Der Ursprung des Wortes „Mem“

Was haben LOLcats mit Evolutionsbiologie zu tun?

Von Johanna Mayer | RDF

Erste bekannte Verwendung: 1976

Wortherkunft: Ein Evolutionsbiologe vermischte das altgriechische Wort mimeme (nachahmen) mit dem englischen Wort gene, um die Voraussetzungen für LOLcats, Success Kid, Rick Rolling und so viel mehr zu schaffen.

Ein mundgerechtes Stück Kultur

„Ein Großteil dessen, was am Menschen ungewöhnlich ist, lässt sich in einem einzigen Wort zusammenfassen“, schreibt der Evolutionsbiologe Richard Dawkins in seinem 1976 erschienenen Buch Das egoistische Gen. „Kultur.“

Aber was hat Kultur mit Evolutionsbiologie zu tun? Wie Gene, so argumentiert er, bringt die kulturelle Vererbung einen Pfad zur Evolution hervor.

„Ich meine, dass auf diesem unserem Planeten kürzlich eine neue Art von Replikator aufgetreten ist“, schreibt Dawkins. „Er starrt uns ins Gesicht. Zwar ist er noch jung, treibt noch unbeholfen in seiner Ursuppe herum, aber er ruft bereits evolutionären Wandel hervor, und zwar mit einer Geschwindigkeit, die das gute alte Gen weit in den Schatten stellt. Das neue Urmeer ist die ‚Suppe‘ der menschlichen Kultur.“

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„Im Islam gilt schwarz als hässliche Farbe“

©Jörg-Hendrik Brase, FR Das Geschäft des Teppichmachers Haghighi befindet sich im zweiten Torbogen direkt neben der weltberühmten Imam-Moschee in Isfahan.
Jörg Brase und Niloufar Taghezadeh zeigen bunte Seiten des Lebens im Land der Mullahs.

Von Daland Segler | Frankfurter Rundschau

Von einem Land oder einer Stadt zu behaupten, es oder sie sei „voller Widersprüche“, gehört auf den Index. Denn zum einen gibt es wohl keine größere Ansammlung von Menschen, bei der sich nicht Widersprüche auftäten. Zum anderen ist die Phrase durch Tourismusindustrie und Medien derart abgenutzt, dass sich der Gebrauch verbieten sollte. Dennoch nennt Jörg Brase seinen Film „Iran bittersüß – Reise durch ein Land voller Widersprüche“. Und man kann dem Autor zugute halten, dass sein Berichtsgebiet tatsächlich wohl mehr Antagonismen bereit hält als andere Staaten.

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Türkische Religionsbehörde Diyanet: Steuergeld für Koran-Kurse und islamische „Aufklärung“

Mitten in der Wirtschaftskrise erhöht die Regierung in Ankara das Budget der Religionsbehörde Diyanet um 36 Prozent. Auf der anderen Seite wird das Wissenschaftsbudget um mehr als die Hälfte gekürzt. Säkulare Türken sind außer sich.

DOMRADIO.DE

Die Debatte ist nicht neu, und doch sind säkulare Türken verärgert. Grund ist Ankaras Haushaltsplan für das nächste Jahr. Demnach soll die türkische Religionsbehörde statt bisher 7,7 Milliarden Lira (rund 1,3 Milliarden Euro) nun 10,5 Milliarden (1,75 Milliarden Euro) bekommen – ein Plus von 36 Prozent. Die deutliche Erhöhung sorgt umso mehr für Unmut, da sich das Land in einer Wirtschaftskrise befindet und alle übrigen Ministerien sparen müssen.

So wurde etwa das Wissenschaftsbudget um 56 Prozent gekürzt. Die staatliche Religionsbehörde bekommt künftig fünfmal so viel Geld wie der Geheimdienst und sechsmal so viel, wie für das türkische Parlament vorgesehen ist.

