Schlagwort-Archive: Islam

Wie sich junge Muslime den Islam wünschen

Zwei junge Frauen in der Altstadt von Rabat in Marokko (picture alliance / dpa / Reinhard Kaufhold)
Viele junge Araber im Norden Afrikas und im Nahen Osten suchen Orientierung im Islam. Aber wie soll der sein? Weltoffen oder rückwärtsgewandt? Die Tabah-Stiftung in Abu Dhabi hat eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Ergebnis: Fast alle Befragten sehen sich als überzeugte Muslime. Wenn es aber um den real existierenden Islam geht, herrscht Unzufriedenheit.

Von Jürgen Stryjak|Deutschlandfunk

Die Staaten im Norden Afrikas und im Nahen Osten befinden sich seit einigen Jahren in einem Umbruch, der turbulenter kaum sein könnte. Volksaufstände, Terror und Bürgerkriege beherrschen die Nachrichten. Dort wo es bislang relativ ruhig blieb, ist es die Globalisierung, die die Gesellschaften bis zum Zerreißen spannt. Viele junge Araber suchen Orientierung im Islam, aber bei welchem? Bei einem weltoffenen oder bei einem rückwärtsgewandten?

Fast alle Befragten sehen sich als überzeugte Muslime

“Zu oft sprechen wir über die Jugend, aber viel zu selten mit ihr”, beklagt Abaas Yunas von der Tabah-Stiftung in Abu Dhabi. Junge Muslime seien einer unüberschaubaren Fülle an religiösen Inhalten ausgesetzt, die sie natürlich beeinflussen würden. Um herauszufinden, wie sich das auf junge Araber auswirkt, hat die Zukunftsinitiative der Stiftung unter Leitung von Abaas Yunas eine repräsentative Umfrage durchgeführt. In acht arabischen Staaten wurden muslimische Frauen und Männer im Alter zwischen 15 und 34 Jahren befragt, unter anderem in Marokko, Ägypten und in Saudi-Arabien.

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Frauenverachtung: Gebot im Christentum, Islam und Judentum

Schriftsteller Feridun Zaimoglu, Bild: svz.de
Der Kieler Schriftsteller und Moslem wählt drastische Worte, wenn es um die Aufarbeitung des Geschehens in der Silvesternacht in Köln geht

SVZ.de

Für den Schriftsteller Feridun Zaimoglu muss die Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln schonungslos offen auch innerhalb der islamischen Gemeinschaft geführt werden. „Frauenverachtung ist geradezu ein Gebot im Judentum, im Christentum und im real existierenden Islam – das nur an die Adresse der Heuchler, die vom Abendland schwätzen und nicht ein einziges Mal die Bibel aufgeschlagen haben“, sagt der Kieler Schriftsteller türkischer Herkunft. „Gleichzeitig ist es aber auch genauso falsch zu sagen im relativierenden Ton: Weil es so ist, müssen wir uns nicht damit auseinandersetzen, wir Moslems.“ Der 51-jährige Schriftsteller, der sich selber als Moslem mit einem Kinderglauben bezeichnet, fordert: „Wir Moslems müssen in unserem eigenen Saustall aufräumen. Denn wir haben einen Saustall. Der gelebte Dorf-Islam ist unter aller Sau.“

Die Übergriffe in Köln seien keine Ausreißer gewesen. Es handle sich nicht um eine Krise des Islam, „sondern wir haben eine Krise des moslemischen Mannes. Wir haben eine Krise moslemischer Männer mit Minderwertigkeitskomplexen.“

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Islam laut Sloterdijk nicht mit moderner Gesellschaft vereinbar

Peter Sloterdijk bei einer Lesung aus seinem Buch Du mußt dein Leben ändern. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/RainerLück
Der Islam ist nach Auffassung des Philosophen Peter Sloterdijk mit einem modernen Staat und einer modernen Gesellschaft nicht vereinbar.

