Arktis: Faust- oder Völkerrecht?

Eisbrecher Healy (WAGB-20) in der Arktis. Bild: U.S. Coast Guard
Auf dem Polarmeer sind die meisten Seegrenzen umstritten und harren einer Klärung. Gleichzeitig verschärfen die USA den Ton, haben aber die Seerechtskonvention noch immer nicht ratifiziert

Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

In der Arktis hat die warme Jahreszeit mit aller Macht begonnen. Das Eis befindet sich auf dem Rückzug, und zwar schneller und weiter als in den allermeisten anderen Jahren seit Beginn der Satellitenmessungen, wie man hier beim US-amerikanischen National Snow and Ice Data Center sehen kann.

Dies ist das Ergebnis und im gewissen Umfang auch die Ursache der Tatsache, dass sich die Arktis im Rahmen der sich ausbreitenden Klimakrise rund doppelt so schnell erwärmt wie der Rest des Planeten. Klimamodelle haben das bereits in de 1980er Jahren nahegelegt und die Messungen seitdem bestätigt.

Entsprechend öffnen sich seit Beginn des aktuellen Jahrzehnts im Spätsommer meist die Seewege entlang der Küsten. Das Eis, das früher eine Passage vom Atlantik in den Pazifik durch die kanadische Inselwelt oder entlang der Küste Sibiriens nahezu unmöglich machte, verschwindet oder wird derart dünn und löchrig, dass es zumindest für entsprechend verstärkte Schiffe keine undurchdringliche Barriere mehr darstellt.

Die Begehrlichkeiten sind groß. Zum einen wäre ein Seeweg durch die Arktis eine erhebliche Abkürzung im Vergleich zu den sonst üblichen Routen. Im Warenaustausch zwischen Ostasien und Europa oder der US-Ostküste könnten erheblich Zeit und Geld gespart werden. Zum anderen verbergen sich unter den flachen Schelfmeeren, die sich insbesondere vor Russlands Küsten ausbreiten, mit großer Scherheit gigantische Lagerstätten von Erdöl und -gas.

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«Der Klimawandel hat längst begonnen: Es wird schlimmer werden; das ist schon festgeschrieben»

Plastik in den Meeren ist eine Bedrohung für Tiere und Menschen. (Bild: Wael Hamzeh / Epa)
Manchmal hänge es von einem einzigen Regierungschef ab, ob eine Region unter Schutz gestellt werde oder nicht, sagt John Hocevar. Der Meeresbiologe leitet die Ozean-Kampagnen bei Greenpeace USA.

Anja Jardine | Neue Zürcher Zeitung

Herr Hocevar, Ihr Beruf ist die Rettung der Meere. Zurzeit gilt Ihr Kampf dem Plastikabfall. Was genau ist Ihr Ziel?

Wir wollen Einwegplastik aus der Welt schaffen. Mit der wachsenden Weltbevölkerung hat die Verschmutzung eine Grössenordnung erreicht, die uns zwingt zu handeln. Das Gute bei dieser Kampagne ist, dass alle das Problem begreifen – Verbraucher, Politiker und Wirtschaftsführer. Gespräche mit den CEO über Plastik gehören zu den befriedigendsten Dingen, die ich in letzter Zeit gemacht habe. Sie sagen: «Wir wissen, dass wir etwas ändern müssen. Es geht auch um unser Business-Modell.» Es ist kein Problem, aus dem wir uns herausrezyklieren können. Und Kehrichtverbrennung – wie es zum Beispiel die Schweiz tut – verursacht andere umweltschädliche Emissionen. Unser Hauptproblem ist die Wegwerfkultur. Wir müssen den Konsum reduzieren.

Plastik ist nicht das einzige Problem der Meere. Welches sind die bedrohlichsten?

Klimaerwärmung, Übersäuerung und Überfischung, das sind die Hauptprobleme unserer Ozeane. Klimaerwärmung und Übersäuerung werden in den nächsten Jahren alles übertrumpfen, aber auch Plastik ist eine echte Bedrohung für das Ökosystem geworden. Es ist nicht nur so, dass Seevögel, Wale oder Schildkröten daran ersticken, sondern auch das für unsere Augen unsichtbare Mikroplastik ist ein Riesenproblem.

