Glaube versus Evolution: Das Kreuz mit Darwin

©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
Rund 160 Jahre nach der Veröffentlichung von Charles Darwins „Die Entstehung der Arten“ sorgt seine Evolutionstheorie immer noch für Schlagzeilen. Unter den schärfsten Kritikern sind Religionsvertreter, auch wenn sich viele mit Darwin arrangiert haben.

Von Clara Akinyosoye |religion.ORF.at

Die Evolutionstheorie sei „veraltet und verfault“ – mit diesem Sager ließ der Sprecher der türkischen AKP-Regierung, Numan Kurtulmus, Anfang des Jahres aufhorchen. Er hatte damals schon angekündigt, was seit Kurzem feststeht: Darwin wird aus dem türkischen Lehrplan gedrängt. Die islamisch-konservative Regierung stellte den neuen Lehrplan kürzlich vor. Internationale Kritik war die Folge.

IGGÖ-Chef „persönlich gegen Theorie“

Wellen schlug die Causa auch in Österreich, weil Ibrahim Olgun, Chef der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), widersprüchliche Aussagen dazu machte. Zuerst sprach er sich gegen die Pläne der türkischen Regierung aus, später ruderte er in einer Stellungnahme gegenüber einem türkischsprachigen Onlinemagazin zurück.

Darauf angesprochen erklärte die IGGÖ, Olgun sei für die Behandlung der Lehre in den Schulen, aber persönlich gegen die Evolutionstheorie. Ihm wird vorgeworfen, auf Zuruf der AKP zurückgerudert zu sein. Die Glaubensgemeinschaft sagte, Olgun habe sich beim ersten Mal nur missverständlich ausgedrückt.

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„Gottgelenkte Evolution“

Pockenvirus – ein Ergebnis gelenkter, absichtsvoll vorausgeplanter Evolution?
Ein gescheiterter Versuch der Konsensfindung. Das Konzept einer „gottgelenkten Evolution“ wird als Kompromiss zwischen Kreationismus und der wissenschaftlichen Evolutionsbiologie angeboten.

Von Jori Wehner | Richard-Dawkins-Foundation

Mit einem wissenschaftlich begründeten Verständnis evolutionärer Prozesse ist dieses Konzept nicht vereinbar, denn alle Beobachtungen deuten auf ungelenkte Evolution hin. Zudem werfen Versuche einer Vereinigung beider Konzepte unlösbare theologische Probleme auf.

Es besteht ein unüberbrückbarer Konflikt zwischen „ungelenkter Evolution“ (die plausible Schlussfolgerung evolutionsbiologischer Forschung) und „gelenkter Evolution“ (die Behauptung christlicher und islamischer Theologie).

  1. Die Theologie postuliert an den Anfang der evolutionären Entwicklung einen intelligenten Schöpfer, der irgendwann damit begonnen haben soll, einen zuvor festgelegten Plan abzuarbeiten. Evolutionäre Prozesse laufen jedoch allem Anschein nach ungerichtet und ohne vordefiniertes Ziel ab. Genetische Mutationen folgen einer statistischen Zufälligkeit – keinem vordefinierten Ziel. Die meisten Mutationen sind phänotypisch neutral oder schädigen ihren Träger. Nur in extrem seltenen Fällen tritt eine fitness-steigernde Mutation auf, die ihrem Träger einen reproduktiven Vorteil verschafft und damit in der Population fixiert wird.  Der evolutionäre Prozess produziert also praktisch immer nur Ausschuss (was leicht übersehen werden kann, da unsere eigene Umwelt nur noch die seltenen Erfolgs-Ausnahmen enthält). Selbst die wenigen Individuen, die sich gegen ihre Konkurrenten innerhalb und außerhalb der eigenen Art behaupten können, sind immer nur zeitweilig erfolgreich. Mehr als 99% aller biologischen Spezies der Erdgeschichte sind ausgestorben. Das spricht gegen eine planvolle Steuerung evolutionärer Prozesse und ist ein deutlicher Beleg für ungeplante, ungerichtete, letztlich ziellose Entwicklung.

Evolutionsexperimente zeigen, dass die Evolution mit jedem Neustart desselben genetischen Ausgangsmaterials immer neue, überraschende, unvorhersehbare Verläufe nimmt.[1] Dabei zeigt sich Divergenz in neue, bisher unbeschrittene Wege durch den Raum der möglichen Permutationen.[2] Die statistische Wahrscheinlichkeit für Redundanz (für eine Wiederholung derselben Mutationssequenzen in nachfolgenden Generationen) geht gegen Null. Selbst konvergente Einwicklungen in der Evolution entstehen offenbar nicht planvoll, sondern durch den formenden Einfluss der Umweltbedingungen.

  1. Das Genom etlicher Spezies enthält funktionelle Verluste gegenüber früheren Evolutionsstufen. Im Genom der Primaten (einschließlich des Menschen) findet sich z.B. auf dem achten Chromosom ein defektes Gen für einen Stoffwechselweg zur Herstellung von körpereigenem Vitamin C. Menschen und andere Trockennasenaffen können kein eigenes Vitamin C mehr produzieren, wozu ihre evolutionären Vorfahren (und fast alle anderen höheren Tiere in unserer Umwelt) problemlos in der Lage sind.[3] Diese Pseudogene sind beeindruckende Zeugnisse der gemeinsamen Abstammung heutiger Arten – jedoch funktionell sinnlos. Es erscheint extrem unplausibel, dass ein intelligenter Schöpfer die Evolution nützlicher Gene veranlasst haben soll, um sie dann in einzelnen Spezies durch Punktmutation zum Schaden ihrer Träger wieder zu zerstören. Der Nachweis von defekten Pseudogenen bestätigt jedoch hervorragend die Annahme einer ungelenkten, ziellosen Evolution basierend auf zufälligen Mutationen.

