Macht und Ohnmacht eines Pontifex

Papst Franziskus begrüßt Gläubige in der St. Mary’s Kathedrale in Yangon, Myanmar | Foto: reuters
Papst Franziskus stößt bei seinem Myanmar-Besuch an seine Grenzen

Von Norbert Eschborn, Sarah Sisouphantavong | Konrad-Adenauer-Stiftung

Die politische Macht der Päpste war schon im 20. Jahrhundert seit der Rolle Pius XII. in Zusammenhang mit der Judenverfolgung während der Zeit des Nationalsozialismus überaus umstritten. Während Europa Zentrum von Christentum und Katholizismus war und ist, gilt dies für Asien nicht in gleichem Maße. Jedoch war es allemal ein historischer Moment für die katholische Kirche im einstigen Birma, als Papst Franziskus in der letzten Novemberwoche dort Staatsgast war.

Nicht nur, weil es sich um die erste Visite eines Papstes in dem südostasiatischen Land und den ersten Besuch für Franziskus in einem mehrheitlich buddhistischen Staat handelte, sondern auch aufgrund der aktuellen, spannungsgeladenen politischen Situation, die Myanmar in den letzten Monaten immer wieder negative internationale Schlagzeilen einbrachte. Eine mit Spannung erwartete Reise, die mit einer überglücklichen katholischen Gemeinde vor Ort, jedoch auch mit einer kritischen Reaktion der internationalen Öffentlichkeit endete.

Auch wenn das Christentum mit 6,2% Angehörigen eine Minderheit darstellt, so ist es dennoch die zweitgrößte Religion in Myanmar. Vor mehr als 500 Jahren erreichte der Katholizismus mit den Portugiesen die damaligen Königreiche Ava und Pegu. Aktuell gibt es nach Angaben des Vatikans 659.000 Katholiken in Myanmar (ca. 1,29% der Bevölkerung), die in den 16 Bistümern im Land leben. Für die rund drei Millionen Christen, die vor allem den ethnischen Minderheiten der Chin, Karen, Kachin und Karenni angehören, wurde der Besuch unter dem Motto „Love and Peace“ als ein Segen für die angespannte Situation im Land wahrgenommen. Tausende von ihnen pilgerten aus ganz Myanmar nach Yangon, um den Pontifex willkommen zu heißen. Die Mehrheit der rund 51 Millionen Birmanen jedoch scherte sich recht wenig um den päpstlichen Besuch. Seine Ankunft erregte bei ihnen lediglich etwas Neugier aufgrund der verstärkten Präsenz der Sicherheitskräfte auf den Straßen und ließ Imbissbesitzer auf höhere Umsätze durch mehr Besucher hoffen.

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Wir fordern einen jüdischen Feiertag für Deutschland!


Keine Religion existiert so lange auf dem Gebiet des heutigen Deutschland wie das Judentum

Von Eva Quistorp | Jüdische Rundschau

Das erste Mal in meinem Leben – ich bin ein Nachkriegskind aus dem August 1945 – als ich von einem jüdischen Feiertag gehört habe, war wohl schon bei meiner Patentante Luise Thilo in Haan bei Wuppertal, die in der Zeit der Bekennenden Kirche mit einer Jüdin befreundet war, die überlebt hatte und die mir von ihren Besuchen in tiefer Erinnerung ist. Doch das ging als Kind an mir vorbei. Es gehörte aber zu meiner Lern- und Lebensatmosphäre auch in dem Pfarrhaus der Bekennenden Kirche, in dem ich in Heiligenkirchen, Kleve und Minden mit meinen Eltern aufwuchs.

Mein Vater sprach wortgewaltig und in der prophetischen Tradition fast in jedem Gottesdienst, bei dem ich allmählich etwas verstand, die Judenverfolgung als großes Verbrechen an und donnerte gegen das Versagen der Christen. In vielen Formen, auch beim Tischgebet oder den Zinzendorflosungen (Herrnhuter Losungen) erinnerte er uns ständig an die Wurzeln des Christentums im Judentum, im Alten Testament, der Thora. Bei mir hat sich das tief eingeprägt. Es kam mir selbstverständlich vor.

