Mohammed in der Hölle

Seit Jahrhunderten nehmen Millionen muslimische Pilger ein Mal im Jahr einen weiten Weg auf sich, um an der Al-Haram-Moschee in Mekka, Saudi-Arabien zu beten. © FAYEZ NURELDINE/AFP/Getty Images
Im Mittelalter gilt der Islam als größte Bedrohung des Abendlandes. Ein Feindbild, das nicht vergehen will.

Von Gerhard Schweizer | ZEIT ONLINE

Ein Teufel spaltet den Körper des Propheten mit dem Schwert vom Kopf bis zum Bauch, sodass die Eingeweide herausquellen. Aber Mohammed stirbt nicht. Die grässliche Wunde scheint zu verheilen, wird jedoch von der Waffe des Teufels immer wieder aufgerissen. Die Spaltung seines Körpers, so gibt Mohammed klagend zu erkennen, sei die Höllenstrafe für diejenigen, die wie er versucht hätten, durch eine falsche, ketzerische Lehre die Menschen vom rechten Glauben abzubringen und sie zu Kriegen im Namen der Religion anzustiften. Nun büße er durch ewige Zerfleischung.

Solch drastische Bilder waren den Christen des abendländischen Mittelalters selbstverständlich, wenn es um die Auseinandersetzung mit dem Islam ging. Und die Szene entstammt nicht etwa einem der vulgären Traktate der damaligen Zeit: Sie findet sich in Dantes Göttlicher Komödie, einer der größten Dichtungen des Mittelalters. Selbst der universale Denker Dante Alighieri hatte sich Anfang des 14. Jahrhunderts nicht von den Vorurteilen seiner Zeit gegen den Islam lösen können. Er stimmte mit den dogmatischen Vorgaben der Kirche überein, nach denen Mohammed mit jenem „falschen Propheten“ gleichzusetzen sei, der in der Offenbarung des Johannes als der große Gegenspieler Gottes angekündigt wird.

Mohammed, der Antagonist Gottes – ein solches theologisch fundiertes Feindbild ist typisch für die Spätantike, das Mittelalter und die Frühe Neuzeit. Es handelt sich um eine Denkkategorie, die uns seit der Aufklärung in einem weitgehend säkularisierten Europa kaum mehr nachvollziehbar ist. Wo hat sie ihren Ursprung?

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Der Atheismus gehört auch zu Deutschland

Die atheistische Bedrohung

„Der Atheismus gehört auch zu Deutschland“. Wie kommt man auf die Idee, einen derartigen Satz in die Welt zu setzen? Zwar weiß niemand genau, wie viele Menschen in Deutschland leben, die nicht an Gott glauben (Atheisten und Agnostiker). Aber mehr als Muslime sind es auf jeden Fall. Und der Islam gehört doch – jedenfalls laut Wolfgang Schäuble, Christian Wulff und Angela Merkel (und deren Trabanten) – auch zu Deutschland. Trotzdem habe ich den Satz bezüglich des Atheismus noch nie gehört oder gelesen. Das veranlasst mich zu der Frage, was es eigentlich bedeutet, dass dieses oder jenes „zu Deutschland gehört“?

Von Rainer Grell | Achgut.com

Sir Christopher Clark, der sympathische australische Professor, der perfekt Deutsch spricht und in Cambridge (UK) neuere europäische Geschichte lehrt, hat kürzlich in einem „Welt“- Interview gesagt: „Selbstverständlich gehört der Islam zu Europa! … Es ist eine unwiderlegbare historische Tatsache, dass der Islam Teil der europäischen Geschichte ist. … Man sieht es in der wunderschönen Hauptstadt Sarajewo mit ihren Hunderten Moscheen und Minaretten, dass der Islam bis heute zu Europa gehört.“

Ja, klar. In diesem Sinne gehören Hitler, Himmler, Goebbels und all die anderen Naziverbrecher auch zu Deutschland, denn sie haben die deutsche und europäische Geschichte bis heute geprägt, wie ein Blick auf die politische Landkarte zeigt. Ich zum Beispiel bin in Rummelsburg, einer Kreisstadt in Pommern geboren, die heute Miastko heißt und Sitz einer gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde im Powiat (Landkreis) Bytowski in der polnischen Woiwodschaft Pomorskie (einer der 16 obersten Verwaltungsbezirke) ist. Aufgewachsen bin ich im Dorf Treblin, der heutigen Landgemeinde Trzebielino.

