „Die Millionen Islamexperten sind eine Landplage“

Bild: Mathias Rohe
Bild: Mathias Rohe
Mathias Rohe hat das erste Überblickswerk zum Islam in Deutschland vorgelegt. Was hält er von den Diskussionen um Burkaverbot, Ditib und Terrorismus? Und ab wann wird Islamkritik zu Islamhass? Ein Interview.

Von Sebastian Dalkowski | RP Online

Ihr Buch lässt den Schluss zu, dass Sie ein Freund der Sachlichkeit sind. Doch was zum Thema Islam im Umlauf ist, müsste selbst Sie zur Weißglut treiben.

Mathias Rohe Ich habe mir abgewöhnt, meinen Blutdruck von Publikationen abhängig zu machen. Es stimmt, dass es eine destruktive Literatur gibt, die so weit von den Fakten weg ist, dass sie die Atmosphäre vergiftet. Das gilt für die Texte von Islamverherrlichern genauso wie für die von Islamhassern. Aber ich lese auch viel Vernünftiges. Es gibt eine breite Mitte von Leuten mit unterschiedlichen Blickwinkeln.

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Houellebecq: „Ich bin ein halber Prophet“

Schriftsteller Michel Houellebecq in Paris. ©AFP
Schriftsteller Michel Houellebecq in Paris. ©AFP
Am Montagabend hat der französische Schriftsteller Michel Houellebecq in Berlin den Frank-Schirrmacher-Preis erhalten. In seiner Dankesrede widmete er sich der Frage: Wenn der Islam eine religiöse Macht ist – was sind dann wir?

Frankfurter Allgemeine

„Die Zahl der Beleidigungen steigt“, sagte Michel Houellebecq in Berlin in seiner Dankesrede über die Reaktionen, die ihm in seiner französischen Heimat oftmals entgegen gebracht werden. Mit seinem Roman „Unterwerfung“ hatte der Schriftsteller vor anderthalb Jahren die umstrittene Dystopie einer islamistischen Regierung in Frankreich erschaffen. Dafür erhielt er nicht nur Beifall. Houellebecq nannte den Umgang mit ihm eine „Hexenjagd“ und griff besonders die Zeitung „Le Monde“ an: „Es gibt viele französische Journalisten, die sich über meinen Tod ganz ernsthaft freuen werden.“

Die Stellung der französischen Linken verglich Houellebecq mit einem in die Enge getriebenen Tier, „das Todesangst verspürt und gefährlich wird“. Deshalb sei die Linke immer aggressiver geworden. Er selbst will sich nicht den „Neuen Reaktionären“ zuschlagen lassen, ein in Frankreich aktuelles Etikett, das verschiedenste Positionen zusammenfasst. „Aber wenn die Neuen Reaktionäre derart verschieden voneinander sind, derart unterschiedlich, dass sie definitiv nichts miteinander gemein haben, dann ist dies so, weil ihre Gegner, die neuen Progressivisten, ein enger denn je definierter, äußerst kleiner und äußerst anspruchsvoller Kreis sind.“

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Marx und Minirock

Foto: brightsblog
Foto: brightsblog
Ein Kuschelkurs in Sachen Islam wird das hier nicht. Auf die Frage, ob ich fotografieren könne, erwidert Uwe Vorberg vom Bahnhof Langendreer, er müsse erst die beiden Personenschützer von Mina Ahadi informieren, damit es keine Probleme gibt. Als er in den Abend zum Thema „Frauenrechte und Islam“ einführt, bemerkt er angesichts des vollen Studios 108 trocken „Es scheint ein brennendes Thema zu sein“.

Von Maxi Braun | Richard Dawkins-Foundation

Um die 150 Menschen sind der Einladung des Bahnhof Langendreer und der Initiative Religionsfrei im Revier gefolgt, um die Exil-Iranerin und Menschenrechtsaktivistin sprechen zu hören. Sie sitzen auf dem Boden oder stehen hinter der letzten Stuhlreihe, bis zur Tür. Mina Ahadi ist Vorsitzende des 2007 gegründeten Zentralrats der Ex-Muslime, Begründerin eines Internationalen Komitees gegen Steinigung und eines gegen die Todesstrafe.

