Wann ist tot tot?

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Während in Deutschland die Organspende zum Normalfall erklärt werden soll, wird in der Schweiz der Hirntod als Kriterium für den eingetretenen Tod angezweifelt

Christoph Jehle | TELEPOLIS

In Deutschland geht man zumeist davon aus, dass der Mensch mit dem Eintreten des Hirntodes sein Leben ausgehaucht hat, ein Bild, das im Übrigen aus dem Alten Testament stammt und als Geweihter Atem/Heiliger Geist die christliche Theologie bis heute beeinflusst, hatte doch der aus Lehm geformte Adam sein Leben erst durch das Einhauchen des göttlichen Atems erhalten. Mit dem Hirntod hat man in der europäischen Kultur den Tod eines Menschen definiert, auch wenn es heute möglich ist, viele lebenswichtige Körperfunktionen mit externen Mitteln anzusteuern, so dass sogar eine hirntote Frau ein gesundes Kind zur Welt bringen kann

In Deutschland will man auf der Basis der Definition des Hirntods jetzt die Entnahme von Organen zum Zwecke der Transplantation erleichtern, indem man auf die mit einem Testament vergleichbaren Einwilligung zu Organentnahme verzichten, die Organspende zum Normalfall erklären und für ihre jeweilige Ablehnung eine aktive Erklärung fordern will. Diese Widerspruchsregelung hat einigen Widerspruch herausgefordert. Dagegen gibt es in der Schweiz eine Ärzteinitiative, welche dafür plädiert, die Organentnahme bei Hirntoten zu verbieten.

Die erste Herztransplantation gelang dem südafrikanischem Chirurgen Christiaan Barnard am 3. Dezember 1967 im Groote-Schuur-Krankenhaus in Kapstadt. Zwar überlebte der 53 Jahre alte, aus Litauen stammende Gemüsehändler Louis Washkansky die Operation nur um 18 Tage, dies galt jedoch damals als großer Erfolg der Transplantationsmedizin. Das Herz stammte von der 25-jährigen Bankangestellten Denise Ann Darvall, die bei einem Verkehrsunfall tödliche Hirnverletzungen erlitten hatte.

Ihr Vater gab die Zustimmung für die Entnahme des Herzens. Das war damals vergleichsweise unbürokratisch möglich. Inzwischen lässt sich die Abstoßung eines transplantierten Organs besser vermeiden und somit hat sich die Lebenserwartung der Menschen, welchen ein Organ eingepflanzt wird, deutlich erhöht. Und mit der Operationsroutine nahm auch die Zahl der Transplantationen zu, was manchen Organempfängern ein neues Leben nicht nur versprochen, sondern auch ganz praktisch ermöglicht hat. Und wer Menschen kennt, deren Weiterleben von einem gespendeten Organ abhing, kann einschätzen, welche Bedeutung die Organspende für diese Menschen hat.

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Japan erleichtert Forschung an Mensch-Tier-Hybriden

Forscher in Japan dürfen künftig Tiere züchten, die menschliche Organe haben. Damit soll Menschen geholfen werden, die bisher vergeblich auf eine Organspende warten.

Neue Zürcher Zeitung

Viele Patienten warten vergeblich auch ein Organtransplantation, denn es gibt weniger Spender als Empfänger. Eine Idee, diesen Engpass zu umgehen ist, menschliche Organe in Tieren zu züchten. In Japan hat das Wissenschaftsministerium in Tokio nun mehrere Einschränkungen für das Einpflanzen menschlicher Stammzellen in Tiere aufgehoben.

Die neuen Regeln erlauben es Wissenschaftern nun, Tierembryonen eine spezielle Art menschlicher Stammzellen einzupflanzen und diese Embryonen dann auch von Tieren austragen zu lasen. Die sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) können sich zu jeder Art von Gewebe entwickeln.

