UN: Zahl der Menschen auf der Flucht erreicht neuen Höchststand

Die Zahl der Menschen auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und Verfolgung hat laut den UN einen neuen Höchststand erreicht. Ende 2016 hätten 65,6 Millionen Männer, Frauen und Kinder ihre Heimat verloren, teilte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Montag in Genf mit.

evangelisch.de

Gegenüber Ende 2015 habe sich die Zahl der Geflohenen weltweit um 300.000 Menschen erhöht. Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, betonte, die globale Flüchtlings- und Vertriebenenkrise habe eine Dimension angenommen, die unter keinen Umständen zu akzeptieren sei. Grandi forderte Solidarität mit den Opfern der Vertreibung. Die Weltgemeinschaft müsse sich stärker für die Vermeidung möglicher Kriege und die Lösung bestehender Konflikte einsetzen.

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Dodo Gloria: Islam ist eine friedliche Religion

Gloria von Thurn und Taxis

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis hat in einem Gastbeitrag für die Welt am Sonntag klar gemacht, was sie vom Islam hält: „Der Islam ist eine friedliche Religion“, schrieb die Adelige, die für ihren konservativen Katholizismus bekannt ist.

Von Christian Eckl | wochenblatt

Ausgerechnet die als konservativ geltende Fürstin Gloria von Thurn und Taxis stellt sich gegen zunehmende Ablehnung des Islam, weil dieser angeblich für Terror und Krieg verantwortlich sei. In einem Gastbeitrag für die Welt am Sonntag betonte die Adelige: „Wir wissen doch eigentlich alle, dass Religion gern vorgeschoben wird, um Gewalt und Krieg zu rechtfertigen. Dabei geht es in diesen Fällen doch immer nur um Geld und Macht“, so die Adelige. „Besser gesagt: Wenn wir uns die Kriege der Vergangenheit oder insbesondere die aktuellen Konflikte im Nahen Osten genauer ansehen, dann wird deutlich, dass es um Rohstoffe und die Hoheit über dieselben geht. Das hat mit Religion nichts zu tun.“

Anlass des Beitrags ist das Pfingsfest, das Christen am Pfingstsonntag und Pfingstmontag begehen und das an den Heiligen Geist erinnern soll, der auf die Apostel herab gekommen sein soll. Damit feiert die Kirche auch ihre Begründung. „Bei uns zu Hause wird Pfingsten nicht so groß begangen wie Ostern oder gar Weihnachten. Deshalb gehe ich zur Lichterprozession am Wallfahrtsort Maria Vesperbild, zu Ehren von Maria, Mutter von Jesus und Braut des Heiligen Geistes“, schreibt die Fürstin.

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„Mit Militär besiegt man keine Ideologie“

Blick auf das eingestürzte Minarett (2013)der Großen Umayyaden-Moschee in Aleppo. Bild wikimedia.org/CC-BY-3.0/Gabriele Fangi, Wissam Wahbeh
Seit 2011 tobt in Syrien ein brutaler, blutiger Bürgerkrieg, der auf allen Seiten hohe Opfer gefordert hat: Den Vereinten Nationen zufolge starben mindestens 400.000 Menschen. Fünf Millionen flüchteten außer Landes, sechs Millionen wurden zu Flüchtlingen im eigenen Land. Die Hälfte der Bevölkerung lebt heute nicht mehr dort, wo sie noch zu Beginn des Konflikts gelebt hat. Nichts ist mehr, wie es mal war in Syrien – und ob es jemals wieder so werden wird, ist mehr als fraglich.

Von Lena Ohm | evangelisch.de

Hoch oben in der Kuppel des Berliner Doms thront eine lichtdurchflutete Friedenstaube. Sie soll den Gläubigen symbolisieren, dass der Heilige Geist mit ihnen ist. Fast alle Plätze des Doms sind besetzt, einige neugierige Zuhörer warten vor den Eingängen, um der Diskussion zu lauschen, die unter den wachsamen Augen der Friedenstaube stattfinden soll. „Der Zerfall des Nahen Ostens – Wo sind Ansätze der Stabilisierung“, lautet der Titel der Veranstaltung – eine Frage, die in Berlin wenige Kilometer weiter entfernt garantiert auch schon hunderte Male diskutiert worden ist und auf die bisher zumindest noch keine praktikable Antwort gefunden wurde. Einen Antwortversuch unternehmen im Berliner Dom drei hochangesehene Männer: Da ist zum einen Staffan de Mistura, der Sondergesandte der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga für Syrien, dann der syrische Journalist, Anwalt und Menschenrechtsaktivist Mazen Darwish und der Direktor Stiftung Wissenschaft und Politik, Volker Perthes.

