Erdogan will die Türkei zu einer Weltmacht machen

Türkischer Panzer und von der Türkei unterstützten Milizen in Afrin. Bild: Qasioun News Agency, Screenshot aus YouTube-Video
In seinen Wahlversprechungen, die an Tausend und eine Nacht erinnern, kündigte er auch weitere militärische Operationen nach einem Wahlsieg an

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Am 24. Juni wird in der Türkei gewählt. Wie es bislang aussieht, werden Präsident Erdogan und die AKP daraus als Sieger hervorgehen (Erdogan wird gewinnen). Die Opposition ist zu schwach und uneinig, auch wenn mit Muharrem İnce von der CHP neue Hoffnungen entstanden sind. Um die Opposition zu einen, will Ince den HDP-Spitzenkandidaten Emirtas besuchen, der wegen angeblicher Verbreitung von Terrorpropaganda seit Ende November 2016 im Gefängnis sitzt, ohne dass im bislang der Prozess gemacht wurde.

Aber der Wahlkampf ist höchst unfair und findet im endlos weiter verlängerten Ausnahmezustand statt, jeder muss mit einer Festnahme rechnen, viele Politiker und Journalisten sitzen im Gefängnis, es gibt weder Presse- oder Meinungsfreiheit noch Versammlungsfreiheit, zudem erpresst Erdogan nationale Einheit über den Krieg gegen die Kurden im eigenen Land sowie in Syrien und im Irak.

Gestern legte die AKP-Regierung bzw. Erdogan ein Wahlmanifest vor, das den Menschen populistisch das Blaue vom Himmel lügt und eigentlich von niemandem ernst genommen wird. Wenn Erdogan und seine AKP siegen, werde alles gut, versprach Erdogan gestern. Er werde die Zinsen, die Inflation und das Haushaltsdefizit verringern, die unter seiner Präsidentschaft angestiegen sind.

weiterlesen

Advertisements

«Rasse» in der Genetik – «Vor bestimmten Resultaten hätte ich zu viel Angst»

Bild: 4ever.eu
«Rasse» ist ein heikler Begriff im Zusammenhang mit Menschen. Heute herrscht Konsens: «Rasse» ist ein soziales Konstrukt, der Begriff biologisch nicht haltbar. Unter menschlichen Populationen gibt es keine so grossen Unterschiede, dass man von Rassen sprechen könnte.

Interview Sarah Herwig | SRF

An diesem Dogma rüttelt der US-amerikanische Genetiker David Reich in einem Artikel in der New York Times, Link öffnet in einem neuen Fenster: In den letzten 20 Jahren, so Reich, habe die Forschung gezeigt, dass genetische Unterschiede zwischen verschiedenen Menschengruppen doch grösser seien als angenommen. Sie bestimmten nicht nur die Hautfarbe, sondern beispielsweise auch die Körpergrösse oder die Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten.

Das Festhalten an diesem Dogma und das Schweigen über genetische Unterschiede biete Raum für pseudowissenschaftliche Stimmen, schreibt Reich. In den USA hat dies einen Aufschrei und eine Debatte ausgelöst.

Diese Debatte sei eine gute Reaktion auf den Artikel, sagt Evolutionsbiologe Claus Wedekind von der Universität Lausanne.

weiterlesen

Wie kam die Sünde in die Welt?

Nackt und gezeichnet von den Folgen des Sündenfalls: Eva aus dem Genter Altar von Jan und Hubert van Eyck von 1432. (Bild: Ullstein)

Adam, Eva und die Strafe Gottes: Stephen Greenblatt folgt den Spuren eines Menschheitsmythos.

Thomas Ribi | Neue Zürcher Zeitung

Glauben ist nicht immer ganz einfach. Manchmal ist es sogar ziemlich schwierig. Vor allem, wenn es um die letzten Fragen geht: Woher kommen wir? Warum sterben wir? Was ist gut, und was ist böse? Was heisst Schuld? Oder, ganz einfach: Wie war das genau am Anfang der Welt? Damals, als Gott nach dem Schöpfungsbericht des Alten Testaments die ersten Menschen schuf? Von Eva stammen alle Menschen ab, das steht in der Bibel klar. Nur, nachdem ihr Sohn Kain seinen Bruder erschlagen hatte, begab er sich auf die Flucht und landete schliesslich im Lande Nod, jenseits von Eden. Und dort, heisst es, erkannte er seine Frau: Sie wurde schwanger, und Kain baute eine Stadt.

