Der Aufstieg des Islam

Der Prophet Mohammed in einer historischen Darstellung. Für den Islamwissenschaftler Lutz Berger gibt es in der Islam-Debatte zu viele unhistorische Rückgriffe auf die Anfangszeit des Islam vor rund 1.400 Jahren. (imago/stock&people)
Der Prophet Mohammed in einer historischen Darstellung. Für den Islamwissenschaftler Lutz Berger gibt es in der Islam-Debatte zu viele unhistorische Rückgriffe auf die Anfangszeit des Islam vor rund 1.400 Jahren. (imago/stock&people)
Der Islam ist nicht das Fremde, sondern Teil der spätantiken Mittelmeerwelt, aus der auch das heutige Europa hervorgegangen ist, konstatiert der Kieler Islamwissenschaftler Lutz Berger in seinem Buch „Die Entstehung des Islam. Die ersten hundert Jahre“. Darin widerspricht er der These, der Islam sei per se eine kriegerische Religion. Stattdessen seien Muslime stark geworden, weil ihre Gegner schwach waren.

Von Jan Kuhlmann | Deutschlandfunk

Über den Islam wird in Deutschland und anderswo heftig diskutiert. Doch von der Art und Weise, wie das allzu oft geschieht, hält der Islamwissenschaftler Lutz Berger wenig. Für ihn gibt es zu viel Schwarz und Weiß in der Debatte – was bei ihm heißt: zu viele unhistorische Rückgriffe auf die Anfangszeit des Islam vor rund 1.400 Jahren.

„Viele sogenannte Islamkritiker meinen, dass alles Denken und Tun der Muslime bereits in einem wörtlich zu verstehenden Koran vorgezeichnet sei und sehen im Propheten Mohammed einen direkten Wegbereiter heutiger militanter Bewegungen. Konservativ-traditionalistische Muslime argumentieren ganz anders, aber oftmals genauso unhistorisch, und zeichnen von der Frühzeit des Islam das idealisierte Porträt eines Zeitalters der Glückseligkeit, von dessen Errungenschaften wir Heutigen alles lernen könnten, was wir brauchen, um die Probleme der Gegenwart zu lösen.“

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Protestantin Merkel fordert von Islam „klare Worte“

Merkel auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Bild: n-tv.de
Merkel auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Bild: n-tv.de
Kanzlerin Merkel ruft islamische Autoritäten dazu auf, sich deutlich vom Terrorismus zu distanzieren. Außerdem wirbt sie auf der Münchner Sicherheitskonferenz für internationale Strukturen und warnt vor „kleinlichen Diskussionen“.

n-tv

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat von islamischen Autoritäten eine deutliche Distanzierung vom Terrorismus gefordert. Sie erwarte „klare Worte“ über die Abgrenzung des friedlichen Islam vom Terrorismus im Namen des Islam, sagte Merkel bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Dies könnten westliche Politiker nicht so leisten wie islamische Autoritäten.

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US-Regierung und Vatikan: Duett im Dunkeln

 Frisch ernannte Kardinäle während eines Festakts im Vatikan © Vatican Pool/Getty Images
Frisch ernannte Kardinäle während eines Festakts im Vatikan © Vatican Pool/Getty Images
Die Trump-Regierung will die Welt wieder christlicher machen. Dafür sucht Chefberater Stephen Bannon den Schulterschluss mit konservativen Kräften im Vatikan. Die haben ihre eigene Agenda: Papst Franziskus schwächen und das Rad der Zeit zurückdrehen.

Von Julius Müller-Meiningen | ZEIT ONLINE

Am 27. Juni 2014 war Donald Trump noch ein halbseidener New Yorker Milliardär und Stephen Bannon trug noch keine Jacketts. Der Chef der ultrarechten amerikanischen Nachrichtenseite Breitbart News saß an diesem Tag vor seinem Computer in einem Hotel in Los Angeles. Bannon war per Skype mit dem Vatikan verbunden. Dort, in einem prächtigen Renaissance-Palazzo mitten in den Vatikanischen Gärten, im Sitz der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, warteten ein paar Dutzend Zuhörer. 50 Minuten lang skizzierte Bannon seine ganz persönliche Apokalypse in einem düsteren Videotelefonat.

