Kann sich der Islam mit dem freiheitlichen Verfassungsstaat versöhnen?

Innerislamische Aufklärungsbestrebungen sind bis anhin immer wieder gescheitert. Eingang einer Moschee in Braunschweig. (Bild: Joanna Nottebrock / Laif)

Der Rechtsphilosoph Ernst-Wolfgang Böckenförde prägte die Formulierung, dass der freiheitliche Staat von Voraussetzungen lebe, die er selbst nicht garantieren könne. Böckenfördes Skepsis gegenüber dem Islam und seine migrationspolitischen Empfehlungen hingegen sind weitgehend unbekannt, aber brisant.

Martin Rhonheimer | Neue Zürcher Zeitung

Wird sich der migrationsbedingt und aufgrund höherer Geburtenraten in westlichen Ländern zunehmend stärker vertretene Islam in Zukunft, analog den christlichen Kirchen, mit dem säkularen Verfassungsstaat und der Religionsfreiheit theologisch versöhnen können? Und was wäre, wenn darauf keine Aussicht bestünde?

Diese Fragen stellte der im Februar verstorbene Staats- und Verfassungsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde in einem Vortrag bei der Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung, der 2007 in einer Kurzfassung in der NZZ und dann unter dem Titel «Der säkularisierte Staat. Sein Charakter, seine Rechtfertigung und seine Probleme im 21. Jahrhundert» publiziert wurde. Es handelte sich dabei gleichsam um einen Nachtrag zu seinem klassischen Text «Die Entstehung des Staates als Vorgang der Säkularisation» aus dem Jahre 1964. Böckenfördes Antwort auf die von ihm gestellten Fragen hat viele überrascht.

Gesetz, nicht Gesinnung

Der Islam als Herausforderung für den säkularen, freiheitlichen Verfassungsstaat: Das war 1964 noch kein Thema gewesen. Für Böckenförde wurde es zu einem solchen aufgrund einer Grundsatzerklärung des Zentralrats der Muslime in Deutschland aus dem Jahre 2001: «Das islamische Recht verpflichtet Muslime in der Diaspora, sich grundsätzlich an die lokale Rechtsordnung zu halten.»

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Religion oder Tierwohl

Deutschland ist ein säkularer Staat. Also: Er sollte es eigentlich sein. Denn immer wieder versuchen religiöse Partikularinteressen, diesen Grundsatz auszuhebeln und religiöse Vorschriften über das Gemeinwohl zu stellen.

Jan Weber | hpd.de

Gestern meldete sich die SPD-Politikerin Sawsan Chebli via Twitter zu Wort und gab bekannt, dass, wer für Tierwohl einstehe, die jüdische und islamische Religion angreife und die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit verletze.

Sie schreibt: „Schächten gehört zum Judentum und zum Islam. Wer das verbieten will, greift die jüdische und islamische Religion an und verletzt die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit. […]“

Für diesen Tweet hat sie bereits viel berechtigten Widerspruch erhalten. So schreibt beispielsweise Bernhard Janßen: „Religionsfreiheit muss Grenzen haben. Auch Menschenopfer gehörten früher zu einigen Religionen. Seit 2002 steht der Tierschutz im Grundgesetz! Religionsfreiheit des Einzelnen hat mit Töten nichts zu tun und hat in Deutschland keinen Vorrang vor dem Tierschutz!“ Ein Nutzer namens Cryptocoinfox(Unrasiert) antwortet: „[…] wenn zu einer Religion etwas gehört, dass [sic] zutiefst unseren Werten und Gesetzen widerspricht, wie das Schächten, kann man das nicht mit Tradition oder sonst was relativieren […].“

Mehrfach wird zu Recht darauf hingewiesen, dass das Tierwohl in Deutschland grundgesetzlich geschützt ist.

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Antisemitismusbeauftragter Klein verteidigt das Schächten: „Schutz kultureller und religiöser Vielfalt“

Das Schächten von Schafen während des islamischen Opferfestes gilt als religiöses Gebot
© Martin Schutt (dpa)

Ein vernünftiger Ausgleich zwischen Belangen des Tierschutzes und der Religionsfreiheit? Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat das rituelle Schlachten von Tieren in Islam und Judentum verteidigt.

DOMRADIO.DE

„Die bislang geltende Regelung nach dem Tierschutzgesetz, die das Schächten in Ausnahmefällen und unter strengen Voraussetzungen erlaubt, stellt einen vernünftigen Ausgleich zwischen Belangen des Tierschutzes und der Religionsfreiheit dar“, sagte Klein am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Diese Regelung habe auch das Bundesverfassungsgericht bestätigt.

