USA: Zahl der Missbrauchsvorwürfe gegen Priester hat sich verdoppelt

Von 2017 bis 2018 wurden in den USA 1.455 mutmaßliche Missbrauchsfälle durch Priester gemeldet – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Die meisten liegen Jahrzehnte zurück. Die Bistümer vermuten hinter dem Anstieg einen bestimmten Grund.

katholisch.de

In den USA hat sich die Zahl der Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche zwischen 2017 und 2018 verdoppelt. In der Zeit vom 1. Juli 2017 bis zum 30. Juni 2018 meldeten laut einem am Freitagabend (Ortszeit) in Washington veröffentlichten Bericht der US-Bischofskonferenz 1.385 Erwachsene insgesamt 1.455 mutmaßliche Missbrauchsfälle bei kirchlichen Stellen. Im Vorjahreszeitraum waren es demnach 693 Fälle. Mehr als 90 Prozent der Beschuldigten seien inzwischen tot oder aus dem Dienst ausgeschieden. Die meisten angezeigten Übergriffe ereigneten sich demnach zwischen 1960 und 1990 mit einem Schwerpunkt auf den 1970er Jahren.

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Papst gegen drakonische Lösungen bei Missbrauch

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Als Reaktion auf Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche helfen laut Papst Franziskus drakonische Maßnahmen nicht weiter. Bei einem Treffen mit Leiterinnen von Frauenorden verdeutlichte er dies mit einem drastischen Vergleich.

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Hätte man „hundert des Missbrauchs schuldige Priester auf dem Petersplatz aufgehängt, wären alle zufrieden gewesen, aber das Problem wäre nicht gelöst“, sagte Franziskus am Freitag vor Leiterinnen von Frauenorden im Vatikan.

Einige Opferverbände seien unzufrieden mit den Ergebnissen des vatikanischen Kinderschutzgipfels im Februar, sagte der Papst laut der Internetseite Vatican News. „Ich verstehe sie, weil sie innerlich leiden“, so Franziskus. Das Problem des Missbrauchs könne in der Kirche aber nicht von einem Tag auf den anderen gelöst werden; ein Prozess habe jedoch begonnen.

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Missbrauch kann nicht nur kirchenintern geklärt werden

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Justizministerin Barley hat die Kirchen aufgefordert, Straftaten im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen bei den Staatsanwaltschaften anzuzeigen. Doch bislang gibt es in solchen Fällen keine allgemeine Anzeigepflicht.

evangelisch.de

Nach der Veröffentlichung des Papst-Dekrets zur Einrichtung interner Meldestellen für Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche dringen Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Bundesjustizministerin Katarina Barley (beide SPD) auf eine bessere Zusammenarbeit der Kirchen mit den Strafverfolgungsbehörden. Dass die katholische Kirche das Thema angehe, sei zwar ein guter Schritt, sagte ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums am Freitag in Berlin. Die Frage nach sexuellem Kindesmissbrauch sei aber nichts, „was innerhalb einer Organisation geklärt werden kann“.

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Apostel Hanke bekennt Mitschuld im Umgang mit Missbrauchsfällen

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Deutliche Worte von Gregor Maria Hanke: Der Eichstätter Bischof bekennt sich in einem jetzt veröffentlichten Text im Umgang mit den Missbrauchsfällen in der Kirche zu einer Mitschuld. Außerdem äußert sich der Oberhirte zum Finanzskandal in seinem Bistum und dem kirchlichen Boden, auf dem dieser entstehen konnte.

katholisch.de

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hat sich im Umgang mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche zu einer Mitschuld bekannt. Die kirchliche Reaktion auf entsprechende Fälle in der Vergangenheit sei „sicher ein Beleg dafür, dass die Institution Kirche an der eigenen Selbstfixierung leidet“, schreibt Hanke in einem Gastbeitrag für die Mai-Ausgabe der „Herder Korrespondenz“. Es habe ein Bewusstsein dafür gefehlt, wie verheerend ein falscher Umgang mit Missbrauchstätern sein könne. „Ich spreche hier kein Schuldurteil über andere, ich schließe mich selber ein“, so Hanke wörtlich.

