Forschung zum politischen Islam: „Butler hat nichts verstanden“

Susanne Schröter in ihrem Büro vor dem „Schrein der Toleranz“ – Devotionalien aus aller Welt Foto: Felix Schmitt

Kritik am politischen Islam gerät schnell unter Rassismusverdacht. Ein Interview mit Susanne Schröter vom Forschungszentrum Globaler Islam.

Eva Berger | taz

taz: Frau Schröter, Sie haben an der Frankfurter Goethe-Universität eine Konferenz organisiert unter dem Titel „Islamisches Kopftuch – Symbol der Würde oder Unterdrückung?“ Dafür wurden Sie im Vorfeld von anonymen AktivistInnen via soziale Medien angegriffen, das Schlagwort vom „antimuslimischen Rassismus“ geisterte durch den Raum und die Forderung „Schröter raus“. Hat Sie das, als gestandene Islamforscherin, verletzt?

Susanne Schröter: Ich habe mich mein ganzes Leben lang gegen Rassismen, Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung eingesetzt, sowohl wissenschaftlich als auch ehrenamtlich. Mit so einem Hammer zu kommen, das fand ich schon reichlich unfair.

Wir sind das einzige Zentrum im deutschsprachigen Raum, das sich dezidiert mit diesem Thema beschäftigt, das über den politischen Islam, mit repressiven islamistischen Ordnungen forscht und die Dinge klar beim Namen nennt. Das gilt als heißes Eisen und entspricht nicht dem herrschenden akademischen Mainstream, so dass man schnell Gegenwind bekommt.

Warum?

Schon das Wort Islamismus wird unter Verdacht gestellt. Man möchte den Islam nicht mit negativen Dingen in Bezug bringen, fokussiert stattdessen auf Islamfeindlichkeit oder die Diskriminierung von Muslimen. Man glaubt es kaum, wie viele Projekte zur Islamfeindlichkeit finanziert werden. Ich kritisiere Totalitarismus, egal woher er kommt, egal in welcher Verkleidung er auftritt. Mein Spezialgebiet ist der islamische Totalitarismus, der politische Islam. Nicht die Religion. Mir geht es nicht um den Islam, der sehr unterschiedliche Facetten aufweist, sondern um eine politische Strömung, die ich für äußerst gefährlich halte. Die nicht nur nach außen gegen Nichtmuslime oder liberale Muslime, sondern auch nach innen und vor allem gegenüber Frauen und Mädchen extrem repressiv ist.

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Ausstellung „Contemporary Muslim Fashions“ in Frankfurt: „Nützliche Idioten des politischen Islam“

Ausstellung „Contemporary Muslim Fashions“ im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt. © Al-Badry, Wesaam

Liberale MuslimInnen sind entsetzt über die Frankfurter Ausstellung „Contemporary Muslim Fashions“, die die Verhüllung von Frauen feiert. Hier ihre Stimmen. (Ex-)MuslimInnen von Lale Akgün bis Abdel-Hakim Ourghi werfen den Ausstellungsmachern „Naivität“ und „Anbiederung an den politischen Islam“ vor.

EMMA | hpd.de

Am 4. April eröffnet die Ausstellung „Contemporary Muslim Fashions“ im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst. Sie präsentiert die Verhüllung von Frauen als hippen Trend und Hijab und Abaya als coole Modeaccessoires (EMMA berichtete). Die Initiative „Migrantinnen für Säkularität und Selbstbestimmung“ protestierten bereits mit einem Offenen Brief. Jetzt melden sich Islamwissenschaftler und MenschenrechtsaktivistInnen aus dem muslimischen Kulturkreis zu Wort:

Ali Ertan Toprak, Sprecher der Initiative Säkularer Islam und Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland (KGD)
„JEDE Art von geförderter Verschleierung der Frau ist eine Unterdrückung und Herabsetzung. Der Versuch, die Uniformen der Unterdrückung als Mode darzustellen und ihr mit Verständnis zu begegnen, zeigt nur eine westliche und sehr naive Sicht auf die Dinge. Unendlich viele vor allem linksliberale westliche Politiker, Aktivisten, Medien- und Kunstschaffende verharmlosen mit ihrem Kulturrelativismus den Islamismus; und viele Frauen, die sich als Feministinnen bezeichnen, verkaufen uns den Hijab als Symbol der Befreiung und die Scharia als verfassungskompatible alternative Rechtsordnung, während Alice Schwarzer und Terre des Femmes als ‚Rechte‘ diffamiert werden. Damit machen sich all diese angeblich progressiven Kräfte im Westen zu nützlichen Idioten des politischen Islam und verraten damit alle Ideale der Aufklärung und vor allem die progressiven Frauen in der islamischen Welt.“

Lale Akgün, ehem. SPD-Integrationsbeauftrage und Mitglied im Liberal-Islamischen Bund
„Es gibt keine sittsame Mode, die zu tragen für Musliminnen eine Pflicht ist. Nein! Das Kopftuch ist kein Zeichen der Vielfalt. Wer diese frauenfeindlichen Konstruktionen der Islamisten für bare Münze nimmt und in Wort und Bild transportiert, versündigt sich an den muslimischen Frauen. Ich möchte schreien angesichts der Naivität, mit der in unserem Land Diversity mit der Bedeckung der Frau gleichgesetzt wird. Die Ernst Max von Grunelius-Stiftung, das Bankhaus Metzler und die Stiftung der Frankfurter Sparkasse, die die Ausstellung fördern, hätten das Geld lieber für fortschrittliche Frauenprojekte ausgeben sollen statt für so einen Unsinn wie diese Ausstellung.“

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Ist der Staat zu lax gegenüber dem Islamismus?

