Die Gefahr von innerkirchlichen Konflikten

Der Schlagabtausch zwischen Kardinal Müller und Pater Mertes zeigt, wie tief die Gräben innerhalb der Kirche sind. Die Öffentlichkeit mit der die Auseinandersetzung geschieht, ist nicht immer gut, warnt Volker Resing. Und verweist auf den Islam.

Von Volker Resing | katholisch.de

Was hat die Islamkonferenz mit Kardinal Gerhard Ludwig Müller zu tun? Die Konflikte innerhalb von Glaubensgemeinschaften lassen sich nicht mehr so einfach wegdrücken, das Moderieren von Zusammenhalt und Ausgleich wird in einer pluralen und säkularen Gesellschaft schwieriger. Es braucht neue Formen des Aushandelns und die Akzeptanz von Bandbreite. Müller hatte dem Jesuitenpater Klaus Mertes „besinnungslosen Zorn“ vorgeworfen und dessen „dreiste Beschimpfungen“ zurückgewiesen. Mertes wiederum hatte zuvor Aussagen Müllers zur Kirchenkrise als „zum Dogma geronnenen klerikalen Dünkel“ bezeichnet.

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Anwaltskanzlei veröffentlicht Missbrauchsliste in Kalifornien – Kirche in Kalifornien unter Druck

Nach der katholischen Kirche im US-Bundesstaat Pennsylvania steht nun auch die Kirche in Kalifornien am Pranger: Eine Kanzlei veröffentlichte eine Liste mit mehr als 260 Namen und Fotos von Priestern, die des Missbrauchs verdächtigt werden.

DOMRADIO.DE

Eine auf Missbrauchsfälle spezialisierte Anwaltskanzlei in Minnesota setzt drei kalifornische Diözesen unter Druck, eine umfassende Liste mit mutmaßlichen Tätern vorzulegen. Dazu veröffentlichte die Kanzlei am Dienstag (Ortszeit) eine Auflistung mit den Namen von 263 Priestern der Bistümer San Jose, Oakland und San Francisco, die des sexuellen Missbrauchs beschuldigt werden.

In dem 66 Seiten umfassenden Bericht nennt die Anwaltskanzlei Jeff Anderson & Associates 135 Priester der Erzdiözese San Francisco, 95 in der Erzdiözese Oakland und 33 in der Erzdiözese San Jose. Die Kanzlei, die katholische Missbrauchsopfer in Kalifornien und in anderen Bundesstaaten vertritt, publizierte auch Fotos der Beschuldigten.

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Parteien in Victoria für Ende von Beichtgeheimnis bei Missbrauch: Bis zu drei Jahre Haft könnten drohen

Bild: Wiki Commons/Andreas Praefcke

Im Fall eines Wahlsiegs im November will die Labour-Partei im australischen Bundesstaat Victoria Priester gesetzlich zum Bruch des Beichtgeheimnisses bei Missbrauchsfällen verpflichten. Bei Zuwiderhandlung sollen dann Haftstrafen drohen.

DOMRADIO.DE

Katholische Priester im australischen Bundesstaat Victoria könnten künftig verpflichtet sein, in der Beichte gehörte Missbrauchsfälle der Polizei zu melden. Priestern, die sich dem widersetzten, könnten nach einer angestrebten Gesetzesreform bis zu drei Jahren Haft drohen, berichtete der australische Sender ABC am Freitag.

Die in Victoria regierende Labour-Partei kündigte demnach an, im Fall eines Wahlsiegs im November Priester gesetzlich zum Bruch des Beichtgeheimnisses bei Missbrauchsfällen verpflichten zu wollen. Victorias Premierminister Daniel Andrews habe Melbournes Erzbischof Peter Comensoli davon bereits persönlich in Kenntnis gesetzt.

