Mit Spürhunden gegen eingeschleppte Schädlinge

foto: bwl Die Hündin Joy im Einsatz: Der asiatische Laubholz-Bockkäfer nistet sich unter der Baumrinde ein. Trainierte Hunde riechen einen Befall viel früher, als ihn der Mensch sieht.
foto: bwl Die Hündin Joy im Einsatz: Der asiatische Laubholz-Bockkäfer nistet sich unter der Baumrinde ein. Trainierte Hunde riechen einen Befall viel früher, als ihn der Mensch sieht.

Es sind zwei Schädlinge, auf die Förster derzeit in Österreich besonderes Augenmerk legen müssen: ein Pilz und ein Käfer. Beide haben sie idyllische Namen, sind aber gefährlich für den heimischen Baumbestand.

Von Johanna Ruzicka | derStandard.at

Das Falsche Weiße Stängelbecherchen ist Grund dafür, dass Teile der Donauauen derzeit gesperrt werden müssen, so beispielsweise die Au bei Korneuburg. Der Pilz greift nämlich den unteren Teil der dort häufigen Eschen an. Wenn die Bäume mal innerlich von dem Pilz zerfressen sind, können sie ohne große Vorwarnung umfallen. Bei Stämmen, die gut und gerne 70 Zentimeter Durchmesser haben können, ist dies für erholungssuchende Spaziergänger äußerst gefährlich. Laub- und Obstbäume betroffen Der asiatische Laubholz-Bockkäfer, von Forstleuten schon flott ALB abgekürzt, ist ein Import aus China und befällt alle möglichen Laubbäume, auch Obstgehölze. Gefährlich ist er besonders für den Ahorn.

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NS-Verbrecher Brunner soll in Keller in Damaskus gestorben sein

Alois Brunner / Bild: APA/AFP/STRINGER
Alois Brunner / Bild: APA/AFP/STRINGER
Der Österreicher habe seine letzten Lebensjahre unter elenden Bedingungen verbracht, heißt es in einem Medienbericht. Bisher war nichts über die Umstände seines Todes bekannt.

Die Presse.com

Der Nazi-Kriegsverbrecher Alois Brunner ist einem französischen Magazinbericht zufolge 2001 im Alter von 89 Jahren unter elenden Bedingungen in Syrien gestorben. Brunner habe die letzten Jahre im Keller eines Wohnblocks von Damaskus verbracht, sagten ehemalige Mitglieder des syrischen Geheimdienstes dem französischen Magazin „XXI“.

Einer von Brunners Wachmännern namens Omar berichtete dem Magazin, der frühere Mitarbeiter von Adolf Eichmann habe „gelitten und viel geweint“. Zu Essen habe er „Militärrationen – grässliches Zeug – sowie ein Ei oder eine Kartoffel“ gehabt. Den Berichten von Omar und seinen beiden Kollegen zufolge blieb Brunner bis zum Ende ein fanatischer Antisemit und Nazi.

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Richter: Bei Kopftuchverbot auch kein Kreuz im Gericht

foto: robert newald Die Richterschaft will seit langem Kreuze aus den Verhandlungssälen verbannen. Richterin mit Kopftuch gibt es in Österreich keine.
foto: robert newald Die Richterschaft will seit langem Kreuze aus den Verhandlungssälen verbannen. Richterin mit Kopftuch gibt es in Österreich keine.
Eine von Justizminister Wolfgang Brandstetter einberufene Arbeitsgruppe kam zu dem Schluss: Entweder alle religiösen Symbole sind erlaubt – oder gar keine.

Von Katharina Mittelstaedt | derStandard.at

Kreuze in Schulen und Gerichtssälen, doch keine Lehrerinnen und Richterinnen mit Kopftuch – während heimische Politiker hitzig diskutieren, was möglich sein soll, steht zumindest für den Bereich Justiz längst fest, was möglich ist. Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) hat vergangenen Sommer nämlich eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich mit genau diesen Themen auseinandersetzen sollte. Wie der STANDARD erfahren hat, liegt der entsprechende Endbericht inzwischen vor. Das Ergebnis der rechtlichen Analyse: Eine Differenzierung zwischen Symbolen verschiedener Religionen ist verfassungsrechtlich nicht zulässig.