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Theologen des Judenhasses

Auf der Wartburg in Eisenach wurde im Mai 1939 das Entjudungsinstitut eingeweiht (dpa/picture alliance/Klaus Nowottnick)
Viele Deutsche haben versagt im Nationalsozialismus – auch Theologen. In Eisenach versuchte das sogenannte „Entjudungsinstitut“ alles auszumerzen, was jüdisch ist im Christentum. Heute wächst die Kritik in der evangelischen Kirche am Umgang mit dieser Vergangenheit – nicht nur am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag.

Von Carsten Dippel|Deutschlandfunk

Eisenach, 1990. Eine Zeit des Umbruchs. Die friedliche Revolution trägt ihre ersten Früchte. In jenen Tagen ist die Stadt am Fuße der Wartburg eine Hochburg der gern als protestantisch gesehenen Revolution. Der Sitz des Landesbischofs, die Kirchenmusikschule und das Predigerseminar, die vielen Pfarrfamilien: Eisenach war auch zu DDR-Zeiten immer ein Ort protestantischen Selbstbewusstseins geblieben.

Doch nun tauchen plötzlich im Keller des Landeskirchenamtes, dort wo ein Magazin des kirchlichen Archivs untergebracht ist, alte Akten auf. Leicht vergilbte Papierbündel, mit Schnüren verpackt. Ein „Giftbestand“ im Archiv der Landeskirche? Was da als unbearbeitetes Konvolut zum Vorschein kommt, will so gar nicht ins Bild dieser aufbruchsschwangeren Stimmung passen. Denn es fördert Details einer äußerst unbequemen Geschichte zu Tage, eine Geschichte, über die die Evangelische Kirche jahrzehntelang den Mantel des Schweigens gehängt hatte. Es sind Akten des „Instituts zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“, gegründet im Frühjahr 1939.

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Bremen: Olaf Latzel, Abtreibungen und der Holocaust

Pastor Latzel fühlt sich missverstanden. Foto: dpa
Die Affäre um den strenggläubigen evangelischen Pastor Olaf Latzel, der in einer Predigt andere Glaubensrichtungen beschimpft hatte, weitet sich aus: Nach Darstellung von Eltern soll der Bremer bereits vor Jahren auf einem Kindergartenfest Abtreibung als Mord hingestellt haben.


Von Eckhard Stengel|Frankfurter Rundschau

Publik wurde der frühere Vorfall durch einen Leserbrief, den ein Vater jetzt in der Bremen-Ausgabe der „tageszeitung“ (taz) veröffentlichte. Auf Nachfrage der FR sagte der 49-jährige Physikprofessor, bei einem Kindergartenfest einer christlichen Elterninitiative habe Latzel über Abtreibung gesprochen, und zwar in dem Sinne, dass es sich dabei um Mord handele. Die rund 50 Kinder hätten diese Aussage nachsprechen sollen, damit auch ihre anwesenden Eltern es noch einmal aus ihrem Mund zu hören bekämen.

Die Mutter eines anderen Kindes bestätigte diesen Vorwurf weitgehend. Sie könne zwar nicht beschwören, dass Latzel das Wort „Mord“ verwendet habe, sagte die 47-jährige Beamtin aus der Bremer Senatsverwaltung zur FR – „aber etwas in der Art“. Mehrfach habe er die Kinder aufgefordert, dies wie eine Art Refrain zu wiederholen.

Der Pastor selbst sagte der FR, er habe vor den Eltern und Kindern davon gesprochen, „dass Abtreibung nicht in Ordnung ist“. Er lasse auch gerne Kinder etwas nachsprechen, aber er schließe aus, dass die Kleinen damals Aussagen zur Abtreibung wiederholen sollten.

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Zweiter Weltkrieg: Viele Kirchenleute blieben stumm

Gott_mit_uns_1WKMit dem deutschen Überfall auf Polen begann vor 75 Jahren der Zweite Weltkrieg. Die Kirchen riefen zwar nicht mit „Hurra“ zu den Waffen, hielten sich aber mit Kritik zurück. Nur einzelne Geistliche erhoben ihre Stimme – oft mit Konsequenzen.

Von Nils Sandrisserevangelisch.de

Die ersten Schüsse des Zweiten Weltkriegs fallen frühmorgens. Kurz vor Sonnenaufgang beschießt das deutsche Schulschiff „Schleswig-Holstein“ am 1. September 1939 die polnische Garnison auf der Westerplatte, einer Halbinsel bei Danzig. Aus deutschen Flugzeugen fallen Bomben auf polnische Städte, Panzer rollen über die Grenze. Hitler überfällt den östlichen Nachbarn. Im Reichstag gibt er den Angriff am Vormittag als Verteidigungsaktion aus, eine dreiste Lüge. Es ist der Beginn eines Krieges, der sechs Jahre dauern wird und in dem mehr als 60 Millionen Menschen sterben.

