Politik, Populismus und Lüge: Die Krise der Wahrheit

(Illustration: Peter Gut)
Die Philosophie der Postmoderne hat uns gezeigt, dass die Wirklichkeit nicht einfach nur real, sondern sozial und sprachlich vorgeprägt ist. Was leider auch dazu geführt hat, dass Wahrheit immer mehr zur Disposition gestellt wird.

Von Boris Schumatsky | Neue Zürcher Zeitung

Ohne die Philosophie der Postmoderne würde ich wohl noch in Russland leben, und ich würde wahrscheinlich wie viele dort glauben, dass die ukrainische Krim meinem Volk gehört. Doch auch wenn ich in Europas Westen geboren wäre, wäre mir heute möglicherweise angst und bang um das eigene Volk, wenn Foucault, Derrida und Co. an mir vorbeigegangen wären. Aber glücklicherweise hat das poststrukturalistische Denken alle, die es wollten, aus den Fesseln nationaler Identitäten oder fixer Geschlechterrollen erlöst. Ich ging aus Moskau weg nach Berlin, in die befreiende Postmoderne, und doch finde ich mich heute in einer Welt wieder, in der Millionen Menschen sich kollektiven Trugbildern unterwerfen: Finstere Eliten, denken sie, wollen sie «umvolken», und in meinem Geburtsland begrüssen sie gar einen Krieg im Namen des Volkes. Solches geht heute gewöhnlich auf die Flüchtlings- und die Ukraine-Krise zurück. Jedoch parallel zu den jüngsten Krisen geschieht fast unbemerkt eine, die ihre Wurzeln in der Postmoderne hat: die Krise der Wahrheit.

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Hass auf homosexuelle Flüchtlinge – „Wir müssen die Gesellschaft von diesen Bazillen reinigen“

Foto: Imago | ZUMA Press
Da flüchtest du 3000 Kilometer—und am Ziel ist es fast genauso wie zu Hause: Homosexuelle Flüchtlinge, die sich in Deutschland outen? Kommt nicht in Frage. Denn sie haben immer noch Angst—und zwar vor den gleichen Leuten wie zu Hause.

Von Tobias Dammers|VICE.com

Im Netz, in Chats und bei Online-Dates nennt er sich Alex. Sein echter Name soll geheim bleiben. Denn Alex kommt aus Syrien, er ist ein Flüchtling und er ist schwul. Selbst hier im vermeintlich sicheren Deutschland traut sich Alex nicht, sich zu outen. Verstecken, Lügen, Angst: Es ist wie in Syrien.

Alex zu kontaktieren, ist nicht leicht. Es dauert mehrere Wochen, seine Handynummer zu bekommen und ein Treffen zu organisieren. Wir treffen uns dann irgendwann in Bochum.

Er ist ein kräftiger Typ. Anfang 30, braune Augen, sorgfältige Gelfrisur. Schlichte Jeans, dunkle Jacke. Türsteher-Statur. Trotzdem wirkt er auf mich schüchtern, fast scheu. Flüchtiger Händedruck. Alex ist vor dem Krieg aus Syrien geflohen—und weil seine Arbeitskollegen zufällig entdeckten, dass er schwul ist. Ein absolutes No-Go in seiner Familie. Vorher hatte er es verheimlicht. Jetzt musste er weg. Sofort.

Und in Deutschland? Verheimlicht er wieder. „Denn nach hier haben es auch viele Leute aus meinem Land geschafft. Und die bringen eben ihre Ansichten über Schwule mit. Die lehnen sie immer noch ab“, sagt Alex.

Während des Gesprächs hockt Alex auf der Vorderkante des Sofas. Er spricht leise und konzentriert, aber offen und ausführlich. Vor seiner Flucht hat er in Syrien Wirtschaftswissenschaften studiert und in einem Luxushotel für Touristen gearbeitet. Er hat sein eigenes Geld verdient und hin und wieder andere schwule Männer getroffen. In Syrien ist das illegal, laut dem Gesetz gelten homosexuelle Handlungen als „widernatürlich“. Im Machtbereich der Assad-Regierung drohen dafür bis zu drei Jahre Haft, im sogenannten Islamischen Staat sogar der Tod.

