Schlagwort-Archive: Leid

Sterbehilfe-Debatte: “Der Staat darf niemanden zwingen zu leben”

Strafrechtler Reinhard Merkel. Bild: stern.de
Der Bundestag diskutiert über die Gesetzgebung zur Beihilfe zum Suizid, eine Mehrheit will sie wohl verbieten. Strafrechtler Reinhard Merkel findet das unmoralisch.


Interview Laura Himmelreich|stern.de

Herr Merkel, sollte ein Staat definieren, wie viel Schmerz und Leid ein Mensch ertragen muss, bevor er sich das Leben nehmen darf?

Nein. Das geht den Staat nichts an. Er muss Leben schützen, darf aber den Einzelnen nicht zwingen, gegen dessen Willen weiterzuleben.

Kann es dann überhaupt ein Unrecht sein, dass ein Mensch einem anderen beim Sterben hilft?

Sofern der Sterbewillige selbstbestimmt handelt und einen ernsthaften Wunsch hat, sein Leben zu beenden: nein. Denn es gibt keine rechtliche Pflicht zum Leben. So etwas wäre verfassungswidrig. Moralisch mag man, je nach ethischer Orientierung, den Suizid für verwerflich halten. Juristisch kann er kein Unrecht sein.

weiterlesen

Protestantische Ethik: Das Kreuz mit der Kirche

Bild: tilly
Bild: tilly
Warum nur tun sich die Kirchen so schwer mit der Wirtschaft? Auf vielen evangelischen Veranstaltungen wird viel zu pauschal die Wirtschaft für das Leid der Welt verantwortlich gemacht. Ein Gastbeitrag von Nikolaus von Bomhard, dem Chef der Munich Re.


Frankfurter Allgemeine

Wer kennt nicht das Filmpärchen Don Camillo und Peppone? Der katholische Priester und der kommunistische Bürgermeister, die im Nachkriegsitalien mit Herzblut ihre Feindschaft pflegen. Aus den heimlichen Freunden von einst sind inzwischen ziemlich beste Freunde geworden. Die unterschiedliche Weltsicht von christlicher Kirche einerseits und linker Politik andererseits scheinen zumindest auf dem Gebiet der Wirtschaft weitgehend verschwunden. Das zugegebenermaßen verkürzt diskutierte Papst-Wort „Diese Wirtschaft tötet“ und daran anknüpfende Schriften, wie das Buch des Sozialethikers und Jesuiten Friedhelm Hengsbach mit dem Titel „Teilen, nicht töten“, zeigen, wie prononciert die katholische Kirche Kritik an der wirtschaftlichen Ordnung heutzutage formuliert.

Ähnliche Stimmen hört man auch aus dem evangelischen Umfeld, in der Kritik an der Wirtschaft ist die Ökumene gelebte Realität. In wenigen Tagen findet der Evangelische Kirchentag in Stuttgart statt. Es freut mich sehr, dass das Programm Besuche bei Unternehmen in der Region vorsieht. Denn aus der einst von Max Weber diagnostizierten Wahlverwandtschaft zwischen protestantischer Ethik und unternehmerischem Denken ist ein eher zerrüttetes Familienverhältnis geworden. Viele evangelische Veranstaltungen ähneln inzwischen alternativen Kulturfesten, bei denen das Leid der Welt vor allem einer Ursache zugeordnet wird: dem Handeln der Wirtschaft. Diese sei verantwortlich für Armut und Ungerechtigkeit innerhalb Deutschlands wie global, sie zerstöre die Schöpfung und gefährde die Demokratie, sie sei das goldene Kalb, um das fehlgeleitete Politiker und Manager tanzen.

weiterlesen

Die Sterbehilfedebatte

sterbenViele Menschen werden durch die aktuelle Sterbehilfedebatte verunsichert und spüren Ängste, wenn sie an ihr eigenes Lebensende oder das ihrer Angehörigen denken. Diese durch die öffentliche Diskussion geweckten Ängste haben weniger mit der adäquaten Angst vor der Endlichkeit des Lebens und der Aussicht auf den Tod zu tun, als mit Vorstellungen von Leid, Autonomie- und Würdeverlust am Lebensende, die so gar nicht in unsere Zeit, in der wir scheinbar alles beherrschen können, hineinpassen wollen.


