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Deutschlands Katholiken fordern Fatwa gegen IS – päpstliche Bulle, Bannstrahl

Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken / Bild: imago/epd
Im Zentralkomitee der deutschen Katholiken will man gemeinsam mit Muslimen gegen muslimischen Extremismus vorgehen.

Die Presse.com

Im Zentralkomitee der deutschen Katholiken drängt man auf eine Fatwa – also ein islamisches religiöses Rechtsgutachten – gegen den sogenannten “Islamischen Staat” IS. Dies sagte Thomas Sternberg, der Präsident des Komitees, im Gespräch mit der “Neuen Osnabrücker Zeitung”: Es habe einst eine Fatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie gegeben, da könne es doch auch “eine Fatwa gegen die Mörder des IS geben” meinte Sternberg.

Das Zentralkomitee wolle sich “gemeinsam mit Muslimen gegen die Pervertierung des Islams als Begründung für Terror und Mord einsetzen”, zitiert die Zeitung den Chef der katholischen Laienorganisation. Den muslimischen Gemeinden in Deutschland spricht er ein Lob aus, diese hätten bereits einige Aufklärungsarbeit geleistet, international sieht der CDU-Politiker Sternberg da noch Nachholbedarf.

Ich distanziere mich vom christlichen Mörder

(Illustration: Gabi Kopp)
Viele Gewalttäter geben vor, im Namen einer Religion zu handeln. Wie sollen Glaubensbrüder auf solche Taten reagieren? Unser Kolumnist will mit Mördern nichts zu tun haben.

Von Thomas Maissen|Neue Zürcher Zeitung

Vergangene Woche hat ein Baptist in einer Abtreibungsklinik in Colorado Springs drei Menschen erschossen. Der Mörder beruft sich wohl auf die Heilige Schrift, so Exodus, 21, 22–24, hier nach der Lutherbibel von 1984: «Wenn Männer miteinander streiten und stossen dabei eine schwangere Frau, sodass ihr die Frucht abgeht, ihr aber sonst kein Schaden widerfährt, so soll man ihn um Geld strafen, wie viel ihr Ehemann ihm auferlegt, und er soll’s geben durch die Hand der Richter. Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuss um Fuss.» Christliche Fundamentalisten deuten diese interpretationsbedürftige Stelle so, dass Gott Abtreibungen als Mord ansieht und dafür die Todesstrafe vorsieht.

Als getaufter Christ bin ich tief betroffen von dieser Gewalttat. Ich distanziere mich von dieser Verirrung und bitte die Opfer um Verzeihung für das, was ein Christ ihnen angetan hat.

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“Vergasen”: Wir haben ein zunehmendes Problem – Antiziganismus

Denkmal in Berlin für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma © rosmary @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Die Schändung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma mit einem Hakenkreuz und dem Wort „Vergasen“ ist die jüngste Eskalationsstufe des alltäglichen Antiziganismus. Dieser wird vor allem von Vertretern der bürgerlichen Mitte geschürt.

Von Dr. Michael Lausberg|MiGAZIN

Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma im Zentrum wurde mit Hakenkreuzen beschmiert. Die Täter hinterließen unter anderem den Schriftzug „Vergasen“. Dies teilte die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas Ende Oktober 2015 in Berlin mit.

Im Jahr 1992 beschloss die damalige Bundesregierung nach jahrelangem Druck verschiedener Selbstorganisationen, ein „Denkmal für die Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes an den Sinti und Roma“ zu errichten.1 Um den Text einer zunächst geplanten Widmung des Denkmals gab es zwischen den beiden von der Bundesregierung in die Vorbereitungen einbezogenen Opferverbänden Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und Sinti Allianz Deutschland sowie der Bundesregierung jahrelange einen unwürdigen Streit.2

Die Bundesregierung hatte die stigmatisierende Bezeichnung der Mehrheitsgesellschaft „Zigeuner“ für den Denkmaltext vorgesehen, was der Zentralrat als unwürdig und unzumutbar ablehnte. Hier zeigte sich mindestens eine fehlende Sensibilisierung, die neues Vertrauen in die Lernfähigkeit des deutschen Staates zerstörte.

