Schweizer Kanton Glarus lockert Tanzverbot an Karfreitag: Feiern erlaubt

In Deutschland herrscht am Karfreitag Tanzverbot © Franziska Kraufmann (dpa)
Im Schweizer Kanton Glarus dürfen künftig auch an hohen Feiertagen öffentliche Veranstaltungen stattfinden. Die Landsgemeinde stimmte dem Kompromissvorschlag des Landrats zu, wonach die Freigabe allerdings auf geschlossene Räume beschränkt bleibt.

DOMRADIO.DE

Damit scheiterte zugleich ein Antrag der Jungfreisinnigen, einer der schweizerischen FDP nahestehenden Jugendorganisation, für eine komplette Abschaffung des „Tanzverbotes“ an Karfreitag, Ostern, Pfingsten, dem Buß- und Bettag sowie Weihnachten. Das Verbot untersagt an diesen kirchlichen Feiertagen öffentliche Versammlungen, Veranstaltungen des Unterhaltungsgewerbes, Tanz- und Musikveranstaltungen oder Kino- und Theatervorstellungen.

Weiter hatten die Glarner Stimmbürger über einen Vorstoß zu einer Einschränkung der Ladenöffnungszeiten vor Sonn- und Feiertagen auf 17.00 Uhr zu begrenzen.

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Karfreitag, Himmelfahrt und Co: Feiertage abschaffen!

Bild: © jozsitoeroe – stock.adobe.com
An Tagen wie dem heutigen Karfreitag flammt regelmäßig Kritik daran auf, dass manche kirchliche Feste arbeitsfreie Feiertage sind. Unser Autor Philipp Spahn hat eine radikale Empfehlung für die Kirchen: Würden diese Feiertage abgeschafft, wäre das gut für den Glauben.

Von Philipp Spahn | katholisch.de

Heute ist Karfreitag. Und mit dem stillen Feiertag, das war so sicher, wie das Amen in der Kirche, sind auch die Diskussionen über das karfreitägliche Tanzverbot wieder aufgeflammt. Nicht, dass das partielle Verbot, das Tanzbein zu schwingen, an anderen christlichen Feiertagen, die zugleich arbeitsfrei sind, ein Problem darstellte. An Heiligabend zum Beispiel, an dem zeitweise immerhin in zehn Bundesländern ein Tanzverbot gilt, interessiert sich so gut wie niemand dafür. Und auch an gesetzlichen Feiertagen ohne christliche Bezüge stört sich niemand daran, dass nicht getanzt werden darf. Am Volkstrauertag beispielsweise schränken alle Bundesländer die beliebte Freizeitbeschäftigung des Tanzes stundenweise ein. Aber nur am Karfreitag, da regt sich hörbarer Widerspruch, da muss Tanzen bis in die Puppen sein.

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Die Kirche und die Intellektuellen

Den Kirchen gelingt es immer weniger, ein intellektuell anspruchsvolles Publikum anzusprechen und zu überzeugen.(Bild: Joerg Sarbach / AP)
Viele Intellektuelle fühlen sich in der Kirche kaum mehr verstanden und kehren ihr den Rücken. Und diejenigen, die gelegentlich einen Gottesdienst besuchen, sehen sich nicht ernst genommen. Sie bringen die Auslegung des Evangeliums in den Predigten nicht mit ihren intellektuellen Ansprüchen zusammen.

Béatrice Acklin Zimmermann | Neue Zürcher Zeitung

Auf meine Frage, wie er sich das erkläre, dass die Kirchen überall dort, wo am Karfreitag die Matthäus-Passion gespielt werde, zum Bersten voll seien, während sie in den Gottesdiensten grösstenteils leer blieben und es doch in beiden Fällen um die Passion Christi gehe, meinte der niederländische Dirigent und Bach-Spezialist Ton Koopmann: «Ich sehe einen wesentlichen Grund darin, dass die intellektuellen Erwartungen, die man immer noch mit den Predigten verbindet, oftmals sehr unbefriedigt bleiben und die Worte vieler Prediger weder unseren Kopf noch unser Herz erreichen.»

