Asteroid passiert knapp die Erde – Simulation des Ernstfall-Szenarios

Ein erstes Bild des Asteroiden vor seinem Vorbeiflug an der Erde (Bild: ESO/ESA/NEOCC/O. Hainaut (ESO), M. Micheli (ESA), D. Koschny (ESA), CC BY-SA 3.0 IGO )
Der Asteroid 2012 TC4 wird sich kommende Woche der Erde nähern. Gefährlich wird er laut Experten nicht. Für die Wissenschaft bietet er jedoch die Gelegenheit, verschiedene Schutzszenarien durchzuspielen.

Von Stephan Köhnlein | heise.de/dpa

Er ist so groß wie ein Haus und wird die Erde am kommenden Donnerstag nur knapp verfehlen, nach aktuellen Berechnungen nicht um 6800, aber rund 44.000 Kilometer. Zum Vergleich: Der Abstand Erde-Mond beträgt rund 400.000 Kilometer. Würde der Asteroid 2012 TC4 die Erde treffen, hätte das beträchtliche Folgen – so wie 2013 rund um die russische Millionenstadt Tscheljabinsk. Ein Asteroid ähnlicher Größe löste damals schwere Stoßwellen aus, etwa 1500 Menschen wurden verletzt, rund 7000 Gebäude beschädigt. Weil der nächste Einschlag nur eine Frage der Zeit ist, wollen Forscher aus dem Vorbeiflug von 2012 TC4 wichtige Erkenntnisse für die Zukunft ziehen.

weiterlesen

Der Tscheljabinsk-Bolide – sein Ursprung und seine Folgen

Bild: spektrum.de
Der Bolide vom 15. Februar 2013 erregte weltweit großes Aufsehen, da er über der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk auseinanderbrach und durch seine Druckwelle beträchtliche Schäden am Boden anrichtete. Das Ereignis war aber auch ein Glücksfall für die Meteoritenforscher. Rund neun Monate nach dem Einschlag stellen nun drei Wissenschaftlergruppen ihre Erkenntnisse über den Gesteinsbrocken vor.

Von Tilmann AlthausSpektrum.de

Jiri Borovicka vom Astronomischen Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Ondrejow und seine Koautoren werteten 15 im Internet frei verfügbare Videos von Überwachungskameras aus und konnten die Bahn und die Bewegung des Himmelskörpers durch die Atmosphäre rekonstruieren. Aus den abgeleiteten Werten schließen die Forscher auf einen Himmelskörper mit einer Masse von rund 12 000 Tonnen und einem Durchmesser von rund 19 Metern. Dabei gehen sie von einer mittleren Dichte von 3,3 Gramm pro Kubikzentimeter aus.

Aus den Videobildern rekonstruierten sie in Zusammenarbeit mit der zweiten Forschergruppe um Peter G. Brown an der University of Western Ontario eine Lichtkurve des Boliden und trugen dafür die Helligkeit des Feuerballs gegen die Zeit auf. Zudem nutzten sie die auf den Videos mitaufgezeichneten Knallgeräusche und ermittelten ihre Ankunftszeiten. Aus den Daten ergibt sich, dass in etwa 45 Kilometer Höhe erste Fragmente vom eintretenden Gesteinsbrocken abbrachen. Die stärkste Fragmentierung ereignete sich in Höhen zwischen 40 und 30 Kilometer, insgesamt konnten die Forscher elf Bruchereignisse ermitteln. In 30 Kilometer Höhe hatte sich der Bolide in 20 größere Brocken mit Massen von je zehn Tonnen zerlegt. Die Hauptmasse dürfte noch etwa 20 Tonnen gewogen haben.

weiterlesen