Razzia in einer Frankfurter Moschee vergangenen Februar: „Da werden Ideologien aus dem Nahen Osten in Europa eingeschleust.“ Foto: Boris Rössler, dpa

Die ideologische Seite des Islams fordert die Gesellschaft heraus. Durch den Terror gibt es auch in Deutschland Verunsicherung. Experten streiten über die richtige Antwort.

Von Bernhard Junginger | Augsburger Allgemeine

Öffnet die im deutschen Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit dem politischen Islam Tür und Tor? Vor dem Hintergrund tödlicher islamistischer Anschläge wie jetzt in London oder zuvor auch in Deutschland und der Zuwanderung hunderttausender Muslime machen sich immer mehr Bürger große Sorgen. Was bedeutet es etwa, wenn in Umfragen in Deutschland 47 Prozent der befragten Muslime sagen, dass die Gebote ihrer Religion für sie über den staatlichen Gesetzen stehen? Die Politik streitet um die richtigen Wege, möglichen Gefahren zu begegnen.

Für den bayerischen CSU-Justizminister Winfried Bausback (CSU) geht es in der Diskussion „keinesfalls darum, den Islam als Religion zu diskriminieren oder auszugrenzen“. Im Gegensatz zum im Alltag gelebten Glauben vieler Mitbürger, die sich zum Koran bekennen, sei der politische Islam eine „totalitäre Ideologie, die sich der Sprache der Religion bedient“, so der bayerische Justizminister bei einer Expertenrunde in Berlin.

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Weitere Initiative säkularer Muslime: Freiburger Deklaration

Säkulare Muslime aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben in einer gemeinsamen Erklärung für eine liberale Islamreform geworben und sich zu einem „modernen und humanistisch geprägten Islamverständnis“ bekannt. Die „Freiburger Deklaration“ (September 2016) spricht sich gegen „Extremismus, Diskriminierung, Gewaltverherrlichung und Segregation“ aus und tritt für Demokratie und Menschenrechte als „die Grundlage für das friedliche Miteinander aller Menschen in unserer Gesellschaft“ ein.

Von Dr. Friedmann Eißler | EZW

Drei Namen stehen unter dem Dokument: Saïda Keller-Messahli, Gründerin und Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam in der Schweiz, Abdel-Hakim Ourghi, Leiter des Fachbereichs Islamische Theologie an der Pädagogischen Hochschule Freiburg, sowie Ali Ertan Toprak, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in Deutschland (BAGIV) und Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde. Unter den zwei Dutzend Unterzeichnenden sind darüber hinaus Namen wie Lale Akgün, Seyran Ateş, Serap Çileli und Necla Kelek zu finden.

Die Unterzeichnenden träumen von einer muslimischen Gemeinschaft („Unsere Vision“), die sich als integralen Bestandteil der europäischen Gesellschaft sieht, die alle Formen individueller Freiheit und Lebensgestaltung respektiert und schützt, die den Glauben als eine persönliche Angelegenheit betrachtet und sich nicht vor einer kritischen Hinterfragung der Religion scheut. Grundlage ist ein „humanistisches, modernes und aufgeklärtes Islamverständnis im zeitgemäßen Kontext“. Um ein „differenziertes Aufklärungsprogramm innerhalb der muslimischen Gemeinschaft“ auf den Weg zu bringen, sei innerislamische Kritik unerlässlich. Sie dürfe nicht mit Islamophobie verwechselt werden („Unsere Werte“). Auf dieser Basis sollten moderne Lesarten des Korans ausgearbeitet werden, beruhend auf einer historisch-kritischen Textanalyse. Für einen „zeitgemäßen, am Humanismus orientierten Glauben“ wird geworben, der „uneingeschränkt mit Demokratie und den Menschenrechten konform“ ist. Als Ansprechpartner des Staates zur Vertretung der Muslime gegenüber dem Staat schwebt den Verfassern ein Rat vor, „der sich aus Mitgliedern konservativer Verbände sowie Mitgliedern eines reformierten liberalen Islams zusammensetzt“ („Unsere Ziele“). Man verstehe sich nicht als Konkurrenten zu anderen muslimischen Gruppen, sondern wolle Alternativen zu den herkömmlichen Sichtweisen anbieten.

Der Protest ließ nicht lange auf sich warten. Am Tag nach der Veröffentlichung der Deklaration distanzierte sich der Liberal-Islamische Bund (LIB), 2010 unter dem Vorsitz von Lamya Kaddor gegründet. Der LIB verstehe unter liberal etwas anderes als die Freiburger Deklaration. Man suche einen Zugang zum Glauben, „ohne an spiritueller Substanz zu verlieren“, und setze sich schon lange für Jugendprävention, „einen inklusiveren Islam“ und gegen jegliche Form von Diskriminierung ein. Es geht jedoch nicht nur – vielleicht sogar nicht in erster Linie – um Inhalte, sondern gegen Personen. Ausdrücklich genannt wird Abdel-Hakim Ourghi, der „rassistischen und islamfeindlichen Diskursen in Deutschland“ Schützenhilfe leiste. Ein schwerwiegender Vorwurf. Der wird nicht weiter begründet, vielmehr wird Ourghi und der Deklaration abgesprochen liberal zu sein, insofern „er sich marginalisierenden Diskursen der Mehrheitsgesellschaft unreflektiert anschließt“. Vermutlich will man es sich mit den islamischen Verbänden nicht verderben, denen der kritische Islamwissenschaftler aus Freiburg schon lange ein Dorn im Auge ist, ganz zu schweigen von weiteren Namen auf der Liste der Unterzeichner.

