Äthiopien: Klimawandel bedroht Kaffeeanbau

Geröstete Kaffeebohnen – Grundlage für eines der beliebtesten Getränke der Welt © Gemeinfrei
Bedrohte Bohne: Der Klimawandel setzt der Kaffeeindustrie in Äthiopien zu. Eine Studie zeigt: Steigen die Temperaturen ungebremst an, könnten bis zum Ende dieses Jahrhunderts bis zu 60 Prozent der heutigen Anbauflächen für die Kultivierung der Bohne unbrauchbar werden. Ein Ausweichen auf höhere Lagen könne den Verlust zwar zunächst ausgleichen. Langfristig werde jedoch nur der Kampf gegen die Erderwärmung Äthiopien als Wiege des Kaffees und größten Kaffeeproduzenten Afrikas bewahren, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Nature Plants“.

scienxx

Ob als Cappuccino oder Espresso, gebrüht oder gefiltert: Kaffee ist eines der beliebtesten Getränke der Welt und für viele Menschen unentbehrlich. Geschätzt wird das schwarze Gold als Muntermacher am Morgen ebenso wie als wohlschmeckender Begleiter durch den Tag. Außerdem entpuppt es sich immer mehr als Gesundmacher. So könnte Kaffeetrinken unter anderem vor Leberzirrhose schützen, Diabetes vorbeugen und sogar unsere DNA vor Brüchen bewahren.

weiterlesen

Hitze bedroht 75 Prozent der Weltbevölkerung

Ab 37 Grad Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit wird es für den menschlichen Körper kritisch… © Tomwang112/ thinkstock
Tödliche Hitze: Geht der Klimawandel so weiter, werden knapp 75 Prozent der Weltbevölkerung bis 2100 regelmäßig lebensbedrohlichen Hitzewellen ausgesetzt sein, wie Klimaforscher prognostizieren. Betroffen sind besonders die Tropen, aber auch große Metropolen in den gemäßigten Breiten. Das Beunruhigende: Selbst bei drastischem Klimaschutz steigt die Zahl der exponierten Menschen auf rund die Hälfte der Weltbevölkerung an, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature Climate Change“ prognostizieren.

scinexx

Dass mit dem Klimawandel auch die Hitzewellen zunehmen werden, ist nichts Neues: Schon jetzt häufen sich in vielen Regionen der Erde die Wärmerekorde und „Jahrhundertsommer“. In 50 Jahren könnten solche Wetterextreme sogar zur Regel werden. Forscher prognostizieren, dass die zunehmende Hitze weite Teile des Nahen Ostens und Nordafrikas unbewohnbar machen könnte.

weiterlesen

Klimawandel macht Seen immer wärmer

Nass ja, aber immer weniger kühl. Weltweit erwärmen sich Seen durchschnittlich um mindestens 0,36 Grad pro Dekade. Hier ein Wanderer am Easedale Tarn See im Britischen Lake District. (Foto: Tim Graham/imago)
  • Um 0,34 Grad Celsius innerhalb von jeweils zehn Jahren ist die durchschnittliche Sommer-Oberflächentemperatur von 235 untersuchten Seen weltweit gestiegen.
  • Der Klimawandel verschärft den Stress, den Gewässer durch Überfischung und die intensive Nutzung der Ufer haben, erklären Forscher.
  • „Wir unterschätzen den Trend eher, als dass wir ihn überschätzen“, sagt die Leitautorin der Studie.

Von Christopher Schrader | Süddeutsche.de

Es lächelt der See, er lockt zum Bade – die ersten Worte aus Schillers Drama „Wilhelm Tell“ sind spätestens seit Pfingsten wieder aktuell: Teich, Tümpel, Weiher, Maar, Talsperre oder Baggersee, ganz egal, Hauptsache nass und kühl.

Nass werden die Binnengewässer auch in Zukunft sein, aber ob das mit der Kühle so bleibt, ist ungewiss. Viele Seen erwärmen sich im Zuge des Klimawandels offenbar schneller als Land und Luft. Um 0,34 Grad Celsius innerhalb von jeweils zehn Jahren ist die durchschnittliche Sommer-Oberflächentemperatur von 235 untersuchten Seen weltweit gestiegen.

weiterlesen

Berliner Greise

Bild: Berliner Kreis

Die besonders konservative CDU-Sekte Berliner Kreis in der Union e. V. hat in einer Erklärung Kritik an der Klimapolitik der Bundesregierung geübt. Konkret kritisierte Koordinator Philip Lengsfeld eine Ideologisierung der Wissenschaft, die den Klimawandel dem Treibhauseffekt zuschreibe.

