Alle Bischöfe Chiles bieten nach Missbrauchsskandal ihren Rücktritt an

Papst Franziskus hatte die chilenischen Bischöfe in dieser Woche getroffen. (Bild: Vatican Media / Handout via Reuters)
Mit einem ungewöhnlichen Schritt reagieren nun die katholischen Bischöfe auf den jüngsten Missbrauchsskandal. Die Geistlichen reichen kollektiv ihren Rücktritt ein.

Neue Zürcher Zeitung

Nach dem Missbrauchsskandal in Chile haben alle 34 Bischöfe des südamerikanischen Landes ihren Rücktritt angeboten. Das teilte die Bischofskonferenz nach Gesprächen der Geistlichen mit Papst Franziskus am Freitag in Rom mit. Zuvor hatte das katholische Kirchenoberhaupt Massnahmen zur Aufarbeitung des jüngsten Missbrauchsskandals der chilenischen Kirche angekündigt.

In einem nun bekanntgewordenen Dokument sprach Franziskus von personellen Konsequenzen nach dem Skandal. Es reiche jedoch nicht aus, nur die konkreten Fälle zu behandeln und die betreffenden Personen zu entfernen.

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Weiter Missbrauchsmeldungen: Katholische Kirche entschädigt

Der Missbrauchsskandal beschäftigt die katholische Kirche auch noch Jahre nach den ersten Enthüllungen 2010. Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den Bistümern Limburg, Mainz und Fulda ergab, melden sich nach wie vor Opfer von sexuellem Missbrauch und Gewalt – auch wenn die große Flut mittlerweile abgeebbt ist.

Frankfurter Rundschau

Mehr als 100 Anträge auf Entschädigungszahlungen wurden bei der katholischen Kirche gestellt. Knapp 465 000 Euro wurden in den drei Bistümern gezahlt.

Die sexuellen Übergriffe – etwa von Priestern – liegen teils lange Zeit zurück und wurden zuweilen erst Jahrzehnte später aufgedeckt. Anfang 2010 kam die Berichterstattung über die Vorfälle ins Rollen, es ging Schulen, Internate und kirchliche Einrichtungen.

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Papst schickt Missbrauchsermittler nach Chile

Papst Franziskus schickt nach seiner von einem Missbrauchsskandal überschatteten Chilereise einen Sonderermittler in das lateinamerikanische Land, um Zeugenaussagen im Fall eines unter Verdacht stehenden Bischofs aufzunehmen.

evangelisch.de

Nach Angaben des vatikanischen Pressesaals vom Dienstag erteilte das Kirchenoberhaupt den Auftrag dem als Experten in der Verfolgung von Pädophilie-Fällen in der katholischen Kirche bekannten Erzbischof von Malta, Charles Scicluna. Während des jüngsten Papstbesuchs hatte es in Chile vehemente Proteste gegen die Unterstützung des Papstes für den Bischof von Osorno, Juan de la Cruz Barros, gegeben. Barros wird beschuldigt, Fälle von Kindesmissbrauch durch seinen ehemaligen Mentor, den einflussreichen Geistlichen Fernando Karadima, gedeckt zu haben. Franziskus hatte die Anschuldigungen während des Chile-Besuchs als „Verleumdung“ bezeichnet, da es keine Beweise gebe.

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Der amerikanische Turnverband soll den Missbrauchsopfern Schweigegeld bezahlt haben

McKayla Maroney wirft dem US-Turnverband vor, ihre Notsituation ausgenutzt zu haben. (Bild: Imago)
Jahrelang hat der US-Teamarzt Olympiasiegerin McKayla Maroney missbraucht. Nun verklagt sie den amerikanischen Turnverband. Er soll sie zum Schweigen genötigt haben, um den Missbrauch zu vertuschen.

Von Claudia Rey | Neue Zürcher Zeitung

Im Dezember 2016 unterschrieb McKayla Maroney einen Vertrag, der ihr laut dem «Wall Street Journal» 1,25 Millionen Dollar einbrachte und ihr die Würde nahm. Sie verpflichtete sich, im Missbrauchsskandal im amerikanischen Turnverband um den Teamarzt Larry Nassar zu schweigen.

