Lasst Gott aus dem Spiel

Helmut Ortner: EXIT – Warum wir weniger Religion brauchen Eine Abrechnung Mit Essays von Hamel Abdel-Samad, Constanze Kleis u.a. Nomen Verlag, 360 S., 24 Euro, erscheint am 15. Mai. © Nomen Verlag
Im Buch „Exit“ befassen sich Helmut Ortner und andere Autorinnen und Autoren mit der Frage, warum die Welt weniger Religion braucht – und der Glaube Privatsache sein sollte. Ein Auszug.

Frankfurter Rundschau

Unser Land darf weiterhin auf göttlichen Beistand hoffen. Ein überwiegend christliches Kabinett setzte auch im März 2018 im Berliner Reichstag auf gewohnte Dramaturgie: zwölf Bundesministerinnen und -minister beendeten ihren Amtseid mit der Formel „So wahr mir Gott helfe“. In den Niederungen der Realpolitik mag eine Dosis göttlicher Eingebung mitunter durchaus hilfreich sein, doch möglich ist es den Ministerinnen und Ministern auch, ihren Eid „ohne religiöse Beteuerung“ zu leisten. Sie sagen dann nur: „Ich schwöre es!“ Drei der neuen Minister nutzten die Formel ohne religiöse Beteuerung: Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Bundesjustizministerin Bärbel Barley und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (alle SPD). Schon Kanzler Gerhard Schröder hatte einst auf das religiöse Beiwerk verzichtet, ebenso wie sein grüner Außenminister Joschka Fischer und Umweltminister Jürgen Trittin. Die moralischen Grundwerte des rot-grünen Abendlandes gerieten – trotz leicht atheistischer Einfärbung – nicht in ernsthafte Gefahr. Immerhin.

Auch ohne Gottesschwur: Gott mischt kräftig mit in der deutschen Politik. In den Parlamenten, den Parteien, den Institutionen. „Dabei wird so getan, als hätte er ein ganz natürliches Anrecht darauf, als gehörte er zur politischen Grundausstattung, zum politischen Personal der Bundesrepublik, zur deutschen Demokratie“, konstatiert Dirk Kurbjuweit.

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Beschneidung ja, Nasenkorrektur nein

Die Beschneidung gilt vor allem in traditionell-muslimischen Kreisen als das wichtigste männliche Aufnahmeritual (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
Die Beschneidung von Jungen ist im Islam keine Glaubenspflicht, wohl aber zählt sie zu den wichtigsten Empfehlungen. Immer wieder wird über diese Praxis gestritten: Manche sehen darin eine Körperverletzung, für andere ist es eine religiöse Tradition. Was sagt der Koran zu Eingriffen in den Körper?

Von Hüseyin Topel | Deutschlandfunk

Önder Özgeday sitzt in einem türkischen Café und bestellt einen Mocca alla Turca. Der gebürtige Heidelberger hat türkische Vorfahren, er wohnt aus beruflichen Gründen in Bochum. Dort setzt er sich gegen die Beschneidung von Jungen ein – und zwar bei „MOGiS“, einem Verein für die körperliche Unversehrtheit von Kindern.

Özgeday bezeichnet sich selbst als Betroffenen und argumentiert daher aus eigener Erfahrung: „Ich fühle mich sehr verletzt von dieser Community, zu der ich ganz positive Erfahrungen hatte, bevor das geschehen ist. Nach diesem Ereignis ist eine Zäsur passiert, ich habe das als sehr manipulativ gefühlt, dass man mich überredet hat, zu einer Sache, unter dem Vorwand: ‚Du bist dann ein Mann! Du gehörst dann zu uns, wir sind dann stolz.‘“

Beschneidung als männliches Aufnahmeritual

Die Beschneidung gilt vor allem in traditionell-muslimischen Kreisen als das Aufnahmeritual in die Männlichkeit schlechthin – für viele Eltern ein so wichtiges Ereignis, dass die Beschneidung pompös gefeiert wird. Der Einladung der Familie folgen oft hunderte Gäste. Meist werden teure Hochzeitssäle angemietet.