Koopman vermisst in den meisten Predigten eine intellektuell verantwortete Rechenschaft über den christlichen Glauben, die auch von dem im vergangenen Jahr verstorbenen Philosophen Robert Spaemann immer wieder angemahnt worden war. Spaemann, der sich als Intellektueller mit christlicher Verortung und scharfsinniger Kritiker des Zeitgeistes in den öffentlichen Diskurs einbrachte, konstatierte einen zunehmenden intellektuellen Substanzverlust in der Kirche.

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Demonstranten wollen an „Tanzdemo“ am Karfreitag festhalten

Steht ganz Oben auf der Liste. Jeder ein Kreuz. Screenshot: Youtube
Eine für Karfreitag geplante „Tanzdemo“ in Hannover soll trotz behördlicher Einschränkungen stattfinden.

evangelisch.de

Die Grüne Jugend und die „Aktive Kreative Linke“ wollen mit der Aktion nach eigenen Angaben auf die Tanzverbote im niedersächsischen Feiertagsgesetz hinweisen. Die Polizei hat den Demonstranten die Verwendung von Trillerpfeifen, Musikinstrumenten und Lautsprechern untersagt, am Dienstag bestätigte das Verwaltungsgericht Hannover das Verbot. Die Initiatoren kündigten am Mittwoch an: „Wir werden die angekündigte Demonstration dann eben schweigend durchführen.“

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(Öffentlich) gucken verboten! Ein Blick auf eine absurde Konstruktion namens Sperrliste

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Auf den ersten Blick haben Filme wie „Top Gun“, „Mad Max“, „Police Academy“, „Vier Fäuste für ein Halleluja“, „Terminator“, aber auch „Mary Poppins“, „Heidi in den Bergen“ oder die „Feuerzangenbowle“ nicht gemein. Eins verbindet sie aber: Sie wurden als „nicht feiertagsfrei“ gekennzeichnet und dürfen (bzw. durften) deswegen an „stillen Feiertagen“ nicht öffentlich aufgeführt werden.

Lena Ohm | evangelisch.de

In Deutschland bestimmt die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) die Altersfreigabe für Filme. Die Prüfer von der FSK entscheiden aber nicht nur darüber, was für Kinder und Jugendliche zumutbar ist, sondern auch, was an sogenannten „stillen Feiertagen“ öffentlich gezeigt werden darf. Mit dem Label „nicht feiertagsfrei“, das es seit 1952 gibt, werden Filme gekennzeichnet, die dem „ernsten Charakter“ dieser Feiertage widersprechen und bei denen zu befürchten ist, dass sie das „religiöse und sittliche Empfinden“ verletzen, so die Richtlinie der FSK.

Welche Feiertage in Deutschland zu den „stillen Feiertagen“ gehören, regeln die Feiertagsgesetze der einzelnen Bundesländer. Daher ergeben sich auch regionale Unterschiede. Je nach Bundesland zählen zum Beispiel einige hohe christliche Feste zu den „stillen Tagen“, am bekanntesten ist vermutlich das Tanzverbot an Karfreitag. Aber auch der staatlich angeordnete „Volkstrauertag“ als Gedenktag gehört dazu. „Stille Feiertage“ beschränken sich auch nicht nur auf gesetzlich arbeitsfreie Tage. So zählen in manchen Bundesländern zum Beispiel der „Buß- und Bettag“ (nur in Sachsen gesetzlicher Feiertag) oder auch Maria Empfängnis mit allen damit verbundenen Einschränkungen auch dazu.