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Affen überleben mit Schweineherz

Die Pumpe des Lebens: Können Menschen eines Tages auch mit einem Schweineherz überleben? © Yodiyim/ thinkstock
Meilenstein: Forscher haben Affen erfolgreich gentechnisch veränderte Schweineherzen transplantiert. Dank eines neuen Verfahrens überlebten die Tiere dabei bis zu sechseinhalb Monate – und damit deutlich länger als jemals zuvor. Dieser Erfolg könnte die sogenannte Xenotransplantation als potenzielle Alternative zur herkömmlichen Organspende entscheidend voranbringen. Möglicherweise sind schon bald erste klinische Tests mit Menschen machbar, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.

scinexx

Das Problem des Organmangels wird immer ernster: 2017 standen in Deutschland nur 797 Spenderorgane für rund 10.000 wartende Patienten zur Verfügung – ein neuer Tiefstand. „Ich sehe auch nicht, dass sich dieser Trend grundlegend umkehren wird“, sagt Bruno Reichert vom Universitätsklinikum München. Um dieses Problem lösen zu können, forschen Mediziner wie er seit Jahren an einer Alternative: Statt menschlicher sollen zum Beispiel Organe von Schweinen für die Transplantationen genutzt werden.

Tatsächlich haben solche Xenotransplantationen bei Tieren bereits geklappt. So setzten Forscher mehrfach gentechnisch-veränderte Schweineherzen in Paviane ein. Bisher gab es dabei allerdings ein entscheidendes Problem: Die transplantierten Tiere überlebten nie länger als 57 Tage – ein Großteil von ihnen starben sogar binnen 48 Stunden. Das ist zu kurz, um eine echte Alternative oder zumindest Übergangslösung für auf ein Spenderherz wartende Patienten zu sein.

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Organspende: Kirche lehnt Widerspruchslösung ab

Bild: © picture alliance/dpa Themendienst/Andrea Warnecke
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will, dass künftig jeder Bürger auch potenzieller Organspender ist – sofern er nicht ausdrücklich widerspricht. Die Kirche ist klar dagegen. Prälat Karl Jüsten verweist im Interview auf das Selbstbestimmungsrecht jedes Menschen.

Von Christoph Scholz | katholisch.de

Der Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Karl Jüsten, hat sich gegen jede rechtliche Pflicht und jeden moralischen Zwang bei der Organspende gewandt. Gerade weil Organspende ein „Akt der Nächstenliebe“ sei, müsse die Entscheidung dazu „frei von allem sozialen und moralischen Druck bleiben“, sagte Jüsten in einem Interview am Montag in Berlin. Der Bundestag will sich am Mittwoch in einer Orientierungsdebatte mit einer möglichen Reform der Organspende befassen.

Frage: Herr Prälat Jüsten, der Bundestag will sich am Mittwoch in einer sogenannten Orientierungsdebatte mit der Organspende befassen. Wie bewertet die Kirche die Organspende?

Jüsten: Die Kirche steht der Organspende ausdrücklich positiv gegenüber. Sie ist für Christen ein Akt der Nächstenliebe, auch über den Tod hinaus.

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Ist Organspende im Islam erlaubt?

Gebet in der Moschee © Brian Jeffery Beggerly @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Die Zahl der Organspenden haben ein 20-Jahres-Tief erreicht. Die Widerspruchslösung soll Abhilfe schaffen. Jeder soll Spender sein, solange nicht widersprochen wird. Das gilt auch für Muslime. Doch ist Organspende im Islam erlaubt? Islamrechtler Cefli Ademi klärt auf.

