Schlagwort-Archive: Missbrauchsskandal

So viele Deutsche kehren der Kirche den Rücken

Bild: T-Online.de/ Screenshot: BB
Bild: T-Online.de/ Screenshot: BB

Mit Ostern steht eines der wichtigsten christlichen Feste vor der Tür. Zwischen Karfreitag und Ostermontag werden sich die Kirchen mal wieder bis zum letzten Platz füllen. So lebhaft wie in diesen Tagen geht es selten in deutschen Gotteshäusern zu. Denn immer mehr Menschen kehren der Amtskirche den Rücken.

T-Online.de

2014 traten hierzulande 487.719 Menschen aus der Kirche aus, 270.003 aus der evangelischen und 217.716 aus der katholischen. Im Vergleich zu den Vorjahren ist das ein absoluter Spitzenwert, wie die Grafik von Statista zeigt. Die Ursachen für die Kirchenflucht sind vielfältig: Laut dem Freiburger Religionssoziologen Michael Ebertz schaffen es die Kirchen unter Anderem nicht mehr, die Menschen an sich zu binden, das gilt besonders für die Jungen. Hinzu kommen bei der katholischen Kirche Faktoren wie der Missbrauchsskandal oder der Finanzskandal um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Katholiken gegen AfD und Pegida: Kämpft um ihre Seelen!

Bild von der gestrigen Pegida-Demo. Twitter
Bild von einer Pegida-Demo in Dresden. Twitter
Marschieren die besorgten Bürger, schalten die Kirchenherren das Licht aus. Diese Geste reicht aber nicht: Jeder Christ muss sich gegen die unchristliche Botschaft von AfD und Pegida stellen.

Von Alexander Görlach|SpON

Die katholische Kirche positioniert sich nachhaltig gegen die sogenannte Alternative für Deutschland. Nachdem unter anderem die Bischöfe in Köln und Erfurt die Beleuchtung ihrer Kathedralkirchen abgeschaltet haben, um den Märschen der neuen Rechten nicht etwa eine festliche Kulisse zu ermöglichen, sind nun die Kirchenmitglieder mitgezogen und haben die AfD wissen lassen, dass ihre Anwesenheit beim nächsten Katholikentag in Leipzig nicht erwünscht ist.

Selten zogen Kirchenführung und Laien in der jüngeren Vergangenheit in einer Sache so gemeinschaftlich vereint an einem Strang. Absorbiert von Sorgen um klerikalen Nachwuchs, Mitgliederschwund und Glaubwürdigkeitsverlust durch den abscheulichen Missbrauchsskandal hat die katholische Kirche in den letzten Jahren an vielen Debatten nicht mehr wirklich teilgenommen. Das Auftreten der neuen Rechten in der deutschen Öffentlichkeit und Politik zwingt sie nun förmlich dazu.

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Bistum Regensburg zahlte Opfern rund 400 000 Euro

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Die Katholische Kirche hat im Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen nach Informationen der „Welt am Sonntag“ (WamS) rund 400 000 Euro Entschädigungen gezahlt.

FOCUS ONLINE

Bis Anfang 2016 wurde dem Bericht zufolge mehr als 150 Mal ein Betrag von je 2500 Euro für Opfer körperlicher Gewalt ausgezahlt. Dazu kommen nach Angaben der „WamS“ noch Zahlungen für Opfer sexuellen Missbrauchs, die nach Informationen der Zeitung jeweils höher als 2500 Euro sein sollen. Der mit der Aufklärung der Missbrauchsfälle beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber war am Sonntag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Weber hatte in seinem Zwischenbericht Anfang Januar mitgeteilt, dass nach bisherigen Recherchen von 1953 bis 1992 mindestens 231 Kinder von Priestern und Lehrern körperlich misshandelt worden seien, weitere 50 Schüler seien bei den Domspatzen Opfer sexueller Gewalt geworden – „von Streicheln bis zu Vergewaltigungen“, wie Weber sagte.

