Schlagwort-Archive: Mensch

Artenschutz: Keiner jagt so wie der Mensch

Je älter die Beute, desto größer und damit begehrter die Trophäe. Das ist nicht nur bei der Jagd auf Löwen und Elefanten so, sondern auch bei der auf Gämsen. / Bild: (c) EPA (BARBARA GINDL)
Anders als Raubtiere, die sich vor allem über junge Beute hermachen, stellt der Mensch bevorzugt ausgewachsenen Tieren nach. So dezimiert er das „reproduktive Kapital“.

Von Jürgen Langenbach|Die Presse

Sie kämpfen wie die Löwen.“ Den Satz nahm Alfred Polgar in den 1930er-Jahren aus einem Kriegsbericht einer Zeitung auf, versah ihn mit einem Fragezeichen und widersprach: „Nein, sie kämpfen wie die Menschen!“ Gemeint war, dass kein Löwe einem anderen so an die Gurgel fährt wie ein Mensch das tun kann. Und der Mensch kämpft nicht nur anders, er hält es auch bei der Jagd anders: Die diente einst der Ernährung – den Großteil ihrer Geschichte verbrachten die Menschen als Jäger und Sammler –, sie blieb aber auch, als die Landwirtschaft erfunden war. Nun wurde sie zum Privileg der Macht und der Männer, Diana ist eher die Ausnahme: „Nimrod war ein großer Jäger vor dem Herrn“ (1. Mose 10), „darnach schlug er schiere ein’n Wisent, ein’n Elk und starker Ure viere“, er ist Siegfried (Nibelungenlied, Abenteuer 16). Und wie einst die Helden posieren heute nicht nur Könige mit Afrikas Trophäen, sondern auch US-Zahnärzte und Kärntner Großagrarier.

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Wie der Pavianhintern die Sexualtheorien Darwins inspirierte

Entspannt lässt sich ein Pavian im Tierpark Hellabrunn in München von einem Artgenossen entlausen. (picture-alliance / dpa / Frank Leonhardt )
Für den Evolutionsforscher Charles Darwin war die Haut des Menschen ein riesiges Sexualorgan. Ausgangspunkt für diese Theorie seien die pinken Affenhintern der Paviane gewesen, sagt der Literaturwissenschaftler Winfried Menninghaus.


Winfried Menninghaus im Gespräch mit Gesa Ufer|Deutschlandradio Kultur

“Darwin hat sich gefragt: Warum ist der Mensch der einzige größere Primat, ohne Fell?” – so Winfried Menninghaus, Leiter des Max-Planck-Instituts in Frankfurt am Main im Deutschlandradio Kultur. “Und das ist tatsächlich ein Skandal in der Naturgeschichte.” Schließlich gebe nur es wenige andere Lebewesen, die dieses Merkmal der nackten Haut teilten. Der britische Naturforscher Charles Darwin (1809-1882) sei der Frage nachgegangen, welche Vorläufer es gegeben habe.

Unser Körper als riesiges Sexualorgan

Seine “phantastische witzige Idee”, die Darwin damals kaum zu äußern gewagt habe, war es, die stark hervorgehobenen, nackten analen-genitalen Stellen der Affen zur Erklärung hinzuzuziehen. “Denken Sie an den Pavian, denken Sie an diese sehr indezente Ästhetik”, sagte Menninghaus.

“Darwin dachte in der Tat, die nackte Haut war der Sitz der sexuellen Attraktivität und wir Menschen waren so verrückt, dass wir davon immer mehr haben wollten.”

Deshalb habe der Mensch immer mehr Nacktheit gewählt, bis der ganze Körper auf einmal nackt gewesen sei. Zu dieser Hypothese von Darwin gehöre, dass “unser ganzer Körper ein riesiges Sexualorgan” sei wie diese “pinken Affenhinterteile.”

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Das mit der Gentherapie klärt die Wissenschaft lieber selbst

Neue Methoden erlauben gezielte Eingriffe in das Erbgut des Menschen. Damit könnte man einmal genetische Krankheiten heilen – vielleicht auch mehr. Muss man die genetische Optimierung des Menschen verbieten? Die Nobelpreisträger würden auf eine politische Debatte lieber verzichten.


