Karlheinz Deschner: Unsere tägliche Illusion gib uns heute!

Karlheinz Deschner 2006 in dem Filmporträt von Peter Kleinert und Marianne Tralau
Quelle: KAOS Film- und Video-Team

Am Sonntag nach Pfingsten feierte die evangelische und katholische Christenheit den Tag der Heiligen Dreifaltigkeit („Trinitatis“). Auf diesen Termin hat uns eine Mitarbeiterin des am 8. April nach langer Krankheit im Alter von 89 Jahren verstorbenen Kirchenkritikers Karlheinz Deschner hingewiesen (1). Sie schickte uns dazu diesen zu „Trinitatis“ passenden satirischen Text, den Deschner am 13. Juni 1993 anlässlich der Verleihung des von Walter Steinmetz gestifteten Alternativen Büchnerpreises an ihn vortragen ließ. Man findet ihn in dem 2013 erschienenen spannenden Beiheft zum 2013 bei Rowohlt erschienenen 10. Band seiner „Kriminalgeschichte des Christentums“. Er ist einer der zentralen Texte des Autors, die nicht die kriminelle Geschichte der Kirche beleuchten, sondern deren zutiefst fragwürdige Glaubens-Grundlagen.Die Redaktion NRhZ

Es war einmal ein alter Herr. Der lebte, mit vielen, vielen Jahren auf dem Buckel, lange ganz allein. Er lebt, schwer vorstellbar, doch finden wir uns damit ab, schon ewig, ohne Anfang, ohne Ende, im Vollgefühl der Allmacht, seines Wissens, seiner Güte.
Doch plötzlich hat er, gottweißwarum, das dauernde Alleinsein satt, die wenn auch noch so souveräne Solitüde, das Dolcefarniente tagaus, tagein, das ja auch unsereinem nicht bekommt. Ja, nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen. Oder wie Georg Büchner den Leonce sagen läßt: „Müßiggang ist aller Laster Anfang.“ Offenbar mußte sich die Omnipotcnz endlich betätigen, bestätigen. Brauchen doch auch wir immer wieder ein kleines Erfolgserlebnis. Und er hatte es nie!
Und seine grenzenlose Güte? Wohin damit? Und wollte er nicht auch verehrt, ein wenig angebetet sein, verherrlicht? War nicht, wer weiß, ein bißchen Eitelkeit im Spiel? Ein wenig Rachsucht gar, ein Zorn, hochheilig, sicher, der freilich einmal raus, der einfach sich entfalten, entladen mußte? Wie seine grenzenlose Güte? Beides zusammen, liebevoller Vater und Folterknecht in perpetueller Kooperation ?
Aber Hölle und Himmel beweisen es. Beide gleich vis-à-vis, damit man von diesem – Herrgott, wofür ist man Engel!, wofür singt man Halleluja! – ganz bequem in jene gucken und sich in all dem Teufelselend gehörig auch ergötzen kann, durch alle Ewigkeit, wie höchste Kirchenleuchten lehren. Alles schwer vorstellbar für unsern schwachen menschlichen Verstand. Aber es ist so. Die nackte Realität, Kurz und gut, so haut er eines Tages auf die Pauke, – haut — warum erst jetzt? Warum nicht früher schon? Nicht später? Warum, warum! In seiner Weisheit wußte er warum, ja, jetzt, jetzt wollte er, nach langer Lethargie ein ungeheurer Tatendrang, und haut, in schöpferischer Schaffenslust, das Universum kühn heraus; ob gleich komplett, ob erst im Ei, ob mit großem Knall, ob ohne, das alles, gott, ist eitles Klügeln, Spintisieren, vage Wissenschaft von Menschenköpfen, heute so und morgen so. Was zählt, sind Fakten. Und Faktum ist: alles war bestens geraten. Authentisch bezeugt. Und bloß Fieslinge, Mieslinge, zehnmal scheiterhaufenreife Kerle, denen nichts wunderbar, nichts heilig ist, selbst das Heiligste nicht, können da leugnen. Denn war der alte Herr allmächtig, konnte er alles. War er allgütig, wurde auch alles gut – ein sonnenklarer Fall.