In der Justiz ist man nun verwundert über Brandstetters Aussagen, er würde den Vorschlag von Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) unterstützen. Dieser fordert ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen und Richterinnen, will aber gleichzeitig das Kreuz keinesfalls infrage stellen. „In der christlichen Kultur ist man Kreuze gewöhnt. Deshalb hat ein Kreuz in einem Verhandlungssaal bei uns keinen Auffälligkeitswert – im Gegensatz zu Kopftuch oder Kippa bei Amtsträgern“, argumentierte Brandstetter im „Kurier“-Interview.

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Österreichische Kirchenstatistik: Weniger Katholiken, mehr Geld!

Bild: tilly
Bild: tilly
Offizielle Statistik der Österreichischen Bischofskonferenz veröffentlicht: Knapp 55.000 Austritte im Jahr 2016. Das Geld wird hingegen nicht weniger. 10 Millionen Mehreinnahme als im Jahr davor.

kath.net

Die katholische Kirche in Österreich hat am Dienstag die neueste Kirchenstatistik veröffentlicht, dass seelsorgliche Kennzahlen wie die Zahl der sonntäglichen Messbesucher oder die Zahl der Firmungen und Erstkommunionen weiter zurückgehen. Wurden an den sogenannten „Zählsonntagen“ 2015 zwischen 568.000 und 606.000 Messbesucher gezählt, so waren es 2014 zwischen 577.000 und 623.000 und 2013 zwischen 582.000 und 629.000.

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Russland-Sanktionen vernichteten 400.000 Jobs

Heinz Fischer ließ sich im April trotz Sanktionen nicht von einem Besuch bei Wladimir Putin abhalten - derstandard.at
Heinz Fischer ließ sich im April trotz Sanktionen nicht von einem Besuch bei Wladimir Putin abhalten – derstandard.at
Der Wirtschaftskrieg mit Russland hat die EU-Staaten 2015 fast 18 Milliarden Euro gekostet. Die Handelsbeziehungen hätten allerdings auch ohne jede Sanktion dramatisch gelitten, zeigt eine neue Studie

Von Günther Oswald | derStandard.at

Ein großer Anhänger der Russland-Sanktionen durch die EU war die rot-schwarze Regierung nie. „Österreich ist gegen eine Verschärfung oder Verlängerung dieser Einschränkungen“, deponierte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) noch im November. Auch Ex-Bundespräsident Heinz Fischer versicherte dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im April 2016 in Moskau, er würde eine „schrittweise Aufhebung“ begrüßen.

In Brüssel trug Österreich bisher aber alle Beschlüsse mit. Erst wenige Tage vor Weihnachten wurden die Wirtschaftssanktionen um weitere sechs Monate bis 31. Juli 2017 verlängert. Auch Russland ist bisher von seinen Gegenreaktionen nicht abgerückt.

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Wie Luther das Christkind erfand

Gustav König: Luthers Winterfreuden im Kreise seiner Familie, Stahlradierung, 1851 (Ausschnitt)
Gustav König: Luthers Winterfreuden im Kreise seiner Familie, Stahlradierung, 1851 (Ausschnitt)
Am Samstag kommt zu vielen Kindern in Österreich und Süddeutschland das Christkind. Martin Luther persönlich, Reformator und Theologe soll es „erfunden“ haben. Was uns heute ein herziger Brauch für kleine Kinder ist, hat einen handfesten theologischen Kern.

Von Johanna Grillmayer | religion.ORF.at

Denn natürlich ging es Luther mit seiner Schöpfung nicht nur darum, seine „Kindlin“ zu erfreuen. Christian Danz, Professor für Systematische Theologie A. B. an der Universität Wien, erkennt hinter der Schöpfung des Christkinds, das am 24. oder 25. Dezember Geschenke bringt, verschiedene Motive.