Es scheint, als hätten Mitglieder des Verbandes beabsichtigt, das unfassbare Ausmass des Falls unter den Tisch zu kehren, um den guten Ruf des Verbandes zu wahren. Der Turnverband hatte die Missbrauchsvorwürfe gegen Nassar jahrelang als Gerüchte abgetan. Erst 2015, nachdem Nassar fast zwanzig Jahre gewütet hatte, wurde er entlassen. Es vergingen nochmals fünf Wochen, bis der Verband den Fall dem FBI meldete. Ein Versäumnis, das wohl nicht publik hätte werden sollen.

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Dodo Gloria von Thurn und Taxis relativiert Missbrauchsskandal

Bild. Süddeutsche.de

Gloria von Thurn und Taxis hat den Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen relativiert. Auf die Frage, ob die Institution der Domspatzen den Missbrauch ermöglicht habe, sagte sie: „Das ist totaler Schmarrn.“ Die Opfervertreter reagieren mit Fassungslosigkeit.

Von Guido Fromm, Andreas Schrank | BR24

Am Rande der Regensburger Schlossfestspiele äußerte Gloria von Thurn und Taxis sich zum Skandal bei den Domspatzen – hier Auszüge aus dem Abschlussbericht – und sagte dem Bayerischen Rundfunk, dass auch sie als Kind geschlagen wurde. Die 57-Jährige relativierte dies zugleich mit einem Verweis auf andere Zeiten: „In meiner Jugend war Schläge ein ganz normales pädagogisches Mittel, um mit frechen Kindern, wie ich eines war, fertig zu werden.“ Gloria betonte auch, sie fände es unfair, heutige Maßstäbe auf frühere Dekaden anzuwenden. „Das geht nicht. Die Welt hat sich verändert.“

„Sexuellen Missbrauch gibt es überall“

Beim Thema sexueller Missbrauch wies sie darauf hin, dass dieser in vielen Bereichen geschehe. Es sei Aufgabe der Eltern, ihre Kinder darauf hinzuweisen. Auf die Frage, ob die Institution den Missbrauch ermöglicht habe, reagierte Gloria von Thurn und Taxis empört:

„Das ist totaler Schmarrn. Das ist einfach richtig gemein. In jeder Schule, in jedem Sportverein gibt es dieses Phänomen und das wird es auch immer geben. Man geht gerne auf die Kirche los und das ist ein gefundenes Fressen.“Gloria von Thurn und Taxis

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Missbrauchsskandal: Aufarbeitung in Nimmerland

© Reuters In Australien beschäftigt sich die „Royal Commission into Institutional Child Sexual Abuse“ mit dem Kindesmissbrauchsskandal.
Australien und Großbritannien arbeiten einen Jahrzehnte währenden Missbrauchsskandal auf: Die Opfer waren nach Übersee verschiffte Kinder. Die Suche nach Verantwortlichen gestaltet sich schwierig.

Von Antje Schmelcher | Frankfurter Allgemeine

Eine bekannte englische Erzählung handelt von verlorenen Jungen, den „lost boys“, die auf einer gefährlichen Insel leben. Sie sehnen sich nach ihrer Mutter, doch sie können nicht zurück. Nur ihr Anführer kann das. Er ist zu den Kindern mal nett und mal gemein, und er hasst Mütter. So steht es in der ursprünglichen Fassung von „Peter Pan“. Für Zehntausende von Kindern ist dieses Märchen zur grausamen Wirklichkeit geworden.

Das literarische Motiv hatte in England einen wahren Hintergrund. Über einen Zeitraum von 350 Jahren wurden von dort mehr als 150 000 Fürsorgekinder in die Überseegebiete des Empire und späteren Commonwealth verschifft. Die ersten Transporte gingen nach Virginia, weitere nach Kanada, Neuseeland und Zimbabwe. Zwischen Kriegsende und den siebziger Jahren sind etwa 10000 Kinder nach Australien verfrachtet worden, manche von ihnen waren erst zwei Jahre alt. „Child migrant programme“ war der offizielle Begriff. In Wirklichkeit war es eine Deportation aus bevölkerungspolitischen Gründen. Die britische Regierung konnte so die Zahl der weißen Siedler in den Kolonien erhöhen, den „white stock“, und zu Hause Platz in den Fürsorgeeinrichtungen schaffen.