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Schimpansen haben doch echte Kulturen

Wie oft sich Schimpansen gegenseitig das Fell pflegen, ist auch eine Frage ihrer Kultur. © Clara Dubois
Von wegen typisch menschlich: Auch Schimpansen können soziale Kulturen entwickeln. Dies bestätigen nun Beobachtungen wildlebender Tiere in einem Schutzgebiet in Sambia. Sie zeigen, dass es zwischen getrenntlebenden Schimpansen-Gruppen charakteristische Unterschiede im Sozialverhalten gibt – Unterschiede, die kulturell gelernt sein müssen. Denn die Gene oder die Umwelt lassen sich als Erklärung für die Verhaltensunterschiede ausschließen, wie die Forscher berichten.

scinexx

Kultur im Sinne eines angelernten sozialen Verhaltens galt lange Zeit als Domäne des Menschen. Doch Wissenschaftler vermuten inzwischen, dass auch andere Lebewesen echte Kulturen entwickeln können. Hinweise darauf wollen sie unter anderem bei unseren engsten Verwandten, den Schimpansen, gefunden haben. Demnach sind die Menschenaffen durchaus zu kulturellen Handlungen fähig – und legen mitunter sogar Verhaltensweisen an den Tag, die an religiös motivierte menschliche Rituale erinnern.

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Ingmar Bergman: Der Mann, der Obsession auf die Leinwand bannt

Der Geburtstag des schwedischen Regisseurs jährt sich am 14. Juli zum 100. Mal. Sein Vermächtnis ist so unermesslich wie die Mythen über ihn zahlreich. Sein Leben widmete er der Arbeit und dem produktiven Ringen mit den inneren Dämonen.

NZZ

Kaum ein Künstler hat die Unzulänglichkeiten des eigenen Charakters, seine Obsessionen, Passionen und Ängste gegenüber dem Leben so kraftvoll in Bilder gebannt wie Ingmar Bergman. Bei ihm wird das pralle Menschsein in der Faust geballt und mit unerbittlicher Gewalt auf den Zuschauer geworfen, von dem es als Frage abprallt. Kein Begriff konnte zu gross sein, um nicht in Angriff genommen zu werden. Es waren die existenziellen Relikte aus Bergmans Erziehung, die er in seiner Autobiografie «Laterna Magica» benennt: Sünde, Bekenntnis, Strafe, Vergebung und Gnade. Wenn der Satz des Filmkritikers Michael Althen stimmt, dass man «ins Kino geht, um das Leben zu lernen», ist Bergman dessen allergrösster Lehrmeister.

Denn wer meint, er könne die Seelenregungen des Menschen so einfach begreifen, wird angesichts der Filme von Bergman einsehen müssen, wie kläglich er scheitert. Man blickt fragend auf die Leinwand wie in einen Spiegel, doch zurück schaut eine unergründliche Maske ohne Antworten. Finale Gewissheiten existieren im Werk des schwedischen Regisseurs nicht, weder aus inhaltlicher noch aus ästhetischer oder psychologischer Perspektive. Bergmans Vermächtnis ist gewaltig und vielschichtig; es wurzelt, da er seine Drehbücher selbst fast ausnahmslos als Dramen verfasste, tief im Fundus europäischer Theatertradition. Seine rund fünfzig Spielfilme für Kino und Fernsehen waren nach eigener Aussage seine aufregenden Geliebten, während das Theater mit den über hundert Inszenierungen ihn als treue Gattin begleitete.

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Claude Lanzmanns Vermächtnis

Welt

Einen Tag vor seinem Tod kam sein letzter Film in die französischen Kinos: „Die vier Schwestern“. Darin dokumentiert der Schöpfer von „Shoah“ das Leben von vier Frauen, die Terror und Tod getrotzt haben.

Sie heißen Ada, Paula, Hanna und Ruth. Es sind schöne, stolze Frauen, jede für sich. Der französische Regisseur Claude Lanzmann hat sie zu Schwestern gemacht. Das waren sie nicht. Zwei von ihnen waren Polinnen, die eine kam aus Ungarn, die andere aus der Tschechei. Lanzmann hat sie in den Siebzigerjahren in Israel und den USA getroffen. Er hat die vier Frauen zu Schicksalsschwestern gemacht, zu Schwestern der Shoah.

„Die vier Schwestern“ heißt sein letzter Film, mit dem sich Claude Lanzmann von der Welt verabschiedet hat. Er kam am Vortag seines Todes in die französischen Kinos. Das mag die Dramaturgie des Zufalls oder seinem eisernen Lebenswillen geschuldet sein, sicher ist nur: Es ist die letzte Grußkarte des großen Lanzmann, gesandt aus der Welt des Unsagbaren und Unbeschreiblichen, gewidmet seinem viel zu früh verstorbenen Sohn Felix.