Von Markus Kompa | TELEPOLIS

Anders als etwa US-Präsident Trump, der den Ausstieg aus dem Pariser Abkommen ohne einen Wissenschaftler in seinem Team beschloss, leugnet der Berliner Kreis den Klimawandel nicht, einen solchen habe es jedoch schon immer gegeben. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sei marktwirtschaftlich ineffizient, man fordere stattdessen einen europäischen Weg mit europäischen Zielen und damit den Abschied von deutschen Sonderzielen. Stattdessen solle man die Chancen des Klimawandels sehen, etwa eine eisfreie Nordpassage, neue Fischfangmöglichkeiten und Rohstoffabbau.

weiterlesen

Klimawandel wird für Städte besonders teuer

Durch den ubranen Wärmeinsel-Effekt heizen sich Städte überproportional stark auf – das wird auch zu wirtschaftlichen Einbußen führen. © dwart/ thinkstock
Heiße und teure Zukunft: Für die Städte wird der Klimawandel richtig teuer. Denn die überproportional starke Erwärmung der Ballungsräume verursacht für sie doppelt so hohe Kosten wie für ländlichere Regionen, wie Forscher ausgerechnet haben. Bis 2050 könnte dies bei den größten Städten weltweit zu Einkommenseinbußen um bis zu zehn Prozent führen – wenn nicht durch Anpassungsmaßnahmen gegengesteuert wird.

scinexx

Drückende Hitze selbst nachts – solche Bedingungen häufen sich im Sommer vor allem in den Städten. Denn Beton und Asphalt speichern die Sonnenwärme und machen Städte wärmer als das grüne Umland. Dieser urbane Wärmeinsel-Effekt kann bis zu zehn Grad ausmachen, wie Messungen zeigen. Im Winter können Ballungsräume dadurch sogar das Klima ganzer Kontinente beeinflussen.

weiterlesen

Klimawandel raubt uns den Schlaf

Ungewöhnlich warme Nächte verursachen schon heute vemehrt Schlafstörungen – in Zukunft könnte sich das verstärken. © Andrey Popov/ thinkstock
Schlaflose Zukunft: Der Klimawandel beeinträchtigt zunehmend auch unseren Schlaf. Schon jetzt führen wärmere Nachttemperaturen vor allem im Sommer vermehrt zu Schlafstörungen, wie eine Studie aus den USA belegt. Bis zum Jahr 2050 könnte die Erwärmung jedoch Millionen von Menschen allein in Nordamerika schlaflose Nächte bereiten – und noch viel mehr in den ohnehin schon heißen und weniger wohlhabenden Ländern, wie die Forscher im Fachmagazin „Science Advances“ berichten.

scinexx

Schlaf ist für unseren Körper und unser Gehirn überlebenswichtig. Doch immer mehr Menschen leiden unter Schlafstörungen und Schlafentzug. In Deutschland sind es einer aktuellen Studie nach sogar bis zu 80 Prozent aller Berufstätigen – Tendenz steigend. Die Ursachen dafür sind vielfältig, neben Lichtverschmutzung, Stress und Arbeit, können auch Lärm und Feinstaub dazu beitragen.

weiterlesen

„Der Status quo ist der ideale Zustand für die 0,1 Prozent der Eliten“

UN-Generalversammlung. Bild: Patzrick Gruban/CC BY-SA-2.0
Ist ein demokratisches Weltparlament der Ausweg aus der Krise der globalen Politik? Ein Gespräch mit Andreas Bummel

Von Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Die Weltpolitik steckt in einer tiefen Krise. Ob Trump, Erdogan, Le Pen oder AfD: Immer mehr Wähler auch in westlichen Demokratien entscheiden sich für Nationalismus und Abschottung, untermauert von plumpem Populismus. An vielen Ecken flammen alte Krisenherde und überwunden geglaubte Ost-West-Konflikte wieder auf. Und während die ganze Welt längst globalisiert ist – von der Kommunikation, über Kultur und Wirtschaft -, bleibt die Demokratie eine nationalstaatliche Angelegenheit. Die überstaatlichen Institutionen erscheinen als elitäre Gremien ohne Bürgerkontakt, eine anachronistische Einrichtung wie der UN-Sicherheitsrat mit seinem kontraproduktiven Vetorecht ist jeder demokratischen Kontrolle entzogen.