kath.net

Der Islam ist nach Auffassung des Philosophen Peter Sloterdijk mit einem modernen Staat und einer modernen Gesellschaft nicht vereinbar. Diese Einsicht werde bei manchen jugendlichen muslimischen Militanten als tiefer Makel empfunden und führe letztlich zu Terrorismus, sagte er in einem Interview der neuesten Ausgabe des in Berlin erscheinenden Magazins «Cicero».
«Mit dem Islam lässt sich keine authentische Zivilgesellschaft führen», sagte der Philosoph. Die Scharia stehe dem «zivilgesellschaftlichen Modus Vivendi» entgegen. Die jungen Militanten ahnten, dass sie «aus der Zweitklassigkeit nicht herauskommen, solange sie die Zwangsform der Religion nicht gegen die Garantien einer Verfassung austauschen».

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Besser ohne Religion?

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Heizen die verschiedenen Religionen die weltweiten Konflikte noch mehr an? Wären wir ohne Religionen vielleicht besser dran? So einfach ist das alles nicht …

Von Heiko Kuschel|evangelisch.de

Lange habe ich gezögert, zu diesen ganzen aktuell hochkochenden Themen etwas zu schreiben. Lange habe ich auch überlegt, in welcher Form und ob ich es wirklich auf der offiziellen Plattform evangelisch.de tun soll oder lieber auf meiner privaten Website www.kuschelkirche.de. Ich tue es hier. Und ich tue es ganz klar in der Ich-Form, denn ich spreche nicht als offizieller Vertreter der EKD oder sonst einer Organisation, auch wenn die Äußerungen beispielsweise von Heinrich Bedford-Strohm in eine ähnliche Richtung gehen. Ich tue es in dem Bewusstsein, dass sich möglicherweise auch hier anschließend, sagen wir mal: unangenehme Kommentare häufen könnten. Ich tue es in mehreren Teilen zu verschiedenen Teil-Themenbereichen, weil die Themen zu komplex für einen einzigen Artikel sind: Religionen und Krieg, Flucht, Vertreibung und “Wir schaffen das”, Frauenbilder, Islam und Religion – das kriegt man nicht in einem einzigen Blogeintrag unter. Also fangen wir mal mit einer Fragestellung an, die immer wieder auftaucht: Wäre die Welt ohne Religionen nicht eine friedlichere?

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Hüter der Aufklärung

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In Gestalt des Islam kehrt die Religion ins säkularisierte Europa zurück. Für Christen ist das eine völlig neue Herausforderung. Braucht die katholische Kirche wieder ein Konzil, um sich auf die neue Zeit vorzubereiten?

Von Tomas Halik|Süddeutsche.de

Die Welt erlebt eine Wiederkehr der Religion. Die Zivilisationswende setzte nach der Kulturrevolution der 1960er-Jahre ein. Dabei handelt es sich nicht um eine einfache Rückkehr zu früheren Formen, über die sich die traditionellen Institutionen freuen könnten. Die neuen Äußerungen der Religion machen sie im Gegenteil bestürzt, nicht minder die Bekenner der Säkularkultur. Die “Wiederkehr des Verdrängten” – wie aus der Psychoanalyse bekannt- ist keine “ewige Wiederkehr desselben”, sondern eine Umwandlung dessen, was unterbunden war.

Inwieweit sind die Christen darauf vorbereitet? Das Zweite Vatikanische Konzil 1962 bis 1965 hat die Kirche auf das Leben in der aus dem Aufklärungshumanismus hervorgegangenen säkularen Gesellschaft eingestellt. Es bleibt die Frage, ob diese Reform nicht zu spät kam und ob sie die Kirche auch auf die unerwartete Wiederkehr der Religion und das Leben in der globalen postsäkularen Gesellschaft vorbereitet hat. Wird nicht bald ein drittes Vatikanisches Konzil gebraucht? Oder das erste ökumenische lateinamerikanische, afrikanische oder asiatische?

