Veganismus: Denk auch an die Tiere

Kaninchen im Stall: Warum sollten sie den Menschen nicht gleichgestellt sein? (Bild: Christian Beutler / NZZ Fotografen-Team)
Die Unterscheidung zwischen Mensch und Tier ist willkürlich gezogen. Veganer sind keine Moralapostel, sondern Kritiker dieses Hierarchiedenkens.

Von Björn Hayer | Neue Zürcher Zeitung

Wer die besseren Menschen sind, entscheidet sich derzeit auf dem Teller. Das jedenfalls suggerieren die zugespitzten Kontroversen um Fleischesser und Veganer in den Feuilletons. Damiano Cantone hat jüngst in diesen Spalten die Veganer als Menschen kritisiert, die sich erhaben fühlten und anderen ihren Lebensstil aufzwingen wollten. Aber haben es die Veganer tatsächlich darauf abgesehen, eine moralische Überlegenheit gegenüber den vermeintlich unverantwortlich handelnden Karnivoren zu beanspruchen?

Schon diese Grundannahme geht am Kern der Auseinandersetzung vorbei. Wer sich zu einer ausschliesslich pflanzlichen Ernährung durchringt, dem geht es weniger um eine moralische Anerkennung innerhalb der Spezies Mensch als vielmehr um die körperliche und seelische Unversehrtheit des Tieres.

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Menschheit schuf 208 neue Minerale

Das grünliche Simonkolleit [Zn5(OH)8Cl2·H2O] verdankt seine Entstehung dem Kupferbergbau: Es bildete sich in einer Kupfermine in Arizona. © RRUFF
Das grünliche Simonkolleit [Zn5(OH)8Cl2·H2O] verdankt seine Entstehung dem Kupferbergbau: Es bildete sich in einer Kupfermine in Arizona. © RRUFF
Mensch als Katalysator: Der Mensch hat die Vielfalt der Minerale auf der Erde so rapide erhöht wie kaum ein Ereignis zuvor. Immerhin 208 Minerale verdanken ihre Entstehung indirekt oder direkt der menschlichen Aktivität, wie eine Studie zeigt. Vor allem der Bergbau und die Metallverarbeitung schufen die Voraussetzung für neue Verbindungen. Die Forscher sehen in dieser Mineralschwemme ein weiteres Kennzeichen des Anthropozäns – des Zeitalters des Menschen.

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Unsere Erde birgt eine gewaltige Vielfalt an Mineralen: 5.208 verschiedene Arten sind es bisher offiziell, davon gelten rund 2.500 als selten. Experten schätzen jedoch, dass noch mindestens 1.500 weitere Minerale auf ihre Entdeckung warten.

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Arme sind nicht inkludiert – Abfall

Bild: K. Kollmann
Bild: K. Kollmann
In der Konsumgesellschaft ist trotz Postmaterialismus alles zur Ware geworden, natürlich auch der einzelne Mensch

Von Karl Kollmann | TELEPOLIS

Eine neue Verbrauchergeneration hat sich in den letzten Jahren entwickelt, die Postmaterialisten. Mitunter als Bobos bezeichnet, sind sie meist Bio-Freunde, insgesamt aber nicht freundlichere, das heißt behutsamere Konsumenten, sondern sie haben eben neue Vorlieben entwickelt und vermarktungsfähige Trends angestoßen (Schöne neue Konsumkultur). Im erwähnten Beitrag war der Blick in erster Linie auf die Menschen als Verbraucher gerichtet, jener auf die Gesellschaft wäre noch beizufügen.

Der kürzlich verstorbene polnisch-britische Soziologe Zygmunt Bauman wurde anlässlich seines Todes zwar ausgiebig medial gewürdigt), jedoch fielen dabei seine Analysen zur Konsumgesellschaft vollständig unter den Tisch. Das nachzuholen, trifft sich mit dem erwähnten Beifügungsgebot.