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Brian bittet an Karfreitag, behördlich genehmigt, zum Tanz im Revier

Steht ganz Oben auf der Liste. Jeder ein Kreuz. Screenshot: Youtube
Der Karfreitag ist in Deutschland ein „stiller“ Feiertag – Feiern und Tanzen verboten. Auch „nicht feiertagsfreie“ Filme wie „Das Leben des Brian“ dürfen nicht gezeigt werden. Eigentlich. Mit Ausnahmegenehmigung ist all das aber doch möglich.

evangelisch.de

In Bochum dürfen Religionskritiker in diesem Jahr an Karfreitag den Monty-Python-Film „Das Leben des Brian“ zeigen und zu einem Tanz einladen. Wie die Initiative „Religionsfrei im Revier“ am Dienstag mitteilte, genehmigte die Bezirksregierung Arnsberg die „unterhaltsame öffentliche Veranstaltung einschließlich Tanz“ am 19. April. An Karfreitag gilt in Deutschland als stiller Feiertag ein Verbot öffentlicher Veranstaltungen, auch Feiern mit Tanz sind nicht erlaubt. In Nordrhein-Westfalen kann jedoch eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden.

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Niko Alm: Neue Karfreitagsregelung – ein gelungener Abbau religiöser Privilegien

Die neue Lösung überwindet ungerechtfertigte Bevorzugung und ist weltanschaulich neutral. Die Empörung der Kritiker ist freilich entlarvend

Niko Alm | derStandard.de

Fast jeder freut sich über einen arbeitsfreien Tag, sogar Unternehmer und Geschäftsführer. Doch persönliche Vorteile sind keine Grundlagen für politische Entscheidungen. Und so kann man sich für sich selbst einen neuen Feiertag wünschen, aber den Weg dorthin für politisch nicht richtig halten.

Der Karfreitag war in Österreich in der Zweiten Republik immer ein Werktag für fast alle Berufstätigen. Nur für Protestanten und Altkatholiken wurde im Generalkollektivvertrag eine Ausnahme geschaffen. Sie konnten an dem Tag beten gehen, ohne dafür einen Urlaubstag zu verbrauchen. Die notwendige Arbeit musste gegebenenfalls von anderen Kollegen im Unternehmen geleistet werden. Ora et non labora.

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EuGH-Urteil zur Karfreitagsregelung in Österreich: Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot


Der Europäische Gerichtshof hat eine Regelung in Österreich gekippt, den Karfreitag nur Angehörigen bestimmter Religionen als Feiertag zu gewähren. Das sei eine Diskriminierung anderer Religionen, urteilte der EuGH am Dienstag in Luxemburg.

DOMRADIO.DE

Die Karfreitagsregelung in Österreich stellt eine in der EU verbotene Ungleichbehandlung aufgrund der Religion dar. Die Regelung sei für den Schutz der Religionsfreiheit nicht notwendig, urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Dienstag in Luxemburg. In Österreich ist der Karfreitag seit den 1950er Jahren nur für Angehörige der evangelischen Kirchen und der altkatholischen Kirche ein gesetzlicher Feiertag. Angehörige dieser Kirchen haben Anspruch auf das Feiertagsentgelt, wenn sie am Karfreitag gearbeitet haben.

Solange Österreich seine Rechtsvorschriften nicht geändert habe, so der EuGH, müssten private Arbeitgeber auch anderen Arbeitnehmern einen bezahlten Feiertag am Karfreitag gewähren.

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„Das Kreuz ist das Markenzeichen unserer Kultur“

Das Kreuz mit den Religionen
Der Karfreitag steht ganz im Zeichen des Kreuzes. Und das gilt auch für den deutschen Kulturraum, sagt Erzbischof Ludwig Schick. Christen hätten daher eine Aufgabe gegenüber Nichtchristen zu erfüllen.

katholisch.de

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat das Kreuz als „Markenzeichen unserer Kultur und Zivilisation“ bezeichnet. Deshalb müsse es auch im öffentlichen Leben erhalten bleiben, sagte Schick am Karfreitag bei der traditionellen Karfreitagsprozession im oberfränkischen Neunkirchen am Brand. Das Kreuz sei kein Zeichen des Todes, sondern des Protests gegen alles Töten durch Krieg, Terror und Verbrechen, aber auch gegen Abtreibung und sogenannte Euthanasie, durch die alte und kranke Menschen getötet würden.