Ihre Biografie verleiht dem Gesagten besonderen Nachdruck. Sie erzählt, wie sie in einem iranischen Dorf aufwuchs und schon als Kind auf der Straße einen Tschador tragen musste, mit niemandem sprechen durfte, wenn sie von A nach B ging. Anders war es in der Großstadt Teheran, wo sie ihren atheistischen Großvater besuchte. Das Leben dort war voller Farben, Eis und Kinobesuche. In ihrem Dorf war es schwarz hinter dem Tschador, für Ahadi ein „mobiles Gefängnis“. Das war in den 1960er Jahren, noch unter Schah Mohammad Reza Pahlavi.

Ihr Körper wird mit der Pubertät zunehmend zu einem Problem. Das Einsetzen der Periode sei „ein schwarzer Tag für die Familie“ gewesen. Sie beginnt, die Religion und ihren Platz darin zu hinterfragen. Will einen Freund haben, den Tschador ablegen. Die Antwort auf alles lautet immer nur „Allah“. Sie hört auf zu beten, entwöhnt sich von den religiösen Riten. „Dafür wurde ich nicht gesteinigt. Im Dorf galt das als typische Phase von jungen Leuten“.

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Auch Juden dürfen kritisiert werden

Michael Wolffsohn (l.) und Viola Roggenkamp (dpa/Galuschka/Imago/Müller)
Michael Wolffsohn (l.) und Viola Roggenkamp (dpa/Galuschka/Imago/Müller)
Kritik am Judentum von innen und außen ist selbstverständlicher Bestandteil einer offenen Gesellschaft, sagten die Schriftstellerin Viola Roggenkamp und der Historiker Michael Wolffsohn im Deutschlandfunk. Nur so könnten Fehlentwicklungen gestoppt werden. Politik und Religion zu vermischen sei ein zentraler Fehler, der im Judentum, den Kirchen und im Islam gemacht werde.

Viola Roggenkamp und Michael Wolffsohn im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Es gibt einen ausgeprägten innerjüdischen Pluralismus. Und entsprechend viel Selbstkritik. Michael Wolffsohn, zugeschaltet in München, braucht es da noch Kritik von außen?

Michael Wolffsohn: Natürlich, denn die Kritik von innen ist, das sagt ja das Wort, eine Kritik von innen. Und von außen bekommt man zusätzliche Anstöße. Deswegen ist es notwendig, in einem dialektischen Prozess, die Kritik von innen und von außen zu betrachten und dann das jeweilige Thema – in diesem Falle Religion – weiter zu entwickeln.

Main: So, das war ein erster Aufschlag von Ihnen, Herr Wolffsohn, guten Morgen.

Wolffsohn: Guten Morgen.

Main: Und ich begrüße die Schriftstellerin Viola Roggenkamp, die uns in Hamburg zugeschaltet ist. Guten Morgen Frau Roggenkamp.

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Flensburger Theologie-Professor: „Terror hat nichts mit dem Islam zu tun“

Plädiert für mehr Empathie gegenüber dem Islam: Ralf K. Wüstenberg. Foto: Staudt
Plädiert für mehr Empathie gegenüber dem Islam: Ralf K. Wüstenberg. Foto: Staudt
Der Flensburger Theologie-Professor Ralf K. Wüstenberg schreibt in seinem neuen Buch, was das Christentum vom Islam lernen kann.
 

Von Tobias Fligge | shz.de

Ralf K. Wüstenberg ist Professor für Evangelische Theologie an der Europa-Universität Flensburg und mitverantwortlich für die Ausbildung von über 400 angehenden Religionslehrern. 2013 bis 2014 war er als Gast-Dozent am Muslim College in Cambridge und lernte dort einen Islam kennen, der nach seiner Darstellung so gar nicht in das Bild von einer dunklen Religion passen will. Seine Erfahrungen hat er in seinem neuen Buch „Islam ist Hingabe“ (Gütersloher Verlagshaus) beschrieben.

Herr Wüstenberg, der Dialog mit dem Islam scheint in diesen Tagen mehr als schwierig zu sein. Warum schaffen wir es nicht, Verständnis füreinander zu entwickeln?