Nicht nur auf makroskopischer Ebene sind die Spuren ungerichteter Evolution anhand von Rudimenten und Atavismen erkennbar. Die Erbinformation aller Spezies ist übersät mit den Artefakten zufälliger, meist schädlicher Kopierfehler, die sich im Verlauf von vier Milliarden Jahre währender, wiederholender DNA-Abschriften eingeschlichen haben. In der DNA aller Spezies finden sich tausende retrovirale Insertionen, Transposone, chromosomale Fusionen, sinnlose Einfügungen und Umstellungen, die vor Millionen Jahren bei einzelnen Individuen aufgetreten sind und sich seitdem durch ihre (in verschiedene Spezies aufgespaltete) Nachkommenschaft vererben. Auch wenn wir in unserem Genom nur noch solche Artefakte finden, die mit dem Leben und der Reproduktion ihrer Träger vereinbar gewesen sind, lässt ein Blick in das breite Spektrum der Erbkrankheiten erahnen, wieviele Milliarden Träger solcher zufälligen genetischen Modifikationen als evolutionärer Ausschuss ausselektiert wurden. Das bestätigt die Annahme einer ungerichteten, ungeplanten Evolution. Wer hier an der These eines vorausschauenden Planers der Evolution festhalten will, muss sich einreden, der intelligente Planer habe absichtlich eine Evolution entworfen, die exakt so aussieht, als folge sie absichtslosem Zufall.

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Weiterentwicklung der Evolutionstheorie?

Eva Jablonka, Marion J. Lamb
Evolution in vier Dimensionen
Aus dem Englischen von Martin Battran und Sabine Grauer

Bei Debatten rund um die Evolutionstheorie kommt das Gespräch heute rasch auf den Kreationismus, also die Auffassung, alle Lebewesen seien durch das Eingreifen eines schöpferischen Gottes in natürliche Vorgänge entstanden.

Von Maren Emmerich | Spektrum.de

Die Verfechter dieser Pseudowissenschaft artikulieren sich in den Vereinigten Staaten dermaßen lautstark, dass sie einen durchaus erheblichen Einfluss auf das Bildungswesen nehmen konnten. In Europa ist der Kreationismus eine Randerscheinung, findet aber Zulauf. Dazu mag beitragen, dass die Synthetische Evolutionstheorie, welche die klassischen Arbeiten von Alfred Russel Wallace und Charles Darwin mit der Genetik und anderen neueren Fachdisziplinen verknüpft, noch etliche Fragen offen lässt, obwohl sie wissenschaftlicher Konsens ist. Evolutionsbiologen arbeiten deshalb daran, die Theorie zu erweitern und die Wissenslücken zu schließen.

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Auch Mohammed war ein Nacktaffe

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB
Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Die Evolutionstheorie von Charles Darwin könnte in der Türkei aus den gymnasialen Lehrplänen gestrichen werden, kündigt Bildungsminister Ismet Yilmaz von der AKP an. Ein Plan, der Kritiker der islamisch-konservativen Regierung von Recep Tayyip Erdoğan mit Sorge erfüllt.

Von Bernhard Ichner | kurier.at

Sieht es doch so aus, als ob die türkische Mehrheitspartei sukzessive die religiösen Inhalte in den Bildungseinrichtungen stärkt – etwa indem sie den Kreationismus unterstützt. Dessen Anhänger (wie es sie unter Muslimen ebenso gibt, wie unter Christen) lehnen die Evolutionstheorie ab und vertreten die Ansicht, dass alles Leben von Gott erschaffen wurde. Aber was glauben die Türken in Österreich? Und wie gehen Islamlehrer oder Imame bei uns mit dem Thema um? Der KURIER fragte nach.

Die Antworten sind vielfältig. „Ich glaube nicht an die Evolution. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mensch und Affe einen gemeinsamen Ursprung haben“, sagt etwa Limousinenfahrer Harun Göksu. Der 33-Jährige entstammt einer religiösen Familie und besuchte ein theologisches Gymnasium in der Türkei.

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Charles Darwin fliegt aus türkischen Lehrplänen

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB
Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Säkularismus, Wiedergeburt und Atheismus sollen in Religionsbüchern als „Krankheiten“ eingestuft werden. Mustafa Kemal Atatürk immer mehr aus den Unterrichtsinhalten verschwinden.

Die Presse.com

Säkularismus, Wiedergeburt und Atheismus sollen in Religionsbüchern als „problematische Überzeugungen“ und als „Krankheiten“ eingestuft werden. Die Evolutionstheorie von Charles Darwin muss aus den gymnasialen Lehrplänen gestrichen werden. Der Gründer der laizistischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk, soll immer mehr aus den Unterrichtsinhalten verschwinden. Diese Neuerungen in den türkischen Lehrplänen kündigte nun Bildungsminister Ismet Yilmaz an. Zwar handelt es sich noch um Vorschläge, doch geht es nach dem Willen des Bildungsministeriums, soll das Maßnahmenpaket bereits ab Februar in Kraft treten.