Schick: Christen müssen Kreuz erklären

Bei der traditionellen Karfreitagsprozession von Neunkirchen, bei der lebensgroße Holzfiguren durch den Ort getragen werden, rief Schick weiter dazu auf, den christlichen Glauben offen zu vertreten. So müsse das Kreuz auch Nichtchristen verständlich gemacht werden, „damit sie unsere Kultur verstehen, die ohne das Kreuz nicht zu verstehen ist, damit sie Ja sagen zu dieser Lebensweise, die vom Sinngehalt des Kreuzes geprägt ist“. Denn es stehe auch für Gleichheit und Einheit, für die Achtung der Menschenwürde und der Menschenrechte, für Schutz und Hilfsbereitschaft.

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Streng gläubig und stramm rechts

Der „Wahrheits-Truck“ – bei der plakativen Selbstdarstellung der religiösen Rechten sind die USA wegweisend. Bild: Ibagli / gemeinfrei
Nicht nur in den USA, auch in Deutschland ist die christliche Rechte auf dem Vormarsch

Birgit Gärtner | TELEPOLIS

Als der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan im Sommer 2017 ankündigte, ab 2019 die Evolutionstheorie aus den Schulplänen streichen zu wollen, haben wir alle ganz tief eingeatmet. Doch Erdoğan ist mit seiner Ansicht nicht allein, denn laut einer Umfrage lehnen 70% der Befragten in der muslimisch geprägten Türkei die Evolutionstheorie nach Charles Darwin ab.

Doch wir müssen gar nicht in die Türkei schauen, denn auch hierzulande gibt es Menschen, die wissenschaftliche Erkenntnisse ablehnen oder so zurechtbiegen, dass die Erde wieder zur Scheibe wird: Sie halten fest an der biblischen Darstellung, nach der Gott die Erde in sieben Tagen schuf – und zwar vor 6.000 Jahren.

„Kreationismus“ nennt sich diese Glaubensrichtung und ist eine Spielart des christlichen Fundamentalismus. Die modifizierte Form ist, dass die Erde älter ist, aber Gott vor 6.000 Jahren die Menschen schuf.

Die wurden bislang allenfalls als Spinner abgetan, der christliche Fundamentalismus insgesamt nicht weiter ernst genommen. Doch spätestens seit dem „Marsch der Frauen“ im Januar 2018 in Berlin ist klar: Völkisches Denken paart sich mit christlichem Fundamentalismus, Rechte bieten z. B. Lebensschützerinnen eine Bühne, und der christliche Fundamentalismus bekommt plötzlich eine ganz neue gesellschaftliche Dimension. Dieser Eindruck täuscht, denn Kreationisten z.B. unterhalten schon lange Schulen in Deutschland, das Problem ist also nicht neu.

Christlicher Fundamentalismus spiegelt sich z. B. im AfD-Programm wieder, u.a. im Hinblick auf die Ablehnung der Ehe für Alle, die Haltung zur Homosexualität insgesamt oder auch die Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen. Letztere ist allerdings nicht nur der AfD vorbehalten, sondern mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist sie Regierungsprogramm.

Mit dem Christentum ist es nicht anders wie mit dem Verhältnis zwischen Islam und Islamismus: Ohne den Katholizismus hätte es weder Inquisition noch Hexenverbrennung gegeben und es gibt keinen Katholizismus ohne Inquisition und Hexenverbrennung. Es gibt höchstens Theologen und Gläubige, die sich von beidem distanzieren. Zeit also, sich mal mit den christlichen Kirchen zu beschäftigen, denn die haben auch in „Friedenszeiten“ starke Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Sehr viel stärker, als wir gemeinhin glauben.