Die Lösung sehen Andreas Bummel, Gründer der NGO Democracy Without Borders, und der EU-Parlamentarier Jo Leinen in einem demokratischen Weltparlament. Seit mehr als zehn Jahren leistet Bummel mühsame Überzeugungsarbeit. Als ersten Schritt schlägt er die Einrichtung einer Parlamentarischen Versammlung bei den Vereinten Nationen (UNPA) vor. Bummel und Leinen haben nun ein Buch über ihre Idee geschrieben: „Das demokratische Weltparlament. Eine kosmopolitische Vision“ (Dietz Verlag, Bonn 2017).

Sie zeichnen darin kenntnisreich und detailgenau die Entwicklung demokratischer Ideen von den Anfängen bei antiken Philosophen bis heute nach – über die französische und amerikanische Revolution, den Völkerbund, die Zäsur der Weltkriege, das Ende des Kalten Krieges, die Schatten der Globalisierung. Sie machen die Begrenztheit der nationalstaatlichen Souveränität in Zeiten des globalen Kapitalismus deutlich und sprechen die großen Probleme der Menschheit an: Kriege, Fluchtbewegungen, Hunger, Armut, Ungleichheit, Klimawandel, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Und sie skizzieren, wie all diese Probleme durch eine Weltregierung unter demokratischer Kontrolle, gekoppelt an ein Weltrechtssystem und ein Weltsteuersystem, besser und effizienter angegangen werden könnten.

Trotz aller überzeugenden Argumente ist die Skepsis gegenüber einem solchen Ansatz ungebrochen hoch. Woran das liegt, und was von den Gegenargumenten zu halten ist, erklärt Andreas Bummel im Gespräch mit Telepolis.

weiterlesen

Jane Goodall: „Wer sehr arm ist, wird Bäume fällen“

foto: the jane goodall institute Ihre Forschungsergebnisse wurden wegweisend für die Wahrnehmung dieser Tiere. Sie beschrieb ihre Charaktere, ihre Emotionen, ihre Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen, und zeigte damit, wie ähnlich sie uns Menschen sind.
Die Verhaltensforscherin berichtet, wie man die Umwelt durch den Bau von Toiletten in Schulen und Bildung von Mädchen stärken kann

Interview Julia Schilly | derStandard.at

Mit 23 Jahren und ohne Universitätsabschluss in der Tasche zog Jane Goodall los, um Schimpansen im Gombe-Stream-Nationalpark im Westen Tansanias zu erforschen. Das Budget kam von dem Paläoanthropologen Louis Leakey, der auch die Arbeit von Dian Fossey mit Gorillas und Birutė Galdikas mit Orang-Utans unterstützte. „Zu der Zeit waren wir alle sehr naiv in dem Alter“, sagt die Britin. Dennoch konnte sie bald erste Erfolge vorweisen: Schon im ersten halben Jahr sammelte sie bahnbrechende Erkenntnisse. So beobachtete sie etwa, wie Schimpansen mit Ästen nach Termiten fischten und mit Steinen Nüsse knackten. Den Gebrauch von Werkzeugen trauten sich die Menschen bis dahin nur selbst zu. der STANDARD traf die 83-Jährige am Donnerstag vor ihrem Vortrag in der ausverkauften Expedithalle in der Ankerbrotfabrik.

STANDARD: Ihre Arbeit Anfang der 1960er-Jahre wurde von Kollegen als unkonventionell bewertet: Sie gaben den Schimpansen Namen anstatt Nummern und betrachteten sie als Individuen mit eigenständigen Persönlichkeiten. War diese Herangehensweise ohne die Scheuklappen der damaligen wissenschaftlichen Regeln ein Vorteil?

Goodall: Mein Mentor Louis Leakey war überzeugt, dass diese Denkweise nicht durch die wissenschaftlichen Theorien jener Zeit eingeschränkt war. Ich weiß nicht, wie sehr mich ein akademischer Grad verändert hätte.

STANDARD: Sie beobachteten Schimpansen etwa beim Gebrauch von Werkzeugen. Wie war die Reaktion anderer Wissenschafter?

