Mutmaßlicher Taliban im oberbayerischen Dorfidyll

 Die Idylle im oberbayerischen Schnaitsee ist zurzeit etwas getrübt. (Foto: Gemeinde Schnaitsee/oh)
Die Idylle im oberbayerischen Schnaitsee ist zurzeit etwas getrübt. (Foto: Gemeinde Schnaitsee/oh)
  • In Oberbayern wurde ein junger Mann festgenommen, der als Mitglied der Taliban an einem Mord beteiligt gewesen sein soll.
  • Der 20 Jahre alte Afghane hat zuletzt in einer Flüchtlinglingsunterkunft in Schnaitsee gelebt.
  • In dem Dorf war der Mann sehr engagiert und hilfsbereit – umso betroffener sind die Bewohner nun nach seiner Festnahme.

Von Matthias Köpf | Süddeutsche.de

In den jungen Mann aus Afghanistan haben die Flüchtlingshelfer in Schnaitsee große Hoffnungen gesetzt. Er habe im Deutschkurs gute Fortschritte gemacht, sich auch außerhalb des Unterrichts viel selber beigebracht und viele andere Flüchtlinge, die noch nicht so weit waren, oft als Übersetzer unterstützt. So erzählt es Wolfgang Bachleitner vom Helferkreis in Schnaitsee (Landkreis Traunstein). Er und seine Mitstreiter sind wegen des jungen Mannes jetzt aber besonders gefordert, denn nicht nur die anderen Asylbewerber haben seit einigen Tagen viel Gesprächsbedarf, seit der 20-jährige Abdol S. festgenommen wurde.

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Erweiterte DNA-Analysen sollen bei Mordaufklärung helfen

Bild: 4ever.eu
Bild: 4ever.eu
Baden-Württemberg will, dass zukünftig DNA-Material zur Feststellung von Augen-, Haar- und Hautfarbe verwendet werden kann, was umstritten und zuverlässig unmöglich ist

Von Ralf Streck | TELEPOLIS

Der Mord an einer Freiburger Studentin hat die Gemüter nicht nur in Südwestdeutschland schwer erregt. Seither tobt eine Debatte, die in der Stadt der sogenannte „Bund gegen Anpassung“ forciert hat, der sofort in einem breit verteilten Flugblatt in Richtung der Flüchtlinge nach den Tätern Ausschau hielt. Der behauptete, man könne per „DNA-Analyse ganz leicht“ den Täter eingrenzen: „Nichts ist so leicht durch DNA-Analyse zu ermitteln wie die Rasse.“ Zwar schmückt sich die Gruppe mit Hammer und Sichel, doch aus ihrer rechtsradikalen Gesinnung machen die Fans des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein keinen Hehl, die einst auch die Republikaner unterstützt haben. Doch über den Freiburger Polizeichef ist der Vorstoß schnell in die Landesregierung gelangt. Und Justizminister Guido Wolf (CDU) hat nun eine entsprechende Bundesratsinitiative auf den Weg gebracht.

Wolf hatte bereits im Rahmen der Ermittlungen und der Festnahme eines mutmaßlichen afghanischen Flüchtlings Anfang Dezember mehr Möglichkeiten bei der Auswertung von DNA-Spuren gefordert, was bislang unmöglich und auch ethisch bedenklich ist. Und schon damals hatte er diese Initiative angekündigt. Der Freiburger Polizeipräsident Bernhard Rotzinger erklärte im vergangenen Dezember, eine umfassendere Auswertung von DNA-Spuren bei Fahndungen hätte der Polizei bei der Tätersuche im Fall Maria „massiv geholfen“. Und er fügte hinzu: „Wir hätten wesentlich konzentrierter die Ermittlungen vorantreiben können.“

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NSU-Komplex: Uwe Böhnhardt und der Tod eines neunjährigen Jungen

 Uwe Böhnhardt im Herbst 1996 in Erfurt. Etwa zwei Jahre zuvor untersuchte die Polizei seine mögliche Verbindung zu einem Kindermord in Jena Quelle: ddp images/dapd/privat
Uwe Böhnhardt im Herbst 1996 in Erfurt. Etwa zwei Jahre zuvor untersuchte die Polizei seine mögliche Verbindung zu einem Kindermord in Jena Quelle: ddp images/dapd/privat
Bis heute ist Uwe Böhnhardts Rolle beim Mord an dem neunjährigen Bernd Beckmann in Jena ungeklärt. Wie schon oft im NSU-Komplex zeigen Aktenfunde: Ermittler verfolgten wichtige Spuren schlichtweg nicht.

Von Dirk Laabs | DIE WELT

Uwe Böhnhardt, mutmaßlich eines der Kernmitglieder der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), geriet 1994 in das Visier einer Jenaer Mordkommission. Die versuchte damals, den Mord an dem neunjährigen Bernd Beckmann aufzuklären. Aus Ermittlungsakten, die der „Welt“ vorliegen, geht hervor, dass Böhnhardt für die Tat kein Alibi hatte und das als konkrete Spur in dem Fall bearbeitet wurde.