Die Entmachtung der Heiligen

Zum einen, so der Theologe im Gespräch mit religion.ORF.at, sei es um die Entmachtung des Nikolaus als Gabenbringer gegangen: „Das hängt damit zusammen, dass für das reformatorische Christentum die Heiligen keine Bedeutung haben.“ Dahinter stehe der Glaube, „dass das Heil von Gott allein gegeben wird und es da keine Mittler mehr gibt. Damit treten die Heiligen, die in der christlichen Tradition und in der mittelalterlichen Kirche eine sehr zentrale Vermittlerrolle haben, zurück, und Luther nimmt eine Umbesetzung vor.“

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Austria: Vertrauen in die Kirche ist wieder angestiegen

Bild: tilly
Bild: tilly
Nur für jeden vierten Österreicher hat Weihnachten gar keine religiöse Bedeutung. Wobei nach wie vor das Fest von 90 Prozent als eines der Versöhnung gesehen wird

Von Conrad Seidl | derStandard.at

Was wohl die Mormonen glauben? Oder die Freikirchen? Für die meisten Österreicher sind das ziemlich unbekannte Religionen. Nur bei der katholischen Kirche meinen 43 Prozent, dass sie sehr gut Bescheid wissen, weitere 36 Prozent kennen sich nach eigenem Bekunden gut aus. Schon wenn es um die evangelischen Bekenntnisse geht, finden sich nur mehr 29 Prozent in den beiden Kategorien, die sich mehr oder weniger gut auskennen. Das geht aus der aktuellen Weihnachtsumfrage des Linzer Market-Instituts für den Standard unter 415 Wahlberechtigten hervor.

Religionsunterricht für alle

In diesem Zusammenhang wurde auch die Meinung zum Religionsunterricht abgefragt – und da erklärten 63 Prozent der Befragten, dass sie mehr oder weniger stark dafür sind, dass alle Kinder, unabhängig von der Religiosität der Eltern, etwas über alle Religionen lernen sollten.

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Türkisches Exilmedium in Wien

Türkische Journalisten der Zeitung „Cumhuriyet“ bei einer Demonstration für Medienfreiheit in Istanbul. / Bild: (c) Imago/Zuma Press
Türkische Journalisten der Zeitung „Cumhuriyet“ bei einer Demonstration für Medienfreiheit in Istanbul. / Bild: (c) Imago/Zuma Press
Journalisten aus der Türkei, die in ihrer Heimat arbeitslos geworden sind oder verfolgt werden, haben in Österreich ein freies Online-Nachrichtenportal aufgebaut.

Von Duygu Özkan | Die Presse.com

Doğan Ertuğrul kennt die Türkei Erdoğans auch deswegen sehr gut, weil er sie von innen erlebt hat. Mehrere Jahre war der Journalist für die Tageszeitung „Star“ tätig, die den Kurs des konservativ-islamischen Präsidenten, Recep Tayyip Erdoğan, unterstützt. „Ich habe gesagt, das Zeitungswesen in der Türkei geht nicht in eine richtige Richtung“, sagt Ertuğrul. Er kündigte seinen Posten als Chef vom Dienst und schrieb fortan als freiberuflicher Journalist Reportagen für die Zeitung „Zaman“, die als Sprachrohr des islamischen Predigers Fethullah Gülen gilt.

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Türkei: Konfrontationskurs gegen Österreich „auf allen Ebenen“

Türkischer Außenminister Mevlüt Cavusogl. Bild: Die Presse.com
Türkischer Außenminister Mevlüt Cavusogl. Bild: Die Presse.com
Außenminister Mevlüt Cavusoglu will „auf allen Ebenen“ gegen Wien auftreten. In der Visa-Frage zeigt er sich ebenfalls unzufrieden.

Die Presse.com

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat in einem türkischen TV-Interview auf Österreichs Forderung nach Einfrieren der EU-Beitrittsverhandlungen mit scharfer Kritik reagiert und einen Konfrontationskurs angekündigt. Er werde von nun an „auf allen Ebenen gegen Österreich auftreten“, sagte Cavusoglu laut Medienberichten vom Donnerstag.

