Hrant-Dink-Mord: Mysteriöse Videos nähren Verdacht gegen Erdogan

Foto von einer bislang unbekannten Videoaufnahme - Mord an Hrant Dink Quelle: Ulusal Kanal
Foto von einer bislang unbekannten Videoaufnahme – Mord an Hrant Dink Quelle: Ulusal Kanal
Der Mord am liberalen Publizisten Hrant Dink erschüttert die Türkei bis heute. Fast zehn Jahre danach tauchen nun seltsame Videos auf. Sie deuten auf eine neue Strategie des Präsidenten.

Von Deniz Yücel | DIE WELT

Am Nachmittag des 19. Januar 2007 wird der türkisch-armenische Publizist Hrant Dink in Istanbul von drei Schüssen in den Rücken getroffen. Vor dem Gebäude der Wochenzeitschrift „Agos“ bricht er zusammen. Einer der bekanntesten Intellektuellen des Landes, ein links-liberaler Kämpfer für die Versöhnung zwischen Türken und Armeniern, ist sofort tot.

Der Mörder ist der 16-jährige Ogün Samast, aus der Schwarzmeerstadt Trabzon. 36 Stunden danach wird er festgenommen. Aber erst jetzt, fast zehn Jahre und einen Putschversuch später, werden Bilder bekannt, die zeigen, was nach seiner Festnahme geschah: Samast wird auf dem Polizeipräsidium von Samsun als Held gefeiert. Mitarbeiter der Polizei und des Geheimdienstes der Gendarmerie posieren mit ihm. Sie klopfen ihm auf die Schultern, nennen ihn „Löwen“, rufen „Bravo, Ogün!“

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Wenn IS-Aussteiger berichten: „Sie sind Lügner“

Befreit von der Herrschaft des IS. Eine 19-jährige Syrerin zieht den Niqab aus, nachdem die Extremisten aus ihrem Dorf vertrieben worden sind. / Bild: Reuters
Sie wollten das – in ihren Augen – Richtige tun, doch dann sahen sie Folter, Mord und Vergewaltigung. In Videos erzählen IS-Aussteiger, wie das Leben in Syrien wirklich ist.

Von Eva Winroither | Die Presse

Ein Studio irgendwo im Süden der Türkei Ende 2015. Weiße Wände, eine Videokamera, zwei Männer. Hier werden Ahmet Yayla, Universitätsprofessor und ehemaliger Polizeichef von Şanliurfa, einer türkischen Stadt an der Grenze zu Syrien, sein Assistent Murat und Anne Speckhard, außerordentliche Professorin an der renommierten Georgetown University in den USA, Interviews durchführen. Speckhard ist nur via Skype zugeschaltet. Das Sicherheitsrisiko ist zu groß. Die beiden Professoren interviewen ehemalige IS-Anhänger. Menschen, die sich der Terrororganisation des sogenannten Islamischen Staats (IS) angeschlossen haben, bis das eine oder andere Erlebnis sie dazu brachte, sich abzuwenden.

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Neuer Brandversuch Fall Oury Jalloh wird neu untersucht

Während einer Kundgebung zum Tod von Oury Jalloh © Uwe Hiksch @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Eine neuer Brandversuch soll klären, ob der Asylbewerber Jalloh in einer Gewahrsamszelle der Polizei sich selbst angezündet hat oder er Opfer eines Mordes wurde. Bisher weist die Polizei jede Schuld von sich, könnte mit dem neuen Gutachten aber erneut in Erklärungsnot geraten.

MiGAZIN

Mehr als elf Jahre nach dem Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle wird der Fall noch einmal untersucht. Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau hat nach eigenen Angaben vom Dienstag einen neuen Brandversuch in Auftrag gegeben. Der schweizerische Sachverständige Kurt Zollinger vom Forensischen Institut Zürich werde den Versuch am 18. August im Institut für Brand- und Löschforschung in Dippoldiswalde ausführen, hieß es.

