Erzapostel Schönborn: «Ich möchte eine christliche Türkei»

Christen gegen Muslime: Historisches Gemälde zur Schlacht am Kahlenberg im September 1683, als die Osmanen Wien belagerten. Bild: akg-images
Christentum und Islam seien beides missionarische Religionen, sagt der Wiener Kardinal Christoph Schönborn. Beide kämpften um weltweiten Einfluss.

Interview Michael Meier | Der Bund

Sie fragten neulich beim Gedenken an den Sieg gegen die Türken vor 333 Jahren in der Schlacht am Kahlenberg. «Wird es jetzt einen dritten Versuch einer islamischen Eroberung Europas geben? Viele Muslime denken und wünschen sich das und sagen: Dieses Europa ist am Ende.» Ist das Ihre Angst?
Meist wurde in den Medien nur dieser Satz zitiert, nicht aber der folgende: Ich verstehe, dass Muslime sich wünschen, dass Europa muslimisch wird. Ich wünsche mir ja auch, dass Nordafrika wieder christlich wird oder die heutige Türkei, das Kernland des Christentums. Das ist nicht verwerflich. Ich hatte vor Jahren an der Imam-Sadr-Universität in Teheran gesagt: Christentum und Islam sind beide missionarische Religionen. Wir Christen ­stehen unter dem Auftrag Jesu: Geht in alle Welt und macht die Völker zu meinen Jüngern.

Ist dieser Missionsauftrag auch heute gültig?
Er ist konstitutiv für das Christentum. Wir können nicht darauf verzichten, allen Menschen das Evangelium anzubieten. Aber auch der Islam hat einen universellen Anspruch, dass sich alle Menschen Gott unterwerfen, wie es der Koran als Offen­barung Gottes allen Menschen zugedacht hat. Beide Religionen haben diesen universalen und ­absoluten Anspruch. Die Frage ist, wie wir damit umgehen. Man kann sich so lange bekriegen, bis einer Sieger ist . . .

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Die Freiheit zur Blasphemie: Beleidigte religiöse Gefühle als Tatbestand?

© PICTURE-ALLIANCE Für den Propheten: Proteste in Islamabad gegen Karikaturen in „Charlie Hebdo“ im Januar 2015, zwei Wochen nach dem Anschlag auf die Pariser Redaktion
Bloß keine Sonderregeln für den Islam: Der Pariser Rechtshistoriker Jacques de Saint Victor warnt vor einer Restauration des Delikts Blasphemie.

Von Michael Pawlik | Frankfurter Allgemeine

Zu den beliebtesten Kampfmitteln heutiger Identitätspolitik gehört der Kunstgriff, Sachkritik dadurch zu diskreditieren, dass ihr rassistische Motive untergeschoben werden. So wird die Befürchtung, der Islam enthalte ein ungezähmtes und womöglich auch unzähmbares Gewaltpotential, gern zum Ausdruck einer rassistischen Gesinnung erklärt. Derartige Vorwürfe werden nicht nur von islamischen Funktionären erhoben, die sich wortreicher über das Leiden ihrer Glaubensgenossen im Westen als über das der Opfer islamistischer Anschläge auszulassen pflegen. Sie werden auch von hyperkritischen westlichen Intellektuellen nachgesprochen, die den Kapitalismus für die Wurzel allen Übels halten und nach dem Kollaps des Kommunismus in islamischen Vorstadtbewohnern ihr Ersatzproletariat gefunden haben.

Wie wirksam diese Strategie ist, hat sich zum ersten Mal in der Auseinandersetzung um die Mohammed-Karikaturen gezeigt. Zwar wird das angebliche „Recht auf Blasphemie“ erbittert verteidigt, solange seine Ausübung sich gegen das Christentum, namentlich in dessen katholischer Variante, richtet. Im Hinblick auf den Islam sollen hingegen ganz andere Maßstäbe gelten.

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Kann Feminismus islamisch sein?

Bild: Qantara.de
Der islamische Feminismus ist relativ neu und durchaus nicht unumstritten. Viele fragen sich, wie Feminismus mit dem Islam in Einklang zu bringen ist. Eine Religion, die Kritiker als inhärent patriarchalisch betrachten.