Die Polizei nahm ihm damals Haarproben ab, um sie mit DNA-Spuren am Fundort der Kindesleiche abzugleichen. Die Ermittlungen in Richtung Böhnhardt, auch das wird aus den Akten klar, wurden damals jedoch nicht gründlich genug geführt. Bisher war öffentlich nur bekannt, dass ein Freund des Rechtsradikalen lange als einer der Hauptverdächtigen in dem Fall galt. Dass Böhnhardt selber kein Alibi für die Tat hatte, ist neu.

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Kiesewetter-Mord: Bundesanwaltschaft verweigerte Ermittlern Akten

Grafik:TP
Grafik:TP
„Waren zum Zeitpunkt des Anschlages auf die zwei Polizeibeamten in Heilbronn im April 2007 zwei FBI-Agenten am Tatort Theresienwiese und wurden Zeugen der Schüsse?“ Diese Frage, der der NSU-Untersuchungsausschuss II (UA) des Landtags von Baden-Württemberg bei seinen letzten Sitzungen nachgegangen war, hat er jetzt erst einmal zurückgestellt.

Von Thomas Moser | TELEPOLIS

Er wartet auf eine schriftliche „Sachverhaltsdarstellung“ des Bundesnachrichtendienstes (BND), wie der Ausschussvorsitzende Wolfgang Drexler, SPD, gegenüber der Presse erklärte. Danach wolle man entscheiden, ob weitere Zeugen gehört werden sollen. Der BND soll im Dezember 2011 nach dem Auffliegen des NSU von US-Seite die Information über die Anwesenheit der zwei FBI-Agenten beim Polizistenmord bekommen und ein Gesprächsangebot abgelehnt haben. Das geht aus einem behördeninternen Schriftwechsel hervor, den Telepolis veröffentlicht hat.

Bei der letzten UA-Sitzung im Dezember 2016 bestritt der frühere BND-Präsident Ernst Uhrlau in nicht-öffentlicher Sitzung den Sachverhalt. Bisher seien die Inhalte der Schreiben von keinem BND-Beamten bestätigt worden, hieß es im Ausschuss. Uhrlau damit zu konfrontieren, dass die Briefe seine Unterschrift tragen, kam den Abgeordneten offensichtlich nicht in den Sinn.

Tatsache ist, dass es zur FBI-Frage weitere Zeugen gibt, die sich gemeldet haben und die auch der Ausschuss kennt. Der Bericht des BND wird in diesen Tagen erwartet.

Gleichwohl befragte der Ausschuss einen Vertreter des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) namens „Michael Ackrath“ dennoch nach der FBI-Spur. Vielleicht, weil dessen Antwort zu erwarten war. Er gab die Auskunft des Amtes gegenüber dem Bundestag wieder, man habe „keine Erkenntnisse über die Anwesenheit von US-Diensten oder anderen Geheimdiensten“ am Tattag in Heilbronn. Die Mehrheit des Ausschusses bezweifelt die FBI-Spur und hätte das Thema lieber gestern als heute vom Tisch.

Stark 20 Minuten konnte das Publikum dem BfV-Mann zuhören, der nur hör-, aber nicht sichtbar in einem Nebenraum befragt wurde, ehe die Befragung gänzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit weitergeführt wurde. Dieser Teil dauerte dann fast zwei Stunden. Über den Inhalt erfuhr man nichts.

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Gedenken an Hrant Dink: Weil er von Völkermord sprach

© EPA Reverenz an Hrant Dink im Gorki Theater: Can Dündar (Mitte) singt mit zwei Schauspielern
© EPA Reverenz an Hrant Dink im Gorki Theater: Can Dündar (Mitte) singt mit zwei Schauspielern
Vor zehn Jahren wurde der türkisch-armenische Journalist Hrant Dink ermordet. Im Berliner Gorki-Theater erinnert Can Dündar an seinen Freund, den die Nationalisten hassten.

Von Karen Krüger | Frankfurter Allgemeine

Wer mit liberal gesinnten Türken über den im Jahr 2007 ermordeten Journalisten Hrant Dink spricht, dem begegnen stets drei Worte: Behutsamkeit, Menschlichkeit und Mut. Mutig war Hrant Dink, weil er am Tabu des Genozids an Armeniern rührte – niemals anklagend und fordernd, sondern immer behutsam und um Versöhnung bemüht. Der armenisch-türkische Journalist war davon überzeugt, dass der Schrecken des Genozids auch für die türkische Bevölkerung eine traumatische Erfahrung war, die nur mit Dialog und Menschlichkeit geheilt werden kann.

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Hass auf Religion: Mitbewohnerin ermordet

(Quelle: dpa)
(Quelle: dpa)
Horror-WG in Freiburg: Nach nur neun Tagen gemeinsamer WG ermordete ein heute 25-Jähriger seine Mitbewohnerin. Der Grund: Sie war religiös und kirchlich engagiert. Der Mann sitzt in Freiburg auf der Anklagebank. Als Vorbild nannte er den Serienmörder aus dem Kinofilm „Das Schweigen der Lämmer“.

heute.de

Kontakte zu Menschen sind ihm ein Graus, als seine Leidenschaft nennt er gewaltverherrlichende Videospiele und entsprechende Filme. Sein Zimmer in der Studenten-Wohngemeinschaft in Freiburg hat er kaum verlassen, meist saß er vor dem Bildschirm.