Von Alexander Mäder|Stuttgarter-Zeitung.de

Bild: merakname.com
Bild: merakname.com

Eigentlich sind sich die vier Wissenschaftler einig: Die neue Methode CRISPR (ausgesprochen: „Krisper“) ist zwar vielversprechend, funktioniert aber noch lange nicht gut genug, um sie bei menschlichen Embryonen einzusetzen. Mit CRISPR kann man, so die Idealvorstellung, krankhaft veränderte Gene ersetzen und dadurch einem heranwachsenden Kind eine Erbkrankheit ersparen. Doch eine Studie von Junjiu Huang und seinem Team von der Sun Yat-sen Universität im chinesischen Guangzhou hat vor einigen Wochen gezeigt, dass CRISPR noch viele weitere Veränderungen im Erbgut vornimmt, ohne dass die Wissenschaft verstehen würde, warum. Und nur bei 4 von 86 Embryonen hatte das Ersetzen des Gens überhaupt geklappt. (Die chinesischen Forscher hatten Embryonen verwendet, die bei künstlichen Befruchtungen aussortiert worden waren. Womöglich hat das die Fehlerrate zusätzlich erhöht.) Die vier Wissenschaftler auf dem Podium der Nobelpreisträgertagung in Lindau halten es daher für verfrüht und unverantwortlich, jetzt schon klinische Anwendungen von CRISPR in Erwägung zu ziehen.

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Gemeinsame Gräber für Mensch und Haustier geplant

Ab Mitte Juni können sich Mensch und Haustier erstmals in Deutschland in einem gemeinsamen Grab bestatten lassen.


evangelisch.de

Hierzu will das Familienunternehmen Deutsche Friedhofsgesellschaft am 9. Juni in Braubach bei Koblenz und am 10. Juni in Essen einen eigens ausgewiesenen Friedhof mit eigener Satzung eröffnen, wie Unternehmenssprecher Wilhelm Brandt am Mittwoch dem epd in Frankfurt am Main sagte. Auf den Friedhöfen sollen ausschließlich Urnenbestattungen möglich sein. Weitere Standorte im Süden Deutschlands seien in Planung.

Wir sind nicht allein in unseren Genen

DNA, image: Mirny et al/MIT
DNA, image: Mirny et al/MIT
Wir Menschen tauschen nicht nur untereinander Erbgut aus, sondern bisweilen auch mit anderen Lebewesen. Biologen machten nun eine neue Bestandsaufnahme.


Von Daniel Lingenhöhl|Spektrum.de

Unser Erbgut umfasst rund 20 000 bis 23 000 Gene – und manche davon könnten wir von anderen Organismen wie Bakterien oder Pilzen sowie von Viren übernommen haben. Mindestens 145 unserer Gene könnten demnach durch den so genannten horizontalen Gentransfer zwischen Arten in unser Erbgut übergegangen sein, meinen Alastair Crisp von der University of Cambridge und seine Kollege im Journal Genome Biology. Bei diesem Vorgang gelangen fremde Gene etwa von Bakterien beispielsweise während einer Infektion in das eigene Genom und werden dort so integriert, dass sie im Laufe der Evolution funktionell werden. Als unser Genom 2001 vollständig sequenziert vorlag, hatte man bereits entsprechende Fremdgene entdeckt, doch galten die meisten davon als Verschmutzungen, die während der Analyse im Labor aufgetreten sind.