Der Islam wird im hohen Maße instrumentalisiert. Das kennt man auch aus der christlichen Religion. Wenn ich mir ein Bild vom Christentum anhand des Nordirland-Konflikts mache, werde ich auf ähnliche Schwierigkeiten stoßen und mich fragen: Wie kann eine solche Religion fähig sein, einen Dialog zu führen. Deshalb müssen wir uns als Christenmenschen ernsthaft mit den Inhalten der Religion beschäftigen und hinter die Fassade gucken.

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Was Hillary Clinton über den Islam und den „Krieg gegen den Terror“ sagen sollte

Bild. RDF
Bild. RDF
Der US-amerikanische Philisoph und Buchautor Sam Harris formuliert eine fiktive Rede, die Hillary Clinton halten sollte, um die Bürger von einer Wahl Donald Trumps abzuhalten.

Von Sam Harris | Richard Dawkins-Foundation

Es folgt ein Teil einer Rede, die Hillary Clinton irgendwann zwischen heute und November halten sollte. Sie dient dazu, jene Wähler, die Clintons politische Korrektheit in Sachen Islam und Dschihadismus insbesondere nach einem zukünftigen Terrorangriff in den USA oder Europa besorgniserregend finden, von einer Wahl Trumps abzuhalten. – Sam Harris

Heute möchte ich über eines der wichtigsten und umstrittensten Themen unserer Zeit sprechen – den Zusammenhang zwischen der islamischen Religion und dem Terrorismus. Ich möchte, dass Sie wissen, wie ich darüber denke und wie ich die Sache als Präsidentin betrachten werde. Ich möchte auch die Herangehensweise an dieses Thema durch meinen Gegner in diesem Präsidentschaftswahlkampf und meinen eigenen Ansatz entgegenstellen.

Das bedeutendste Anliegen – und tatsächlich das wichtigste Thema dieser oder irgendeiner Zeit – ist die menschliche Kooperation. Was verhindert sie, wodurch wird sie ermöglicht? Im November werden Sie einen Präsidenten wählen und keinen Weltherrscher. Die Aufgabe des Präsidenten der Vereinigten Staaten ist selbst bei all der Macht, über der er oder sie verfügt, die Menschen Zuhause und im Ausland zur Zusammenarbeit zu bewegen, um ein großes Spektrum an schwierigen Problemen zu lösen. Ihre Aufgabe besteht darin, sich die Person auszusuchen, die am ehesten dieser Aufgabe gewachsen scheint.

In der Vergangenheit habe ich gesagt, dass Gruppen wie der Islamische Staat und al-Qaida nichts mit dem Islam zu tun hätten. Präsident Obama sagte dasselbe. Wir haben uns auf diese Weise geäußert, weil wir der Auffassung waren, dass wir nichts sagen dürften, was man auf irgendeine Art so auslegen könnte, dass es die Darstellung von Gruppen wie dem IS bestätigt – und nahelegt, dass der Westen der islamischen Religion feindlich gegenübersteht, wenn auch nur ihren radikalsten Ausprägungen – was mehr Muslime in die Arme der Dschihadisten und Theokraten treiben und genau die Kooperation verhindern würde, die wir benötigen, um einen Ideenkampf gegen den radikalen Islam zu gewinnen. Ich sehe die Lage nun anders. Ich denke nun, dass wir die meisten Muslime unterschätzt haben. Und ich denke, dass wir alle einen zu hohen Preis dafür bezahlen, dass wir uns nicht eindeutig über die Verbindung zwischen bestimmten religiösen Ideen und dem sektiererischen Hass äußern, der die muslimische Welt trennt.

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Warum ich als Atheist die Muslime verteidige

Die Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh FOTO: Christoph Sebastian
Die Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh FOTO: Christoph Sebastian
Mit Religion hat unser Autor seit Ewigkeiten nichts mehr am Hut. Trotzdem stellt er sich immer wieder gegen Kritik am Islam. Ausschließlich selbstlos ist das nicht.
 

Von Sebastian Dalkowski | RP ONLINE

Es war mir noch kein Barthaar gewachsen, da hatte ich bereits entschieden, dass es Gott nicht gibt. Seitdem betrete ich Kirchen nur noch, wenn jemand beerdigt wird oder sie im Reiseführer stehen. Ich bin nicht in der Lage, mein Leben an einem Wesen auszurichten, das ich nicht sehe.

