Prediger, der für Kurz betete, will Europa vom Islam „zurückerobern“

foto: screenshot/kath.net Sebastian Kurz hielt in der Stadthalle auch eine Rede.
Ben Fitzgerald spricht davon, das „Schwert in die Schlacht“ zu führen, Kurz spricht von „spontanem Gebet“

Katharina Mittelstaedt, Fabian Schmid | derStandard.at

Solche Bilder ist man in der österreichischen Politik nicht gewohnt: Tausende Christen strecken ihre Arme in die Höhe, um für Altkanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zu beten. „Vater, wir danken dir für diesen Mann, für seine Weisheit“, predigt Ben Fitzgerald von der Bühne. „Wir danken dir dafür, dass in diesem Land die Sünde für alle furchtbar ist“, und erbitten „viel Schutz“ für den Altkanzler, so Fitzgerald weiter.

Ort der Szene war die Wiener Stadthalle, die von Freitag bis Sonntag mit Christen gefüllt war. An drei Tagen fand dort der überkonfessionelle Event Awakening Austria statt, der von Fitzgerald als Teil von Awakening Europe mitorganisiert wurde. Mit dieser Organisation will der gebürtige Australier Menschen ein „Leben nach Gottes Vorstellung“ ermöglichen.

Der einstige Drogendealer behauptet, 2002 in einem Nachtklub Jesus begegnet zu sein. Danach änderte er sein Leben, um zu missionieren. Er reiste nach Nürnberg, wo er das ehemalige Reichsparteitagsgelände der Nationalsozialisten besuchte.

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Es geht gegen Papst Franziskus

Amtsübergabe: Der emeritierte Erzbischof von Köln Joachim Kardinal Meisner überreicht den Petrusstab an seinen Nachfolger Rainer Kardinal Woelki. Bild: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0
Wie bayerische Bischöfe und ein Amtsbruder in Sachsen unter der Leitung des Kardinals von Köln einen Spaltkeil in die Kirche treiben – Ein katholischer Blick auf jüngste Entwicklungen

Peter Bürger | TELEPOLIS

Im Februar dieses Jahres hatte die Deutsche Bischofskonferenz mit Zweidrittelmehrheit den Entwurf einer Pastoralen Handreichung beschlossen, die einen kleinen Schritt auf dem Weg zu mehr ökumenischer Gemeinschaft unter Christen befördert: Konfessionsverbindende Ehepaare sollen unter bestimmten Voraussetzungen gemeinsam die Kommunion empfangen können.

Dies geschieht schon seit Langem in zahllosen Gemeinden – nicht nur in Deutschland. Bei einer Befragung aller Getauften würde eine Mehrheitsentscheidung für das bescheidene Zeichen wohl noch viel deutlicher ausfallen als in der Bischofskonferenz.

Außenstehende können allerdings kaum nachvollziehen, dass um solche Ausnahmeregelungen immer noch so viel Aufhebens gemacht wird. Die römisch-katholische Weltkirche versteht sich als Dienerin an der Einheit der Menschheit, wobei Bischof Franziskus von Rom mit Blick auf die drängenden Zivilisationsfragen die Gemeinschaft in Verschiedenheit dick unterstreicht.

Wie aber sollte dieser Kirche eine solche Fähigkeit des Gemeinschaftsdienstes an der gesamten menschlichen Zivilisation zugetraut werden, wenn in ihren Räumen selbst so nahe Verwandte wie etwa lutherische Mitchristen beim „Sakrament der Liebe“ exkommuniziert werden?

Die Bischöfe Rainer Maria Kardinal Woelki (Köln), Ludwig Schick (Bamberg), Konrad Zdarsa (Augsburg), Gregor Maria Hanke (Eichstätt), Wolfgang Ipolt (Görlitz), Rudolf Voderholzer (Regensburg) und Stefan Oster (Passau) tragen den DBK-Beschluss nicht mit.

Sie haben in der letzten Woche einen Brief nach Rom geschickt. Der Glaubenspräfekt und der „Ökumene-Minister“ sollen dort prüfen, ob der von ihren Mitbrüdern hierzulande vereinbarte Weg noch richtig „katholisch“ ist.

