Vögel futtern Unmengen an Insekten

Proteinreiches Futter: Für diesen jungen Haussperling gibt es Käferlarven. © Maurice Baker
Gefräßige Piepmätze: Alle Vögel der Welt zusammen vertilgen jährlich die enorme Menge von 400 bis 500 Millionen Tonnen Insekten. Damit fressen die gefiederten Tiere ähnlich viel wie die gesamte Menschheit pro Jahr an Fleisch und Fisch konsumiert. Nur Spinnen haben einen noch größeren Hunger auf Käfer und Co, wie Forscher berichten. Den Vögeln komme damit eine wichtige Bedeutung in der Schädlingsbekämpfung zu.

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Von Beeren, über Obst, bis hin zu Sämereien und Gräsern: Auf dem Speiseplan vieler Vögel steht durchaus vegetarische Kost. Doch hin und wieder muss es auch einmal Fleisch sein – zum Beispiel in Form von Insekten. Fliegen, Käfer, Ameisen und Motten stellen für die gefiederten Tiere eine wichtige Proteinquelle dar. Sie müssen sich besonders während der Brutzeit vor gefräßigen Schnäbeln in Acht nehmen. Denn dann sind die Elternvögel auf der Suche nach energiereicher Nahrung für ihren hungrigen Nachwuchs.

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Insekten sollen die zwei großen Ernährungsprobleme lösen

Der Wurmburger als Alternative zum bisherigen Fleischbratling? Seit Jahresbeginn dürfen auch Mehlwürmer und Heuschrecken in der EU verkauft werden. Auf der Grünen Woche können die neuen Menü-Zutaten schon probiert werden. Quelle: WELT/Katharina Puche
In vielen Ländern sind Käfer und Grillen bereits wichtiger Bestandteil der Ernährung. In Europa ruft der Gedanke an Insekten-Burger oft noch Ekel hervor. Dabei könnten die Insekten nicht nur den weltweiten Hunger stillen.

Von Ernst August Ginten | DIE WELT

Unter harten Jungs galt es früher als Mutprobe, einen Regenwurm zu verspeisen – meist unter großem Gejohle. Das war eklig. Aber heute essen genau diese mittlerweile groß gewordenen Männer rohen Fisch, glibberige Austern oder Garnelen aller Art.

Und viele finden es vielleicht bald schon gar nicht mehr so eklig, Wurm-Burger und hochproteinhaltige Insektenriegel zu verspeisen. Die wird es nämlich bald auch in vielen deutschen Supermärkten geben, auch in Bioqualität.

Seit Anfang des Jahres sind laut einer neuen Novel-Food-Verordnung der Europäischen Union Insekten als Nahrungsmittel erlaubt. Und darauf hat eine ganze Reihe deutscher Start-ups nur gewartet. Denn das Marktpotenzial ist groß. Weltweit essen nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation FAO rund zwei Milliarden Menschen fast jeden Tag Eiweiß in Insektenform – und schonen damit die Umwelt und das Klima.

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Unterkomplexe Kreationisten und ihr Baukasten der Schöpfung

Bild: AG EvoBio

Es ist eine beliebte Strategie der Evolutionsgegner, biologische Merkmale ins Auge zu fassen und zu behaupten, diese seien zu komplex, als dass ihre Entstehung durch Evolution erklärbar sei. Beispielsweise würden die erstaunlichsten Leistungen der Tarnung und Mimikry zu viele aufeinander abgestimmte Anpassungen gleichzeitig benötigen, als dass sie bei verschiedenen Organismengruppen (Taxa) schrittweise und mehrmals unabhängig (konvergent bzw. parallel) evolviert sein könnten. In diese Richtung argumentiert beispielsweise Reinhard JUNKER von der Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN, auf dessen Beitrag im Rahmen dieses Artikels eingegangen werden soll.

