Schlagwort-Archive: München

Stadtrat: München bleibt frei von “Stolpersteinen”

In München wird es keine “Stolpersteine” geben. Wie der Stadtrat am Mittwoch beschloss, ist diese Form des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus für die bayerische Landeshauptstadt auch künftig keine Option.


evangelisch.de

Berlin, Stolperstein für Else Liebermann von Wahlendorf, Budapester Straße 45, verlegt am 26.09.2006 Bild: wikimedia.org/Axel Mauruszat

Mit seinen “Stolpersteinen” erinnert der Künstler Gunter Demnig seit 1992 an das Schicksal von Menschen, die während der NS-Diktatur verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Betonsteine tragen eine Messingplatte mit individuellen Inschriften und werden in der Regel im Gehweg vor den letzten Wohnhäusern der NS-Opfer platziert. Mit inzwischen über 50.000 Steinen in Deutschland und 18 weiteren europäischen Ländern gilt das Projekt als “größtes dezentrales Denkmal der Welt”.

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Auch Spaghettimonster zahlen Rundfunkbeitrag

Ein Freidenkerclub ist keine Kirche: Wie ein Gericht in München eine Klage gegen den Rundfunkbeitrag ablehnt und dabei einiges klärt – über Gott und die Welt. Vor allem über Bayern.


Von Patrick Bahners|Frankfurter Allgemeine

Screenshot: http://www.pastafari.eu/
Screenshot: http://www.pastafari.eu/

Schon die Vereidigung der beiden ehrenamtlichen Richter zu Beginn der Verhandlung lässt ahnen, wie es um die Chancen von Michael Wladarsch vor der Kammer 6b des Verwaltungsgerichts München steht. Beide Laienrichter legen den Eid mit der religiösen Beteuerung „so wahr mir Gott helfe“ ab. Wladarsch ist der Vorsitzende der Münchner Ortsgemeinde des Bundes für Geistesfreiheit (BfG), einer Interessenvertretung der Konfessionslosen, die auf die Freireligiösen der Zeit der Revolution von 1848 zurückgeht. Wie die CSU gibt es den BfG nur in Bayern; er hat 4800 Mitglieder und ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Er gehört zu den Verbänden in der Freidenkerbewegung, die an der staatlichen Förderung der Religion teilhaben wollen, solange sie noch nicht abgeschafft ist.

Wladarsch hat gegen einen Gebührenbescheid des Bayerischen Rundfunks geklagt. Er beruft sich auf Paragraph 5 des Rundfunkbeitragsstaatsvertrags, wonach die Rundfunkgebühr für Betriebsstätten entfällt, wenn ein Ort „gottesdienstlichen Zwecken gewidmet ist“. Die Räume des von Wladarsch in Schwabing betriebenen Graphikbüros dienen zugleich als Vereinslokal der Freigeister. Wladarsch rügt eine Bevorzugung der Kirchen und möchte die vereinstypischen Diskussionen über Gefahren des Gottesglaubens als freigeistige Alternative zum Gottesdienst anerkannt sehen. Hilfsweise macht er geltend, die Vereinsräume seien eine Kultstätte der Religion des „Fliegenden Spaghettimonsters“.

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“Israel-Bashing ist Mainstream”

Münchens jüdische Gemeinde feiert ihr 200-jähriges Bestehen. Ein Jubiläum in schwierigen Zeiten, sagt Charlotte Knobloch


Von Peter Issig|DIE WELT

Bild:  phhesse/flickr
Bild: phhesse/flickr

Von ihrem Schreibtisch blickt Charlotte Knobloch auf ein kleines Ölgemälde. Es zeigt die alte von den Nazis zerstörte Synagoge, dahinter sind die Türme der Münchner Frauenkirche. Wenn sie aus dem Fenster schaut, sieht sie die neue Ohel-Jacob-Synagoge und auch die Frauenkirche. Die israelitische Kultusgemeinde in München ist die zweitgrößte in Deutschland nach Berlin. Am Mittwoch feiert sie zwei Jubiläen. Das Judenedikt von Maximilian Graf Montgelas vor 200 Jahren und die Wiederkehr der Gemeinde nach der Schoah vor 70 Jahren.

Welt am Sonntag:

Die jüdische Gemeinde hat in der Mitte der Stadt einen Platz gefunden. Entspricht das auch der gesellschaftlichen Realität?