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Islam-Experte Khorchide kritisiert gewalttätiges Gottesbild

Theologe bei Berliner Kirchentag zu Manchester-Attentat: „Kann es sein, dass wir an einen gewalttätigen Gott glauben?“

kathpress

Die Religionen allein können nach Einschätzung des islamischen Theologen Mouhanad Khorchide die Probleme von Krieg und Gewalt nicht lösen. Die eigentlichen Gründe für solche Konflikte lägen in wirtschaftlichen Interessen, sagte der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster am Donnerstag beim Kirchentag in Berlin. Gleichwohl müssten sich die Religionen kritisch mit ihrem Gottesbild auseinandersetzen. „Kann es sein, dass wir an einen gewalttätigen Gott glauben?“, fragte Khorchide unter Hinweis auf das jüngste Bombenattentat in Manchester. Im „Mainstream der islamischen Theologie“ fänden sich immer noch Ansätze, mit denen solche Gewalttaten legitimiert werden könnten.

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Ein Philosoph lässt den Grenzbalken runter

Julian Nida-Rümelin – (c) imago/Christian Grube
Wie mit Menschen umgehen, die vor Krieg und Armut fliehen? Mit seiner „Ethik der Migration“ will Julian Nida-Rümelin den moralischen Kompass neu justieren. Was in der Theorie überzeugt, legt im Konkreten nur das Dilemma bloß.

Von Karl Gaulhofer | Die Presse.com

Man stelle sich vor: Sie kommen in der Früh in die Küche, um zu frühstücken – aber dort sitzt schon jemand. Ein netter Obdachloser hat sich Zutritt verschafft und bittet um Ihre Zustimmung, die Wohnung fortan mit ihm zu teilen. Gewiss: Sie haben ein juristisches Recht, ihn rauszuwerfen. Aber ist es auch moralisch begründet? Ja, sagen wohl die meisten. Was aber, wenn der arme Kerl in einer eisigen Winternacht an die Tür klopft und zu erfrieren droht? Dann, sagen die meisten, habe ich die moralische Pflicht, ihm zu helfen.

Es sind solch einfachen Analogien aus dem Alltag, mit denen Julian Nida-Rümelin den ethischen Unterschied zwischen Armutsmigration und Flucht vor Bürgerkrieg greifbar macht. Dabei verzichtet der deutsche Philosoph ganz bewusst auf eine Letztbegründung. Es genüge, so sein Credo, wenn wir kohärent bleiben: Eine „Ethik der Migration“, so der Untertitel seines neuen Buches, „Über Grenzen denken“, muss damit zusammenpassen, was wir auch sonst für gut und böse halten. Mit diesem Rüstzeug kritisiert der frühere deutsche Kulturminister Utilitaristen wie Peter Singer. Sie fordern offene Grenzen, solange wir damit die Glückssumme der Menschheit vermehren.

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Türkei: Wasser als Waffe

Hasankeyf. Foto: Elke Dangeleit
Mit ihren Staudämmen kann die Türkei Syrien und dem Irak das Wasser abdrehen

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Die tagespolitische Berichterstattung über das Referendum und die damit verbundene Gefahr einer Diktatur in der Türkei, sowie die nicht enden wollenden Enthüllungen über Spitzeleien des türkischen Geheimdienstes in Europa lenken die Medien davon ab, was im Südosten der Türkei passiert.

Jenseits der alltäglichen Repressionen gegen die kurdische Bevölkerung zerstören Großprojekte eine einzigartige Natur und eine uralte Kultur. Unbeachtet von der Weltöffentlichkeit werden immer mehr Kulturgüter, die nicht islamisch sind – ganz in IS-Manier – von der türkischen Regierung zerstört.

