Schlagwort-Archive: Islam

Historischer Schritt: Frauen in Saudi Arabien dürfen erstmals wählen

frauenbekleidung_saudisBereits im Jahr 2011 hatte der verstorbene König Abdullah angekündigt, dass Frauen ein Recht auf politische Teilhabe bekommen sollen. Umgesetzt wird sein Erlass nun erstmals bei den anstehenden Wahlen im Dezember. Seit 22. August können sie sich nun registrieren lassen.

Deutsch Türkische Nachrichten

Diese Woche ist für Frauen in Saudi Arabien von historischer Bedeutung. Erstmals dürfen sie sich nun für die Wahlen im Dezember dieses Jahres anmelden. Bereits vor vier Jahren hatte der verstorbene König hierfür die Weichen gestellt – und von Seiten der Hardliner jede Menge Kritik geerntet.

Seit dem 22. August läuft in Saudi Arabien nun die offizielle Registrierung für die anstehenden Wahlen. Wahrgenommen werden könne diese bis zum 30. August, so die türkische Zeitung Sabah. Lokalen Medien zufolge werde derzeit damit gerechnet, dass sich gut 70 Frauen als Kandidatinnen aufstellen und um die 80 als Wahlkampf-Managerinnen registrieren werden.

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König-Abdullah-Zentrum in Wien: Riads Feigenblatt

Das König Abdullah-Zentrum für interreligiösen Dialog in Wien steht in der Kritik. (imago/blickwinkel)
Das König-Abdullah-Zentrum in Wien soll den Dialog zwischen den Religionen und gegenseitigen Respekt fördern. Doch das Projekt ist umstritten. Denn Hauptgeldgeber ist ausgerechnet Saudi-Arabien, wo man von religiöser Toleranz nicht viel hält.


Von Stefan May|Deutschlandradio Kultur

Ein nobles Palais an der Wiener Ringstraße ist die Heimstätte des KAICIID. Die Abkürzung steht für “König Abdullah Bin Abdulaziz Zentrum für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog”. Über dem Eingang wehen die Fahnen von Saudi-Arabien, Spanien, Österreich und des Vatikans. Es handelt sich um die Gründungsstaaten des Zentrums. Sprecher Peter Kaiser nennt als Hauptziel: Respekt zu schaffen zwischen den Religionen und Kulturen durch Dialog. Und er betont die Unabhängigkeit des Zentrums.

“Keine einzige Religion und keine einzige Regierung kann uns sagen, was wir vornehmlich machen sollen. Sie müssen alle im Konsens vorgehen.”

Als aber Anfang dieses Jahres der saudische Blogger Raif Badawi wegen eines Plädoyers für Religionsfreiheit in seiner Heimat zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt worden war, blieb das Zentrum stumm. Peter Kaiser begründet dies mit einer grundsätzlichen Entscheidung des neunköpfigen Direktoriums, in dem die fünf großen Weltreligionen – Christentum, Islam, Judentum, Buddhismus und Hinduismus – vertreten sind.

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Religionen zivilisieren sich nicht von selbst

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Westliche Beobachter rufen den Islam gern zu einer Reformation auf. Damit soll sich die Religion von ihrem mittelalterlichen Weltbild entfernen und sich selbst einen Modernisierungsschub geben. Doch das kann gar nicht gelingen


Von Alexander Grau|Cicero

Der Islam braucht eine Reformation. Da sind sich die meisten westlichen Beobachter einig – und ein paar säkulare mohammedanische dazu. Erstarrt in einem mittelalterlichen Weltbild, gefangen in einer archaischen Ethik und einzementiert in überkommenen sozialen Strukturen braucht der Islam – so die beliebte Diagnose und Empfehlung – dringend eine Art zweiten Luther, jemanden, der die mittelalterlichen Fesseln sprengt und den islamischen Gesellschaften intellektuell den Weg in die Moderne ebnet.