Wer war diese Frau? Woher kam sie? Und wie gelang es Kain, eine Stadt zu bauen, wenn es keine anderen Menschen gab, die ihm dabei helfen konnten? Diese Fragen trieben Isaac La Peyrère um, seit er ein Kind war. 1655 publizierte der französische Diplomat eine Schrift, in der er darlegte, dass es neben der Schöpfung, von der im Alten Testament die Rede ist, eine zweite Schöpfung gegeben haben musste.

weiterlesen

Die Schlafwandler sind heute im Nahen Osten unterwegs

Es existiert kein Heilungsplan. – Sonnenuntergang über der Muhammad-Ali-Moschee in Kairo. (Bild: Asmaa Waguih / Reuters)
Mit der Transformation der Türkei in ein islamistisches Sultanat schwindet die letzte Hoffnung auf eine Modernisierung der muslimischen Welt. Es scheint, dass der Nahe Osten auf einen Bürgerkrieg zusteuert, wie ihn Europa im 20. Jahrhundert erlebt hat.

Zafer Senocak | Neue Zürcher Zeitung

1918, vor hundert Jahren, ging der Erste Weltkrieg zu Ende. Doch ist dieser Krieg wirklich zu Ende gegangen? In Europa brach er schon nach rund einem Vierteljahrhundert wieder aus. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Fall der Mauer wurde Jahrzehnte später ein dauerhafter innereuropäischer Frieden errichtet.

Anders ausserhalb Europas. Der Erste Weltkrieg hat vor allem im Nahen Osten, auf dem ehemaligen Territorium des Osmanischen Reiches, Verwundungen hinterlassen, die bis heute nicht heilen wollen. Fast alle Grenzziehungen im Nahen Osten sind Verwundungen und die aktuellen Konflikte in der Region chronisch. Die schmerzhaften Folgen sind heute wieder stärker spürbar, und es existiert kein Heilungsplan. Stattdessen wird auf altbewährte Mittel zurückgegriffen: Krieg, Vertreibung und Unrecht.

weiterlesen

USA und China: Der unausweichliche kriegerische Konflikt?

Chinesische Parade. Bild: Pentagon/ gemeinfrei
US-amerikanische Vordenker und der Think-Tank RAND wägen das Pro und das Contra, sowie das Wie und Wann eines Krieges zwischen China und den USA ab

Von Hermann Ploppa | TELEPOLIS

Möglicherweise haben wir Frankensteins Monster entfesselt

Ex-Präsident Richard Nixon rückblickend über seine Annäherungspolitik an China

Was macht man denn jetzt mit einem aufstrebenden Riesenreich, wo andauernd die Ketten klirren und krachen, an die der Koloss bislang gefesselt war? China baut künstliche Inseln im Südchinesischen Meer und erklärt dieses Gewässer kurzerhand zu seiner eigenen Hoheitszone.

Donald Trump reagiert, wie man es vom Twittergott gewohnt ist: Bevor er selber Südkorea und China besucht, schickt er schon mal drei Flugzeugträger als milliardenteure Herolde vorweg an die Küsten der koreanischen Halbinsel. Müssen wir uns jetzt warm anziehen?

Altgediente Offiziere aus der Bundeswehr winken lachend ab: eine reine „Show of force“ sei das, nichts als Theater für die Presse. Militärstrategisch ohne jeden Nährwert. Nun ja. Es ist schon seltsam, was sich da neulich in der Straße von Malakka zutrug. Ein US-amerikanisches Kriegsschiff war mitten in der Nacht bei spiegelglatter See und exzellenter Sicht mit einem Tanker havariert. Das US-Schiff soll mit Autopilot gesteuert worden sein.

