Jede fünfte Kirche in den Niederlanden zweckentfremdet — Museum, Wohnung oder Theater

Restaurant in einer ehemaligen Kirche © Cristian Gennari (KNA)
Wenn die letzte Messe gelesen ist: Etwa jede fünfte Kirche in den Niederlanden wird nicht mehr für ihren Zweck als Gotteshaus genutzt. Ein Großteil der umfunktionierten Kirchen hat demnach nun eine soziale oder kulturelle Bestimmung.

DOMRADIO.DE

Insgesamt 1.400 von 6.900 Kirchen hätten heute eine andere Bestimmung, berichtet die Zeitung „Trouw“ (Dienstag). Sie hatte eine entsprechende Untersuchung durchgeführt. Die ehemaligen Kirchen werden nun etwa als Gemeindezentrum, Museum, Wohnungen oder Theater genutzt.

Zwischen 1800 und 1970 gebaute Kirchen werden demnach bereits deutlich öfter anders genutzt. Jedes vierte von 4.600 Gebäuden habe bereits eine andere Funktion übernommen, so die „Trouw“. Ein Drittel von ihnen sei in Wohnhäuser und Appartementkomplexe umgewandelt; 20 Prozent hätten eine kulturelle oder soziale Funktion, und 15 Prozent würden als Büro- oder Geschäftsräume genutzt.

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17-Jährige starb in den Niederlanden nicht durch aktive Sterbehilfe

foto: noa pothoven/instagram Noa Pothoven wollte nicht mehr leben.

Noa Pothoven verweigerte die Aufnahme von Nahrung. Ärzte und Eltern waren gegen eine Zwangsernährung

derstandard.at

Eine Jugendliche ist in den Niederlanden am Sonntag entgegen ersten Berichten nicht durch Sterbehilfe gestorben. Sie soll sich vielmehr geweigert haben, Nahrung und Flüssigkeiten aufzunehmen. Ihre Eltern und die Ärzte entschieden sich schließlich gegen eine Zwangsernährung. Noa Pothoven hatte bereits mehrere Suizidversuche hinter sich und war früher schon einmal zwangsernährt worden.

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Evangelikaler Hetzer: Niederlande verweigern homofeindlichem US-Pastor die Einreise

Aufgrund der niederländischen Initiative darf Pastor Steven Anderson zurzeit nicht in die 26 europäischen Staaten einreisen, die den Schengen-Raum umfassen
Holocaust-Leugner Steven Anderson wiederholte gegenüber dem niederländischen Fernsehen, dass Homosexuelle hingerichtet werden sollten.

QUEER.DE

Die Niederlande verweigern dem homofeindlichen US-Pastor Steven Anderson die Einreise. Der Geistliche dürfe am 23. Mai nicht nach Amsterdam kommen, um eine Predigt zu halten, teilte der niederländische Justizstaatssekretär Mark Harbers in einem Brief an das niederländische Parlament am Mittwoch mit. Der evangelikale US-Pastor leugnet den Holocaust und hat mehrfach mit menschenverachtenden Äußerungen für Empörung gesorgt.

Er habe Maßnahmen ergriffen, um Andersons Einreise in den Schengen-Raum zu verhindern, erklärte Harbers. „In den Niederlanden ist Raum für eine große Vielfalt an Sichtweisen, Meinungen, Wertesystemen und Lebensstilen.“ Aber Freiheit sei keine „Lizenz für extrem intolerantes Verhalten“. Daher habe man Maßnahmen gegen die Einreise des „extremistischen Predigers“ getroffen.