In diesem Sinne gehört vieles zu Deutschland und Europa, ganz so wie Shakespeare es Hamlet formulieren lässt: “There are more things in heaven and earth, Horatio, than are dreamt of in your philosophy.“ (In der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel: „Es gibt mehr Ding im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.“) Die Frage ist nur, was damit ausgesagt werden soll.

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Dodo Mazyek rät zur Wahl von AfD-Politiker Glaser zum Bundestagsvize

Aiman Mazyek (Bild: Wikimedia Commons/Jakub Szypulka)
Dreimal fiel Albrecht Glaser bei der Wahl zum Bundestagsvize durch. Die Mehrheit der Abgeordneten kritisiert die Haltung des AfD-Kandidaten zum Islam. Aus Sicht des Zentralrats der Muslime sollte er das Amt bekommen.

DIE WELT

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) rät dazu, den umstrittenen AfD-Kandidaten Albrecht Glaser zum Bundestagsvizepräsidenten zu wählen. „Ich habe zwar vollsten Respekt für die Abgeordneten, die bei der Abstimmung über den AfD-Kandidaten mit Nein gestimmt haben, und ich verstehe auch ihre Beweggründe“, sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek. Man dürfe der AfD aber „nicht diese Opferrolle“ zugestehen.

Aus seiner Sicht wäre es daher besser, den Kandidaten der AfD als einen von sechs Stellvertretern von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) zu akzeptieren. Mazyek sagte: „Dann müssen wir eben damit klarkommen, dass wir einen Islamhasser und Rassisten als Bundestagsvizepräsidenten haben – das ist Deutschland 2017, das ist traurig, aber wahr.“

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Keine Religion muss mit dem Grundgesetz vereinbar sein

Muss der Islam mit dem Grundgesetz vereinbar sein, wie die AfD es fordert? Die Frage ist müßig, denn das Grundgesetz verlangt nichts dergleichen. Auch nicht von Christen.

Von Dieter Grimm | Qantara.de

Das Grundgesetz gewährleistet Religionsfreiheit, und zwar für jedwede Religion. Religionsfreiheit heißt nicht nur, dass der Einzelne selbst darüber bestimmen kann, ob er sich zu einer Religion bekennt und, wenn ja, zu welcher. Es heißt auch, dass die Glaubensgemeinschaft den Inhalt ihres Bekenntnisses und die daraus folgenden Verhaltensanforderungen an die Gläubigen selbst bestimmt.

Unter dem Grundgesetz hat der Staat nicht das Recht, einer Religionsgemeinschaft vorzuschreiben, was sie glauben darf und was nicht. Einer Religionsgemeinschaft ist es auch unbenommen, ihre Glaubensüberzeugung als die einzig wahre, jede andere dagegen als irrig zu betrachten. Sie kann sich sogar für religiös verpflichtet halten, den Irrtum zu bekämpfen.

Wahrheitsfindung ohne den Staat

Wenn die Glaubensinhalte einer Religion mit dem Grundgesetz vereinbar sein müssten, hätte es auch das Christentum in Deutschland schwer. Wie viele andere Religionen beansprucht es für die gottgegebene Lehre allgemeine, nicht nur religionsinterne Gültigkeit. Dürften die christlichen Konfessionen ihren Anspruch, dem wahren Gott zu dienen, vor dem alle anderen Götter nur Götzen sind, nicht aufrechterhalten, müssten sie dem ersten Gebot abschwören.