Damit würde dann umgesetzt werden, was Säkularisten in der Türkei schon seit langer Zeit fürchten: Die islamisch-konservative AKP-Regierung stärkt Schritt für Schritt die religiösen Inhalte in Bildungsanstalten, indem sie etwa die Theorie des Kreationismus unterstützt. Der Kreationismus lehnt die Evolutionstheorie ab und geht davon aus, dass alle Arten von Gott geschaffen wurden. „Die Beseitigung der Evolutionstheorie aus den türkischen Schulen scheint die jüngste Runde im Jahrhunderte alten Kulturkrieg zu sein“, kommentierte der regierungskritische Journalist Mustafa Akyol den jüngsten Vorstoß im Internetmagazin „Al-Monitor“.

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Religiöses Dilettieren über Evolution – Schwachsinn

©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
Wenn es um die Frage geht, wie die Erde und das Leben auf ihr begann, wirken die Fronten verhärtet: Auf der einen Seite findet man mitunter gläubige Menschen, welche den Schöpfungsbericht der Bibel geradezu fanatisch wörtlich nehmen, auf der anderen Seite Wissenschaftler wie zum Beispiel Richard Dawkins, die Einsichten Darwins zur Evolution und ihr eigenes Wort vom „Gotteswahn“ absolut setzen. Keine guten Voraussetzungen für einen fruchtbaren rationalen Dialog.

Die Tagespost

Faszinierend ist deshalb das Gedanken-Projekt, das der renommierte Philosoph, Wissenschaftler und Priester Martin Rhonheimer mit seinem aktuellen Buch „Homo sapiens: die Krone der Schöpfung“, erschienen in der von Christoph Böhr herausgegebenen Reihe „Das Bild vom Menschen und die Ordnung der Gesellschaft“, unternimmt. Nennt der 1950 in Zürich geborene Universalgelehrte doch gute philosophische Argumente dafür, das eine mit dem anderen zu verbinden: den Glauben an Gott und die Evolution, sowie den Glauben an den Menschen, der in diesem Prozess als „Höhepunkt und Ziel der Evolution“ auftritt. Rhonheimers Position: „Das eigentlich Neue, das die biologische Evolution selbst niemals hervorzubringen imstande war, ist das Leben des Geistes. Es ist irreduzibel, nicht zurückführbar auf biologische Prozesse.“ Das geistige Leben „entzieht sich dem Horizont jeglicher Naturwissenschaft, da es nicht der Natur entstammt, sondern ,von außen‘ – ab extrinseco – kommt, wohl aber das Stück Natur, welches der Mensch ist, zu etwas ganz Neuem, Einzigartigem formt: zur Krone der Schöpfung, zum geistbeseelten Lebewesen, …“. Eine rein materialistische Kategorisierung des Menschen, daran lässt Rhonheimer keinen Zweifel, sei dieser objektiven Wahrheit nicht angemessen.

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Gender-Irrlehre: Gottvater John Money & seine Jünger

In diesem Videofilm diskutiert Jörg Elbe (RDF) mit dem Evolutionsbiologen Prof. Dr. Ulrich Kutschera (Vorsitzender des Arbeitskreises [AK] Evolutionsbiologie) über das Thema „Gender-Kreationismus und die evolvierten Unterschiede zwischen Mann & Frau“. Die folgenden Themen werden angesprochen:

Richard-Dawkins-Foundation

  1. Die Gender-Lehre basiert auf den Thesen des US-Psychologen John Money (1921–2006). Der Harvard-Biologe David Haig hat über Zitier-Stammbäume nachgewiesen, dass der Gender-Begriff nach Money (1955) als das „psychosoziale Geschlecht“ definiert werden kann.
  2. Der Moneyismus ist eine Variante des biblischen Schöpfungsglaubens (Kreationismus, Intelligent Design-Version), da Charles Darwin & Co. ignoriert werden.
  3. Der doppelte Gender-Begriff: In der biologischen Forschung stehen „Sex & Gender“ für „Befruchtung“ bzw. „Geschlechtstiere“; die Gender-Biomedizin widerspricht John Moneys Geschlechter-Dogmatik.
  4. Wer war John Money? Lebenslauf und Charakter. Gibt es beim Menschen Hermaphroditen, wie es von Money behauptet worden ist? Das Gender-Paradoxon nach Money (1952).
  5. Intersex-Menschen können als Personen mit Entwicklungs-Störungen (Design-Fehler) interpretiert werden; 99 % der menschlichen Babys sind männlich bzw. weiblich, ca. 1 % intersex.
  6. Die Hauptthesen von John Money werden vorgestellt: Geschlechtsneutrale Geburt mit erzieherischer Prägung in m/w-Richtung; Pädophilie und Früh-Sexualisierung der Kinder; Biophobie und Rassismus-Vorwurf gegenüber Kritikern.

Schlussfolgerungen:

  1. Universitäre „Gender-Studies“ sowie die sozialwissenschaftliche „Geschlechter-Forschung“ basieren auf den widerlegten Vorstellungen des US-Psychologen John Money (1921–2006).
  2. Obwohl John Money ein fleißiger und kreativer Psychologe bzw. Erzieher war, dem man kaum unlautere Absichten unterstellen kann, muss seine „Gender-Theorie“ als absurde Irrlehre gekennzeichnet und zurückgewiesen werden (Pseudowissenschaft).

