Hessen: Religiöse Toleranz laut Studie gewachsen

Die religiöse Toleranz in Hessen ist laut einer Studie gewachsen (Symbolfoto). Foto: Friso Gentsch (dpa)
„Wie hast du‘s mit der Religion?“ sind Menschen in Hessen bei einer Studie gefragt worden. Im Vergleich zur ersten Untersuchung 2013 sei die religiöse Toleranz noch gestiegen.

Frankfurter Rundschau

Der überwiegende Teil der Menschen in Hessen kann sich einer Studie zufolge vorstellen, mit einem Partner anderen Glaubens zusammenzuleben. Das habe eine Neuauflage der Umfrage „Wie hast du‘s mit der Religion?“ ergeben, sagte der Integrationsbeauftragte der Landesregierung, Kai Klose, am Dienstag in Wiesbaden. Im Vergleich zu einer ersten Untersuchung 2013 sei die religiöse Toleranz noch gestiegen.

Bei den befragten Männern und Frauen mit ausländischen Wurzeln könnten sich 81 Prozent einen Lebenspartner mit einer anderen Religion vorstellen – 11 Prozentpunkte mehr als noch vor vier Jahren. Bei der übrigen Bevölkerung kletterte die Zustimmung im gleichen Zeitraum um 2 Prozentpunkte auf 78 Prozent.

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Autoritäre Einstellungen bei Schülern

Bild: RDF
Als eine der ersten empirischen deutschsprachigen Studien in diesem Bereich wurden im Rahmen einer Masterarbeit autoritäre Einstellungen von 668 SchülerInnen mit besonderer Berücksichtigung der Religionszugehörigkeit gemessen.

Von Felix Kruppa | Richard-Dawkins-Foundation

Der Fragebogen ermittelte Einstellungen zu den Themen Minderheitenfeindlichkeit, der Bedeutsamkeit der eigenen Weltanschauung, Einstellungen zur Erziehung, Demokratie sowie Rollenbildern und Sexualität. Während die Einstellungen von SchülerInnen christlichen Glaubens und jenen ohne Religionszugehörigkeit oft nur marginal voneinander abwichen, erwiesen sich die muslimischen SchülerInnen in fast allen Bereichen als autoritärer.

Der Text kann auch unter folgendem Link als PDF-Datei heruntergeladen werden: Felix Kruppa – Autoritäre Einstellungen bei Schülerinnen und Schülern mit besonderer Berücksichtigung der Religionszugehörigkeit (Diskussionspapier)

Die komplette Masterarbeit, die u.a. alle Studienergebnisse enthält, versende ich gerne auf Anfrage.

Einleitung

Die Studie zur „Autoritären Persönlichkeit“ von Adorno, Frenkel-Brunswik, Levinson & Sanford (1950) war der Beginn für die wissenschaftliche Suche nach den Erklärungsansätzen und Ursprüngen von faschistischen und antidemokratischen Einstellungen, sowie Vorurteilen und Diskriminierung. Grundlage dieser autoritären Persönlichkeit sind u.a. negative Intergruppeneinstellungen, die spätestens durch den starken Anstieg der Zuwanderung nach Deutschland seit dem Jahr 2015 wieder in Erscheinung treten. Die eigene Identität wird verstärkt ex negativo zu anderen (Gruppen-)Identitäten gebildet und findet in ihnen ihren vermeintlichen Konterpart. Bestrebungen zur Abgrenzung der eigenen Gruppenidentität und dem Versuch der Herausstellung ihrer Überlegenheit gegenüber anderen Gruppen bei gleichzeitiger Besinnung auf traditionelle, oft reaktionäre Wertegefüge, sind allerdings nicht nur einer nach rechts rückenden Mehrheitsgesellschaft zuzuschreiben.

Ein gewichtiger Faktor für die Begründung und Genese autoritärer Einstellungen scheint auch die Religion zu sein. Homophobie, Judenfeindlichkeit oder die Ablehnung der Gleichberechtigung von Mann und Frau finden oft auch religiöse Anleihen. In Bezug auf den Islam führt die Besinnung auf die eine konservative muslimische Identität in vielen Fällen dazu, dass Prinzipien wie der Säkularismus, Religionskritik, aber auch die Akzeptanz von Homosexualität und die Gleichberechtigung von Männern und Frauen nicht als Selbstverständlichkeit aufgefasst werden. Konservative bis fundamentalistische Auslegungen des Korans gewinnen an Zuspruch und der islamische Glaube gewinnt auch generell für immer mehr Muslime an subjektiver Bedeutung.[1] Aber auch die Kirche unterstützt seit ihrer Gründung traditionelle Rollenbilder und leistet u.a. einen erheblichen Beitrag zur Abwertung von homosexuellen Menschen, die sich im Katechismus, aber auch den Aussagen hoher christlicher Würdenträger wie des Papstes widerspiegeln. Der Katechismus der katholischen Kirche bezeichnet die Homosexualität als „schlimme Abirrung“ und „Prüfung“, und „keinesfalls zu billigen“, weil sie gegen das „natürliche Gesetz [verstößt]“. Deswegen sei Homosexuellen mit „Mitgefühl“ zu begegnen.[2]