Bei der Untersuchung soll der Zellenbrand vom 7. Januar 2005 nachgestellt werden. Jalloh starb an diesem Tag bei einem Brand in einer Gewahrsamszelle. Nach Darstellung der Polizei soll der Asylbewerber aus Sierra Leone die feuerfeste Matratze, auf der er gefesselt lag, mit einem Feuerzeug selbst entzündet haben. Wie er an das Feuerzeug gekommen ist, ist bislang nicht geklärt. In Gewahrsam genommenen Personen werden alle Gegenstände abgenommen.

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Was einen Terroranschlag von einem Amoklauf unterscheidet

Einschusslöcher in der Scheibe eines Autohauses. Hier endete 2009 der Amoklauf von Winnenden, bei dem ein 17-Jähriger 15 Menschen tötete. (Foto: dpa)
Wenn ein Muslim Zivilisten ermordet oder verletzt und dabei „Allahu Akbar“ ruft, dann ist er Terrorist. Oder vielleicht schwer gestört? So ganz einfach lässt sich das nicht unterscheiden.

Analyse von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Terroranschlag oder Amoklauf, Massenmord, School Shooting, Attentat, Anschlag oder Rache – die Ereignisse der vergangenen Tage zeigen, wie schwierig es inzwischen ist, die richtigen Begriffe für verschiedene Taten zu finden.

Als eine Gruppe von Al-Qaida-Mitgliedern 2001 vier Passagierflugzeuge entführte und in die Türme des World Trade Centers und ins Pentagon steuerte – eine weitere Maschine stürzte in Pennsylvania ab -, war die Sache klar: Terror. Genauso war es bei fast allen großen Anschlägen davor und für lange Zeit danach. In der Regel standen dahinter Mitglieder von organisierten Gruppen mit einer extremistischen politischen oder religiösen Agenda.

Schwieriger wird es dagegen, wenn einzelne Personen, die nicht Mitglieder einer Terrororganisation oder -gruppe zu sein scheinen (sogenannte Lone Actors oder Lone Wolves), Anschläge oder Attentate verüben. Die französischen Behörden etwa haben nur vage Verbindungen zwischen dem Massenmörder von Nizza, Mohamed Lahouaiej Bouhlel, und dem sogenannten „Islamischen Staat“ gefunden. Der 32-Jährige war offenbar labil, aggressiv, eine gestörte Persönlichkeit. Er hatte sich innerhalb kurzer Zeit radikalisiert und wurde von der Terrororganisation erst im Nachhinein als „Soldat des Islamischen Staates“ bezeichnet.

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Ein „Fresser und Säufer“ als Vorbild?

©KNA
Dass Eva von der verbotenen Frucht aß und nicht etwa ein verbotenes Stück Fleisch, ist kein Zufall. Denn: Im Paradies waren die Menschen Vegetarier, ja sogar Veganer. Doch nach der Sintflut änderten sich die Essgewohnheiten.

Von Gabriele Höfling | katholisch.de

Während das Alte Testament eine Fülle von Speisevorschriften aufstellt, scheint das Thema im Neuen Testament an Bedeutung zu verlieren. So oder so steht jedenfalls fest: Zum Thema Fleisch hat die Bibel eine Menge zu sagen.

Die Schöpfungsgeschichte oder: Veganer im Paradies

Dass der Mensch über die Tiere herrschen soll, steht schon ganz am Anfang der Bibel in der Schöpfungsgeschichte: „Bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen“ (Gen 1,28). Nach Ansicht des Bochumer Bibelwissenschaftlers Thomas Söding kann das aber nicht mit der Erlaubnis gleichgesetzt werden, auch Fleisch zu essen. Denn zur Ernährung heißt es in der Schöpfungsgeschichte (Gen 1,29): „Dann sprach Gott: Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen.“

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Türkei wegen nichtverhindertem Mord an Ehefrau verurteilt

EuropaUrteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs: Die Türkei trägt Mitschuld am Tod einer Türkin, die von ihrem Ehemann ermordet wurde. Die staatlichen Behörden hätten trotz mehrmaliger Bitten der Frau um Hilfe versagt.

