Sex im Nonnenkloster

Sant’Ambrogio della Massima, Bild: public domain

Geheime Initiationsriten und sexuelle Gewalt: Hinter den Klostermauern von Sant’Ambrogio in Rom spielten sich Mitte des 19. Jahrhunderts ungewöhnliche Szenen ab. Der Münsteraner Kirchengeschichtler Hubert Wolf hat pikante Details in einem Buch zusammengetragen.

Von Michael Hollenbach Deutschlandradio Kultur

„Die unkeuschen Handlungen wurden mit Berührungen durch die Hände, den Körper und zwei- oder dreimal auch durch die Zunge begangen. Maria Luisa erwies sich als am meisten begierig nach den Berührungen des Körpers, (…) und sie machte Bewegungen und einen solchen Laut, dass ich das nicht mit Worten auszudrücken mag.“

Die junge Nonne Maria Giancinta beschreibt, wie die Novizenmeisterin Maria Luisa sie zwang, in ihr Bett zu kommen und mit ihr zu schlafen. Sexualisierte Gewalt in einer Zelle des Nonnenkloster Sant’Ambrogio in Rom anno 1856. Als stellvertretende Leiterin des Klosters erklärt Maria Luisa den Nonnen, mit denen sie Sex hat, ihre Körperflüssigkeit sei von Gott gegeben, um damit die Schwestern zu heilen. Die sexuelle Gewalt wird religiös legitimiert.

Und es bleibt nicht bei Einzelfällen im römischen Kloster Sant’Ambrogio. Für die Schwestern, die nach dem Noviziat ihr Ordensgelübde ablegen, existiert eine Art Initiationsritus. In der Nacht vor der Profess muss jede Novizin mit Maria Luisa in einem Bett schlafen. Dabei lag man – so ist in den Akten zu lesen – Gesicht an Gesicht und Brust an Brust, statt – wie es die Ordensregel vorsah – die Nacht allein im Gebet zu verbringen.

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