 

Intelligent Design – Fundamentalismus oder unbequeme Herausforderung?

intelligent_design

„Trotz der offenkundigen Unterschiede zum Kreationismus wird das Intelligent Design Movement (ID) verdächtigt, genauso antimodern und wissenschaftsfeindlich zu sein.“

Von Berthold Wald | kath.net

Wer einmal dem Fundamentalismus-Vorwurf ausgesetzt ist, kann sich in einer medial gesteuerten Welt der Kommunikation kaum dagegen wehren. Trotz der offenkundigen Unterschiede zum Kreationismus wird das Intelligent Design Movement (ID) verdächtigt, genauso antimodern und wissenschaftsfeindlich zu sein. Die Ächtung kommt dabei gleichermaßen aus Politik, Naturwissenschaft und Theologie. Der Europarat warnt 2007 seine Mitgliedsstaaten und das römische Symposion zum Darwinjahr 2009 schließt medienwirksam jede Teilnahme des ID aus.

Meine These wird sein, dass der Fundamentalismus-Vorwurf dazu benutzt wird, Erklärungsschwächen zu bemänteln und unbequeme Fragen auf Distanz zu halten. Denn es sind nicht biblisch gestützte Glaubenssätze, sondern allein Erkenntnisse aus dem Bereich der Molekularbiologie, mit denen ID-Theoretiker wie Micheal Behe und William Demski gegen die Vollständigkeitsbehauptung naturalistischer Erklärungen argumentieren. ID ist darum sowohl eine unbequeme Herausforderung für den Neo-Darwinismus, wie für jene Theologen, welche den neo-darwinistischen Erklärungsansatz für die wissenschaftlich zugänglichen Fakten der Evolution faktisch anerkennen und lediglich durch eine theologische Perspektive ergänzen (vgl. Hattrup 2008; Kessler 2009; Kummer 2009). Dieser neue Kompatibilismus von Schöpfungslehre und Evolutionstheorie, mit dem manche Theologen glauben, endlich Frieden durch gegenseitige Anerkennung von Geltungsansprüchen erreichen zu können, wird durch die ID-Theorie empfindlich gestört. Die Frage wird sein, ob der erhoffte Friede von Dauer sein kann oder nur ein fauler Friede ist – ohne Aussicht auf Bestand.

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Das Gender-Paradoxon

Mann und Frau als evolvierte Menschentypen

Von Ulrich Kutschera|Richard Dawkins Foundation

Vorwort

Seit der Veröffentlichung meines Bestsellers Tatsache Evolution. Was Darwin nicht wissen konnte (Februar 2009) werde ich regelmäßig von Journalisten kontaktiert mit der Bitte, mich nicht nur mit dem Kreationismus, d. h. den auf Realwelt-Phänomene übertragenen biblischen Schöpfungsglauben, sondern auch mit der Gender-Ideologie öffentlich auseinanderzusetzen. Die Grundgedanken dieser „Geschlechter-Weltanschauung“ lassen sich wie folgt verdeutlichen. Im November 2014, nur wenige Tage nach dem 100. Todestag des Urvaters der modernen „Sex-Forschung“, August Weismann (Freiburg i. Br.), ist in dessen Bundesland Baden-Württemberg ein sogenannter „Entwurf zum Bildungsplan 2015“ der Stuttgarter Landesregierung bekanntgeworden. Nach Veröffentlichung dieses Dokuments gab es bundesweit Proteste – warum?

Vertreter der Gender-Ideologie wollten für alle Schulen und Fächer vorschreiben, dass die Schüler von nun an „gendersensibel“ erzogen werden. Man plante, z. B. Achtklässler (ca. 14 Jahre alt, mitten in der Pubertät) im Biologieunterricht zu fragen, ob sie wirklich „heterosexuell seien oder sein wollen“. Weiterhin sollte vermittelt werden, dass die „Heteronormalität“, d. h. die Tatsache, dass etwa 95 % aller Männer und Frauen über einen evolutionär verankerten, dem anderen Geschlecht zugewandten „Fortpflanzungstrieb“ verfügen, als konservativ-reaktionäre Weltanschauung zu gelten habe. Die Vater/Mutter-Kind-Familie sei überholt, während eine homoerotische Neigung als frei wählbarer Life Style propagiert wurde. Proteste aus ganz Deutschland haben dann bald dazu geführt, dass der Ministerpräsident Baden-Württembergs, der hinter diesen genderistischen Irrlehren stand, seinen Vorschlag zurückgezogen hat. Da ich mich, unabhängig von diesem Vorfall, im „Weismann-Jahr 2014“ u. a. im Fachjournal Nature mit dem Darwinischen Feminismus auseinandergesetzt hatte, begann ich mit der systematischen Sichtung meiner Aufzeichnungen zum Gender-Thema.

Der Text baut auf der 4. Auflage meines Lehrbuchs Evolutionsbiologie (2015) auf und stellt eine Erweiterung der dort zusammengetragenen Sachverhalte dar. Er kann mit acht runden „Sex/Gender-Geburtstagen“ in Verbindung gebracht werden: 1. Vor 150 Jahren (1865) wurde die deutsche Frauenbewegung gegründet, die mit vernünftigen Sachargumenten der damaligen Diskriminierung des weiblichen Teils der deutschen Bevölkerung entgegengetreten ist. Im selben Jahr hat der deutsche Biologe Julius Sachs (1832–1897) ein Lehrbuch verfasst, in welchem eine erste Sex-Gender-Definition niedergeschrieben war. 2. Vor 70 Jahren (1945) wurde auf der Gründungsversammlung der Vereinten Nationen (UN) in San Francisco/Kalifornien (USA) die Gleichberechtigung von Mann und Frau festgeschrieben, die dann 1958 im Grundgesetz verankert worden ist. 3. Vor 60 Jahren (1955) hat der US-Psychologe und Erziehungswissenschaftler John Money (1921–2006) die aus Zwitter (Hermaphroditen)-Studien abgeleitete „Gender-Theorie“ formuliert, welche besagt, dass Menschen als geschlechtsneutrale Unisex-Wesen geboren werden und erst später eine erzieherische Prägung in männliche bzw. weibliche Richtung erfahren. 4. Vor 50 Jahren (1965) ist Bruce (David) Reimer in Kanada als eineiiger Zwillingsbruder zur Welt gekommen. Der Junge wurde zum „Beweis“ der Gender-These als Säugling kastriert und zu einem Mädchen umgestaltet – der gepeinigte Kastrat beging 2004 Selbstmord.