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Evolution des Menschen: Ein Gen sorgt für mehr Gehirn

Die Abbildung zeigt die Großhirnrinde eines Mausembryos. Die Zellkerne sind blau gefärbt und tiefer liegende Nervenzellen sind in rot zu erkennen. Unter dem Einfluss des menschenspezifischen Gens ARHGAP11B haben sich auf der rechten Hirnhemisphäre Faltungen in der Großhirnrinde gebildet. Quelle: MPI f. molekulare Zellbiologie und Genetik
Schimpanse und Mensch gleichen sich mehr, als man denkt. Zumindest aus genetischer Sicht. Denn fast 99 Prozent unseres Erbgutes sind mit dem unserer tierischen Verwandten identisch. Der winzige Rest macht jedoch den entscheidenden Unterschied aus: im Laufe der Evolution hat sich das menschliche Gehirn um das Dreifache vergrößert und somit unsere kognitiven Fähigkeiten ausgebildet. Forscher vom Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden haben nun die genetischen Ursachen für diesen Entwicklungssprung genauer untersucht. Dabei entdeckten sie ein Gen, dass nur im Menschen vorkommt und die Auffaltung der Großhirnrinde ankurbelt. Über das in Hirn-Stammzellen aktive Gen berichten die Wissenschaftler im Fachjournal Science (2015, Online-Veröffentlichung).

biotechnologie.de

Das Team um den Dresdner Max-Planck-Forscher Wieland Huttner ist seit langem den Geheimnissen der menschlichen Gehirnevolution auf der Spur. Mit ihrer aktuellen Studie können die Max-Planck-Forscher nun erneut eine Wissenslücke schließen. Dieses Mal waren sie den genetischen Veränderungen auf der Spur, die im Laufe von Jahrmillionen das menschliche Gehirnwachstum ausgelöst haben. „Uns fiel auf, dass das Gen ARHGAP11B insbesondere in den sogenannten basalen Hirn-Stammzellen aktiv ist. Diese Zellen sind für die Expansion der Großhirnrinde im Laufe der Evolution besonders wichtig“, erklärt Marta Florio, die den Hauptteil der Untersuchungen in Huttners Team durchführte.

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Dschungel-Camp lässt grüßen: Insekten als Fleischersatz?

Skorpione, Markt in Shanghai, Bild: bb
Skorpione, Markt in Shanghai, Bild: bb
Tofu-Schnitzel und Soja-Würstchen sind out – vielleicht kreucht und fleucht es bald nur noch in unseren vegetarischen Küchen. Was in asiatischen und südamerikanischen Ländern Tradition ist, kann künftig den übertrieben hohen Fleischkonsum westlicher Länder eindämmen: Insekten-Kost. Stehen „süße Hüpfer“ und „Heuschreckenbounty“ bald ganz oben auf unserer Speisekarte?


Von Sandra Lukatsch|welt der wunder

„Im ersten Schritt sollten Sie die Flügel und auch die Beine der Maikäfer entfernen.“ So lautet Anleitungsschritt Nummer eins für ein eher ungewöhnliches Rezept: die Maikäfersuppe. Wem jetzt nicht gleich das Wasser im Mund zusammenläuft – keine Sorge. Die Auswahl der Insekten-Küche ist weitaus größer: Mehlwürmer, Grillen, Maden, Heuschrecken oder Soldatenfliegen – alles was das Herz begehrt!

Ekeliges Krabbelzeug …

Was in anderen Kulturen zum Standard-Menü gehört, klingt in den mitteleuropäischen Ohren eher ekelerregend. Dennoch sollte manch einer auch hierzulande mal über den Tellerrand schauen. Das raten unter anderem Vertreter des sogenannten „Anthropozän“-Zeitalters. Denn die gewöhnungsbedürftige Küche ist nicht nur für figurbewusste Menschen ratsam. Die Kost ist sehr nährstoffreich und gilt dank dem hohen Eiweiß- und Protein-Gehalt als perfekter Fleischersatz.

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Orang-Utan-Dame Sandra: Mehr Mensch als Sache

Themenbild.
Themenbild.
1986 wurde Sandra in einem deutschen Zoo geboren, die vergangenen Jahrzehnte verbrachte sie in Buenos Aires. Jetzt hat ein Gericht entschieden: Die Orang-Utan-Dame ist mehr Mensch als Sache. Damit darf Sandra auf Freiheit hoffen.