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Missbrauchsskandal: Opfer fordert Gerichtsverfahren – „Klar sagen, was getan werde“

Marie Collins, Ex-Mitglied der Vatikanischen Kinderschutzkommission, ruft Papst Franziskus dazu auf, das juristische Vorgehen gegen Bischöfe im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen zu klären. Unterdessen bittet Kardinal Wuerl sein Erzbistum um Vergebung.

DOMRADIO.DE

Der wegen des US-Missbrauchsskandals in die Kritik geratene Washingtoner Kardinal Donald Wuerl hat vor den Priestern seines Erzbistums eigene Fehler eingeräumt. In einem von der Bistumszeitung „Catholic Standard“ (Donnerstag Ortszeit) veröffentlichten Brief bat er um „Vergebung für meine Fehleinschätzungen“ und „meine Unzulänglichkeiten“. Er empfinde Reue für jedes Leid, das er verursacht habe. Zudem bat er die Geistlichen, gemeinsam mit ihm „Wege der Heilung“ zu suchen.

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Der Missbrauchsbeauftragte der Regierung hat Unrecht – oder wie rede ich meine Kirche schön

Es gibt Kritik, die zutrifft – und doch nicht trifft. In diese scheinbar paradoxe Kategorie fallen die Vorwürfe, die der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, gegen die Deutsche Bischofskonferenz erhoben hat.

Joachim Frank | katholisch.de

Für deren interdisziplinäre Studie zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche hätten nicht alle Bistümer ihre Archive geöffnet, beklagte Rörig und sprach von einem fortdauernden Vorrang des Institutionen- und Täterschutzes vor dem Opferschutz.

Das klingt gut und – gerade nach den jüngsten Forschungsergebnissen aus dem US-Staat Pennsylvania – auch höchst plausibel. „Über Jahre und Jahrzehnte wurde sexuelle Gewalt an Kindern in kirchlichen Einrichtungen vertuscht, bagatellisiert und unter den Teppich gekehrt“, hielt Rörig fest.

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Kommission fordert konsequentes Vorgehen gegen pädophile Bischöfe

Der Vorsitzende der päpstlichen Kinderschutzkommission, Kardinal Sean O’Malley, fordert ein entschiedeneres Vorgehen gegen Missbrauchsfälle, an denen Bischöfe und Kardinäle beteiligt sind.

evangelisch.de

Unter Anspielung auf den Fall des emeritierten Washingtoner Erzbischofs Theodore McCarrick mahnte O’Malley, derartige Vorwürfe rasch aufzuklären, wie der Nachrichtendienst Vatican Insider am Mittwoch meldete.

McCarrick soll einen Priesteramtskandidaten und einen Minderjährigen missbraucht haben. Nach Bekanntwerden des Vorwurfs untersagte Papst Franziskus dem Geistlichen, öffentlich priesterliche Aufgaben wahrzunehmen.

„Diese und andere Fälle erfordern mehr als Entschuldigungen“, betonte der Vorsitzende der Kinderschutzkommission und Erzbischof von Boston.

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Fall Kardinal McCarrick: Missbrauch war lange bekannt

Mehrere Bischöfe wussten über die Missbrauchsfälle offenbar jahrelang Bescheid, ohne dass es Konsequenzen für McCarrick gegeben hat. Die New York Times veröffentlichte neue Details.

kath.net

Die New York Times hat neue Details über die Fälle sexuellen Missbrauchs an Priestern und Seminaristen veröffentlicht, die offenbar von Theodore Kardinal McCarrick, dem ehemaligen Erzbischof von Washington D.C., verübt worden sind. Die Zeitung schreibt auch von Berichten an Bischöfe und den Vatikan über das Fehlverhalten McCarricks, die ohne Folge geblieben sind.