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Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen

Bild: tagesschau.de
Zehntausende Frauen werden jedes Jahr Opfer von Gewalt – oft im häuslichen Umfeld. Bund, Länder und Gemeinden wollen die Unterstützung der Betroffenen verbessern. Frauenhäuser sollen mehr Geld bekommen.

tagesschau.de

Angesichts Zehntausender gewalttätiger Übergriffe auf Frauen jedes Jahr wollen Bund, Länder und Kommunen Hilfs- und Schutzangebote ausbauen. „In Deutschland wird jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet“, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey.

Laut Kriminalstatistik werden mehr als 100.000 Frauen jedes Jahr Opfer von versuchten oder vollendeten Gewalttaten ihrer Partner oder Ex-Partner: Mord, Totschlag, Körperverletzung, Bedrohung, sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung. Giffey erklärte: „Diesen Frauen müssen wir helfen, der Gewalt zu entkommen.“

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Unglaubliche Solidarität mit jungen Basken

Bild: Txeng Meng
Auf der größten Demonstration aller Zeiten im baskischen Iruña (Pamplona) wurde die Freiheit von acht jungen Basken gefordert, die wegen einer Rangelei mit Paramilitärs wegen „Terrorismus“ bis zu 62 Jahre in den Knast sollen

Ralf Streck | TELEPOLIS

„Oktober 2015, kurz vor diesen Bildern war es zu einer Auseinandersetzung zwischen einer Gruppe junger Basken und der spanischen Polizei, der Guardia Civil gekommen“, hat gestern auch das ZDF über einen unglaublichen Vorgang berichtet, der am Samstag mindestens 80.000 Menschen auf die Straßen der baskischen Stadt Iruña (span. Pamplona) getrieben hat. Auch spanische Medien sprechen von einer historischen Menschenflut, um die Freiheit von acht jungen Basken zu fordern.

Warum die Verurteilung von neun jungen Basken, die zunächst zu Knaststrafen zwischen 2 und 13 Jahren wegen Körperverletzung, Störung der öffentlichen Ordnung und Angriffe auf die Autorität verurteilt worden und bis auf eine junge Frau nun inhaftiert sind, so viel Empörung weit über das Baskenland hinaus erzeugt, reißt auch der ZDF-Bericht an. Dass das Ministerium für Staatsanwaltschaft jetzt Revision eingelegt hat und weiterhin bis zu 62 Jahre für „Terrorismus“ fordert, wird allerdings nicht genannt. Und der Bericht geht auch in der Behauptung fehl, dass die Guardia Civil die Polizei sei. Es ist eine Militäreinheit, die dem Verteidigungsministerium untersteht und auch an Kriegseinsätzen wie im Irak oder Afghanistan teilnimmt. Sie übernimmt in Spanien zum Teil auf einer höchst zweifelhaften juristischen Grundlage Polizeiaufgaben.

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Zuwanderer in einigen Kriminalitätsfeldern besonders auffällig

Die Kriminalität in Deutschland sinkt. Die Zahl der registrierten Straftaten ist im letzten Jahr um fast 10 Prozent gefallen. Aber viele Bürger fühlen sich trotzdem unsicher. Quelle: WELT
Im Ländervergleich der Polizeilichen Kriminalstatistik 2017 schneiden die Stadtstaaten schlecht ab – im Süden belegt man dagegen Spitzenplätze. Insgesamt geht die Zahl der Straftaten zurück. 8,5 Prozent der Tatverdächtigen sind Zuwanderer.

Von Martin Lutz, Marcel Leubecher | DIE WELT

Diese Nachricht wird der neue Bundesinnenminister, CSU-Chef Horst Seehofer, gern verkünden: Bayern ist nicht nur das sicherste Bundesland – es kann auch den höchsten Rückgang bei der Häufigkeit der Straftaten für sich verbuchen. Im Vergleich der 16 Länder belegt der Freistaat mit 4868 erfassten Straftaten pro 100.000 Einwohner den Spitzenplatz. Die Zahl der Taten ging um 28,7 Prozent zurück – der beste Wert aller Bundesländer. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für 2017 hervor, die WELT vorab vorliegt.