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Hitler war ein Hindu

Mein Kampf‘ in einem Buchladen in Kathmandu, Nepal | Alle Fotos vom Autor
In fast jedem Buchladen und bei fast jedem Buchverkauf am Straßenrand in Kathmandu oder Neu-Delhi gibt es Exemplare von Hitlers Manifest Mein Kampf. Die Bücher stehen neben Werken von Menschen, die weithin als große Denker und Denkerinnen gelten: Albert Einstein, Gandhi, Aung San Su Kyi, Abraham Lincoln, Nelson Mandela, Steve Jobs und manchmal auch J. K. Rowling.

Von David Caprara|VICE.com

Mein Kampf war in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs indiziert und wird ab diesem Jahr nur wieder in deutschen Buchläden stehen, weil nun nach 70 Jahren die Urheberrechtsansprüche verjährt sind. Und auch diese Neuauflage wird nicht publiziert, ohne dem Buch 3.500 Fußnoten nachzustellen, „um ein seriöses Gegenangebot zur ungefilterten Verbreitung von Hitlers Propaganda, seinen Lügen, Halbwahrheiten und Hasstiraden zu machen“, wie es auf der Website des Instituts für Zeitgeschichte heißt, das die Edition am 8. Januar 2016 herausbringt.

In Asien wird Mein Kampf jedoch wie ein alter Klassiker behandelt. Unter indischen Geschäftsmännern ist das Buch schon lange eine beliebte Lektüre und wird neben Büchern wie Rich Dad Poor Dad: Was die Reichen ihren Kindern über Geld beibringen, Die Mäuse-Strategie für Manager und diversen Ratgebern aus der Feder Donald Trumps verkauft. Es ist nicht das einzige Buch mit schändlichem Inhalt, das in der Region erhältlich ist: Werke von Stalin und bekannten Mafiosi stehen ebenfalls in der Nähe der Business-Bücher, doch Mein Kampf ist schon lange unter den größten Verkaufsschlagern. Das Manifest ist schon lange ein Bestseller auf der indischen Amazon-Seite. Ein indischer Verlag, Jaico, hat alleine zwischen 2000 und 2010 mehr als 100.000 Exemplare verkauft.

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Die Feinde des Papstes

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Im Vatikan gibt es Kräfte die gegen den Reformeifer von Papst Franziskus ankämpfen. Um den Ausgang der Familiensynode zu sabotieren, schrecken sie nicht davor zurück, Lügen über Franziskus zu verbreiten.

Von Jörg Bremer|Frankfurter Allgemeine

Die Meldung, der Papst habe sich im Januar wegen eines gutartigen Tumors im Gehirn mit einem japanischen Spezialisten getroffen, kommt nicht zufällig zum Ende der Familiensynode, bei der die Kirche um eine neue Pastoral ringt, sagen Bischöfe wie Ex-Kurienkardinal Walter Kasper in Rom. An der Nachricht der Mediengruppe „Quotidiano Nazionale“, auf deren Wahrheitsgehalt nur ihr Chef Andrea Cangini besteht, ist offensichtlich nichts dran; denn der Arzt selber und die betreffende Klinik wissen davon nichts.

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Der Fall Georges Simenon

Unter Faschismus-Verdacht: Georges Simenon. Foto: Imago
Der Maigret-Autor Georges Simenon steht unter Faschismus-Verdacht. Aber auch seine Verteidiger formieren sich.

Von Axel Veiel|Frankfurter Rundschau

Was Kommissar Maigret in seinem 75 Romane füllenden Berufsleben zu schätzen wusste, scheint hier nun im Übermaß vorhanden: Lügen, Intrigen, Verrat, Ehrgeiz, Eifersucht, Hass. Man muss die Vorstellungskraft nicht sehr strapazieren, um sich auszumalen, wie der Mann mit der Pfeife im Mundwinkel mit Ruhe und Einfühlsamkeit der Wahrheit auf die Spur kommt. Die Ermittlungen richten sich in dem Sendeplätze, Blogs und Zeitungsspalten füllenden Fall jedoch gegen Georges Simenon selbst, den geistigen Vater des Romanhelden. Der 1989 mit 86 Jahren gestorbene belgische Schriftsteller ist in den Ruch des Faschismus geraten. Er soll während der Besatzungszeit in bestem Einvernehmen mit deutschen Nazis seine Karriere vorangetrieben haben.