Boniface Ramsey, ein Professor an der Seton Hall University von 1986 bis 1996, sagte gegenüber der New York Times, er melde das Verhalten McCarricks seit dreißig Jahren ohne irgendetwas zu erreichen. Er habe den damaligen päpstlichen Nuntius Gabriel Montalvo und auf dessen Veranlassung hin auch den Vatikan über das Fehlverhalten von Erzbischof McCarrick informiert, als dieser zum Erzbischof von Washington ernannt worden war.

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Australien: Wird das Beichtgeheimnis abgeschafft?

© Bild: Fotolia.com/Piotr Slizewski
Australien verpflichtet Priester, Missbrauchsfälle anzuzeigen, von denen sie in der Beichte erfahren. Mehrere Bundesstaaten haben dazu bereits Gesetze beschlossen, doch die Kirche wehrt sich dagegen.

Michael Lenz | katholisch.de

„Wenn es ein Gesetz geben sollte, das Priestern vorschreibt, das Beichtgeheimnis zu brechen, dann bin ich einer von denen, die diesem Gesetz nicht gehorchen werden“, schrieb schon 2016 der Jesuit und Rechtsanwalt Frank Brennan in „Eureka Street“, einer Publikation der australischen Jesuiten.

Inzwischen ist es soweit: Solche Gesetze gibt es schon im Stadtstaat Canberra und einigen anderen Bundesstaaten. Die Politik beruft sich auf eine Empfehlung im Abschlussbericht der staatlichen Missbrauchskommission, den das Gremium im Dezember 2017 vorgelegt hatte.

Ausnahmslos alle Personen, die von sexuellem Missbrauch erfahren, sollen demnach verpflichtet werden, dies bei der Polizei anzuzeigen, lautet die Empfehlung. „Diese Empfehlung schließt Informationen ein, die in religiösen Beichten gegeben wurden“, heißt es ausdrücklich in dem Bericht mit der Begründung: „Die Kommission hat Berichte über Fälle im religiösen Rahmen gehört, in denen Täter, die den sexuellen Missbrauch von Kindern gebeichtet haben, Vergebung suchten und es dann wieder getan haben.“ Jetzt steht staatliches Recht gegen Kirchenrecht: Denn eine Verletzung des Beichtgeheimnisses hat für Priester automatisch die Exkommunikation zur Folge.

Australien will Beichtgeheimnis bei Missbrauch kippen: Kinderschutz, Kirchenrecht und Kommissionen

Bild: Wiki Commons/Andreas Praefcke

Können Priester dazu verpflichtet werden das Beichtgeheimnis zu brechen, um Missbrauchsfälle aufzuklären? Diese Frage treibt derzeit Gesellschaft und Kirche in Australien um, denn hier kollidieren Kirchenrecht und politischer Wille.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Mehrere australische Bundesstaaten wollen katholische Priester per Gesetz dazu verpflichten, Fälle sexueller Übergriffe zu melden, die ihnen in einer Beichtsituation mitgeteilt wurden. Es ist kein Zufall, dass der Streit in Australien um das Beichtgeheimnis ausgerechnet in dieser Zeit entbrannt ist, sondern eine Folge des dortigen Missbrauchsskandals. Was genau war denn der Auslöser?

Anian Christoph Wimmer (Deutschland-Korrespondent der Catholic News Agency): Eine massive Welle von Missbräuchen hat das Land dermaßen erschüttert, dass die damalige Premierministerin Julia Gillard im Jahr 2013 eine „Royal Commission“ eingerichtet hat. Das ist eine Kommission mit höchstrichterlichen Möglichkeiten. Die hat vier Jahre lang untersucht, wie in allen staatlichen, gesellschaftlichen und  kirchlichen Institutionen, in Sportvereinen oder beim Militär sexueller Missbrauch möglich war und stattgefunden hat. Die Kommission hat zigtausende Anrufe behandelt und tausende Zeugenaussagen gehört. Sie hat am Schluss einen ganzen Katalog von Maßnahmen vorgeschlagen.