SpON

Tierschützer haben vor einem Gericht in Argentinien die Freilassung eines Orang-Utans aus einem Zoo durchgesetzt: Sandra soll nach 20 Jahren Gefangenschaft im Zoo von Buenos Aires ihr Gehege verlassen, wie Tierschutzanwälte mitteilten. Die 29-jährige Orang-Utan-Dame darf ihren Lebensabend in einem Schutzgebiet in Brasilien verbringen, falls keine Berufung gegen das Urteil eingelegt wird.

Die Argentinische Anwaltsvereinigung für Tierrechte (Afada) hatte eine Habeas-Corpus-Klage eingereicht, in der es hieß, Sandra müsse eine ungerechtfertigte Gefangenschaft erleiden. Zwar sei Sandra biologisch nicht identisch mit dem Menschen, aber emotional. Sie wäre in Freiheit glücklicher. Nach argentinischem Recht müsse der Orang-Utan mehr als eine Person denn als eine Sache angesehen werden.

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Tierethik: Tiere haben keine Rechte

PETA-Demonstration am Welt-Vegan-Tag, picture alliance
Tierrechtler verrennen sich, wenn sie eine Art Gleichstellung von Mensch und Tier fordern. Davon hat niemand etwas, schon gar nicht das Tier. Ein Debattenbeitrag des Philosophen und Tierethikers

Norbert HoersterCicero

Wer heute Fleisch isst, hat ein Problem. Der Zeitgeist ist auf der Seite derer, die aus dem reinen Fleisch- und Tierverzicht ihre moralische Überlegenheit gegenüber der Mehrheit der Fleischesser ziehen. Dürfen wir Tiere etwa nicht essen? Nicht töten – selbst dann nicht, wenn uns dies gesamtgesellschaftliche Vorteile bringt?

Relativ einfach wäre die Sache, wenn es objektiv vorgegebene Moralnormen gäbe, die wir als verbindlich anerkennen könnten. Meines Erachtens aber gibt es solche Normen nicht. Wie soll ich denn – losgelöst von allen Bedürfnissen und Interessen, die ich habe – etwa „erkennen“, ob ich Fleisch essen darf oder nicht? Schon deshalb kommt für mich eine utilitaristische Begründung der Tierethik, wie sie Peter Singer vertritt, nicht in Betracht. Singers Theorie gab den Anstoß zur heutigen Tierethik-Debatte, in deren Verlauf immer wieder Grundrechte für Tiere gefordert werden. Der Mensch müsse bei seinen Entscheidungen das größtmögliche Glück aller empfindsamen Wesen berücksichtigen und nicht nur das der eigenen Spezies Mensch.

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Veganismus: Es gehört zum Menschsein, Tiere zu essen

Foto: Getty Images/Uppercut Hähnchen oder Salat? Ein Vegetarier beobachtet skeptisch einen Fleischesser
Wer behauptet, Kühe und Ziegen hätten die gleichen Rechte wie Menschen, stellt sich gegen die Natur. Darum ist es wichtig, den Tierrechtlern nicht die Diskurshoheit zu überlassen.

Von Eckhard FuhrDIE WELT

Seit Neuestem bietet die Bundeszentrale für politische Bildung, eine dem Bundesinnenministerium unterstehende Behörde, in ihrer Schriftenreihe das Tierrechtspamphlet “Artgerecht ist nur die Freiheit” von Hilal Sezgin an. 4,50 Euro kostet das subventionierte Druckwerk den Bildungsbeflissenen noch, wenn er es denn bezahlt. Die Titel der Schriftenreihe werden großzügig verschenkt.

Damit ist in den Katalog offiziellen politischen Bildungsmaterials ein Text aufgenommen, der es zwar extrem gut mit den Tieren meint, jedoch in seinem unerbittlichen Rigorismus unsere Verfassungsordnung radikal infrage stellt. Nun gut, man kann über alles diskutieren, und die Bundeszentrale ist keineswegs dazu verpflichtet, nur staatstragende Schriften zu verbreiten. Sie soll ja das “demokratische Bewusstsein” fördern, wozu auch der strittige Diskurs gehört.