Am gleichen Tag beging Raymond Leo Kardinal Burke das sechste Jubiläum seiner Nominierung als Präfekt der Apostolischen Signatur, des höchsten Vatikangerichts. Burke spürte damals, im Frühsommer 2014, wie ihm langsam der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Papst Franziskus hatte den erzkonservativen Kardinal im Vorjahr bereits aus zwei Kongregationen abberufen, ein paar Monate später sollte er vom Papst auch als Chef des obersten Vatikangerichts abgesetzt und zum Malteserorden abgeschoben werden – als dessen Kardinalpatron. Burke war schon damals Franziskus’ schärfster innerkirchlicher Kritiker.

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Muslime in der CDU: Politischer Islam mit Machtanspruch

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Sie sind jung, sie sind türkischstämmig, sie vertreten einen selbstbewussten Islam, der in der Gesellschaft eine starke Stimme haben will. Und sie sind in der Union. Ihre Initiative ist allerdings umstritten.

Von Lydia Rosenfelder | Frankfurter Allgemeine

Kaum war das Bündnis gegründet, da gab es schon Ärger. Zum Auftaktabend von „Muslime in der Union“ waren etwa dreißig Leute gekommen, CDU-Mitglieder von der Basis. Die Veranstaltung in Köln begann mit dem Gebetsruf. Ein Funktionär aus Bremen stellte das Konzept vor: „Da kommen Menschen zusammen, die sich im konservativen, sunnitischen Islam verorten.“ Eine Christdemokratin mit Kopftuch übermittelte ein „Grußwort“ von Generalsekretär Peter Tauber, der seine Unterstützung zugesagt habe und das Bündnis „klasse“ finde. Die Initiative sei nötig, weil die Armenienresolution des Bundestages das Vertrauen vieler türkischstämmiger Menschen in die deutsche Politik geschwächt habe. Das war im vergangenen Sommer.

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Heilige im Islam: Verehrt und verboten

Moscheen in Istanbul. (AFP)
Moscheen in Istanbul. (AFP)
Auch der Islam kennt den Heiligenkult. Ein offizielles Verfahren – wie in der katholischen Kirche – gibt es nicht. Der Glaube an Wundertäter und Fürsprecher gehört eher zur Volksfrömmigkeit, gerade das macht Heilige für Islamisten verdächtig.

Von Hüseyin Topel | Deutschlandfunk

Ein Imam in Istanbul spricht vor einem Mausoleum ein Bittgebet. Eine Menschenmenge aus Moschee-Gemeinde und reisenden Muslimen versammelt sich hinter dem Imam, um daran teilzunehmen. Sie heben die Hände und sprechen „Amin“, so wie Christen ihr Gebet mit Amen schließen. Auf diese Weise wenden sich Muslime traditionell an Gott und äußern ihre Wünsche, beichten ihre Sünden und bitten um Vergebung.

Im Istanbuler Stadtteil Eyüp soll Eyub al Ansari, ein Weggefährte Mohammeds, des Begründers der islamischen Religion, beigesetzt worden sein. Nach der Legende hat der osmanische Sultan Mehmed, kurz nach der Eroberung von Konstantinopel, die Begräbnisstätte ausfindig gemacht.

Deshalb errichtete man dort nach der Eroberung der Stadt ein Mausoleum und gleich daneben die nach Eyub al Ansari benannte Eyüp Sultan Moschee. Den Beinamen Sultan gab man al Ansari als Ehrentitel. Er wurde von nun an als Heiliger verehrt und der Ort wurde zu einem spirituellen Zentrum, das seit Jahrhunderten viele Gläubige anzieht.

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Ist Religion Kitt oder Keil?