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Missbrauch bei Domspatzen, 422 mögliche Opfer

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„Sie dürfen mir glauben, es schmerzt mich und es tut mir in der Seele weh – jeder einzelne Fall, hinter dem ja ein Mensch steht, eine Kinderseele in diesen Fällen, schwer gequält, oft für das Leben gezeichnet. Ich kann es nicht ungeschehen machen, kann die Betroffenen nur um Vergebung bitten.“

Radio Vatikan

Mit diesen Worten hat Bischof Rudolf Voderholzer an diesem Mittwoch in Regensburg den Missbrauchsskandal im Knabenchor der Regensburger Domspatzen kommentiert. Voderholzer trat erstmals gemeinsam mit Betroffenen in der Öffentlichkeit auf. Er rief mögliche weitere Opfer auf, sich zu melden und Hilfsangebote wahrzunehmen. Die Vorgänge gehörten zu den „bedrückendsten Erfahrungen und schwersten Lasten meiner Amtszeit“, unterstrich der Bischof auf der Pressekonferenz in Regensburg. 422 mögliche Opfer haben sich im Zuge der Aufarbeitung der Misshandlungs- und Missbrauchsfälle bisher gemeldet, teilte er weiter mit.

Bei dem weltberühmten Knabenchor kam es zwischen 1953 und 1992 in Hunderten Fällen zu körperlicher und sexueller Gewalt. Der Regensburger Rechtsanwalt Ulrich Weber untersucht die Vorfälle seit Mai 2015. Der unabhängige Sonderermittler sprach in einem Zwischenbericht von einem „System der Angst“, das jahrzehntelang in den Einrichtungen der Domspatzen geherrscht habe. Einen Abschlussbericht will der Jurist im kommenden Jahr vorlegen.

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So viele Deutsche kehren der Kirche den Rücken

Bild: T-Online.de/ Screenshot: BB
Bild: T-Online.de/ Screenshot: BB

Mit Ostern steht eines der wichtigsten christlichen Feste vor der Tür. Zwischen Karfreitag und Ostermontag werden sich die Kirchen mal wieder bis zum letzten Platz füllen. So lebhaft wie in diesen Tagen geht es selten in deutschen Gotteshäusern zu. Denn immer mehr Menschen kehren der Amtskirche den Rücken.

T-Online.de

2014 traten hierzulande 487.719 Menschen aus der Kirche aus, 270.003 aus der evangelischen und 217.716 aus der katholischen. Im Vergleich zu den Vorjahren ist das ein absoluter Spitzenwert, wie die Grafik von Statista zeigt. Die Ursachen für die Kirchenflucht sind vielfältig: Laut dem Freiburger Religionssoziologen Michael Ebertz schaffen es die Kirchen unter Anderem nicht mehr, die Menschen an sich zu binden, das gilt besonders für die Jungen. Hinzu kommen bei der katholischen Kirche Faktoren wie der Missbrauchsskandal oder der Finanzskandal um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Katholiken gegen AfD und Pegida: Kämpft um ihre Seelen!

Bild von der gestrigen Pegida-Demo. Twitter
Bild von einer Pegida-Demo in Dresden. Twitter
Marschieren die besorgten Bürger, schalten die Kirchenherren das Licht aus. Diese Geste reicht aber nicht: Jeder Christ muss sich gegen die unchristliche Botschaft von AfD und Pegida stellen.

Von Alexander Görlach|SpON

Die katholische Kirche positioniert sich nachhaltig gegen die sogenannte Alternative für Deutschland. Nachdem unter anderem die Bischöfe in Köln und Erfurt die Beleuchtung ihrer Kathedralkirchen abgeschaltet haben, um den Märschen der neuen Rechten nicht etwa eine festliche Kulisse zu ermöglichen, sind nun die Kirchenmitglieder mitgezogen und haben die AfD wissen lassen, dass ihre Anwesenheit beim nächsten Katholikentag in Leipzig nicht erwünscht ist.