Die beschriebenen gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich teilweise in Zonen diskursiver Immunität befinden, zeichnen sich oft schon in den Schulen ab. Schulklassen und die Einstellungen der SchülerInnen[3] werden zunehmend heterogener. Teilweise konfligierende Werte und Lebensmodelle sind für LehrerInnen eine besondere Herausforderung, weil sie nicht nur als Vermittlungsinstanz für Schulwissen, sondern auch als Erziehende einen großen Beitrag für die Wertebildung im Sinne einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft leisten. Schulen müssen insofern nicht nur als Spiegel für die Gesellschaft, sondern auch als wichtige Instanz ihrer Konstitution gesehen werden. Gerade deshalb ist ihre integrative Funktion und die Vermittlung demokratischer und aufklärerischer Grundprinzipien auch in Zeiten der zunehmenden Diversifizierung eine Aufgabe, die neben ihrer Qualifikationsfunktion höchste Priorität hat.

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18,6 Millionen mit Migrationshintergrund in Deutschland

Quelle: Infografik Die Welt
Der Zuwanderungstrend hat dazu geführt, dass inzwischen rund 18,6 Millionen Einwohner einen Migrationshintergrund haben.

Von Daniel Eckert | DIE WELT

  • Zu dieser Gruppe gehört, wer nicht von Geburt an Deutscher war oder einen Elternteil haben, auf den das zutrifft.
  • Dieser Zustrom bringt jedoch auch Unruhe in die Bevölkerung.

Kaum vorstellbar, dass Deutschland vor ein paar Jahren noch in ein neues Biedermeier hineinzudämmern schien. Rückzug ins Private und ruhige Innerlichkeiten seien angesagt, hieß es noch zu Beginn der letzten Legislaturperiode. Im Jahr 2017 kann von biedermeierlicher Ruhe nämlich keine Rede mehr sein. Deutschland ist eine Nation in Bewegung, teilweise sogar eine Nation in Aufruhr. Bewegung kann dabei sogar wörtlich verstanden werden. Noch nie in Friedenszeiten waren im Herzen Europas so viele Menschen auf Wanderschaft.

Viele Aspekte der großen Migration sind bereits bekannt. Doch jetzt lässt sich die Realität der Völkerwanderung auch schwarz auf weiß nachlesen, im Jahrbuch des Statistischen Bundesamtes. Das Jahrbuch ist ein 700 Seiten starkes Nachschlagewerk, das vom Statistischen Bundesamt herausgegeben wird. Die Zahlensammler durchleuchten die Republik darin gleichsam statistisch. Und wenn es eine Erkenntnis der Ausgabe 2017 gibt, dann die: Deutschland ist längst ein Einwanderungsland.

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ANALPHABETISMUS : Die unsichtbaren Flüchtlingsfrauen

Bild. FAZ.net
Viele Flüchtlingsfrauen können nicht lesen und schreiben, sie meiden die Öffentlichkeit. Aber lernen wollen sie gern.

Von Antje Schmelcher | Frankfurter Allgemeine

Es gibt in Deutschland Frauen, die nicht oder kaum lesen und schreiben können. Viele von ihnen haben einen Migrationshintergrund und leben schon seit Jahren, zum Teil Jahrzehnten hier. Eines beherrschen diese Frauen besonders gut: Sie können sich unsichtbar machen, weil sie sich nichts zutrauen. In der Öffentlichkeit sieht man sie kaum. Sie meiden Elternabende und Behördenbesuche, alles Schriftliche sowieso, sie wissen nicht, wie man eine Bankkarte benutzt oder sich außerhalb des eigenen Stadtviertels zurechtfindet. Also bleiben sie zu Hause. Viele dieser Frauen sprechen kaum Deutsch. Das hat einen Grund, der viel zu wenig beachtet wird: Sie können kein Deutsch, weil sie Analphabeten sind.

