De Maizière: Kirchen überlassen Islam zu sehr dem Staat

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) fordert die Kirchen dazu auf, in der Öffentlichkeit mehr über den Islam zu diskutieren. Die Kirchen überließen den Islam zu sehr dem Staat, sagte er der Wochenzeitung „Die Zeit“: „Ich wünsche mir mehr kirchliche Wortmeldungen zu strittigen Fragen: was Christentum und Islam verbindet, wie ein aufgeklärter europäischer Islam aussehen soll und wo die Religionsfreiheit endet – auch die der Muslime.“

evangelisch.de

In der Debatte seien die Kirchen selbst kaum aktiv. Beim Deutschen Evangelischen Kirchentag, der am Mittwoch in Berlin beginnt, diskutiere er mit dem Großscheich der Kairoer Al-Azhar-Universität Ahmed al-Tayyeb: „Ich freue mich darauf. Aber wieso macht das eigentlich kein Theologe?“, erklärte de Maizière. Der Scheich ist Groß-Imam der Al-Azhar-Moschee und Rektor der gleichnamigen Universität. Er gilt als höchste Autorität des sunnitischen Islam.

Der Innenminister kritisierte auch den Umgang der Kirchen mit Abschiebungen. „Beim Asyl machen es sich die Kirchen zu leicht.“ Er vermisse bei einigen Kirchenvertretern die volle Akzeptanz des Asylverfahrens. Ihnen fehle die Einsicht, dass sowohl Bleibendürfen als auch Gehenmüssen dazugehörten.

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So viele Gläubige leben in Sachsen-Anhalt

Bild: MDR.de
In Wittenberg werden in der kommenden Woche zehntausende Christen zum Evangelischen Kirchentag erwartet. Welche Rolle spielt Religion hierzulande eigentlich noch? Und wie viele Gläubige leben überhaupt in Sachsen-Anhalt? Eine Bestandsaufnahme der Religionen Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus.

Von Manuel Mohr | MDR SACHSEN-ANHALT

Die größte „Glaubensgemeinschaft“ – auch wenn sie genau genommen gar keine ist – ist die Gruppe der Konfessionslosen in Sachsen-Anhalt. Schätzungen zufolge gehören rund 80 Prozent aller Einwohner im Land keiner Religion an. Die kirchenfeindliche Ideologie der DDR wirkt hier deutlich bis heute nach. Somit ist nur noch etwa jeder Fünfte im Land überhaupt Angehöriger einer religiösen Glaubensgemeinschaft. Wie stark verschiedene Religionen dabei vertreten sind, hat MDR SACHSEN-ANHALT analysiert.

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Kampfbegriff Islamophobie

Wer den Islamismus kritisiert, kann heute rasch als „islamophob“ angeklagt werden. Höchste Zeit, dass das wieder aufhört.

Von Helmut Pisecky | Die Presse.com

Mit seinen unglücklichen Äußerungen zur „Islamophobie“ hat Bundespräsident Alexander van der Bellen einen Begriff thematisiert, der zuletzt besonders bei radikalen Islamisten stark an Popularität gewonnen hat. Pseudowissenschaftlichkeit und Instrumentalisierung durch radikale Gruppen sollten aber Grund genug sein, um den Begriff aus dem öffentlichen Diskurs zu verbannen.

1997 veröffentlichte der britische Think-Tank Runnymede Trust eine Studie zum Thema „Islamophobie“. Der neue Begriff, der eine grundsätzliche Feindseligkeit gegenüber Islam und Muslimen beschreiben sollte, wurde von Medien und Politik aufgegriffen und hat sich als fixer Bestandteil der Debatte über Islam, Integration und Multikulturalismus etabliert.

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Freikirchen taufen Flüchtlinge

Tausende Flüchtlinge in Deutschland konvertieren vom Islam zum Christentum – obwohl der Glaubensübertritt für sie ein großes persönliches Risiko bedeutet. Christliche Freikirchen erleben einen regen Zulauf.

