Bundesweiter ökumenischer Tag der Schöpfung

©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at

Die katholischen Bischöfe rufen zur Beteiligung am ökumenischen Tag der Schöpfung an diesem Freitag auf. Das diesjährige Leitthema „Salz der Erde“ verweist auf die Rede Jesu und den Auftrag an seine Jünger, Salz der Erde zu sein.

DOMRADIO.DE

Das teilte die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn mit. Bundesweit fänden ökumenische Gottesdienste unter diesem Motto statt.

Seit dem Zweiten Ökumenischen Kirchentag 2010 feiert die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland jährlich am ersten Freitag im September den ökumenischen Tag der Schöpfung. „Beim Tag der Schöpfung kann der christliche Schöpfungsglaube neu erfahren werden“, erklärte der Vorsitzende der ACK in Deutschland, Erzpriester Radu Constantin Miron.

Alle Sinne für Gottes Schöpfung öffnen

Der Tag biete die Chance, „Augen, Ohren und alle Sinne für Gottes Schöpfung zu öffnen und so den Geheimnissen des Lebens neu auf die Spur zu kommen“.

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Pseudowissenschaft und Verschwörungstheorie

Symbolbild. Bild: hippo by swatts

Welches sind die Gemeinsamkeiten verschiedener pseudowissenschaftlicher Strömungen?

AG Evolutionsbiologie

Aus Japan erreichen uns Meldungen über die Erfolge von Impfgegnern. Diese seien hier zum Anlass genommen, die Gemeinsamkeiten zwischen unterschiedlichsten pseudowissenschaftlichen Strömungen zu erörtern.

Kreationismus ist gegenwärtig in den Industrienationen beileibe nicht die einzige wissenschaftsfeindliche Strömung. So ist es mehr als erstaunlich, dass in modernen Bildungsgesellschaften dutzende pseudowissenschaftliche Ideengebäude und Verschwörungsmythen kursieren. Um nur einige Beispiele zu nennen: 9/11-Verschwörung, Astrologie, Bachblütentherapie, Chemtrails, Impfkritik, klassische Anthroposophie, Homöopathie, Klimawandel-Leugnung, Kreationismus, Mondlandungskritik, Numerologie, Prä-Astronautik, Radiästhesie,  Rutengängerei, (siderisches) Pendeln, Schüssler-Salz-Therapie, UFOlogie.

All diese Strömungen haben bemerkenswerte Gemeinsamkeiten: Sie beharren auf längst widerlegten Positionen, postulieren nicht nachweisbare Kräfte, stellen unbewiesene Behauptungen auf oder berufen sich auf falsche Fakten. Des Weiteren zitieren sie selektiv nur diejenigen wissenschaftlichen Ergebnisse, die in ihr Gedankengebäude zu passen scheinen, und ignorieren den großen Rest. Die Nicht-Anerkennung ihrer Positionen begründen sie mit einer Verschwörung des (wissenschaftlichen oder politischen) Establishments. Teils wird neben krudem Verdrehen wissenschaftlicher Fakten immer wieder auch auf Zitat(ver)fälschungen[1] zurückgegriffen.[2]

Besonders erschreckend ist dabei, dass ein erheblicher Anteil (oft sogar die Mehrheit der Bürger) auch in Bildungs-/Industrienationen mindestens einer dieser Ideen anhängt. Die Gründe dafür dürften komplex sein: Ein wichtiger Aspekt ist sicherlich die immense Komplexität unseres Wissens, das von keinem Menschen mehr annähernd überschaut werden kann. Pseudowissenschaften bieten hier simple und gut zu verstehende Alternativen.[3] Hinzu kommt die Tatsache, dass das „Weltgeschehen“ ebenso kompliziert und unüberschaubar geworden ist. Wie kommt es zu den Zyklen von Wirtschaftskrisen? – um nur ein einziges Beispiel zu nennen. Auch hier bieten Pseudowissenschaften und Verschwörungsmythen einfache und griffige Gegenentwürfe.[3]

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„Plötzlich ist der Kreationismus wieder da“

Bärbel Auffermann, Gert Kaiser, und Beate Schneider (v.l.) im Gespräch über das Spannungsfeld von Religion und Wissenschaft. Foto: Alexandra Rüttgen

Interview Bärbel Auffermann, Gert Kaiser und Beate Schneider über Religion und Wissenschaft.

WESTDEUTSCHE ZEITUNG

Frau Auffermann, Frau Schneider, Herr Kaiser, wann hat sich das Thema „Kreationismus“ erstmals bemerkbar gemacht?

Bärbel Auffermann: Das Thema bewegt uns seit 2009, dem Darwin-Jahr. Seitdem beobachten wir den so genannten Kreationismus.

Gert Kaiser: Und es gibt eine wachsende Tendenz. In den USA gibt es Erhebungen, dass weit mehr Menschen an Gottes Schöpfung glauben als an die Evolution. Diese extremen Glaubensrichtungen wachsen viel, viel schneller als die traditionellen Kirchen. Das ist eine neue Situation für uns hier.

Wie empfinden Sie diesen Zweifel an Wissenschaft?

Kaiser: Plötzlich ist es wieder da, dieses Spannungsverhältnis zwischen Religion und Wissenschaft. Wir meinen, dass man einen gewissen Respekt vor religiösen Gefühlen haben muss, aber dass man die wissenschaftliche Position nicht aufgeben darf.

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Kreationisten in Kreuzlingen: Arche Noah, Dinosaurier und Gottes Schöpfung im Film – religiöser Dummheit eine Gasse

Dinosaurier lebten vor wenigen tausend Jahren und nicht vor hundert Millionen Jahren, sagen die Kreationisten, welche die Ausstellung organisieren. Rechts hinten steht Arnold Zwahlen. (Bild: PD)

Ab heute finden im Dreispitz-Saal die «Filmtage: die Schöpfung» statt. Die Organisatoren bekennen sich zum Kreationismus. Sie wollen ermutigen, dass Leben aus einer anderen Sichtweise zu betrachten

Urs Brüschweiler | Tagblatt.ch

Atemberaubende Naturfilme, eine Ausstellung spannender Exponate und alles mit einem religiösen Hintergrund. Ab heute 18 Uhr bis am Sonntag finden im Dreispitz-Saal die «Filmtage: die Schöpfung» statt. Ein gewöhnlicher Event ist das nicht. «Die Welt ist geprägt von Harmonie und Originalität – und darum glauben wir, dass sie die Handschrift eines Schöpfers trägt», heisst es auf der Website der Veranstalter.

Nicht Darwin, sondern Gott

Die Organisatoren sind Kreationisten. Nicht die Evolution, wie sie Charles Darwin beschrieb, habe die Erde zu dem werden lassen, was sie ist, sondern alles sei erschaffen nach Gottes Plan, sind sie überzeugt.