Nachruf auf Kirchenkritiker Karlheinz Deschner

Karlheinz Deschner, Bild:Mathias Schindler/wikimedia.org, CC 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic license.
Mit dem Tod des Kirchenkritikers Karlheinz Deschner geht etwas zu Ende, was wohl nicht wiederkommt.

Von Alexander WallaschThe European

„Was macht eigentlich Karlheinz Deschner?“, fragte man sich immer mal wieder in den letzten Jahrzehnten, seit er damals dieses Mammutwerk angekündigt hatte, von dem man dachte, ach was: wusste!, dass es dafür eigentlich Generationen mutiger, selbstloser Gelehrter und Sachverständiger bräuchte, um nur annähernd aufzuklären, weshalb die Roben der Kardinäle bis heute die gleiche Farbe haben, wie die römischer Kriegsherren: Das Purpur, gewonnen aus den endlosen Blutströmen Millionen namenlos gebliebener Erschlagener, Gemeuchelter, Gefolterter, Erhängter und Verbrannter.

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Kirchenkritiker Karlheinz Deschner ist tot

Bild: Wikimedia Commons/Mathias Schindler (CC-BY-SA 3.0)
Bild: Wikimedia Commons/Mathias Schindler (CC-BY-SA 3.0)

Bissig, bisweilen gnadenlos sprang er mit Kirche und Klerus um. Doch im Gespräch entpuppte sich Karlheinz Deschner als stiller, nachdenklicher Mensch. Am Morgen des 8. April ist der „warmherzige Melancholiker“, wie ihn sein Lektor genannt hatte, der Autor der „Kriminalgeschichte des Christentums“, im Alter von 89 Jahren in einer Klinik seines Wohnortes Haßfurt gestorben. Dies teilte seine Mitarbeiterin Gabriele Röwer am Mittwoch mit.

Main Post – Ralph Heringlehner

Regale an allen Wänden, Tausende Bücher bis unter die Decke: Das Zimmer, in das Karlheinz Deschner den Besucher bat, verriet den Intellektuellen. Reden, erklärte er beinahe entschuldigend, liege ihm nicht. Ganz präzise, wie das eben nur schriftlich geht, wollte er seine Gedanken immer fassen. Konsequent (manche sagten: stur) dachte er sie zu Ende und zog seine Schlüsse. So einer – gleich gar, wenn er gegen die Kirche wettert – ruft Widerstand hervor. Man schrieb gegen Deschner an, gab ein dickes Buch heraus. 1971 stand er wegen „Kirchenbeschimpfung“ in Nürnberg vor Gericht. Der Fall wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt.

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Karlheinz Deschner: Flutlicht in die Abgründe der Kirchengeschichte

Karlheinz Deschner (rechts) im Jahr 2007 gemeinsam mit Hans Albert, Bild: wikipedia
Er ist extrem hart mit den christlichen Kirchen ins Gericht gegangen, bewusst einseitig und nicht immer ganz wissenschaftlich. Aber es ging Karlheinz Deschner auch nie um Ausgewogenheit, sondern darum, Dinge ans Licht zu holen, die viele Christen lieber im Dunklen gelassen hätten. Nun hat er, soweit es in seiner Macht stand, sein Lebenswerk abgeschlossen.

Von Markus C. Schulte von DrachSüddeutsche.de

Karlheinz Deschner – der Name ist unter jüngeren Menschen kaum noch bekannt. Seine Arbeiten haben in den vergangenen zwanzig Jahren nur noch wenig Aufregung hervorgerufen. Das war einmal anders. Früher einmal hat Deschner Begeisterung, Ablehnung oder sogar Zorn ausgelöst. Und für manche Menschen waren seine Bücher fast schon eine Art Offenbarung.