Lanzmann, der am 4. Juli vergangener Woche mit 92 Jahren gestorben ist, wollte dem Tod trotzen, bis zum Schluss. Er empfand den Tod, so sagte er das immer wieder, als eine Zumutung, als einen Skandal. Der Medizinprofessor Didier Sicard beschrieb bei der offiziellen Trauerfeier am Donnerstag im Ehrenhof des Pariser Invalidendoms seinen Freund Lanzmann bei einem Italienurlaub vor zwei Jahren, wie dieser von einem 14 Meter hohen Felsen ins Meer sprang. Kopfüber. Im Alter von 90 Jahren.

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Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat keine Wahl

Die Champions League in der Kommentierung von Oliver Welke (links) und Oliver Kahn ist Geschichte. Jetzt verschwindet der…Foto: dpa
Zum gesellschaftlichen Auftrag gehört auch der kommentierte Transport rassistischer Botschaften. Und Sport als Gemeinschaftserlebnis. Ein Beitrag von ZDF-Intendant Thomas Bellut.

Von Thomas Bellut | DER TAGESSPIEGEL

Nationalismus, Polarisierung, Diskriminierung von Minderheiten, Populismus, Unversöhnlichkeit, das alles sind prägende politische und soziale Begleiterscheinungen unserer Gegenwart. Sachlichkeit, Seriosität, Abgewogenheit haben es zurzeit schwer im gesellschaftlichen Diskurs. Die Medien sind Teil dieser scharfen Auseinandersetzungen, sie transportieren Botschaften, sie werten, lassen zu oder weg. Sie sind auch Teil politischer Strategien, werden genutzt oder instrumentalisiert, um Aufmerksamkeit und Wirkung beim Wahlvolk zu erzielen.

Der öffentlich inszenierte Skandal wird zum wirkungsvollen Instrument populistischer Politiker. Im Bundestag werden junge Frauen mit Kopftüchern diskriminiert, im US-Wahlkampf Bürger mit mexikanischen Wurzeln, viele Beispiele aus Wahlkämpfen in Ungarn, der Schweiz oder Italien unterstreichen das Bild. Medien müssen, mehr denn je, ihre Position überprüfen und entscheiden, welchen Weg sie gehen wollen: Anpassung der Inhalte an die Klientel bestimmter Parteien und Gruppierungen oder der anstrengende, journalistische Ansatz, eine Plattform für alle zu sein, möglichst objektiv und unabhängig, sich den Verlockungen des schnellen Urteils und der radikalen Meinung widersetzend.

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Südostasien: drei große Einwanderungswellen

Forscher bei der Ausgrabung prähistorischer Toter in Vietnam. Ihre DNA half bei der Rekonstruktion der Frühgschichte Südostasiens. © Lorna Tilley/ Australian National University
Von Migrationen geprägt: Südostasien hat in seiner Frühgeschichte drei große Einwanderungswellen erlebt, wie DNA-Vergleiche enthüllen. Im Gegensatz zu Europa vermischten sich die Gene dieser prähistorischen Immigranten aber nur zum Teil – das spiegelt sich bis heute im genetischen Erbe der Menschen wider, wie die Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten. Die Migrationen könnten aber auch erklären, warum in Südostasien heute zwei große Sprachfamilien vertreten sind.

scinexx

Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der Migrationen: Sowohl Europa als auch Nordamerika erlebten bereits in der Frühgeschichte mehrfache Einwanderungswellen, die bis heute Spuren in Erbgut und Kultur der Bevölkerung hinterlassen haben.

Rätselfall Südostasien

Für Südostasien jedoch ist die Besiedlungsgeschichte bisher nur in Teilen geklärt. So zeugen prähistorische Handabdrücke auf Sulawesi davon, dass der Homo sapiens seit mindestens 40.000 Jahren in dieser Region lebte. Australien dagegen scheint der moderne Mensch sogar schon vor rund 65.000 Jahren erreicht zu haben. Doch wie die Geschichte weiterging und woher beispielsweise die ersten Bauern kamen, war strittig. Auch der Ursprung der Sprachen in dieser Region blieb offen.

