Wie die „Osterpflicht“ erfüllt und umgangen wurde: Der Beichtzettel

Bild: © Mathias Schmidt/Gemeinfrei/wikimedia.org
Laut Kirchengeboten müssen alle Katholiken mindestens einmal pro Jahr zur Beichte gehen. Früher wurde das mancherorts streng kontrolliert: Nach Ostern mussten die Gläubigen den Empfang des Bußsakraments nachweisen – mit einem Beichtzettel. Doch schnell fand man andere Wege der Beschaffung.

Von Matthias Altmann | katholisch.de

Um die Beichtpraxis der Katholiken ist es schlecht bestellt. Für die Bestätigung dieser These genügt ein Blick auf die Länge der Schlange vor den Beichtstühlen, wenn in einer Pfarrkirche Beichtgelegenheit ist. Doch auch es wenn bei den meisten nur für ein müdes Lächeln sorgen dürfte: Nach wie vor sind alle Gläubigen dazu verpflichtet, mindestens einmal pro Jahr die Beichte abzulegen. Das besagt das zweite der fünf Kirchengebote, das unter der Nummer 2042 im Katechismus der Katholischen Kirche zu finden ist. Der Termin muss nicht zwingend an Ostern sein, aber in der Praxis bietet es sich an: Das dritte Kirchengebot, ebenfalls unter Nummer 2042 im Katechismus nachzulesen, verpflichtet die Gläubigen, einmal im Jahr – und zwar während der Osterzeit – die Kommunion zu empfangen. Das macht man am besten „frisch gebeichtet“.

Bis die Mitte des vergangenen Jahrhunderts nahmen die meisten Katholiken diese „Osterpflicht“ noch ernst. Ob das daran lag, dass die Leute gläubiger gewesen wären oder ein stärkeres Sündenbewusstsein gehabt hätten, kann man nicht mit absoluter Gewissheit sagen. Wer sich davor drückte, galt nämlich als öffentlicher Sünder – im schlimmsten Fall wäre ihm ein kirchliches Begräbnis versagt worden.

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Papst Franz: Ökumene, aber mit Augenmaß

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Seit Monaten ringen die deutschen Bischöfe um die Frage, ob und unter welchen Bedingungen nicht-katholische Ehepartner die Kommunion empfangen dürfen. Nun gibt es neue Signale aus Rom – Papst Franziskus tritt auf die Bremse.

Ludwig Ring-Eifel | katholisch.de

Gleich zweimal hat Papst Franziskus jetzt in Sachen Ökumene auf die Bremse getreten. Am Montagvormittag empfing er das Deutsche Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes unter Leitung seines Vorsitzenden, Bischof Gerhard Ulrich. Dem leitenden Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland schrieb der Papst eine eindringliche Bitte um mehr Geduld beim ökumenischen Dialog ins Stammbuch: „Wir müssen gehen und voranschreiten, doch nicht ungestüm vorpreschen, um begehrte Ziele zu erreichen, sondern gemeinsam geduldig gehen unter dem Blick Gottes.“

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Wer entscheidet in der katholischen Kirche ?

Der Vorgang hat Reinhard Marx und die meisten der deutschen Bischöfe geschwächt und den Graben zu den konservativen Konkurrenten…Foto: picture alliance /dpa/Sven Hoppe
Papst Franziskus bestellt deutsche Kardinäle ein. Es geht um Grundsätzliches: Was darf eine Ortskirche ohne Rücksprache mit Rom beschließen?

Von Claudia Keller | DER TAGESSPIEGEL

Mehr als 40 Prozent der Christen in Deutschland leben in einer Ehe mit einem Partner aus einer anderen Konfession. Es kommt nicht selten vor, dass zum Beispiel der Vater und die Kinder katholisch sind und die Mutter evangelisch ist. Immer wenn der Vater und die Kinder sonntags in der katholischen Messe zur Kommunion nach vorne gehen, muss die Mutter in der Kirchenbank sitzen bleiben. Denn nach der katholischen Lehre darf ein katholischer Priester die Kommunion nur an Katholiken austeilen. Viele Paare empfinden das als Zumutung. Viele Priester sehen das auch so und setzen sich stillschweigend über die Bestimmung hinweg.