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Auf offener Straße vergewaltigt

  • Die 16-Jährige wollte mit den drei Männern von Höhenkirchen-Siegertsbrunn nach München fahren.
  • Auf dem Weg fallen zwei über sie her und vergewaltigen sie, einen dritten Übergriff verhindert ein mutiger Augenzeuge.
  • Die zwei mutmaßlichen Vergewaltiger sitzen inzwischen in Untersuchungshaft, der dritte ist wieder auf freiem Fuß.

Von Martin Bernstein | Süddeutsche.de

Drei junge Männer sind am Freitagabend mitten in Höhenkirchen-Siegertsbrunn über eine 16 Jahre alte Münchner Schülerin hergefallen, die mit ihnen zusammen zum S-Bahnhof gehen wollte. Zwei 27 und 17 Jahre alte Afghanen vergewaltigten die Jugendliche auf offener Straße; der dritte Täter, 18 Jahre alt, wurde von einem couragierten Passanten, der dazwischenging, in letzter Minute verjagt.

Weil so viele Anwohner, die das Geschehen auf der Haringstraße mitbekommen hatten, sofort die Polizei alarmierten, gelang es dieser mit einem Großaufgebot, die drei mutmaßlichen Täter noch am Ort zu stellen und festzunehmen. Ein Polizeisprecher lobte die Zivilcourage der Augenzeugen. Die beiden mutmaßlichen Vergewaltiger aus Großkarolinenfeld und Germering sitzen nun in Untersuchungshaft. Bei dem dritten Mann aus Emmering sah ein Haftrichter keine Wiederholungs-, Flucht- oder Verdunkelungsgefahr, die einen Haftbefehl rechtfertigen würde.

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18,6 Millionen Einwohner mit ausländischen Wurzeln in Deutschland

Männer türkischer Herkunft spielen in einem Café in Berlin. Die Türkei ist immer noch das wichtigste Herkunftsland Quelle: pa/dpa/Tim Brakemeier
In Deutschland leben so viele Menschen mit ausländischen Wurzeln wie noch nie. Ihr Anteil an der Bevölkerung macht 22,5 Prozent aus. Der starke Zuwachs steht in direktem Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise.

DIE WELT

Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund erreichte 2016 zum fünften Mal in Folge einen neuen Höchststand. 2016 hatten 18,6 Millionen Männer, Frauen und Kinder einen Migrationshintergrund – 8,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „Das ist der stärkste Zuwachs seit Beginn der Messung im Jahr 2005“, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Die Anteil der Bevölkerung mit Wurzeln in anderen Ländern liegt jetzt bei 22,5 Prozent. Der Anstieg sei vor allem auf die hohe Zuwanderung von Ausländern einschließlich der Schutzsuchenden in den Jahren 2015 und 2016 zurückzuführen.

„Europa ist weiterhin die wichtigste Herkunftsregion der Bevölkerung mit Migrationshintergrund“, erklärten die Statistiker. „Die Bedeutung anderer Erdteile ist in den letzten fünf Jahren jedoch gestiegen.“

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Wanka will Anteil von Migranten in Schulklassen begrenzen

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) Quelle: dpa
Der Anteil von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund solle in Schulklassen künftig „möglichst ausgewogen sein“.

DIE WELT

  • Das fordert Bildungsministerin Johanna Wanka. Sie sei allerdings gegen eine starre Quote.
  • Wanka forderte die Eltern in Migrationsfamilien zudem auf, zu Hause mehr Deutsch zu sprechen.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, mit Blick auf eine erfolgreiche Integration in Schulklassen den Migrantenanteil zu begrenzen.

„Ich bin gegen eine starre Quote, denn die regionalen Unterschiede sind groß“, sagte Wanka dem am Samstag erschienen „Focus“. „Klar ist aber, dass der Anteil von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund möglichst ausgewogen sein muss.“

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Linke und Muslime: Wir sind nicht eure Kuscheltiere

muslim

Das linksliberale Spektrum tut sich schwer mit kritischen Muslimen. Es erklärt sich zum Beschützer konservativer Muslime und macht sie so zu Opfern.

Von Ahmad Mansour | taz.de

Anonym will die Frau bleiben, die mir neulich schrieb, die Mitarbeiterin eines Jugendamts. Sie war ratlos. Ihrem Amt sind Fälle bekannt, in welchen Familien „mit Migrationshintergrund“ Gewalt zur „traditionellen Erziehung“ gehört. Da haben kleine Mädchen und Jungen blaue Flecken, werden mit Drohungen eingeschüchtert und zum „Gehorsam“ erzogen. Doch die Mitarbeiter im Jugendamt sollen „kultursensibel“ mit Eltern und Kindern umgehen, und auch dann nicht unbedingt einschreiten, wo das rein rechtlich notwendig wäre. Ihr Brief sagte, zusammengefasst: „Das geht doch eigentlich nicht, oder?“ Als würde sie von mir ein Okay für etwas wollen, was menschlich und gesetzlich glasklar ist: Einschreiten, selbstverständlich, egal, woher jemand kommt.