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Philosoph Robert Pfaller: „Moralisieren ist immer eine Verfallserscheinung“

foto: heribert corn Philosoph Robert Pfaller über die Moralisierung der Politik: „Moral will, dass es die Schwachen gut haben. Politik dagegen hat dafür zu sorgen, dass niemand schwach ist.“

Robert Pfaller über den Verlust der Erwachsenensprache in Politik und Kultur, die nur noch sprachliche Sozialpolitik der „Pseudolinken“ und die bloß symbolische „Volksnähe“ der neuen Rechten

Interview Lisa Nimmervoll | derStandard.at

Schon vor fünf Jahren war er von der „gouvernantenhaften Politik“, die ihm nicht nur das Rauchen verbieten wollte, so genervt, dass der Wiener Philosoph Robert Pfaller die Initiative „Mein Veto – Bürger gegen Bevormundung“ (unter anderem von der Tabak- und Bierindustrie unterstützt) und gleich auch noch „Adults for Adults“ mitinitiierte, eine Gruppe europäischer Intellektueller sowie Künstlerinnen und Künstler, die sich gegen bevormundende Politik, die die Wählerinnen und Wähler „wie Kinder behandelt“, einsetzen. Sein jüngstes Buch heißt Erwachsenensprache. Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur. Aber wem nützt die Infantilisierung? Antworten darauf gibt Pfaller am 25. April (17 Uhr, Hörsaal 3D, NIG, Universitätsstraße 7) im Rahmen der von Konrad Paul Liessmann in Kooperation mit dem STANDARD organisierten Vortragsreihe „Fachdidaktik kontrovers“ – und vorab hier:

STANDARD: Haben Sie Ihre Sprache im Lauf der jüngeren Zeit verändert? Gendern Sie? Schreiben Sie das Binnen-I? Gibt es Wörter, die Sie nicht mehr sagen, weil „man“ sie heute nicht mehr sagt?

Pfaller: Natürlich versuche ich andere Menschen beim Sprechen nicht ungewollt zu kränken oder zu beleidigen. Das Beste, was man meiner Ansicht nach dazu tun kann, ist, wie ein vernünftiger Mensch zu ihnen zu sprechen. Eine Kunstsprache zu verwenden, also zu „gendern“ oder ein Binnen-I einzufügen, scheint mir dabei eher hinderlich. Man klingt dabei schnell nicht mehr wie ein vernünftiger Mensch. Und man wirkt auf ungute Weise bemüht oder sogar ein wenig aggressiv – so, als ob man Peinlichkeit vermeiden müsste oder den anderen belehren wollte. Diese Sprachtricks dienen ja nicht so sehr dazu, Dritte zartfühlend zu benennen. Sie haben in erster Linie die Funktion, die Zweiten, also die, zu denen man spricht, sozial zu überbieten und sie pädagogisch zu unterwerfen.

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Alexander Dobrindt: „Kein islamisches Land hat eine vergleichbar demokratische Kultur“

Alexander Dobrindt, Vorsitzender der CSU-LandesgruppeFoto: dpa/Peter Kneffel
CSU-Landesgruppenchef Dobrindt will nicht, dass der Islam kulturell prägend wird in Deutschland. Er vermisst in der islamischen Welt Nächstenliebe und Toleranz.

DER TAGESSPIEGEL

Der Islam soll nach Ansicht von CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt für Deutschland kulturell nicht prägend werden. „Muslime, die sich in unsere Gesellschaft integrieren wollen, sind Teil unseres Landes, aber der Islam gehört nicht zu Deutschland“, sagte Dobrindt den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Er ist für unser Land kulturell nicht prägend und er soll es auch nicht werden.“

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Die Globalisierung verstehen

Grafik: TP
Wirtschaft, Politik, Kultur, Religion, Demographie und Technologie: Die großen sechs Treiber, auf die es ankommt

Roland Benedikter | TELEPOLIS

Es ist nicht leicht, die Phänomene der heutigen Globalisierungsphase ohne grundlegendes Raster: ohne „Lesehilfe“ zu verstehen. Zu komplex zusammengesetzt und widersprüchlich sind Entwicklungen und Ereignisse – und zu vielfältig scheinen die „Treiber“ (global drivers) am Werk. Heuristische Studien von Universitäten wie Stanford, MIT oder Humboldt zeigen aber, dass bei praktisch allen wichtigen Vorgängen der Gegenwart mindestens sechs typologische Gestaltungslogiken im Spiel sind: die von Wirtschaft, Politik, Kultur, Religion, Demographie und Technologie.