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Weggefährte von Wilders; Rechtspopulist konvertiert zum Islam

Vom „Hardliner“ zum Muslim: Joram van Klaveren. imago/ZUMA Press
In den Niederlanden gilt Joram van Klaveren als Hardliner in Sachen Islam. Er setzt sich für ein Verbot von Burkas und Minaretten ein. Doch als der Politiker ein Buch gegen die Religion schreiben will, vollzieht er eine Kehrtwende.

ntv

In den Niederlanden ist ein Weggefährte des islamfeindlichen Politikers Geert Wilders zum Islam konvertiert. Wie die Zeitungen „NRC“ und „Algemeen Dagblad“ (AD) berichteten, trat der frühere Parlamentsabgeordnete Joram van Klaveren am 26. Oktober 2018 zum Islam über. Van Klaveren, der für Wilders‘ Freiheitspartei PVV im niederländischen Parlament saß, hatte dort stets gegen den Islam gekämpft. Die Boulevardzeitung „AD“ beschreibt ihn als „Hardliner, der für ein Verbot von Burkas und Minaretten eintrat“.

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Erst seit dem 14. Jahrhundert ist einer der drei Könige schwarz Henker, Hexen, Teufel – und dann ein König

Die Heiligen Drei Könige in der Krippe auf dem Petersplatz © Harald Oppitz (KNA)
Black is beautiful? In der Malerei und Literatur des Mittelalters galt schwarze Hautfarbe noch als Symbol für Hexer, Teufel und Außergesetzliche. Erst ab dem 14. Jahrhundert wird einer der drei Könige ein Schwarzer.

DOMRADIO.DE

Der Vorwurf lautet auf Diskriminierung und Rassismus: Seit mehreren Jahren spaltet der „Zwarte Piet“ (Schwarze Peter) die Niederländer. Auch im abgelaufenen Jahr diskutierte das Land einmal mehr über die Hautfarbe des Nikolaushelfers, der in der Regel schwarz geschminkt ist, die Lippen rot angemalt hat und Ohrringe trägt. Auch in Deutschland gab es bisweilen Proteste, weil katholische Sternsinger, als Heilige Drei Könige verkleidet, zur Weihnachtszeit mit einem schwarz geschminkten König von Haus zu Haus zogen. In manchen Gemeinden wird aufs Schminken mittlerweile ganz verzichtet.

Das sogenannte „Blackfacing“ – 2015 als Begriff zum Anglizismus des Jahres gewählt – als Angriff auf die Menschenwürde? Dabei können die Anfänge der Darstellung eines dunkelhäutigen Königs in der christlichen Bildsprache und in der europäischen Kunst geradezu als Zeichen der Aufgeschlossenheit für Afrika gedeutet werden.

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Terrorverdächtiger Syrer soll von Deutschland an die Niederlande ausgeliefert werden

Ein in Mainz festgenommene terrorverdächtige Syrer soll an die Niederlande ausgeliefert werden. Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz werde dazu schnellstmöglich den Erlass eines Auslieferungshaftbefehls beantragen, teilten die Ermittler am Sonntag mit.

Neue Zürcher Zeitung

Die Haftrichterin beim Amtsgericht in Mainz hatte zuvor eine sogenannte Festhalteanordnung erlassen. Damit bleibe der 26-Jährige so lange in Deutschland in Haft, bis das Oberlandesgericht Koblenz über den Auslieferungshaftbefehl entschieden habe. Nicht vor Ende der kommenden Woche werde mit einer Entscheidung darüber gerechnet.

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Niederländische Entdeckung: Auf der Suche nach Fleischersatz

Themenbild. Bild: 4ever.eu
60 Kilo Fleisch isst jeder Bundesbürger im Schnitt jährlich – Tendenz steigend. Niederländische Forscher haben jetzt ein bissechtes Fleischimitat entwickelt. Der Zufall half.

Von Ralf Lachmann | tagesschau.de

Fleischimitate gibt es schon länger. Tofu zum Beispiel. Doch hat die zusammengepresste Masse eine eher wabbelig-labbrige Konsistenz und erinnert deshalb kaum an echtes Fleisch. Das kommt nicht besonders gut an, ergab eine Marktforschung der Uni Wageningen.

