Schlagwort-Archive: Krieg

Kardinal zitiert Gaddafi-Drohung

2009, Muammar al-Gaddafi beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union, als deren Präsident. Bild: wikimedia.org/PD

Der Präsident des Migrantenrates, Kardinal Antonio Maria Veglio, forderte bei der Präsentation des Konzepts für den nächstjährigen Weltflüchtlingstag größere Anstrengungen im Kampf gegen die Ursachen der Massenflucht. Europa habe wenig gegen die Armut getan und heize obendrein Krieg und Gewalt durch den Waffenhandel an

kathweb

“Wir protestieren gegen die vielen Flüchtlinge, aber wer verkauft denn die Waffen? Das sind meistens die reichen Länder”, sagte Veglio am Freitag. Die Lösungen müssten dort ansetzen, wo die Probleme begännen, nämlich in den Herkunftsländern. Nach dem Wunsch des Papstes solle das bevorstehende Heilige Jahr, das er am 8. Dezember eröffnet und im Zeichen der Barmherzigkeit steht, die Katholiken zu noch mehr Engagement für Flüchtlinge anspornen.

Derzeit sei die Angst vieler Menschen vor den Migranten spürbar, so Veglio. Sie ist nach den Worten des Kardinals auch normal, darf aber nicht zu extremen Lösungen der Abschottung führen.

Veglio warf Europa vor, die Probleme zu lange ignoriert zu haben. “Ich habe das Gefühl, dass man zu Laufen anfängt, wenn der Notfall bereits da ist, aber ohne vorher einen Plan gemacht zu haben.” Der gestürzte und ermordete libysche Diktator Muammar al-Gaddafi habe dem Kontinent schon vor Jahren angedroht, er werde “zwei Millionen Migranten nach Europa werfen”. Geschehen sei aber wenig.

Japans Schwierigkeiten mit der Niederlage von 1945

Hirohito, 1932. Bild: wikimedia.org/Bundesarchiv, Bild 102-12923 / CC-BY-SA 3.0de

Um die Wurzeln für Japans zwiespältigen Umgang mit dem Krieg und das ausbleibende Eingeständnis einer Kriegsschuld zu verstehen, sollte man wissen, wie die Figur des Tenno historisch angelegt ist.

Von Daniela Tan|Neue Zürcher Zeitung

Am Mittag des 15. August 1945 verlas der Tenno Hirohito in einer Radioansprache den «Kaiserlichen Erlass zur Beendigung des grossostasiatischen Krieges» – eine Bezeichnung für den pazifischen Teil des Zweiten Weltkrieges, der heute ein revisionistischer Beigeschmack anhaftet. Mit der Annahme der Potsdamer Erklärung bestätigte Japan die bedingungslose Kapitulation. Dies war jedoch der Bevölkerung nicht auf Anhieb klar und somit auch nicht, ob der Krieg denn nun zu Ende sei oder nicht. Das Wort Kapitulation wurde in besagter Ansprache nämlich nicht erwähnt. Stattdessen war die Rede von einer «neuen und grausamsten Bombe» des Feindes, die zur Auslöschung nicht nur Japans, sondern der gesamten menschlichen Zivilisation führen könne. Indem Japan darauf verzichte, weiterzukämpfen, rette es Hunderttausende vor dem Untergang. Darauf folgten Ermahnungen an die Bevölkerung, sich ruhig zu verhalten und dem Wiederaufbau zu widmen.

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Türkei: Eiskalte Rachepolitik

Ein türkisches Kampfflugzeug hebt vom Luftwaffenstützpunkt Incirlik ab. (Foto: AP)
Die Hoffnungen auf eine baldige Beilegung des Konflikts zwischen Ankara und der PKK schwinden. Der Krieg rückt näher an Europa heran.


Von Mike Szymanski|Süddeutsche.de

In der Türkei ist wieder ein blutiges Wochenende zu Ende gegangen. Die furchtbare Bilanz: mindestens drei Tote und Dutzende Verletzte allein bei Anschlägen, für die türkische Behörden die PKK verantwortlich machen.

Auf kurdischer Seite sollen seit Beginn der Kämpfe mindestens 260 Menschen ums Leben gekommen sein. Die Nachrichten aus der Türkei ähneln in erschreckender Weise jenen aus den Nachbarländern, die längst im Chaos versunken sind. Der Krieg rückt näher an Europa heran.

