Michael Hesemann verteidigt Papst Pius XII. Der Vatikan und der Holocaust, eine groteske Verteidigung

Pius XII beim Konkordat 1933 (CC-by-sa/3.0 Germany by Bundesarchiv DE)
Die Rolle von Pius XII. während des Nationalsozialismus erhitzt seit Jahrzehnten die Gemüter. Nun legt Historiker Michael Hesemann eine groteske Verteidigungsschrift vor.

René Schlott | DER TAGESSPIEGEL

Vor 80 Jahren, im März 1939, wurde mit dem römischen Kardinal Eugenio Pacelli ein Mann zum Papst gewählt, der als Pius XII. wie kein anderes katholisches Kirchenoberhaupt des 20. Jahrhunderts das Interesse von Forschung und Öffentlichkeit erregt. Im Mittelpunkt steht dabei das Verhalten des römischen Pontifex gegenüber Nationalsozialismus und Holocaust. Im Jahrestakt erscheinen neue Bücher, die entweder das päpstliche Schweigen trotz detaillierter Kenntnis des Massenmordes verurteilen oder die Rettungsaktionen des Heiligen Stuhls für verfolgte Jüdinnen und Juden hervorheben.

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Römisch-katholische Selbstwaschanlage

Pius XII beim Konkordat 1933 (CC-by-sa/3.0 Germany by Bundesarchiv DE)
Die Religion des Klerikalismus kennt keine Schamgrenzen: Auch im Franziskus-Pontifikat hält der Vatikan offenbar am Plan fest, Pius XII. selig zu waschen

Peter Bürger | TELEPOLIS

Die frühen Christen werden in der biblischen Apostelgeschichte als „Leute des Weges“ vorgestellt. Unter Berufung auf Jesus von Nazareth kann Kirche lediglich ein Mittel sein, „um den Armen eine gute Nachricht der Befreiung zu bringen und zerbrochene Herzen zu heilen“. Die durch das letzte Konzil in Rom nur halbherzig überwundene Häresie des Klerikalismus hat hingegen aus der Kirche stets einen Selbstzweck und Fetisch gemacht, ein Anbetungsobjekt.

In diesem Programm „Kirche als Religion“ sind Priesteranbetung und Priesterselbstanbetung weit verbreitet. Der Papstkult des 19. Jahrhunderts schreckte beispielsweise nicht davor zurück, den Bischof von Rom als „Dritte Inkarnation Gottes“ zu feiern.

Unter solchen Vorzeichen wurde aus den „Leuten des Weges“ das unfreie Fußvolk einer hierarchischen Kirchenpyramide, die bis heute nur aus Männern besteht. Der ausgewachsene Kirchenfürst handelte stets nach der Devise: „Ich bin der Herr, mein Gott“. Allen Mitgliedern des auserwählten Priesterstandes bescheinigte der Katechismus eine sakramentale Wesensverwandlung, die nie mehr erlöschen kann.

Diese Ideologie ließ sich freilich nur aufrechterhalten durch eine systematische Verdrängung von Versagen. Dass Priester in nicht wenigen Fällen das genaue Gegenteil des christlichen Auftrags praktizierten, indem sie die Herzen von Kindern und anderen Schutzbefohlenen zerbrachen, durfte nicht zur Sprache kommen.

Ganz analog zur systematischen Verschweigung und Vertuschung von sexueller Gewalt vollzieht sich der Umgang mit historischem Versagen in Krisenzeiten. Die Religion des Klerikalismus hat die Kirche mehr als einmal in der Geschichte zur passiven Zuschauerin oder Kollaborateurin werden lassen, wo ihr Auftrag Widerstand erfordert hätte.

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Macht und Ohnmacht eines Pontifex

Papst Franziskus begrüßt Gläubige in der St. Mary’s Kathedrale in Yangon, Myanmar | Foto: reuters
Papst Franziskus stößt bei seinem Myanmar-Besuch an seine Grenzen

Von Norbert Eschborn, Sarah Sisouphantavong | Konrad-Adenauer-Stiftung

Die politische Macht der Päpste war schon im 20. Jahrhundert seit der Rolle Pius XII. in Zusammenhang mit der Judenverfolgung während der Zeit des Nationalsozialismus überaus umstritten. Während Europa Zentrum von Christentum und Katholizismus war und ist, gilt dies für Asien nicht in gleichem Maße. Jedoch war es allemal ein historischer Moment für die katholische Kirche im einstigen Birma, als Papst Franziskus in der letzten Novemberwoche dort Staatsgast war.