„Menschen, die gerne Fleisch essen, Meat-Lovers, würden auf Fleischersatz umsteigen, wenn Geschmack, aber vor allem Struktur genauso attraktiv wären“, sagt Birgit Dekkers, Lebensmittelforscherin an der niederländischen Universität nahe Arnheim. Hier sei endlich der Durchbruch gelungen. Auch Forscherglück war im Spiel, gibt sie zu, und zeigt dabei auf einen Hightech-Mixer in ihrem Labor.

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Niederlande: Kirche verhindert Abschiebung mit Non-Stop-Gottesdienst

Messfeier in der Bethel-Kirche in Den Haag – APA/AFP/ANP/KOEN VAN WEEL
In einer protestanischen Kirche werden seit 50 Tagen pausenlos Messen gefeiert. Weil laut niederländischem Recht die Polizei Kirchen während Gottesdiensten nicht zwangsweise betreten darf, wird seither eine dort lebende Familie aus Armenien beschützt.

Die Presse.com

Mit einem ununterbrochenen Gottesdienst verhindert eine niederländische Kirche seit 50 Tagen die Abschiebung einer armenischen Familie. Die Familie sei in ihrer Heimat Armenien nicht sicher, sagte Pfarrer Derk Stegemann von der Bethelkirche in Den Haag am Donnerstag. „Und den Kindern droht durch die Abschiebung schwerer Schaden.“

Nach niederländischem Recht darf die Polizei sich keinen Zutritt zu einer Kirche verschaffen, solange dort eine Messe gefeiert wird. Die Familie Tamrazyan – darunter Vater, Mutter und drei Kinder im Alter von 15, 19 und 21 Jahren – war vor etwa neun Jahren in die Niederlande gekommen. Ihr Asylantrag wurde diesen Sommer endgültig abgelehnt.

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Nach dem Brexit der Brain Drain?

Bild: tagesschau.de
Viele Forscher aus der EU wissen nicht, was nach dem Brexit aus ihren Stellen an britischen Hochschulen wird. Während sie um ihre Karriere bangen, fürchten Professoren um den Wissenschaftsstandort Großbritannien.

Von Anne Demmer | tagesschau.de

Jasmin Zohren hat ihre wissenschaftliche Karriere sogfältig geplant. An der Queen Mary Universität hat sie promoviert. Vor zwei Jahren bewarb sich die Biomathematikerin dann für einen Postdoc am Francis Crick Institute in London, dem größten biomedizinischen Forschungsinstitut in Europa. Doch dann kam das Referendum dazwischen. Rund 52 Prozent der Briten stimmten für den Brexit.

„Das Referendum war an dem Tag, als ich den Job hier bekommen habe, und das hat mich schon sehr beeinflusst. Ich habe schon stark gezweifelt, ob ich den Job annehmen möchte, ob ich hierbleiben will oder nicht“, sagt sie.

Kollegen hätten ihr geraten, die Stelle anzutreten, weil das sehr gut für ihre Karriere sei. Sie hat den Job angenommen und ist trotz unsicherer Zukunft geblieben – vorerst.

40 Prozent der rund 1000 Institutsmitarbeiter kommen aus EU-Ländern wie Spanien, Frankreich und den Niederlanden. Wie es für sie weitergeht, kann ihnen derzeit niemand sagen.

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Niederlande: Gesten können für aktive Sterbehilfe ausreichen

Bild: © picture alliance / dpa/Sami Belloumi
Aktive Sterbehilfe ist in den Niederlanden schon seit 2002 erlaubt. Jetzt sollen in bestimmten Fällen als Zustimmung auch kleine Gesten ausreichen. Das entschied die Staatsanwaltschaft anhand eines konkreten Falls.

katholisch.de

Ein Kopfnicken und ein Kneifen in die Hand können in den Niederlanden als Zustimmung zur aktiven Sterbehilfe ausreichen. Das entschied jetzt die Staatsanwaltschaft im ostniederländischen Arnheim. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft konnte der Arzt nachweisen, dass die Entscheidung einer 72-jährigen Krebspatientin für aktive Sterbehilfe „freiwillig und gut überlegt“ war.