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Tochter getötet: Lebenslänglich für strengreligiöse Eltern

© dpa Verurteilt: Vater Khans hat laut Anklage die Ermordung der eigenen Tochter „kaltblütig geplant“.
Weil sie ihre Tochter getötet haben, sollen die Eltern eine lebenslange Haft absitzen. Das Verhalten der Tochter, die Sex mit ihrem Freund gehabt habe, habe dem Weltbild der aus Pakistan stammenden Eltern widersprochen.

Frankfurter Allgemeine

Zu lebenslanger Haft hat das Landgericht Darmstadt am Dienstag strengreligiöse muslimische Eheleute für den Mord an ihrer Tochter verurteilt. Der 52 Jahre alte Vater und die 41 Jahre alte Mutter waren angeklagt, die 19 Jahre junge Frau im Januar in Darmstadt gemeinschaftlich getötet zu haben.

Die Tochter aus dem Stadtteil Kranichstein habe sexuelle Kontakte zu ihrem Freund gehabt, ohne mit ihm verlobt gewesen zu sein. Das Verhalten der Tochter habe dem Weltbild der aus Pakistan stammenden Eltern widersprochen.

Die Staatsanwaltschaft hatte für die Eltern wegen Mordes eine lebenslange Strafe mit besonderer Schwere der Schuld verlangt. Weder der Verteidiger des Vaters noch der Anwalt der hatten Mordmerkmale gesehen. Sie sprachen von Totschlag und von Beihilfe zum Totschlag, nannten aber kein Strafmaß.

Christentum: «Neid, Mord, Streit, Betrug und Arglist»

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Dass auch das Christentum ein «Gewaltproblem» hatte, ist keine neue Erkenntnis. Der Althistoriker Manfred Clauss konzentriert sich in seiner Geschichte des frühen Christentums auf ebendiesen Aspekt.

Von Bernhard Lang|Neue Zürcher Zeitung

Das Wesen des Christentums, wie es sich im ersten halben Jahrtausend seiner Existenz dem Historiker von heute darstellt, lasse sich – so Manfred Clauss – durch ein einziges Wort zusammenfassen: Fundamentalismus. In diesem Wort liegt nach dem Verfasser des Buches «Ein neuer Gott für die alte Welt» alles beschlossen: der Anspruch, die eigene religiöse Lehre sei absolut wahr und für alle Menschen verbindlich; die Bereitschaft, für diese Wahrheit notfalls das Martyrium auf sich zu nehmen; die bedenkenlose Herabsetzung und Diffamierung aller, die sich dieser Wahrheit nicht anschliessen, sowie der Kampf gegen die Andersdenkenden, die Zerstörung ihrer Existenz und ihrer Kulturdenkmäler.

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Saudi-Arabien: Bereits 151 Hinrichtungen in diesem Jahr

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Im Vergleich zum Jahr 2014 stieg die Zahl der Hinrichtungen bisher um 68 Prozent.

Die Presse.com

In Saudi-Arabien sind nach Angaben von Amnesty International in diesem Jahr bereits 151 Menschen hingerichtet worden. Dies sei die höchste Zahl seit 1995, als 192 Todesurteile vollstreckt worden seien, teilte die Menschenrechtsorganisation am Montag mit. Im Vergleich zum Gesamtjahr 2014, mit der Exekution von insgesamt 90 Menschen, sei dies ein alarmierender Anstieg um 68 Prozent.

Hinrichtungen seien unter allen Umständen “abscheulich”. Es sei jedoch besonders beunruhigend, in welchem Maße Saudi-Arabien die Menschenrechte missachte und Menschen nach oftmals unfairen und politisch motivierten Prozessen exekutiere.

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Potsdam: Gedenkgottesdienst für Elias fiel aus

Kondolenzbücher für die ermordeten Kinder Elias (Foto rechts) und Mohamed (Foto links). – Foto: dpa
Der Gottesdienst für Elias in Potsdam fiel aus. Es gibt Streit um die Freistellung der Pastorin.