Von den großen Kirchen Deutschlands kommt kaum Widerspruch zu dem Feldzug. Sie fallen – nach einem Wort des evangelischen Widerstandkämpfers Dietrich Bonhoeffer – dem Rad nicht in die Speichen. Ein großes Hurra der Kirchen wie noch im Ersten Weltkrieg gibt es zwar nicht, protestantische und katholische Theologen bleiben angesichts des Kriegsausbruchs aber meist stumm oder äußern sich sogar bestärkend.

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Historikerin: Gleichgültigkeit der Kirchen begünstigte Judenverfolgung

Propaganda der "Deutschen Christen" in Berlin (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1985-0109-502 / CC-BY-SA)
Propaganda der „Deutschen Christen“ in Berlin (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1985-0109-502 / CC-BY-SA)
Die evangelische Kirchenhistorikerin Dorothea Wendebourg hat die kirchliche Mitverantwortung für die Judenverfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus bekräftigt.

evangelisch.de

Die „starke Gleichgültigkeit“ der Kirchen während des Nationalsozialismus in Deutschland sei viel schlimmer gewesen als antijudaistische Aussagen, sagte Wendebourg am Donnerstagabend in Erfurt auf dem „Luther-Disput“ der Tageszeitung „Thüringer Allgemeine“.

Die Berliner Theologieprofessorin diskutierte mit dem Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Reinhard Schramm, über die Haltung des Reformators Martin Luthers zum Judentum. Luther habe in seinen Schriften den Antijudaismus der damaligen Zeit „auf die Spitze getrieben“, sagte Schramm. „Luther musste man in der NS-Zeit nicht missbrauchen, sondern nur benutzen.“ Die Auswirkungen seien fatal gewesen.

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Wenn der Bundespräsident eine katholische Lebenslüge bebetet

Joachim_GauckBundespräsident Gauck betete spontan am Grab des „seligen“ Bischofs von Galen in Münster. So meldet es die Seite kath.net am heutigen Tage.

Von Uta Ranke-HeinemannNetzwerk Regenbogen

Mit der absehbaren Niederlage des deutschen Nationalsozialismus wurde durch den Katholizismus ein gigantisches Verdeckungsmanöver, welches das Gesicht des offiziellen Christentums in Deutschland zu retten und wiederzugewinnen vermochte, gestartet.»Im Schatten der Ruinen entstand jenes mächtige Gebäude der Lebenslüge der deutschen Christenheit«, schreibt der katholische Wiener Historiker Friedrich Heer. Wir reden vom Märchen des Widerstands der katholischen Kirche gegen das Naziregime in Deutschland und hier speziell gegen die industrialisierte Ermordung von Juden. In der Nachkriegszeit gelingt es der katholischen Kirche, durch Selig-und Heiligsprechungen, sich selbst als tapfere Widerstandskämpferin gegen die Judenverfolgung zu generieren.