Diese „großen Sechs“ entsprechen zentralen Gesellschaftsdiskursen der Moderne, die seit dem 18. und 19. Jahrhundert weitgehend voneinander unabhängige, funktionale Teilbereiche ausdifferenzierter Gesellschaften geformt haben. Es handelt sich aber auch um sechs sowohl in Prinzipien wie Vorgehensweisen unterschiedliche Sicht-, Denk- und Handlungsweisen innerhalb moderner Gesellschaften, die eigene historische Erinnerungskulturen (einschließlich Links-Recht-Dialektiken) aufweisen und darauf aufbauend Phänomene und Prozesse der Globalisierung sehr unterschiedlich deuten und strategisch antizipieren.

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So sickern Verschwörungstheorien in die reale Politik ein

Der Klassiker: Dass die Mondlandung Fake gewesen sei, gehört zu den unsinnigsten Verschwörungstheorien – und zu den beliebtesten Quelle: picture-alliance/ dpa
Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur. Scharfmacher nutzen sie als politische Waffe. Der Forscher Michael Butter hat nun untersucht, warum dagegen kaum ein vernünftiges Kraut gewachsen ist. Es ist vielleicht das Buch des Jahrzehnts.

Von Sascha Lehnartz | DIE WELT

Einen Monat vor der Präsidentschaftswahl, am 7. Oktober 2016, veröffentlichte die „Washington Post“ ein Video aus dem Jahr 2005, das bei der Produktion der Sendung „Access Hollywood“ aufgezeichnet wurde. Wenn man ein Star sei, könne man sich bei Frauen alles erlauben, sagt Donald Trump da. Ihnen in den Schritt fassen zum Beispiel. „Grab them by the pussy.“ Für einen kurzen Moment sieht es da so aus, als sei der Präsidentschaftskandidat Donald Trump erledigt. Ein Mann, der solche Sätze über Frauen sagt, könne unmöglich Präsident werden, sind zumindest Mainstream-Medien überzeugt.

Sechs Tage später hat Trump einen Wahlkampfauftritt in Florida. Dabei macht er ein Fass ohne Boden auf: Das „amerikanische Volk“ werde von einem korrupten Establishment ausgebeutet, das nur auf seine eigene Bereicherung aus sei. Eine „globale Machtstruktur“ knechte amerikanische Arbeiter und raube dem Land seine Ressourcen, behauptet der Milliardär. Es bleibe nicht viel Zeit.

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Hitler, menschliche Gehirne und entspannte Paviane

Bild: AG EvoBio

Sind Menschen nette oder unangenehme Primaten? Wie entstehen nette Menschen? Wie entstehen unangenehme Menschen? Wie entstehen normale Menschen, die mal nett und mal unangenehm sind? Was lässt die normalen Menschen sich mal nett, mal unangenehm verhalten? Sind die Gene dafür verantwortlich? Sind die Gehirnstrukturen schuld? Oder ist alles von der Kultur beeinflusst?

Von Steffen Münzberg | AG EvoBio

SAPOLSKY möchte in diesem Buch zeigen, wie stark unsere Persönlichkeit von Gehirnstrukturen geprägt wird und wie die Kultur unser Verhalten beeinflusst. Das menschliche Gehirn ist ein soziales Gehirn, das evolutionär für das Gruppenleben geformt wurde. Das Buch beschreibt, über welche Mechanismen die soziale Kultur in unsere Gehirne hinein wirkt und – das ist neu! – wie die Kultur über Kindheitserfahrungen sogar einige Gehirnstrukturen formt. SAPOLSKY bleibt immer hart an den wissenschaftlichen Versuchsergebnissen und gestattet sich nur wenige Thesen über die Funktionsweise verschiedener Kulturen. Dieses Buch verkleinert die noch weit klaffende Lücke zwischen Natur- und Geisteswissenschaften ein wenig. Dieses Buch ist ein schönes Beispiel, wie die Wirkung von biologischen Dingen auf das menschliche soziale Leben gut dargestellt werden kann, ohne in Biologismus zu verfallen. Noch nie gab es eine solch kompakte Darstellung der Gehirn-Zusammenhänge, die über mehrere Organisationsebene der Materie reicht – von den Genen über die Evolution, das Gehirn und die Gruppen bis hin zur Kultur.

Der Neurowissenschaftler und Primatologe Robert SAPOLSKY beginnt das Buch mit seinem Hass auf Adolf Hitler, dessen willige Helfer viele Verwandte SAPOLSKYs getötet hatten. SAPOLSKY stellt die Frage: Wieso sind so viele Menschen Hitler gefolgt? Was findet in Menschen statt, die autoritären Ideologien folgen?