Nicht nur, weil es sich um die erste Visite eines Papstes in dem südostasiatischen Land und den ersten Besuch für Franziskus in einem mehrheitlich buddhistischen Staat handelte, sondern auch aufgrund der aktuellen, spannungsgeladenen politischen Situation, die Myanmar in den letzten Monaten immer wieder negative internationale Schlagzeilen einbrachte. Eine mit Spannung erwartete Reise, die mit einer überglücklichen katholischen Gemeinde vor Ort, jedoch auch mit einer kritischen Reaktion der internationalen Öffentlichkeit endete.

Auch wenn das Christentum mit 6,2% Angehörigen eine Minderheit darstellt, so ist es dennoch die zweitgrößte Religion in Myanmar. Vor mehr als 500 Jahren erreichte der Katholizismus mit den Portugiesen die damaligen Königreiche Ava und Pegu. Aktuell gibt es nach Angaben des Vatikans 659.000 Katholiken in Myanmar (ca. 1,29% der Bevölkerung), die in den 16 Bistümern im Land leben. Für die rund drei Millionen Christen, die vor allem den ethnischen Minderheiten der Chin, Karen, Kachin und Karenni angehören, wurde der Besuch unter dem Motto „Love and Peace“ als ein Segen für die angespannte Situation im Land wahrgenommen. Tausende von ihnen pilgerten aus ganz Myanmar nach Yangon, um den Pontifex willkommen zu heißen. Die Mehrheit der rund 51 Millionen Birmanen jedoch scherte sich recht wenig um den päpstlichen Besuch. Seine Ankunft erregte bei ihnen lediglich etwas Neugier aufgrund der verstärkten Präsenz der Sicherheitskräfte auf den Straßen und ließ Imbissbesitzer auf höhere Umsätze durch mehr Besucher hoffen.

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Was heißt „katholisch sein“ heute? (Das römische Paradox)

jesus_schaukelEin “Recht,” mit Gedanken zu dieser Frage an die Öffentichkeit zu gehen, habe ich gewiss nicht – wenn so ein Schritt denn überhaupt einer besonderen Rechtfertigung bedarf oder als “ethische Frage” diskutiert werden muss, was ja in Deutschland mittlerweile zu einer auffälligen Obsession geworden ist (man könnte auch im Anschluss an das klassische Buch von Jürgen Habermas zum “Strukturwandel der Öffentlichkeit” argumentieren, dass das Recht von Nicht-Spezialisten, eine Meinung zu haben und zum Ausdruck zu bringen, als eine historische Errungenschaft der Öffentlichkeit anzusehen ist).

Von Hans Ulrich Gumbrecht|Frankfurter Allgemeine Blogs

Wie auch immer, ich bin – im dritten Viertel des vergangenen Jahrhunderts – mehr oder weniger “katholisch erzogen” worden und habe bis heute eine kulturelle Sympathie für diese “Konfession,” wie man früher sagte, obwohl ich seit dem kurzen Versuch in meinem dritten Uni-Jahr, ein katholischer Intellektueller zu werden, Kirchen nur aus kunsthistorischen Gründen oder zu Familienfeiern besucht habe. “Kirchlich engagiert” bin ich jedenfalls nicht, und deshalb schreibe ich “von außen” über den Katholizismus von heute, statt als Gläubiger voller Hoffnung oder Furcht “mitzureden.”

Anlass zum Nachdenken über die Frage, was es heute heißen kann, “katholisch zu sein,” war die anlässlich der gerade in Rom tagenden Bischofssynode – außerhalb wie innerhalb der Kirche beinahe gleich leidenschaftlich – vorgetragene Meinung, dass es gut für diese Institution sei (weil historisch längst überfällig), sich nun endlich auch offiziell auf die Konsequenzen der Scheidung und auf die Möglichkeit von homoerotischen Partnerbeziehungen als Realitäten unserer Gegenwart zu öffnen. Optimismus in dieser Hinsicht hat Papst Franzikus ja schon seit seinem Amtsantritt angeregt, indem er die Katholiken ermutigt hat, geschiedene und offen homosexuelle Christen Teil ihrer Gemeinschaften werden zu lassen — und es zugleich immer wieder mit öffentlichen Gesten der Demut von sich weist, über Geschiedene oder Homosexuelle den moralischen Stab zu brechen.

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Der Vatikan schweigt auch 70 Jahre danach

ReichskonkordatFür die katholische Kirche wäre es an der Zeit, demütig ihr Versagen während der Schoa einzuräumen


Von Klaus Kühlwein|Jüdische Allgemeine

War das Schweigen der katholischen Kirche zur Schoa ein Fehler? Ist sie mitschuldig geworden, weil sie abseits stand bei der großen Judenjagd in Europa? 70 Jahre nach Kriegsende wäscht der Vatikan noch immer seine Hände in Unschuld. Zu bedauern gebe es nichts – im Gegenteil. Pius XII. habe mit seinem Schweigen und seiner klugen Diplomatie »Schlimmeres verhütet«. Der hellsichtige Weckruf der Jüdin Edith Stein an den Heiligen Stuhl war schon 1933 ignoriert worden.