kath.net

Die Türkei trägt nach einem Urteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshof eine Mitschuld am Tod einer Türkin, die von ihrem Ehemann ermordet wurde. Die staatlichen Behörden hätten trotz mehrmaliger Bitten der Frau um Hilfe versagt, betonten die Richter in ihrer am Dienstag in Straßburg veröffentlichten Entscheidung. So habe sich ein türkisches Gericht geweigert, den Mann trotz wiederholter Todesdrohungen in Untersuchungshaft zu nehmen. Auch die Missachtung des Verbots, sich seiner Familie zu nähern, seien nicht geahndet worden.
Die türkischen Behörden hätten somit eine Situation geschaffen, die häusliche Gewalt weiter befördert habe, betonten die Straßburger Richter. Zugleich kritisierte der Menschenrechtsgerichtshof, die Türkei habe zu wenige Schutzräume für Frauen eingerichtet, die unter häuslicher Gewalt leiden.

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Anklage gegen Familie nach Teufelsaustreibung

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)
Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Ein halbes Jahr nach der tödlichen Teufelsaustreibung in einem Frankfurter Hotel erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Mordes gegen fünf Familienmitglieder der Toten.

Von Anja Laud | Frankfurter Rundschau

Eine 41 Jahre alte Frau wird am 5. Dezember 2015 bei einer Teufelsaustreibung in einem Frankfurter Hotel gefoltert und grausam getötet. Gegen ihre aus Südkorea stammende Familie hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft jetzt Anklage wegen gemeinschaftlichen Mordes erhoben.

Wie Oberstaatsanwältin Nadja Niesen am Donnerstag mitteilte, handelt es sich bei den Angeschuldigten um die 44 Jahre alte Cousine der Getöteten, ihren 22 Jahre alten Sohn und ihre 19-jährige Tochter sowie um den 16 Jahre alten Sohn der Getöteten und dessen 15-jährigen Cousin. Die fünf Familienmitglieder befinden sich seit der tödlichen Teufelsaustreibung in Oberstaatsanwältin Nadja Niesen.

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Deutschlands Katholiken fordern Fatwa gegen IS – päpstliche Bulle, Bannstrahl

Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken / Bild: imago/epd
Im Zentralkomitee der deutschen Katholiken will man gemeinsam mit Muslimen gegen muslimischen Extremismus vorgehen.

Die Presse.com

Im Zentralkomitee der deutschen Katholiken drängt man auf eine Fatwa – also ein islamisches religiöses Rechtsgutachten – gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ IS. Dies sagte Thomas Sternberg, der Präsident des Komitees, im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: Es habe einst eine Fatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie gegeben, da könne es doch auch „eine Fatwa gegen die Mörder des IS geben“ meinte Sternberg.

Das Zentralkomitee wolle sich „gemeinsam mit Muslimen gegen die Pervertierung des Islams als Begründung für Terror und Mord einsetzen“, zitiert die Zeitung den Chef der katholischen Laienorganisation. Den muslimischen Gemeinden in Deutschland spricht er ein Lob aus, diese hätten bereits einige Aufklärungsarbeit geleistet, international sieht der CDU-Politiker Sternberg da noch Nachholbedarf.

Ich distanziere mich vom christlichen Mörder

(Illustration: Gabi Kopp)
Viele Gewalttäter geben vor, im Namen einer Religion zu handeln. Wie sollen Glaubensbrüder auf solche Taten reagieren? Unser Kolumnist will mit Mördern nichts zu tun haben.

Von Thomas Maissen|Neue Zürcher Zeitung

Vergangene Woche hat ein Baptist in einer Abtreibungsklinik in Colorado Springs drei Menschen erschossen. Der Mörder beruft sich wohl auf die Heilige Schrift, so Exodus, 21, 22–24, hier nach der Lutherbibel von 1984: «Wenn Männer miteinander streiten und stossen dabei eine schwangere Frau, sodass ihr die Frucht abgeht, ihr aber sonst kein Schaden widerfährt, so soll man ihn um Geld strafen, wie viel ihr Ehemann ihm auferlegt, und er soll’s geben durch die Hand der Richter. Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuss um Fuss.» Christliche Fundamentalisten deuten diese interpretationsbedürftige Stelle so, dass Gott Abtreibungen als Mord ansieht und dafür die Todesstrafe vorsieht.