Von Dr. Stephan M. Probst|haGalil.com

Die sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft intensiv geführte Diskussion kann aber (und sollte auch unbedingt) eine Chance sein, jetzt zu definieren, was für uns und in unserer Zeit „Sterben in Würde“ heißt und zugleich die Bedingungen dafür zu schaffen, dass wir ohne Angst vor Würdeverlust dem Tod entgegensehen können. Statt unbegründete Ängste zu schüren, müssen solche genommen und Missverständnisse aufgeklärt werden. Andererseits muss klar benannt werden, was den Erhalt unserer Würde am Lebensende tatsächlich gefährden könnte und was wir dagegen tun können. Es muss also mit Missständen aufgeräumt werden. Antworten auf den in vielzitierten Umfragen scheinbar bewiesenen großen Bedarf an Möglichkeiten einer aktiven Sterbehilfe, fallen dann überraschend anders aus, wenn wir ernsthaft miteinander über Sterben und Tod sprechen und uns auf das Thema angemessen einlassen.

Der Bundestag hat sich vorgenommen, im kommenden Herbst über verschiedene fraktionsübergreifende Anträge abzustimmen, die die Suizidbeihilfe regeln sollen. Die politische Debatte wird inzwischen objektiver und differenzierter geführt, oft hört man auch den Verweis auf die christlich-jüdische Kultur und ihre Werte.  Aber wie wird die Diskussion in den jüdischen Gemeinden und Familien geführt ? Liegen in der gesellschaftlichen und politischen Debatte auch Chancen für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland?

In der öffentlichen Diskussion, in der jüdische Stimmen nur sehr vereinzelt zu hören sind und die nur zaghaft in der hiesigen jüdischen Gemeinschaft fortgeführt wird, gehen viele Begrifflichkeiten durcheinander und dadurch wird weit über das eigentliche, durch die Gesetzesinitiative des Gesundheitsministers Gröhe zu entscheidende Thema, nämlich die ärztliche Suizidassistenz hinaus diskutiert.Suizidbeihilfe

Während in der breiten Gesellschaft die Begriffe aktive, passive und indirekte Sterbehilfe oder palliative Sedierung aus medizinischer, ethischer und juristischer Perspektive definiert und diskutiert werden, haben wir die Gelegenheit, an dieser Stelle einen jüdischen Beitrag hierzu zu geben. Ein jüdischer Beitrag zur gesellschaftlichen Diskussion könnte ein wunderbares Signal sein, dass das Judentum Teil der deutschen Gesellschaft ist und andererseits könnte es eine Entscheidungshilfe für all die sein, die im Judentum ihre religiöse und spirituelle Heimat sehen und Orientierung für eine eigene Meinung und Entscheidung zu und in diesen existenziellen Fragen suchen.

Der erste grundsätzliche Beitrag des Judentums zu dieser Diskussion ist die Klarstellung, dass Kranke, Leidende, Alte, Demente und Behinderte keine Last sind. Sinnerfüllung kann auch aus der Begegnung mit und durch die Fürsorge für diese Menschen entstehen und das allgegenwärtige „schöner, besser und leistungsfähiger“ verspricht eben nicht immer größeres Glück. Ein gesellschaftlicher Wandel in diesem Sinne könnte einige der oben angedeuteten Ängste nehmen. Vor allem die, die dadurch entstehen, dass die Vorstellung mit Verlust der Würde zu sterben daher kommt, dass man durch seine Hilflosigkeit der Gesellschaft oder Familie zur Last fällt und sich schlimmstenfalls zum „sozialverträglichen Frühableben“  gedrängt sieht.

weiterlesen

Forscher: Kirche muss Leid der Missbrauchsopfer ehrlich anerkennen

missbrauch_katholDer Psychiater Harald Dreßing hat die katholische Kirche zu einer “ehrlichen Anerkennung des Leides” von Missbrauchsopfern aufgerufen.


evangelische.de

“Das kann nicht nur in der Zahlung einer Geldsumme bestehen”, sagte er dem “Mannheimer Morgen” (Dienstagsausgabe). Die Kirche müsse genau hinhören, was sich die Betroffenen wünschten. Dreßing leitet ein Forschungsprojekt zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Das Projekt soll Ende 2017 abgeschlossen sein.