Von Salma Khattab | Qantara.de

Der Begriff „islamische Feministin“ dürfte für viele ein Widerspruch in sich sein. Doch als dieser Begriff in den 1990er Jahren von der iranischen Aktivistin Ziba Mir-Hosseini geprägt wurde, war dies der Schlachtruf, mit dem Frauen ihr Recht einforderten, an Universitäten arbeiten zu dürfen.

Privat versuchte Ziba Mir-Hosseini damals, die Scheidung von ihrem Mann gegen dessen Willen durchzusetzen. Nach ihrer Promotion an der Universität von Cambridge, wo sie islamisches Recht studierte, forschte sie in der islamischen Geschichte nach einer Begründung für das Recht auf Ehescheidung. In Ländern mit islamischem Rechtssystem ein extrem schwieriges Unterfangen.

Nach monatelangen Rechtsstreitigkeiten setzte sie schließlich die Scheidung von ihrem Mann durch. Anschließend kehrte sie nach Großbritannien zurück, wo sie das Studium des islamischen Familienrechts wieder aufnahm. Seither ist der Kampf gegen Rechtssysteme, die Konflikte zwischen religiösen Vorschriften und unserer modernen Lebenswirklichkeit befeuern, zu ihrem Lebensinhalt geworden.

Jahre später – nämlich 2009 – machte der islamische Feminismus auf einer Konferenz in Malaysia mit Teilnehmern aus 50 Ländern erneut von sich reden. Veranstalter war die sogenannte Musawah-Bewegung (Gleichheitsbewegung), die sich selbst als „globale Bewegung für Gleichheit und Gerechtigkeit in der muslimischen Familie“ bezeichnet.

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„Der Islam ist plural“

Die Imamin Seyran Ates und Mitglieder der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin (picture alliance / dpa / Sören Stache)
Zeigen, dass Islam, Demokratie und Gleichberechtigung der Geschlechter sehr wohl miteinander vereinbar sind: Das will Seyran Ates mit der von ihr gegründeten liberalen Moscheegemeinde in Berlin. Dafür habe sie von Muslimen bisher vor allem Zuspruch erfahren.

Seyran Ates im Gespräch mit Christian Rabhansl | Deutschlandradio Kultur

In den Räumen einer evangelischen Kirchengemeinde in Berlin ist am Freitagabend die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee eröffnet worden.

Dass die Eröffnung unter Polizeischutz stattfand, ist der Gründerin der Moscheegemeinde, Seyran Ates zufolge, lediglich auf die allgemeine Bedrohungslage durch Islamisten zurückzuführen. Persönlich hingegen habe sie „mehrheitlich positive Rekationen“ erfahren, betonte sie im Deutschlandfunk Kultur.

So bekomme sie „unglaublich viele Zuschriften, auch von türkischen, kurdischen und arabischen Männern – auch Geschäftsmännern“, sagte die deutsch-türkische Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin. „Der eine spendiert uns die Schilder, die Flyer, der andere… den ganzen Tag bekommen wir Snacks und Getränke und Kaffee und Tee.“ Auch von Menschen, die zum Beten kommen wollten, gebe es viel Zuspruch.

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Diese Religion haben die Menschen heute – und diese 2060

Das Jahr 2060: 9,6 Milliarden Menschen werden dann schätzungsweise auf der Welt leben – 32 Prozent mehr als noch 2015. Fliegende Autos, Roboter, künstliche Intelligenz, immer höher werdenden Wolkenkratzer – all das ist dann vielleicht schon keine Zukunftsmusik mehr. Bei all der Unsicherheit ist eines ziemlich sicher: Vieles wird sich in den kommenden Jahrzehnten verändern. Auch die religiöse Landschaft weltweit.