Was die Mitarbeiterin dieses Amts geschrieben hat, ist nicht ungewöhnlich. Hunderte solcher Briefen bekomme allein ich. LehrerInnen und SozialarbeiterInnen schildern, in welchem Dilemma sie sich befinden: Sollen sie Rücksicht nehmen auf Tradi­tio­nen? Respekt vor autoritären Vätern haben? Die Ehre von Mädchen – und deren Familien – achten, die nicht am Schwimmunterricht teilnehmen sollen? Es sind liebe Menschen, die da schreiben – und völlig hilflose.

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Keine Macht der Integration

Keine Macht der Integration © MiG
Stellen Sie sich vor, alle wären integriert. Was für eine grausame Vorstellung: keine Kopftücher mehr, keine Komplimente mehr aufgrund der Sprachkenntnisse, keine Ausweiskontrollen mehr… Nein, nein. Wir wollen ihn behalten, unseren Migrationshintergrund.

Von Selim Özdoğan | MiGAZIN

Integration, gelungene Integration, allein die Vorstellung ist schrecklich. Vermieter würden nicht mehr auflegen, wenn du am Telefon einen Namen mit Üs und Ös sagst, Polizisten würden dich nicht anhalten, um deinen Ausweis zu kontrollieren, ihr Ton würde sich nicht ändern, nachdem sie bei der Verkehrskontrolle deinen Namen gesehen haben. Du würdest nicht sofort überall als gefährlich gelten, als Drogendealer. Du würdest keine Komplimente mehr für deine Sprachkenntnisse bekommen und nicht mehr gefragt werden, wo du denn herkommst.

Es würde niemand mehr Kopftuch tragen oder Gebetskappe, es würde niemand mehr etwas anderes reden auf den Straßen und Schulhöfen außer Deutsch und Hessisch und Bayerisch und Sächsisch und Fränkisch und Platt und Sorbisch. Nach der Integration wären alle deutsch und stolz darauf, auch die Schwarzköpfe mit der olivfarbenen Haut.

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Warum es OK ist, dass keine Nackten im Rathaus hängen

Hier keine Aktbilder. Glauben Sie uns, Sie wollen die wirklich nicht sehen!Foto: Kitty Kleist Heinrich
Im Rathaus Köpenick werden Aktfotos abgehängt – als Grund müssen Menschen mit Migrationshintergrund herhalten. Die könnten sich dadurch ja verletzt fühlen. Daran sind gleich zwei Sachen falsch. Mindestens!

Von Ulrike Scheffer | DER TAGESSPIEGEL

Vorige Woche gab es mal wieder einen kleinen Skandal in der Berliner Verwaltung: Das Rathaus Köpenick hatte doch tatsächlich zwei Aktfotos aus einer Ausstellung eines Fotoklubs entfernt. Als Begründung gab die Kulturamtsleiterin an, Rathausbesuchern mit Migrationshintergrund – im Klartext: Muslimen – seien solche Bilder nicht zuzumuten. Allerdings hatten sich gar keine Muslime über die Bilder beschwert, sondern drei nicht-muslimische Frauen. Fragen wir uns vielleicht zunächst, was hier genau skandalträchtig ist. Ist es a), dass eine Behörde es wagt, die Kunstfreiheit zu beschneiden? Oder b), dass die Gefühle von Zuwanderern über die Kunstfreiheit gestellt werden? Oder c), dass Zuwanderer als Alibi missbraucht werden, um die Kunstfreiheit zu beschneiden? Oder doch eher d), dass wir Zuwanderer vorschieben müssen, wenn wir keine Nackten im Rathaus wollen, uns aber wegen der Kunstfreiheit nicht trauen, das auch zu sagen?

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Rathaus entfernt Bilder, um „keine Gefühle zu verletzen“

Foto: Jan Gießmann Abgehängt, weil sich Köpenicker Bürger darüber im Rathaus beschwerten. Das Bild stammt von Fotograf Jan Gießmann. BZ-Berlin
Das Rathaus von Berlin-Köpenick hat Nacktfotos aus einer Ausstellung entfernt. Religiöse Gefühle von Menschen mit Migrationshintergrund könnten verletzt werden. Künstler und Bürger wittern Zensur.