Nachträglich bekam auch DBK-Vorsitzender Reinhard Marx das Protestschreiben nach München übersandt. Der Kirchenrechtler Prof. Thomas Schüller hat dazu eine scharfe Bewertung abgegeben:

Dieses Vorgehen ist stillos und in der Geschichte der Bischofskonferenz einzigartig.

Thomas Schüller

Aus immer mehr Bistümern kommen Wortmeldungen, die ein ähnlich großes Befremden zum Ausdruck bringen. In Kommentaren wird ein Bruch in der Bischofskonferenz wie zu den streitbarsten Zeiten von Kardinal Joachim Meisner (1933-2017) konstatiert. Kardinal Rainer Woelki will aber im Nachhinein ganz erstaunt sein über die ganze Aufregung, die sein Schreiben ausgelöst hat.

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Lexikon der Anti-Feministen

HP agentin.org. Screenshot: bb
Das Online-Portal „Agent*In“ der Heinrich-Böll-Stiftung listet Gegner feministischer Positionen auf – und stößt auf harsche Kritik. Ist es ein „Pranger“ oder setzt es nur konsequent den Geschlechterkampf fort, der im Internet tobt?

Von Kathleen Hildebrand | Süddeutsche.de

Dutzende Namen stehen da, alphabetisch geordnet in vier Spalten. Jeder ist verlinkt zu einer Seite über die Person. Das sieht nach Wikipedia aus, doch was auf den Seiten steht, konzentriert sich auf einen einzigen Aspekt, nämlich auf die antifeministischen Positionen der aufgeführten Person. Nach gleichem Prinzip werden auch Organisationen, Ideologien und Kampagnen geführt. „Ultrakatholisch“ sei der eine Mensch, steht da, die andere Zeitschrift gehöre zur „Neuen Rechten“, wieder andere Personen verträten monarchistische Positionen. Eine Kartei für Antifeministen? Ordentlich verlinkt und verknüpft? Was ist da los?

Am Montag vergangener Woche ist das Online-Lexikon Agent*In online gegangen. Die Abkürzung steht für „Anti-Gender-Networks Information“. Es ist ein Wiki, also ein Online-Lexikon, das die Netzwerke, Organisationen und öffentlichen Vertreter von antifeministischen Positionen offenlegen soll. Katholische Organisationen wie Opus Dei und die Legionäre Christi sind darunter, die AfD und Gruppierungen der Neuen Rechten. Aber auch einzelne Journalisten, die in etablierten Medien veröffentlichen oder in Talkshows auftreten. Das Gunda-Werner Institut der Heinrich-Böll-Stiftung hat es von einer Gruppe freier Autoren und Wissenschaftlern erstellen lassen. Bislang gibt es 177 Einträge. Aber das Lexikon soll wachsen. Und es erfährt schon jetzt heftige Ablehnung.

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Papst verkündet in Fatima Reintegration der Piusbrüder

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Laut dem Online-Portal „Il Faro di Roma“ könnte die von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründete „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ (FSSPX) Mitte Mai zur Personalprälatur erhoben werden

kath.net

Papst Franziskus könnte bei seinem Besuch im portugiesischen Wallfahrtsort Fatima am 13. Mai auch die Rückkehr der traditionalistischen Piusbruderschaft in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche verkünden. Das berichtete die katholische Nachrichtenagentur „cath.ch“ am Mittwoch unter Berufung auf das römische Portal „Il Faro di Roma“. Demnach wird die von Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991) gegründete „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ (FSSPX) zu einer Personalprälatur erhoben. Diesen kirchenrechtlichen Status hatte Papst Johannes Paul II. etwa auch dem „Opus Dei“ gewährt.