Vor fünf Jahren, im Januar 2010, wurden in Berlin Fälle sexuellen Missbrauchs am katholischen Canisius-Kolleg aufgedeckt. Weitere Skandale folgten, die in Kirche und Gesellschaft eine breite Debatte über sexuellen Missbrauch anstießen. Die Enthüllungen sorgten für eine massive Vertrauenskrise in der katholischen Kirche. In den deutschen Diözesen traten allein 2010 mehr als 180.000 Menschen aus der Kirche aus.

weiterlesen

Hape Kerkelings Religiotie

Hape Kerkeling: „Gott bleibt für mich bis heute der unsichtbare Komponist einer wundervollen Musik“ Foto: Stephan Pick
„Gott muss phantastisch sein“
Hape Kerkeling hat ein Faible fürs Spirituelle. Das wissen seine Fans spätestens seit dem Bestseller „Ich bin dann mal weg“. In den nun erschienenen Memoiren des Komikers, arbeitet er den Suizid seiner Mutter auf und berichtet, wie diese Erfahrung seinen Glauben geprägt hat.

Von Anna Lutzpro Medienmagazin

„Gott bleibt für mich bis heute der unsichtbare Komponist einer wundervollen Musik“, schreibt Kerkeling in der Autobiografie „Der Junge muss an die frische Luft“. „Nach seiner Musik zu urteilen, muss Gott phantastisch sein, und ich kann keinen einzigen Grund dafür erkennen, warum ich an ihm zweifeln sollte“, bekennt er. Doch wer Kerkelings Buch gelesen hat, erkennt, dass der Komiker durchaus Grund zum Zweifeln hatte. Als Achtjähriger erlebte er mit, wie sich seine Mutter mit Schlaftabletten das Leben nahm. Stundenlang lag er während ihres Todeskampfs neben ihr im Bett, bevor sie ins Krankenhaus eingeliefert wurde, wo sie schließlich verstarb. „Also lege ich mich wieder hin, schließe die Augen, falte die Hände und bete starr vor Angst das Vater-unser rauf und runter. Etwas besseres fällt mir nicht ein“, erinnert er sich an die letzten Stunden, die er gemeinsam mit seiner Mutter zu Hause verbrachte.

weiterlesen

Wann ist Selbsttötung christlich vertretbar?

In seinem Buch „Glücklich sterben?“ schreibt der katholische Theologe Hans Küng, dass er den Zeitpunkt seines Todes selbst wählen möchte Foto: Muesse / Verlag Piper | CC-BY 3.0
Darf ein gläubiger Mensch seinem Leben ein Ende bereiten, wenn er es aufgrund von Krankheit und Leid nicht mehr erträgt? Oder verachtet er damit Gottes Geschenk des Lebens? Der katholische Theologe Hans Küng möchte den Freitod wählen und erklärt sich in einem Buch.

Von Jörn Schumacherpro Medienmagazin

Der Theologe Hans Küng, der einerseits als Mitbegründer der Stiftung Weltethos, andererseits wegen seiner Kritik an der Katholischen Kirche bekannt wurde, hat vor einigen Jahren öffentlich gemacht, dass er an Parkinson erkrankt ist. Der 86-jährige in der Schweiz geborene Priester und Buchautor hat schon früher in Vorlesungen seine Meinung geäußert, jeder Mensch solle sein Leben selber beenden können, wenn es für ihn unerträglich geworden sei.

Nun hat er in dem Buch „Glücklich sterben?“, das im Verlag Piper erschienen ist, seine Entscheidung begründet, selbst den Zeitpunkt seines Todes angesichts der fortschreitenden Krankheit wählen zu wollen. Im Buch ist die Abschrift eines Interviews abgedruckt, das Küng mit der Journalistin Anne Will führte, und das die ARD am 20. November 2013 ausstrahlte. Der Theologe erklärt darin: „Ich weiß, dass mein Leben sich vollendet hat, dass ich weiter keine Aufgaben mehr zu erfüllen habe, dass es einfach Zeit ist. […] Ich möchte so sterben, dass ich noch voll Mensch bin und nicht nur reduziert auf ein vegetatives Dasein. Oder wie mein Freund Walter Jens eigentlich auf die Kindheit zurückgeführt.“

weiterlesen

Die EU und religiöse Symbole – Das Kreuz steht erneut zur Debatte

Anton Losinger, Bild: ethikrat.org
Nach den Äußerungen des sozialdemokratischen EU-Spitzenkandidaten Martin Schulz gegen religiöse Symbole stellt sich die Frage: Welche Bedeutung hat das Kreuz für uns? Warum brauchen wir das Kreuz?