Familie der Getöteten im Gerichtssaal

Es ist ein düsteres Bild, das ein Mordprozess in Freiburg zeichnet. Vor dem dortigen Landgericht muss sich seit Donnerstag ein junger Mann verantworten. Er gibt zu, vor fünf Monaten seine 31 Jahre alte Mitbewohnerin ermordet zu haben. Sein Motiv: Die Religiosität der Frau. Dafür habe er Hass und Verachtung empfunden.Der junge Mann, der vor wenigen Tagen 25 Jahre alt geworden ist, wird in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Im vergitterten Krankenwagen ist er nach Freiburg gebracht worden – wegen Suizidgefahr ist er seit seiner Festnahme im Gefängniskrankenhaus Hohenasperg untergebracht.

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Türkei: Gülenist oder Dschihadist?

Eine Türkin trägt zum Blumenmeer vor dem russischen Konsulat in Istanbul bei. Foto: AF
Eine Türkin trägt zum Blumenmeer vor dem russischen Konsulat in Istanbul bei. Foto: AF
In Ankara geht die Suche nach Motiven für den Mord an dem russischem Botschafter weiter. Gegensätzliche Schuldzuweisungen stiften Verwirrung und Unklarheit über mögliche Hintermänner.
 

Von Frank Nordhausen | Frankfurter Rundschau

Wer steckt hinter dem Attentat auf den russischen Botschafter Andrej Karlow am Montagabend in Ankara? Gegensätzliche Schuldzuweisungen stiften zunehmende Verwirrung und Unklarheit über mögliche Hintermänner des Anschlags. Während die türkische Regierung kurz darauf die „üblichen Verdächtigen“ aus der sogenannten Gülen-Bewegung dafür verantwortlich machte, hat sich nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Sputnik am Mittwoch die syrische Dschihadistenmiliz Jabhat Fatah al-Sham, die frühere al-Kaida-nahe Al-Nusra-Front, zu dem Mord bekannt. Die Authentizität des Bekenntnisses wurde jedoch umgehend bezweifelt. Unterdessen verweisen Regierungskritiker in der Türkei auf zahlreiche Ungereimtheiten der offiziellen Darstellung. Karlow war vor laufenden Kameras erschossen worden, als er bei der Eröffnung einer türkisch-russischen Fotoausstellung eine Ansprache hielt.

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Merkel fordert „Mörder ganz deutlich zu benennen“

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Erstmals äußert sich die Kanzlerin zu dem Mord an einer Studentin in Freiburg. Wenn der Täter ein Flüchtling war, so müsse das offen gesagt werden. Zudem warnt Merkel vor pauschaler Verurteilung.

DIE WELT

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat im Zusammenhang mit dem Mordverdacht gegen einen jungen Afghanen in Freiburg vor einer Verurteilung aller Flüchtlinge gewarnt. „Wenn es sich herausstellen sollte, dass es ein afghanischer Flüchtling war, dann ist das absolut zu verurteilen, genauso wie bei jedem anderen Mörder, aber auch ganz deutlich zu benennen“, sagte Merkel in einem Interview der ARD-„Tagesthemen“.

„Und dann sage ich, dass damit aber nicht die Ablehnung einer ganzen Gruppe verbunden sein kann, so wie wir auch sonst nicht von einem auf eine ganze Gruppe schließen können.“

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Ein gefärbtes Haar führte zur heißen Spur

© dpa Großen Andrang gab es bei der Pressekonferenz, bei der die Polizei am Samstag die Festnahme bekanntgab. Die wird jetzt Diskussionsstoff bieten.
© dpa Großen Andrang gab es bei der Pressekonferenz, bei der die Polizei am Samstag die Festnahme bekanntgab. Die wird jetzt Diskussionsstoff bieten.
Nach den Morden in Freiburg hat die Polizei einen 17 Jahre alten afghanischen Flüchtling festgenommen. Seine Frisur hatte ihn verraten. Der Fall wird Stoff für eine Debatte sein.

Von Rüdiger Soldt | Frankfurter Allgemeine

Noch am Freitagvormittag hatte Martin Jäger (CDU), Staatssekretär im baden-württembergischen Innenministerium, in Freiburg angekündigt, in die durch zwei Sexualmorde aufgewühlte Stadt 25 zusätzliche Bereitschaftspolizisten zu schicken. Um 12.30 Uhr des gleichen Tages konnte die Polizei dann den mutmaßlichen Mörder der 19 Jahre alten Medizinstudentin Maria L. im Freiburger Stadtteil Littenweiler festnehmen: Es handelt sich um einen 17 Jahre alten afghanischen Flüchtling, der in einer Familie lebt; er war als sogenannter „unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling“ (UMA) 2015 in die südbadische Studentenstadt illegal eingereist.