Möglicherweise, so vermuten Journalisten, sei das Versagen der automatischen Steuerung auf ein Störmanöver einer anderen Militärmacht zurückzuführen. Ein Denkzettel möglicherweise. Das US-Militär hielt sich auffällig bedeckt und legte seine Schiffe in dieser Region einstweilen vor Anker. Und jetzt die drei Flugzeugträger, um die peinliche Malakka-Episode möglichst schnell vergessen zu machen.

Geostrategen und Historiker in Washington stellen sich schon ernsthaft die Frage, ob ein heißer Krieg zwischen den USA und China nicht doch eines unglückseligen Tages ausbrechen könnte. Und das möglicherweise gegen den Willen beider Kontrahenten, durch einen dummen Zufall.

Einmal befanden sich die USA und die Volksrepublik China bereits in einem heißen Krieg, nämlich als Stellvertreterkrieger auf der koreanischen Halbinsel. Dabei kamen 940.000 Soldaten und etwa drei Millionen Zivilisten ums Leben. US-Streitkräfte verübten Massaker unter der Zivilbevölkerung, die bis heute nicht vergessen, geschweige denn aufgearbeitet sind. Donald Trumps Machtdemonstration mit den Flugzeugträgern bewirkt deswegen sehr ungute Gefühle bei der koreanischen Bevölkerung.

weiterlesen

Das Zerstörungswerk der Dschihadisten

Wo heute Syrien und Irak liegen, war einst die Wiege der Zivilisation. Viele Kulturstätten zeugen noch heute davon – viele sind aber auch durch Krieg, Gewalt und Plünderung zerstört. In Syrien und im Irak beraten nun Experten über den Umgang mit beschädigten Denkmälern.

Von Mey Dudin | Qantara.de

Zuletzt ging eine Berühmtheit in Mossul für immer verloren: Die Große Al-Nuri-Moschee aus dem 12. Jahrhundert wurde Ende Juni bei der Schlacht um die nordirakische Stadt zerstört – gesprengt von IS-Dschihadisten. Bekannt war die Moschee vor allem wegen ihres schiefen Minaretts, die ihr auch den Beinamen „Al-Hadba“ („die Bucklige“) eingebracht hatte. Vor drei Jahren benutzte IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi die Moschee als Bühne, um sein „Kalifat“ in den Gebieten von Syrien und dem Irak auszurufen, die seine Dschihadisten erobert hatten.

Es ist ein weiteres von vielen Denkmälern, die dem Krieg in den vergangenen Jahren zum Opfer gefallen sind. Kulturstätten gibt es in der Region viele, war sie doch einst die Wiege der Zivilisation und ist seit jeher ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen – ein Erdteil, in dem Araber und Juden, Assyrer und Jesiden, Kurden und Turkmenen friedlich nebeneinander lebten.

weiterlesen

UN: Zahl der Menschen auf der Flucht erreicht neuen Höchststand

Die Zahl der Menschen auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und Verfolgung hat laut den UN einen neuen Höchststand erreicht. Ende 2016 hätten 65,6 Millionen Männer, Frauen und Kinder ihre Heimat verloren, teilte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Montag in Genf mit.

evangelisch.de

Gegenüber Ende 2015 habe sich die Zahl der Geflohenen weltweit um 300.000 Menschen erhöht. Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, betonte, die globale Flüchtlings- und Vertriebenenkrise habe eine Dimension angenommen, die unter keinen Umständen zu akzeptieren sei. Grandi forderte Solidarität mit den Opfern der Vertreibung. Die Weltgemeinschaft müsse sich stärker für die Vermeidung möglicher Kriege und die Lösung bestehender Konflikte einsetzen.

weiterlesen

Dodo Gloria: Islam ist eine friedliche Religion

Gloria von Thurn und Taxis

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis hat in einem Gastbeitrag für die Welt am Sonntag klar gemacht, was sie vom Islam hält: „Der Islam ist eine friedliche Religion“, schrieb die Adelige, die für ihren konservativen Katholizismus bekannt ist.