Schön gedacht und aus protestantischer Perspektive auch schmeichelhaft. Doch bedauerlicherweise beruht die Hoffnung auf eine islamische Reformation auf falschen Grundannahmen. Das fatale Ergebnis: Das Erstarken des islamischen Fundamentalismus und seine Erfolge in den letzten Jahrzehnten werden grundlegend missverstanden. Daran wiederum knüpfen sich falsche Hoffnung und naive Erwartungen.

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Sure 22 Verse 39-40: Zur Legitimation von Gewalt

Bild: Deutschlandfunk
Grundsätzlich lehnt der Islam Gewalt nicht ab. Das ist unter islamischen Theologen und Islamwissenschaftlern weitgehend unbestritten. Manche halten die Gewaltverse im Koran sogar für einen Freibrief. Der amerikanische Koranexperte Mustansir Mir von der Youngstown State Universtiy im Bundesstaat Ohio erklärt im DLF einen der Verse, wonach Muslime zu den Waffen greifen dürfen.


Von Prof. Dr. Mustansir Mir, Youngstown State University, Ohio, USA|Deutschlandfunk

“Die Erlaubnis sich zu verteidigen ist denen gegeben, die bekämpft werden, weil ihnen Unrecht geschah – siehe Gott hat die Macht, ihnen beizustehen. Jenen, die ohne Recht aus ihrer Wohnstatt vertrieben wurden, nur weil sie sprachen: “Unser Herr ist der eine Gott.” Und hätte Gott nicht die Menschen, die einen durch die anderen zurückgehalten, zerstört worden wären Klöster, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen der Name Gottes oft genannt wird. Gott wird fürwahr dem helfen, der ihm hilft.”

Dieser Auszug stammt aus einer medinensischen Sure. Der Koran gestattet hier der frühen muslimischen Gemeinde unter dem Propheten Mohammed, zu den Waffen zu greifen, um Angriffe abzuwehren.

Die Sendereihe Koran erklärt als Multimediapräsentation

Während der mekkanischen Phase seiner Prophetenschaft vom Jahr 610 bis 622 hatten die Muslime unter der Verfolgung der Quraisch, des herrschenden Stamms in Mekka zu leiden. In dieser Zeit waren die Muslime noch nicht in der Position, Gewalt anzuwenden, um diese Verfolgung zu stoppen. Erst nach der Errichtung eines unabhängigen muslimischen Stadtstaats in Medina 622, erhielten sie von Gott die Erlaubnis, sich mit Waffengewalt zu wehren.

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Java: Die Ehre der Diener

Eine tolle Kulisse hat sich diese Tanzgruppe ausgesucht: Prambanan, die größte hinduistische Tempelanlage Indonesiens in der Nähe von Jogyakarta auf Java. – Foto: William Vorsatz
Das Sultanat Jogyakarta auf Java überrascht mit historischen Schätzen. Und gilt doch als innovatives Zentrum Südostasiens.


Von William Vorsatz|DER TAGESSPIEGEL

Wenn Ika Nimas Tee für den Sultan zubereitet, dann hat Zeit eine andere Dimension. Anderthalb Stunden dauert die tägliche Zeremonie. Nimas muss noch viel lernen von den Älteren. Mit 19 Jahren ist sie die jüngste Dienerin im Palast. Trinken wird Sultan Hamengku Buwono X. seinen Tee allerdings nicht, weil er vormittags draußen die Stadt Jogyakarta und die gleichnamige Provinz regiert. Jogja, wie die Einheimischen kurz sagen, liegt auf Indonesiens Hauptinsel Java.

Das Sultanat ist ein historisches Relikt in der Republik Indonesien. Zwar leben nirgends auf der Welt mehr Muslime als auf dem indonesischen Archipel. Dennoch ist der Islam nicht Staatsreligion. Und beim genauen Hinschauen ist sowieso vieles hier ganz anders, als es von außen scheint.