Hintergrund ist eine Debatte der niedersächsischen CDU anlässlich des zu Ende gegangenen islamischen Opferfestes. Medienberichten zufolge fordert die dortige Landtagsfraktion ein vollständiges Verbot des Schächtens, bei dem Tiere ohne Betäubung geschlachtet werden. Ein entsprechender Vorstoß sei von der Fraktion gebilligt worden. Als Grund wird das Tierwohl genannt.

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Pakistan droht mit Gewalt in Kaschmir

Die Antwort aus Pakistan ließ nicht lange auf sich warten. Die Regierung in Islamabad äußert sich empört darüber, dass Indien das Autonomie-Statut für das mehrheitlich muslimische Kaschmir abgeschafft hat.

Von Agnes Tandler | evangelisch.de

Pakistan hat Indien nach der Abschaffung des Autonomie-Status von Kaschmir vor einer Eskalation der Gewalt gewarnt. Der pakistanische Ministerpräsident Imran Khan erklärte am Dienstag vor dem Parlament in Islamabad, es werde mehr Terroranschläge in der umstrittenen Region geben. Pakistan mächtiger Armeechef, Qamar Javed Bajwa, sagte, die Armee sei zu jedem Schritt bereit, um die Bevölkerung in Kaschmir zu unterstützen.

Regierungschef Khan sagte, er werde die Angelegenheit vor den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bringen. „Indien will ethische Säuberungen in Kaschmir“, warnte Khan. Das Parlament in Neu-Delhi beschloss derweil die Änderung des in der Verfassung festgeschriebenen Sonderstatus für den indischen Teil Kaschmirs und die Schaffung eines neuen Bundesstaates in Ladakh.

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Der Rückzug der arabischen Götter – wie ist der Islam entstanden?

Auf dieser Miniatur des Topkapi Museums in Istanbul schmücken Engel die Kaaba anlässlich der Geburt Mohammeds. In vorislamischer Zeit war sie ein wichtiger polytheistischer Pilgerort. (Bild: GraphicaArtis / Getty)

Lange verehrte die Bevölkerung auf der Arabischen Halbinsel mehr als einen Gott. Der Historiker Glen W. Bowersock untersucht, wie sich dort der Monotheismus durchsetzen konnte – und warum sich ausgerechnet Mohammeds Glaubenslehre verbreitete.

Philipp Hufschmid | Neue Zürcher Zeitung

Die Muslime bezeichnen den Zustand vor der Verbreitung des Islam als Jahiliya – die Zeit der Unwissenheit. Und auch aus Sicht von Archäologen und Historikern hat diese Bezeichnung einiges für sich, ist doch über die Spätantike auf der Arabischen Halbinsel vergleichsweise wenig bekannt. Zwar konnten seit der Jahrtausendwende dank Ausgrabungen und neu entdeckten schriftlichen Zeugnissen einige Wissenslücken geschlossen werden. Doch sind viele Fragen zur Zeit vor der Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina im Jahr 622 unserer Zeitrechnung offen.

In seinem Buch «Die Wiege des Islam» sucht der renommierte Historiker Glen W. Bowersock nach Antworten. Der emeritierte Professor für Alte Geschichte am Institute for Advanced Study in Princeton will «einen Einblick in das chaotische Umfeld» geben, das den Islam möglich machte, und zu «einem besseren Verständnis seiner Entstehung beitragen».

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Dalai Lama: Der Geflüchtete, der Geflüchtete hasst

Dalai Lama in Hamburg, 1998. Foto: Jens Nagels

Der Dalai Lama hat sich dem BBC gegenüber abfällig über Refugees und Muslime geäußert: eine ganz schön schwach(sinnig)e Leistung für eine Galionsfigur des Weltfriedens.

Von Timo Al-Farooq | MiGAZIN

Schon mal einen Refugee kennengelernt, der Refugees hasst? Nein? Dann darf ich Ihnen Tenzin Gyatso vorstellen, besser bekannt als „Dalai Lama“, der exilierte, spirituelle Führer des tibetanischen Volkes. Er hat letzten Monat dem BBC ein Interview gegeben, auf das Italiens Matteo Salvini und Ungarns Victor Orbán ganz schön stolz gewesen wären.