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Religion Opus Dei: Neuer Chef, alte Masche

Wird am schlechten Ruf der Personalprälatur wohl nichts ändern können: Fernando Ocáriz. Communicación Opus Dei/dpa Foto: dpa
Wird am schlechten Ruf der Personalprälatur wohl nichts ändern können: Fernando Ocáriz. Communicación Opus Dei/dpa Foto: dpa
Fernando Ocáriz wird Prälat von Opus Dei. Er steht als vierter Spanier an der Spitze der Organisation, die kirchenrechtlich kein Orden ist

Von Regina Kerner | Frankfurter Rundschau

Fans von Dan Brown ist Opus Dei ein Begriff. Im Thriller „Sakrileg – The Da Vinci Code“ schilderte der US-Bestsellerautor den katholischen Laienorden als düsteren und fanatischen Geheimbund, dessen Mitglieder dornige Bußgürtel tragen, sich selbst geißeln und zur Verteidigung der traditionellen Glaubenslehre sogar morden. Als das Buch vor zehn Jahren von Hollywood verfilmt wurde, war Opus Dei, das „Werk Gottes“, in aller Munde. Die 1928 von dem spanischen Priester Josemaria Escriva de Balaguer gegründete Organisation mit Sitz in Rom protestierte damals ebenso wie der Vatikan lautstark und nannte Browns Darstellung ein diffamierendes Zerrbild.

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Sektenführer wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung verurteilt

Sektenbosse von Colonia Dignidad haben Kinder missbraucht und Regimegegner gefoltert und umgebracht.

Von Hugo Stamm | watson.ch

Radikale Glaubensgemeinschaften und Sekten sind politisch häufig am rechten Rand angesiedelt oder haben faschistoide Haltungen und Tendenzen. Das ist keine Überraschung, sondern ist eine logische Konsequenz ihrer Heilslehre und Strukturen. Denn autoritäre Systeme laufen stets Gefahr, rechtsradikale Züge zu entwickeln.

Konkret: Sie werden in der Regel von machtbesessenen Führern oder Gurus gegründet und sind rückwärts gewandt, weil sie ihre reaktionären Ideen konservieren wollen. Der Scientology-Gründer Ron Hubbard zum Beispiel wollte in seinem Machtrausch die ganze Welt scientologisch machen und die Demokratie abschaffen.

Das Phänomen ist auch beim Opus Dei, einer Art Geheimloge, auszumachen. Die reaktionäre katholische Bewegung im Rang eines Bistums möchte das Rad der Zeit zurückdrehen. Auch die Zeugen Jehovas sind eine autoritäre Freikirche, die den geistigen Spielraum ihrer Gläubigen einengt.

Weiter vertreten viele esoterische Gruppen und Bewegungen ein reaktionäres Gedankengut, das teilweise aus der Wiedergeburt- und Karmatheorie resultiert. Nicht von ungefähr sprechen Fachleute von der „braunen Esoterik“.

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Gülen-Bewegung: „Es geht um Macht, es geht um Einfluss“

Fetullah Gülen (links) und Recep Tayyip Erdogan in friedlicher Koexistenz – zumindest auf Teppichen. Foto: AFP
Der Theologe Timo Güzelmansur spricht im Interview mit der FR über das unterschiedliche Auftreten der Gülen-Unterstützer in der Türkei und in Deutschland.

Von Joachim Frank | Frankfurter Rundschau

Herr Güzelmansur, die Einschätzungen der Gülen-Bewegung schwanken zwischen Terrortruppe und beflissenen Bildungsbürgern. Was ist Ihr Bild?
In der Lesart des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ist die Gülen-Bewegung so gefährlich wie die kurdische PKK oder der IS. Das halte ich für völlig übertrieben. Sie ist andererseits gewiss keine Vorkämpferin für eine plurale, säkulare Gesellschaft. Zumindest nicht in der Türkei. Hier in Deutschland treten die Anhänger friedlich und dialogbereit auf. Ich könnte aus eigener Erfahrung nichts Negatives über sie sagen.

Aber was will die Bewegung? Welche Ziele verfolgt sie?
Sie will aus dem Glauben einen Beitrag zur Gestaltung der Gesellschaft leisten.

Das wollen Katholiken oder Protestanten auch.
Ja, deswegen stehen wir bei Cibedo den Gülen-Leuten auch nicht von vornherein negativ gegenüber.

Aber es kommt doch darauf an, um was für einen Beitrag es geht und was für eine Gesellschaft diese Leute wollen.
Wir haben gemeinsam eine Tagung zum Thema „Spiritualität und Bildung“ veranstaltet. Dieses Begriffspaar trifft die Absichten der Gülen-Bewegung ganz gut. Im Zuge dessen haben wir auch die Schulen des Jesuiten-Ordens mit denen der Gülen-Bewegung verglichen. Da gibt es viele Parallelen.