Warum ist Bayern Spitze? Die Polizei führt dies vor allem auf eine intensive Ermittlungsarbeit, eine hohe Polizeipräsenz, eine Null-Toleranz-Strategie gegenüber Straftätern und auf die Schleierfahndung in Grenzregionen zurück.

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Ermittlungen gegen Lutz Bachmann wegen Keira-Tweet

Lutz Bachmann auf einer Pegida-Kundgebung im Oktober 2017 Bild: dpa
Pegida-Gründer Lutz Bachmann hat schon wieder Ärger mit der Justiz. Nach einem Tweet über die Tötung der Berliner Schülerin Keira ermittelt die Polizei wegen übler Nachrede, falscher Verdächtigung und Volksverhetzung.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Polizei ermittelt gegen Pegida-Gründer Lutz Bachmann im Zusammenhang mit einem Tweet über die Tötung der 14 Jahre alten Schülerin Keira aus Berlin. „Wir ermitteln wegen übler Nachrede, falscher Verdächtigung und Volksverhetzung“, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag.

„Die Bestie vom Kaukasus“

Bachmann hatte auf Twitter geschrieben: „Mordfall #Keira G. Nun ist es wohl raus: Die Bestie vom Kaukasus, Edgar H., tschetschenischer Moslem und Ex-Flüchtling“. Dazu hatte er auf ein Facebook-Profil eines Mannes verlinkt, der an der Tat allerdings offensichtlich unbeteiligt war. Der Tweet ist bei Twitter nicht mehr zu sehen.

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AfD-Führung für Redeauftritte bei Pegida

Die beiden Parteivorsitzenden der AfD, Alexander Gauland (links) und Jörg Meuthen, sprechen Mitte Dezember 2017 vor Beginn der Sitzung des AfD-Bundesvorstands miteinander. Bild: dpa
Jörg Meuthen und Alexander Gauland fordern eine Aufhebung des Kooperationsverbots mit der Pegida-Bewegung. Um bürgerliche Wähler nicht abzuschrecken, solle aber Lutz Bachmann besser „aus dem Schaufenster der Bewegung verschwinden“.

Von Justus Bender | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen will Politikern seiner Partei erlauben, bei der islamfeindlichen Pegida-Bewegung als Redner aufzutreten und dort auch Parteisymbole zu zeigen. Ein seit 2016 in der AfD geltendes Auftrittsverbot will Meuthen abgeschafft sehen.

„Es geht um Pegida-Dresden, da sollte man das Kooperationsverbot, das wir haben, aufheben“, sagte Meuthen der F.A.Z. am Mittwoch. „Wirklich ein Problem“ habe er nur mit der „Personalie Bachmann“, mit diesem „können wir uns keine Kooperation vorstellen, das wurzelt in der Person Bachmann“, sagte Meuthen mit Blick auf den 17-fach vorbestraften Pegida-Anführer Lutz Bachmann, der unter anderem wegen Drogenhandels, Körperverletzung und Diebstahls verurteilt wurde.

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Bericht: Fast 100 Übergriffe auf Christen in Deutschland

Opfer von Gewalt werden, weil man an Jesus Christus glaubt – das passiert nicht nur im Ausland, sondern auch in Deutschland. 2017 hat das Bundeskriminalamt erstmals gesondert „christenfeindliche Straftaten“ erfasst.

evangelisch.de

Im vergangenen Jahr gab es einem Zeitungsbericht zufolge in Deutschland fast 100 gezielte Angriffe auf Christen. Darunter waren ein Mord, neun Körperverletzungen und ein Fall von Brandstiftung, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf das Bundeskriminalamt (BKA) meldeten. In rund einem Viertel der Fälle seien Kirchen und christliche Symbole angegriffen worden.

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Sandwesten für Schüler: Auf Sand vertraut

Sandwesten: Kinder tragen in deutschen Schulen schwere Westen, damit sie stillsitzen. © Beluga Healthcare
Seit Jahren tragen Kinder in deutschen Schulen schwere Westen, damit sie stillsitzen. Interessiert hat das keinen. Bis jetzt.