Nimas bekommt für ihre Arbeit als Dienerin kein Geld. Auch die anderen 2000 Dienenden erhalten lediglich einen symbolischen Lohn von maximal einem Euro – pro Monat. Dafür arbeiten sie ganz oder in Teilzeit im Kraton, wie der Sultanspalast auf Indonesisch heißt. „Es ist für die Diener eine Ehre, und sie versprechen sich davon einen spirituellen Gewinn“, erzählt die ungarische Filmemacherin Alida Szabo. Ihre Kamera läuft mit, wenn Nimas dient oder erzählt. Daraus soll später ein Dokumentarfilm entstehen.

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Vatikan beendet Kooperation mit Stiftung von Bergbau-Milliardär

Der Vatikan hat sich aus einem vom australischen Milliardär und Minenbetreiber Andrew Forrest finanzierten Netzwerk gegen Menschenhandel und Zwangsarbeit zurückgezogen.


kathweb

John Andrew Henry Forrest. Bild: wikimedia.org/CC BY 2.0

“Wir wollen uns nicht instrumentalisieren lassen”, sagte der vatikanische Bischof Marcelo Sanchez Sorondo nach einem Bericht des Internetportals “Vatican insider” vom Mittwoch. Ein Geschäftsmann habe das gute Recht Geld zu machen. Dafür dürfe er jedoch nicht den Papst benutzen, so der Kanzler der Päpstlichen Akademien für die Sozialwissenschaften und die Wissenschaften. Deshalb sei man schon vor einiger Zeit aus dem interreligiösen “Global Freedom Network” ausgetreten.

Forrest hat sein Vermögen als Betreiber von Eisenerzminen im Nordwesten Australiens verdient. Vor einigen Jahren gründete er die “Walk-Free”-Stiftung zum Kampf gegen Menschenhandel und Zwangsarbeit.

Der Vatikan hatte im März 2014 mit dieser Stiftung die Schaffung des “Global Freedom Network” vereinbart. Im Dezember unterzeichnete der Papst im Rahmen dieser Zusammenarbeit mit prominenten Vertretern von Islam, Buddhismus, Hinduismus und Judentum im Vatikan eine viel beachtete gemeinsame Erklärung dazu. Der Argentinier Sorondo war im Leitungsgremium des interreligiösen Netzwerks.

There Was Nothing Wrong with Richard Dawkins’ Tweet That “Islam Needs a Feminist Revolution”

[Note from Hemant: There was an overwhelming response to a recent post on this site about a tweet made by Richard Dawkins, including strong disagreements within our writing team. For that reason, we’re posting some additional thoughts on the matter so the conversation can go beyond the comment threads.]

By Bo Gardiner|Friendly Atheist

I’ve disagreed with Richard Dawkins before on his insensitivity to women, feminism, and majority privilege. Some of it he’s apologized for, so I’d like to think we’re starting to be heard. I know all too well from environmental campaigns the importance of acknowledging our successes.

And thus, I part with my fellow Friendly Atheist contributor Lauren Nelson in her recent post, which struck out scathingly at Dawkins for the following single tweet:

There is nothing wrong with those words.  The question deserves answers, not attacks.

Lauren wrote:

It’s not unusual for renowned atheist Richard Dawkins to rub people of faith the wrong way. It’s not unheard of for him to get on the bad side of feminists. But it’s not every day that he pisses off the intersection of the two groups. But this week, with a series of tweets, that’s exactly what Dawkins did.

He started the hullabaloo off with this humdinger:  “Islam needs a feminist revolution. It will be hard. What can we do to help?”

When I first saw her headline — “Richard Dawkins Fails Spectacularly on Feminism and Islam” — I sighed and thought “Oh dear, what has he said now?” But when I arrived at his tweet, I kept scanning, looking for the bad part. I couldn’t believe it when I realized that was it.