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Tebartz-van Elst noch immer im päpstlichen Verschiss

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (Bild: Wikimedia Commons/Medienmagazin pro)
Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (Bild: Wikimedia Commons/Medienmagazin pro)
Papst Franziskus hat offenbar wenig Interesse, den früheren Bischof von Limburg mit einer neuen Aufgabe im Vatikan zu betrauen. Vielmehr wird das Kirchenoberhaupt mit den Worten zitiert: „Ich denke gar nicht daran.“


Von Jörg Bremer|Frankfurter Allgemeine

Franz-Peter Tebartz-van Elst, der frühere Bischof von Limburg, wartet vergeblich auf eine Ernennung durch Papst Franziskus. Vielmehr wird der Papst mit den Worten zitiert: „Ich denke gar nicht daran.“ Er wolle lieber überhaupt nicht über so etwas reden.

Tebartz-van Elst war im Januar auf eigene Initiative beim Chef des Rates für die Neuevangelisierung, Erzbischof Rino Fisichella, vorstellig geworden. Daraufhin hatte sich Fisichella Ende des Monats beim Papst für den Deutschen eingesetzt – aber offensichtlich vergeblich. Ohne eine Ernennung durch den Papst kann Fisichella den Moraltheologen weder in den Rat aufnehmen noch zu seinem Sekretär erklären. Er könnte den Moraltheologen lediglich am Papst vorbei mit besonderen Aufgaben betrauen.

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Weihnachten: Das Fest der Lügen

Christoph Heckwolf, Daniel Marciniak, Valeska Ober-Jung und Mareike Seipel (von links).Foto: peter-juelich.com
Wieso verhalten wir uns an den Weihnachtsfeiertagen so, wie wir es tun? Masterstudenten haben sich mit Klischees und Ritualen in der Adventszeit beschäftigt. Jetzt liegen erste Forschungsergebnisse vor.


Von Hannah Weiner|Frankfurter Rundschau

Wir lügen überdurchschnittlich viel. Wir bestätigen konservative Rollenbilder. Wir streiten über Geschenke, das Essen und Rituale. Was an Weihnachten in unseren Wohnzimmern vor sich geht, klingt so gar nicht nach Besinnlichkeit. Zumindest nicht laut den Ergebnissen einer Lehrforschungsgruppe der Frankfurter Goethe-Universität, die das Christfest aus soziologischer Seite betrachtet hat.

Die Ausgangsfrage der von 15 Studenten und Professor Christian Stegbauer betriebenen „Weihnachtssoziologie“ war: Wieso verhalten wir uns an den Feiertagen so, wie wir es tun? Die Studierenden erforschten über zwei Semester, wie etwa nach veralteten Geschlechterrollen Geschenktipps gegeben werden und wieso das Fest der Liebe zum ausgehandelten „Deal“ wird.

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Antisemitismus—ein treuer Verbündeter israelischer Propaganda

So sollte es sein.
So sollte es sein.
Die Rede von Israels Ministerpräsidenten vor der UN-Vollversammlung am 29. September 2014 war eine gewöhnliche Propagandarede. Eine Propagandarede, die als solche genannt werden kann, enthält eine gehörige Portion Lügen, Täuschungen und Irreführungen, die vermischt sind mit echten Tatsachen, und die Mischung ist dazu vorgesehen, die Herzen der Bevölkerung zu erobern. Alle Fernsehkanäle und die meisten Radiosender haben die Rede live übertragen.

Von Gideon SpiroDer Semit

Es gab keine Überraschungen. Alle Klischees, die Netanjahu immer wieder gebraucht, waren in dieser Rede enthalten. Er hat, Gott behüte, auch nicht vergessen, das Mantra vorzutragen, dass die IDF „die moralischste Armee der Welt“ sei. In der Strafaktion „Gegossenes Blei“ (2008/2009) wurden 121 Kinder getötet, und die IDF war die moralischste Armee der Welt. Im jüngsten Gaza Krieg (Sommer 2014) wurden mehr als 400 Kinder getötet, und es ist immer noch die moralischste Armee der Welt. Sogar noch moralischer. Mit einer solchen israelischen Logik kann man eine mathematische Formel erfinden, wonach je mehr palästinensische Kinder man tötet, die Moral der Armee stärker ist. Früher waren wir die Moralischsten der Welt und jetzt sind wir es erst recht.