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Mit Riads Unantastbarkeit ist es vorbei

Der Uno-Menschenrechtsrat in Genf wagt es erstmals seit seiner Einrichtung, Saudiarabien zu rügen. Das ist ein grundlegender Wandel. Bewirkt hat ihn ein spektakulärer Mord.

Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Es gibt diese Gremien mit dem fast schon sportlichen Leistungsausweis. Der Uno-Menschenrechtsrat, eingerichtet 2006, hat Israel bis 2018 in 78 Resolutionen verurteilt, öfter als alle anderen Länder zusammen. Saudiarabien hingegen, das Land mit dem Regime, das Menschen enthauptet und Frauen unter Vormundschaft stellt, war bisher noch kein einziges Mal gerügt worden. Am Donnerstag hat sich das geändert.

36 Staaten, unter ihnen sämtliche 28 EU-Länder, nicht aber die Schweiz, zeigten sich in einer Resolution tief besorgt über die Zustände im Wahhabitenreich. Riad wurde aufgefordert, zehn Aktivistinnen und Aktivisten freizulassen und bei der Uno-Untersuchung des Mordes an Jamal Khashoggi mitzuwirken.

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In Belgien ist religiöses Schlachten jetzt verboten – aber es geht nicht nur ums Tierwohl

Bild: bento,dpa/Emily Wabitsch
Belgien geht gegen das Schächten vor. In der Region Flandern ist die religiöse Form der Tiertötung bereits seit 1. Januar verboten, in der Region Wallonien soll ein Verbot im September folgen.

Marc Röhlig | bento

Beim Schächten wird einem Tier lebendig die Halsschlagader durchtrennt, dann soll es vollständig ausbluten. Nach religiöser Überzeugung entweicht so die Seele aus dem Tier, erst dann darf es verspeist werden. Das Tier erleidet dabei aber minutenlang einen qualvollen Tod. Das Schächten ist im Judentum und im Islam Pflicht.

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Belgien: Drastische Schächtbeschränkungen treten in Kraft

Seit dem 1. Januar ist in Teilen Belgiens das koschere Schlachten verboten. Auch das islamische Schächten ist dabei betroffen.

tachles

Am 1. Januar ist in der belgischen Region Flandern das Verbot des koscheren Schlachtens in Kraft getreten. Bereits im Juli 2017 war das Gesetz vom Parlament der Region verabschiedet worden, welches das Schlachten von Tieren ohne vorherige Betäubung untersagt. Auch das Schlachten nach dem islamischen Ritus wird gemäss dem neuen Gesetz verboten sein.

Die Region von Wallonien in Süd-Belgien verabschiedete bereits im Mai 2017 eine Gesetzgebung, die das koschere Schlachten verbietet. Das Gesetz wird im September 2019 in Kraft treten. «Dass Provinzen in Belgien diese Art von anti-religiöser Massnahme verabschiedet haben, ist ein Affront gegenüber den europäischen Werten, die wir alle so hoch halten», sagte Rabbi Pinchas Goldschmidt, Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz und Oberrabbiner von Moskau.

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Japan macht wieder Jagd auf Wale

APA/EPA/TIM WATTERS / SEA SHEPHE
Japan tritt aus der Internationalen Walfangkommission aus und nimmt ab Juli den kommerziellen Walfang wieder auf.

Die Presse.com

Schwarzer Tag für Tierschützer und Walfanggegner: Japan wird sich aus der Internationalen Walfangkommission (IWC) zurückziehen und den kommerziellen Walfang wieder aufnehmen. Das Land werde ab kommendem Juli zu kommerziellen Zwecken Wale jagen, kündigte Regierungssprecher Yoshihide Suga am Mittwoch an.