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Christlicher Aktivist: „Schwule werden Priester und mißbrauchen Kinder, um die Kirche zu zerstören!“

Wer den Amerikaner Ted Shoebat einmal reden gehört hat kann kaum glauben, welchen Stuss ein Mensch in so jungem Alter von sich geben kann. Seit einigen Jahren schon bewegt sich Shoebat im rechts-konservativen Milieu und liefert regelmäßig Hasstiraden gegen Homosexuelle. Jetzt jedoch scheint der Aktivist völlig den Verstand verloren zu haben, wie ein Video aus der vergangenen Woche zeigt.

Von Franziska Werner|QueerPride

Darin bezieht sich der religiöse Fanatiker auf aktuelle Berichte aus dem US-Bundesstaat Minnesota, die einen Missbrauchsskandal innerhalb der katholischen Kirche aufgedeckt haben. Über Jahrzehnte hinweg sollen Kinder von verschiedenen Priestern sexuell missbraucht worden sein. Den Berichten zufolge soll es sich dabei in erster Linie um männliche Ministranten handeln.

Pädophilie mit Homosexualität gleich gesetzt

Für Ted Shoebat liegt da offensichtlich nichts näher, als Pädophilie mit Homosexualität gleichzusetzen und kurzerhand zu fordern, dass alle schwulen Priester exekutiert werden müssten. Denn Schwule würden nur deshalb Mitglied einer Kirche werden, um Pastor oder Priester zu werden und dann Kinder zu mißbrauchen:

„Sind sie erst einmal Pastor oder Priester geworden, legen sie los. Das alles machen sie nur, um die Kirche öffentlich in den Dreck zu ziehen, als böse darzustellen und ihr zu schaden. Offensichtlich weiß Satan, dass Homosexualität böse ist und diese Männer wissen das auch. Diese Sodomoiten wollen erreichen, dass ganz normale Leute sagen: Schaut es euch an, so ist das Christentum!“

Die Zivilisation habe „keinen Platz für Homosexualität“, führt Shoebat seine Hassrede fort.

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Katholische Kirche und Missbrauch: Bostoner Enthüllungen

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Journalisten des Boston Globe haben vor 13 Jahren einen Missbrauchsskandal in ihrer Stadt aufgedeckt, der in der Folge die katholische Kirche auf der ganzen Welt erschüttern sollte. Nun wird das Geschehene in einem Dokumentar-Spielfilm nachgezeichnet.

Von Alexander Görlach|The European

In Zeiten, in denen das Schimpfwort „Lügenpresse“ auf deutschen Plätzen skandiert wird und sich die Unwucht dieses Rufs an den Fassaden der Verlagshäuser und Sendeanstalten bricht, zeigt der Film „Spotlight“ genau das, wozu guter Journalismus gebraucht wird und welche vitale Rolle er in demokratischen Gesellschaften spielt: Der Boston Globe hatte im Jahr 2002 den Missbrauch von Kindern durch Priester und Ordensangehörige in katholischen Bildungseinrichtungen aufgedeckt. Die Zeitung löste damit einen Domino-Effekt aus: Durch die Enthüllungen in Boston ermutigt, brachen viele Missbrauchsopfer in anderen Städten der USA und in etlichen Ländern der Welt ihr Schweigen. Auch die Kirche in Deutschland wurde von dem Skandal erschüttert. Der Katholizismus befindet sich seitdem in einer globalen Glaubwürdigkeitskrise. Das Misstrauen bekommen vom Dorfpfarrer bis zum Papst alle Glieder der Kirchenhierarchie zu spüren.

Der Film zeichnet den Weg der investigativen Journalistentruppe, die bei der Zeitung den Namen „Spotlight“ – Suchscheinwerfer – trägt, nach: das anfängliche Hadern, ob es hier überhaupt eine Story gibt. Dann die ersten Recherche-Ergebnisse. Der weite Weg vom ersten Puzzleteil bis zum Gesamtbild. Das ist mühsam anzuschauen, genauso, wie es im echten Leben eines Journalisten mühsam ist, eine Sache akribisch zu recherchieren, bis sie sicher ist.