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Frankreich: Sexueller Missbrauch erschüttert die Kirche

Kardinal Barbarin, Bischof von Lyon wusste seit 2007 über einen Missbrauchsfall Bescheid. Die Justiz ermittelt gegen den Pfarrer und den Kardinal – eine Premiere in Frankreich (picture alliance / dpa / Aurélie Ladet)
Erst jetzt kommt das Thema sexueller Missbrauch auf die Agenda der katholischen Kirche in Frankreich. Opfer organisieren sich, täglich mehren sich Enthüllungen und Anklagen. Besonders pikant: Auch die traditionalistische Piusbruderschaft steht unter Verdacht.

Von Bettina Kaps | Deutschlandfunk

Aymeri Suarez-Pazos weiß, dass er schwere Vorwürfe formuliert, aber der Vorsitzende des französischen Selbsthilfevereins AVREF ist sich seiner Sache absolut sicher. Übersetzt bedeutet das Kürzel AVREF „Hilfe für Missbrauch-Opfer in religiösen Bewegungen und für ihre Familien“.

„Wir wissen, dass es viele Bischöfe gibt, die pädophile Pfarrer schützen. Und ausgerechnet auch jene Bischöfe, die sich neuerdings als Weltmeister des Bedauerns und des Mitleids mit den Opfern darstellen. Überall können neue Skandale aufbrechen. Es ist durchaus möglich, dass jetzt viele Opfer Klage einreichen werden.“

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Dodo Bonelli, Hexenjäger – Halali zur Homohatz

Bild: diekolumnisten.de
Am 23. Januar veranstaltete die „Demo für Alle“ in Stuttgart einen Gender-Kongreß, dessen prominentester Referent der Psychiater Raphael Bonelli war. Es gab noch mehr ominöse „Experten“ für antihomosexuelle Hetze. Wolfgang Brosche bringt an den Tag, was in Stuttgart an – und ausgebrütet wurde.

Von Wolfgang Brosche|DIE KOLUMNISTEN

Witchfinder General

„Die Frauen sind ein Übel, ein Übel, ein Übel, ein Übel…“ wie einen Rosenkranz keucht der fromme Katholik seine Losung in einer kalten, zugigen, schmutzigen und düsteren Klosterzelle;  Mitte des  15.Jahrhunderts, vor der Welt verkrochen, ein vergrätzter, scharfgesichtiger  Dominikanermönch in einer zerschlissenen Kutte. Er  brütet mit zusammengekniffenen Augen über seinen Papieren, denn die eine blakend-christliche Kerze spendet nur wenig Licht.

Da liegen sie vor ihm, die Zeugnisse über die Schandtaten der  Hexen,  glaubhafte Berichte von frommen Männern, die beschreiben, wie Hexen Vieh und Ernten vergiften und Unwetter, Hochwasser  und Erdbeben mit ihrem Schadenszauber heraufbeschwören.

Aber vor allem erzählen die Dokumente von den zügellosen Sudeluntaten  der  Hexen: nicht nur, daß sie Männern das Glied wegzaubern und sie unfruchtbar werden lassen, nein, sie kopulieren auch mit Tieren, mit Schweinen und Eseln und in finsterster Nacht sogar mit dem Satan persönlich. Denn die Hexen sind Weiber und die können ihre Lüste nicht beherrschen…

Heinrich Kramer, Inquisitor der dominikanischen Ordensprovinz Alemania, hat diese Zeugnisse gesammelt; oft auch bei scharfen Befragungen von Verdächtigen und bei Verhören von den  Verteidigern des Hexenwesens. Er haßt sie alle, die Hexen, und recht eigentlich, da sie Frauen sind, das weibliche Geschlecht selbst – und das schreibt er nieder  mit vernichtendem Zorn:

„Die Frau ist ein Feind der Freundschaft,  eine unausweichliche Strafe, ein notwendiges Übel, eine natürliche Versuchung, eine begehrenswerte Katastrophe, eine häusliche Gefahr, ein erfreulicher Schaden,  ein Übel der Natur.“