Selten zogen Kirchenführung und Laien in der jüngeren Vergangenheit in einer Sache so gemeinschaftlich vereint an einem Strang. Absorbiert von Sorgen um klerikalen Nachwuchs, Mitgliederschwund und Glaubwürdigkeitsverlust durch den abscheulichen Missbrauchsskandal hat die katholische Kirche in den letzten Jahren an vielen Debatten nicht mehr wirklich teilgenommen. Das Auftreten der neuen Rechten in der deutschen Öffentlichkeit und Politik zwingt sie nun förmlich dazu.

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Bistum Regensburg zahlte Opfern rund 400 000 Euro

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Die Katholische Kirche hat im Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen nach Informationen der „Welt am Sonntag“ (WamS) rund 400 000 Euro Entschädigungen gezahlt.

FOCUS ONLINE

Bis Anfang 2016 wurde dem Bericht zufolge mehr als 150 Mal ein Betrag von je 2500 Euro für Opfer körperlicher Gewalt ausgezahlt. Dazu kommen nach Angaben der „WamS“ noch Zahlungen für Opfer sexuellen Missbrauchs, die nach Informationen der Zeitung jeweils höher als 2500 Euro sein sollen. Der mit der Aufklärung der Missbrauchsfälle beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber war am Sonntag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Weber hatte in seinem Zwischenbericht Anfang Januar mitgeteilt, dass nach bisherigen Recherchen von 1953 bis 1992 mindestens 231 Kinder von Priestern und Lehrern körperlich misshandelt worden seien, weitere 50 Schüler seien bei den Domspatzen Opfer sexueller Gewalt geworden – „von Streicheln bis zu Vergewaltigungen“, wie Weber sagte.

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Christlicher Aktivist: „Schwule werden Priester und mißbrauchen Kinder, um die Kirche zu zerstören!“

Wer den Amerikaner Ted Shoebat einmal reden gehört hat kann kaum glauben, welchen Stuss ein Mensch in so jungem Alter von sich geben kann. Seit einigen Jahren schon bewegt sich Shoebat im rechts-konservativen Milieu und liefert regelmäßig Hasstiraden gegen Homosexuelle. Jetzt jedoch scheint der Aktivist völlig den Verstand verloren zu haben, wie ein Video aus der vergangenen Woche zeigt.

Von Franziska Werner|QueerPride

Darin bezieht sich der religiöse Fanatiker auf aktuelle Berichte aus dem US-Bundesstaat Minnesota, die einen Missbrauchsskandal innerhalb der katholischen Kirche aufgedeckt haben. Über Jahrzehnte hinweg sollen Kinder von verschiedenen Priestern sexuell missbraucht worden sein. Den Berichten zufolge soll es sich dabei in erster Linie um männliche Ministranten handeln.

Pädophilie mit Homosexualität gleich gesetzt

Für Ted Shoebat liegt da offensichtlich nichts näher, als Pädophilie mit Homosexualität gleichzusetzen und kurzerhand zu fordern, dass alle schwulen Priester exekutiert werden müssten. Denn Schwule würden nur deshalb Mitglied einer Kirche werden, um Pastor oder Priester zu werden und dann Kinder zu mißbrauchen:

„Sind sie erst einmal Pastor oder Priester geworden, legen sie los. Das alles machen sie nur, um die Kirche öffentlich in den Dreck zu ziehen, als böse darzustellen und ihr zu schaden. Offensichtlich weiß Satan, dass Homosexualität böse ist und diese Männer wissen das auch. Diese Sodomoiten wollen erreichen, dass ganz normale Leute sagen: Schaut es euch an, so ist das Christentum!“

Die Zivilisation habe „keinen Platz für Homosexualität“, führt Shoebat seine Hassrede fort.

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Katholische Kirche und Missbrauch: Bostoner Enthüllungen

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Journalisten des Boston Globe haben vor 13 Jahren einen Missbrauchsskandal in ihrer Stadt aufgedeckt, der in der Folge die katholische Kirche auf der ganzen Welt erschüttern sollte. Nun wird das Geschehene in einem Dokumentar-Spielfilm nachgezeichnet.