Von René Garzke, Alexander Fröhlich|DER TAGESSPIEGEL

Der Gedenkgottesdienst in Potsdam für den ermordeten Elias ist am Sonntag ausgefallen. Grund sind Zerwürfnisse zwischen Kirchenkreis und Pfarrerin Ute Pfeiffer aus dem Stadtteil Schlaatz, wo der sechsjährige Junge lebte. Die 55-Jährige ist seit Anfang November vom Dienst freigestellt. Nach Angaben der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) gibt es unterschiedliche Auffassungen „über das Profil ihrer Stelle“.

Die Menschen im Schlaatz hat Pfarrerin Pfeiffer mit ihrer Arbeit erreicht. Es ist ein Problemkiez in Potsdam, wo jeder Vierte von Hartz IV lebt, die Arbeitslosigkeit höher ist als im Rest der Stadt, wo die wenigsten Menschen religiös sind, wo es auch keine eigene Kirchengemeinde gibt. Während der Suche nach Elias gab Pfeiffer den ehrenamtlichen Helfern Halt, leistete Beistand. Das hat Eindruck hinterlassen bei den Menschen.

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Bundesrat billigt Vorratsdatenspeicherung

Das Internet By Matt Britt CC-BY-2.5. en.wikimedia.org
Das Internet
By Matt Britt CC-BY-2.5.
en.wikimedia.org
Im Oktober hatte der Bundestag die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung beschlossen. Opposition und Datenschützer kritisierten das Gesetz scharf. Der Bundesrat ließ es nun passieren.

evangelisch.de

Der Bundesrat hat am Freitag in Berlin die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung gebilligt. Durch das Gesetz, auf das sich die Koalition nach langem Streit verständigt hatte, werden Telekommunikations-Anbieter verpflichtet, Telefonnummern und IP-Adressen für zehn Wochen zu speichern. Standortdaten von Mobiltelefonen müssen vier Wochen lang gesichert werden. Die Inhalte von Anrufen werden nicht festgehalten.

Nach Ablauf der Fristen müssen die Daten gelöscht werden. Polizei und Staatsanwaltschaft sollen bei schweren Verbrechen wie Mord, Terrorplänen oder Internet-Kriminalität wie etwa Kinderpornografie Zugriff auf die Daten erhalten. Voraussetzung ist ein richterlicher Beschluss.

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Syrien: Al Jazeera-Moderator ruft zum Genozid an Alawiten auf

Der Al Jazeera-Moderator Faisal Qasim hat in einer TV-Sendung zum Genozid an den Alawiten in Syrien aufgerufen. Während ein sunnitisch-syrischer Intellektueller ihn unterstützte, kritisierte ein christlich-syrischer Gesprächsteilnehmer den Aufruf und nahm die Alawiten in Schutz.

Deutsch Türkische Nachrichten

Im Rahmen einer Talkrunde zum Syrien-Konflikt auf dem Sender Al Jazeera hat der Moderator Faisal Qasim zum Genozid an den Alawiten in Syrien aufgerufen. Als Gäste waren der christlich-syrische Intellektuelle Abul Messiah al-Shami und sein sunnitisch-syrischer Gesprächspartner Maher Sherifeddine eingeladen.

Qasim nutze im Verlauf der Gesprächsrunde jede Gelegenheit, um zu Massakern an den Alawiten aufzurufen. Diese Aufforderung wurde von Sherifeddine durchgehend unterstützt. Doch der christlich-syrische Vertreter nahm die Alawiten in Schutz und versuchte den Moderator und Sherifeddine davon zu überzeugen, dass der IS das Problem sei, und dass die Alawiten wie auch Christen, Sunniten oder Drusen Opfer des Kriegs seien. Es gebe keine Alternative zum Zusammenleben, so al-Shami.

Doch weder der Al Jazeera-Moderator noch der syrische Intellektuelle wollten auf die besänftigenden Worte hören. Sie beharrten darauf, dass die Alawiten in Syrien den Tod verdienen würden. Diese Ansicht deckt sich mit dem Slogan der Terror-Miliz IS, wonach „Christen nach Beirut und Alawiten ins Grab sollen“.