Neben den Zerstörungen in den kurdischen Städten im Südosten hält die Türkei am umstrittenen Ilisu-Staudammprojekt fest. Dort wird nicht nur eine antike Stadt unter den Wassermassen begraben, sondern dieser riesige Staudamm dient unter anderem auch dazu, mit Wasser Krieg gegen die Kurden in der Türkei und in Syrien zu führen. Mit ihren Staudämmen kann die Türkei Syrien und dem Irak das Wasser abdrehen. Gegen die Kurden und Christen in Nordsyrien wurde diese Waffe bereits eingesetzt.

Die historischen Hevsel-Gärten in der türkischen südöstlichen Provinzhauptstadt Diyarbakir (kurd.: Amed) sind 7000 Jahre alt. Sie liegen am Hang zwischen der Stadtmauer und dem Euphrat-Ufer und wurden 2015 von der UNESCO zusammen mit der Stadtmauer von Diyarbakir zum Weltkulturerbe ernannt.

Der Leiter der Architektenkammer von Diyarbakir berichtete im März, dass das türkische Ministerium für Umwelt und Urbanisierung eine Moschee, Cafés, Restaurants und Parkplätze an den Seiten des Kirklar Berges, also direkt neben den Hevsel-Gärten bauen will. Er befürchtet, dass die Bebauung langfristig dazu führen soll, die Hevsel-Gärten zu zerstören, denn in der Zeit der Zerstörung des historischen Bezirks Diyarbakir-Sur, auch UNESCO-Weltkulturerbe, wurden die Gärten bereits beschädigt.

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Fake News haben eine lange Tradition

In Stein gemeißelte Fake News: Darstellung von Ramses II. bei der angeblich siegreichen Schlacht von Kadesch © historisch
Lange Tradition: Fake News sind keine Erfindung der Neuzeit – im Gegenteil. Schon vor mehr als 4.000 Jahren wurde in großem Stil gelogen. In Krieg und Politik bog man sich schon damals die Fakten so zurecht, dass sie die eigene Position stärkten. Auch im Mittelalter und selbst im Zeitalter der Aufklärung waren Fake News ein gängiges Manipulations-Instrument der Mächtigen.

scinexx

Fake News und „alternative Fakten“ scheinen im Trend: Sie kursieren in den Filterblasen von Facebook und Co, agieren als Meinungsmacher auf Twitter und grassieren in der Politik. Doch gezielte Falschaussagen sind nichts Neues – auch früher schon wurde sie gezielt instrumentiert.

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Noch gibt es Hoffnung für Kants „ewigen Frieden“

Illustration: Stefan Dimitrov
Illustration: Stefan Dimitrov
  • Erst war da der Traum vom ewigen Frieden der Völker. Dann kamen der Krieg im Irak, ein ohnmächtiges Weltstrafgericht und sich auflösende Bündnisse.
  • Trump bestätigt diesen Trend, er ist geradezu ein Anti-Kant: Deals, Diktatoren, Folter und das Prinzip der Ungleichheit sind en Vogue.
  • Optimistisch für Kants Bild vom ewigen Frieden machen die US-Justiz, ein reformiertes Afrika und eine vereinigte EU.

Von Stefan Ulrich | Süddeutsche.de

In seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ schrieb Immanuel Kant: „Das Recht der Menschen muss heilig gehalten werden, der herrschenden Gewalt mag es auch noch so große Aufopferung kosten.“ Der Philosoph aus Königsberg wäre wohl zufrieden gewesen mit der Entwicklung in den Jahren nach der Zeitenwende 1989/1990. Die Beziehungen unter den Staaten verdichteten sich immer mehr zu einer internationalen Ordnung, die, gestützt auf das Völkerrecht, den Krieg und die Tyrannei ächtete und die Menschenrechte schützte.