Von Florentine Fritzen, Matthias Wyssuwa | Frankfurter Allgemeine

Gerhild de Wall hält eine Weste in den Händen, ein kleines, dunkelblaues Ding mit Wülsten. Fast wie die Daunenwesten. Nur sind keine Daunen in den Wülsten, sondern Sandkörner. Es gibt die Westen in verschiedenen Größen, anderthalb bis fünf Kilo sind sie schwer. De Wall möchte zeigen, wie beliebt die Sandweste bei den Schülern ist. Sie nimmt sie also und verlässt das Lehrerzimmer, huscht durch den Hamburger Herbstwind über den Schulhof und ins nächste Schulgebäude. Treppenhaus, vollgestopfte Kindergarderobe, Schulgeruch. Sie öffnet die Tür zum Klassenzimmer, zwanzig Kinder sitzen in kleinen Gruppen, die Lehrerin schreibt an die Tafel. Erste und zweite Klasse lernen hier zusammen. De Wall fragt, ob jemand die Weste tragen möchte. Kaum hat sie es ausgesprochen, recken fast alle Kinder die Hände in die Höhe. Ein paar diskutieren, wer sie zuerst tragen darf.

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„Da ist ein rechtsradikales Ökosystem gewachsen“

Bild: DIE WELT
Rechtsextreme Musikveranstaltungen entwickeln sich zu Großevents mit Tausenden Besuchern. Im Fokus der Szene steht dabei Thüringen. Im kommenden Jahr soll dort ein Festival von bislang unbekannter Dimension stattfinden.

Von Florian Flade, Timo Stukenberg | DIE WELT

Er werde es wieder tun, das hat Bodo Dressel bereits angekündigt. Seine Wiese den Ewiggestrigen überlassen. Der ehemalige AfD-Politiker stellte im Sommer sein Gelände im südthüringischen Themar für zwei Rechtsrock-Konzerte zur Verfügung. Mehr als 7000 Besucher aus dem gesamten Bundesgebiet pilgerten am 15. Juli in die 3000-Einwohner-Gemeinde und feierten auf Dressels Wiese eines der größte Neonazi-Konzerte, die es in Deutschland jemals gab.

Themars parteiloser Bürgermeister Hubert Böse konnte es nicht verhindern. Nachts hörte er von dem blickdicht abgeschirmten Gelände nur die „Sieg Heil“-Rufe und Lobgesänge auf den NS-Kriegsverbrecher Rudolf Heß. Dressels Androhung einer Fortsetzung hat er sich ausgedruckt und in seinem Büro an die Wand gehängt. „Damit ich immer dran denke, dass es ihm wurscht ist“, sagt Böse.

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Die Tücken bei der Abschiebung islamistischer Gefährder

Deutsche Behörden haben seit Jahresbeginn mehr als 50 radikale Islamisten in ihre Herkunftsländer abgeschoben.

Von Florian Flade | DIE WELT

  • Abgeschoben wurde unter anderem nach Tunesien, Algerien, Marokko, Serbien, Bosnien-Herzegowina und nach Afghanistan.
  • Unterstützt werden die Behörden durch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes aus dem Frühjahr.

Ahmet Y. soll weg. Der 21-jährige Türke gilt als Gefahr, als radikaler Islamist, der jederzeit einen Terroranschlag begehen könnte. Deshalb will ihn der deutsche Staat loswerden. Abschieben. In die Türkei. In ein Land, das Y. kaum kennt.

Er stammt aus Ostwestfalen, wurde in Paderborn geboren, wuchs im 9000-Einwohner-Ort Altenbeken auf. Er hat das Gymnasium besucht, sein Abitur gemacht und galt als talentierter Fußballer. Eigentlich wollte er Informatik studieren.

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Angriff auf arabisches Modegeschäft offenbar aufgeklärt

Die mutmaßliche Täterin soll am 26. August eine 40-jährige Mitarbeiterin des arabischen Modegeschäfts beleidigt und angegriffen haben.

DER TAGESSPIEGEL

Der Angriff auf die Mitarbeiterin eines arabischen Modegeschäfts Ende August in Berlin-Neukölln ist offenbar aufgeklärt. Als mutmaßliche Angreiferin sei eine 28 Jahre alte Deutsch-Polin ermittelt worden, teilte die Polizei am Freitag mit. Der Polizeiliche Staatsschutz ermittele wegen des Verdachts der Beleidigung, Hausfriedensbruchs und Körperverletzung.