Charlotte Knobloch:

Ja. Die jüdische Gemeinschaft ist heute wieder ein fester und anerkannter Bestandteil unserer Gesellschaft. Das Judentum hat in unserem Land wieder eine Gegenwart und eine Zukunft – von beidem war 1945 nicht auszugehen. In München sind wir aus dem Hinterhofdasein der Nachkriegszeit zurück in die Mitte der Stadt gezogen, aus der wir einst gerissen wurden. Wir sind wieder sichtbar und selbstverständlich. Es gibt Rückschläge, kein Zweifel, aber die positiven Entwicklungen dominieren.

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Münchner liberale Gemeinde Beth Shalom

Die liberale jüdische Gemeinde Beth Shalom ist seit März 1995 in München eingetragen. Sie gehört zur Union Progressiver Juden in Deutschland, die wiederum eingebunden ist in die World Union of Progressive Judaism mit 1,8 Millionen Mitgliedern in 50 Ländern.


Von Veronika Wawatschek|Bayern2

Tora-Vorhang der Gemeinde. Bild: BR.de

Die Mitglieder der Union in Deutschland versuchen, ein jüdisches Leben zu führen, “das den sozialen, kulturellen und ethischen Herausforderungen der Moderne entspricht”. Dabei sind Männer und Frauen gleichberechtigt, sie nehmen gleichberechtigt an den Gottesdiensten und allen anderen religiösen Veranstaltungen teil. Das liberale Judentum, das sich im Zuge der Aufklärung ausprägte, setzt sich für die wechselseitige Achtung und Toleranz aller jüdischen Richtungen ein.

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Sonntags das gute Leben finden

Die Treffen der “Sunday Assembly” faszinieren Menschen, die sehr gern ein paar Rituale, aber keinen Gottesdienst haben wollen. Sie sind keine Kirchenhasser, es geht vor allem um Gemeinschaft. Ein Besuch in Hamburg.


Von Josefine Janert|Deutschlandradio Kultur

sundayassembly1Es ist Sonntag, gegen eins. Im Centro Sociale, einem Stadtteil-Zentrum in Hamburg, hat sich eine Handvoll Menschen versammelt. Einige von ihnen rücken Stühle in eine Reihe. Zwei Musiker proben. Die 22-jährige Lara packt selbstgebackenen Kuchen aus. Sie ist heute die Gastgeberin der Sunday Assembly ‒ so der Name der sonntäglichen Zusammenkunft.

Lara wird heute durch das Programm führen. Sie gehört zum ehrenamtlichen Organisationsteam. Hauptberuflich ist sie als Promoterin in einem Club tätig. Vor einem halben Jahr stieß Lara im Internet auf Videos. Diese zeigten eine christliche Gemeinschaft:

“Da ist mir halt aufgefallen, so, die Menschen in Amerika – halt meistens waren das Videos über Amerika – die bleiben da wegen der Community. Die haben eine traumhafte Community da in der Kirche. Und deshalb gehen die auch immer wieder hin, größtenteils. Und dann dachte ich mir so: Ja, wenn es so was für mich gäbe, das wär schon traumhaft. Und dann hab ich recherchiert, dann habe ich die Assembly gefunden. Hab mich anfangs aber noch nicht hier hin getraut, weil es mir so’n bisschen kultig vorkam, so wie ne Organisation. Aber letzten Endes hab ich echt ganz tolle Leute hier getroffen, die mir auch bei schweren Lebensentscheidungen tatsächlich geholfen haben. Und deshalb bin ich gerne hier, und deshalb bleibe ich auch hier.”

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Religionsstreit an bayerischer Schule: “Atheisten sind dumm”

Foto: brightsblog
Foto: brightsblog
Ein Schulleiter will eine staatliche Realschule bei München auf streng christlichen Kurs bringen: Er hängt Kreuze in die Klassen und möchte tägliche Gebete einführen. Laut Gesetz darf er das – doch Eltern und Schüler wehren sich.


Von Bernd Kramer|SpON

Die Aussage soll in einer Vertretungsstunde in der 10e gefallen sein. Der Schulleiter der Realschule Geretsried betrat die Klasse. Es sollte, so schildert es ein Lehrer der Schule, ein Gebet gesprochen werden, einige Schüler wollten aber offenbar nicht. Eine Diskussion entspann sich. Am Ende sagte der Schulleiter den Satz, der Lehrer, Eltern, Schüler aufregt: “Atheisten sind dumm.”