Eine davon ist, dass das sakramentale Siegel des Beichtgeheimnisses bei Missbrauch gebrochen werden muss, wie übrigens auch das Schweigeprivileg der Ärzte oder anderer Berufsgruppen. Auch die können sich nicht mehr darauf berufen und dürfen nicht mehr schweigen. Sie müssen – und so ist die Empfehlung, die jetzt umgesetzt werden soll – Missbrauchsfälle der Polizei melden.

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Missbrauch: Priester müssen Beichtgeheimnis brechen

© Bild: Piotr Slizewski/Fotolia.com
Das Kirchenrecht stellt die Verletzung des Beichtgeheimnisses unter Höchststrafe. Priester im australischen Canberra geraten daher bald in ein Dilemma: Sie werden gesetzlich dazu verpflichtet – wenn es um Missbrauch geht.

katholisch.de

Priester in der australischen Hauptstadt Canberra müssen künftig Missbrauchsfälle, von denen sie in der Beichte erfahren haben, bei der Polizei anzeigen. Wie die Zeitung „The Catholic Sun“ berichtet, hat der Legislativrat des australischen Hauptstadtterritoriums am Donnerstag eine entsprechende Gesetzeserweiterung beschlossen. Damit werde die Meldepflicht in Fällen von sexuellem Missbrauch bei religiösen Organisationen auch auf die Beichte ausgedehnt. Priester geraten dadurch in einen Konflikt mit dem Kirchenrecht, das den Bruch des Beichtgeheimnisses mit der Tatstrafe der Exkommunikation belegt (CIC Can. 1388 §1).

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Katholische Kirche – Missbrauchsskandal ohne Ende

Der Missbrauchsskandal erschüttert den Vatikan nun auch in seinem Zentrum. Quelle: imago
Die Meldungen über Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche reißen nicht ab. Papst Franziskus wird vorgeworfen, wenig Konsequenz zu zeigen.

Von Jürgen Erbacher | ZDF heute

Die katholische Kirche kommt bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals nicht zur Ruhe. In Australien steht mit Kardinal George Pell einer der weltweit prominentesten und einflussreichsten Vertreter der katholischen Kirche im Zentrum eines Skandals. Heute hat die Justiz in Melbourne entschieden, Pell wegen Vorwürfen sexuellen Missbrauchs den Prozess zu machen. Pell bestreitet die Vorwürfe. Erst vor zwei Wochen musste Papst Franziskus „schwere Fehler“ im Umgang mit Missbrauchsfällen in Chile eingestehen.

Papst Franziskus machte zu Beginn seines Pontifikats deutlich, dass er die Null-Toleranz-Politik seines Vorgängers Benedikt XVI. gegenüber den Tätern fortsetzen möchte. Im Frühjahr 2014 richtete Franziskus eine Kinderschutzkommission ein. Sie sollte die römische Zentrale und die Bischofskonferenzen in aller Welt bei der Präventionsarbeit beraten. Kompetenzen im Bereich der Aufarbeitung von Altfällen hatte sie nicht. Die beiden in der Kommission vertretenen Missbrauchsopfer hatten sich vorzeitig aus dem Gremium zurückgezogen. Unter anderem warfen sie der Glaubenskongregation, die im Vatikan für Missbrauchsfälle zuständig ist, mangelnde Kooperation vor.

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Brüdergemeinde startet Zahlungen an missbrauchte Heimkinder

Für Betroffene besteht die Möglichkeit, bis Ende Juni 2020 einen Antrag auf Anerkennungsleistung zu stellen

EKD

Die Evangelische Brüdergemeinde Korntal und Wilhelmsdorf will in Kürze mit Zahlungen an ehemalige Heimkinder beginnen, die seelisch und körperlich missbraucht wurden. Damit gehe der Aufklärungs- und Aufarbeitungsprozess der Missbrauchsfälle in die Abschlussphase, teilte die Brüdergemeinde am 20. April in Korntal bei Stuttgart mit.