Goodall: Mir wurde nicht geglaubt. Ich hatte ja noch keine wissenschaftlichen Referenzen. Mir wurde sogar vorgeworfen, dass ich den Affen beigebracht hätte, die Werkzeuge zu verwenden. Wie sollte man das komplett wilde Tiere lehren? Das wäre doch ein brillanter Erfolg gewesen. (lacht)

weiterlesen

Die Antarktis wird grüner

Das Grün nimmt zu: Blick über das der antarktischen Halbsinel vorgelagerte Green Island © Matt Amesbury
Grün statt weiß: Die Küsten der Antarktis könnten in Zukunft völlig anders aussehen als heute. Denn im Zuge des Klimawandels erobern die Pflanzen allmählich den eisigen Kontinent. Schon jetzt hat wachsen die Moose auf der antarktischen Halbinsel fünffach schneller als noch vor 50 Jahren, wie Forscher in Fachmagazin „Current Biology“ berichten. Sie darin ein Indiz für einen fundamentalen Wandel dieser Region.

scinexx

Die Antarktis ist einer der lebensfeindlichsten Kontinente der Erde. Fast komplett von Eis bedeckt, bleibt zumindest für Tiere und Pflanzen kaum Platz. Nur an den Küsten können sich Lebewesen überhaupt halten. Kein Wunder daher, dass nur rund 0,3 Prozent der Landfläche der Antarktis bewachsen sind – meist von kältetoleranten Moosen und Flechten. Sie verteilen sich in einzelnen Flecken vor allem entlang der westantarktischen Halbinsel.

weiterlesen

Schmutzige Geldanlagen: Münster steigt aus, Dortmund macht weiter

Mensch, Natur und soziale Gerechtigkeit wichtiger nehmen als Gewinne – darum geht es der Divestment-Bewegung. Beim Klimacamp in der Lausitz 2016 protestierten sie lautstark gegen die Kohleindustrie. Foto: Markus Heine / picture alliance / NurPhoto
Investitionen in fossile Energien sind in Zeiten des Klimawandels höchst umstritten. Doch gerade Kommunen und Länder tun sich schwer, von den sterbenden Energieriesen zu lassen – wie in Nordrhein-Westfalen, wo Politik und Kohleindustrie traditionell eng miteinander verbunden sind. Dabei könnte es so einfach sein, zeigt das Beispiel Münster.

Von Julia Lauter | greenpeace magazin

„Wir können uns gut vorstellen, weitere RWE-Aktien zu kaufen“, sagte Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) vor zwei Wochen der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Und das, obwohl der kohlelastige Stromkonzern in den letzten Jahren Milliardenverluste einfuhr und auf der Jahreshauptversammlung Ende April schon zum zweiten Mal in Folge verkündete, an seine Anteilseigner keine Dividende ausschütten zu können.

Für die große Anlegergruppe der Städte und Landkreise aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz waren bereits in den vergangenen Jahren Millioneneinbußen die Folge. Trotzdem halten einige treu an ihren Anteilen fest – und die rot-grüne Landesregierung laviert vor den kurz bevorstehenden Landtagswahlen unentschlossen herum, im Spannungsfeld zwischen Klimaschutz und der Kohletradition in der Region.

Die Stadt Dortmund ist bereits jetzt mit Anteilen von 4,1 Prozent der größte kommunale Aktionär von RWE. Wo Städte wie Essen, Bochum und Düsseldorf sich von den Anteilen des Energieriesen trennten, vertraut der Oberbürgermeister von Dortmund, der auch im Aufsichtsrat von RWE sitzt, auf die Zusagen des Konzern-Finanzvorstandes: Im laufenden Jahr will RWE wieder schwarze Zahlen schreiben und in den nächsten drei Jahren fünfzig Cent pro Aktie als Dividende ausschütten. Darum könnte sich laut Sierau „auch ein kreditfinanzierter Kauf von Aktien lohnen“. Die RWE-Aktie habe in den vergangenen Monaten „eine gute Entwicklung genommen“, sagte der Oberbürgermeister.

weiterlesen

Verstörend: AfD-Mann vergleicht Kampf gegen Klimawandel mit Hexenverbrennung

AfD-Politiker Rainer Podeswa hat mit seiner Äußerung im baden-württembergischen Landtag für Empörung gesorgt © DPA
AfD-Mann Rainer Podeswa hat in seiner seiner Rede im baden-württembergischen Landtag die Ideologie im Kampf gegen den Klimawandel mit der im „Hexenhammer“ verglichen. Daraufhin machte sich auf Facebook zum Gespött.