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Sex und Religion: Welcher Gott erlaubt wie viel Lust?

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Der TV-Auftritt eines muslimischen Gelehrten hat eine Debatte über die Sex-Gebote des Islam ausgelöst. Welche Tabus kennen andere Weltreligionen?


20minuten online

«Oralverkehr in fortgeschrittenem Ausmass» sei für Muslime tabu: Mit seinen Ausführungen über verbotene Sexualpraktiken in einer TV-Show sorgte ein türkischer Islam-Gelehrter für Erheiterung. Doch das Thema bewegt Muslime weltweit. Gelehrte sind sich nicht einig, ob Oralverkehr verboten, «eklig, aber nicht ungesetzlich» oder doch unproblematisch sei. Der Islamische Zentralrat (IZRS) schreibt in einem Ratgeber auf seiner Website, im Islam sei Analsex und Geschlechtsverkehr während der Menstruation verboten. Hingegen gebe es keine bekannten Schriften, die darauf schliessen würden, dass Muslime keinen Oralsex haben dürfen.

Doch wie sieht es eigentlich bei anderen Religionen mit Sexverboten aus? Was geht im Bett, was nicht? 20 Minuten hat mit Relgionsexperten und -vertretern gesprochen.

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Abrahams Erben am Nil lebten in Frieden

Bild: (c) Wikipedia /Die Presse
In Ägypten haben Judentum, Christentum und Islam die längste gemeinsame Tradition. Eine Ausstellung zeigt das friedliche Neben- und Miteinander der drei großen Weltreligionen über mehr als tausend Jahre.


Von Günther Haller|Die Presse

Ein Halbnomade, der vor 4000 Jahren im Vorderen Orient gelebt haben soll, hat immer noch Konjunktur in drei großen Weltreligionen: Juden, Christen und Muslime reklamieren Abraham als „Vater der vielen Völker“ für sich. Niemand kann beweisen, ob er wirklich gelebt hat, so ist er die ideale Projektionsfigur aus grauer Vorzeit und durch seine Hingabe an den Willen seines Gottes ein archetypisches Vorbild des Glaubens. Alle drei Buchreligionen berufen sich auf ihn als Stammvater, er war der erste, der sich zum Glauben an den „Einen Gott“ bekannte. Im Streit der Kulturen wäre er die ideale Versöhnerfigur, und dennoch ist der Boden von Hebron, wo sein Grab besucht wird, getränkt von Blut. Vom Blut der Anhänger der monotheistischen Religionen. Es wurde vergossen in der Zeit der Kreuzzüge genauso wie heute. Muslime und Juden, die das Grab besuchen, werden durch eine Wand mit schwerer Eisentür, die von Soldaten bewacht wird, voneinander getrennt. Beide Seiten haben Angst vor Bombenanschlägen. Abraham als gemeinsamer Vater ist ihnen verloren gegangen.

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Schriftzug ‘Allah’ über ehemaliger Hamburger Kirche

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Das islamische Al-Nour-Zentrum hatte 2012 das Gebäude erworben – Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke: „Die Austauschbarkeit von Christentum und Islam ist nicht im Sinne eines guten interreligiösen Dialogs.“


kath.net

Der Schriftzug „Allah“ ziert jetzt die frühere evangelische Kapernaum-Kirche im Hamburger Stadtteil Horn. Ende 2012 kaufte das islamische Al-Nour-Zentrum das leerstehende Kirchengebäude, das 2002 entwidmet worden war. Der jetzt statt des abmonierten Kreuzes auf dem Turm angebrachte Schriftzug ist 1,20 Meter breit und 80 Zentimeter hoch. Er ist aus Edelstahl und mit goldener Farbe überzogen. Das Kreuz wurde der Baptistengemeinde „Kirche ohne Turm“ in Hamburg-Billstedt übergeben. Die Al-Nour-Gemeinde lässt derzeit den Innenraum der früheren Kirche zur Moschee umbauen. Ihr Imam und Vorsitzender, Daniel Abdin, sagte dem Hamburger Abendblatt, ihm sei wichtig, die Gefühle von christlichen Mitbürgern nicht zu verletzen: „Allah heißt Gott. Das ist die Verbindung der großen Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam.“ Den ursprünglichen Plan, auf dem Gebäude einen Halbmond anzubringen, verwarf die Gemeinde.