Mordfall Kiesewetter wird zur Geisterbahn

Das Grab der in Heilbronn ermordeten Polizistin Michele Kiesewetter auf dem Friedhof in Oberweißbach. Foto: Martin Schutt, dpa
Der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter gerät zur Geisterfahrt. Zwei Zeugen aus Heilbronn erklärten vor dem Untersuchungsausschuss in Stuttgart, vor wenigen Monaten von Kriminalbeamten neu vernommen worden zu sein. Doch keine maßgebliche Behörde will eine solche Vernehmung in Auftrag gegeben haben. Wird das Parlament von der Exekutive hintergangen? Die Aufklärung der NSU-Mordserie gestaltet sich zusehends unheimlicher.

Von Thomas Moser|TELEPOLIS

Am 25. April 2007, als in Heilbronn auf die zwei Polizisten Michèle Kiesewetter und Martin Arnold geschossen wurde, war das Ehepaar Muzaffer und Zeliha K. mit ihrem kleinen Kind in einem Park unterwegs, unweit des Tatortes Theresienwiese. Gegen 14.15 Uhr, also kurz nach dem Anschlag, fiel ihnen ein hektisch flüchtender Mann auf, der sich offenbar vor einem über ihnen kreisenden Polizeihubschrauber im Gebüsch verstecken wollte – 1.75 bis 1.80 Meter groß, 25 bis 27 Jahre alt, sportliche Figur, braune Haare, helle Haut, weißes T-Shirt, helle Jeanshose, so ihre Beschreibung.

Die K.s meldeten ihre Beobachtung der Polizei. Die nahm sie ernst und ließ ein Phantombild von dem fliehenden Mann erstellen. Die Sonderkommission Parkplatz wollte es zusammen mit anderen Phantombildern für die Fahndung herausgeben. Doch der verantwortliche Staatsanwalt von Heilbronn untersagte die Veröffentlichung jeglicher Phantombilder mit stets dem Argument: die Angaben der Zeugen seien nicht glaubhaft. Noch im April 2011, vier Jahre nach der Tat, schrieben die Ermittler des Landeskriminalamtes in einem Vermerk: “Die Veröffentlichung des Phantombildes ist notwendig”.

Nach der Aufdeckung des NSU im November 2011 rechnete die Bundesanwaltschaft die Tat von Heilbronn allein Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zu. Das Phantombild des Mannes, den Muzaffer und Zeliha K. am Tattag flüchten sahen, ähnelt aber weder Böhnhardt noch Mundlos.

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Wenn Frauen für Fehlgeburten lebenslänglich kriegen

Foto: Alejandro Moreno de Carlos/Stocksy
In vielen Teilen der Welt ist Abtreibung verboten. In El Salvador ist das Verbot so extrem, dass selbst Frauen, die eine Fehlgeburt erleiden, wegen Mordes lebenslängliche Haftstrafen bekommen können.

Von Lindsay Schrupp|VICE

Vergangene Woche erhielt John Kerry einen Brief von 55 Kongressabgeordneten, in dem sie ihn dazu aufriefen, sich der Verletzung der Menschenrechte von Frauen in El Salvador anzunehmen. Unter dem drakonischen Gesetz des Landes sind zahllose Frauen zu Haftstrafen verurteilt worden—manche davon jahrzehntelang. Darunter sind Frauen, die gynäkologische Notfälle wie Fehl- und Totgeburten erlitten hatten.

„Sie werden dafür verfolgt, dass sie nicht perfekte Schwangerschaften oder perfekte Babys hatten, und das ist absolut ungeheuerlich”, sagte Paula Avila-Guillen, eine Beraterin für Interessenvertretung bei der internationalen Frauenrechtsorganisation Center for Reproductive Rights. „Das ist eine der gröbsten Menschenrechtsverletzungen, die uns in dieser Region bekannt sind.”

Sie werden dafür verfolgt, dass sie nicht perfekte Schwangerschaften oder perfekte Babys hatten, und das ist absolut ungeheuerlich.