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Religiöser Wahn

Atheismus reicht nicht, um das Wüten der Gewalt im Namen eines Glaubens, sei es der Islam oder der Buddhismus, zu beenden. Die Heilung muss aus den Religionen selbst kommen

Von Hannes Stein | DIE WELT

Buddhisten sind – nicht wahr? – sanfte Menschen, die keiner Fliege etwas zuleide tun würden. Schließlich steht in ihren heiligen Schriften, dass auch Tiere Anteil an der „Buddha-Natur“ haben; außerdem kann es sich bei jeder Mücke und jedem Elefanten um die Wiedergeburt eines verstorbenen Verwandten handeln. „Rechtes Handeln“ bedeutet im Buddhismus also unter anderem, dass man nicht tötet. Wie kann es dann sein, dass zwei der großen Massenverbrechen des noch jungen 21. Jahrhunderts ausgerechnet von Buddhisten begangen wurden?

In Sri Lanka massakrierte das Militär im Jahre 2009 Tausende Tamilen, um eine Guerillabewegung zu besiegen; manche Quellen sprechen von 40.000 toten Zivilisten. Unter den Toten befanden sich viele Kinder. Frauen und Mädchen wurden von den Soldaten vergewaltigt und erschossen. (Die Welt nahm seinerzeit kaum Notiz von diesem Verbrechen. Sie war wieder einmal damit beschäftigt, sich über eine israelische Militäroperation aufzuregen.)

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Giftige Blüten einer zerfallenden Religion

Eine Religion des Friedens? In ihren Büchern versuchen die Autoren, Beweggründe der Radikalisierung im Namen des Islams zu analysieren. ©AFP
Warum radikalisieren sich junge Muslime? Olivier Roy und Fethi Benslama entwickeln ihre Ansichten über die Ursprünge islamistischen Terrors.

Von Susanne Schröter | Frankfurter Allgemeine

Der Umstand, dass junge Muslime es für die Erfüllung ihres Lebens halten, Menschen, die sie nicht kennen und die ihnen kein Leid angetan haben, mit einem Auto zu überfahren, mit Äxten zu zerhacken oder mit Sprengstoff in Stücke zu reißen, ist erklärungsbedürftig. Insbesondere wenn es sich um Jugendliche handelt, die in Europa geboren und aufgewachsen sind und keine traumatisierenden Kriegserfahrungen besitzen.

Beunruhigend ist, dass die Angriffe auf Fahrgäste öffentlicher Verkehrsmittel, auf Passanten in Fußgängerzonen, auf Besucher von Musikveranstaltungen, auf Kunden von Supermärkten und in Finnland auch auf eine einen Kinderwagen schiebende Mutter explizit im Namen des Islamsdurchgeführt wurden. Dass die Täter ihren eigenen Tod nicht nur in Kauf nehmen, sondern geradezu anstreben, verstört zusätzlich. Warum radikalisieren sich junge Muslime in der beschriebenen Form? Was treibt sie um, und was wollen sie? Die Wissenschaft hat bislang drei Erklärungsansätze vorgelegt, die nicht unbedingt kompatibel sind. Der erste behauptet, der Islam habe ein intrinsisches Gewaltproblem und müsse sich grundlegend reformieren, um potentiellen Attentätern die Legitimationsgrundlage zu nehmen. Der zweite unterscheidet zwischen Islam und Islamismus, wobei Letzterer als radikale Sonderform einer im Normalfall friedlichen Religion definiert wird. Der dritte versucht, Gründe jenseits der Religion zu identifizieren, und behauptet, der Islam werde von Extremisten lediglich als wohlfeile Maske missbraucht, hinter der sich ganz andere Motive verbergen.

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Religion ist nicht das Leben selbst

Das moderne Christentum hat den Kampfmodus im Religiösen aufgegeben. Der Islam aber will eine umfassende Anleitung zur Lebensführung mit Anspruch auf unbedingte Wahrheit sein. Ein unlösbarer Konflikt.