Von Anton Losingerkath.net

Das Kreuz Jesu Christi steht erneut zur Debatte. Der sozialdemokratische Spitzenkandidat bei der Europawahl, Martin Schulz, will alle religiösen Symbole aus dem öffentlichen Raum verbannen. Vor einigen Tagen hatte er in einer TV-Debatte gesagt, dass zwar jeder die Möglichkeit haben solle, seinen Glauben persönlich zu zeigen. Der öffentliche Ort müsse jedoch “neutral” sein, darauf müsse er bestehen. Schulz sieht in Europa “das Risiko einer sehr konservativen Bewegung zurück”. Dies müsse bekämpft werden.

weiterlesen

Taifun Haiyan: Wie konnte Gott das zulassen?

In Tacloban zerstörte Haiyan Tausende Häuser – hier eine Siedlung am Fischereihafen der Provinzhauptstadt. (Foto: REUTERS)
Katastrophen wie der Taifun “Haiyan” auf den Philippinen lassen selbst gläubige Menschen zweifeln: Wie konnte Gott das zulassen?

evangelisch.de

In der Theologie bezeichnet der Begriff “Theodizee” den Versuch, die Allmacht und Güte Gottes angesichts unschuldigen Leidens in der Welt zu rechtfertigen. Theodizee leitet sich vom griechischen “theos” (Gott) und “dike” (Gerechtigkeit) ab. Schon im Alten Testament (Hiob, Psalter) und in der griechischen Antike (Epikur) wird das Problem bedacht.

weiterlesen

Bullshistic: Wie spricht man mit Atheisten über Glauben?

Das Kreuz mit den Religionen
Das Kreuz mit den Religionen
Der Berliner evangelische Pfarrer Alexander Garth gibt Tipps

kath.net

Etwa jeder sechste Bürger in Deutschland (17 Prozent) versteht sich nach Umfragen als Atheist. Wie kann man mit Gottesleugnern über den christlichen Glauben sprechen? Tipps dazu gibt der Berliner evangelische Pfarrer Alexander Garth im evangelischen Wochenmagazin ideaSpektrum (Wetzlar/Mittelhessen). Er ist seit August für die Vineyard-Bewegung (Weinberg-Bewegung) tätig, die missionarische Gemeinschaften in der Bundeshauptstadt gründet. Garth empfiehlt Christen, Atheisten mit Wertschätzung zu begegnen und nicht nach Defiziten in ihrem Leben zu suchen. Die wenigsten von ihnen hätten sich bewusst für ein Leben ohne Gott entschieden: „Vielmehr ist ihr Atheismus (wie auch der Glaube) das Resultat aus prägenden Begegnungen, Erziehung, Lebensumständen, Schicksalsschlägen.“ Wenn man den Unglauben eines Menschen verstehen wolle, müsse man auf seine Lebensgeschichte hören. Gute Fragen und engagiertes Zuhören sind laut Garth der beste Weg, um Gott ins Gespräch zu bringen. Er frage zum Beispiel, wie jemand den Atheismus für sich entdeckt habe und ob der Gesprächspartner gern etwas glauben würde.

weiterlesen

IBKA: „An der Grundschule wird missioniert“

Noch bis Donnerstag ist das Kreuz in der Philipp-Keim-Schule. Dann zieht es weiter nach Marxheim in den Anne-Frank-Hort. Foto: nie

 

Darf eine staatliche Schule im Rahmen einer Aktion auch mal ein Kreuz aufstellen? Ein Atheisten-Verein regt sich darüber auf.

Höchster Kreisblatt

Dass das Kreuz manchem Nicht-Christen als “Ärgernis” und “Torheit” gilt, ist nichts Neues. Von dieser “Anstößigkeit” berichtet schon der Apostel Paulus im Ersten Korintherbrief. Für den Rat Christlicher Gemeinden liegt hier sogar ein Motiv, das Hinrichtungsinstrument, das für Christen zum Zeichen ihrer Erlösung und der Überwindung von Leid und Tod wurde, in der Passionszeit ganz bewusst in den Blick zu rücken. Mit der Aktion “Das Kreuz auf dem Weg. Hofheim 2013″ wollten die Kirchengemeinden zum zweiten Mal in der Zeit vor Ostern zu Gespräch und Auseinandersetzung einladen. Partner fand man in fünf kirchlichen Einrichtungen, aber auch das Landratsamt und die Philipp-Keim-Schule in Diedenbergen nehmen an der Aktion teil. Das rief jetzt allerdings den Landesverband Hessen des Internationalen Bunds der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) auf den Plan.

weiterlesen

Über die fragwürdige Glückseligkeit des Paradieses

Bild: DIE WELT

Wenn Gott das Leid der Menschen fühlt, muss er beständig in Trauer leben. Ist ER zufrieden, dann lässt IHN die Not der wohl Welt kalt. Gedanken eines der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts.

