Für eine Mehrheit der EU-Bürger ist der Zerfall der EU in 10-20 Jahren wahrscheinlich

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Nach einer Umfrage hält es sogar ein Drittel für realistisch, dass ein Krieg zwischen EU-Staaten möglich ist

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Geht man nach einer Umfrage, die YouGov im Auftrag des European Council on Foreign Relations (ECFR) im März in 14 EU-Ländern hat durchführen lassen, ist die Stimmung nicht sonderlich gut. Eine Mehrheit der Menschen in Österreich, Tschechien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, Polen, Rumänien, der Slowakischen Republik, Spanien, Schweden und Ungarn glaubt, dass es die EU in den nächsten 10-20 Jahren sowieso nicht mehr geben wird. Die Briten wurden leider nicht gefragt.

Die Slowaken sind am pessimistischen – oder am optimistischen? Zweidrittel gehen davon aus, dass die EU in 10-20 Jahren „realistisch“ gesehen zerfallen wird. Aber auch 58 Prozent der Franzosen und 57 Prozent der Rumänier, Polen und Italiener sind dieser Meinung. In Deutschland und Österreich vermutet dies jeweils die Hälfte. Nur in Schweden, Dänemark und Spanien sieht keine Mehrheit die EU am Zerfallen, aber auch hier sind diejenigen eine Minderheit, die das für unrealistisch halten.

Gefragt wurde auch nach der Stimmung der Menschen gegenüber der Zukunft. Am häufigsten genannt wurden: gestresst, ängstlich und optimistisch. Der Stress überwog bei den Italienern, Griechen und Ungarn, die Angst war bei den Franzosen, Slowaken und Tschechen am größten, in den anderen Ländern war Optimismus am stärksten. Den Dänen und Schweden geht es am besten, sie fühlen sich glücklich bzw. sicher. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass es ihnen finanziell am besten zu gehen scheint. Fast die Hälfte sagt, sie hätten am Monatsende noch Geld übrig, im Durchschnitt ist es ein Drittel wie in Deutschland, Österreich oder den Niederlanden. In Polen, Frankreich und Rumänien sind es weniger als ein Viertel und noch weniger in Ungarn oder gar in Griechenland.

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Polen: Schon über 7 Millionen Aufrufe für Missbrauchs-Film bei YouTube

Bild: © EpiskopatNews (Flickr), CC BY-NC-SA 2.0 (Archivbild)
Sie ist erst seit 48 Stunden online, wurde aber bereits von mehr als sieben Millionen Menschen angesehen: Die Missbrauchs-Doku „Nur sag es niemandem“ bewegt ganz Polen – und erhöht den Druck auf die katholische Kirche.

katholisch.de

Ein neuer Dokumentarfilm über sexuellen Kindesmissbrauch durch Priester erhöht in Polen den Druck auf die katholische Kirche. Die am Samstag im Internet veröffentlichte zweistündige Doku „Nur sag es niemandem“ des Regisseurs Tomasz Sekielski schauten sich in den ersten 48 Stunden nach Angaben der Videoplattform „YouTube“ mehr als sieben Millionen Menschen an. Der Vorsitzende der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jaroslaw Kaczynski, kündigte am Sonntag mit Blick auf den Film einen härteren Kampf gegen Pädophilie an.

Die Polnische Bischofskonferenz begrüßte den Film und bat erneut für den Kindesmissbrauch um Entschuldigung. „Im Namen der ganzen Bischofskonferenz möchte ich mich bei allen geschädigten Personen sehr entschuldigen“, sagte deren Vorsitzender, Erzbischof Stanislaw Gadecki. Er dankte dem Filmemacher für seine Arbeit. „Bewegt und traurig“ habe er sich Sekielskis Dokumentation angeschaut.

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Wann ist tot tot?