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Menschenzeitalter: Das Ende kommt, und das ist auch gut so

klimawandelDer Mensch hat sich die Erde zum Untertan gemacht, hat sie verändert, gestaltet und ausgeraubt: Wir leben im Anthropozän, dem Zeitalter des Menschen – und mit diesem Begriff entsteht auch das Bewusstsein, dass es damit dereinst vorbei sein wird.

Von Georg DiezSpON

Wenn die Menschheit tot ist, fort und verweht, wenn die Plastikgebirge und die vor sich hin brodelnden Meere allein und verlassen daliegen, wenn ein heißer Wind über die Ödnis fegt und den Staub, der mal eine Stadt war, durch die trübe Luft weht, und wenn sich der Planet dann irgendwann, Millionen von Jahre nachdem die Menschen gegangen sind, langsam wieder erholt – wer wird sich an uns erinnern?

Wir leben im Menschenzeitalter, heißt es, es hat auch einen anspruchsvollen Namen, sie nennen es Anthropozän, die Geologen, Biologen, Meteorologen und all die anderen Forscher und Wissenschaftler, die sich mit dem Wesen des Lebens auf der Erde beschäftigen, wie es entstanden ist, wie es den Planeten verändert hat, wie es enden könnte – denn was einen Anfang hat, weiß jedes Kind, damit ist auch irgendwann Schluss.

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Im Jahr 2030 bräuchten wir eine zweite Erde

Märkischer Kiefernwald,Bild: brightsblog(bb)
Märkischer Kiefernwald,Bild: brightsblog(bb)
Der Mensch tötet mehr Tiere und verbraucht mehr Ressourcen, als der Planet regenerieren kann, besagt ein Bericht der Naturschutzorganisation WWF. Auch die Deutschen leben weit über ihre Verhältnisse.

stern.de

Der Mensch ist das wohl gierigste Wesen der Erde: Seit 1970 tötet er jedes Jahr mehr Tiere, holzt mehr Bäume ab und verbraucht mehr Rohstoffe, als die Natur regenerieren kann. “1,5 Erden sind derzeit nötig, um den aktuellen Ressourcenverbrauch zu decken”, heißt es in einem Bericht, den die Naturschutzorganisation WWF am Dienstag vorgestellt hat. Damit treibe die Menschheit ihren eigenen Planeten in einen “gefährlichen Burn-Out.”

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Konvivialistisches Manifest: Zusammenleben für die Zukunft

John Lennon & Yoko Ono at the first day of their Amsterdam Bed-In. Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA-3.0-nl
In einem Manifest fordern 40 Intellektuelle – darunter Eva Illouz, Chantal Mouffe und Eve Chiappello – Fürsorge und Maßhalten im globalen Maßstab.

Von Tim Kaspar Boehmetaz.de

Die romanischen Sprachen haben es in manchen Dingen leichter. Ein lateinischstämmiges Wort wie „convivialisme“ klingt dort viel weniger akademisch als im Deutschen, denn „conviver“, aus dem sich der Begriff herleitet, bedeutet im Französischen schlicht „zusammenleben“. Und um genau diese Frage geht es dem Konvivialismus, der auf eine Gruppe Intellektueller um den Pariser Soziologen Alain Caillé zurückgeht.

Rund 40 Autoren und Autorinnen – darunter Eva Illouz, Chantal Mouffe, Edgar Morin oder Yann Moulier-Boutang, stehen hinter dem „konvivialistischen Manifest“, das jetzt als Büchlein erschienen ist. Mit ihrem Text bringen sie dringende Fragen auf den Punkt: „Wie mit der Rivalität und der Gewalt zwischen den Menschen umgehen? Wie sie dazu bewegen, zusammenzuarbeiten, um sich weiterzuentwickeln, wobei jeder das Beste von sich selbst gibt, sodass es möglich wird, einander zu widersprechen, ohne einander niederzumetzeln? Wie lässt sich die heute grenzenlose und potenziell selbstzerstörerische Anhäufung von Macht über Mensch und Natur verhindern?“

 