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Kriegspfarrer: „Not lehrt beten“

 Feldgottesdienst 1941. Foto: Bundesarchiv, Bild 146-2005-0193 / Henisch / CC-BY-SA 3.0
Feldgottesdienst 1941. Foto: Bundesarchiv, Bild 146-2005-0193 / Henisch / CC-BY-SA 3.0
Am 22. Juni 1941 überfiel die Wehrmacht die Sowjetunion, in der Folge ermordeten deutsche Einsatzgruppen Juden, Kommunisten, Sinti und Roma, außerdem führten Deutsche und Sowjetbürger einen brutalen Partisanenkrieg. Die Historikerin Dagmar Pöpping hat sich mit evangelischen und katholischen Geistlichen beschäftigt, die als Kriegspfarrer an den Ostfeldzügen teilnahmen. Beim 16. Historikertag hat sie einige Forschungsergebnisse vorgestellt.

Von Ulrike Heitmüller | TELEPOLIS

Im Zweiten Weltkrieg gab es insgesamt 1342 Planstellen für Kriegspfarrer, das waren Geistliche, die für die Dauer des Krieges als Wehrmachtbeamte im Auftrag des Staates für die psychologische Vermittlung der deutschen Kriegsziele bei den Soldaten zuständig waren und in Predigten und Seelsorge die „Kampfkraft der Truppe“ stärken sollten.

Dagmar Pöpping untersucht explizit deren subjektives Erleben. Ihre Studie basiert auf Tagebüchern, Briefen und Berichten. Die Rolle der Kriegspfarrer an der Ostfront, so Pöpping, ist mit dem Begriff „Gehilfen der Vernichtung“ unzureichend beschrieben, denn diese hatten eine eigene Agenda, nämlich die Vernichtung des Bolschewismus und die Re-Christianisierung der Sowjetunion. Außerdem waren sie am Amt als Kriegspfarrer interessiert, weil sie so sehr schnell und unkompliziert in den Offiziersstand aufsteigen konnten. Ihr Buch Kriegspfarrer an der Ostfront – Evangelische und katholische Wehrmachtseelsorge im Vernichtungskrieg 1941-1945 soll am 5. Dezember 2016 erscheinen, kann aber jetzt schon bestellt werden.

Kriegspfarrer an der Ostfront – ein ungewöhnliches Thema. Wie kamen Sie darauf? Hatten sie eine ideologische Motivation für Ihre Untersuchung?
Dagmar Pöpping: Ich habe mich gefragt, wie erklärte Christen mit einer Situation umgegangen sind, in der sie zu unmittelbaren Zeugen von Massenverbrechen wurden, die ein Staat zu verantworten hatte, der ihr Arbeitgeber war.
Sie sind an der evangelisch-theologischen Fakultät tätig, sind Sie Theologin?
Dagmar Pöpping: Nein, ich bin Historikerin bei der Forschungsstelle für Kirchliche Zeitgeschichte der Evangelischen Kirche in Deutschland mit Sitz an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ich habe die Frage nicht aus der Perspektive einer Theologin gestellt. Mich interessierte der heute als Skandal wahrgenommene Gegensatz von christlicher Moral und dem Rasse- und Vernichtungskrieg von Wehrmacht und Einsatzgruppen an der Ostfront.

Deutschland klagt syrischen Rebellen wegen Kriegsverbrechen an

foto: reuters/muzaffar salman Kämpfer der
foto: reuters/muzaffar salman Kämpfer der „Ghoraba as-Sham“ beim Basteln, Al-Sakhour, Aleppo, Juni 2013.
Die deutsche Bundesanwaltschaft hat den Syrer Ibrahim Al F. vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf wegen Kriegsverbrechen und erpresserischen Menschenraubes angeklagt, wie die „Zeit“ am Donnerstag berichtete.
 

derStandard.at

Ihm wird laut Pressemitteilung vorgeworfen, als Kommandant einer 150-köpfigen Stadtteilmiliz, die zu der Gruppierung Ghoraba as-Sham (übersetzt: Die Fremden von Syrien) gehörte und Teil der Rebellengruppe Freie Syrischen Armee (FSA) war, spätestens ab Sommer 2012 einen Stadtteil im Nordosten der Stadt Aleppo kontrolliert zu haben. Dort hätten sich die Milizionäre an Plünderungen beteiligt und zwei Bewohner eines angrenzenden Stadtteils, die ihr Viertel davor schützen wollten, in ihre Gewalt gebracht.

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Anleitung für TV-Volksrichter

Haben Sie auch bei „Terror“ mit gestimmt? Nach welchen Kriterien? Fühlten Sie sich in der Lage, nach 80 Minuten ein Urteil zu fällen? Oder waren Sie unsicher? Für das nächste Mal sollten Sie vorbereitet sein, wenn es wieder heißt Freispruch oder Lebenslang. Hier eine Anleitung für Laien. Strafrechtler dürfen die Kolumne überspringen oder mir widersprechen, wenn was falsch sein sollte.