Davon ist heute nicht mehr viel zu spüren. Und das ist tatsächlich eine gute Nachricht. Denn sie hängt indirekt damit zusammen, dass es für die meisten Menschen in unserer Gesellschaft heute selbstverständlich ist, dass nichteheliche Kinder und Ehen ohne Trauschein keine Schande sind, dass Homosexualität nicht strafbar ist, Vergewaltigung in der Ehe aber schon; und dass heute ungetaufte und konfessionslose Kinder in Schulen einen Ethikunterricht besuchen können, in denen Kruzifixe abgehängt werden, wenn Eltern das fordern.

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Gerhard Wimberger: Das Christentum ist ein geistiges Fossil

Der Österreicher Gerhard Wimberger liefert in seinem Buch eine kompakte Zusammenfassung religionskritischer Argumente

MAIN POST

„Ich ahne, dass es etwas uns Unbegreifbares gibt.“ Das sei „in einer metaphysischen Dimension“ angesiedelt, aber „keine Macht, die ich anbete, die mich schützt, der ich vertraue, auf die ich hoffe, kein Gott, der richtet, belohnt und bestraft.“ Gerhard Wimberger formuliert so etwas wie ein Glaubensbekenntnis des Agnostikers, eines Menschen, der die Antwort auf die Frage nach der Existenz Gottes offenlässt, weil sie sich nicht rational beantworten lässt.

Wohl aber die Frage danach, wie wichtig Religion heute noch ist. Der Titel des Wimberger-Buches zeigt, wohin die Reise geht: „Glauben ohne Christentum“. Der Österreicher ist von Beruf Komponist. Das Nachdenken über Gott, das Philosophieren über Welt und Mensch treibt den heute 89-Jährigen aber seit jeher um.

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Karlheinz Deschner: Die düstere Seite des Christentums

Bild: Rowohl Verlag / privat
Seit 40 Jahren schreibt Karlheinz Deschner seine kirchenkritische „Kriminalgeschichte des Christentums“. Nun ist der abschließende zehnte Band erschienen. Darin lässt Deschner seine leidenschaftliche Lust manchmal vermissen.

Von Ingo PetzDeutschlandfunk

Wenn Karlheinz Deschner gegen Kirchen und Christentum zu Felde zieht, dann tut er das nicht mit der Stimme der Sanftheit und Ausgewogenheit. Ganz im Gegenteil. Deschner sticht, schießt, grollt und wütet sich durch 2000 Jahre Christentum – mit einer emotionalen, lodernden Sprache, die dem Leser in die Glieder und schließlich in den Verstand fahren soll. Im Schlusswort des gerade erschienenen zehnten Bandes der „Kriminalgeschichte des Christentums“ klingt das so:

„Wo sonst gibt es diese atemverschlagende Mischung von Wolfsgeheul und Friedensschalmei, Weihnachtsbotschaft und Scheiterhaufen, von Heiligenlegende und Henkersgeschichte! Wo sonst dies allumfassende Liebespalaver und den praktisch alles verschlingenden Hass! Wo sonst eine Religion, die aus Liebe tötet, aus Liebe foltert, aus Liebe raubt, erpresst, entehrt, verteufelt und verdammt!“

Dieser Ausschnitt, von Deschner selbst gelesen, steht exemplarisch für seine Art der Geschichtsschreibung. Sie steht eher in der Tradition von Aufklärern und Vernunftbegabten wie Voltaire oder Nietzsche als in der Tradition der abstrakten Historiografie. Für Deschner ist die Sprache der treibende Motor seiner Empörung gegen moralische Fehlleistungen einer Religion, die sich eigentlich als Predigerin der Barmherzigkeit versteht. Man spürt förmlich, wie Deschner mit jedem Wort, mit jedem Satz seine Auflehnung und Aufregung befeuert, sich hineingräbt in die Verbrechen und so zu diesem aufschreiartigen Ton kommt, der sich aus Enttäuschung, Wut und Trauer speist.