In der Konsumgesellschaft ist alles zur Ware geworden, natürlich auch der einzelne Mensch. Dies ist nicht nur eine Beschreibung der Wirklichkeit, sondern versteht sich ebenso als an den Einzelnen gerichtete Aufforderung. Sowohl beim Konsum wie bei der Erwerbsarbeit geht es darum, die Marktfähigkeit der einzelnen Person sicherzustellen – und das ist die Aufgabe der betroffenen Person selbst, sie muss dabei mitmachen. Man ist Arbeitskraftware und Manager seines eigenen Produkts geworden, wer aus diesem Grundraster herausfällt, wer hier nicht mithalten kann, wird sehr schnell zum „Abfall“ degradiert, wie Bauman nüchtern feststellte: „Die Armen der Konsumgesellschaft sind völlig nutzlos.“1

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Umweltgifte selbst im Tiefseegraben

Der Flohkrebs Hirondellea gigas lebt im Marianengraben - und ist eort extrem hoch mit PCB belastet. © Alan Jamieson/ Newcastle University
Der Flohkrebs Hirondellea gigas lebt im Marianengraben – und ist eort extrem hoch mit PCB belastet. © Alan Jamieson/ Newcastle University
Überraschend giftig: Selbst die tiefsten Gräben der Ozeane sind mit Giftstoffen wie PCB und polybromierten Diphenlyethern (PBDE) belastet – und das überraschend stark. Am Grund des Marianengrabens ermittelten Forscher in Krebsen PCB-Werte, die sogar 50-fach höher liegen als im dreckigsten Fluss Chinas. Woher die Schadstoffe stammen und warum ausgerechnet die vermeintlich unberührte Tiefsee so stark belastet ist, bleibt vorerst rätselhaft.

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Polychlorierte Biphenyle (PCB) gehören zum „dreckigen Dutzend“ der langlebigen organischen Schadstoffe (POP). Diese hormonähnlich wirkenden und krebserregenden Chlorverbindungen sind teilweise seit Jahrzehnten verboten. Dennoch lassen sich diese in der Natur kaum abbaubaren Umweltgifte bis heute im Gletschereis, in Meeressäugern und sogar in Blut und Muttermilch von Menschen nachweisen.

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Forscher erschaffen Chimäre zwischen Mensch und Schwein

 Mit der Injektion menschlicher Stammzellen in die Blastozyste eines Schweins haben Biologen eine Chimäre erzeugt. (Foto: Juan Carlos Izpisua Belmonte)
Mit der Injektion menschlicher Stammzellen in die Blastozyste eines Schweins haben Biologen eine Chimäre erzeugt. (Foto: Juan Carlos Izpisua Belmonte)
Mischwesen aus Mensch und Tier sollen Organe für Transplantationen liefern. Doch nie gelang es, solche Chimären zu erschaffen. Bis jetzt.

Von Kathrin Zinkant | Süddeutsche.de

Die griechische Mythologie ist seit jeher eine beliebte Projektionsfläche für die Biomedizin. Chimären bilden da keine Ausnahme. Die Mischwesen aus verschiedenen Tieren haben von jeder Spezies etwas, das ihnen nach Wunsch beim Überleben hilft. Ähnliches wünschen sich Forscher für die moderne Medizin: menschliche Organe für die Transplantation, nach Wunsch erzeugt in Tieren. Nur war es bisher nie gelungen, ein Mischwesen aus Mensch und Tier zu erschaffen. Und würde man artfremde Zellen in einem Körper wirklich dazu bringen, ganz gezielt ein Herz oder eine Leber zu bilden?

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Homo rapiens

Harald Lesch, Klaus Kamphausen Die Menschheit schafft sich ab Verlag: Komplett-Media, Grünwald 2016 ISBN: 9783831204243
Harald Lesch, Klaus Kamphausen
Die Menschheit schafft sich ab
Verlag: Komplett-Media, Grünwald 2016
ISBN: 9783831204243

Der Mensch als Selbstzerstörer? Als Vernichter der gesamten Biosphäre? Steht es wirklich so schlimm; sind wir nichts weiter als eine Plage für die Erde?