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Antarktis: Japanische Fischer töteten 122 trächtige Zwergwale

Japans Walfang in der Antarktis ist umstritten. Nun zeigen sich Umweltschützer besonders entsetzt – weil klar wird: Die Fischer aus Fernost haben bei ihrer letzten Fahrt auch mehr als 120 schwangere Tiere erlegt.

SpON

Japanische Walfänger haben bei ihrer jüngsten Expedition 122 trächtige Zwergwale und Dutzende Jungtiere getötet. Die Naturschutzorganisation Humane Society International bezeichnete die Zahlen als „schockierende Statistik und traurige Anklage der Grausamkeit von Japans Walfang“. Sie zeigten erneut die „grausame und unnötige Art der Walfangaktionen“, zumal sich gezeigt habe, dass „nichttödliche Studien für wissenschaftliche Zwecke ausreichen“, sagte Alexia Wellbelove von der Organisation.

Die umstrittene viermonatige Expedition in der Antarktis war im März zu Ende gegangen. Dabei waren fünf Schiffe im Einsatz. Sie hatten 333 Zwergwale getötet, wie die japanischen Behörden im vergangenen Monat der Internationalen Walfangkommission (IWC) mitgeteilt hatten.

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Religionsvertreter gegen mögliches Beschneidungsverbot in Island

Christen, Juden und Muslime in Europa kritisieren das in Island diskutierte Verbot der Beschneidung von Jungen.

evangelisch.de

Das Verbot würde die Religionsfreiheit verletzen und signalisieren, dass Juden und Muslime in dem Land unwillkommen seien, hieß es in einer am Donnerstag in Brüssel und Sankt Gallen veröffentlichten Erklärung der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), der sich Vertreter des Judentums und des Islams anschlossen.

In der jüdischen, islamischen und in gewissen christlichen Traditionen, beispielsweise in der Eritreischen und Äthiopischen Orthodoxen Kirche, sei die Beschneidung von Jungen „ein grundlegendes Merkmal der Religionspraxis“, urteilen KEK und CCEE. Die männliche Beschneidung dürfe dabei „nicht mit der grausamen Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung verwechselt werden“, welche den Körper, die Rechte und Würde der Frauen verletze.

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Warum in Deutschland immer noch Babys sterben

Die Versorgung von Frühchen braucht viel Erfahrung. (Foto: Alessandra Schellnegger)
Laut einer neuen Statistik ist die Säuglingssterblichkeit in Deutschland höher als zum Beispiel in Japan oder Island. Geburtsmediziner Uwe Hasbargen über vermeidbare Todesursachen und die Verniedlichung der Geburt.

Von Berit Uhlmann | Süddeutsche Zeitung

2,6 Millionen Kinder sterben jährlich in den ersten vier Lebenswochen, heißt es in einem Bericht von Unicef. In Deutschland überleben etwa zwei von 1000 Neugeborenen den ersten Monat nicht. Verglichen mit Entwicklungsländern ist das ein sehr guter Wert, doch es gibt einige Industrienationen, die in der Statistik noch deutlich vor der Bundesrepublik liegen. Wie ein Teil der Todesfälle vermieden werden könnte, erläutert Uwe Hasbargen, Leiter des Perinatalzentrums der LMU München. Das Zentrum umfasst Geburtshilfe, pränatale Diagnostik sowie Neu- und Frühgeborenenstationen.

SZ: Deutschland schneidet in der jüngsten Unicef-Statistik zur Säuglingssterblichkeit schlechter ab als beispielsweise Japan oder Island. Liegt das an der Medizin oder an der Statistik?

Uwe Hasbargen: Ich kann Ihnen nicht sagen, wie die Geburtshilfe in Japan organisiert ist oder welche Gepflogenheiten dort herrschen. Prinzipiell aber kann es in internationalen Vergleichen zu Verzerrungen kommen. In einigen Ländern werden extreme Frühchen, die vor der 25. Woche zur Welt kommen, von vornherein als nicht lebensfähig erachtet und die Geburt so geleitet, dass sie tot geboren werden. Sie werden in der Sterblichkeitsstatistik nicht berücksichtigt. In Deutschland bemühen sich die Ärzte, wenn Eltern das wollen, mit allen Mitteln um diese Kinder. Leider sterben einige von ihnen trotzdem – und tauchen in der Statistik auf.