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Muslime, Katholiken, Juden und Atheisten: Sie alle diskutierten mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière über Religion. Genauer gesagt: Darüber, ob die Religion die Gesellschaft zusammenhalte oder spalte. Und über das Verhältnis vom Islam zum Grundgesetz.

Von Markus Kremser | katholisch.de

„Die Zuneigung zu Kirchen hat abgenommen, die Abneigung gegen Islam oder Kirchen hat zugenommen. Woher kommt diese Angst?“, fragt Bundesinnenminister Thomas de Maizière zum Auftakt des Werkstattgespräches in Leipzig. Unter dem Titel „Wie hältst Du’s mit der Religion? Glauben als Kitt oder Keil unserer Gesellschaft?“ diskutierten am Freitag 150 Menschen mit dem Politiker und Religionsvertretern. De Maizière betonte, dass Leipzig eine große und christliche Tradition habe. Auch wenn in Leipzig 82 Prozent der Einwohner konfessionslos seien, wie in vielen anderen Gegenden Ostdeutschlands, habe Religion eine Bedeutung.

Die katholische Theologin Dagmar Mensink sagte bei dem Bürgerdialog, Religion gebe meinem Leben einen Rahmen. „Antwort auf die Frage nach dem Wohin und Woher“, so das Mitglied des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken. Dabei sei ihr Verhältnis zur Kirche mitunter auch spannungsvoll. „Mein Glaube gibt mir Sicherheit, dass nicht vergeblich ist, was ich tue.“ Die Berliner Rabbinerin Gesa S. Ederberg sprach auch das Handeln an: Für sie sei das „Tun wichtiger als der Glaube“. Dazu gehörten für sie jüdische Rituale wie koscheres Essen, Einhaltung von Regeln und Gebete. „Das findet alles auf deutsch und in Berlin statt“, sagte Ederberg. Sie sei zuerst Jüdin, „alle anderen Identitäten kommen hintenan“.

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Islam und Christentum“Postchristliche Erscheinung“

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer auf der Auftaktkundgebung des
Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer auf der Auftaktkundgebung des „Marsch für das Leben“ im September 2016. (imago stock&people)
Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg, erhebt die Stimme im Namen besorgter Christen. Er bezweifelt, dass der Islam integrierbar ist. Manches klingt wie aus dem AfD-Programm, doch zu Parteien geht der Dogmatiker auf Distanz.

Von Michael Watzke | Deutschlandfunk

Es war kalt im Regensburger Dom, als Bischof Rudolf Voderholzer neulich in die Predigtkanzel stieg. Den Gottesdienst-Besuchern gefror der Atem, als der Regensburger Oberhirte über den Islam sprach:

„Der Islam nun freilich – so viel Realismus müssen wir aufbringen – ist nicht einfach irgendeine Kultur, sondern eine post-christliche Erscheinung, die mit dem Anspruch auftritt, die Kerngehalte des Christentums zu negieren.“

Postchristlich? Viele der Besucher runzelten die Stirn. Was wollte der Dogmatiker Voderholzer denn damit sagen? Ist der Islam so post-christlich wie das Protestantentum post-katholisch ist? Oder das Christentum post-jüdisch? Mitnichten, so der Bischof. Postchristlich sei der Islam, weil er das Christentum korrigieren wolle und deshalb im Gegensatz zu den Kerngehalten des Christentums stehe, nämlich …

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Mahatma Gandhi: Der gewaltfreie Dschihadist

Gandhi sitzt in einer undatierten Aufnahme bei Muslimen in Neu-Delhi und versucht, die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Hindus zu schlichten. (picture-alliance / dpa)
Gandhi sitzt in einer undatierten Aufnahme bei Muslimen in Neu-Delhi und versucht, die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Hindus zu schlichten. (picture-alliance / dpa)
Sein Kampf gegen Gewalt machte ihn zum hinduistischen Helden. Was wenig bekannt ist: Gandhi setzte sich intensiv mit dem Koran auseinander, er bewunderte Mohammed und glaubte an das Verbindende beider Religionen. Die Konflikte zwischen dem hinduistischen Indien und dem muslimischen Pakistan ließen Gandhis Träume brutal platzen. Was nützt seine Botschaft heute?

