Schlagwort-Archive: Missbrauchsskandal

Deutschland: Katholikenkomitee zufrieden mit Dialogprozess

zdk

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, hat den 2011 begonnenen Dialogprozess zwischen katholischen Laien und Bischöfen in Deutschland gelobt. Über Reformen in der Kirche werde nun offen und kontrovers diskutiert, ohne dass es zu persönlichen Spannungen komme, sagte Glück am Samstag im Gespräch mit “Radio Vatikan”: “Vor vier Jahren wäre das noch undenkbar gewesen.” Glück hält sich derzeit zu Informations- und Konsultationsgesprächen mit vatikanischen Behörden in Rom auf.


kathweb

Deutlich vorangekommen sei die Debatte beim Thema Frauen in der Kirche. Sie hätten inzwischen einen neuen Stellenwert gewonnen: “Es kommen immer mehr Frauen in die Diözesanleitung, in wichtige Aufgaben”, so Glück. Insgesamt gibt es nach seinen Worten in vielen Diözesen eine neue Offenheit zwischen Laien und Amtskirche.

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Studie: “Systemversagen” im Stift Kremsmünster

Archivbild: Stift Kremsmuenster / Bild: Clemens Fabry / Die Presse

Ein Münchner Institut hat die Missbrauchs-Affäre aufgearbeitet – und 350 Fälle sexueller, körperlicher oder psychischer Gewalt ausgemacht.


Die Presse

“Das Stift Kremsmünster hat es über Jahrzehnte nicht geschafft, die ihm anvertrauten Schüler ausreichend vor pädosexuellen Übergriffen zu schützen” und “Es hätte mit einer besseren Kommunikationsstruktur verhindert werden können” – so fasst Sozialforscher Florian Straus eine von ihm und seinen Kollegen erstellte und am Freitag präsentierte Studie zum Missbrauchsskandal im Stift zusammen – und spricht von “Systemversagen”.

Nach dem Auffliegen der Affäre 2010 hat das Stift das Münchner Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) mit einer Studie zur Aufarbeitung beauftragt. Im Projektbeirat waren Abt und Prior, drei IPP-Experten sowie fünf ehemalige Schüler vertreten. Den Kern der Untersuchung bilden Interviews mit ehemaligen Schülern, Patres und weltlichen Angestellten, die zwischen 1945 und 2000 im Stift tätig waren. Dabei wurden 350 Fälle sexueller, körperlicher oder psychischer Gewalt ausgemacht, 24 Personen wurden beschuldigt. Da es sich um keine repräsentative Umfrage handelt, besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Missbrauchsskandal: Unter Korpsgeistern

missbrauch_katholVor fünf Jahren wurde der Missbrauchsskandal öffentlich. Nun beleuchtet ein Kinofilm die kirchlichen Strukturen, die ihn begünstigten. Ein Gespräch über beschädigte Eliten und falsch verstandene Solidarität.


ZEIT ONLINE

Frage: Sie waren Priesteramtskandidat. Dann warfen Sie alles hin und wurden Filmemacher. Ihr erster Spielfilm handelt nun vom Umgang der Kirche mit dem Thema Missbrauch. Warum kommen Sie von der Kirche nicht los?

Gerd Schneider: Sie gehört zu meinem Leben. Als ich an die Filmhochschule ging, kehrte ich ihr nur scheinbar den Rücken. Ich fing an, alles zu hinterfragen, meinen Glauben, meinen Blick auf Kirche, mein Selbstverständnis.

Frage: Wie haben Sie sich als angehender Priester gesehen?

Schneider: Wir hatten alle das Gefühl, Teil einer Elite zu sein, Mittler zu sein zwischen Mensch und Gott. Wir waren ein bisschen wie Soldaten. Wir gehorchten Befehlen und waren stolz auf den Korpsgeist unserer Truppe. Irgendwann hatte ich keine Kraft mehr, weil ich mich nicht mehr damit identifizieren konnte. Da habe ich etwas anderes gemacht.

Frage: In Ihrem Film Verfehlung ist der Korpsgeist genau das Problem: Dominik, ein Priester, hat sich an zwei Teenagern vergangen. Sein Mitbruder Jakob will die Sache aufklären und scheitert an einer Institution, die vor allem mit sich selbst und nicht mit den Opfern solidarisch ist. Ist das typisch katholisch?