Die mutmaßliche Täterin soll am 26. August eine 40-jährige Mitarbeiterin des arabischen Modegeschäfts zunächst beleidigt und anschließend angegriffen haben. Die Tatverdächtige trug zum Tatzeitpunkt einen Nikab, also einen muslimischen Gesichtsschleier. Laut Zeugen hatte die Frau eine leicht bekleidete Schaufensterpuppe mit Lederdessous und angelegten Kunststoff-Handfesseln erzürnt. Die Puppe sei eine Beleidigung ihres Glaubens gewesen.

Prügel im Namen des Vaters

Pädagogik mit dem Stock: Farblithographie von Josef Mukarowsky. Aus: Cornelie Lechler, Wie das Kind sein soll! Ein Kinderspiegel. Aus der Zeit um 1895. (Foto: akg-images)
Schläge als zentrale Erziehungsmethode auch bei Kleinstkindern: Ein Buch gibt Tipps zu rechtswidriger Pädagogik und beruft sich dabei auf die Bibel.

Von Ulrike Heidenreich | Süddeutsche.de

Besonders zu beachten: Das Kind müsse den Schmerz spüren, wenn Mutter oder Vater zur Rute greift. Der Erziehungsberater rät deshalb dazu, das Kind auszuziehen. „Es hilft nichts, wenn Windeln oder andere Kleidungsstücke das Disziplinieren zur Streicheleinheit machen.“

Dies ist der Originalton eines Buches, dessen Vorläufer die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BpjM) indiziert hatte. „Eltern, Hirten der Herzen“ durfte seit 2013 nicht mehr per Versandhandel Jugendlichen zugänglich gemacht werden. Nun ist es wieder auf dem Markt aufgetaucht, unter neuem Titel, mit neuer Aufmachung. Der Inhalt ist jedoch fast wortgleich. Auch in „Kinder Herzen erziehen“ gibt ein amerikanischer Pastor in deutscher Übersetzung detaillierte Anleitungen, wie selbst Kleinkinder abzustrafen seien.

Wenn Eltern ihre Kinder schlagen, kann dies in Deutschland als Körperverletzung geahndet werden. Das „Recht auf gewaltfreie Erziehung“ ist seit dem Jahr 2000 im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert. „Entwürdigende Erziehungsmaßnahmen, insbesondere Körperstrafen und seelisch verletzende Sanktionen“ sind unzulässig. Auch die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen schreibt den Schutz des Kindes „vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung“ vor.

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6000 Neonazis feiern auf Rechtsrock-Konzert – und kaum einer hindert sie daran

Rechtsrock-Konzert in Themar: Rund 2000 Gegendemonstranten wurden erwartet. Gekommen sind nur einige Hundert. © Bodo Schackow/DPA
Im thüringischen Themar – ein kleiner Ort mit rund 3000 Menschen – versammelten sich gestern 6000 Neonazis für das bundesweit größte Rechtsrock-Konzert des Jahres. Die erwarteten Proteste blieben jedoch verhalten.

stern.de

Knapp 6000 Anhänger der rechten Szene haben am Samstag das bundesweit wohl größte Neonazi-Konzert des Jahres im südthüringischen Themar besucht. Der Zulauf zu den Gegenprotesten war entgegen der Erwartungen verhalten. Statt der erwarteten 2000 Menschen demonstrierten in der 3000-Einwohner-Stadt mehrere Hundert geschlossen gegen Rechts. Die Polizei meldete am frühen Sonntagmorgen, alle ihrer Maßnahmen hätten sich gegen die Teilnehmer des „Rock gegen Überfremdung“-Konzerts gerichtet, gegen die Gegendemonstranten sei kein Eingreifen erforderlich gewesen.