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Wie Herr Huber die Menschenwürde vergottet – Bullshistic

Theologe Wolfgang Huber: Keine Säkularisierung sollte Mensch vom Glaube abbringen, dass das Leben ein Geschenk ist Foto: pro
Der Mensch könne nicht entscheiden, wann das Leben zu Ende ist, weil es ein Geschenk sei. Diese Ansicht vertrat der Theologe und ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber am Montagabend in Marburg.

pro Medienmagazin

Huber konzentrierte sich in seinem Vortrag über „Die Grundfragen des Lebens von der Geburt bis zum Tod“ auf die Werte Vertrauen, Würde und Verantwortung.

Vertrauen sei nicht nur wichtig im Umgang mit anderen Menschen, sondern auch in der Beziehung zu Gott. „Ich glaube, dass Gott mich geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, […], gegeben hat“, zitierte Huber aus Martin Luthers Kleinem Katechismus. Weder Entkirchlichung noch Säkularisierung der Gesellschaft sollten einen Menschen vom Glauben abbringen, dass das Leben ein Geschenk ist. Wie ein Mensch nicht über seine Geburt bestimmen könne, könne er auch nicht entscheiden, wann das Leben zu Ende ist.

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Jeder dritte Amerikaner glaubt, dass Gott ihn schuf

charles_darwin_nkmbGott hat den Menschen und die Welt geschaffen, die Abstammung vom Affen ist Unsinn: Das glaubt ein beträchtlicher Teil der US-Bevölkerung, wie eine Umfrage zeigt.

20 minuten

Das Pew Research Center wollte von den Amerikanern wissen, ob sie die Evolutionstheorie akzeptieren oder an die Schöpfungsgeschichte glauben. Dabei zeigte sich: 33 Prozent der Amerikaner glauben, dass die Menschen seit dem Anbeginn der Zeiten in der heutigen Form existieren. 60 Prozent dagegen sind sicher, dass sich die Menschen über die Zeit entwickelt haben, wie es der derzeitige Stand der Forschung sagt.

Besonders stark vertreten sind die Verfechter der biblischen Schöpfungstheorie – in jüngster Zeit als «Intelligent Design» verbrämt – unter weissen Protestanten. In dieser Gruppe halten 64 Prozent die Evolutionstheorie für falsch. Bei ihren dunkelhäutigen Glaubensbrüdern sind es 50 Prozent, bei Katholiken ein gutes Viertel.

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Ausrede-Mechanismen: “Früher war die Zukunft auch besser”

Bild. R.Leinfelder
Das Verständnis des Anthropozäns wäre viel zu kurz gegriffen, wenn wir diesen Term – wie es derzeit häufig geschieht – nur als neuen Sammelbegriff für alle menschengemachten Umweltkrisen dieser Welt sowie ihrer Wechselwirkungen untereinander verstehen würden. Immer noch nicht hinreichend, wenn auch dringend notwendig für eine Charakterisierung des Begriffs Anthropozän ist die Hinzunahme von historischen Analysen, um zu erklären wie es überhaupt zu einer Anthropozän-Zeit kommen konnte.

Von Prof.Dr. R. Leinfelder – DER ANTHROPOZÄNIKER

Erfreulicherweise wird dies derzeit kräftig von Historikern sowie Kultur- und Sozialwissenschaftlern aufgegriffen und untersucht. Tatsächlich ist das Lernen aus der Vergangenheit gerade für das Anthropozän von überaus großer Bedeutung. Es geht um nichts weniger als das Verständnis der Wechselwirkungen von Mensch und Natur, der Abhängigkeit der Etablierung unserer Gesellschaftsformen von  “Kulturrevolutionen”, wie der neolithischen oder der industriellen Revolution, die aber ihrerseits wiederum von den sehr stabilen holozänen Umweltbedingungen sowie der verbesserten technologischen Erschließbarkeit von Naturressourcen abhängig sind. Auch das Konzept der Shifting Baselines, welche zunehmend die Kenntnis von urnatürlichen Vorgegebenheiten zunichte macht oder die Analyse der wachstumswert-basierten großen Beschleunigung sowohl innerhalb der Soziosphären als auch – damit korreliert –  der Natursphären sind wichtige Forschungsbereiche für das Anthropozän. Das bessere Verständnis von Komplexitäten, Wechselwirkungen, Wahrscheinlichkeiten und unterschiedlichen raumzeitlichen Skalierungen, also ein fundiertes systemisches Verständnis, erscheinen unabdingbar, um die Zukunft zu meistern zu können. “Alles hängt mit allem zusammen und umgekehrt” ist ein Spruch aus den Anfängen des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen WBGU, der die wissenschaftlichen Herausforderungen durchaus zutreffend beschreibt (Abb. 1).

