Friedensmesse in Kirche unter Polizeischutz aufgeführt

In der Bremer Friedenskirche ist am Sonntag unter Polizeischutz die Friedensmesse „The Armed Man“ des britischen Komponisten Karl Jenkins aufgeführt worden. Etwa 350 Besucher seien zu dem „musikalischen Gottesdienst“ gekommen, an dem mehr als 40 Sängerinnen und Sänger sowie ein Projektorchester beteiligt waren, sagte der evangelische Pastor Bernd Klingbeil-Jahr dem epd. Weil während des Oratoriums unter anderem ein Muezzin zum Gebet ruft, hatte der Theologe vorher aus dem gesamten Bundesgebiet zahlreiche Hassmails erhalten.

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Während der Messe war die Polizei mit bis zu 30 Beamten vor Ort, sagte Klingbeil-Jahr. Proteste vor der Kirche seien ausgeblieben. Für Klingbeil-Jahr ist die Kritik an dem Stück von Jenkins nicht nachvollziehbar und weist auf mangelnde Sachkenntnis hin. Das Werk sei ein Appell des Komponisten, gemeinsam für Frieden zwischen Christen, Juden und Muslimen einzutreten, betonte der Pastor.

Gerade am Volkstrauertag und in heutiger Zeit komme dem Stück eine besondere Bedeutung zu. „Der Missbrauch von Religion für kriegerische Aktivitäten muss von uns gemeinsam zurückgedrängt werden“, sagte Klingbeil-Jahr.

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Der Islam ist ein Teil der CDU

Cemile Giousouf machte eine steile Karriere in der CDU – trotz oder wegen ihres Migrationshintergrundes? picture alliance
Neu im Bundestag, erste Muslimin in der Unionsfraktion, jetzt mehr gefragt denn je. Cemile Giousouf will einen neuen deutschen Islam


Von Werner Sonne|Cicero

Sie ist auf dem Weg, die Vorzeigetürkin ihrer Partei zu werden, dabei ist sie eigentlich Griechin, den Pass hat sie neben dem deutschen bis heute. Geboren ist sie jedoch in Leverkusen-Schlebusch, Tochter von Eltern, die zur türkischen Minderheit in Griechenland gehörten. Und jetzt, in den Tagen nach dem Charlie-Hebdo-Massaker, hat sie viel zu tun: Gespräch mit Christen, Juden und Muslimen im Bundestag, Teilnahme an der Islam-Konferenz, Gesicht zeigen bei der Mahnwache der muslimischen Verbände am Brandenburger Tor.

Kein Zweifel, die CDU-Politikerin Cemile Giousouf ist gefragt. Spricht man mit Parteifreunden, dann merkt man schnell, wie froh sie gerade jetzt sind, die 36 Jahre junge Frau gefördert zu haben.

„Ich war’s“, sagt Christoph Purps und outet sich als der Mann, der seiner Partei eine Premiere beschert hat: die erste muslimische Bundestagsabgeordnete der CDU. Er ist der CDU-Kreisvorsitzende im westfälischen Hagen. Jeder Dritte hat dort ausländische Wurzeln, jedes zweite Kind einen Migrationshintergrund. Als die Bundestagswahl 2013 anstand, fehlte den Christdemokraten ein Kandidat für Berlin.

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Gotteslästerung ist ein Menschenrecht

der_die_das_gottDer Blasphemie-Paragraph gehört abgeschafft. Der Wunsch von Konservativen, die Strafen für Gotteslästerung im Gegenteil noch zu verschärfen, geht ohnehin ins Leere: Denn er beruht auf der falschen Annahme, der Paragraph 166 schütze religiöse Gefühle


Von Alexander Grau|Cicero

Pluralistische Gesellschaften sind anstrengend, keine Frage. Man muss ertragen, dass andere Menschen einen anderen Geschmack haben, andere Ansichten und andere Moralauffassungen. Besonders gemeine Zeitgenossen machen sich sogar über den Lebensstil anderer lustig oder ziehen in den Schmutz, was diesen lieb und teuer ist. Das nervt und kann verletzend sein.

So richtig empfindlich reagieren Menschen, wenn ihr religiöser Glaube, dessen Symbole oder Institutionen angegriffen werden. Das ist zunächst nicht verwunderlich. Denn für viele Menschen ist Religion nach wie vor das, „was uns unmittelbar angeht“, wie es der protestantische Theologe Paul Tillich einmal formulierte. Und selbst für diejenigen, die es weniger existentialistisch sehen, ist jeder Angriff auf ihre Religion immer auch eine Attacke auf die eigene Kultur, auf Traditionen oder wertvolle Erinnerungen.

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Ethikrat berät über religiöse Beschneidung

Jüdische Beschneidungszeremonie (Bild: picture alliance / dpa / Bea Kallos

Der Deutsche Ethikrat hat sich mit der Frage der Zulässigkeit religiöser Beschneidungen befasst. Der Jurist Reinhard Merkel äußerte sich zuvor im Deutschlandfunk skeptisch, ob Juden aus rechtlicher Sicht einen Anspruch darauf haben.

dradio.de

Das Landgericht Köln hatte die Vorhautentfernung bei minderjährigen Jungen aus religiösen Motiven als Körperverletzung und Straftat gewertet; sie widerlaufe dem Kindeswohl. Seitdem herrscht bei Juden und Muslimen Unsicherheit. In beiden Religionen gehört die Beschneidung zur Tradition. Glaubensvertreter protestierten heftig: Avichai Apel von der orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland bezeichnete das Vorgehen als „schwersten Angriff auf jüdisches Leben seit dem Holocaust“. Die Bundesregierung ist bemüht, die Wogen zu glätten und will Beschneidungen gesetzlich regeln.

Ob eine Vorhautentfernung aus religiösen Gründen zulässig ist, darüber hat nun der Deutscher Ethikrat erstmals debattiert. Der evangelische Theologe Peter Dabrock, der Verfassungsrechtler Wolfram Höfling, der jüdische Arzt Leo Latasch, der muslimische Medizinethiker Ilhan Ilkilic und der Jurist Reinhard Merkel trugen in Referaten ihre Positionen vor. Sie sind nicht einer Meinung. Ethikrat-Vize Dabrock sagte in der öffentlichen Sitzung, man dürfe jüdischen und muslimischen Eltern nicht unterstellen, sie hätten das Kindeswohl nicht im Blick.

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