Als er gefragt wurde, ob Geflüchteten in Europa ein dauerhaftes Bleiberecht eingeräumt werden sollte, antwortete er: „Limited number… OK. But whole Europe eventually become Muslim country? Impossible. Or African country? Also impossible.“

Kommt einem das bekannt vor? Der ach so entspannte und natürlich überhaupt nicht rassistische Buddhist, den wir aus dem islamfeindlichen Sri Lanka und dem noch islamfeindlicheren Myanmar kennen, bläst in das gleiche ausgelutschte Horn der organisierten Islamisierung Europas und des noch ausgelutschteren Kulturkampfnarrativs.

Und würde ihn bitte jemand daran erinnern, das Afrika und Europa keine Länder sind, sondern Kontinente.

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Jeder Zweite nimmt Islam als Bedrohung wahr

Muslimische Frauen mit Kopftüchern verfolgen in Berlin den Beginn der Islamkonferenz.(Foto: dpa)
  • Etwa die Hälfte der Bundesbürger nimmt einer Studie zufolge den Islam als Bedrohung wahr; nur ein Drittel der Bevölkerung nimmt ihn als Bereicherung wahr.
  • Unter Menschen, die keinen persönlichen Kontakt zu Muslimen haben, ist eine ablehnende Haltung besonders stark verbreitet.
  • Wie aus der Studie außerdem hervorgeht, hält die große Mehrheit von 89 Prozent der Bevölkerung – über alle Religionen hinweg – die Demokratie in Deutschland für eine gute Regierungsform.

Süddeutsche Zeitung

Eine Mehrheit der Deutschen sieht den Islam nicht als Bereicherung. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. Demnach sprächen zwar etwa 70 Prozent anderen Religionen einen Wahrheitsgehalt zu und seien somit als religiös tolerant anzusehen. Doch nur knapp jeder Zweite in Deutschland meine, dass religiöse Pluralität die Gesellschaft bereichere. Den Islam betrachte nur ein Drittel der Bevölkerung als Bereicherung, so die Studie. Christentum, Judentum, Hinduismus und Buddhismus würden hingegen von einer Mehrheit als bereichernd empfunden.

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Der Islam und die Linke

Die Linke tut es sich äußerst schwer mit dem Islam. Grund hierbei ist die Abstraktion von der Religion und der perspektivischen Hoffnungslosigkeit im Kampf gegen Rechte.

Elisa Nowak | derFreitag/Blog

Die Linke ist in einem Dilemma. Ihr liberaler Progressivismus hat sie in eine Sackgasse manövriert, wenn es um die Frage des Islam geht. Man möchte ihnen am liebsten die tröstende Schulter reichen, wenn es sich wieder die Frage auftut, ab wann etwas beispielsweise „islamophob“ ist und ab wann nicht. Das Kernproblem ist die aufoktroyierte Identitätspolitik auf das zu schützende Subjekt. Die muslimischen Flüchtlinge werden von den reaktionären, progressiven und identitätsstiftenden Linken über ihr Muslimsein definiert und behandelt. Dadurch entwickelt sich das widersprüchliche Problem, dass einerseits der Islam liberalisiert betrachtet werden muss und andererseits der muslimische Flüchtlingen gar keine andere Möglichkeit hat, als sich dieser Deutung zu beugen. Natürlich ist das Frauenbild des Islam und der autoritären Rechten näher als ihnen lieb scheint. Die Sexualisierung der Frau* respektive deren Ermächtigung ist ein geübtes Instrument jedweder patriarchaler Strukturen. Die reaktionäre Linke steht für das Selbstbestimmungsrecht der weißen Frau* ein, doch verteidigt gleichzeitig die patriarchalen Instrumente der Islamistinnen. Die „Kopftuch-Debatte“ steht dabei kontrovers im Mittelpunkt einer jeden Diskussion der Linken. Das Kopftuch ist ein Herrschaftsinstrument des Islam, in der die Männer die Kontrolle über die Frauen ausüben und direkt in ihre Entwicklung, Entscheidung und Lebensweise eingreifen Diese Form der Unterdrückung und Kontrolle als „selbstbestimmte Entscheidung“ zu klassifizieren, ignoriert die Gesetze des dialektischen Materialismus.

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Das Internet bietet Marokkos Atheisten eine Heimat

Atheismus ist kein neues Phänomen in der islamischen Welt. Doch mit der Etablierung der sozialen Netzwerke bietet sich einer Vielzahl von jungen Arabern der Raum, öffentlich über ihre eigene Abkehr vom Glauben zu sprechen und Religion zu kritisieren. Das gilt insbesondere für den Islam, dem viele dieser jungen Menschen zuvor angehörten.