Hoffnungslose Situation

Die Patientin litt an Krebs und fiel zwei Tage vor ihrem Tod durch eine Hirnblutung ins Koma. Ihren Wunsch nach aktiver Sterbehilfe bestätigte sie durch das Nicken mit dem Kopf und dem Kneifen mit der Hand. Außerdem habe sie dem Arzt vor der Hirnblutung mehrmals angedeutet, dass sie ihr Leben beenden wolle, heißt es in mehreren niederländischen Medienberichten.

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War die Hälfte der niederländischen Bischöfe in Missbrauch verstrickt?

Der Missbrauchsskandal lässt die katholische Kirche nicht los. Nun rücken die Niederlande in den Fokus. Dort veröffentlichte eine Zeitung Namen von Bischöfen, die Missbrauch vertuscht oder selbst begangen haben sollen. Was ist an der Meldung dran?

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Welche Quellen liegen dem Artikel im NRC Handelsblad zugrunde?

Jan Hendrik Stens (Theologie-Redaktion): Den Angaben liegt unter anderem ein von der Kirche in den Niederlanden in Auftrag gegebener Bericht aus dem Jahr 2011 vor. Dazu kommen Aussagen von Betroffenen vor einer Untersuchungskommission und eigene Recherchen. Laut der Studie sollen in diesem Zeitraum von 65 Jahren, also zwischen 1945 und 2010, bis zu 20.000 Minderjährige von etwa 800 kirchlichen Mitarbeitern – hier sind Kleriker wie Laien gleichermaßen gemeint – sexuell missbraucht worden sein.

DOMRADIO.DE: Wie groß ist denn die katholische Kirche in den Niederlanden?

Stens: Die Niederlande gehören zu den am stärksten säkularisierten Staaten Mittel- und Westeuropas. Fast die Hälfte der Bevölkerung ist konfessionslos. Dennoch ist das Christentum noch die größte Religion und die römisch-katholische Kirche mit etwas mehr als 20 Prozent der Bevölkerung die größte christliche Konfession.

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Syrien: Niederlande beendet Unterstützung der Weißhelme und der bewaffneten Opposition

Niederländisches Außenministerium bescheinigt Weißhelmen Intransparenz, Berichte über Aktivitäten würden nur von der Organisation selbst kommen. Bild: Weißhelme
Unterstützt wurde auch eine Gruppe, deren Mitglieder in den Niederlanden als Dschihadisten verfolgt werden, als intransparent werden die Weißhelme bezeichnet

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Wie es so geht, wenn Regierungen in einer komplizierten Lage auf eine Schwarz-Weiß-Logik verfallen und den Feind des Feindes zum Freund oder Verbündeten machen, zeigt die niederländische Regierung. Sie hat in Syrien, weil man in der EU, in der Nato und in den USA die Assad-Regierung, die von Russland und Iran unterstützt werden, bekämpft, auf Gruppen der bewaffneten Opposition gesetzt und deren Kampf mit Millionen Euro unterstützt. Natürlich, so wurde vorgegeben, half man nur „gemäßigten“ Oppositionsgruppen, die es aber seit Jahren kaum mehr gibt.

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Christen Fremden gegenüber ablehnender als Nicht-Christen

Die Bibel © MattLake @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Christen stehen Andersgläubigen und Fremden ablehnender gegenüber als Nicht-Christen. Das ist das Ergebnis einer Erhebung in 15 westeuropäischen Staaten. Entsprechend sind praktizierenden Christen eher gegen Einwanderung als Konfessionslose.

MiGAZIN

Christen in Westeuropa stehen einer Studie zufolge Andersgläubigen und Fremden ablehnender gegenüber als Nicht-Christen. Personen, die sich als Christen definierten, hätten „eher als Konfessionslose negative Ansichten über Einwanderer, Muslime und Juden“, hieß es in der am Dienstag veröffentlichten Erhebung der US-Forschungseinrichtung Pew Research Center in Washington. Für die Studie mit dem Titel „Christ sein in Westeuropa“ führte das Institut mehr als 24.000 Telefoninterviews in 15 westeuropäischen Staaten.