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Jesus‘ Schmuddelkinder

 

„Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.“
Albert Schweitzer

Die christlichen Amtskirchen in deutschen Landen bemühen sich Distanz zum neo-nazistischen, christlichen Schmuddelkind AfD(Alternative für Deutschland) zu schaffen. Sie bestimmen wer Christ ist. Genau das steht ihnen nicht zu. Taufe, Konfirmation/Kommunion, kirchliche Trauung und Beerdigung sichern den Bestand des Fanklubs Jesus Christus. Ganz wichtig in dieser Hinsicht ist die personale Beziehung der Betroffenen zum untoten Jesus. Zwiegespräche mit ihm sichern diese Beziehung und sind wichtig für das Werden des Christen. Leicht erkennbar, Amtskirche kann einem Christen das Christsein nicht absprechen, das ist Sache Gottes. Katholik Adolf Hitler wurde nie exkommuniziert, das Jüngste Gericht soll über ihn entscheiden. Und so wird es mit all jenen passieren, deren sich die Kirchen heute so schämen, den Rassisten, Rechtspopulisten, Fremdenfeinden und radikalen Extremisten. Der christliche Alleinvertretungsanspruch der Kirchen lässt diese Leute wie die fette Krätze am Bein kleben.
Hoher christlicher Schöpfungsgrad sichert die Pfründe der Kirchen, die Allgemeinheit bezahlt. Auch für den Judenhass eines Martin Luthers. Selbiger ist der Kulminationspunkt christlicher Entwicklung, praktisch umgesetzt durch den Katholiken Adolf Hitler und seiner Verbrecherbande. Es wird ein Mann gefeiert, der in seiner Weltsicht viel extremer daher kommt als die Raubritter des „christlichen Abendlandes“ der AfD. Luther war Extremist. Sein Frauenbild barbarisch. Frauen haben die Pflicht zum Gebären.

„Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.“Martin Luther

Bei solchen Sprüchen, und es gibt weitaus schlimmere, fragt man sich, wie Feministinnen den Reformator hochleben lassen können.

Das Bemühen der Kirchen um Distanz zur Alternative für Deutschland ist bigott. Man feiert auf der einen Seite Luthers Reformation des Glaubens, versucht Positives zu okkupieren und vermeint das Negative auf den Müll der Geschichte entsorgen zu können. Scheibenweise Vereinnahmung eines Mannes der heute im Knast sitzen würde.

„Darum ehrt auch Gott das Schwert mit so hohen Worten, dass er es seine eigene Ordnung nennt (Römer 13, 1) und nicht will, dass man sage oder denke, die Menschen hatten es erfunden und eingesetzt. Denn die Hand, die das Schwert führt und tötet, ist dann auch nicht mehr eines Menschen Hand, sondern Gottes Hand, und nicht der Mensch, sondern Gott henkt, rädert, enthauptet, tötet und führt den Krieg. Das alles sind seine Werke und sein Gericht.“ Martin Luther: Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können, 1526

Und so segnete er den Krieg.

Immer mehr Türken beantragen Asyl in Deutschland

Bild: Magazin "The Economist"
Bild: Magazin „The Economist“
Die Zahl der türkischen Staatsbürger, die hierzulande Schutz suchen, ist nach dem Putsch in der Türkei stark gestiegen. Fast 80 Prozent der Antragsteller sind Kurden.

DIE WELT

Seit dem Putschversuch in der Türkei werden in Deutschland deutlich mehr Asylanträge türkischer Staatsbürger verzeichnet. Insgesamt seien von Januar bis November dieses Jahres 5166 Asylanträge von Türken eingegangen, zitiert die Funke Mediengruppe aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Parlamentsanfrage. Im November habe es allein 702 entsprechende Anträge gegeben – im Januar diesen Jahres waren es dagegen nur 119 gewesen.

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Kriege in der arabischen Welt: Der Durst nach Rache

© dpa Kampf bis zum Letzten: Ein syrischer Regierungssoldat an einer Straße bei Aleppo.
© dpa Kampf bis zum Letzten: Ein syrischer Regierungssoldat an einer Straße bei Aleppo.
Wer glaubt, im Nahen Osten könne es nicht noch schlimmer werden als mit dem Krieg in Syrien, muss Marc Lynch lesen. Der Autor bezweifelt, dass der globale „Dschihad“ noch zu besiegen ist.