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Über 60-Jährige töten sich immer häufiger selbst

Eine ältere Dame trinkt alleine in Ihrer Wohnung. Suizidgefährdete leiden häufig an Depressionen. © Ingo Wagner/dpa
Sie sind einsam, fühlen sich nicht wertgeschätzt und befürchten den Verlust sozialer Kontakte, wenn sie sich professionelle Hilfe suchen – so steigt die Selbsttötungsrate bei den Älteren dramatisch an.

stern.de

Die Selbsttötungsrate bei den über 60-Jährigen steigt nach Angaben der Deutschen Stiftung Patientenschutz weiter besorgniserregend an. Unter den jährlich 10.000 Menschen, die sich das Leben nehmen, gehörten 45 Prozent dieser Altersgruppe an, obwohl sie nur 27 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmache, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. Während die Bundesregierung den Ausbau von Hospiz- und Palliativarbeit für sterbende Menschen plane, “ist bei der Suizidprophylaxe im Alter keine Verbesserung in Sicht”.

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Warum in Deutschland Polizisten, gegen die der Staatsanwalt ermittelt, fast nie angeklagt werden

Ausweiskontrolle, Bild: youtube
Ausweiskontrolle, Bild: youtube
Gegen Polizisten, die eine Straftat begangen haben, ermitteln hierzulande Kollegen. Selbst die UN kritisieren Deutschland dafür. Doch die Polizei sträubt sich gegen Änderungen.


Von Benedict Wermter,Daniel Drepper|VICE.com/CORRECT!V

Wenn Polizisten beleidigen, drohen und schlagen, werden sie so gut wie nie bestraft. Oft kommt es gar nicht erst zur Anzeige, und wenn doch, dann erhebt die Justiz nur selten Anklage. Gegen etwa 4.500 Polizisten ermittelten die Behörden im Jahr 2013 wegen Straftaten im Amt. Weniger als jeder siebte Verdächtigte wird überhaupt angeklagt. Und fast alle kommen ohne Strafe davon.

Die Bilder aus dem Internet machen fassungslos. Wir sehen Polizisten, die einen Mann während einer Verkehrskontrolle verprügeln wollen. Mitten in Herford. Und einen zerschossenen Wagen in Köln. Ein vermeintlicher Geschäftsmann soll dort laut Polizisten das Feuer eröffnet haben. Ein Video belegt später: Das Sondereinsatzkommando schießt zuerst—mehr als einhundert Kugeln werden auf den Mann gefeuert. Der überlebt nur knapp. In Gelsenkirchen schlagen Polizisten am vergangenen Silvesterabend einen Mann tot, Anwohner beobachten sie. Das Verfahren wird Anfang Juni eingestellt. Notwehr.

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Lieber Fanatiker: Ist es gut, sich einer Religionsgemeinschaft anzuschließen?

Der Glaube kann gut tun. Weckt er Ängste und übt Druck aus, so wird es Zeit, sich von ihm zu befreien.


Von Markus Tiedemann|Frankfurter Rundschau

Lieber Fanatiker!

Nehmen wir einmal an, zwei Marsmännchen versuchten, für die Menschheit eine möglichst positive Zukunft zu planen. Die Beurteilung der Religion hinge wahrscheinlich von zwei komplizierten Fragen ab.

1.Tragen die Religionen dazu bei, dass die Menschen anständig miteinander umgehen?

2.Machen Religionsgemeinschaften glücklich?

Schon die erste Frage ist nicht leicht zu beantworten. Fast alle Religionen verbieten Mord, Raub und Grausamkeit. Sie können sich also positiv auf das Verhalten der Menschen auswirken. Andererseits werden Religionen immer wieder zur Rechtfertigung von Krieg und Gewalt herangezogen. Wahrscheinlich ließen unsere Marsmännchen nur Religionen zu, die zuvor ihre friedliche Natur bewiesen hätten.

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Religiöser Wahn: Mutter-Mörder muss in Psychiatrie

Foto: imago/McPHOTO
Ein 31-Jähriger muss nach dem Mord an seiner Mutter vor sieben Monaten dauerhaft in die geschlossene Psychiatrie. Der Angeklagte habe die 50 Jahre alte Frau im religiösen Wahn erstochen, befand das Berliner Landgericht. Ohne Behandlung sei der Beschuldigte weiterhin gefährlich.