Grafik:TP
Während in Deutschland die Organspende zum Normalfall erklärt werden soll, wird in der Schweiz der Hirntod als Kriterium für den eingetretenen Tod angezweifelt

Christoph Jehle | TELEPOLIS

In Deutschland geht man zumeist davon aus, dass der Mensch mit dem Eintreten des Hirntodes sein Leben ausgehaucht hat, ein Bild, das im Übrigen aus dem Alten Testament stammt und als Geweihter Atem/Heiliger Geist die christliche Theologie bis heute beeinflusst, hatte doch der aus Lehm geformte Adam sein Leben erst durch das Einhauchen des göttlichen Atems erhalten. Mit dem Hirntod hat man in der europäischen Kultur den Tod eines Menschen definiert, auch wenn es heute möglich ist, viele lebenswichtige Körperfunktionen mit externen Mitteln anzusteuern, so dass sogar eine hirntote Frau ein gesundes Kind zur Welt bringen kann

In Deutschland will man auf der Basis der Definition des Hirntods jetzt die Entnahme von Organen zum Zwecke der Transplantation erleichtern, indem man auf die mit einem Testament vergleichbaren Einwilligung zu Organentnahme verzichten, die Organspende zum Normalfall erklären und für ihre jeweilige Ablehnung eine aktive Erklärung fordern will. Diese Widerspruchsregelung hat einigen Widerspruch herausgefordert. Dagegen gibt es in der Schweiz eine Ärzteinitiative, welche dafür plädiert, die Organentnahme bei Hirntoten zu verbieten.

Die erste Herztransplantation gelang dem südafrikanischem Chirurgen Christiaan Barnard am 3. Dezember 1967 im Groote-Schuur-Krankenhaus in Kapstadt. Zwar überlebte der 53 Jahre alte, aus Litauen stammende Gemüsehändler Louis Washkansky die Operation nur um 18 Tage, dies galt jedoch damals als großer Erfolg der Transplantationsmedizin. Das Herz stammte von der 25-jährigen Bankangestellten Denise Ann Darvall, die bei einem Verkehrsunfall tödliche Hirnverletzungen erlitten hatte.

Ihr Vater gab die Zustimmung für die Entnahme des Herzens. Das war damals vergleichsweise unbürokratisch möglich. Inzwischen lässt sich die Abstoßung eines transplantierten Organs besser vermeiden und somit hat sich die Lebenserwartung der Menschen, welchen ein Organ eingepflanzt wird, deutlich erhöht. Und mit der Operationsroutine nahm auch die Zahl der Transplantationen zu, was manchen Organempfängern ein neues Leben nicht nur versprochen, sondern auch ganz praktisch ermöglicht hat. Und wer Menschen kennt, deren Weiterleben von einem gespendeten Organ abhing, kann einschätzen, welche Bedeutung die Organspende für diese Menschen hat.

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Kirche in Polen kritisiert Bücherverbrennung durch Geistliche: „Diese Form ist unpassend“

In Polen hat eine von Priestern organisierte Bücherverbrennung heftige Reaktionen ausgelöst. Harsche Kritik kommt von der katholischen Kirche selbst. Die Zeit der Bücherverbrennungen sei lange vorbei.

DOMRADIO.DE

Katholische Priester haben nach einer Messe in Danzig Bücher und andere angeblich mit Okkultismus verbundene Gegenstände verbrannt. Die von Pfarrer Rafal Jarosiewicz geleitete Stiftung „SMS vom Himmel“ hatte zu der Aktion aufgerufen und Bilder der brennenden Objekte in den Sozialen Netzwerken veröffentlicht.

Dies sorgte am Dienstag für Kritik auch von kirchlicher Seite. Polnische Medien zogen Parallelen zu Bücherverbrennungen durch die Nationalsozialisten in Deutschland.

„Sache ist sehr umstritten“

„Die Zeit der Bücherverbrennungen ist lange vorbei“, sagte Ireneusz Bradtke dem Sender Radio Gdansk. „Die Sache ist sehr umstritten“, so der Geistliche. Auch das Bistum Köslin-Kolberg (Koszalin-Kolobrzeg), in dem 2012 die Stiftung „SMS vom Himmel“ gegründet wurde, missbilligte die Verbrennung.