Von Lena Ohm | evangelisch.de

Das Christentum ist weltweit die Religion mit den meisten Anhängern: im Jahr 2015 waren fast ein Drittel der Weltbevölkerung (31 Prozent) Christen. Die Muslime machten in dem Jahr fast ein Viertel (24 Prozent) der Weltbevölkerung aus und diejenigen, die sich keiner Religion zugehörig fühlten, hatten einen Anteil von 16 Prozent. Hindus (15 Prozent) und Buddhisten (7 Prozent) folgten auf den Plätzen vier und fünf.

Doch das wird sich ändern, prognostiziert das PEW Research Center, ein amerikanisches Meinungsforschungsinstitut, in seinem 2017 erschienenen „The Changing of the Global Landscape“ Report. So werden vorrausichtlich ab dem Jahr 2035 mehr muslimische als christliche Babys geboren werden – ein absolutes Novum. Das liegt dem PEW Research Center zufolge daran, dass die religiöse Gruppe der Muslime gleichzeitig die durchschnittlich jüngste und fruchtbarste Gläubigenschar umfasst. So kommt es, dass die Zahl der Muslime womöglich um 70 Prozent steigen wird, während die Zahl der Christen bei 34 Prozent nur knapp über dem allgemeinen, globalen Bevölkerungswachstum liegen könnte. Das liegt unter anderem an der Überalterung vieler westlicher, überwiegend christlich geprägter Gesellschaften: Christen haben einen überdurchschnittlichen hohen Anteil an der weltweiten Sterbestatistik (37 Prozent). In Deutschland starben zwischen 2010 und 2015 beispielsweise 1,4 Millionen mehr Christen als geboren wurden – eine Entwicklung, die sich so ähnlich in vielen anderen europäischen Ländern (24 von 42) derzeit und auch in Zukunft finden lassen wird.

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Falsch, Frau von Storch!

AfD-Vize Beatrix von Storch war nach dem Anschlag in London sehr schnell sicher: Der Islam ist schuld. Falsch! „Der“ Islam als Ganzes ist so wenig daran schuld, wie eben nicht jeder AfD-Wähler automatisch ein Nazi ist.

Von Torsten Krauel | DIE WELT

Wie ungerecht diejenigen urteilen, die auch nach London wieder sagen „Der Islam ist schuld“, merken solche Menschen, wenn man sie selber über einen Kamm schert. Wenn man also sagt „Alle AfD-Wähler sind Nazis“. Oder „AfD und NSU-Terror haben dieselbe Wurzel – das Deutsch-sein-Wollen“. Oder: „Der deutsche Nationalcharakter hat die Weltkriege verursacht“. Dann fahren solche Menschen, die eben noch alle Muslime für den Terror verantwortlich gemacht haben, wie von der Tarantel gestochen hoch. Zu Recht. Denn weder sind alle AfD-Wähler Nazis, noch haben sie etwas mit dem NSU-Terror zu tun, noch repräsentierte Hitler den deutschen Nationalcharakter.

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„Der politische Islam versteckt sich hinter den Kirchen“

Kontrovers und dennoch respektvoll: Hamed Abdel-Samad (links) und Stefan Ark Nitsche beim Streitgespräch. ©Günter Distler
Der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad und Nürnbergs Regionalbischof Stefan Ark Nitsche streiten über Religiosität in einem säkularen Staat.

nordbayern.de

Herr Abdel-Samad, ist der Islam tatsächlich nicht mehr zu retten, wie Sie im Titel Ihres neuesten Buches behaupten?

Hamed Abdel-Samad: Als System kann der Islam sich selbst nicht reformieren. Der Islam ist immun gegen Reformen, weil er sich mit mehreren Stacheldrahtzäunen umgeben hat. Zum Beispiel mit der Unantastbarkeit des Korans als das letzte, umfassende Wort Gottes. Und mit dem Propheten Mohammed als absolutes Vorbild — gesellschaftlich, moralisch und politisch. Wir können im 21. Jahrhundert aber nicht jemanden zum Vorbild haben, der mit 13 Frauen verheiratet war, der mehr als 80 Kriege geführt hat, der Kriegsgefangene enthaupten ließ und der Frauen als Kriegsbeute nahm. All das nennen wir heute Kriegsverbrechen. Im Christentum haben wir hingegen eine Kirche, die ein Lehramt und eine zentrale Theologie hat. Das haben wir im Islam nicht und deshalb halte ich den Islam als Institution für nicht reformierbar.