Die Freiburger Deklaration ist nicht die erste Initiative liberaler Muslime, die gegen die Deutungshoheit konservativer Verbände ein anderes Islamverständnis ins Gespräch bringen will, aber sie ist die erste länderübergreifende dieser Art im deutschsprachigen Raum. Im Frühjahr 2015 hat sich das Muslimische Forum Deutschland gegründet, früher schon gab es einzelne Versuche wie etwa die „Initiative von säkularen und laizistischen BürgerInnen aus islamisch geprägten Herkunftsländern in Hessen“ (ISL) im Vorfeld der Deutschen Islamkonferenz, von denen allerdings wenig zu hören ist. Der LIB versteht sich als Forum für „die mehrheitlich liberalen Positionen des in Europa vorherrschenden Islamverständnisses“.

Sicher muss man sehen, dass „säkular“ oder „liberal“ für viele Muslime nicht mit einem religiösen Selbstverständnis zusammengeht. Häufig werden diese Begriffe mit grundsätzlicher Religionsfeindlichkeit und westlichem Lebensstil in Verbindung gebracht und deshalb abgelehnt. Es muss deutlicher werden, dass Säkularität nicht mit radikaler Religionskritik gleichzusetzen ist, sondern vielmehr positiv die Voraussetzung für individuelle Religionsfreiheit darstellt. Auch ist das Ziel, „den innerislamischen Kontakt zu suchen“ (LIB), zweifellos von hoher Bedeutung für weitere Entwicklungen eines „Reformislam“ – doch wer marginalisiert hier wen?

Vielleicht 75 Prozent der Muslime in Deutschland fühlen sich nicht durch die im Koordinationsrat der Muslime vertretenen Verbände repräsentiert. So paradox es klingt: Die sogenannte schweigende Mehrheit der Nichtorganisierten will gehört werden, sie braucht dringend Sprachrohre – die sich allerdings nicht gegenseitig bekämpfen, sondern Stimme und Gewicht suchen sollten, damit Meinungsvielfalt und Meinungsverschiedenheit fruchtbar werden für die jeweiligen Ziele. Sie liegen nicht so weit auseinander.

Freiburger Deklaration

Necla Kelek: „Lieber Michel Houellebecq“

Mosaik Michel Houellebecq, von Clément Mitéran unter CC BY-SA 2.0, zugeschnitten
Mosaik Michel Houellebecq, von Clément Mitéran unter CC BY-SA 2.0, zugeschnitten

Sehr geehrter Damen und Herren,

sehr geehrte Frau Schirrmacher,

sehr geehrte Jury,

ich bedanke mich, dass sie mir die Gelegenheit geben, die Laudatio für Michel Houellebecq, den Preisträger des Frank-Schirrmacher-Preises 2016 zu halten.

Ich danke der Jury und besonders Herrn Meyer von der Neuen Zürcher Zeitung, dass ich, liebes Publikum, heute hier sein kann.

Von Necla Kelek | DIE KOLUMNISTEN

Lieber Michel Houellebecq,

ich freue mich Ihnen zum Frank-Schirrmacher-Preis zu gratulieren und möchte Ihnen kurz darstellen, was dieser außergewöhnliche Journalist und Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für mich bedeutete.

Frank Schirrmacher führte als Herausgeber der FAZ ein offenes Haus, in dem er in seinen Artikeln, mit seinen Büchern, aber auch in den von ihm angestoßenen Debatten das Land immer wieder zu Diskursen über Zukunftsfragen unserer Gesellschaft, herausforderte. Er konfrontierte die Leser mit „ungeheuerlichen Neuigkeiten“, wie eine Sammlung seiner Texte betitelt ist. Er spürte das Beben in der Gesellschaft, bevor sich der Riss auftat. Als Seismograph oder Frühwarnsystem kultureller Erschütterungen, ähneln sich der Namensgeber des Preises und Sie lieber Preisträger, auch wenn Ihre jeweiligen Ausgangspunkte, die Methoden und vielleicht auch die Ziele sich unterscheiden. Weder bei Frank Schirrmacher noch bei Ihnen war oder ist vorauszusehen, was als nächstes die Agenda bestimmen wird. Sei es thematisch oder in der Form.

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Kein Gott, der uns rettet, in Sicht

Da sitzen sie noch friedlich nebeneinander. Foto: JF
Da sitzen sie noch friedlich nebeneinander. Foto: JF

Gott ist Liebe und Verständigung. Sagen die Diskutanten beim Impulsforum des Philosophicums. Und der wird uns retten. Ihr eigenes Verhalten und das des Publikums lässt Zweifel aufkommen.

Von Jörg Friedrich | DIE KOLUMNISTEN

Man könnte über das Impulsforum des Philosophicum in Lech berichten, indem man erzählt, wie es in dieser Runde zu einem Eklat kommen konnte, in der das Publikum am Ende den FAZ-Journalisten Patrick Bahners mit „Aufhören, aufhören!“-Rufen zum Schweigen brachten. Es wäre eine schöne Illustration für das Wirken des moralischen Wutbürgers, über den ich schon einmal geschrieben hatte. Und es hätte auch mit dem eigentlichen Thema des Forums zu tun, das mit einem Heidegger-Zitat überschrieben war: Nur noch ein Gott kann uns retten. Denn der Gott, den die Diskutanten beschworen, war der der Liebe, Toleranz, der Verständigung. Und wie weit der entfernt ist, das konnte man in diesem Moment sehr praktisch erfahren.

Aber die These, ob es ein Gott ist, der uns retten kann, ist eigentlich interessanter als der Eklat, der dies alles fragwürdig machte.