Den Protest des Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen (1878-1946), gegen die Ermordung von Behinderten zu protestieren muss man anerkennen.
»In einem Hirtenbrief vom 14. September 1941 übte er scharfe Kritik … wie schon zweimal zuvor, an der Tötung von Geisteskranken. Die mutige Tat sichert Galen bis heute Bewunderung. Weniger häufig wird ein anderer Passus aus dem gleichen Hirtenbrief erwähnt. Darin nannte es der Bischof von Münster eine ›Befreiung von einer ernsten Sorge und eine Erlösung von schwerem Druck‹, daß ›der Führer und Reichskanzler‹ am 22. Juni 1941 (anläßlich des Überfalls auf die Sowjetunion) den ›Russenpakt‹, also den deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag vom 23. August 1939, für erloschen erklärt habe. Galen zitiert in diesem Zusammenhang zustimmend Hitlers Wort von der ›jüdisch-bolschewistischen Machtherrschaft‹ in Moskau.« (Der Spiegel, 17.11. 2003) Ein Widerstand von Galens gegen die Judenvernichtung hat nie stattgefunden.
Im »Handbuch der religiösen Gegenwartsfragen«, 1937 erschienen, das die autoritative Stellungnahme der deutschen katholischen Kirche zu allen politischen und religiösen Fragen der NS-Zeit darstellt, heißt es im Artikel »Bolschewismus«: »Der Bolschewismus ist ein asiatischer Despotismus im Dienste einer Gruppe von Terroristen, angeführt von Juden«. Herausgeber dieses Handbuchs war Erzbischof Gröber von Freiburg, seit 1933 förderndes Mitglied der SS. Das Handbuch erschien mit Empfehlung des gesamten Episkopats, also auch von Galens, seit 1933 Bischof von Münster.
Im Sommer 1933 hatte die katholische Kirche mit Hitler das noch heute gültige Reichskonkordat abgeschlossen, das dem Staat u.a. die Möglichkeit gab, auf die Besetzung der Bischofssitze Einfluß zu nehmen. Von Galens »Ernennung zum Bischof von Münster am 5. September 1933 hatte sich sogar in betontem Einvernehmen von Kirche und Staat vollzogen«. (Rheinischer Merkur, 31.3.1989) Der Pfarrer von St. Lamberti in Münster galt »vor allem bei seinen geistlichen Mitbrüdern, kurz gesagt, als ›Nazi‹«. (Die Tageszeitung, 3.8.1991) Und so standen bei von Galens Bischofsweihe im Dom zu Münster SA-Formationen mit Hakenkreuzfahnen. Und in seinem ersten Hirtenbrief schreibt von Galen: »Wir wollen Gott dem Herrn für seine liebevolle Fügung dankbar sein, welche die höchsten Führer unseres Vaterlandes erleuchtet und gestärkt hat, daß sie die furchtbare Gefahr, welche unserem geliebten Volke durch die offene Propaganda für Gottlosigkeit und Unsittlichkeit drohte, erkannt haben und sie auch mit starker Hand auszurotten suchen.« (zit.n. Publik Forum, 31. Mai 1996)
Auch zum Krieg gegen England schreibt von Galen am 9. März 1941 im Katholischen Kirchenblatt für das Nördliche Münsterland: »Gott hat es zugelassen, daß das Vergeltungsschwert gegen England in unsere Hände gelegt wurde. Wir sind die Vollzieher seines gerechten Willens«.

»Dank an Hitler«

Der Widerstand der Kirche bezog sich auf die Verteidigung der engen Interessen der Kleruskirche, als da sind: Ehegesetze, katholisches Vereinswesen, Kruzifixe in den Klassenzimmern. Bis 1945 behandelten deutsche Bischöfe jene Priester und Laien, die sich zum Widerstand bekannten, als Aussätzige. Nicht die katholische Kirche war es, sondern es waren einzelne, die widerstanden, z.B. der katholische Priester Dr. Max Metzger, der 1944 hingerichtet wurde. Sein Bischof, Erzbischof Gröber, distanzierte sich in einem Brief vom 16. Oktober 1943 an den Blutrichter Freisler, der so viele Hitlergegner zum Tode verurteilte, mit dem Ausdruck seiner »hohen Verehrung und Wertschätzung« für Freisler (!) von dem »Verbrechen, dessen Metzger sich schuldig gemacht hat.« Zu diesem Brief, in dem der Henker gepriesen wird, erklärte am 24. Mai 1986 im WDR-Fernsehen Oskar Seier, Erzbischof von Freiburg: sein Vorgänger, Erzbischof Gröber, habe von Verbrechen Metzgers geredet, »um das Schlimmste zu vermeiden.«

Im April 1945 weigert sich der Bischof von Münster, englische und amerikanische Journalisten zu empfangen. Er betrachtet sie als »Feinde«. Und Ostern 1945, in seiner ersten Erklärung nach der Besetzung, sagt von Galen, sein Herz blute beim Anblick der vorüberziehenden Truppen unseres Feindes.

Der Bischof von Münster ein Widerstandskämpfer gegen das Hitlerregime? Oh nein. Der katholische US-amerikanische Historiker Gordon Zahn schreibt: »Die Kirche war eine Agentur des Dritten Reiches geworden.« Im deutschen Episkopat haben nur wenige Bischöfe die Begeisterung für Hitler nicht geteilt und der Judenverfolgung widersprochen: z.B. Bischof Sproll von Rottenburg und Bischof Preysing von Berlin. Gegen letzteren schreibt Goebbels in seinen Tagebuchaufzeichnungen vom 21. Februar 1942: »Der Bischof Preysing von Berlin betätigt sich weiter als Hetzer gegen die deutsche Kriegsführung.«

Auf kath.net lesen wir weiter

Bundespräsident Joachim Gauck hat bei seinem Besuch in Münster spontan das Grab von Clemens August Kardinal Graf von Galen (Bild) im St.-Paulus-Dom besucht. Gauck habe abseits des offiziellen Programms den Dom aufgesucht und am Grab des Bischofs gebetet und eine Kerze angezündet, teilte das Bistum Münster am Donnerstag mit. Gauck hatte zuvor die Universität Münster und das dortige Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) besucht.