Von Ricarda Breyton | DIE WELT

Offiziell ist im Rathaus des Berliner Ortsteils Köpenick noch alles in Ordnung. Wie jedes Jahr im Frühjahr findet auf den Etagen eins und zwei das Fotoclub Forum Berlin statt – eine Ausstellung von Berliner Fotografen-Klubs. Gezeigt werden Landschaftsbilder, Architekturaufnahmen und Porträts – insgesamt rund 330 Werke von knapp 200 Berliner Amateurfotografen.

Das Besondere an der Ausstellung, so liest man auf der Erklärtafel, sei, „dass jeder Klub selbst entscheidet, welche Fotos seiner Mitglieder in der Ausstellung gezeigt werden“.

Das Rathaus biete lediglich den technisch-organisatorischen Rahmen für die Veranstaltung: „ohne Einflussnahme auf den Inhalt“. Über den letzten Satz stolpern die Ausstellungsbesucher Werner Botke und Reinhard Haufe. Denn seit einigen Tagen ist klar: Er ist mitnichten so.

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Prekariat auf Abwegen

Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Warum wenden sich so viele Arbeitslose und Geringverdiener ausgerechnet der neoliberalen AfD zu? Diese Frage beschäftigt kurioserweise vor allem die Vertreter von Parteien, die selbst neoliberale Politik betreiben. Ihre unausgesprochene Antwort lautet: Weil die „sozial Schwachen“ zu dämlich sind, die Komplexität alternativloser Politik zu begreifen. Gegenfrage: Warum sollten die Prekarier Parteien wählen, von denen sie bereits wissen, dass diese sie abgeschrieben haben?

Von Hans-Dieter Rieveler | TELEPOLIS

Ein lang anhaltender und vielfach beklagter Trend wurde bei den drei Landtagswahlen im März gebrochen: Endlich ist die Wahlbeteiligung wieder gestiegen. Jubelarien blieben allerdings aus. Stattdessen bereitet ein merkwürdiges, wenn auch keineswegs neues Phänomen vielen Kopfschmerzen: Manche Wähler wählen gegen ihre Interessen. So gaben bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 37 Prozent der Arbeiter und 38 Prozent der Arbeitslosen der AfD ihre Stimme. Damit wurde die AfD dort, wie auch in Baden-Württemberg, in diesen Wählergruppen zur stärksten Partei.

Bemerkenswert sind auch die Ergebnisse einer Wählerbefragung der Stadt Freiburg: 34 Prozent der dortigen AfD-Wähler haben einen Migrationshintergrund, weit mehr als bei allen anderen Parteien.

Spätestens seit das Recherchezentrum Correctiv einen Entwurf des Grundsatzprogramments der Partei geleakt hat, ist offenbar geworden, dass die AfD keineswegs die Partei „der kleinen Leute“ ist, als die sie sich nach außen hin gerne darstellt. Zwar ist der Programmentwurf inzwischen überarbeitet und für die „kleinen Leute“ ein wenig schmackhafter angerichtet worden, an der neoliberalen Grundausrichtung und der Orientierung an den Interessen der Vermögenden hat sich indes kaum etwas geändert (Was will die AfD?).

Wie konnten nur so viele Niedriglöhner und Arbeitslose auf diese Partei hereinfallen? Nun, vielleicht setzen viele dieser Wähler gar nicht so sehr darauf, dass die AfD für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen wird, sondern erhoffen sich nur eine Begrenzung der Zuwanderung, in deren Gefolge sie Sozialabbau und wachsende Konkurrenz um Arbeitsplätze und bezahlbare Wohnungen fürchten.

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Flüchtlinge werden Renten der Babyboomer zahlen

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, warnt davor, angesichts der Flüchtlinge im Land den Eindruck zu erzeugen, für Einheimische würden Wohnungen, Arbeit oder Ausbildungsplätze knapp. „Die Hochstilisierung eines Verteilungskampfes ist absolut fatal und der größte Fehler, den die Politik begehen kann“, sagte Fratzscher dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin.

