Polen: „Wir müssen unsere Nationalkultur vor der Antikultur und Antizivilisation schützen“

Bild: Kampania Przeciw Homofobii

In Polen haben sich 31 Städte, Kreise und Wojewodschaften als „frei von der LGBT-Ideologie“ erklärt

Jens Mattern | TELEPOLIS

„Wir müssen unsere Nationalkultur vor der Antikultur und Antizivilisation schützen“, sagte ein Gemeinderat der Stadt Pulaw und Mitglied der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) den polnischen Medien. Eine entsprechende EU-Erklärung zum Schutz sexueller Minderheiten wurde von Polen im Dezember 2018 nicht unterschrieben.

Das Land gilt innerhalb der EU nach Lettland als homophobster Mitgliedsstaat, so die Einschätzung des Interessenverbandes „ILGA Europe“. Und das mit steigender Tendenz: „Es gibt derzeit so viele Aggressionen, wir kommen nicht dazu, dies zu überschauen“, erklärte Miroslawa Makuchowska von der Kampagne gegen Homophobie in Warschau auf Anfrage von Telepolis.

Die Aktivistin beklagt eine politische Kampagne von Seiten des Regierungslagers auf sexuelle Minderheiten in Polen. Sexuelle Minderheiten hätten das Feindbild „Flüchtlinge“ abgelöst. Vor allem auf dem Land hätten diese Menschen kaum jemand, der sich für ihre Belange und Nöte einsetzt.

Die Wut der Konservativen und Rechten in Polen wurde vor allem durch eine Aktion des liberalen Stadtpräsidenten Warschaus Rafal Trzaskowskis angefacht. Dieser stellte im Februar ein Aufklärungs- und Hilfsprogramm zugunsten von LGBT-Personen vor. Geboten wird ein psychologisches Hilfstelefon, ein Haus der Zuflucht bei Gewalt sowie Aufklärung in Schulen. Letzteres wurde von Politikern der PiS und regierungsnahen Medien als Sexualisierung von Kindern interpretiert und geriet so zum Wahlkampfthema bei der Europawahl, bei der die PiS mit über 45 Prozent ein Rekordergebnis einfuhr.

Katholische Kirche beförderte die Homophobie

Die Schwierigkeiten der Homosexuellen in Polen haben ihre Ursache bei der Katholischen Kirche und ihrem unnachgiebigen Standpunkt. Johannes Paul II. aber auch sein Nachfolger Benedikt XVI sahen das sehr katholische Polen als Land, das den Westen mit seinen Werteverlusten rechristianisieren sollte.

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Polen: IKEA feuert homophoben Katholen

Bild: bb
Der schwedische Möbelkonzern Ikea hat im Juni in Polen einen Mitarbeiter gekündigt, weil sich dieser gegen die „Pro-Gay“-Konzernsbelästigung mit Bibelzitaten gewehrt hat

kath.net

Der schwedische Möbelkonzern Ikea hat im Juni in Polen einen Mitarbeiter gekündigt, weil sich dieser gegen die „Pro-Gay“-Konzernsbelästigung im Juni mit Bibelzitaten gewehrt hat. Der Möbelkonzern hat laut einem Bericht des „Kuriers“ ungefragt alle Mitarbeiter in Polen einen Artikel mit der Überschrift „Die Einbeziehung von LGBT+ ist für jeden von uns Pflicht“ übermittelt, der Mitarbeiter reagiert darauf und zitierte Passagen aus dem Alten und Neuen Testament, in denen homosexuelle Handlungen verurteilt werden. Daraufhin war in der Konzern raus, jetzt folgt allerdings eine Klage gegen IKEA. Die katholische Organisation Ordo Iuris kündigt außerdem eine Informationskampagne unter dem Motto „Der Arbeitgeber ist kein Erzieher“ an.

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Lässt sich der Erfolg der Rechten durch Katholizismus verstehen

Italien, Ungarn, Polen: In katholisch geprägten Ländern Europas sind rechtspopulistische Parteien besonders erfolgreich. Auf den zweiten Blick sind die Verhältnisse jedoch komplizierter.

Von Detlef Pollack | Frankfurter Rundschau

Als der italienische Innenminister Matteo Salvini am 18. Mai 2019 auf dem Treffen der rechtspopulistischen Führer Europas – unter ihnen Jörg Meuthen und Marine Le Pen – vor dem Mailänder Dom den Schutz der heiligen Patrone Europas und der Jungfrau Maria anrief, brandete in der Masse enthusiastischer Beifall auf. Den Rosenkranz in die Luft reckend, erklärte Salvini, er vertraue Italien dem unbefleckten Herzen der Heiligen Jungfrau Maria an, die seiner Partei – da sei er sicher – in den anstehenden Europawahlen den Sieg bringen werde.