Herr Nitsche, Sie gehören einer Kirche an, die in diesem Jahr 500 Jahre Reformation feiert. Wünschen Sie dem Islam einen Martin Luther?

Stefan Ark Nitsche: Ich bin nicht ganz sicher, ob man den Weg, den wir als Christinnen und Christen gehen mussten, einfach auf den Islam übertragen kann. Das maße ich mir auch nicht an. Aber wenn ich Ihnen zuhöre, Herr Abdel-Samad, dann spüre ich die Ernsthaftigkeit der Auseinandersetzung mit der Situation, in der wir gerade leben. Und gleichzeitig tut es mir mit Blick auf einen Großteil der Muslime, die ich hier kennengelernt habe, sehr weh. Weil es bedeuten würde, dass der kulturelle und religiöse Wurzelgrund vieler Menschen, die hier in Deutschland gut mit uns leben, negiert und weggerissen wird.

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Katholischer Theologe: Islam macht beim Fasten klarere Vorschriften als Christentum

Die Hagia Sophia in Istanbul (dpa/ picture alliance / Cem Turkel )
Aus Sicht des katholischen Theologen Klaus von Stosch ist das Fasten im Islam durch klarere Vorgaben gekennzeichnet als im Christentum.

Dlf24

Anlässlich des Beginns des muslimischen Fastenmonats Ramadan sagte von Stosch im Deutschlandfunk, in beiden Religionen gebe es Parallelen. Im Christentum sei das Fasten aber inzwischen oft nur noch in einer entsakralisierten Form vorhanden. Außerdem sei vielen Christen nicht mehr klar, in welcher Form sie Verzicht leisten sollten. Heutzutage könne es einem sogar passieren, dass man in der Fastenzeit bei einem Bischof eingeladen sei und Wein angeboten bekomme. Im Islam gebe es dagegen die eindeutige Vorschrift, bis zum Sonnenuntergang nichts zu essen und zu trinken.

Von Stosch setzt sich intensiv mit dem Verhältnis von Christentum und Islam auseinander. Ihm gehe es darum, das Faszinierende an der anderen Religion zu sehen, ohne es sich zu eigen zu machen, betonte der Paderborner Fundamentaltheologe.

De Maizière: Kirchen überlassen Islam zu sehr dem Staat

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) fordert die Kirchen dazu auf, in der Öffentlichkeit mehr über den Islam zu diskutieren. Die Kirchen überließen den Islam zu sehr dem Staat, sagte er der Wochenzeitung „Die Zeit“: „Ich wünsche mir mehr kirchliche Wortmeldungen zu strittigen Fragen: was Christentum und Islam verbindet, wie ein aufgeklärter europäischer Islam aussehen soll und wo die Religionsfreiheit endet – auch die der Muslime.“

evangelisch.de

In der Debatte seien die Kirchen selbst kaum aktiv. Beim Deutschen Evangelischen Kirchentag, der am Mittwoch in Berlin beginnt, diskutiere er mit dem Großscheich der Kairoer Al-Azhar-Universität Ahmed al-Tayyeb: „Ich freue mich darauf. Aber wieso macht das eigentlich kein Theologe?“, erklärte de Maizière. Der Scheich ist Groß-Imam der Al-Azhar-Moschee und Rektor der gleichnamigen Universität. Er gilt als höchste Autorität des sunnitischen Islam.

Der Innenminister kritisierte auch den Umgang der Kirchen mit Abschiebungen. „Beim Asyl machen es sich die Kirchen zu leicht.“ Er vermisse bei einigen Kirchenvertretern die volle Akzeptanz des Asylverfahrens. Ihnen fehle die Einsicht, dass sowohl Bleibendürfen als auch Gehenmüssen dazugehörten.