Von Thomas Klatt | Deutschlandfunk

„Ich glaube fest daran, dass alle großen Religionen der Welt Wahrheit enthalten. Es wird keinen dauerhaften Frieden auf der Welt geben, solange wir nicht lernen, nicht nur anderen Glauben zu tolerieren, sondern als unseren eigenen zu respektieren“, sagt die Historikerin Gita Dharampal-Frick vom Südostasien Institut der Universität Heidelberg. Sie zitiert aus den Schriften Mahatma Gandhis. Schon in seiner Kindheit im westindische Gujarat erlebte Gandhi den mütterlichen Pranami-Glauben als eine volkstümliche Durchmischung von Hinduismus und Islam. So las der Hindu-Priester sowohl aus dem Koran als auch aus der Bagavadgita.

Dharampal-Frick erklärt:  „Auf Grund dieser grundlegenden Erfahrung betonte Gandhis hindu-muslimische Religiosität die gemeinsame innere Bedeutung der Religion, die sich in der Stärke von individueller Verehrung äußert und weniger von der formellen Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion abhängt. Orthopraxis statt Orthodoxie war es, was Gandhi wichtig war. Es war diese interreligiöse Volksfrömmigkeit, die vom Singen von Hymnen, dem Verwenden von Symbolen beiden Religionen bestimmt war, die die religiöse Dichtung Indiens darstellte. Daher wurde das Singen von Hymnen auch als tägliche Praxis in Gandhis Gebetstreffen aufgenommen, später in Südafrika und in Indien.“

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Rechtsextreme Szene wird militanter

 Demonstranten mit Reichskriegsflagge, einem häufig von Rechtsextremen genutzten Symbol. (Foto: dpa)
Demonstranten mit Reichskriegsflagge, einem häufig von Rechtsextremen genutzten Symbol. (Foto: dpa)
Die Gewaltbereitschaft steigt einem Medienbericht zufolge nicht nur in Neonazi-Kreisen. Das rechtsextreme Spektrum werde insgesamt unübersichtlicher.

Süddeutsche.de

Die rechtsextreme Szene in Deutschland wächst und wird einem Medienbericht zufolge militanter. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der gewaltorientierten Rechtsextremisten um 300 Personen auf 12 100 gestiegen, berichtet der Tagesspiegel unter Berufung auf Sicherheitskreise. Insgesamt werden dem rechtsextremen Spektrum demnach mehr als 23 000 Personen zugerechnet, 500 mehr als im Vorjahr.

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Ist die Aufklärung vom Himmel gefallen?

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Will der säkulare Staat den Islam integrieren, muss er sich auf seine christliche Herkunft besinnen

Von Martin Rhonheimer | Neue Zürcher Zeitung

Als vor einiger Zeit CVP-Präsident Gerhard Pfister im Interview mit dieser Zeitung den säkularen Rechtsstaat als «christliches Verdienst» bezeichnete, konterte SP-Chef Christian Levrat: «Ich finde es erschreckend, dass es in der Schweiz politische Kräfte gibt, die sich auf eine Religion berufen müssen, um die Werte unserer Gesellschaft zu rechtfertigen.» Denn diese Werte, so Levrat, stammten aus der Aufklärung. Die Aufklärung aber, ist sie plötzlich vom Himmel gefallen? In voraussetzungslosem Raum entstanden?

Allgemeine Rechtsgrundsätze

Ihr Kennzeichen war die Forderung, den eigenen Verstand zu gebrauchen, Autoritäten, auch die der christlichen Offenbarung, zu hinterfragen. Die Aufklärung wurzelte in dem Bewusstsein, dass es Rechtsgrundsätze gibt, die unabhängig vom Willen der Mächtigen und der religiösen Autoritäten gelten und der menschlichen Vernunft zugänglich sind. Ihre institutionelle Voraussetzung waren eine Diskussionskultur als Trainingsfeld dieser Vernunft sowie der akademische Freiraum der Universität, ihr liberaler Impuls die Forderung nach einer definitiven Scheidung von Politik und Religion.