Berliner Kurier

Der Sohn hatte bei dem Drama im Stadtteil Marienfelde erst den Partner seiner Mutter attackiert und dann die 50-Jährige durch Stiche in Brust, Rücken und Hals getötet. In den Monaten zuvor habe sich der Sohn „obsessiv mit Glaubensfragen befasst“, hieß es im Urteil. Der 31-Jährige habe sich in einer Wahnvorstellung bewegt.

EKD-Ratsvorsitzender: Mission ist unverzichtbar

Der der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat die Mission als eine “völlig unverzichtbare Dimension der Kirche und des Christseins” bezeichnet.


evangelisch.de

Heinrich Bedford-Strohm (2011). Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA 3.0/Michael Lucan

Von der Menschenfreundlichkeit Gottes nicht zu reden, wäre unverantwortlich, sagte der bayerische Landesbischof am Sonntag in seiner Predigt anlässlich des 250. Kirchweihjubiläums der Martinskirche in Memmingen-Steinheim im Allgäu. Mission bedeute von einem Gott zu erzählen, der die Gewalt verabscheut, das Leben liebt und die Schwachen schützt.

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NS-Zeit: “Ausmerzung aller derer, die geisteskrank sind”

Der Mord der Nationalsozialisten an Tausenden behinderten Menschen sollte geheim bleiben. Pfarrer Paul Gerhard Braune forschte dennoch nach – und deckte als Erster das Geheimnis der “Aktion T4” auf.


Von Antonia Kleikamp|DIE WELT

Bildarchiv Preussischer Kulturbesitz
Bildarchiv Preussischer Kulturbesitz

Wer in einer Diktatur zu viel weiß, lebt gefährlich. Und wer noch mehr wissen will, gerät schnell in die Fänge der Geheimpolizei des Regimes. Um das trotzdem zu wagen, braucht man viel Mut – und Gottvertrauen. Beides hatte Pfarrer Paul Gerhard Braune.

Am 9. Juli 1940 vollendete der evangelische Theologe und Leiter der Hoffnungstaler Anstalten in Lobetal bei Berlin eine umfangreiche Denkschrift, die er kurz darauf an Hitlers Regierungszentrale schickte. Schon die erste Überschrift musste bei der “Kanzlei des Führers” Alarmglocken schrillen lassen: “Planwirtschaftliche Verlegung von Insassen von Heil- und Pflegeanstalten”.

Braune kam direkt zur Sache: “Im Laufe der letzten Monate ist in verschiedenen Gebieten des Reiches beobachtet worden, dass fortlaufend eine Fülle von Insassen der Heil- und Pflegeanstalten aus ,planwirtschaftlichen Gründen’ verlegt werden, zum Teil mehrfach verlegt werden, bis nach einigen Wochen die Todesnachricht bei den Angehörigen eintrifft.”

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Augenzeugen der Conquista

Habgier war ihr Motiv, Mord ihr Mittel. Skrupel kannten sie nicht, und Mitleid war ihnen fremd. Seit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus (1492) strömte eine wachsende Zahl von Abenteurern in die Neue Welt, viele von ihnen Desperados wie der ehemalige Schweinehirt Franzisco Pizarro (1475-1541), die in der Fremde zu finden hofften, was sie in der Heimat nicht bekamen: “oro y gloria”, Gold und Ruhm.


Von Theodor Kissel|Spektrum.de

Celso Gargia, Caspar de Carvajal, Samuel Fritz Die Eroberung von Peru Evamaria und Robert Grün (Hg.) Verlag: Edition Erdmann, Wiesbaden 2015 ISBN: 9783737400145 24,00 €
Celso Gargia, Caspar de Carvajal, Samuel Fritz
Die Eroberung von Peru
Evamaria und Robert Grün (Hg.)
Verlag: Edition Erdmann, Wiesbaden 2015
ISBN: 9783737400145
24,00 €

Robert und Evamaria Grün sind ausgewiesene Kenner auf dem Gebiet der Historischen Geographie und des Zeitalters der Entdeckungen. In ihrem neuen, äußerst lesenswerten Buch lassen sie drei Zeitzeugen zu Wort kommen, die in persönlichen Tagebüchern den welthistorisch so bedeutsamen wie folgenschweren Kulturkontakt zwischen Alter und Neuer Welt reflektierten. Ansätze für eine friedliche Koexistenz findet man darin kaum; meist drehen sich die Texte um blutige Auseinandersetzungen zwischen den spanischen Kolonialherren und der indigenen Bevölkerung Perus.