Nicht alle Schüler der Schule sind getauft. Einige Lehrer glauben nicht an Gott, etwa der Biologielehrer der 10e; die Schüler wissen davon. Sagt der Rektor also, dass an der Schule dumme Lehrer unterrichten? Dass man glauben muss, um an dieser bayerischen Schule klug zu werden?

In Geretsried geht es längst um Grundsätzliches: Wie viel Religion darf es an einer staatlichen Schule geben?

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Funktioniert Verbrechensbekämpfung mit Big Data?

Seit September testet die Polizei in München und Mittelfranken eine Software namens Precobs (“Pre Crime Observation Systems”). Das Programm versucht, anhand von bekannten Verhaltensmustern von Einbrechern vorherzusagen, wo in den nächsten Stunden oder Tagen Einbrüche stattfinden. In diesen Gebieten kann die Polizei dann ihre Präsenz deutlich verstärken und eventuell Verbrecher auf frischer Tat ertappen und festnehmen.


Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

Die Evaluierung des Systems soll in München bis Ende Mai laufen. Die aktuelle Verbrechensstatistik der bayerischen Landeshauptstadt München liefert aber bereits jetzt einen Anhaltspunkt, der dafür spricht, dass das Ergebnis positiv ausfällt: München verzeichnet nämlich für das gesamte Jahr 2014 einen deutlichen Anstieg der Einbrüche. In den letzten Monaten gingen diese Straftaten aber deutlich zurück.

Beim Bayerischen Landeskriminalamt, das für die Auswertung hauptsächlich zuständig ist, will man allerdings noch keine verbindlichen Aussagen dazu machen. Fest steht lediglich, dass die Machbarkeitsstudie von den beiden Ersttestregionen auf ganz Bayern ausgeweitet wird. Das entschied der bayerische Innenminister Joachim Herrmann bereits im November.

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München: Neuer Rekord bei Kirchenaustritten

Selbstdarstellung der Erzdiözese München/Freising. Bild: bb
Selbstdarstellung der Erzdiözese München/Freising. Bild: bb
  • Das hat es in der Stadt noch nicht gegeben: Im vergangenen Jahr sind 14 000 Münchner aus der Kirche ausgetreten.
  • Die Zahlen passen in einen langfristigen Trend: Die Münchner sind schon seit Jahren nicht mehr mehrheitlich christlich.


Von Dominik Hutter|Süddeutsche.de

So viele waren es noch nie: Fast 14 000 Münchner sind im Jahr 2014 aus der Kirche ausgetreten. Diese Zahl liegt nicht nur um 60 Prozent über dem Schnitt der zehn Jahre davor – sie übersteigt sogar den bisherigen Rekordwert von 2010, als die Missbrauchsskandale an die Öffentlichkeit kamen. Damals kehrten 12 305 Christen ihrer Kirche den Rücken. In den übrigen Jahren seit 2004 schwankt nach Angaben des Statistischen Amts der Stadt München der Wert zwischen 6216 (2005) und 11 514 (2013). Warum so viele Münchner dem institutionalisierten Christentum abschwören, wissen die städtischen Statistiker nicht – wie es auch keine Daten gibt, ob die Abtrünnigen zuvor katholisch oder evangelisch waren.

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Wie München zur Brutstätte für den Nazi-Terror wurde

Quelle: Stephan Rumpf/SZ Photo
  • Am 1. Mai eröffnet das NS-Dokumentationszentrum in München. Die SZ setzt sich in mehreren Texten mit der schwierigen Vergangenheit der Stadt auseinander und wirft einen ersten Blick in das neue Haus.
  • Alles zum Thema finden Sie auf dieser Seite.
  • Im folgenden Artikel lesen Sie, wie leicht es für Hitler war, die nationalsozialistische Bewegung im München der Zwanzigerjahre zu etablieren.