Die Aufklärerin Brigitte Baums-Stammberger habe bisher 112 Interviews mit ehemaligen Heimkindern geführt. Eine unabhängige Vergabekommission habe alle Anträge auf Zahlung einer sogenannten Anerkennungsleistung bearbeitet und Beträge von unter 5.000 bis 20.000 Euro für die Betroffenen festgelegt.

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Erzapostel Woelki bedauert Vertrauensverlust in katholische Kirche

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki bedauert einen Vertrauensverlust in die Kirche. Nicht zu entschuldigende Missbrauchsfälle und Millionenausgaben auf dem Limburger Domberg hätten ihre Spuren hinterlassen, sagte der Erzbischof am Sonntag im Kölner »domradio«.

Kirche+Leben

Mangelndes Zutrauen in die Kirche hänge in erster Linie aber damit zusammen, dass viele Menschen den Kontakt zur Kirche verloren hätten. »Wenn man den Priester gar nicht mehr kennt und im Alltag kaum mehr auf Menschen trifft, die ihren Glauben leben, dann schwindet natürlich automatisch das Vertrauen.«

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Bistum Hildesheim liegt das Missbrauchsgutachten jetzt vor

Die Ergebnisse werden allerdings erst im Oktober der Öffentlichkeit bekannt gemacht.

kath.net

Das Gutachten über die Missbrauchsfälle im Bistum Hildesheim liegt jetzt der Bistumsleitung vor. Die Ergebnisse werden aber erst im Oktober der Öffentlichkeit bekanntgemacht, wie der NDR berichtete. „Wir werden das Gutachten jetzt genau lesen und schauen, welche Schlüsse wir aus den Ergebnissen ziehen müssen“, erläuterte dazu Weihbischof Heinz-Günter Bongartz. Das Bistum hatte das Gutachten vor einem Jahr selbst beim Münchner Institut IPP in Auftrag gegeben, es geht nicht zuletzt um Missbrauchsvorwürfe gegen den 1988 verstorbenen früheren Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen und gegen den pensionierten Priester Peter R. zu prüfen. Nach Angaben des NDR wird der derzeitige Hildesheimer Bischof Norbert Trelle zum Zeitpunkt der Öffentlichmachung der Ergebnisse aber nicht mehr im Amt sein, denn er wird im September Papst Franziskus das Rücktrittgesuch unterbreiten müssen, da er 75 Jahre alt wird.

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„Unser Interesse gilt den Strukturen, die sexuellen Missbrauch begünstigt haben“

Dem mit der Untersuchung der Missbrauchsfälle in der katholische Kirche beauftragten Forschungskonsortium gehe es vor allem um die Strukturen und Dynamiken, die so etwas begünstigt hätten, sagte der Psychiater Harald Dreßing im Dlf. Alle Daten würden anonymisiert ausgewertet. „Wir können das nicht auf Personen zurückführen.“

Harald Dreßing im Gespräch mit Benedikt Schulz | Deutschlandfunk

Benedikt Schulz: Und wir bleiben beim Thema, das natürlich nicht auf das Bistum Regensburg beschränkt ist. Auch in anderen katholischen Einreichungen kam es zu Missbrauchsfällen, gepaart mit einigem Unwillen zur Aufklärung. 2011 hatte die Deutsche Bischofskonferenz beschlossen, die Missbrauchsfälle aufklären zu lassen durch das kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen beziehungsweise durch dessen damaligen Leiter Christian Pfeiffer. Das Projekt ist gescheitert bekanntermaßen, die Bischöfe hatten die Zusammenarbeit mit Pfeiffer aufgekündigt Anfang 2013, und über die Gründe dafür gibt es unterschiedliche Ansichten, vorsichtig ausgedrückt. Der Kriminologe Pfeiffer erklärte unter anderem, dass die Kirche den ausgehandelten Vertrag habe nachträglich ändern wollen und sich das Recht vorbehalten, die Veröffentlichung von Texten zu verbieten. Die Deutsche Bischofskonferenz hat vor einiger Zeit schon eine neue Studie in Auftrag gegeben, und ein Forschungskonsortium soll diesmal die Missbrauchsgeschichte aufklären. Koordinator des Konsortiums ist der forensische Psychiater Harald Dreßing, den ich jetzt am Telefon begrüße. Guten Morgen, Herr Dreßing!