Und der erstarkende christliche Fundamentalismus, dem die AfD auch eine parlamentarische Bühne bietet, ist eine ernsthafte Bedrohung für die Demokratie und erkämpfte Rechte, nicht nur im Hinblick auf die Möglichkeit des straffreien Schwangerschaftsabbruchs.

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Spanischer Gotteswahn: Flaggen auf Halbmast – Karfreitag

In Spanien werden an diesem Karfreitag bei allen Militäreinrichtungen die Flaggen auf Halbmast gesetzt.

kath.net

In Spanien werden an diesem Karfreitag bei allen Militäreinrichtungen die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Anlass ist der Karfreitag und das Gedenken an den Tod von Jesus. In einer Erklärung wird angekündigt, dass diese Maßnahme bis Ostersonntag um 12.01 umgesetzt wird. Das spanische Militär wird sich zu Ostern auch an mehr als 150 Oster-Paraden und Feierlichkeiten in über 80 Städten beteiligen. Man betont, dass die Freiheit der Religion respektiert werde und kein Militärangehöriger gezwungen werde, daran teilzunehmen.

In Berlin wird auch Karfreitag getanzt

Das Tanzverbot tangiert die meisten Partygänger in Berlin ohnehin nicht: Es gilt nur von 16 bis 21 Uhr.Foto: IMAGO
Das Tanz- und Konzertverbot an Karfreitag wird in der Stadt nahezu gar nicht umgesetzt. Das Gesetz ändern will aber kaum jemand.

Von Nantke Garrelts | DER TAGESSPIEGEL

Sie heißen Heaven Shall Burn und so klingt auch ihre Musik: Donnernde Akkorde, trommelfellzerfetzendes Doppelbassschlagzeug und grummelnder Gesang. In den Texten geht es um den Aufstand gegen Autoritäten, darunter auch die Kirche. „You are not my god“, zu deutsch „Du bist nicht mein Gott“, heißt es in einem ihrer Lieder. Unchristlicher geht es also kaum.

Ausgerechnet diese Band wird aber am Karfreitag in Berlin im Huxley’s Neue Welt spielen – an dem Tag also, an dem bundesweit Tanzverbot herrscht. Nun kann man streiten, ob das Rumgehüpfe und Mit-den-Armen-Gerudere – also das Pogen – als Tanz bezeichnet werden kann oder ob das Gitarrengewitter wirklich Musik in den Ohren des Zuhörers ist.

Eindeutig dagegen ist die Gesetzeslage: Neben Tanzveranstaltungen sind „in Räumen mit Schankbetrieb musikalische Darbietungen jeder Art“ nicht zugelassen. So steht es in der Berliner Verordnung über den Schutz der Sonn- und Feiertage aus dem Jahr 2004.

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Muslimische Beschneidungsfeiern bleiben an Karfreitag verboten

Die Justizia © dierk schaefer auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
In Nordrhein-Westfalen bleiben muslimische Beschneidungsfeiern an Karfreitagen verboten. Des entschied das Oberverwaltungsgericht Münster. Begründung: Auch wenn es sich bei den Feiern um geschlossene Veranstaltungen handele, wirkten sie beachtlich in den öffentlichen Raum hinein.

MiGAZIN

In Köln bleiben muslimische Beschneidungsfeiern an Karfreitag verboten. Der Betreiber eines Veranstaltungssaals, der gegen ein Verbot der Stadt Köln und ein entsprechendes Urteil des Kölner Verwaltungsgerichts vorgehen wollte, scheiterte auch in der nächsten Instanz. Der Antrag des Klägers auf Zulassung der Berufung habe keinen Erfolg gehabt, bestätigte das Oberverwaltungsgericht Münster am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst. (AZ: 4 A 218/16)

Damit sei das Urteil des Kölner Verwaltungsgerichts rechtskräftig. Über die Gerichtsetscheidung hatte zunächst der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet. Der vierte Senat des Oberverwaltungsgerichts verwies in seiner Ablehnungsbegründung auf die Argumentation der Verwaltungsrichter.