Von Christian Eckl | wochenblatt

Ausgerechnet die als konservativ geltende Fürstin Gloria von Thurn und Taxis stellt sich gegen zunehmende Ablehnung des Islam, weil dieser angeblich für Terror und Krieg verantwortlich sei. In einem Gastbeitrag für die Welt am Sonntag betonte die Adelige: „Wir wissen doch eigentlich alle, dass Religion gern vorgeschoben wird, um Gewalt und Krieg zu rechtfertigen. Dabei geht es in diesen Fällen doch immer nur um Geld und Macht“, so die Adelige. „Besser gesagt: Wenn wir uns die Kriege der Vergangenheit oder insbesondere die aktuellen Konflikte im Nahen Osten genauer ansehen, dann wird deutlich, dass es um Rohstoffe und die Hoheit über dieselben geht. Das hat mit Religion nichts zu tun.“

Anlass des Beitrags ist das Pfingsfest, das Christen am Pfingstsonntag und Pfingstmontag begehen und das an den Heiligen Geist erinnern soll, der auf die Apostel herab gekommen sein soll. Damit feiert die Kirche auch ihre Begründung. „Bei uns zu Hause wird Pfingsten nicht so groß begangen wie Ostern oder gar Weihnachten. Deshalb gehe ich zur Lichterprozession am Wallfahrtsort Maria Vesperbild, zu Ehren von Maria, Mutter von Jesus und Braut des Heiligen Geistes“, schreibt die Fürstin.

weiterlesen

 

„Mit Militär besiegt man keine Ideologie“

Blick auf das eingestürzte Minarett (2013)der Großen Umayyaden-Moschee in Aleppo. Bild wikimedia.org/CC-BY-3.0/Gabriele Fangi, Wissam Wahbeh
Seit 2011 tobt in Syrien ein brutaler, blutiger Bürgerkrieg, der auf allen Seiten hohe Opfer gefordert hat: Den Vereinten Nationen zufolge starben mindestens 400.000 Menschen. Fünf Millionen flüchteten außer Landes, sechs Millionen wurden zu Flüchtlingen im eigenen Land. Die Hälfte der Bevölkerung lebt heute nicht mehr dort, wo sie noch zu Beginn des Konflikts gelebt hat. Nichts ist mehr, wie es mal war in Syrien – und ob es jemals wieder so werden wird, ist mehr als fraglich.

Von Lena Ohm | evangelisch.de

Hoch oben in der Kuppel des Berliner Doms thront eine lichtdurchflutete Friedenstaube. Sie soll den Gläubigen symbolisieren, dass der Heilige Geist mit ihnen ist. Fast alle Plätze des Doms sind besetzt, einige neugierige Zuhörer warten vor den Eingängen, um der Diskussion zu lauschen, die unter den wachsamen Augen der Friedenstaube stattfinden soll. „Der Zerfall des Nahen Ostens – Wo sind Ansätze der Stabilisierung“, lautet der Titel der Veranstaltung – eine Frage, die in Berlin wenige Kilometer weiter entfernt garantiert auch schon hunderte Male diskutiert worden ist und auf die bisher zumindest noch keine praktikable Antwort gefunden wurde. Einen Antwortversuch unternehmen im Berliner Dom drei hochangesehene Männer: Da ist zum einen Staffan de Mistura, der Sondergesandte der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga für Syrien, dann der syrische Journalist, Anwalt und Menschenrechtsaktivist Mazen Darwish und der Direktor Stiftung Wissenschaft und Politik, Volker Perthes.

weiterlesen

Islam-Experte Khorchide kritisiert gewalttätiges Gottesbild

Theologe bei Berliner Kirchentag zu Manchester-Attentat: „Kann es sein, dass wir an einen gewalttätigen Gott glauben?“

kathpress

Die Religionen allein können nach Einschätzung des islamischen Theologen Mouhanad Khorchide die Probleme von Krieg und Gewalt nicht lösen. Die eigentlichen Gründe für solche Konflikte lägen in wirtschaftlichen Interessen, sagte der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster am Donnerstag beim Kirchentag in Berlin. Gleichwohl müssten sich die Religionen kritisch mit ihrem Gottesbild auseinandersetzen. „Kann es sein, dass wir an einen gewalttätigen Gott glauben?“, fragte Khorchide unter Hinweis auf das jüngste Bombenattentat in Manchester. Im „Mainstream der islamischen Theologie“ fänden sich immer noch Ansätze, mit denen solche Gewalttaten legitimiert werden könnten.