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Deutsche Regierung will Pkw-Maut vor Weihnachten beschließen

Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt macht nach der Einigung mit der EU-Kommission bei der Umsetzung der Pkw-Maut Druck. Noch vor Weihnachten will die Regierung in Berlin das geänderte Maut-Gesetz im Kabinett beschließen, wie die Nachrichtenagentur Reuters recherchierte. Die geplante Maut sorgt weiterhin für Ärger mit Österreich.

derstandard.at

Danach soll die Maut am 21. Dezember das Kabinett passieren. Bisher hatte das Ministerium lediglich erklärt, dass man noch vor Weihnachten einen Gesetzesentwurf erarbeiten und in die Abstimmung mit den Ressorts geben wolle. Im Kabinett müssen dann auch die SPD-geführten Ministerien zustimmen. In den Sozialdemokraten wird die Pkw-Maut des CSU-Politikers Dobrindt kritisch gesehen.

Hintergrund des Verfahrens dürfte sein, dass Dobrindt die Gesetzgebung aus dem Bundestagswahlkampf und auch aus den Landtagswahlkämpfen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen heraushalten will. Vor allem in NRW wird die Maut, die allein Ausländer zusätzlich belasten soll, nicht nur bei der SPD, sondern auch bei der CDU kritisch gesehen. Mit seiner Grenze zu den Niederlanden und Belgien hat das Land ein großes Interesse am grenzüberschreitenden Verkehr für Pendler und Gewerbe.

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Türkei weitet die Gülen-Jagd auf Österreich aus

Der Putsch war gegen ihn gerichtet: Präsident Recep Tayyip Erdoğan mit seiner Frau, Emine. / Bild: imago/Depo Photos
Der Putsch war gegen ihn gerichtet: Präsident Recep Tayyip Erdoğan mit seiner Frau, Emine. / Bild: imago/Depo Photos
Über das Religionsamt forscht Ankara Gülenisten im Ausland aus. Österreich unterstütze die Bewegung des Predigers, heißt es in einem Bericht.

Von Duygu Özkan | Die Presse.com

Die Jagd nach Mitgliedern der islamischen Gülen-Bewegung, die für den blutigen und gescheiterten Juliputsch in der Türkei verantwortlich gemacht werden, hört an den Landesgrenzen nicht auf. Über die Auslandsniederlassungen der Religionsbehörde Diyanet werden Geistliche und Moscheebesucher animiert, mutmaßliche Anhänger der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen bekannt zu geben. Mitte September hat das Religionsamt unter anderem die türkischen Auslandsvertretungen in Deutschland in einem offiziellen Brief aufgefordert, Bericht zu erstatten. Das vermeldet die Tageszeitung „Die Welt“. In der Zwischenzeit sind Dokumente aus knapp 40 Ländern in Ankara eingetrudelt – sie sind für eine parlamentarische Kommission bestimmt, die Ankara zur Untersuchung des Putschherganges einberufen hat.

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Erst kommt das Beten, dann die Moral

Wenn es um Werte geht, dann sind die Religionen ganz vorn dabei im Schulunterricht. Das Fach Ethik dagegen – immerhin schon seit 20 Jahren Schulversuch in Österreich – fristet ein Schattendasein, obwohl es nötiger wäre denn je.

Von Martin Praska | derStandard.at

Die bibelfesten Anteile der USA und ihre Trump’schen: Stehen sie in irgendeinem Zusammenhang? So wie die katholischen und die nationalsozialistischen im Österreich des Thomas Bernhard? Wo gibt die politische Bühne dem Allmächtigen heute nicht wieder eine tragende Rolle? Vom türkischen und weiter östlich gelegenen Allahu-akbar-Jenseits einmal abgesehen.

Auch bei uns kramt einer den lieben Gott hervor, um mit dessen Segen Rechtspopulismus und -extremismus in die Hofburg zu tragen. In seinem Gefolge die Retter des christlichen Abendlandes. Gegen den Jihad in Stellung gebracht. Denn auch der Islamismus ist hier angekommen. In Kindergarten, Schulhof und Jugendzentrum. Das Land teilt sich in Gut- und in Bösmenschen. Allenthalben Hasspostings und Hassprediger. Aus allen religiösen und pseudoreligiösen Ecken. Am Viktor-Adler-Markt und in der Hinterhofmoschee.