Viele katholische Bischöfe in Deutschland wollen den evangelischen Ehepartnern den Kommunionempfang nun auch offiziell ermöglichen, zwar nur in Einzelfällen und unter ganz bestimmten Voraussetzungen, aber immerhin. Im Februar verabschiedeten sie mit Zweidrittelmehrheit eine entsprechende „pastorale Handreichung“.

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Kardinal: Kommunion für Wiederverheiratete möglich

Kardinal Francesco Coccopalmerio ist Präsident des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte. Jetzt hat auch er sich zu „Amoris laetitia“ positioniert – allerdings als Moraltheologe. Für ihn ist die Zulassung Wiederverheirateter zur Kommunion möglich, wenn zwei wesentliche Voraussetzungen erfüllt sind.

katholisch.de

Aus Sicht des Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte, Francesco Coccopalmerio, könnte die katholische Kirche wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen zur Kommunion zulassen. Das geht aus einem am Dienstag im Vatikan vorgestellten Buch des Kurienkardinals zum strittigen achten Kapitel des Schreibens „Amoris laetitia“ von Papst Franziskus hervor. Bei der Präsentation wurde mehrfach betont, Coccopalmerio, der selbst nicht anwesend war, habe das Buch als Moraltheologe und nicht als Kirchenrechtler verfasst.

Zwei wesentliche Voraussetzungen müssen erfüllt sein

Der Kurienkardinal kommt in der gut 50-Seitigen im Vatikanverlag LEV veröffentlichten Ausgabe zu dem Schluss, die Kirche könne Gläubige zu Beichte und Kommunion zulassen, die sich in einer „nicht legitimen Verbindung“ befinden, jedoch zwei wesentliche Voraussetzungen aufweisen: „Sie wünschen sich, diese Situation zu ändern, können aber ihren Wunsch nicht verwirklichen.“

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Diözese Rom lässt Geschiedene in Einzelfällen zur Kommunion zu

Headquarter des Konzerns.
Headquarter des Konzerns.

In der Diözese Rom können wiederverheiratete Geschiedene in bestimmten Einzelfällen jetzt die Kommunion empfangen. Das geht aus Richtlinien von Kardinalvikar Agostino Vallini zur Anwendung des päpstlichen Schreibens „Amoris laetitia“ hervor, aus denen das Internetportal „Vatican Insider“ am Samstag zitierte.

kath.net

Hierbei müssten die Priester übermäßige Strenge ebenso wie Laxheit vermeiden, so Vallini. Katholiken, die nach einer Scheidung erneut standesamtlich geheiratet haben, könnten dies jedoch nicht als Recht einfordern. Franziskus habe in seinem Schreiben keineswegs gesagt, wiederverheiratete Geschiedene müssten die Kommunion bekommen. Er habe nur nicht ausgeschlossen, dass dies in bestimmten Fällen und unter bestimmten Bedingungen möglich sei, betonte der Kardinal.

Die Aussagen Vallinis stammen laut „Vatican Insider“ aus einem Vortrag, den er bereits im September vor Priestern seiner Diözese hielt. Vallini ist der Stellvertreter von Papst Franziskus als Bischof von Rom.

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Kardinal: Wiederverheiratete weiter von Kommunion ausgeschlossen

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Kardinal Caffarra: Wer sich in einer Lebenssituation befinde, die objektiv dem Sakrament der Eucharistie widerspreche, könne es auch weiterhin nicht empfangen.