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So viele Gläubige leben in Sachsen-Anhalt

Bild: MDR.de
In Wittenberg werden in der kommenden Woche zehntausende Christen zum Evangelischen Kirchentag erwartet. Welche Rolle spielt Religion hierzulande eigentlich noch? Und wie viele Gläubige leben überhaupt in Sachsen-Anhalt? Eine Bestandsaufnahme der Religionen Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus.

Von Manuel Mohr | MDR SACHSEN-ANHALT

Die größte „Glaubensgemeinschaft“ – auch wenn sie genau genommen gar keine ist – ist die Gruppe der Konfessionslosen in Sachsen-Anhalt. Schätzungen zufolge gehören rund 80 Prozent aller Einwohner im Land keiner Religion an. Die kirchenfeindliche Ideologie der DDR wirkt hier deutlich bis heute nach. Somit ist nur noch etwa jeder Fünfte im Land überhaupt Angehöriger einer religiösen Glaubensgemeinschaft. Wie stark verschiedene Religionen dabei vertreten sind, hat MDR SACHSEN-ANHALT analysiert.

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Kampfbegriff Islamophobie

Wer den Islamismus kritisiert, kann heute rasch als „islamophob“ angeklagt werden. Höchste Zeit, dass das wieder aufhört.

Von Helmut Pisecky | Die Presse.com

Mit seinen unglücklichen Äußerungen zur „Islamophobie“ hat Bundespräsident Alexander van der Bellen einen Begriff thematisiert, der zuletzt besonders bei radikalen Islamisten stark an Popularität gewonnen hat. Pseudowissenschaftlichkeit und Instrumentalisierung durch radikale Gruppen sollten aber Grund genug sein, um den Begriff aus dem öffentlichen Diskurs zu verbannen.

1997 veröffentlichte der britische Think-Tank Runnymede Trust eine Studie zum Thema „Islamophobie“. Der neue Begriff, der eine grundsätzliche Feindseligkeit gegenüber Islam und Muslimen beschreiben sollte, wurde von Medien und Politik aufgegriffen und hat sich als fixer Bestandteil der Debatte über Islam, Integration und Multikulturalismus etabliert.

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Freikirchen taufen Flüchtlinge

Tausende Flüchtlinge in Deutschland konvertieren vom Islam zum Christentum – obwohl der Glaubensübertritt für sie ein großes persönliches Risiko bedeutet. Christliche Freikirchen erleben einen regen Zulauf.

Von Charlotte Hauswedell | Deutsche Welle

Mehr als 1200 Flüchtlinge hat er schon getauft. Gottfried Martens ist Pastor der Dreieinigkeitskirche, einer evangelisch-lutherischen Freikirche in Berlin-Steglitz. Angefangen hatte es mit zwei Flüchtlingen aus dem Iran, die 2008 seine Gemeinde aufsuchten. Sie brachten einen Bekannten mit, den Pastor Martens taufte. Über die Jahre kamen dann immer mehr Flüchtlinge mit dem Wunsch, ihre Religion zu wechseln. Heute ist Martens Gemeinde in der Hauptstadt bekannt, Hunderte besuchen die Gottesdienste, in denen auf Deutsch und Farsi gepredigt wird.

Die Konvertiten sind Iraner und Afghanen ursprünglich islamischen Glaubens. Darunter viele „Neulinge“, die erst in Deutschland von anderen Christen angesprochen wurden. „Viele waren aber auch schon im Iran in Hausgemeinden oder sind während der Flucht mit dem christlichen Glauben in Berührung gekommen“, berichtet Martens.

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Arbeiten Katholiken weniger gern?

Dolcefarniente: Luciano Pavarotti in der Hängematte. Foto: Jean-Claude (Getty)
Sind protestantische Länder wirtschaftlich erfolgreicher als katholische? Im 500. Jahr der Reformation ist Max Webers berühmte These für viele gültig wie eh und je. Und schaut man sich die Situation in Europa seit der Finanzkrise von 2008 an, kann man sich ja auch bestätigt fühlen.

Von Alan Cassidy | Tages Anzeiger Blogs

Sind es nicht gerade Italien, Spanien und Portugal, die katholischen Länder des Südens, die besonders verschuldet sind? Und geht es dem protestantischen Norden nicht deutlich besser?