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Erzdiözese Krakau kritisiert Missbrauchsbericht von Opferverein

Opferverein „Habt keine Angst“ beschuldigt Krakauer Erzbischof Jedraszewski sowie 23 amtierende und ehemalige Bischöfe, Missbrauchstäter gedeckt zu haben.

kath.net

Die Erzdiözese Krakau hat den Bericht eines polnischen Opfervereins über sexuellen Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche kritisiert. Der Papst Franziskus am Mittwoch im Vatikan übergebene Bericht enthalte „unwahre und manipulierte Informationen“, heißt es in einer am Samstag veröffentlichten Erklärung. Darin gibt die Erzdiözese jedoch nicht an, welche Schilderungen in dem Bericht falsch seien.

Erzbischof Marek Jedraszewski lege „besonderen Wert auf die gründliche, zuverlässige, gerechte Prüfung von eventuellen Anschuldigungen des sexuellen Missbrauchs gegen Priester“, wird in der schriftlichen Stellungnahme betont. Er engagiere sich vollkommen für die Etablierung von Mechanismen für die Prävention von Missbrauch und die Verteidigung von Opfern. Anlaufstellen für Betroffene und ihre Angehörigen nenne die Erzdiözese etwa prominent auf seiner Internetseite, hieß es.

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CO2-Konzentration in der Atmosphäre wird auch 2019 weiter ansteigen

Voraussage des Anstiegs der CO2-Konzentration in der Atmosphäre 2019. Bild: Metoffice.gov.uk
2018 haben die CO2-Emissionen weiter zugenommen, die britische Wetterbehörde erwartet auch in diesem Jahr eine beunruhigende Rekordzunahme der CO2-Konzentration

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Das Umweltbundesamt berichtete vergangene Woche, dass die Treibhausgasemissionen 2017 in Deutschland leicht gesunken seien. Mit 906,6 Millionen Tonnen seien es 4,4 Millionen oder 0,5 Prozent weniger als 2016 und 27,5 Prozent weniger als 1990. Eigentlich müssten bis 2030 die Emissionen um 55 Prozent weniger geworden sein. Angestiegen sind aber die verkehrsbedingten Emissionen, sie liegen 2 Prozent über dem Wert von 1990. Schuld seien mehr Fahrzeuge, mehr Güter auf der Straße und immer größere und schwerere Autos. EU-weit sind nach Schätzungen der EU-Umweltbehörde die Emissionen allerdings um 0,6 Prozent angestiegen, vor allem in Spanien, Polen und Frankreich, während den größten Rückgang Dänemark, Finnland und Großbritannien verzeichneten.

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AfD-Mitarbeiter im Bundestag nach Berichten über Anschlag entlassen

Manuel Ochsenreiter weist den Vorwurf laut Berichten als „frei erfunden“ zurück. Quelle: picture alliance / dpa
Drei Polen sollen in der Ukraine einen Terroranschlag durchgeführt haben. Diese Staatsaffäre erreicht nun den Deutschen Bundestag. Markus Frohnmaier von der AfD trennt sich von einem engen Mitarbeiter – die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Von Alexej Hock, Uwe Müller, Pavel Lokshin | DIE WELT

Aussagen von AfD-Politikern haben mitunter eine kurze Halbwertszeit. Zuletzt hat sich das am Beispiel des Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier gezeigt. Am Montag dieser Woche schwor er seinem umstrittenen Mitarbeiter Manuel Ochsenreiter noch die Treue.

Der war in die Schlagzeilen geraten, weil ihm vorgeworfen wird, Drahtzieher eines Brandanschlags in der Ukraine zu sein, dessen Ziel es offenbar war, das Land zu destabilisieren.