Von Franziska Brüning|Süddeutsche.de

Wer heute mit Blick auf die Feldherrnhalle bei Sonnenschein einen Kaffee trinkt, denkt in der Regel nicht daran, dass dieser Ort eine zentrale Kultstätte der Nationalsozialisten war. München ist schön, es fällt leicht darüber hinwegzusehen, dass hier Adolf Hitlers politische Karriere begann. Die Stadt selbst hat viele Jahre lang nur ihre guten Seiten betont, die Auseinandersetzung mit ihrer NS-Vergangenheit aber gescheut.

Dabei ist unstrittig: München war die Keimzelle des Nationalsozialismus.

Das Hofbräuhaus war das Stammlokal der Mitglieder der NSDAP, hier verkündete die Partei ihr Programm, hier sind zuerst die nationalsozialistischen Parolen zu hören gewesen, und auf den Straßen testeten die Nazis die Wirkung ihres antisemitischen Terrors. Das Pressehaus des Völkischen Beobachters, der Parteizeitung, stand in der Schellingstraße. Hitlers “Mein Kampf” wurde in der Nähe des Isartors verlegt. Die Lieblingsstadt des Diktators erhielt nach der Machtübernahme 1933 den Titel “Hauptstadt der Deutschen Kunst”. 1935 ernannte Hitler sie zur “Hauptstadt der Bewegung”. Und bis zum Ende des NS-Staates war die Zentrale der NSDAP in der Maxvorstadt.

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Bayern geht gegen Junkies vor: Zahl der Drogentoten in München verdoppelt sich

getty
  • Die Zahl der Rauschgiftopfer hat sich in München mehr als verdoppelt: Laut Szenekennern wegen der harten Gangart, mit der die bayerische Politik gegen Junkies vorgeht.
  • Der Drogenbericht der Deutschen Aidshilfe stützt die Theorie, dass die Drogenpolitik Mitschuld trage an der hohen Opferzahl: Zum Beispiel indem sie sich weigert, Fixerstuben einzurichten.


Von Andreas Glas|Süddeutsche.de

Hierher also hat ihn das Leben geführt. An einen Ort, an den nur diejenigen kommen, bei denen etwas gewaltig schief gelaufen ist: in einen Hinterhof in Schwabing, ins Café der Suchthilfe Condrobs. Thomas Stiller ist ein alter Mann, obwohl er doch erst Mitte vierzig ist. Faule Zähne, fahle Haut, rote Augen. Er ist seit 30 Jahren süchtig. Er hat erst gekifft, dann Pillen geschmissen, dann angefangen zu spritzen. “Klassische Drogenkarriere”, sagt Stiller.

Er wolle die Schuld nicht den anderen geben, nicht seinen Eltern und nicht dem Staat. Er sei eben “ein Stück weit wahnsinnig” gewesen als Teenager, als die Sache mit den Drogen losging. Er sagt aber auch, “dass die Drogenpolitik meinen Wahnsinn tatkräftig unterstützt hat” und diese Politik endlich aufhören müsse. Dass Schluss sein muss, bevor auch noch Nummer 22 abkratzt.

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Radikaler Islamismus: Berliner Salafist predigt in Bayern

Der Salafist Abul Baraa predigt immer wieder in Bayern. Foto: AZ Screenshot/Youtube
Der salafistische Prediger Abul Baara reist durch Bayern und hält Vorträge. Der Verfassungsschutz stuft den Mann aus Berlin als radikal ein. Seinen ersten Auftritt hat er diesen Freitagabend.


Abendzeitung München

Seine Videos auf Youtube sind echte Renner. Mit üppigem schwarzen Bart, Kopftuch und ausladenden Gesten predigt Abul Baraa im Netz seinen Anhängern. Jetzt hat der Salafist die virtuelle Welt verlassen und ist nach Bayern gekommen. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, tourt Baraa durch den Freistaat und hält Vorträge. Den ersten davon diesen Freitag in der Al-Rahman-Moschee in Regensburg. Nächste Stationen des radikalen Wanderpredigers sind Schwandorf, München und Weiden in der Oberpfalz.

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Moscheebau: Islam-Gegner scheitern vor Gericht

Erleichtert: Benjamin Idriz, hier vor einem Modell der geplanten Moschee, ist froh über die Entscheidung des Gerichts. © Schlaf
Aufatmen bei den Moschee-Befürwortern: Die Islam-Gegner sind vor dem Verwaltungsgericht mit ihrem Antrag zum Stopp städtischer Planungen abgeblitzt. Das Gericht deutete damit bereits an, dass es auch den Bürgerentscheid zum Thema ablehnen wird.