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CSU widerspricht Merkel: ‘Religion Islam ist kein Teil unseres Landes’

Natürlich gehörten Muslime, die hie leben, zu Deutschland, «aber die Religion Islam ist kein Teil unseres Landes.» Deutschland sei vom Christentum und vom Judentum geprägt worden und gerade nicht vom Islam.


kath.net

CSU-Logo Wildbad Kreuth
CSU-Logo Wildbad Kreuth

Aus der Union kommt Widerspruch zur jüngsten Islam-Äußerung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie hatte am Dienstagabend betont, der Islam gehöre inzwischen unzweifelhaft zu Deutschland. «Wer dieser geschichtlichen Interpretation nicht zustimmt, darf nicht in die Nähe von Islamophobie gedrängt werden», sagte Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU) der «Passauer Neuen Presse» (Donnerstag). «Richtig ist: Muslimische Mitbürger gehören seit einer Reihe von Jahren zu Deutschland.»

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Interview Tierschutzbeauftragte: „Nur mit Betäubung schlachten“

Die Schlachtmethoden für Halal-Fleisch sind sehr umstritten. Foto: christoph boeckheler*
Schächten ist eine alte Schlachtmethode von Tieren vor allem im Judentum und im Islam. Im Interview wirbt Hessens Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin hier nun für einen Kompromiss, um den Tieren Leiden zu ersparen.


Von Jutta Rippegather|Frankfurter Rundschau

Frau Martin, ist Schächten Tierquälerei?
Als diese sehr alte Schlachtmethode entwickelt wurde, waren die Tiere nicht so schwer und muskulös gebaut, wie die heutigen. Man kannte auch keinerlei andere, schonenderen Methoden – anders als heute. Wenn man sieht, wie sich die Mastbullen durch die Rinderzucht entwickelt haben, so ist ein Schlachten ohne Betäubung eindeutig mit erheblichen Leiden und Schmerzen verbunden. Deshalb ist es eigentlich nach dem Tierschutzgesetz nicht gestattet.

Eigentlich?
Das Tierschutzgesetz sieht für bestimmte Religionsgruppen Ausnahmen vor. Wobei man auch in diesem Bereich zu Verbesserungen für die Tiere käme, wenn man gemeinsam intensiv darüber sprechen würde. Wenn nicht jeder starr auf seiner Meinung beharrt.

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Komplizierte Glaubensfragen: Neue Götter

Religion war unter Mao in China verboten. Die Partei hatte dafür eine eigene Bibel. (Foto: Gino Begotti/ddp images)
China ist einerseits das atheistischste Land der Welt. Andererseits fragt keine Nation so hartnäckig nach Sinn und sucht so nach spiritueller Orientierung.


Von Kai Strittmatter|Süddeutsche.de

China ist ein Paradox, auch was den Glauben angeht. China ist das atheistischste Land der Welt. Stimmt. China ist das Volk mit den meisten Sinnsuchern, das Land, in dem die Religionen boomen. Stimmt auch.