Das Beten am Grabe eines Nazi-Bischof lässt sehr eindeutige Schlüsse auf die Geisteshaltung des Bundespräsidenten Gauck zu.

Tom Cruise goes crazy: Nazi-Anschuldigungen gegen deutschen Verlag

Tom Cruise
Tom Cruise

In seiner 50-Millionen-Klage hat Tom Cruise schwere Nazi-Anschuldigungen gegen den deutschen Bauer-Verlag vorgebracht. Auch ein US-Blatt konfrontierte er mit Faschismus-Vorwürfen.

Merkur Online – Dirk Sindermann

In dem Gerichtsstreit gegen den Bauer-Verlag wegen Verleumdung haben die Anwälte von Hollywoodstar Tom Cruise schwere Geschütze aufgefahren. Sie stellen das hochrangige Scientology-Mitglied Cruise auf eine Stufe mit den verfolgten Juden im Dritten Reich. Ihre These sollen historische Dokumente untermauern.

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Mutmaßlicher Antisemitismus beim Landgericht Berlin

LG Berlin, Bild: wikipedia

Kanzlei HOENIG Berlin

Die Vereinigung Berliner Strafverteidiger e. V. hat am 31.10.2013 die nachfolgend ungekürzt zitierte

Offene Stellungnahme und Presseerklärung zur Befangenheit eines Vorsitzenden Richters auch wegen des Verdachts antisemitischer Äußerungen

veröffentlicht (Fettdruck und Link zum Tagesspiegel durch den Blogautor):

Die Vereinigung Berliner Strafverteidiger ist über die ausbleibende Reaktion der Berliner Justiz zur Ablösung eines Richters wegen möglicher antisemitischer Vorbehalte besorgt. Äußerungen aus Justizkreisen sind – so sie überhaupt erfolgen – bagatellisierend und verniedlichend. Aus Sicht der Strafverteidigervereinigung besteht hierzu keinerlei Anlass.

Bereits in der vergangenen Woche wurde über den Beschluss des Landgerichts Berlin in BILD und im Tagesspiegel berichtet, mit dem ein Vorsitzender Richter des Landgerichts Berlin unter anderem deshalb für befangen erklärt wurde, weil sein Verhalten besorgen lasse, dass er „sich in seiner Entscheidungsfindung von unsachlichen Vorbehalten gegenüber Juden leiten lässt“.

Dieser Entscheidung lag ausweislich des Beschlusses folgender Sachverhalt zugrunde:

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Die katholische Kirche und der Holocaust

Pius XII beim Konkordat 1933 (CC-by-sa/3.0 Germany by Bundesarchiv DE)
Pius XII beim Konkordat 1933 (CC-by-sa/3.0 Germany by Bundesarchiv DE)

In seinem Buch Pius XII. und die Vernichtung der Juden forscht der belgische Philosoph Dirk Verhofstadt eingehend nach den Verstrickungen der Vatikans mit dem Nationalsozialismus und untersucht dabei unter anderem die Frage, wie viel die Kirche vom Holocaust wusste. Sein Befund: Der Vatikan war gut informiert und hat bis auf wenige Ausnahmen nichts dagegen unternommen. Der Grund: Die eindeutige Präferenz des Papstes für den Nationalsozialismus gegenüber Liberalismus und Kommunismus.

Telepolis – Reinhard Jellen

Herr Verhofstadt, können Sie uns Momente in der Geschichte der katholischen Kirche nennen, bei denen sie zu Ehren Adolf Hitlers die Glocken läuten ließ, beziehungsweise ihre Gebäude mit Hakenkreuzfahnen schmückte?