Die Vertuschung der Missbrauchsfälle habe ihre Ursache in einem „geschlossenen Kreis“, in dem Selbstkritik keinen Platz habe, betonte der Bischof.

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Ein Drittel der US-Katholiken erwägt Kirchenaustritt

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Missbrauchsfälle haben das Image der Kirche weltweit stark beschädigt: Immer mehr Gläubige denken darüber nach, aus der Kirche auszutreten. Laut einer neuen Umfrage ist die jetzige Krise in den USA größer als je zuvor.

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Mehr als ein Drittel aller US-Katholiken denkt wegen des Missbrauchsskandals über einen Kirchenaustritt nach. Laut einer Umfrage des US-Meinungsforschungsinstituts Gallup erwägen 37 Prozent der Befragten, ihre Kirchenmitgliedschaft zu beenden. Im Jahr 2002 waren es noch 22 Prozent gewesen – damals hatten Missbrauchsfälle im Raum Boston und deren jahrelange Vertuschung seitens der Kirche die öffentliche Diskussion bestimmt. Die Forscher, die Ende Januar und Mitte Februar knapp 600 US-Bürger interviewt haben, schließen daraus, dass die jetzige Missbrauchskrise schwerer wiegt als jene vor 17 Jahren.

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Barley: Kirche muss im Missbrauchsskandal mit Justiz kooperieren

Berliner Hedwigs-Kathedrale. Themenbild. Bild: bb
Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) hat die katholische Kirche aufgefordert, bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle umfassend mit der staatlichen Justiz zusammenarbeiten. „Missbrauchstaten sind von Strafgerichten zu beurteilen“, sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). „Schweigekartelle darf es nicht mehr geben.“

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Die deutsche Strafprozessordnung kenne keine Geheimarchive, unterstrich die Ministerin. Das Bemühen um Aufklärung bezeichnete sie als überfällig. „Den Worten des Papstes müssen jetzt auch Taten folgen“, forderte Barley.

Papst Franziskus hatte zum Abschluss des Krisentreffens zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche versichert, die Kirche werde künftig jedem Vorwurf gegen Priester nachgehen.

Austria: Kirche zahlte 27 Millionen an Missbrauchs-Opfer

APA/BARBARA GINDL
2010 wurde die Klasnic-Kommission von Kardinal Schönborn eingesetzt. Seitdem wurden knapp 2000 Opfern – zwei Drittel davon Männer – finanzielle oder therapeutische Hilfsleistungen zuerkannt. Eine Opfer-Plattform fordert indes eine Gedenkstätte.

Die Presse

Die von Kardinal Christoph Schönborn beauftragte „unabhängige Opferanwaltschaft“ hat seit ihrer Gründung 2010 in 1.974 Fällen positiv entschieden. In weiterer Folge wurden durch die römisch-katholische Kirche Hilfsleistungen – finanziell oder therapeutisch – in der Höhe von 27,3 Mio. Euro zuerkannt. 66,4 Prozent der Betroffenen, die sich gemeldet haben, waren Männer.

Die direkten finanziellen Entschädigungen an die Opfer betrugen seit Bestehen der Klasnic-Kommission 21,7 Mio. Euro. Zusätzlich wurden rund 60. 000 Therapiestunden umgesetzt, deren Kosten sich auf 5,5 Mio. Euro belaufen.

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Sie wollen kein Gotteshaus betreten und keine Dienste tun – „Maria 2.0“: Katholische Frauen treten in den Kirchenstreik

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Gegen Missbrauch und die Ausgrenzung von Frauen in der Kirche wendet sich eine ungewöhnliche Aktion von Katholikinnen in Münster: Sie rufen Frauen in ganz Deutschland dazu auf, eine Woche lang in Kirchenstreik zu treten und ihre Dienste ruhen zu lassen. Das Motto: „Maria 2.0“.