Das Internet ermöglicht es nicht nur, sich zum Atheismus zu bekennen, sondern auch mittels Kritik an Religion im Allgemeinen und dem Islam im Speziellen atheistische Überzeugungen in die Diskussion einzubringen und zu stärken. Ismail Azzam sprach mit jungen Marokkanern, die sich vom Islam abgewendet haben.

Ismail Azzam | Qantara.de

Atheismus ist kein neues Phänomen in der islamischen Welt: Bereits in den vergangenen Jahrhunderten bekannten sich verschiedene wichtige Persönlichkeiten in der Region zum Atheismus. Aber mit der Etablierung der sozialen Netzwerke bietet sich einer Vielzahl von jungen Marokkanern der Raum, öffentlich über ihre eigene Abkehr vom Glauben zu sprechen und Religion zu kritisieren. Das gilt insbesondere für den Islam, dem viele dieser jungen Menschen zuvor angehörten.

„Paltalk“ war das erste Medium, auf dem der Aktivist mit dem Pseudonym Hisham Nousteek über Atheismus sprach. Später wechselte er dann zur Videoplattform YouTube, über die er mittlerweile auf verschiedenen Kanälen Videos zum Thema Religion verbreitet. Darüber hinaus betreibt er eine eigene Webseite und ist auch auf seiner Facebook-Seite weiterhin sehr aktiv. Als erster Atheist Marokkos hat er zudem ein gedrucktes Buch veröffentlicht: In „Memoiren eines Ungläubigen“ schildert er im marokkanischen Dialekt seinen Weg vom Glauben zum Atheismus.

„Ein marokkanischer Ungläubiger“

„Das Internet hat unser Leben grundlegend verändert. Das hat sich auch auf unsere Überzeugungen ausgewirkt und die Art, wie wir sie thematisieren, geändert. Es war der ausschlaggebende Faktor für mich, mit meiner Kritik an Religion und meiner Abkehr vom Glauben an die Öffentlichkeit zu gehen. Auf einmal konnte ich ganz einfach und problemlos mit Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt treten“, sagt Nousteek im Gespräch mit Qantara.de. In seinen Worten spiegelt sich die weit verbreitete Idee, dass durch die sozialen Netzwerke und die Möglichkeit, öffentlich und ohne Tabus zu diskutieren, eine große Anzahl von Muslimen zu Atheisten werden könnte.

Die Verbreitung atheistischen Denkens über die sozialen Netzwerke ist jedoch nicht die einzige Veränderung, die das Internet mit sich gebracht hat: „Dank des Internets stehen den Menschen heutzutage Informationen und Quellen zur Verfügung, die es früher nur in teuren Büchern gab. Dadurch begannen viele zu hinterfragen, was sie als Kinder zu glauben gelernt haben“, erklärt Nousteek.

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Zu Pfingsten: Exegese in Christentum und Islam

Schnorr von Carolsfeld – Die Erschaffung Evas (1825)

Dürfen die Texte, auf die sich Christentum und Islam berufen, in der aktuellen Sprache ausgelegt werden oder sind sie unverrückbar heilig?

Christoph Jehle | TELEPOLIS

Es soll an dieser Stelle nicht darum gehen, nachzuweisen, ob es ein höheres Wesen gibt oder nicht, sondern in erster Linie darum, ob man die Texte der Heiligen Schriften im aktuellen Zusammenhang von Wissenschaft und Kultur auslegen kann und darf oder ob die Gläubigen an das schriftlich überlieferte Wort gebunden sind, auch wenn ihnen der entsprechende Wortschatz inzwischen völlig fremd geworden ist.

Im Christentum muss man auch die Tatsache berücksichtigen, dass das sogenannte Neue Testament nicht in der Sprache verfasst wurde, die zu Zeit Jesu gesprochen wurde, sondern in der damaligen Weltsprache (Bibel-)Griechisch und damit wurde auch natürlich auch griechisches Gedankengut in die Texte aufgenommen. Dazu kam dann im Laufe der Zeit, dass die Schrift mehrmals in eine andere Sprache übersetzt wurde, was durchaus zumindest zu Ungenauigkeiten führen konnte.

