Machen Moscheevereine genug gegen die Extremisten in ihren Reihen?

An der An-Nur-Moschee in Winterthur trieben Islamisten lange ihr Unwesen, bis die Behörden eingriffen. (Bild: Keystone / Walter Bieri)
Lassen sich Jugendliche vom radikalen Islamismus verführen, fällt dies oft auch ihren gemässigten Glaubensgenossen auf. Doch nicht immer erhalten die Behörden warnende Hinweise.

Von Beat Stauffer | Neue Zürcher Zeitung

Der junge Iraker fiel immer wieder durch seine radikalen Äusserungen und seine offen bekundete Sympathie für den IS auf. Davon wollten seine Glaubensgenossen in der arabischen Moschee im sankt-gallischen Wil, in welcher der Extremist verkehrte, nichts wissen. Der Imam Kabil Idrizi untersagte dem Iraker, das Gotteshaus zu betreten – und wandte sich, als dieser Morddrohungen aussprach, an die Wiler Behörden. Diese erliessen ein offizielles Hausverbot und schalteten die Kantonspolizei ein.

Es gibt nur wenige öffentlich bekannte Fälle wie diesen aus dem Mai 2015, in denen sich Moscheevereine aus eigenem Antrieb gegen radikale Kräfte zur Wehr setzen und die betreffenden Personen auch den Behörden melden. In vielen anderen Beispielen gibt es zwar deutliche Hinweise auf eine solche Zusammenarbeit. Doch die Behörden bewahren meist Stillschweigen. Und für die Moscheevereine ist das Thema heikel, stecken sie doch in einem Loyalitätskonflikt und setzen sich durch die Kooperation mit den Behörden der Kritik konservativer oder gar salafistischer Mitglieder aus.

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Saïda Keller-Messahli: „Allmählich etabliert sich eine Parallelgesellschaft“

foto: christian beutler / keystone Viele Moscheeverbände würden eine Islamlehre vertreten, die nichts mit dem Leben und dem Alltag der Mehrheit der Muslime in den westlichen Ländern zu tun habe, sagt Saïda Keller-Messahli.
Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, über vernetzte radikale Prediger, die Rolle der Moscheevereine und die vernachlässigte liberale Mehrheit der Muslime in Europa

Interview Lisa Nimmervoll | derStandard.at

STANDARD: Für Ihr Buch haben Sie „einen Blick hinter die Kulissen der Moscheen“ in der Schweiz geworfen. Was haben Sie dort gefunden?

Keller-Messahli: Es ist ein beunruhigender Befund, weil sich allmählich eine Parallelgesellschaft etabliert. Das Leben in den 300 Moscheen der Schweiz ist sehr abgeschottet vom Rest der Gesellschaft. Niemand weiß, was dort gepredigt wird, was dort überhaupt stattfindet. In einigen Moscheen werden wirklich radikale Prediger aus den Balkanstaaten, der Türkei oder Saudi-Arabien eingeladen, um dort ihre Ideologie zu verbreiten. Sie werden auch an andere Moscheen weitergereicht und wandern oft durch ganz Europa. So wurde die Schweiz zu einer islamistischen Drehscheibe.

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Kirchhof sieht Probleme beim islamischen Religionsunterricht

Der Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, Ferdinand Kirchhof.
Der Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, Ferdinand Kirchhof.
Der Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, Ferdinand Kirchhof, sieht ein rechtliches Problem beim islamischen Religionsunterricht. Der Unterricht in staatlichen Schulen benötige zur näheren Ausgestaltung eigentlich Verträge zwischen Staat und Religionsgemeinschaft, sagte Kirchhof im Interview mit den „Badischen Neuesten Nachrichten“ (Samstag).

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Das Staatskirchenrecht baue auf der historischen Vorgabe auf, dass große Kirchen mit körperschaftlicher Verfassung existieren, mit denen der Staat Verträge schließt. Der Islam besitze diese bundes- oder landesweite körperschaftliche Verfassung nicht. Meistens treten rechtlich nur einzelne Moscheevereine auf. Es fehlt also an einem Vertragspartner für landesweite Vereinbarungen. „Es wäre einfacher zu handhaben, wenn die Gespräche mit den verschiedenen Glaubensrichtungen im Islam rechtlich überschaubarer würden.“

Verfassungsschutz: Jeder 15. Moscheeverein salafistisch beeinflusst

Bild: WDR.de
Bild: WDR.de
Jeder 15. Moscheeverein in NRW ist nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes salafistisch beeinflusst. Von den 850 Moscheevereinen seien dies 55, sagte NRW-Verfassungsschutz-Chef Burkhard Freier am Freitag (04.11.2016) dem WDR-5-Morgenecho. Das entspricht 6,5 Prozent der Vereine.

WDR.de

Diese Vereine würden vom Verfassungsschutz beobachtet. „In den Moscheen finden häufig nur die Anbahnungen und die ersten Gespräche statt, die eigentliche Radikalisierung nicht mehr“, sagte der Chef des NRW-Verfassungsschutzes.

Grüne und Islam-Verbände: Keine Rede mehr von Gleichstellung

Islamverbände in den HInterhof verbannen, oder nicht? Darüber streiten die Grünen. Bild: dpa
Cem Özdemir und Volker Beck richten ihr Verhältnis zu den Moscheevereinen neu aus. Von einem Sinneswandel mögen sie aber nicht reden.

Von Daniel Bax|taz.de

Prominente Grüne gehen auf Distanz zu den Islam-Verbänden. In einem gemeinsamen Papier erteilen Parteichef Cem Özdemir und Volker Beck deren Wunsch nach Anerkennung als Religionsgemeinschaften eine klare Absage. „Zum jetzigen Zeitpunkt“ sei eine solche Gleichstellung „weder religions- noch integrationspolitisch wünschenswert“, schreiben sie.

Die Islam-Verbände seien „bislang in ihrer Zusammensetzung national, politisch oder sprachlich, nicht aber bekenntnisförmig geprägt“, begründen sie ihre Haltung.

Das allerdings ließe sich auch über die Alevitische Gemeinde in Deutschland sagen, die beide als positives Beispiel hervorheben. Und auch die vertritt nicht alle Aleviten in Deutschland, wie es die Autoren von den sunnitisch-muslimischen Verbänden verlangen.

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Muslime sauer auf Mazyek

Aiman_Mazyek

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, brüskiert andere muslimische Verbände. Viele werfen Mazyek Profilierung und Machtpolitik vor. Auch das Bundesinnenministerium spielt eine unrühmliche Rolle.


Von Timur Tinç|Frankfurter Rundschau

Die Vertreter aller großen muslimischen Verbände Deutschlands standen neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck am Dienstagabend vor dem Brandenburger Tor. Einig gegen den Terror lautete die Botschaft, die über die Landesgrenzen hinweg eine starke Symbolkraft hatte. Tausende Menschen waren in die Hauptstadt gekommen, um „zusammenzustehen und Gesicht zu zeigen“, wie es in dem Aufruf des Zentralrats der Muslime hieß. Vertreter aller Parteien, der Religionsgemeinschaften und der Zivilgesellschaft waren anwesend.

„Unsere Demokratie ist stärker als der Terror“, hatte Bundespräsident Joachim Gauck direkt nach dem Terroranschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ gesagt, bei dem zwölf Menschen ums Leben gekommen waren. „Wir werden es nicht zulassen, dass unsere Gesellschaft von Extremisten, die nur das Ziel haben, Hass und Zwietracht zu stiften, auseinandergerissen wird“, hatte Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, betont.

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