Als getaufter Christ bin ich tief betroffen von dieser Gewalttat. Ich distanziere mich von dieser Verirrung und bitte die Opfer um Verzeihung für das, was ein Christ ihnen angetan hat.

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„Vergasen“: Wir haben ein zunehmendes Problem – Antiziganismus

Denkmal in Berlin für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma © rosmary @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Die Schändung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma mit einem Hakenkreuz und dem Wort „Vergasen“ ist die jüngste Eskalationsstufe des alltäglichen Antiziganismus. Dieser wird vor allem von Vertretern der bürgerlichen Mitte geschürt.

Von Dr. Michael Lausberg|MiGAZIN

Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma im Zentrum wurde mit Hakenkreuzen beschmiert. Die Täter hinterließen unter anderem den Schriftzug „Vergasen“. Dies teilte die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas Ende Oktober 2015 in Berlin mit.

Im Jahr 1992 beschloss die damalige Bundesregierung nach jahrelangem Druck verschiedener Selbstorganisationen, ein „Denkmal für die Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes an den Sinti und Roma“ zu errichten.1 Um den Text einer zunächst geplanten Widmung des Denkmals gab es zwischen den beiden von der Bundesregierung in die Vorbereitungen einbezogenen Opferverbänden Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und Sinti Allianz Deutschland sowie der Bundesregierung jahrelange einen unwürdigen Streit.2

Die Bundesregierung hatte die stigmatisierende Bezeichnung der Mehrheitsgesellschaft „Zigeuner“ für den Denkmaltext vorgesehen, was der Zentralrat als unwürdig und unzumutbar ablehnte. Hier zeigte sich mindestens eine fehlende Sensibilisierung, die neues Vertrauen in die Lernfähigkeit des deutschen Staates zerstörte.

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Tochter getötet: Lebenslänglich für strengreligiöse Eltern

© dpa Verurteilt: Vater Khans hat laut Anklage die Ermordung der eigenen Tochter „kaltblütig geplant“.
Weil sie ihre Tochter getötet haben, sollen die Eltern eine lebenslange Haft absitzen. Das Verhalten der Tochter, die Sex mit ihrem Freund gehabt habe, habe dem Weltbild der aus Pakistan stammenden Eltern widersprochen.

Frankfurter Allgemeine

Zu lebenslanger Haft hat das Landgericht Darmstadt am Dienstag strengreligiöse muslimische Eheleute für den Mord an ihrer Tochter verurteilt. Der 52 Jahre alte Vater und die 41 Jahre alte Mutter waren angeklagt, die 19 Jahre junge Frau im Januar in Darmstadt gemeinschaftlich getötet zu haben.

Die Tochter aus dem Stadtteil Kranichstein habe sexuelle Kontakte zu ihrem Freund gehabt, ohne mit ihm verlobt gewesen zu sein. Das Verhalten der Tochter habe dem Weltbild der aus Pakistan stammenden Eltern widersprochen.

Die Staatsanwaltschaft hatte für die Eltern wegen Mordes eine lebenslange Strafe mit besonderer Schwere der Schuld verlangt. Weder der Verteidiger des Vaters noch der Anwalt der hatten Mordmerkmale gesehen. Sie sprachen von Totschlag und von Beihilfe zum Totschlag, nannten aber kein Strafmaß.

Christentum: «Neid, Mord, Streit, Betrug und Arglist»

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Dass auch das Christentum ein «Gewaltproblem» hatte, ist keine neue Erkenntnis. Der Althistoriker Manfred Clauss konzentriert sich in seiner Geschichte des frühen Christentums auf ebendiesen Aspekt.

Von Bernhard Lang|Neue Zürcher Zeitung

Das Wesen des Christentums, wie es sich im ersten halben Jahrtausend seiner Existenz dem Historiker von heute darstellt, lasse sich – so Manfred Clauss – durch ein einziges Wort zusammenfassen: Fundamentalismus. In diesem Wort liegt nach dem Verfasser des Buches «Ein neuer Gott für die alte Welt» alles beschlossen: der Anspruch, die eigene religiöse Lehre sei absolut wahr und für alle Menschen verbindlich; die Bereitschaft, für diese Wahrheit notfalls das Martyrium auf sich zu nehmen; die bedenkenlose Herabsetzung und Diffamierung aller, die sich dieser Wahrheit nicht anschliessen, sowie der Kampf gegen die Andersdenkenden, die Zerstörung ihrer Existenz und ihrer Kulturdenkmäler.