Niemand kann bestreiten, dass Pius XII. durch Hintertür-Diplomatie vielen Juden die Ausreise oder die Flucht in Verstecke ermöglichte. Das war für den Vatikan mit seinen Kontakten eine selbstverständliche Christenpflicht. Vorwerfen kann man Pius keinen Antisemitismus, wohl aber einen Antijudaismus, der ein Nährboden war für den Antisemitismus. Pius sympathisierte auch nicht mit dem NS-Regime oder dem Krieg gegen Stalin, obwohl er den Kommunismus für gefährlicher hielt als den Nationalsozialismus.

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Papst will NS-Geheimarchive des Vatikans öffnen

„Er hat ein paar Fehler gemacht. Auch ich mache viele Dinge falsch“: Papst Franziskus (r.; Jg. 1936) über seinen Vorgänger Pius XII. (1876-1958) Foto: Getty(2)
Die schleppende Öffnung der Vatikan-Archive für Bestände der NS-Zeit sei nur verwaltungstechnischen Gründen geschuldet, sagt Papst Franziskus. Zugleich nimmt er Pius XII. in Schutz.


DIE WELT

Papst Franziskus hat Gerüchten widersprochen, er werde die Bestände der Vatikan-Archive für die Zeit des Holocaust verschieben. In einem Interview mit der israelischen Tageszeitung „Jediot Acharonot“ sagte Franziskus, sobald die bestehenden rechtlichen und administrativen Hindernisse beseitigt seien, sollten die Bestände für Forscher freigegeben werden. Die noch von seinem Vorgänger Benedikt XVI. (2005-2013) angekündigte Öffnung der Aktenbestände war ursprünglich für Herbst 2013 erwartet worden.

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Pius XII. und die unterschlagene Rassismusenzyklika „Societatis unio“

Pius XII., Bild: wikimedia.org
Zehn Jahre nach Öffnung der Vatikan-Archive zur Zeit vor 1939 und im Blick auf kommende Öffnung zu Kriegsjahren soll auch Licht auf Rätsel um „unterschlagene Rassismus-Enzyklika“ gebracht werden

kathweb

Zehn Jahre nach der Öffnung der vatikanischen Archive zur Epoche des Nationalsozialismus in Deutschland vor 1939, und im Blick auf die in Bälde erwartete Öffnung zu den Kriegsjahren, soll ab Donnerstag in Rom auch Licht auf die Rätsel um die „unterschlagene Rassismusenzyklika“ von Pius XII., „Societatis unio“, gebracht werden. Eine dreitägige internationale Tagung zu Fragen rund um das Dokument und die Vorgeschichte im Campo Santo Teutonico trägt den Titel „Vatikan und Rassendebatte in der Zwischenkriegszeit – Stand und Perspektiven der Forschung“. Veranstalter sind das Historische Institut der Universität Potsdam in Zusammenarbeit mit dem Römischen Institut der Görres-Gesellschaft.

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Pius XII. und Shoah: Franz offenbar für Archivöffnung

Bild: concordatwatch.eu
Argentinischer langjähriger Papstfreund Rabbi Skorka: Bergoglio sagte schon vor vier Jahren, dass man keine Angst vor einer Öffnung haben darf

kath.net

Papst Franziskus hat die Absicht, die Akten des Vatikanischen Geheimarchivs aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs für die Forschung zu öffnen. Dadurch soll neues Licht auf die Arbeit der Kirchenführung und namentlich auf die Rolle von Papst Pius XII. (1939-1958) während der Shoah geworfen werden. Das sagte der argentinische Rabbiner Abraham Skorka, ein enger Freund des Papstes aus Buenos Aires, der „Sunday Times“, wie Radio Vatikan am Montag berichtet.

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Schädel Nr. 5 und eine Sternstunde des katholischen Kreationismus

Foto: M. Ponce de León u. Ch. Zollikofer, Univ. Zürich
Foto: M. Ponce de León u. Ch. Zollikofer, Univ. Zürich
Ein Schädelfund in Georgien lässt aufhorchen. Er nährt die Vermutung, dass es vor rund 2 Millionen Jahren weniger Frühmenschenarten gab als bisher angenommen.

Dabei könnte alles so einfach sein. Ein Blick ins Buch der Bücher und das Rätsel wäre gelöst. Besonders eifrig, in der fundamentalen Anerkennung der Genesis sind ja die Evangelikalen. Dmanisi-Schädel Nr. 5 lässt nun auch den katholischen Kreationismus sprühen. Adam und Eva, letzte Affen oder erste Menschen?