Von Alexander Görlach|The European

In Zeiten, in denen das Schimpfwort „Lügenpresse“ auf deutschen Plätzen skandiert wird und sich die Unwucht dieses Rufs an den Fassaden der Verlagshäuser und Sendeanstalten bricht, zeigt der Film „Spotlight“ genau das, wozu guter Journalismus gebraucht wird und welche vitale Rolle er in demokratischen Gesellschaften spielt: Der Boston Globe hatte im Jahr 2002 den Missbrauch von Kindern durch Priester und Ordensangehörige in katholischen Bildungseinrichtungen aufgedeckt. Die Zeitung löste damit einen Domino-Effekt aus: Durch die Enthüllungen in Boston ermutigt, brachen viele Missbrauchsopfer in anderen Städten der USA und in etlichen Ländern der Welt ihr Schweigen. Auch die Kirche in Deutschland wurde von dem Skandal erschüttert. Der Katholizismus befindet sich seitdem in einer globalen Glaubwürdigkeitskrise. Das Misstrauen bekommen vom Dorfpfarrer bis zum Papst alle Glieder der Kirchenhierarchie zu spüren.

Der Film zeichnet den Weg der investigativen Journalistentruppe, die bei der Zeitung den Namen „Spotlight“ – Suchscheinwerfer – trägt, nach: das anfängliche Hadern, ob es hier überhaupt eine Story gibt. Dann die ersten Recherche-Ergebnisse. Der weite Weg vom ersten Puzzleteil bis zum Gesamtbild. Das ist mühsam anzuschauen, genauso, wie es im echten Leben eines Journalisten mühsam ist, eine Sache akribisch zu recherchieren, bis sie sicher ist.

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Kardinal Danneels, die Familiensynode und ein Missbrauchsskandal

Godfried Danneels, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Papst Franziskus hat den belgischen Kardinal zur Familiensynode eingeladen. Dieser hat in der Vergangenheit eine unrühmliche Rolle bei einem Missbrauchsskandal gespielt.

kath.net

Warum hat Papst Franziskus Godfried Kardinal Danneels, den emeritierten Erzbischof von Mecheln-Brüssel, erneut als Teilnehmer der laufenden Bischofssynode zur Familie eingeladen? Diese Frage würden sich viele der Synodalen stellen, schreibt Damian Thompson, Mitherausgeber des britischen Spectator und des Catholic Herald in seinem Blog.

Danneels habe nicht nur die zivilrechtliche Homo-Ehe als „positive Entwicklung“ bezeichnet und eine zweifelhafte Rolle beim Inkrafttreten des belgischen Abtreibungsgesetzes gespielt. Vor kurzem sei auch noch eine autorisierte Biographie erschienen, die seine Rolle in der Wahl von Papst Franziskus betont, schreibt Thompson. Kath.net hat berichtet.

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Katholische Kirche: Reicht die Reformbereitschaft aus?

Mehr Mitspracherecht der Laien in der katholischen Kirche fordert Magnus Lux von „Wir sind Kirche“ (dpa / picture alliance / Armin Weigel)
Mit einem „Gesprächsprozess“ wollte die katholische Kirche nach dem Missbrauchsskandal vor fünf Jahren das Vertrauen der Gläubigen wiedergewinnen. Mehr als zwei Drittel der Gläubigen stünden der Kirche dennoch kritisch gegenüber, warnt Magnus Lux von „Wir sind Kirche“.

Magnus Lux im Gespräch mit Ute Welty|Deutschlandradio Kultur

Nach dem Missbrauchsskandal startete die katholische Kirche vor fünf Jahren einen sogenannten Gesprächsprozess, mit dem sie das Vertrauen der Gläubigen wiedergewinnen wollte. An diesem Wochenende finden in Würzburg die Abschlussdiskussionen statt. Den Gesprächsprozess begleitet hat die Reforminitiative Wir sind Kirche.