So kamen im Zusammenhang mit der Übersetzung in die lateinische Sprache dann weitere Änderungen zum Tragen. So wurde aus dem ″geweihten Atem″, der in der Schöpfungsgeschichte den lebenden Menschen vom toten unterscheidet, in der lateinischen Sprache der ″spritus sanctus″ im Deutschen wird daraus der ″Heilige Geist″. Ebenfalls im Umfeld der Schöpfungsgeschichte wurde aus dem lateinischen ″malus″, dem Bösen, der Apfelbaum, denn im Lateinischen kann ″malus″ beide Bedeutungen haben.

Die Kanonisierung der biblischen Schriften

Dass die heutige Bibel ihren Autoren von Gott selbst diktiert wurde, ist heute zumeist keine Annahme mehr, die auf größeren Zuspruch stößt. Zumeist wurden die Texte der heutigen Bibel erst mal mündlich weitergegeben, bevor sie dann schriftlich fixiert wurden. Und dabei gab es aufgrund abweichender Erzähltraditionen auch mehrere unterschiedliche Aufzeichnungen, weil den einzelnen Elementen unterschiedliche Bedeutung beigemessen wurde.

Der heute bestehende biblische Kanon geht auf eine historische Entwicklung zurück, die sich in mehreren Etappen vollzogen hat. Nicht alle zur Zeit der Kanonisierung im 4. Jahrhundert vorliegenden Schriften wurden in die Bibel aufgenommen. Die damals verworfenen Texte nennt man Apokryphe Schriften. Dazu zählt beispielsweise das Thomasevangelium. Die bei der Auswahl gültigen Kriterien sind nicht durchgängig dokumentiert. Dabei ist die Auswahl der biblischen Schriften für die nachfolgende Auslegung keinesfalls irrelevant.

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Das Kopftuch: Symbol der Würde oder Unterdrückung?

Themenbild

Inwieweit das Kopftuch zum Islam gehört oder vielmehr Ausdruck einer politischen Auslegung dieser Religion ist, darum scheiden sich auch innerhalb der muslimischen Gemeinschaft die Geister. Auf einer Frankfurter Tagung sprachen dazu Menschen, die normalerweise gar nicht oder nur sehr ungern miteinander reden.

Von Eva-Maria Götz | Deutschlandfunk

„Wir können ja nichts machen. Ich kann mit den Kindern sprechen, aber die Kinder, die haben ja gar keine Möglichkeit als das zu machen, was ihre Eltern oder die Gemeinschaft oder die Verwandtschaft sagt. Die Kinder haben keine Chance.“

Zwang, Bekenntnis oder spirituelle Geste?

Für die Lehrerin an einer weiterführenden Schule gehört die Auseinandersetzung mit ihren kopftuchtragenden Schülerinnen und deren Umfeld zum Alltag. Sie erhoffte sich von der Konferenz inhaltliche Hilfestellung beim Umgang mit diesem Thema, zum Beispiel bei der Frage, inwieweit das Kopftuch überhaupt zum Islam gehört oder ob es nicht vielmehr Ausdruck einer politischen Auslegung dieser Religion ist. Doch genau darum scheiden sich innerhalb der vielfältigen muslimischen Gemeinschaft die Geister. Und so ist es schon ein erstes Verdienst der Frankfurter Tagung, Menschen in einen Raum und zu einer Diskussion gebracht zu haben, die normalerweise gar nicht oder nur sehr ungern miteinander reden. Etwa die Publizistin Khola Maryam Hübsch, Mitglied der Ahmadiyya-Gemeinschaft und dort für Medienarbeit und den interreligiösen Dialog zuständig. Sie verteidigte vehement ihr Recht auf das Tragen der Kopfbedeckung als Ausdruck ihres feministischen Selbstverständnisses und muslimische Kleidung insgesamt als eine Möglichkeit, sich dem ihrer Meinung nach zu körperorientierten Blick auf Frauen in der westlichen Welt zu entziehen. Demgegenüber ist für die Journalistin und Autorin Alice Schwarzer das Kopftuch:

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Volker Kauder: „Wo Muslime die Mehrheit haben, hat es jede Religion sehr schwer“