Von Charlotte Hauswedell | Deutsche Welle

Mehr als 1200 Flüchtlinge hat er schon getauft. Gottfried Martens ist Pastor der Dreieinigkeitskirche, einer evangelisch-lutherischen Freikirche in Berlin-Steglitz. Angefangen hatte es mit zwei Flüchtlingen aus dem Iran, die 2008 seine Gemeinde aufsuchten. Sie brachten einen Bekannten mit, den Pastor Martens taufte. Über die Jahre kamen dann immer mehr Flüchtlinge mit dem Wunsch, ihre Religion zu wechseln. Heute ist Martens Gemeinde in der Hauptstadt bekannt, Hunderte besuchen die Gottesdienste, in denen auf Deutsch und Farsi gepredigt wird.

Die Konvertiten sind Iraner und Afghanen ursprünglich islamischen Glaubens. Darunter viele „Neulinge“, die erst in Deutschland von anderen Christen angesprochen wurden. „Viele waren aber auch schon im Iran in Hausgemeinden oder sind während der Flucht mit dem christlichen Glauben in Berührung gekommen“, berichtet Martens.

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Arbeiten Katholiken weniger gern?

Dolcefarniente: Luciano Pavarotti in der Hängematte. Foto: Jean-Claude (Getty)
Sind protestantische Länder wirtschaftlich erfolgreicher als katholische? Im 500. Jahr der Reformation ist Max Webers berühmte These für viele gültig wie eh und je. Und schaut man sich die Situation in Europa seit der Finanzkrise von 2008 an, kann man sich ja auch bestätigt fühlen.

Von Alan Cassidy | Tages Anzeiger Blogs

Sind es nicht gerade Italien, Spanien und Portugal, die katholischen Länder des Südens, die besonders verschuldet sind? Und geht es dem protestantischen Norden nicht deutlich besser?

Der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron sagte es so: «Es gibt eine Art Religionskrieg zwischen dem calvinistischen Nordeuropa, das den Sündern nicht verzeihen will, und einem katholischen Südeuropa, das dies alles hinter sich lassen will.» Macron sagte dies vor zwei Jahren; er war damals noch Wirtschaftsminister, und er sprach über den Umgang mit der Eurokrise. Seine Aussage zeigt: Webers Behauptung von der Prägung durch die Religion ist bis heute eine der meistdiskutierten der Soziologie.

Arbeit religiös überhöht

Max Weber suchte nach einer Antwort auf die Frage, woher der «Geist des Kapitalismus» kommt, das Streben nach immer mehr Wachstum, nach immer grösserer Produktivität. Die Erklärung fand er in der Reformation. Nicht in jener Luthers, sondern in jener Calvins – und in dessen Auffassung von Arbeit. Calvin, der am Seelenheil interessierter war als an Ökonomie, habe die Arbeit religiös überhöht: Wer reich werde auf Erden, der geniesse ganz offensichtlich die Gnade Gottes. Zur Bildung einer «protestantischen Arbeitsethik» habe beigetragen, dass besonders der Calvinismus die Menschen zu einer «asketischen Lebensführung» anhalte, schrieb Weber. Das heisst auch: Man verprasst sein Geld nicht, sondern spart – und bildet Kapital.

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De Maizière hält nichts von Ziel der Gleichheit aller Religionen

Das Kreuz mit den Religionen
In der Debatte um mehr Rechte für muslimische Religionsgemeinschaften in Deutschland kann nach Ansicht von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) das Ziel nicht Gleichheit sein.

evangelisch.de

Freiheit bedeute, vorhandene Unterschiede zuzulassen, sagte de Maizière am Donnerstag bei einer Tagung zum Staatskirchenrecht in Berlin. Judentum, Islam und Christentum seien auf unterschiedliche Weise in Deutschland verwurzelt. Beim Umgang damit sollte man sich am Grundsatz der Gleichbehandlung orientieren, aber keine Gleichheit durchsetzen.