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Kardinal Danneels, die Familiensynode und ein Missbrauchsskandal

Godfried Danneels, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Papst Franziskus hat den belgischen Kardinal zur Familiensynode eingeladen. Dieser hat in der Vergangenheit eine unrühmliche Rolle bei einem Missbrauchsskandal gespielt.

kath.net

Warum hat Papst Franziskus Godfried Kardinal Danneels, den emeritierten Erzbischof von Mecheln-Brüssel, erneut als Teilnehmer der laufenden Bischofssynode zur Familie eingeladen? Diese Frage würden sich viele der Synodalen stellen, schreibt Damian Thompson, Mitherausgeber des britischen Spectator und des Catholic Herald in seinem Blog.

Danneels habe nicht nur die zivilrechtliche Homo-Ehe als „positive Entwicklung“ bezeichnet und eine zweifelhafte Rolle beim Inkrafttreten des belgischen Abtreibungsgesetzes gespielt. Vor kurzem sei auch noch eine autorisierte Biographie erschienen, die seine Rolle in der Wahl von Papst Franziskus betont, schreibt Thompson. Kath.net hat berichtet.

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Katholische Kirche: Reicht die Reformbereitschaft aus?

Mehr Mitspracherecht der Laien in der katholischen Kirche fordert Magnus Lux von „Wir sind Kirche“ (dpa / picture alliance / Armin Weigel)
Mit einem „Gesprächsprozess“ wollte die katholische Kirche nach dem Missbrauchsskandal vor fünf Jahren das Vertrauen der Gläubigen wiedergewinnen. Mehr als zwei Drittel der Gläubigen stünden der Kirche dennoch kritisch gegenüber, warnt Magnus Lux von „Wir sind Kirche“.

Magnus Lux im Gespräch mit Ute Welty|Deutschlandradio Kultur

Nach dem Missbrauchsskandal startete die katholische Kirche vor fünf Jahren einen sogenannten Gesprächsprozess, mit dem sie das Vertrauen der Gläubigen wiedergewinnen wollte. An diesem Wochenende finden in Würzburg die Abschlussdiskussionen statt. Den Gesprächsprozess begleitet hat die Reforminitiative Wir sind Kirche.

„Wir sind letztlich schon dabei“, sagt der Sprecher der Initiative, Magnus Lux. „Denn jedes Mal haben wir vor den Türen gestanden und unsere Beiträge dazu den Menschen ausgeteilt, und viele haben gesagt: ja, das vertreten wir ja sowieso, was ihr da sagt.“

„Die Bischöfe sind nicht die Herren der Kirche“

Lux bezweifelt jedoch, dass die Reformbereitschaft der katholischen Kirche ausreichend ist. „Mehr als zwei Drittel derer, die überhaupt noch aktiv zu ihrer Kirche stehen und mitmachen wollen, stehen ihr kritisch gegenüber. Und denen muss man ein Stück entgegen kommen.“

Zum Beispiel müsse man von der „Selbstsakralisierung“ der Kirche wegkommen. „Dass man einfach sagt, ja, hier ist der Papst, hier ist der Bischof, hier ist der Pfarrer, und der Rest, naja, das sind halt die Laien“, so Lux. „Kirche sind wir alle, und Bischöfe sind Kirchenleitung, aber sie sind nicht die Herren der Kirche. Als solche benehmen sie sich oft genug.“

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Religionssoziologe: Verhältnis zur Kirche ist lau geworden

jesus_schaukelNach Einschätzung des Religionssoziologen Detlef Pollack hängen die meisten Kirchenaustritte nicht direkt mit der Kirche zusammen.

kath.net

«Zehn bis zwanzig Prozent der Kirchenmitglieder sehen sich selbst als austrittsgeneigt an. Passiert etwas, das sie ärgert, dann sind sie weg», sagte er der «Süddeutschen Zeitung» am Freitag. Empörung etwa über den Missbrauchsskandal sei ein Symptom dafür, dass das Verhältnis vieler zur Kirche «lau» geworden sei.