CDU-Politiker Volker Kauder: „Das muss man einfach aussprechen. Der Islam verbietet die Konversion in eine andere Religion, deshalb interpretieren viele islamische Staaten schon die öffentliche Präsenz von Christen als Missionsversuch.“

kath.net

„Jede Religionsgemeinschaft hat es da sehr schwer, wo Muslime die Mehrheit haben oder der Islam Staatsreligion ist. Das muss man einfach aussprechen. Der Islam verbietet die Konversion in eine andere Religion, deshalb interpretieren viele islamische Staaten schon die öffentliche Präsenz von Christen als Missionsversuch.“ Dies betonte der bekannte CDU-Politiker Volker Kauder in einem Interview mit dem „Spiegel“ und erinnert in dem Zusammenhang auch an die UNO-Menschenrechtskonvention, die ausdrücklich festhält, dass jeder Mensch seine Religion frei und öffentlich leben und seinen Glauben wechseln dürfe. Beides gehe laut Kauder in islamischen Ländern gar nicht oder nur mit erheblichen Einschränkungen.

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Wie offen ist das Grundgesetz für andere Religionen?

Das Grundgesetz schützt Religionen und Weltanschauungen (imago images / Steinach)

Die FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat „unsere Verfassung“ als „offen für andere Religionsgemeinschaften“ bezeichnet. Sie müssten aber bestimmte Anforderungen erfüllen,“ sagte die Juristin und ehemalige Bundesjustizministerin im Dlf.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Frau Leutheusser-Schnarrenberger, die am meisten diskutierte Religionsgemeinschaft dieser Tage ist sicher der Islam. Das Wort „Islam“ oder „Muslim“ kommt im Grundgesetz natürlich nicht vor, aber lassen Sie uns nachdenken über den Geist des Grundgesetzes, seine innere Ausrichtung. Wie offen ist das Grundgesetz für andere Religionsgemeinschaften?

„Es besteht keine Staatskirche.“

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: Also, zunächst einmal sagt es ja ganz deutlich, dass es keine Staatskirche gibt, also nicht die Dominanz einer Kirche, die damit quasi auch eine Richtung vorgibt. Und die Verfassung ist, indem sie die Regelungen aus der früheren Weimarer Verfassung inkorporiert hat in unser Grundgesetz, offen, wenn Religionsgemeinschaften oder Religionsgesellschaften, wie das Grundgesetz sagt, bestimmte Anforderungen erfüllen. Das Grundgesetz sagt ganz klar: Der Staat muss wertneutral sein und darf nicht vorgeben, welche Religion Sie ausüben wollen.

Im Islam fehlt der Ansprechpartner

Main: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Leutheusser-Schnarrenberger: Es ist wichtig, dass es einen Zusammenschluss gibt innerhalb dieser Religionsgemeinschaft. Das ist bei den christlichen Kirchen vollkommen unkritisch, es gibt die jüdischen Gemeinden, auch sie bilden eine Körperschaft und sind anerkannt im Sinne des Artikels 137 Weimarer Verfassung, der eben jetzt auch im Grundgesetz durch den Artikel 140 gilt, um einfach mal die Ziffern zu nennen.

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Analyse des Verfassungsschutzes: Wachsende Gefahr durch Rechtsextreme

Bild: tagesschau.de

Das Bundesamt für Verfassungsschutz geht von einer wachsenden Gefahr durch gewaltbereite Rechtsextremisten aus. Das berichtet die „Welt am Sonntag“ und beruft sich auf eine vertrauliche Analyse. Vor allem Kleingruppen und Einzelpersonen sollen in Erscheinung treten.

tagesschau.de

Der Verfassungsschutz warnt laut einem Medienbericht vor einer wachsenden Gefahr durch gewaltbereite Rechtsextremisten in Deutschland. Wie die „Welt am Sonntag“ berichtete, schreibt das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in einer vertraulichen Analyse von „rechtsterroristischen Ansätzen und Potenzialen“, die sich „in unterschiedlichen Strömungen und Spektren der rechtsextremistischen Szene“ entwickelten, „aber auch am Rande oder gänzlich außerhalb der organisierten rechtsextremistischen Szene“.

Austausch und Radikalisierung online

Als maßgebliche Akteure würden demnach mittlerweile „vor allem wenig komplex organisierte Kleingruppen und Einzelpersonen in Erscheinung“ treten. Der Austausch zwischen den Kleinstgruppen und die Radikalisierung fänden primär online statt, so die Verfassungsschützer.