Der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron sagte es so: «Es gibt eine Art Religionskrieg zwischen dem calvinistischen Nordeuropa, das den Sündern nicht verzeihen will, und einem katholischen Südeuropa, das dies alles hinter sich lassen will.» Macron sagte dies vor zwei Jahren; er war damals noch Wirtschaftsminister, und er sprach über den Umgang mit der Eurokrise. Seine Aussage zeigt: Webers Behauptung von der Prägung durch die Religion ist bis heute eine der meistdiskutierten der Soziologie.

Arbeit religiös überhöht

Max Weber suchte nach einer Antwort auf die Frage, woher der «Geist des Kapitalismus» kommt, das Streben nach immer mehr Wachstum, nach immer grösserer Produktivität. Die Erklärung fand er in der Reformation. Nicht in jener Luthers, sondern in jener Calvins – und in dessen Auffassung von Arbeit. Calvin, der am Seelenheil interessierter war als an Ökonomie, habe die Arbeit religiös überhöht: Wer reich werde auf Erden, der geniesse ganz offensichtlich die Gnade Gottes. Zur Bildung einer «protestantischen Arbeitsethik» habe beigetragen, dass besonders der Calvinismus die Menschen zu einer «asketischen Lebensführung» anhalte, schrieb Weber. Das heisst auch: Man verprasst sein Geld nicht, sondern spart – und bildet Kapital.

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De Maizière hält nichts von Ziel der Gleichheit aller Religionen

Das Kreuz mit den Religionen
In der Debatte um mehr Rechte für muslimische Religionsgemeinschaften in Deutschland kann nach Ansicht von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) das Ziel nicht Gleichheit sein.

evangelisch.de

Freiheit bedeute, vorhandene Unterschiede zuzulassen, sagte de Maizière am Donnerstag bei einer Tagung zum Staatskirchenrecht in Berlin. Judentum, Islam und Christentum seien auf unterschiedliche Weise in Deutschland verwurzelt. Beim Umgang damit sollte man sich am Grundsatz der Gleichbehandlung orientieren, aber keine Gleichheit durchsetzen.

„Ich glaube nicht, dass echte Freiheit dann herrscht, wenn vollkommende Gleichheit hergestellt wird“, sagte der Minister. In seine Zuständigkeit fallen die vertraglichen Regelungen des Staates mit den Kirchen auf Bundesebene. De Maizière verhandelt zudem in der Deutschen Islamkonferenz mit den muslimischen Verbänden über deren institutionelle Verankerung in Deutschland.

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Humboldt-Uni bringt Islamische Theologie auf den Weg

Universität © ninastoessinger auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Berlin ist ein Zentrum des Islam: 300.000 Muslime leben hier, es gibt rund 80 Gemeinden und 5.000 Kinder besuchen islamischen Religionsunterricht in der Schule. Was bislang fehlt ist eine akademische Ausbildung für Imame und Lehrer.

MiGAZIN

Die Weichen sind gestellt: Nach jahrelangen Diskussionen über eine fehlende universitäre Ausbildung islamischer Geistlicher in Berlin hat die Humboldt-Universität (HU) jetzt den Gründungsbeauftragten für ein Institut für Islamische Theologie benannt. Am Montag präsentierten Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und HU-Präsidentin Sabine Kunst den Historiker Michael Borgolte, der von 1991 bis 2006 Geschichte des Mittelalters an der Hochschule lehrte.

Der emeritierte Mediävist soll in den kommenden Monaten unter anderem die bereits bestehende Arbeitsgruppe zur Etablierung des Instituts, die Ausschreibung von vier geplanten Professuren sowie die Besetzung des Beirates koordinieren. Außerdem muss die „institutionelle Einbindung“ geklärt werden, also welcher Fakultät das Institut angegliedert wird.