Heidegger als Slogan, mehr bitte nicht

Gleich zu Beginn entschuldigte sich der Moderator Michael Fleischhacker quasi für das Motto, das man ausgerechnet von Martin Heidegger geborgt hatte. Das berühmte Zitat stammt aus dem Spiegel-Interview, das der Philosoph am 24. September 1966 gegeben hatte. Dass der Satz somit fast genau 50 Jahre alt ist, merkte der Moderator an, allerdings hat er vermutlich dennoch nicht genauer in den Text des Interviews geschaut. Denn weder ist richtig, dass Rudolf Augstein das Interview vor allem mit dem Ziel geführt hat, Heidegger zu einer Beurteilung seiner Vergangenheit im Nationalsozialismus zu bewegen, auch wenn das von Prominenten Heidegger-Verächtern gern immer wieder behauptet wird, noch, dass Heidegger dort seine „pessimistische Gesellschaftssicht weitergeschrieben“ hätte.

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Staat und Frömmigkeit: Religion im Hinterhof

„Die Freiheit führt das Volk“ von Eugène Delacroix, 1830. Historiker verweisen darauf, dass die Marianne mit entblößter Brust – anders als es dieser Tage Frankreichs Premierminister nahelegte – im 19. Jahrhundert kein Kommentar zu einer bevorzugten Kleiderordnung war, sondern eine nationale Allegorie. (Foto: oh)

Warum streitet Frankreich so erbittert über den Burkini? Und was bedeutet eigentlich Laizismus? Der Hintergrund sind die Kulturkämpfe, die Europa früher schon einmal ausgefochten hat – gegen die katholische Kirche.

Von Gustav Seibt | Süddeutsche.de

Geistliche sollen erst predigen dürfen, nachdem sie ein „Kulturexamen“ zu Philosophie, Geschichte und deutscher Literatur abgelegt haben. Ihre Predigten werden politisch überwacht. Wer gegen den Staat hetzt, wird verhaftet. In den Gemeinden geschlossene Ehen sollen nicht mehr gültig sein, sondern vom Staat registriert werden. Religiöse Umzüge gelten als „Ruhestörung“, gar als Herausforderung der Leitkultur. Erhitzte Patrioten dringen mit Holzlatten in Kulträume, um sich mit Betenden zu prügeln. Verdächtiges Schrifttum wird beschlagnahmt. Religiöse Symbole werden aus dem öffentlichen Raum verbannt.

Sind das Maßnahmen heutiger Regierungen gegen islamische Parallelwelten? Man muss Spitzel in die religiösen Gemeinschaften einschleusen, zu verdächtig sind sie. Sagt das der Verfassungsschutz? Man sollte die Kinder dieser Frommen in staatliche Schulen schicken, um ihnen moderne Staatsgrundsätze und fortschrittliche Wissenschaft beizubringen – wer will das? Heinz Buschkowski und Monika Maron? Die geistlichen Gerichte sind ein Ärgernis, niemand weiß, was in ihnen vorgeht – sagt das Necla Kelek? Sogar eine eigene Presse haben diese gefährlichen Frommen – wer sind ihre Finanziers? Ein fernes Priesterregime im Ausland steuert sie!

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Warum der orthodoxe Islam mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist

Uwe Lehnert, Bild: freigeist-weimar.de

Uwe Lehnert ist vor allem durch sein Buch „Warum ich kein Christ sein will – Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung“ bekannt. Er äußert sich auch regelmäßig zu religions- und kirchenkritisches Themen.

Von Uwe Lehnert | Richard Dawkins-Foundation

Warum der orthodoxe Islam mit dem Grundgesetz nicht vereinbar und daher als verfassungswidrig einzustufen ist

Zwei Feststellungen möchte ich meinem Beitrag vorausschicken:

1. Eine ausländerfeindliche und fremdenfeindliche Einstellung ist generell abzulehnen. Insofern verurteile ich Äußerungen, wie sie vielfach von rechtsextremer Seite verbreitet werden. Wenn meine im Folgenden dargelegten Gründe einer den orthodoxen Islam ablehnenden Einstellung auch z.B. mit Positionen der Partei AfD übereinstimmen, kann mich das nicht abhalten, diese Positionen dennoch aufrecht zu erhalten. Ich habe auch partielle Übereinstimmungen in der Sicherheits-, Wirtschafts- oder z.B. Bildungspolitik mit der CDU, der SPD oder z.B. den LINKEN und stimme doch mit diesen Parteien in wesentlichen Fragen nicht überein.

2. Ich habe eine generell religionskritische Einstellung und lehne für mich speziell die Lehre des Christentums ab. Die Gründe dafür habe ich ausführlich in meinem Buch dargelegt »Warum ich kein Christ sein will – Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung« (Tectum-Verlag, 2015, 6. Auflage). Aus weitgehend den gleichen wissenschaftlichen, philosophischen und weiteren sachlichen Gründen lehne ich auch den Islam als Religion ab. Dennoch akzeptiere ich selbstverständlich Menschen, die dem Christentum oder dem Islam anhängen, als gleichberechtigte Bürger, dann nämlich, wenn sie ihren Glauben ohne Anspruch auf allgemein politisch-gesellschaftliche Verbindlichkeit als ihre private Angelegenheit betrachten.

Warum lehne ich den Islam, wie er sich weltweit und in zunehmendem Maße auch in Europa und Deutschland ausbreitet, als Religion ab? Warum ist der Islam, wie er im Koran beschrieben wird, mehr als ein religiöser Glauben, dem nicht die Religionsfreiheit gewährt werden kann, wie sie im Grundgesetz verbürgt wird?