Charles Darwin selbst war erstaunt wie schwankend und willkürlich die Unterscheidung zwischen Art und Varietät ist. Allzu oft kommt es vor, dass unterschiedlich gestaltete Organismen verschiedenen Arten zugeordnet wurden und werden. Das Problem dabei ist die Abänderungsfähigkeit einer Art, mit den verschiedenen Zuordnungen kann man sich kaum über deren Existenz äußern.

Im katholischen Magazin für Kirche und Kultur lesen wir

Hat die Bibel also doch recht? Stammen wir alle von Adam und Eva ab? Die Antwort darauf gibt uns nicht mehr nur die Bibel, sondern in gewisser Weise auch die Wissenschaft. Mit einem Schädel in der Hand wie Shakespeares Hamlet stellt sich der Paläoanthropologe Dawit Lortkipanidse vor die Fernsehkameras, den er in Dmanissi in Georgien gefunden hatte. Seine Frage lautete nicht „Sein oder nicht sein?“, sondern: „Gehören wir alle zur selben Spezies oder nicht?“ Erschüttern fünf Schädel die Evolutionstheorie?

Wissenschaftler sprechen Vermutungen aus und katholische Retardiertheit bringt sofort die Schöpfungsgeschichte ins Spiel, mehr noch die ganze Evolutionstheorie sei erschüttert. Erschütternd ist der eigentliche Grad der Verblödung, der aus solchen Feststellungen spricht.

Lesen wir weiter:

Zur Erinnerung: seit gut 150 Jahren gilt es als unanfechtbares Dogma eines doktrinären Materialismus, daß die Abstammung des Menschen mit dem biblischen Schöpfungsbericht nichts zu tun hat. Die Evolutionstheorie wird mit ideologischer Inbrunst und Absolutheitsanspruch an den Schulen gelehrt. Derselbe Anspruch, der gegenüber der Religion bekämpft wird.

Sofern man seine Bildung aus der Bibel bezieht kommt solch Geschwätz zu Stande. Die Dogmatiker werfen einer wissenschaftlichen Theorie vor dogmatisch zu sein. Es gibt wohl kaum eine Theorie die so belegt und begründet ist wie die Evolutionstheorie. Wer die Millionen Fossilien in den Museen und den Universitäten nicht wahrnehmen will muss sich den Vorwurf der nicht in Worte zu fassenden Ignoranz gefallen lassen. Das o.g. Problem der Arten und Varietäten macht insbesondere den Paläoanthropologen zu schaffen. Fundstücke sind nicht all zu zahlreich und oftmals nur fragmentarisch vorhanden. Die meisten Fundstücke stammen aus Afrika, wo mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Wiege der Menschheit stand.

Die katholischen Kreationisten sprechen nun gleich vom Verdampfen der Evolutionstheorie:

Teil dieser materialistischen Doktrin ist die unumstößliche Tatsache, daß es fünf verschiedene Arten der Gattung Homo der Tribus Hominini der Familie der Hominiden oder Menschenaffen der Ordnung Primaten auf der Welt gegeben habe, um der klassischen evolutionären Klassifikation des Menschen zu folgen. Diese fünf Arten oder Spezies waren der Homo rudolfensis, der Homo ergaster, der Homo erectus, der Homo georgicus und der Homo habilis. Alle Leser dieses Artikels sind Vertreter des Homo sapiens sapiens, der laut Darwins Evolutionstheorie vom Homo habilis abstammt, der sich wiederum aus dem ergaster und letztlich dem erectus entwickelt hat, um zahlreiche weitere Etappen der Einfachheit halber zu überspringen. Die Wissenschaftler waren sich bisher sicher, daß diese fünf homininen Typologien ebensoviele verschiedene Spezies bilden würden, die nur durch eine gemeinsame Evolutionslinie miteinander verbunden waren. Grund war die so unterschiedliche Morphologie der entdeckten Überreste.

Dass sich die Paläoanthropologen derzeit besonders für den Schädel Nr.5 interessieren, ist verständlich. Denn er vereint Merkmale in sich, die bisher als Argument dienten, um verschiedene Homo-Arten zu charakterisieren. »Wären Hirn- und Gesichtsschädel des Dmanisi-Exemplars als Einzelteile gefunden worden, wären sie mit großer Wahrscheinlichkeit zwei verschiedenen Arten zugeordnet worden«, sagt der an der Ausgrabung beteiligte Zürcher Anthropologe Christoph Zollikofer, der mit seinen Kollegen die Formenvielfalt der Dmanisi-Menschen mit der Formenvielfalt moderner Populationen von Menschen und Schimpansen verglichen hat.