Von Julia Schulz | Spektrum.de

Astrophysiker Harald Lesch, Moderator der ZDF-Reihe „Leschs Kosmos“, Autor und Mitbetreiber des Youtube-Channels „Urknall, Weltall und das Leben“, hat ein neues Buch geschrieben und versucht sich an einer ökologische Bestandsaufnahme. Er wagt einen Blick in die Zukunft des Planeten und damit auch in die der Menschheit.

Der Buchtitel ist zwar provokant angelehnt an Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ (2012), der Inhalt kommt jedoch weniger populistisch daher. Lesch möchte, dass seine Leser nachvollziehen können, wie es zu den heutigen ökologischen Problemen gekommen ist – und dabei auch komplexe Zusammenhänge verstehen. Hierfür setzt er sehr früh an, genau genommen beim Urschlamm; beim Übergang also von unbelebter zu belebter Materie. Von dort an arbeitet er sich langsam vor über Cyanobakterien (jene Mikroben, die die Photosynthese entwickelten), frühe Sumpfpflanzen und so weiter bis hin zum Auftauchen des Homo sapiens vor etwa 160.000 Jahren.

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Theologe: Massentierhaltung ist Perversion

Der Theologe Ulrich Seidel hat Massentierhaltung als „Perversion und eine Sünde“ bezeichnet. Mensch und Tier seien „Verwandte, also müssen wir anderes Leben auch wie Verwandtschaft behandeln“, sagte er am Sonntag bei einem „Kirchentag Mensch – Tier – Schöpfung“ in Dortmund.

evangelisch.de

Das Christentum stehe für Mitgefühl mit Schwächeren und mit jenen, die sich nicht wehren könnten. Das gelte auch für Tiere. Daher gebe es „eine starke christliche Legitimation für eine fleisch- und tierfreie Ernährung“.

Seidel bezeichnete es als Hochmut, sich über Tiere zu stellen und sie wie Sachen auszubeuten. Viele Christen hätten zum Thema Schöpfung offenbar nur die ersten Seiten der Bibel gelesen, in denen der Mensch als Krone der Schöpfung erscheine, kritisierte der Pfarrer aus dem sächsischen Markkleeberg, der Vorsitzender des Vereins „Aktion Kirche und Tiere“ ist. Andere Texte relativierten diese Sicht jedoch.

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Geduldetes Gift – EU will Grenzwerte für Quecksilber lockern

Quecksilbertropfen in Ampulle; Bild: Dnn87/CC BY 3.0
Quecksilber ist hochgiftig für Mensch und Tier. Es findet sich nicht nur in Abraumhalden brasilianischer Eisenerzminen, sondern wird auch von deutschen Kohlekraftwerken emittiert. Es ist in Pestiziden enthalten und reichert sich in Nutztieren an. Trotz aller gesundheitlichen Gefahren plant die EU, die Grenzwerte für Quecksilber zu lockern

Von Susanne Aigner|TELEPOLIS

Anfang November 2015 brach im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais der Damm eines Rückhaltebeckens einer Eisenerzmine. Eine gewaltige Schlammlawine wälzte sich über ein kleines Dorf hinweg, begrub Häuser und ein Dutzend Menschen unter sich, bevor sie sich in den Rio Doce ergoss. Der „Süße Fluss“, bis dahin ein artenreiches, sauberes Gewässer, verwandelte sich binnen weniger Tage in einen biologischen Friedhof.

Die Lebensgrundlagen der Flussbewohner, die bis dahin in unberührter Natur lebten und der Lebensraum der Fische, Schildkröten und anderer Flusstiere waren von einem auf den anderen Tag zerstört. Rund 280.000 Menschen waren von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten und auf Wasserspenden aus Tanks und Plastikflaschen angewiesen. Das Unglück betrifft 15 Millionen Menschen in 228 Städten.