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Irrationales Weltbild: Von genderistischen Schöpfungsmythen

Bild trailer Die Schöpfung
Bild trailer Die Schöpfung
Ulrich Kutschera hat sich in den letzten Jahren einen Namen als Verteidiger von Rationalität und Wissenschaft gemacht. Wer für Rationalität kämpft und Wissenschaft als rationale Methode zur Gewinnung von Erkenntnis betrachtet (und was sollte sonst der Unterschied zu Willkür und Ideologie sein?), der stolpert über kurz oder lang über Kreationismus und Genderismus. Beides sind Anschläge auf die Rationalität und Versuche, den Erkenntnisfortschritt der Wissenschaft hinter Aristoteles zurückzudrehen.

Richard Dawkins Foundation

Ulrich Kutschera ist einer der wenigen deutschen Wissenschaftler, die sich gegen den Einbruch dieser Irrationalität in die Wissenschaft wehren, und er ist der einzige deutsche Wissenschaftler, der bislang den Mut hat, darauf hinzuweisen, dass Kreationismus und Genderismus aus der selben Wurzel der Irrationalität wachsen.

Wir freuen uns an dieser Stelle den ersten Teil eines Interviews wiederzugeben, das wir mit Ulrich Kutschera geführt haben. Der zweite Teil folgt im Neuen Jahr. Es gibt also schon einen Grund, auf das Neue Jahr gespannt zu sein.

ScienceFiles: Herr Kutschera, vielen Dank, dass Sie ScienceFiles ein Exklusivinterview geben. Für die Leser, die Sie nicht kennen, möchten wir Sie bitten, sich kurz vorzustellen: Wie sind Sie institutionell angebunden? Was lehren und forschen Sie?

Ulrich Kutschera: Ich habe eine biologische Doppel-Karriere durchlaufen. Während meines Biologie/Chemie-Studiums an der Universität Freiburg waren meine Schwerpunkte Evolution und Physiologie der Organismen. Meine erste Abschlussarbeit habe ich dann auch auf dem Gebiet der Zoologischen Systematik/Evolutionsforschung verfasst und mit der Entdeckung einer neuen Egel-Art (1981), die erst seit 2005 als invasive, weltweit verbreitete Spezies international bekannt geworden ist, meine wissenschaftliche Laufbahn begründet. Danach bin ich in die Pflanzenphysiologie gewechselt. An der Uni Freiburg waren das damals inhaltlich wie räumlich zwei völlig getrennte Welten, und habe mich dort weiterqualifiziert (Dr. rer. nat.). Nach Forschungsaufenthalten an der kalifornischen Stanford University sowie der Michigan State University habe ich mich an der Universität Bonn habilitiert und wurde kurz danach, im Alter von 37 Jahren, auf eine C4-Professur berufen (Universität Kassel). Seit über 30 Jahren publiziere ich auf mehreren Gebieten, angefangen von der Zoologie (Sexualverhalten/Evolution aquatischer Anneliden) über die Mikrobiologie (epiphytische Bakterien), der Entwicklungsphysiologie und Evolution der Pflanzen (u. a. Phytohormon-Wirkungen) bis zu evolutionstheoretischen Veröffentlichungen. Seit rund 10 Jahren bin ich zeitweise wieder dort zurück, wo meine unabhängige Karriere begonnen hatte: In Stanford, Kalifornien, wo ich an einem Forschungsinstitut einen Laborbereich leite, mit eigenen physiologisch/molekularbiologischen Projekten. Zusätzlich arbeite ich seit 2009 als Visiting Scientist an der University of California/Berkeley mit einem zoologisch/entwicklungsbiologischen Schwerpunkt.

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„Gender-Studies“: Glauben statt Wissen

Bild: RDF Die moderne Welt im trüben Licht der Gender-Studies
Eine indoktrinäre Pseudowissenschaft, die wesentliche biologische Prinzipien verleugnet, macht sich an Deutschlands Universitäten breit. Warum wehrt sich niemand dagegen?

Von Winfried Köppelle|Richard Dawkins-Foundation

Im Juli gab der Kasseler Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera einem Radiosender ein Interview zum Thema „Gender-Mainstreaming“. Darin griff er die um sich greifenden „Gender-Studies“ an deutschen Universitäten an. Kutschera kritisierte, dass mit dieser angeblichen Forschung eine „quasi- religiöse Strömung gleich einem Krebsgeschwür“ an Hochschulen Fuß fasse, und verglich die Genderbewegung mit spirituellen Praxen und sektenförmigen Strukturen. Eindringlich warnte er vor einer bevorstehenden „Genderisierung der Biologie“.

Er sehe enorm viele Parallelen der Genderforschung mit dem biologisch ebenfalls unsinnigen Kreationismus, so Kutschera weiter. Das alles habe mit Naturwissenschaft nichts zu tun, denn: „Naturwissenschaftler erforschen reale Dinge, die wirklich existieren“; die Genderisten hingegen theoretisierten vor sich hin und würden die biologischen, durch Experiment und Beobachtung gesicherten Grundlagen völlig außer acht lassen: „Das ist eine feministische Sekte, die uns da ihren Unsinn aufdrückt.“

Droht eine Genderisierung der Biologie?