Zollikofer plädiert deshalb dafür, die Aufspaltung des menschlichen Stammbaums in frühe Homo-Arten (Homo habilis, Homo rudolfensis etc.) aufzugeben. Stattdessen schlägt er vor, die afrikanischen Fossilien aus der Zeit vor etwa 1,8 Millionen Jahren ein und derselben Art zuzuordnen: dem Homo erectus.

Die katholischen Kreationisten vom Magazin für Kirche und Kultur verlassen nun den noch in Ansätzen vorhandenen guten Willen und gleiten gänzlich in die obskure Theologie ihres Glaubens ab. Und die Kirche hatte doch recht: Pius XII. verurteilte bereits 1950 Polygenismus. Das ist ja nun ein Argument,

weil – so der Papst – dessen Anhänger behaupten, daß es nach Adam auf der Erde wirkliche Menschen anderer Gattung gegeben habe, die aber nicht von Adam abstammten, oder anders gesagt, daß Adam nur ein Synonym für viele verschiedene Vorfahren sei. Der Papst unterstrich, daß es nicht möglich scheint, diese Behauptungen in Einklang mit der Offenbarung Gottes und dem Lehramt der Kirche über die Ursünde zu bringen, die tatsächlich von einer wirklich begangenen, und zwar individuell und persönlich begangenen Sünde des Adam herrührt, allen Generationen weitergegeben wurde und jedem Menschen innewohnt.

Darwinistischer Absolutheitsanspruch steht im Vergleich zur christlichen Schöpfungslehre auf tönernen Füßen.

Wenn die Evolutiontheorie widerlegt wird, wird es von Biologen kommen und nicht von Idioten.

Den Kreationisten vom Magazin noch ins Stammbuch geschrieben, für einen Menschen zu blöde, als Affe zu wenig Sprungkraft.

Pius XII. hätte Hunderttausende retten können

Pius XII. Bild: wikipedia
Dirk Verhofstadt über die Rolle der katholischen Kirche bei der Vernichtung der Juden. Teil 2

Von Reinhard JellenTELEPOLIS

In seinem Buch Pius XII. und die Vernichtung der Juden weist Dirk Verhofstadt nach, dass sich die katholische Kirche, anders als die offizielle Version, nicht in den Widerstand begeben hat, sondern Faschisten und Nazis tatkräftig unterstützte. Der Vatikan war die wichtigste innenpolitische und außenpolitische Stütze der Nazis.

Am kroatischen Genozid an den orthodoxen Serben und serbischen Juden während des Zweiten Weltkrieges, als 750000 Serben umgebracht wurden war die katholische Kirche sogar direkt beteiligt. Katholische Priester (vor allem Franziskaner-Pater) waren als Täter am Massenmord beteiligt. Diese waren so grausam, dass sogar die Deutschen dagegen Protest einlegten.

Später half die katholische Kirche mehreren Massenmördern zur Flucht. Im Jahr 2009 wurde Pius XII. von Papst Benedikt wegen seiner heroischen Tugenden für „ehrwürdig“ erklärt, womit eine erste Hürde in Richtung Heiligsprechung genommen wurde.

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„Homo-Angriff auf Papsteintrag bei Wikipedia“

Bild: Katholisches Magazin

Wenn Bilder lügen: Papst Franziskus mit Diktator Videla

Katholisches Magazin für Kirche und Kultur

Die verschiedenen Gruppen, Lager, Gemeinschaften, Länder und Orden beobachten mit größter Aufmerksamkeit die ersten Schritte, Gesten und Aussagen des neuen Papstes. Eine Beobachtungshaltung, die geteilt ist zwischen Freude und Sorge. Freude, Signale zu entdecken, die mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmen, Sorge, daß das Gegenteil der Fall ist. Man trifft Jesuiten, die zufrieden auf den ersten Mitbruder auf dem Stuhl Petri blicken und solche, die mürrisch abwinken, wenn man ihnen dazu gratulieren will. Das Pontifikat hat aber erst begonnen. Es ist zu früh, wirkliche Schlußfolgerungen zu ziehen. Das Petrusamt hat eine eigene Dynamik, sein Inhaber wird sich selbst dessen Last und unendlicher Gnade erst langsam bewußt.

Radikale Linke: Antiklerikaler Kampf geht auch gegen Papst Franziskus weiter

Die radikale Linke war sich hingegen in ihrem Urteil sofort sicher und zögerte keinen Augenblick, ihren antiklerikalen Kampf auch gegen Papst Franziskus fortzusetzen. Immer mit den gleichen Parolen, immer mit den gleichen Methoden. Gegen Pius XII. wurde die Nazi-Keule geschwungen, die Ostblock-Geheimdienste und die sowjetische Propagandamaschinerie versuchten Johannes Paul II. zu diskreditieren, gegen Benedikt XVI. wurde wieder die Nazikeule gefuchtelt, indem manipulativ präsentierte Fotos in Umlauf gebracht wurden, die eine Nähe zum Nationalsozialismus nahelegen sollten. Eine Nähe, die es in der katholischen Familie Ratzinger nie gegeben hat.