Nach Angaben von Umweltexperten gelangten 50 Millionen Tonnen giftige Überreste der Mine in die Umwelt. Der Schlamm enthielt neben hohen Mengen an Arsen, Cadmium, Kupfer und Blei auch Chrom, Nickel und Quecksilber – ein Cocktail, der alle Flusslebewesen tötete. Überall dort, wo die Brühe auf ihrer 650 Kilometer langen Reise zum Atlantik vorbeikam, hinterließ sie nichts als giftigen Schlamm und tote Fische am Ufer. Es wird wohl einige Jahre dauern, bis sich der Fluss regeneriert hat.

Zwei Wochen nach dem Dammbruch erreichte die 62 Millionen Kubikmeter starke Schlammflut aus Schutt und giftigen Mineralien den Atlantik im Bundesstaat Espirito Santo. Was das Gift im Atlantik anrichten wird, darüber kann nur spekuliert werden. Brasilien verklagte daraufhin die australisch-britische BHP, die mit der brasilianischen Vale über das Unternehmen Samarco www.samarco.com.br die fragliche Mine betreibt, auf einen Schadenersatz von umgerechnet 4,9 Milliarden Euro. Doch Samarco lehnt jede Verantwortung ab.

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Schildkrötenpanzer ist auch nur Haut

Bild: (c) Clemens Fabry
Schildkröten schützen sich durch den Panzer, der aus vernetzten Hautschichten und Proteinen besteht. Die Gene ähneln den Hautgenen des Menschen.

Die Presse.com

Dass Humanmediziner an Schildkröten forschen, ist ungewöhnlich. Doch die Gruppe um Leopold Eckhart der Med-Uni Wien untersucht in einem FWF-Projekt die Genetik der Hautentwicklung bei Vögeln, Säugern und Reptilien. Daher analysierten sie auch die genetische Steuerung der Haut bei Schildkröten, um Näheres über die Evolution von Genen zu erfahren, die auch beim Menschen wichtig sind.

Es handelt sich um Gene des Epidermal Differentiation Complex (EDC), die bei Menschen die Haut vor dem Eintritt von Mikroben und Allergenen schützen sollen. Mutationen in dem Genkomplex können zum Beispiel Schuppenflechte, Psoriasis, auslösen.

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Grüner Glaube

Nach dem Sturm: Ein Hurrikan hat dieses Haus in New Jersey zerfetzt. (Foto: Eric Thayer/Reuters)
Lange Zeit stand der Mensch für die großen Weltreligionen im Mittelpunkt. Doch seit einiger Zeit nimmt der Umweltschutz an Bedeutung zu.

Von Matthias Drobinski, Elisa Rheinheimer-Chabbi|Süddeutsche.de

Es war ein Paukenschlag, das Rundschreiben an alle Welt, das Papst Franziskus im Sommer veröffentlichte. Die Menschen beuten die Erde und andere Menschen aus, schrieb dort der Papst aus Argentinien. Sie veränderten mit ihrer Lebensweise vor allem in den reichen Ländern das Klima; sie lebten selbstmörderisch, wenn das so weitergehe. So deutlich hatte das noch nie ein Papst gesagt: Der Klimawandel ist menschengemacht. Und es ist nun die Aufgabe der Menschen, Gottes Schöpfung zu retten. Konservative Christen in den USA reagierten empört: Jetzt glaubt auch schon der Papst die Klima-Lüge! Die meisten Vertreter von Kirchen und Religionsgemeinschaften aber fanden die Enzyklika „Laudato si“, benannt nach dem Sonnengesang des Heiligen Franziskus, gut. Religion ist öko, das klingt heute selbstverständlich. Dabei ist das noch nicht lange so.