Was Kramer wirklich quält ist sein eigenes membrum virile, das da zuckt und sich reckt und spucken möchte; doch sein Glaube verbietet ihm, sein katholischer, die Leidenschaft, die Brunst, die Geilheit, aber schuld daran ist nicht seine vermaledeite Hand, die zwischen die Schenkel wandern möchte, sind nicht seine Augen, die sich am widerlich-schönen Frauenkörper erfreuen, denn willentlich – so denken die Katholiken ja bis heute – darf man sich nicht erregen. Schuld sind also die Frauen selbst. Und um das Übel der Natur zu bekämpfen, verfaßt der glühende Fanatiker ein Schandwerk, das noch Jahrhunderte später Ungezählten zum Verhängnis wird: „Malleus Maleficarum“, den „Hexenhammer“ – das grundlegende Werk für die Verfolgung von Hexen in Europa.

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Christliche Propaganda in Jugendbüchern—vom Teenager zum Gotteskrieger

Foto: chris m. | Flickr | CC BY 2.0
Ach, das Christentum hat es schon schwer. Seit Tausenden Jahren im Religions-Game, basierend auf einem Buch, das seit geraumer Zeit einen Reboot vertragen könnte—kein Wunder, dass einer der größten Religionen der Welt so langsam der Nachwuchs ausgeht.

Von Lisa LudwigVice.com

Oder genauer: der junge, hippe Digital-Native-Nachwuchs mit ausgeprägtem Konsumverhalten und offener Zukunft, auf den die komplette Wirtschaft so richtig geil ist. Das grundlegende Problem ist dabei noch nicht mal, dass Kreuzzüge, Hexenverbrennung und Schwulenhass im 21. Jahrhundert einfach keine sexy Themen mehr sind. Viel mehr fehlt es den verstaubten Gemeinden an der richtigen, zielgruppengerechten Ansprache.

Weil wir alle wissen, dass die junge Generation nichts lieber tut, als zu lesen, hat sich die Kirche dazu entschieden, das Wort Gottes durch freche Jugendbücher mit frischen Themen unters jugendliche Volk zu bringen. Ganz vorne dabei bei der großen Literaturoffensive ist der Verlag Gerth Medien, der das Opus Dei größtenteils US-amerikanischer Autoren in Deutschland verlegt. Ich bin mir unsicher, ob es an der Sprachbarriere liegt, Christen einfach keine Ahnung davon haben, was „Teens“ voll cool finden, oder auch Religionen dem alten Muster der deutschen Filmbranche verfallen sind, sich bewusst für denglische Scheißtitel zu entscheiden. Irgendeine Art von christlichem Konsens muss es bei Titeln wie Hotline nach oben: Storys für Teens, E-Mail von Gott für Teens oder Chillen mit Jesus: Wahre Storys für Teens aber geben.

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Polen: Opus Dei und das Gender Mainstreaming der EU

Opus Dei Kreuz, Bild. wikimedia
In einem angeblichen Berufsförderprogramm für junge Frauen lehrt Opus Dei auch Kochen, Putzen, Bügeln und Waschen

Von Jens MatternTELEPOLIS

Nun sind die Vorschriftswelten der EU und der katholischen Laienorganisation in Polen auf Koalitionskurs – dies meint zumindest die Zeitung Gazeta Wyborcza.

Der Opus Dei ist seit 1990 mit der „Vereinigung zur Perfektionierung von Fähigkeiten“ (SDU) in Polen präsent. Die Vereinigung betreibt in seinem Sitz in Warschau offiziell eine Berufsförderprogramm für junge Frauen. Um die Angebote attraktiver zu gestalten, konnte die Organisation von dem EU-Sozialfonds EQUAL rund 275.000 Euro für die Renovierung der Räumlichkeiten erhalten. Das mittlerweile ausgelaufene Programm Equal sollte „neue Wege zur Bekämpfung von Diskriminierung und Ungleichheiten von Arbeitenden und Arbeitsuchenden auf dem Arbeitsmarkt“ unterstützen.

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Vatikanbank: Wann kommt PapiLeaks?

euro_vatikan

Neue Enthüllungen um die Vatikanbank bringen Papst Franziskus in Zugzwang.