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Polen und Ungarn blockieren „erfolgreich“ die „LGBTIQ-Rechte“ in der EU

Die Repräsentanten der beiden Länder legten gegen die Aufnahme des Akronyms „LGBTIQ“ in eine gemeinsame Erklärung der Minister für Arbeit und Soziales Veto ein.

kath.net

Polen und Ungarn haben die Aufnahme von „LGBTIQ-Rechten“ in eine gemeinsame Erklärung der Europäischen Union blockiert. Darüber berichtete „LifeSiteNews“. Die Repräsentanten der beiden Länder legten gegen die Aufnahme des Akronyms „LGBTIQ“ in eine gemeinsame Erklärung der Minister für Arbeit und Soziales, die „die Gleichstellung der Geschlechter im digitalen Zeitalter“ fördern soll, Veto ein. Damit verärgerten sie nach Darstellung von „LifeSiteNews“ andere EU-Mitgliedsstaaten. Zwar fügte dann Österreich dem Dokument in seiner jetzigen Funktion als Inhaber der Präsidentschaft des Europäischen Rates einen Hinweis auf „LGBTIQ“ hinzu. Dieser Zusatz wird jedoch nur als „Schlussfolgerungen des Präsidenten“ eingestuft, die nicht die rechtliche Bedeutung von formellen Schlussfolgerungen des Rates haben. Die offiziellen Schlussfolgerungen des EPSCO-Rates beziehen sich jetzt nur noch auf „Gleichstellung der Geschlechter, Jugend und Digitalisierung“.

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Ausgewiesen! Berlin, 28.10.1938

Nürnberg, Ausweisung polnischer Juden. Bild: Bundesarchiv, Bild 146-1982-174-27 / Großberger, H. / CC-BY-SA 3.0
In diesen Tagen jährt sich zum 80ten Mal eine weitgehend vergessene Aktion, mit der NS-Deutschland die Grenzen des Unrechts austestete. Heute, wo der Faschismus für die Märkte wieder eine Option ist, ist es notwendig, sich zu erinnern.

Peter Nowak | TELEPOLIS

„Die Aktion wurde von der Polizei mit großer Brutalität durchgeführt. Den unglückseligen Opfern wurde kaum Zeit gelassen, ihre Bündel mit den dürftigen Habseligkeiten zusammenzupacken…. Mütter mit kleinen Kindern stolperten und vielen die Treppe hinunter. Gepäckstücke, notdürftig in Minutenfrist zusammengebündelt, fielen auseinander und gossen ihren Inhalt über die Straße. Greise und Krüppel wurden roh in die bereitgestellten Polizeiautos gestoßen. Es war ein Bild des Grauens.“

So beschrieb ein Betroffener eine Judendeportation, die sich in diesen Tagen zum 80ten Mal jährt und doch in der Geschichtsschreibung und der öffentlichen Aufmerksamkeit weitgehend vergessen ist.

Es handelt sich um eine Aktion, die mit der falschen Bezeichnung „Polenaktion“ in die Geschichte einging, der Begriff wird heute mit Recht nur noch in Anführungsstrichen gesetzt. Denn es war das NS-Regime, das am letzten Oktoberwochenende 1938 über 17.000 Menschen aus ihren Wohnungen verschleppte und an die polnische Grenze deportierte. Die oben zusammengefasste Schilderung von Abraham Szanto zeigt deutlich, mit welcher Brutalität und Menschenverachtung diese Deportation von den willigen deutschen Vollstreckern ins Werk gesetzt wurde.

Betroffen waren vor allem jüdische Migrantinnen und Migranten, die aus Polen nach Deutschland eingereist waren. Für viele war Berlin ein Sehnsuchtsort, auch wenn sie dort überwiegend ein sehr kümmerliches, heute würde man sagen: prekäres Leben hatten, zogen viele es doch der Armut und den Verfolgungen in den osteuropäischen Ländern vor. Deswegen war Berlin der Ort, von dem vor 80 Jahren ein Großteil der Menschen deportiert wurde. Aber auch aus vielen anderen größeren und kleineren Orten Deutschlands wurden die Jüdinnen und Juden an die polnische Grenze deportiert.