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Karlheinz Deschner über die Gräueltaten der kroatischen Ustascha

„Ohne Kenntnis dieses alptraumhaften Blutbads“, so Deschner in der XII. Folge, die Jugoslawien gewidmet ist, „kann man die Vorgänge dort heute überhaupt nicht verstehen, Vorgänge, an denen sogar der Außenminister der uns befreundeten USA, den Deutschen, das heißt der Regierung Kohl/Genscher, eine besondere Schuld beimaß. Mehr involviert ist nur der Vatikan, der schon seinerzeit durch Papst Pius XII. in die ungeheuersten Greuel der faschistischen Ära insgesamt derart verstrickt war, daß es, bei der Taktik der römischen Kirche nicht verwunderlich wäre, spräche man ihn heilig.“

Schmidt-Salomon: „Benedikt war kein schwacher Papst“

Benedikt XVI. besucht 2012 Kuba und trifft dort Fidel Castro NRhZ-Archiv(1)

Die Nachricht vom Rücktritt des Papstes schlug ein wie eine Bombe. Doch was waren die Gründe für diesen Schritt? Und was wird von dem Pontifikat Benedikts XVI. bleiben? Der Humanistische Pressedienst (hpd) fragte nach bei Michael Schmidt-Salomon, der unlängst zur Neuausgabe der „Politik der Päpste“ von Karlheinz Deschner ein umfangreiches Nachwort schrieb, das die Amtszeiten von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. behandelt.

Von Michael Schmidt-SalomonNRhZ

hpd: Herr Schmidt-Salomon, hat Sie der Rücktritt des Papstes überrascht?
Schmidt-Salomon: Ja und nein. Historisch betrachtet war der Rücktritt natürlich überraschend. Immerhin ist es in der Geschichte der katholischen Kirche nur ein einziges Mal vorgekommen, dass ein Papst freiwillig auf das Amt verzichtete. Andererseits: Benedikt XVI. hat immer wieder darauf hingewiesen, dass es nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht des Papstes sei, sein Amt niederzulegen, wenn er es nicht mehr ausfüllen könne. Dieser Punkt war nun offenkundig erreicht.
hpd: Ist Benedikt also aus Altersgründen zurückgetreten?
Schmidt-Salomon: So einfach ist die Sache nicht. Ich bin überzeugt: Ohne die Missbrauchsskandale, die Vatileaks-Affäre, ohne die jüngsten Enthüllungen, dass in der Vatikan-Bank noch immer Mafiagelder gewaschen werden, hätte der Papst seinen Rücktritt noch nicht verkündet. 2012 war ein rabenschwarzes Jahr für Benedikt XVI., so etwas hätte er in seinem Alter nicht noch einmal durchstehen können. Insofern ist sein Rücktritt verständlich. Zugleich ist dieser Rücktritt der wohl revolutionärste Akt seines gesamten Pontifikats – der ungewöhnliche Abgang eines ungewöhnlichen Papstes…

Deschner und Ratzinger: „Wir sind müde“

Besucher auf dem Petersplatz im Vatikan beim letzten Angelus-Gebet. Der Papst gibt sein Amt, Karlheinz Deschner sein Opus magnum ab. Bild: dpa

Hat Gott Humor? Papst Benedikt XVI. gibt sein Amt auf. Und Karlheinz Deschner, der schärfste Kritiker des Christentums, schließt sein Opus magnum ab.

Von Alexander Wallasch – taz

„Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.“

So sprach’s Benedikt XVI., der „emeritierte Bischof von Rom“, wie sein Titel dann ab dem 28. Februar 2013, 20 Uhr, lauten wird.

Ein Burn-out? Auf jeden Fall kein Einzelschicksal. Denn andere ermüden im hohen Alter ebenfalls am übergroß abgesteckten Lebenswerk.