„Wir sind letztlich schon dabei“, sagt der Sprecher der Initiative, Magnus Lux. „Denn jedes Mal haben wir vor den Türen gestanden und unsere Beiträge dazu den Menschen ausgeteilt, und viele haben gesagt: ja, das vertreten wir ja sowieso, was ihr da sagt.“

„Die Bischöfe sind nicht die Herren der Kirche“

Lux bezweifelt jedoch, dass die Reformbereitschaft der katholischen Kirche ausreichend ist. „Mehr als zwei Drittel derer, die überhaupt noch aktiv zu ihrer Kirche stehen und mitmachen wollen, stehen ihr kritisch gegenüber. Und denen muss man ein Stück entgegen kommen.“

Zum Beispiel müsse man von der „Selbstsakralisierung“ der Kirche wegkommen. „Dass man einfach sagt, ja, hier ist der Papst, hier ist der Bischof, hier ist der Pfarrer, und der Rest, naja, das sind halt die Laien“, so Lux. „Kirche sind wir alle, und Bischöfe sind Kirchenleitung, aber sie sind nicht die Herren der Kirche. Als solche benehmen sie sich oft genug.“

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Religionssoziologe: Verhältnis zur Kirche ist lau geworden

jesus_schaukelNach Einschätzung des Religionssoziologen Detlef Pollack hängen die meisten Kirchenaustritte nicht direkt mit der Kirche zusammen.

kath.net

«Zehn bis zwanzig Prozent der Kirchenmitglieder sehen sich selbst als austrittsgeneigt an. Passiert etwas, das sie ärgert, dann sind sie weg», sagte er der «Süddeutschen Zeitung» am Freitag. Empörung etwa über den Missbrauchsskandal sei ein Symptom dafür, dass das Verhältnis vieler zur Kirche «lau» geworden sei.

Nach der im Juli von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Statistik haben 2014 so viele Katholiken wie noch nie ihren Kirchenaustritt erklärt. Dennoch bezeichnen sich laut Pollack bis zu 70 Prozent der Westdeutschen als gläubig. «Das wichtigste Austrittsmotiv war: Ich kann auch ohne Kirche Christ sein», so der evangelische Theologe, der Sprecher des Münsteraner «Exzellenzclusters Religion und Politik» ist und im Frühjahr eine Studie zu «Religion in der Moderne» vorgestellt hat.

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Chefs der Odenwaldschule lehnen Rettung ab

  • Einige Eltern wollen die Odenwaldschule unter neuem Namen wiedereröffnen.
  • Geschäftsführung und Schulleitung lehnen die Pläne ab, ebenso wie die Missbrauchsopfer.
  • Das Internat hatte nach einem Missbrauchsskandal Insolvenz angemeldet.


Von Tanjev Schultz|Süddeutsche.de

Bild: süddeutsche.de

Beharrlich versuchen ein paar Eltern, die Odenwaldschule unter neuem Namen wiederaufleben zu lassen. Aber so einfach ist das nicht. Die Querelen an dem vom Missbrauchsskandal erschütterten Internat, das einen Insolvenzantrag gestellt hat, gehen immer weiter. Die bisherige Internatsleiterin und der Geschäftsführer, Sonya Mayoufi und Marcus Halfen-Kieper, gehen jetzt auf Distanz zu den Plänen – und kündigen. Sie wählen klare Worte: „Mangelnde Offenheit, unterschiedliche Eigeninteressen – leider auch Unterstellungen und Diffamierungen – prägen das Miteinander.“ So steht es in einem aktuellen Schreiben der beiden an Mitarbeiter und Eltern, das der SZ vorliegt.

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Warum so viele Menschen wieder in die Kirche eintreten

Hunderttausende treten jedes Jahr aus den christlichen Kirchen aus. Doch es gibt eine Gegenbewegung: Die evangelische Kirche verzeichnet zehntausende Wiedereintritte. Dafür gibt es mehrere Gründe.


Von Matthias Kamann|DIE WELT

passion-christi_kreuzigung_360Seit vielen Jahren schon laufen den christlichen Kirchen die Mitglieder davon. In der gesamtdeutschen Statistik seit 1990 zeigt sich, dass Jahr für Jahr zwischen 300.000 und mehr als 500.000 Gläubige aus der katholischen und der evangelischen Kirche ausgetreten sind. 2013 waren es 355.000, für 2014 wird eine weitere Steigerung erwartet: deutlich mehr als 400.000. Allein die katholische Kirche verzeichnet für das vergangene Jahr 218.000 Abgänge – ein neuer Rekord.