Von Agathe Lukassek | katholisch.de

In einem Lesekreis katholischer Frauen der Münsteraner Heilig-Kreuz-Gemeinde kippte Anfang Januar die Stimmung: Den sieben Frauen, die sich einmal im Monat trafen, um „Evangelii Gaudium“ („Die Freude des Evangeliums“) zu lesen, das Apostolische Schreiben von Papst Franziskus aus dem Jahr 2013, war gar nicht nach Freude zumute. Die Missbrauchsfälle in der Kirche und die andauernde Ausgrenzung von Frauen setzten ihnen zu, berichtet Lisa Kötter. „Aus dem ewigen ‚Man müsste mal‘ machten wir dann ein ‚wir machen es nun'“. Die Frauen rufen zu einem einwöchigen Kirchenstreik katholischer Frauen auf – nicht nur in ihrer Gemeinde. Eine eigens angelegte Facebook-Seite soll anregen, dass sich auch andere Pfarreien in ganz Deutschland der Aktion anschließen. „Wir hatten kein Vorbild dazu; wir machen etwas, das es noch nicht gab“, sagt sie.

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Die Gefahr von innerkirchlichen Konflikten

Der Schlagabtausch zwischen Kardinal Müller und Pater Mertes zeigt, wie tief die Gräben innerhalb der Kirche sind. Die Öffentlichkeit mit der die Auseinandersetzung geschieht, ist nicht immer gut, warnt Volker Resing. Und verweist auf den Islam.

Von Volker Resing | katholisch.de

Was hat die Islamkonferenz mit Kardinal Gerhard Ludwig Müller zu tun? Die Konflikte innerhalb von Glaubensgemeinschaften lassen sich nicht mehr so einfach wegdrücken, das Moderieren von Zusammenhalt und Ausgleich wird in einer pluralen und säkularen Gesellschaft schwieriger. Es braucht neue Formen des Aushandelns und die Akzeptanz von Bandbreite. Müller hatte dem Jesuitenpater Klaus Mertes „besinnungslosen Zorn“ vorgeworfen und dessen „dreiste Beschimpfungen“ zurückgewiesen. Mertes wiederum hatte zuvor Aussagen Müllers zur Kirchenkrise als „zum Dogma geronnenen klerikalen Dünkel“ bezeichnet.

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Anwaltskanzlei veröffentlicht Missbrauchsliste in Kalifornien – Kirche in Kalifornien unter Druck

Nach der katholischen Kirche im US-Bundesstaat Pennsylvania steht nun auch die Kirche in Kalifornien am Pranger: Eine Kanzlei veröffentlichte eine Liste mit mehr als 260 Namen und Fotos von Priestern, die des Missbrauchs verdächtigt werden.

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Eine auf Missbrauchsfälle spezialisierte Anwaltskanzlei in Minnesota setzt drei kalifornische Diözesen unter Druck, eine umfassende Liste mit mutmaßlichen Tätern vorzulegen. Dazu veröffentlichte die Kanzlei am Dienstag (Ortszeit) eine Auflistung mit den Namen von 263 Priestern der Bistümer San Jose, Oakland und San Francisco, die des sexuellen Missbrauchs beschuldigt werden.

In dem 66 Seiten umfassenden Bericht nennt die Anwaltskanzlei Jeff Anderson & Associates 135 Priester der Erzdiözese San Francisco, 95 in der Erzdiözese Oakland und 33 in der Erzdiözese San Jose. Die Kanzlei, die katholische Missbrauchsopfer in Kalifornien und in anderen Bundesstaaten vertritt, publizierte auch Fotos der Beschuldigten.

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Parteien in Victoria für Ende von Beichtgeheimnis bei Missbrauch: Bis zu drei Jahre Haft könnten drohen

Bild: Wiki Commons/Andreas Praefcke

Im Fall eines Wahlsiegs im November will die Labour-Partei im australischen Bundesstaat Victoria Priester gesetzlich zum Bruch des Beichtgeheimnisses bei Missbrauchsfällen verpflichten. Bei Zuwiderhandlung sollen dann Haftstrafen drohen.

DOMRADIO.DE

Katholische Priester im australischen Bundesstaat Victoria könnten künftig verpflichtet sein, in der Beichte gehörte Missbrauchsfälle der Polizei zu melden. Priestern, die sich dem widersetzten, könnten nach einer angestrebten Gesetzesreform bis zu drei Jahren Haft drohen, berichtete der australische Sender ABC am Freitag.