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„Lux in arcana“: Hell ist nur der Scheiterhaufen

„Lux in arcana“ im Vatikan: Fünfundachtzig Regalkilometer und kein einschlägiger Begriff von Häresie © Reuters/Vatikanisches Geheimarchiv

Gehört das etwa alles dem Papst? Für manche Schätze aus dem Vatikanischen Geheimarchiv, die nun erstmals öffentlich zu sehen sind, drückt man sich die Nase gern platt. Aber viel subtiler als bei Dan Brown ist es am Ende nicht.

Von Christian GeyerFrankfurter Allgemeine

Er gratuliere hiermit dem „Chef der römischen Lehre“ zu seiner Papstwahl, schrieb der japanische Kaiser Hirohito am 7. Juni 1939 an Pius XII. alias Eugenio Pacelli. Das Schriftstück gehört zu den eher unspektakulären Dokumenten im Vatikanischen Geheimarchiv. Es ist aber eines der raffinierteren. Denn mit der Adresse „Chef der römischen Lehre“ ist im Ton der Wertschätzung zugleich eine Relativierung angedeutet. Wir haben es mit einer Lehre unter vielen zu tun, der Papst hat die Wahrheit – welch unhöflicher Begriff in japanischen Ohren – nicht etwa gepachtet, gibt Hirohito zu verstehen. Die Ausstellungsmacher überspielen das Moment der Irritation, indem sie das Glückwunschschreiben mit dem Zusatz versehen, „Chef der römischen Lehre“ sei ein Titel, der im Japanischen von „hoher religiöser Bedeutung“ sei – von welcher genau, bleibt einstweilen offen.

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GBS: Offener Brief an Angela Merkel

„Kritisieren Sie die Menschenrechtsverletzungen der Katholischen Kirche!“

Offener Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich des geplanten Treffens mit Papst Benedikt XVI.
(Veröffentlichungsdatum: 6.9.2011)

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
am 22. September 2011 werden Sie von Papst Benedikt XVI. zu einem Gespräch am Sitz der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin empfangen. Normalerweise achten wir nicht penibel auf das Protokoll, aber die Wahl  dieses Ortes hat uns doch befremdet: Denn seit wann empfängt der Gast die Gastgeberin?! Der Vorgang erinnert uns fatal an jene düsteren Zeiten, als weltliche Herrscher dem „Stellvertreter Christi“ ihre Aufwartung machen mussten, um politisch nicht unter die Räder zu geraten. Dass dem Papst eine solche Assoziation angenehm sein mag, können wir uns denken, aber warum sollten Sie die Würde Ihres Amtes beschädigen, indem Sie einem solch durchsichtigen Machtmanöver auf den Leim gehen?

Wir bitten Sie daher: Drängen Sie auf eine Änderung des Protokolls! Als Kanzlerin sind Sie diejenige, die Gäste in Deutschland empfängt – nicht der Papst! Führen Sie sich in diesem Zusammenhang bitte vor Augen, dass die Mehrheit der in Deutschland lebenden Menschen der Politik des Vatikans kritisch, wenn nicht sogar ablehnend gegenübersteht. Wahren Sie daher beim Treffen mit Benedikt XVI. die gebührende Distanz und vermeiden Sie es, ihn als „Heiligen Vater“ anzusprechen!

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Der menschliche Körper ist dem Papst ein Greuel

Eine von vielen Fragen des Buches: Ist Krankheit eine Strafe für sündiges Verhalten oder soll sie zur seelischen Einkehr bewegen?

Warum suchen Millionen von Menschen trotz des medizinischen und wissenschaftlichen Fortschritts im 19. und 20. Jahrhundert ihre Führung in Gott? Frenetischer Jubel für den Papst auf dem Petersplatz in Rom. Kondomverbot, Pillenverbot, Masturbationsverbot, Prostitutionsverbot, keine Anerkennung der homosexuellen Ehe, Zölibat. Himmel oder Hölle? Mit welchen strategischen Schachzügen schafft es die katholische Kirche sich trotz unpopulärer Dogmen seit dem Zeitalter der Aufklärung hartnäckig zu behaupten?