Man sollte meinen, dass der Evolutionsbiologe für seine harschen, in der Sache jedoch zutreffenden Worte aus Naturwissenschaftlerkreisen lauten Beifall erhalten habe. Leider war es nicht so. Zwar berichtet Kutschera, er habe „tonnenweise zustimmende Mails von Männern und Frauen aus ganz Deutschland“ erhalten, und ein Blick in die Online-Foren diverser Zeitungen offeriert das gleiche Bild: die Gender-Ideologie wird von der Bevölkerung zweifellos mehrheitlich abgelehnt. Nur ausgerechnet im deutschen Biologenwald herrscht bislang duckmäuseriges Schweigen.

Derweil schwoll an Kutscheras Heimatuni dem Allgemeinen Studentenausschuss (AStA) der Kamm: Er beschwerte sich bei der Universitätsleitung über den aufmüpfigen Professor. Wir zitieren aus dem Brief des AStA an das Uni-Präsidium:

Unserer Auffassung nach sind die Behauptungen Kutscheras bezüglich der Genderforschung unhaltbare Unterstellungen (…) Das Interview schadet unserer Auffassung nach dem Ansehen der Universität Kassel. (…) Dementsprechend fordern wir Sie auf zu dem Interview (…) in einer für die Öffentlichkeit geeigneten Form Stellung zu nehmen.

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Ulrich Kutschera: Genderismus ist eine Pseudowissenschaft

Bild: FB
Bild: FB

Männer wollen nette Frauen, keine Feministinnen, sagt ein Kasseler Professor und macht Stimmung gegen Genderforschung: „Gleich einem Krebsgeschwür“ versuchten demnach deren Vertreterinnen, die Biologie zu erobern. Jetzt schreitet die Uni ein.

Von Armin Himmelrath|SpON

Darf man das sagen? Im Jahr 2015? Dass mit der Geschlechterforschung „eine andere, quasi-religiöse Strömung unter der Tarnkappe des Gender Mainstreaming Fuß fasst und immer mehr, gleich einem Krebsgeschwür, sämtliche Fachgebiete erobern möchte“? Ja, findet Ulrich Kutschera.

Das darf man nicht nur, das muss man sogar sagen: „Wir stehen kurz vor einer Genderisierung der Biologie – dagegen werden wir uns verwahren.“

So hat sich der Kasseler Evolutionsbiologe, der auch an der US-Uni Stanford lehrt, vor Kurzem bei einem längeren Gespräch mit dem RBB-Inforadio geäußert und die Genderforschung auf eine Stufe mit dem biologisch unsinnigen Kreationismus gestellt. „Ich sehe enorm viele Parallelen.“ Wenn er sich die Aktivitäten in der Geschlechterforschung anschaue, dann sei klar, das habe nichts mit Naturwissenschaft zu tun. „Naturwissenschaftler erforschen reale Dinge, die wirklich existieren“, sagte Kutschera. „Unsere Theorien basieren auf Fakten, während in der Sozialkunde eben vor sich hin theoretisiert wird in aller Regel, und Fakten wenig zählen.“

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Tariq Ramadan die Moslembrüder

Bild: Jüdische Rundschau
Geburt im Westen schützt vor Islamismus nicht – über den umtriebigen Enkel des Moslembrüderschaft-Gründers

Von Karl Pfeiffer|Jüdische Rundschau

Noch vor zehn Jahren verzeichnete der österreichische Verfassungsschutz die 1928 von Hassan al Banna gegründete Muslimbruderschaft (MB) als „in Österreich, wie in ganz Europa, stark vertreten“. Im Bericht 2014 wird die sich geschickt tarnende einflussreiche Organisation jedoch nicht mehr erwähnt. Zuverlässiger ist der deutschen Verfassungsschutz, der sie als „älteste und einflussreichste sunnitische islamistische Bewegung“ bewertet. „Zahlreiche islamistische Organisationen, zum Beispiel die palästinensische Hamas, sind aus der MB hervorgegangen…Im Jahr 2013 wurde die MB in Ägypten verboten und als Terrororganisation eingestuft.“ Ein konstantes Element ihrer Ideologie ist der Hass gegen die Aufklärung, die Liberalität und vor allem die Juden.
Wie konnte der 1962 in der Schweiz geborene Tariq Ramadan (TR) – der im näheren Umfeld der MB verortet wird – zum internationalen Medienstar und zum Liebling von Regierungen werden?

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Radikaler Erzpriester Tschaplin: Putins Gotteskrieger

Erzpriester Wsewolod Tschaplin hetzt gegen Homosexuelle und Abtreibung. Damit ist er in Russland zum Medienstar geworden. Sein Wort hat Gewicht, auch im Kreml. Nun wirbt der Kirchenmann öffentlich für einen baldigen Krieg.