In den vergangenen Monaten habe ich mich immer wieder dabei erwischt, wie ich den Islam gegen überzogene Kritik verteidigte. Gegen den Vorwurf, dass der Islam Terrorismus fördere. Dass das Kopftuch automatisch Unterdrückung bedeutet. Dass Islam und Demokratie sich widersprechen. Dass diese Religion nicht in unsere Zeit und schon gar nicht in unser Abendland passt.

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Alice Schwarzer in Zürich ausgebuht – Podiumsdiskussion entgleitet

Die streitbare Feministin hat zahlreiche Kritiker. Bild: AP
Alice Schwarzer polarisiert. Deutlich wurde das einmal mehr am Sonntagabend im Zürcher Kaufleuten. Schwarzer und Saïda Keller-Messahli, die Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, diskutierten mit Moderator Matthias Daum («Die Zeit») über den Islam, das Burkaverbot und die Rolle der Geschlechter.

watson.ch

Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt – und Schwarzer hatte mit ihren Argumenten die grosse Mehrheit des Publikums hinter sich geschart. Sie begann mit der Silvester-Nacht in Köln: «Dort wurde erstmals im Westen der sexuelle Terror gegen Frauen geprobt».

Das Burkaverbot sei unumgänglich, eine Zumutung, dass man das überhaupt noch diskutiere.

Applaus.

Die Burka sei das Leichentuch für die Frau. Ein Stoff-Fetzen, der erstens die Frau entwürdige und zweitens aus dem Mann eine Art Tier mache, das sich offenbar nicht zu beherrschen weiss, wenn es ein bisschen Haut zu sehen bekommt.

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Dröges aus Berlin: „Man darf Muslime nicht ständig unter Druck setzen“

Klare Haltung. Markus Dröge ist seit 2009 Bischof der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.Foto: Thilo Rückeis
Toleranz und Stoppsignale: Ein Gespräch mit dem evangelischen Bischof Markus Dröge über sein Verhältnis zum Islam, das Verbot der Vollverschleierung und das Reformationsjubiläum.

Von Claudia Keller, Hans Monath | DER TAGESSPIEGEL

Herr Bischof, wann haben Sie zuletzt einen Imam getroffen?
Das war bei der Gedenkfeier für die Opfer der Anschläge von Paris im vergangenen Jahr. Ich bin nicht nur mit Imamen im Kontakt, sondern auch mit anderen Muslimen, etwa mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, und mit verschiedenen Berliner Moscheen.

Verändern die Gewalttaten mit teils islamistischem Hintergrund die Sicht der Deutschen auf den Islam?
Natürlich. Viele fühlen sich bedroht und überlegen, ob der Islam Gewalttaten und Extremismus fördert. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir mit unseren muslimischen Gesprächspartnern in Kontakt bleiben und zeigen, dass wir gemeinsam gegen jede Form von Gewalt sind. Muslime und Christen glauben an einen barmherzigen Gott, Juden gleichfalls. Wir stehen zusammen für eine Kultur der Barmherzigkeit.

Ist die Forderung an muslimische Organisationen legitim, sich vom Terror zu distanzieren? Oder fördert sie das Misstrauen gegen Muslime?
Die Forderung ist legitim. Man darf aber die Muslime nicht ständig unter Druck setzen. Diejenigen, die sich vom Terror distanzieren, müssen auch die Unterstützung der Mehrheitsgesellschaft spüren.

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Salafisten in Europa: Das Ziel ist die islamistische Herrschaft

Nach den Attentaten von November letzten Jahres in Paris steckte jemand diese Rose mit Etikette durch ein Schussloch in einem Bistro-Fenster. (Bild: Frank Augstein / AP)
Die Salafisten kämpfen in Europa erfolgreich um die Deutungshoheit über den Islam. Sie begeben sich dabei auf Kollisionskurs mit allen anderen.