Von Bettina Stuhlweißenburg, Felix Müller und Sabine Dobel|Merkur Online

Das Verwaltungsgericht wird voraussichtlich entscheiden, dass es keinen Bürgerentscheid über das Islamzentrum in München geben darf. Das hat das Gericht am Mittwoch erklärt. OB Dieter Reiter (SPD) zeigte sich erleichtert. „Wir begrüßen diese Entscheidung. Sie macht deutlich, dass der Stadtrat mit seiner Ablehnung des Bürgerbegehrens völlig im Recht ist.“

Wie berichtet hatte die rechtspopulistische und islamfeindliche Partei „Die Freiheit“ um Michael Stürzenberger zehntausende Unterschriften gegen den Bau einer repräsentativen Moschee in München gesammelt. Stürzenberger hatte damit ein Bürgerbegehren gegen das Islamzentrum auf den Weg bringen wollen.

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Wie nah war der Verfassungsschutz den NSU-Mördern?

Bild: Deutsch Türkische Nachrichten
Die Aufklärung des NSU-Mordes in einem Kasseler Internetcafé 2006 könnte viele offene Fragen zur Terrorserie beantworten. Bisher unveröffentlichte Dokumente bringen Hessens Verfassungsschutz in Not.


Von Stefan Aust, Per Hinrichs, Dirk Laabs|DIE WELT

Es kommt nicht oft vor, dass Polizisten einen Verfassungsschützer abhören. Doch genau das taten Ermittler der Kasseler Mordkommission Ende April 2006 über Monate. Ein Mitarbeiter des Landesamtes für Verfassungsschutz Hessen stand unter Mordverdacht. Am 6. April 2006 hatte sich der Beamte Andreas Temme in einem Internetcafé in Kassel aufgehalten, als dort der Besitzer Halit Yozgat mit zwei Kopfschüssen ermordet wurde.

Es war der neunte Mord der Serie, die dem NSU, dem sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund, zugeschrieben wird. Trotz eines laufenden Strafprozesses in München und mehrerer parlamentarischer Untersuchungsausschüsse sind die Hintergründe der Anschläge bis heute nicht vollständig geklärt.

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Katholische Kirche: Diese Bistümer wollen ihr Vermögen offenlegen

Bild: tilly
Bild: tilly
Die katholische Kirche in Deutschland gibt sich transparent: Nach SPIEGEL-Informationen wollen 13 Bistümer demnächst ihre Finanzen veröffentlichen – und damit dem Beispiel Kölns folgen.


SpON

Nach der Transparenzoffensive des Erzbistums Köln, das am Mittwoch erstmals sein Milliardenvermögen offenlegte, wollen 13 weitere deutsche Diözesen nachziehen. Das ergab eine SPIEGEL-Umfrage bei den 26 übrigen Erzbistümern und Bistümern.

Demnach wollen Aachen, Dresden, Görlitz, Hamburg, Freiburg, Fulda, Magdeburg und Paderborn noch in diesem Jahr Zahlen vorlegen. 2016 wollen dann München und Passau folgen, Eichstätt 2017. In Rottenburg-Stuttgart brauche “die Bewertung der Immobilien noch Zeit”, ebenso in Münster.

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Geheimdienstakten zum Oktoberfestattentat bleiben geheim

Neues Denkmal am Ort des Anschlags, eingeweiht im September 2008, Bild: wikimedia.org/PD
Am 26. September 1980 sprengte eine Bombe auf dem Oktoberfest in München 13 Menschen in den Tod und verletzte weitere 211 teilweise so schwer, dass sie ihr restliches Leben lang litten oder noch leiden. Damals kam die Polizei recht schnell zum Ergebnis, dass die Bombe von einem Einzeltäter namens Gundolf Köhler gezündet wurde, der dabei selbst sein Leben verlor. Im Laufe der letzten fast 35 Jahre kamen jedoch immer mehr Merkwürdigkeiten ans Tageslicht, die Zweifel an dieser Einzeltätertheorie wachrufen.


Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

So meldete sich beispielsweise eine Krankenschwester aus Hannover, die unmittelbar nach dem Attentat einen jungen Mann mit abgerissener Hand behandelte, der sich ausgesprochen merkwürdig benahm und die Klinik vorzeitig verließ. Er könnte möglicherweise ein Mittäter gewesen sein, dessen Hand damals unter den verstreuten Leichenteilen gefunden und nicht eindeutig zugeordnet werden konnte. Weil sich zur Hand passende Fingerabdrücke zwar nicht in Gundolf Köhlers Auto, aber in dessen Unterlagen fanden, verbuchten die Ermittlungsbehörden das Körperteil schließlich als Überbleibsel des Täters und ließen sie 1997 ohne vorherigen Gentest vernichten.

Weil viele der Merkwürdigkeiten auf die Wehrsportgruppe Hoffmann verweisen, forderte die Linkspartei in einer kleinen Anfrage, dass die Bundesregierung die im Zusammenhang mit dem Oktoberfestattentat angelegten Geheimdienstakten dem Bundestag zugänglich macht. Das lehnte das Bundesinnenministerium jetzt ab. Als Grund gibt Ministeriumsvertreter Günter Krings an, die Informationen seien “so sensibel, dass selbst ein geringfügiges Risiko des Bekanntwerdens unter keinen Umständen hingenommen werden kann”.

Vorher wird in dem Antwortschreiben, das Telepolis vorliegt, unter anderem erklärt, dass die Aufdeckung der Identität von Quellen, die sich in einem “extremistischen und gewaltbereiten Umfeld bewegen”, dazu führen könnte, “dass das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit der jeweiligen Personen gefährdet wäre”. Dazu, warum der Schutz von Informanten nicht einfach (wie in anderen Fällen üblich) durch Schwärzung von Namen und anderen Erkennbarkeitsdaten gewährleistet werden kann, macht Krings keine Angaben.

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Causa ‘Hollemann': ÖDP wehrt sich gegen Verleumdungskampagne

ödp

Partei stellt klar: “ÖDP ist weder rechts noch links sondern eine wertorientierte Partei der Mitte!. Abtreibungen müssen hinterfragt werden dürfen” – Erzbistum München möchte keine Stellungnahme zur Kampagne gegen einen Lebensschützer abgeben


kath.net

Nachdem am Mittwoch die Wahl von Markus Hollemann als Referent für Umwelt und Gesundheit in der Stadt München gescheitert war, hat sich am Freitag die amtierende Bundesvorsitzende der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) zu den Vorgängen in der bayerischen Landeshauptstadt geäußert. Sie habe absolut kein Verständnis für die Kampagne von Grünen und SPD gegen ihre Partei, sagte Gabriela Schimmer-Göresz laut einer Presseaussendung: “Ich bin in großer Sorge um die Meinungsfreiheit in unserem Land, wenn man sich zu familienpolitischen Fragen in unserer Gesellschaft nicht mehr kritisch äußern darf. Wir bekommen hier langsam ein politisches Klima, welches sich keine demokratische Partei wünschen kann“, so Schimmer-Göresz.

Die Stadtratsparteien hatten zugleich ein Vermittlungsgespräch der ÖDP abgelehnt. „Meiner Ansicht nach ist Hollemann das Bauernopfer eines internen Machtkampfes zwischen CSU und SPD im Münchner Rathaus. Grüne und SPD haben gleichzeitig die Chance gesehen der ÖDP massiv politisch zu schaden. Das wurde eiskalt ausgenutzt!“, so die Bundesvorsitzende der ÖDP.

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Die Akte Carsten Szczepanski, Deckname “Piato”, V-Mann des Verfassungsschutzes

Auf einer Demonstration: Nazis morden der Verfassungsschutz hilft mit © Fraktion DIE LINKE. im Bundestag @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Machen sich deutsche Behörden tatsächlich Sorgen um ihre V-Leute, wenn diese vor Gericht zu dem vernommen werden, wozu sie angeblich angeworben wurden: Wissen über neonazistische Strukturen erlangen und geplante Straftaten im Vorfeld verhindern?