Credit: http://activism101.ning.com/profiles/blogs/stunning-charts-on-the-rise-of-manufacturing-complexity

Damit sind wir aber bei der Frage der Zukunft. Das Anthropozän als erdgeschichtliche Epoche gestalten zu können, nicht als kurzen erdgeschichtlichen Event vorübergehen lassen, dazu sollte ja die Anthropozän-Metapher besonders anregen, also dürfen wir auch vor Zukunftsbetrachtungen nicht zurückschrecken, genau dies ist der vielleicht wichtigste Teil des Anthropozän-Ansatzes. Der Mensch ist – überwiegend unreflektiert – zum Erdsystemfaktor geworden, warum sollte er nicht wissensbasiert, reflektiert, nachsteuernd, Wissenslücken ernst nehmend, also differenziert, aber eben doch „proaktiv“ die Zukunft “wissensgärtnerisch” gestalten können, gerade um nachfolgenden Generationen auch weiterhin vergleichbare Entwicklungschancen und Selbstbestimmungsmöglichkeit auf diesem Planeten zu ermöglichen?

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Anthropozän: Als der Mensch zur Naturgewalt wurde

Bild: br.de
Der Wissenschaftler Paul Crutzen hat als Erster erkannt, dass der Mensch stärkster Treiber für die Zerstörung der Erde ist und nannte das Phänomen “Anthropozän”. Zeit, umzudenken

Von Michael MüllerZEIT ONLINE

Alexander von Humboldt, einer der größten Entdecker und Naturforscher des 19. Jahrhunderts, hat geschrieben, man müsse die Erscheinung der Dinge in ihrem Zusammenhang sehen, um alles Geschaffene im Himmel und auf der Erde zu verstehen.

Dinge in ihrem Zusammenhang zu sehen – das tun wir heute eher selten; es ist die Tragik unserer Zeit, dass Spezialisten die Wirklichkeit in winzige Teile zerlegen und die Öffentlichkeit sich in der Kurzfristigkeit des Augenblicks verliert. Kritische Theorien, die gesellschaftliche Entwicklungen längerfristig zu deuten versuchen, werden dabei an den Rand gedrängt.

Umso wichtiger ist es, sich an einen Menschen zu erinnern, der die Erde nach Humboldtschem Prinzip neu vermessen hat: Paul Crutzen heißt er, lange Jahre war er Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. 1995 hat der Niederländer mit Mario Molino und Frank Sherwood Rowland für die Erforschung des Ozonabbaus den Nobelpreis für Chemie erhalten.

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Nahrungskette: Mensch auf einer Stufe mit Anchovis

Anchovis, Bild: REUTERS
Der Mensch als Spitze der Nahrungskette? Von wegen: Forscher wollen nun herausgefunden haben, dass der Mensch weiter unten steht, nämlich auf einer Stufe mit Anchovis und Schweinen. Auf viel bessere Werte kommt dagegen ein Raubtier.

FOCUS ONLINE

Der Mensch steht in der Nahrungskette keineswegs wie meist angenommen an der Spitze, sondern auf einer Stufe mit Anchovis und Schweinen – das behaupten jedenfalls französische Wissenschaftler. Die Forscher ermittelten für eine am Mittwoch vorgestellte Studie erstmals das sogenannte trophische Niveau des Menschen. Dieser Wert zeigt den Platz an, auf dem ein Lebewesen in der Nahrungskette steht.