QUEER.de

Diese Fragen und mehr versucht Claudia Bignion in ihrem Buch zu beantworten. „Der Papst und der menschliche Körper“ ist eine Dokumentation der wichtigsten Enzykliken, dogmatischen Bullen, Ansprachen und weiterer Verlautbarungen des Vatikans. Alle Themen rund um den menschlichen Körper werden von der Autorin beleuchtet, natürlich auch Homosexualität. Die Materialiensammlung bringt u.a. einen Auszug aus Kardinal Ratzingers „Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen“ aus dem Jahr 2003. Danach würden homosexuelle Praktiken „zu den Sünden, die schwer gegen die Keuschheit verstoßen“ gehören. Bignion beleuchtet darüber hinaus, wie die greisen Männer im Vatikan zur Charles Darwins Evolutionstheorie stehen und warum sich Pius XII. im Nationalsozialismus kaum für die Juden eingesetzt hat.

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Die Seligwaschung des Unheiligen

Nuntius Eugenio Pacelli 1924 in Bamberg. Bild: Deutsches Bundesarchiv (Bild 102-00535). Lizenz: CC-BY-SA-3.0

Die Seligwaschung des heroischen Stillschweigerpapstes heiligt alle Mittel. – Der „gebildete Katholizismus“ übt sich in vornehmer Zurückhaltung Karol Wojtyla (Johannes Paul II.)  soll am 1. Mai 2011 selig gesprochen werden. Seine Duldsamkeit gegenüber Marcial Maciel, dem wegen sexueller Gewalt berüchtigten Ordensgründer der finanzstarken Legionäre Christi, ist nun offenbar doch kein Hindernisgrund. Der Vatikan will harte Fakten schaffen. Als nächster Kandidat wartet der antijudaistisch geprägte Pius XII. (1939-1958), der heldenhafte Stillschweiger in der Zeit von Faschismus und Shoa. Papst Benedikt XVI. aus Deutschland hat diesem am 19. Dezember 2009 per Dekret schon mal den „heroischen Tugendgrad“ zugesprochen und damit die Schlussphase der Seligwaschung definitiv eingeläutet.

Von Peter BürgerTP

Eugenio Pacelli war der letzte Machthaber jener autoritären und zentralistischen Kirchengeschichtsepoche, in der alle modernen oder unangepassten Ansätze im Katholizismus kaltgestellt wurden. Da die Pontifikate von Karol Wojtyla und Joseph Ratzinger wieder an diese unselige Ära anknüpfen, wird man in Rom den Pacelli-Papst im Kreis der „seligen Vorbilder“ nicht missen können. Das Verfahren dafür ist abgeschlossen, und das Fernsehen hilft auch mit. Jetzt muss „nur“ noch ein – auf Fürsprache des Kirchenfürsten hin erfolgtes – Heilungswunder beglaubigt werden.

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Der schweigende, seelige, heilige Papst

James Cromwell als Papst im ARD-Film "Pius XII."

Es ist kein Zufall, dass der Film und James Cromwell als Pius XII. die Vorbereitungen schaffen sollen, diesen Papst seligzusprechen. Es ist auch kein Zufall, dass der Film wenige Tage (ARD, 1. November, 20.15 Uhr) nach dem Erscheinen des 880 Seiten dicken Dokumentarbands „Das Amt“ ausgestrahlt wird.

Von Rolf Hochhuth BZ

„Das Amt“, damit ist das Berliner Auswärtige gemeint, dem von 1938 bis 1943 als Staatssekretär Ernst Freiherr von Weizsäcker vorstand. Bis er als Botschafter Hitlers zum Vatikan ging, wo es sein Bemühen war, den Papst zu überreden, dem Reich einen Separatfrieden mit den Westmächten zu vermitteln, um zu verhindern, dass Stalin als Sieger durchs Brandenburger Tor einzieht.

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Brenn in der Hölle!

 

Hubert Wolf, geboren 1959 in Wört, ist Kirchenhistoriker in Münster. Seit 2002 leitet er das Forschungsprojekt „Römische Inquisition und Indexkongregation“. Die Ergebnisse werden im Ferdinand-Schöningh-Verlag veröffentlicht. Unter http://www.buchzensur.de findet man im Internet Informationen zum Stand der Arbeiten. Hubert Wolf forscht auch zu den Päpsten Pius XI. und Pius XII. awi

 

Ein Gespräch mit Hubert Wolf über vierhundert Jahre Buchzensur, über die Probleme der Zensoren, warum Darwin nicht auf dem Index stand und wieso der Vatikan es typisch deutsch findet, wenn jemand die Buchzensur der Römischen Kurie voll erfasst

Frankfurter Rundschau

Was hält man denn im Vatikan von Ihrem Unternehmen?