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Weitere Initiative säkularer Muslime: Freiburger Deklaration

Säkulare Muslime aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben in einer gemeinsamen Erklärung für eine liberale Islamreform geworben und sich zu einem „modernen und humanistisch geprägten Islamverständnis“ bekannt. Die „Freiburger Deklaration“ (September 2016) spricht sich gegen „Extremismus, Diskriminierung, Gewaltverherrlichung und Segregation“ aus und tritt für Demokratie und Menschenrechte als „die Grundlage für das friedliche Miteinander aller Menschen in unserer Gesellschaft“ ein.

Von Dr. Friedmann Eißler | EZW

Drei Namen stehen unter dem Dokument: Saïda Keller-Messahli, Gründerin und Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam in der Schweiz, Abdel-Hakim Ourghi, Leiter des Fachbereichs Islamische Theologie an der Pädagogischen Hochschule Freiburg, sowie Ali Ertan Toprak, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in Deutschland (BAGIV) und Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde. Unter den zwei Dutzend Unterzeichnenden sind darüber hinaus Namen wie Lale Akgün, Seyran Ateş, Serap Çileli und Necla Kelek zu finden.

Die Unterzeichnenden träumen von einer muslimischen Gemeinschaft („Unsere Vision“), die sich als integralen Bestandteil der europäischen Gesellschaft sieht, die alle Formen individueller Freiheit und Lebensgestaltung respektiert und schützt, die den Glauben als eine persönliche Angelegenheit betrachtet und sich nicht vor einer kritischen Hinterfragung der Religion scheut. Grundlage ist ein „humanistisches, modernes und aufgeklärtes Islamverständnis im zeitgemäßen Kontext“. Um ein „differenziertes Aufklärungsprogramm innerhalb der muslimischen Gemeinschaft“ auf den Weg zu bringen, sei innerislamische Kritik unerlässlich. Sie dürfe nicht mit Islamophobie verwechselt werden („Unsere Werte“). Auf dieser Basis sollten moderne Lesarten des Korans ausgearbeitet werden, beruhend auf einer historisch-kritischen Textanalyse. Für einen „zeitgemäßen, am Humanismus orientierten Glauben“ wird geworben, der „uneingeschränkt mit Demokratie und den Menschenrechten konform“ ist. Als Ansprechpartner des Staates zur Vertretung der Muslime gegenüber dem Staat schwebt den Verfassern ein Rat vor, „der sich aus Mitgliedern konservativer Verbände sowie Mitgliedern eines reformierten liberalen Islams zusammensetzt“ („Unsere Ziele“). Man verstehe sich nicht als Konkurrenten zu anderen muslimischen Gruppen, sondern wolle Alternativen zu den herkömmlichen Sichtweisen anbieten.

Der Protest ließ nicht lange auf sich warten. Am Tag nach der Veröffentlichung der Deklaration distanzierte sich der Liberal-Islamische Bund (LIB), 2010 unter dem Vorsitz von Lamya Kaddor gegründet. Der LIB verstehe unter liberal etwas anderes als die Freiburger Deklaration. Man suche einen Zugang zum Glauben, „ohne an spiritueller Substanz zu verlieren“, und setze sich schon lange für Jugendprävention, „einen inklusiveren Islam“ und gegen jegliche Form von Diskriminierung ein. Es geht jedoch nicht nur – vielleicht sogar nicht in erster Linie – um Inhalte, sondern gegen Personen. Ausdrücklich genannt wird Abdel-Hakim Ourghi, der „rassistischen und islamfeindlichen Diskursen in Deutschland“ Schützenhilfe leiste. Ein schwerwiegender Vorwurf. Der wird nicht weiter begründet, vielmehr wird Ourghi und der Deklaration abgesprochen liberal zu sein, insofern „er sich marginalisierenden Diskursen der Mehrheitsgesellschaft unreflektiert anschließt“. Vermutlich will man es sich mit den islamischen Verbänden nicht verderben, denen der kritische Islamwissenschaftler aus Freiburg schon lange ein Dorn im Auge ist, ganz zu schweigen von weiteren Namen auf der Liste der Unterzeichner.