Die Zeit – Evelyn Finger

Wissen ist Macht, sagte Lenin. Aber Geheimwissen ist noch mehr Macht, sagte der Vatikan und hatte recht, jedenfalls fünfhundert Jahre vor der VatiLeaks-Affäre, als sich gefährliches Wissen noch geheim halten ließ. Kollidierte eine neue Idee mit der alten Wahrheit der Kirche, setzte man die Idee einfach auf den Index und verbrannte den Urheber. Das war die Methode gegen Leute wie Giordano Bruno, sie eignete sich, um zum Beispiel die Verbreitung der Erkenntnis zu verzögern, dass das Universum unendlich sei.

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Steigerung von dumm: Katholisch dumm – „Wir sind Matussek!“

Bild: SpON
Bild: SpON
Matthias Matussek stand stellvertretend für uns alle am TV-Pranger – Kathophobie: Wer sich für die Kirche und für den Zölibat einsetzt, der ist in der medialen Öffentlichkeit zum Abschuss freigegeben.

Von Michael Hesemannkath.net

Es ist schäbig, jetzt hämisch zu fragen, ob es denn klug von Matthias Matussek gewesen ist, in die „internationale Show“ des Berliner Kiez-Clowns Kurt Krömer zu gehen. Denn es ist immer leicht, dem Opfer eine Mitschuld anzudichten. Natürlich wussten die Neunmalklugen auch immer schon, dass man als Frau nicht allein in einem arabischen Land lebt; „selber schuld“ also, wer dort vergewaltigt und dann noch zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wird. „Selber Schuld“ auch, wer in einer Diktatur auf die Straße geht, friedlich für mehr Freiheit demonstriert und mit Reizgas-Röte im Krankenhaus erwacht. „Selber schuld“, wer sich in Ägypten als Christ zu erkennen gibt. Oder im Dritten Reich nicht den Arm zum Hitlergruß hob. So denkt der Spießer, um gleich eine Ausrede für seine mangelnde Zivilcourage parat zu haben. Bloß nicht anecken! Man sieht ja, was dabei herauskommen kann.

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Freimaurerischer Vatikan? Wahrheit und Legende

FreimaurerDer Jurist und Soziologe Massimo Introvigne, 2011 OSZE-Repräsentant gegen die Diskriminierung und Verfolgung von Christen, befaßt sich in einem Aufsatz für La Nuova Bussola Quotidiana, deren Mitherausgeber er ist, mit den Gerüchten einer wie auch immer gearteten Durchdringung der Kirche durch Logenmitgliedschaften von Kirchenvertretern.

Von Massimo IntrovigneKatholisches Magazin für Kirche und Kultur

Vor einigen Jahren sagte ein wichtiger italienischer Kardinal, den ich auf einer Tagung traf, zu mir: „Wissen Sie es Professor? Ich habe soeben einen anonymen Umschlag mit einer Liste von freimaurerischen Katholiken erhalten, auch Ihr Name war dabei.“ Ich antwortete ihm völlig wahrheitsgetreu: „Was für ein seltsamer Zufall. Auch ich habe einen anonymen Umschlag erhalten, mit einer Liste von freimaurerischen Kardinälen. Sie waren auch dabei.“

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Opus Dei: Der Mount Everest des Glaubens

Foto: Georg Moritz
Innerhalb der katholischen Kirche gilt das Opus Dei als reaktionäres Schreckgespenst. Und außerhalb als Geheimbund. Es fehle an Transparenz, und der politische Einfluss sei groß. Doch nun öffnet sich die Organisation, die ihren Mitgliedern viel abverlangt.

Von Claudia KellerDER TAGESSPIEGEL

Die Villa im Berliner Stadtteil Grunewald ist nicht zu übersehen. Sie steht direkt an einer Kreuzung, die Hecke außenrum ist niedrig geschnitten. Ein Messingschild an der Tür weist den Weg zum „Informationsbüro der Prälatur Opus Dei in Deutschland“. Ein paar Stufen hoch und da ist auch schon Horst Hennert, der Hausherr, im Foyer. Er hält den Kopf leicht schief und zieht die Schultern nach oben. Freundliches Lächeln. Er ist ein wichtiger Strippenzieher der Organisation und wirkt fast schüchtern. Es ist ein weitläufiges Haus.