Die von den Repräsentanten des Islam vertretene Glaubenslehre ist eine polit-religiöse Ideologie, die über ihr spirituelles Angebot hinaus den Anspruch erhebt, das individuelle wie das gesamtgesellschaftliche Leben nach den Vorgaben des Koran, der Hadithe (Überlieferungen) und der Scharia verbindlich zu gestalten. Dieser Anspruch ist grundgesetzwidrig, insbesondere weil er alle Mitglieder einer Gesellschaft einbezieht, unabhängig davon, ob sie sich zum Islam bekennen oder nicht.

In den Ländern Europas, in denen der Islam noch keine Möglichkeit hat, seine aus dem Koran abgeleiteten Forderungen politisch durchzusetzen, begnügt man sich muslimischerseits, diese vorerst nur auf muslimische Glaubensangehörige anzuwenden. In Ländern, in denen der Islam zur Staatsreligion erhoben wurde – viele Länder des arabischem Raums, Beispiel Saudi-Arabien, auch einige ostasiatische –, gelten die islamischen Gesetze grundsätzlich für alle Bürger, gleichgültig welchen Glaubens oder Nichtglaubens sie sind.

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Wahl Dodo des Monats Oktober 2015

Dodo des Monats Oktober 2015
Dodo des Monats Oktober 2015

Der Monat Oktober war bestimmt durch die Flüchtlings-und Asylpolitik der Bundesregierung. In den bayrischen Gefilden möchte man schon gern das Grundgesetz außer Kraft setzen, von der bigotten christlichen Nächstenliebe ganz zu schweigen.
In Rom versammelten sich 270 Autoerotiker um über Sexualität, Familie, Scheidung und obskure Rituale zu befinden. Bemerkenswert, formal-rechtlich hat keiner der Beteiligten irgendetwas mit Sexualität zu tun, meint aber göttliche Ratschläge erteilen zu können. Beachtlich, keine Institution, Organisation, Partei, Verein, Gesellschaft spricht so oft, so viel über Sexualität. Katholische Kirche ist wie ein Hardcore-Porno, die Notgeilen treffen sich in Rom und nennen das Synode.

Die Wahl ist bis zum 07.11. 2015 befristet, nach 18:00 Uhr gibt es keine Stimmabgabe mehr. Mehrfachabstimmung möglich.  Der Gewinner wird am folgenden Tag hier gewürdigt werden.

Viel Spaß!

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Religionskritik oder Rassismus?

Rassismus will sich keiner nachsagen lassen – noch nicht einmal Rechtspopulisten. Er habe nichts gegen Muslime, sondern nur gegen den Islam, weil er den als eine faschistische Ideologie betrachte, beteuert Geert Wilders treuherzig, wann immer er ein Interview gibt. So ähnlich formulieren das auch andere „Islamkritiker“ wie Ayaan Hirsi Ali, Alice Schwarzer, Necla Kelek und Hamed Abdel-Samad.

Von Daniel Bax|TELEPOLIS

Alice Schwarzer hält den Rassismusvorwurf ohnehin nur für einen „Trick gewisser Linker und Liberaler“, um sie „einzuschüchtern“. Und Necla Kelek findet, der Begriff werde von Muslimen „missbraucht“, als Migrantin fühlt sie sich über diesen Vorwurf erhaben.

Zur Not verweist man, wie der verstorbene Ralph Giordano es gemacht hat, mit Nachdruck auf die eigene jüdische Herkunft und antifaschistische Vita, um den Vorwurf der rassistischen Hetze gegen Minderheiten voller Empörung weit von sich zu weisen. Selbst die Schweizer Pfarrerin Christine Dietrich, nach ihrer Nebentätigkeit als Mitbegründerin und Autorin von „Politically Incorrect“ gefragt, behauptete, „dass wir keine Rassisten sind, sondern islamkritisch sind, dass wir nicht gegen Menschen uns richten, egal welcher Herkunft oder Hautfarbe, sondern gegen politische Systeme und Ideologien“. Und Ideologiekritik ist doch etwas Gutes, oder nicht?[1]

Dabei bedienen sich diese „Islamkritiker“ gerne eines Taschenspielertricks. Indem sie dem Islam absprechen, überhaupt eine Religion zu sein, und ihn stattdessen zu einer totalitären Ideologie erklären, die dem Faschismus gleicht, halten sie sich selbst im Handumdrehen für die einzig wahren Antifaschisten, weil sie die Gefahr erkennen und benennen, während alle anderen Appeasement betreiben. Muslime stellen sie dafür als die eigentlichen Rassisten dar, die, so Alice Schwarzer, zum Beispiel „Geschlechter-Apartheid“ betrieben.

Auch Marine Le Pen, FPO-Chef Heinz-Christian Strache und andere Rechtsparteien geben heute vor, entschieden gegen Rassismus zu sein – vor allem gegen solchen von muslimischer Seite.[2] Dabei steht außer Frage, dass es islamistische Gruppen wie die IS-Milizen oder Boko Haram gibt, deren Ideologie zweifellos totalitäre oder gar faschistoide Züge tragt. Doch indem eine populistische „Islamkritik“ die Unterschiede zwischen dem Islam, dem Islamismus als politischer Ideologie und seinen terroristischen Auswüchsen bewusst verwischt, stempelt sie den Glauben von 1,3 Milliarden Menschen auf der Welt zu einer Art irrationalem Gewaltkult ab. Mit diesem Argument lässt es sich leichter begründen, warum man die Religionsfreiheit für Muslime aushebeln will.

