Präsidialamt: Immer mehr Iraner gegen Kopftuchzwang für Frauen

Reuters
Der wachsende Widerstand gegen das Gesetz sei für das islamische Land besorgniserregend, so der Bericht des strategischen Zentrums im iranischen Präsidialamt. Im Iran müssen alle Frauen und Mädchen ab neun Jahren in der Öffentlichkeit ein Kopftuch sowie einen langen, weiten Mantel tragen.

Die Presse.com

Immer mehr Iraner sind einem Bericht des Präsidialamts zufolge gegen die Kopftuchpflicht für Frauen im Land. Der wachsende Widerstand gegen das Gesetz sei für das islamische Land besorgniserregend, so der Bericht des strategischen Zentrums im iranischen Präsidialamt. Im Iran müssen alle Frauen und Mädchen ab neun Jahren in der Öffentlichkeit ein Kopftuch sowie einen langen, weiten Mantel tragen.

Die Mehrheit glaube, dass die Frauen – und nicht der islamische Staat – entscheiden sollten, ob sie ein Kopftuch tragen wollen oder nicht, so der von der Nachrichtenagentur Isna am Samstagabend veröffentlichte Bericht. Laut Präsidialamt hätten auch drastische Maßnahmen der Sittenpolizei, wie etwa Festnahmen von „unislamisch gekleideten Frauen“ und Geldstrafen keine Wirkung gezeigt.

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De Maizière: Kirchen überlassen Islam zu sehr dem Staat

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) fordert die Kirchen dazu auf, in der Öffentlichkeit mehr über den Islam zu diskutieren. Die Kirchen überließen den Islam zu sehr dem Staat, sagte er der Wochenzeitung „Die Zeit“: „Ich wünsche mir mehr kirchliche Wortmeldungen zu strittigen Fragen: was Christentum und Islam verbindet, wie ein aufgeklärter europäischer Islam aussehen soll und wo die Religionsfreiheit endet – auch die der Muslime.“

evangelisch.de

In der Debatte seien die Kirchen selbst kaum aktiv. Beim Deutschen Evangelischen Kirchentag, der am Mittwoch in Berlin beginnt, diskutiere er mit dem Großscheich der Kairoer Al-Azhar-Universität Ahmed al-Tayyeb: „Ich freue mich darauf. Aber wieso macht das eigentlich kein Theologe?“, erklärte de Maizière. Der Scheich ist Groß-Imam der Al-Azhar-Moschee und Rektor der gleichnamigen Universität. Er gilt als höchste Autorität des sunnitischen Islam.

Der Innenminister kritisierte auch den Umgang der Kirchen mit Abschiebungen. „Beim Asyl machen es sich die Kirchen zu leicht.“ Er vermisse bei einigen Kirchenvertretern die volle Akzeptanz des Asylverfahrens. Ihnen fehle die Einsicht, dass sowohl Bleibendürfen als auch Gehenmüssen dazugehörten.

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Laizismus: Der Islam gehört zu Frankreich

In ganz Frankreich gibt es nur einen einzigen staatlichen muslimischen Friedhof. Wieso nur? Und was hat das mit der Präsidentenwahl zu tun?

Von Fabian Federl | ZEIT ONLINE

Vor dem Sitz des Erzbistums Straßburg sitzen Touristen und Einheimische im einzig offenen Café, es ist Karfreitag. Im Hintergrund läuft ein Radio, eine Talkshow, die von der Moderatorin unterbrochen wird: „Es folgen die offiziellen Wahlkampfspots der Kandidaten.“ Sie sprechen von Wirtschaft, Arbeit, Europa. Und zwischendrin immer wieder dieses Wort: Laïcité.

Marine Le Pen spricht, rau und laut, von der „Rückkehr zur Laïcité„. Benoît Hamon sagt, er kämpfe „für das Gesetz von 1905, das ganze Gesetz von 1905 und nichts als das Gesetz von 1905“. Emmanuel Macron verteidigt „strikt das Prinzip der Laïcité„, François Fillon ist zwar bekennender Katholik, aber trotzdem „flammender Verteidiger der Laïcité„, und Jean-Luc Mélenchon sieht die Laïcité „von den Staatsoberen mit Füßen getreten.“

Laïcité, der Laizismus, das ist mehr als die Trennung von Kirche und Staat. Es ist auch die Trennung von Religion und Öffentlichkeit, der Schutz aller Religionen vor dem Staat und des Staates vor allen Religionen. Sie gehört zum französischen Selbstverständnis wie Liberté, Égalité und Fraternité, für 84 Prozent der Franzosen ist Laïcité ein grundlegender Wert der Republik, für 46 Prozent sogar der grundlegende. Und 81 Prozent der Franzosen sagen: Die Laïcité ist in Gefahr, und zwar wie nie zuvor.