Vor zehn Jahren ist Hennert nach Berlin gekommen, um mit einer Handvoll Eltern in Potsdam eine Jungenschule zu gründen.

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Filesharing im Namen des Herrn: Wird der Vatikan abgemahnt?

Bild: tutsi.de

Die Betreiber der berüchtigten Website torrentfreak.com haben sich mal angesehen, welche Werke von IPs aus dem Vatikanstaat heruntergeladen werden. Aufmerksam auf klerikale Filesharereien wurde torrentfreak durch einen geschwätzigen irischen Mönch, der von seinem Filmclub im Kloster schwärmte.

Von Markus KompaTELEPOLIS

Der Bruder verplapperte sich, indem er von Filmen berichtete, die noch gar nicht auf DVD erschienen waren. Da die Filme keine Marienerscheinungen betrafen und auch wundersame Vermehrungen von Fischen und Broten seltener geworden sind, folgerte torrentfreak auf Filesharing und christliche Nächstenliebe.

Torrentfreak fuhr daraufhin nicht gen Himmel, sondern nur in die Wolke und suchte in der Cloud nach IPs aus dem Vatikan. Statt für Choräle oder Dokumentationen über die neueste Auslegung der Bibel interessiert man sich hinter den Heiligen Mauern mehr für amerikanisches Fernsehen und die PC-Simulation „Airport Madrid X“. Die klerikale Vorliebe für Himmelfahrten scheint also ungebrochen.

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F1 der Ratzinger-Klon

Aus Ratzingers Retorte: Benedikt XVI. und sein Nachfolger Kardinal Jorge Mario Bergoglio, damals noch Erzbischof von Buenos Aires (Vatikan, 13.1.2007) Foto: AP Photo/L’Osservatore Romano

Nach Benedikt XVI. wurde nun erstmals ein Mann aus Lateinamerika zum Papst gewählt. Ändern wird sich dadurch im Vatikan nichts

Von Uta Ranke-HeinemannjW

Als im Jahr 2005 Ratzinger zum Papst gewählt wurde, hatte ich große Hoffnungen, daß er es fertigbringen könnte, die zweitausendjährige Geschichte der Kirche, geprägt von Unterdrückung, Kriegen, Frauenfeindlichkeit, Sexualfeindlichkeit, Homosexuellenfeindlichkeit, zu überwinden.

Ich kannte Ratzinger von unserer gemeinsamen Studienzeit in München 1953/1954 und hatte ihn als sanften, bescheidenen, sympathischen jungen Mann in Erinnerung. Ratzinger fiel mir damals auf als sehr intelligent. Er war der Star unter den Studenten. Und ich sehe uns noch, wie wir beide einsam in einem der großen Hörsäle nebeneinander sitzen und die Thesen unserer Doktorarbeiten ins Lateinische übersetzen. Eine gegenseitige Achtung war seitdem verblieben. Da ich mich mit 17 Jahren auf der Schulbank des Essener Burggymnasiums mit meinem Klassenkameraden Edmund Ranke verlobt hatte, hatte ich unter den Studenten einen gesucht, der für mich als Verlobte in Frage kam und mir nicht plötzlich einen Kuß auf die Backe drückt, wenn wir stundenlang mutterseelenallein abends in einem der großen, leeren Hörsäle sitzen und übersetzen. Er hatte schon immer die Aura eines Kardinals, hoch intelligent bei Abwesenheit jeglicher Erotik. Und über 50 Jahre habe ich geglaubt, daß er unter Johannes Paul litt.

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Konklave der Angst?