Radikaler Kirchenkritiker

Karlheinz Deschner (geb. 1924) ist so ein Benedikt-XVI.-Leidensgenosse. Und obendrein wird der von „allen Kirchenkritikern unseres Jahrhunderts belesenste, radikalste und leidenschaftlichste“ (SZ) zum unfreiwilligen Anwalt eines humorvollen Gottes:

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„Kriminalgeschichte des Christentums“ soll im Juli 2013 abgeschlossen werden

Hundertfünfzig Jahre ­Grausamkeit Mitte des 16. Jahrhunderts feiert die Kirche die völkermörderische Eroberung Lateinamerikas. Bd.9
Hundertfünfzig Jahre ­Grausamkeit Mitte des 16. Jahrhunderts feiert die Kirche die völkermörderische Eroberung Lateinamerikas. Bd.9

Am 19. Juli 2013 soll er erscheinen, der zehnte und letzte Band der Kriminalgeschichte des Christentums von Karlheinz Deschner. Dies geht aus der Programmvorschau des herausgebenden Rowohlt-Verlages hervor.

Von Thomas Hummitzschdiesseits.de

Der mit etwas mehr als 400 Seiten angekündigte Abschlussband wird sich mit der Kriminalgeschichte des Christentums im 18. Jahrhundert auseinandersetzen. Darin wird u.a. der Kampf christlicher und weltlicher Mächte um die Vorherrschaft in Skandinavien geschildert, auf das orthodoxe Christentum geblickt und der Niedergang des Papsttums sowie die Trennung von Kirche und Staat ins Auge genommen. Der Band bekräftige „mit seiner Detailfreude, Exaktheit und kritischen Schärfe wieder“ Deschners Ruf als bedeutendster Kirchenkritiker der Gegenwart, heißt es in der Verlagsankündigung.

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Säkularer Humanismus und Religionskritik

Die Medien seien wirkungsträchtiger als die Kirchen, zitiert ein Tagungsbericht “Religion in den Medien” auf der Homepage des Deutschen Journalistenverbandes eine These von Kai Hafez.

Von Christoph WagenseilREMID

Der Kommunikationswissenschaftler (Erfurt) erläuterte in seinem Vortrag (2008), der Islam werde entsprechend in Deutschland weniger als Religion und mehr als negativ besetzte Gegenwelt wahrgenommen. Auch Jürgen Habermas wandte sich neulich gegen eine Marginalisierung der Religion (vgl. Artikel Sommerschule diskutiert über Nonkonformismus). Doch auch die Konfessionsfreien (oder -losen) können sich als marginalisiert wahrnehmen, gerade weil sie kaum organisiert sind. In der doppelten Funktion als Verleger und Eigentümer des Marburger Wissenschaftsverlages tectum sowie als religionskritischen Buchautoren (”Der Jesuswahn“, “Verführte Jugend“; beides 2011) interviewte REMID Dr. Heinz-Werner Kubitza zum Themenkomplex Religion und Öffentlichkeit.

Folgt man den Ergebnissen des Google Analyse-Tools Ngram (Corpus: German Books, aufgerufen am 25. September 2012, Daten bis 2008), enthalten deutschsprachige Bücher zwar im 19. Jahrhundert um einiges häufiger die Worte „Religion“ oder „Gott“. Doch haben die christlichen Begriffe sich in den letzten Jahrzehnten stabilisiert, während „Atheismus“ und „Humanismus“ eine fallende Tendenz haben. Der Islam wurde in beide Graphen eingefügt, um den Unterschied der Größenordnungen zu

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Staatszeremoniell: Hut ab – zum Gebet

Über 100 Interessierte kamen, um über feierliche Staatsakte nachzudenken

Die Humanistische Akademie Berlin hat sich bei ihrer diesjährigen Tagung in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung mit der Rolle von Religionen und Weltanschauungen bei Staatsakten befasst.