Nach der im Juli von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Statistik haben 2014 so viele Katholiken wie noch nie ihren Kirchenaustritt erklärt. Dennoch bezeichnen sich laut Pollack bis zu 70 Prozent der Westdeutschen als gläubig. «Das wichtigste Austrittsmotiv war: Ich kann auch ohne Kirche Christ sein», so der evangelische Theologe, der Sprecher des Münsteraner «Exzellenzclusters Religion und Politik» ist und im Frühjahr eine Studie zu «Religion in der Moderne» vorgestellt hat.

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Chefs der Odenwaldschule lehnen Rettung ab

  • Einige Eltern wollen die Odenwaldschule unter neuem Namen wiedereröffnen.
  • Geschäftsführung und Schulleitung lehnen die Pläne ab, ebenso wie die Missbrauchsopfer.
  • Das Internat hatte nach einem Missbrauchsskandal Insolvenz angemeldet.


Von Tanjev Schultz|Süddeutsche.de

Bild: süddeutsche.de

Beharrlich versuchen ein paar Eltern, die Odenwaldschule unter neuem Namen wiederaufleben zu lassen. Aber so einfach ist das nicht. Die Querelen an dem vom Missbrauchsskandal erschütterten Internat, das einen Insolvenzantrag gestellt hat, gehen immer weiter. Die bisherige Internatsleiterin und der Geschäftsführer, Sonya Mayoufi und Marcus Halfen-Kieper, gehen jetzt auf Distanz zu den Plänen – und kündigen. Sie wählen klare Worte: „Mangelnde Offenheit, unterschiedliche Eigeninteressen – leider auch Unterstellungen und Diffamierungen – prägen das Miteinander.“ So steht es in einem aktuellen Schreiben der beiden an Mitarbeiter und Eltern, das der SZ vorliegt.

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Warum so viele Menschen wieder in die Kirche eintreten

Hunderttausende treten jedes Jahr aus den christlichen Kirchen aus. Doch es gibt eine Gegenbewegung: Die evangelische Kirche verzeichnet zehntausende Wiedereintritte. Dafür gibt es mehrere Gründe.


Von Matthias Kamann|DIE WELT

passion-christi_kreuzigung_360Seit vielen Jahren schon laufen den christlichen Kirchen die Mitglieder davon. In der gesamtdeutschen Statistik seit 1990 zeigt sich, dass Jahr für Jahr zwischen 300.000 und mehr als 500.000 Gläubige aus der katholischen und der evangelischen Kirche ausgetreten sind. 2013 waren es 355.000, für 2014 wird eine weitere Steigerung erwartet: deutlich mehr als 400.000. Allein die katholische Kirche verzeichnet für das vergangene Jahr 218.000 Abgänge – ein neuer Rekord.

Die Gründe sind vielfältig – vom Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche bis zur Vermeidung der Kirchensteuer. Es gibt aber eine, wenn auch deutlich kleinere, Gegenbewegung. Im Jahr 2013 sind rund 60.000 Bürger neu oder wieder eingetreten, wobei die protestantische Konfession mit 50.000 Ein-, Wieder- und Übertritten klar vorne liegt.

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Deutscher Rekord: 218.000 Katholiken treten aus der Kirche aus

Noch nie sind in Deutschland so viele Gläubige aus der katholischen Kirche ausgetreten wie im vergangenen Jahr. Ein Grund ist die Verwirrung um die Kirchensteuer.