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71-Jährige bekommt Ärger weil sie Hakenkreuze entfernt

Hakenkreuz an der Tür (Symbolfoto) © DortmundQuer @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Mehrmals monatlich setzt Irmela Mensah-Schramm irgendwo in Deutschland ihre scharfe Klinge an, um Hassparolen in der Öffentlichkeit zu entfernen. Dafür wird die Seniorin bewundert und geehrt. Doch ihre Aktionen brachten sie auch schon vor Gericht.

Von Christine Xuân Müller | MiGAZIN

Ohne Ceranschaber, Nagellackentferner und Farbspraydose geht Irmela Mensah-Schramm nie aus dem Haus. Es ist die Grundausrüstung der 71-Jährigen, die sich selbst den Namen „Polit-Putze“ gegeben hat, um nicht als „Sprayer-Oma“ bezeichnet zu werden. Seit über 30 Jahren entfernt sie rechtsextreme Schmiererein und Aufkleber, die sie überall in Deutschland – von Dortmund bis Dresden, von Bautzen bis Berlin, vom München bis Magdeburg – entdeckt.

Mit ihrem Engagement gegen Rechtsextremismus landete die couragierte Seniorin wegen Sachbeschädigung zuletzt vor Gericht. Zugleich wird ihre Arbeit immer häufiger zum Ausstellungsobjekt. So präsentiert das NS-Dokumentationszentrum München in einer Sonderausstellung ab 8. März rund zehn Ordner mit Fotos ihrer Putz-Aktionen. Im vergangenem Jahr machte das Deutsche Historische Museum in Berlin auf ihre Arbeit aufmerksam. Ihre eigene Ausstellung „Hass vernichtet!“ ist regelmäßig in kleinen Projekten zu sehen.

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Papst ermutigt Mütter zum Stillen – in der Sixtinischen Kapelle

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Stillen in der Öffentlichkeit sorgt immer wieder für Diskussionen. Bei einer Taufe appellierte Papst Franziskus nun an die Mütter: Sie sollten sich nicht scheuen, ihren Kinder in der Kirche die Brust zu geben.

DIE WELT

Während einer Taufmesse im Vatikan hat Papst Franziskus am Sonntag anwesende Mütter ermutigt, ihre Babys zu stillen. „Der Gottesdienst ist etwas lang, jemand weint, weil er Hunger hat“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche während der Messe in der Sixtinischen Kapelle. „Wenn es so ist, ihr Mütter, gebt die Brust, ohne Angst, so wie die Jungfrau Maria Jesus die Brust gegeben hat.“

Papst Franziskus taufte am Sonntag 15 Jungen und 13 Mädchen. Die 28 Mütter und Väter brachten ihre Kinder zum Taufbecken, wo der Papst sie beim Namen nannte und mit der Taufe formell in die Kirche aufnahm. Einige schrien, mindestens eines ließ sich tatsächlich von seiner Mutter stillen, andere verschliefen die gesamte Zeremonie.

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Öffentliche Fahndung nach tunesischem Islamisten

Bild: (c) APA/AFP/POLICE JUDICIAIRE/HANDOU (HANDOUT)
Bild: (c) APA/AFP/POLICE JUDICIAIRE/HANDOU (HANDOUT)
Nach dem Terroranschlag in Berlin bittet die deutsche Bundesanwaltschaft die Öffentlichkeit um Mithilfe. Für Hinweise wurden bis zu 100.000 Euro Belohnung ausgeschrieben.

