Lichtverschmutzung: So beeinflussen Strassenlampen die nachtaktiven Insekten

Insekten umschwärmen eine Strassenlampe in Bern. (Bild: Lukas Lehmann / Keystone)
WSL und EKZ untersuchen gemeinsam, wie nachtaktive Insekten und auch Fledermäuse von künstlichem Licht beeinflusst werden. Dabei hat sich unter anderem herausgestellt, dass Mücken weniger auf Licht reagieren als etwa Bienen und Ameisen.

Alois Feusi | Neue Zürcher Zeitung

Unnötige Lichtemissionen im Aussenraum seien zu vermeiden. So steht es in der Norm SIA 491 von 2013. Der Begriff «Lichtverschmutzung» ist längst etabliert. Und dass Leuchten, die in besiedelten Gebieten oft die ganze Nacht hindurch strahlen, den menschlichen Tag-Nacht-Zyklus und die Regeneration während des Schlafes beeinträchtigen können, ist hinlänglich bekannt.

Seit einiger Zeit sind nun auch die Auswirkungen der künstlichen Beleuchtung auf die Tierwelt und insbesondere ihr Beitrag zum Insektensterben in den Brennpunkt des Interesses gerückt. Klimawandel, Pestizide und Monokulturen sind mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit die Ursachen des akuten Rückgangs der Insektenpopulationen. Die Beleuchtung kann aber ein zusätzlicher Stressfaktor für nachtaktive Tiere sein.

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Ackerland im Ausverkauf

Feld bei Dienstedt (Thüringen). Foto: Michael Sander / CC BY-SA 3.0
In Ostdeutschland kaufen Investoren große landwirtschaftliche Flächen. Wie kann eine gerechte Verteilung von Ackerböden aussehen?

Susanne Aigner | TELEPOLIS

Rund 70 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland gehören nicht mehr den Bauern, die sie bewirtschaften. Wie weit der Ausverkauf bereits fortgeschritten ist, zeigt eine im November 2017 veröffentlichte Studie am Thünen-Forschungsinstitut.

Der Wissenschaftler Andreas Tietz untersuchte 853 Unternehmen in fünf ostdeutschen Bundesländern daraufhin, wie sich deren Eigentümer-Struktur seit 2007 verändert hat. So waren Anfang 2017 bei jedem dritten Agrarbetrieb ortsfremde, überregional aktive Investoren die Mehrheitseigentümer.

Am höchsten war die Quote mit 41 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern, am zweithöchsten in Brandenburg mit 36 Prozent. Im betrachteten Zeitraum sind in 155 Fällen die Kapitalmehrheiten auf neue Eigentümer übergegangen, wobei zu knapp drei Viertel aller Fälle die Käufer überregional aktive Investoren waren. Jeweils die Hälfte der Fläche entfiel auf landwirtschaftsnahe Investoren, die andere Hälfte auf Investoren aus anderen Wirtschaftsbereichen.

Während sich die Bodenpreise im Westen in den letzten Jahren verdoppelten, haben sie sich im Osten seit 2007 sogar verdreifacht. In Brandenburg zum Beispiel sind die Böden zumeist sandig und wenig ertragreich. Dennoch liegen die Hektar-Preise zwischen 15.000 und 18.000 Euro. Das rechnet sich vor allem für riesige Agrargesellschaften mit tausenden Hektar Land.

Dem Grundstückverkehrsgesetz zufolge müsste der Kauf von Landwirtschaftsflächen eigentlich behördlich genehmigt werden. Damit die örtliche Landwirtschaft weiter bestehen kann, erhalten Bauern aus der Region ein Vorkaufsrecht – normalerweise. Mittlerweile geht das meiste Land allerdings über so genannte Share Deals weg: Anstatt die Ackerfläche direkt zu kaufen, übernimmt der Investor mehrheitlich die Anteile der Agrargesellschaft, der das Land gehört.

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Insektensterben: Der Trend geht zur sauberen Frontscheibe

Wildbienen im Anflug auf den Bienenstock. © DPA
Die Zahl der Insektenarten ist in Deutschland drastisch gesunken. Auch deshalb sind die Biodiversitätsforscher alarmiert: Denn es fehlt noch ein solides Monitoring.

Von Christian Schwägerl | Frankfurter Allgemeine

Im Orbroicher Bruch nordwestlich von Krefeld wiederholt sich jedes Jahr dasselbe wissenschaftliche Schauspiel. Entomologen rücken in das von Wald und Weiden geprägte, rund hundert Hektar große Naturschutzgebiet ein und stellen weiß leuchtende Zelte auf. Malaise-Fallen heißen die Installationen. Sie sind benannt nach dem schwedischen Insektenkundler René Malaise. Dieser hat sie nicht etwa dafür entwickelt, lästige Mücken zu töten, sondern dafür, einen wissenschaftlich fundierten Überblick über die Insektenfauna eines Gebiets bekommen zu können.