stern.de

In einer Rede im baden-württembergischen Landtag hat der Abgeordnete Rainer Podeswa die Ideologie im Kampf gegen den Klimawandel mit der im „Hexenhammer“ verglichen. Dieses „europäische Standardwerk“ fasse alle Methoden zusammen, mit denen im 15. Jahrhundert in Ravensburg die Klimakatastrophe bekämpft worden sei, sagte Podeswa am Donnerstag in Stuttgart. „Damals wurden Hunderte Frauen verbrannt und damit das Klima gerettet.“ Seine Fraktion applaudierte ihm. Die Grünen-Abgeordnete Martina Braun sagte dazu: „Das ist wirklich unglaublich.“

weiterlesen

Klimawandel: Die Verlierer-Pflanzen

Der Klimawandel könnte die Pflanzenwelt auf der Erde drastisch verändern. © Romolo Tavani/ thinkstock
Stark spezialisiert und genetisch nicht sehr flexibel: Es sind Pflanzenarten wie diese, die der Klimawandel mit seiner aktuellen Geschwindigkeit wohl vor unüberwindbare Herausforderungen stellt. Das haben Forscher nun exemplarisch an zwei Schaumkresse-Arten gezeigt. Die beiden Spezies haben im Laufe ihrer Entwicklung an genetischer Vielfalt verloren und sind außerdem nur in einem begrenzten Lebensraum verbreitet – das könnte ihnen in Zukunft zum Verhängnis werden.

scinexx

Durch den Klimawandel verändern sich die Lebensräume auf unserem Planeten in Zukunft drastisch. Das gilt auch für die Pflanzenwelt. Forscher gehen davon aus, dass sich die zunehmende Erwärmung in vielen Regionen negativ auf die dortige Artenvielfalt auswirkt. Denn wer es nicht schafft, sich an die neuen Bedingungen anzupassen, muss zwangsläufig weichen.

weiterlesen

Warum man dumme Entscheidungen trifft, obwohl einem Experten etwas anderes raten

EPA / Andy Rain
Der Graben zwischen Experten-Analyse und öffentlicher Meinung scheint von Tag zu Tag breiter zu werden.

Von André Spicer | Richard-Dawkins-Foundation

In Amerika gibt es signifikante Unterstützung der Öffentlichkeit für die Politik Donald Trumps, die, gelinde gesagt, von der überwältigenden Mehrheit der Experten als fragwürdig betrachtet wird. In Großbritannien herrschte unter Ökonomen ein breiter Konsens, der vor den desaströsen Folgen der Wahl eines Austritts aus der EU warnte und dennoch votierten die Briten für den Brexit. Die globale wissenschaftliche Gemeinschaft warnt unaufhörlich vor den katastrophalen Gefahren des Klimawandels, aber viele Mitglieder der Bevölkerung halten durch den Menschen beeinflussten Klimawandel für einen Schwindel.

Das sind nur drei Beispiele eines sich immer weiter ausbreitenden Phänomens: gut informierte Experten veröffentlichen aufgrund der besten verfügbaren Beweise eine Ansicht zu einem Thema und die öffentliche Meinung springt in eine völlig andere Richtung. Warum passiert das?

Eine mögliche Antwort ist, dass die Allgemeinheit einfach dumm ist. Um es etwas verträglicher zu formulieren, die Öffentlichkeit hat nicht den IQ, die Bildung oder die richtigen Informationen, um die Argumente akkurat abzuwägen. Diese Erklärung mag Experten gefallen, deren Meinung ignoriert wird, aber sie ist nicht korrekt. Die meisten Menschen haben genug reine Intelligenz um grundlegende Argumente abzuwägen. Der allgemeine Bildungsstandard war nie höher – und nahezu jede Information ist problemlos für jeden verfügbar, der einen Internetzugang hat.