Von Rainer Hermann | Frankfurter Allgemeine

Von den vielen kurzatmigen Büchern über die epochalen Umwälzungen in der arabischen Welt hebt sich die jüngste Monographie des amerikanischen Nahost-Fachmanns Marc Lynch wohltuend ab. Zwar hatte Lynch Anfang 2011 das Wort vom „Arabischen Frühling“ erfunden – und damit die meisten Zeitgenossen auf eine falsche Fährte gesetzt. Denn das Wort suggeriert einen raschen und reibungslosen Übergang in eine gute Welt. Eingetreten ist das Gegenteil. Nun heißt der Untertitel der neuesten Studie von Lynch treffend: „Wie aus Aufständen Anarchie wurde.“

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Francis Fukuyama: „Es gibt Grenzen, was Neuankömmlinge anbetrifft“

Foto: Lynn Bo Bo-picture alliance / dpa Francis Fukuyama gehört zu den bekanntesten Historikern und Politologen unserer Zeit. Berühmt wurde er mit seiner These vom „Ende der Geschichte“. Kurz nach dem Fall der Mauer in Berlin prophezeite Fukuyama, die liberale Demokratie werde bald für eine dauerhaft sichere politische Zukunft der Menschheit sorgen
Islam und Demokratie? Überhaupt kein Problem, sagt der US-Politologe Francis Fukuyama. Die größte Gefahr für Europa sieht er woanders. Besonders deutlich rechnet er mit Angela Merkel ab.

Von Antonello Guerrera | DIE WELT

Frage: Professor Fukuyama, sie vertreten die These, dass man gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) keinen Krieg führen dürfe. Aber wäre das nicht eine plausible Lösung, angesichts der immer häufigeren Attacken?

Francis Fukuyama: Nein. Die wahre Bedrohung wäre eine Überreaktion unsererseits. Das ist doch genau das, was der Terrorismus erreichen will, vor allem der Islamische Staat. Wir dürfen den fürchterlichen Fehler des Irakkriegs von 2003 nicht wiederholen. Die Bürger wollen eine schnelle Lösung für dieses Problem. Doch ganz ehrlich: So eine Lösung gibt es nicht.

Kleine, aber heftige Attentate von labilen Individuen, wie bei den letzten, die wir erlebt haben, und wie sie auch in den USA immer wieder passieren, sind nicht vorhersehbar. Alle zu beschützen ist vollkommen unmöglich.

Gleichzeitig jedoch dürfen wir die Rechte und die Freiheit eines Teils unserer Gesellschaft nicht einschränken, wie es die fremdenfeindlichen und rassistischen Bewegungen fordern. Damit würden wir die Grundpfeiler unserer Demokratie untergraben.

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Barcelona zählt ertrunkene Flüchtlinge auf Anzeigentafel

3034 Menschen sind seit Beginn dieses Jahres im Mittelmeer ertrunken. Die Zahl ist deutlich höher als im ersten Halbjahr 2015. (Foto: AFP)
3034 Menschen sind seit Beginn dieses Jahres im Mittelmeer ertrunken. Die Bürgermeisterin der Stadt spricht deshalb von einer „Anzeige der Schande“.

Süddeutsche.de

3034 – das ist die Zahl von Menschen, die seit Beginn dieses Jahres im Mittelmeer ertrunken ist. Eine Zahl, die Europa beschämen sollte und die doch untergeht zwischen all den anderen Schreckensmeldungen von Krieg und Terror. Eben das will die spanische Küstenstadt Barcelona nun ändern – und hat deshalb eine digitale Anzeigetafel in Betrieb genommen, die die Ertrunkenen zählt.