kath.net

Das päpstlichen Schreiben «Amoris laetitia» lässt nach Ansicht des italienischen Kardinals Carlo Caffarra (77) keinen Ermessensspielraum für eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion. Wer sich in einer Lebenssituation befinde, die objektiv dem Sakrament der Eucharistie widerspreche, könne es auch weiterhin nicht empfangen, sagte er dem italienischen Online-Portal «La nuova bussola quotidiana» (Mittwoch).
Wenn der Papst die bisherige Lehre in dieser Frage hätte ändern wollen, hätte er dies klar und ausdrücklich tun müssen, so der frühere Erzbischof von Bologna. «Man kann die jahrhundertelange Disziplin der Kirche nicht durch eine Fußnote mit unklarem Tenor ändern.» Er verwies darauf, dass in der katholischen Kirche stets das Prinzip gegolten habe, in Zeifelsfällen sei eine lehramtliche Aussage in Kontinuität mit dem früheren Lehramt auszulegen. Caffarra war bis Oktober 2015 Erzbischof von Bologna. Er galt als einer der Wortführer des konservativen Flügels der Italienischen Bischofskonferenz.

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Apostelstreit ums Gotteswort

Francis Arinze (2010). Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/Mimmo Spatuzzi

Der emeritierte Kurienkardinal hat Vorschläge hinsichtlich der möglichen Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion deutlich abgelehnt. Die Zehn Gebote seien von Gott gegeben, niemand sollte sich für weiser halten.

kath.net

Francis Kardinal Arinze hat Vorstöße zur Lockerung des Kommunionverbotes für zivilrechtlich geschiedene Wiederverheiratete mit deutlichen Worten zurückgewiesen. Vorschläge dieser Art waren von Reinhard Kardinal Marx, dem Erzbischof von München und Freising, auf der Bischofssynode geäußert worden. Marx hatte seine Empfehlung unter anderem damit begründet, dass es vielen „unrealistisch“ erscheine, von wiederverheirateten Geschiedenen Enthaltsamkeit zu verlangen. Sexuelle Handlungen sollten außerdem im jeweiligen „Lebenszusammenhang“ beurteilt werden. Kath.net hat berichtet.

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Kardinal Schönborn warnt vor zu großen Erwartungen an Abschlussdokument

REUTERS/Yves Herman
REUTERS/Yves Herman
Über das Abschlussdokument der dreiwöchigen Bischofssynode über Ehe und Familie in Rom ist bis zum letzten Augenblick gerungen worden. Allein in der Nacht zum Samstag seien noch die letzten 250 Änderungswünsche eingearbeitet worden, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Samstag in Rom.

evangelisch.de

Zugleich warnte der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, vor überhöhten Erwartungen an das Abschlussdokument der Synode, die rein beratenden Charakter hat.

Das Dokument ist Samstag den 270 Synodenvätern vorgelegt worden, am späten Nachmittag sollen die 270 Synodenväter über jeden einzelnen der 94 Abschnitte abstimmen. Am Abend soll es auf Anordnung des Papstes voraussichtlich unmittelbar nach dem Ende der Abstimmungen veröffentlicht werden.

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Marx wirbt für Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion

Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,
Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,

In einem veröffentlichten Redebeitrag hat sich der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, dafür ausgesprochen, wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuzulassen.

evangelisch.de

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, hat bei der vatikanischen Bischofssynode für die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion geworben. Diese könne dann erfolgen, „wenn das gemeinsame Leben in der kanonisch gültigen Ehe definitiv gescheitert ist und die Ehe nicht annulliert werden kann“, sagte Kardinal in seinem von der Bischofskonferenz am Freitag veröffentlichten Redebeitrag bei der Synode.

Kinder im Glauben erziehen

Als weitere Voraussetzungen nannte Marx Reue für die eigene Schuld am Scheitern der Ehe und den Willen, die zweite Zivilehe aus dem Glauben zu leben und die Kinder im Glauben zu erziehen. Wiederverheiratete Geschiedene könnten ihre Verpflichtung gegenüber Kindern aus einer neuen Verbindung nicht aufkündigen, ohne neue Schuld auf sich zu laden, mahnte der Münchener Erzbischof.