Die zweite Antwort ist, dass das allgemeine Vertrauen in Experten abnimmt. Eine genauere Betrachtung zeigt jedoch, dass dem nicht so ist. Das jährliche Edelman Vertrauensbarometer zeigt, dass Akademikern und Experten der Industrie noch immer von 70% der Öffentlichkeit vertraut wird. Im Vergleich hierzu landen Unternehmenschefs bei 43% und Regierungsangehörige bei 38%.

weiterlesen

Der Nil wird unberechenbarer

Der Nil ist Lebensader und Wasserlieferant für mehr als 400 Millionen Menschen. © Bionet/ gemeinfrei
Lebensader im Ausnahmezustand: Der Klimawandel macht die Pegel des Nils immer unberechenbarer. Die jährlichen Schwankungen der Wassermenge könnten schon in den nächsten Jahrzehnten um 50 Prozent stärker werden, wie Klimaforscher im Fachmagazin „Nature Climate Change“ berichten. Dies erschwert die Wasserversorgung für die Millionen Flussanrainer, die auf den Nil und seine Quellflüsse angewiesen sind.

scinexx

Der Nil ist nicht nur der längste Fluss der Erde, er ist auch die wichtigste Lebensader für Ägypten, und seine südlichen Nachbarn. „Das Nilbecken wird von rund 400 Millionen Menschen in elf Ländern bewohnt“, erklären Mohamed Siam und Elfatih Eltahir vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge. Ein Großteil der Wirtschaft in diesen Ländern hängt direkt von der Bewässerungs-Landwirtschaft ab – und damit vom Wasser des Nils.

weiterlesen

Ist die Wissenschaft wirklich in Gefahr?

Bild: heise.de/tp
Das plötzliche Aufblühen einer Pro-Wissenschaftsbewegung: Geht es um eine Ersatzreligion oder um kritisches Denken?

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Zehntausende Menschen haben sich am Samstag weltweit an Märschen für die Freiheit der Wissenschaft beteiligt (siehe Science March: Spät, aber wichtig). Auch in Deutschland gab es eine eigene Homepage für diese Aktivitäten. Dort wird allgemein kritisches Denken propagiert.

Kritisches Denken und fundiertes Urteilen setzt voraus, dass es verlässliche Kriterien gibt, die es erlauben, die Wertigkeit von Informationen einzuordnen. Die gründliche Erforschung unserer Welt und die anschließende Einordnung der Erkenntnisse, die dabei gewonnen werden, ist die Aufgabe von Wissenschaft. Wenn jedoch wissenschaftlich fundierte Tatsachen geleugnet, relativiert oder lediglich „alternativen Fakten“ als gleichwertig gegenübergestellt werden, um daraus politisches Kapital zu schlagen, wird jedem konstruktiven Dialog die Basis entzogen. Da aber der konstruktive Dialog eine elementare Grundlage unserer Demokratie ist, betrifft eine solche Entwicklung nicht nur Wissenschaftler/innen, sondern unsere Gesellschaft als Ganzes.

marchforscience.de

Zu den Unterstützern der Wissenschaftsmärsche gehören Universitätsleitungen und zahlreiche Wissenschaftsorganisationen. In mehr als 10 Städten von Berlin bis zum westfälischen Espelkamp gab es in Deutschland Straßenumzüge. Dabei blieb gerade in Deutschland unklar, gegen wen oder was die Freunde der Wissenschaft dazu noch im Schulterschluss mit der Politik auf die Straße gegangen sind. So erklärte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, Berlin habe „eine ganz besondere Verpflichtung, für die Freiheit einzustehen“.

Zudem bekräftigte Müller, der Berliner Senat solidarisiere sich mit „verfolgten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und mit akademischen Institutionen, die in ihrer Existenz bedroht sind“. Nun wäre eine solche unbürokratische Unterstützung für verfolgte Wissenschaftler beispielsweise aus der Türkei und Kurdistan vonseiten Berlins sicher wünschenswert. Nur wären dazu ganz konkrete Initiativen nötig, Schaufensterreden hingegen bringen den Betroffenen wenig.

Wenn nun Müller weiterhin erklärte: „Deshalb stellen wir uns entschlossen gegen diejenigen, die die Freiheit der Wissenschaft aushöhlen und Unwahrheiten zu alternativen Fakten erklären“, dann wagt er sich auf ein Feld, auf dem er nur verlieren kann. Hier soll ein autoritärer Wissenschaftsbegriff hochgehalten werden und es wird ignoriert, dass eine Kritik daran auch von linken Bewegungen kam und nun auch schon einige Jahrzehnte alt ist.