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15 Jahre Wikipedia: Schreib-Krieg bei 3.500 Artikeln zum Islam

Foto: Wikimedia/Robertolyra/Lizenz: CC BY-SA 3.0
Foto: Wikimedia/Robertolyra/Lizenz: CC BY-SA 3.0
Wissen für alle: Dafür steht Wikipedia seit 15 Jahren. Knapp zwei Millionen Artikel sind bisher auf Deutsch erschienen. Doch wie zuverlässig sind die Quellen? Das Beispiel Islam zeigt, dass hier regelrechte Deutungs-Kriege geführt werden.

Von Barbara Schneider, Martin Jarde|BR

Kurz nach den massenhaften sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln erschien in der Wikipedia ein Artikel, der eine kulturgeschichtliche Einordnung des Phänomens wagte. Unter dem arabischen Schlagwort “Taharush gamea” (gemeinschaftliche sexuelle Belästigung) werden Paralellen zu Attacken auf dem Tahir-Platz während der ägpytischen Revolution 2011 hergestellt. Seither wird in der Community gestritten, ob der Eintrag fundiert und die Quellenlage seriös ist.

Der Islamwissenschaftler Patrick Franke von der Universität Bamberg verfolgt seit etwa drei Jahren, was zum Thema Islam auf Wikipedia veröffentlicht wird. Ungefähr 3.500 Artikel umfasst der Themenbereich in der deutschsprachigen Wikipedia.

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Schwachsinn: Mohammed bekämpfte die Unterdrückung der Frau

Die freie Journalistin und Publizistin Khola Maryam Hübsch. Foto: picture-alliance/ZB
Die Diskriminierung von Frauen ist kein Wesenszug des Islams. Schon der islamische Prophet Mohammed habe trotz heftigen Widerstands versucht, die Unterdrückung der Frau zu bekämpfen.

idea.de

Diese Meinung vertritt die freie Journalistin und Publizistin Khola Maryam Hübsch (Frankfurt am Main) in einem Artikel auf der Internetseite fluter.de, die zur Bundeszentrale für politische Bildung (Bonn) gehört. Mohammeds erste Frau Khadija sei eine emanzipierte Kauffrau gewesen. Zudem habe der Prophet auf die Bildung von Frauen viel Wert gelegt. So habe er gesagt: „Wer zwei Töchter hat, sie gut aufzieht und ihnen Bildung zukommen lässt, und die Söhne nicht bevorzugt, der erwirbt dadurch das Paradies.“ Hübsch räumt ein, dass es aber auch frauenfeindliche Überlieferungen gibt, die dem Propheten zugeschrieben werden.

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Silvester-Übergriffe: „Das hat auch mit dem Islam zu tun“

Hamed Abdel-Samad, Bild: bb
Hamed Abdel-Samad, Bild: bb

Die Übergriffe auf Frauen haben auch etwas mit dem Islam zu tun, sagt Hamed Abdel-Samad. Die strenge Sexualmoral, die Hierarchisierung und Geschlechterapartheid schlage sich oft ins Gegenteil um. Eine Religion, die die Frau entweder als Besitz oder Gefahr sieht, ist Teil des Problems

Von Hamed Abdel-Samad|Cicero

Man muss nicht zu jedem Thema Stellung beziehen. Vor allem, wenn noch nicht alle Fakten und Details auf dem Tisch liegen. Ich habe mich bis jetzt zu den Ereignissen in Köln nicht geäußert, weil mir dieses Thema emotional nahegeht, und ich lieber meine Meinung sage, statt mein Empfinden publik zu machen. Dennoch will ich ein paar Worte zum Thema der sexuellen Belästigung insgesamt verlieren.

Ich komme aus Ägypten, wo sexuelle Belästigung für Frauen ein unerträgliches Ausmaß erreicht hatte, weil man dieses Phänomen am Anfang entweder verschwiegen oder verharmlost hatte. Zum einen wollte man nicht zugeben, dass in einer vermeintlich moralisch-religiösen Gesellschaft viele Frauen sexuell belästigt werden. Zum anderen hatte man Angst um den Tourismus, der eine der Hauptquellen des Einkommens des Landes ist. Man ging sogar noch weiter und machte die Opfer selbst für das Phänomen verantwortlich. Wegen ihrer Art, sich zu kleiden. Die Verlogenheit und die Angst um das eigene Image hatten dazu geführt, dass aus einem kleinen Phänomen eine Epidemie geworden ist. Über 95 Prozent aller Ägypterinnen berichten heute von alltäglichen Erfahrungen mit sexueller Belästigung und Nötigung.