Schneider: Nein. Eine derart verzerrte Wahrnehmung liegt in der Natur von Systemen. Da unterscheidet sich die Kirche kaum von einer Investmentbank, die sich keiner Schuld bewusst ist, wenn sie Milliarden verzockt.

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Missbrauch in der Katholischen Kirche”Das hat tiefe Wunden geschlagen”

missbrauch_katholJesuiten-Pater Hans Zollner im Gespräch mit Philipp Gessler


Deutschlandradio Kultur

Hans Zollner, Präsident des Zentrums für Kinderschutz, lieferte die wissenschaftliche Expertise, um mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche umzugehen. Dass Priester gerade das Vertrauen missbraucht haben, habe bei Betroffenen mit die tiefsten Wunden hinterlassen, ist sein Fazit.

Philipp Gessler: Wir wollen das Thema Missbrauch noch einmal vertiefen. Am Donnerstag hatte ich die Chance, mit Prof. Hans Zollner zu sprechen. Der Jesuit ist Präsident des Zentrums für Kinderschutz und des Instituts für Psychologie der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom – er liefert, so kann man das wohl zusammenfassen, für die Weltkirche die wissenschaftliche Expertise, um noch intensiver mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche umzugehen. Denn der Skandal ist ja noch lange nicht vorbei. Zunächst stellte ich ihm eine der ersten Fragen, die sich schon vor fünf Jahren aufdrängte: Hat der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche, nach fünf Jahren der Forschung und Erfahrung, wirklich nichts mit dem Zölibat zu tun, was damals gerade katholische Würdenträger sehr schnell behauptet haben?

Hans Zollner: Sexueller Missbrauch, sexualisierte Gewalt kommt in der ganzen Welt vor und die kommt in allen Berufsgruppen, sie kommt in allen familiären Zusammenhängen vor, die man sich vorstellen kann. Es gibt sicherlich katholische Elemente in dem Missbrauch, den katholische Priester oder Bischöfe verüben.

Gessler: Was wäre das denn zum Beispiel?

“Wo es um Vertuschen und Verschweigen ging”

Zollner: Das hängt zusammen mit einer klerikalen Kultur, die geherrscht hat und die in den Ländern unter Umständen bis heute vorherrscht – wenn wir gerade auf Afrika oder Asien oder Lateinamerika schauen –, die aber in unseren Breiten mittlerweile zusammenbricht oder zusammengebrochen ist, wo es um Vertuschen und Verschweigen ging, wo man die eigene Institution deshalb nicht bloßstellen wollte, weil man Angst hatte, dass dann das Bild der Kirche, das Bild Gottes sozusagen beschmutzt wird. Dass man halt diese religiöse Komponente noch hineingebracht hat, sowohl, wenn Missbrauchstäter Opfer missbraucht haben und sie das sozusagen auch durch die Religion noch sanktioniert haben, also gesagt haben, ich kann gar nichts Böses tun, weil ich ein Priester bin.

Oder wenn es in der Beichte auch zu Übergriffen kam, indem man die eigene Tat sozusagen dem Opfer angelastet hat und das Opfer dann absolviert hat, freigesprochen hat von der Schuld. Es gibt eine klerikale Kultur, in der auch der Schutz der Priester, Mitbrüder, die man kennt, im Vordergrund steht, wo man dann auch zum Teil nicht glauben wollte, wider besseres Wissen, dass ein Priester, mit dem ich in der Ausbildung war, wo man nicht glauben wollte, dass jemand, der als Priester eigentlich dazu da ist, um das Heil zu bringen, Unheil gebracht hat.

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Bischof Ackermann: Lernprozess nach Missbrauchsfällen nicht abgeschlossen

missbrauch_kathol

Fünf Jahre nach dem Missbrauchsskandal sieht der beauftragte Bischof Ackermann vor allem Handlungsbedarf bei der Prävention. Derweil geht die Aufarbeitung in der katholischen Kirche weiter – das Interesse der Opfer, zu reden, ist offenbar groß.


evangelisch.de

Fünf Jahre nach Bekanntwerden zahlreicher Fälle sexuellen Missbrauchs in ihren Reihen steht die katholische Kirche nach Ansicht von Bischof Stephan Ackermann weiter vor großen Aufgaben. Der “Schock der Ereignisse von 2010″ habe einen intensiven Lern- und Entwicklungsprozess angestoßen, “der nicht abgeschlossen ist”, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstag in Berlin. Die aktuelle Herausforderung sieht der Trierer Bischof vor allem darin, in Einrichtungen der Kirche eine “Kultur der Achtsamkeit” zu etablieren, die sexuellen Missbrauch von Minderjährigen verhindert.