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Kreationismus: «Die Theorie der Schöpfung ist wahrscheinlicher»

Im Darwin-Jahr 2009 organisierte Wissenschaftler Günter Bechly die grösste Evolutionsausstellung Deutschlands. Doch im Zuge der Recherchen entdeckte er: Viel wahrscheinlicher ist, dass es einen Schöpfer gegeben hat.

jesus.ch

Ich war schon immer absoluter Atheist und grosser Fan des Evolutionsbiologen Richard Dawkins. An Übernatürliches glaubte ich nicht und hatte auch kein Interesse an philosophischen oder metaphysischen Fragen. Ich wurde Paläontologe und Entomologe. 17 Jahre lang war ich Kurator für Bernstein und Insekten am Naturkundemuseum Stuttgart. Ich kümmerte mich dort um die Sammlung, war in der Forschung aktiv und schliesslich wurde ich im Darwin-Jahr 2009 der Projektleiter für die Sonderausstellung «Evolution – Der Fluss des Lebens». In Deutschland eines der grössten Ereignisse zum Darwin-Jahr.

Ich hatte die Idee, in der Ausstellung die Evolutionstheorie der Schöpfungstheorie gegenüberzustellen und wollte damit zeigen: Die Lehre Darwins wiegt schwerer als sämtliche Kritik von Kreationisten und Intelligent-Design-Anhängern. So begann ich mich mit evolutionskritischen Büchern zu beschäftigen. Doch zu meiner Überraschung waren darin keine hanebüchenen, religiös verbrämten und pseudowissenschaftlichen Argumente zu finden. Alles war derart wissenschaftlich fundiert begründet, dass ich anfangen musste, nach Gegenargumenten zu recherchieren. Doch selbst bei hochgeschulten Evolutionsbiologen aus aller Welt fand ich keine plausiblen Antworten auf meine Grundfragen.

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Darwin neu übersetzt: Eine Frage des Überlebens

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Mit seinem „Ursprung der Arten“ erschütterte Charles Darwin vor bald 150 Jahren unser Weltbild. Jetzt liegt das Buch in neuer Übersetzung vor.

Ulli Kulke | Berliner Morgenpost

Ein Begriff ist es vor allem, den wir mit Charles Darwin, dem Begründer der Evolutionstheorie, verbinden. Dabei stammt er nicht einmal von ihm. Im englischen Original lautet er „Survival of the fittest“. Übersetzt heißt es: „Das Überleben des …“ – ja, wessen Überleben eigentlich? So klar ist das nicht in der deutschen Sprache. Etwa des Stärksten, des Gesündesten, des Klügsten? Eine Überlebensfrage, bei der es um mehr geht als um Wortklauberei.

Wir lesen den Begriff in Darwins berühmtesten Buch, in dem er uns – nach jahrelanger Forschungsweltreise – die Systematik erklärt, in der sich das Leben entwickelt, auf Basis welcher Naturgesetze sich Tier- und Pflanzenarten ausgebildet haben. Insbesondere aber, wie sie sich stets wandelnden Bedingungen anpassten, durch Änderung ihrer Merkmale über unzählige Generationen – oder ausstarben, das Überleben nicht schafften. „On the Origin of Species“, lautet sein Titel, in der deutsche Ausgabe „Die Entstehung der Arten“ – oder jetzt, seit November 2018, „Der Ursprung der Arten“. Wir sehen auch hier: Es ist sprachlich manches interpretierbar, derzeit einiges im Fluss bei dem Buch, das in seiner weltweiten Wirkmacht gerade noch von der Bibel oder dem Koran übertroffen wird, „Das Kapital“ von Karl Marx aber abhängt. Sprache ist im Wandel, wenn ein solches Jahrhundertbuch einer Neuübersetzung unterzogen wird, wie es bei Darwin jetzt der Fall ist.

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Teleologisches Denken: Die Gemeinsamkeit von Verschwörungstheoretikern und Kreationisten

Ob nun Gott als Baumeister, der die Schöpfung der Welt zu seinem Selbstzweck bewerkstelligt oder aber die Verschwörungstheorien. Alles habe einen Zweck und ein Ziel. Trumps verschwörungstheoretisches Geschwafel über den Geburtsort Barack Obamas, jüdische Weltverschwörung einhergehend mit jüdischer Dominanz in Medien, den Banken usw. gipfelnd im Machwerk „Die Protokolle der Weisen von Zion.“ Selbst die Schulattentate in den USA seien nur zu dem Zweck möglich gewesen um die Waffengesetze zu verändern und das Waffenrecht zu verschärfen.  Der Klimawandel sei von China gemacht um die USA zu schädigen. Es gibt eine Fülle von verschwörungstheoretischen Ansätzen, einige sogar recht fundiert.

In ähnlicher Art und Weise finden wir diese Ansätze bei den Kreationisten, also, jeden Gläubigen die die Evolution, die Evolutionstheorie von Charles Darwin, genaugenommen die natürliche Selektion verleugnen. Alles habe einen Sinn, einen Zweck und ein Ziel. Die hartgesottenen Kreationisten, wie Ken Ham, meinen die Fossilien von Sauriern, Affen, Menschen seien nur zum Zwecke unserer Verwirrung vom Teufel persönlich versteckt worden.

„Wir finden einen bisher unbemerkten roten Faden zwischen dem Glauben an den Kreationismus und dem Glauben an Verschwörungstheorien“, sagt Sebastian Dieguez, Neurowissenschaftler an der Universität Fribourg, der die Forschungsergebnisse kürzlich, in der Fachzeitschrift Cell Biology veröffentlichte.

„Obwohl diese Glaubenssysteme auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind, sind sie mit einer einzigen und mächtigen kognitiven Verzerrung verbunden, die als teleologisches Denken bezeichnet wird und die Wahrnehmung von Endursachen und übergeordnetem Zweck in natürlich vorkommenden Ereignissen und Entitäten mit sich bringt.“

Teleologisches Denken beinhaltet das Zuweisen von Absichten und Zwecken zu Merkmalen der Welt, die überhaupt kein Bewusstsein oder Wünsche haben. Ein Beispiel, das Dieguez gab, ist der Gedanke, dass die Sonne aufgeht, um uns Licht zu geben – wenn in Wirklichkeit die Sonne wegen der Rotation der Erde im Sonnensystem am Himmel aufgeht.

Diese Denkmuster sind „Teil der frühesten Intuitionen der Kinder über die Welt“, notieren die Autoren unter der Leitung von Pascal Wagner-Egger.

„Diese Art des Denkens ist dem wissenschaftlichen Denken und insbesondere der Evolutionstheorie ein Gräuel und wurde berühmt von Voltaire verspottet, dessen Charakter Pangloss glaubte, dass ‚Nasen gemacht wurden, um eine Brille zu tragen'“, sagte Dieguez. „Aber es ist sehr widerstandsfähig in der menschlichen Wahrnehmung, und wir zeigen, dass es nicht nur mit dem Kreationismus, sondern auch mit dem Verschwörungsakt verbunden ist.“

Eine Möglichkeit, teleologisches Denken in Individuen zu entdecken, dass sie Ansichten wie „Nichts geschieht zufällig“ oder „Alles geschieht aus einem bestimmten Grund“ enthält. Die Forscher fanden heraus, dass diese Arten von Ansichten eng mit einer Neigung zu Verschwörungstheorien zu glauben entsprechen.