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Der Koran ist nur schön

Das Philosophie-Magazin hat die Sonderausgabe „Der Koran“ herausgebracht Foto: Philosophie Magazin / Fotomontage: pro

Es müssen zwei Versionen des Koran im Umlauf sein. Anders ist nicht zu erklären, warum westliche Intellektuelle nirgends Aufrufe zu Gewalt und Unterdrückung darin finden können, während sich Islamisten weltweit auf den Koran berufen. Das „Philosophie-Magazin“ widmet einer der beiden Koran-Versionen ein Sonderheft.


Von Jörn Schumacher|pro Medienmagazin

Es ist erstaunlich: Wer sich ein Enthauptungsvideo ansieht, wer die Begründung einer islamistischen Terrorgruppe für den jüngsten Anschlag liest, wer den Predigten der Salafisten auch hierzulande lauscht, hört viel von Allah, seinem Propheten und was der Koran über deren Verhältnis gegenüber Nichtmuslimen sagt. Doch wer einen Islamwissenschaftler fragt, woher der Hass im Islam kommt, hört vor allem eine Lobeshymne auf wundervolle Poesie.

Von den Machern eines Philosophie-Magazins würde man Begeisterung für die Aufklärung erwarten, die Ablehnung des Alleinherrschaftsanspruches irgendeiner Religion und die kritische Analyse von geistigen Strömungen, die zur Unterdrückung anderer Menschen aufruft. Wer das Sonderheft „Der Koran“ des Philosophie-Magazins aus Berlin durchliest, findet davon allerdings nicht viel. Stattdessen ergeht sich das Heft auf über 90 Seiten in einer Ode an das Buch, das „Ungläubige“ geköpft sehen will, das Frauen unter den Mann stellt und das ausschließlich Allah die Gewalt über Leben und Tod unterstellt. Die Gegenaufklärung – sie lebt.

„Poetisches Wunderwerk“

Von „Allah“ ist im Koran-Sonderheft aber ohnehin nie die Rede, sondern von „Gott“. Islam, Christentum, Judentum, wo ist da der Unterschied? Der Islam habe heutzutage in Europa ein „Imageproblem“, schreibt die Chefredakteurin Catherine Newmark im Vorwort. Durch die Sonderausgabe ihres Magazins ziehe sich eine Spannung zwischen Glaube und Vernunft. „Es ist die Kernspannung auch der über Jahrhunderte umkämpften europäischen Aufklärung. Sie führt nicht zuletzt auf die Frage nach der menschlichen Freiheit im Angesichts Gottes.“ Dass im Folgenden aber eben nicht vom Christentum (das die Aufklärung durchlebt hat), sondern vom Islam, von Allah, und eben nicht von Gott oder Jahweh, und eben vom Koran, und nicht von der Bibel die Rede ist, – geschenkt.

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Ayaan Hirsi Ali über Kampf der Ideen

ayaan-hirsi-aliMit Luftschlägen, Drohnen oder Bodentruppen allein lässt sich der Islamismus nicht besiegen. Wie im Kalten Krieg müssen wir ihm eine alternative Vision entgegenstellen


Von Ayaan Hirsi Ali|DIE WELT

Jedes Mal, wenn ich für eine Reform der islamischen Welt plädiere, bekomme ich das Gleiche zu hören: „Das ist nicht unsere Aufgabe, sondern allein die der Muslime. Wir sollten uns da heraushalten.“ Dabei rede ich nicht von Militärinterventionen, wie sie dem Westen in den letzten Jahren so viele Probleme beschert haben. Jahrelang haben wir für Kriege gegen „Terror“ und „Extremismus“ Billionen ausgegeben. Diese wären weitaus besser investiert worden, um muslimische Dissidenten zu schützen und ihnen die Plattformen und Ressourcen zu bieten, um dem gewaltigen Netzwerk der islamischen Zentren, Koranschulen und Moscheen, den Hauptverantwortlichen für die Ausbreitung der gefährlichsten Formen des Islamismus, etwas entgegenzusetzen.

Jahrelang haben wir die Finanziers dieses Netzwerks – Saudi-Arabien, Katar und die inzwischen reuigen Vereinigten Arabischen Emirate – als Verbündete behandelt. Während wir die Szenen beobachteten, überwachten und sogar Militäraktionen durchführten, kam es uns nicht in den Sinn, eine wirkungsvolle Aufklärungsstrategie zu entwickeln: Weil wir anfangs nicht wahrhaben wollten, dass islamischer Extremismus auch etwas mit dem Islam zu tun hat. Noch immer fixieren wir uns auf die Gewaltausbrüche, aber nicht auf die Anschauungen, die sie hervorrufen.

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N.Kelek: „Frauen in Kreuzberg sind nicht besser gestellt als in der Osttürkei

Die Islamkritikerin Necla Kelek Foto: ct

Necla Kelek kritisiert den Islam. Sie stellt fest: In Kreuzberg ist es mit der Freiheit für Frauen nicht viel besser bestellt als in der Osttürkei.

Von Christine StrasserMittelbayrische

Begegnung mit einer „Fundamentalistin der Aufklärung“: Der türkischstämmigen, deutschen Soziologin Necla Kelek gefällt die Bezeichnung. „Ja, das bin ich“, sagt sie am Freitag vor ihrer Lesung in Regensburg und lacht. Keleks Thema ist der Islam. Die 56-Jährige prangert Unfreiheit und Unterdrückung von Frauen in Ägypten, Tunesien und Marokko, aber auch in der Türkei und mitten in Deutschland an. Kelek rühmt die Demokratie, die Bürgergesellschaft und die säkulare Ordnung. Sie schwärmt geradezu von der Freiheit. Weil sie auch den Islamismus anprangert, ist sie eine umstrittene Frau.