Von Michael Koller | Neue Zürcher Zeitung

Die wahhabitischen Regime auf der Arabischen Halbinsel, in Saudiarabien und Katar, sowie die international vernetzte Muslimbruderschaft versuchen seit Jahrzehnten, mit ihren ultrakonservativen und politisierten Formen des Islam die Deutungshoheit innerhalb der islamischen Gemeinschaften zu erringen. Sie tun dies mit zunehmendem Erfolg. Die in weltweiten Netzwerken agierenden Anhänger dieser radikalen Formen des Islam sind der festen Überzeugung, ihre Religion stehe über allen anderen Glaubensbekenntnissen und auch über den demokratisch legitimierten Verfassungen, die sie für eine Gotteslästerung halten.

Oberste Gültigkeit

Sinngemäss wird die Religion nicht nur als Anleitung für die Beziehung zu einem Gott verstanden, sondern als Autorität, die die gesamtgesellschaftlichen Beziehungen reguliert und das politische Gemeinwesen nach ihren Maximen prägt. Der Anspruch auf oberste Gültigkeit, die expansionistische Agenda sowie das Einfordern von gesellschaftlicher und politischer Macht bringen diese Ausprägungen des Islam in der islamischen Welt und in Europa auf Kollisionskurs mit der vielfältigen Religionspraxis im Islam, mit allen Andersdenkenden, auch den tolerant oder nichtgläubigen Menschen mit muslimischem Erbe, mit gesellschaftlichen Umgangsformen, staatlichen Gesetzen und mit den Menschenrechten. Und sie sind seit gut zehn Jahren auch in der Schweiz auf dem Vormarsch.

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Mohammed war ein Mann der Politik und des Schwerts

© Reuters Minarette der Mohammed-Moschee in Medina
Mekka gegen Medina: Der Islam braucht eine Reformation, die seine fatalen politischen Ausprägungen unterbindet.

Von Abdel-Hakim Ourghi | Frankfurter Allgemeine

Den Muslimen wird immer wieder vorgeworfen, dass der Islam eine rückwärtsgewandte, wissenschaftsfeindliche und mittelalterliche Religion sei. Mit Recht, wenn man die gegenwärtige Situation der islamischen Welt in Bezug zum wissenschaftlichen und technischen Fortschritt setzt. Ein Exkurs in die Geschichte der islamischen Wissenschaft zeigt jedoch, dass dies nicht immer der Fall war. Zwischen dem neunten und dem dreizehnten Jahrhundert erlebte die islamische Wissenschaft in einigen Kulturzentren wie Bagdad und Cordoba eine Blütezeit. Während des Abbasiden-Kalifats (750-1258) gelang es den muslimischen Gelehrten anhand der Übersetzungen des griechischen Erbes ins Arabische Wissensgebiete wie Mathematik, Medizin, Chemie und Astronomie zu revolutionieren.

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Al-Azhar-Universität in Kairo: „Der Niqab schadet dem Islam“

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Die Al-Azhar-Universität in Kairo vertritt eine klare Meinung: «Der Niqab schadet dem Islam». Die Gelehrten haben die Debatte um die Verhüllung bereits im Oktober 2009 losgetreten.

Aargauer Zeitung

Als Frankreich vor fünf Jahren den islamischen Gesichtsschleier verbot, erhielten die Pariser Senatoren Beifall von ungewohnter Seite. «An Europa und Frankreich möchte ich als Botschaft schicken – der Niqab hat keine Grundlage im Islam, er schadet vielmehr dem Ansehen des Islam», schrieb Abdel Muti Al-Bayyumi, Mitglied des Hohen Geistlichen Rates der Al-Azhar in Kairo, der höchsten Lehrautorität der sunnitischen Muslime. In dieser heiklen Frage wusste Al-Bayyumi sich auch mit seinem Chef einig, Grossscheich Ahmed al-Tayeb.

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Der Stoffkäfig degradiert Frauen

Bild: Reuters
Bild: Reuters
So pauschal wie Konservative den Islam diffamieren, wird er von links verteidigt. Beim Burka-Verbot aber übersehen Liberale einen wichtigen Punkt.

Von Ulrich Schulte | taz.de

Die CDU-Politiker, die ein Burka-Verbot fordern, werden mehr Erfolg haben, als viele Linksliberale es sich träumen lassen. Abgesehen davon, dass das Thema emotionalisiert und sich gegen eine Minderheit richtet, die keine Sympathien genießt, ist etwas anderes entscheidend. Die Konservativen haben in einem wichtigen Punkt Recht.