Die in Victoria regierende Labour-Partei kündigte demnach an, im Fall eines Wahlsiegs im November Priester gesetzlich zum Bruch des Beichtgeheimnisses bei Missbrauchsfällen verpflichten zu wollen. Victorias Premierminister Daniel Andrews habe Melbournes Erzbischof Peter Comensoli davon bereits persönlich in Kenntnis gesetzt.

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Missbrauchsskandal: Opfer fordert Gerichtsverfahren – „Klar sagen, was getan werde“

Marie Collins, Ex-Mitglied der Vatikanischen Kinderschutzkommission, ruft Papst Franziskus dazu auf, das juristische Vorgehen gegen Bischöfe im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen zu klären. Unterdessen bittet Kardinal Wuerl sein Erzbistum um Vergebung.

DOMRADIO.DE

Der wegen des US-Missbrauchsskandals in die Kritik geratene Washingtoner Kardinal Donald Wuerl hat vor den Priestern seines Erzbistums eigene Fehler eingeräumt. In einem von der Bistumszeitung „Catholic Standard“ (Donnerstag Ortszeit) veröffentlichten Brief bat er um „Vergebung für meine Fehleinschätzungen“ und „meine Unzulänglichkeiten“. Er empfinde Reue für jedes Leid, das er verursacht habe. Zudem bat er die Geistlichen, gemeinsam mit ihm „Wege der Heilung“ zu suchen.

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Der Missbrauchsbeauftragte der Regierung hat Unrecht – oder wie rede ich meine Kirche schön

Es gibt Kritik, die zutrifft – und doch nicht trifft. In diese scheinbar paradoxe Kategorie fallen die Vorwürfe, die der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, gegen die Deutsche Bischofskonferenz erhoben hat.

Joachim Frank | katholisch.de

Für deren interdisziplinäre Studie zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche hätten nicht alle Bistümer ihre Archive geöffnet, beklagte Rörig und sprach von einem fortdauernden Vorrang des Institutionen- und Täterschutzes vor dem Opferschutz.

Das klingt gut und – gerade nach den jüngsten Forschungsergebnissen aus dem US-Staat Pennsylvania – auch höchst plausibel. „Über Jahre und Jahrzehnte wurde sexuelle Gewalt an Kindern in kirchlichen Einrichtungen vertuscht, bagatellisiert und unter den Teppich gekehrt“, hielt Rörig fest.

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Kommission fordert konsequentes Vorgehen gegen pädophile Bischöfe

Der Vorsitzende der päpstlichen Kinderschutzkommission, Kardinal Sean O’Malley, fordert ein entschiedeneres Vorgehen gegen Missbrauchsfälle, an denen Bischöfe und Kardinäle beteiligt sind.

evangelisch.de

Unter Anspielung auf den Fall des emeritierten Washingtoner Erzbischofs Theodore McCarrick mahnte O’Malley, derartige Vorwürfe rasch aufzuklären, wie der Nachrichtendienst Vatican Insider am Mittwoch meldete.

McCarrick soll einen Priesteramtskandidaten und einen Minderjährigen missbraucht haben. Nach Bekanntwerden des Vorwurfs untersagte Papst Franziskus dem Geistlichen, öffentlich priesterliche Aufgaben wahrzunehmen.

„Diese und andere Fälle erfordern mehr als Entschuldigungen“, betonte der Vorsitzende der Kinderschutzkommission und Erzbischof von Boston.

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Fall Kardinal McCarrick: Missbrauch war lange bekannt

Mehrere Bischöfe wussten über die Missbrauchsfälle offenbar jahrelang Bescheid, ohne dass es Konsequenzen für McCarrick gegeben hat. Die New York Times veröffentlichte neue Details.

kath.net

Die New York Times hat neue Details über die Fälle sexuellen Missbrauchs an Priestern und Seminaristen veröffentlicht, die offenbar von Theodore Kardinal McCarrick, dem ehemaligen Erzbischof von Washington D.C., verübt worden sind. Die Zeitung schreibt auch von Berichten an Bischöfe und den Vatikan über das Fehlverhalten McCarricks, die ohne Folge geblieben sind.