Aber diese Art des Denkens hat auch eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Kreationismus – die Ansicht, dass die darwinistische Evolution durch natürliche Selektion nicht stattgefunden hat und dass das Leben auf der Erde mit der Artenvielfalt, die wir sehen, speziell entworfen wurde (von Gott wird es normalerweise angenommen) heute.

Es ist erwähnenswert, dass diese Sichtweise selbst den entsprechenden Glauben tragen kann, dass evolutionäre Ansichten selbst das Ergebnis einer Verschwörung sind, die Öffentlichkeit über die Ursprünge des Lebens zu täuschen.

Dieguez und andere Forscher fanden in einer Reihe von Umfragen heraus, dass teleologisches Denken, Verschwörungstheorien und Kreationismus – wenn auch manchmal nur „bescheiden“ – miteinander korreliert waren.

„Indem wir die Aufmerksamkeit auf die Analogie zwischen Kreationismus und Verschwörung lenken, hoffen wir, einen der größten Fehler von Verschwörungstheorien aufzuzeigen und Menschen dabei zu helfen, sie zu erkennen, nämlich dass sie sich auf teleologische Überlegungen stützen, indem sie dem Weltgeschehen eine letzte Ursache und einen übergeordneten Zweck zuschreiben. „Dieguez sagt. „Wir denken, dass die Botschaft, dass Verschwörung eine Art von Kreationismus ist, der sich mit der sozialen Welt befasst, dazu beitragen kann, einige der verblüffendsten Merkmale unserer so genannten“ Post-Wahrheits-Ära „zu klären.“

Zu verstehen, wie sich diese Überzeugungen verbreiten und warum sie für die Menschen so zwingend sind – selbst wenn sie, wie im Fall von Q Anon, so offensichtlich Unsinn sind – ist von entscheidender Bedeutung, um einen Weg zu finden, ihre Verbreitung zu verhindern. Die Forscher hoffen, dass ihre Arbeit Pädagogen und Kommunikatoren helfen kann, falsche Theorien und Überzeugungen besser zu widerlegen und zu untergraben.

Den Optimismus der Forscher kann man praktisch nicht teilen. Kreationisten und Verschwörungstheoretiker haben sich gegen Fakten selbstimmunisiert, Fakten dienen letztlich dazu, eigene Positionen zu erhärten und werden als Bestätigung der persönlichen Weltsicht vereinnahmt.

Es bleibt ein interessanter Zusammenhang zwischen Verschwörungstheorien und Kreationismus, es bleibt spannend.

 

Nach einem Artikel von Cody Fenwick/Alternet

RDF Talk – Carsten Frerk: Kirchenrepublik Deutschland

In seinem Vortrag zum gleichnamigen Buch „Kirchenrepublik Deutschland“ beschreibt Dr. Carsten Frerk erstmals, wie die Kirchen in Deutschland systematisch Einfluss auf die Politik nehmen. Dabei zeigt sich, dass katholische und evangelische Stellen in einer Weise in Gesetzgebungsverfahren eingebunden sind wie keine zweite zivilgesellschaftliche Kraft.

Richard-Dawkins-Foundation

Wie stark der Einfluss der Kirchen auf die Politik ist, zeigt unlängst die Entscheidung des Parlaments zum Thema Sterbehilfe. Laut Dr. Frerk ist die Verabschiedung des „Gesetzes zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ 2015 nicht unwesentlich auf die enge personelle Verflechtung von Kirche und Staat in Deutschland zurückzuführen.

So lassen die Kirchen ihre Interessen Realität werden, obwohl es dafür längst keine Mehrheiten in der Bevölkerung mehr gibt. Als größte private Arbeitgeber, als größte Grundbesitzer und als Milliarden umsetzende Wirtschaftskonzerne verfolgen die Kirchen massive Eigeninteressen.

Zum Referenten:

Carsten Frerk ist Politologe und wurde durch kirchen- und religionskritische Werke bekannt. Zudem ist er Autor historischer Romane. Im Mittelpunkt seines Werks stehen Buchveröffentlichungen über die finanziellen Verflechtungen von Staat und den beiden Amtskirchen in der Bundesrepublik Deutschland. Unter anderem deshalb gilt er als Kirchen- und Religionskritiker. Carsten Frerk ist Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung.

Vogelfeder und Vogelflug durch die Brille des Kreationismus

Symbolbild. Bild: hippo by swatts

Warum die Kritik an der Evolution scheitert. Ein Kommentar zu: ‚Wort und Wissen‘ Special paper B-17-1

Hansjörg Hemminger | AG EvoBio

Bei dem Ende 2017 erschienenen „Special Paper“ zur Evolution des Vogelflugs handelt es sich um eine Fleißarbeit, die auf 117 Seiten eine Vielzahl von Informationen bietet. Thematisch spannt es den Bogen von der Anatomie und Physiologie der Vogelfeder über historische und neue Hypothesen zur evolutionären Entstehung von Federn und Vogelflug bis zu grundsätzlichen Überlegungen zur Methode der Modellbildung in der biologischen Evolution. Der Zweck des Papiers ist, mit der von WORT UND WISSEN bekannten argumentativen Strategie die Evolution von Vogelfeder und Vogelflug als unwahrscheinlich darzustellen. Die funktionell-morphologischen Zusammenhänge werden in Belege für ihren Kreationismus – genau genommen für „Intelligent Design“ – umgemünzt. Diese Zielsetzung wird bereits in der Einleitung (S.4) formuliert:

 

„Die Möglichkeit einer Schöpfung – einer willentlichen, zielorientierten Hervorbringung durch einen geistbegabten Schöpfer – kann nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Die Festlegung auf den naturalistischen Ansatz, wonach nur Naturgesetze, Zufall und plausible Randbedingungen in Erklärungen zugelassen, ist wissenschaftstheoretisch nicht zu rechtfertigen und führt zu Zirkelschlüssen. Zahlreiche Befunde im Bau von Federn und in der Fossilüberlieferung sowie das nachhaltige Scheitern naturalistischer Entstehungshypothesen zur Entstehung von Vogelfeder und Vogelflug können als Indizien für einen Schöpfer gewertet werden.“

 