Kulturrevolution: Der Staat schloss alle Tempel und Kirchen

Nirgendwo auf der Welt leben mehr Menschen, die von sich sagen, sie glaubten an keinen Gott. Umfragen belegen das immer wieder. Als die Firma WIN/Gallup International etwa vor zwei Jahren die Völker der Welt befragte, da bezeichneten sich 47 Prozent der Chinesen als überzeugte Atheisten. Dahinter kamen, mit weitem Abstand: Japaner, Tschechen, Franzosen. Der eine, offensichtliche Faktor ist dabei die Herrschaft der Kommunistischen Partei, die 1949 die Volksrepublik gründete und in den folgenden Jahrzehnten mit beispielloser Gründlichkeit und Grausamkeit daranging, alle Spuren von Religion auszumerzen. In den Jahren der Kulturrevolution, als dem ideologischen Irrsinn keinerlei Zügel mehr angelegt waren, schloss der Staat, von 1966 bis 1979, gar alle Tempel, Moscheen und Kirchen. Weltweit geschah das nur noch in Albanien, selbst die Sowjetunion unter Stalin hatte immer ein paar Hundert Kirchen offen gelassen. Diese schlimmen Jahre sind längst vorbei, die KP duldet Religion wieder, allerdings verlangt sie weiterhin die Unterwerfung der Religiösen unter ihre allumfassende Kontrolle.

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Religion weltweit: Nichtgläubige werden weniger

Mit der steigenden Weltbevölkerung wachsen sowohl das Christentum als auch der Islam – allerdings nicht in Europa.


Die Presse

Foto: brightsblog
Foto: brightsblog

Die Religion wird nicht verschwinden. Im Gegenteil. Weltweit werden die großen, institutionalisierten Glaubensrichtungen sogar zulegen. Wie eine aktuelle Studie des renommierten Pew Research Center ergeben hat, wird der Anteil der Menschen, die einer Religion angehören, steigen. Von geschätzten 9,3 Milliarden Menschen im Jahr 2050 sollen demnach nur 1,2 Milliarden keiner Religionsgemeinschaft angehören – was 13 Prozent der Weltbevölkerung entspricht.

Zum Vergleich: Im Jahr 2010 waren es bei 6,9 Milliarden Menschen noch 1,1 Milliarden – also noch 16 Prozent. Und glaubt man den Prognosen des Think Tanks aus Washington, wird sich das Gewicht der Weltreligionen deutlich verschieben – vor allem, weil der Islam in den kommenden vier Jahrzehnten massiv wachsen wird, stärker als alle anderen großen Religionen.

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Ein Gott, zwei Bücher

Der Islam aus jüdischer Perspektive und die Juden aus Sicht des Korans


Von Konstantin Schuchardt|Jüdische Allgemeine

Bild: bb
Bild: bb

Das Verhältnis zwischen Juden und Muslimen scheint dieser Tage oftmals von Misstrauen, Angst und Feindschaft belastet. Bilder von Anschlägen auf jüdische Einrichtungen in Europa, von Terrorakten und Luftschlägen im Gaza-Krieg des vergangenen Sommers sind nicht selten die ersten Assoziationen von Menschen, fragt man sie nach der Beziehung zwischen Islam und Judentum.

Lange Zeit galt der Orient den Juden gegenüber als großzügig. Über Jahrhunderte hinweg blühte das jüdische Leben in Istanbul, Kairo und Bagdad, während in Europa Inquisition und Kreuzzüge jüdische Gemeinden zerstörten. Doch die Geschichte der Beziehungen zwischen Juden und Muslimen ist seit den Tagen Mohammeds und seiner Gefährten stets wechselvoll geblieben.

Die jüdischen Gemeinden waren zu jeder Zeit auf das Wohlwollen der Mächtigen angewiesen, sodass uns klar sein muss, dass die Qualität des islamisch-jüdischen Verhältnisses immer vom guten Willen des herrschenden muslimischen Machthabers abhängig war.

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Der Koran ist nur schön

Das Philosophie-Magazin hat die Sonderausgabe „Der Koran“ herausgebracht Foto: Philosophie Magazin / Fotomontage: pro
Es müssen zwei Versionen des Koran im Umlauf sein. Anders ist nicht zu erklären, warum westliche Intellektuelle nirgends Aufrufe zu Gewalt und Unterdrückung darin finden können, während sich Islamisten weltweit auf den Koran berufen. Das „Philosophie-Magazin“ widmet einer der beiden Koran-Versionen ein Sonderheft.