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‚Wer eine radikale Änderung der Lehre erwarte, der werde enttäuscht‘

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Kardinal von Paris zur Synode: „Wenn die Synodenväter einen Weg für die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion fänden, dann werde dies keine generelle Lösung sein“

kath.net

Der Pariser Kardinal Andre Vingt-Trois, einer der Präsidenten der Synode, dämpfte am Montag die Erwartungen: Wer eine radikale Änderung der Lehre erwarte, der werde enttäuscht. Wenn die Synodenväter einen Weg für die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion fänden, dann werde dies keine generelle Lösung sein, so Vingt-Trois. Erzbischof Bruno Forte, der Sondersekretär der Synode, sagte, man habe sich allerdings auch nicht versammelt, um nichts zu ändern. Es handele sich jedoch um eine Synode der Seelsorge, nicht um eine Synode der Lehre.

Taufscheinchristen: Schweigende Mehrheit

Nach der Taufe im Taufbecken wird von der Taufpfarrei der Taufschein ausgestellt. Statistisch gesehen werden neun von zehn katholischen Täuflingen später zu Taufscheinchristen.Foto: Stuttgarter-Nachrichten.de
Wäre die Katholische Kirche eine Demokratie, hätten Taufscheinchristen die absolute Mehrheit im Parlament. In Wirklichkeit haben sie nichts zu sagen.


Von Markus Brauer|Kirchen-Blog/Stuttgarter Nachrichten

Das Internet ist eine tolle Sache. Nirgends sonst kann man so ausgiebig und ungestört stöbern. Für jeden Geschmack hält das www. etwas bereit. Ein Beispiel? Auf den Online-Seiten der Österreichischen Nationalbibliothek findet sich eine Ausgabe der Innsbrucker Nachrichten vom 13. Februar 1911. Dort ist nachzulesen, was der damalige Brixener Bischof Joseph Altenweisel über sogenannte Taufscheinchristen dachte. Also jenen Katholiken, die als Baby das Sakrament der Taufe empfangen haben, offiziell zur Kirche gehören und sich selbst als Christen bezeichnen, aber nicht mehr an wesentliche Teile der Lehre glauben und ein eher unchristliches Leben führen.

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Getrennte Eltern müssen sich auf Religion der Kinder einigen

Nach der Scheidung dürfen einzelne Elternteile nicht eigenmächtig über die Religion ihrer Kindes entscheiden. Die Entscheidung liegt bei den Kindern.


WAZ

Gehören Eltern unterschiedlichen Religionen an und leben Kinder nach der Scheidung bei nur einem Elternteil, dürfen sie nicht verfrüht in eine der Religionsgemeinschaften eingegliedert werden. Das hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden, wie die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mitteilt. Das Gericht entschied gegen die Taufe und Kommunion zweier Kinder, deren Vater einer anderen Glaubensgemeinschaft angehörte als die Mutter.

In dem verhandelten Fall lebten die zwei Kinder seit der Scheidung ihrer Eltern bei der Mutter. Die Mutter ist Christin, der Vater Moslem. Die Kinder gehörten noch keiner Religionsgemeinschaft an. Sie besuchten eine katholische Schule am Wohnort der Mutter und nahmen am Religionsunterricht teil.

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Robert Spaemann über Ehesakrament und wiederverheiratete Geschiedene

Robert.Spaemann

Es „kommt es nicht darauf an, den vielen Menschen und den großen Trends nachzugehen, sondern ein Zeugnis davon zu geben, dass es auch eine andere und schönere Weise des Lebens gibt“, vertritt Spaemann.


Interview von Julia Wächter|kath.net

Der renommierte Philosoph Prof. Robert Spaemann spricht im Interview mit Julia Wächter über das Eheideal der Kirche und die Problematik, die sich aus der derzeitigen Debatte um die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion ergibt.

Wächter: Die Ehe ist heute in einigen Kreisen keine Selbstverständlichkeit mehr. Die kirchliche Vorstellung der Ehe wird immer mehr hinterfragt. Wie gilt es nun zu handeln? Würden Sie sagen, die Kirche gibt ihr Ideal der Ehe auf, wenn sie sich immer mehr an vorliegende Trends anpasst?