Von Heinrich Schmitz | DIE KOLUMNISTEN

Dem TV-Publikum eine Rechtsfrage zu stellen, wäre ja grundsätzlich okay. Am vergangenen Montag durfte jeder, der wollte, – und der bei der Votingline durchkam – sein Urteil sprechen. Zu Beginn der Sendung wurde er zum Schöffen ernannt, egal ob er das im richtigen Leben auch hätte werden können oder nicht. Egal, ob er die Sendung nüchtern betrachtete oder mit glasigen Augen mit richtete. Sieht man ja nicht. Es wurde ihm auch nicht verraten, dass “in echt” 3 Berufsrichter und nur 2 Schöffen in so einem Gericht entscheiden, das hätte vielleicht die Motivation zerstört.  Die meisten ließen sich durch das Spiel, das viele mit blutigem Ernst diskutierten, dazu verleiten, sich für Freispruch zu entscheiden. Begründen mussten sie das nicht. Da sprach das TV-Volk ein Urteil. Dass alleine das ein ziemlich gefährliches Spiel ist, hatte ich bereits am Dienstag in einer Kolumne für den Tagesspiegel begründet.

Im richtigen Leben wird die Frage, ob ein Angeklagter zu verurteilen ist, nicht einfach so aus dem Bauch entschieden. Die Prüfung einer Straftat erfolgt nach bestimmten Regeln. Die möchte ich Ihnen gerne etwas näher bringen, damit Sie demnächst, wenn es vielleicht um einen Folterer geht, der Informationen aus einem islamistischen Unhold heraus foltern möchte, besser gerüstet sind.

Damit es zu einer Verurteilung kommen kann, muss ein Straftatbestand in rechtswidriger und schuldhafter Weise erfüllt sein.

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Indien: Unbekannte ermorden christlichen Lokalpolitiker

Massiv beanstandete Unterhose mit Ganesha-Abbildung (Foto: spreadshirt.de)
Massiv beanstandete Unterhose mit Ganesha-Abbildung (Foto: spreadshirt.de)
In der indischen Metropole Chennai (Bundesstaat Tamil Nadu) haben Unbekannte einen christlichen Lokalpolitiker ermordet.
 

kath.net

Wie die Zeitung „Times of India“ berichtet, ereignete sich die Tat am 2. Oktober. Das Opfer – ein 34-Jähriger, der nur unter dem Namen Dhanasekharan bekannt war – betete gerade in der pfingstkirchlichen Gemeinde, zu der er gehörte. Als sein Telefon klingelte, ging er hinaus. Dort attackierte ihn eine Gruppe von Männern mit Messern und Sicheln. Anschließend flohen die Täter auf Motorrädern. Der verheiratete Vater zweier Kinder erlag noch vor Ort seinen schweren Verletzungen.

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Über Luther, den Adel und die Juden – eine Anmerkung zum Schweigen der Evangelischen Kirche

Bild: HOFFMANN UND CAMPE Autor: Jutta Ditfurth Titel: Der Baron, die Juden und die Nazis ISBN: 978-3-455-50394-4
Bild: HOFFMANN UND CAMPE
Autor:
Jutta Ditfurth
Titel:
Der Baron, die Juden und die Nazis
ISBN:
978-3-455-50394-4

Im kommenden Jahr ist der Höhepunkt der Lutherdekade, einer zehnjährigen Reihe von Veranstaltungen, Ausstellungen und Festakten. Finanziert wird die Sache u.a. von Evangelischer Kirche und Staat. Kaum eine Rolle spielt Luthers Hass auf die Juden und auf aufständische Bauern. Deshalb hier eine Anmerkung:

Von Jutta Ditfurth

[…] Ganz Realpolitiker, schlug Luther sich am Ende auf die Seite der Sieger, der Fürsten. Der Protestantismus diente ihren Interessen. Knapp 400 Jahre sollte es so noch dauern, bis die Herrschaft der adligen Großgrundbesitzer über Leute und Land abgeschafft sein würde. Während Luther sich der christlich-adligen Obrigkeit andiente, hetzte er gegen die Juden, voller Wut auch darüber, dass sie sich von ihm, dem großen Reformator, nicht hatten missionieren lassen. In seinen frühen Jahren hatte er noch bemängelt, dass man von den so »viehisch traktierten« Juden nicht erwarten könne, dass sie sich zum Christentum bekannten. Der ältere Luther marschierte mit ungeheurer Wucht in die Schlacht gegen die Juden.

Es war die Zeit, in der die alten antisemitischen Stigmata – Ritualmord, Hostienschändung, Brunnenvergiftung, Mord an christlichen Kindern – auch von anderen Autoren und Rednern neu belebt wurden. Katholische Orden wie die Dominikaner stachelten den Hass gegen die Juden auf, etwa Jakob von Hochstraten, ein fanatischer Verfechter der Inquisition. Texte wie die des katholischen Theologen Johannes von Eck entstanden, aus denen sich später nicht nur Julius Streicher für seinen Stürmer bediente. Die Juden sollten Zeichen tragen, waren es nicht wert, als Zeuge gegen Christen aufzutreten, sollten kein Gewerbe ausüben dürfen, sich aber zwingen lassen, christliche Predigten anzuhören.