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Katholische Kirche in Polen – Endlich wird das (numinose) Böse bemerkt

Der Film „Klerus“ bricht Besucherrekorde in Polen. (imago stock&people)
Sexueller Missbrauch durch katholische Geistliche war in Polen bis vor kurzem kein öffentliches Thema. Der Film „Klerus“ bricht nun das Schweigen. Die Bischofskonferenz hat für Ende November einen Bericht über das Ausmaß der Straftaten angekündigt.

Von Jan Opielka | Deutschlandfunk

„Kler“ – der Klerus, so heißt der Spielfilm des polnischen Regisseurs Wojciech Smarzowski, der derzeit an der Weichsel hohe Wellen schlägt. Das Werk prangert das zwielichtige Finanzgebaren der katholischen Kirche und Verstrickungen mit der Politik ebenso an wie den Kindesmissbrauch durch Geistliche. Vor allem Letzteres ist nun großes Thema, der Begriff „Pädophilie“ in aller Munde, auch wenn dies freilich das hinter dem Missbrauch stehende, strukturelle Machtsystem etwas verdeckt. Die Kirchenführung im Land, die anders als die Deutsche Bischofskonferenz bislang keine umfassende Untersuchung eingeleitet hat, ist in der Defensive.

Endlich, sagt die Soziologin Jolanta Klimczak von der Schlesischen Universität in Kattowitz, kämen die lange Zeit marginalisierten Themen Missbrauch und die Mechanismen missbrauchter Macht zur Sprache.

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Missbrauch in der Kirche: Ein Kinofilm, der den Tabubruch wagt

Regisseur Wojciech Smarzowski spricht vor der Polen-Premiere seines Spielfilm «Kler» (übersetzt: Klerus). Bild: Stach Leszczynski/PAP/dp
Sexueller Missbrauch durch katholische Priester war in Polen bislang nicht thematisiert. Ein Kinofilm bricht nun das Schweigen und empört viele Geistliche.

Von Gerhard Gnauck | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ein Tabu ist gebrochen, ein Land ist in Aufruhr. Die Debatte über Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche zieht in Polen immer weitere Kreise. Mit seinen fast 90 Prozent Katholiken galt das Land bisher als eine der treuesten Töchter der römisch-katholischen Kirche.

Diese Institution war – als Polen geteilt war, dann unter deutscher und sowjetischer Besatzung und schließlich in gut vier Jahrzehnten Kommunismus – die oberste Autorität, Wahrer der nationalen Identität und bis 1989 sogar eine Trutzburg, in deren Mauern frei diskutiert werden konnte. Wahrer der Identität: In dieser Rolle sehen viele Geistliche ihre Kirche auch heute.

Auch die nationalkonservative Regierungspartei PiS sieht die Kirche in dieser Funktion. Umgekehrt kann die PiS auf die wohlwollende Unterstützung eines großen Teils der kirchlichen Hierarchie zählen.

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«Mein Bauch gehört mir» war gestern

Abtreibungsgegner (vorne) und Aktivistinnen für eine freie Wahl («free choice») (hinten) bringen ihre Anliegen auf Deutschlands Strassen. (Bild: Imago)
Ein umstrittener Paragraf hat in Deutschland eine Debatte über die Selbstbestimmung der Frau entfacht. Das hat auch mit dem Erstarken der Neuen Rechten zu tun.

Valerie Zaslawski | Neue Zürcher Zeitung

Die Gebärmutter ist erneut zum Schlachtfeld geworden: Nicht nur in den USA oder in Polen, auch in Deutschland wird seit einigen Monaten wieder über den Schwangerschaftsabbruch gestritten. Dabei zanken Christen mit Feministinnen und debattieren Anhänger der AfD mit Roten und Grünen darüber, was höher zu gewichten sei: das Recht auf Leben eines Ungeborenen oder die Selbstbestimmung der Frau. Im Zentrum der Debatte steht der Paragraf 219a. Dieser verbietet Werbung beziehungsweise Information über Schwangerschaftsabbrüche. Cornelia Möhring, die für die Linke im Bundestag sitzt, möchte ihn abschaffen: «Schwangerschaftsabbrüche müssen endlich aus der Tabuzone geholt werden, denn sie sind schon lange Realität.» Im vergangenen Jahr gab es rund deren 100 000. Straffrei sind sie allerdings nur unter bestimmten Umständen (siehe Zusatz).