Spaemann: Ja. Die Neigung ist groß, sich allen Trends anzupassen, damit die Leute nicht weglaufen. Man muss aber immer in das Evangelium sehen. Die Massen liefen Jesus nach, doch dann sprach er davon, dass er seinen Leib zu essen und sein Blut zu trinken gab. Das hat er keineswegs geschönt, sondern die Leute waren schockiert und sind weggelaufen. Jesus fragte die Apostel: Wollt ihr auch gehen? Aber Petrus antwortete: Nein Herr, wir haben dich zwar auch nicht verstanden, aber du hast Worte des ewigen Lebens und wohin sollen wir denn sonst gehen? Das muss die Reaktion der Menschen sein. Auch in der Frage der Ehescheidung kommt es nicht darauf an, den vielen Menschen und den großen Trends nachzugehen, sondern ein Zeugnis davon zu geben, dass es auch eine andere und schönere Weise des Lebens gibt. Man darf auch nicht erst bei den Ehevorbereitungskursen ansetzen, sondern schon viel früher. Was eine christliche Weise zu leben ist muss schon in der Schule grundgelegt werden. Dann bekommt auch ein solches Verbot der Ehescheidung, das ja von Christus ganz klar und eindeutig ausgesprochen ist, Anziehungskraft.

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Botschaft Jesu nicht in Harmonie mit weltlichen Denken

DerverzweifelteJesus

Kardinal Cordes: „Wir müssen uns immer klar darüber bleiben, dass Jesus uns eine Botschaft gebracht hat, die mit weltlichem Denken nicht in Harmonie zu bringen ist.“


kath.net

„Wenn Kritiker der kirchlichen Institution sich engagieren würden, dass der Glaube in Deutschland wächst, dass Christus in die Herzen und in die Köpfe der Menschen kommt; wenn Front gemacht würde gegenüber einer Kirche, die immer mehr die Kategorien des weltlichen Denkens übernimmt, d.h. also, die Angst davor hat, irgendetwas zu fordern, was politisch nicht korrekt ist, was Anstoß erregt – dann könnte ich die Kritiker nur loben.“ Dies äußerte der emeritierte Kurienkardinal Paul Josef Cordes im München/Kirchenzentrum St.-Philipp Neri. Im Gespräch mit Veranstalter Michael Ragg von Ragg´s Domspatz erläuterte der frühere langjährige Präsident des Päpstlichen Rates „Cor Unum“ weiter, dass der Ansatz mancher Vorwürfe für die Kirche leider den entscheidenden Punkt nicht treffe. Er fördere hingegen genau das, was Papst Benedikt in Freiburg bei seiner bekannten Rede als „Verweltlichung‘ der Kirche“ gebrandmarkt habe. „Die Mahnung des Apostels Paulus im 10. Kapitel des Römerbriefs, ‚Gleicht euch nicht dieser Welt an!‘ ist eigentlich der Fanfarenstoß, der heute von solcher Kritik kommen müsste, wenn sie dem Menschen wirklich gut will.“ Wir sollten sehr viel stärker „von der Bibel her und vom Glauben an Gott her leben und uns nicht von weltlichen Lebens-Modellen“ leiten lassen. Zwar könnten wir vom weltlichen Denken manches lernen. „Aber es steht oft quer zur Botschaft der Bibel. Es eckt an. Man hat nicht ohne Grund unseren Herrn Jesus Christus gekreuzigt. Gottes Offenbarung ist mit weltlichem Denken nicht zu harmonisieren. Oder wollen wir so tun, als prägte das Evangelium die Gesellschaft von heute? Wir sehen doch jeden Tag das Gegenteil.“

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Lobbyisten für den Atheismus

Haben der Kirche im vergangenen Jahr den Rücken gekehrt: Kerstin und David Lohmer. Foto: Andreas Dyck
Wenn Kerstin Lohmer über ihre Zeit in der Kirche nachdenkt, dann sind es keineswegs nur negative Gedanken, die ihr durch den Kopf gehen. Ihre Kommunion, die Firmung, jahrelang war sie Messdienerin, ihre Mutter Organistin und Chorleiterin.