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Warum Atheisten am Karfreitag tanzen sollten!

Jeder ein Kreuz. Screenshot: Youtube
Wussten Sie schon, dass Sie am Karfreitag (und anderen christlichen Feiertagen) angeblich keine Tanz- oder Sportveranstaltung ausrichten dürfen? Und auch keine „anderen öffentlichen Vergnügungen, die dem ernsten Charakter dieser Tage zuwiderlaufen“. So steht es in § 6 des Gesetzes über Sonn- und Feiertage im Freistaat Sachsen.

Von Maximilian Steinhaus | LEIPZIGER INTERNET ZEITUNG

In den anderen Bundesländern existieren ähnliche Regelungen. Wenn Sie jetzt überlegen, ob deshalb das vergnügliche Ostereiersuchen stets erst am Ostersonntag und nicht schon am Karfreitag stattfindet – dies kann ich Ihnen leider auch nicht beantworten, denn um die Osterbräuche ranken sich viele Erklärungsversuche. Fest steht jedoch, dass das Christentum sich ein einst heidnisches Frühlingsfest einverleibt hat und dass die Mehrheit der Sachsen es (inzwischen wieder) als volkstümliches Familienfest feiert. Ostern begeht der überwiegende Teil unserer Gesellschaft, weil es ein gesetzlicher Feiertag ist.

Die Mehrheit feiert das Erwachen des Frühlings und nicht die angebliche Wiederauferstehung eines Drittels des behaupteten dreifaltigen Gottes. Daran ändert auch nicht, dass die Kirchenbänke ausnahmsweise mal wieder für ein paar Stunden voll sind.
Wenn man schon – wie unser neuer Heimat- Horst – von einer „christlichen Prägung Deutschlands“ sprechen will, dann sollte man auch die gewandelten Realitäten berücksichtigen: Über 70 Prozent der Sachsen sind konfessionsfrei und viele davon wollen sich nicht die kollektive „Jesus starb für unsere Sünden“-Trauer aufzwingen lassen.

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SPD-Politiker will mit Petition „stille Feiertage“ zu Fall bringen

Mit einer Online-Petition will der Bremer SPD-Politiker Maurice Mäschig erreichen, dass es im Land Bremen künftig keine „stillen Feiertage“ mehr gibt.

evangelisch.de

Verbote von Veranstaltungen beispielsweise an Karfreitag, Volkstrauertag und Totensonntag sollten gestrichen werden. Durch die Vergnügungsverbote seien einige Freizeittätigkeiten gerade dann nicht möglich, wenn die Menschen Zeit dazu hätten, argumentiert Mäschig in seiner Petition, die bis Sonntag von rund 180 Mitzeichnern unterstützt wurde.

„Der Staat maßt sich mit diesen Einschränkungen die Entscheidung darüber an, wie seine Bürgerinnen und Bürger Feiertage begehen dürfen“, kritisiert Mäschig. „Viele sehnen sich nach Ablenkung, Freude und Leichtigkeit, weil bereits der Alltag mit negativen Situationen einhergeht.“ Es sei nicht die Frage, ob man sich an 365 Tagen im Jahr freuen und vergnügen müsse, sondern, welchen Grund es geben sollte, dies zu verbieten.

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Zürcher Juso wollen christliche Feiertage durch säkulare ersetzen

Ostermontag könnte beispielsweise durch den internationalen Tag der Frau (8. März), Weihnachten durch den Tag der Menschenrechte (10. Dezember) ersetzt werden. Solche Vorschläge machen die Jungsozialisten (Juso) des Kantons Zürich in ihrem jüngsten Positionspapier. Konkrete politische Vorstösse sind jedoch noch nicht geplant, wie Co-Präsident Luca Dahinden auf Anfrage sagte.

kath.ch

Das aktuelle Religionspapier der Juso, welches am Parteitag vom 10. März verabschiedet wurde, befasst sich in verschiedenen Bereichen mit dem Thema Religion. So findet sich darin unter anderem die Forderung, christliche Feiertage komplett durch nicht-religiöse Feiertage zu ersetzen.