Mit jedem Anschlag, mit jedem Kampfeinsatz der türkischen Armee schwindet die Hoffnung auf eine schnelle Beilegung des Konflikts. Vernunft oder Verhältnismäßigkeit ist auf keiner Seite auszumachen.

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Kongo: “Wir sind der Kriege müde”

Im Osten des Kongo herrscht seit mehr als 20 Jahren Krieg. Es geht um Land, Rohstoffe und Macht. Auch die Präsenz der weltgrößten UN-Mission ändert daran nichts. Doch viele Bürger sind nicht länger bereit, das hinzunehmen.


evangelisch.de

Das Gesicht des Krieges, S. Dali 1940
Das Gesicht des Krieges, S. Dali 1940

Menschenrechtler schätzen, dass im Osten des Kongo jedes Jahr 25.000 Frauen vergewaltigt werden. In dem mehr als 20 Jahre andauernden Konflikt um Macht und Rohstoffe setzen Milizen und Armee sexuelle Gewalt als Waffe ein. Auch die 22.000 Mann starke UN-Mission ändert daran nichts. “Wir wollten der Not der Überlebenden nicht länger tatenlos zusehen”, erläutert Masika Kafanya den Grund, weshalb sie im Jahr 2000 mit weiteren Mitstreiterinnen in der Stadt Butembo die Hilfsorganisation FEPSI gründete.

Bei FEPSI, das seit 2007 von der Deutschen Welthungerhilfe unterstützt wird, erhalten die Überlebenden medizinische Betreuung und juristische Beratung. Außerdem bekommen sie Hilfe bei einem wirtschaftlichen Neustart. Die Mitarbeiterinnen gehen dabei ein hohes Risiko ein, denn Menschenrechtsverteidiger sind den Kriegsparteien ein Dorn im Auge.

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Blutiger Ramadan

Terror und Krieg prägen den muslimischen Fastenmonat. Die Bilanz des Fastenmonats fällt in diesem Jahr erneut blutig aus. Forscher bewerten die Entwicklung unterschiedlich.


Von Burkhard Jürgens und Paula Konersmann|kath.net

ramadanLyon, Kairo und Sousse, Nigeria, Kuwait und Somalia, der Irak und die Sinai-Halbinsel – die Liste der Terrorziele der vergangenen Wochen ist lang. Dabei hatten sich Terrorgruppen wie Boko Haram in Nigeria in den Vorjahren während des muslimischen Fastenmonats eher zurückgehalten. Doch in diesem Frühjahr rief die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) dazu auf, aus dem Ramadan «einen Monat der Katastrophen, Niederlagen und Schande für Ungläubige» zu machen.

Die extremistische Saat ist offenbar aufgegangen. Israels Präsident Reuven Rivlin beklagte, der Fastenmonat habe sich in einen «Ramadan des Terrors» verwandelt. Und Ende Juni – nach dem Massaker am tunesischen Touristenstrand, einem Angriff auf eine Moschee in Kuwait und einer Enthauptung in Frankreich – schrieben zahlreiche westliche Medien von einem «schwarzen Freitag».

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Bosnische Frauen leiden unter Folgen von Vergewaltigungen

Auch 20 Jahre nach dem Krieg in Bosnien leiden nach den Worten der Frauenrechtlerin Monika Hauser bosnische Frauen noch unter den systematischen Vergewaltigungen von damals.


evangelisch.de

Die langfristigen seelischen und körperlichen Folgen würden durch das bosnische Gesundheitssystem nicht aufgefangen, kritisierte die Gründerin der Frauenrechtsorganisation “Medica Mondiale” am Samstag im WDR-Radio. “Das Personal ist nicht richtig ausgebildet und die Frauen werden oft erneut verletzt.”

Im bosnischen Srebrenica wurde am Samstag an das Massaker von 1995 erinnert, das als Völkermord an bosnischen Muslimen verurteilt wird. Zehntausende Menschen gedachten am 20. Jahrestag des Kriegsverbrechens der mehr als 8.000 bosnischen Männer und Jungen, die von Truppen der bosnischen Serben getötet worden waren.