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Leipziger Polizei erklärt den Koran per Pressemitteilung

Polizei © re-ality auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Einen Fall von häuslicher Gewalt in einer syrischen Familie nahm die Leipziger Polizei zum Anlass, eine Pressemitteilung über das Frauenbild im Koran zu verfassen. Als Tatzeitpunkt gab die Polizei „wohl tagtäglich“ an. Titel: „Artikel 3 und 4 Grundgesetz vs. Sure 4:34“.

MiGAZIN

Die Leipziger Polizei hat am Montag mit einer ungewöhnlichen Pressemitteilung für Aufsehen gesorgt. Unter der Überschrift „Artikel 3 und 4 Grundgesetz vs. Sure 4:34“ wird ein Fall häuslicher Gewalt bei einem syrischen Ehepaar zum Anlass genommen, in einer längeren Abhandlung über das vermeintliche Frauenbild im Islam zu philosophieren. Da heißt es unter anderem, abgesehen vom allgemein rückständigen Frauenbild in weiten Gesellschaftsteilen des arabischen Sprachraums wende ein Muslim die Gewalt gegen seine Ehefrau nicht zuletzt auf religiöser Basis an, auch wenn ihm der Koran hierbei kein schrankenloses Züchtigungsrecht einräume.

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Kinderrechtler wollen Beschneidungs-Verbot

Die Organisation Pro Kinderrechte fordert das Verbot der Beschneidung von Knaben. Es sei eine Verletzung des Rechts des Kind auf Unversehrtheit. Man schneide ein gesundes Körperteil ohne Zustimmung der Person ab. Bild: epa/Vassil Donev
Die Organisation Pro Kinderrechte fordert das Verbot der Beschneidung von Knaben. Muslime und Juden wehren sich.

20min.ch

n der jüdischen und islamischen Religion ist die Beschneidung Tradition und eine weit verbreitete religiöse Praxis – auch in der Schweiz. Das bedeutet, dass die Vorhaut des Penis bei Knaben entfernt wird. Nun aber fordert die Organisation Pro Kinderrechte das Verbot der Beschneidung. «Die Beschneidung des Genitals ist nicht, wie manchmal behauptet, eine Bagatelle», schreibt die Organisation in ihrer Broschüre. «Eine Beschneidung ist ein irreversibler Eingriff mit langfristigen Nachteilen, besonders im urologischen, psychologischen und sexuellen Bereich.» Sie schätzt, dass in der Schweiz knapp 6000 Knaben im Jahr beschnitten werden, meist aus religiösen Gründen.

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Mit dem Al-Capone-Prinzip gegen Islamisten

Ein Fahndungsfotos von Anis Amri: Hätte der Anschlag verhindert werden können? (Foto: dpa)
  • Hätte man Anis Amri vor dem Attentat in Berlin aus dem Verkehr ziehen könnten? Gelegenheiten dafür hat es gegeben.
  • Welche Konsequenzen aus all dem nun zu ziehen sind, beschäftigt Behörden und Parlamente in Bund und Ländern.
  • Es geht darum, ob sich nicht nur der Vollzug, sondern das System insgesamt ändern muss. Manche vergleichen die Situation mit den Diskussionen nach dem 11. September 2001.

Von Georg Mascolo | Süddeutsche.de

Mehr als drei Monate liegt der schwerste Anschlag eines Islamisten auf deutschem Boden nun zurück. Und noch immer gehen diejenigen, die eben dies hätten verhindern sollen, den Fall wieder und wieder durch. „Wir prüfen uns täglich seitdem, ob wir etwas anderes hätten machen können,“ sagt der Berliner Generalstaatsanwalt Ralf Rother. „Hätten wir den Attentäter Amri aus dem Verkehr ziehen können?“ Man habe „1001 Chancen“ verstreichen lassen, empört sich der CDU-Innenpolitiker Armin Schuster, ein ehemaliger Polizist. „Deswegen bin ich sauer.“

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Rechtsextremist will nicht mehr als Rechtsextremist gelten

 Karl-Heinz Hoffmann will sich vor Gericht wehren, dass bestimmte Eindrücke entstehen - Urteile in den aktuellen Fällen stehen noch aus. (Foto: dpa)
Karl-Heinz Hoffmann will sich vor Gericht wehren, dass bestimmte Eindrücke entstehen – Urteile in den aktuellen Fällen stehen noch aus. (Foto: dpa)
  • Karl-Heinz Hoffmann gründete 1973 die „Wehrsportgruppe Hoffmann“, eine Art Privatarmee mit mehr als 400 Mitgliedern. 1980 wurde die Gruppe verboten.
  • Hoffmann trat in den vergangenen Jahren bei rechtsextremistischen Veranstaltungen als Redner auf.
  • Immer wieder klagt er gegen Journalisten, die ihn in die Nähe des rechtsextremistischen Milieus rücken.