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Anlage „versteinert“ CO2 aus der Luft

Am Geothermie-Kraftwerk Hellisheidi auf Island wird erstmals CO2 aus der Luft in Stein verwandelt. © Arni Saeberg/ Carbfix
Eingefangen und versteinert: In Island wird künftig Kohlendioxid aus der Luft in Karbonatgestein umgewandelt – und so dem Klimasystem entzogen. Eine jetzt installierte Pilotanlage filtert dafür CO2 aus der Umgebungsluft und leitet das Gas in den Untergrund. Chemische Reaktionen im porösen Basaltgestein führen dazu, dass das CO2 zu Karbonat mineralisiert. Dass diese Versteinerung funktioniert, haben bereits vorherige Pilotversuche bewiesen – jetzt wird dies erstmals mit Direct-Air-Capture kombiniert.

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Es klingt verlockend: Wenn wir es schon nicht schaffen, unsere CO2-Emissionen genügend zu reduzieren, könnten wir das Treibhausgas ja nachträglich aus der Luft entfernen. Dieses sogenannte „Direct-Air-Capture“ (DAC) galt jedoch lange als wenig effektiv und zu aufwändig. Doch im Sommer 2017 ist in der Schweiz die erste kommerzielle Anlage für das Direct-Air-Capture in Betrieb gegangen – sie soll beweisen, dass sich diese Technologie doch lohnen kann.

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Wie ein verurteilter Sexualstraftäter die isländische Regierung zu Fall bringt

Islands Premierminister Bjarni Benediktsson © Angela Weiss/AFP
Ein Vertuschungsskandal um einen verurteilten Sexualstraftäter hat Island in eine Regierungskrise gestürzt. Im Zentrum der Affäre steht der Vater des Ministerpräsidenten.

Von Daniel Bakir | stern.de

Dafür, dass Island ein beschaulicher Inselstaat am Rande Europas ist, haben es die politischen Skandale in letzter Zeit in sich. Erst neun Monate ist es her, dass der damalige Regierungschef David Gunnlaugsson nach Enthüllungen in den sogenannten „Pamana Papers“ zurücktreten musste. Er soll eine Beteiligung an einer Briefkastenfirma in einer Steueroase verschwiegen haben.

Nun ist auch die Folgeregierung am Ende und wieder geht es um einen Skandal in höchsten Regierungskreisen. Die isländische Partei Bright Future hat die Koalition mit den Konservativen und den Liberalen aufgekündigt und das Land damit in eine Regierungskrise gestürzt. Der konservative Ministerpräsident Bjarni Benediktsson kündigte am Freitagabend an, dass er Neuwahlen im November wolle. „Wir haben die Mehrheit verloren und ich sehe nicht, dass wir sie wiederherstellen können“, sagte er vor Journalisten. Islands Präsident nahm das Rücktrittsgesuch des Premiers am Samstag Medienberichten zufolge an.

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Down-Syndrom-Risiko: Island im Zentrum einer Ethik-Kontroverse

Island. Bild: ©Alex Akesson.
Kinder mit Down-Syndrom werden in Island fast keine mehr geboren. Das Gesundheitswesen bietet Tests und die Möglichkeit von Schwangerschaftsabbrüchen an. Kritiker sehen das als verdeckte Eugenik.

Von Rudolf Hermann | Neue Zürcher Zeitung

Die Isländer – ein Volk von Mördern? Eine Nation mit verdeckten nazistischen Tendenzen? Man könnte es glauben, wenn man Kommentare in amerikanischen und anderen Medien liest, in welchen dieser Tage die Bewohner der Nordatlantikinsel scharf angegriffen werden. Im Zentrum der Kontroverse steht die Tatsache, dass es in Island nur sehr wenige Kinder mit Down-Syndrom (oder Trisomie 21) gibt. Aber nicht deshalb, weil die Medizin ein Rezept zur Behandlung dieser Chromosomen-Aberration gefunden hätte, sondern weil eine grosse Zahl werdender Mütter, bei denen nach Tests eine hohe Wahrscheinlichkeit des Auftretens beim Kind diagnostiziert wurde, sich zu einem Schwangerschaftsabbruch entscheidet.