Denn eins ist wirklich nicht zu bestreiten: Burka und Nikab stehen für einen illiberalen und reaktionären Islam, der Frauen unterdrückt. Der Stoffkäfig degradiert Frauen zu gesichtslosen Wesen, er lässt sie aus dem öffentlichen Raum verschwinden – denn den sollen bitteschön die Männer dominieren. Um diese Tatsache darf sich, wer progressiv denkt, nicht herumdrücken.

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Die Burka gehört verboten

Vollverschleierte Frauen bei einer Kundgebung salafistischer Muslime in Offenbach (Archivbild) (Foto: imago/epd)
Anders als das Kopftuch hat der Vollschleier nichts mit Religion zu tun. Er ist die Negation eines zeitgemäßen Islam – und verstößt massiv gegen westliche Werte und den Gleichheitsgrundsatz.

Von Tomas Avenarius | Süddeutsche.de

Deutschland streitet um ein Stück Stoff. Einige CDU-Landespolitiker fordern, den Vollschleier zu verbieten, der Bundesinnenminister und Rechtsexperten aber winken ab: Ein Burka-Verbot passe nicht zum Grundgesetz. Formaljuristisch stimmt das. Religionsfreiheit ist ein hohes Gut, Deutschland kein wirklich laizistischer Staat. Die Burka mag dem Gleichheitsgrundsatz widersprechen, aber die katholische Kirche verstößt auch gegen das Prinzip, dass Mann und Frau gleich behandelt werden müssen.

Sollte das Burka-Verbot denn je kommen, hätten die Polizisten als Praktiker ein Problem. Der Beamte, der die Schleierfrau auf der Straße aufhielte, hätte wenig in der Hand. Was könnte er tun – der Verschleierten das Tuch vom Kopf reißen? Und wenn sie den Vollschleier gar nicht freiwillig trägt, der Ehemann sie dazu gezwungen hat? Kaum einer kennt solche rechtlichen Vorbehalte in der Schleier-Frage besser als Bundesinnenminister Thomas de Maizière, er ist Jurist.

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IS an Papst: ‚Unser Krieg ist ein religiöser Krieg, im Namen Allahs‘

saudi_isis

Der Islamische Staat (IS) hat in dieser Woche auf die Aussagen von Papst Franziskus zu Islam und Terror reagiert und seine Aussagen als naiv bezeichnet

kath.net

Der Islamische Staat (IS) hat in dieser Woche auf die Aussagen von Papst Franziskus zu Islam und Terror reagiert und via der eigenen Zeitung „Dabiq“ die Aussagen von Franziskus, dass Muslime den Frieden wollen und die Handlung des IS wirtschaftlich motiviert sei, als naiv kritisiert. Dies berichtet die „Freie Welt“ unter Berufung auf das US-Online-Magazin „Breitbart.com“. Laut IS sei dies „ein göttlich gerechtfertigt Krieg zwischen der muslimischen Nation und den Völkern des Unglaubens“. Dieser werde durch das Schwert entschieden. Der IS stellte dann fest, dass man mit dem Hass nicht aufhören werde, selbst, wenn das Bombardment des Islamischen Staates beendet werden sollte. „Unser Hass wird nicht enden, bevor ihr den Islam angenommen habt. Und selbst wenn ihr den Jizyah, die Steuer für Ungläubige zahlt, um unter der Herrschaft des Islam leben zu dürfen, würden wir euch hassen.“

Islamexperte: Muslime müssen politisch sein – noch mehr Islamismus

Akif Şahin, IslamExperte © privat, bearb. MiG
Müssen Islam und Muslime in Deutschland unpolitisch sein? Und wenn ja, warum? Das sind alte Fragen, die an Aktualität nichts eingebüßt haben. Akif Şahin ist überzeugt: Muslime müssen ihren Glauben politisieren.

Von Akif Şahin | MiGAZIN

Der Vorwurf, Muslime würden sich politisch einmischen, ist nicht neu. Damit einhergeht häufig auch der „Islamismus“-Vorwurf. Auch aktuell stellen sich „liberale“ und Pseudomuslime auf und kritisieren, der Islam sei politisch geworden. Und dieser politische Islam sei das eigentliche Übel unserer Zeit. Selbst aus Kreisen der Wissenschaft und auch aus der konservativen muslimischen Community werden solche Vorwürfe erhoben. Hier scheint es ein Wahrnehmungsproblem zu geben.