Coelestin V., als Papst am 13. Dezember 1294 zurückgetreten – vielleicht nicht ohne Zutun seines Nachfolgers, des berüchtigten Bonifaz VIII. Bild: Marie-Lan Nguyen/gemeinfrei

Viele Medien verbreiten vor der Papstwahl aberwitzige Personalkarusselle. Sinnvoller wäre es, zum Amtsverzicht von Benedikt XVI. und zum Chaos der Römischen Kirche unbequeme Fragen zu stellen

Von Peter BürgerTELEPOLIS

Die berühmten Bischöfe aus den ersten Jahrhunderten der Kirche, auch die Bischöfe von Rom, wurden von den Gläubigen gewählt. Bis heute ist bei jeder Weihe eines Priesters zwingend die Frage vorgeschrieben, ob denn auch das Volk befragt worden sei. Indessen wird das Volk in der lateinischen Kirche nie befragt, so dass schon die Klerikerweihe mit einer Lüge beginnt. Alle Kandidaten für Bischofsstühle, auch für den von Rom, gehen somit in nachapostolischer Betrachtung aus einer illegalen Hierarchie-Bildung hervor. Das gilt wohlgemerkt in theologischer, nicht in demokratietheoretischer Hinsicht. Am wenigsten haben die Getauften und Ortskirchen auf dem ganzen Globus Einfluss auf die Ernennung von Kardinälen, denen vor neun Jahrhunderten das anmaßende, alleinige Privileg der Papstwahl willkürlich verliehen worden ist. Das Verfahren der ägyptischen Kopten, im letzten Papstwahlgang ein blind gezogenes Los entscheiden zu lassen, kann geradezu biblisch genannt werden im Vergleich mit dem ganz und gar unbiblischen Prozedere des Konklaves der Kirche von Rom. Das sollte man beim kommenden Schauspiel im Vatikan nicht vergessen.

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Potsdam: Richter entscheiden im Streit um Opus-Dei-Schule

Nur für Jungen: In diesem Gebäude soll das neue Gymnasium entstehen. – Foto: dpa

Eltern, die dem konservativen katholischen Laienorden Opus Dei nahestehen, wollen in Potsdam eine Jungenschule gründen. Das Land ist dagegen, schon seit sieben Jahren. Nun urteilt das Bundesverwaltungsgericht – womöglich mit grundsätzlichen Folgen.

Von Claudia KellerDER TAGESSPIEGEL

Seit sieben Jahren dauert der Streit schon an: Zwei Dutzend Eltern, die dem konservativen katholischen Laienorden Opus Dei nahestehen, wollen in Potsdam ein Jungengymnasium gründen. Das Land Brandenburg ist dagegen. Heute in einer Woche will das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über den Fall urteilen. Es geht darum, was schwerer wiegt: das grundgesetzlich verbriefte Recht der Eltern auf Erziehung und auf Gründung von Privatschulen oder das Recht des Staates, das Schulwesen nach seinen Maßstäben zu ordnen. Das Leipziger Urteil könnte grundsätzliche Bedeutung haben, weil damit entschieden wird, ob das Grundgesetz die gemeinsame Beschulung von Jungen und Mädchen verlangt.

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Sieben große Mythen über die katholische Kirche

Bild: Katholisches Magazin

Gegen Mythen, tiefsitzende und seit langem verbreitete Vorurteile ist es schwer anzukommen. Dies gilt offensichtlich besonders dann, wenn im Namen der Bekämpfung von Vorurteilen in Wirklichkeit neue Vorurteile erzeugt wurden. Die Probe aufs Exempel? Wem fällt nicht etwas zu den Stichworten Hexenverbrennung, Frauenfeindlichkeit, Galileo Galilei ein.

Von Giuseppe NardiKatholisches Magazin für Kirche und Kultur

Bei näherer Betrachtung würden sich die landläufigen Meinungen dazu in einem erschreckend hohen Maß als pure Erfindung, verzerrte Wahrnehmung der Geschichte oder als blankes Vorurteil erweisen. Häufig als antikatholisches Vorurteil.

Scheinbares „Wissen“ als Vorurteile entlarvt

Der Enttarnung des vermeintlichen „Wissens“ als antikatholische Mythen und Vorurteile widmet sich ein neues Buch, das in den USA erschienen ist. Christopher Kaczor stellt Behauptungen auf den Prüfstand, die häufig und schnell zur Hand sind, wenn es darum geht, die katholische Kirche zu diskreditieren. Die Kirche haßt Frauen, die Kirche haßt Schwule, die Kirche unterdrückt die Freiheit, die Kirche ist leibfeindlich, die Kirche ist wissenschaftsfeindlich. Und die Kirche ist das alles natürlich aus Machtgier und reinem Fanatismus.

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