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„Militante Islamisten sind Faschisten“

Foto: pro

Die aus Ostdeutschland stammende Schriftstellerin Monika Maron und die türkischstämmige Autorin Necla Kelek haben in einem Interview mit der Tageszeitung Die Welt Fragen zum militanten Islam und zur Zukunft Ägyptens beantwortet. Sie finden dabei bei ihrer Kritik an der Integration muslimischer Einwanderer in Deutschland deutliche Worte.

pro Medienmagazin

Monika Maron sagt zur Frage der Integration in Deutschland: „Mir kommt es vor, als führen wir in einem zwar ziemlich komfortablen Zug, wüssten aber nichts Genaues über den Zustand der Gleise. (…) Und die Probleme mit der Integration sind offenbar über Nacht verschwunden, wenn man der Berichterstattung trauen würde. Sarrazin wurde so oft zum Rassisten ernannt, bis die Behauptung als akzeptierte Wahrheit galt. Und Buschkowsky hat man seinen Buchtitel als Bumerang an den Kopf geworfen: Neukölln sei eben nicht überall.“

Die deutsche Öffentlichkeit kranke an „Sprech- und Denkverboten“, sagt Maron. „Wer den Islam in seiner derzeitigen Verfassung für nicht kompatibel mit einer offenen, demokratischen Gesellschaft hält, wird als islamophob oder sogar fremdenfeindlich diffamiert“, kritisiert die Autorin.

Necla Kelek betont, dass die Geschichte der Zuwanderung einerseits eine „deutsche Erfolgsgeschichte“ sei. „Über 16 Millionen Bürger nichtdeutscher Herkunft leben in diesem Land. 80 Prozent von diesen Einwanderern haben keine Probleme, können hier eine Zukunft aufbauen und dabei ihre Identität wahren und haben das Land bereichert und weitergebracht.“ Deren Traditionen seien meistens mit den Werten unserer Gesellschaft kompatibel. Andererseits sei die Integration jedoch gescheitert. „Probleme haben diejenigen, die Kultur nicht als Konsens, sondern als Differenz leben wollen“, sagt Kelek. „Bestimmte Ethnien, Gruppen und ihre Verbände verfolgen eine andere Agenda, eine Politik des sich Ausgrenzens. Sie haben ein abweichendes Menschen- und Weltbild, haben andere Wertvorstellungen und ein anderes Rechtsverständnis. Diese Gruppe ist fast ausschließlich im Umfeld der in konservativen Islamverbänden organisierten Scharia-Muslime zu finden.“

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#occupygezi: Die andere Seite der Medaille

Szenen der Gezi-Demonstrationen in Istanbul am Taksim Platz © Gregg Carlstrom @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Ein Ende der Proteste in der Türkei steht weiterhin in den Sternen. Um die paar Bäumchen im Gezi-Park geht es schon lange nicht mehr. Obwohl Ministerpräsident Erdoğan bewiesen hat, dass er mit der Lage nicht umgehen kann, gibt es aufseiten der Demonstranten zahlreiche Nutznießer, denen es um vieles geht, nur nicht um Demokratie.

Von Emran FerozMiGAZIN

Ein Ende der Proteste in der Türkei steht weiterhin in den Sternen. Um die paar Bäumchen im Gezi-Park geht es schon lange nicht mehr. Obwohl Ministerpräsident Erdoğan bewiesen hat, dass er mit der Lage nicht umgehen kann, gibt es aufseiten der Demonstranten zahlreiche Nutznießer, denen es um vieles geht, nur nicht um Demokratie.

Dass am Taksim-Platz und anderswo demonstriert wurde, war und ist berechtigt. Dass Medien, vor allem westliche, gerne mit Demonstranten in fernen Ländern, sympathisieren, hat sich spätestens seit dem sogenannten Arabischen Frühling gezeigt. Auf ähnliche Weise werden nun die jüngsten Ereignisse in Istanbul und anderen Städten romantisiert. Besonders auffallend ist hierbei ein weiteres Mal, wie sehr seitens der Medien ein schwarz-weiß Denken gefördert wird.

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Und täglich grüßt Frau Kelek…

Legen Sie das Kopftuch ab! von Necla Kelek © Screenshot aus Welt Online

Frau Kelek wirft der Islamkonferenz vor, trotz jahrelanger Beschäftigung mit Religionsfragen sei den „Funktionären“ eine Besserstellung von Frauen und Mädchen gleichgültig. Ihr Beitrag offenbart ein bedenklich verzerrtes Bild der (rechtlichen) Wirklichkeit.

MiGAZIN

Seit Jahren beschäftigt sich auch Frau Kelek, Teilnehmerin der ersten Deutschen Islamkonferenz (DIK I), mit Fragen der Religion in ganz eigener Art und Weise. Wie sie Frauen und Mädchen dabei unterstützen könnte, ihre grundrechtlich garantierten Rechte wahrzunehmen, ist ihr nicht nur gleichgültig, nein, sie setzt auch alles daran, zu verschleiern, was den tatsächlichen Inhalt und Umfang dieser Rechte angeht.