Harald Dreßing: Guten Morgen!

Schulz: Herr Dreßing, Ihr Forschungsvorhaben wurde vor Kurzem noch verlängert, und zwar um neun Monate bis September 2018. Das heißt also, dass die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bischofskonferenz in Ihrem Fall reibungslos verläuft?

Dreßing: In der Tat können wir diesbezüglich nicht klagen. Die Daten, die wir aus den Diözesen anfordern, und das sind gewaltige Datenmengen, die wir anfordern, gewaltige Erhebungen, die wir durchführen, die bekommen wir bisher.

Schulz: Ihr Quasi-Vorgänger, Herr Pfeiffer, hatte ja damals schwere Vorwürfe erhoben gegen die Deutsche Bischofskonferenz. Haben Sie denn die Zusicherung, dass Sie Ihre Ergebnisse ganz unabhängig veröffentlichen dürfen?

Dreßing: Wir haben nicht nur die Zusicherung, sondern das war eine Grundbedingung, dass wir dieses Projekt überhaupt begonnen haben. Wir sind alle renommierte Wissenschaftler, und wir würden kein Projekt eingehen, bei dem wir nicht alles das publizieren können, was wir letztendlich auch erforschen. Und das ist eine ganz klare vertragliche Formulierung, dass wir alles publizieren werden, was aus unserer Sicht wissenschaftlich bedeutsam ist.

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Australien: Diskussion um Beichtgeheimnis bei Missbrauch

Bild: Wiki Commons/Andreas Praefcke

Soll das Beichtgeheimnis absolut gelten, oder kann es eine Lockerung geben, wenn es darum geht, weitere Missbrauchsfälle zu verhindern? Mit dieser Frage haben sich die katholischen Bischöfe Australiens befasst.

kath.net

Die katholischen Bischöfe Australiens haben bei ihrem letzten Treffen die Bedeutung des Beichtgeheimnisses bei Missbrauchsfällen diskutiert. Der Vorschlag, deshalb beim Vatikan anzufragen, wurde abgelehnt.

Eine 2013 von der damaligen Generalgouverneurin Quentin Bryce eingesetzte königliche Kommission untersucht Kindesmissbrauch in australischen Institutionen wie Schulen, Sportvereinen und Kirchen. Sie soll analysieren, welche Systemfehler dafür verantwortlich waren, dass es zu den Missbrauchsfällen gekommen ist und Vorschläge zur Verbesserung vorlegen. Die Kommission hat bei mehreren Bischöfen angefragt, wie ein Priester reagiert, wenn er im Rahmen einer Beichte von einem Missbrauchsfall erfährt.

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Jesuit Zollner: Kirchliche Missbrauchsprozesse dauern zu lang

Leiter des Kinderschutzzentrums an der Universität Gregoriana: Vatikan braucht mehr geschultes Personal für sachgerechte Beantwortung von Briefen an Missbrauchsopfer

kath.net

Der Kinderschutzexperte P. Hans Zollner SJ hat sich für eine schnellere Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche ausgesprochen. „Der ganze Prozessweg dauert für alle viel zu lange“, sagte der Jesuit „Kathpress“ gegenüber am Mittwoch in Rom. Teilweise zögen sich Verfahren über mehr als fünf Jahre hin. Zudem forderte Zollner, dass vatikanische Behörden Missbrauchsopfern zügig und persönlich antworteten. Zollner ist Mitglied der päpstlichen Kinderschutzkommission und Leiter des Kinderschutzzentrums an der Universität Gregoriana.