Von Lynn Osselmann | MiGAZIN

Nach Angaben des Islamwissenschaftlers Cefli Ademi gibt es mehrere islamrechtliche Meinungen zu der Frage, ob Muslime ihre Organe spenden dürfen. Die islamische Rechtswissenschaft zeichne sich durch argumentatives Niveau und Meinungspluralität aus, sagte der Islamrechtler der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster dem „Evangelischen Pressedienst“. „Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass auch die Frage der Organspende und der Organtransplantation, je nach Art, Zweck und Einzelfall unter Islamjuristen nicht einheitlich beantwortet wird.“

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Organspende: Ein Brief an den Gesundheitsminister

Sehr geehrter Herr Bundesminister für Gesundheit Spahn,

der Vorschlag, eine Neuregelung zum Thema Organspende anzustoßen, ist zur begrüßen. Die Toten, die aufgrund mangelnder Spenderorgane sterben, gehen nicht nur auf das Konto der
Organspendeverweigerer, sondern insbesondere auch auf das Konto der aktuellen Regelungen, die sich insofern als erfolglos erwiesen haben. Diese Toten gehen also auf das Konto derjenigen, die die alte Regelung stützen.

Von Seiten der Religiösen wurde jetzt eingewandt, eine Widerspruchslösung verstoße auch gegen das Selbstbestimmungsrecht: Man dürfe nicht gezwungen sein, sich dazu zu äußern.
Wir schlagen daher folgendes vor:

1. Die Bereitschaft zur Organspende wird auf der Krankenkassenkarte gespeichert, damit die Information im Zweifelsfalle sofort verfügbar ist.
2. Vor Ausstellung der Krankenkassenkarte wird jeder Versicherte befragt, ob er Spender sein will oder nicht: Die Frage selbst verletzt keine Rechte. Nur dann, wenn mit „ja“ geantwortet wird, wird die Bereitschaft zur Organspende – ggf. mit den genannten Einschränkungen – auf der Krankenkassenkarte gespeichert. Wird mit „nein“ geantwortet oder keine Antwort abgegeben, so wird die Person nicht als Organspender geführt. Das verletzt nicht mehr die Rechte, als es dies heute tut: Wer also will, der kann seine Organspendebereitschaft auf der Karte festhalten lassen, wer dies nicht will, der lässt es bleiben.
3. Parallel sollte die Möglichkeit der Organspende durch den bisherigen Organspendeausweis erhalten bleiben, damit aus einer auf der Krankenkassenkarte nicht vorhandenen Eintragung nicht geschlossen werden kann, dass die Person kein Organspender ist, so dass eine dadurch verursachte Diskriminierung ausgeschlossen wird.

Ziel ist ein Optimum an Rechtsschutz für die Organspendebedürftigen einerseits und ein Optimum an Freiheit für Spender und Nichtspender andererseits.

Mit freundlichen Grüßen

Von Föderation des Determinismus

Organspende : Nein geht auch

Besser mit Organspendeausweis! Bild: dpa
Zwang? Manipulation? Der vorgeschlagene Systemwechsel in der Organspende würde zu nichts verpflichten, außer zur Pflicht, sich endlich zu erklären – auch sich selbst zuliebe.

Von Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Wer spendet, hilft Menschen in Not. Wer nicht spendet, hilft sich selbst mit einer Notlüge. Das ist, nicht immer, aber jetzt wieder sehr sichtbar, ein Dilemma der Organspende. Der Gesundheitsminister will die Organspende neu regeln, weil bisher schlichtweg jeder Versuch, die Zahl der Spenderorgane zu erhöhen, gescheitert und sie so erbärmlich niedrig ist wie nie zuvor. Nicht mit Spenderzwang, nicht durch Manipulation soll die Wende geschafft werden, wie sich mancheiner einredet, auch nicht durch eine „Lizenz zur Zwangsausschlachtung“, wie die von Jens Spahn favorisierte Widerspruchslösung schmutzig genug tituliert wurde, sondern durch einen regulären Gesetzesvorschlag und eine reguläre rechtsstaatliche Debatte um Ethik und Selbstbestimmung.

Künftig soll also jeder Organspender sein, sofern er, sie oder die Angehörigen dem nicht widersprechen. Ein Nein geht auch.