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Woher der saudische Fundamentalismus kommt

Die Große Moschee in Mekka. (Foto: REUTERS)
In Saudi-Arabien wird noch immer eine extreme Form des Islam gelehrt. Das liegt an den Machtverhältnissen zwischen Herrscherhaus und den religiösen Führern.

Von Markus C. Schulte von Drach|Süddeutsche.de

Fast 1,6 Milliarden Muslime gibt es auf der Welt, etwa 90 Prozent zählen sich zu den Sunniten, die meisten anderen sind Schiiten. Beide großen Gruppen spalten sich auf in weitere Rechtsschulen. Im Westen nehmen Nicht-Muslime die Unterschiede allerdings – wenn überhaupt – in der Regel nur wahr, wenn es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen innerhalb des Islam oder zu islamistischen Terroranschlägen kommt.

Da die Konflikte und Anschläge jeweils von Gläubigen mit extremen Überzeugungen ausgehen, ist es wichtig zu verstehen, wo diese herrühren. Im Falle der meisten islamistischen Terroristen etwa von al-Qaida oder der Terrormilizen des sogenannten Islamischen Staates orientieren sich die Täter an einer relativ neuen Richtung des sunnitischen Islam, die in Saudi-Arabien gewissermaßen Staatsreligion ist: Dem Wahhabismus beziehungsweise der Wahhabiya. Auch das schwierige Verhältnis zwischen Saudi-Arabien und dem Iran hängt damit zusammen.

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Berliner Islamist belästigt Brandenburger

Zahlreiche Einwohner des Landkreises haben die ominöse SMS erhalten. Quelle: dpa
In den vergangenen Tagen sind zahlreiche Brandenburger via SMS dazu aufgefordert worden, zum Islam zu konvertieren. Wenn nicht, so heißt es in der Nachricht, drohe „im Jenseits das Höllenfeuer“. Der Absender ist kein Unbekannter. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

Märkische Allgemeine

Ein offenbar psychisch kranker Islamist fordert derzeit reihenweise Brandenburger per SMS dazu auf, zum Islam zu konvertieren. Andernfalls drohe ihnen im Jenseits das „Höllenfeuer“. Vor allem im Landkreis Ostprignitz-Ruppin erhielten in den vergangenen Tagen zahlreiche Einwohner derartige SMS, wie die Polizeidirektion Nord mitteilte. „Wenn du es versäumst zum Islam zu konvertieren, droht dir im Jenseits das Höllenfeuer – nichts und niemand darf neben Allah angebetet werden“, heißt es etwa in einer der Kurznachrichten.

Die Empfänger werden aufgefordert, sich auf einer Internetseite über den Islam zu informieren und der Religion beizutreten. Der Brandenburger Staatsschutz untersucht gerade, ob diese Internetseite strafrechtlich relevant ist. Das Versenden der SMS selbst sei nicht strafbar, hieß es bei der Polizei.

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Terrormiliz Al-Shabaab wirbt mit Äußerungen Donald Trumps

Donald Trump / Bild: (c) REUTERS (RANDALL HILL)
Ein Video mit Ausschnitten einer Trump-Rede zielt auf Afro-Amerikaner ab. Sie werden aufgefordert, zum Islam zu konvertieren und sich am Jihad zu beteiligen.

Die Presse.com

Donald Trump in einem Anwerbevideo radikaler Islamisten: Die somalische Terrormiliz Al-Shabaab hat Berichten zufolge ein neues Video veröffentlicht, in dem mit islamfeindlichen Aussagen des US-Präsidentschaftsbewerbers um neue Kämpfer geworben wird. Die “New York Times” berichtete am Freitag, in dem mehr als 51 Minuten langen Video würden Ausschnitte aus einer Rede Trumps gezeigt.