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Saudi-Arabien: Bereits 151 Hinrichtungen in diesem Jahr

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Im Vergleich zum Jahr 2014 stieg die Zahl der Hinrichtungen bisher um 68 Prozent.

Die Presse.com

In Saudi-Arabien sind nach Angaben von Amnesty International in diesem Jahr bereits 151 Menschen hingerichtet worden. Dies sei die höchste Zahl seit 1995, als 192 Todesurteile vollstreckt worden seien, teilte die Menschenrechtsorganisation am Montag mit. Im Vergleich zum Gesamtjahr 2014, mit der Exekution von insgesamt 90 Menschen, sei dies ein alarmierender Anstieg um 68 Prozent.

Hinrichtungen seien unter allen Umständen „abscheulich“. Es sei jedoch besonders beunruhigend, in welchem Maße Saudi-Arabien die Menschenrechte missachte und Menschen nach oftmals unfairen und politisch motivierten Prozessen exekutiere.

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Potsdam: Gedenkgottesdienst für Elias fiel aus

Kondolenzbücher für die ermordeten Kinder Elias (Foto rechts) und Mohamed (Foto links). – Foto: dpa
Der Gottesdienst für Elias in Potsdam fiel aus. Es gibt Streit um die Freistellung der Pastorin.

Von René Garzke, Alexander Fröhlich|DER TAGESSPIEGEL

Der Gedenkgottesdienst in Potsdam für den ermordeten Elias ist am Sonntag ausgefallen. Grund sind Zerwürfnisse zwischen Kirchenkreis und Pfarrerin Ute Pfeiffer aus dem Stadtteil Schlaatz, wo der sechsjährige Junge lebte. Die 55-Jährige ist seit Anfang November vom Dienst freigestellt. Nach Angaben der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) gibt es unterschiedliche Auffassungen „über das Profil ihrer Stelle“.

Die Menschen im Schlaatz hat Pfarrerin Pfeiffer mit ihrer Arbeit erreicht. Es ist ein Problemkiez in Potsdam, wo jeder Vierte von Hartz IV lebt, die Arbeitslosigkeit höher ist als im Rest der Stadt, wo die wenigsten Menschen religiös sind, wo es auch keine eigene Kirchengemeinde gibt. Während der Suche nach Elias gab Pfeiffer den ehrenamtlichen Helfern Halt, leistete Beistand. Das hat Eindruck hinterlassen bei den Menschen.

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Bundesrat billigt Vorratsdatenspeicherung

Das Internet By Matt Britt CC-BY-2.5. en.wikimedia.org
Das Internet
By Matt Britt CC-BY-2.5.
en.wikimedia.org
Im Oktober hatte der Bundestag die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung beschlossen. Opposition und Datenschützer kritisierten das Gesetz scharf. Der Bundesrat ließ es nun passieren.

evangelisch.de

Der Bundesrat hat am Freitag in Berlin die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung gebilligt. Durch das Gesetz, auf das sich die Koalition nach langem Streit verständigt hatte, werden Telekommunikations-Anbieter verpflichtet, Telefonnummern und IP-Adressen für zehn Wochen zu speichern. Standortdaten von Mobiltelefonen müssen vier Wochen lang gesichert werden. Die Inhalte von Anrufen werden nicht festgehalten.

Nach Ablauf der Fristen müssen die Daten gelöscht werden. Polizei und Staatsanwaltschaft sollen bei schweren Verbrechen wie Mord, Terrorplänen oder Internet-Kriminalität wie etwa Kinderpornografie Zugriff auf die Daten erhalten. Voraussetzung ist ein richterlicher Beschluss.

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Syrien: Al Jazeera-Moderator ruft zum Genozid an Alawiten auf

Der Al Jazeera-Moderator Faisal Qasim hat in einer TV-Sendung zum Genozid an den Alawiten in Syrien aufgerufen. Während ein sunnitisch-syrischer Intellektueller ihn unterstützte, kritisierte ein christlich-syrischer Gesprächsteilnehmer den Aufruf und nahm die Alawiten in Schutz.