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Polen: Karte kirchlicher Missbrauchsfälle veröffentlicht

In Polen sorgt eine Online-Landkarte kirchlicher Missbrauchsfälle für Aufsehen. Die Karte zeigt, wo katholische Geistliche wegen Missbrauchs verurteilt wurden oder es zwar einen Gerichtsprozess, aber kein Urteil gegeben hat.

DOMRADIO.DE

Eine Online-Landkarte des polnischen Opfervereins „Fürchtet euch nicht“ zeigt seit Sonntag, wo katholische Priester wegen Missbrauchs in Polen verurteilt worden sind. „Seit Sonntag haben sich 130 Personen bei uns gemeldet, die selbst missbraucht worden sind“, sagte der Gründer Marek Lisinski, am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Karte soll wöchentlich aktualisiert werden

Auf der Karte sind bislang 63 verurteilte Geistliche eingetragen, jeweils nur mit dem Anfangsbuchstaben ihres Namens. Sie verzeichnet aber auch Fälle, die Betroffene dem Opferverein gemeldet haben – sowohl aktuelle als auch Fälle aus der Vergangenheit. Viele polnische Medien berichten darüber.

Die Landkarte sei eine Reaktion darauf, dass die katholische Kirche bislang nur von Einzelfällen spreche. Sie solle jede Woche aktualisiert werden, sagte Lisinski. Anfang November will die Kirchenleitung eine Dokumentation zum Thema Pädophilie in der Kirche veröffentlichen. Bislang gibt es keine Zahlen.

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Dodo Marx: Nationalismus ist nicht katholisch

Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,

Kardinal Reinhard Marx hat im Zeichen der Oppositionsbewegung Solidarnosc aus den 1980er Jahren die polnische Stadt Danzig besucht. Im Interview zieht er eine Bilanz über Europa, Demokratie und Freiheit.

Leticia Witte, Bartosz Dudek | katholisch.de

Frage: Kardinal Marx, was kann Europa heute von der Solidarnosc-Bewegung lernen?

Marx: Zuerst einmal ist da der Glaube, dass wir etwas bewegen können. Dass die Dinge, wie sie sind, nicht einfach so bleiben müssen. Das finde ich natürlich in einer Situation wie damals 1980 sehr mutig. Wir leben ja in anderen Zeiten, aber auch bei uns in einer Demokratie ist manchmal die Überzeugung da: Was kann man schon machen? Da kann man von diesen Personen, die noch vor viel größeren Schwierigkeiten standen, lernen. Es kann etwas Neues in Gang kommen, und das finde ich sehr schön. Wir haben eine Erinnerung an die Kostbarkeit der Freiheit, die wir nicht als selbstverständlich ansehen dürfen. Die Demokratie könnte ja auch eine Episode in der Geschichte der Menschheit sein. Es ist immer wieder nötig, für die Freiheit des Einzelnen, für Minderheiten, für den Respekt einzutreten und für das, was notwendig ist, damit eine Demokratie, eine freie und offene Gesellschaft verlässlich leben kann. Es ist eine Art „Gesamtkunstwerk“, für das ständig gearbeitet werden muss. Und wenn man nachlässt, merkt man es gleich. Dann werden Gefährdungen auf einmal deutlich.

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Yad Vashem lehnt Erklärung zu polnischem Holocaust-Gesetz ab

Die Gedenkstätte Yad Vashem hat die gemeinsame Erklärung Polens und Israels zum umstrittenen polnischen Holocaust-Gesetz als fehlerhaft zurückgewiesen. Das Papier enthalte „schwerwiegende Irrtümer und Täuschungen“.