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Eichelwurm: Unser nächster Wurm-Verwandter

Ein entfernter Verwandter: Eichelwurm der Art Saccoglossus kowalevskii aus dem Atlantik © John Gerhart
Ungewöhnliche Verwandtschaft: Wir Menschen haben rund 70 Prozent unserer Gene mit einem am Meeresboden lebenden Wurm gemeinsam. Diese Verwandtschaft geht auf einen Vorfahren vor über einer halben Milliarde Jahren zurück, wie Wissenschaftler durch genetische Vergleiche herausgefunden haben. Die mit unseren wurmartigen Verwandten geteilten Gene liefern Hinweise über unsere eigene Evolution, zum Beispiel über die Entstehung unseres Rachens und der Schilddrüse, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Nature“.

scinexx

Vor rund 550 Millionen Jahren machte das Leben auf der Erde einen großen Sprung: Während der sogenannten kambrischen Explosion nahm die Artenvielfalt im Tierreich geradezu schlagartig zu. Die dabei entstandenen Tierarten zeigten völlig neue Körper-Baupläne und waren komplexer als je zuvor. In diese Zeit fallen die Ursprünge der sogenannten Deuterostomier oder Neumünder. Zu dieser weitgefassten Gruppe von Tieren gehören heute so verschiedene Arten wie Seesterne, Frösche und auch der Mensch.

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Genetik: Im Kern überraschend

Bild: merakname.com
Bild: merakname.com
Anders als bisher vermutet, tragen Körperzellen des Menschen kein einheitliches Erbgut in sich, sondern bilden Mosaike. Das könnte viele Krankheiten erklären.

Von Ulrich Bahnsen|ZEIT ONLINE

Lange schon hütet die Genetik ein kleines, schmutziges Geheimnis. Nun lässt es sich nicht länger kaschieren. Zu groß ist es geworden. Ausgerechnet die jüngsten Erfolge der Disziplin drohen einen ihrer zentralen Stützpfeiler umzustürzen. Das Lehrbuchwissen, nach dem alle Körperzellen des Menschen ein identisches Genom beherbergen, erweist sich als fundamentaler Irrtum.

Die Idee, dass es – wenn überhaupt – keine nennenswerten genetischen Differenzen zwischen den Körperzellen gebe, war einst ein Credo der biomedizinischen Forschung. Bekannt war zwar, dass es beim Wachstum immer wieder einmal zu Fehlern während der Zellteilung kommt, dass also das Erbgut der Tochterzelle nie ganz identisch mit dem der Mutterzelle ist. Doch ernst genommen wurde das Problem nie.

Ohnehin gab es keine Technik, die Untersuchungen und Vergleiche einzelner Zellen erlaubt hätte. Um ein einziges Erbmolekül aufzuschlüsseln, brauchen Forscher viele Kopien davon. Früher extrahierten sie dazu einfach das genetische Material aus verschiedenen leicht zugänglichen Geweben, zum Beispiel aus dem Blut oder der Mundschleimhaut. Damit, so dachten die Experten, habe man auch die Erbinformation von allen anderen Körperzellen zur Hand – etwa von denen im Hirn oder in der Leber. Wie hätte es anders sein können? Immerhin entstehen sie alle aus der einen befruchteten Eizelle, deren Erbgut sich in allen Zellen des daraus entstandenen Körpers wiederfinden sollte. Der Unterschied sollte allenfalls darin bestehen, dass in den verschiedenen Geweben unterschiedliche Gene aktiv seien.

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Artenschutz: Keiner jagt so wie der Mensch

Je älter die Beute, desto größer und damit begehrter die Trophäe. Das ist nicht nur bei der Jagd auf Löwen und Elefanten so, sondern auch bei der auf Gämsen. / Bild: (c) EPA (BARBARA GINDL)
Anders als Raubtiere, die sich vor allem über junge Beute hermachen, stellt der Mensch bevorzugt ausgewachsenen Tieren nach. So dezimiert er das „reproduktive Kapital“.