Von Martin Neukamm, Hans Zauner | AG EvoBio

Tarnung und Mimikry im Ameisennest

Um sich vor Räubern oder Angreifern zu schützen, verfügt die Tierwelt über ein Arsenal von Tarnvorrichtungen. Eine dieser Einrichtungen wird mit dem Begriff Mimese umschrieben. Darunter versteht man das Phänomen, dass sich das betreffende Tier optisch derart seiner Umgebung angepasst hat, dass es mit dem Wahrnehmungs-Hintergrund seiner Feinde verschmilzt und nicht mehr als Beute oder Eindringling wahrgenommen werden kann.

Zu den erstaunlichsten Beispielen mimetischer Anpassung zählen die so genannten „myrmecophilen“ Tiere. Das sind vorrangig Käfer bestimmter Entwicklungslinien, die als „Untermieter“ die Nester von Ameisen und Termiten bevölkern. Ein Ameisennest ist eine schwierige ökologische Nische, denn die Ameisen haben ja zunächst einmal nichts davon, wenn Käfer ihren Bau besiedeln. Ameisen sind äußerst wehrhafte Tiere und befördern unerwünschte Gäste rasch aus ihrem Bau oder bringen sie um. Eine Möglichkeit, sich dagegen zur Wehr zu setzen, besteht darin, sich evolutiv ein ameisenähnliches Aussehen zuzulegen. Die Käfer mischen sich unter die Ameisenmenge und werden in Ruhe gelassen. In manchen Nestern gibt es sogar Vertreter mehrerer Käfergattungen, die jeweils so aussehen wie ihre gastgebenden Ameisen – obwohl andere Mitglieder dieser Gattungen eher wenig Ähnlichkeit miteinander haben.

Ein ähnlicher Tarnmechanismus ist die so genannte Mimikry, wonach die Tiere optisch und in ihrem Verhalten giftige, wehrhafte oder ungenießbare Tierarten nachahmen oder ihren Feinden kooperatives Verhalten signalisieren. Man kennt zum Beispiel Kurzflügler, die im Ameisenbau chemische Signale freisetzen, die sie davor schützen, gefressen zu werden. Sie bieten den Ameisen Sekrete an, die dazu führen, dass sie sogar von ihnen in ihr Nest eingetragen werden.

Unlängst wurde darüber berichtet, dass 140 Tiere aus ganz verschiedenen Gliederfüßer-Gattungen (Ameisen, Käfer, Wespen, Spinnen, Wanzen) sehr ähnliche ameisenartige Gestalten – mit Warn-Elementen an Räuber – herausbildeten. Manche dieser Arten sind tatsächlich ungenießbar, andere sprangen quasi auf den Zug auf, sind aber eigentlich ungiftig.

Dass es neben optischer Mimikry, die auch Nichtfachleute als Anpassung der Gestalt wahrnehmen, noch andere Wege der Mimikry gibt, zeigen die Ameisengrillen mit dem suggestiven Namen Myrmecophilidae („Ameisenfreunde“). Diese Gruppe umfasst 71 Arten in fünf Gattungen mit einer einzigen Art in Europa. Es sind sehr kleine Heuschrecken, die gar nicht ameisenähnlich aussehen, dennoch als Kleptoparasiten in den Nestern verschiedener Ameisen- und sogar Termitenarten leben. In der Auswahl ihrer Wirte sind sie wenig wählerisch und wohl nicht spezifisch. Sie scheinen Pheromone (Lock- und Signalstoffe) der Ameisen auf ihrer Cuticula (Außenhaut) aufzunehmen und so den Nestgeruch anzunehmen. Daneben sind sie extrem beweglich und entkommen immer wieder den zu beobachtenden Angriffen ihrer Wirte durch schnelles Ausweichen. Allerdings wurden auch Tötungen beobachtet – also eine nicht ungefährliche Lebensweise, die genau das zeigt, was aus Sicht der Evolutionsbiologie zu erwarten ist: Zum einen gibt es viel mehr als nur einen Weg. Zum anderen sind die Anpassungen der sich im Wettbewerb befindenden Organismen auf beiden Seiten alles andere als perfekt.