In Island ist eine Abtreibung bei gewissen Indikationen auch nach der 16. Woche noch möglich, etwa wenn bei einem Fötus akuter Verdacht auf einen Defekt wie beispielsweise das Down-Syndrom besteht. Seit etwa der Jahrtausendwende bietet das öffentliche Gesundheitswesen schwangeren Frauen eine Serie entsprechender Tests an, und die meisten entscheiden sich bei einer schlechten Prognose für einen Schwangerschaftsabbruch. Diese Tests lassen laut Angaben des isländischen Universitätsspitals vier von fünf schwangeren Frauen durchführen, und von denjenigen, die nach Absolvieren der gesamten Testreihe mit dem Auftreten des Down-Syndroms rechnen müssten, entschieden sich «fast alle» zur Abtreibung.

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Nordpolarmeer war einst ein Süßwassersee

Heute ist das Nordpolarmeer salzig, doch vor 36 Millionen Jahren bildete es einen gigantischen Süßwassersee. © Alfred-Wegener-Institut, Stefan Hendricks / CC-by-sa 4.0
Vom See zum Meer: Das Nordpolarmeer war noch bis vor rund 36 Millionen Jahren ein gigantischer Süßwassersee. Denn die Bering-Landbrücke und eine weitere Barriere zwischen Grönland und Schottland riegelten den arktischen Ozean gegen den Atlantik und Pazifik ab. Erst, als diese Landbrücken langsam im Meer versanken, entwickelte sich zunächst ein Brackwassergebiet und dann das salzige Nordpolarmeer, wie Geologen im Fachmagazin „Nature Communications“ berichten.

scinexx

Jedes fließen etwa 3.300 Kubikkilometer Süßwasser in das Nordpolarmeer – vor allem aus den schmelzenden Gletschern der Arktis. Das entspricht rund einem Zehntel des jährlichen Wassereintrags aller Flüsse der Welt zusammen. Doch der stetige Salzwasser-Einstrom aus Atlantik und Pazifik sorgt heute dafür, dass sich das Wasser mischt und das Nordpolarmeer salzig bleibt.

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Strom aus dem Vulkan

(Bild: Iceland Drilling)
Forscher wollen aus der Hitze von Vulkanen Strom gewinnen. Bei einem Projekt in Island melden sie nun erste Erfolge – und wecken die Hoffnung auf eine nie versiegende Energiequelle.

Von Ben Schwan | heise online

Genau 4659 Meter erreichte die Bohrung des Iceland Deep Drilling Project (IDDP) Anfang 2017. Damit stießen die Ingenieure so tief vor wie kein Erdwärmeprojekt vor ihnen. Vor allem aber bohrten sie auf der Halbinsel Reykjanes im Südwesten Islands Vulkangestein an. Damit wecken sie die Hoffnung auf eine reichhaltige und über sehr lange Zeit ergiebige Energiequelle, berichtet Technology Review in seiner April-Ausgabe (am Kiosk oder online zu bestellen).

Überkritisches Wasser

Am Grund des Lochs haben die Ingenieure im Porenwasser des Gesteins eine Temperatur von 427 Grad Celsius bei einem Druck von 340 Bar gemessen. Unter diesen Bedingungen ist Wasser überkritisch, also weder flüssig noch gasförmig. Es enthält enorm viel Energie. Allein aus der Bohrung in Reykjanes ließen sich 50 Megawatt Leistung gewinnen, genug zur Versorgung von 50000 Einfamilienhäusern.

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Island: Elfen-Alarm auf der Baustelle

Island. Bild: ©Alex Akesson.
Island. Bild: ©Alex Akesson.
Der Respekt der Isländer vor überirdischen Wesen ist legendär. Jetzt mussten Straßenarbeiter einen versehentlich zugeschütteten Felsen wieder freilegen, um aufgebrachte Elfen zu besänftigen.
 