Wsewolod Tschaplin: Orthodoxer Erzpriester im göttlichen Kriegswahn

Quelle: Moskauer Deutsche Zeitung Nr.13(404) Bild: bb
Quelle: Moskauer Deutsche Zeitung Nr.13(404)
Bild: bb

Schon Calvin wusste, geht es den Mitgliedern seiner Gemeinde gut, war mit der Frömmigkeit nicht mehr viel zu holen. Religionen sind dort stark wo erhebliche soziale Probleme grassieren. Ungerechtigkeit, Willkür, Armut und Gewalt. Aus diesem Pool schöpft auch Erzpriester Wsewolod Chaplin. Das Zitat erinnert sehr stark an den Münchner Erzbischof Faulhaber, für den Krieg die sittliche Reife des Volkes herstellt und die Kanonen des Krieges göttliche Posaunen sind. Sprichwörtliche Idioten, gepaart mit ihrer Religion, Religioten.
Die Gesellschaft soll darben. Geht es den Menschen im Diesseits gut verliert das versprochene Jenseits seine Strahlkraft. Und wie lassen sich Elend und Gewalt am besten organisieren, Krieg. Endlich tote Helden an deren Gräbern man göttliche Ohnmacht zur Omnipotenz umdeuten kann.

Kriegstreiber Kirche, hier russisch-orthodox. Was für ein Idiot.

Gaza: Vom Leben zermürbt

In Trümmern: Die Brüder Musabeh würden gerne die Überreste ihres Hauses verlassen. Aber dafür fehlt ihnen das Geld. – Foto: Lissy Kaufmann
Ohne Arbeit, ohne Obdach, ohne Hoffnung: Ein Jahr nach dem Krieg zwischen Israel und der Hamas fühlen sich die Menschen in Gaza im Stich gelassen. Ein Besuch in Beit Hanun.


Von Lissy Kaufmann|DER TAGESSPIEGEL

Ein wenig blassgrünes Gras ist über die Schuttberge vor dem Haus der Familie Qassem gewachsen. Viel mehr hat sich nicht getan. Seit Monaten blicken die Schwestern Hamdia (26) und Feryal Qassem (49) von ihrem kleinen Lebensmittelladen am Stadtrand von Beit Hanun aus auf den staubigen Stillstand. Sie sehen erschöpft aus, als ob sie mit ihren Gedanken woanders wären.

Und wer will schon hier sein, in Beit Hanun im Gazastreifen. Zwischen zerbombten Häuser, die kein Dach mehr haben und keine Wände, dafür eingestürzte Zimmerdecken. Die Schwestern haben viel Zeit, auf die Ruinen zu starren, während sie auf Plastikstühlen hinter dem Kassentisch sitzen und auf Kunden warten. Das Geschäft geht nicht mehr so gut. Einige Familien aus der Nachbarschaft sind bei Verwandten in weniger kaputten Dörfern geblieben.

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Abschied von der heiligen Familie

Kirchliche Trauung – bald auch für geschiedene Wiederverheiratete? | © Peter Bischoff/Getty Images
In einem Dokument des Vatikans wird erstmals erwogen, Wiederverheiratete kirchlich zu trauen. Mit homosexuellen Partnerschaften aber tut sich die Kirche noch schwer.


Von Christian Weisner|ZEIT ONLINE

Nach der aufsehenerregenden Befragung der Kirchengliederungen zu Familien- und Sexualthemen im vergangenen Jahr hat die katholische Bischofssynode nach ihrer Tagung im Herbst weitere Fragebögen verschickt. Das Arbeitspapier “Instrumentum laboris“, das das Sekretariat der Synode im Vatikan aus den Antworten zusammengestellt hat, liegt zwar erst auf Italienisch vor. Aber schon aus der Gliederung wird der Perspektivwechsel deutlich, der für Papst Franziskus so typisch ist.

Das Papier für die kommende zweite Familien-Synode, die sich mit der “Berufung und Sendung der Familie in der Kirche und in der Welt von heute” befasst, beginnt nicht mit kirchlichen Idealvorstellungen oder moralischen Appellen, sondern mit der ungeschminkten Beschreibung der Realitäten und Herausforderungen, denen das Familienleben heute weltweit ausgesetzt ist. Und dazu gehören eben auch Verarmung, Migration, Genitalverstümmelung bis hin zu Gewalt, Terror und Krieg.