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Starke Götter als Kitt der Hochkulturen

Religionen mit strengen Moralvorgaben und Gottheiten stärkten den Zusammenhalt in komplexen, multiethnischen Hochkulturen. (Bild: imagineGolf/ iStock)

Warum und wann haben sich Religionen mit starken Göttern und strengen Moralregeln entwickelt? Darauf haben Forscher nun eine überraschende Antwort gefunden. Denn entgegen gängiger Annahme waren solche Religionen nicht die Triebkraft für die Entwicklung komplexer Gesellschaften, sondern eher ihr Kitt: Sie entstanden erst nach den komplexen Großreichen, sorgten dann aber dafür, dass diese Sozialgebilde auf Dauer stabil blieben, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.

scinexx

Ob Christentum, Islam, Judentum oder Buddhismus: In vielen großen Weltreligionen gibt es strenge moralische Gebote und starke Gottheiten, die ihren Gläubigen bestimmte Regeln auch im sozialen Umgang untereinander auferlegen. Das Auffallende daran: Religionen mit starken moralisierenden Gottheiten haben sich vor allem in Hochkulturen entwickelt, aber nur selten bei Naturvölkern. Schon länger vermuten Wissenschaftler deshalb einen engen Zusammenhang zwischen der Umwelt, der gesellschaftlichen Komplexität einer Kultur und der Art ihrer Religion.

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„Gott ist darüber erhaben, beleidigt zu werden“

Mouhanad Khorchide setzt sich für einen, wie er sagt, aufgeklärten Islam ein. Denn er ist überzeugt: Islam und Moderne müssen keine Gegensätze sein.

Vor dreißig Jahren, am 14. Februar 1989, verurteilte das iranische Staatsoberhaupt Ayatollah Khomeini den Schriftsteller Salman Rushdie mit einer Fatwa zum Tode. Rushdies Buch „Die satanischen Verse“ sei „gegen den Islam, den Propheten und den Koran“ gerichtet, hieß es. Die Fatwa gilt auch heute noch. Sie ist ein Beispiel für den Umgang mit Blasphemie in islamisch geprägten Ländern. Doch was sagen islamische Gelehrte und die heiligen Schriften des Islam dazu?

Von Mouhanad Khorchide | NDR.de

Wer Gott oder den Propheten beschimpft oder verhöhnt, der begeht eine blasphemische Handlung – darüber herrscht unter den islamischen Gelehrten Einigkeit. Diese Schmähung gilt als eine der größten Sünden, die ein Mensch begehen kann. Man ist sich dabei einig, dass wer diese Sünde begeht, von der jeweiligen Behörde eines islamischen Landes zur Reue gerufen werden soll. Wenn die betroffene Person dennoch keine Einsicht und Reue zeigt, gelte sie als vom Islam abgefallen, sie wird zum Ungläubigen erklärt.

In der Sure 9, 65-66 heißt es über die Gotteslästerer: „Wenn du, Mohammed, sie fragst, so sagen sie bestimmt: ‚Wir haben nur dahergeredet und uns lustig gemacht.‘ Sprich: ‚Habt ihr euch etwa lustig gemacht über Gott und seine Zeichen und seinen Gesandten? Entschuldigt euch nicht! Ungläubig wurdet ihr, nachdem ihr gläubig wart!'“

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Staatliche Anerkennung von Religionsgemeinschaften: ein Auslaufmodell?

Das Minarett der Mahmud-Moschee in Zürich. (Bild: Alessandro Della Bella / Keystone)

In der Referendumsdemokratie erfolgt die rechtliche Anerkennung erst dann, wenn eine Religionsgemeinschaft als gesellschaftlich integriert wahrgenommen wird.

René Pahud de Mortanges | Neue Zürcher Zeitung

Mit der öffentlichrechtlichen Anerkennung spricht ein Kanton einer Kirche gesellschaftliche Relevanz zu, gewährt ihr eine Reihe von Rechten und unterwirft sie staatlichen Organisationsvorschriften. Angesichts der rapiden Säkularisierung der Gesellschaft stellt sich die Frage, ob dieses in den 1960er Jahren für die damaligen Volkskirchen entwickelte Rechtsinstitut noch seine Berechtigung hat. Ist es nicht Zeit für eine strikte Trennung von Staat und Kirche, so wie dies etwa der Präsident der Freidenker-Vereinigung fordert? Kommt hinzu, dass sich die Ausdehnung des Anerkennungsrechts auf andere Religionsgemeinschaften als schwierig gestaltet. Zwar konnten in den letzten Jahrzehnten in sechs Kantonen jüdische Gemeinschaften anerkannt werden. Die Angst vor «Sekten» ebenso wie die hitzige Islamdebatte hat aber mancherorts zu politischer Stagnation in diesem Bereich geführt. Das System der staatlichen Anerkennung steht vor grossen Herausforderungen, zu denen auch gelegentliche Infragestellungen aus gewissen Kreisen der römisch-katholischen Kirche gehören.