Luther schrieb derb, brutal und von keinerlei Weltläufigkeit angehaucht, wie sie manch klügeren Kopf in den großen Städten Europas beeinflusste. Er lebte »in einer Krähwinkelstadt« und hatte sich dort »in ein enges Gehäuse eingesponnen«, wo er »jedem Klatsch gegen die Juden sein volles Ohr« lieh. Alles missionstaktische Verständnis für die miese Lage der verstockten Juden verflüchtigte sich. Er saugte jeglichen Antisemitismus seiner Zeit begierig auf, reicherte ihn an, um ihn schließlich mit seinen Schmähschriften Über die Lügen der Juden (1542/43)46 und Vom Schem Hamphoras und vom Geschlechte Christi (1544) hochgiftig konzentriert wieder auszuspeien.

In den Lügen der Juden schrieb er: »Was klagen die Juden über harte Gefangenschaft bei uns, wir Christen sind beinah 300 Jahre lang von ihnen gemartert und verfolgt, daß wir wohl klagen möchten, sie hätten uns Christen gefangen und getötet. Dazu wissen wir noch heutigen Tages nicht, welcher Teufel sie in unser Land gebracht hat. […] Land und Straßen stehen ihnen jetzt offen, mögen sie ziehen in ihr Land, wir wollen gern Geschenke dazu geben, wenn wir ihrer los wären, denn sie sind uns eine schwere Last, wie eine Plage, Pestilenz und eitel Unglück in unserem Lande sind.«

Fast höhnisch zählte Luther auf, wo und warum die Juden überall vertrieben worden seien. Der »Reformator« machte praktische Vorschläge, wie man gegen die Juden vorgehen könne: Er empfahl, ihre Synagogen zu verbrennen, ihre Bücher zu beschlagnahmen, ihre Gebete zu verbieten, sie zu harter körperlicher Arbeit zu zwingen, die Fürsten sollten sie aus ihren Ländern austreiben und die Obrigkeit und die Pfarrer überall ihre Pflicht gegen die Juden tun und ihre Gemeinden mit giftigem Hass gegen die Juden erfüllen. Wenn ich Gewalt über die Juden hätte, sagte er, würde ich ihre Gelehrten und Besten versammeln und ihnen mit der Androhung, »ihre Zungen hinten am Halse herauszuschneiden, den Beweis auflegen, daß das Christentum nicht einen einzigen Gott, sondern drei Götter lehre«. Wenn die Juden »uns könnten alle töten, so thäten sie es gerne und thun es auch oft, sonderlich die sich vor Ärzte ausgeben«.

Die alten katholischen, oft sophistischen Reden gegen die Juden waren abgenutzt, die Sprache des Begründers des Protestantismus aber war neu, volkstümlich und wirkungs- voll. Robert Schlickewitz: »Die Stimmführer des Katholicismus verlangten von ihnen lediglich Unterwerfung unter die kanonischen Gesetze, gestatteten ihnen aber unter dieser Bedingung den Aufenthalt in den katholischen Ländern. Luther aber verlangte ihre vollständige Ausweisung. Die Päpste ermahnten öfter, die Synagogen zu schonen; der Stifter der Reformation dagegen drang auf deren Entweihung und Zerstörung.« Luther trug »die Schuld daran, daß die protestantischen Fürsten sie bald aus ihren Gebieten ver- wiesen«.

In seiner Streitschrift Schem Hamphoras verwünschte Luther die Juden noch rasender: »Denn es ist ebenso möglich, die Juden zu bekehren, wie den Teufel zu bekehren. […] Denn ein Jude oder jüdisch Herz ist so stock-, eisen-, teufelshart, dass es mit keiner Weise zu bewegen ist. […] Summa, es sind junge Teufel, zur Hölle verdammt«.

Er veröffentlichte wahnwitzige Phantasien über die Zauberkünste der Juden, über die Verwandlung ihres Kotes und ihres Urins in Scharfsinnigkeit und dergleichen mehr. Hetzbilder, die in der deutschen Romantik wieder auftauchen sollten. Luther nahm Einfluss auf die Entscheidungen in Sachsen, Brandenburg und Schlesien, die Lage der Juden zu verschlechtern. »Er hat in Wahrheit unsere Lage sehr gefährlich gemacht!«, schrieb Josel von Rosenheim (1476– 1554), ein berühmter Verteidiger der jüdischen Gemeinden in religiösen und Rechtsfragen seiner Zeit.