Bemängeln als Grundton

Ein Merkmal der Argumentationsstrategie wird schnell offensichtlich: Eingestreut in die lexikalische Darstellung von Daten, Methoden und Theorien finden sich Bemerkungen dergestalt, dass eine komplizierte Struktur nicht überzeugend evolutionär ableitbar und eine hypothetische evolutionäre Entwicklung nicht zu belegen sei. Die Evolution der betreffenden Strukturen sei deshalb methodisch wie inhaltlich fragwürdig. Manche dieser Anmerkungen sind schon auf den ersten Blick abwegig, wie etwa auf S.32 die Feststellung, dass ein fossil bekannter Dinosaurier wegen seiner beachtlichen Größe „für eine stammesgeschichtliche Verbindung mit Vögeln … völlig ungeeignet“ sei. Diese Behauptung zielt nicht auf die Fakten, sondern auf die Intuition von Laien, die sich eine Abstammungsbeziehung von einem tonnenschweren Theropoden zu einer Blaumeise schwer vorstellen können. Zu fossilen Indizien für die Entstehung der Vogelfeder wird im Fazit JUNKERs gesagt:

„Die größte Vielfalt an unterschiedlichen, z. T. heute nicht mehr vorkommenden Integumentanhängen (Dino-Flaum, bandartige Federn, Konturfedern) ist entgegen der evolutionären Logik gerade zu Beginn der fossilen Überlieferung der betreffenden Formen verwirklicht.“

Sollte der Befund so sein wie behauptet, stünde dem keinerlei evolutionäre Logik entgegen (falls damit theoretische Schwierigkeiten gemeint sind). Er spräche eher für als gegen eine stammesgeschichtliche Ableitung der Vogelfeder von solchen Integumenten.

Unsachgemäße Kritik tritt immer dann gehäuft auf, wenn JUNKER die Hypothese diskutiert, dass der aktive Vogelflug sich bei gleitfliegenden, baumbewohnenden Theropoda entwickelt habe. Da diese Hypothese viel für sich hat (JUNKER zitiert die entsprechende Literatur selbst), wirken die in Tab.2 aufgelisteten Gegenargumente an den Haaren herbeigezogen. Zum Beispiel liest man dort: „Gleitflug ist eher ein gegenüber dem Schlagflug abgeleitetes Verhalten.“ Angesichts der Tatsache, dass es zahlreiche Wirbeltiergruppen gibt, die konvergent zu Gleitfliegern wurden und von denen keine aktiv flugfähige Vorfahren hat, ist diese Aussage mehr als irreführend. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass gleitfähige, kleine Theropoden aktiv fliegende Vorfahren hatten. Die einzige Begründung, die sich im Text findet, lautet, dass sich unter den aktiv fliegenden Vögeln einige Gruppen auf den Gleit- und Segelflug spezialisierten, ohne die aktive Flugfähigkeit aufzugeben. Richtig ist, dass segelfliegende Vögel auch gleiten, das heißt passiv in einem flachen Winkel abwärts segeln können. Von einem aus dem Schlagflug „abgeleiteten“ Verhalten zu sprechen, ist so unsinnig wie zu behaupten, der vierfüßige Gang sei gegenüber dem aufrechten Gang des Menschen ein evolutionär abgeleitetes Verhalten, weil Menschen (wenn es sein muss) sich auch auf allen Vieren fortbewegen können.

JUNKER nimmt dieses Argument selbst nicht ernst, denn ansonsten argumentiert er umgekehrt, nämlich dass sich aus dem Gleitflug der aktive Flug nicht habe entwickeln können. Unter anderem dient dem ein Argument, das lautet: „Bereits Gleitflug benötigt Kontrollmechanismen.“ Dass das Gleiten bestimmte motorische Fähigkeiten erfordert, ist selbstverständlich, die übrigens bereits für Baumbewohner erforderlich sind, die aktive Sprünge im Geäst ausführen. Doch warum sollte ein noch sehr rudimentärer Gleitflug Kontrollmechanismen benötigen, die über das hinausgehen, was bereits im Verhaltensrepertoire der Theropoden angelegt ist? Menschen sind keine Flieger, stammen aber von baumbewohnenden Primaten ab: Sie können problemlos lernen, mit Gleitschirmen und Drachen umzugehen, ohne dass dafür neue Hirnstrukturen nötig wären. Nichts spricht gegen eine Entwicklung von sprungfähigen Baumbewohnern zu Gleitfliegern und, über weitere funktionale Stufen, zum aktiven Flug.

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Streng gläubig und stramm rechts

Der „Wahrheits-Truck“ – bei der plakativen Selbstdarstellung der religiösen Rechten sind die USA wegweisend. Bild: Ibagli / gemeinfrei

Nicht nur in den USA, auch in Deutschland ist die christliche Rechte auf dem Vormarsch

Birgit Gärtner | TELEPOLIS

Als der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan im Sommer 2017 ankündigte, ab 2019 die Evolutionstheorie aus den Schulplänen streichen zu wollen, haben wir alle ganz tief eingeatmet. Doch Erdoğan ist mit seiner Ansicht nicht allein, denn laut einer Umfrage lehnen 70% der Befragten in der muslimisch geprägten Türkei die Evolutionstheorie nach Charles Darwin ab.

Doch wir müssen gar nicht in die Türkei schauen, denn auch hierzulande gibt es Menschen, die wissenschaftliche Erkenntnisse ablehnen oder so zurechtbiegen, dass die Erde wieder zur Scheibe wird: Sie halten fest an der biblischen Darstellung, nach der Gott die Erde in sieben Tagen schuf – und zwar vor 6.000 Jahren.

„Kreationismus“ nennt sich diese Glaubensrichtung und ist eine Spielart des christlichen Fundamentalismus. Die modifizierte Form ist, dass die Erde älter ist, aber Gott vor 6.000 Jahren die Menschen schuf.

Die wurden bislang allenfalls als Spinner abgetan, der christliche Fundamentalismus insgesamt nicht weiter ernst genommen. Doch spätestens seit dem „Marsch der Frauen“ im Januar 2018 in Berlin ist klar: Völkisches Denken paart sich mit christlichem Fundamentalismus, Rechte bieten z. B. Lebensschützerinnen eine Bühne, und der christliche Fundamentalismus bekommt plötzlich eine ganz neue gesellschaftliche Dimension. Dieser Eindruck täuscht, denn Kreationisten z.B. unterhalten schon lange Schulen in Deutschland, das Problem ist also nicht neu.

Christlicher Fundamentalismus spiegelt sich z. B. im AfD-Programm wieder, u.a. im Hinblick auf die Ablehnung der Ehe für Alle, die Haltung zur Homosexualität insgesamt oder auch die Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen. Letztere ist allerdings nicht nur der AfD vorbehalten, sondern mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist sie Regierungsprogramm.

Mit dem Christentum ist es nicht anders wie mit dem Verhältnis zwischen Islam und Islamismus: Ohne den Katholizismus hätte es weder Inquisition noch Hexenverbrennung gegeben und es gibt keinen Katholizismus ohne Inquisition und Hexenverbrennung. Es gibt höchstens Theologen und Gläubige, die sich von beidem distanzieren. Zeit also, sich mal mit den christlichen Kirchen zu beschäftigen, denn die haben auch in „Friedenszeiten“ starke Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Sehr viel stärker, als wir gemeinhin glauben.