Von Jörn Schumacher|pro Medienmagazin

Es ist erstaunlich: Wer sich ein Enthauptungsvideo ansieht, wer die Begründung einer islamistischen Terrorgruppe für den jüngsten Anschlag liest, wer den Predigten der Salafisten auch hierzulande lauscht, hört viel von Allah, seinem Propheten und was der Koran über deren Verhältnis gegenüber Nichtmuslimen sagt. Doch wer einen Islamwissenschaftler fragt, woher der Hass im Islam kommt, hört vor allem eine Lobeshymne auf wundervolle Poesie.

Von den Machern eines Philosophie-Magazins würde man Begeisterung für die Aufklärung erwarten, die Ablehnung des Alleinherrschaftsanspruches irgendeiner Religion und die kritische Analyse von geistigen Strömungen, die zur Unterdrückung anderer Menschen aufruft. Wer das Sonderheft „Der Koran“ des Philosophie-Magazins aus Berlin durchliest, findet davon allerdings nicht viel. Stattdessen ergeht sich das Heft auf über 90 Seiten in einer Ode an das Buch, das „Ungläubige“ geköpft sehen will, das Frauen unter den Mann stellt und das ausschließlich Allah die Gewalt über Leben und Tod unterstellt. Die Gegenaufklärung – sie lebt.

„Poetisches Wunderwerk“

Von „Allah“ ist im Koran-Sonderheft aber ohnehin nie die Rede, sondern von „Gott“. Islam, Christentum, Judentum, wo ist da der Unterschied? Der Islam habe heutzutage in Europa ein „Imageproblem“, schreibt die Chefredakteurin Catherine Newmark im Vorwort. Durch die Sonderausgabe ihres Magazins ziehe sich eine Spannung zwischen Glaube und Vernunft. „Es ist die Kernspannung auch der über Jahrhunderte umkämpften europäischen Aufklärung. Sie führt nicht zuletzt auf die Frage nach der menschlichen Freiheit im Angesichts Gottes.“ Dass im Folgenden aber eben nicht vom Christentum (das die Aufklärung durchlebt hat), sondern vom Islam, von Allah, und eben nicht von Gott oder Jahweh, und eben vom Koran, und nicht von der Bibel die Rede ist, – geschenkt.

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Wulff sagt Annahme von Islam-Preis ab

Christian Wulff hat eine Preisverleihung zum Ärger der Ausrichtenden kurzfristig abgesagt. (Quelle: imago / Mauersberger)
Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff hat relativ kurzfristig seine Teilnahme an einer Veranstaltung abgesagt, bei der ihm ein Preis verliehen werden sollte. Über die Gründe ist bisher nichts bekannt. Die Veranstaltung weist jedoch einige Merkwürdigkeiten auf.


t-online

Wie mehrere Medien berichten, sollte Wulff am kommenden Mittwoch in Berlin von der Initiative Seniorensiegel Deutschland für sein Engagement für den Islam ausgezeichnet werden. Wulff wird an diesem Freitag 56 Jahre alt.

Die “Neue Osnabrücker Zeitung” (NOZ) schreibt augenzwinkernd, Wulff sei möglicherweise bewusst geworden, dass er noch zu jung für das Seniorensiegel sei. Die Veranstalter zeigten sich jedenfalls enttäuscht.

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Konfessionslose tagen in Köln: Bei den Atheisten ist der Punk los

Nackt sind alle Menschen gleich: Mit dieser Botschaft begrüßt der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten, kurz IBKA, seine Besucher beim Kölner Kongress. (Deutschlandradio / Michael Borgers)
Ein Kreuz in einem Verbotsschild: Der sogenannte Crossbuster, ursprünglich erfunden als Symbol der Band “Bad Religion”, ist bei der Atheisten-Tagung in Köln allgegenwärtig. Damit will der IKBA, der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten, niemand verängstigen. Das Vereinsziel ist die Trennung von Staat und Religion.