Die Presse.com

Nach dem Anschlag auf einem Berliner Weihnachtsmarkt wird europaweit nach einem neuen Verdächtigen gefahndet. Das Bundeskriminalamt sucht jetzt öffentlich nach dem Mann. Der Tunesier Anis A., (24), wurde zur öffentlichen Fahndung ausgeschrieben, so n-tv. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Mannes führen, wurde eine Belohnung von 100.000 Euro ausgesetzt. Die Menschen sollen sich aber auf keinen Fall selbst in Gefahr bringen, denn der Mann sei gewalttätig und könne bewaffnet sein, heißt es weiters. Sein Asylantrag war von den deutschen Behörden bereits im Juni abgelehnt worden. Das gab Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger am Mittwoch bekannt.

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Niederlande verbieten Burkas und Niqabs

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Das niederländische Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das Burkas und Niqabs in vielen Bereichen der Öffentlichkeit verbietet. Bei einem Verstoß droht eine Geldstrafe von 400 Euro.
 

DIE WELT

In den Niederlanden werden Burkas in öffentlichen Gebäuden verboten. Das niederländische Parlament stimmte am Dienstag mit großer Mehrheit einem entsprechenden Gesetzentwurf zu. Danach dürfen Ganzkörperschleier (Burkas) und Gesichtsschleier (Niqabs) nicht mehr in staatlichen Gebäuden, im öffentlichen Nahverkehr, Schulen und in Krankenhäusern getragen werden. Bei einem Verstoß droht eine Geldstrafe von bis zu 400 Euro.

Die Erste Kammer des Parlaments muss dem Gesetzesvorschlag noch zustimmen. Wann das Verbot in Kraft tritt, ist noch nicht bekannt. Die Koalition aus Rechtsliberalen und Sozialdemokraten hatte das Verbot bereits vor vier Jahren angekündigt.

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Dodo Marx: ‚Die christliche Prägung unseres Landes ist die Nächstenliebe‘

Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,
Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,

Kardinal Marx äußert sich beeindruckt über Mutter Teresa – Die Frage ist, wie präsent Religion ist, „was sie tut, was sie verkündet, wofür sie einsteht“, „daran müssen wir uns messen lassen“

kath.net

Kardinal Reinhard Marx hat Christen zu einem verstärkten öffentlichen Zeugnis für die Armen und Schwachen aufgerufen. „Wenn Religion in der Öffentlichkeit sichtbar wird – so ist es jedenfalls für uns Christen klar –, dann ist dieses Zeugnis ein Zeugnis für den Menschen, für die Schwachen, für die Gerechtigkeit, für die Notleidenden“, sagte der Erzbischof von München und Freising, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, am Sonntag, 11. September, in der Pfarrkirche St. Margaret in München-Sendling bei einem Festgottesdienst anlässlich der Heiligsprechung von Mutter Teresa. Der Kern der Frage in den aktuellen Diskussionen „ist ja nicht, ob Religion präsent ist in der offenen und freien Gesellschaft – das muss sie sein –, sondern, wie sie präsent ist, was sie tut, was sie verkündet, wofür sie einsteht“, sagte Kardinal Marx und betonte vor diesem Hintergrund das Zeugnis von Mutter Teresa: „Daran müssen wir uns messen lassen.“

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Schweiz: Oberster Protestant verlangt Vermummungsverbot

Gottfried Locher verlangt, dass die Identität in der Öffentlichkeit nicht verschleiert wird. (Bild: imago stock&people)
Jeder und jede soll in der Öffentlichkeit das Gesicht zeigen, verlangt der Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds, Gottfried Locher. Er schliesst auch die islamische Gesichtsverschleierung ein.

Neue Zürcher Zeitung

Im Interview mit den Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Der Bund» vom Montag sagte Locher, es gehe ihm bei der Burkadiskussion darum, ob jemand in der Öffentlichkeit sein Gesicht und damit seine Identität zeige. «Wer das Gesicht nicht zeigt, gibt das Wesentliche seiner Identifikationsfähigkeit preis.» Deshalb fände er «ein allgemeines Vermummungsverbot besser als ein spezifisches Burkaverbot.»

Grenzen in beide Richtungen

Zwar sei er gegen Kleidervorschriften.«Aber wir legen Grenzen fest, und zwar in beide Richtungen», sagte der Pfarrer. Man gehe aus sittlichem Empfinden nicht nackt auf die Strasse. «Andererseits stellen wir sicher, dass jemand, der sich in der Öffentlichkeit bewegt, eine Identität besitzt.» Dazu gehöre, dass man sein Gesicht zeige.