DOMRADIO.DE

Eine sorgfältige Durchsicht der Erklärung durch Yad-Vashem-Historiker zeige, „dass die historischen Behauptungen, die als unangefochtene Tatsachen präsentiert werden, in der gemeinsamen Erklärung schwerwiegende Irrtümer und Täuschungen enthalten“, heißt es in einer Stellungnahme der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem vom Donnerstag.

Damit bleibe das Wesen des Gesetzes auch nach seiner Abänderung unverändert. Die Gedenkstätte sehe sich in der Pflicht, auf die historischen Ungenauigkeiten und die Gefahr eines Schadens für die Diskussionsfreiheit über den Holocaust hinzuweisen.

Polnische Hilfe für Juden sei „relativ selten“ gewesen

Historisch umstritten sei etwa die Rolle der polnischen Exilregierung und des polnischen Untergrunds. Laut Yad Vashem scheiterte die polnische Resistenz nicht nur in vielen Fällen beim Versuch, Juden zu helfen, sondern „war auch nicht selten aktiv beteiligt an ihrer Verfolgung“.

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Polen verteidigt „Recht“ auf Justizsystem nach seinen Traditionen

Mateusz Morawiecki © © 2018 AFP
Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat die umstrittenen Justizreformen seiner Regierung vor dem Europaparlament verteidigt.

stern.de

Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat die umstrittenen Justizreformen seiner Regierung vor dem Europaparlament verteidigt. „Jedes Land hat ein Recht, sein Rechtssystem gemäß seiner eigenen Traditionen zu errichten“, sagte Morawiecki am Mittwoch vor den Abgeordneten in Straßburg. „Einigkeit in Vielfalt“ sei eines der grundlegenden Prinzipien der EU und „kein leerer Slogan“. Der „Respekt der nationalen Identitäten“ sei eine wesentliche Grundlage für Europa.

Die EU hat wegen der Justizreformen ein bisher beispielloses Verfahren gegen Polen eingeleitet, das bis zum Entzug von Stimmrechten auf europäischer Ebene führen kann.

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Visegrad-Staaten erteilen Asyl-Sondergipfel eine Absage

Die Regierungschefs der Visegrad-Staaten haben sich mit dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz beraten. Hauptthema war die europäische Asylpolitik. Kurz betonte dabei die Wichtigkeit der geschützten Außengrenzen. Quelle: WELT
Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki bezeichnete das Treffen am Donnerstag als „inakzeptabel“. Die EU-Kommission hatte ein Gipfeltreffen zwischen den Staats- und Regierungschefs mehrerer EU-Staaten angekündigt.

DIE WELT

Die vier Visegrad-Staaten Ungarn, Polen, Tschechien und Slowakei werden dem Asyl-Sondertreffen am kommenden Sonntag in Brüssel fernbleiben. „Wir fahren nicht“, sagte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban am Donnerstag nach einem Gipfeltreffen der mitteleuropäischen Staatengruppe mit dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz. „Das einzige Forum, das zu Entscheidungen in der Migrationsfrage befugt ist, ist der Europäische Rat (der Staats- und Regierungschef) und nicht die Europäische Kommission.“ Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki bezeichnete das Treffen als „inakzeptabel“.

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Provozierte Eskalation: Kommt das US-Raketenabwehrsystem THAAD nach Deutschland?

Raketenabwehr in Rumänien. Bild: DoD
Angeblich überlegt das Pentagon zusätzlich zum Aegis-System in Rumänien und Polen das THAAD-System nach Deutschland zu verlegen, das dem auch gar nicht widersprechen könnte

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Reuters berichtet über Diskussionen im Pentagon, das Raketenabwehrsystem Terminal High Altitude Area Defense (THAAD) in Deutschland zusätzlich zu dem bereits im rumänischen Deveselu installierten und seit 2016 einsatzbereiten Aegis-Raketenabwehrsystem mit Abfangraketen des Typs SM-3 IB und dem weiteren im polnischen Redzikowo, das noch in diesem Jahr einsatzbereit sein sollte, aber das nun aufgrund technischer Probleme erst 2020 sein wird.. Der Entschluss der Bush-Regierung mit dem Austritt aus dem ABM-Abkommen im Jahr 2002 das amerikanische Raketenabwehrschild an der Grenze zu Russland zu installieren, war ein entscheidender Grund für die Eskalation zwischen Russland und Nato.