Als Hauptgrund für das plötzliche Aufblühen einer Pro-Wissenschaftsbewegung wird die Wahl von Trump in den USA und die in der dortigen Administration laut werdenden Zweifel an den wissenschaftlichen Erkenntnissen des Klimawandels genannt. Nun stehen hinter dem Streit um die Interpretationen der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel aber zwei Modelle der Kapitalakkumulation.

Eines suggeriert, es könne im Grunde mit Kohle, Öl und Gas so weitergehen wie bisher. Diese Vertreter des fossilen Kapitalismus wollen wissenschaftliche Erkenntnisse über die Folgen des Klimawandels möglichst in Zweifel ziehen. Dagegen sind die wachsenden Vertreter eines sogenannten grünen Kapitalismus, die in Deutschland Einfluss haben, bestrebt, die Folgen eines „Weiter so“ mit dem fossilen Kapitalismus als besonders desaströs darzustellen.

weiterlesen

Klimawandel: Wie viel Handlungsspielraum bleibt der Menschheit?

Bild: NASA
Wissenschaftler gehen von einem Erdsystem mit neun Schwellenwerten aus, die teils schon überschritten wurden

Von Jutta Blume | TELEPOLIS

Wer daran zweifelt, dass die Menschheit den Klimawandel in den Griff bekommt, wird wenig beruhigt sein zu hören, dass dieser nur einer von neun grundlegenden Prozessen im Erdsystem ist, die durch menschliche Aktivitäten derzeit weitreichend verändert werden. Bei der Erderwärmung haben sich die Staaten in Paris auf einen Grenzwert von 1,5 bis maximal 2 Grad Celsius geeinigt, den es nicht zu überschreiten gilt.

Dieser Wert ist nicht willkürlich, sondern basiert u.a. auf Analysen und Modellen des IPCC. Wissenschaftler gehen seit einigen Jahren davon aus, dass solche Schwellenwerte in allen neun definierten Bereichen des Erdsystems bestehen, also etwa auch für die Biodiversität oder die Wassernutzung. Werden diese Schwellen überschritten, kann es zu plötzlichen, sich selbst verstärkenden und irreversiblen Veränderungen kommen.

In dem Aufsatz „Planetary Boundaries: Exploring the Safe Operating Space for Humanity“ wurde das Konzept eines begrenzten Erdsystems 2009 erstmals formuliert. 2015 erschien in Science eine aktualisierte Version des Konzepts, die gleichzeitig besagte, dass die sicheren Bereiche in Bezug auf den Verlust an Biodiversität, den Stickstoff- und Phosphoreintrag, die Landnutzungsänderung und den Klimawandel bereits überschritten seien. Die weiteren globalen Grenzen beziehen sich auf den Süßwasserhaushalt, die Ozeanversauerung, die Belastung der Atmosphäre mit Aerosolen, den stratosphärischen Ozonabbau und den Eintrag neuer Substanzen (von Chemikalien über Plastikpartikel bis hin zu radioaktiven Stoffen).

weiterlesen

Wissenschaftler verteidigen die „Waffe der Aufklärung“

Zum Auftakt des inzwischen weltweiten Protests demonstrierten Wissenschaftler im Februar 2017 in Boston. Foto: picture alliance / AP Photo
„Science, not Silence“ – unter diesem Motto werden Tausende am morgigen Earth Day in mehr als 500 Städten auf die Straße gehen. Ihr Protest richtet sich nicht nur gegen den wissenschaftsfeindlichen US-Präsidenten Trump. Es geht ihnen um mehr: um einen globalen Aufstand gegen „alternative Fakten“ und für die Freiheit der Wissenschaft.​

Von Andrea Hösch | greenpeace magazin

Die Trump-Regierung leugnet den Klimawandel, verordnet Maulkörbe, löscht wissenschaftliche Daten. In Ungarn und Polen stehen Wissenschaftler unter Druck, in der Türkei werden viele entlassen oder verhaftet, Gegen diese zunehmende Wissenschaftsfeindlichkeit gehen Menschen auf die Straße – auch in Deutschland. In zwanzig Städten sind hierzulande Demonstrationen geplant, etwa in Berlin, Köln, Dresden, Hamburg, Heidelberg, Münster, Stuttgart oder  Tübingen. Sogar in Helgoland soll es eine Veranstaltung geben. Viele Universitäten und Institutionen rufen zur Teilnahme am „March for Science“ auf.