Von Leszek KolakowskiDIE WELT

Die erste Biografie Siddharthas, des späteren Buddha, enthüllt, dass er für lange Zeit überhaupt nichts vom Elend der menschlichen Existenz wusste. Als Königssohn verbrachte er seine Jugend in Freude und Luxus, umgeben von Musik und weltlichen Genüssen. Er war schon verheiratet, als die Götter beschlossen, ihn zu erleuchten. Eines Tages beobachtete er einen hinfälligen alten Mann; dann das Leiden eines sehr kranken Mannes; dann einen Toten. Erst danach war er von der Existenz des Alters, des Leidens und des Todes – all der schmerzlichen Tatsachen des Lebens, derer er unbewusst gewesen war – überzeugt. In ihrem Angesicht beschloss er, der Welt den Rücken zu kehren, um Mönch zu werden und den Weg ins Nirwana zu suchen.

weiterlesen

Animal Microencephalic Lumps – Tierklumpen mit Kleinsthirn

Kopflos in der Melkanlage: So wie in diesem niederländischen Betrieb werden sogenannte Hochleistungskühe in den Großbetrieben gehalten und gemolken – eingepfercht und vollautomatisch. Foto: Keijser/Hollandse Hoogte/laif

Blind, taub und regungslos und unfähig zu leiden: Mittels Gentechnik könnte es bald solche viehischen Maschinen geben, die Fleisch und Milch im Akkord produzieren. Darf der Mensch Tiere so ausbeuten?

Von Erwin KochDIE WELT

Wir denken uns eine Kuh, vier Beine, Rumpf und Kopf, das Euter.

“Eine Milchkuh?”, fragt Arianna Ferrari vom Institut für Technikfolgeabschätzung und Systemanalyse ITAS am Karlsruher Institut für Technologie KIT, auf dem Tisch einen Apfel, nicht mehr frisch.

140 Kilo Milch am Tag, viermal automatisch gemolken!

Ferrari, Dr. phil., wadenhohe Stiefel aus künstlichem Leder, nippt am Grüntee und spricht: “Die Logik der Ausbeutung”.

Die Kuh, die wir uns denken, hat weder Namen noch Rang, nur eine Nummer, .230849-012-G, sie steht draußen vor der Tür, Campus Nord, Gebäude 0451, stumm und klaglos: ein Tier vom Typ AML.

“Aha”, knurrt die Tierphilosophin aus rotem Mund.

AML bedeutet Animal Microencephalic Lumps, Tierklumpen mit Kleinsthirn.

weiterlesen

 

Pränataldiagnostik: KK und Unions-Christen kritisieren “Selektion” Behinderter

Drei Ultraschall-Untersuchungen gehören zum Standard-Programm der Frauenärzte. (© picture-alliance, dpa)

Unionspolitiker und die katholische Kirche haben davor gewarnt, dass die Pränataldiagnostik zunehmend zur Selektion von Behinderten führt. “Es gibt einen Druck zur Pränataldiagnostik und bei auffälligem Befund zur Abtreibung”, sagte der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung Hubert Hüppe (CDU) der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”.

FinanzNachrichten.de

Er beklagte die Doppelgesichtigkeit der Debatte. Einerseits werde beschworen, dass Menschen mit Behinderungen unser Leben bereichern. Andererseits würde mit Leid und Verzweiflung der Eltern behinderter Kinder argumentiert. “Die Pränataldiagnostik befördert in unserer Gesellschaft eine Mentalität der vorgeburtlichen Selektion”, sagte ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz.

weiterlesen

Warum lässt ER die Hölle auf Erden zu

Armin Kreiner beim Vortrag im Neuen Museum. Bild: Gommeringer

In seinem Drama “Dantons Tod” lässt Georg Büchner Thomas Payne folgende Worte sagen:

…Das leise Zucken des Schmerzes, und rege es sich nur in einem Atom, macht einen Riss in der Schöpfung von oben bis unten.(3.Akt, 1. Szene)

„Der Glaube an Gott in einer Welt voller Übel und Leid“ lautete das Thema, über das Armin Kreiner beim Ökumenischen Gesprächsforum im Neuen Museum des Schlosses Salem sprach.