Von Claudia Henzler | Süddeutsche.de

Dieses Jahr wird Karl-Heinz Hoffmann 80 Jahre alt. Der Gründer der ehemaligen paramilitärischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“ (WSG) wirkt zwar noch sehr rüstig, doch viel Zeit bleibt ihm wohl nicht, um sein Bild in der Geschichte zu korrigieren. Das aber hat er vor. Er will nicht mehr als Rechtsextremist gelten – und schon gar nicht mit dem Münchner Oktoberfestattentat von 1980 und anderen Morden in Zusammenhang gebracht werden.

Deshalb verklagt Hoffmann immer wieder Journalisten auf Unterlassung und Schmerzensgeld. Am Donnerstag wurden zwei Klagen vor der Zivilkammer des Landgerichts Nürnberg verhandelt.

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Terrorabwehr: Drei Gefährder vom Radar verschwunden

Hanan Amri, die Schwester des Berliner Attentäters, hält ein Bild ihres Bruders.Foto: Faouzi Dridi/AFP
Hanan Amri, die Schwester des Berliner Attentäters, hält ein Bild ihres Bruders.Foto: Faouzi Dridi/AFP
Nach dem Attentat am Breitscheidplatz beschäftigen sich Innenausschuss und Bundestag mit Fehlern im Fall Amri. Weil es weitere untergetauchte islamistische Gefährder gibt, drängt die Zeit.

Von Maria Fiedler | DER TAGESSPIEGEL

Die Zahl ist klein – und erscheint dennoch groß: Von den 547 islamistischen Gefährdern, die die deutschen Behörden im Blick haben, sind aktuell drei verschwunden. Das berichtete der SPD- Abgeordnete Burkhard Lischka am Mittwoch aus der Sitzung des Bundestags-Innenausschusses. Dort hatte neben Bundesinnenminister Thomas de Maizière auch der Präsident des Bundeskriminalamts Holger Münch die Parlamentarier zum Fall Anis Amri unterrichtet.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wollte man Erkenntnisse darüber sammeln, wie es zu den Versäumnissen der Behörden im Bezug auf den Tunesier kam. Dieser konnte am 19. Dezember am Breitscheidplatz zwölf Menschen töten – obwohl es seit Monaten Hinweise auf Terrorpläne von ihm gab und er immer wieder Thema in deutschen Behörden war.

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Polizei nimmt SPD-Mann Linus Förster fest

Der SPD-Landtagsabgeordnete Linus Förster.Foto: dpa
Der SPD-Landtagsabgeordnete Linus Förster.Foto: dpa
Nach wochenlangen Ermittlungen wurde der bayerische SPD-Politiker Linus Förster festgenommen. Es soll um Körperverletzung und illegale Fotos gehen.

DER TAGESSPIEGEL

Die Polizei hat den bayerischen SPD-Landtagsabgeordneten Linus Förster (51) festgenommen. Das bestätigte sein Anwalt Walter Rubach am Freitagmorgen. Zu den genauen Vorwürfen äußerte Rubach sich nicht. Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai war zunächst nicht zu erreichen. Zuvor hatte die „Augsburger Allgemeine“ darüber berichtet.

Mitte November war bekanntgeworden, dass gegen Förster wegen Verdachts der Körperverletzung ermittelt wird. Zudem soll er illegal Bilder einer erwachsenen Frau gemacht haben. Bei einer Razzia waren auch Försters Räume in München und Augsburg durchsucht worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem auf der Grundlage eines Paragrafen, der sich auf voyeuristische Spannerfotos oder Aufnahmen von hilflosen Personen bezieht.

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