In dieser fordert er, Muslime an der Einreise in die USA zu hindern. Von Trump oder seinem Wahlkampfteam gab es zunächst keinen Kommentar. Experten der US-Organisation Site, die Jihadisten-Propaganda analysiert, schätzen das Video als echt ein.

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Schweden: Drohbriefe vom IS?

Bild: nationalreview.com
Bild: nationalreview.com
Absender: Zum Islam übertreten oder zahlen, sonst droht die Enthauptung
 

kath.net

Drohbriefe, die angeblich von der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) stammen, haben in Schweden viele Bürger verunsichert. Das berichtet der schwedische Fernsehsender SVT (Stockholm). Das Schreiben hätten mehrere Bewohner der Stadt Märsta – 36 Kilometer nördlich von Stockholm – in ihren Postfächern gefunden. Die Empfänger werden aufgefordert, zum Islam überzutreten oder eine religiöse Steuer zu zahlen. Sonst werde man sie innerhalb von drei Tagen im eigenen Haus enthaupten. Die Absender erklären weiter, dass die Polizei die „Ungläubigen“ nicht davor schützen könne, ermordet zu werden. Obwohl die Dreitagefrist mittlerweile verstrichen ist, nehme die Polizei die Drohungen sehr ernst, so der Sender. Sie habe sowohl die Sicherheitsvorkehrungen verschärft als auch den Geheimdienst eingeschaltet.

Missbrauch islamischer Begriffe?

Die Macht der Wörter. © by Jon Fife auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ
Woran denkt man, wenn man die Wörter „Dschihad“ oder „Scharia“ hört? Die Wahrnehmung solcher Begriffe ist orts- und zeitabhängig und kann nach Belieben gelenkt werden, meint Sprachwissenschaftler Mohamed Seif.

Von Mohamed Seif|IslamiQ

Die großen politischen bzw. gesellschaftlichen Weltereignisse hinterlassen ihre Spuren im Sprachgebrauch. Die Verwendung bzw. Nicht-Verwendung von Ausdrücken wird immer durch die gesellschaftlichen Umstände mitbestimmt. (1) Vor allem die Semantik eines Ausdrucks wird stark von den gesellschaftlichen Umständen beeinflusst. Beispiele hierfür sind islamische Begriffe wie Islam, Dschihad, Scharia, Koran, usw.

Wenn wir den deutschen Islamdiskurs in den letzten 50 Jahren betrachten, stellt sich heraus, dass sowohl geopolitische Konflikte im Ausland als auch innenpolitische Auseinandersetzungen den Sprachgebrauch der oben erwähnten Begriffe prägten. Nach der Iranischen Revolution 1979/80 traten Begriffe wie Mulla, Ayatollah, Re-Islamisierung, Islamische Renaissance, islamisches Erwachen, islamischer Fundamentalismus, Islamismus alle mit einer negativen Konnotation im Sprachgebrauch auf.

Nach dem 11. September herrschte die Tendenz, den Ausdruck Islam mit dem Wort Terror in Verbindung zu bringen. Formulierungen wie Gefahr des islamischen Terrors (2), Kampf gegen den islamischen Terrorismus (3), terroristischer Islam (4), islamische Terroristen (5) wurden häufig gebraucht.

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Religiöse Apokalypse: Bitte recht friedlich

post-apocalyptic

Endzeitvisionen im Stresstest: Islam und Christentum kennen beide die theologische Figur einer letzten Ausfahrt vor dem Weltende. Der Entwurf von Luther ist, im Abstand von fünfhundert Jahren, ein durch und durch weihnachtliches Programm.