Washington und die Nato haben zwar immer wieder beteuert, das Raketenabwehrsystem richte sich nicht gegen Russland, sondern ausschließlich gegen Nordkorea und Iran. Doch das konnte man in Moskau nachvollziehbar nicht wirklich glauben – und in Rumänien und Polen sieht man es natürlich als Schutz vor Russland. Barack Obama hatte 2009 kurzzeitig nach Amtsantritt mit einer Annäherung an Russland versucht, den Ausbau des Raketenabwehrsystems in Osteuropa zu verhindern oder hinauszuzögern (Katzenjammer in Warschau und Prag), kippte aber bald wieder um.

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Ausgerechnet nach Deutschland: 300.000 Juden flohen vor Antisemitismus in Polen

Millionen von Menschen flohen nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland. Bundesarchiv, Bild 146-1985-021-09 / Unbekannt / CC-BY-SA 3.0
Juden in Polen warnen immer wieder vor Antisemitismus. Böse Witze und Kommentare gehören zum Alltag. Das war auch nach dem Zweiten Weltkrieg so. Damals verließen die Überlebenden den Holocaust Polen und fanden ausgerechnet in Deutschland ihre neue Heimat.

Von Armin Fuhrer | FOCUS ONLINE

Als Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg in Trümmern lag, geschah etwas, womit niemand gerechnet hatte: Für rund 300.000 Menschen aus Osteuropa wurde diese Trümmerwüste zum Fluchtpunkt. Sie gingen im Chaos der Zeit weitgehend unter. Millionen von Menschen suchten eine Bleibe in den drei Westzonen. Unter ihnen viele Juden.

Die Flucht vor den Nachbarn, Kollegen und Freunden

Mitten in dieses Chaos zog es in den kommenden Monaten und Jahren eine Gruppe von Menschen, mit der niemand gerechnet hatte: Juden aus Osteuropa, aus dem Baltikum, aber vor allem aus Polen. Auch sie flohen, allerdings weniger vor der Roten Armee, die ihre Heimat besetzt hatte, sondern vor den Menschen, die bisher ihre Nachbarn gewesen waren, ihre Kollegen und manchmal sogar ihre Freunde.

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Immer mehr Österreicher interessieren sich für Pornos mit Flüchtlingen

Die Suchanfragen nach „Refugee Porn“ steigen enorm, wie eine Zeitungsrecherche zeigt. Neben Österreich sind noch zwei andere Länder in Europa auffällig.

Die Presse.com

Mit der steigenden Anzahl von Flüchtlingen nimmt auch das Interesse an Sex mit ihnen in Europa zu. Dieses eindeutige Ergebnis erbrachten Recherchen der deutschen Zeitung „Die Zeit“. Und zwar auf Grundlage von Statistiken zu Suchanfragen auf der zweitgrößten Pornoplattform Xhamster, die von den Journalisten gemeinsam mit Statistikexperten und Sexualwissenschaftlern ausgewertet wurden. Auch auf anderen Plattformen, zeige sich das Phänomen, dass seit 2015 häufiger nach solchen Inhalten gesucht wird. Konkret geht es etwa um Anfragen zu Filmen pornografischen Filmen, bei denen geflüchtete Frauen beim Sex gezeigt werden. Es gehe vorwiegend um heterosexuelle Pornografie, die mit dem Motiv der mysteriösen, fremden Frau spiele, die von weißen Männern verführt und dominiert werde.

Die Recherche fokussierte vor allem Deutschland, bezog aber auch andere Staaten mit ein. Und da zeigte sich, dass sich das Phänomen vor allem in Österreich und Ungarn beobachten ließ.

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