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Der Kampf um islamische Begriffe

Diese Illustration gehört zu dem Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung „Begriffswelten Islam“, http://www.bpb.de/begriffswelten-islam
Muslime kritisieren Begriffe wie „Islamismus“ und „Dschihadismus“. Doch können sie Alternativen anbieten, wenn ihnen die Deutungshoheit entrissen wird. Bekim Agai und Armina Omerika durchleuchten im IslamiQ-Interview den Kampf um islamische Begrifflichkeiten.

IslamiQ

IslamiQ: Es wird öfter über die Begriffe „Islamismus“, „Dschihadismus“ und „Salafismus“ gesprochen als über den Islam, Dschihad und über die Salaf. Teilen Sie diese Einschätzung? Welche Gründe hat das Ihrer Meinung nach?

Bekim Agai & Armina Omerika: Wir teilen die Einschätzung. Die Gründe liegen auf der Hand. Es gelingt einer kleinen Minderheit, sich für alle sichtbar und destruktiv in Szene zu setzen. Sie haben bestimmte Begriffe zu einer Ideologie verbaut, die aus islamischen Bezügen keine Haltung, sondern eine Rechtfertigung für Taten machen, die zentralen Werten des Islams widersprechen. Durch ihre Bezüge auf islamische Begriffe versuchen sie sich vor muslimischer Kritik zu immunisieren und sich dadurch auch innermuslimisch zu rechtfertigen.

Andererseits erfahren manche theologische Begriffe des Islams eine Umdeutung durch den allgemeinen Sprachgebrauch und die neuen Wortschöpfungen. Daraus ergibt sich teilweise eine Diskrepanz zwischen Bedeutungszuschreibungen in muslimischen Communities und in der Sprachpraxis der Politik, Behörden oder Medien. Dies trifft auch auf politikwissenschaftliche Begriffe zu, die eine spezifische und legitime Verwendung in der Forschung haben, im allgemeinen alltäglichen Sprachgebrauch allerdings weit darüber hinausgehen. In diesem öffentlichen Raum bekommen sie undeutliche, verschwommene Konturen. „Islamismus“ z. B. mag gut von Behörden definiert werden, wird aber öffentlichen Diskurs inflationär gebraucht, manchmal sogar als Synonym für Islam.

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Halal und haram bringen den Islam nicht voran

Themenbild. Screenshot: brightsblog
Mitte Februar hat der Beratungsrat der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) einen Beschluss zum Thema Kopftuchgebot im Islam veröffentlicht. Inhalt, Argumentationsweise, Zitat der Quellen, Erwähnung der Rechtsgelehrten entsprechen der klassischen Form einer Fatwa – eines Rechtsgutachtens –, wie es sie in islamischen Ländern gibt.

Von Jasmin El Sonbati | Die Presse.com

Normalerweise handelt es sich um Themen, die das Leben der Menschen tangieren und bei denen die Intervention der Rechtsgelehrten entweder eine gewisse Richtung vorgibt oder den Staat dabei unterstützt, Gesetze durchzubringen, die es ohne den Segen der Religionshüter schwer hätten, akzeptiert zu werden.

Dass für Österreich solche Beschlüsse weder bindend noch Vorbild sein können, liegt auf der Hand. Hier regelt der Rechtsstaat die Angelegenheiten zwischen den Bürgerinnen und Bürgern. Übrigens hat eine Fatwa lediglich Empfehlungscharakter – der Mensch entscheidet, ob er sie annehmen will oder nicht.

Dass die IGGÖ einen Beitrag zu aktuellen Debatten rund um den Islam leisten will, ist ihr gutes Recht. Allein, die Frage sei erlaubt, ob die IGGÖ nichts Besseres zu tun hat. Ist es in Zeiten wie diesen, in denen immer mehr Menschen dem Islam mit Misstrauen begegnen, in denen eine gewaltbereite muslimische Minderheit Angst und Terror verbreitet und Andersgläubige und Muslime notabene Opfer von islamistisch motivierter Gewalt sind – ist es da wirklich relevant, sich über das Kopftuchgebot im Islam zu äußern und es als islamkonform zu bezeichnen?