Von Bettina Markmeyer|evangelisch.de

Deutschland stehe besser da als jemals, um diese Herausforderung zu bestehen. „Der Arbeitsmarkt ist hervorragend aufgestellt: Wir haben eine Million freie Stellen“, sagte Fratzscher. Der Ökonom verwies darauf, dass bis zum Jahr 2030 fünf Millionen Berufstätige aus den geburtenstarken Jahrgängen in Rente gehen: „Viele der Geflüchteten werden die Renten der Babyboomer zahlen.“ In den vergangenen Jahren seien in Deutschland rund drei Millionen neue Jobs entstanden. Die Hälfte sei an Menschen mit Migrationshintergrund gegangen: „Wir haben immer wieder gezeigt, dass wir integrieren können“, sagte Fratzscher. Etwa ein Viertel der Geflüchteten sei gut qualifiziert. In diesem Jahr könnten bis zu 100.000 Menschen in Arbeit gebracht werden.

Fratzscher, der zu den führenden deutschen Wirtschaftswissenschaftlern zählt, hatte im vergangenen Jahr eine Studie veröffentlicht, wonach der ökonomische Nutzen durch die Zuwanderung von Flüchtlingen langfristig höher ist als die Kosten. Er plädiert dafür, die Ausgaben des Staates nicht ausschließlich als Kosten, sondern als Investitionen anzusehen, die auf längere Sicht Wirtschaft und Gesellschaft zugutekommen.

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Liebe Salafisten, Eure Einfalt ist so lächerlich

Foto: picture alliance / dpa Muslimische Frauen des „Liberal Islamischen Bundes“ beten in Köln in ihrer Gemeinde. Der Imam ist weiblich. Männer und Frauen beten zusammen. Kopftuch kann, muss nicht
Die Muslime hierzulande brauchen kein Retro-Gefasel und keine Gesinnungspolizei der Verbände, die Vorschriften machen, wer Muslim sei und wer nicht. Für jede Muslima ist das unterirdischer Kram.
 

Von Sineb El Masrar|DIE WELT

Stellen Sie sich vor, Sie sind als Autorin zum Thema Islam und Frauen auf Lesetour und es wird gelacht, gestaunt und munter diskutiert. Dabei brennt eine Frage auch außerhalb der Lesesäle vielen unter den Nägeln: Was lässt muslimische Frauen eigentlich am Islam festhalten? Schließlich sei der Prophet Mohammed doch ein narzisstischer Paranoiker gewesen. So erklärt mir das ein älterer Herr in einer schnuckeligen Buchhandlung. Nun ist diese Behauptung weder neu noch eindeutig bewiesen, weil niemand eine Zeitreise unternehmen kann, um Mohammed, wie das Katrin Bauerfeind zu tun pflegt, einen Tag bei seinen Tätigkeiten zu assistieren, um uns dann als TV-Primaten ein Bild von ihm zu machen.

Was allerdings nicht von der Hand zu weisen ist, ist die Tatsache, dass sich zahlreiche friedliebende Muslime wohlfühlen mit dieser Religion, ohne dabei Nichtmuslime abzuwerten. Warum sollte sie also per se als Bedrohung oder Unheilbringer wahrgenommen werden? Nur weil in vielen muslimischen Ländern Chaos und Ungerechtigkeit vorherrschen, Zustände also, die mit unseren Breitengraden nichts zu tun haben?

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Studie: Freie Schulwahl verstärkt soziale Trennung

Eine freie Wahl der Grundschule verschärft laut einer Studie die soziale Trennung. In Schulen an sozialen Brennpunkten bleiben benachteiligte Kinder zunehmend unter sich.

evangelisch.de

Können Eltern die Grundschulen für ihre Kinder wählen, bleiben benachteiligte Schüler einer Studie zufolge oft zurück. Gilt die ursprünglich zuständige Grundschule als sozial benachteiligt, meldeten sozial besser gestellte Eltern ihre Kinder oftmals an anderen Schulen an, erklärte die Bertelsmann Stiftung am Samstag in Gütersloh. Eltern mit niedrigem Bildungsstatus und mit Migrationshintergrund wählten hingegen häufig die nahe gelegene Grundschule.

Vor allem Eltern mit mittlerem Sozialstatus nutzen Wahlmöglichkeit

Bislang ist die freie Schulwahl nach Angaben der Stiftung nur im Bundesland Nordrhein-Westfalen flächendeckend möglich. Für die Stiftung wertete die Ruhr-Universität Bochum Daten von rund 4.000 Schüler im nordrhein-westfälischen Mülheim aus den Jahren 2008 bis 2012 aus.

Eltern von Zuwandererfamilien oder niedriger Bildung seien weniger mobil und blieben daher häufig in ihren Wohnbezirken, heißt es in der Studie. Am häufigsten wählten Eltern mit mittlerem Sozialstatus für ihre Kinder eine andere Schule. Eltern mit hohem Sozialstatus machten von der Wahlmöglichkeit seltener Gebrauch. Diese wohnten häufig in einer besser gestellten Umgebung.