SpON

Bild: tilly
Bild: tilly

Die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche in Deutschland ist auf einen Rekordwert gestiegen: Im vergangenen Jahr traten 217.716 Menschen aus. Damit wurde das bisherige Rekordniveau von 2010 deutlich übertroffen – damals waren vor allem wegen des Missbrauchsskandals 181.193 Menschen aus der Kirche ausgetreten.

Die Katholiken machen in Deutschland jetzt noch 29,5 Prozent der Bevölkerung aus, das sind knapp 24 Millionen Menschen. Zum Vergleich: Die evangelische Kirche in Deutschland hat rund 22,5 Millionen Mitglieder, auch dort sinken die Zahlen stetig.

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NRW: Jeder dritte Christ hat die Kirche verlassen

Die Volkskirchen verlieren weiterhin dramatisch an Mitgliedern. Obwohl die offiziellen Gesamtzahlen für 2014 erst im Laufe der nächsten Wochen veröffentlicht werden, lässt sich bereits jetzt feststellen, dass die Austrittswelle im Vergleich zum Vorjahr noch weiter angestiegen ist.


Von Andreas Thieman|WAZ

Bild: tilly
Bild: tilly

13 092 Gläubige hat die Evangelische Kirche von Westfalen in 2013 verloren, im Bereich des Erzbistums Paderborn verabschiedeten sich 8356 Katholiken von ihrer Kirche.

Der Mitgliederschwund ist in der Region wie auch auf Bundesebene bei beiden Konfessionen prozentual gesehen annähernd gleich: Im Laufe der vergangenen vier Jahrzehnte verloren die Kirchen jeweils mehr als 30 Prozent ihrer Mitglieder.

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Kirche und Missbrauch: Viele unbeantwortete theologische Fragen

Welche Fragen hat der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in theologischer Hinsicht aufgeworfen? Zum ersten Mal beschäftigt sich eine Konferenz explizit mit diesem Themenfeld.


Radio Vatikan

Pater Hans Zollner SJ – AP

Das internationale Symposium „Child Protection – A Spiritual and Theological Approach“ geht an diesem Mittwochabend an der Universität Gregoriana zu Ende. Großes Thema auf der Veranstaltung, die vom Kinderschutzzentrum der Päpstlichen Uni in Zusammenarbeit mit anglophonen Bischofskonferenzen ausgerichtet wurde: das Amtsverständnis von Priestern und Bischöfen. Dieses sei seit dem Missbrauchsskandal ziemlich in die Krise geraten, bestätigt Pater Hans Zollner, Organisator der Tagung, im Gespräch mit Radio Vatikan.

„Das Amtsverständnis hat sicher Risse bekommen, und zwar überall dort, wo die Skandale um Missbrauch die Grundfesten der Kirche und des kirchlichen Selbstbildes erschüttert haben. Das betrifft sehr viele von den Ländern, die hier vertreten sind, speziell die englischsprachigen Länder des Westens, aber auch einige Länder Afrikas oder Asiens. Es ist meines Wissens der erste Kongress, der jemals weltweit zu diesen Fragen auf theologische Themen ausgerichtet wurde. Ich bin überzeugt davon, dass das erst der Anfang einer weitergehenden theologischen Reflektion ist, in der sehr viel davon die Rede sein wird, was Priestersein heute bedeutet im Blick darauf, wie Männer, die diesen Dienst tun wollen, vorbereitet werden müssen – das wurde hier immer wieder angesprochen.“

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Deutschland: Katholikenkomitee zufrieden mit Dialogprozess

zdk

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, hat den 2011 begonnenen Dialogprozess zwischen katholischen Laien und Bischöfen in Deutschland gelobt. Über Reformen in der Kirche werde nun offen und kontrovers diskutiert, ohne dass es zu persönlichen Spannungen komme, sagte Glück am Samstag im Gespräch mit „Radio Vatikan“: „Vor vier Jahren wäre das noch undenkbar gewesen.“ Glück hält sich derzeit zu Informations- und Konsultationsgesprächen mit vatikanischen Behörden in Rom auf.


kathweb

Deutlich vorangekommen sei die Debatte beim Thema Frauen in der Kirche. Sie hätten inzwischen einen neuen Stellenwert gewonnen: „Es kommen immer mehr Frauen in die Diözesanleitung, in wichtige Aufgaben“, so Glück. Insgesamt gibt es nach seinen Worten in vielen Diözesen eine neue Offenheit zwischen Laien und Amtskirche.