Konvergenzen, Parallelismen

All diese Tarnvorrichtungen haben eines gemeinsam: Die betreffenden Tiere entwickelten vielfach unabhängig voneinander ganz ähnliche Merkmale, sie haben sie also nicht von ihrem gemeinsamen Vorfahren geerbt. Dieses Phänomen bezeichnet man in der Biologie allgemein als Konvergenz oder als Parallelismus (Parallelentwicklung). Von letzterem sprechen Biologen insbesondere dann, wenn die unabhängig erworbenen Merkmale bei relativ nahe verwandten Arten in geographisch getrennten Regionen auftreten.

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Gibt es ein Insektensterben in Deutschland?

Schmetterlinge gehören zu den auffälligsten Insekten in Deutschland. Wenn es weniger gibt, wird das schnell registriert. (Foto: Wolfgang Kumm/dpa)
Einiges deutet darauf hin, zur Gewissheit aber fehlen die Daten. Und Experten, die die geschätzt 50 000 Insektenarten identifizieren können.

Von Tina Baier | Süddeutsche.de

Mit dem Insektensterben ist es wie einst mit dem Klimawandel. Viele Menschen nehmen eine Veränderung wahr, aber das Phänomen wissenschaftlich nachzuweisen, ist extrem schwierig. Wie beim Wetter sind auch bei den Insekten starke jährliche Schwankungen normal. Dieses Jahr gibt es beispielsweise relativ viele Schmetterlinge. 2016 hatten sich noch besorgte Bürger bei Naturschutzorganisationen gemeldet, weil die Falter so gut wie verschwunden zu sein schienen. Dass extreme Wetterereignisse wie Starkregen und Stürme aufgrund des Klimawandels zunehmen, gilt mittlerweile als erwiesen. Um gesicherte Aussagen darüber zu machen, wie es den Insekten in Deutschland geht, fehlen hingegen die Daten. Wie beim Klima bräuchte es umfassende Langzeitbeobachtungen über mindestens zehn Jahre. „Dafür, dass das Thema so wichtig ist, wissen wir wenig“, sagt Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle.

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Insektizid-Hersteller halten Erkenntnisse über Gefahren für Bienen unter Verschluss

Der Einsatz von Neonikotinoiden kann zu einer geringeren Fortpflanzungsrate bei Bienen führen. Foto: Holger Weber/Greenpeace
Der Einsatz von Neonikotinoiden kann zu einer geringeren Fortpflanzungsrate bei Bienen führen. Foto: Holger Weber/Greenpeace
Was unabhängige Wissenschaftler schon seit langem befürchten, haben nun auch bislang unveröffentlichte Studien der Chemikonzerne Bayer und Syngenta ergeben: Neonikotinoide schaden Honigbienen.

Von Joe Sandler Clarke, Matthias Lambrecht | greenpeace magazine

Nach Recherchen des britischen Investigativ-Rechercheteams von Greenpeace Energy Desk dienten die konzerninternen Untersuchungen dazu festzustellen, in welchen Konzentrationen die in Produkten der Unternehmen enthaltenen Neonikotinoide eine Gefahr für Bienen bedeuten. Bei der Gestaltung der Tests hatten sich die Unternehmen mit den Aufsichtsbehörden abgestimmt, die die Grenzwerte für Giftstoffe festlegen und den Herstellern derartige Untersuchungen vorschreiben. Produkte mit Neonikotinoiden von Bayer und Syngenta werden etwa zur Bekämpfung von Blattläusen oder Käfern in der Landwirtschaft eingesetzt.

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Der Präsident des Deutschen Arbeitgeberverbandes hätte besser geschwiegen

Bild: deutscherarbeitgeberverband.de
Bild: deutscherarbeitgeberverband.de

Insekten statt Schweinefleisch

An keinem Platz der Erde lebt es sich so schön und sorglos wie in der imaginierten Traumwelt des religiös Beseelten. Unsere Überflussgesellschaft bietet den besten Nährboden für unzählige dieser Traumwelten. Hier kann jeder, bei dem sich prekärer Bildungsstand mit gutem Willen und Verantwortungslosigkeit paart, Welten virtuell schaffen und bevölkern. Ungezählte dieser Parallelwelten haben wir inzwischen – bedrohlich daran ist, dass aus den Schichten heraus, die man früher als „gut gebildet“ bezeichnet hätte, kein „Stoppt den Wahnsinn“ mehr öffentlich bekundet wird.