Die Anrufung Gottes und der Heiligen hat in der Politik in den katholischen Ländern Europas eine lange Geschichte. Immer wieder haben katholische Parteiführer in Europa Gott öffentlich um die Unterstützung ihrer Arbeit, um den Schutz ihres Heimatlandes und die Errettung ihres Volkes gebeten. Das war auch vor 450 Jahren schon so. Vor der Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571 riefen Philipp II. von Spanien, Papst Pius V. und Don Juan de Austria Gott und die Jungfrau Maria um Hilfe gegen die Muslime an und forderten die Katholiken auf, den Rosenkranz zu beten. Obwohl die Heilige Liga militärisch unterlagen war, gewann sie die Schlacht. Zum Dank wurde ein Jahr später das Rosenkranzfest eingeführt, das die katholische Kirche bis heute feiert.

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Polens Kirche gründet Ausbildungszentrum für Exorzisten

Image: Matt Anderson/Friendly Atheist

Polen stellt mit 120 Exorzisten nach Italien das zweitgrößte Aufgebot an katholischen Priestern mit Exorzisten-Ausbildung

derStandard.de

Die katholische Kirche in Polen wird ein nationales Ausbildungszentrum für Exorzisten gründen. Das neue Zentrum im schlesischen Kattowitz (Katowice) solle die mit Exorzismen beauftragten Priester noch umfassender vorbereiten, kündigte laut Kathpress der Bischof von Oppeln (Opole), Andrzej Czaja, am Rande der Vollversammlung der Polnischen Bischofskonferenz im niederschlesischen Waldenburg (Walbrzych) an.

Theologen und Psychologen arbeiteten zudem an einem Dokument, das Exorzisten bestimmte Handlungen untersagen solle. Czaja leitet die zuständige Kommission für die Glaubenslehre der Bischofskonferenz. Polen stellt mit etwa 120 Exorzisten nach Italien das zweitgrößte Aufgebot an katholischen Priestern mit einer speziellen Exorzisten-Ausbildung.

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Rechtspopulismus: Vaterland unser

Berliner Hedwigs-Kathedrale. Themenbild. Bild: bb

Bisher unbeachtet: Aber ein Blick auf die EU-Wahlergebnisse zeigt, dass der Rechtspopulismus seine extremen Ergebnisse in katholischen Ländern erzielen konnte.

Von Christian Thomas | Frankfurter Rundschau

Es war nicht der erste Wahlsonntag, an dem das Kreuz zum politischen Repertoire gehörte. Und Matteo Salvini war nicht der erste Rechtsextremist, der, um sich in der Rolle des von Gott gesendeten Retters zu zeigen, am siebten Tag zum Kruzifix griff. Als Italiens Innenminister es in seiner Männerhand zeigte, es in seiner Faust zum Mund führte. Es, sein Kruzifix, küsste.

„Der da oben“, wies der Demagoge auf zum Himmel über Mailand, habe geholfen. So also begab es sich am EU-Wahlabend. Ein sich ständig als starker Mann offenbarender Machtmensch, der sich als demütiger Mensch zeigte. Gottgesandt, wie es auch die Renaissancefürsten zu tun pflegten. Eben das alte Repertoire. Der da oben habe nicht nur ihm, nicht nur der eigenen Partei, vielmehr Italien geholfen. Und, so Salvini, Europa obendrein.

Göttlicher Segen als historischer Fakt? Wohl eher eine Fiktion, wie sie typisch ist für die Willenslenkung und Gefühlspolitik des Populismus. Dagegen hängt man als Beobachter und EU-Bürger keiner Fiktion an, wenn man sagt: Italien, Frankreich, Österreich, Polen. Die Gemeinsamkeit nach den EU-Wahlen ist nur zu offensichtlich. Die rechtsnationalistischen und populistischen Parteien haben in diesen Ländern enorme Stimmengewinne erbeutet. In Frankreich erzielte das rechtsextreme Lager mit über 23 Prozent mehr als die Liberalen des Präsidenten Macron, in Polen kamen die Rechtskonservativen auf 45,6 Prozent. In Italien erreichten die rechtspopulistische LN 34,3 Prozent, zusammen mit den 17,1 Prozent, die die Fünf Sterne wählten, votierte mehr als das halbe Italien europafeindlich. Der rechte Populismus hat die parteipolitische EU-Karte tief blau eingefärbt.

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Nach der Europawahl: «Die starke AfD in Ostdeutschland zeigt, wie gespalten das Land ist»

Der Politologe Hans Vorländer von der TU Dresden. (Bild: Jürgen Heinrich / Imago)

Von zwei Deutschlands, die nicht vergehen wollen, spricht der Dresdner Politologe Hans Vorländer. Nach der jüngsten Europawahl ist für ihn klar, dass die AfD ihre Wählerbasis verstetigt hat. Bis zu 30 Prozent der Bevölkerung in Ostdeutschland fühlten sich fremdbestimmt, sagt Vorländer im Gespräch mit der NZZ.