Von Celina de Cuveland und Bernd Eyermann|Generalanzeiger Bonn

„Ich bin eng mit der Kirche aufgewachsen und habe die schöne Seite des Gemeindelebens erlebt“, sagt die 30-Jährige aus Siegburg. Auch ihr Mann David erinnert sich „an das volle Programm Kirche“. Als Kind habe er all das „gern mitgemacht und nicht hinterfragt“. Doch das ist lange her. Vor gut einem Jahr sind die Lohmers aus der katholischen Kirche ausgetreten.

Warum? Zum einen seien sie nicht gläubig, zum anderen habe es „mehrere Vorfälle im privaten Bereich gegeben“, bei denen sich die Kirche sehr unchristlich verhalten habe, sagt der 33-Jährige. „Das war sehr erschreckend, von der Kirche hätte ich da etwas anderes erwartet.“ So sei zum Beispiel eine Erzieherin in einem kirchlichen Kindergarten schwer krank geworden, doch statt sie zu unterstützen, hätte der Träger gewollt, dass sie nicht länger in der Einrichtung arbeite.

Seine Frau Kerstin berichtet, dass selbst ihre Mutter in der Heimatpfarrei bei Krefeld „Unannehmlichkeiten“ bekommen habe, nachdem ihr Kirchenaustritt bekannt geworden sei. Die Lohmers haben sich inzwischen dem Bund der Konfessionslosen und Atheisten angeschlossen. Ihr Ziel: eine Lobby für den Atheismus zu schaffen. Noch immer hätten Menschen in der Gesellschaft Nachteile, wenn sie nicht Mitglied einer Kirche seien. So etwa könnten deren Kinder nicht alle Tagesstätten besuchen.

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Abendmahl für Wiederverheiratete soll möglich sein

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Dürfen geschiedene Katholiken, die wieder geheiratet haben, demnächst mit dem Segen der Kirche zur Kommunion gehen? Der Deutschen Bischofskonferenz schlägt in der Streitfrage eine Reform vor.


DIE WELT

Die deutschen Bischöfe wagen sich aus der Deckung: Auf die Frage „Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene – ja oder nein?“ antworten sie mit einer Art Jein: Grundsätzlich sollte es nach ihrem Willen möglich sein – aber keinesfalls immer, sondern nur im begründeten Einzelfall.

Nach der derzeitigen Linie der Kirche dürfen Katholiken, die geschieden sind und dann wieder geheiratet haben, nicht zur Kommunion gehen. Kaum ein Katholik in Deutschland findet das noch zeitgemäß. Vielen kommt es sogar reichlich gemein vor: Da ist unter Umständen jemand von seinem Partner betrogen und mit den Kindern sitzen gelassen worden, hat dann wieder sein Glück gefunden und neu geheiratet – und wird von der Kirche dafür bestraft. Wenn alle anderen in der Messe zur Kommunion gehen, muss die- oder derjenige still in der Bank sitzen bleiben. Zumindest offiziell, die Praxis sieht oft anders aus.

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Im Vatikan geht die Angst vor der Häresie um

Headquarter des Konzerns.
Headquarter des Konzerns.
Es geht um nicht weniger als Himmel und Hölle: Konservative und liberale Kardinäle bekriegen sich so heftig wie lange nicht über die Heiligkeit der Ehe. Ein Blick hinter die Mauern des Vatikans.


Von Matthias Matussek|DIE WELT

Er sieht seit ein paar Jahrhunderten schon sehr prächtig aus, dieser Felsen, auf den der Herr seine Kirche gebaut hat: der Vatikan. Der Petersdom. Golden leuchten die Bellini-Kolonnaden, die Basilika hoch darüber ist in weißes Licht getaucht, sodass die Kuppel silbern schimmert in den frühen Abendhimmel. Prunkende und auftrumpfende Frömmigkeit. Und drinnen das große barocke Heiligentheater, die Papstgräber, herabstürzende Engel, Michelangelos Pietà aus weichem, seidigem Marmor.