SpON

Paranormaler Protest in Island: Elfen sollen eine Reihe unangenehmer Verwicklungen auf einer Baustelle provoziert haben. Der Grund? Bei Straßenarbeiten sei ein „Elfenfels“ zugeschüttet worden. So berichtet es zumindest die Zeitung „Morgunbladit“.

Kaum war der heilige Stein unter der Erde verschwunden, ereigneten sich seltsame Dinge: Ein Angestellter der Straßenbaufirma Bass, Sveinn Zophoniasson, berichtete, dass die Straße überflutet worden sei.

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Zwischen Naturglaube und Christentum

Island. Bild: ©Alex Akesson.
Island. Bild: ©Alex Akesson.
Egal ob an Elfen, Trolle oder Jesus – in Island ist der Glaube weit verbreitet. Doch obwohl heidnische Volkssagen als touristische Attraktion angepriesen werden, sind sie für die Isländer eher weniger spektakulär. Ihr Interesse gilt vielmehr dem Christentum.

Von Luisa Heß | evangelisch.de

Dampfende Geysire, weite, verlassene Landstriche, schroffe Vulkanformationen: Die isländische Landschaft bietet viel Raum für Mystik und Fantasie. Kein Wunder, dass sich einige Isländer auch im Glauben an Elfen und Trollen verwurzelt fühlen. Tatsächlich spielt diese Überzeugung in dem dünn besiedelten Land aber eine eher untergeordnete Rolle: „Der Elfenglaube wurde in den vergangenen Jahren immer mehr durch den Tourismus hervorgehoben – eigentlich ist er aber gar nicht so präsent“, sagt Sverrir Schopka, Vorsitzender, der deutsch-isländischen Gesellschaft in Köln. Wichtiger sei den Isländern hingegen der christliche Glaube.

„Der Glaube spielt in Island eine große Rolle“, sagt Schopka: „Der Hauptteil der Isländer ist evangelisch.“ Tatsächlich sind mehr als drei Viertel der 328.000 Einwohner Islands Mitglied in der evangelisch-lutherischen Kirche (76 Prozent). Die Glaubensgemeinschaft selbst geht derzeit von rund 243.000 Mitgliedern aus. Seit dem 17. Juni 1944 ist die evangelisch-lutherische Kirche als Staatsreligion in der Verfassung der Republik festgelegt.

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Belege für gewaltige Vulkanausbrüche am Meeresgrund

3-D Darstellung des Mittelatlantischen Rückens im Bereich der Kolbeinsey Ridge © GEOMAR
Von wegen ruhig und stetig: Die Unterseevulkane entlang der mittelozeanischen Rücken können weitaus gewaltigere Ausbrüche verursachen als bislang gedacht. Hinweise auf solche extremen Aktivitätsphasen haben Forscher jetzt am Mittelatlantischen Rücken nördlich von Island entdeckt. Dort gibt es möglicherweise alle rund 30.000 Jahre Perioden von enormen Eruptionen – und Ähnliches könnte auch für andere mittelozeanische Rücken gelten.

scinexx

Wie feurige Nähte ziehen sich die mittelozeanischen Rücken durch die Meere. An ihnen quillt Lava aus der Erde und bildet fortwährend neue ozeanische Kruste. „Etwa 70 Prozent der Erdoberfläche wurden durch vulkanische Eruptionen an den mittelozeanischen Rücken erzeugt“, erklärt Erstautorin Isobel Yeo vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Die meisten dieser Vulkanzonen fördern diese Lava heute stetig, aber wenig explosiv. Doch bereits 2015 stießen Forscher auf Indizien dafür, dass Unterseevulkane einst weitaus aktiver waren.