„Ich glaube nicht, dass echte Freiheit dann herrscht, wenn vollkommende Gleichheit hergestellt wird“, sagte der Minister. In seine Zuständigkeit fallen die vertraglichen Regelungen des Staates mit den Kirchen auf Bundesebene. De Maizière verhandelt zudem in der Deutschen Islamkonferenz mit den muslimischen Verbänden über deren institutionelle Verankerung in Deutschland.

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Humboldt-Uni bringt Islamische Theologie auf den Weg

Universität © ninastoessinger auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Berlin ist ein Zentrum des Islam: 300.000 Muslime leben hier, es gibt rund 80 Gemeinden und 5.000 Kinder besuchen islamischen Religionsunterricht in der Schule. Was bislang fehlt ist eine akademische Ausbildung für Imame und Lehrer.

MiGAZIN

Die Weichen sind gestellt: Nach jahrelangen Diskussionen über eine fehlende universitäre Ausbildung islamischer Geistlicher in Berlin hat die Humboldt-Universität (HU) jetzt den Gründungsbeauftragten für ein Institut für Islamische Theologie benannt. Am Montag präsentierten Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und HU-Präsidentin Sabine Kunst den Historiker Michael Borgolte, der von 1991 bis 2006 Geschichte des Mittelalters an der Hochschule lehrte.

Der emeritierte Mediävist soll in den kommenden Monaten unter anderem die bereits bestehende Arbeitsgruppe zur Etablierung des Instituts, die Ausschreibung von vier geplanten Professuren sowie die Besetzung des Beirates koordinieren. Außerdem muss die „institutionelle Einbindung“ geklärt werden, also welcher Fakultät das Institut angegliedert wird.

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Der Kampf um islamische Begriffe

Diese Illustration gehört zu dem Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung „Begriffswelten Islam“, http://www.bpb.de/begriffswelten-islam
Muslime kritisieren Begriffe wie „Islamismus“ und „Dschihadismus“. Doch können sie Alternativen anbieten, wenn ihnen die Deutungshoheit entrissen wird. Bekim Agai und Armina Omerika durchleuchten im IslamiQ-Interview den Kampf um islamische Begrifflichkeiten.

IslamiQ

IslamiQ: Es wird öfter über die Begriffe „Islamismus“, „Dschihadismus“ und „Salafismus“ gesprochen als über den Islam, Dschihad und über die Salaf. Teilen Sie diese Einschätzung? Welche Gründe hat das Ihrer Meinung nach?

Bekim Agai & Armina Omerika: Wir teilen die Einschätzung. Die Gründe liegen auf der Hand. Es gelingt einer kleinen Minderheit, sich für alle sichtbar und destruktiv in Szene zu setzen. Sie haben bestimmte Begriffe zu einer Ideologie verbaut, die aus islamischen Bezügen keine Haltung, sondern eine Rechtfertigung für Taten machen, die zentralen Werten des Islams widersprechen. Durch ihre Bezüge auf islamische Begriffe versuchen sie sich vor muslimischer Kritik zu immunisieren und sich dadurch auch innermuslimisch zu rechtfertigen.

Andererseits erfahren manche theologische Begriffe des Islams eine Umdeutung durch den allgemeinen Sprachgebrauch und die neuen Wortschöpfungen. Daraus ergibt sich teilweise eine Diskrepanz zwischen Bedeutungszuschreibungen in muslimischen Communities und in der Sprachpraxis der Politik, Behörden oder Medien. Dies trifft auch auf politikwissenschaftliche Begriffe zu, die eine spezifische und legitime Verwendung in der Forschung haben, im allgemeinen alltäglichen Sprachgebrauch allerdings weit darüber hinausgehen. In diesem öffentlichen Raum bekommen sie undeutliche, verschwommene Konturen. „Islamismus“ z. B. mag gut von Behörden definiert werden, wird aber öffentlichen Diskurs inflationär gebraucht, manchmal sogar als Synonym für Islam.