»Vor die Entscheidung gestellt«, schreibt Léon Poliakov, »verbündete er [Luther] sich mit den Mächtigen dieser Welt, den Fürsten, da von ihnen die Zukunft der Reformation abhängt. Dadurch wurde die schöne Reinheit seiner Lehre getrübt; auf jeden Fall muss er sich mit all dem in seinem Namen vergossenen Blut und mit all den so begangenen Verbrechen abfinden. […] der inneren Freiheit stellt er die unwandelbare, durch Gott eingesetzte Ordnung der Dinge der Welt entgegen. Die Pflicht zum Gehorsam schiebt sich an die erste Stelle; der Christ muss ein zuverlässiger und gehorsamer Untertan bleiben. So führt […] die totale Freiheit zu einer totalen Verknechtung. Der Erzengel des Aufruhrs wandelt sich in einen verbitterten und despotischen Spießbürger.«

In Preußen setzten sich Reformation und Luthertum durch und damit eine jahrhundertelange Erziehung zu unbedingtem, vermeintlich gottbefohlenem Gehorsam, diese mörderische Seite »deutscher Leitkultur«, die so viele Kinder und junge Leute zerbrach.

Quellen im Buch.

Auszug aus:
Der Baron, die Juden und die Nazis. Adliger Antisemitismus, Hamburg: Hoffmann & Campe 2013/2015

Bezugsadresse (mit Signatur, Widmung und kleiner Zeichnung) in meinem bookstore:
http://www.jutta-ditfurth.de/allgemein/bookstore.htm#Baron

Gewalt: Biologisches Erbe oder Kultur?

Aggression unter Artgenossen gibt es bei Schimpansen und anderen Primaten häufiger als bei den meisten anderen Säugetieren. © USO/thinkstock
Aggression unter Artgenossen gibt es bei Schimpansen und anderen Primaten häufiger als bei den meisten anderen Säugetieren. © USO/thinkstock
Gewalttätiges Erbe: Sind Mord und Totschlag bei uns kulturell bedingt – oder doch ein biologisches Erbe? Eine „Rasterfahndung“ im Säugetierstammbaum liefert dazu nun neue Fakten. Demnach nimmt die innerartliche Aggression auf dem Weg zu den Primaten deutlich zu, gleichzeitig fördert eine soziale und territoriale Lebensweise die Gewalt, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten. Wir Menschen haben daher gleich in doppelter Hinsicht eine hohe Gewaltneigung geerbt.

scinexx

Mord und Totschlag gibt es schon seit den Anfängen der Menschheit: Schon unter Neandertalern gab es tödliche Fehden, Massaker und sogar Kannibalismus, aber auch der Homo sapiens metzelte Gegner nieder, wie 10.000 Jahre alte Skelettfunde belegen.

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Hrant-Dink-Mord: Mysteriöse Videos nähren Verdacht gegen Erdogan

Foto von einer bislang unbekannten Videoaufnahme - Mord an Hrant Dink Quelle: Ulusal Kanal
Foto von einer bislang unbekannten Videoaufnahme – Mord an Hrant Dink Quelle: Ulusal Kanal
Der Mord am liberalen Publizisten Hrant Dink erschüttert die Türkei bis heute. Fast zehn Jahre danach tauchen nun seltsame Videos auf. Sie deuten auf eine neue Strategie des Präsidenten.

Von Deniz Yücel | DIE WELT

Am Nachmittag des 19. Januar 2007 wird der türkisch-armenische Publizist Hrant Dink in Istanbul von drei Schüssen in den Rücken getroffen. Vor dem Gebäude der Wochenzeitschrift „Agos“ bricht er zusammen. Einer der bekanntesten Intellektuellen des Landes, ein links-liberaler Kämpfer für die Versöhnung zwischen Türken und Armeniern, ist sofort tot.

Der Mörder ist der 16-jährige Ogün Samast, aus der Schwarzmeerstadt Trabzon. 36 Stunden danach wird er festgenommen. Aber erst jetzt, fast zehn Jahre und einen Putschversuch später, werden Bilder bekannt, die zeigen, was nach seiner Festnahme geschah: Samast wird auf dem Polizeipräsidium von Samsun als Held gefeiert. Mitarbeiter der Polizei und des Geheimdienstes der Gendarmerie posieren mit ihm. Sie klopfen ihm auf die Schultern, nennen ihn „Löwen“, rufen „Bravo, Ogün!“

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Wenn IS-Aussteiger berichten: „Sie sind Lügner“

Befreit von der Herrschaft des IS. Eine 19-jährige Syrerin zieht den Niqab aus, nachdem die Extremisten aus ihrem Dorf vertrieben worden sind. / Bild: Reuters
Sie wollten das – in ihren Augen – Richtige tun, doch dann sahen sie Folter, Mord und Vergewaltigung. In Videos erzählen IS-Aussteiger, wie das Leben in Syrien wirklich ist.

Von Eva Winroither | Die Presse

Ein Studio irgendwo im Süden der Türkei Ende 2015. Weiße Wände, eine Videokamera, zwei Männer. Hier werden Ahmet Yayla, Universitätsprofessor und ehemaliger Polizeichef von Şanliurfa, einer türkischen Stadt an der Grenze zu Syrien, sein Assistent Murat und Anne Speckhard, außerordentliche Professorin an der renommierten Georgetown University in den USA, Interviews durchführen. Speckhard ist nur via Skype zugeschaltet. Das Sicherheitsrisiko ist zu groß. Die beiden Professoren interviewen ehemalige IS-Anhänger. Menschen, die sich der Terrororganisation des sogenannten Islamischen Staats (IS) angeschlossen haben, bis das eine oder andere Erlebnis sie dazu brachte, sich abzuwenden.