Von Konrad Adam | Neue Zürcher Zeitung

Seit mehr als zweihundert Jahren gehört die Glaubens- und Gewissensfreiheit zum ehernen Bestand der europäischen Verfassungstexte. Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die im August des Jahres 1789 von der französischen Konstituante verabschiedet wurde, sagt nicht nur den Franzosen, sondern allen Menschen das Recht zu, ihre religiösen Ansichten offen zu bekennen, solange sie damit nicht gegen die gesetzlich festgelegte Ordnung verstossen. Alle europäischen Verfassungen stehen in dieser Tradition. Religion ist Gewissenssache, und weil das Gewissen den Kern der Persönlichkeit ausmacht, geniesst die Glaubens- und Gewissensfreiheit höchsten Schutz. Wenn unklar wird, wie weit dieser Schutz reicht, wem er zusteht (und vor allem: wem nicht), gerät nicht nur der Glaube, sondern auch die Verfassung ins Rutschen.

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„Der Islam ist nicht nur friedlich“

Foto: René Garzke

Der Potsdamer Religionsforscher Hans-Michael Haußig spricht im PNN-Interview über das Verhältnis von Islam und Demokratie. Und erklärt, weshalb es in der Debatte oft zu Missverständnissen kommt.

Von René Garzke | Potsdamer Neueste Nachrichten

Herr Haußig, am heutigen Montag endet in der Wissenschaftsetage eine Tagung zum Thema „Islam und Demokratie“. Ist der Islam eine kriegerische Religion?

Für viele mag es im Moment so aussehen. Grundsätzlich würde ich aber sagen, dass der Islam nicht kriegerischer ist als andere Religionen. Das Christentum war etwa zu Zeiten der Kreuzzüge kriegerischer als der Islam. Und selbst „friedfertige“ Religionen wie der Buddhismus führen Krieg – etwa in Birma gegen die muslimischen Rohingya.

Ist es dann Zufall, dass sich in der ganzen Welt Terroristen auf den Koran berufen?

Es ist falsch, zu sagen, dass der Islam mit Gewalt gar nichts zu tun hat und nur eine friedliche Religion ist. Genauso ist der Islam aber auch nicht nur gewalttätig. Entscheidend ist, wie Muslime den Islam auslegen. „Den“ Islam gibt es nicht, sondern nur verschiedene Interpretationen des Islams. Aber natürlich sucht sich der Islamische Staat Verse aus dem Koran raus, die Gewalt zu legitimieren scheinen.

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Die Regressive Linke und die Vogel-Strauß-Taktik

Wie die Regressive Linke Realitätsverweigerung betreibt und inhaltlichen Diskussionen ausweicht, besonders im Hinblick auf den Islam und die Gefahren des Terrorismus.

Von Gad Saad | Richard-Dawkins-Foundation

 

Gad Saad stammt ursprünglich aus dem Libanon und flüchtete 1975 mit seiner Familie vor dem Bürgerkrieg nach Kanada. Er ist ein kanadischer Wissenschaftler, der sich mit evolutionärer Verhaltens- und Konsumforschung beschäftigt. Er arbeitet an der Concordia University in Montreal und ist Inhaber des Lehrstuhls für „Evolutionary Behavioral Sciences and Darwinian Consumption“.

Das RDF Interview mit ihm hier.

Dirty Campaigning: „Kein Wunder, dass in Österreich langsam alle irre werden“

SPÖ-Kanzler Christian Kern und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf Wahlplakaten. (Foto: REUTERS)
Die Schmutzkampagne der SPÖ zeigt die Verrohung der politischen Kultur in Österreich. Den Weg dafür geebnet haben aber die Rechtspopulisten, erklärt Politologe Hubert Sickinger.

Von Leila Al-Serori | Süddeutsche.de

Sebastian Kurz mit Pinocchio-Nase oder als Baby, dazwischen rassistische und antisemitische Postings. Zwei diffamierende Facebook-Seiten über den Kanzlerkandidaten der ÖVP stehen im Fokus des bisher größten Skandals im österreichischen Wahlkampf. Die Schmutzkampagne wurde aus den Reihen der Sozialdemokraten betrieben. Offenbar ohne Wissen der Parteiführung.