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Halal und haram bringen den Islam nicht voran

Themenbild. Screenshot: brightsblog
Mitte Februar hat der Beratungsrat der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) einen Beschluss zum Thema Kopftuchgebot im Islam veröffentlicht. Inhalt, Argumentationsweise, Zitat der Quellen, Erwähnung der Rechtsgelehrten entsprechen der klassischen Form einer Fatwa – eines Rechtsgutachtens –, wie es sie in islamischen Ländern gibt.

Von Jasmin El Sonbati | Die Presse.com

Normalerweise handelt es sich um Themen, die das Leben der Menschen tangieren und bei denen die Intervention der Rechtsgelehrten entweder eine gewisse Richtung vorgibt oder den Staat dabei unterstützt, Gesetze durchzubringen, die es ohne den Segen der Religionshüter schwer hätten, akzeptiert zu werden.

Dass für Österreich solche Beschlüsse weder bindend noch Vorbild sein können, liegt auf der Hand. Hier regelt der Rechtsstaat die Angelegenheiten zwischen den Bürgerinnen und Bürgern. Übrigens hat eine Fatwa lediglich Empfehlungscharakter – der Mensch entscheidet, ob er sie annehmen will oder nicht.

Dass die IGGÖ einen Beitrag zu aktuellen Debatten rund um den Islam leisten will, ist ihr gutes Recht. Allein, die Frage sei erlaubt, ob die IGGÖ nichts Besseres zu tun hat. Ist es in Zeiten wie diesen, in denen immer mehr Menschen dem Islam mit Misstrauen begegnen, in denen eine gewaltbereite muslimische Minderheit Angst und Terror verbreitet und Andersgläubige und Muslime notabene Opfer von islamistisch motivierter Gewalt sind – ist es da wirklich relevant, sich über das Kopftuchgebot im Islam zu äußern und es als islamkonform zu bezeichnen?

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Islam-Theologe: „Die Frage, ob der Islam dazugehört, ist komisch“

foto: dpa Das Kopftuchthema sollte im Kontext und nicht separiert diskutiert werden, findet der Islam-Theologe.
foto: dpa Das Kopftuchthema sollte im Kontext und nicht separiert diskutiert werden, findet der Islam-Theologe.
Zekirija Sejdini erklärt, warum die Auseinandersetzung mit der eigenen Religion für die Muslime in Österreich und Europa überfällig ist

Interview Steffen Arora | derStandard.at

STANDARD: An welcher Glaubensrichtung des Islam orientiert sich das Theologiestudium?

Sejdini: Wie alle theologischen religionspädagogischen Studien hat auch unseres eine gewisse Ausrichtung, die dem Sunnitentum zugeordnet werden kann. Wobei wir großen Wert darauf legen, die innerislamische Vielfalt miteinzubeziehen, um die Wissenschaftlichkeit zu gewährleisten. Wir sind ja keine Koran- oder Imamschule, wo eine bestimmte Glaubensrichtung vorherrscht. Das impliziert einen kritischen und analytischen Zugang zu allen muslimischen Strömungen. Wenn dem nicht so wäre, hätte die Theologie oder Religionspädagogik keinen Platz an der Universität.

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Der Aufstieg des Islam

Der Prophet Mohammed in einer historischen Darstellung. Für den Islamwissenschaftler Lutz Berger gibt es in der Islam-Debatte zu viele unhistorische Rückgriffe auf die Anfangszeit des Islam vor rund 1.400 Jahren. (imago/stock&people)
Der Prophet Mohammed in einer historischen Darstellung. Für den Islamwissenschaftler Lutz Berger gibt es in der Islam-Debatte zu viele unhistorische Rückgriffe auf die Anfangszeit des Islam vor rund 1.400 Jahren. (imago/stock&people)
Der Islam ist nicht das Fremde, sondern Teil der spätantiken Mittelmeerwelt, aus der auch das heutige Europa hervorgegangen ist, konstatiert der Kieler Islamwissenschaftler Lutz Berger in seinem Buch „Die Entstehung des Islam. Die ersten hundert Jahre“. Darin widerspricht er der These, der Islam sei per se eine kriegerische Religion. Stattdessen seien Muslime stark geworden, weil ihre Gegner schwach waren.