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Wer sich verpartnert, muss bei der Caritas mit Kündigung rechnen

Allein die Liebe zählt. Erst gleichgeschlechtliche Trauung am 12. August 2016 in der Berliner Landeskirche.Foto: Wolfram Kastl/dpa/p-a
Allein die Liebe zählt. Erst gleichgeschlechtliche Trauung am 12. August 2016 in der Berliner Landeskirche.Foto: Wolfram Kastl/dpa/p-a
Eine neue Folge unserer Kolumne Heteros fragen, Homos antworten. Diesmal geht es um Glaube und Homosexualität.

Von Anja Kühne | DER TAGESSPIEGEL

Für die meisten Glaubensgemeinschaften gilt Homosexualität als Sünde. Wie haltet ihr es also mit der Religion? – Hartmut, Falkensee

Es stimmt, die großen Religionen, jedenfalls das Christentum, das Judentum und der Islam, haben generell ein angespanntes Verhältnis zur Sexualität, wenn sie nicht bloß der Fortpflanzung dient. Entsprechend verurteilen die heiligen Schriften nach konventioneller Auslegung Homosexualität. Darauf berufen sich religiöse Menschen, wenn sie Homosexuelle herabsetzen, ausgrenzen oder – im Fall von Fanatikern – sogar physisch attackieren. Weltweit gibt es Prediger aller Richtungen, die regelmäßig dazu beitragen, die gesellschaftliche Atmosphäre zu vergiften.

Leider hat auch Papst Franziskus, für liberale Christen ein Hoffnungsträger, gerade erst den katholischen Katechismus bestätigt. Demnach verstoßen homosexuelle Handlungen „gegen das natürliche Gesetz“. Allerdings solle Homos „mit Achtung, Mitleid und Takt“ begegnet werden.

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Staatspreis für das Kopftuch? In Absurdistan

Religionsfreiheit ist eben nicht die Wahlfreiheit zwischen Mitgliedschaften in verschiedenen Gottsucherbanden, sondern in erster Linie die Freiheit von Religion. Eine Replik auf Farid Hafez

Von Nikolaus Dimmel, Roland Fürst | derStandard.at

Die über weite Strecken seltsame Suada Farid Hafez‘ („Ein Staatspreis für das Kopftuch“, STANDARD, 9. Jänner) bringt es herausragend auf den Punkt: Zwischen Islam und Islamismus besteht kein Unterschied.

Groteskes Szenario

Er führt uns ein groteskes Szenario vor: Für ihn gibt es christliche und nichtchristliche Religionen als Player im Spiel um den Stellenwert der Religion im öffentlichen Raum. Zu viel Pro-Erdogan-Propaganda scheint dabei seinen Blick zu trüben, denn ein Drittel der Europäer sind unreligiös. Gerade noch 25 Prozent der Österreicher sind kirchentreu. 44 Prozent sind gottlos. Sogar 25 Prozent der Muslime sind säkular.

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As Afghanistan Comes Online, It Grapples With Its First Cyber Security Laws

Afghan vendors selling smartphones wait for customers at a market in Kabul, Afghanistan. Image: AP Photo/Rahmat Gul
Afghan vendors selling smartphones wait for customers at a market in Kabul, Afghanistan. Image: AP Photo/Rahmat Gul
As one of Afghanistan’s contemporary female pop stars Aryana Sayeed, is used to getting misogynist comments for her work, her music, and even her appearance. After all, her songs, her performances, and her very existence are intentionally designed to make the many thousands of Afghan men who hold on dearly to patriarchal values uncomfortable.

By Ruchi Kumar | MOTHERBOARD

She often ignores the many unbecoming remarks threats issued by extremists and insurgent groups, most of which are delivered from behind the anonymity provided by social media. But then there are those that are more difficult to ignore, such as a bounty announced by an Afghan social media user on Facebook offering 50,000 AFN (about $750) for the death of Aryana.