Und der erstarkende christliche Fundamentalismus, dem die AfD auch eine parlamentarische Bühne bietet, ist eine ernsthafte Bedrohung für die Demokratie und erkämpfte Rechte, nicht nur im Hinblick auf die Möglichkeit des straffreien Schwangerschaftsabbruchs.

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Grundtypen des Atheismus im Licht der Bibel

„Drei Arten von Menschen gibt es: die einen, die Gott dienen, weil sie ihn gefunden haben; die andern, die bemüht sind, ihn zu suchen, da sie ihn nicht gefunden haben; die dritten, die leben, ohne ihn zu suchen und ohne ihn gefunden zu haben. Die ersten sind vernünftig und glücklich, die letzteren sind töricht und unglücklich, die dazwischen sind unglücklich und vernünftig.“
(Pascal: Pensées,Frg. 257)

Prof. Dr. Edith Düsing | Wort und Wissen

Einleitung und Gliederung

Jeder Mensch sucht Gott oder aber flieht vor ihm kraft seines Fühlens, Denkens oder Wollens.

Daher lassen sich Grundtypen des Atheismus gemäß den Seelenvermögen unterscheiden:

  1.  Ein Atheismus trotzigen Aufbegehrens gegen das Leid: die Hiobsfrage, das Theodizeeproblem.
  2. Ein Atheismus der Weltbilder konstruierenden Vernunft: Der Glaube an die Erklärungskraft der Naturgesetze, in atheistischer Weltansicht beliebt, ist der Aberglaube der Moderne(Wittgenstein).
  3. Ein Atheismus, der Gott für ein Phantasieprodukt hält (Protagoras, Feuerbach). –Folgerungen:
  4. Atheismus der Gleichgültigkeit: Gottvergessenheit in einer genußsüchtigen Spaßgesellschaft.
  5. Gottlosigkeit im traditionellen Sinne: sittenwidrig böse Praxis, leben als ob es Gott nicht gäbe.

Zur aktuellen Lage

Ist Gott bloß Illusion, der Geist des Menschen ein physikalischer Zustand, seine Seele nur Tierseele? Zweieinhalb Jahrtausende galt in der abendländischen Kultur ‚Atheismus‘ als schwerste Anklage. Im 21. Jahrhundert hingegen preisen manche sich selbst als Atheisten. Dahinter steckt ein grundstürzender Wertewandel, von der ehemals selbstverständlichen, dem Menschen gemäßen Gott-suche hin zur – heute salonfähigen – Gottesverachtung. Postmoderne atheistische Positionen umweht ein Nimbus von radikaler Aufklärung und absolutem Humanismus.

Der Glaube an die Erklärungskraft der Naturgesetze, in atheistischen Weltansichten beliebt, wird von Wittgenstein ‚der Aberglaube der Moderne‘ genannt.1
Hinter der Wissenschaftsgläubigkeit, die einen zeugenden Weltgrund annimmt, an autarke Naturgesetze ohne einen Schöpfer glaubt, waltet ein Wille, der einen Abgott anbetet. Urknallphysik mit eingepackter Evolutionsbiologie verleugnet Christi Inkarnation, Kreuzestod und Auferstehung, so kristallklar Horst Waldemar Beck.2
Wird Selbstorganisation des Lebens aus dem Nichts, eine Hypothese, als erwiesene Tatsache behauptet, so legt sie einen Denkbann mit globaler Macht auf Wissenschaftler und glaubendes Volk: die Suggestion autarker Schöpfung ohne Schöpfer. Die Fiktion: ‚Am Anfang geschah alles von selbst’!

Eine biblische Einschätzung vorweg

Im Alten Testament ertönt aus dem Munde der „Spötter“ das harte Wort: „Non est Deus“ („Es gibt keinen Gott“: Psalm 14, 1: Vulgata). Verschiedene Arten von Gottlosigkeit tauchen hier auf: Gottvergessenheit, negative Theodizee, unvernünftige Gottesleugnung, Wunschphantasie. „Wohl dem Menschen“, so lautet die Seligpreisung, „der nicht sitzt im Rat der Gottlosen, wo die Spötter sitzen“ (Ps 1, 1), und bei Jeremia wehklagt Jahwe selbst: „Mich, die Quelle des Lebens verlassen sie und bauen sich löchrige Zisternen“; sie kehren mir den Rücken zu, nicht das Angesicht; „wenn aber die Not über sie kommt, sprechen sie: ‚Auf, hilf uns‘„(Jeremia 2, 13.27). Unsere Willensaktivität wird aufgerufen, indem vor einem „Sitzen“ bei den „Spöttern“ gewarnt wird. In dem Satz: „Es ist kein Gott, so sprechen die Toren“ (Psalm 53, 2) hebt der Psalmendichter auf ihre Vernunftwidrigkeit ab. Ein göttlicher Humor begleitet Irrende bis in ihre götzendienerischen Wahngedanken, sie sokratisch ihrer Absurdität überführend: „Götter, die du dir gemacht hast – wo sind sie?“ Sprichst du, Frau, zu ihnen: „Stein, du hast mich geboren“?! oder sprichst du, Mann, zu einem Holze: „mein Vater“?! (Jeremia 2, 27)

Kants Widerlegung des Atheismus

Immanuel Kant verdanken wir eine starke klare Widerlegung des Atheismus; er widmet ihm Aufmerksamkeit, so als habe er dessen künftige Popularität vorausgeahnt. Durch Untersuchung der Grenzen unsrer Vernunft zeigt er: Der Satz „Gott existiert nicht!“ ist eine unhaltbare Aussage —- über ein Sein an sich, das unerkennbar ist. Gottes Dasein ist nicht widerlegbar, auch nicht die Hoffnung eines künftigen Lebens. Dem Atheismus und Materialismus, könne ganz „die Wurzel abgeschnitten“ werden (KrV AA III 21). Kants Vernunftkritik widerlegt die Begründbarkeit der These: „Es ist kein“ Gott! „Denn wo will der angebliche Freigeist seine Kenntnis hernehmen?“ Dieser Satz liegt außerhalb der Grenzen menschlicher Einsicht. Wer ihn behauptet, vertritt ein negatives Dogma über die Vernunft hinaus. Wer Gott leugnet, muß, was er nicht kann, die negative Beweislast tragen! Und zwar logisch-erkenntnistheoretisch und existentiell-persönlich eschatologisch coram Deo. Der Verzicht des Agnostikers auf die nach dem Ursprung fragende Vernunft läuft auf den nicht vernünftigen dogmatischen Unglauben hinaus, der ohne Beweise Gottes Dasein bestreitet, worüber kein positiv oder negativ zwingendes Erkenntnisurteil gefällt werden kann. Also kann es nur außer vernünftige, nicht vernunftgemäße Gründe für den Atheismus geben. Fazit: Die Kritik der reinen Vernunft erhärtet: Schlechthin unmöglich ist es, Gottes Nichtdasein zu beweisen.