Seither überschlägt sich die Presse mit neuen Berichten, jeden Tag ein neuer Leak, ein neuer Aufreger. Die politische Kultur im Land hat einen Maximalschaden erlitten.

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Viele Länder behandeln bestimmte Religionen bevorzugt

Laut einer neuen Untersuchung des US-amerikanischen Pew Research Center favorisieren viele Länder weltweit jeweils eine bestimmte Religion – offiziell oder inoffiziell. Die am weitesten verbreitete Staatsreligion ist der Islam. Allerdings werden auch dem Christentum in vielen Ländern Privilegien eingeräumt.

Pew Research Center/Daniela Wakonigg | hpd.de

199 Länder weltweit wurden vom Pew Research Center untersucht. In 43 dieser Länder gibt es eine offizielle Staatreligion – am häufigsten ist es der Islam. Er ist in 27 Ländern offizielle Staatsreligion, gefolgt vom Christentum oder speziellen christlichen Konfessionen, die in 13 Ländern offizielle Staatsreligion sind.

Darüber hinaus gibt es jedoch 40 Staaten weltweit, die inoffiziell eine bestimmte Religion bevorzugen. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um eine Form des Christentums. Christliche Kirchen werden in insgesamt 28 Ländern bevorzugt behandelt – und damit häufiger als jede andere inoffiziell bevorzugte Religion.

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Wahlprogramme: ISLAM, KIRCHENSTEUER, BLASPHEMIE-VERBOT

Moscheekuppel bei Sonnenuntergang (Symbolfoto) © saaleha @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Der Streit um den Islam hat Religion wieder zurück in die öffentliche Debatte gebracht. Vor der Bundestagswahl kommen auch die Parteien nicht an einer Positionierung vorbei. Alle relevanten Parteien widmen dem Thema einen Teil ihres Wahlprogramms.

Von Corinna Buschow | MiGAZIN

„Verfassungswidrig“ nannte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) kürzlich Teile des AfD-Programms – darunter den Teil, der Teile muslimisch-religiöser Praxis wie Minarette und den Ruf des Muezzins verbieten will. Die Debatte um den Islam hat die Auseinandersetzung um Rechte von Religionsgemeinschaften wieder mitten in die öffentliche Debatte gebracht. Selbst im TV-Duell von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Herausforderer Martin Schulz nahm das Thema bereits innerhalb der ersten 30 Minuten Raum ein. Ein Unterschied zu früheren Zeiten, in denen Religion immer weniger Einflussnahme auf das gesellschaftliche Miteinander zugetraut wurde.

Auf dem Papier bekennen sich alle für den Einzug in den Bundestag relevanten Parteien zum Grundrecht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit. In den konkreten Forderungen gibt es aber deutliche Unterschiede zwischen CDU, CSU, SPD, Grünen, Linken und FDP – und ohnehin mit der AfD, die auch den islamischen Religionsunterricht verbieten und die Lehrstühle für islamische Theologie wieder abschaffen will. Bei den Rechten der christlichen Kirchen geht die rechtspopulistische Partei indes nicht ins Detail.

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Erdogan bittet Bürgermeister: Baut mir keine Statuen mehr!

Beispiel für eine Erdoganstatue – Sol
Die vielerorts auftauchenden Figuren zu Ehren des Präsidenten seien „gegen unsere Werte“, sagt Erdogan. Nach konservativer Lesart des Islam ist die (plastische) Abbildung von Menschen außerdem nicht erlaubt.

Die Presse.com

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan (63) hat die Bürgermeister seines Landes darum gebeten, keine Statuen von ihm mehr errichten zu lassen. „Ich will weder, dass eine Statue von mir aufgestellt wird, noch dass Masken angefertigt oder sonstige Abbildungen dieser Art gemacht werden“, sagte er am Mittwoch vor Bürgermeistern in Ankara.