Boniface Ramsey, ein Professor an der Seton Hall University von 1986 bis 1996, sagte gegenüber der New York Times, er melde das Verhalten McCarricks seit dreißig Jahren ohne irgendetwas zu erreichen. Er habe den damaligen päpstlichen Nuntius Gabriel Montalvo und auf dessen Veranlassung hin auch den Vatikan über das Fehlverhalten von Erzbischof McCarrick informiert, als dieser zum Erzbischof von Washington ernannt worden war.

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Australien: Wird das Beichtgeheimnis abgeschafft?

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Australien verpflichtet Priester, Missbrauchsfälle anzuzeigen, von denen sie in der Beichte erfahren. Mehrere Bundesstaaten haben dazu bereits Gesetze beschlossen, doch die Kirche wehrt sich dagegen.

Michael Lenz | katholisch.de

„Wenn es ein Gesetz geben sollte, das Priestern vorschreibt, das Beichtgeheimnis zu brechen, dann bin ich einer von denen, die diesem Gesetz nicht gehorchen werden“, schrieb schon 2016 der Jesuit und Rechtsanwalt Frank Brennan in „Eureka Street“, einer Publikation der australischen Jesuiten.

Inzwischen ist es soweit: Solche Gesetze gibt es schon im Stadtstaat Canberra und einigen anderen Bundesstaaten. Die Politik beruft sich auf eine Empfehlung im Abschlussbericht der staatlichen Missbrauchskommission, den das Gremium im Dezember 2017 vorgelegt hatte.

Ausnahmslos alle Personen, die von sexuellem Missbrauch erfahren, sollen demnach verpflichtet werden, dies bei der Polizei anzuzeigen, lautet die Empfehlung. „Diese Empfehlung schließt Informationen ein, die in religiösen Beichten gegeben wurden“, heißt es ausdrücklich in dem Bericht mit der Begründung: „Die Kommission hat Berichte über Fälle im religiösen Rahmen gehört, in denen Täter, die den sexuellen Missbrauch von Kindern gebeichtet haben, Vergebung suchten und es dann wieder getan haben.“ Jetzt steht staatliches Recht gegen Kirchenrecht: Denn eine Verletzung des Beichtgeheimnisses hat für Priester automatisch die Exkommunikation zur Folge.

Australien will Beichtgeheimnis bei Missbrauch kippen: Kinderschutz, Kirchenrecht und Kommissionen

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Können Priester dazu verpflichtet werden das Beichtgeheimnis zu brechen, um Missbrauchsfälle aufzuklären? Diese Frage treibt derzeit Gesellschaft und Kirche in Australien um, denn hier kollidieren Kirchenrecht und politischer Wille.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Mehrere australische Bundesstaaten wollen katholische Priester per Gesetz dazu verpflichten, Fälle sexueller Übergriffe zu melden, die ihnen in einer Beichtsituation mitgeteilt wurden. Es ist kein Zufall, dass der Streit in Australien um das Beichtgeheimnis ausgerechnet in dieser Zeit entbrannt ist, sondern eine Folge des dortigen Missbrauchsskandals. Was genau war denn der Auslöser?

Anian Christoph Wimmer (Deutschland-Korrespondent der Catholic News Agency): Eine massive Welle von Missbräuchen hat das Land dermaßen erschüttert, dass die damalige Premierministerin Julia Gillard im Jahr 2013 eine „Royal Commission“ eingerichtet hat. Das ist eine Kommission mit höchstrichterlichen Möglichkeiten. Die hat vier Jahre lang untersucht, wie in allen staatlichen, gesellschaftlichen und  kirchlichen Institutionen, in Sportvereinen oder beim Militär sexueller Missbrauch möglich war und stattgefunden hat. Die Kommission hat zigtausende Anrufe behandelt und tausende Zeugenaussagen gehört. Sie hat am Schluss einen ganzen Katalog von Maßnahmen vorgeschlagen.