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Kakao gibt es seit zehn Millionen Jahren

Kakaofrucht und geröstete Kakaobohnen: Kakaopflanzen gibt es schon seit zehn Millionen Jahren. © gemeinfrei
Überraschend alte Leckerei: Kakaobäume gibt es schon seit zehn Millionen Jahren, wie genetische Analysen zeigen. Für die Schokoladenindustrie könnte diese lange Geschichte ein Segen sein, meinen Wissenschaftler: Die seither entstandenen genetische Variationen könnten widerstandsfähigere Kakaopflanzen und sogar neue Geschmacksrichtungen hervorbringen.

scinexx

Ob als Schokolade oder heißes Getränk – vom Kakaobaum Theobroma cacao stammt eines der beliebtesten Genussmittel der Welt. Schokolade macht bekanntermaßen glücklich, und Inhaltsstoffe im Kakao helfen gegen Stress und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und halten außerdem das Gedächtnis fit. Auch wegen des begehrten Aromas ist die Nachfrage nach Kakaobohnen gewaltig, der weltweite Bedarf liegt bei mehreren Millionen Tonnen im Jahr.

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Artenschutz braucht Darwin

Dominanter Selektionsfaktor Durch industriellen Fischfang, wie hier in Schottland, wird der Genpool einer Art nachhaltig gestört – eine simple Schutzzone oder Quotenregelung genügt meist nicht, um die Bedrohung der Art abzuwenden. Bild: © John Lord (yellow book) / CC-by-2.0 CC BY
Der Mensch dominiert die Selektion auf diesem Planeten. Wer evolutionäre Prinzipien außer Acht lässt, sagen Biologen, kann daher beim Artenschutz nur scheitern.

Von Juliette IrmerSpektrum.de

Hunderttausende, Millionen, gar Milliarden Jahre – wer über Evolution redet, braucht geologische Zeitskalen. Bestenfalls im Museum wird der Prozess anschaulich. Und eins ist doch gewiss sicher: Ein Menschenleben reicht bei Weitem nicht aus, um die Veränderung einer Art mitzuerleben.

Oder etwa doch? „Manche Arten verändern sich innerhalb von wenigen Jahrzehnten“, sagt Klaus Schwenk vom Institut für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau, „das lässt sich heute messen.“ Hinter der Turboevolution steckt oft eine sich verändernde Umwelt. Und hinter dieser meist – direkt oder indirekt – der Mensch. Wir holzen Regenwälder ab, legen Monokulturen an, plündern die Meere, verschmutzen Gewässer und verändern das Klima.

All das wirkt auf Flora und Fauna. So sehr, dass sich Evolutionsbiologen gezwungen sahen, einen neuen Begriff einzuführen: Sie unterscheiden heute zwischen der natürlichen und der menschengemachten Auslese, der anthropogenen Selektion.

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Anthropozän: Als der Mensch zur Naturgewalt wurde

Bild: br.de
Der Wissenschaftler Paul Crutzen hat als Erster erkannt, dass der Mensch stärkster Treiber für die Zerstörung der Erde ist und nannte das Phänomen „Anthropozän“. Zeit, umzudenken

Von Michael MüllerZEIT ONLINE

Alexander von Humboldt, einer der größten Entdecker und Naturforscher des 19. Jahrhunderts, hat geschrieben, man müsse die Erscheinung der Dinge in ihrem Zusammenhang sehen, um alles Geschaffene im Himmel und auf der Erde zu verstehen.

Dinge in ihrem Zusammenhang zu sehen – das tun wir heute eher selten; es ist die Tragik unserer Zeit, dass Spezialisten die Wirklichkeit in winzige Teile zerlegen und die Öffentlichkeit sich in der Kurzfristigkeit des Augenblicks verliert. Kritische Theorien, die gesellschaftliche Entwicklungen längerfristig zu deuten versuchen, werden dabei an den Rand gedrängt.

Umso wichtiger ist es, sich an einen Menschen zu erinnern, der die Erde nach Humboldtschem Prinzip neu vermessen hat: Paul Crutzen heißt er, lange Jahre war er Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. 1995 hat der Niederländer mit Mario Molino und Frank Sherwood Rowland für die Erforschung des Ozonabbaus den Nobelpreis für Chemie erhalten.

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