Ein anderes Mantra, das eine Art Pflicht ist in jeder Propagandarede, trägt den Namen „Israel – die einzige Demokratie im Nahen Osten“. Sie fehlte nicht in der Rede. Wie lange noch wird Netanjahu diese Lüge wiederholen? Die ganze Welt weiß doch, dass in dem Gebiet, das unter israelischer Besatzung ist, seit 47 Jahren ein Apartheid Regime herrscht, das heißt, Menschenrechte für Juden und Gesetzlosigkeit für Palästinenser. Das ist ein abgenutztes Mantra, das seine Kraft und Macht verloren hat, und man kann es in die Schublade der Mantras ablegen, die nicht mehr wirken.

Der Antisemitismus, oje der Antisemitismus, wie gut, dass es den gibt, ein treuer Verbündeter der israelischen Propaganda. Mit seiner Hilfe kann man jede Kritik verstummen lassen. Und der Islamische Staat, der neue Freund der israelischen Propaganda, wird allen Feinden Israels angeheftet, dem Iran, der Hamas und auch der Hisbollah. Wenn es keinen Unterschied gibt zwischen den Fundamentalisten, wird Netanjahus Puzzle nicht vollständig sein, wenn man nicht auch die jüdischen Fundamentalisten hinzufügen wird, die Rabbis der besetzten Gebiete, ihre Jünger und natürlich auch die Hügel-Jugend, die den Zionismus erneuern und ihm religiösen Fanatismus einhauchen.

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Zinsen: Ein Pfund Fleisch aus des Schuldners Körper

Eu_Euro1Jahrhundertelang waren Zinsen verboten. Warum eigentlich? Ein historischer Abriss.

Von Sara WeberZEIT ONLINE

Die Geschichte der Zinsen ist voller Geheimnisse, Lügen, Verbote. Zu den ältesten Zinssystemen gehört das babylonische. Im 18. Jahrhundert vor Christus herrschte in Babylon König Hammurabi. In Keilschrift auf Stein hinterließ er einen Gesetzestext. Der Codex Hammurabi regelte das tägliche Leben – und die verzinsbare Schuld.

Im alten Rom und im antiken Griechenland waren Zinsen ebenfalls üblich, als normaler Zinssatz galt ein Prozent pro Monat. Schon damals gab es Kritik: Der griechische Philosoph Aristoteles forderte ein Verbot von Zinsen. Geld sei zum Tauschen erfunden worden, durch den Zins vermehre es sich jedoch aus sich heraus. „Diese Art des Gelderwerbs ist also am meisten gegen die Natur“, so Aristoteles.

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Christen – Meister im Lügen

Genauso wie Pinocchio lügen auch Christen. Bei ihnen geschieht es im Gegensatz zu der Holzpuppe aber unbewusster, meint Eggers. Foto: Alex Bikfalvi / Flickr (CC BY-SA 2.0)
Christen lügen. Und das permanent, wenn auch meistens eher unbewusst und intuitiv als absichtlich. Das zumindest ist die These von Ulrich Eggers, Verlagsleiter des Bundes-Verlags und Chefredakteur des Magazins „Aufatmen“. Eine Rezension

von Salome E. Mayerpro Medienmagazin

In seinem neuen Buch „Ehrlich leben“ schildert Eggers, warum Christen an ihren hohen Idealen oft scheitern und sich deshalb eine Fassade aufbauen. Der Autor möchte zeigen, wie Betroffene aus dem System aus Lügen und Halbwahrheiten ausbrechen können.

Im ersten Teil des Buches möchte der Autor seine unbequemen Thesen durch Alltagssituationen belegen, wählt allerdings eher schwache Beispiele aus: schon wer Liedtexte mitsingt, die er beim genauen Hinhören eigentlich gar nicht meint, sei unehrlich. Wer zu den Vorschlägen und Meinungen von anderen schweigt, obwohl er dagegen ist, sei ebenfalls nicht wahrhaftig.

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Erstaunliche Botschaft einer lesbischen Schwester in Christus

regenbogenlichter„Ihr wollt uns nicht sehen, weil ihr uns entweder ignoriert oder weil es eure Gemeinde durcheinander bringen könnte. Wir SIND eure Gemeinde.“

kath.net

In einem erstaunlichen Brief wendet sich eine homoerotisch empfindende Christin an ihre Glaubensgeschwister. Dieser Brief, der von evangelischen Christen aus den USA stammt, verdient es, genauer gelesen zu werden:

„Viele von euch glauben, dass es uns in euren Gemeinden, euren Schulen, in eurer Nachbarschaft nicht gibt. Ihr glaubt, dass wir nur wenige sind und dass man uns leicht erkennen kann. Ich sage Euch aber: wir sind viele. Wir sind eure Lehrer, eure Ärzte, eure Buchhalter und Hochschulsportler. Uns gibt es in allen Hautfarben, Typen und Körpergrößen. Wir sind Singles, Ehemänner und Ehefrauen, Mütter und Väter. Wir sind eure Söhne und Töchter, eure Nichten und Neffen, eure Enkelkinder. Wir arbeiten im Kindergottesdienst mit, sitzen in euren Kirchenbänken, singen in euren Chören und stehen auf euren Kanzeln. Ihr wollt uns nicht sehen, weil ihr uns entweder ignoriert oder weil es eure Gemeinde durcheinander bringen könnte. Wir SIND eure Gemeinde. Wir kommen Woche für Woche in eure Kirchen, weil wir Orientierung und einen Hoffnungsschimmer suchen, dass wir uns verändern können. Wir haben genauso wie ihr Jesus in unser Herz aufgenommen. Genau wir ihr wollen wir sein, wie Christus uns haben will. Wir beten jeden Tag um Gottes Führung, wie ihr es auch tut. Und genauso wie ihr versagen wir oft.

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Priester und der Zölibat: „Zerrissen zwischen Liebe und Beruf“

Wunibald Müller, 62 Jahre alt, ist ein Mann mitten aus der Kirche. Seit 1991 leitet der Theologe und Psychologe das Recollectio-Haus nahe Würzburg, ein Therapiezentrum für Priester.

Rom hat sich einen neuen Papst gewählt. Wunibald Müller, Leiter eines Therapiezentrums für Priester, wünscht sich von ihm – wie viele Pfarrer auch – endlich das Ende des Zölibats.

Von Dominik Stawski stern.de

In Ihrem Haus suchen Priester Hilfe. Welche Rolle spielt dabei der Zölibat?

Es kommen immer wieder Männer hierher, die in einer Beziehung mit einer Frau leben und sich die Frage stellen: Will ich so weitermachen, das Amt aufgeben oder die Beziehung beenden? Es sind bestimmt fünf bis zehn Priester jedes Jahr.

Was plagt diese Menschen?

Sie sind zerrissen zwischen der Liebe zum Beruf und zu einer Frau. Manchmal ist beides gleich stark vorhanden. Dann ist die Zerrissenheit grenzenlos.

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Abrechnung mit Scientology

Jenna Miscavige Hill, Photo: Theda Bara
Jenna Miscavige Hill, Photo: Theda Bara

Die Nichte des Scientology-Führers David Miscavige packt aus: Jenna Miscavige Hill war seit Kindestagen in der Sekte, im Jahr 2005 floh sie aus der Glaubensgemeinschaft. In einem neuen Buch kritisiert sie aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen, wie Scientology mit Kindern umgeht.

pro Medienmagazin

Die 29-Jährige spricht von Kinderarbeit, Verhören, Denunziationen und Einschüchterungen. Schon als Sechsjährige habe sie Steine schleppen müssen. „Wir mussten Ketten bilden und gaben die Steine weiter“, zitiert die Zeitung Die Welt aus ihrem Buch „Beyond Belief: My Secret Life Inside Scientology and My Harrowing Escape“ („Kaum zu glauben: Mein geheimes Leben bei Scientology und meine grauenhafte Flucht“).

Scientology hält Hill vor, dass sie Lügen und böse Märchen über die Organisation verbreite, so wie es jeder Abtrünnige tue.

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Charles Darwin kämpft um Platz im US-Kongress

Etwa 4.000 Stimmen hat Charles Darwin, der im 19. Jahrhundert lebte, bei den Wahlen ins Repräsentantenhaus des US-Kongresses bekommen.

radio Stimme Russlands

Am Wahltag, den 6. November, trugen die Wähler des 10. Wahlbezirks in Georgia den Namen von Charles Darwin in den Wahlzettel ein und machten ein Kreuz rechts von seinem Namen.

Der Anlass zur Aktion wurde die Erklärung des Kongressmitgliedes von der Republikanischen Partei Paul Brown. Beim Treffen mit seinen Anhänger sagte er, die Lehre von Darwin und andere wissenschaftliche Theorien, die den Ursprung des Lebens auf der Erde erklären, seien „Lügen, die aus der Hölle selbst stammen“. Im Bezirk, wo der kämpferische Kongressmann gewählt wurde, wurden seine Aussagen als Obskurantismus ausgelegt.