Mit Blick auf den Islam sind demnach im Mittel der 15 Länder 49 Prozent der praktizierenden Christen, 45 Prozent der nicht-praktizierenden Christen und 32 Prozent der Konfessionslosen der Ansicht, der Islam sei nicht mit ihrer nationalen Kultur und ihren Werten vereinbar. In Deutschland vertreten diese Auffassung laut Studie 55 Prozent der praktizierenden Christen, 45 Prozent der nicht-praktizierenden Christen und 32 Prozent der Konfessionslosen.

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Hunderte Missbrauchsfälle bei Zeugen Jehovas

© Bild: picture alliance/dpa/Paul Zinken
In den vergangenen Wochen gab es bereits Meldungen aus Großbritannien und Norwegen. Nun wurden auch Hunderte Missbrauchsfälle bei den Zeugen Jehovas in den Niederlanden bekannt.

katholisch.de

Hunderte Missbrauchsfälle bei den Zeugen Jehovas in den Niederlanden hat die Organisation „Reclaimed Voices“ nach eigenen Angaben verzeichnet. Das bestätigte der Vorsitzende der Organisation, Raymond Hintjes, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch. Er wolle nun zur Aufklärung der Fälle beitragen. „Reclaimed Voices“ wurde im November 2017 gegründet, um sich dieses Themas anzunehmen. Seitdem seien Meldungen über 276 Fälle von Missbrauch bei der Glaubensgemeinschaft eingegangen. Etliche der Taten lägen viele Jahre zurück.

„Missbrauch bei den Zeugen Jehovas ist ein weltweites Problem“, sagte Hintjes. Er wundere sich, warum das Thema in Deutschland noch nicht aufgegriffen worden sei. In den vergangenen Wochen gab es auch in Norwegen und Großbritannien Berichte über Missbrauchsfälle in der Religionsgruppe.

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Türkische Staatsführung deklariert Wahlkampfauftritte um

Die Bilder von Kindern in Kampfanzügen präsentierten die ATİB-Einrichtungen sogar selbst in Sozialen Medien. Screenshot und Bearbeitung: TP
Österreich und die Niederlande geben sich unnachgiebiger als der deutsche Außenminister Maas und werden aus Ankara angegriffen

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Letzten Mittwoch verkündete der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan, er werde die regulär erst im November 2019 fälligen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen bereits am 24. Juni 2018 abhalten. Dabei wahlberechtigt sind neben gut 55 Millionen erwachsenen Türken in der Türkei weitere knapp drei Millionen im Ausland. 1,4 Millionen davon leben in Deutschland, wo sie einem gestern bekannt gewordenen Antrag der türkischen Regierung nach erneut nicht nur in den Konsulaten, sondern auch in zahlreichen anderen Einrichtungen abstimmen sollen, die die deutsche Bundesregierung genehmigen muss.

Darüber hinaus hat Erdoğan im türkischen Fernsehsender NTV angekündigt, im Wahlkampf auch im Ausland vor „seinen türkischen Staatsbürgern“ aufzutreten – und zwar „in einem Stadion mit einem Fassungsvermögen von 10.000 oder 11.000 Personen […] bei der Versammlung einer internationalen Organisation“. Ob diese „Versammlung einer internationalen Organisation“ in Deutschland stattfindet, sagte er nicht. In jedem Fall könnte er damit ein dort im letzten Jahr ausgesprochenes Wahlkampfverbot für Politikern aus Nicht-EU-Staaten umgehen.

Testballon für diese Umgehung könnte ein Auftritt seines Außenministers Mevlüt Çavuşoğlu am 29. Mai in Solingen sein. Çavuşoğlu deklariert diesen Auftritt nämlich offiziell als Rede zum Jahrestages eines Brandanschlags, bei dem 1993 fünf türkischstämmige Solinger ums Leben kamen. Sein deutscher Amtskollege Heiko Maas, der kurz davor noch betont hatte, das deutsche Auftrittsverbot „gelte“, schluckte diesen Auftritt nach einem Treffen mit Çavuşoğlu beim G7-Außenministertreffen im kanadischen Toronto.