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Missbrauch an der Odenwaldschule – Der Kinderschänder und der Gutmensch

Darf man die Rechte der wirklichen Opfer ignorieren? Menschen erfinden, die es nie gab? Ja, man darf, wenn ein so starker Film wie „Die Auserwählten“ über den Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule erzählt.

Von Carin Pawlak—FOCUS ONLINE

Volker ist neu im Internat. Ein bildhübsches Kind, das sein Kuscheltier umschlungen hält, als es gefragt wird, ob es Sport mag. Volker verneint, und der Mann, zu dem er hochsieht, lächelt ihn gütig an und sagt: „Hier wirst du zu nichts gezwungen.“ Volker wird jahrelang von diesem Mann missbraucht werden, Drogen verfallen und sich später das Leben nehmen, auch, weil die eigene Mutter ihm bis zuletzt nicht glauben mag.

Angst und Scham der Opfer

„Ich wollte sprechen, aber ich konnte nicht“, sagt ein Opfer im Film „Die Auserwählten“. Es ist ein Schlüsselsatz, der erklärt, warum sich die Gefühlswelt der Missbrauchten erst nach Jahrzehnten aufschließen wird. Sie hatten Angst, sie schämten sich. Und keiner nahm sie ernst. Bis auf einen Menschen: Petra Grust. Der ARD-Film hat die Figur der Lehrerin Grust erfunden. Das ist einer der Kritikpunkte im Vorfeld der Ausstrahlung. Ein weiterer: Die Persönlichkeitsrechte zweier Opfer würden verletzt. Zudem verharmlose das Dargestellte die wahren Geschehnisse.

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Psycho-Analyse der katholischen Kirche—Alkoholikerfamilie

Manfred_LützManfred Lütz und seine Diagnose über einen speziellen Patienten.

Von Andreas Ottokath.net

Der Gesundheitszustand und die Diagnose haben sich keinesfalls verändert. Schon vor 15 Jahren legte der Kölner Psychiater und Theologe Manfred Lütz eine schonungslose bis unterhaltsame «Psycho-Analyse» der katholischen Kirche vor. Nun hat er ein «Update» seines «Untersuchungsberichtes» mit dem plakativen Titel «Der blockierte Riese» veröffentlicht und vor einigen Tagen in Köln vorgestellt – gemeinsam mit dem Kölner Sozialpfarrer Franz Meurer. Der ist zwar kein ausgewiesener Mediziner, vertritt aber genauso selbstbewusst seine Sekundärmeinung zum Krankheitsfall Kirche.

Missbrauchsskandal, gleich zwei neue Päpste, Tebartz-van Elst – seit dem Erscheinen der Erstauflage 1999 hat sich einiges getan in der katholischen Kirche. Deshalb hat sich Lütz der Mühe unterzogen, den Patienten Kirche im Licht der jüngsten Entwicklungen und neuen Maximen aus Rom auf Herz und Nieren zu prüfen. Seine gewagte Grundthese ist aber gleichgeblieben: Die Befindlichkeit der Kirche sei mit den Zuständen innerhalb einer «Alkoholikerfamilie» zu vergleichen. Diese kennzeichne anstrengende Konflikte und ein erstarrtes Rollengefüge zwischen den einzelnen Familienmitglieder – «und dennoch kommt aus all dem Trubel nichts Kreatives mehr heraus».