Geschichtliche Ursprünge des Atheismus

Kant zeigt durch Argumente, was im christlichen Abendland verbürgte Sicht war: Atheismus galt als widervernünftig, ja als intellektueller Selbstmord; wer Gott leugne, begehe ein doppeltes moralisches Verbrechen, er beleidigt die höchste Majestät und verstümmelt zugleich geistig sich selbst. Denn der Gottesgedanke gehöre jeder Menschenseele wesentlich zu, und wer ihn in sich auslösche, lege gleichsam im Innersten Hand an sich, analog zu dem, der seinen Leib antastet. Aufgrund seiner Unvernünftigkeit müsse er, einer „du coeur“ (des Herzens) sein, eine vorsätzlich zugezogene Selbstverblendung ein „aveuglement volontaire“ (eine freiwillige Erblindung), zuletzt in geistlicher Diagnose: „L’athéisme. Une maladie spirituelle“ (Der Atheismus. Eine geistliche Erkrankung)3.
Denn jeder Mensch verfüge, so Paulus in Römer 2, 15, über ein seiner Vernunft eingeborenes bzw. ihm in sein Herz geschriebenes Wissen von Gott, das der Atheist in sich selbst ausradiert.
Noch zur Zeit der Aufklärung war der Atheismus selten, eine Anomalie, ein „Grenzfall“4, – so wie in der ganzen Geschichte der Philosophie der Atheismus eine Ausnahmeerscheinung war. Die „Atheisterey“ galt weithin als ein „unvernünftiges Vorutheil“, etwa daherrührend, daß ihre Fürsprecher „ihrer todtkranken und verfinsterten Vernunft allzu viel einräumen“. Vor allem lud die bewunderungswürdige Ordnung der Natur zu physikotheologischen Betrachtungen ein, auf einen weisen Schöpfer hindeutend. Forscher ersten Ranges, als Astronomen, Mathematiker und Physiker wie Nikolaus Kopernikus, Johannes Kepler, Isaac Newton, kamen her vom biblischen Glauben an den in Christus offenbarten Gott und „erkannten“ darin, daß „die Welt durch Gottes Wort geschaffen …, alles Sichtbare aus Unsichtbarem entstanden ist“ (Hebräer 11, 3). So war die Bibel nicht nur kein Hemmfaktor in der Geschichte neu aufblühender Naturwissenschaft, wie Vorurteile besagten, sondern kraft Hypothesen derer, die auch im ‚Buch der Natur‘ Spuren von Gottes Wirken finden wollten,5 zuversichtlich Zusammenhänge vermuteten, Naturforschung beflügelnd.

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1 Ludwig Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus, London 1922; vgl. Robert Spaemann: Der letzte Gottesbeweis, München 2007, 11f; zur Widerlegung des Atheismus s. Edith Düsing: Gottvergessenheit und veruntreute Seele. Philosophische Streifzüge von Kant zu Nietzsche, München 2018; dies.: Atheismus und Agnostizismus, in: Verantwortlich glauben. Ein Themenbuch zur christlichen Apologetik, hg. von Christian Herrmann, Nürnberg 2016, 220-237.

2Zum Verhältnis von Glaube und Naturwissenschaft s. Horst W. Beck: Biblische Universalität und Wissenschaft. Interdisziplinäre Theologie im Horizont trinintarischer Schöpfungslehre, 2. Aufl. Weilheim-Bierbronnen 1994.

3Winfried Schröder: Ursprünge des Atheismus. Untersuchungen zur Metaphysik- und Religionskritik des 17. und 18. Jahrhunderts, 71ff. Die Seitenzahlen in Klammern beziehen sich im Folgenden auf dieses informative, der Intention nach freigeistige Werk.

4Jürgen Mittelstraß: Neuzeit und Aufklärung. Studien zur Entstehung der neuzeitlichen Wissenschaft und Philosophie, Berlin/ New York 1970, 130.

5Zur Forschung befördernden Ausstrahlung der Bibel s. aus fernöstlicher Perspektive Vishal Mangalwadi: Das Buch der Mitte: Wie wir wurden, was wir sind: Die Bibel als Herzstück der westlichen Kultur, Basel 2014.

Denkst du schon oder glaubst du noch? Weshalb Wissenschaften keine Ersatzreligion sind

Die Wissenschaften sind der Feind der Religionen. Das ist ein Gedanke, der viele Gläubigen auf die Palme bringt.

Von Hugo Stamm | watson.ch

Ein anderer: Gott fürchtet Menschen, die ihn mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aus dem Universum bugsieren möchten. Man erinnere sich an den Bibelspruch: Selig sind die Armen im Geiste …

Tatsächlich sind sich Glaube und Wissenschaften oft spinnefeind. Ich bekomme dies seit vielen Jahren von gläubigen Bloggerinnen und Bloggern demonstriert, die mir in ihren Kommentaren mantramässig vorwerfen, ich sei wissenschaftsgläubig und habe ein mechanisches oder utilitaristisches Weltbild. Ein Vorwurf, den ich vehement bestreite. Doch davon später.

Tatsächlich ist es unmöglich, dass Glauben und Wissenschaften im Gleichschritt einen Walzer tanzen. Überdurchschnittlich viele Naturwissenschafter sind Agnostiker oder Atheisten. Sie sind gewohnt, die Welt nach wissenschaftlichen Kriterien zu erfassen. Religiöse Erklärungsmuster passen schlecht ins Puzzle, weil sie nicht überprüfbar sind.

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Evolutionstheorie hat heute mehr Gegner als zu Darwins Zeit

Die Evolutionstheorie hat mehr Gegner denn je. Bild: akg

Die Gegner der Evolutionstheorie sind lauter denn je – und zahlreicher. Sie scheuen auch vor Drohungen gegenüber Wissenschaftlern nicht zurück.

Von Harald Ries | WESTFALENPOST

Zwei Kommentare zu einem Interview, das Angela Schwarz, Geschichts-Professorin an der Uni Siegen, als Herausgeberin von „Streitfall Evolution“ gegeben hat, einer allgemein verständlichen, großzügig bebilderten und enorm facettenreichen Kulturgeschichte zum Wesen und Wirken von Darwins folgenreicher Theorie.

Eine Minderheit meldet sich lautstark zu Wort. Zunehmend lauter. „Heute gibt es mehr christlich-fundamentalistische Gegner, seit etwa hundert Jahren Kreationisten genannt, als im Jahr 1859, als Charles Darwin ‘Die Entstehung der Arten’ veröffentlichte“, sagt Angela Schwarz. Christen, die die Bibel wörtlich nähmen, an einen einmaligen Schöpfungsakt glaubten, in dem alle Pflanzen und Tiere so geschaffen wurden, wie wir sie heute vorfinden, hätten sich von den USA aus ausgebreitet: „Auch im Siegerland gibt es Sympathisanten, die fordern, ihre Lehre vom Kreationismus oder intelligenten Design müsse gleichberechtigt in den Schulen behandelt werden.“

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Glaube versus Evolution: Das Kreuz mit Darwin

©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at

Rund 160 Jahre nach der Veröffentlichung von Charles Darwins „Die Entstehung der Arten“ sorgt seine Evolutionstheorie immer noch für Schlagzeilen. Unter den schärfsten Kritikern sind Religionsvertreter, auch wenn sich viele mit Darwin arrangiert haben.