Kardinal Paul Josef Cordes, gerade 80 geworden, weist auf die Markierungen, die in den Boden im Mittelschiff eingelassen sind. Bis hier, raunt der emeritierte deutsche Kurienkardinal, würde der Kölner Dom reichen. Ein paar Schritte in Richtung Altar, bis hier die Kathedrale von Reims. Und bis hier der Dom von Speyer – sie alle hätten Platz in diesem Mutterschiff.

All das erbaut mit ergaunertem Geld, dem Ablasshandel. „Wahrscheinlich ist schmutziges Geld selten schöner und sinnvoller investiert worden“, kommt einem in den Sinn. „Es gibt tatsächlich die These“, sagt Cordes auf Sauerländisch, „dass allein der Petersdom das Überleben des Glaubens besorcht hätte.“

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Bei Geld sind deutsche Bischöfe gnadenlos

Bild: tilly
Bild: tilly
Mit dem Argument der Barmherzigkeit treten deutsche Bischöfe für eine Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion ein. Gleichzeitig seien sie unbarmherzig gegen jene, die formal aus der Kirche austreten, kritisiert Sandro Magister

kath.net

Die deutschen Bischöfe „sind die Barmherzigsten wenn sie die Kommunion den geschiedenen Wiederverheirateten geben wollen, aber sie sind die Unbarmherzigsten, wenn sie diejenigen de facto exkommunizieren, die sich weigern, die Kirchensteuer zu zahlen, die in ihrem Land gesetzlich verpflichtend ist“, schreibt der Vatikanexperte Sandro Magister in seinem Blog auf der Internetseite von L’Espresso.

Beide Fälle stünden im Widerspruch zur Lehre der Kirche. Zivilrechtlich wiederverheiratete Geschiedene dürfen die Kommunion nicht empfangen, wenn eine gültige kirchliche Ehe besteht. Die neue Verbindung bedeutet einen Ehebruch.

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Religiot Vingt-Trois: Künstliche Verhütung ist Sünde

Ratzinger_HomoPariser Kardinal bei Bischofssynode: Viele katholische Paare sind sich heute nicht mehr darüber im Klaren, dass die Anwendung künstlicher Verhütungsmittel anstelle der von der Kirche empfohlenen natürlichen Methoden eine Sünde sei.

kath.net

Kardinal Andre Vingt-Trois von Paris hat eine «Mentalität der Verhütung» kritisiert und die kirchliche Ablehnung künstlicher Verhütungsmittel bekräftigt. Viele katholische Paare seien sich heute nicht mehr darüber im Klaren, dass die Anwendung künstlicher Verhütungsmittel anstelle der von der Kirche empfohlenen natürlichen Methoden eine Sünde sei, sagte der Kardinal, einer der drei Präsidenten der vatikanischen Synode zu Ehe und Familie, zu Beginn des vierten Sitzungstages am Donnerstag.

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Krise der Sakramente: Beichte nein, Kommunion ja

Bild: Wiki Commons/Andreas Praefcke
Bild: Wiki Commons/Andreas Praefcke
Deutschsprachige Kardinäle mitverantwortlich für „Röhrenblick“ auf die Bischofssynode. Eigentliche Krise ist die Krise der Sakramente: „Kaum jemand geht noch zur Beichte, aber alles rennt zur Kommunion“

kath.net

Die Tagespost hat in einem Kommentar Kritik an der medialen Berichterstattung über die derzeit stattfindende Bischofssynode geübt. „Die Medien haben die laufende Bischofsversammlung in Rom zur „Synode über die Wiederverheirateten“ erklärt – allenfalls noch die Haltung der Kirche zu gleichgeschlechtlichen Paaren und zum Sex vor der Ehe ist in den Redaktionen auf der Agenda des Berichtenswerten zugelassen.“, schreibt Romkorrespondent Guido Horst und macht dafür auch einige deutschsprachige Kardinäle verantwortlich. Diese haben „diesen Röhrenblick“ kräftig befeuert. Man habe daher nun zwei Synoden: die „der Medien“ und „die wirkliche“ im Vatikan.

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