Von Christian Geyer|Frankfurter Allgemeine

Gleich hinter Angela Merkel zeichnete das New Yorker „Time“-Magazin neulich den Kalifen des IS als „Person des Jahres“ 2015 aus. Zur Begründung hieß es, der Kalif habe „die apokalyptische Vision eines abschließenden Kampfes zwischen den Kräften des radikalen Islam und dem Westen ausgearbeitet“. Prägnant wurde hier noch einmal das religionspolitische Motiv der Endzeiterwartung als Kern der IS-Ideologie umrissen und als welthistorische Einflussgröße gewürdigt. Ja, gewürdigt: Bei der „Time“-Plazierung geht es um politische Wirkung jenseits von moralischen Kriterien, auch Hitler und Stalin waren hier schon Personen des Jahres.

Sind wir beim IS deshalb, seiner apokalyptischen Vision wegen, im tiefen Mittelalter gelandet? Nein, politischen Drive hat die Endzeiterwartung eigentlich erst in der Neuzeit und zumal im Protestantismus gewonnen. Luther wäre deshalb ein natürlicher Kandidat für die „Time“-Liste gewesen, hätte es sie damals schon gegeben. Nicht nur für ihn persönlich stand das Endschicksal, das Eschaton (welches die einen zum Himmel, die anderen zur Hölle fahren lässt) unmittelbar „vor der Tür“. Auch die frühreformatorische Bewegung insgesamt hatte sich dem apokalyptischen Fristenbewusstsein verschrieben und im Blick auf den nahe geglaubten Jüngsten Tag ihren heilsgeschichtlichen Schwung gewonnen.

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CDU bekennt sich zu freiheitlich-demokratischem Islam

Für die CDU gehört auch der Islam zu Deutschland. Allerdings versah der Parteitag in Karlsruhe am Montag sein Bekenntnis mit Einschränkungen. “Die bei uns lebenden Muslime sind heute ein Teil Deutschlands. Dazu gehört inzwischen auch ein Islam, der auf der Basis unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung gelebt wird”, heißt es in dem am Abend von den knapp tausend Delegierten beschlossenen Antrag.

Qantara.de

In Deutschland lebten rund vier Millionen Muslime, begründete CDU-Vize Armin Laschet den unter seinem Vorsitz erarbeiteten Antrag zur “Zukunft der Bürgergesellschaft”. Er wies darauf hin, dass die ursprünglich geplante pauschalere Formulierung – wonach “inzwischen auch der Islam zu unserem Land” gehört – nicht von allen in der CDU geteilt werde. Deswegen sei nun klarer formuliert worden. Damit werde ausgedrückt, dass “nicht die Scharia, nicht ISIS, nicht Salafismus” zu Deutschland gehörten, sagte er mit Verweis auf islamische Rechtssprechung sowie radikalislamische und dschihadistische Gruppen.

Die CDU plädierte mit dem Antrag zudem für ein Einwanderungsgesetz. Darin heißt es, die bestehenden Gesetze und Regelungen zur Einwanderung nach Deutschland sollten “widerspruchsfrei” in einem Gesetz zusammengeführt werden. “Das wäre ein großer Schritt für die Zeit nach 2017”, sagte Laschet und machte damit deutlich, dass in dieser Legislatur keine derartigen Schritte mehr geplant sind.

Dadurch werde auch deutlich gemacht, dass Asyl und Einwanderung zwei verschiedene Dinge seien, sagte Laschet weiter. Asyl bedeute Schutz für Flüchtlinge, Einwanderung sei im Interesse des deutschen Arbeitsmarkts. “Wir wählen aus, wer unter den Bedingungen kommen darf”, sagte der CDU-Vizevorsitzende.

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Wenn ein Muslim eine Behandlung von ‘Frau Doktor’ ablehnt

Wenn Islam und Medizin in Deutschland aufeinandertreffen, kann dies zu Konflikten führen. Das berichtet der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) auf seiner Internetseite. Streng gläubigen Muslimen gelte es als ungeschriebenes Gesetz, dass sich Männer und Frauen, die nicht miteinander verheiratet oder verwandt sind, nicht berühren dürfen.