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Island: Gold unter heißen Quellen entdeckt

Geothermische Aktivität auf der isländischen Halbinsel Reykjanes – unter diesen heißen Quellen ist das Tiefenwasser mit Gold angereichert. © Christian Bickel / CC-by-sa 2.0 de
Unterirdische Goldquelle: Tief unter den heißen Quellen von Reykjanes auf Island haben Forscher buchstäblich goldenes Wasser entdeckt. Denn das heiße, salzige Tiefenwasser enthält dort 14 Mikrogramm Gold pro Kilogramm – das ist 500.000-fach mehr als in normalem Meerwasser. Woher dieses Edelmetall kommt und warum es dort so stark konzentriert wurde, ist aber noch unklar, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature Geoscience“ berichten.

scinexx

Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hofften Chemiker, Gold aus dem Wasser der Ozeane gewinnen zu können. Doch der Traum verflog, als die tatsächlichen Goldkonzentrationen erstmals richtig bestimmt wurden: Ein Liter Meerwasser enthält nur einige Milliardstel Gramm Gold. Es gibt allerdings Ausnahmen: Rund um die „Schwarzen Raucher“ der Tiefsee haben sich im Laufe der Erdgeschichte Ablagerungen gebildet, die deutlich mehr Gold enthalten. Diese Erzlager gelten daher als mögliche Ziele für einen künftigen Tiefsee-Bergbau.

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Extremer Sturm im Nordatlantik: Am Nordpol wird es so warm wie in Südkalifornien

Vorhersagekarte des Luftdrucks für Mittwochfrüh: Ein extremes Tiefdruckgebiet im Nordatlantik saugt milde Luft aus Süden zum Nordpol. ECMWF
Im Nordatlantik zieht gefährliches Wetter auf: Ein extremer Tiefdruckwirbel schaufelt warme Luft zum Nordpol – dort wird es 30 Grad wärmer als üblich. Der Wind beschleunigt auf Hurrikanstärke, es droht riesiger Wellengang.

Von Axel Bojanowski|SpON

Starke Stürme sind normal im Nordatlantik, zumal im Winter. Derzeit jedoch braut sich Besonderes zusammen.

Der Luftdruck werde dort in den kommenden Stunden auf rund 920 Millibar absacken, berichten Wetterdienste – ein Extremwert, Durchschnitt sind etwa tausend. Entsprechend kräftig saugt die Region Luft an.

Zwei benachbarte riesige Tiefdruckgebiete dürften den Windvorhersagen zufolge auf Hunderten Kilometern Breite auf Hurrikanstärke beschleunigen. Besonders Island muss sich wappnen, aber auch Großbritannien muss mit kräftigem Sturm rechnen.

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Zuismus: Islands neue Pay-Back-Religion

Demo in Reykjavik: Zwar ging es bei diesen Protesten nicht um Kirchensteuer, sondern dem Umgang der Politik mit der Finanzkrise. Was die Form ihres Widerstands angeht, sind die Isländer aber immer noch sehr kreativ AP
Im 330.000 Einwohner-Staat Island findet derzeit eine kleine Religion massiven Zulauf: der Zuismus. Dass die Glaubensrichtung, die angeblich sumerische Götter verehrt, so einen Run verzeichnet, dürfte allerdings weniger an einer Begeisterung für mesopotamische Gottheiten liegen – eher an den weltlichen Vorstellungen der isländischen Gründer.

Von Mirjam Hecking|manager magazin

Diese wehren sich nämlich dagegen, dass Religionen in Island mehr Rechte zugestanden werden als anderen Organisationen. Deshalb wollen sie ihren Anhängern die gezahlte Kirchensteuer rückerstatten, die in Island ähnlich wie in Deutschland automatisch vom Staat eingezogen und einmal im Jahr ausgeschüttet wird.

Steuer-Rückerstattung als Religionsprinzip

Das Angebot stößt in dem Inselstaat auf begeisterten Zulauf. Mehr als 3100 Menschen – fast ein Prozent der isländischen Bevölkerung – sind der neuen Payback-Religion laut Pressebereichten in den vergangenen Wochen beigetreten. Seit Oktober liegt der Zuwachs demnach bei mehr als 6000 Prozent, rechnete eine isländische Nachrichtenseite aus.

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