weiterlesen

Ein Philosoph lässt den Grenzbalken runter

Julian Nida-Rümelin – (c) imago/Christian Grube
Wie mit Menschen umgehen, die vor Krieg und Armut fliehen? Mit seiner „Ethik der Migration“ will Julian Nida-Rümelin den moralischen Kompass neu justieren. Was in der Theorie überzeugt, legt im Konkreten nur das Dilemma bloß.

Von Karl Gaulhofer | Die Presse.com

Man stelle sich vor: Sie kommen in der Früh in die Küche, um zu frühstücken – aber dort sitzt schon jemand. Ein netter Obdachloser hat sich Zutritt verschafft und bittet um Ihre Zustimmung, die Wohnung fortan mit ihm zu teilen. Gewiss: Sie haben ein juristisches Recht, ihn rauszuwerfen. Aber ist es auch moralisch begründet? Ja, sagen wohl die meisten. Was aber, wenn der arme Kerl in einer eisigen Winternacht an die Tür klopft und zu erfrieren droht? Dann, sagen die meisten, habe ich die moralische Pflicht, ihm zu helfen.

Es sind solch einfachen Analogien aus dem Alltag, mit denen Julian Nida-Rümelin den ethischen Unterschied zwischen Armutsmigration und Flucht vor Bürgerkrieg greifbar macht. Dabei verzichtet der deutsche Philosoph ganz bewusst auf eine Letztbegründung. Es genüge, so sein Credo, wenn wir kohärent bleiben: Eine „Ethik der Migration“, so der Untertitel seines neuen Buches, „Über Grenzen denken“, muss damit zusammenpassen, was wir auch sonst für gut und böse halten. Mit diesem Rüstzeug kritisiert der frühere deutsche Kulturminister Utilitaristen wie Peter Singer. Sie fordern offene Grenzen, solange wir damit die Glückssumme der Menschheit vermehren.

weiterlesen

Türkei: Wasser als Waffe

Hasankeyf. Foto: Elke Dangeleit
Mit ihren Staudämmen kann die Türkei Syrien und dem Irak das Wasser abdrehen

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Die tagespolitische Berichterstattung über das Referendum und die damit verbundene Gefahr einer Diktatur in der Türkei, sowie die nicht enden wollenden Enthüllungen über Spitzeleien des türkischen Geheimdienstes in Europa lenken die Medien davon ab, was im Südosten der Türkei passiert.

Jenseits der alltäglichen Repressionen gegen die kurdische Bevölkerung zerstören Großprojekte eine einzigartige Natur und eine uralte Kultur. Unbeachtet von der Weltöffentlichkeit werden immer mehr Kulturgüter, die nicht islamisch sind – ganz in IS-Manier – von der türkischen Regierung zerstört.

Neben den Zerstörungen in den kurdischen Städten im Südosten hält die Türkei am umstrittenen Ilisu-Staudammprojekt fest. Dort wird nicht nur eine antike Stadt unter den Wassermassen begraben, sondern dieser riesige Staudamm dient unter anderem auch dazu, mit Wasser Krieg gegen die Kurden in der Türkei und in Syrien zu führen. Mit ihren Staudämmen kann die Türkei Syrien und dem Irak das Wasser abdrehen. Gegen die Kurden und Christen in Nordsyrien wurde diese Waffe bereits eingesetzt.

Die historischen Hevsel-Gärten in der türkischen südöstlichen Provinzhauptstadt Diyarbakir (kurd.: Amed) sind 7000 Jahre alt. Sie liegen am Hang zwischen der Stadtmauer und dem Euphrat-Ufer und wurden 2015 von der UNESCO zusammen mit der Stadtmauer von Diyarbakir zum Weltkulturerbe ernannt.