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Der Europäische Gerichtshof fällt einen wegweisenden Entscheid für minderjährige Flüchtlinge

Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg fällte am Donnerstag ein Urteil, das für mehrere EU-Mitgliedstaaten Folgen für ihre Flüchtlingspolitik haben könnte. (Bild: Imago)
Ein minderjähriges Mädchen aus Eritrea reist unbegleitet in die Niederlande und ersucht um Asyl. Ihr Antrag auf Familiennachzug wird abgelehnt mit der Begründung, sie sei inzwischen volljährig. Das verstösst gegen EU-Recht, wie nun der Europäische Gerichtshof entschied.

Corina Gall | Neue Zürcher Zeitung

Am 26. Februar 2014 stellt eine junge Eritreerin in den Niederlanden einen Asylantrag. Da sie zum Zeitpunkt des Antrags noch minderjährig ist und unbegleitet nach Europa flüchtete, besitzt sie laut EU-Gesetz das Recht auf Familiennachzug. Einen entsprechenden Antrag reicht die Frau im Oktober ein, kurz nachdem ihr eine Aufenthaltsbewilligung gewährt worden ist.

Der Antrag auf Familiennachzug wird vom zuständigen Staatssekretär abgelehnt. Seine Begründung: Zum Zeitpunkt des Antrags war die Frau bereits volljährig; Anfang Juni erreichte sie das Erwachsenenalter.

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Berlinale: Kirchen mit Fokus auf Digitalisierung

Im Rahmen der Berlinale haben Kirchenvertreter die Folgen der Digitalisierung für die Filmbranche in den Fokus gerückt. „Das Kino hat im Zuge der Digitalisierung seine Möglichkeiten, die Bilder zu perfektionieren und für den Zuschauer ein immersives Erlebnis zu schaffen, beträchtlich erweitert“, sagte der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, am Sonntag beim traditionellen Ökumenischen Empfang auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin.

evangelisch.de

Das Gemeinschaftserlebnis sei im magischen Dunkel des Kinosaals durch nichts zu ersetzen, sagte Fürst. Zudem gebe es in der „Bildindustrie“ die Tendenz zu immer perfekter gestalteten Bildern. Durch die digitale Bearbeitung entferne sich das Bild immer mehr von der Realität. „Die Bilder triumphieren über die Realität“, erklärte der Bischof.

Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, würdigte zudem den Film- und Theaterregisseur Andres Veiel als einen der profiliertesten deutschen Vertreter einer politisch engagierten Kunst.

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Niederlande ziehen Botschafter aus der Türkei ab

Der niederländische Außenminister Halbe Zijlstra über das Verhältnis zur Türkei: „Wir haben uns nicht einigen können, wie wir unsere Beziehungen normalisieren.“ Bild: AFP
Die Beziehungen zwischen Den Haag und Ankara stecken schon lange in der Krise. Von einer Einigung sind die beiden Länder weit entfernt. Nun haben die Niederlande ihren Botschafter aus der Türkei offiziell abgezogen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Niederlande haben ihren Botschafter aus der Türkei abgezogen, nachdem die Gespräche über eine Normalisierung der Beziehungen keine Einigung gebracht hatten. „Wir haben uns nicht einigen können, wie wir unsere Beziehungen normalisieren“, sagte Außenminister Halbe Zijlstra am Montag. Solange es keine Einigung gebe, werde der Türkei auch nicht erlaubt, einen neuen Botschafter nach Den Haag zu entsenden.

Die Beziehungen waren in die Krise geraten, nachdem die Niederlande vergangenen März die türkische Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya daran gehindert hatten, in Rotterdam vor türkischen Landsleuten für die umstrittene Verfassungsreform zur Einführung eines Präsidialsystems in der Türkei zu werben.