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Weggefährte von Wilders; Rechtspopulist konvertiert zum Islam

Vom „Hardliner“ zum Muslim: Joram van Klaveren. imago/ZUMA Press

In den Niederlanden gilt Joram van Klaveren als Hardliner in Sachen Islam. Er setzt sich für ein Verbot von Burkas und Minaretten ein. Doch als der Politiker ein Buch gegen die Religion schreiben will, vollzieht er eine Kehrtwende.

ntv

In den Niederlanden ist ein Weggefährte des islamfeindlichen Politikers Geert Wilders zum Islam konvertiert. Wie die Zeitungen „NRC“ und „Algemeen Dagblad“ (AD) berichteten, trat der frühere Parlamentsabgeordnete Joram van Klaveren am 26. Oktober 2018 zum Islam über. Van Klaveren, der für Wilders‘ Freiheitspartei PVV im niederländischen Parlament saß, hatte dort stets gegen den Islam gekämpft. Die Boulevardzeitung „AD“ beschreibt ihn als „Hardliner, der für ein Verbot von Burkas und Minaretten eintrat“.

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RDF Talk – Worood Zuhair: Die Wurzeln des Islam reichen vom Nahen Osten bis nach Europa

Vortrag vom 22. Januar 2019 im Haus der Wissenschaft in Bremen.

Richard-Dawkins-Foundation

Vortragstext

Acht kleine Steine.

Mit schwarzem Klebstoff verklebt, aufbewahrt in einem großen, mit schwarzem Laken bedeckten Gebäude.

Für sie würden 1,8 Milliarden Menschen sterben, im Namen ihres Glaubens. Im Namen ihrer Religion, des Islam.

Es ist das größte und älteste Gehirnwäschesystem, das ohne Aufmerksamkeit Tausende von Jahren zugenommen hat.

Jetzt müssen wir verhindern, dass es wieder wächst.

Historische Fakten

Der Mythos der Schöpfungstheorie aus der Zeit des Kulturvolkes der Sumerer, der in der ganzen Welt eingedrungen ist, wird an einigen Universitäten als Tatsache hingestellt.

Mesopotamien der Geburtsort mythologischer Geschichten über Gott und Gottheiten, wie diese abergläubische Region die Welt beeinflusste, in der wir jetzt leben.

Vom alten Babylon bis heute hat Hammurapi sein Gesetzbuch zu den Worten eines Gottes gemacht. Die gleichen Worte finden wir in den mosaischen Gesetzen der Thora. Dies ist auch in der Bibel nachgebildet.

  • Auge um Auge – Zahn um Zahn –

Der Nahe Osten hat eine wichtige Rolle in dem, was wir jetzt Monotheismus nennen, in den drei großen Religionen.

Abrahamitische Religionen, die sich auf den einzigen Gott beziehen, wurden geschaffen, um die Autorität als Diktatur zu besitzen, die es liebt, das Leben des Menschen durch Angst und Wut zu kontrollieren.

Wir sehen so viele Führer, die heute auf diese Weise handeln, weil sie so sind, wie sie ihren Gott sehen.

Lassen Sie uns nun über die Wurzel dieses Problems sprechen.

Zuallererst kann man sagen, dass Religion wie eine Krankheit wirkt. Wenn sie sich ausdehnt, hat dies Konsequenzen in allen Bereichen. Diese Ideologien lösen Symptome der Unterdrückung aus und viele Menschen reagieren auf diese Symptome.

Sie werden mit der individuellen Freiheit intolerant.

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Zahl der Atheisten in Erdogans Türkei steigt

Immer mehr Menschen in der Türkei wenden der Religion den Rücken zu. Aber auch Gläubige interpretieren den religiösen Alltag unterschiedlich. Viele Beobachter sehen das als Reaktion auf Erdogans religiöse Politik.

Deutsche Welle

„In der Türkei gibt es einen Religionszwang“, schimpft Ahmet Balyamez. „Das stört immer mehr Menschen. Sie fragen: Ist das der wahre Islam? Wenn wir uns die Politik anschauen, die die Machthaber verfolgen, dann sehen wir, dass sie der ersten Epoche des Islams nacheifern. Was wir derzeit erleben, ist also der Islam in seiner ursprünglichen Form.“

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