“What’s appalling is that not only is his post and profile both public, he makes no effort to hide his identity and there is no fear of the law,” said Hasib Sayed, Aryana’s manager.

While Aryana has approached the National Directorate of Security (NDS), Afghanistan’s primary intelligence agency, to help her track the threat, there are no mechanisms in place in Afghanistan for the millions of other users to report cybercrimes. However, that is about to change soon with a new cybersecurity bill currently under consideration by the Afghan government.

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Luther und Islam: Türken sind Element der Apokalypse

Was würde Luther zur Kölner Moschee sagen? (Christian Röther)
Was würde Luther zur Kölner Moschee sagen? (Christian Röther)
Im Reformationsjahr wird auch immer wieder ein Blick auf die Schattenseiten Martin Luthers geworfen, besonders auf seinen Judenhass. Was weniger beachtet wird: Der Reformator sah im Islam eine Bedrohung – wie so viele seiner Zeitgenossen. Manche Islamgegner bemühen das bis heute, die Kirche jedoch positioniert sich anders.

Von Christian Röther | Deutschlandfunk

Zur Zeit Martin Luthers sind die christlichen Mächte in Europa untereinander zerstritten, führen Kriege. Doch was einige von ihnen eint, ist ein gemeinsamer Feind, ein islamischer: das Osmanische Reich, „die Türken“, wie man damals sagte. Sein Leben lang setzt sich auch Martin Luther mit „den Türken“ auseinander. Zunächst spricht sich Luther gegen einen Kreuzzug gegen die Türken aus. Er ist überzeugt, dass die Türken eine Strafe Gottes sind – eine „Zuchtrute“, wie der evangelische Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann erläutert:

„Gott knallt mit dieser Peitsche über die Christenheit und die Christenheit ist durch die Bedrohung durch die Türken zu Buße gerufen und nicht dazu, sich militärisch gegen die von Gott verfügte, verhängte Strafe zu wehren.“

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Wir erleben eine Integration Deutschlands in den Islam

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Anstatt Muslime in das bestehende Rechts- und Wertesystem einzubinden, vollzieht sich gegenwärtig eine Integration Deutschlands in den Islam. Diese Ansicht vertritt der deutsche Islamwissenschaftler, Politologe und Publizist Ralph Ghadban in einem Gastbeitrag für Focus-Online (München).

idea.de

Die Verbreitung des Multikulturalismus in den neunziger Jahren habe diese Entwicklung begünstigt: „Die Kritik am Islam wurde als politisch inkorrekt verpönt. Auf alle Ebenen, der politischen, der juristischen und der Sicherheitsebene, begann der Rückzug des Staates aus Angst, rassistisch zu handeln und die Minderheiten zu stigmatisieren.“ Diese Art der Öffnung der deutschen Gesellschaft habe aber nichts gebracht. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 seien die Migrantenkinder weniger integriert gewesen als in den neunziger Jahren. Das hätten unter anderem die Daten in der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt belegt: „Die Integration war gescheitert.“

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Scheindebatte: „Syrien-Expertin“ fordert Ende von Scheindebatten bei Islam

Der Schleier im Islam: Die Diskussionen flauen nicht ab - EPA
Der Schleier im Islam: Die Diskussionen flauen nicht ab – EPA
Mit Blick auf die Rolle des Islam in Deutschland fordert Publizistin Kristin Helberg ein Ende von Scheindebatten. Dazu gehört für sie auch die Diskussion über Burkas, wie die Autorin im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch in Berlin sagte.

Radio Vatikan

„Das Verfassungsgericht legt unsere Gesetze religions-positiv aus.“ Wenn die katholische Kirche Krankenhäuser, Kitas und Schulen betreibe, müsse man das der Verfassung folgend auch Muslimen zugestehen.