„Unsere Gemeinden sollen solche Fehler von nun an bitte nicht mehr begehen.“ Er fügte hinzu: „Vor allem ist das gegen unsere Werte.“

Erdogan hatte seine AKP kürzlich zur Bescheidenheit aufgerufen. Nach konservativen Lesarten des Islam ist zudem die plastische Abbildung von Menschen nicht erlaubt, Abbildungen durch Foto und Film wurden im Lauf der Zeiten nicht selten durch religiöse Gutachten erlaubt.

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Vom Bordell zur Frauenbadi – die Ängste der Wüstenreligionen

Ein Mann lehrt eine Frau Schwimmen: Gravierte Postkarte Foto: Archive Photos, Getty Images
Schwimmen ist nicht nur ein Sport. Es ist nicht nur ein Freizeitspass und nicht nur eine Überlebenstechnik. Das spüren wir, wenn wieder mal ein Fundamentalist seiner Tochter den Schwimmunterricht verbieten will. Der Sprung ins Wasser wirkt da offenbar moralisch zweifelhaft und kulturell getränkt.

Von Ralph Pöhner | Tages Anzeiger Blogs

Aber auch unsere lockere «Pack die Badehose ein»-Einstellung ist, historisch gesehen, eine sehr junge Sache. Dies können wir jetzt in einem neuen Buch über die Weltgeschichte des Schwimmens nachverfolgen, verfasst von Eric Chaline. Der englische Kulturhistoriker bemerkt dabei eine eigenartige Spannung: Der Mensch wird enorm stark angezogen vom Wasser, er springt fast natürlich hinein; kein anderes Landtier neigt so stark zum Schwumm, wenige sind sogar körperlich so gut angepasst dafür. Doch gleichzeitig hat sich der Mensch immer wieder vom Wasser abgewendet, hat es gefürchtet, verflucht und verteufelt.

Die Ängste der Wüstenreligionen

Sein Verhältnis zum Schwimmen spiegelt sein Verhältnis zum Körper. Die alten Griechen und Römer lebten zum Meer hin, sie bauten ihre Reiche über das Wasser, sie entwickelten auch eine prachtvolle Bade- und Thermenkultur. Und gleichzeitig stellten die antiken Mittelmeerreiche ganz selbstverständlich nackte Menschen aus, auf ihren Vasen, Mosaiken oder Statuen, ob Mann oder Frau.

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Katholiken kämpfen gegen Kirchenabriss

Bild: brightsblog
Eigentlich hatte die Stadt einer Renovierung zugestimmt. Jetzt soll die 100 Jahre alte Kirche im chinesischen Wangcun der Abrissbirne zum Opfer fallen. Doch die Gläubigen lassen sich das nicht gefallen.

katholisch.de

Hunderte Katholiken haben am Dienstag im chinesischen Wangcun versucht, den von der Kommunistischen Partei und Behörden angeordneten Abriss ihrer Kirche zu verhindern. Wie Videoaufnahmen zeigen, versammelten sich Priester und Gläubige auf dem Kirchengelände und vor der Umgebungsmauer. Sie riefen „Jesus, rette mich“ und „Maria, sei uns gnädig“, während sie sich der Arbeit des Bulldozers und der Polizei entgegenstellten. Die 100 Jahre alte Kirche, die zur Diözese Changzhi gehört, sollte ursprünglich renoviert werden, wie die Nachrichtenagentur „AsiaNews“ berichtet. Die von den Behörden genehmigten Arbeiten haben demnach vor einigen Monaten begonnen, unter beträchtlichen Kosten für die Gläubigen. Kürzlich habe man aus „stadtplanerischen Gründen“ jedoch den Abriss beschlossen.

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Mehrheit der Deutschen empfindet Islam nicht als Teil Deutschlands

Moscheekuppel bei Sonnenuntergang (Symbolfoto) © saaleha @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Gehört der Islam zu Deutschland? Diese Frage beantwortet nur jeder vierte Deutsche mit einem „Ja“. 60 Prozent sind anderer Meinung. Die größte Ablehung findet sich unter AfD-Wählern, die größte Zustimmung bei Grünen-Wählern.