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Missbrauch: „Kirche erkennt ihre Schuld noch nicht an“

Dr. Julia Enxing Foto: Studio Wiegel

Tagung am Exzellenzcluster zum Umgang mit Schuld nach dem Missbrauchsskandal

Pressemitteilung des Exzellenzclusters vom 26. Mai 2014

Nach dem Missbrauchsskandal muss die katholische Kirche der Theologin Dr. Julia Enxing vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ zufolge einen neuen Umgang mit der Schuld lernen. „Die 2010 bekannt gewordenen Missbrauchsfälle haben die Kirche tief erschüttert. Die Auseinandersetzung mit ihrer Schuld fällt ihr aber immer noch schwer. Es fehlen Worte und Gesten der Anerkennung der Schuld ebenso wie konstruktive theologische Ansätze“, sagt die Theologin. In vielen Missbrauchsfällen sei Vergebung gefordert worden, bevor Schuld eingestanden worden sei. „Hier wurde der zweite Schritt vor dem ersten getan.“ Enxing kündigt eine Tagung des Exzellenzclusters für Ende Mai an, auf der sich katholische und evangelische Theologinnen und Theologen mit Schuld als Herausforderung für Theologie und Kirche befassen.

Die Kirche müsse ihre Schuld anerkennen und in ihr Selbstbild integrieren, fordert die Fundamentaltheologin. Anders gewinne sie verlorenes Vertrauen nicht zurück. Auch wenn Maßnahmen wie Telefon-Hotlines für Opfer und Runde Tische ergriffen und Entschädigungen bezahlt worden seien, bestünden weiter Tendenzen, eine kollektive Verantwortung der Kirche zu leugnen. Indem sie jedoch Schuld nur als Verfehlung Einzelner verstehe, relativiere sie deren Reichweite.

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Deutsche Bischöfe wollen Missbrauch seit 1945 aufklären

missbrauch_katholKatholische Kirche startet zweiten Anlauf für Studie über sexuelle Übergriffe – erster Versuch gescheitert

Von Birgit BaumannderStandard.at

Beim zweiten Mal soll es klappen. Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben beschlossen, den Missbrauchsskandal in ihren eigenen Reihen wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen.

“Wir wollen Klarheit und Transparenz über diese dunkle Seite in unserer Kirche – um der Opfer willen, aber auch, um selbst die Verfehlungen zu sehen und alles dafür tun zu können, dass sie sich nicht wiederholen”, erklärte der Bischof von Trier, Joseph Ackermann, der auch Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz ist, am Montag bei der Vorstellung des Projekts.

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Deutsche Bischöfe wollen Missbrauch-Forschungsprojekt neu starten

Bild: WAZ

Bild: WAZ

Am Montag wird bekanntgegeben, welcher Forschungsverbund mit der Aufarbeitung des 2010 bekannt gewordenen Missbrauchsskandals beauftragt wird

kathweb

Die katholischen Bischöfe nehmen einen neuen Anlauf bei der wissenschaftlichen Erforschung sexuellen Missbrauchs in der Kirche. Sie wollen am Montag in Bonn bekanntgeben, welchen Forschungsverbund sie mit der Aufarbeitung des 2010 bekannt gewordenen Missbrauchsskandals beauftragen wollen.

Dem Vernehmen nach hatten sich mehrere interdisziplinäre Forschungsverbünde für das Projekt beworben. Ein Beraterkreis um den Missbrauchsbeauftragten der Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, traf die Entscheidung. Anfang 2013 hatten die Bischöfe die Zusammenarbeit mit dem Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer (70) aufgekündigt. Grund für das Zerwürfnis waren unterschiedliche Vorstellungen über den Datenschutz und den im Kirchenrecht vorgesehenen Umgang mit Akten.

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Gaystapo und Katholiban – ein Ausflug ins homophobe Weihrauchmilieu

David Berger, Bild: wikimedia.org

Schwule Männer sehen sich in der Öffentlichkeit zunehmend mit dem Vorwurf einer neuen Christenverfolgung durch die “Homo-Lobby” konfrontiert. Ein deutscher Bischof spricht gar von “Pogromstimmung gegenüber Katholiken”. Ein Ausflug ins homophobe Weihrauchmilieu

Von David BergerTELEPOLIS

Der stämmige Mann auf dem Talkshowsessel des SWR-Nachtcafés kämpft mit den Tränen. Der Deutschtürke Ibrahim Can erzählt davon, wie er im Juli 2008 vom Fenster der Ferienwohnung in Istanbul dabei zuschauen musste, wie sein Geliebter, Ahmed Yildiz von seiner eigenen Familie auf offener Straße hingerichtet wurde; wie er auf die Straße lief, wo sein Freund kurz darauf in seinen Armen starb.