Von Wolf Wetzel—MiGAZIN

Der Neonazi und V-Mann Carsten Szczepanski, Deckname „Piato“, sollte am 4. November 2014 im NSU-Prozess in München als Zeuge vernommen werden. Dazu kam es nicht, weil sich Beate Zschäpe zum 3. Jahrestag der NSU-Selbstenttarnung nicht imstande sah, vor Gericht zu erscheinen. Doch bereits im Vorfeld dieser Ladung wurde alles in Bewegung gesetzt, um das Erscheinen von „Piato“ zu verhindern. Es waren keine Neonazis, die dies taten, sondern staatliche Stellen, in diesem Fall das SPD-geführte Innenministerium Brandenburgs. Schlagartig machten sie sich Sorgen um einen V-Mann:

Zuerst warf sich der „Verfassungsschutz“ Brandenburgs vor den bezahlten und geführten Neonazi: Der V-Mann könne als Zeuge nicht vernommen werden. Dann verfasste man eine sogenannte „Sperrerklärung“, die nichts anders bedeuten sollte, als dass der V-Mann nur selektiv also nichtsagendes aussagen sollte. Im Spiegel1 stand:

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Über 220 Straftaten mit NSU-Bezug seit November 2011

Straftaten mit NSU Bezug © NSU Watch & rechtesland.de
An jedem vierten Tag wird in Deutschland eine Straftat mit Bezug zur NSU begangen. Die meisten dieser Straftaten werden in Nordrhein-Westfalen verübt, NSU Kernland scheint aber Thüringen zu sein. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung hervor.

MiGAZIN

Über 220 Straf- und Gewalttaten mit NSU Bezug wurden seit dem Auffliegen der Terrororganisation Nationalsozialistischer Untergrund im November 2011 begangen. Das sind – im Schnitt sieben Straftaten im Monat, eine Straftat an jedem vierten Tag. Besonders aktiv wurden die Neonazis mit Beginn des NSU-Prozesses im Mai 2013 in München. Allein in diesem Monat wurden 28 Straftaten mit Vorbild NSU begangen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linkspartei hervor.

Wie Analysen von NSU-Watch und Rechtes Land zeigen, taucht Berlin als Tatort besonders häufig auf, gefolgt von Frankfurt am Main, München sowie Dortmund und Hamburg. Ein Blick auf die Karte zeigt deutlich: Straf- und Gewalttaten mit NSU-Bezug gibt es aber fast überall. In Nordrhein-Westfalen gibt es mit 46 Straftaten die meisten Vorkommnisse; in Relation zu den Einwohnerzahlen ist Thüringen aber NSU-Kernland.

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Schlafforschung: Schläfer vom Vollmond unbeeindruckt

Bild: futureclick.net
Viele Menschen haben den Eindruck, bei Vollmond schlechter schlafen zu können. Eine Studie widerlegt das – und zeigt außerdem, dass solche Befunde leicht in Schubladen verschwinden.

Von Lars FischerSpektrum.de

Viele Anekdoten und auch einige wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass Menschen bei Vollmond schlechter schlafen. Ein Forscherteam vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München kommt allerdings nun zu dem gegenteiligen Ergebnis. Die Gruppe um den Neurowissenschaftler Martin Dresler wertete Schlafdaten von 1265 Probanden aus über 2000 Nächten aus. Einen signifikanten Zusammenhang zwischen Mondphase und Schlaf fanden sie dabei nicht.

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Kirche steht Geld eines insolventen Spenders zu

Bild: tilly
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Spenden an eine Kirche, die sich ausschließlich aus milden Gaben finanziert, sind sakrosankt. Ein Insolvenzverwalter möchte 33.000 Euro von der Russisch Orthodoxen Diözese in München zurück, die ein Gläubiger gespendet hatte – vergebens.

Von Ekkehard Müller-JentschSüddeutsche.de

Spenden an eine Kirche, die sich ausschließlich aus milden Gaben finanziert, sind sakrosankt – das ist einem ungewöhnlichen Prozess vor dem Oberlandesgericht München (OLG) zu entnehmen. Ein Insolvenzverwalter fordert dort von der Russisch Orthodoxen Diözese insgesamt 33 000 Euro Spendengeld eines Gläubigen zurück, der inzwischen bankrott ist und vor allem einer Krankenkasse viel Geld schuldet. In erster Instanz hatte das Landgericht München I die Kirche des Münchner Erzbischofs Mark zur Zahlung verurteilt, weil sie sich an den Spenden sozusagen bereichert habe. Doch der Insolvenz-Senat des OLG hält diese Betrachtungsweise für “unglücklich”.

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