MiGAZIN

Nur rund ein Viertel der Deutschen ist der Meinung, dass der Islam zu Deutschland gehört. Bei einer repräsentativen Insa-Umfrage im Auftrag der Bild-Zeitung teilten 24 Prozent diese Aussage. 60 Prozent waren dagegen nicht der Meinung, dass der Islam ein Teil von Deutschland ist.

Am stärksten ist der Rückhalt für die Aussage, dass der Islam zu Deutschland gehört, bei Wählern der Grünen (42 Prozent dafür, 46 Prozent dagegen). Von den SPD-Wählern sind 31 Prozent dieser Meinung (59 Prozent dagegen). Der Anteil der Wähler von CDU/CSU, die finden, dass der Islam zu Deutschland gehört, liegt mit 29 Prozent ungefähr so hoch wie bei den SPD-Wählern, auch die Ablehnung ist hier in etwa ebenso groß.

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RELIGIÖSER VERKLAGT STADT, WEIL ER AUF MOTORRAD TURBAN STATT HELM TRAGEN WILL

Ein Sikh klagt jetzt gegen die Stadt Konstanz. (Symbolbild)
Weil er beim Motorradfahren statt eines Helms seinen Turban tragen will, klagt ein Anhänger der Sikh-Religion vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim gegen die Stadt Konstanz.

TAG24

Der Fall werde am kommenden Dienstag (29. August) verhandelt, sagte eine Sprecherin des Gerichts. Demnach beantragt der Kläger aus religiösen Gründen eine Ausnahme von der Helmpflicht.

Der Streit zwischen dem Sikh und der Kommune schwelt schon länger: Der Mann war im Jahr 2005 der Religion der Sikhs beigetreten. Weil ihm diese vorschreibe, immer einen Turban zu tragen, hatte er 2013 bei der Stadt beantragt, keinen Helm nutzen zu müssen. Konstanz lehnte das jedoch ab.

2015 beschäftigte sich bereits das Verwaltungsgericht Freiburg mit dem Fall – die Richter gaben in ihrem Urteil der Stadt recht: Die Ablehnung des Antrags verletze nicht das Grundrecht auf Religionsfreiheit, entschieden sie.

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Erzapostel Schönborn: «Ich möchte eine christliche Türkei»

Christen gegen Muslime: Historisches Gemälde zur Schlacht am Kahlenberg im September 1683, als die Osmanen Wien belagerten. Bild: akg-images
Christentum und Islam seien beides missionarische Religionen, sagt der Wiener Kardinal Christoph Schönborn. Beide kämpften um weltweiten Einfluss.

Interview Michael Meier | Der Bund

Sie fragten neulich beim Gedenken an den Sieg gegen die Türken vor 333 Jahren in der Schlacht am Kahlenberg. «Wird es jetzt einen dritten Versuch einer islamischen Eroberung Europas geben? Viele Muslime denken und wünschen sich das und sagen: Dieses Europa ist am Ende.» Ist das Ihre Angst?
Meist wurde in den Medien nur dieser Satz zitiert, nicht aber der folgende: Ich verstehe, dass Muslime sich wünschen, dass Europa muslimisch wird. Ich wünsche mir ja auch, dass Nordafrika wieder christlich wird oder die heutige Türkei, das Kernland des Christentums. Das ist nicht verwerflich. Ich hatte vor Jahren an der Imam-Sadr-Universität in Teheran gesagt: Christentum und Islam sind beide missionarische Religionen. Wir Christen ­stehen unter dem Auftrag Jesu: Geht in alle Welt und macht die Völker zu meinen Jüngern.

Ist dieser Missionsauftrag auch heute gültig?
Er ist konstitutiv für das Christentum. Wir können nicht darauf verzichten, allen Menschen das Evangelium anzubieten. Aber auch der Islam hat einen universellen Anspruch, dass sich alle Menschen Gott unterwerfen, wie es der Koran als Offen­barung Gottes allen Menschen zugedacht hat. Beide Religionen haben diesen universalen und ­absoluten Anspruch. Die Frage ist, wie wir damit umgehen. Man kann sich so lange bekriegen, bis einer Sieger ist . . .