Von Jan Kuhlmann | Deutschlandfunk

Über den Islam wird in Deutschland und anderswo heftig diskutiert. Doch von der Art und Weise, wie das allzu oft geschieht, hält der Islamwissenschaftler Lutz Berger wenig. Für ihn gibt es zu viel Schwarz und Weiß in der Debatte – was bei ihm heißt: zu viele unhistorische Rückgriffe auf die Anfangszeit des Islam vor rund 1.400 Jahren.

„Viele sogenannte Islamkritiker meinen, dass alles Denken und Tun der Muslime bereits in einem wörtlich zu verstehenden Koran vorgezeichnet sei und sehen im Propheten Mohammed einen direkten Wegbereiter heutiger militanter Bewegungen. Konservativ-traditionalistische Muslime argumentieren ganz anders, aber oftmals genauso unhistorisch, und zeichnen von der Frühzeit des Islam das idealisierte Porträt eines Zeitalters der Glückseligkeit, von dessen Errungenschaften wir Heutigen alles lernen könnten, was wir brauchen, um die Probleme der Gegenwart zu lösen.“

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Protestantin Merkel fordert von Islam „klare Worte“

Merkel auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Bild: n-tv.de
Merkel auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Bild: n-tv.de
Kanzlerin Merkel ruft islamische Autoritäten dazu auf, sich deutlich vom Terrorismus zu distanzieren. Außerdem wirbt sie auf der Münchner Sicherheitskonferenz für internationale Strukturen und warnt vor „kleinlichen Diskussionen“.

n-tv

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat von islamischen Autoritäten eine deutliche Distanzierung vom Terrorismus gefordert. Sie erwarte „klare Worte“ über die Abgrenzung des friedlichen Islam vom Terrorismus im Namen des Islam, sagte Merkel bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Dies könnten westliche Politiker nicht so leisten wie islamische Autoritäten.

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US-Regierung und Vatikan: Duett im Dunkeln

 Frisch ernannte Kardinäle während eines Festakts im Vatikan © Vatican Pool/Getty Images
Frisch ernannte Kardinäle während eines Festakts im Vatikan © Vatican Pool/Getty Images
Die Trump-Regierung will die Welt wieder christlicher machen. Dafür sucht Chefberater Stephen Bannon den Schulterschluss mit konservativen Kräften im Vatikan. Die haben ihre eigene Agenda: Papst Franziskus schwächen und das Rad der Zeit zurückdrehen.

Von Julius Müller-Meiningen | ZEIT ONLINE

Am 27. Juni 2014 war Donald Trump noch ein halbseidener New Yorker Milliardär und Stephen Bannon trug noch keine Jacketts. Der Chef der ultrarechten amerikanischen Nachrichtenseite Breitbart News saß an diesem Tag vor seinem Computer in einem Hotel in Los Angeles. Bannon war per Skype mit dem Vatikan verbunden. Dort, in einem prächtigen Renaissance-Palazzo mitten in den Vatikanischen Gärten, im Sitz der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, warteten ein paar Dutzend Zuhörer. 50 Minuten lang skizzierte Bannon seine ganz persönliche Apokalypse in einem düsteren Videotelefonat.