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Ethikratsvorsitzender hält Widerspruchslösung für „Organabgabepflicht“

Bild: Deutscher Ethikrat
Der Sozialethiker Peter Dabrock hat das Plädoyer von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für eine Widerspruchslösung bei der Organspende scharf kritisiert.

evangelisch.de

Solch eine Regelung würde einen „fundamentalen Paradigmenwechsel“ darstellen, sagte der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin. Die bisherige Organspenderegelung habe den Charakter von Freiwilligkeit und wohltätiger Solidarität mit Schwerkranken. Mit der Regelung, bei der jeder Spender sein soll, solange er nicht widerspricht, müsste man von „Organabgabepflicht“ statt von „Organspende“ sprechen, sagte Dabrock.

Spahn hatte der „Bild“-Zeitung (Montag) gesagt, dass nur mit der Widerspruchslösung die Organspende zum Normalfall werden könne. Jeder Deutsche würde damit automatisch ein Spender sein, sofern er oder seine Angehörigen nicht ausdrücklich widersprechen. In Deutschland gilt bislang die sogenannte Entscheidungslösung, so dass eine Entnahme nur möglich ist, wenn eine Zustimmung vorliegt.

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Der Tod eines Siebenjährigen zeigt die Gefahren der Homöopathie

Globuli: Kügelchen als Heilmittel? Panthermedia/Pic Leidenschaft/Apotheken-Umschau
Francesco war gerade einmal sieben Jahre alt, als er am Samstag starb. An einer Krankheit, die zwar schmerzhaft, aber eigentlich als heilbar gilt: Mittelohrentzündung.

HUFFPOST

Wie italienische Medien berichten, hatten die Eltern den Jungen zu einem Homöopathen gebracht. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft im norditalienischen Urbino gegen ihn und die Eltern wegen Mordes.

„Wir haben dem Doktor immer vertraut“

„Wir haben dem Doktor immer vertraut“, zitiert die Zeitung „Corriere della Serra“ die Mutter. Der Junge habe schon früher immer wieder einmal Probleme mit den Ohren gehabt, und immer habe der Homöopath helfen können. Diesmal jedoch starb das Kind nach 15 Tagen Krankheit.

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Deutscher Ethikrat: Organspende – ja oder nein?

Organspende – ja oder nein? Kann ich mit meinen Organen vielleicht anderen Menschen das Leben retten, wenn ich die Organe nicht mehr brauche? Und ab wann ist mein Körper bereit für eine Organspende? Wer entscheidet wann mein Körper dafür bereit ist?


Radio Vatikan

Weihbischof Anton Losinger

Fragen, die man sich oft nicht mehr rechtzeitig stellen kann. Das sollte man aber, denn das dramatische ist, wenn die Entscheidung an den Angehörigen hängen bleibt, erklärt Weihbischof Anton Losinger, Mitglied des Deutschen Ethikrates im Gespräch mit Radio Vatikan. Die deutschen Bischöfe haben diese Woche in Bonn eine „Orientierungshilfe“ diesbezüglich veröffentlicht. Sie machen sich stark für die Organspende an sich und halten an dem umstrittenen Kriterium des Hirntodes als zuverlässiges Kriterium für den Tod des Menschen fest. Das Dokument der Deutschen Bischofskonferenz greife drei wesentliche Punkte auf, die sich mit der Expertise des deutschen Ethikrates decken, so der Augsburger Weihbischof Losinger.

„Das Erste: Das Organspende auch in der Novellierung des Transplantationsgesetzes in der Bundesrepublik Deutschland, wo wir ja inzwischen eine Entscheidungslösung als ein Ergebnis haben, absolut freiwillig sein soll. Eine Spende ist nur Spende, wenn sie frei ist. Das Zweite: Die Bischöfe halten fest, an einer grundsätzlichen Organspende als einen Akt der mitbrüderlichen und mitfühlenden Nächstenliebe zur möglichen Rettung des Lebens eines anderen Menschen sieht. Und drittens: Die absolute Voraussetzung für die Spendung eines lebenswichtiges Organs ist die Feststellung des sicheren Todes des Spenders. Sie erinnern sich, Papst Benedikt XVI. hat diese starke Kriterium geprägt: Ex-Cadavere. (Anm. Red.: Dass Organe nur vom toten Leichnam entnommen werden dürften). Deswegen ist das Kriterium des Hirntodes ein wichtiges und leitendes Kriterium dieses Dokument der deutschen Bischöfe.“