Selbst in Zeiten des Gefühlsfernsehens merkt man den anderen Gästen und dem Moderator die sprachlose Ergriffenheit an. Lediglich die als strenge Vertreterin katholischer Moral geladene Publizistin Gabriele Kuby findet schnell die Sprache wieder. Und hält dagegen: Auch sie habe ein Problem, denn sie sei Christin und in unserer Gesellschaft werde es für Christen “außerordentlich eng”, wenn sie sich gegen Homosexualität aussprechen und sich gegen politische Forderungen Homosexueller zur Wehr setzen. Es könne doch nicht angehen, dass eine Mehrheit für eine Minderheit, dass für ganze 2,5 % Homosexuelle in der Bevölkerung nun alle Christen geopfert würden. Der Wortwechsel ist eine Schlüsselsituation für eine sich in der katholischen Kirche zuspitzende Lage: Man möchte sich selbst zunehmend als Opfer der Homosexuellen sehen, insbesondere der schwulen Männer. Selbst für den Papstrücktritt im letzten Frühjahr machten italienische Medien “schwule Netzwerke” innerhalb des Vatikan verantwortlich, denen der Stellvertreter Christi auf Erden nicht mehr gewachsen gewesen sei.

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Mitgliederschwund der Kirchen kaum aufzuhalten

Bild: Wikimedia Commons/ABF

Bild: Wikimedia Commons/ABF

Soziologe: Schwerer als die kirchlichen Bemühungen wiegen das Wohlstands- und Bildungsniveau.

kath.net

Die christlichen Kirchen in Deutschland müssen nach Einschätzung von Wissenschaftlern selbst bei intensiven Reformbemühungen weiter mit sinkenden Mitgliederzahlen rechnen. «Der Mitgliederschwund ist nahezu unaufhaltsam. Auch Reformsignale von Papst Franziskus und Neuerungen in den evangelischen Landeskirchen halten den Trend nicht auf», erklärte am Donnerstag der Religionssoziologe Detlef Pollack vom Exzellenzcluster «Religion und Politik» der Uni Münster.

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Vollversammlung der Bischöfe: Frauen – pfui Teufel

Bild: dbk.de

Trotz ermutigenden Äußerungen des neuen Papstes: Die katholischen Bischöfe wollen an der Lage der Frauen in der Kirche kaum etwas ändern.

Von Arno Franktaz

Am Freitag geht in Fulda die Vollversammlung der Bischofskonferenz zu Ende. Das höchste Gremium der Katholischen Kirche in Deutschland berät seit Montag turnusgemäß über den 2010 angestoßenen innerkirchlichen Reformprozess. Themen gab es genug für die 67 Weih- und Ortsbischöfe, von Fragen der Bistumspresse bis zur derzeitigen Situation der Christen in Syrien, einem Ursprungsland der christlichen Religion.

Konkret wurden Ergebnisse zu gesellschaftspolitischen Fragen vorgestellt, die zuvor in internen Arbeitsgruppen und Studientagen erarbeitet worden sind. So wurde am Donnerstag das Buch „Als Frau und Mann schuf er sie“ vorgestellt, in dem die Kirche unter Mitwirkung namhafter Theologinnen ihre Position zum „Zusammenwirken von Frauen und Männern in der Kirche“ dargelegt hat.

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Katholische Kirche schreibt Missbrauchsstudie neu aus

Bild: WAZ

Bild: WAZ

Die katholische Kirche hat ihre Anfang des Jahres gescheiterte Studie zur wissenschaftlichen Aufarbeitung des Missbrauchsskandals neu ausgeschrieben.

T-Online

Für das Forschungsprojekt sollen nun Experten verschiedener Fachrichtungen ins Boot geholt werden, teilte die Deutsche Bischofskonferenz am Mittwoch mit. Ziel der Studie sei weiterhin, die sexuellen Übergriffe von Priestern und anderen Geistlichen von 1945 bis heute zu erheben und zu analysieren. Im Januar hatten die Bischöfe eine Missbrauchsstudie mit dem Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer aufgekündigt, weil sie keine gemeinsame Grundlage mehr für eine Zusammenarbeit sahen.