Das menschliche Gehirn entscheidet über das Handeln des Menschen. Im Gehirn stoßen Biologie und Kultur zusammen. Zusammen lassen Biologie und Kultur den Menschen agieren. Alle Überlegungen, warum ein Mensch wie handelt, müssen mit dessen Gehirn beginnen. Die Struktur des Buches folgt diesem Gedanken und beginnt mit der Beschreibung augenblicklicher Entscheidungen und Handlungen, um dann zeitlich immer weiter zurückzugehen, um die verschiedenen Ursachen des Handelns zu beleuchten.

Wer denkt denn da?

Zuerst geht es darum: Welche Gehirnteile tut was? Wie interagieren die Gehirnteile miteinander? Als nächstes geht es darum, was die Gehirnteile in den letzten Minuten, Tagen und Monaten beeinflusst hat. Wie hat sich das Erlebte auf die Gehirnteile ausgewirkt? Dann wird betrachtet, wie sich das Gehirn in Pubertät, Kindheit und Schwangerschaft entwickelt. Welche äußeren und welche genetischen Einflüsse formen die Gehirne? Und wie formte die Evolution die Gene, die wiederum unsere Gehirne formen?

Das menschliche Gehirn ist ein soziales Gehirn. Wie die Gehirne vieler anderer Primaten. Viele Gehirnfunktionen sind für das Zusammenleben mit vielen Gruppenmitgliedern herausgebildet worden. Wer war mal nett zu mir? Wer hatte mir mal die Beeren geklaut? Wer hat mich bei meinem Paarungsversuch gestört? Wer hat mir mal bei einer Keilerei geholfen? Wer sind die Freunde und Verwandte dieser netten oder unangenehmen Primaten? Unser Gehirn führt Buch über all das, was uns widerfährt und vom wem es uns widerfährt.

Mein Gehirn und die Anderen

Unser soziales Gehirn liebt es, in Gruppen-Kategorien zu denken: Meine Gruppe = alles tolle Typen, andere Gruppe = alle doof. SAPOLSKY zeigt in seinem Buch, wie dieses Gruppendenken im Gehirn arbeitet. Er zeigt an vielen interessanten Beispielen, wie durch Schlüsselworte, Umgebungsbedingungen und vorangegangene Ereignisse unser Gruppendenken beeinflusst wird. Wenn wir auf einem harten Stuhl sitzen, empfinden wir Menschen der anderen Gruppe unangenehmer, als wenn wir unseren Allerwertesten auf einem weichen Sessel positioniert haben. Unsere Vorliebe für Sauberkeit und unsere Angst vor Parasiten werden manchmal zur Manipulation unseres Gruppenverhaltens missbraucht. SAPOLSKY meint: „Traue niemandem, der die Anderen als Ratten oder Schaben bezeichnet!“.

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Sex oder Sozialismus?

Kultur wird zum Erklärungsmuster für vieles, wenn nicht für alles. Aber was fällt dabei unter den Tisch? (Bild: PD)
Erklärt Kultur alles? Terry Eagleton macht sich auf die Suche nach den blinden Flecken der postmodernen Geisteswissenschaften.

Von Oliver Pfohlmann | Neue Zürcher Zeitung

Dass ein Autor die Bedeutung seines Gegenstandes herunterspielt, kommt eher selten vor. Terry Eagleton erinnert dennoch daran, dass es Wichtigeres gibt als die «Kultur», der sein neuestes Buch gewidmet ist. Überhaupt haben für den britischen Literatur- und Kulturwissenschafter die heute zentralen Probleme der Menschheit, der Klimawandel zum Beispiel oder Hunger, zwar kulturelle Aspekte, sind aber im Kern von handfest materieller Natur.

Der 74-jährige Marxist und Skeptiker hat sich zunehmend den, wenn man so will, letzten Dingen zugewandt – in Büchern wie «Der Sinn des Lebens» (2008), «Das Böse» (2011) und «Der Tod Gottes und die Krise der Kultur» (2015). Nun zieht er wieder gegen seinen Lieblingsgegner zu Felde: die Postmoderne. Deren Vertretern in den Geisteswissenschaften wirft er vor, die «Kultur» zu einer Art Generalschlüssel für sämtliche Aspekte der gesellschaftlichen Realität erhoben zu haben.