Von Jürgen Langenbach|Die Presse

Sie kämpfen wie die Löwen.“ Den Satz nahm Alfred Polgar in den 1930er-Jahren aus einem Kriegsbericht einer Zeitung auf, versah ihn mit einem Fragezeichen und widersprach: „Nein, sie kämpfen wie die Menschen!“ Gemeint war, dass kein Löwe einem anderen so an die Gurgel fährt wie ein Mensch das tun kann. Und der Mensch kämpft nicht nur anders, er hält es auch bei der Jagd anders: Die diente einst der Ernährung – den Großteil ihrer Geschichte verbrachten die Menschen als Jäger und Sammler –, sie blieb aber auch, als die Landwirtschaft erfunden war. Nun wurde sie zum Privileg der Macht und der Männer, Diana ist eher die Ausnahme: „Nimrod war ein großer Jäger vor dem Herrn“ (1. Mose 10), „darnach schlug er schiere ein’n Wisent, ein’n Elk und starker Ure viere“, er ist Siegfried (Nibelungenlied, Abenteuer 16). Und wie einst die Helden posieren heute nicht nur Könige mit Afrikas Trophäen, sondern auch US-Zahnärzte und Kärntner Großagrarier.

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Wie der Pavianhintern die Sexualtheorien Darwins inspirierte

Entspannt lässt sich ein Pavian im Tierpark Hellabrunn in München von einem Artgenossen entlausen. (picture-alliance / dpa / Frank Leonhardt )
Für den Evolutionsforscher Charles Darwin war die Haut des Menschen ein riesiges Sexualorgan. Ausgangspunkt für diese Theorie seien die pinken Affenhintern der Paviane gewesen, sagt der Literaturwissenschaftler Winfried Menninghaus.


Winfried Menninghaus im Gespräch mit Gesa Ufer|Deutschlandradio Kultur

„Darwin hat sich gefragt: Warum ist der Mensch der einzige größere Primat, ohne Fell?“ – so Winfried Menninghaus, Leiter des Max-Planck-Instituts in Frankfurt am Main im Deutschlandradio Kultur. „Und das ist tatsächlich ein Skandal in der Naturgeschichte.“ Schließlich gebe nur es wenige andere Lebewesen, die dieses Merkmal der nackten Haut teilten. Der britische Naturforscher Charles Darwin (1809-1882) sei der Frage nachgegangen, welche Vorläufer es gegeben habe.

Unser Körper als riesiges Sexualorgan

Seine „phantastische witzige Idee“, die Darwin damals kaum zu äußern gewagt habe, war es, die stark hervorgehobenen, nackten analen-genitalen Stellen der Affen zur Erklärung hinzuzuziehen. „Denken Sie an den Pavian, denken Sie an diese sehr indezente Ästhetik“, sagte Menninghaus.

„Darwin dachte in der Tat, die nackte Haut war der Sitz der sexuellen Attraktivität und wir Menschen waren so verrückt, dass wir davon immer mehr haben wollten.“

Deshalb habe der Mensch immer mehr Nacktheit gewählt, bis der ganze Körper auf einmal nackt gewesen sei. Zu dieser Hypothese von Darwin gehöre, dass „unser ganzer Körper ein riesiges Sexualorgan“ sei wie diese „pinken Affenhinterteile.“

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Das mit der Gentherapie klärt die Wissenschaft lieber selbst

Neue Methoden erlauben gezielte Eingriffe in das Erbgut des Menschen. Damit könnte man einmal genetische Krankheiten heilen – vielleicht auch mehr. Muss man die genetische Optimierung des Menschen verbieten? Die Nobelpreisträger würden auf eine politische Debatte lieber verzichten.


Von Alexander Mäder|Stuttgarter-Zeitung.de

Bild: merakname.com
Bild: merakname.com

Eigentlich sind sich die vier Wissenschaftler einig: Die neue Methode CRISPR (ausgesprochen: „Krisper“) ist zwar vielversprechend, funktioniert aber noch lange nicht gut genug, um sie bei menschlichen Embryonen einzusetzen. Mit CRISPR kann man, so die Idealvorstellung, krankhaft veränderte Gene ersetzen und dadurch einem heranwachsenden Kind eine Erbkrankheit ersparen. Doch eine Studie von Junjiu Huang und seinem Team von der Sun Yat-sen Universität im chinesischen Guangzhou hat vor einigen Wochen gezeigt, dass CRISPR noch viele weitere Veränderungen im Erbgut vornimmt, ohne dass die Wissenschaft verstehen würde, warum. Und nur bei 4 von 86 Embryonen hatte das Ersetzen des Gens überhaupt geklappt. (Die chinesischen Forscher hatten Embryonen verwendet, die bei künstlichen Befruchtungen aussortiert worden waren. Womöglich hat das die Fehlerrate zusätzlich erhöht.) Die vier Wissenschaftler auf dem Podium der Nobelpreisträgertagung in Lindau halten es daher für verfrüht und unverantwortlich, jetzt schon klinische Anwendungen von CRISPR in Erwägung zu ziehen.