Die Tafel sei eine „Anzeige der Schande“, sagte Bürgermeisterin Ada Colau bei der Einweihung. Die 3034 Toten, die die Tafel derzeit anzeigt, hatte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Dienstag für die ersten sieben Monate dieses Jahres bekanntgegeben. Darunter steht auf Spanisch: „Das ist nicht bloß eine Zahl, das sind Menschen.“

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Vereinte Nationen: Niemals gab es mehr Flüchtlinge

Sie flohen vor Krieg, Gewalt und Unterdrückung: Nie zuvor waren so viele Menschen auf der Flucht. Besonders viele kommen aus Syrien, Afghanistan und Somalia.

evangelisch.de

Die Zahl der Menschen auf der Flucht hat laut den Vereinten Nationen einen Höchststand erreicht. Mehr als 65 Millionen Frauen, Männer und Kinder waren Ende 2015 vor Krieg, Gewalt und Unterdrückung geflohen, wie das Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Genf anlässlich des Weltflüchtlingstages am Montag mitteilte.

UN-Hochkommissar: Fluchtursachen bekämpfen

Im Vergleich zu Ende 2014 sei die Zahl der Menschen auf der Flucht um fast sechs Millionen gestiegen. Das UNHCR erklärte den Anstieg mit den vielen anhaltenden Konflikten wie in Syrien und Afghanistan. Die Vereinten Nationen begehen den 20. Juni alljährlich als Gedenktag für Flüchtlinge weltweit.

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Flucht vor der Religion

© Charlotte Sophie Meyn Nach ihrer Flucht aus Saudi-Arabien mit neuem Namen: Rana Ahmad Hamd in einer Gaststätte in Köln
Rana Ahmad Hamd ist nach Deutschland geflohen – nicht vor Krieg oder aus Armut, sondern weil sie nicht mehr an Gott glaubt. Darauf steht in Saudi-Arabien die Todesstrafe.

Von Charlotte Sophie Meyn | Frankfurter Allgemeine

Der Tag, an dem sich Rana Ahmad Hamds Leben für immer verändern wird, beginnt wie Hunderte von Tagen zuvor. Früh am Morgen fährt ihr Vater sie durch die Straßen der saudischen Hauptstadt Riad, zu ihrem Arbeitsplatz. Sie steigt aus, aber als sie das Auto aus den Augen verloren hat, tritt sie keinen neuen Tag im Sekretariat der Schule an. Stattdessen ruft sie sich über eine App auf ihrem Smartphone ein Taxi und lässt sich zum Flughafen fahren.

Ein paar Stunden später, gegen zwei Uhr nachmittags, tritt Hamd aus dem Gebäude des Flughafens Istanbul-Atatürk. Sie hat nichts dabei außer ihrem Laptop, ihren Papieren und zweihundert amerikanischen Dollar. Und dann macht sie etwas, wovon sie schon lange geträumt hat: Sie nimmt ihr Kopftuch ab, und ihre Abaya, den bodenlangen schwarzen Mantel, den Frauen in Saudi-Arabien tragen müssen.

„Zehn, fünfzehn Minuten stand ich einfach nur da und sah mich um. Ich sah zur Sonne, ich beobachtete die Autos, die vorbeifuhren, die Menschen um mich herum. Ich fragte mich, ob es ein Traum sei, ob mich jemand aufwecken würde, oder ob ich es wirklich geschafft hatte“, erzählt Hamd. Sie sitzt im Hof eines Restaurants, unweit des Flüchtlingsheims in Köln-Porz, wo sie inzwischen wohnt. Ihre Geschichte sprudelt aus ihr heraus in einem Englisch, aus dem man den arabischen Einschlag deutlich heraus hört, mit einem gerollten R und einem P, das eher wie ein B klingt.

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Papst bittet Flüchtlinge für Europa um Entschuldigung

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Franziskus in Videobotschaft an Flüchtlinge: „Ihr werdet als eine Last, ein Problem, ein Kostenfaktor behandelt und seid in Wirklichkeit ein Geschenk“

kath.net

Papst Franziskus sich bei Flüchtlingen für die abweisende Haltung Europas entschuldigt. „Viel zu oft haben wir euch nicht aufgenommen. Vergebt die Abschottung und die Gleichgültigkeit“, sagte er am Dienstag in einer Videobotschaft an das Zentrum des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes in Rom. Wer immer aufgrund von Verfolgung, Krieg, Umweltschäden oder ungerechter Verteilung von Ressourcen aus seiner Heimat fliehe, sei „ein Bruder, mit dem man das Brot, das Haus, das Leben teilt“.
Die Gesellschaften der Aufnahmeländer fürchteten, wegen der Neuankömmlinge das eigene Leben und die Mentalität ändern zu müssen. „Ihr werdet als eine Last, ein Problem, ein Kostenfaktor behandelt und seid in Wirklichkeit ein Geschenk“, sagte Franziskus.