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USA nennen erstmals Zahl ziviler Opfer von Kampfdrohnen

us_drohne

Zwischen „64 und 116“ unschuldige Menschen seien getötet worden. Passt das zum Anspruch, präzise Schläge gegen Terroristen auszuführen? Das ist zweifelhaft – genau wie die völkerrechtliche Legitimität.

Von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Ob die gezielte Tötung von Menschen durch Drohnen militärisch sinnvoll und völkerrechtlich legitim ist, wird heftig diskutiert. Dass bei den Einsätzen auch immer wieder unbeteiligte Menschen getötet werden, heizt die Debatte weiter an.

Nun hat die US-Regierung eingeräumt, dass bei etwa 500 Drohnenangriffen seit 2009 in Pakistan, Libyen, Somalia und im Jemen bis zu 116 unschuldige Zivilisten getötet wurden. Dabei sind in den neuen Zahlen keine Drohnenopfer in Afghanistan, Syrien und dem Irak enthalten.

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Präses Rekowski: Religion muss öffentlich bleiben

Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, hat davor gewarnt, Religion aus dem öffentlichen Bereich zu verbannen.

evangelisch.de

Der leitende Theologe der zweitgrößten Landeskirche sagte am Dienstag beim Jahresempfang der rheinischen und der pfälzischen Kirche in Saarbrücken, dies wäre „eine heikle Entwicklung für unsere Gesellschaft“. Im Saarland wird derzeit über Kreuze in öffentlichen Gebäuden diskutiert, nachdem das Amtsgericht Saarbrücken im März Kreuze aus den Gerichtssälen entfernen ließ.

„Glaube dient dem Zusammenleben“

„Wenn man die Kreuze in saarländischen Gerichtssälen durch das Landeswappen ersetzen würde, fiele der Blick erneut auch auf ein Kreuz“, sagte Rekowski laut Redetext. Er wies darauf hin, dass Religion vor allem „im Kontext der Erfahrungen mit dem sogenannten Islamischen Staat als massive Bedrohung wahrgenommen“ werde. Die religiöse Begründung von Gewalt und Terror führe dazu, dass Menschen „religiöse Abstinenz“ für einen erfolgversprechenden Weg zum gesellschaftlichen und politischen Frieden hielten.

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hr wollt an der Teilchenbeschleunigung mitforschen? Hier sind die Daten

CERN
CERN
Daten der Öffentlichkeit zugänglich machen, dadurch Wissen weitertragen, Forschung ermöglichen und Informationen gleichzeitig sichern: Das sind gute Gründe für Forscher am CERN, jetzt einen immens großen Datensatz aus Experimenten mit dem Teilchenbeschleuniger freizugeben.

WIRED EDITORIAL

Als kürzlich mit den Panama Papers das größte Datenleck der journalistischen Geschichte öffentlich wurde, standen eindrückliche Zahlen im Raum: Es ging um 2,6 Terabyte, die dort ausgewertet wurden. Extrem viel. Extrem wenig allerdings im Vergleich zu dem Datensatz, den das CERN nun zugänglich gemacht hat: 300 Terabyte Forschungsdaten aus der Teilchenbeschleunigung hat das Experiment Compact Muon Solenoid (CMS) zur Auswertung veröffentlicht. Es sind Daten, die bei dem Aufeinanderprallen von Protonen und Ionen im Large Hadron Collider bei Fast-Lichtgeschwindigkeit aufgezeichnet wurden.

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Religion ist keine Privatsache

Der Regisseur Nuran David Calis. (dpa / picture alliance / Soeren Stache)
Nuran David Calis hat am Schauspiel Köln ein Stück über „Glaubenskämpfer“ collagiert: Menschen, die mit deutlicher Überzeugung ihre Religion in der Öffentlichkeit vertreten. Beeindruckende Persönlichkeiten, erregte Debatten – aber kein theatralischer Abend.