Von Michael Borgers|Deutschlandfunk

Kleider machen bekanntlich Leute. Und ohne Kleider? Nackt? Sind alle Menschen gleich. Das ist die Botschaft, mit der der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten, kurz IBKA, seine Besucher begrüßt. Das offizielle Bild zum Kongress des Vereins prangt groß auf einem Plakat am Eingang der Veranstaltung. Die Karikatur zeigt eine Gruppe Menschen. Alle lachen, und alle zeigen stolz ihre nackten Körper. Nur die drei Männer in der Mitte, offensichtlich Vertreter des Judentums, des Islams und des Christentums, bedecken ihre Scham.

“Man braucht keinen Gott, um glücklich zu sein”

Im Gebäude, einer ehemaligen Feuerwehrwache, spielt die Kleidung sehr wohl wieder eine Rolle. Viele tragen auf ihr eine Botschaft. So wie Melchior Grützmann auf seinem T-Shirt. Es zeigt verschiedene Symbole nebeneinander – das christliche Kreuz neben Hammer und Sichel, ein Hakenkreuz neben dem Yin- und Yang-Kreis, die Mondsichel mit Stern neben dem A für Atheismus. Über den Symbolen ein Verbotszeichen, darunter in großen Lettern der Satz: “Ideas don’t have rights”, also “Ideen haben keine Rechte”. Als Atheisten bezeichnet sich Grützmann dennoch, deshalb nehme er auch an den drei Kongresstagen in Köln teil:

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Gruppe «CDU2017» macht sich für Entwicklung eines europäischen Islam stark

cdu_carlik

In der CDU macht sich eine Gruppe von Abgeordneten aus Bund und Ländern für ein besseres Islam-Verständnis in Deutschland stark. In einem Sechs-Thesen-Papier fordert die Gruppe «CDU2017» um den Bundestagsabgeordneten Jens Spahn aber auch, dass Imame in Deutschland leben und Deutsch sprechen sollten.


Deutsch Türkische Nachrichten

Spahn sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: «Man tut niemandem einen Gefallen, wenn wir Probleme nicht ansprechen. Wir wollen helfen, dass sich unter den Bedingungen einer offenen Gesellschaft ein europäischer Islam entwickeln kann.»

In dem Papier heißt es, selten habe ein Satz wie der des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff so viele Diskussionen hervorgerufen: «Der Islam gehört zu Deutschland.» Dabei sei dieser Satz eigentlich banal, in Deutschland lebende Muslime gehörten schon längst dazu und «selbstverständlich auch mit ihrem Glauben». In der Gruppe «CDU2017» haben sich jüngere CDU-Politiker versammelt, die sich für Reformen in der Partei einsetzen.

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Ditib-Generalsekretär: Islam weltoffen und modern

Bekir Alboga, Foto: picture alliance / AA
Der Generalsekretär des türkisch-islamischen Verbandes Ditib, Bekir Alboga, sieht im Islam eine weltoffene Religion.


evangelisch.de

Die Religion sei eine modernisierende Kraft, sagte der Islamwissenschaftler in der Kabarett- und Talksendung “Baustelle Deutschland”, die in der fast fertiggestellten Moschee in Köln-Ehrenfeld aufgezeichnet worden war und am Samstag im WDR-Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Alboga reagierte auf die Frage von Moderator Jürgen Becker, wann es zu der modern gestalteten Zentralmoschee auch den passenden Islam geben werde, mit einem Rückgriff auf die Entstehungszeit der Religion im siebten Jahrhundert. Der Islam habe dazu beigetragen, die Sklaverei abzuschaffen und Mann und Frau als vom Wesen her gleichwertig zu betrachten, sagte Alboga.