Pädophilie: Die Grünen drücken sich weg

Grünen-Chefin Claudia Roth. Foto: dpa

Vor drei Jahren, auf dem Höhepunkt des Missbrauchskandals in der Katholischen Kirche, sagte Bischof Walter Mixa, die erschütternden Übergriffe von Geistlichen seien auch auf die zunehmende Sexualisierung des Lebens in vergangenen Jahrzehnten zurückzuführen. Für die Äußerung musste er viel verbale Prügel einstecken.

Von Florian HeiderNürnberger Zeitung

Grünen-Chefin Claudia Roth etwa wusste den Brustton der Entrüstung noch um einige Oktaven zu steigern: Verhöhnung der Opfer, billige Entlastungsversuche, schlicht ein Skandal. Vielleicht nicht ganz unberechtigt.

Die Bischöfe haben inzwischen die Aufarbeitung angepackt: Man schaut genauer hin, bietet Anlaufstellen für Opfer an, in einigen Fällen wurden Entschädigungen gezahlt. Die Kirche hat Buße getan und die Hand zur Versöhnung ausgestreckt. Derweil haben die Grünen ihren eigenen Skandal: Alte Geschichten kommen wieder ins Blickfeld: Etwa dass Daniel Cohn-Bendit sich gerne von Kindern die Hose öffnen und habe streicheln lassen oder die jahrelang aufrecht erhaltene Forderung, Sex mit Kindern zu legalisieren. Dazu kommt aber immer wieder Neues: etwa der neulich aufgedeckte systematische Missbrauch von Buben in einer grünen Kommune am Niederrhein.

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Missbrauch: Alice Schwarzer kritisiert Humanistische Union, taz, Grüne und FDP

Bild: wikipedia

Schwarzer kritisiert Grüne, Kreise der FDP, die «Humanistische Union» und auch Medien wie die Berliner «tageszeitung (taz)» CDU-Politiker Armin Laschet: Beim Missbrauchsskandal der katholischen Kirche sei man «nicht so gnädig» gewesen

kath.net

Die Publizistin und Frauenrechtlerin Alice Schwarzer erhebt Vorwürfe gegen die Medien bei der Aufklärung des Pädophilen-Skandals im progressiven Milieu. In einer Talkshow zu Missbrauchs-Fällen in katholischen Internaten habe sie 2010 auch auf den Skandal in der Odenwald-Schule hinweisen wollen, doch ihr sei «hart das Wort abgeschnitten» worden, schreibt Schwarzer am Montag in ihrem Blog. «Es ist gut, dass endlich darüber geredet wird.»

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Wie mit “homosozialen Männerbünden” in der Kirche umgehen?

Bild: heise.de

Jesuit Mertes in “Herder Korrespondenz”: Papst “wird sich hoffentlich nicht einschüchtern lassen” – Kampfbegriff “schwule Lobby” trifft nicht Kern des Problems

kathweb

Was lange nur gemunkelt und bei Offenlegung als Beleidigung des Klerus geahndet wurde, wird unter Papst Franziskus langsam enttabuisiert: Das Problem der homosozialen “Männerbünde” in der Kirche. Von Franziskus selbst in einem Gespräch mit Ordensoberen aus Lateinamerika als “schwule Lobby” bezeichnet, schanzen sich diese Bünde Titel, Positionen und Machtzugänge innerhalb der Kirche zu, erläutert der bekannte deutsche Jesuit und ehemalige Leiter des Berliner Canisius-Kollegs, Klaus Mertes, in der Zeitschrift “Herder Korrespondenz” (August-Ausgabe). Es sei hoch an der Zeit, diese Bünde zu “entmachten”. Dabei werde sich Papst Franziskus “hoffentlich nicht einschüchtern” lassen, so Mertes.

Mertes, der mit einem Brief an ehemalige Kolleg-Schüler 2010 den Anstoß zur Aufdeckung des Missbrauchsskandals gab, zeigt in seinem Beitrag die vielen Fallstricke und Missverständnisse auf, die das Thema homosexueller Seilschaften in der Kirche mit sich bringt. Zum einen müsse anstelle von einer “schwulen Lobby” – einem Begriff “aus dem Arsenal der homophoben Kampfsprache” – vielmehr von einer “männerbündisch verengten” homosozialen Struktur des Klerus gesprochen werden. Offen sei, ob diese Seilschaften, die zugleich eine “frauenfeindliche Außenseite” aufwiesen, tatsächlich aus einer “systematisch aufgebauten Subkultur” in der Kirche hervorgingen.