Für den Kanton Zürich stehen gemäss den Juso somit Karfreitag, Ostermontag, Auffahrt, Pfingstmontag, Weihnachten und der Stephanstag auf der Abschussliste. Als Beispiele für säkulare Feiertage, die als Ersatz eingeführt werden könnten, werden der internationale Tag der Frau (8. März) und der internationale Tag der Menschenrechte (10. Dezember) genannt.

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Atheisten verspotten Christen mit „Heidenspaß-Partys“

Ausnahmen vom Tanzverbot sind nach dem Gerichtsentscheid möglich, wenn eine Veranstaltung Ausdruck einer Abgrenzung gegenüber dem Christentum ist. Foto: picture-alliance/dpa
Atheisten in Bayern veranstalten am Karfreitag – an diesem Tag gedenken Christen der Kreuzigung Jesu – „Heidenspaß-Partys“ mit Tanz in München und Regensburg.

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Im Freistaat gilt zwar ein Tanzverbot an „stillen Tagen“ – darunter Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag –, aber das Bundesverfassungsgericht hatte im November entschieden, dass es in Bayern insbesondere am Karfreitag Ausnahmen von der Pflicht zur Stille geben muss. Das Gericht gab damit einer Beschwerde des „Bundes für Geistesfreiheit München“ statt. Ausnahmen vom Tanzverbot sind demnach möglich, wenn eine Veranstaltung Ausdruck einer Abgrenzung gegenüber dem Christentum ist.

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„Immer mehr Ausnahmen zum Tanzverbot an Karfreitag zu erwarten“

Das Tanzverbot an Karfreitag wird nach Einschätzung von Rechtswissenschaftlern künftig immer häufiger durch Ausnahmeregeln durchbrochen. „Je mehr die religiöse Vielfalt in der Gesellschaft wächst, umso stärker wird das Bedürfnis nach Ausnahmegenehmigungen – genauso steigt die Bereitschaft, sie zu erteilen“, sagt der Jurist Prof. Dr. Fabian Wittreck vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster
Viola van Melis Zentrum für Wissenschaftskommunikation
Exzellenzcluster „Religion und Politik“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Am Ende werden stille Feiertage möglicherweise faktisch dadurch reduziert, dass sie auf bestimmte Bereiche wie Gotteshäuser und Gebetszeiten eingeschränkt werden.“ Das Bundesverfassungsgericht habe „diesen Weg in die Zukunft“ jüngst gewiesen, indem es die fehlende Möglichkeit zur Ausnahmegenehmigung im bayerischen Gesetz bemängelte.

„Die wachsende religiöse Pluralisierung setzt das bisherige Arrangement bei den Feiertagen unter Druck“, führt Prof. Wittreck aus. „Das verbietet nicht den Fortbestand christlicher Feiertage, verlangt aber, dass auch andere religiöse Gruppen berücksichtigt werden – was beim Islam leichter fallen wird als bei den Konfessionslosen, die sich quasi noch auf einen ‚Schutzheiligen‘ einigen müssten.“ Der Wissenschaftler erläutert, mit dem rechtlichen Konzept der stillen Feiertage würden tatsächlich „Menschen, die sich an diesen Tagen laut vergnügen wollen, in ihrer Freiheit eingeschränkt“. Es handele sich jedoch nicht um eine Einschränkung der sogenannten negativen Religionsfreiheit, wie oft unterstellt werde, also der Freiheit, keinen Glauben zu haben und sich an religiöse Gebote nicht zu halten. „Denn der Staat zwingt sie nicht zu religiöser Einkehr oder Bußübungen.“