weiterlesen

Abrupte Umleitung fürs Schmelzwasser

Die Wassermassen des tauenden Kaskawulsh Gletschers in Kanada fließen seit Frühjahr 2016 nach Süden statt nach Norden. © Dan Shugar
Dramatischer Routenwechsel: Das Schmelzwasser eines der größten Gletscher Kanadas hat sich einen neuen Weg gebahnt – und dies so dramatisch und abrupt wie nie zuvor beobachtet. Statt in die Beringsee strömt das Wasser seit Frühjahr 2016 tausende Kilometer weiter südlich in den Pazifik. Die Ursache für dieses in der Neuzeit einzigartige Ereignis ist das starke Abtauen des Kaskawulsh-Gletschers durch den Klimawandel, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature Geoscience“ berichten.

scinexx

Dass sich das Wasser eines Flusses, Sees oder Gletschers einen neuen Weg bahnt, ist nichts Neues: Vor allem am Ende der letzten Eiszeit blockierten Geröll und Sedimente häufig alte Abflüsse und schufen Umleitungen in neue Fluss-Einzugsgebiete. Geologen bezeichnen dies als „river piracy“, weil ein Fluss dem anderen sozusagen das Wasser stiehlt.

weiterlesen

Mehr Aufmerksamkeit für Klima-Skeptiker gefordert

Felder mit zahlreichen Windkraftanlagen bei Husum in Schleswig-Holstein (dpa picture-alliance/ Daniel Reinhardt)
Der Ethnologe Werner Krauß hat den Umgang mit Klimaskeptikern in Deutschland kritisiert.

DLF24

Es sei falsch, die Kritik am Klimawandel und an der Energiewende bloß als Exotenmeinung abzutun, sagte er im Deutschlandfunk. Der Klimawandel sei zwar ein wissenschaftlicher Fakt, doch der Umgang damit brauche eine kontroverse Diskussion. Die gebe es in der Öffentlichkeit in Deutschland aber kaum. Die AfD sei die erste Partei, die ein klimaskeptisches Programm habe. In allen anderen Parteien von der CSU bis zur Linken bestehe Konsens, betonte Krauß. Dadurch sei man in der Bundesrepublik in eine Situation gekommen, in der Klimawissenschaftler mehr oder weniger gezwungen würden, politische Entscheidungen zu legitimieren: wie man die Energiewende mache, ob man die Kohle fördere, ob es sinnvoll sei, massenhaft Windräder aufzustellen und sich vegetarisch zu ernähren. Das alles seien aber sehr komplizierte Fragen, die kontrovers diskutiert werden müssten.

weiterlesen

«Mein Mann dachte, nur Atheisten glaubten an den Klimawandel»

«Nur ein Mitglied der eigenen Gruppe kann die Evangelikalen erreichen», sagt Katharine Hayhoe. Foto: Lexey Swall («The New York Times»)

Die evangelikale Atmosphärenphysikerin Katharine Hayhoe versucht, gläubige Klimaskeptiker zu bekehren.

Mit Katharine Hayhoe sprach Christopher Schrader | Der Bund

Die Diskussion über den Klimawandel ist in den USA verworren – nicht erst seit Donald Trump Präsident ist. Republikanische Politiker und konservative Geistliche behaupten, Klimaschutz lasse sich nicht mit Christentum und Patriotismus vereinen. Solche Gräben überbrücken könnten Fürsprecher, die das Vertrauen der strengreligiösen Gemeinden besitzen. Ein Beispiel ist Katharine Hayhoe von der University of Texas. Sie ist Klimaforscherin und evangelikale Christin.

Klimaforscherin, Mitglied einer evangelikalen Kirche und Ehefrau eines Pastors. Ist das alles kein Widerspruch?
Ich habe Physik und Atmosphärenforschung studiert und untersuche zum Beispiel, wie Waldgebiete, ­Rinderfarmen und Seen auf den Klimawandel reagieren. Warum sollte es da einen Widerspruch zu meinem Glauben geben?

Sind nicht gerade die Evangelikalen in den USA überzeugt, dass die Erkenntnisse über den Klimawandel ein gewaltiger Schwindel sind?
Ja, aber ich teile diese Ansicht nicht. Wenn Wissenschaft und Glaube im Konflikt zu stehen scheinen, dann verstehen oder interpretieren wir eines der beiden falsch, manchmal sogar beide.

weiterlesen