kath.net

Der Chef der Notaufnahme im Halleschen Universitätsklinikum, Mroawan Amoury, hat bereits eine entsprechende Erfahrung gemacht. Gegenüber dem MDR sagte er: „Wir haben zum Beispiel einen jungen Mann aus Somalia, der hat sich geweigert, sich von einer Frau Doktor untersuchen zu lassen. Zufällig sprach er Arabisch – da habe ich ihn dann untersucht.“ Der MDR befragte auch den Präsidenten der Sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck (Wurzen). Im Blick auf vollverschleierte Frauen sagte er: „Behandeln kommt von Hand anlegen. Wenn die Muslima in der Burka kommt, dann muss ich sie, wenn sie zum Beispiel Husten hat, abhören. Schließlich kann sich hinter dem Husten auch etwas anderes verbergen, und das muss ich ausschließen.“ Bisher habe allerdings keine Patientin aus der nahe gelegenen Flüchtlingsunterkunft eine solche Untersuchung abgelehnt.

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Modellprojekt Ufuq.de in Berlin: „Wir wollen Demokratie stärken“

Salafisten protestieren auf dem Potsdamer Platz in Berlin gegen eine Kundgebung der rechstpopulistischen Partei Pro Deutschland. In Berlin wächst die Zahl der erzkonservativen… – Foto: imago/Christian Mang
Salafistischen Agitatoren tritt der Verein “ufuq.de” seit Jahren mit Präventionsprogrammen entgegen. Ab dem kommenden Jahr sollen verstärkt Lehrkräfte und Pädagogen geschult und unterstützt werden.

Von Florian Brand|DER TAGESSPIEGEL

„Fuck Paris“ – eine Äußerung, die sich über soziale Netzwerke unmittelbar nach den Anschlägen von Paris unter einer Minderheit muslimischer Jugendlicher verbreitet hat. Ein anderer Kommentar war: „Unsere Toten zählen nicht“ – gemeint sind damit nicht die Opfer in der französischen Hauptstadt, sondern die der Anschläge im selben Zeitraum in Beirut oder auf dem Sinai. Alle begangen von islamistischen Terroristen des selbsternannten Islamischen Staates (IS).

„Lehrer sind mit solchen Äußerungen oft überfordert“, sagt Dr. Joachim Müller, Leiter des Vereins ufuq.de. Seit acht Jahren leistet das Projekt, bestehend aus Islam-, Sozialwissenschaftlern und Pädagogen, Präventionsarbeit bei Jugendlichen, um zu verhindern, dass diese mangels identitätsstiftender Alternativen in die religiöse Radikalität abrutschen. „Wir wollen mit dem Verein die Demokratie stärken“, betont Müller.

Ab Januar kommenden Jahres soll das Projekt zur zentralen Anlaufstelle für Pädagogen und Lehrer ausgeweitet werden. Bund und Land wollen mit 130.000 Euro unterstützen. Im Laufe des kommenden Jahres sollen so rund 500 Lehrkräfte, Sozialarbeiter und Mitarbeiter von kommunalen Verwaltungen durch Fortbildungen und kontinuierliche Beratung bei ihrer Arbeit mit Jugendlichen unterstützt werden.

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Saudi-Arabien: Der Nährboden des Terrors

© dpa Großzügiger Spender für zweifelhafte Zwecke: König Salman Bin Abd al Aziz Al Saud empfängt Würdenträger nach seiner Inthronisation im Januar 2015.
Seit einem halben Jahrhundert exportiert Saudi-Arabien mit Milliarden Petrodollars seinen intoleranten Islam in alle Welt – und fördert damit gezielt den Extremismus.

Von Rainer Hermann|Frankfurter Allgemeine

Saudi-Arabien exportiert vor allem zwei Produkte: Erdöl und Islam. Das saudische Erdöl ist das Schmiermittel für die Weltwirtschaft, der saudische Islam aber ist eine Gefahr für den Weltfrieden. Vor mehr als einem halben Jahrhundert hatte das Königreich begonnen, seinen rückwärtsgewandten und intoleranten Islam zu exportieren. Rückwärtsgewandt ist er, weil er sich am Vorbild der ersten Muslime orientiert und dazu den Koran buchstabengetreu auslegt. Und intolerant ist dieser Islam, weil er alle Anhänger anderer Auslegungen zu „Ungläubigen“ erklärt, die bekämpft werden müssen. Die Vertreter dieses wahhabitischen Islams sehen ihn seit seiner Entstehung im 18. Jahrhundert als die einzige wahre Form des Islams an – und als die einzig wahre Religion überhaupt.