Am gleichen Tag beging Raymond Leo Kardinal Burke das sechste Jubiläum seiner Nominierung als Präfekt der Apostolischen Signatur, des höchsten Vatikangerichts. Burke spürte damals, im Frühsommer 2014, wie ihm langsam der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Papst Franziskus hatte den erzkonservativen Kardinal im Vorjahr bereits aus zwei Kongregationen abberufen, ein paar Monate später sollte er vom Papst auch als Chef des obersten Vatikangerichts abgesetzt und zum Malteserorden abgeschoben werden – als dessen Kardinalpatron. Burke war schon damals Franziskus’ schärfster innerkirchlicher Kritiker.

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Muslime in der CDU: Politischer Islam mit Machtanspruch

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Sie sind jung, sie sind türkischstämmig, sie vertreten einen selbstbewussten Islam, der in der Gesellschaft eine starke Stimme haben will. Und sie sind in der Union. Ihre Initiative ist allerdings umstritten.

Von Lydia Rosenfelder | Frankfurter Allgemeine

Kaum war das Bündnis gegründet, da gab es schon Ärger. Zum Auftaktabend von „Muslime in der Union“ waren etwa dreißig Leute gekommen, CDU-Mitglieder von der Basis. Die Veranstaltung in Köln begann mit dem Gebetsruf. Ein Funktionär aus Bremen stellte das Konzept vor: „Da kommen Menschen zusammen, die sich im konservativen, sunnitischen Islam verorten.“ Eine Christdemokratin mit Kopftuch übermittelte ein „Grußwort“ von Generalsekretär Peter Tauber, der seine Unterstützung zugesagt habe und das Bündnis „klasse“ finde. Die Initiative sei nötig, weil die Armenienresolution des Bundestages das Vertrauen vieler türkischstämmiger Menschen in die deutsche Politik geschwächt habe. Das war im vergangenen Sommer.

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Heilige im Islam: Verehrt und verboten

Moscheen in Istanbul. (AFP)
Moscheen in Istanbul. (AFP)
Auch der Islam kennt den Heiligenkult. Ein offizielles Verfahren – wie in der katholischen Kirche – gibt es nicht. Der Glaube an Wundertäter und Fürsprecher gehört eher zur Volksfrömmigkeit, gerade das macht Heilige für Islamisten verdächtig.

Von Hüseyin Topel | Deutschlandfunk

Ein Imam in Istanbul spricht vor einem Mausoleum ein Bittgebet. Eine Menschenmenge aus Moschee-Gemeinde und reisenden Muslimen versammelt sich hinter dem Imam, um daran teilzunehmen. Sie heben die Hände und sprechen „Amin“, so wie Christen ihr Gebet mit Amen schließen. Auf diese Weise wenden sich Muslime traditionell an Gott und äußern ihre Wünsche, beichten ihre Sünden und bitten um Vergebung.

Im Istanbuler Stadtteil Eyüp soll Eyub al Ansari, ein Weggefährte Mohammeds, des Begründers der islamischen Religion, beigesetzt worden sein. Nach der Legende hat der osmanische Sultan Mehmed, kurz nach der Eroberung von Konstantinopel, die Begräbnisstätte ausfindig gemacht.

Deshalb errichtete man dort nach der Eroberung der Stadt ein Mausoleum und gleich daneben die nach Eyub al Ansari benannte Eyüp Sultan Moschee. Den Beinamen Sultan gab man al Ansari als Ehrentitel. Er wurde von nun an als Heiliger verehrt und der Ort wurde zu einem spirituellen Zentrum, das seit Jahrhunderten viele Gläubige anzieht.

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Ist Religion Kitt oder Keil?

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Muslime, Katholiken, Juden und Atheisten: Sie alle diskutierten mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière über Religion. Genauer gesagt: Darüber, ob die Religion die Gesellschaft zusammenhalte oder spalte. Und über das Verhältnis vom Islam zum Grundgesetz.