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Neuer Brandversuch Fall Oury Jalloh wird neu untersucht

Während einer Kundgebung zum Tod von Oury Jalloh © Uwe Hiksch @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Eine neuer Brandversuch soll klären, ob der Asylbewerber Jalloh in einer Gewahrsamszelle der Polizei sich selbst angezündet hat oder er Opfer eines Mordes wurde. Bisher weist die Polizei jede Schuld von sich, könnte mit dem neuen Gutachten aber erneut in Erklärungsnot geraten.

MiGAZIN

Mehr als elf Jahre nach dem Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle wird der Fall noch einmal untersucht. Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau hat nach eigenen Angaben vom Dienstag einen neuen Brandversuch in Auftrag gegeben. Der schweizerische Sachverständige Kurt Zollinger vom Forensischen Institut Zürich werde den Versuch am 18. August im Institut für Brand- und Löschforschung in Dippoldiswalde ausführen, hieß es.

Bei der Untersuchung soll der Zellenbrand vom 7. Januar 2005 nachgestellt werden. Jalloh starb an diesem Tag bei einem Brand in einer Gewahrsamszelle. Nach Darstellung der Polizei soll der Asylbewerber aus Sierra Leone die feuerfeste Matratze, auf der er gefesselt lag, mit einem Feuerzeug selbst entzündet haben. Wie er an das Feuerzeug gekommen ist, ist bislang nicht geklärt. In Gewahrsam genommenen Personen werden alle Gegenstände abgenommen.

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Was einen Terroranschlag von einem Amoklauf unterscheidet

Einschusslöcher in der Scheibe eines Autohauses. Hier endete 2009 der Amoklauf von Winnenden, bei dem ein 17-Jähriger 15 Menschen tötete. (Foto: dpa)
Wenn ein Muslim Zivilisten ermordet oder verletzt und dabei „Allahu Akbar“ ruft, dann ist er Terrorist. Oder vielleicht schwer gestört? So ganz einfach lässt sich das nicht unterscheiden.

Analyse von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Terroranschlag oder Amoklauf, Massenmord, School Shooting, Attentat, Anschlag oder Rache – die Ereignisse der vergangenen Tage zeigen, wie schwierig es inzwischen ist, die richtigen Begriffe für verschiedene Taten zu finden.

Als eine Gruppe von Al-Qaida-Mitgliedern 2001 vier Passagierflugzeuge entführte und in die Türme des World Trade Centers und ins Pentagon steuerte – eine weitere Maschine stürzte in Pennsylvania ab -, war die Sache klar: Terror. Genauso war es bei fast allen großen Anschlägen davor und für lange Zeit danach. In der Regel standen dahinter Mitglieder von organisierten Gruppen mit einer extremistischen politischen oder religiösen Agenda.

Schwieriger wird es dagegen, wenn einzelne Personen, die nicht Mitglieder einer Terrororganisation oder -gruppe zu sein scheinen (sogenannte Lone Actors oder Lone Wolves), Anschläge oder Attentate verüben. Die französischen Behörden etwa haben nur vage Verbindungen zwischen dem Massenmörder von Nizza, Mohamed Lahouaiej Bouhlel, und dem sogenannten „Islamischen Staat“ gefunden. Der 32-Jährige war offenbar labil, aggressiv, eine gestörte Persönlichkeit. Er hatte sich innerhalb kurzer Zeit radikalisiert und wurde von der Terrororganisation erst im Nachhinein als „Soldat des Islamischen Staates“ bezeichnet.

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Ein „Fresser und Säufer“ als Vorbild?

©KNA
Dass Eva von der verbotenen Frucht aß und nicht etwa ein verbotenes Stück Fleisch, ist kein Zufall. Denn: Im Paradies waren die Menschen Vegetarier, ja sogar Veganer. Doch nach der Sintflut änderten sich die Essgewohnheiten.

Von Gabriele Höfling | katholisch.de

Während das Alte Testament eine Fülle von Speisevorschriften aufstellt, scheint das Thema im Neuen Testament an Bedeutung zu verlieren. So oder so steht jedenfalls fest: Zum Thema Fleisch hat die Bibel eine Menge zu sagen.

Die Schöpfungsgeschichte oder: Veganer im Paradies

Dass der Mensch über die Tiere herrschen soll, steht schon ganz am Anfang der Bibel in der Schöpfungsgeschichte: „Bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen“ (Gen 1,28). Nach Ansicht des Bochumer Bibelwissenschaftlers Thomas Söding kann das aber nicht mit der Erlaubnis gleichgesetzt werden, auch Fleisch zu essen. Denn zur Ernährung heißt es in der Schöpfungsgeschichte (Gen 1,29): „Dann sprach Gott: Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen.“

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