Pflanzen befinden sich auf der ersten Ebene, Pflanzenfresser auf der zweiten und Fleischfresser auf den weiteren Ebenen. Das trophische Niveau bildet somit die Zahl der “Zwischenstationen” in der Nahrungskette zwischen Pflanzen und einem bestimmten Fleischfresser ab, wie die Forscher schreiben.

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Evolutionsmaschine Mensch

Strukturmodell einer DNA-Helix in B-Konformation (Animation). Die Stickstoff (blau) enthaltenden Nukleinbasen liegen waagrecht zwischen zwei Rückgratsträngen, welche sehr reich an Sauerstoff (rot) sind. Kohlenstoffatome sind grün dargestellt. Bild: wikipedia
Sei es durch die Verbreitung von Antibiotika, Reproduktionsmedizin oder Krebstherapien: Der Mensch nimmt massiven Einfluss auf den Gang der Evolution. Beispiele dafür finden sich in diesem faktenreichen Buch von Thomas Böhm.

Von Michael LangeDeutschlandradio Kultur

Wir Menschen sind das Ergebnis einer biologischen Entwicklung. Wie keine andere Art hat der Homo sapiens der Evolution seinen Stempel aufgedrückt. Dabei wird jedoch oft vergessen, dass diese Entwicklung keineswegs beendet ist. Der Mensch manipuliert die Evolution und damit bis heute sich selbst.

Thomas Böhm betrachtet die biologische Evolution aus Sicht des Arztes. Er kritisiert die verbreitete “Unwissenschaftlichkeit” der Medizin, spekuliert viel und benutzt immer wieder Konjunktive und medizinisches Fachvokabular. In seinem faktenreichen Buch wechseln sich leicht verständliche Kapitel mit weniger verständlichen Passagen ab.

Als erstes Beispiel wählt Thomas Böhm Bakterien. Viele haben sich mit dem Menschen zusammengetan und sich an den Lebensraum Mensch angepasst. Doch der Mensch hat diesen Lebensraum immer wieder verändert. Der stärkste Eingriff geschah in den letzten Jahrzehnten durch die Verbreitung von Antibiotika. Viele krankmachende, aber auch ungefährliche Bakterien gerieten durch sie unter Druck, und die meisten wurden getötet. Evolutionsbiologisch betrachtet sind einige diese Bakterien Opfer der Selektion geworden. Andere haben sich angepasst. Jedes Antibiotikum, das verabreicht wird, nutzt oder schadet nicht nur dem Patienten; es verändert die biologische Evolution der Bakterien und kann harmlose Allerweltskeime zu Killern machen.

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Macht der Mikroben: Wie viele bin ich?

Manche Mikroben kommen gefährlich daher – als Killer gar. Bild:dpa
Der Mensch ist die Summe seiner Gene, verkündeten Forscher einst. Der Mensch ist die Summe seiner Mikroben, erklären Wissenschaftler jetzt.

Von Emilia Smechowskitaz

Es begab sich zu einer Zeit, als der Forscher Craig Venter loszog, das Human Genome Project bei der Entschlüsselung des menschlichen Genoms zu überholen. Venter verkündete im Jahr 2000, er wolle das komplette menschliche Genom entschlüsseln. Die FAZ druckte eine Reihe von Gen-Sequenzen. Unterschiedlichste Kombinationen von ATCG, CGAT, TAGC überall.

Plötzlich wirkte so viel bedeutungsvoller, was man sonst so in der Schule lernte. Welche Augenfarbe aus grün (Frau) und blau (Mann) entsteht, wenn beide ein Kind zeugen. Ob wir lange oder kurze Beine haben, die Form unserer Nase – all das bestimmen die Gene, die wir vererbt bekommen.

Der Mensch also, ein Genprodukt, fertig und unveränderbar wie ein produziertes Auto?

Das wäre ein bisschen zu einfach, klar. Wir verändern uns ständig. Und wir – das sind viele. Das wird jetzt immer deutlicher.

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