Von Thomas Hummitzschdiesseits.de

Eine Binse ist, dass ungeschriebene Gesetze unseren Alltag regeln. Dass aber auch inoffizielle Regeln den politischen Alltag wesentlich bestimmen, kann man als durchaus bemerkenswert einschätzen. Eine solche, nicht amtliche Regelung, auf die jedoch immer wieder zurückgegriffen wird betrifft die so genannte staatliche Rangfolge in der Bundesrepublik bei Staatsakten. Diese hat beträchtliche Auswirkungen auf die staatliche Einladungspolitik und damit auch darauf, welche Religions- und Weltanschauungsvertreter bei Staatsakten anwesend sind.

Demzufolge hat der Bundespräsident die wichtigste Stellung. Es folgen Staatsoberhäupter fremder Staaten, die Regierungschefs anderer Staaten, der Kanzler bzw. die Kanzlerin. Es folgen der/die Präsident/-in des Deutschen Bundestags, Bundesrates und des Bundesverfassungsgerichts. Und nun wird es spannend: Denn noch vor den Fraktionsvorsitzenden des Bundestags und des Europäischen Parlaments und den Vizepräsidenten dieser Parlamente stehen seltsamerweise der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland sowie die Kardinäle der katholischen Kirche. Zu finden ist diese Liste in Jürgen Hartmanns Grundlagenbuch Staatszeremoniell, Seite 126.

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Freidenker Kalender 2012 – Die Erde dreht sich ohne Gott!

Der Freidenker Kalender 2012:
Die Erde dreht sich ohne Gott!

12 Monatsblätter mit Zitaten zu Religion und Kirche von

  • Ludwig Feuerbach
  • Johann Most
  • Friedrich Nietzsche
  • Karlheinz Deschner
  • Karl Marx
  • Lenin
  • Paul Lafargue
  • Peter Hacks
  • Kurt Tucholsky
  • Richard Dawkins
  • Heinrich Heine
  • Theodor Lessing

16 Seiten (+Schutzfolie +Kartonrücken);
DIN A 4; 4-farbig; 170 g/qm Bilderdruckpapier;
Drahtspiral-Bindung mit Aufhänger;
Verkaufspreis 8.– Euro; ab 5 Stück 6.– Euro;

Ansicht der 12 Monatsblätter

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Mit B16-RatzeBene kommt jener Papst nach Deutschland, der den Faschistenkomplizen Pius XII. selig sprechen will

Quelle: evidentist.files.wordpress.com

Wie man Seliger wird
Mit Benedikt XVI. kommt jener Papst nach Deutschland, der den Faschistenkomplizen Pius XII. selig sprechen will. Pius hat als Papst zu den Gräueltaten und den Angriffskriegen Deutschlands geschwiegen.

Von Karlheinz DeschnerFrankfurter Rundschau

Wenn man ihre Heiligenlegenden liest“, schrieb bereits vor 250 Jahren Claude Adrien Helvétius, der Freund Voltaires, „findet man die Namen von tausend heiliggesprochenen Verbrechern.“ Übertrieben? Doch begrüßt das offizielle Berlin nicht gerade in dieser Woche einen Papst, der auch noch den größten der klerikalen Faschistenkomplizen, Eugenio Pacelli, Papst Pius XII. (1939-1958), zur „Ehre der Altäre“ zu erheben sucht?

Seit den Nuntiaturen in München und Berlin von nicht wenigen gutgläubigen Germanen fast vergöttert, bewunderte Pacelli seinerseits die „großen Eigenschaften dieses Volkes“, wie gewiss nicht minder (und allen ideologischen Irritationen, allen Wunden des Kirchenkampfs zum Trotz) die großen Eigenschaften seines „Führers“, mit dem am 20. Juli 1933 das Konkordat geschlossen wurde, ein „unbeschreiblicher Erfolg“ für Hitler, verschaffte es ihm doch vor aller Welt Legalität. Pacelli hatte Hitler den Weg gebahnt, indem er die mit rheinischen Großindustriellen verbundene Zentrums-Partei, das politische Instrument der Kurie in Deutschland, „mehr nach rechts“ sich orientieren, „eine Regierung der Rechten“ bilden hieß. Verfechter eines autoritären Staates und einer autoritären Kirche, hatte er Hitler schließlich über seine Zentrumsfreunde Wilhelm Marx, Dominikaner-Terziar, dreimal deutscher Reichskanzler, über den Kirchenrechtsprofessor und Zentrumsvorsitzenden Ludwig Kaas, Päpstlicher Hausprälat und Apostolischer Protonotar, sowie über Franz von Papen, nachmaliger Päpstlicher Kammerherr und Stellvertreter Hitlers, auch entscheidend mit zur Macht verholfen, worüber der Nuntius in Berlin, Pacelli-Nachfolger Cesare Orsenigo, offen frohlockte.