„Kein Privileg“

Dass das Gebot der Stille an Karfreitag ursprünglich religiös ist, hindert den Staat nach den Worten des Wissenschaftlers nicht daran, Feiertage wie diesen durch das inzwischen staatliche Gebot besonders auszuzeichnen. „Immerhin gibt es auch nicht-religiöse stille Feiertage“, so Wittreck. Generell dienten Feiertage der Einsicht, dass eine Gesellschaft Tage des gemeinsamen Innehaltens brauche, andernfalls gelinge weder Familienleben noch das Handeln von Akteuren der Zivilgesellschaft. „Ein weiterer gesellschaftlicher Zweck von Feiertagen: Eine Gesellschaft kann damit symbolisch Wertschätzungen signalisieren, an Nationalfeiertagen für sich selbst, an Gedenktagen für Opfer, an religiösen Feiertagen für die Rolle der Religion“, so der Jurist. „Das ist kein Privileg, sondern – in einer ehemals fast rein christlichen Gesellschaft wie der deutschen – ein Akt der Selbstbeschreibung und Selbstvergewisserung. Erst die wachsende Zahl der Religionen erfordert eine Anpassung an die Bedürfnisse weiterer Gruppen.“

Prof. Dr. Fabian Wittreck leitet am Exzellenzcluster das Forschungsprojekt A2-20 „Rechts- und Gerichtspluralismus als Antwort auf normative Krisen“. Das Projekt untersucht, wie verschiedene staatliche Rechtsordnungen mit religiöser Vielfalt umgehen und wie eine rechtliche Antwort auf zunehmende religiöse Vielfalt aussehen sollte.(dak/vvm)


Weitere Informationen:

https://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2017/apr/PM_Karfreita…


Heinrich Bedford-Strohm zum Karfreitag 2017

Am Karfreitag gedenken Christinnen und Christen in aller Welt des Leidens und Sterbens Jesu Christi. Sie öffnen damit den Raum für etwas, was für eine Gesellschaft insgesamt, weit jenseits der christlichen Tradition, von zentraler Bedeutung ist. Der Karfreitag lehrt uns sehen. Auch da, wo das Wegschauen einfacher wäre. Ein stiller Feiertag lehrt uns, gegenüber dem Leiden der Menschen in der Welt nicht abzustumpfen. Sondern dem Horror von Sterben und Gewalt an viel zu vielen Orten dieser Erde ins Gesicht zu schauen. Das Leid von Menschen hier, die in Armut leben und von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen sind, zu sehen – dazu ist der Karfreitag ein besonderer Ort.

Es ist manchmal schwer, das Leiden auszuhalten, im persönlichen Lebensumfeld genauso wie in der Welt. Die Versuchung ist groß, über das Leiden durch billigen Optimismus hinwegzugehen. Dem hat Martin Luther widersprochen: „Der Theologe der Herrlichkeit“ – so sagt er in seiner Heidelberger Disputation von 1518 kritisch – „nennt das Schlechte gut und das Gute schlecht.“ Und fügt dann hinzu: „Der Theologe des Kreuzes nennt die Dinge, wie sie wirklich sind.“

Die Dinge nennen, wie sie wirklich sind – das lehrt uns der Karfreitag. Das Leiden der Menschen im persönlichen Umfeld wahrnehmen, es auszuhalten und mitzutragen.

Deswegen ist der Karfreitag als stiller Feiertag für unser ganzes Land so wichtig. Daran können auch Provokationen, die diesen Tag zum Partytag machen wollen, nichts ändern.

Wir Christen glauben an einen Gott, der den Menschen gerade im Leiden nah ist, weil er das Leiden in seinem Sohn Jesus Christus am Kreuz selbst erfahren hat. Einen größeren Trost kann es im Leiden nicht geben.

Hannover, 12. April 2017

Pressestelle der EKD
Michael Brinkmann