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„Effektiver Altruismus“: Nächstenliebe – möglichst kosteneffizient

„Effektiver Altruismus“ nennt sich die Gruppe junger Philosophen, die sich zutraut, die Welt zu verbessern. (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)
Die Welt verbessern? Viele glauben nicht mehr daran. Eine Gruppe junger Philosophen aber sagt: Na klar, man muss es einfach machen! Thomas Metzinger erklärt, wie das gelingen kann – und das so wirtschaftlich effizient wie möglich. Außerdem geht es um Philosophinnen der Neuzeit.

Moderation: Simone Rosa Miller | Deutschlandradio Kultur

Man schaltet das Radio an und hört jeden Tag von Desastern – Migrationskrise, Terrorismus, Krieg, Armut, Klimawandel.

Viele verlieren da den Mut, packen ihre Yogamatte aus, entdecken Malbücher für sich oder halten sich am Strohhalm ihres Brokkoli-Smoothies fest.

Anders ausgerechnet eine Gruppe von Philosophen. Die sagen: Die Welt verbessern? Na klar, man muss es einfach machen, und zwar nicht irgendwie: sondern so wirtschaftlich effizient wie möglich.

Diese junge philosophische Bewegung firmiert unter den Namen „Effektiver Altruismus“. In dieser Ausgabe von „Sein und Streit“ sprechen wir mit Thomas Metzinger, Professor für theoretische Philosophie an der Uni Mainz und Mitbegründer der Stiftung Effektiver Altruismus.

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Das christliche Armenien wird attackiert

islam_christentum

Aserbaidschans Diktator bricht einen Krieg gegen das christliche Armenien vom Zaun. Er formiert mit der Türkei einen islamischen Zangengriff gegen den kleinen Nachbarn. Erdogan jubelt

Von Wolfram Weimer | The European

Aserbaidschans Präsident Alijew ist ein Diktator in Nadelstreifen – eine Mischung aus anzugtragendem Ölscheich, korrupten Gangsterboss und schillerndem Partygastgeber. Die sprudelnden Ölquellen am Kaspischen Meer haben aus dem kleinen Land eine Art Dubai im Kaukasus werden lassen. Der eitle Herrscher lässt mit den Ölmilliarden (alleine aus Deutschland kommen jedes Jahr mehr als zwei Milliarden) spektakulär bauen, spektakulär feiern und spektakulär Geld beiseite schaffen. Ob Eurovision-Song-Contest oder Europaspiele oder Formel 1 – keine Bühne ist groß genug für den Mann, der mit seiner schillernden Frau und seinen drei Kindern den Ölstaat führt wie ein zwielichtiges Casino mit Schlägerkommandos und glitzernden Scheinwelten.

Pressefreiheit gibt es nicht

Jede Regimekritik mit mit harter Hand unterdrückt, Pressefreiheit gibt es nicht, dafür aber eine florierende Vetternwirtschaft, die die Ölmilliarden in Familienbande und Selbstdarstellung investiert. So wurde schon vor Jahren bekannt, dass der damals elfjährige Diktatoren-Sohn Besitzer von insgesamt neun Strandhäusern in Dubai mit einem Gesamtwert von 44 Millionen Dollar wurde. Seine Töchter besitzen weit verzweigte Konzerne bis hin zu Offshore-Firmen auf den britischen Jungferninseln. Der Staat vergibt Aufträge, und die Firmen der Familienbande bekommen sie. Das „Organized Crime and Corruption Reporting Project“ (OCCRP) hat Alijew 2012 zum „korruptesten Mann des Jahres“ erklärt. Westliche Diplomatendepeschen vergleichen Alijews Regierungsstil mit dem eines „Mafia Gangsterbosses“ oder einer „Clan-Dynastie“.