Von Ulrike Gondorf|Deutschlandradio Kultur

Die vier Schauspieler auf ihren weißen Stühlchen, die an der Rampe der großen Spielfläche aufgereiht stehen, sind wie wir, die Zuschauer. Sie fragen sich: Was soll die ganze Aufregung um den Glauben, der sich da plötzlich mit Macht in den Vordergrund aller weltpolitischen Debatten drängt? Wir hatten uns doch bequem eingerichtet in einer Liberalität und Toleranz, die von Religion wenig bis gar nichts mehr weiß und den Glauben allenfalls als diskret behandelte Privatsache angesehen hat.

Nuran David Calis lässt seine vier lauen Vertreter der aufgeklärten Moderne auf „Glaubenskämpfer“ treffen in dem gleichnamigen Abend am Schauspiel Köln. Menschen, die mit Überzeugung und mit deutlichen äußeren Zeichen ihren Glauben auch in der Öffentlichkeit vertreten. Eine Gruppe von Kölner Bürgern aus der Keupstraße, die traurige Berühmtheit erlangt hat als Ziel des Nagelbombenattentats des NSU – Muslime türkischer Herkunft. Ein Vertreter der jüdischen Gemeinde und eine katholische Ordensschwester. Und ein junger Mann, der als 17-Jähriger zum Islam konvertiert und dann in die radikale Salafistenszene geraten ist, aus der er sich nach Jahren befreit hat.

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Philosophie: „Massive Probleme bei der Vermittlung“

Die Athener Philosophen-Schule: Das Fresko des Malers Raffael entstand von 1510/11 in den Stanzen des Vatikans. Hinten in der Mitte vor dem hellen Durchgang Platon (l.) und Aristoteles. Foto: imago/Leemage
Thomas Grundmann, neuer Präsident der Gesellschaft für Analytische Philosophie, spricht im FR-Interview über Verständigungsschwierigkeiten und verzerrte Wahrnehmungen zwischen Philosophie und Öffentlichkeit.

Von Michael Hesse|Frankfurter Rundschau

Herr Grundmann, die analytische Philosophie hatte in Deutschland lange einen schweren Stand, woran lag das?

Ganz richtig. Das ist zunächst verblüffend, weil die Ursprünge der analytischen Philosophie ja im deutschsprachigen Raum liegen. Gottlob Frege, Ludwig Wittgenstein und Rudolf Carnap hatten den allergrößten Einfluss auf die spätere Entwicklung der analytischen Philosophie. Wichtige analytische Philosophen wie zum Beispiel Carnap und Hans Reichenbach sind jedoch während der Nazi-Herrschaft in die USA emigriert. Im Nachkriegsdeutschland war die hermeneutische Philosophie Gadamers und Heideggers dann über lange Zeit vorherrschend. Die frühe analytische Philosophie hatte sich zudem fast ausschließlich mit der Analyse der Sprache beschäftigt und damit wichtige Kernfragen der traditionellen Philosophie ausgeklammert. Das konnte natürlich nicht alle philosophischen Bedürfnisse zufriedenstellen.

Haben sich die deutschen Professoren zu lange nur mit der Philosophie von Platon bis Heidegger befasst?

Die Geschichte der Philosophie ist sicher ein wichtiger Teil der Philosophie. Vor allem dann, wenn sie in den Klassikern Argumente freilegt, die auch heute noch relevant sind. Aber es ist richtig, dass im Nachkriegsdeutschland an vielen Orten die Philosophiegeschichte lange mit der Philosophie einfach gleichgesetzt wurde. Ausnahmen waren Göttingen, Heidelberg und München. Die direkte Beschäftigung mit philosophischen Sachfragen geriet damit völlig aus dem Blick. Als ich vor gut zehn Jahren in Köln Professor wurde, rieb sich mancher die Augen, als ich sagte, dass ich weder über Aristoteles noch Kant forschen würde, sondern über Fragen wie „Was ist Wissen?“ oder „Kann man ohne Sinneserfahrung Wissen erwerben?“

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Dodo Singhammer: ‚Europa darf sich nicht vom christlichen Menschenbild distanzieren!‘