In ihrem in der Welt veröffentlichten Essay liefert Frau Kelek nicht nur einen Einblick in ihr mangelhaftes Grundrechtsverständnis, sondern offenbart auch eklatante Gedächtnislücken in Bezug auf die inhaltlichen Diskussionen der AG 2 (Religiös begründete schulpraktische Fragen) der DIK I. Im Rahmen der dortigen Gespräche hatte Frau Kelek reichlich Gelegenheit, ihre Position darzulegen und das hat sie – wenn sie denn an den Sitzungen teilgenommen hat, was anzunehmen ist – sicherlich auch getan. Zudem war sie mit ihrer Sichtweise, insbesondere, was das Kopftuch angeht, keine Einzelkämpferin gegen die 4 Vertreter des KRM, denn auch Frau Ates, Frau Cezairli, Herr Kolat und wahrscheinlich auch die Alevitische Gemeinde teilten ihre Sichtweise1 und auch von den staatlichen Vertretern dürfte kaum jemand im Verdacht stehen, ein Vorkämpfer für das Kopftuch zu sein.

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Necla Kelek – die deutsche Haustürkin

Bild: Reuters

Auch als Minderheit hat man Privilegien. Beispielsweise dann, wenn man sich in der Öffentlichkeit bewegt. Dort haben wir eine Deutungs- und Meinungshoheit über unsere Leute, unsere Minderheit. Das ist unsere Geldmaschine. Unsere Macht.

Von Kübra Gümüsaytaz

Ich könnte jeden Schwachsinn erzählen, ich würde immer irgendwo Menschen finden, die ihn bereitwillig glauben. Denn wenn ich es sage, „die Türkin“, „die Muslimin“, dann wird es schon stimmen. Ich muss nichts beweisen. Das fängt an bei ironischen Märchen wie: „Na klar duschen wir mit dem Kopftuch“ (schon passiert). Und hört tatsächlich nirgendwo auf. Er geht so weit, wie „der Türke“ oder „die Türkin“ ihn gerne treiben mag.

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Ralph Giordanos verstörende Ignoranz

Quelle: wikipedia

In einem offenen Brief an Bundespräsident Christian Wulff fordert Ralph Giordano einen kritischen Umgang mit der Türkei und ein Ende der Sozialromantik in der Integrationsdebatte

WELT ONLINE

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

„Die Türkei ist ein Beispiel dafür, dass Islam und Demokratie, Islam und Rechtsstaat, Islam und Pluralismus kein Widerspruch sein müssen.“

So der Kernsatz eines Interviews, das Sie aus Anlass des Besuches von Abdullah Gül, Präsident der Türkei, in Berlin der „Süddeutschen Zeitung“ gegeben haben. Dieser Satz verrät eine so verstörende Unkenntnis der Wirklichkeit, eine derart blauäugige Gleichsetzung des real existierenden Islam mit einem EU-konformen Islam, dass es einem die Sprache verschlagen will. Dazu schließt er sich lichtdicht an Ihre historische Fehlthese vom 3. Oktober 2010 anlässlich des 20. Gedenktages der deutschen Wiedervereinigung, „nicht nur Christentum und Judentum, auch der Islam gehört inzwischen zu Deutschland“.

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Islamdebatte: Viel Lärm um nichts

Patrick Bahners © FAZ

Rechtspopulisten, Islamkritiker, Aufklärungsfundamentalisten – wie sie mit dem Islam und den Muslimen umgehen und worin die Gefahren bestehen. Patrick Bahners, Feuilletonchef der FAZ, plädiert für Offenheit und den demokratischen Austausch.

Von Sabine Reul, Johannes RichardtMIGAZIN

Wenn man das mal einleitend auf den Punkt zu bringen versucht, würden wir sagen: Ihre Kritik der Islamkritik ist ein Plädoyer für den offenen Umgang mit den Herausforderungen der Gegenwart und eine scharfe – oft auch humorvolle – Polemik gegen die Prediger der Angst und des Ressentiments.

Sie konstatieren eine bemerkenswerte Bereitschaft durchaus tonangebender Kreise der deutschen Gesellschaft zur Kultivierung von Untergangsvisionen, die sich eben zurzeit vor allem am Islam als Bedrohung festgemacht haben. Da werden Dinge geäußert, gefordert und auch politisch umgesetzt (man denke an die Kopftuchverbote), die das liberale Selbstverständnis unserer Gesellschaft in maßgeblichen Bereichen zur Disposition stellen. Das reicht – um nur ein paar der von Ihnen beschriebenen Themen anzusprechen – von Sarrazins Forderung nach einer Art obrigkeitlicher Steuerung des genetischen Makeup Deutschlands über Necla Keleks Aufruf zur vollständigen staatlichen Kontrolle der Moscheen bis zu Henryk Broders Appell zur Intoleranz als Gebot der Stunde zur Abwehr einer drohenden fremdkulturellen Übernahme Deutschlands.

Dazu also nun unsere Fragen an Sie:

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Geistige Brandstifter: Wort und Mord

Frei zugänglich. Bevor er auf die Insel Utoya kam, war der Mörder in fremde Gedankenwelten eingedrungen. - Foto: dpa

Nach dem Attentat von Norwegen ist die Diskussion um die ideologische Aufladung des Täters Breivik voll entbrannt. Peter von Becker beschreibt, wie nun auch Thilo Sarrazin oder Henryk M. Broder in dessen Nähe geraten.

Von Peter von BeckerDer Tagesspiegel

Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik hat mit seinem 1500-seitigen, im Internet veröffentlichten Manifest offenbar auch eine riesige Falle gestellt. Und alle, die nun in Breiviks Konvolut aus Ressentiments, Hass, fehlgeleitetem Idealismus, fundamentalistischer Ideologie und kaltblütiger Selbstinszenierung nach kurzen Schlüssen auf vermeintliche Kronzeugen, geistige Anstifter und direkte Tatfolgen suchen, drohen in diese Falle zu tappen.

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