Die Freiburger Deklaration ist nicht die erste Initiative liberaler Muslime, die gegen die Deutungshoheit konservativer Verbände ein anderes Islamverständnis ins Gespräch bringen will, aber sie ist die erste länderübergreifende dieser Art im deutschsprachigen Raum. Im Frühjahr 2015 hat sich das Muslimische Forum Deutschland gegründet, früher schon gab es einzelne Versuche wie etwa die „Initiative von säkularen und laizistischen BürgerInnen aus islamisch geprägten Herkunftsländern in Hessen“ (ISL) im Vorfeld der Deutschen Islamkonferenz, von denen allerdings wenig zu hören ist. Der LIB versteht sich als Forum für „die mehrheitlich liberalen Positionen des in Europa vorherrschenden Islamverständnisses“.

Sicher muss man sehen, dass „säkular“ oder „liberal“ für viele Muslime nicht mit einem religiösen Selbstverständnis zusammengeht. Häufig werden diese Begriffe mit grundsätzlicher Religionsfeindlichkeit und westlichem Lebensstil in Verbindung gebracht und deshalb abgelehnt. Es muss deutlicher werden, dass Säkularität nicht mit radikaler Religionskritik gleichzusetzen ist, sondern vielmehr positiv die Voraussetzung für individuelle Religionsfreiheit darstellt. Auch ist das Ziel, „den innerislamischen Kontakt zu suchen“ (LIB), zweifellos von hoher Bedeutung für weitere Entwicklungen eines „Reformislam“ – doch wer marginalisiert hier wen?

Vielleicht 75 Prozent der Muslime in Deutschland fühlen sich nicht durch die im Koordinationsrat der Muslime vertretenen Verbände repräsentiert. So paradox es klingt: Die sogenannte schweigende Mehrheit der Nichtorganisierten will gehört werden, sie braucht dringend Sprachrohre – die sich allerdings nicht gegenseitig bekämpfen, sondern Stimme und Gewicht suchen sollten, damit Meinungsvielfalt und Meinungsverschiedenheit fruchtbar werden für die jeweiligen Ziele. Sie liegen nicht so weit auseinander.

Freiburger Deklaration

Neubesiedlung von Kloster Neuzelle – jede Menge Steuergelder investiert

Inneres der Klosterkirche. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/ MyBBCoder
Inneres der Klosterkirche. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/ MyBBCoder
Brandenburgisches Zisterzienserkloster war 1817 säkularisiert worden und soll 2018 von Österreich aus wiederbelebt werden – Abt Heim: Entscheidung soll „Hoffnungszeichen für Suchende“ bringen

kath.net

Das Stift Heiligenkreuz will das ostdeutsche Kloster Neuzelle neu besiedeln. In einer Kapitelsitzung am Donnerstag entschieden die Mönche, einer diesbezüglichen Einladung des Görlitzer Bischofs Wolfgang Ipolt zu folgen. Die in Brandenburg befindliche Zisterziensergründung Neuzelle war 1817 – vor 199 Jahren – säkularisiert worden. Vorbereitende Gespräche und weitere Klärungen würden nun starten, hieß es. 2018 soll das Priorat Neuzelle kirchenrechtlich errichtet werden und das Klosterleben sowie die Seelsorge mit acht Mönchen beginnen.

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Salzburg: Männer ließen Drachen mit NS-Symbolen steigen

Aufmerksame Passanten haben am Freitagnachmittag in der Stadt Salzburg die Polizei gerufen, weil zwei Männer am Müllnersteg einen Flugdrachen mit nationalsozialistischen Symbolen steigen ließen.

derStandard.at

Die beiden 21-jährigen Salzburger hatten dazu den handelsüblichen Drachen im Adler-Design zusätzlich in roter Schrift mit der Zahl „88“, einem „Eisernen Kreuz“, einem Hakenkreuz und „SS-Runen“ bemalt.

In der Wohnung der beiden fanden sich später weitere Gegenstände, die laut Polizei „auf eine nationalsozialistische Gesinnung“ der beiden hindeute, etwa Hitlerbilder. Einer der zwei Verdächtigen ist in der rechten Szene Salzburgs kein Unbekannter. Er war erst Anfang Februar 2016 wegen Wiederbetätigung vom Landesgericht verurteilt worden.