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Ethikrat zu Organspende: Hirntod umstritten

In Deutschland gilt: Lebenswichtige Organe dürfen erst nach dem Hirntod entnommen werden. Doch diese Praxis ist umstritten Foto: fivepointsix| Fotolia
Der Deutsche Ethikrat ist mehrheitlich der Meinung, dass der Hirntod das Ende des Lebens markiert und Organspenden ab diesem Zeitpunkt legitim sind. Das hat das Gremium am Dienstag in Berlin erklärt. Dennoch ist das Hirntod-Kriterium umstritten.


pro Medienmagazin

Wenn bei einem Patienten keine Hirnfunktionen mehr nachweisbar sind, ist er tot. Was für viele selbstverständlich erscheint, und auch dem Transplantationsgesetz in Deutschland zu Grunde liegt, hat der Deutsche Ethikrat nun diskutiert. Er stellt fest: Einfache Antworten gibt es auf die Frage nach dem Tod und dem richtigen Zeitpunkt für eine Organspende nicht. Zwar spricht sich eine Mehrheit der Mitglieder dafür aus, dass der Hirntod ein eindeutiges Todesmerkmal ist. Ethikratmitglied und Jurist Reinhard Merkel spach von einem „unaufgebbaren“ Prinzip für die Organspende.

Eine Minderheit aber hält den Hirntod nicht zwingend für das Ende des Lebens und verweist darauf, dass der Körper auch nach Absterben des Gehirns mit medizinischer Unterstützung noch vielfältige Funktionen haben kann. So ist zum Beispiel das Heranwachsen eines Kindes im Mutterleib noch möglich, auch wenn bei der Mutter ein Hirntod eingetreten ist. Ethikratmitglied und Jurist Wolfram Höfling erklärte, eine Behandlung hirntoter Patienten sei dennoch nicht medizinisch sinnvoll und ein Behandlungsabbruch ethisch gefordert. Die Entnahme lebenswichtiger Organe bei Menschen mit irreversiblem Ganzhirnversagen sei seiner Meinung nach legitim, sofern dies dem Willen des Betroffenen entspreche.

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Organspende: Das Dilemma mit den untoten Toten

Foto:Fotolia/flytoskyft11/woaiss
„Nach meinem Tod brauche ich meine Organe doch nicht mehr“, sagen Befürworter der Organspende. „Warum soll ich sie dann nicht zur Transplantation freigeben, um damit Leben retten?“ Diese Argumentation ist auf den ersten Blick bestechend. Dennoch sinkt die Spendenbereitschaft. Das hat auch mit Fehldiagnosen beim Hirntod zu tun.

Von Karin Vorländerevangelisch.de

Die großen christlichen Kirchen stehen der Organspende positiv gegenüber. 1990 betonten sie in einer gemeinsamen Erklärung, dass „in der Organspende noch über den Tod hinaus etwas spürbar werden [kann] von der ‚größeren Liebe‘, zu der Jesus seine Jünger auffordert“. So bezeichnete auch Friedrich Weber, Bischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche, die Organspende als „Ausdruck christlicher Nächstenliebe und Solidarität“. Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider erklärte im November 2012: „eine Entnahme von Organen verletzt nicht die Würde des Menschen und stört nicht die Ruhe der Toten.“ Auch wenn er eine christliche Verpflichtung zur Organspende nicht postulieren mochte, legt der Verweis auf das Gebot der Nächstenliebe eine Entscheidung pro Organspende nahe.

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Pro: „Ein Organspender rettet sieben Menschenleben“

organspendeausweis

Immunologe Beda Stadler über das Tabuthema Tod, Kompost und Organhandel.

SRF – Schweizer Radio und Fernsehen

SRF News Online: Der Nationalrat hat sich für die automatische Organspende ausgesprochen. Was halten Sie davon?