Von Pavel Lokshin|SpON

Wsewolod Tschaplin (links auf dem Bild) am 9. September 2012 vor der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Ob TV-Sendungen, Radio-Shows oder Zeitungsinterview: Kein Geistlicher ist in Russland so präsent wie Erzpriester Wsewolod Tschaplin. Der 47-Jährige kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit des Moskauer Patriarchats. Und er sucht selbst gern und oft die Öffentlichkeit. Mit strengem Bariton kanzelt er in Talkshows Atheisten und Kirchenkritiker ab. In seiner Radiosendung wettert er gegen Abtreibungen. Vergewaltigungen hält er für die Folge „unkeuscher“ Kleidung der Opfer. Den Kreationismus preist er und empfiehlt ihn als Schulstoff. Tschaplin steht damit für den konservativen gesellschaftlichen Kurs, den der Kreml seit Wladimir Putins Rückkehr 2012 verfolgt. Interims-Präsident Dmitrij Medwedew (2008 bis 2012) sprach in seiner Zeit als Kreml-Chef noch von Modernisierung, Innovation und gesellschaftlicher Offenheit. Er hofierte Moskaus Bürgertum und ließ sich bei einem Besuch in Kalifornien vom damaligen Apple-Chef Steve Jobs ein iPhone schenken.

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Wsewolod Tschaplin: Orthodoxer Erzpriester im göttlichen Kriegswahn

„Spaghettimonster“-Kult muss doch Rundfunkbeitrag bezahlen

Da flippte die Kirche aus. In Templin lud das „Spaghettimonster“ zur „Nudelmesse“, wo andere für ihren Gottesdienst werben – Foto: dpa
Außergewöhnlicher Fall: Das Verwaltungsgericht München hatte zu entscheiden, ob für von der Pastafari-Religion genutzte Büroräume Rundfunkbeiträge gezahlt werden müssen. Der Kläger macht geltend, dass seinem Kult ebenso Beitragsfreiheit zustehe wie den Kirchen. Nichts da, das Gericht sieht das anders.


Von Joachim Huber|DER TAGESSPIEGEL

Das Verwaltungsgericht München hat sich am Mittwoch mit einem außergewöhnlichen Fall befasst: Die Richter hatten zu entscheiden, ob der Grafiker Michael Wladarsch Rundfunkgebühren für seine Büroräume entrichten muss. Der Münchner verneint dies – und beruft sich dabei auf eine Klausel im Rundfunkstaatsvertrag, die Gebührenfreiheit für „zu gottesdienstlichen Zwecken genutzte“ Räume gewährt. Er habe die Räumlichkeiten nach dem Kult des „Fliegenden Spaghettimonsters“ weihen lassen, sagte Wladarsch dem Evangelischen Pressedienst.

Das „Fliegende Spaghettimonster“ (englisch Flying Spaghetti Monster, kurz: FSM) wurde im Juni 2005 vom amerikanischen Physiker Bobby Henderson als Gottheit erdacht. Es soll weltweit rund 30 Millionen Anhänger der zugehörigen Pastafari-Religion (nach dem jamaikanischen „Rastafari“) geben. Sie wollen mit ihrer Glaubenslehre den so genannten Kreationismus karikieren: In den USA behaupten Kirchenfundamentalisten, die Schöpfungsgeschichte sei in Form des Kreationismus eine wissenschaftlich fundierte Theorie und müsse daher im Biologieunterricht gelehrt werden.

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Das amerikanische Schöpfungs-Paradox

©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
Glauben sehr viele Menschen, dass ein Gott die Menschen geschaffen hat, ist das ein recht verlässliches Anzeichen für Armut. Studien zeigen, dass der so genannte Kreationismus und wirtschaftliche Schwäche oft gemeinsam auftreten. Nur auf ein Land der Welt trifft das nicht zu: die USA. Warum?


Von Rico Grimm|Krautreporter

Es war 1925, da war der englische Forscher Charles Darwin längst ein gefeierter Held der Naturwissenschaft, berühmt für seine „Evolutionstheorie“, begraben neben Königen in der Londoner Westminster Abbey. In diesem Jahr trat das Parlament des amerikanischen Bundesstaates Tennessee zusammen, um seinen Lehrern zu verbieten, etwas anderes als die biblische Schöpfungsgeschichte des Menschen zu unterrichten. Und sie setzten dieses Gesetz auch durch!

Während der Schriftsteller F. Scott Fitzgerald seinen „Großen Gatsby“ schrieb, die Fords in Detroit an einem Nachfolger für ihr berühmtes erstes Auto-Modell tüftelten und die Wall Street zum mächtigen Zentrum des neuen kapitalistischen Zeitalters aufstieg, zitierten die Autoritäten Tennessees den Lehrer John Scopes vor Gericht, um ihn mit einer Geldstrafe von 100 Dollar zu belegen, weil er lehrte, was bewiesen war: dass der Mensch vom Affen abstammt.

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Brandenburg: Klage für die Nudelmesse

Bild: alienxfiles.com
Vor dem Landgericht Potsdam dürfte demnächst ein schwerwiegender Fall von Verletzung der Religionsfreiheit in Brandenburg verhandelt werden. Wie die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters in der vergangenen Woche auf ihrer Homepage mitteilte, hat sie offiziell Klage gegen die Landesregierung eingereicht.


RedGlobe

Hintergrund ist die Forderung der Weltanschauungsgemeinschaft, am Ortseingang von Templin Hinweisschilder auf die dort an jedem Freitag um 10 Uhr gefeierte Nudelmesse anbringen zu dürfen, so wie dies auch bei den Konkurrenzgemeinden von Katholiken und Protestanten der Fall ist. Solche Hinweisschilder waren im vergangenen Jahr bereits kurzfristig in Templin angebracht worden, wenig später jedoch auf Druck der Landesregierung wieder abmontiert worden.

