Arthur Seyß-Inquart: Der tückische Tyrann

Seyß-Inquart neben Hitler in Wien (1938) wikimedia.org/Bundesarchiv, Bild 119-5243 / CC-BY-SA 3.0

Arthur Seyß-Inquart sah sich als katholischen Gentleman, als Rädchen im Getriebe des NS-Staats. Eine Biografie zeigt nun, welche Macht und Brutalität solche Schreibtischtäter ausüben konnten.

Von Ludger Heid|Süddeutsche.de

Der 1892 in Südmähren in eine gutbürgerliche Familie hineingeborene Arthur Seyß-Inquart war Jurist, Weltkriegsteilnehmer, katholisch, national, konservativ, eigentlich kein typischer Nazi. Ein Grübler und Zauderer. Als Mitglied in der katholisch-nationalen „Deutschen Gemeinschaft“ wurde er Freund von Engelbert Dollfuß, einem Anhänger eines austrofaschistischen Ständestaates, der durch einen Staatsstreich ins Kanzleramt in Wien gelangt war. Nach der Ermordung Dollfuß‘ sah sich Seyß-Inquart als „Brückenbauer“ zwischen den Nationalsozialisten und dem christlich-sozialen Regime. Unter Dollfuß begann sein Aufstieg und unter dessen Nachfolger Kurt von Schuschnigg wurde Seyß-Inquart am 16. Februar 1938 österreichischer Innenminister. Da hatte Adolf Hitler bereits seine Hände im Spiel und Seyß-Inquart war die Rolle einer Marionette zugedacht, deren Fäden in Berlin gezogen wurden. Für ganze zwei Tage machte ihn der „Führer“ zum österreichischen Regierungschef, doch dieses Amt wurde mit dem „Anschluss“ obsolet. Seyß-Inquart wurde Reichsminister ohne Geschäftsbereich. Da war aus einem schüchternen katholischen Advokaten längst ein sattelfester klerikalfaschistischer NS-Machtmensch geworden.

weiterlesen

Russland: Medwedew gegen Verfassungsrang des Christentums

Dmitri Medwedew, Bild: wikipedia
Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew lehnt eine von Abgeordneten vorgeschlagene Erwähnung des orthodoxen Christentums in der Verfassung ab.

Radio Vatikan

Die Verfassung dürfe keine Religion begünstigen, sagte Medwedew am Freitag in einem Interview mehrerer russischer TV-Sender: „Unsere religiöse Überzeugung soll man nicht mit unserem Parteiausweis verknüpfen.“ Kirchennahe Abgeordnete der Regierungspartei Geeintes Russland und der Mitte-Links-Partei Gerechtes Russland hatten verlangt, die Orthodoxie in der Präambel der Verfassung künftig als „Grundlage der nationalen und kulturellen Identität“ zu bezeichnen.

weiterlesen

Vom völkischen Größenwahn des Katholizismus

Vorige Woche im Vatikan. Der Papst ernennt 6 Kardinäle und nutzt die Gelegenheit, in Arroganz und Impertinez kaum zu übertreffender Art, den weltumspannenden Anspruch der katholischen Kirche zu betonen.

B16:

[…] Die Kirche sei „katholisch“, weil sich die christliche Botschaft an allen Menschen richte, […]Zwar habe sich Jesu Mission zu Lebzeiten auf das jüdische Volk beschränkt. Von Anfang an sei sie jedoch darauf ausgerichtet gewesen, „allen Völkern das Licht des Evangeliums zu bringen“.

Die katholische Kirche sei im Auftrag Jesu verpflichtet jede ethnische, nationale und religiöse Spaltung zu überwinden. Tränen in den Augen knien die Katholen darnieder. Der Pappa gibt ihnen Größe zurück, verbal. Nach den Schlüpfrigkeiten unter priesterlicher Soutane, vor allem gegen Kinder, endlich wieder eine Frohbotschaft. Es kann nur eine Kirche Christi geben, natürlich die katholische. Ihre Universalität gründe letztlich auf der Universalität des „einzigen göttlichen Heilsplans für die Welt“.

„Vom völkischen Größenwahn des Katholizismus“ weiterlesen

Internationaler Atheistenkongress: Pauels – das regt mich nicht auf

Diakon und Büttenclown Willibert Pauels, Bild: ksta.de

In Köln treffen sich am Wochenende Atheisten zu einem Internationalen Kongress. Man will dort darüber nachdenken, wie man dem „Machtanspruch der organisierten Religionen“ noch besser entgegenwirken kann. Diakon und Büttenclown Willibert Pauels hat dazu eine ganz eigene Meinung.

domradio.de

domradio.de: Die Atheisten wollen ihre Kritik an Kirche und Religion stärker verbreiten. Muss die Kirche jetzt Angst haben vor den Atheisten?
Willibert Pauels: Selbstverständlich toleriere ich das. Die Liebe lebt von der Freiheit. Selbstverständlich sollen sie sich treffen. Wäre aber schön gewesen, wenn sie ihre Tagung mit einer Andacht im Dom beginnen würden.

domradio.de: Die Atheisten sagen, sie argumentieren rational. Und in der Tat: Beweise für die wichtigsten Glaubensgrundsätze haben die Religionen ja meistens nicht. Was kann man als Christ den Atheisten entgegen halten?
Willibert Pauels: Es gibt einen schönen Satz von Josef Ratzinger, der lautet: Der Gläubige und der Ungläubige begegnen sich im Zweifel. Ich habe ja von der Giordano-Bruno-Stiftung eine Einladung bekommen zum atheistischen Stammtisch. Da habe ich dankend abgelehnt. Man lädt auch ja auch keinen Vegetarier zum Grillen ein. Aber ich habe diesen Menschen zu meinem Soloprogramm im Senftöpfchen eingeladen. Und er ist gekommen und es war richtig toll, wir haben uns wunderbar unterhalten, waren sogar in den meisten Punkten einer Meinung. Außer natürlich in dem Hauptpunkt, im entscheidenden Punkt, da waren wir gegensätzlicher Meinung.

weiterlesen