Von Clara Akinyosoye |religion.ORF.at

Die Evolutionstheorie sei „veraltet und verfault“ – mit diesem Sager ließ der Sprecher der türkischen AKP-Regierung, Numan Kurtulmus, Anfang des Jahres aufhorchen. Er hatte damals schon angekündigt, was seit Kurzem feststeht: Darwin wird aus dem türkischen Lehrplan gedrängt. Die islamisch-konservative Regierung stellte den neuen Lehrplan kürzlich vor. Internationale Kritik war die Folge.

IGGÖ-Chef „persönlich gegen Theorie“

Wellen schlug die Causa auch in Österreich, weil Ibrahim Olgun, Chef der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), widersprüchliche Aussagen dazu machte. Zuerst sprach er sich gegen die Pläne der türkischen Regierung aus, später ruderte er in einer Stellungnahme gegenüber einem türkischsprachigen Onlinemagazin zurück.

Darauf angesprochen erklärte die IGGÖ, Olgun sei für die Behandlung der Lehre in den Schulen, aber persönlich gegen die Evolutionstheorie. Ihm wird vorgeworfen, auf Zuruf der AKP zurückgerudert zu sein. Die Glaubensgemeinschaft sagte, Olgun habe sich beim ersten Mal nur missverständlich ausgedrückt.

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„Gottgelenkte Evolution“

Pockenvirus – ein Ergebnis gelenkter, absichtsvoll vorausgeplanter Evolution?

Ein gescheiterter Versuch der Konsensfindung. Das Konzept einer „gottgelenkten Evolution“ wird als Kompromiss zwischen Kreationismus und der wissenschaftlichen Evolutionsbiologie angeboten.

Von Jori Wehner | Richard-Dawkins-Foundation

Mit einem wissenschaftlich begründeten Verständnis evolutionärer Prozesse ist dieses Konzept nicht vereinbar, denn alle Beobachtungen deuten auf ungelenkte Evolution hin. Zudem werfen Versuche einer Vereinigung beider Konzepte unlösbare theologische Probleme auf.

Es besteht ein unüberbrückbarer Konflikt zwischen „ungelenkter Evolution“ (die plausible Schlussfolgerung evolutionsbiologischer Forschung) und „gelenkter Evolution“ (die Behauptung christlicher und islamischer Theologie).

  1. Die Theologie postuliert an den Anfang der evolutionären Entwicklung einen intelligenten Schöpfer, der irgendwann damit begonnen haben soll, einen zuvor festgelegten Plan abzuarbeiten. Evolutionäre Prozesse laufen jedoch allem Anschein nach ungerichtet und ohne vordefiniertes Ziel ab. Genetische Mutationen folgen einer statistischen Zufälligkeit – keinem vordefinierten Ziel. Die meisten Mutationen sind phänotypisch neutral oder schädigen ihren Träger. Nur in extrem seltenen Fällen tritt eine fitness-steigernde Mutation auf, die ihrem Träger einen reproduktiven Vorteil verschafft und damit in der Population fixiert wird.  Der evolutionäre Prozess produziert also praktisch immer nur Ausschuss (was leicht übersehen werden kann, da unsere eigene Umwelt nur noch die seltenen Erfolgs-Ausnahmen enthält). Selbst die wenigen Individuen, die sich gegen ihre Konkurrenten innerhalb und außerhalb der eigenen Art behaupten können, sind immer nur zeitweilig erfolgreich. Mehr als 99% aller biologischen Spezies der Erdgeschichte sind ausgestorben. Das spricht gegen eine planvolle Steuerung evolutionärer Prozesse und ist ein deutlicher Beleg für ungeplante, ungerichtete, letztlich ziellose Entwicklung.

Evolutionsexperimente zeigen, dass die Evolution mit jedem Neustart desselben genetischen Ausgangsmaterials immer neue, überraschende, unvorhersehbare Verläufe nimmt.[1] Dabei zeigt sich Divergenz in neue, bisher unbeschrittene Wege durch den Raum der möglichen Permutationen.[2] Die statistische Wahrscheinlichkeit für Redundanz (für eine Wiederholung derselben Mutationssequenzen in nachfolgenden Generationen) geht gegen Null. Selbst konvergente Einwicklungen in der Evolution entstehen offenbar nicht planvoll, sondern durch den formenden Einfluss der Umweltbedingungen.

  1. Das Genom etlicher Spezies enthält funktionelle Verluste gegenüber früheren Evolutionsstufen. Im Genom der Primaten (einschließlich des Menschen) findet sich z.B. auf dem achten Chromosom ein defektes Gen für einen Stoffwechselweg zur Herstellung von körpereigenem Vitamin C. Menschen und andere Trockennasenaffen können kein eigenes Vitamin C mehr produzieren, wozu ihre evolutionären Vorfahren (und fast alle anderen höheren Tiere in unserer Umwelt) problemlos in der Lage sind.[3] Diese Pseudogene sind beeindruckende Zeugnisse der gemeinsamen Abstammung heutiger Arten – jedoch funktionell sinnlos. Es erscheint extrem unplausibel, dass ein intelligenter Schöpfer die Evolution nützlicher Gene veranlasst haben soll, um sie dann in einzelnen Spezies durch Punktmutation zum Schaden ihrer Träger wieder zu zerstören. Der Nachweis von defekten Pseudogenen bestätigt jedoch hervorragend die Annahme einer ungelenkten, ziellosen Evolution basierend auf zufälligen Mutationen.

Nicht nur auf makroskopischer Ebene sind die Spuren ungerichteter Evolution anhand von Rudimenten und Atavismen erkennbar. Die Erbinformation aller Spezies ist übersät mit den Artefakten zufälliger, meist schädlicher Kopierfehler, die sich im Verlauf von vier Milliarden Jahre währender, wiederholender DNA-Abschriften eingeschlichen haben. In der DNA aller Spezies finden sich tausende retrovirale Insertionen, Transposone, chromosomale Fusionen, sinnlose Einfügungen und Umstellungen, die vor Millionen Jahren bei einzelnen Individuen aufgetreten sind und sich seitdem durch ihre (in verschiedene Spezies aufgespaltete) Nachkommenschaft vererben. Auch wenn wir in unserem Genom nur noch solche Artefakte finden, die mit dem Leben und der Reproduktion ihrer Träger vereinbar gewesen sind, lässt ein Blick in das breite Spektrum der Erbkrankheiten erahnen, wieviele Milliarden Träger solcher zufälligen genetischen Modifikationen als evolutionärer Ausschuss ausselektiert wurden. Das bestätigt die Annahme einer ungerichteten, ungeplanten Evolution. Wer hier an der These eines vorausschauenden Planers der Evolution festhalten will, muss sich einreden, der intelligente Planer habe absichtlich eine Evolution entworfen, die exakt so aussieht, als folge sie absichtslosem Zufall.