Eine davon ist, dass das sakramentale Siegel des Beichtgeheimnisses bei Missbrauch gebrochen werden muss, wie übrigens auch das Schweigeprivileg der Ärzte oder anderer Berufsgruppen. Auch die können sich nicht mehr darauf berufen und dürfen nicht mehr schweigen. Sie müssen – und so ist die Empfehlung, die jetzt umgesetzt werden soll – Missbrauchsfälle der Polizei melden.

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Missbrauch: Priester müssen Beichtgeheimnis brechen

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Das Kirchenrecht stellt die Verletzung des Beichtgeheimnisses unter Höchststrafe. Priester im australischen Canberra geraten daher bald in ein Dilemma: Sie werden gesetzlich dazu verpflichtet – wenn es um Missbrauch geht.

katholisch.de

Priester in der australischen Hauptstadt Canberra müssen künftig Missbrauchsfälle, von denen sie in der Beichte erfahren haben, bei der Polizei anzeigen. Wie die Zeitung „The Catholic Sun“ berichtet, hat der Legislativrat des australischen Hauptstadtterritoriums am Donnerstag eine entsprechende Gesetzeserweiterung beschlossen. Damit werde die Meldepflicht in Fällen von sexuellem Missbrauch bei religiösen Organisationen auch auf die Beichte ausgedehnt. Priester geraten dadurch in einen Konflikt mit dem Kirchenrecht, das den Bruch des Beichtgeheimnisses mit der Tatstrafe der Exkommunikation belegt (CIC Can. 1388 §1).

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Katholische Kirche – Missbrauchsskandal ohne Ende

Der Missbrauchsskandal erschüttert den Vatikan nun auch in seinem Zentrum. Quelle: imago
Die Meldungen über Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche reißen nicht ab. Papst Franziskus wird vorgeworfen, wenig Konsequenz zu zeigen.

Von Jürgen Erbacher | ZDF heute

Die katholische Kirche kommt bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals nicht zur Ruhe. In Australien steht mit Kardinal George Pell einer der weltweit prominentesten und einflussreichsten Vertreter der katholischen Kirche im Zentrum eines Skandals. Heute hat die Justiz in Melbourne entschieden, Pell wegen Vorwürfen sexuellen Missbrauchs den Prozess zu machen. Pell bestreitet die Vorwürfe. Erst vor zwei Wochen musste Papst Franziskus „schwere Fehler“ im Umgang mit Missbrauchsfällen in Chile eingestehen.

Papst Franziskus machte zu Beginn seines Pontifikats deutlich, dass er die Null-Toleranz-Politik seines Vorgängers Benedikt XVI. gegenüber den Tätern fortsetzen möchte. Im Frühjahr 2014 richtete Franziskus eine Kinderschutzkommission ein. Sie sollte die römische Zentrale und die Bischofskonferenzen in aller Welt bei der Präventionsarbeit beraten. Kompetenzen im Bereich der Aufarbeitung von Altfällen hatte sie nicht. Die beiden in der Kommission vertretenen Missbrauchsopfer hatten sich vorzeitig aus dem Gremium zurückgezogen. Unter anderem warfen sie der Glaubenskongregation, die im Vatikan für Missbrauchsfälle zuständig ist, mangelnde Kooperation vor.

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Brüdergemeinde startet Zahlungen an missbrauchte Heimkinder

Für Betroffene besteht die Möglichkeit, bis Ende Juni 2020 einen Antrag auf Anerkennungsleistung zu stellen

EKD

Die Evangelische Brüdergemeinde Korntal und Wilhelmsdorf will in Kürze mit Zahlungen an ehemalige Heimkinder beginnen, die seelisch und körperlich missbraucht wurden. Damit gehe der Aufklärungs- und Aufarbeitungsprozess der Missbrauchsfälle in die Abschlussphase, teilte die Brüdergemeinde am 20. April in Korntal bei Stuttgart mit.

Die Aufklärerin Brigitte Baums-Stammberger habe bisher 112 Interviews mit ehemaligen Heimkindern geführt. Eine unabhängige Vergabekommission habe alle Anträge auf Zahlung einer sogenannten Anerkennungsleistung bearbeitet und Beträge von unter 5.000 bis 20.000 Euro für die Betroffenen festgelegt.

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