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Woelki: Gefeilsche um Flüchtlings-Quoten wie um Schadstoffe

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wirft den europäischen Staaten eine Flüchtlingspolitik nach dem “Sankt-Florian-Prinzip” vor. “Jeder hält seine Haustür zu und verweist auf den Nachbarn, der doch bitte die Flüchtlinge aufnehmen soll”, sagte der Erzbischof am Sonntag dem Kölner domradio. “Da wird um Quoten und Aufnahme-Kontingente gefeilscht, wie sonst um Abgasmengen oder Schadstoffe.”


kathweb

Länder wie Großbritannien, Irland und Dänemark hätten sich bereits gegen die vereinbarte Aufnahmequote entschieden, kritisierte Woelki. Die Begeisterung in Frankreich, Polen, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und den baltischen Staaten halte sich auch in Grenzen. “Es ärgert mich, dass wir im reichen Haus Europa so klein und armselig denken”, so Woelki. “Es geht doch hier nicht um die Pest, die wir ins Haus holen, sondern um Menschen, die unsere Hilfe brauchen.” Menschen verließen nicht freiwillig ihre Heimat, sondern wegen Krieg, Terror, Not, Elend und Armut.

Kann ein Krieg „heilig“ sein?

Bild: Frankfurter Rundschau
In den heiligen Schriften wird sehr viel über Krieg berichtet. Logisch ist das nicht.


Von Markus Tiedemann|Frankfurter Rundschau

Krieg ist nun wirklich eine scheußliche Sache. Krieg bedeutet die erste Regel menschlichen Zusammenlebens außer Kraft zu setzen: das Tötungsverbot. Ohne das Tötungsverbot macht es gar keinen Sinn, sich in Gemeinschaften zusammenzuschließen. Daher ist es so sehr schwer, einen Krieg als gerecht oder gar gut zu bezeichnen.

Umso trauriger ist es, dass in den heiligen Schriften sehr viel über Krieg berichtet wird.

Die Thora und das Alte Testament erzählen davon, dass Gott das Volk Israel ins gelobte Land geführt hat. Dort sollten die Israeliten leben und sich vermehren. Allerdings war dieses Land nicht leer. Vielmehr war geplant, die dort lebenden Völker zu vertreiben oder zu ermorden. Der sogenannte Bann zwischen dem Volk Israel und dem Gott Jahwe besagt leider genau das.

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Bischöfin auf der “Gorch Fock”: Konsequent gegen Militarismus

Gott_mit_uns_1WKKrieg darf nach Ansicht von Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs niemals religiös begründet werden.


evangelisch.de

Eine biblische Rechtfertigung von Nationalismus und Militarismus wie noch vor 1945 sei heutzutage nicht mehr denkbar, sagte Fehrs am Sonntag auf dem Segelschulschiff “Gorch Fock” der Bundesmarine in Hamburg. Anlass für den ökumenischen Bord-Gottesdienst war der 826. Hamburger Hafengeburtstag vom 8. bis 10. Mai.

Die Kirchen in Deutschland hätten nachhaltige Lehren aus den beiden Weltkriegen gezogen. “Sie haben konsequent dem Nationalismus und dem Militarismus abgeschworen, dem auch sie zuvor zu großen Teilen verfallen waren”, sagte Fehrs. Das sei ein Lernprozess gewesen, den die ganze Gesellschaft haben durchmachen müssen.

Nato gegen Flüchtlinge: Das Mittelmeer wird zum Kriegs-Gebiet

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Die Nato will die EU beim Kampf gegen Flüchtlingsboote unterstützen. Die EU hat sich auf ein militärisches Vorgehen gegen Schleuser als bevorzugten Umgang mit den Flüchtlingen festgelegt. Ein geheimes Strategie-Papier sieht sogar militärische Operationen in Libyen vor. Die Erklärung des Mittelmeers zum Kriegsgebiet ist eine moralische und politische Bankrotterklärung.


Deutsch Türkische Nachrichten

Die Nato will die EU beim geplanten Kampf gegen Schleuserbanden im Mittelmeerraum unterstützten. «Ich denke, es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, Informationen auszutauschen», sagte der amerikanische Nato-Botschafter Douglas E. Lute am Freitag mit Blick auf die US-Aufklärungskapazitäten in der Region. Möglichkeiten der Zusammenarbeit könnten bei einem Treffen der Nato-Außenminister in der kommenden Woche in der Türkei besprochen werden.