Der Leiter der Architektenkammer von Diyarbakir berichtete im März, dass das türkische Ministerium für Umwelt und Urbanisierung eine Moschee, Cafés, Restaurants und Parkplätze an den Seiten des Kirklar Berges, also direkt neben den Hevsel-Gärten bauen will. Er befürchtet, dass die Bebauung langfristig dazu führen soll, die Hevsel-Gärten zu zerstören, denn in der Zeit der Zerstörung des historischen Bezirks Diyarbakir-Sur, auch UNESCO-Weltkulturerbe, wurden die Gärten bereits beschädigt.

weiterlesen

Fake News haben eine lange Tradition

In Stein gemeißelte Fake News: Darstellung von Ramses II. bei der angeblich siegreichen Schlacht von Kadesch © historisch
Lange Tradition: Fake News sind keine Erfindung der Neuzeit – im Gegenteil. Schon vor mehr als 4.000 Jahren wurde in großem Stil gelogen. In Krieg und Politik bog man sich schon damals die Fakten so zurecht, dass sie die eigene Position stärkten. Auch im Mittelalter und selbst im Zeitalter der Aufklärung waren Fake News ein gängiges Manipulations-Instrument der Mächtigen.

scinexx

Fake News und „alternative Fakten“ scheinen im Trend: Sie kursieren in den Filterblasen von Facebook und Co, agieren als Meinungsmacher auf Twitter und grassieren in der Politik. Doch gezielte Falschaussagen sind nichts Neues – auch früher schon wurde sie gezielt instrumentiert.

weiterlesen

Noch gibt es Hoffnung für Kants „ewigen Frieden“

Illustration: Stefan Dimitrov
Illustration: Stefan Dimitrov
  • Erst war da der Traum vom ewigen Frieden der Völker. Dann kamen der Krieg im Irak, ein ohnmächtiges Weltstrafgericht und sich auflösende Bündnisse.
  • Trump bestätigt diesen Trend, er ist geradezu ein Anti-Kant: Deals, Diktatoren, Folter und das Prinzip der Ungleichheit sind en Vogue.
  • Optimistisch für Kants Bild vom ewigen Frieden machen die US-Justiz, ein reformiertes Afrika und eine vereinigte EU.

Von Stefan Ulrich | Süddeutsche.de

In seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ schrieb Immanuel Kant: „Das Recht der Menschen muss heilig gehalten werden, der herrschenden Gewalt mag es auch noch so große Aufopferung kosten.“ Der Philosoph aus Königsberg wäre wohl zufrieden gewesen mit der Entwicklung in den Jahren nach der Zeitenwende 1989/1990. Die Beziehungen unter den Staaten verdichteten sich immer mehr zu einer internationalen Ordnung, die, gestützt auf das Völkerrecht, den Krieg und die Tyrannei ächtete und die Menschenrechte schützte.

weiterlesen

Jesus‘ Schmuddelkinder

 

„Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.“
Albert Schweitzer

Die christlichen Amtskirchen in deutschen Landen bemühen sich Distanz zum neo-nazistischen, christlichen Schmuddelkind AfD(Alternative für Deutschland) zu schaffen. Sie bestimmen wer Christ ist. Genau das steht ihnen nicht zu. Taufe, Konfirmation/Kommunion, kirchliche Trauung und Beerdigung sichern den Bestand des Fanklubs Jesus Christus. Ganz wichtig in dieser Hinsicht ist die personale Beziehung der Betroffenen zum untoten Jesus. Zwiegespräche mit ihm sichern diese Beziehung und sind wichtig für das Werden des Christen. Leicht erkennbar, Amtskirche kann einem Christen das Christsein nicht absprechen, das ist Sache Gottes. Katholik Adolf Hitler wurde nie exkommuniziert, das Jüngste Gericht soll über ihn entscheiden. Und so wird es mit all jenen passieren, deren sich die Kirchen heute so schämen, den Rassisten, Rechtspopulisten, Fremdenfeinden und radikalen Extremisten. Der christliche Alleinvertretungsanspruch der Kirchen lässt diese Leute wie die fette Krätze am Bein kleben.
Hoher christlicher Schöpfungsgrad sichert die Pfründe der Kirchen, die Allgemeinheit bezahlt. Auch für den Judenhass eines Martin Luthers. Selbiger ist der Kulminationspunkt christlicher Entwicklung, praktisch umgesetzt durch den Katholiken Adolf Hitler und seiner Verbrecherbande. Es wird ein Mann gefeiert, der in seiner Weltsicht viel extremer daher kommt als die Raubritter des „christlichen Abendlandes“ der AfD. Luther war Extremist. Sein Frauenbild barbarisch. Frauen haben die Pflicht zum Gebären.

„Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.“Martin Luther

Bei solchen Sprüchen, und es gibt weitaus schlimmere, fragt man sich, wie Feministinnen den Reformator hochleben lassen können.

Das Bemühen der Kirchen um Distanz zur Alternative für Deutschland ist bigott. Man feiert auf der einen Seite Luthers Reformation des Glaubens, versucht Positives zu okkupieren und vermeint das Negative auf den Müll der Geschichte entsorgen zu können. Scheibenweise Vereinnahmung eines Mannes der heute im Knast sitzen würde.

„Darum ehrt auch Gott das Schwert mit so hohen Worten, dass er es seine eigene Ordnung nennt (Römer 13, 1) und nicht will, dass man sage oder denke, die Menschen hatten es erfunden und eingesetzt. Denn die Hand, die das Schwert führt und tötet, ist dann auch nicht mehr eines Menschen Hand, sondern Gottes Hand, und nicht der Mensch, sondern Gott henkt, rädert, enthauptet, tötet und führt den Krieg. Das alles sind seine Werke und sein Gericht.“ Martin Luther: Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können, 1526

Und so segnete er den Krieg.

Immer mehr Türken beantragen Asyl in Deutschland

Bild: Magazin "The Economist"
Bild: Magazin „The Economist“
Die Zahl der türkischen Staatsbürger, die hierzulande Schutz suchen, ist nach dem Putsch in der Türkei stark gestiegen. Fast 80 Prozent der Antragsteller sind Kurden.

DIE WELT

Seit dem Putschversuch in der Türkei werden in Deutschland deutlich mehr Asylanträge türkischer Staatsbürger verzeichnet. Insgesamt seien von Januar bis November dieses Jahres 5166 Asylanträge von Türken eingegangen, zitiert die Funke Mediengruppe aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Parlamentsanfrage. Im November habe es allein 702 entsprechende Anträge gegeben – im Januar diesen Jahres waren es dagegen nur 119 gewesen.

weiterlesen

Kriege in der arabischen Welt: Der Durst nach Rache

© dpa Kampf bis zum Letzten: Ein syrischer Regierungssoldat an einer Straße bei Aleppo.
© dpa Kampf bis zum Letzten: Ein syrischer Regierungssoldat an einer Straße bei Aleppo.
Wer glaubt, im Nahen Osten könne es nicht noch schlimmer werden als mit dem Krieg in Syrien, muss Marc Lynch lesen. Der Autor bezweifelt, dass der globale „Dschihad“ noch zu besiegen ist.

Von Rainer Hermann | Frankfurter Allgemeine

Von den vielen kurzatmigen Büchern über die epochalen Umwälzungen in der arabischen Welt hebt sich die jüngste Monographie des amerikanischen Nahost-Fachmanns Marc Lynch wohltuend ab. Zwar hatte Lynch Anfang 2011 das Wort vom „Arabischen Frühling“ erfunden – und damit die meisten Zeitgenossen auf eine falsche Fährte gesetzt. Denn das Wort suggeriert einen raschen und reibungslosen Übergang in eine gute Welt. Eingetreten ist das Gegenteil. Nun heißt der Untertitel der neuesten Studie von Lynch treffend: „Wie aus Aufständen Anarchie wurde.“

weiterlesen

Francis Fukuyama: „Es gibt Grenzen, was Neuankömmlinge anbetrifft“

Foto: Lynn Bo Bo-picture alliance / dpa Francis Fukuyama gehört zu den bekanntesten Historikern und Politologen unserer Zeit. Berühmt wurde er mit seiner These vom „Ende der Geschichte“. Kurz nach dem Fall der Mauer in Berlin prophezeite Fukuyama, die liberale Demokratie werde bald für eine dauerhaft sichere politische Zukunft der Menschheit sorgen
Islam und Demokratie? Überhaupt kein Problem, sagt der US-Politologe Francis Fukuyama. Die größte Gefahr für Europa sieht er woanders. Besonders deutlich rechnet er mit Angela Merkel ab.