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Islam-Expertin über die An’Nur-Moschee :«Das ist nur die Spitze des Eisbergs»

Islam-Spezialistin Saïda Keller-Messahli. (Bild: Alessandro Della Bella / Keystone)
Islam-Spezialistin Saïda Keller-Messahli. (Bild: Alessandro Della Bella / Keystone)

Die Islam-Expertin Saïda Keller-Messahli fordert die sofortige Schliessung der Winterthurer An’Nur-Moschee. Die Behörden hätten sich von den Verantwortlichen lange genug vorführen lassen.

Interview Marcel Gyr | Neue Zürcher Zeitung

Frau Keller, sind Sie überrascht von der Entwicklung in der Winterthurer An’Nur-Moschee?

Nein, nicht wirklich. Dort brodelt es ja schon lange. Die Behörden hätten schon viel früher einschreiten müssen, Hinweise gab es genug, auch ich habe mehrmals gewarnt und gefordert, genau hinzuschauen. Aber die zuständigen Leute bei der Stadt Winterthur haben stets beschwichtigt und verharmlost. Man hat lieber einen «runden Tisch» geschaffen. Das ist lächerlich. Mit derart radikalen Leuten wie in der An’Nur-Moschee darf man nicht verhandeln, man muss handeln.

Der jetzt inhaftierte Imam aus Äthiopien war erst seit wenigen Wochen in Winterthur.

Ja, aber er ist nur die Spitze des Eisbergs. In der An’Nur-Moschee predigten immer radikale Imame, das hat System. Die Verantwortlichen sind Fanatiker. Es ist kein Zufall, dass so viele junge Leute von Winterthur aus radikalisiert in den Jihad zogen oder ziehen wollten.

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Neue Lutherbibel: Heikler Eingriff am Buch der Bücher

oto: marco uschmann Herein in die gute Stube: Auf der Wartburg hat Luther inkognito das Neue Testament in eine allgemeinverständliche deutsche Sprache übersetzt – 27 Bücher in zehn Wochen.
Foto: marco uschmann Herein in die gute Stube: Auf der Wartburg hat Luther inkognito das Neue Testament in eine allgemeinverständliche deutsche Sprache übersetzt – 27 Bücher in zehn Wochen.
Österreich-Premiere der neuen Lutherbibel: Die Rückkehr zur alten Sprache und die Absage an die Moderne sorgen nicht nur für ein Halleluja in protestantischen Reihen

Von Peter Mayr, Markus Rohrhofer | derStandard.at

An jenem Adventsonntag des Jahres 1521 war Martin Luther mit sich selbst alles andere als im Reinen. „Langeweile und Darmträgheit“ plagten den als Junker Jörg auf der Wartburg untergetauchten Mönch. Doch die innere Unzufriedenheit ließ Luther in seiner Studierstube im Obergeschoß des Vogteigebäudes zur Feder greifen und sich „einer Last, die über meine Kräfte ist“ zu widmen – der Übersetzung des Neuen und später dann des Alten Testaments in die deutsche Sprache. Luther ging zurück zu den sprachlichen Wurzeln – Hebräisch und Griechisch – und schuf letztlich eine Übersetzung, die die Menschen verstanden. Der große Kunstgriff dabei: Dem Buch der Bücher blieb beim lutherischen Relaunch das Sakrale erhalten.

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Internationale Studie zu lebensweltlichen Identitäten Konfessionsfreier

Erstmals untersucht eine wissenschaftliche Befragung lebensweltliche Identitäten und weltanschauliche Auffassungen konfessionsfreier Menschen in fünf Ländern eingehender. Frieder Otto Wolf, Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, hat die neue Studie begrüßt.

Humanistischer Verband Deutschlands

Rund ein Drittel der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland gehört keiner Kirche oder anderen Religionsgemeinschaft an, Tendenz steigend. Doch detailliertere Erkenntnisse, welche weltanschaulichen Auffassungen und wertebezogenen Orientierungen in der Gruppe der Konfessionsfreien verbreitet sind, lagen bisher kaum vor. Erstmals eingehender widmet sich dieser Fragestellung nun eine internationale Untersuchung mit dem Titel „Konfessionsfreie Identitäten“, die von vier einschlägig renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entwickelt worden ist. Dazu wurde vor kurzem eine Online-Befragung veröffentlicht, die sich an konfessionsfreie Menschen richtet. Die Studie unter federführender Leitung der Psychologin Tatjana Schnell (Universität Innsbruck) wird in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Dänemark durchgeführt.