Von Hugo GommeringerSüdkurier

Am Anfang seines Vortrags erklärte Kreiner die klassische Theodizee-Frage: „Warum lässt Gott das Leiden zu, wenn er allmächtig und gütig ist?“ Der Referent erinnerte an Georg Büchner, dem zufolge die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes „der Fels des Atheismus“ ist. Kreiner wies neben Epikur und Leibniz auch auf den in der Gegenwart berühmten Atheisten Richard Dawkins und seine Lehre hin.

weiterlesen

Beschneidungsdebatte: Vom humanistischen Gutmenschentum

Bild: diesseits.de

Auch bei Humanistinnen und Humanisten hatte das kontroverse Urteil des Landgerichts Köln zur Jungenbeschneidung von Anfang an eine große Aufmerksamkeit erfahren. Der Jurist und Humanist Holger Fehmel hatte sich im Juli mit einem nachdenklichen Kommentar als einer der ersten moderierenden Stimmen in der Kontroverse zu Wort gemeldet. Gemeinsam mit Sigrun Stoellger, Vertreterin der gbs-Regionalgruppe Hannover, verfasste er jetzt ein selbstkritisches Plädoyer gegen die verbale Vehemenz und für mehr Besonnenheit.

Von Sigrun Stoellger und Holger Fehmeldiesseits.de

Die Beschneidungsdebatte tobt nun seit drei Monaten mit ungebrochener Heftigkeit. Wie konnte ein Urteil, dass vermutlich die allerwenigsten gelesen haben (hätten sie das, so würden wohl sowohl Befürworter als auch Gegner wesentlich zurückhaltender sein), dazu führen, dass Menschen mit den besten Absichten verbal derart wutentbrannt aufeinander einprügeln? Eine abschließende Analyse können wir natürlich nicht liefern. Aber wir denken, der Tonfall auf beiden Seiten hat erheblich zur den nun sichtbaren emotionalen Verwerfungen beigetragen

Jeder kehre vor seiner eigenen Tür, heißt es so schön. Daher soll zum Diskussionsstil unserer Kontrahenten in dieser Debatte, zu dem sicherlich auch so einiges zu sagen wäre, kein weiteres Wort mehr verloren werden.

weiterlesen

Rapper Brother Ali – Moslem, Albino, fast blind

Bild: jetzt.de

Moslem, Albino, fast blind: Dennoch, oder gerade deswegen gehört der Rapper Brother Ali aus Minneapolis zu den eigenwilligsten und meist respektierten Stimmen des HipHop. Sein neues Album provoziert mit der Verknüpfung von Islam, Patriotismus und Sozialkritik.

Von Jonathan Fischerjetzt.de

jetzt.de: Du hast gerade mit „Mourning for America, Dreamin in Colors“ das wohl politischste HipHop-Album des Jahres veröffentlicht. Was bedeutet der Titel?
Brother Ali: Unsere Gesellschaft in Amerika ist am Zerbröckeln, überall siehst du Schmerz, Leiden und Agonie. Das kommt von dem tiefen Riss zwischen den verschiedenen Klassen. Die Mittelschicht war lange ein Puffer zwischen der reichen Elite und den Massen. Jetzt ist die Elite so gierig geworden, dass selbst die Mittelschicht ihre Privilegien verliert und von Armut bedroht wird. Damit einher gehen eine Menge Zorn, Angst – aber auch politisches Engagement: Ich sehe die Situation als Chance. Deswegen habe ich das Album „Mourning for America“ um den Zusatz „Dreamin in Colors“ erweitert. Das war ursprünglich ein eigenes Projekt, in dem ich von meinen positiven Erfahrungen der vergangenen Jahre erzählen wollte: der elektronischen Lesehilfe, mit der ich trotz Erblindung wieder Bücher studieren kann. Oder meiner ersten Pilgerreise nach Mekka.

weiterlesen

Das Leid als „Fels des Atheismus“

Bild: erf.de

„Renaissance des Atheismus“ – mit diesem Thema hat sich vor ein paar Jahren der Arbeitskreis für evangelikale Theologie, kurz: AfeT, im Rahmen einer Studienkonferenz beschäftigt. Referenten aus unterschiedlichen Fachbereichen haben über verschiedene Aspekte dessen informiert, was man als den „Neuen Atheismus“ bezeichnet.