Die Gründe sind vielfältig – vom Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche bis zur Vermeidung der Kirchensteuer. Es gibt aber eine, wenn auch deutlich kleinere, Gegenbewegung. Im Jahr 2013 sind rund 60.000 Bürger neu oder wieder eingetreten, wobei die protestantische Konfession mit 50.000 Ein-, Wieder- und Übertritten klar vorne liegt.

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Deutscher Rekord: 218.000 Katholiken treten aus der Kirche aus

Noch nie sind in Deutschland so viele Gläubige aus der katholischen Kirche ausgetreten wie im vergangenen Jahr. Ein Grund ist die Verwirrung um die Kirchensteuer.


SpON

Bild: tilly
Bild: tilly

Die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche in Deutschland ist auf einen Rekordwert gestiegen: Im vergangenen Jahr traten 217.716 Menschen aus. Damit wurde das bisherige Rekordniveau von 2010 deutlich übertroffen – damals waren vor allem wegen des Missbrauchsskandals 181.193 Menschen aus der Kirche ausgetreten.

Die Katholiken machen in Deutschland jetzt noch 29,5 Prozent der Bevölkerung aus, das sind knapp 24 Millionen Menschen. Zum Vergleich: Die evangelische Kirche in Deutschland hat rund 22,5 Millionen Mitglieder, auch dort sinken die Zahlen stetig.

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NRW: Jeder dritte Christ hat die Kirche verlassen

Die Volkskirchen verlieren weiterhin dramatisch an Mitgliedern. Obwohl die offiziellen Gesamtzahlen für 2014 erst im Laufe der nächsten Wochen veröffentlicht werden, lässt sich bereits jetzt feststellen, dass die Austrittswelle im Vergleich zum Vorjahr noch weiter angestiegen ist.


Von Andreas Thieman|WAZ

Bild: tilly
Bild: tilly

13 092 Gläubige hat die Evangelische Kirche von Westfalen in 2013 verloren, im Bereich des Erzbistums Paderborn verabschiedeten sich 8356 Katholiken von ihrer Kirche.

Der Mitgliederschwund ist in der Region wie auch auf Bundesebene bei beiden Konfessionen prozentual gesehen annähernd gleich: Im Laufe der vergangenen vier Jahrzehnte verloren die Kirchen jeweils mehr als 30 Prozent ihrer Mitglieder.

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Kirche und Missbrauch: Viele unbeantwortete theologische Fragen

Welche Fragen hat der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in theologischer Hinsicht aufgeworfen? Zum ersten Mal beschäftigt sich eine Konferenz explizit mit diesem Themenfeld.


Radio Vatikan

Pater Hans Zollner SJ – AP

Das internationale Symposium „Child Protection – A Spiritual and Theological Approach“ geht an diesem Mittwochabend an der Universität Gregoriana zu Ende. Großes Thema auf der Veranstaltung, die vom Kinderschutzzentrum der Päpstlichen Uni in Zusammenarbeit mit anglophonen Bischofskonferenzen ausgerichtet wurde: das Amtsverständnis von Priestern und Bischöfen. Dieses sei seit dem Missbrauchsskandal ziemlich in die Krise geraten, bestätigt Pater Hans Zollner, Organisator der Tagung, im Gespräch mit Radio Vatikan.

„Das Amtsverständnis hat sicher Risse bekommen, und zwar überall dort, wo die Skandale um Missbrauch die Grundfesten der Kirche und des kirchlichen Selbstbildes erschüttert haben. Das betrifft sehr viele von den Ländern, die hier vertreten sind, speziell die englischsprachigen Länder des Westens, aber auch einige Länder Afrikas oder Asiens. Es ist meines Wissens der erste Kongress, der jemals weltweit zu diesen Fragen auf theologische Themen ausgerichtet wurde. Ich bin überzeugt davon, dass das erst der Anfang einer weitergehenden theologischen Reflektion ist, in der sehr viel davon die Rede sein wird, was Priestersein heute bedeutet im Blick darauf, wie Männer, die diesen Dienst tun wollen, vorbereitet werden müssen – das wurde hier immer wieder angesprochen.“

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