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Parteitag der Grünen: Warum eine kritischere Haltung zum Islam den Grünen gut tut

Der Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, spricht beim Bundesparteitag in Halle. (Foto: dpa)
Özdemir macht Islamismus als Ursache für den Terror aus und will nicht mehr hören, der Islam habe damit nichts zu tun. Recht hat er.

Von Thorsten Denkler|Süddeutsche.de

Vielleicht war das die wichtigste Rede dieses Grünen-Bundesparteitages in Halle. Diese Rede von Cem Özdemir am Freitagabend. Er hat stehenden Applaus bekommen danach. Das war noch nicht so oft der Fall.

Özdemir Leistung: Er hat die Grünen mit dieser einen Rede auf einen neuen Weg im Umgang mit dem Islam geführt. Weg vom diesem verdrucksten “Was kann denn der Islam dafür?”-Gedusel. Es liegt doch nicht an der Religion, wenn irgendwelche Idioten in Paris 130 Menschen erschießen, heißt es dann. Oder wenn eine Maschine mit russischen Urlaubern vom Himmel geholt wird. Oder wenn in Beirut Dutzende von Menschen einer Bombe zum Opfer fallen. Oder die Schlächter des IS ihren Opfern Hände, Brüste und Köpfe abhacken.

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ZDF: Auch Boko Haram hat mit dem Islam nichts zu tun

boko_haram“Die Boko Haram ist eine Gruppe von Terroristen. Ihr Name heisst übersetzt so viel wie: Westliche Bildung ist Sünde. Die Boko Haram will, dass Kinder in Schulen vor allem nach sehr strikten Regeln des Islam erzogen werden. Menschen, die sich nicht an die strengen Regeln des Islam halten oder eine andere Religion haben, bekämpft die Terror-Gruppe mit Gewalt. Aber: Mit der Religion Islam haben die Terroranschläge der Boko Haram nichts zu tun…”

Von Henryk M. Broder|Die Achse des Guten

Wo kommt dieser Dünnschiss, diese Verspottung aller Logik her? Natürlich aus dem ZDF, der Endlagerstätte der deutschen Erziehung, auf dem Mainzer Lerchenberg. Genauer: Aus der Nachrichtensendung für Kinder, Logo im Tivi.. Los geht es mit der Feststellung, in Nigeria käme es immer wieder zu Attacken auf Schulen. Und: “Die Gruppe, die dafür verantwortlich sein soll heißt Boko Haram.” Gruppe klingt schon mal viel besser als Bande, und weil man beim ZDF nicht riskieren möchte, dass Boko Haram eine EV wegen übler Nachrede erwirkt, ist die “Gruppe” nicht für die Überfälle auf Schulen verantwortlich, sie könnte es nur sein. Also, für alle, die noch nie einen Handkäs mit Musik gegessen haben, ganz langsam und zum Mitschreiben. Boko Haram will, dass Kinder in den Schulen nach den strikten Regeln des Islam erzogen werden; Boko Haram bekämpft alle, die sich nicht an die strengen Regeln des Islam halten oder eine andere Religion haben, mit Gewalt. Aber: Mit dem Islam hat das alles nichts zu tun.

Womit dann, Ihr Riesenzwerge? Haben die Boko-Haram-Leute zu heiß gebadet, zu viel Todenhöfer gelesen oder zu oft “Aspekte” gesehen? Fehlt nur noch, dass den kleinen ZDF-Junkies gesagt wird, die Boko-Haram-Gruppe bestehe aus lauter Verzweifelten, deren einzige Hoffnung die Religion sei. Aber das geht nicht, das Argument ist schon verbraucht. Hier