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Kriminalgeschichte des Atheismus?

Michael Schmidt-Salomon, Bild: Brightsblog

Sind AtheistInnen die besseren Menschen?

Dass „gute ChristInnen“ nicht unbedingt auch „gute Menschen“ sind, ist kein Geheimnis. Gerade diejenigen, die sich besonders stark um eine buchstabengetreue Umsetzung der biblischen Botschaft bemühen, sind selten in der Lage, tolerant und liebevoll auf ihre (oft andersgläubigen) Mitmenschen zuzugehen. Auch die rigorosen Verfechter des Korans und der Thora fallen nicht unbedingt durch ihre grenzenlose Nächstenliebe auf. Selbst der ewig lächelnde Dalai Lama hat – glaubt man den Darlegungen der in der letzten Zeit sich mehrenden Buddhismuskritiker – so manche Leiche im Keller.

Von Michael Schmidt-Salomon

Im Wettstreit um den ultimativen „Gutmenschen-Status“ scheinen die Atheisten dank der Disqualifizierung ihrer religiösen Kontrahenten also auf den ersten Blick gute Karten zu besitzen. Doch sind Atheisten wirklich die „besseren Menschen“, wie so mancher Konfessionslose glaubt? Oder handelt es sich hierbei nur um eine selbstwertdienliche Wahrnehmungsverzerrung? Wäre eine Menschheit, die sich von den jenseitigen Verheißungen der Weltreligionen losgesagt hat, wirklich eine geläuterte, eine bessere Menschheit? Werfen wir, um diese Frage beantworten zu können, einen Blick auf die in konfessionslosen Kreisen gern übersehenen (1) dunklen Seiten der Religionskritik.

Die Kriminalgeschichte des Atheismus

Es gibt sicherlich nicht wenige AtheistInnen, die die „moralische Überlegenheit“ ihres Denkansatzes mit einem schlichten Verweis auf Deschners „Kriminalgeschichte des Christentums“ begründen. Doch: So richtig es auch ist, die frohe Botschaft des Christentums an ihren wenig erfreulichen Früchten zu messen, ein solcher Schuss kann durchaus nach hinten losgehen: Viele AtheistInnen übersehen nämlich allzu gerne, dass zahlreiche „Staatsatheisten“ in der Vergangenheit kaum ein besseres Bild abgaben als z.B. der Initiator des ersten Kreuzzugs, Papst Urban II.

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Gott ist nicht hinreichend definiert

MSS, Quelle: 16 vor

Michael Schmidt-Salomon ist neben Karlheinz Deschner der derzeit bekannteste Religionskritiker Deutschlands. Der Trierer ist Mitgründer der “Giordano-Bruno-Stiftung”, die sich seit 2004 für die Interessen der Konfessionslosen einsetzt. Zuletzt sorgte er für Aufsehen mit seinem 2009 publizierten Werk “Jenseits von Gut und Böse – Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind”. 16vor sprach mit dem 43-Jährigen über Religion, sein am Donnerstag erscheinendes Buch “Leibniz war kein Butterkeks” und seine Zeit an der Universität Trier.

16vor.de

16vor: Herr Schmidt-Salomon, gibt es einen Gott?

Michael Schmidt-Salomon: Tut mir Leid, auf diese Frage kann ich keine klare Antwort geben, da der Begriff “Gott” nicht hinreichend definiert ist.