Von Antonello Guerrera | DIE WELT

Frage: Professor Fukuyama, sie vertreten die These, dass man gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) keinen Krieg führen dürfe. Aber wäre das nicht eine plausible Lösung, angesichts der immer häufigeren Attacken?

Francis Fukuyama: Nein. Die wahre Bedrohung wäre eine Überreaktion unsererseits. Das ist doch genau das, was der Terrorismus erreichen will, vor allem der Islamische Staat. Wir dürfen den fürchterlichen Fehler des Irakkriegs von 2003 nicht wiederholen. Die Bürger wollen eine schnelle Lösung für dieses Problem. Doch ganz ehrlich: So eine Lösung gibt es nicht.

Kleine, aber heftige Attentate von labilen Individuen, wie bei den letzten, die wir erlebt haben, und wie sie auch in den USA immer wieder passieren, sind nicht vorhersehbar. Alle zu beschützen ist vollkommen unmöglich.

Gleichzeitig jedoch dürfen wir die Rechte und die Freiheit eines Teils unserer Gesellschaft nicht einschränken, wie es die fremdenfeindlichen und rassistischen Bewegungen fordern. Damit würden wir die Grundpfeiler unserer Demokratie untergraben.

weiterlesen

 

Barcelona zählt ertrunkene Flüchtlinge auf Anzeigentafel

3034 Menschen sind seit Beginn dieses Jahres im Mittelmeer ertrunken. Die Zahl ist deutlich höher als im ersten Halbjahr 2015. (Foto: AFP)
3034 Menschen sind seit Beginn dieses Jahres im Mittelmeer ertrunken. Die Bürgermeisterin der Stadt spricht deshalb von einer „Anzeige der Schande“.

Süddeutsche.de

3034 – das ist die Zahl von Menschen, die seit Beginn dieses Jahres im Mittelmeer ertrunken ist. Eine Zahl, die Europa beschämen sollte und die doch untergeht zwischen all den anderen Schreckensmeldungen von Krieg und Terror. Eben das will die spanische Küstenstadt Barcelona nun ändern – und hat deshalb eine digitale Anzeigetafel in Betrieb genommen, die die Ertrunkenen zählt.

Die Tafel sei eine „Anzeige der Schande“, sagte Bürgermeisterin Ada Colau bei der Einweihung. Die 3034 Toten, die die Tafel derzeit anzeigt, hatte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Dienstag für die ersten sieben Monate dieses Jahres bekanntgegeben. Darunter steht auf Spanisch: „Das ist nicht bloß eine Zahl, das sind Menschen.“

weiterlesen

Vereinte Nationen: Niemals gab es mehr Flüchtlinge

Sie flohen vor Krieg, Gewalt und Unterdrückung: Nie zuvor waren so viele Menschen auf der Flucht. Besonders viele kommen aus Syrien, Afghanistan und Somalia.

evangelisch.de

Die Zahl der Menschen auf der Flucht hat laut den Vereinten Nationen einen Höchststand erreicht. Mehr als 65 Millionen Frauen, Männer und Kinder waren Ende 2015 vor Krieg, Gewalt und Unterdrückung geflohen, wie das Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Genf anlässlich des Weltflüchtlingstages am Montag mitteilte.

UN-Hochkommissar: Fluchtursachen bekämpfen

Im Vergleich zu Ende 2014 sei die Zahl der Menschen auf der Flucht um fast sechs Millionen gestiegen. Das UNHCR erklärte den Anstieg mit den vielen anhaltenden Konflikten wie in Syrien und Afghanistan. Die Vereinten Nationen begehen den 20. Juni alljährlich als Gedenktag für Flüchtlinge weltweit.

weiterlesen