SinghammerBundestagsvizepräsident Singhammer bei Symposium zur Bundestagsrede von Benedikt XVI. (2011): „Wer christliches Leben aus der Öffentlichkeit verbannen und in die Sakristei zurückdrängen will, legt die Axt an seine eigenen Wurzeln.“

kath.net

„Europa darf sich nicht von seinen Wurzeln, dem christlichen Menschenbild distanzieren. Vielmehr muss die Politik in Deutschland und in Europa die christlichen Wertegrundlagen nutzen für Entscheidungen von großer Tragweite, die uns bevorstehen.“ Darauf wies Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer beim Symposium zum 4. Jahrestag der Bundestagsrede von Papst Benedikt XVI. hin. Singhammer stellte ausdrücklich fest: „Der Schutz der Würde aller Menschen, egal welcher Herkunft, welchen Geschlechts oder welchen religiösen Bekenntnisses ist ein sichtbares Fundament einer klaren Werteorientierung und die Basis Europas.“

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Verfassungsschutz muss über Vernichtung von NSU-Akten informieren

Das Bundesamt für Verfassungsschutz © verfassungsschutz.de, bearb. MiG
Der Verfassungsschutz muss Auskunft geben über Disziplinarverfahren gegen seinen Mitarbeiter, der massenweise NSU-Akten vernichtet hatte. Das entschied das Verwaltungsgericht Köln. Die Öffentlichkeit habe eine überragendes Interesse an diesen Informationen.

MiGAZIN

Der Verfassungsschutz muss einem Journalisten Auskunft über die Vernichtung von Akten im Zusammenhang mit der rechtsextremen Terrorzelle NSU geben. Das Verwaltungsgericht Köln gab am Donnerstag einem Journalisten Recht, der vom Bundesamt für Verfassungsschutz Auskunft über das Disziplinarverfahren gegen den Mitarbeiter verlangt hatte, der die Dokumente vernichtet hatte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, dagegen kann Berufung eingelegt werden (AZ: 6 K 5143/14).

Der nur unter seinem Decknamen bekannte Mitarbeiter des Verfassungsschutzes hatte nach Angaben des Gerichts wenige Tage nach der Festnahme des einzigen noch lebenden NSU-Mitglieds Beate Zschäpe die Vernichtung der Akten angeordnet. Mit dem Vorgang befasste sich bereits der NSU-Untersuchungsausschuss im Bundestag.

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Saudi-Arabien: Bruch mit dem Islam am Smartphone

Frauen werden in Saudi-Arabien sofort verhaftet, wenn sie unverschleiert in die Öffentlichkeit gehen. Die Rechtssprechung folgt streng der Scharia. Doch das gilt wohl nicht für die Sozialen Netzwerke: Dort nämlich hat Amy Roko einen Weg der Emanzipation als Frau gefunden.


Von Maximilian Schönherr|Deutschlandfunk

islam_frauenAmy Roko ist ein Star. Nimmt man die Zahlen ihre Internet-Fans, kommt man leicht auf über eine Million. Sie ist Anfang 20, lebt und studiert in Riad, der Hauptstadt Saudi Arabiens. Die langen Strecken zur Uni, zum Buchladen, zum Krankenhaus kosten die Familie eine Menge Geld, denn sie darf nicht selbst am Steuer sitzen – weil sie eine Frau ist. Sie wehrt sich gegen die Erniedrigung von Frauen in ihrem Land, indem sie die Sozialen Netze des Internets nutzt, vor allem Vine und Instagram.

Statt ins Auto aufs Skateboard

Vine ist das Twitter-Portal für Filme, die nur wenige Sekunden lang sind; hier finden sich Hunderte von Videos von Amy Roko. Sie erscheint stets traditionell gekleidet, man sieht nur ihre Augen. In diesem Clip hier greift sie mit einem Tritt einen jungen Mann an.
In einem anderen Video fährt sie Skateboard.

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Warum Medien über den Terror berichten

Möchten gerne wissen, wo und wann genau Anschläge stattgefunden haben und ob mit weiteren zu rechnen ist – und zwar bevor die Behörden sie darüber informieren: Urlauber in Tunesien. (Foto: dpa)
Machen sich Journalisten zu Handlangern des internationalen Terrors, indem sie groß über die Anschläge berichten? Dieser Vorwurf fällt immer wieder – vor allem aber von Leuten, die jede Meldung begierig lesen.