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Weiterentwicklung der Evolutionstheorie?

Eva Jablonka, Marion J. Lamb
Evolution in vier Dimensionen
Aus dem Englischen von Martin Battran und Sabine Grauer

Bei Debatten rund um die Evolutionstheorie kommt das Gespräch heute rasch auf den Kreationismus, also die Auffassung, alle Lebewesen seien durch das Eingreifen eines schöpferischen Gottes in natürliche Vorgänge entstanden.

Von Maren Emmerich | Spektrum.de

Die Verfechter dieser Pseudowissenschaft artikulieren sich in den Vereinigten Staaten dermaßen lautstark, dass sie einen durchaus erheblichen Einfluss auf das Bildungswesen nehmen konnten. In Europa ist der Kreationismus eine Randerscheinung, findet aber Zulauf. Dazu mag beitragen, dass die Synthetische Evolutionstheorie, welche die klassischen Arbeiten von Alfred Russel Wallace und Charles Darwin mit der Genetik und anderen neueren Fachdisziplinen verknüpft, noch etliche Fragen offen lässt, obwohl sie wissenschaftlicher Konsens ist. Evolutionsbiologen arbeiten deshalb daran, die Theorie zu erweitern und die Wissenslücken zu schließen.

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Auch Mohammed war ein Nacktaffe

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB
Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Die Evolutionstheorie von Charles Darwin könnte in der Türkei aus den gymnasialen Lehrplänen gestrichen werden, kündigt Bildungsminister Ismet Yilmaz von der AKP an. Ein Plan, der Kritiker der islamisch-konservativen Regierung von Recep Tayyip Erdoğan mit Sorge erfüllt.

Von Bernhard Ichner | kurier.at

Sieht es doch so aus, als ob die türkische Mehrheitspartei sukzessive die religiösen Inhalte in den Bildungseinrichtungen stärkt – etwa indem sie den Kreationismus unterstützt. Dessen Anhänger (wie es sie unter Muslimen ebenso gibt, wie unter Christen) lehnen die Evolutionstheorie ab und vertreten die Ansicht, dass alles Leben von Gott erschaffen wurde. Aber was glauben die Türken in Österreich? Und wie gehen Islamlehrer oder Imame bei uns mit dem Thema um? Der KURIER fragte nach.

Die Antworten sind vielfältig. „Ich glaube nicht an die Evolution. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mensch und Affe einen gemeinsamen Ursprung haben“, sagt etwa Limousinenfahrer Harun Göksu. Der 33-Jährige entstammt einer religiösen Familie und besuchte ein theologisches Gymnasium in der Türkei.

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Charles Darwin fliegt aus türkischen Lehrplänen

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB
Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Säkularismus, Wiedergeburt und Atheismus sollen in Religionsbüchern als „Krankheiten“ eingestuft werden. Mustafa Kemal Atatürk immer mehr aus den Unterrichtsinhalten verschwinden.

Die Presse.com

Säkularismus, Wiedergeburt und Atheismus sollen in Religionsbüchern als „problematische Überzeugungen“ und als „Krankheiten“ eingestuft werden. Die Evolutionstheorie von Charles Darwin muss aus den gymnasialen Lehrplänen gestrichen werden. Der Gründer der laizistischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk, soll immer mehr aus den Unterrichtsinhalten verschwinden. Diese Neuerungen in den türkischen Lehrplänen kündigte nun Bildungsminister Ismet Yilmaz an. Zwar handelt es sich noch um Vorschläge, doch geht es nach dem Willen des Bildungsministeriums, soll das Maßnahmenpaket bereits ab Februar in Kraft treten.

Damit würde dann umgesetzt werden, was Säkularisten in der Türkei schon seit langer Zeit fürchten: Die islamisch-konservative AKP-Regierung stärkt Schritt für Schritt die religiösen Inhalte in Bildungsanstalten, indem sie etwa die Theorie des Kreationismus unterstützt. Der Kreationismus lehnt die Evolutionstheorie ab und geht davon aus, dass alle Arten von Gott geschaffen wurden. „Die Beseitigung der Evolutionstheorie aus den türkischen Schulen scheint die jüngste Runde im Jahrhunderte alten Kulturkrieg zu sein“, kommentierte der regierungskritische Journalist Mustafa Akyol den jüngsten Vorstoß im Internetmagazin „Al-Monitor“.

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Religiöses Dilettieren über Evolution – Schwachsinn

©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at

Wenn es um die Frage geht, wie die Erde und das Leben auf ihr begann, wirken die Fronten verhärtet: Auf der einen Seite findet man mitunter gläubige Menschen, welche den Schöpfungsbericht der Bibel geradezu fanatisch wörtlich nehmen, auf der anderen Seite Wissenschaftler wie zum Beispiel Richard Dawkins, die Einsichten Darwins zur Evolution und ihr eigenes Wort vom „Gotteswahn“ absolut setzen. Keine guten Voraussetzungen für einen fruchtbaren rationalen Dialog.

Die Tagespost

Faszinierend ist deshalb das Gedanken-Projekt, das der renommierte Philosoph, Wissenschaftler und Priester Martin Rhonheimer mit seinem aktuellen Buch „Homo sapiens: die Krone der Schöpfung“, erschienen in der von Christoph Böhr herausgegebenen Reihe „Das Bild vom Menschen und die Ordnung der Gesellschaft“, unternimmt. Nennt der 1950 in Zürich geborene Universalgelehrte doch gute philosophische Argumente dafür, das eine mit dem anderen zu verbinden: den Glauben an Gott und die Evolution, sowie den Glauben an den Menschen, der in diesem Prozess als „Höhepunkt und Ziel der Evolution“ auftritt. Rhonheimers Position: „Das eigentlich Neue, das die biologische Evolution selbst niemals hervorzubringen imstande war, ist das Leben des Geistes. Es ist irreduzibel, nicht zurückführbar auf biologische Prozesse.“ Das geistige Leben „entzieht sich dem Horizont jeglicher Naturwissenschaft, da es nicht der Natur entstammt, sondern ,von außen‘ – ab extrinseco – kommt, wohl aber das Stück Natur, welches der Mensch ist, zu etwas ganz Neuem, Einzigartigem formt: zur Krone der Schöpfung, zum geistbeseelten Lebewesen, …“. Eine rein materialistische Kategorisierung des Menschen, daran lässt Rhonheimer keinen Zweifel, sei dieser objektiven Wahrheit nicht angemessen.

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