„Wir brauchen einen deutschen Islam“, so Helberg. „Also einen Islam, der in der Schule in einem Bekenntnisunterricht vermittelt wird. Moschee-Vereine sollten besser einbezogen werden in die Seelsorge, in Pflege und Jugendarbeit.“ Sie halte es für wichtig, „dass wir die hier lebenden Muslime nicht in eine innere Migration treiben, so dass sie sich zurückziehen.“ Sie seien zum Beispiel nötig, um die Integration der neu in Deutschland angekommenen Flüchtlinge voranzubringen.

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Nu(h)r nicht senden!

Bild: ARD, Screenshot bb
Bild: ARD, Screenshot bb
Aktuell macht ein einstündiges Radioportrait des Kabarettisten Dieter Nuhr im Internet die Runde. Das Feature beleuchtet Nuhrs Religions- und Kirchenkritik. Der Skandal daran: Kein öffentlich-rechtlicher Sender in Deutschland traute sich an die Produktion des Stoffes heran.

Von Anna Wopalensky | hpd.de

Rainer Praetorius ist ein alter Medienhase. Als freier Autor und Journalist schreibt er seit Jahrzehnten Fernseh- und Hörfunkbeiträge für verschiedene öffentlich-rechtliche Sender sowie Artikel für renommierte Zeitungen. Natürlich kommt es immer mal wieder vor, dass Redaktionen sich nicht für Themen interessieren oder Beiträge ablehnen – aber was ihm mit seinem Feature über Dieter Nuhr passiert ist, das hat er in all den Jahrzehnten bisher noch nicht erlebt.

Im vergangenen Jahr schrieb Praetorius ein einstündiges Radioportrait über den streitbaren Kabarettisten. Eine Auftragsarbeit für eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt. Praetorius tat, was Autoren und Journalisten üblicherweise tun, wenn sie eine Person portraitieren: Er rückte einen zentralen Aspekt von Nuhrs Schaffen und Denken in den Mittelpunkt des Features – seine teils recht scharfe Religions- und Kirchenkritik. Um Nuhrs auf der Bühne und im Interview geäußerte Kritik an Religion im Allgemeinen sowie Islam und Christentum im Besonderen zu vertiefen, interviewte Praetorius für das Feature ferner den Philosophen Michael Schmidt-Salomon, der für seine kritischen Auseinandersetzungen mit Religion und Kirche bekannt ist.

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„Alles, was schiefläuft, wird der Religion zugeschrieben“

Der Jurist und Islamwissenschaftler Mathias Rohe (Karoline Glasow)
Der Jurist und Islamwissenschaftler Mathias Rohe (Karoline Glasow)
Das hat nur mit dem Islam zu tun, das hat nichts mit dem Islam zu tun – so sind die reflexartigen Reaktionen auf alles, was zwischen Anschlag und Zwangsheirat öffentlich verhandelt wird. Der Erlanger Jurist und Islamwissenschaftler Mathias Rohe blickt zurück auf die Themen des Jahres.

Mathias Rohe im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

Christiane Florin: Terror, Frauenbild, Burka, Kopftuch – das waren Themen dieses Jahres, auch in „Tag für Tag“ wie Sie in der Stimmencollage hören konnten. Die Sendung von heute soll eine „Islambilanz“ des Jahres sein. Ziehen möchte ich diese Bilanz gemeinsam mit dem Isalmwissenschaftler und Juristen Mathias Rohe. Er lehrt an der Universität Erlangen, vor wenigen Wochen ist sein Buch „Der Islam in Deutschland“ erschienen, eine fundierte Bestandsaufnahme.

Herr Rohe, das Jahr 2016 begann mit „Köln“, der Name der Stadt steht seitdem für die Kölner Silvesternacht. Es folgte eine Debatte um das Frauenbild nordafrikanischer Männer. Auch nach der Vergewaltigung der Freiburger Studentin brach eine ähnliche Debatte los. Eine Boulevardzeitung titelte: „Ist das Frauenbild von Flüchtlingen ein Problem“. Müssen wir über das Frauenbild reden und wenn ja, wie?