Die Pastafari kommentieren das auf ihrer Internetseite: »Die Akteneinsicht beim Landesbetrieb Straßenwesen hat ergeben, dass der noch lange bereit war, die Schilder zu genehmigen und wohl erst nach Einflussnahme aus dem Kultusministerium davon abgerückt ist. Schon merkwürdig, denn zu dem gehört er gar nicht. Ebenso merkwürdig, warum die Entscheidung der Kulturministerin, wir wären keine Religionsgemeinschaft, überhaupt irgendwelchen Einfluss hatte. Der Landesbetrieb hatte uns die Genehmigung ja als Weltanschauungsgemeinschaft gegeben. Nun kennt sich die Kultusministerin als als Schwester einer Bischöfin sich sicher gut mit Religionsgemeinschaften aus, aber darüber, ob wir Weltanschauungsgemeinschaft sind oder nicht, wurde weder von ihr noch sonst wo im Kultusministerium entschieden.«

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Klage vor Verwaltungsgericht: Gott gegen Gebühren

Michael Wladarsch vor seinem Grafikbüro an der Georgenstraße: Ist das eine „Betriebsstätte, die gottesdienstlichen Zwecken gewidmet“ ist? (Foto: Florian Peljak)
  • Der Münchner Michael Wladarsch klagt gegen die Gebührenabteilung des Bayerischen Rundfunks (BR) und arguemtiert dabei mit dem Fliegenden Spaghettimonster.
  • Die Nudel-Gottheit sei ebenso absurd oder nicht absurd wie jede andere auch, argumentiert der Grafiker.
  • Was er sich nun erhofft? „Das Gericht soll klären, warum es Privilegien für die ohnehin privilegierten Kirchen gibt.“


Von Stefan Mühleisen|Süddeutsche.de

Es ist ruhig geworden um das Fliegende Spaghettimonster. Seit Bruder Spaghettus im Dezember 2014 in der Uckermark zum Missfallen der örtlichen Kirchen eine Nudelmesse veranstalte, war von der Spott-Religion nichts mehr zu hören. Doch nun könnte die Münchner Sektion des Bundes für Geistesfreiheit (BfG) der kuriosen Lehre neue Aufmerksamkeit verschaffen. In einer Klage vor dem Münchner Verwaltungsgericht führt er die Nudel-Gottheit gegen die Gebührenabteilung des Bayerischen Rundfunks (BR) ins Feld. Eine „Satire-Aktion mit ernstem Hintergrund“, wie der BfG-Vorsitzende und Klageführer Michael Wladarsch sagt. „Das Gericht soll klären, warum es Privilegien für die ohnehin privilegierten Kirchen gibt.“

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Darwin-Tag: „die Alternativen zur Evolutionstheorie“ – kognitive Dissonanzen

kreationismusAm 12. Februar ist Darwin-Tag. Am Geburtstag des Begründers der Evolutionstheorie gedenken Forscher weltweit der wissenschaftlichen Arbeit Charles Darwins. Seine Lehre hat viele Zweifel und Gegenströmungen überdauert. Trotzdem existieren alternative Auffassungen mit teilweise kruden, aber auch erstaunlichen Ideen.


Von Christian Flierl|Web.de

Der bekannteste Gegenentwurf zur Evolutionstheorie ist der Kreationismus. Die Anhänger dieser Lehre stützen sich auf die Berichte im biblischen Buch Genesis. Sie glauben wortwörtlich an die göttliche Schöpfung in sechs Tagen, die Erschaffung der Frau aus einer Rippe Adams und ein Alter der Erde von ein paar tausend Jahren. Die Existenz von Dinosauriern, die die Bibel nicht erwähnt, erklären sich die Kreationisten so: Gott habe ihre Knochen vergraben, um uns Menschen im Glauben zu testen. Dinos hätte es demnach also nie gegeben.

Für die meisten Europäer hören sich diese Thesen abstrus und widersprüchlich an. In den USA glauben laut einer Umfrage des Gallup-Instituts aus dem Jahr 2014 jedoch 42 Prozent der Bevölkerung an die Schöpfung – das sind fast 134 Millionen Menschen.

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Christen sollten sich nicht gegen die Evolution wenden

Der Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Reinhard Hempelmann. Foto: PR
Christen sollten sich nicht gegen die Evolutionstheorie wenden, sondern deren detailreiche Datenbasis zur Kenntnis nehmen. Diese Ansicht vertritt der Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), Reinhard Hempelmann (Berlin), in der Dezemberausgabe ihres Materialdienstes.


idea.de

Laut Hempelmann verzerrt die Vorstellung, dass Gott die Welt buchstäblich in sechs Tagen erschaffen hat (Kreationismus), den christlichen Glauben. Die biblischen Erzählungen von der Erschaffung des Menschen, ihrer Vertreibung aus dem Paradies und der Sintflut dürften nicht als Geschichte im historischen Sinne verstanden werden. Wer dies tue, betreibe „protestantischen Fundamentalismus“. Das Urteil von Fachwissenschaftlern gegenüber dem Kreationismus sei „durchweg ablehnend“. Der Kreationismus sei keine Wissenschaft und auch nicht in der Lage, die Evolutionstheorie zu widerlegen. Kritik übt Hempelmann an der evolutionskritischen Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ (Baiersbronn/Schwarzwald). Diese verkenne, dass die moderne Wissenschaft mit einem „methodischen Atheismus“ arbeiten müsse. Es gelte, die unterschiedlichen Weltzugänge von Religion und Wissenschaft zu unterscheiden. Die Studiengemeinschaft unterhält sechs Fachgruppen: Archäologie, Biologie, Geowissenschaften, Kosmologie, Physik und Wirtschaft.

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