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Prominente auf dem Kirchentag – Dodo-Treffen

Auf dem 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag werden zahlreiche prominente Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Kirche erwartet.

evangelisch.de

So wird der ehemalige US-Präsident BARACK OBAMA am 25. Mai mit Bundeskanzlerin ANGELA MERKEL vor dem Brandenburger Tor zum Thema „Engagiert Demokratie gestalten – Zuhause und in der Welt Verantwortung übernehmen“ diskutieren. Ebenfalls aus den USA reist MELINDA GATES an, Ehefrau von Microsoft-Gründer Bill Gates. Sie spricht am 25. Mai darüber, wie Armut auf der Welt wirksam verringert werden kann.

Außenminister SIGMAR GABRIEL können Besucher am 26. Mai in einer Diskussion über deutsche Außenpolitik in Zeiten des Umbruchs erleben. SPD-Kanzlerkandidat MARTIN SCHULZ spricht am selben Tag über „Glaubwürdigkeit in der globalen Gesellschaft“. Bundespräsident FRANK-WALTER STEINMEIER referiert am 27. Mai zum Thema „Ist die Vernunft noch zu retten? Verantwortliches Handeln in den Gegenwart“. Er spricht zudem am 28. Mai ein Grußwort nach dem Festgottesdienst in Wittenberg.

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Vom Glauben der Ungläubigen

Eine Gläubige in Colombo wartet auf Papst Franziskus bei dessen Besuch in Sri Lanka. (Bild: Alessandra Tarantino / AP)
Die Kirchen schrumpfen, die Zahl der Nicht-Religiösen wächst, die Atheisten organisieren sich. Und doch geht das Gespenst des Christentums um. Oder war es gar nie weg?

Von Urs Hafner | Neue Zürcher Zeitung

An Weihnachten jubiliert der Christ und leidet der Atheist. Auf Schritt und Tritt stösst er auf den Gottessohn in der Krippe. Ostern sind besser: Da geht auch die Atheistin Eier suchen, isst Schokoladenhasen und freut sich an Fruchtbarkeit und Frühlingserwachen. Das heidnische Kirchenfest bietet allen einen spirituellen Mehrwert. Und der Atheist bemerkt einmal mehr, dass auch die Christin die komplexe Bibelgeschichte nicht kapiert, die in die pfingstliche «Ausgiessung des Heiligen Geistes» mündet.

Ist die westliche Kultur noch christlich geprägt oder nicht mehr, steuern wir auf einen gottlosen Zustand zu? Dies vermutet die sogenannte Säkularisierungstheorie der Religionssoziologie: Seit dem Mittelalter emanzipiere sich die Gesellschaft zunehmend von der Kontrolle durch die Kirchen und von der Religion. In der Tat ist die christliche Religion, die noch vor ein paar hundert Jahren die europäische Welt fast lückenlos umspannte und das Denken durchdrang, in der Moderne in einen Sonderbereich abgedrängt worden – neben den Bereichen Recht, Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft.

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Was ist die Ursache des ethischen Relativismus?

Bild: RDF
Bild: RDF
Ihrer Auffassung nach sind bestimmte Charaktereigenschaften oder Handlungen nicht eindeutig gut (z.B. die Rechte anderer Menschen achten), böse (Menschen ermorden) oder neutral (Schoko- oder Vanilleeis essen), sondern es ist demnach rein subjektiv, wie man sie bewertet. Es mag von einem Individuum persönlich abhängen oder von der Kultur, in der man lebt, von der eigenen sozialen Gruppe, vom eigenen Gott, aber jedenfalls ist es nicht universell anhand von Fakten feststellbar, was gut und was böse ist. In China essen sie Hunde.

Von Andreas Müller | Richard-Dawkins-Foundation

Mir ist aufgefallen, dass in der Philosophiegeschichte unterschiedliche Gründe für eine solche Position angeführt wurden. Beispiele für ethischen Relativismus findet man unter anderem bei den altgriechischen Sophisten (die Kulturrelativisten gewesen sein sollen), bei den Emotivisten des 18. und 20. Jahrhunderts (ethische Wertungen sind nur Ausdruck unserer emotionalen Haltungen), bei Friedrich Nietzsche im 19. Jahrhundert und bei anderen Deterministen wie etwa den Marxisten (Moral wird nicht durch menschliche Willensentscheidungen, sondern durch externe Faktoren wie die ökonomische Klasse bestimmt) und bei den Pragmatikern des 19. und 20. Jahrhunderts (moralisch ist, was „funktioniert“).