ERF Plus

Dahinter steht eine Bewegung, die nicht unbedingt neue Argumente gegen den Glauben vorbringt. Oft genug holen die Vertreter des „Neuen Atheismus“ lediglich längst bekannte Einwände z. B. aus der philosophischen Religionskritik wieder hervor, präsentieren sie jedoch in neuer Form und mit bisher ungewohnter Hartnäckigkeit.

Zu diesen an sich uralten Argumenten gegen den Glauben an Gott zählt auch die so genannte Theodizee-Problematik. In ihrem Zentrum steht die Frage: Wie verträgt sich die Existenz eines allmächtigen, allwissenden und gütigen Gottes mit dem Umstand, dass es in dieser Welt so viel Leid und Ungerechtigkeit gibt?

weiterlesen

Religion ist, wenn Männer unterdrücken

Foto: sueddeutsche.de

Warum verklären wir schreckliches Leid als hübsche Tradition? Im Namen der Religionen werden weltweit Frauen, Intellektuelle und Homosexuelle terrorisiert – und die Gewaltbereitschaft wächst sogar. Höchste Zeit, wieder für die Aufklärung zu kämpfen.

Von Sibylle BergSpON

Früher, als ich aufgrund meiner hervorragenden körperlichen Verfassung meine Vorstellungen von der Welt noch mit Besichtigungen am Objekt abglich, besuchte ich Länder, deren Tradition keine Trennung von Staat und Religion vorsah.

Neben dem Umstand, als ausländische Frau jemand zu sein, mit dem Männer nicht reden, den sie aber begrapschen können, setzte mir am meisten die völlige Abwesenheit von Frauen im öffentlichen Raum zu. Die Atmosphäre war dumpf, unausgeglichen, latent aggressiv.

Continue reading Religion ist, wenn Männer unterdrücken

Alternativmedizin: Edzard gegen Charles

Edzard Ernst war der erste Professor für Alternativmedizin in Großbritannien.

Edzard Ernst erforscht die Alternativmedizin mit wissenschaftlichen Methoden – und ernüchternden Resultaten. Damit hat er sich viele Feinde gemacht, bis ins britische Königshaus. Als seine Universität ihn loswerden wollte, kam es zum Machtkampf.

Von Max RaunerZEIT ONLINE

Es ist schon Mittag, aber noch ruhig. Keine Hassmails von Homöopathen, keine Briefe von Anwälten, kein Ärger mit Prinz Charles. Aber das kann ja noch kommen. Edzard Ernst sitzt im Restaurant der Royal Society of Medicine in London und bestellt ein Sirloin-Steak medium rare, dazu Wasser, keinen Wein, er muss noch Vorträge halten. Mit Lesebrille, Schnauzbart und Doppelkinn sieht er sehr britisch aus, aber vielleicht ist das Einbildung, jedenfalls ist Ernst, geboren 1948 in Wiesbaden, seit zwölf Jahren britischer Staatsbürger. Er liebt dieses Land, er sagt: »Man wird hier nicht nach der Größe des Autos beurteilt.« Nur die Sache mit dem Königshaus, die könne man sich als Deutscher nicht vorstellen.

weiterlesen

Theodizee: Warum lässt Gott soviel Leid zu?

Im Gebet suchen viele Menschen Trost, wenn sie Schreckliches zu verarbeiten haben. Foto: iStockphot

Tausende Tote nach der Naturkatastrophe in Japan, das Leid, das viele Familien dort tragen müssen. Der plötzliche Unfalltod einer 16-jährigen Schülerin des Julius-Echter-Gymnasiums (JEG) in Elsenfeld (Kreis Miltenberg) im Januar 2011. Für viele Menschen liegt die Frage auf der Hand: Wie passt das alles zu einem Gott, der alle Menschen liebt?

Von Bertram Söllerelsenfeld Main-Netz

Im Lehrplan für das Fach katholische Religionslehre ist auf der Zielgeraden zum Abitur vorgesehen, den »Ernstfall« der Gottesfrage zu behandeln: Wie kann das Leid auf der Welt mit dem Glauben an Gott als allmächtigen Schöpfer zusammen gehen? Die Schüler sollen dabei zur Entwicklung eines selbstverantworteten Gottesglaubens Versuche der gedanklichen Annäherung an Gott, aber auch die philosophische Begründung des Atheismus kennenlernen.

weiterlesen