Im Irrsinn des Goldrauschs

Befeuert von dem verheißungsvollen Gerücht über ein legendäres Goldland “El Dorado” zog es um die Mitte des 16. Jahrhunderts Hunderte Hasardeure in die dünne Luft der Anden und in die grüne Hölle des Amazonas, um für die spanische Krone Land in Besitz zu nehmen. Die rechtliche Voraussetzung dafür schufen die “capitulationes”, staatliche Eroberungslizenzen, mit denen Spaniens König Karl V. die Kolonisierung Amerikas für private Investoren freigab und diesen ein befristetes Monopol zur kommerziellen Ausbeutung des Lands gewährte.

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Warum der Mordparagraf geändert werden muss

  • Der Mordparagraf ist überholt – darüber ist man sich in Justizkreisen weitgehend einig.
  • Vor allem die Festlegung auf eine lebenslange Haftstrafe und das Mordmerkmal “Heimtücke” werden von Kritikern angeprangert.
  • Eine vom Justizministerium eingesetzte Expertenkommission stellt heute ihren Abschlussbericht vor.

justiz_gross

Süddeutsche.de

Aus der Nazizeit, ungenau, unpassend für das moderne Strafrecht: Die Kritik an Paragraf 211 des Strafgesetzbuchs (StGB), dem “Mordparagrafen”, gibt es seit Jahrzehnten. Seit Mai 2014 befasst sich eine von Bundesjustizminister Heiko Maas eingesetzte Expertenkommission mit einer Reform der Gesetze zu Tötungsdelikten – an diesem Montag werden die Ergebnisse vorgestellt.

Worum geht es?

Das Strafgesetzbuch unterscheidet zwischen Mord und Totschlag: Als Mörder ist demnach zu bestrafen, wer einen Menschen mit Methoden oder aus Motiven tötet, die die Gesellschaft besonders ablehnt. Das Strafgesetzbuch kleidet diese Anforderungen in sogenannte Mordmerkmale: Mörder ist demnach, wer etwa “aus Habgier” tötet, “heimtückisch oder grausam” oder “aus niedrigen Beweggründen”. Die dafür vorgesehene Ahndung ist eindeutig: “Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft”, heißt es in Paragraf 211 des Strafgesetzbuches.

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Über weiße Einzeltäter und muslimische Terroristen

Dylann Roof nach seiner Festnahme. Bild: MiGAZIN
Ein Weißer ermordet neun Afro-Amerikaner in South Carolina. Weder Medien noch Regierung sprechen von einem Terroranschlag, sondern von einem psychisch kranken Einzeltäter. Ein muslimischer Täter wäre sofort zum Terroristen erklärt worden.


Von Paul Simon|MiGAZIN

In den USA droht es beinahe zu einem traurigen Ritual zu werden: Genau wie es mit beklemmender Regelmäßigkeit zu brutalen Amokläufen kommt, flammen danach die immer gleichen Debatten auf. Für einige Tage diskutiert dann das Land über eine Verschärfung der Waffengesetze – bis der Streit wieder einschläft und erst mit der nächsten Tragödie neu belebt wird.

Nach dem brutalen Anschlag von Dylann Roof auf einen Gebetskreis in Charleston, South Carolina, bei dem am 17. Juni neun Afro-Amerikaner ermordet wurden, unter ihnen auch eine Senatorin, stellten sich allerdings noch andere Fragen: Warum, verlangten viele zu wissen, sprachen weder Medien noch die Regierung von einem Terroranschlag? Ist dies Ausdruck der Vorurteile der Mehrheitsgesellschaft, die dem weißen Attentäter seine Individualität zugesteht und den Grund seiner Tat in seinen psychischen Problemen erkennt, im muslimischen Gewalttäter aber sofort den Terroristen erblickt und damit einen Vertreter einer potenziell gefährlichen Gruppenidentität?

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