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Islam-Theologe: „Die Frage, ob der Islam dazugehört, ist komisch“

foto: dpa Das Kopftuchthema sollte im Kontext und nicht separiert diskutiert werden, findet der Islam-Theologe.
foto: dpa Das Kopftuchthema sollte im Kontext und nicht separiert diskutiert werden, findet der Islam-Theologe.
Zekirija Sejdini erklärt, warum die Auseinandersetzung mit der eigenen Religion für die Muslime in Österreich und Europa überfällig ist

Interview Steffen Arora | derStandard.at

STANDARD: An welcher Glaubensrichtung des Islam orientiert sich das Theologiestudium?

Sejdini: Wie alle theologischen religionspädagogischen Studien hat auch unseres eine gewisse Ausrichtung, die dem Sunnitentum zugeordnet werden kann. Wobei wir großen Wert darauf legen, die innerislamische Vielfalt miteinzubeziehen, um die Wissenschaftlichkeit zu gewährleisten. Wir sind ja keine Koran- oder Imamschule, wo eine bestimmte Glaubensrichtung vorherrscht. Das impliziert einen kritischen und analytischen Zugang zu allen muslimischen Strömungen. Wenn dem nicht so wäre, hätte die Theologie oder Religionspädagogik keinen Platz an der Universität.

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Der Aufstieg des Islam

Der Prophet Mohammed in einer historischen Darstellung. Für den Islamwissenschaftler Lutz Berger gibt es in der Islam-Debatte zu viele unhistorische Rückgriffe auf die Anfangszeit des Islam vor rund 1.400 Jahren. (imago/stock&people)
Der Prophet Mohammed in einer historischen Darstellung. Für den Islamwissenschaftler Lutz Berger gibt es in der Islam-Debatte zu viele unhistorische Rückgriffe auf die Anfangszeit des Islam vor rund 1.400 Jahren. (imago/stock&people)
Der Islam ist nicht das Fremde, sondern Teil der spätantiken Mittelmeerwelt, aus der auch das heutige Europa hervorgegangen ist, konstatiert der Kieler Islamwissenschaftler Lutz Berger in seinem Buch „Die Entstehung des Islam. Die ersten hundert Jahre“. Darin widerspricht er der These, der Islam sei per se eine kriegerische Religion. Stattdessen seien Muslime stark geworden, weil ihre Gegner schwach waren.

Von Jan Kuhlmann | Deutschlandfunk

Über den Islam wird in Deutschland und anderswo heftig diskutiert. Doch von der Art und Weise, wie das allzu oft geschieht, hält der Islamwissenschaftler Lutz Berger wenig. Für ihn gibt es zu viel Schwarz und Weiß in der Debatte – was bei ihm heißt: zu viele unhistorische Rückgriffe auf die Anfangszeit des Islam vor rund 1.400 Jahren.

„Viele sogenannte Islamkritiker meinen, dass alles Denken und Tun der Muslime bereits in einem wörtlich zu verstehenden Koran vorgezeichnet sei und sehen im Propheten Mohammed einen direkten Wegbereiter heutiger militanter Bewegungen. Konservativ-traditionalistische Muslime argumentieren ganz anders, aber oftmals genauso unhistorisch, und zeichnen von der Frühzeit des Islam das idealisierte Porträt eines Zeitalters der Glückseligkeit, von dessen Errungenschaften wir Heutigen alles lernen könnten, was wir brauchen, um die Probleme der Gegenwart zu lösen.“

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Protestantin Merkel fordert von Islam „klare Worte“

Merkel auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Bild: n-tv.de
Merkel auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Bild: n-tv.de
Kanzlerin Merkel ruft islamische Autoritäten dazu auf, sich deutlich vom Terrorismus zu distanzieren. Außerdem wirbt sie auf der Münchner Sicherheitskonferenz für internationale Strukturen und warnt vor „kleinlichen Diskussionen“.

n-tv

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat von islamischen Autoritäten eine deutliche Distanzierung vom Terrorismus gefordert. Sie erwarte „klare Worte“ über die Abgrenzung des friedlichen Islam vom Terrorismus im Namen des Islam, sagte Merkel bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Dies könnten westliche Politiker nicht so leisten wie islamische Autoritäten.

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