Von Ruth Schneeberger|Süddeutsche.de

Terroristen brauchen Öffentlichkeit. Im stillen Kämmerlein Touristen, Journalisten, „Ungläubige“ zu enthaupten oder zu erschießen, bringt kaum den gewünschten Effekt, der da lautet: weltweit Angst und Schrecken zu verbreiten, um die eigene Macht zu vergrößern und weitere Anhänger zu gewinnen. Ohne Berichterstattung kein – falscher – Ruhm, ohne ständige Liveticker zu jedem neuen Attentat wäre zumindest weniger Stilisierung zu Helden innerhalb der Terroristen-Szene möglich. Je mehr Berichterstattung über terroristische Anschläge stattfindet, desto mächtiger werden die Täter und Strippenzieher. Meinen sie.

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Wie digitale Transparenz die Welt verändert

Hauptplatine eines Rechners.
Hauptplatine eines Rechners.
So paradox es klingt: Die Entwicklung des Lebens im urzeitlichen Ozean kann uns einiges über die Zukunft unserer Gesellschaft lehren. Da im Zeitalter der digitalen Vernetzung kein Geheimnis mehr sicher ist, stehen wir an der Schwelle einer Epoche, die das Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatleben ganz neu definieren muss.


Von Daniel C. Dennett und Deb Roy|Spektrum.de

Vor rund 543 Millionen Jahren ereignete sich die so genannte kambrische Explosion: eine spektakuläre Häufung biologischer Innovationen. Binnen weniger Millionen Jahre – nach geologischen Maßstäben fast augenblicklich – entwickelten Lebewesen völlig neue Körperformen, neue Organe, neue Strategien für Angriff und Verteidigung. Die Evolutionsbiologen streiten noch über die Ursache dieser erstaunlichen Welle von Neuerungen. Aber eine besonders überzeugende Hypothese des Zoologen Andrew Parker von der University of Oxford besagt, dass Licht der Auslöser war. Parker zufolge wurden damals die seichten Ozeane und die Atmosphäre durch plötzliche chemische Veränderungen viel lichtdurchlässiger. Zu jener Zeit gab es nur in den Meeren tierisches Leben, und sobald Sonnenlicht das Wasser durchdrang, wurde Sehkraft zum entscheidenden Evolutionsvorteil. Zugleich mit der rapiden Entwicklung von Augen entstanden auch entsprechend angepasste Verhaltensformen und weitere körperliche Besonderheiten.

Während zuvor alle Wahrnehmungen nur die nächste Nähe erfassten – durch direkten Kontakt oder durch Gespür für chemische Konzentrationsänderungen oder Druckwellen –, konnten Tiere nun auch entfernte Objekte identifizieren und verfolgen. Raubtiere schwammen gezielt auf ihre Beute zu; diese konnte sehen, dass sich Feinde näherten, und die Flucht ergreifen. Fortbewegung verläuft langsam und unsicher, solange sie nicht von Augen geleitet wird, und Augen sind nutzlos, wenn man sich nicht bewegen kann. Darum entwickelten sich Wahrnehmung und Bewegung parallel. Diese Koevolution war ein Hauptgrund für die Entstehung der heutigen Artenvielfalt.

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‚Under the Dome‘ Umweltdoku: Chinas Zensur macht Smog-Filmerin mundtot

Chai Jing, Bild:shanghaiist.com
Millionen Chinesen haben die Smog-Doku „Unter der Glocke“ der Journalistin Chai Jing gesehen. Nun ist der Film aus dem Verkehr gezogen, die Debatte darüber beendet. Ein Lehrstück über Politik, Öffentlichkeit und Zensur in China.


Von Bernhard Zand|SpON

Am Samstagmorgen um 10.02 Uhr stellt die Journalistin Chai Jing, 39, einen Film ins Internet. Es ist der 28. Februar, drei Tage vor Beginn der Jahrestagung von Chinas Scheinparlament, dem Nationalen Volkskongress. Chais Film, „Qiong Ding Zhi Xia“ („Unter der Glocke“) ist eine Reportage über den Smog und die Frage, wo er herkommt.

Sie berichtet über Chinas mächtige Öl-, Stahl- und Kohle-Konzerne und die Unfähigkeit der Politik, ihnen Einhalt zu gebieten. Es ist eine Klage über Chinas Luftverpestung, vorgetragen von einer jungen Frau, die in Peking lebt und sich Sorgen um ihr Baby macht.

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