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Studie: „Systemversagen“ im Stift Kremsmünster

Archivbild: Stift Kremsmuenster / Bild: Clemens Fabry / Die Presse
Ein Münchner Institut hat die Missbrauchs-Affäre aufgearbeitet – und 350 Fälle sexueller, körperlicher oder psychischer Gewalt ausgemacht.


Die Presse

„Das Stift Kremsmünster hat es über Jahrzehnte nicht geschafft, die ihm anvertrauten Schüler ausreichend vor pädosexuellen Übergriffen zu schützen“ und „Es hätte mit einer besseren Kommunikationsstruktur verhindert werden können“ – so fasst Sozialforscher Florian Straus eine von ihm und seinen Kollegen erstellte und am Freitag präsentierte Studie zum Missbrauchsskandal im Stift zusammen – und spricht von „Systemversagen“.

Nach dem Auffliegen der Affäre 2010 hat das Stift das Münchner Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) mit einer Studie zur Aufarbeitung beauftragt. Im Projektbeirat waren Abt und Prior, drei IPP-Experten sowie fünf ehemalige Schüler vertreten. Den Kern der Untersuchung bilden Interviews mit ehemaligen Schülern, Patres und weltlichen Angestellten, die zwischen 1945 und 2000 im Stift tätig waren. Dabei wurden 350 Fälle sexueller, körperlicher oder psychischer Gewalt ausgemacht, 24 Personen wurden beschuldigt. Da es sich um keine repräsentative Umfrage handelt, besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Missbrauchsskandal: Unter Korpsgeistern

missbrauch_katholVor fünf Jahren wurde der Missbrauchsskandal öffentlich. Nun beleuchtet ein Kinofilm die kirchlichen Strukturen, die ihn begünstigten. Ein Gespräch über beschädigte Eliten und falsch verstandene Solidarität.


ZEIT ONLINE

Frage: Sie waren Priesteramtskandidat. Dann warfen Sie alles hin und wurden Filmemacher. Ihr erster Spielfilm handelt nun vom Umgang der Kirche mit dem Thema Missbrauch. Warum kommen Sie von der Kirche nicht los?

Gerd Schneider: Sie gehört zu meinem Leben. Als ich an die Filmhochschule ging, kehrte ich ihr nur scheinbar den Rücken. Ich fing an, alles zu hinterfragen, meinen Glauben, meinen Blick auf Kirche, mein Selbstverständnis.

Frage: Wie haben Sie sich als angehender Priester gesehen?

Schneider: Wir hatten alle das Gefühl, Teil einer Elite zu sein, Mittler zu sein zwischen Mensch und Gott. Wir waren ein bisschen wie Soldaten. Wir gehorchten Befehlen und waren stolz auf den Korpsgeist unserer Truppe. Irgendwann hatte ich keine Kraft mehr, weil ich mich nicht mehr damit identifizieren konnte. Da habe ich etwas anderes gemacht.

Frage: In Ihrem Film Verfehlung ist der Korpsgeist genau das Problem: Dominik, ein Priester, hat sich an zwei Teenagern vergangen. Sein Mitbruder Jakob will die Sache aufklären und scheitert an einer Institution, die vor allem mit sich selbst und nicht mit den Opfern solidarisch ist. Ist das typisch katholisch?

Schneider: Nein. Eine derart verzerrte Wahrnehmung liegt in der Natur von Systemen. Da unterscheidet sich die Kirche kaum von einer Investmentbank, die sich keiner Schuld bewusst ist, wenn sie Milliarden verzockt.