16vor: Die Frage zielt vor allem auf eine Titulierung des Spiegels ab, der Sie mal zu “Deutschlands Chef-Atheisten” gemacht hat. Würden Sie sich überhaupt selbst als Atheisten bezeichnen?

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Das Wunder des Theismus

Das vorliegende Werk des australischen Philosophen John Leslie Mackie (1917-1981) setzt tiefer an als viele geläufige Texte des zeitgenössischen Atheismus. Mackie arbeitet mit einer sich jedem Argument ernsthaft nähernden, es gründlich auf logische Zulässigkeit und empirische Plausibilität hin prüfenden, unpolemischen Geltungsreflexion.

Von Ingo ElbeRote Ruhr Uni

Die Diagnosen eines säkularen, schon post-atheistischen bürgerlichen Zeitalters sind gescheitert. Nicht nur Esoterik und anderer Neo-Mystizismus, sogar der traditionelle Gottesglaube scheint wieder en vogue. In Zeiten, in denen christlicher und islamischer Fundamentalismus weltweit auf dem Vormarsch sind, in denen der Papst von den Medien besinnungslos als (deutscher) Popstar abgefeiert wird, die EU-Kommission sich nicht zu einer Ablehnung des Kreationismus durchringen kann, in Deutschland Ex-Muslime und in den USA Abtreibungsärzte um ihr Leben fürchten müssen oder in denen wieder und wieder die Lüge vom christlichen Ursprung der bürgerlich-demokratischen Rechtsordnung kolportiert wird, in solchen Zeiten ist man schon für jedes Zeichen klassischer bürgerlicher Aufklärung und offensiven Atheismus dankbar – selbst in dem Bewusstsein, dass diese selten zu den Ursachen des neo-archaischen Denkens vordringen.

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Das „Gottesgeschenk“ Konrad Adenauer

Empfang bei Johannes XXIII – Konrad Adenauer Quelle: http://www.vatikan.diplo.de

Von Peter KleinertNeue Rheinische Zeitung

„Wir danken heute Gott, daß er uns Konrad Adenauer geschenkt hat“, zitiert Werner Rügemer in dieser NRhZ-Ausgabe aus Kardinal Meisners Predigt beim Pontifikalamt anlässlich der Feiern zum 125. Geburtstag des ehemaligen Kölner OB, später CDU-Gründungsvater und Bundeskanzler, am 5. Januar 2001. Während sich der Autor von COLONIA CORRUPTA damit befasst, „dass nach Adenauerscher Beichttafel und katholischem Katechismus Selbstbereicherung, Insidergeschäfte und die Haltung schwarzer Kassen, aber auch etwa Korruption im engeren Sinne immer noch nicht im kirchlichen Sündenregister aufgeführt sind“, hat der Kirchenkritiker und -historiker Karlheinz Deschner sich in der Fernsehserie „Mit Gott und den Faschisten“ mehr mit der Haltung des „Gottesgeschenks“ zum Faschismus beschäftigt.

„Das römische Papsttum – durch Kriege und Betrug groß geworden, durch Kriege und Betrug groß geblieben – hatte durch Pius X. den Ausbruch des Ersten Weltkriegs gefördert und durch Pius XI. entscheidend die Heraufkunft des Faschismus in Italien und Deutschland.“ So beginnt Karlheinz Deschner seinen Vortrag in der KANAL 4-TV-Sendereihe „Mit Gott und den Faschisten“. In der Folge über die zwischen Mussolini und Pius XI. abgeschlossenen Lateranverträge berichtet Deschner: „Am 20. Dezember 1926 verkündete der „Heilige Vater“ wieder einmal: „Mussolini wurde uns von der Vorsehung gesandt.“ Der Duce hatte kurz zuvor die Mandate der nicht faschistischen Kammer- und Senatsmitglieder für ungültig erklärt, ihre Parteien aufgelöst und mit der faschistischen Umgestaltung des Staates begonnen.

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