Die Festlegung auf ein militärisches Vorgehen gegen Flüchtlingsboote ist die einzige Antwort, auf die sich die EU-Staaten als Antwort auf die humanitäre Katastrophe einigen konnten. Zwar wurden in den vergangenen Tagen zahlreiche Flüchtlinge gerettet, doch die europäische Politik hat die moralische Kraft nicht, zwischen dem grundsätzlichen Problem und einer konkreten, humanistischen Lösung im Einzelfall zu unterscheiden. Bisher war es in zivilisierten Staaten Konsens, dass man in Not geratenen konkreten Menschen helfen muss – ungeachtet der Frage, ob die Hilfe Nebenwirkungen in der Form haben könnte, dass deswegen noch weitere Flüchtlinge kommen. Besonders verwerflich erscheint in dem Zusammenhang, dass die Fluchtwellen aus Syrien und Libyen durch den Kampf des Westens gegen die jeweiligen Regime ausgelöst wurden. Nun soll also die Nato am Abschuss von Flüchtlingsbooten mitwirken.

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Vergewaltigungen, Zwangsprostitution, Drogen: Sexuelle Gewalt in bayerischen Flüchtlingsunterkünften

In der Bayernkaserne sollen Frauen täglich sexueller Gewalt ausgesetzt seien | DPA
Sie flohen vor Krieg und Armut – nun sehen sie sich sexueller Gewalt und Missbrauch ausgeliefert: Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks (BR) leiden Frauen in Flüchtlingsunterkünften in Bayern unter unerträglichen Zuständen. 


Von Benjamin Prüfer|The Huffington Post

Dort soll es regelmäßig zu Vergewaltigungen und Prostitution kommen. Der Sender beruft sich dabei auf den SPD-Abgeordneten Hans Ulrich Pfaffmann und die Frauenrechtsorganisation Imma.

“Tagtäglich Vergewaltigungen und Prostitution”

So habe es etwa in der Bayernkaserne, einer ehemaligen Bundeswehr-Kaserne, in der nun Flüchtlinge untergebracht sind, immer wieder Fälle von Prostitution oder Gewalt gegen Frauen gegeben.

“Beobachtungen in der Bayernkaserne zeigen, dass tagtäglich Vergewaltigungen, sexuelle Gefälligkeitsdienstleistungen und Prostitution stattfinden”, schreibt die Organisation laut BR in einer Mitteilung an die Presse.

Pfaffmann sagte dem Sender, dass unter den Tätern neben anderen Flüchtlingen auch Wachleute der Sicherheitsfirma Siba seien.

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Koran-Auslegung: Von Zwang steht da nirgends etwas

KoranWer dem Koran Argumente für Intoleranz und Krieg entnehmen will, wird fündig – wenn er sich plump an den Buchstaben hält und den historischen Kontext vergisst. Man sollte ihn nicht als Buch, sondern als Diskurs lesen.


Von Halis Albayrak|Frankfurter Allgemeine

Wenn es um den Islam geht, ist der maßgebliche Text der Koran. Sein Kontext besteht darin, welche Erfahrungen Mohammed im Zeitraum in den Jahren von 610 bis 632 nach Christus machte, was währenddessen geschah und aus welchen Elementen die arabische Kultur schöpfte, seien sie geographischer, politischer, historischer, kultureller, religiöser, moralischer oder wirtschaftlicher Art. All die Zusammenhänge haben ihren Anteil an der Entstehung der Koranverse.

Wenn wir also über Religionsfreiheit sprechen, dann stehen wir vor der logischen Notwendigkeit, ihren historischen Zusammenhang in unsere Lektüre und Interpretation miteinzubeziehen. Wenn wir jeden Vers so, das heißt: in seinem eigenen Kontext und in seinem existentiellen Bezugsrahmen lesen, können wir auch das Ziel des Wortes nachvollziehen. Lesen wir den Koran aber mit der Unmethode der Buchstabentreue, dann beginnen wir, dem Text unsere eigenen Absichten aufzuzwingen. Das hat zur Folge, dass wir Gott, dem Urheber des Wortes, nicht gerecht werden. Daher bin ich der Meinung, dass die Methode, den Koran nicht wie ein Buch, sondern wie einen Diskurs zu lesen, die richtige ist.