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Was Großwildjagd zum Naturschutz beitragen kann

foto: picturedesk / bill young / danita delimoent Oryxantilopen, Zebras und Giraffen tummeln sich im Etosha-Nationalpark, Namibia. Das Land ist Vorbild bei der nachhaltigen Jagd.
Forscher schlagen ein Zertifizierungssystem, das Geld für den Naturschutz bringen kann, für eine nachhaltige Jagd von Großwild vor

Von Juliette Irmer | derStandard.at

Der Löwe Cecil erlangte traurige Berühmtheit: Er wurde 2015 von einem US-amerikanischen Zahnarzt erschossen – obwohl er von Forschern mit einem Sendehalsband ausgestattet war und im Hwange-Nationalpark in Simbabwe lebte. Sein Tod löste weltweit massive Proteste und Debatten über die unethischen Praktiken der Trophäenjagd aus. Folglich verboten einige Länder, etwa Australien und die Niederlande, die Einfuhr von Trophäen wie Stoßzähnen, Haut und Kopf. Eine Maßnahme, die die Jagdindustrie empfindlich trifft, denn ein Trophäenjäger ohne Trophäe ist wie ein Fotograf ohne Fotos.

Etliche Tierschutzorganisationen wie Vier Pfoten, Pro Wildlife und auch der Nabu fordern auch für Deutschland und Österreich ein pauschales Einfuhrverbot von Jagdtrophäen, denn Cecil sei kein Einzelfall und die Trophäenjagd ein grausames Relikt aus der Kolonialzeit. Doch die Weltnaturschutzunion IUCN und zahlreiche Wissenschafter – auch jene, die nun Cecils Nachkommen in Simbabwe beobachten – warnen davor, die Trophäenjagd grundsätzlich zu verdammen, und empfehlen, Einfuhrverbote gut abzuwägen: „Unter bestimmten Bedingungen kann die Trophäenjagd zum Naturschutz beitragen“, sagt auch Thomas Wanger, Agrarökologe an der Universität Göttingen.

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NSU-Zeuge nach Deutschland abgeschoben

Grafik: TP
Nach drei Monaten Haft wird Torsten Ogertschnig aus den Niederlanden nach Deutschland abgeschoben – Sein Anwalt: „Habe so etwas noch nie erlebt“

Von Thomas Moser | TELEPOLIS

Nach 95 Tagen in Haft hat die niederländische Polizei den Bundesbürger Torsten Ogertschnig am Freitag in Amsterdam in ein Flugzeug gesetzt und nach Berlin verfrachtet. Dort wartete die Bundespolizei auf ihn, nahm ihn mit in die Wache, setzte ihn aber nach einer dreiviertel Stunde wieder auf freien Fuß. Gegen den 50-Jährigen liegt nichts vor.

Mitte Oktober hatte Ogertschnig in dem Nachbarland Asyl beantragt, weil er sich durch deutsche Behörden verfolgt fühlt. Daraufhin wurde er im zentralen Abschiebegefängnis des Landes eingesperrt und zur „unerwünschten Person“ erklärt. Jetzt wurde er nicht etwa zur 60 Kilometer entfernten deutschen Grenze gefahren, sondern ins weite entfernte Berlin geflogen.

Der Fall ist derart ungewöhnlich, dass er ohne NSU-Hintergrund nur schwer zu verstehen wäre. (Telepolis hatte vor vier Wochen darüber berichtet).

Im Jahr 2003, also acht Jahre vor dem Auffliegen des NSU, hatte Torsten Ogertschnig gegenüber einem Beamten des Verfassungsschutzes von Baden-Württemberg von einer Terrorgruppe mit einem solchen Namen berichtet und unter anderem die Namen „Mundlos“ und „Böhnhardt“ genannt. Er will von einem Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes davon erfahren haben. Der „NSU“ sei so etwas wie der „Geheimdienst“ des rechtsextremistischen Netzwerkes Thüringer Heimatschutz gewesen.

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