Von Peter Schmidt | Deutscher Arbeitgeberverband

Eine dieser Heilsideen: Insektenproteine zur Ernährung der Menschheit.

Insekten als Proteinlieferanten, das Ende der Massentierhaltung. Asien, Afrika, Japan und viele andere Länder machen es uns vor: Geht doch! Mücken, Schmetterlingsraupen und Kakerlaken werden gefuttert, was das Zeug hält. Ordentlich knackende Wanzen liefern die Proteine, die wir brauchen und gleichzeitig der Welt die Erlösung bringen. Was den Syltern ihre Krabben, sind Chinesen und Ökos in siedendem Wasser gesottene Seidenraupen.

Wie zu hören ist, untersuchen Forscher in gutdotierten und großanlegten Projekten, wie sich Heuschrecken, Insekten und Würmer als Grundlage unserer Nahrung von morgen nutzen lassen können. Das, was unsere Vorfahren in grauen Notzeiten neben dem Kitt vom Fenster fraßen, kommt nun zu neuen Ehren: »Schoko-Berge mit Mehlwürmern«. Schadbefall, den unsere Vorfahren noch unbedingt aus dem Mehl heraushaben wollten.

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Homosexualität: Liebesspiele unter Tieren

Auch bei Löwen wurde homosexuelles Verhalten beobachtet. Nicht nur bei weiblichen Tieren, wie hier im Bild, sondern auch bei männlichen. Von einer schwulen Doppelspitze kann das Löwenrudel nur profitieren. Foto: Getty Images
Nichts ist wider die Natur. Wer wissen will, welche Rolle Homosexualität in der Evolution spielt, sollte sich bei Elefanten, Löwen, Spinnen und anderen Tieren umsehen. Dort gibt es keine Ausgrenzung.

Von Elke BodderasDIE WELT

Zwei Geier leben im Zoo von Jerusalem, sie heißen Doschik und Jehuda. Beide männlich, beide schwul und einander derart zärtlich zugetan, dass die Zoodirektorin sich zu etwas durchrang, was man einen Tabubruch nennen könnte: Sie schob dem gleichgeschlechtlichen Paar, zur Abrundung ihres Lebensglücks, ein brutwarmes Geierei unter. Und siehe da: Sorgfältig pflegten die beiden Geier-Männer das Ei, sie brüteten es aus, das Küken schlüpfte nach wenigen Wochen.

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Alfred Russel Wallace: Der vergessene Entdecker der Evolutionstheorie

Alfred Russel Wallace um 1908 Bild: released into public domain

Der britische Biologe Alfred Russel Wallace gilt zusammen mit Charles Darwin als Begründer der Evolutionstheorie. Der in Vergessenheit geratene Wissenschafter war ausserdem ein eifriger Gesellschaftskritiker, Ökologe und Spiritualist. Zu seinem 100. Todestag veröffentlicht das Naturhistorische Museum in London seine private Korrespondenz.

Von Alice KohliNeue Zürcher Zeitung

«Charles Darwin!» – So käme es wohl millionenfach wie aus der Pistole geschossen, würde man in sämtlichen Schulen dieser Welt nach dem geistigen Vater der Evolutionstheorie fragen. Doch tatsächlich entwickelten zwei Wissenschafter zeitgleich dieselbe Idee: Der zweite Mann war Alfred Russel Wallace (1823–1913).

Wallace war Mitte des vorletzten Jahrhunderts ein bekannter Naturwissenschafter und Soziologe. Er verfasste zahlreiche Abhandlungen zu Landreformen, Arbeiterrecht und Sozialismus. Und er sammelte rund um den Globus Käfer, Schmetterlinge und Vögel, um deren Verbreitung zu analysieren.

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