Von Markus Kremser | katholisch.de

„Die Zuneigung zu Kirchen hat abgenommen, die Abneigung gegen Islam oder Kirchen hat zugenommen. Woher kommt diese Angst?“, fragt Bundesinnenminister Thomas de Maizière zum Auftakt des Werkstattgespräches in Leipzig. Unter dem Titel „Wie hältst Du’s mit der Religion? Glauben als Kitt oder Keil unserer Gesellschaft?“ diskutierten am Freitag 150 Menschen mit dem Politiker und Religionsvertretern. De Maizière betonte, dass Leipzig eine große und christliche Tradition habe. Auch wenn in Leipzig 82 Prozent der Einwohner konfessionslos seien, wie in vielen anderen Gegenden Ostdeutschlands, habe Religion eine Bedeutung.

Die katholische Theologin Dagmar Mensink sagte bei dem Bürgerdialog, Religion gebe meinem Leben einen Rahmen. „Antwort auf die Frage nach dem Wohin und Woher“, so das Mitglied des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken. Dabei sei ihr Verhältnis zur Kirche mitunter auch spannungsvoll. „Mein Glaube gibt mir Sicherheit, dass nicht vergeblich ist, was ich tue.“ Die Berliner Rabbinerin Gesa S. Ederberg sprach auch das Handeln an: Für sie sei das „Tun wichtiger als der Glaube“. Dazu gehörten für sie jüdische Rituale wie koscheres Essen, Einhaltung von Regeln und Gebete. „Das findet alles auf deutsch und in Berlin statt“, sagte Ederberg. Sie sei zuerst Jüdin, „alle anderen Identitäten kommen hintenan“.

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Islam und Christentum“Postchristliche Erscheinung“

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer auf der Auftaktkundgebung des
Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer auf der Auftaktkundgebung des „Marsch für das Leben“ im September 2016. (imago stock&people)
Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg, erhebt die Stimme im Namen besorgter Christen. Er bezweifelt, dass der Islam integrierbar ist. Manches klingt wie aus dem AfD-Programm, doch zu Parteien geht der Dogmatiker auf Distanz.

Von Michael Watzke | Deutschlandfunk

Es war kalt im Regensburger Dom, als Bischof Rudolf Voderholzer neulich in die Predigtkanzel stieg. Den Gottesdienst-Besuchern gefror der Atem, als der Regensburger Oberhirte über den Islam sprach:

„Der Islam nun freilich – so viel Realismus müssen wir aufbringen – ist nicht einfach irgendeine Kultur, sondern eine post-christliche Erscheinung, die mit dem Anspruch auftritt, die Kerngehalte des Christentums zu negieren.“

Postchristlich? Viele der Besucher runzelten die Stirn. Was wollte der Dogmatiker Voderholzer denn damit sagen? Ist der Islam so post-christlich wie das Protestantentum post-katholisch ist? Oder das Christentum post-jüdisch? Mitnichten, so der Bischof. Postchristlich sei der Islam, weil er das Christentum korrigieren wolle und deshalb im Gegensatz zu den Kerngehalten des Christentums stehe, nämlich …

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Mahatma Gandhi: Der gewaltfreie Dschihadist

Gandhi sitzt in einer undatierten Aufnahme bei Muslimen in Neu-Delhi und versucht, die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Hindus zu schlichten. (picture-alliance / dpa)
Gandhi sitzt in einer undatierten Aufnahme bei Muslimen in Neu-Delhi und versucht, die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Hindus zu schlichten. (picture-alliance / dpa)
Sein Kampf gegen Gewalt machte ihn zum hinduistischen Helden. Was wenig bekannt ist: Gandhi setzte sich intensiv mit dem Koran auseinander, er bewunderte Mohammed und glaubte an das Verbindende beider Religionen. Die Konflikte zwischen dem hinduistischen Indien und dem muslimischen Pakistan ließen Gandhis Träume brutal platzen. Was nützt seine Botschaft heute?