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Köln: Ein Akt der Realitätsverweigerung

Zahlreiche Menschen sind am 31.12.2015 in Köln auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs zu sehen. In der Silvesternacht waren am Kölner Hauptbahnhof Frauen sexuell belästigt und ausgeraubt worden. Foto: dpa
Nach den Ausschreitungen in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof wird über die falschen Reaktionen debattiert

Von Christian Bommarius|Berliner Zeitung

So viel ist offenbar klar: Das Abschiebungsrecht muss verschärft werden. Noch ist nicht vollständig ermittelt, wer sich wie an den widerwärtigen Ausschreitungen am Kölner Hauptbahnhof beteiligt hat, aber fest steht, dass das Recht versagt hat und deshalb reformiert werden muss. Auch weiß noch niemand, ob es sich um eine einmalige Aktion alkoholisierter junger Männer mit Migrationshintergrund gehandelt hat oder um die brutale Manifestation organisierter Kriminalität, noch ist nicht aufgeklärt, wie viele mitgemacht und warum so wenige Polizisten so wenig dagegen unternommen haben, aber Konsens ist, dass straffällige Ausländer schneller abgeschoben werden müssen.

Der nach Exzessen wie in Köln übliche Überbietungswettbewerb – wessen Ruf nach der Härte des Rechtsstaats der lauteste und wessen Härte des Rechtsstaats die härteste sei – ist ebenso peinlich wie er hoffentlich folgenlos bleiben wird. Er ist peinlich, weil das Gesetz bereits heute in gravierenden Fällen – zum Beispiel sexuelle Nötigung –, Ausweisungen zulässt, und Fachleute daran erinnern, dass das geltende Recht schon derart rigide ist, dass eine weitere Verschärfung sinnlos wäre. Er ist peinlich, weil auch eine noch so sehr verschärfte Ausweisungspraxis ihre Grenzen in Artikel 3 der Genfer Menschenrechtskonvention findet, wonach für Staaten, in denen einem Bewerber Folter oder unmenschliche Behandlung droht, ein Abschiebeverbot besteht. Schon deshalb ist zu hoffen, dass die Debatte ergebnislos bleiben wird – in der Neujahrsnacht hat am Kölner Hauptbahnhof nicht das Recht versagt. Versagt haben andere.

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Kölner Übergriffe: Presserat mahnt Verantwortung von Journalisten an

Der Deutsche Presserat hat eine verantwortungsvolle Berichterstattung über den Migrationshintergrund von Straftätern angemahnt.

Von Christine Xuân Müller|evangelisch.de

Im Fall der massenhaften Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht sei die Nennung des Migrationshintergrundes „noch akzeptabel“, sagte die Referentin für Beschwerdeführung beim Deutschen Presserat, Edda Eick, am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin. Es handele sich um ein Massenverbrechen, das in dieser Dimension so noch nicht stattgefunden habe.

„Möglicherweise steckt eine größere kriminelle Struktur hinter der Tat“, sagte Eick. In diesem Kontext werde mit Täterbeschreibungen gefahndet, zum Beispiel nordafrikanisches Aussehen. Dies sei aber anders zu bewerten als die bloße Spekulation darüber, ob das Motiv für die Taten mit der religiösen Zugehörigkeit etwas zu tun haben könnte. Hierfür müsse es konkrete Anhaltspunkte geben.

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Empörung über Angriffe auf Frauen in Köln

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Nach den massiven Übergriffen auf Frauen in Köln kündigt die Politik harte Konsequenzen an. Viele Täter sollen einen Migrationshintergrund haben. Die Bundesregierung warnt aber vor einem Generalverdacht gegen Zuwanderer.

evangelisch.de

Die sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln sollen Konsequenzen haben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verlangte am Dienstag eine „harte Antwort des Rechtsstaates“. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sprach von einer „völlig neuen Dimension organisierter Kriminalität“ und forderte rasche Aufklärung. Er warnte zugleich davor, die Vorfälle mit der Flüchtlingsdebatte zu vermischen. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) will ausländische Täter rigoros abschieben.

Hunderte Männer hatten in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof offenbar zahlreiche Frauen umringt, bedrängt und teils massiv sexuell belästigt und bestohlen. Die Zahl der Anzeigen stieg am Dienstag auf 90. Nach Angaben von Polizisten und Opfern waren die Täter überwiegend junge Männer im Alter von 18 bis 35 Jahren, die aus dem „nordafrikanisch-arabischen Raum“ stammen. Aus Hamburg und Stuttgart wurden ähnliche Vorfällte gemeldet.