Deutsch Türkische Nachrichten

Im Rahmen einer Talkrunde zum Syrien-Konflikt auf dem Sender Al Jazeera hat der Moderator Faisal Qasim zum Genozid an den Alawiten in Syrien aufgerufen. Als Gäste waren der christlich-syrische Intellektuelle Abul Messiah al-Shami und sein sunnitisch-syrischer Gesprächspartner Maher Sherifeddine eingeladen.

Qasim nutze im Verlauf der Gesprächsrunde jede Gelegenheit, um zu Massakern an den Alawiten aufzurufen. Diese Aufforderung wurde von Sherifeddine durchgehend unterstützt. Doch der christlich-syrische Vertreter nahm die Alawiten in Schutz und versuchte den Moderator und Sherifeddine davon zu überzeugen, dass der IS das Problem sei, und dass die Alawiten wie auch Christen, Sunniten oder Drusen Opfer des Kriegs seien. Es gebe keine Alternative zum Zusammenleben, so al-Shami.

Doch weder der Al Jazeera-Moderator noch der syrische Intellektuelle wollten auf die besänftigenden Worte hören. Sie beharrten darauf, dass die Alawiten in Syrien den Tod verdienen würden. Diese Ansicht deckt sich mit dem Slogan der Terror-Miliz IS, wonach „Christen nach Beirut und Alawiten ins Grab sollen“.

Mordfall Kiesewetter wird zur Geisterbahn

Das Grab der in Heilbronn ermordeten Polizistin Michele Kiesewetter auf dem Friedhof in Oberweißbach. Foto: Martin Schutt, dpa
Der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter gerät zur Geisterfahrt. Zwei Zeugen aus Heilbronn erklärten vor dem Untersuchungsausschuss in Stuttgart, vor wenigen Monaten von Kriminalbeamten neu vernommen worden zu sein. Doch keine maßgebliche Behörde will eine solche Vernehmung in Auftrag gegeben haben. Wird das Parlament von der Exekutive hintergangen? Die Aufklärung der NSU-Mordserie gestaltet sich zusehends unheimlicher.

Von Thomas Moser|TELEPOLIS

Am 25. April 2007, als in Heilbronn auf die zwei Polizisten Michèle Kiesewetter und Martin Arnold geschossen wurde, war das Ehepaar Muzaffer und Zeliha K. mit ihrem kleinen Kind in einem Park unterwegs, unweit des Tatortes Theresienwiese. Gegen 14.15 Uhr, also kurz nach dem Anschlag, fiel ihnen ein hektisch flüchtender Mann auf, der sich offenbar vor einem über ihnen kreisenden Polizeihubschrauber im Gebüsch verstecken wollte – 1.75 bis 1.80 Meter groß, 25 bis 27 Jahre alt, sportliche Figur, braune Haare, helle Haut, weißes T-Shirt, helle Jeanshose, so ihre Beschreibung.

Die K.s meldeten ihre Beobachtung der Polizei. Die nahm sie ernst und ließ ein Phantombild von dem fliehenden Mann erstellen. Die Sonderkommission Parkplatz wollte es zusammen mit anderen Phantombildern für die Fahndung herausgeben. Doch der verantwortliche Staatsanwalt von Heilbronn untersagte die Veröffentlichung jeglicher Phantombilder mit stets dem Argument: die Angaben der Zeugen seien nicht glaubhaft. Noch im April 2011, vier Jahre nach der Tat, schrieben die Ermittler des Landeskriminalamtes in einem Vermerk: „Die Veröffentlichung des Phantombildes ist notwendig“.

Nach der Aufdeckung des NSU im November 2011 rechnete die Bundesanwaltschaft die Tat von Heilbronn allein Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zu. Das Phantombild des Mannes, den Muzaffer und Zeliha K. am Tattag flüchten sahen, ähnelt aber weder Böhnhardt noch Mundlos.