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Gemeinsame Gräber für Mensch und Haustier geplant

Ab Mitte Juni können sich Mensch und Haustier erstmals in Deutschland in einem gemeinsamen Grab bestatten lassen.


evangelisch.de

Hierzu will das Familienunternehmen Deutsche Friedhofsgesellschaft am 9. Juni in Braubach bei Koblenz und am 10. Juni in Essen einen eigens ausgewiesenen Friedhof mit eigener Satzung eröffnen, wie Unternehmenssprecher Wilhelm Brandt am Mittwoch dem epd in Frankfurt am Main sagte. Auf den Friedhöfen sollen ausschließlich Urnenbestattungen möglich sein. Weitere Standorte im Süden Deutschlands seien in Planung.

Wir sind nicht allein in unseren Genen

DNA, image: Mirny et al/MIT
DNA, image: Mirny et al/MIT
Wir Menschen tauschen nicht nur untereinander Erbgut aus, sondern bisweilen auch mit anderen Lebewesen. Biologen machten nun eine neue Bestandsaufnahme.


Von Daniel Lingenhöhl|Spektrum.de

Unser Erbgut umfasst rund 20 000 bis 23 000 Gene – und manche davon könnten wir von anderen Organismen wie Bakterien oder Pilzen sowie von Viren übernommen haben. Mindestens 145 unserer Gene könnten demnach durch den so genannten horizontalen Gentransfer zwischen Arten in unser Erbgut übergegangen sein, meinen Alastair Crisp von der University of Cambridge und seine Kollege im Journal Genome Biology. Bei diesem Vorgang gelangen fremde Gene etwa von Bakterien beispielsweise während einer Infektion in das eigene Genom und werden dort so integriert, dass sie im Laufe der Evolution funktionell werden. Als unser Genom 2001 vollständig sequenziert vorlag, hatte man bereits entsprechende Fremdgene entdeckt, doch galten die meisten davon als Verschmutzungen, die während der Analyse im Labor aufgetreten sind.

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Evolution des Menschen: Ein Gen sorgt für mehr Gehirn

Die Abbildung zeigt die Großhirnrinde eines Mausembryos. Die Zellkerne sind blau gefärbt und tiefer liegende Nervenzellen sind in rot zu erkennen. Unter dem Einfluss des menschenspezifischen Gens ARHGAP11B haben sich auf der rechten Hirnhemisphäre Faltungen in der Großhirnrinde gebildet. Quelle: MPI f. molekulare Zellbiologie und Genetik
Schimpanse und Mensch gleichen sich mehr, als man denkt. Zumindest aus genetischer Sicht. Denn fast 99 Prozent unseres Erbgutes sind mit dem unserer tierischen Verwandten identisch. Der winzige Rest macht jedoch den entscheidenden Unterschied aus: im Laufe der Evolution hat sich das menschliche Gehirn um das Dreifache vergrößert und somit unsere kognitiven Fähigkeiten ausgebildet. Forscher vom Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden haben nun die genetischen Ursachen für diesen Entwicklungssprung genauer untersucht. Dabei entdeckten sie ein Gen, dass nur im Menschen vorkommt und die Auffaltung der Großhirnrinde ankurbelt. Über das in Hirn-Stammzellen aktive Gen berichten die Wissenschaftler im Fachjournal Science (2015, Online-Veröffentlichung).