Es ist verständlich, dass man Abneigungen gegen Konzepte hat, die aus dem Nahen Osten kommen. Aber diese Konzepte haben wenig mit dem „politischen Islam“ in Deutschland zu tun. Schauen wir uns doch hierzu einfach unsere bestehende Realität an. Wir leben in einem säkularen Staat, der keine Staatskirche kennt. Die Gesetze in diesem Land gelten für alle Menschen, egal welches Geschlecht und welche Religion sie haben. Allein deshalb entstehen aber Probleme. Denn die Gesetze decken das Spektrum des Islam und der Muslime nicht ab – sie sehen muslimisches Leben in diesem Staatswesen eigentlich gar nicht vor.

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Francis Fukuyama: „Es gibt Grenzen, was Neuankömmlinge anbetrifft“

Foto: Lynn Bo Bo-picture alliance / dpa Francis Fukuyama gehört zu den bekanntesten Historikern und Politologen unserer Zeit. Berühmt wurde er mit seiner These vom „Ende der Geschichte“. Kurz nach dem Fall der Mauer in Berlin prophezeite Fukuyama, die liberale Demokratie werde bald für eine dauerhaft sichere politische Zukunft der Menschheit sorgen
Islam und Demokratie? Überhaupt kein Problem, sagt der US-Politologe Francis Fukuyama. Die größte Gefahr für Europa sieht er woanders. Besonders deutlich rechnet er mit Angela Merkel ab.

Von Antonello Guerrera | DIE WELT

Frage: Professor Fukuyama, sie vertreten die These, dass man gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) keinen Krieg führen dürfe. Aber wäre das nicht eine plausible Lösung, angesichts der immer häufigeren Attacken?

Francis Fukuyama: Nein. Die wahre Bedrohung wäre eine Überreaktion unsererseits. Das ist doch genau das, was der Terrorismus erreichen will, vor allem der Islamische Staat. Wir dürfen den fürchterlichen Fehler des Irakkriegs von 2003 nicht wiederholen. Die Bürger wollen eine schnelle Lösung für dieses Problem. Doch ganz ehrlich: So eine Lösung gibt es nicht.

Kleine, aber heftige Attentate von labilen Individuen, wie bei den letzten, die wir erlebt haben, und wie sie auch in den USA immer wieder passieren, sind nicht vorhersehbar. Alle zu beschützen ist vollkommen unmöglich.

Gleichzeitig jedoch dürfen wir die Rechte und die Freiheit eines Teils unserer Gesellschaft nicht einschränken, wie es die fremdenfeindlichen und rassistischen Bewegungen fordern. Damit würden wir die Grundpfeiler unserer Demokratie untergraben.

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Der Islamische Staat auf Missionierungstrip

Bild: heise.de
Das neueste Dabiq-Magazin soll für den Übertritt zum Islam als Religion werben, aber die Attraktion basiert vermutlich auf anderen Bedürfnissen

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist im Irak und in Syrien in Bedrängnis, während sie sich in Nordafrika, Afrika oder Asien verbreitet. Der Verlust des Stammlandes wäre symbolisch sehr hoch, es wäre eine Niederlage, allerdings wäre der IS wegen seiner Verbreitung noch längst nicht am Ende, womöglich ist ein Teil seiner Führung auch schon in anderen Ländern.

Ob die vermehrten Anschläge außerhalb der Kampfzonen eine Reaktion auf das schrumpfende Territorium im Stammland sind, wie dies gerne interpretiert wird, darf bezweifelt werden. Es mussten erst Ausbildungsstätten aufgebaut, auf Suizid getrimmte Kämpfer ausgebildet und Anschlagspläne vor Ort entwickelt werden. Das braucht Zeit und kann nicht von heute auf morgen geschehen. Die Strategie, zu den militärisch geschulten Selbstmordkommandos Sympathisanten auf der ganzen Welt zu Anschlägen aufzurufen, war ebenfalls bereits angelegt. Der IS hat hier die al-Qaida-Organisation AQAP nur kopiert, die schon seit Jahren zum „Open Source Jihad“ aufruft.

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