Mathias Rohe: Wir müssen sicherlich darüber reden. Das Frauenbild, das Geschlechterbild ist ein gesamtgesellschaftliches Thema. Aber es ist natürlich insbesondere ein Thema für Menschen, die in patriarchalischen Strukturen groß geworden sind. Das gilt nicht für alle Flüchtlinge, aber das gilt für viele. Und das Patriarchat, diese patriarchalische Geschlechterrollen-Zuschreibung scheint mir die eigentliche Wurzel des Übels zu sein. Das müssen wir angehen. Was wir auch noch auch noch wissen und was ich aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung aus Orient-Aufenthalten weiß, ist, dass das Bild von europäischen Frauen bei vielen so eindimensional ist, wie das Bild von Muslimen bei vielen in unserem Lande. Das heißt, es gibt die Vorstellung: „Naja – leicht zu haben, allzeit bereit.“ Menschen kommen zu uns, die eine strenge Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit kennen und sehen nun, dass wir es hier ganz anders haben. Über deren Geschlechterbild müssen wir sicherlich reden, vor allem müssen wir vermitteln, warum es bei uns so ist und dass wir einfordern, dass es auch so bleiben kann.

„Alle Religionen und Weltanschauungen haben ihr Gewalt- und Problempotenzial“

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Bullshistic: Der „Gebetomat“ zeigt die Vielfalt von Religion und Glauben

Im „Gebetomat“ können Besucher aus über 300 Glaubens-Texten in 64 verschiedenen Sprachen wählen. Der Automat steht im Foyer des Grillo-Theaters.

Von Daniel Kamphaus | Westfalenpost

Ein paar wenige Klicks auf dem Touchscreen: Die beruhigende Stimme eines Rabbiners erklingt, erfüllt die kleine rechteckige Kabine. Weiter klicken: Ein Muezzin ruft zum islamischen Gebet, ersetzt die Stimme des jüdischen Geistlichen. Gebete aus dem Automaten: Reinsetzen, Glaubensrichtung und Sprache auswählen – zuhören.

Eine kurze religiöse Einkehr. Ein Innehalten in einer Zeit, die immer hektischer wird – so die Idee. Im Grillo-Theater im Bereich des rechten Seitenfoyers steht der Ein-Mann-Gebetsraum – der „Gebetomat“.

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Religion und Sexismus: Der Salafismus der katholischen Kirche

ein Platz für Frauen: katholische Priester in Erfurt Foto: dpa
Kein Platz für Frauen: katholische Priester in Erfurt Foto: dpa
Die Frauenfeindlichkeit des Katholizismus wird sehr selten skandalisiert. Im Vergleich leisten sich Islam und Judentum viel mehr Vielfalt.

Von Charlotte Wiedemann | taz.de

Die Nachricht, dass die römisch-katholische Kirche den Frauen weiterhin den Zugang zur Priesterweihe verwehren wird, hat erstaunlich wenig öffentliche Kritik hervorgerufen. Erstaunlich, weil einer anderen Weltreligion, deren Name hier kaum genannt werden muss, ohn’ Unterlass die Benachteiligung von Frauen vorgehalten wird.

Für all jene, die geglaubt hatten, der gegenwärtige Papst sei ein Reformer und er werde im 21. Jahrhundert zumindest Diakoninnen zulassen (eine Art Priester-Vorstufe), wurde kürzlich eine altbekannte Argumentation ostentativ entstaubt. Nennen wir sie: Salafismus. Das ist nicht hergeholt, sondern sprachlich präzise. Im Arabischen sind die Salaf die geehrten Altvorderen, wir nennen sie Apostel, und unter ihnen waren eben keine Frauen. Die Kirche – sagt Rom – müsse es halten wie Jesus. Und dass jener sich in anderen Fragen durchaus über die Sitten seiner Zeit hinwegsetzte, sei ein Grund mehr, den Frauen-Ausschluss als veritables Gebot Gottes anzusehen.

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