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Terrorismus: „Lebe für nichts, stirb für etwas“(John Rambo)

Deutsche im IS-Krieg - Nur über die anderen lesen wir nichts in der Presse © Sara @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Deutsche im IS-Krieg – Nur über die anderen lesen wir nichts in der Presse © Sara @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Die Zahl ist alarmierend: 600 Menschen sind schon aus Deutschland in den Krieg nach Syrien gezogen. Was macht den „Islamischen Staat“ so attraktiv für junge Salafisten und so gefährlich?


Von Rainer Hermann|Frankfurter Allgemeine

Die Zahlen alarmieren: Die Zahl der Dschihadisten weltweit wird auf mehr als 50.000 geschätzt. Davon kämpfen mehr als 30.000 für den „Islamischen Staat“. Aus Deutschland sind 600 Menschen in den Krieg nach Syrien gezogen; als gefährlich wird jeder vierte Rückkehrer eingestuft. Doch auf 7000 wird in Deutschland das Potential der radikalisierten jugendlichen Salafisten geschätzt. Wenn sie einmal in die Welt des IS eingetaucht sind, sind sie kaum mehr zu erreichen. Sie leben dann in einer eigenen Welt – der „Erlebniswelt Dschihad“.

Die Internetpropaganda der Dschihadisten berichtet in jugendgerechter Sprache live aus dem Krieg, sie macht aus den Kämpfern Helden, ästhetisiert die Gewalt. Vor allem macht sie Jugendlichen, die sonst kaum wahrgenommen werden, klar, dass gesehen wird, wer in den Dschihad nach Syrien zieht. Sprüche wie „Lebe für nichts, stirb für etwas“ zieren die Propagandaseiten.

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Religion zwischen Krieg und Frieden: In Zeiten des Aufruhrs

religion_warEs wird Zeit, zu begreifen, dass Religionsgemeinschaften, die Hunderte Millionen Menschen in sich vereinen, Mitverantwortung tragen für einen jeden Krieg und Frieden auf dieser Welt.


Von Diana Kinnert|The European

Nicht erst seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 oder der Ermordung der Redakteure und Karikaturisten des französischen Satire-Magazins „Charlie Hebdo“ sind die Begriffe Religion und Gewalt eng miteinander verknüpft. Niemals war der gläubige Mensch ohne Krieg. Es liegt zweieinhalb Jahrtausende zurück, da der vorsokratische Philosoph Heraklit von Ephesos vom Krieg als „Vater aller Dinge“ sprach.

Für viele Naturreligionen war der Krieg eine selbstverständliche Kategorie. Im Alten Testament spricht der Prediger Salomo: „Das Lieben hat seine Zeit und auch das Hassen, der Krieg und der Frieden.“ Jede der drei großen abrahamitischen Religionen kennt die kriegerische Auseinandersetzung, kennt die Gewalt, kennt den Terror.

Bewusstsein für die Verbrechen im Namen Gottes

Wer hoffte, zweitausend Jahre später seien die Menschheit und ihre Religionen von Krieg und Gewalt befreit, wird heute eines anderen belehrt. Die Weltlage scheint so düster wie lange nicht mehr. Überall erstarkt der religiöse Fundamentalismus. Selbsternannte Tempelritter morden in religiösem Wahn. Sie treiben Keile zwischen die Nationen, zwischen die Religionen, zwischen die Menschen.

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Das Afghanistan-Abenteuer und eine blühende wirtschaftliche Zukunft!

Poppyfield, Bild: BETWEENTHELINES
Nach 13 Jahren Krieg in Afghanistan haben sich die Besatzer “offiziell” wie Diebe in der Nacht davongeschlichen. Die Übergabe der “militärischen Verantwortung” von den Besatzern an die Besetzten erfolgte in Form einer Flaggenübergabe durch subalterne Militärs. Kein führender westlicher Politiker ließ sich bei diesem entwürdigen Schauspiel blicken, weil es bei einer Niederlage nichts zu feiern gibt und keine Durchhalteparolen gefragt waren, für die Politiker so berühmt und berüchtigt sind.