Im wissenschaftlichen Bereich ist der ethische Relativismus bei Anthropologen weit verbreitet, was ich für zumindest verständlicher halte als bei allen anderen, denn man man seine Karriere mit der Analyse verschiedener Kulturen verbringt, kann es leicht so erscheinen, als gäbe es nur eine Vielfalt ethischer Vorstellungen und keinen objektiven Maßstab für moralische Werte.

Was ist ein objektiver Moralmaßstab?

Um kurz anzureißen, was ich mit einem solchen „objektiven Maßstab“ der Ethik meine: Laut meiner humanistischen Auffassung ist das menschliche Leben jener objektive Maßstab der Ethik. Man sollte Handlungen also danach beurteilen, ob sie dem menschlichen Leben dienen oder nicht. Den Menschen verstehe ich als vernunftbegabte Lebensform mit einem freien Willen.

Der Begriff „objektiv“ bedeutet in der hier gebrauchten aristotelischen im Gegensatz zur modernen Tradition nicht so etwas wie „vom Menschen unabhängig“ oder „aus der Sicht eines außenstehenden Betrachters“, sondern er bedeutet „faktenbasiert“ im Gegensatz zu „subjektiv“, das heißt willkürlich, etwa beruhend auf persönlichen Launen, Wünschen, spontanen Einfällen oder Göttern. Es gibt Fakten über die menschliche Natur und über die angemessenen Überlebensbedingungen für eine Lebensform, wie wir eine sind. Eine Ethik, die auf diesen Tatsachen aufbaut, kann einen Anspruch darauf erheben, objektiv zu sein (was nicht dasselbe ist wie „unfehlbar“).

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Identitäre Bewegung: Die neuen Rechten – hip und völkisch

 Die Identitäre Bewegung, hier eine Demonstration in Freilassing, sieht sich in einem existenziellen Kampf zwischen Europa und den Muslimen © Picture Alliance
Die Identitäre Bewegung, hier eine Demonstration in Freilassing, sieht sich in einem existenziellen Kampf zwischen Europa und den Muslimen © Picture Alliance
Keine Glatzen mit Springerstiefeln, sondern smarte Jungs in Sneakern. Die Identitäre Bewegung gibt sich modern. Ihr Spielfeld: Facebook und Twitter. Ihre Haltung: national. Ihr Feind: der Islam.

Von Ruben Rehage | stern.de

Auf einmal geht alles ganz schnell. Ein schwarzer Transporter taucht auf, Schritttempo, er fährt direkt vor das gelbe Gebäude am Platz vor dem Neuen Tor, Hausnummer 1, Berlin-Mitte: die Bundesgeschäftsstelle der Grünen. Es ist Samstagmittag, diesiggrauer Himmel. Plötzlich kommen aus allen Richtungen Jugendliche angelaufen, 20 vielleicht, es sieht aus wie ein Überfall. Zwei öffnen die Türen des Transporters, darin eine Leiter. Minuten später steht Robert Timm auf dem Balkon. Pyrotechnik brennt, gelbe Fahnen werden geschwenkt, neben ihm noch sechs andere Jungs, er hat ein Megafon in der Hand, ruft: „Meine Damen und Herren, die Identitäre Bewegung hat wieder zugeschlagen.“

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Gewalt: Biologisches Erbe oder Kultur?

Aggression unter Artgenossen gibt es bei Schimpansen und anderen Primaten häufiger als bei den meisten anderen Säugetieren. © USO/thinkstock
Aggression unter Artgenossen gibt es bei Schimpansen und anderen Primaten häufiger als bei den meisten anderen Säugetieren. © USO/thinkstock
Gewalttätiges Erbe: Sind Mord und Totschlag bei uns kulturell bedingt – oder doch ein biologisches Erbe? Eine „Rasterfahndung“ im Säugetierstammbaum liefert dazu nun neue Fakten. Demnach nimmt die innerartliche Aggression auf dem Weg zu den Primaten deutlich zu, gleichzeitig fördert eine soziale und territoriale Lebensweise die Gewalt, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten. Wir Menschen haben daher gleich in doppelter Hinsicht eine hohe Gewaltneigung geerbt.

scinexx

Mord und Totschlag gibt es schon seit den Anfängen der Menschheit: Schon unter Neandertalern gab es tödliche Fehden, Massaker und sogar Kannibalismus, aber auch der Homo sapiens metzelte Gegner nieder, wie 10.000 Jahre alte Skelettfunde belegen.

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