biotechnologie.de

Das Team um den Dresdner Max-Planck-Forscher Wieland Huttner ist seit langem den Geheimnissen der menschlichen Gehirnevolution auf der Spur. Mit ihrer aktuellen Studie können die Max-Planck-Forscher nun erneut eine Wissenslücke schließen. Dieses Mal waren sie den genetischen Veränderungen auf der Spur, die im Laufe von Jahrmillionen das menschliche Gehirnwachstum ausgelöst haben. „Uns fiel auf, dass das Gen ARHGAP11B insbesondere in den sogenannten basalen Hirn-Stammzellen aktiv ist. Diese Zellen sind für die Expansion der Großhirnrinde im Laufe der Evolution besonders wichtig“, erklärt Marta Florio, die den Hauptteil der Untersuchungen in Huttners Team durchführte.

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Dschungel-Camp lässt grüßen: Insekten als Fleischersatz?

Skorpione, Markt in Shanghai, Bild: bb
Skorpione, Markt in Shanghai, Bild: bb
Tofu-Schnitzel und Soja-Würstchen sind out – vielleicht kreucht und fleucht es bald nur noch in unseren vegetarischen Küchen. Was in asiatischen und südamerikanischen Ländern Tradition ist, kann künftig den übertrieben hohen Fleischkonsum westlicher Länder eindämmen: Insekten-Kost. Stehen „süße Hüpfer“ und „Heuschreckenbounty“ bald ganz oben auf unserer Speisekarte?


Von Sandra Lukatsch|welt der wunder

„Im ersten Schritt sollten Sie die Flügel und auch die Beine der Maikäfer entfernen.“ So lautet Anleitungsschritt Nummer eins für ein eher ungewöhnliches Rezept: die Maikäfersuppe. Wem jetzt nicht gleich das Wasser im Mund zusammenläuft – keine Sorge. Die Auswahl der Insekten-Küche ist weitaus größer: Mehlwürmer, Grillen, Maden, Heuschrecken oder Soldatenfliegen – alles was das Herz begehrt!

Ekeliges Krabbelzeug …

Was in anderen Kulturen zum Standard-Menü gehört, klingt in den mitteleuropäischen Ohren eher ekelerregend. Dennoch sollte manch einer auch hierzulande mal über den Tellerrand schauen. Das raten unter anderem Vertreter des sogenannten „Anthropozän“-Zeitalters. Denn die gewöhnungsbedürftige Küche ist nicht nur für figurbewusste Menschen ratsam. Die Kost ist sehr nährstoffreich und gilt dank dem hohen Eiweiß- und Protein-Gehalt als perfekter Fleischersatz.

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Orang-Utan-Dame Sandra: Mehr Mensch als Sache

Themenbild.
Themenbild.
1986 wurde Sandra in einem deutschen Zoo geboren, die vergangenen Jahrzehnte verbrachte sie in Buenos Aires. Jetzt hat ein Gericht entschieden: Die Orang-Utan-Dame ist mehr Mensch als Sache. Damit darf Sandra auf Freiheit hoffen.


SpON

Tierschützer haben vor einem Gericht in Argentinien die Freilassung eines Orang-Utans aus einem Zoo durchgesetzt: Sandra soll nach 20 Jahren Gefangenschaft im Zoo von Buenos Aires ihr Gehege verlassen, wie Tierschutzanwälte mitteilten. Die 29-jährige Orang-Utan-Dame darf ihren Lebensabend in einem Schutzgebiet in Brasilien verbringen, falls keine Berufung gegen das Urteil eingelegt wird.

Die Argentinische Anwaltsvereinigung für Tierrechte (Afada) hatte eine Habeas-Corpus-Klage eingereicht, in der es hieß, Sandra müsse eine ungerechtfertigte Gefangenschaft erleiden. Zwar sei Sandra biologisch nicht identisch mit dem Menschen, aber emotional. Sie wäre in Freiheit glücklicher. Nach argentinischem Recht müsse der Orang-Utan mehr als eine Person denn als eine Sache angesehen werden.

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