Von Ludwig Watzal|BETWEEN THE LINES

Die Freiheit des Westens, die angeblich am Hindukusch verteidigt werden sollte, ist dort zu Grabe getragen worden. Das mächtigste Militärbündnis der Welt musste nach 13 Jahren geschlagen von Dannen ziehen, besiegt von den Taliban, das heißt vom afghanischen Volk. Die Taliban stehen nur als Synonym für Widerstand gegen Fremdherrschaft und Besatzung. Die westliche Allianz ist der Schimäre des “Kampfes gegen den Terrorismus” von George W. Bush und seiner neokonservativen Bande und Oligarchie von Bankstern aufgesessen. Die Ursachen dieses “Terror” wurden erst durch die USA und Saudi-Arabien geschaffen.

In Afghanistan haben sich schon andere Besatzer versucht und sind gescheitert: Die Griechen, die Mongolen, die Briten, die Sowjets und schließlich die US-Amerikaner samt ihrer westlichen und anderen Vasallen. Wie schrieb bereits Theodor Fontane in seiner Ballade “Trauerspiel Afghanistan”:

“Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
Einer kam heim aus Afghanistan.”

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Wie Buddha nach Auschwitz kam

Missionar, Bischof und Entdecker in Afrika: der Franzose Prosper Augouard in einer Aufnahme von 1877. (Bild: Roger Viollet / Ullstein)
Religion gilt als Ursache von Krieg und Gewalt. Trotz zwei Weltkriegen hält sich dieses Vorurteil bis heute. Friede setzt interreligiöse Kompetenz voraus.


Von Stefan Betschon|Neue Zürcher Zeitung

Am linken Bildrand in einem Schiff ein bärtiger Mann, die Handflächen dem Betrachter zugewandt. Das Bild vereinigt verschiedene Blickpunkte, es zeigt mehrere Episoden aus dem Leben Manns. Er überquert das Meer, er predigt mit ausgestrecktem Zeigefinger. Bärtige Männer zerren an seinen Kleidern, jemand hält seinen Arm gepackt. Es nähern sich Männer mit Holzkeulen, einige werfen Steine. Dann liegt er auf dem Boden, dann belehrt er eine Persönlichkeit, die auf einem goldenen Thron sitzt. Der Prediger redet und redet, er pocht mit Zeigefinger der rechten Hand auf die linke Handfläche. Am rechten Bildrand wird der Prediger aus dem Bild hinausbegleitet zu einem Tor, man weiss nicht: Ist das der Ausgang oder die Tür zu einem Gefängnis. Mit Sprechblasen und einer multiperspektivischen Darstellung erinnert das Bild an moderne Comics, doch es entstammt einer Handschrift des 14. Jahrhunderts. Es zeigt den aus Palma de Mallorca stammenden Missionar Raimundus Lullus auf einer Reise nach Nordafrika.

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Aufruf für eine andere Russland-Politik: “Nicht in unserem Namen”

Wappen Russland
Wappen Russland
Gerhard Schröder und Antje Vollmer, Matthias Platzeck und Roman Herzog, Wim Wenders und Jim Rakete: Sie und viele andere Prominente fordern “eine neue Entspannungspolitik in Europa”. Wir dokumentieren den Text des Aufrufes.


DER TAGESSPIEGEL

Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!

Niemand will Krieg. Aber Nordamerika, die Europäische Union und Russland treiben unausweichlich auf ihn zu, wenn sie der unheilvollen Spirale aus Drohung und Gegendrohung nicht endlich Einhalt gebieten. Alle Europäer, Russland eingeschlossen,  tragen gemeinsam die Verantwortung für Frieden und Sicherheit. Nur wer dieses Ziel nicht aus den Augen verliert, vermeidet Irrwege.

Der Ukraine-Konflikt zeigt: Die Sucht nach Macht und Vorherrschaft ist nicht überwunden. 1990, am Ende des Kalten Krieges, durften wir alle darauf hoffen.

Aber die Erfolge der Entspannungspolitik und der friedlichen Revolutionen haben schläfrig und unvorsichtig gemacht. In Ost und West gleichermaßen. Bei Amerikanern, Europäern und Russen ist der Leitgedanke, Krieg aus ihrem Verhältnis dauerhaft zu verbannen, verloren gegangen. Anders ist die für Russland bedrohlich wirkende Ausdehnung des Westens nach Osten ohne gleichzeitige Vertiefung der Zusammenarbeit mit Moskau, wie auch die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Putin, nicht zu erklären.

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