Von Thomas Klatt | Deutschlandfunk

„Ich glaube fest daran, dass alle großen Religionen der Welt Wahrheit enthalten. Es wird keinen dauerhaften Frieden auf der Welt geben, solange wir nicht lernen, nicht nur anderen Glauben zu tolerieren, sondern als unseren eigenen zu respektieren“, sagt die Historikerin Gita Dharampal-Frick vom Südostasien Institut der Universität Heidelberg. Sie zitiert aus den Schriften Mahatma Gandhis. Schon in seiner Kindheit im westindische Gujarat erlebte Gandhi den mütterlichen Pranami-Glauben als eine volkstümliche Durchmischung von Hinduismus und Islam. So las der Hindu-Priester sowohl aus dem Koran als auch aus der Bagavadgita.

Dharampal-Frick erklärt:  „Auf Grund dieser grundlegenden Erfahrung betonte Gandhis hindu-muslimische Religiosität die gemeinsame innere Bedeutung der Religion, die sich in der Stärke von individueller Verehrung äußert und weniger von der formellen Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion abhängt. Orthopraxis statt Orthodoxie war es, was Gandhi wichtig war. Es war diese interreligiöse Volksfrömmigkeit, die vom Singen von Hymnen, dem Verwenden von Symbolen beiden Religionen bestimmt war, die die religiöse Dichtung Indiens darstellte. Daher wurde das Singen von Hymnen auch als tägliche Praxis in Gandhis Gebetstreffen aufgenommen, später in Südafrika und in Indien.“

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Rechtsextreme Szene wird militanter

 Demonstranten mit Reichskriegsflagge, einem häufig von Rechtsextremen genutzten Symbol. (Foto: dpa)
Demonstranten mit Reichskriegsflagge, einem häufig von Rechtsextremen genutzten Symbol. (Foto: dpa)
Die Gewaltbereitschaft steigt einem Medienbericht zufolge nicht nur in Neonazi-Kreisen. Das rechtsextreme Spektrum werde insgesamt unübersichtlicher.

Süddeutsche.de

Die rechtsextreme Szene in Deutschland wächst und wird einem Medienbericht zufolge militanter. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der gewaltorientierten Rechtsextremisten um 300 Personen auf 12 100 gestiegen, berichtet der Tagesspiegel unter Berufung auf Sicherheitskreise. Insgesamt werden dem rechtsextremen Spektrum demnach mehr als 23 000 Personen zugerechnet, 500 mehr als im Vorjahr.

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Ist die Aufklärung vom Himmel gefallen?

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Will der säkulare Staat den Islam integrieren, muss er sich auf seine christliche Herkunft besinnen

Von Martin Rhonheimer | Neue Zürcher Zeitung

Als vor einiger Zeit CVP-Präsident Gerhard Pfister im Interview mit dieser Zeitung den säkularen Rechtsstaat als «christliches Verdienst» bezeichnete, konterte SP-Chef Christian Levrat: «Ich finde es erschreckend, dass es in der Schweiz politische Kräfte gibt, die sich auf eine Religion berufen müssen, um die Werte unserer Gesellschaft zu rechtfertigen.» Denn diese Werte, so Levrat, stammten aus der Aufklärung. Die Aufklärung aber, ist sie plötzlich vom Himmel gefallen? In voraussetzungslosem Raum entstanden?

Allgemeine Rechtsgrundsätze

Ihr Kennzeichen war die Forderung, den eigenen Verstand zu gebrauchen, Autoritäten, auch die der christlichen Offenbarung, zu hinterfragen. Die Aufklärung wurzelte in dem Bewusstsein, dass es Rechtsgrundsätze gibt, die unabhängig vom Willen der Mächtigen und der religiösen Autoritäten gelten und der menschlichen Vernunft zugänglich sind. Ihre institutionelle Voraussetzung waren eine Diskussionskultur als Trainingsfeld dieser Vernunft sowie der akademische Freiraum der Universität, ihr liberaler Impuls die Forderung nach einer definitiven Scheidung von Politik und Religion.

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