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Antisemitismus in Berlin: „Du Jude!“

Bild: bb
Bild: bb
Nein, dies ist kein Zitat aus dem „Stürmer“, sondern eine verbreitete Beschimpfung auf Berliner Schulhöfen und Straßen. Unsere Autorin weiß, wovon sie redet: Sie ist Jüdin und Lehrerin in Charlottenburg-Wilmersdorf. Ein Brandbrief.

Von Hannah Kushnir|DER TAGESSPIEGEL

Ich bin gebürtige Jüdin, Lehrerin an einer Berliner Sekundarschule, ich lebe von Geburt an in diesem Land. Dies ist ein Frontbericht.

Jahrelang war ich die einzige Jüdin: die einzige Jüdin in meinen Seminaren an der Uni, die einzige Jüdin im Referendariat, die einzige Jüdin im Lehrerkollegium. Meist erfuhren die anderen eher durch Zufall, dass ich Jüdin bin. Ab da an glich ich eigentlich immer einem seltsamen Tier im Zoo, von dem Grauen und Faszination ausging. Von selbst habe ich mein Jüdischsein schon seit dem Gymnasium nicht mehr thematisiert. Zu lehrreich war mir der Geschichtsunterricht bei Herrn S., dessen Teil der Abiturvorbereitung darin bestand, uns einzutrichtern, Israel sei unrechtmäßig errichtet worden. Zu lehrreich auch die Kommentare: „Ach, du bist Jüdin? Das sieht man ja gar nicht so“ oder, genau entgegengesetzt: „Du bist Jüdin? Stimmt, das sieht man aber!“

Nun ist ein Wunder geschehen, und an meiner Schule arbeitet eine andere Jüdin. Zwei Juden! An einer Schule! Beide als Lehrer! Wir können unser Glück immer noch nicht fassen. In der simplen Tatsache, nicht mehr die Einzigen zu sein, erschöpft sich dann aber auch unser Glück.

Für den Hintergrund muss ich kurz meine Schule schildern: extrem hoher Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund, hoher Anteil von Schülern aus sehr bildungsfernen Schichten, unter beiden Kategorien ein sehr hoher Anteil an arabischen Kindern.

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Militärseelsorge: Bundeswehr sucht ersten Imam für muslimische Soldaten

Es wird geschätzt, dass es etwa 1600 Muslime in der Bundeswehr gibt. (Foto: Flickr/by ResoluteSupportMedia CC BY 2.0)
Muslimische Soldaten in der Bundeswehr können wohl schon bald auf einen eigenen Imam zurückgreifen. Wie das Verteidigungsministerium gegenüber den Medien bestätigte, suche die Bundeswehr gerade in der Tat einen Militärseelsorger muslimischen Glaubens. Forderungen nach einem solchen Schritt gibt es bereits seit Jahren.


Deutsch Türkische Nachrichten

Bereits seit 2011 existiert das Arbeitspapier des Zentrums für Innere Führung mit dem Titel „Deutsche Staatsbürger muslimischen Glaubens in der Bundeswehr“. Jetzt bestätigte das Verteidigungsministerium auf Anfrage der Bild, dass tatsächlich ein Imam gesucht werde.

Geschuldet sei dieser Schritt der offenbar wachsenden Zahl an Muslimen in Uniform, berichtet hierzu die türkische Zeitung Sabah. „Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass sich der Islam in Deutschland inzwischen als drittgrößte Religion etabliert hat, stellt sich die Frage, ob für unsere Soldaten muslimischen Glaubens eine eigene Militärseelsorge möglich ist“, zitiert das Blatt einen Sprecher der Bundeswehr. Auch deshalb sei zum 1. Mai am Zentrum „Innere Führung“ in Koblenz eine „Zentrale Ansprechstelle für Soldatinnen und Soldaten anderer Glaubensrichtungen„ eingerichtet worden.

Bereits seit den 1960er Jahren kümmern sich die katholische und die evangelische Kirche um die deutschen Soldaten. Mittlerweile wird geschätzt, dass jeder fünfte Bundeswehrangehörige einen Migrationshintergrund besitzt. Die Militärseelsorge sei Teil kirchlicher Arbeit und werde im Auftrag und unter Aufsicht der Evangelischen und Katholischen Militärseelsorge ausgeübt, so das Domradio. Gesetzliche Grundlagen seien Artikel 4 des Grundgesetzes, aus dem sich auch für Soldaten das Grundrecht auf freie Religionsausübung ableite, sowie die im Soldatengesetz festgeschriebenen Regelungen.

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