Beda Stadler: Ich bin hocherfreut. Für alle Beteiligten wäre die automatische Organspende einfacher. In Zukunft würde schon jedes kleine Kind wissen, dass man mit dem eigenen Körper sieben weitere Menschen retten kann. Die Themen Organspende und Tod würden endlich enttabuisiert.

Für die Gegner ist die automatische Organspende ein zu grosser staatlicher Eingriff. Was sagen sie dazu?

Wer soll denn sonst eingreifen? Der Staat wäre allemal besser als ein privater Organhandel. Aber letztlich würde nicht der Staat eingreifen, sondern die Spitäler. Es sind schlussendlich die Ärzte, die für die Menschen nur das Beste wollen.

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„Humanismus hat mit Fortschritt zu tun“

Bild. diesseits.de

HVD-Vizepräsident Helmut Fink zog positive Bilanz nach dem Humanistentag in Berlin und dankte allen Teilnehmern. „Dieser Tag war als Verbandstag des HVD konzipiert und wandte sich niederschwellig an die ‚Basis‘ – also an alle Mitglieder, nicht in erster Linie an Funktionäre. Doch auch solche wurden gesichtet und haben Beiträge dazu beigesteuert.“

Von Helmut Finkdiesseits.de

Am vergangenen Sonntag ist in Berlin der vom Bundesverband des HVD veranstaltete Humanistentag 2012 zu Ende gegangen. Über 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland hatten sich dabei in der Freien Volksbühne in Berlin getroffen, um sich von einem bunten Programm mit rund einem Dutzend Beiträgen unterhalten und inspirieren zu lassen, sowie um Gleichgesinnte aus anderen Regionen zu treffen und kennenzulernen.

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Katholische Kirche begrüßt Neuregelung der Organspende

Bild: FR

Hauptsache freiwillig

domradio.de

So viel Einigkeit ist selten: Mit breiter Mehrheit hat der Bundestag die Entscheidungslösung bei der Organspende beschlossen. Auch Ethikratsmitglied Weihbischof Anton Losinger begrüßt die neue Regelung, besonders, dass es keinen Zwang bei der Entscheidung gebe: „Eine Spende ist nur dann eine Spende, wenn sie frei ist.“

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch lobte den Aspekt der Freiheit bei der Entscheidung, und das Lebendspender künftig besser abgesichert seien. Die Spende bezeichnete Zollitsch als „Ausdruck großherziger Solidarität“.

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Organspende: Was sagen Muslime und Juden dazu

"Die Entnahme eines Organs aus dem Körper eines Menschen und seine Verpflanzung in den Körper eines anderen Menschen ist eine erlaubte lobenswerte Handlung und wohltätige Hilfeleistung." (Zentralrat der Muslime) Foto: iStockphoto/MaryLB

Dass die christlichen Kirchen für die Organspende sind, ist vielleicht bekannt. Wie aber stehen die Dinge in der jüdischen und islamischen Welt? Die Meinungen von Juden und Muslimen zum Thema Organspende sind gar nicht so verschieden: Grundsätzlich befürworten beide Glaubensrichtungen die Spende. Aber es gibt auch abweichende Haltungen.

Von Martin Rotheevangelisch.de

Für Christen ist eine Organspende ein Akt der Nächstenliebe. Wie aber stehen Muslime und Juden zum Thema? Dem Judentum zufolge hat der Mensch seinen Leib von Gott nur geliehen bekommen. Er darf den eigenen Körper also nicht willentlich verletzen oder freiwillig in Gefahr bringen. Auch müssen Juden die Integrität eines toten Körpers wahren. Doch dieses Prinzip kann nach jüdischer Auffassung relativiert werden, wenn es mit dem göttlichen Gebot kollidiert, wonach menschliches Leben zu erhalten und zu retten ist.