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Missbrauch in der Katholischen Kirche“Das hat tiefe Wunden geschlagen“

missbrauch_katholJesuiten-Pater Hans Zollner im Gespräch mit Philipp Gessler


Deutschlandradio Kultur

Hans Zollner, Präsident des Zentrums für Kinderschutz, lieferte die wissenschaftliche Expertise, um mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche umzugehen. Dass Priester gerade das Vertrauen missbraucht haben, habe bei Betroffenen mit die tiefsten Wunden hinterlassen, ist sein Fazit.

Philipp Gessler: Wir wollen das Thema Missbrauch noch einmal vertiefen. Am Donnerstag hatte ich die Chance, mit Prof. Hans Zollner zu sprechen. Der Jesuit ist Präsident des Zentrums für Kinderschutz und des Instituts für Psychologie der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom – er liefert, so kann man das wohl zusammenfassen, für die Weltkirche die wissenschaftliche Expertise, um noch intensiver mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche umzugehen. Denn der Skandal ist ja noch lange nicht vorbei. Zunächst stellte ich ihm eine der ersten Fragen, die sich schon vor fünf Jahren aufdrängte: Hat der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche, nach fünf Jahren der Forschung und Erfahrung, wirklich nichts mit dem Zölibat zu tun, was damals gerade katholische Würdenträger sehr schnell behauptet haben?

Hans Zollner: Sexueller Missbrauch, sexualisierte Gewalt kommt in der ganzen Welt vor und die kommt in allen Berufsgruppen, sie kommt in allen familiären Zusammenhängen vor, die man sich vorstellen kann. Es gibt sicherlich katholische Elemente in dem Missbrauch, den katholische Priester oder Bischöfe verüben.

Gessler: Was wäre das denn zum Beispiel?

„Wo es um Vertuschen und Verschweigen ging“

Zollner: Das hängt zusammen mit einer klerikalen Kultur, die geherrscht hat und die in den Ländern unter Umständen bis heute vorherrscht – wenn wir gerade auf Afrika oder Asien oder Lateinamerika schauen –, die aber in unseren Breiten mittlerweile zusammenbricht oder zusammengebrochen ist, wo es um Vertuschen und Verschweigen ging, wo man die eigene Institution deshalb nicht bloßstellen wollte, weil man Angst hatte, dass dann das Bild der Kirche, das Bild Gottes sozusagen beschmutzt wird. Dass man halt diese religiöse Komponente noch hineingebracht hat, sowohl, wenn Missbrauchstäter Opfer missbraucht haben und sie das sozusagen auch durch die Religion noch sanktioniert haben, also gesagt haben, ich kann gar nichts Böses tun, weil ich ein Priester bin.

Oder wenn es in der Beichte auch zu Übergriffen kam, indem man die eigene Tat sozusagen dem Opfer angelastet hat und das Opfer dann absolviert hat, freigesprochen hat von der Schuld. Es gibt eine klerikale Kultur, in der auch der Schutz der Priester, Mitbrüder, die man kennt, im Vordergrund steht, wo man dann auch zum Teil nicht glauben wollte, wider besseres Wissen, dass ein Priester, mit dem ich in der Ausbildung war, wo man nicht glauben wollte, dass jemand, der als Priester eigentlich dazu da ist, um das Heil zu bringen, Unheil gebracht hat.