Die päpstliche Kinderschutzkommission hatte die Einrichtung einer zentralen Stelle im Vatikan oder bei verschiedenen Behörden zur Beantwortung von Briefen vorgeschlagen. Dies solle dem Papst zeitnah präsentiert werden, so Zollner. Er gehe davon aus, dass gemessen an vatikanischen Verhältnissen rasch etwas geschehen werde.

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Israel: Entsetzen über Missbrauch in ultraorthodoxen Gemeinden

Die israelische Polizei nahm 22 Personen wegen Missbrauchsvorwüfen fest. – (c) APA/AFP/MENAHEM KAHANA (MENAHEM KAHANA)
Die Polizei nahm 22 Personen in mehreren Städten fest. Die Gemeinden sollen die Missbrauchsfälle vertuscht haben und die Täter „einer Art Behandlung“ unterzogen.

Die Presse.com

In Israel sorgen Missbrauchsfälle in mehreren ultraorthodoxen Gemeinden für Entsetzen: Die Polizei hat am Montag nach eigenen Angaben 22 strenggläubige Juden festgenommen, die über einen Zeitraum von zwei Jahren dutzende Kinder, Jugendliche und Frauen sexuell missbraucht haben sollen. Die ultraorthodoxen Gemeinden hätten die Taten vertuscht, erklärte die Polizei.

Die 22 Männer im Alter von 20 bis 60 Jahren stammen den Angaben zufolge aus Jerusalem, Beit Schemesch, Bnei Brak und der Siedlung Beitar Ilit im besetzten Westjordanland. Die mutmaßlichen Sexualstraftaten seien unter der Aufsicht von Rabbinern zunächst nur von Gemeindemitgliedern untersucht worden, berichtete die Polizei. Die Fälle wurden demnach auf kleinen Notizblöcken dokumentiert.

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Frust über die Kurie

missbrauch

Die Irin Marie Collins war die Symbolfigur für den Kampf gegen Kindesmissbrauch. Jetzt tritt sie verärgert aus der päpstlichen Kommission aus. Sie spricht von „Angst vor dem Wandel“.

Von Oliver Meiler | Süddeutsche.de

Als die Irin Marie Collins vor drei Jahren in die päpstliche Kommission für den Schutz der Kinder berufen wurde, hieß es, die Personalie beweise, dass es dem Vatikan endlich ernst sei mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der Kirche, der Vertuschung und der Intransparenz. Collins galt als Symbolfigur, als Bannerträgerin des Kampfes. Sie war 13, als sich ein Priester sexuell an ihr verging. Die Berufung in ein päpstliches Gremium, eher selten für Frauen, sollte ihr jahrelanges Engagement für die Opfer pädophiler Geistlicher ehren und auch krönen. Von innen, so hoffte sie wohl, lassen sich die Dinge besser verändern. Nun ist Marie Collins 70 Jahre alt und „frustriert“, wie sie sagt. Sie legt ihre Aufgabe in der Kommission nieder.

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Sexueller Missbrauch: Der ahnungslose Dodo Müller

Gerhard L. Müller links im Bild
Gerhard L. Müller links im Bild
Müller in „La Repubblica“-Interview: „Könnte in einigen Fällen aus Ahnungslosigkeit geschehen seien, aber nicht systematisch“

kath.net

Aus Sicht von Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller gibt es in der katholischen Kirche keine systematische Vertuschung von Missbrauchsfällen. „Die Kirche verdeckt auf jeden Fall nichts“, sagte er im Interview der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ (Sonntag). Es könne in einigen Fällen aus Ahnungslosigkeit geschehen sein, „aber nicht systematisch“, so der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation. „Die Kirche arbeitet, im Gegensatz zu vielen anderen Institutionen, wirklich für Null-Toleranz.“

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