Gianluigi Nuzzi: «Die Heuchelei im Vatikan widerstrebt dem Glauben»

«Die Fakten in meinem Buch betreffen über eine Milliarde Christen.» Gianluigi Nuzzi (43) nik hunger

Diese Woche erscheint das Enthüllungsbuch «Seine Heiligkeit» des Vatikan-Experten Gianluigi Nuzzi. Es enthüllt die Hintergründe des Skandals um die geheimen Dokumente aus dem Schreibtisch von Papst Benedikt XVI.

Von Gabriele HaschkeBlick.ch

Blick: Seit Ihr Buch «Sua San­tità» («Seine Heiligkeit») im Mai in Italien auf den Markt kam, steht der Vatikan kopf. Wie kamen Sie an die streng vertraulichen Originaldokumente aus dem Schreibtisch des Papstes und von seinen engsten Mitarbeitern?
Gianluigi Nuzzi: Mein erstes Buch «Vatikan AG», in dem ich 2009 über finanzielle Machenschaften der Römischen Kurie während des Pontifikats von Karol Wojtyla berichtete, hat dazu geführt, dass diese neuen Informanten auf mich zukamen.

Wer sind diese Informanten?
Gläubige Christen, die im Va­tikan leben und für den Heiligen Stuhl in unterschiedlichen Funktionen und Ämtern arbeiten. Der Pressekodex verpflichtet mich, ihre Identität unter allen Umständen zu schützen. Sie tragen den Decknamen «Maria». Nicht alle Informanten kennen sich untereinander.

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Heilige Unterwäsche, Totentaufe und Mitt Romney

Mitt Romney, Bild: biography.com

Sie taufen Verstorbene, tragen angeblich heilige Unterwäsche und führen geheime Rituale durch: Die Mormonen sind selbst in Amerika vielen nicht geheuer. Jetzt will einer von ihnen US-Präsident werden – Mitt Romney. Kann ihn sein Glaube den Einzug ins Weiße Haus kosten?

Von Gunther Müllerprofil online

Ein Frühjahrsabend im Jahr 1820 in Manchester, einer Kleinstadt im Westen des Bundesstaats New York. Das 15-jährige Landarbeiterkind Joseph Smith zieht sich zum allabendlichen Gebet in sein Schlafzimmer zurück. Plötzlich erscheint ihm ein Engel, der sich als „Moroni“ vorstellt und von geheimen Goldplatten erzählt, die auf einem nahe gelegenen Hügel vergraben sind.
Vier Jahre später taucht der Engel erneut auf und gibt Smith zu verstehen, dass es nun an der Zeit sei, die Platten aus der Erde zu holen. Joseph Smith folgt der Aufforderung Moronis und entdeckt auf den Goldplatten antike ägyptische Schriftzeichen, die er mithilfe einer magischen Brille enträtselt und ins Englische übersetzen kann.

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TV-Serie GCB: „Gute christliche Zicken“

Carlene Cockburn (Kristin Chenoweth) gibt im Gottesdienst gerne den neuesten Klatsch aus der Gemeinde bekannt. Foto: ABC

Trotz Protesten von Christen ist am Sonntag in den USA die TV-Serie „GCB“ gestartet. Die Protagonistinnen bekennen sich zum Christentum und gehen jeden Sonntag zur Kirche – doch ihr Leben ist von Intrigen, Lästereien und Ehebruch geprägt. Die Einschaltquoten der Premiere waren schlecht.

pro Medienmagazin

Nach Protesten aus dem christlichen Lager wurde die TV-Serie „Good Christian Bitches“ („Gute christliche Luder“) erst in „Good Christian Belles“ („Gute christliche Schönheiten“) und nun schlicht in „GCB“ umbenannt. Am Sonntag feierte die Quotenhoffnung des Networks ABC Premiere.

Der Inhalt ist schnell erzählt: Nach dem Tod ihres Mannes kehrt die Hausfrau Amanda Vaughn (Leslie Bibb) mit ihren zwei Kindern in ihr Elternhaus nach Dallas zurück. Ihre ehemaligen Schulkameradinnen, mit denen sie es sich Jahre zuvor allesamt verscherzt hat, geben heute in der Nachbarschaft und in der Kirchengemeinde den Ton an. Ihren Einfluss nutzen sie, um sich schon am ersten Tag gegen Amanda zu verschwören – und sich für deren Gemeinheiten zu Highschoolzeiten zu rächen.

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