Die Befragung zur wissenschaftlichen Untersuchung will genauer herausfinden, wodurch die lebensweltlichen Identitäten konfessionsfreier Menschen in den fünf europäischen Ländern geprägt sind. „Welche Weltbilder vertreten sie, welche Erfahrungen machen sie? Gibt es andere, nicht-religiöse Organisationen, denen sie sich zugehörig fühlen? Unser Ziel ist es, mehr Wissen über die Vielfalt unserer Weltbilder zu gewinnen. Nur so können die unterschiedlichen Anliegen auch angemessen in der Gesellschaft Gehör finden“, sagt die Psychologin Tatjana Schnell, assoziierte Professorin am Institut für Psychologie der Universität Innsbruck, zum Zweck der Untersuchung. Schnell hat die Untersuchung gemeinsam mit den Wissenschaftlern Elpine de Boer (Universität Leiden), Peter La Cour (Universität von Kopenhagen) und Hans Alma (Universität für Humanistische Studien, Utrecht) entwickelt.

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Schafe geschächtet: Junger Grazer verurteilt

Ein 18-Jähriger bekam für die illegale Schächtung dreier Schafe ein Monat bedingte Haft, seine Mutter muss 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Die Presse.com

Ein junger Grazer ist am Montag im Grazer Straflandesgericht wegen einer illegalen Schächtung von drei Schafen zu einem Monat bedingter Haft verurteilt worden. Der 18-Jährige hatte im April gemeinsam mit seiner Mutter die drei Tiere auf einem Hof im oststeirischen St. Margarethen an der Raab (Bezirk Weiz) mit einem Kehlschnitt getötet und ausbluten lassen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Lehrling, Österreicher mit türkischen Wurzeln, war im April 17 Jahre alt und hatte bei dem Schafbauern angerufen und sich nach den im Internet angebotenen Schafen erkundigt. Die Familie des Beschuldigten wollte die Genesung des Vaters feiern und deswegen drei Tiere opfern, schlachten und essen. Das Landwirtspaar stimmte dem Verkauf zu, doch als die Schafe am 9. April abgeholt wurden, wollte der Bursche und seine Mutter sie gleich am Hof schlachten. Der Bauer stimmte zu und zeigte ihnen einen Platz zwischen zwei Gebäuden, den die Nachbarn nicht einsehen konnten.

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Intolerant, das sind die anderen!

Burka und Burkini, Islam und Österreich: Toleranz an den Tag zu legen bedeutet nicht nur, das Andere, Abweichende auszuhalten, sondern vor allem, sich selbst auszuhalten. Anmerkungen zu Österreichs (In-)Toleranz.

Von Amani Abuzahra | der Standard.at

Toleranz ist schei*e“, so der Titel einer Podiumsdiskussion bei einem Festival im Nachbarland. Goethe drückte es nicht ganz so direkt aus, als er bereits im 18. Jahrhundert schrieb: „Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein; sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“

Wie dehnbar der Begriff Toleranz ist, zeigt, dass für die einen Toleranz einer Geringschätzung gleichkommt, für die anderen wiederum die idealste Form des Zusammenlebens ist.

Elastischer Begriff

Toleranz scheint also ein elastischer Begriff zu sein. Duldung, Akzeptanz, Anerkennung und Respekt, aber auch Beleidigung, Indifferenz und Verkennung – all dies soll sich unter Toleranz ausgehen. Wie die Österreicher dazu stehen und vor allem wie dehnbar der Begriff ist, untermauert die „Toleranzumfrage“, die vom Mauthausen-Komitee in Auftrag gegeben wurde. Die Studienleiterin von meinungsraum.at, Christina Matzka, attestiert insgesamt eine Verbesserung und zunehmend tolerantere Haltung der Österreicher, vor allem in Bezug auf Behinderung, Geschlecht und Homosexualität. Lediglich beim Islam werde eine Ausnahme gemacht: Dem sei man nicht so tolerant gegenüber. Genauso wenig tolerant zeigt der Österreicher sich in der Einschätzung des Toleranzpotenzials seiner österreichischen Mitbürger.

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