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Die Freiheit zur Blasphemie: Beleidigte religiöse Gefühle als Tatbestand?

© PICTURE-ALLIANCE Für den Propheten: Proteste in Islamabad gegen Karikaturen in „Charlie Hebdo“ im Januar 2015, zwei Wochen nach dem Anschlag auf die Pariser Redaktion
Bloß keine Sonderregeln für den Islam: Der Pariser Rechtshistoriker Jacques de Saint Victor warnt vor einer Restauration des Delikts Blasphemie.

Von Michael Pawlik | Frankfurter Allgemeine

Zu den beliebtesten Kampfmitteln heutiger Identitätspolitik gehört der Kunstgriff, Sachkritik dadurch zu diskreditieren, dass ihr rassistische Motive untergeschoben werden. So wird die Befürchtung, der Islam enthalte ein ungezähmtes und womöglich auch unzähmbares Gewaltpotential, gern zum Ausdruck einer rassistischen Gesinnung erklärt. Derartige Vorwürfe werden nicht nur von islamischen Funktionären erhoben, die sich wortreicher über das Leiden ihrer Glaubensgenossen im Westen als über das der Opfer islamistischer Anschläge auszulassen pflegen. Sie werden auch von hyperkritischen westlichen Intellektuellen nachgesprochen, die den Kapitalismus für die Wurzel allen Übels halten und nach dem Kollaps des Kommunismus in islamischen Vorstadtbewohnern ihr Ersatzproletariat gefunden haben.

Wie wirksam diese Strategie ist, hat sich zum ersten Mal in der Auseinandersetzung um die Mohammed-Karikaturen gezeigt. Zwar wird das angebliche „Recht auf Blasphemie“ erbittert verteidigt, solange seine Ausübung sich gegen das Christentum, namentlich in dessen katholischer Variante, richtet. Im Hinblick auf den Islam sollen hingegen ganz andere Maßstäbe gelten.

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Kann Feminismus islamisch sein?

Bild: Qantara.de
Der islamische Feminismus ist relativ neu und durchaus nicht unumstritten. Viele fragen sich, wie Feminismus mit dem Islam in Einklang zu bringen ist. Eine Religion, die Kritiker als inhärent patriarchalisch betrachten.

Von Salma Khattab | Qantara.de

Der Begriff „islamische Feministin“ dürfte für viele ein Widerspruch in sich sein. Doch als dieser Begriff in den 1990er Jahren von der iranischen Aktivistin Ziba Mir-Hosseini geprägt wurde, war dies der Schlachtruf, mit dem Frauen ihr Recht einforderten, an Universitäten arbeiten zu dürfen.

Privat versuchte Ziba Mir-Hosseini damals, die Scheidung von ihrem Mann gegen dessen Willen durchzusetzen. Nach ihrer Promotion an der Universität von Cambridge, wo sie islamisches Recht studierte, forschte sie in der islamischen Geschichte nach einer Begründung für das Recht auf Ehescheidung. In Ländern mit islamischem Rechtssystem ein extrem schwieriges Unterfangen.

Nach monatelangen Rechtsstreitigkeiten setzte sie schließlich die Scheidung von ihrem Mann durch. Anschließend kehrte sie nach Großbritannien zurück, wo sie das Studium des islamischen Familienrechts wieder aufnahm. Seither ist der Kampf gegen Rechtssysteme, die Konflikte zwischen religiösen Vorschriften und unserer modernen Lebenswirklichkeit befeuern, zu ihrem Lebensinhalt geworden.

Jahre später – nämlich 2009 – machte der islamische Feminismus auf einer Konferenz in Malaysia mit Teilnehmern aus 50 Ländern erneut von sich reden. Veranstalter war die sogenannte Musawah-Bewegung (Gleichheitsbewegung), die sich selbst als „globale Bewegung für Gleichheit und Gerechtigkeit in der muslimischen Familie“ bezeichnet.

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