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Bischof Ackermann: Lernprozess nach Missbrauchsfällen nicht abgeschlossen

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Fünf Jahre nach dem Missbrauchsskandal sieht der beauftragte Bischof Ackermann vor allem Handlungsbedarf bei der Prävention. Derweil geht die Aufarbeitung in der katholischen Kirche weiter – das Interesse der Opfer, zu reden, ist offenbar groß.


evangelisch.de

Fünf Jahre nach Bekanntwerden zahlreicher Fälle sexuellen Missbrauchs in ihren Reihen steht die katholische Kirche nach Ansicht von Bischof Stephan Ackermann weiter vor großen Aufgaben. Der „Schock der Ereignisse von 2010“ habe einen intensiven Lern- und Entwicklungsprozess angestoßen, „der nicht abgeschlossen ist“, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstag in Berlin. Die aktuelle Herausforderung sieht der Trierer Bischof vor allem darin, in Einrichtungen der Kirche eine „Kultur der Achtsamkeit“ zu etablieren, die sexuellen Missbrauch von Minderjährigen verhindert.

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Missbrauch an der Odenwaldschule – Der Kinderschänder und der Gutmensch

Darf man die Rechte der wirklichen Opfer ignorieren? Menschen erfinden, die es nie gab? Ja, man darf, wenn ein so starker Film wie „Die Auserwählten“ über den Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule erzählt.

Von Carin Pawlak—FOCUS ONLINE

Volker ist neu im Internat. Ein bildhübsches Kind, das sein Kuscheltier umschlungen hält, als es gefragt wird, ob es Sport mag. Volker verneint, und der Mann, zu dem er hochsieht, lächelt ihn gütig an und sagt: „Hier wirst du zu nichts gezwungen.“ Volker wird jahrelang von diesem Mann missbraucht werden, Drogen verfallen und sich später das Leben nehmen, auch, weil die eigene Mutter ihm bis zuletzt nicht glauben mag.

Angst und Scham der Opfer

„Ich wollte sprechen, aber ich konnte nicht“, sagt ein Opfer im Film „Die Auserwählten“. Es ist ein Schlüsselsatz, der erklärt, warum sich die Gefühlswelt der Missbrauchten erst nach Jahrzehnten aufschließen wird. Sie hatten Angst, sie schämten sich. Und keiner nahm sie ernst. Bis auf einen Menschen: Petra Grust. Der ARD-Film hat die Figur der Lehrerin Grust erfunden. Das ist einer der Kritikpunkte im Vorfeld der Ausstrahlung. Ein weiterer: Die Persönlichkeitsrechte zweier Opfer würden verletzt. Zudem verharmlose das Dargestellte die wahren Geschehnisse.

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Psycho-Analyse der katholischen Kirche—Alkoholikerfamilie

Manfred_LützManfred Lütz und seine Diagnose über einen speziellen Patienten.

Von Andreas Ottokath.net

Der Gesundheitszustand und die Diagnose haben sich keinesfalls verändert. Schon vor 15 Jahren legte der Kölner Psychiater und Theologe Manfred Lütz eine schonungslose bis unterhaltsame «Psycho-Analyse» der katholischen Kirche vor. Nun hat er ein «Update» seines «Untersuchungsberichtes» mit dem plakativen Titel «Der blockierte Riese» veröffentlicht und vor einigen Tagen in Köln vorgestellt – gemeinsam mit dem Kölner Sozialpfarrer Franz Meurer. Der ist zwar kein ausgewiesener Mediziner, vertritt aber genauso selbstbewusst seine Sekundärmeinung zum Krankheitsfall Kirche.

Missbrauchsskandal, gleich zwei neue Päpste, Tebartz-van Elst – seit dem Erscheinen der Erstauflage 1999 hat sich einiges getan in der katholischen Kirche. Deshalb hat sich Lütz der Mühe unterzogen, den Patienten Kirche im Licht der jüngsten Entwicklungen und neuen Maximen aus Rom auf Herz und Nieren zu prüfen. Seine gewagte Grundthese ist aber gleichgeblieben: Die Befindlichkeit der Kirche sei mit den Zuständen innerhalb einer «Alkoholikerfamilie» zu vergleichen. Diese kennzeichne anstrengende Konflikte und ein erstarrtes Rollengefüge zwischen den einzelnen Familienmitglieder – «und dennoch kommt aus all dem Trubel nichts Kreatives mehr heraus».

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