Typisch deutsch, heißt es. Wer sonst, sagt man, käme auf die Idee, die Buchzensur der Römischen Kurie zwischen 1542 und 1966 vollständig zu erfassen? Alle Plakate, auf denen die Urteile veröffentlicht und an römischen Kirchentüren ausgehängt wurden, alle Protokolle, Gutachten und ein Verzeichnis aller zensierten Bücher, aller Mitarbeiter der Zensurbehörde in ihrer vierhundertjährigen Geschichte. Inklusive Lebensgeschichte und eigener Werke. Dazu Register, die es jedem – Juristen, Medizinern, Karl-May-Liebhabern – ermöglichen festzustellen, ob und wer aus ihrem Fach, zu ihrem Thema jemals von der Zensur des Vatikans betroffen war. Es ist sehr, sehr ehrgeizig, dieses Projekt in zwölf Jahren zu bewältigen, wie wir es machen.

Da sind Sie sich ganz sicher?

Wir haben das 19. Jahrhundert fertig, das 18. auch, am 16. und 17. arbeiten wir zurzeit. Ganz am Schluss werden wir uns das 20. vornehmen. Als wir mit der Arbeit begannen, durfte man die Akten nur bis 1902 einsehen. Jetzt darf man es schon bis 1939. In fünf bis sechs Jahren, wenn wir soweit sein werden, werden die Dokumente aus dem Pontifikat Pius’ XII. im Vatikan zugänglich sein. Davon gehe ich aus.

Attacco a Ratzinger

Quelle: fedecultura.com

Papst Benedikt XVI. ist nach Ansicht der italienischen Journalisten Andrea Tornielli und Paolo Rodari systematischen Attacken der internationalen Medien ausgesetzt. Es bestünden „negative Vorurteile“ gegenüber allem, was der Papst tue oder sage; seine Botschaft und seine Initiativen würden dadurch an den Rand gedrängt, schreiben die Vatikanisten in ihrem am Mittwoch in Italien erschienenen Buch „Attacco a Ratzinger“ (Angriff auf Ratzinger). Ein Komplott oder eine einheitliche Regie stehe nicht dahinter, meinen die Autoren, auch wenn es durchaus gemeinsame Interessen von Gruppen oder Strömungen gebe, die den Papst diskreditieren und die moralische Autorität der Kirche schwächen wollten.

kathweb.at

Tornielli („Il Giornale“) und Rodari („Il Foglio“) analysieren in dem bei „Piemme“ erschienenen 315 Seiten dicken Buch die großen Diskussions- und Streitthemen des Pontifikats. Sie beginnen mit der Regensburger Rede und den „politisch unkorrekten“ Mohammed-Zitaten, beleuchten die Ernennung und Absetzung des umstrittenen Warschauer Erzbischofs Stanislaw Wielgus und das Dekret zur breiteren Zulassung des außerordentlichen Messritus. Sie gehen der Teil-Rehabilitierung der Traditionalisten-Bischöfe und der „Falle“ des Holocaust-Leugners Williamson nach.

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Theologie, Anthroposophie, Freimaurer und etwas Irrenhaus

Prof. Dr. Herbert Vorgrimler, Quelle: idw
Prof. Dr. Herbert Vorgrimler, Quelle: idw

Von David Berger

„Man könnte meinen, man sei im Irrenhaus“

In Zeiten, in denen die Theologie sich auf weite Strecken von einem philosophischen und emotionalen Subjektivismus bestimmen lässt bzw. die anthropozentrische Wende vollzogen hat, spielt die Biographie des jeweiligen Theologen natürlich als Verständnisschlüssel zu seinem Werk eine große Rolle. Während die traditionelle Theologie sich ganz der Objektivität der natürlichen und übernatürlichen Wahrheit hingibt und so die meisten Theologen sich in ihrem Werk vornehm zurücknehmen resp. auf das Verfassen von Selbstbiographien mit wenigen Ausnahmen verzichten, ist dies in den letzten Jahrzehnten anders geworden: Bedeutende Theologen und jene, die sich für solche halten oder von der öffentlichen Meinung gehalten werden, schreiben ihr Lebenserinnerungen oder lassen sich Biographien nach ihren Vorstellungen verfassen. So verwundert es nicht, dass auch der ehemals in Münster an der Universität tätige Herbert Vorgrimler während seiner ruhigen Tätigkeit als Klinikseelsorger vom September 2005 bis zum Juni 2006 seine Lebenserinnerungen aufgeschrieben hat, die nun unter dem ganz passenden Titel „Theologie ist Biographie“ im Aschendorff-Verlag Münster erschienen sind.[1] Der Verlag kündigt das Buch entsprechend an: „Herbert Vorgrimler gehört zu den großen deutschen Theologen, die die Ära nach dem II. Vatikanischen Konzil geprägt haben.“

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