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»Streifzug durch den Irrsinn der Religion«

Erst der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Später die Debatte um die Pille danach. Und dann kündigt auch noch der Papst seinen Rücktritt an. Es sind ereignisreiche Tage für Jörg Schneider.

Gießener-Allgemeine.de

»Erschreckenderweise hat man seit Jahren viel zu tun, wenn man sich satirisch mit der Kirche auseinandersetzt«, sagt der Gießener. Am Montag, 4. März, erscheint sein neues Buch »So komme ich in die Hölle. Ein Streifzug durch den Irrsinn der Religion« bei U Books. Es sind Sätze wie dieser, mit denen sich Schneider darin in Sachen Religion positioniert: »Religion ist eine unübersichtliche Sache. Den mühsamen Weg des Selberdenkens großräumig umbetend, sollte sie einen aber spätestens dann ins Grübeln bringen, wenn ihre grotesken Glaubenskonstrukte unter Androhung von Höllenfeuer verbieten, an Tagen, die mehr als zwei Vokale oder drei f im Namen tragen, hochkant im Wok geschmolzenes Veganerfleisch zu trinken.« Oder: »Dass man Gott wissenschaftlich nicht widerlegen kann, gilt vielen Gläubigen bereits als Beweis für dessen Existenz. Als einzige Legitimation ihrer infantilen Argumentation dient ein unanfechtbares Wahrheitsmonopol, basierend auf den Überlieferungen frühgeschichtlicher Analphabeten.«

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“Es gibt keine Grundrechte in der Kirche”

Helmut Schüller, Bild: ard

“Frauen in der Kirche” ist eines der Hauptthemen bei der Frühjahrs-Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Trier. Nach wie vor sind diese von Führungsämtern ausgeschlossen. “Das ist absurd”, sagt Protest-Pfarrer Schüller im tagesschau.de-Interview – zumal Frauen einen Großteil der Arbeit erledigen. Mit dem neuen Papst könnte sich aber etwas ändern.

tagesschau.de

tagesschau.de: Das Ansehen der Katholischen Kirche ist zurzeit auf einem Tiefpunkt: Der Umgang mit dem Missbrauchsskandal, die Diskussion um die Pille danach und die Stellung von Frauen sind Gründe dafür. Ist der Ruf der Kirche zu Recht so schlecht?

Helmut Schüller: Das Ansehen der Kirche sinkt, weil die Erwartungen der Menschen an die Kirche immer wieder enttäuscht werden. Vor allem die der Kirchenbasis. Da wird ängstlich verhindert, dass Laien in der Kirche mehr Kompetenzen erlangen. Kaum einer versteht mehr, warum Frauen nicht auch Ämter in der Kirche übernehmen dürfen.

Es gibt keine Grundrechte in der Kirche. Die Weltkirchenleitung gefällt sich darin, eine absolutistische Monarchie zu sein: in der Macht nicht kontrolliert wird, in der Entscheidungen nicht hinterfragt werden können und in der die Betroffenen nicht beteiligt werden. Die Menschen wollen aber eine Kirche, die in ihrer Zeit steht, und nicht ein Relikt aus vergangenen Jahrhunderten.

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Abschied von der Volkskirche – Halleluja!

Bild: Religion Poisons Everything

Bild: Religion Poisons Everything

Der Papst tritt ab und lässt viele Katholiken seiner Heimat resigniert zurück. Die Kirche verliert in der Breite an Relevanz und droht zu einem geschlossenen Club der voll Überzeugten zu werden.

Von Christoph Driessenstern.de

Es war wie im Film: Weißer Rauch steigt empor, ein roter Vorhang geht auf, ein Kardinal kommt heraus. “Habemus Papam” – lange Pause – “Josephum Ratzinger.” Wir sind Papst. Kurzzeitig verfällt Deutschland ins Benedetto-Fieber. Verfolgt die ersten Schritte des Herrn Professors in seinen neuen roten Schuhen, lächelt über die ungelenken Bewegungen, das zaghafte Winken. “Der neue Ratzinger”, titelt “Die Zeit”. Und ja, das kann unmöglich der strenge Präfekt jener berüchtigten Behörde zum Schutz vor Irrlehren und Abweichlern sein, als den man ihn jahrzehntelang abgespeichert hatte.

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