In diesem Sinne entschied Israels Oberrabbinat 1987, dass es nicht gegen die Halacha, das jüdische Religionsgesetz, verstößt, wenn einem freiwilligen Spender direkt nach dessen Tod Organe entnommen werden. Dies sei aber nur dann erlaubt, wenn keine Profite aus dem Körper entstehen und der Leichnam mit Respekt behandelt wird.

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Christdemokraten für das Leben: PID ist Selektion von Behinderten

Die nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL), Odila Carbanje. Foto: idea/Steinacker

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist „Selektion von Behinderten“. Diese Ansicht vertrat die nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL), Odila Carbanje (Nottuln bei Münster), auf der Mitgliederversammlung am 1. Oktober in Bochum.

idea.de

Bei der PID werden künstlich erzeugte Embryonen auf genetische Unregelmäßigkeiten untersucht, bevor sie in den Mutterleib eingepflanzt werden. Vernichtet werden Embryonen, die Anzeichen für eine spätere Behinderung aufweisen. Im Juli hatte der Bundestag eine begrenzte Zulassung der PID beschlossen. Carbanje erinnerte jetzt daran, dass Papst Benedikt XVI. in seiner Rede vor dem Bundestag und Mitgliedern des Bundesrats gegen die PID Stellung bezogen hatte. Dennoch habe die Ländervertretung nur einen Tag später das PID-Gesetz „still und heimlich durchgewunken“. Dies komme einer „Verhöhnung der vom Papst zitierten christlichen Grundwerte“ gleich. Es könne als „Armutszeugnis für die CDU“ bezeichnet werden, dass ein Drittel ihrer Abgeordneten der PID-Zulassung zugestimmt haben. Auch werde Bundespräsident Christian Wulff höchstwahrscheinlich das Gesetz unterschreiben. Carbanje: „Wir müssen leider davon ausgehen, dass die PID durchkommen wird.“

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Wenn Politik zu Kreuze kriecht

Das Kreuz verbindet: Volker Kauder und Wolfgang Huber (r.) lehnen die PID ab. Foto: pro

Politiker und Christen diskutieren über Lebensschutz
Der Lebensschutz ist eine der wichtigsten Aufgaben eines Christen – in diesem Punkt zeigten sich Politiker und Kirchenvertreter wie der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD, Wolfgang Huber, die Unions-Abgeordnete Julia Klöckner oder der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder am Montag einig. Über PID, Sterbehilfe und Organspende diskutierten sie bei einem Unions-Kongress zur christlichen Ethik.

pro Medienmagazin

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Ist Hirntod wirklich Tod?

Quelle: http://www.gehrin-und-geist.de

Der deutsche Bundestag bereitet eine Novelle des Transplantationsgesetzes vor. Ziel: Mehr transplantierbare Organe. Das Schweigen zu einem Problem und seine Geschichte.

Von Armin Schwibach kath.net

Am 29. Juni werden die Mitglieder des Gesundheitsausschusses im Rahmen einer öffentlichen Anhörung 15 Sachverständige zu den „rechtlichen und ethischen Aspekten“ der Organspende hören.

Bei der Organspende scheint es einen öffentlichen Konsens zu geben. Laut einer aktuellen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Techniker-Krankenkasse durchgeführt hat, lehnen nur sechs Prozent der Deutschen eine Organspende grundsätzlich ab, so Stefan Rehder in „Die Tagepost“ vom 15. Juni 2011. Weitere drei Prozent bezeichneten ihre Haltung als „unentschieden“.

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Der heilige Körper des Papstes – keine Organspende

Papst Benedikt XVI. war Teil einer Kampagne, die für Organspenden warb. Jetzt stellt der Vatikan klar: Joseph Ratzingers Organe kommen für eine Spende nicht in Frage.

bazonline.ch

Papst Benedikt XVI. ist kein Organspender mehr. Der aus den 70er Jahren stammende Organspendeausweis sei mit der Wahl Kardinal Joseph Ratzingers zum Papst automatisch ungültig geworden, erklärte der päpstliche Privatsekretär Georg Gänswein.

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