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Wenn Frauen für Fehlgeburten lebenslänglich kriegen

Foto: Alejandro Moreno de Carlos/Stocksy
In vielen Teilen der Welt ist Abtreibung verboten. In El Salvador ist das Verbot so extrem, dass selbst Frauen, die eine Fehlgeburt erleiden, wegen Mordes lebenslängliche Haftstrafen bekommen können.

Von Lindsay Schrupp|VICE

Vergangene Woche erhielt John Kerry einen Brief von 55 Kongressabgeordneten, in dem sie ihn dazu aufriefen, sich der Verletzung der Menschenrechte von Frauen in El Salvador anzunehmen. Unter dem drakonischen Gesetz des Landes sind zahllose Frauen zu Haftstrafen verurteilt worden—manche davon jahrzehntelang. Darunter sind Frauen, die gynäkologische Notfälle wie Fehl- und Totgeburten erlitten hatten.

„Sie werden dafür verfolgt, dass sie nicht perfekte Schwangerschaften oder perfekte Babys hatten, und das ist absolut ungeheuerlich“, sagte Paula Avila-Guillen, eine Beraterin für Interessenvertretung bei der internationalen Frauenrechtsorganisation Center for Reproductive Rights. „Das ist eine der gröbsten Menschenrechtsverletzungen, die uns in dieser Region bekannt sind.“

Sie werden dafür verfolgt, dass sie nicht perfekte Schwangerschaften oder perfekte Babys hatten, und das ist absolut ungeheuerlich.

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Über 60-Jährige töten sich immer häufiger selbst

Eine ältere Dame trinkt alleine in Ihrer Wohnung. Suizidgefährdete leiden häufig an Depressionen. © Ingo Wagner/dpa
Sie sind einsam, fühlen sich nicht wertgeschätzt und befürchten den Verlust sozialer Kontakte, wenn sie sich professionelle Hilfe suchen – so steigt die Selbsttötungsrate bei den Älteren dramatisch an.

stern.de

Die Selbsttötungsrate bei den über 60-Jährigen steigt nach Angaben der Deutschen Stiftung Patientenschutz weiter besorgniserregend an. Unter den jährlich 10.000 Menschen, die sich das Leben nehmen, gehörten 45 Prozent dieser Altersgruppe an, obwohl sie nur 27 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmache, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. Während die Bundesregierung den Ausbau von Hospiz- und Palliativarbeit für sterbende Menschen plane, „ist bei der Suizidprophylaxe im Alter keine Verbesserung in Sicht“.

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Warum in Deutschland Polizisten, gegen die der Staatsanwalt ermittelt, fast nie angeklagt werden

Ausweiskontrolle, Bild: youtube
Ausweiskontrolle, Bild: youtube
Gegen Polizisten, die eine Straftat begangen haben, ermitteln hierzulande Kollegen. Selbst die UN kritisieren Deutschland dafür. Doch die Polizei sträubt sich gegen Änderungen.


Von Benedict Wermter,Daniel Drepper|VICE.com/CORRECT!V

Wenn Polizisten beleidigen, drohen und schlagen, werden sie so gut wie nie bestraft. Oft kommt es gar nicht erst zur Anzeige, und wenn doch, dann erhebt die Justiz nur selten Anklage. Gegen etwa 4.500 Polizisten ermittelten die Behörden im Jahr 2013 wegen Straftaten im Amt. Weniger als jeder siebte Verdächtigte wird überhaupt angeklagt. Und fast alle kommen ohne Strafe davon.

Die Bilder aus dem Internet machen fassungslos. Wir sehen Polizisten, die einen Mann während einer Verkehrskontrolle verprügeln wollen. Mitten in Herford. Und einen zerschossenen Wagen in Köln. Ein vermeintlicher Geschäftsmann soll dort laut Polizisten das Feuer eröffnet haben. Ein Video belegt später: Das Sondereinsatzkommando schießt zuerst—mehr als einhundert Kugeln werden auf den Mann gefeuert. Der überlebt nur knapp. In Gelsenkirchen schlagen Polizisten am vergangenen Silvesterabend einen Mann tot, Anwohner beobachten sie. Das Verfahren wird Anfang Juni eingestellt. Notwehr.

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