Dirk Verhofstadt: Zur Ratifizierung des Konkordats zwischen Nazi-Deutschland und dem Vatikan wurde am 10. September 1933 in Berlin mit einem Dankgottesdienst in der St.-Hedwigs-Kathedrale gefeiert. Domprediger Pater Marianus Vetter predigte über „den Geist des Konkordats“ und dankte nachdrücklich für die Vereinbarung zwischen dem Heiligen Vater und dem Führer, „der allgemein bekannt ist für seine Hingabe zu Gott und seine Sorge um das deutsche Volk“. Eine SA-Abteilung nahm mit Musikkorps und allem was dazugehört an der Messe teil. Nazifahnen und katholische Banner hingen nebeneinander, und während des Gottesdienstes wurde das Horst- Wessel-Lied gesungen.

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Knesset-Abgeordneter zerreißt Exemplar des Neuen Testaments

Bild: dreamstime.com

„Abscheuliches Buch“ für „millionenfachen Mord“ mitverantwortlich

WELT ONLINE

In Israel hat ein ultra-nationalistischer Parlamentsabgeordneter im Zorn ein unaufgefordert zugesandtes Exemplar des Neuen Testaments zerrissen. Nachdem am Dienstag Aufnahmen von der Tat im Internet kursierten, entzündete sich daran eine öffentliche Debatte. Der Abgeordnete Michael Ben Ari von der Nationalen Union rechtfertigte sein Vorgehen damit, dass dieses „abscheuliche Buch für millionenfachen Mord“ mitverantwortlich sei. Er verwies etwa auf die Judenverfolgung durch die kirchliche Inquisition.

Orthodoxe Juden provozieren mit NS-Symbolen

Ein ultra-orthodoxer jüdischer Junge trägt bei einer Demonstration einen Davidstern. Foto: dpa

Ultra-orthodoxe Juden stecken Kinder in KZ-Uniformen, um gegen angeblich anti-religiöse Hetze der israelischen Mehrheit zu protestieren. Abgeordnete sind empört und rufen nach dem Staatsanwalt.

Von Inge GüntherFrankfurter Rundschau

Es war keine große Demonstration, gerade mal tausend Anhänger brachte die ultra-orthodoxe Sekte Eda Haredit am Sonnabend auf den Sabbat-Platz in Jerusalems frommstem Viertel Mea Schearim. Aber ihr Protest gegen angeblich anti-religiöse Hetze der israelischen Mehrheit hätte kaum provokanter ausfallen können. Auf offenem Laster wurden rund zwanzig Kinder, gekleidet in KZ-Uniformen mit angeheftetem gelben Davidstern, herangekarrt.

Einige hatten die Organisatoren gar so ausstaffiert wie den Jungen aus dem Warschauer Ghetto, dessen Bild zum Symbol der Judenverfolgung unter dem Terrorregime der Nazis geworden ist. Mit ängstlichem Blick, die Hände erhoben, mussten die Kleinen auf der Kundgebung posieren. Für die „Gottesfürchtigen“, auf Hebräisch Haredim genannt, Ausdruck dafür, dass sie sich im Jüdischen Staat angefeindet fühlen.

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Ignoranten und Unbelehrbare

Verschleierung – eine der angeblichen Gefahren für die westliche Zivilisation. Foto: dpa/Okten

Nach der Untat des Norwegers Breivik beteuern Islamkritiker gern ihre Distanz – fast alle

Von Knut Mellenthin ND

Henryk Broder schläft gut und hat weiter gesunden Appetit. Sogar sein Ischiasschmerz habe nachgelassen, teilte er der Öffentlichkeit mit. (Stern, 28. Juli) An den Mordtaten eines norwegischen Muslimhassers fühlt der deutsche Journalist sich nicht im Geringsten schuldig, denn: »Selbst wenn ich Bastelbuchautor wäre, hätte Breivik gemordet.« (Welt, 7. August)

Gerade weil dieser Einwand so offensichtlich oberflächlich und töricht ist, könnte er geeignet sein, das Problem der geistigen Mitverantwortlichkeit ein wenig aufzuhellen. Um die nur scheinbar logische Struktur des Arguments auf die Spitze zu treiben, könnte man auch konstatieren, dass Hitler den Völkermord an den Juden selbst dann betrieben hätte, wenn Gobineau, Chamberlain, Treitschke oder andere Antisemiten und Arier-Ideologen lediglich Kochbücher geschrieben hätten. Dass jemand für das Begehen einer Tat nicht existenziell notwendig gewesen wäre, bedeutet nicht automatisch, dass er an dieser keine Mitschuld tragen könnte.

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