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In der Fremde wird die Religion wichtiger

Zwei Flüchtlinge in Brandenburg. (picture-alliance / dpa / Ralf Hirschberger)
Die Angst vieler Deutscher gegenüber muslimischen Flüchtlingen könnte dem Jesuitenpater Frido Pflüger zufolge an deren starker Religiosität liegen. Dieser stünden viele Deutsche hilflos gegenüber, weil sie ihre eigenen Werte aus den Augen verloren hätten.

Frido Pflüger im Gespräch mit Philipp Gessler|Deutschlandradio Kultur

Philipp Gessler: Man kann sich aus religiösen Gründen für die Natur einsetzen, für die Schöpfung, aber mehr Menschen engagieren sich aus den gleichen Gründen für ihre Mitmenschen. Zu ihnen gehört der Jesuitenpater Frido Pflüger. Er kümmert sich um Flüchtlinge hier in Berlin, und zwar für den renommierten Flüchtlingsdienst seines Ordens. Dieser Dienst war schon in der Flüchtlingshilfe tätig, als diese Hilfe noch nicht Teil einer neuen Willkommenskultur war.

Der EU-Türkei-Deal verschiebt das Problem nur

Mit Pater Pflüger habe ich über den neuen Deal der EU mit der Türkei zur Lösung der Flüchtlingskrise gesprochen – wenn es denn eine Krise ist. Morgen treten die neuen Zugangsbeschränkungen für die Flüchtlinge in Kraft. Meine erste Frage an ihn war, wie er diese Einigung mit dem europäisch-asiatischen Staat beurteilt.

Frido Pflüger: Ich sehe das sehr skeptisch, weil ich denke, wir verschieben damit die Verantwortung, die wir eigentlich als Europäische Union hätten, jetzt einfach auf die Türkei, dass die das für uns regelt. Und das sehe ich als große Schwäche, denn die EU selber regelt ja jetzt dadurch eigentlich nichts, sondern die Türkei hat es zu tun. Und das ist halt die große Frage, ob die Türkei fähig ist, das zu regeln. Was wir eigentlich wollen, nämlich einen geordneten Zuzug von Flüchtlingen und von Asyl suchenden Ausländern, in denen Krieg herrschte.

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Syriens Christen fühlen sich alleingelassen

Fünf Jahre Krieg haben den Syrern einen hohen Preis abverlangt. Von rund 2,5 Millionen Christen sind 500.000 bis 700.000 geflohen. Verzweiflung treibt viele dazu, alle Ersparnisse einzusetzen, um das Land zu verlassen.

Von Karin Leukefeld|kath.net

Die Nacht ist tiefschwarz um Jaramana. Die Stromausfälle in und um Damaskus haben zugenommen. An den vereinzelten Kontrollpunkten hantieren die Sicherheitskräfte mit Taschenlampen. Ab und zu lodert ein kleines Feuer, das nicht nur Licht, sondern auch etwas Wärme spendet.

Jaramana ist ein südlicher Vorort von Damaskus, in dem ursprünglich Christen, Drusen und Muslime in einer offenen, toleranten Gemeinschaft zusammenlebten. Hier liegt das Kloster Ibrahim al-Khalil, das zur griechisch-melkitischen Kirche gehört. Das abendliche Treffen mit einem Priester, der sich für die Freiheit christlicher Geiseln einsetzt, findet mangels Strom bei Kerzenschein in einem dunklen Raum statt – und unter der Bedingung, seinen Namen nicht zu nennen. Denn seine Mission ist gefährlich.
Am nächsten Morgen will er in den Nordosten Syriens reisen, um eine Gruppe von Frauen zu befreien, die seit Mai 2015 vom selbst ernannten «Islamischen Staat im Irak und in der Levante» (IS) in Rakka festgehalten würden. Es sei nicht der erste Einsatz dieser Art; einige Menschen habe er schon befreien können. Die Christen der Wüste zwischen Homs und der syrisch-irakischen Grenze seien dem IS schutzlos ausgeliefert und besonders gefährdet, berichtet er: «Wir müssen uns selbst helfen; niemand setzt sich für uns ein.»

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