Christoph Eisenring | Neue Zürcher Zeitung

Fast jeder Fünfte war 2005 im ostdeutschen Bundesland Sachsen arbeitslos. Zuletzt waren es lediglich noch 5,5 Prozent – eine enorme Verbesserung. Und dennoch war bei der jüngsten Europawahl die nationalistische Alternative für Deutschland (AfD) in dem Bundesland vor der CDU die stärkste Partei. Schon bei der Bundestagswahl im Herbst 2017 hatte die AfD die CDU knapp überflügelt. Allgemein erreichte die AfD im Osten rund 20%, in Westdeutschland blieb sie einstellig, mit Ausnahme Baden-Württembergs (genau 10%). Das erstaunt auf den ersten Blick, geht es den Ostdeutschen wirtschaftlich doch besser als den Bewohnern anderer ehemaliger Ostblockstaaten und auch im Vergleich mit der eigenen (DDR-)Vergangenheit. Doch die Referenzgrösse, mit der sich die Ostdeutschen vergleichen, sei Westdeutschland, sagt der Politologe Hans Vorländer von der TU Dresden im Gespräch. Bei der Wirtschaftsleistung pro Kopf klafft hier immer noch eine Lücke von gut einem Fünftel. Dabei wird allerdings ausgeblendet, dass die Lebenshaltungskosten im Osten Deutschlands geringer sind, weshalb die reale Differenz kleiner ist.

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Flucht aus Norwegen: Staatsaffäre um ein kleines Mädchen

Polen hat einer Frau, die aus Norwegen geflohen ist, Asyl gewährt: Silje Garmo hatte Angst, dass der Staat ihr das Kind wegnimmt.

kath.net

Polen hat einer Frau, die aus Norwegen geflohen ist, Asyl gewährt. Silje Garmo hatte Angst, dass der Staat ihr das Kind wegnimmt. Der Fall, der schon zwei Jahre zurückliegt, wird jetzt von der „Zeit“ thematisiert. Laut der Zeitung ist der Fall sehr einmalig, weil Polen normalerweise kaum Asyl gewährt. In dem Fall wurden aber laut dem polnischen Staat in Norwegen Menschenrechte verletzt. Garmo lebt inzwischen in der Nähe von Warschau. Die Mutter richtet schwere Vorwürfe an Norwegen. Der norwegische Staat habe sie erpresst und bedroht. Sie habe keine andere Wahl gehabt. In der Kritik steht der norwegische Kinderschutzdienst Barnevernet, der laut Garmo das Leben ihrer Familie zerstört habe. Dieser wollte ihr das Baby ohne Anlass und ohne Grund wegnehmen. „Diese Behörde macht, was sie will“, erzählt sie gegenüber der „Zeit“. Der Kinderschutzdienst steht seit Jahren in der Kritik. Immer wieder behaupten Eltern, dass ihnen ohne Grund oder wegen Nichtigkeiten die Kinder weggenommen wurden. 2016 gab es in Oslo sogar eine Demonstration von Eltern gegen die umstrittene staatliche Organisation, auch 170 Psychologen, Anwälte und Sozialarbeiter protestierten damals in einem offenen Brief.

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Umfrage nach Missbrauchsfilm in Polen: Rücktritte der Bischöfe gefordert

Symbolbild Kindesmissbrauch: Teddybär in einer Kirchenbank © Harald Oppitz (KNA)

Internetdoku löste in Polen Entsetzen aus. Eine Umfrage hat jetzt ergeben, dass mehr als die Hälfte der Befragten den Rücktritt der Bischöfe fordert. Die Schuld liege nicht nur bei den Einzelnen sondern insbesondere auch bei der Institution.

DOMRADIO.DE

Angesichts der Missbrauchskrise haben sich in einer Umfrage 54 Prozent der Polen für einen Rücktritt der katholischen Bischöfe des Landes ausgesprochen. 20 Prozent lehnten dies hingegen ab, wie eine von polnischen Medien am Montag veröffentlichte Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Pollster ergab. Die restlichen 26 Prozent trauten sich demnach noch keine Aussage zu.

Kein Vertrauen in die Kirche

Ein vor gut einer Woche im Internet veröffentlichter polnischer Dokumentarfilm über sexuellen Kindesmissbrauch durch Priester und die Vertuschung solcher Verbrechen durch die katholische Kirche hatte in Polen Entsetzen ausgelöst. 54 Prozent der befragten rund 1.100 Erwachsenen gaben demnach an, der Kirche nicht zu vertrauen.

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Für eine Mehrheit der EU-Bürger ist der Zerfall der EU in 10-20 Jahren wahrscheinlich

Bild: pxhere.com/CC0

Nach einer Umfrage hält es sogar ein Drittel für realistisch, dass ein Krieg zwischen EU-Staaten möglich ist

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Geht man nach einer Umfrage, die YouGov im Auftrag des European Council on Foreign Relations (ECFR) im März in 14 EU-Ländern hat durchführen lassen, ist die Stimmung nicht sonderlich gut. Eine Mehrheit der Menschen in Österreich, Tschechien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, Polen, Rumänien, der Slowakischen Republik, Spanien, Schweden und Ungarn glaubt, dass es die EU in den nächsten 10-20 Jahren sowieso nicht mehr geben wird. Die Briten wurden leider nicht gefragt.

Die Slowaken sind am pessimistischen – oder am optimistischen? Zweidrittel gehen davon aus, dass die EU in 10-20 Jahren „realistisch“ gesehen zerfallen wird. Aber auch 58 Prozent der Franzosen und 57 Prozent der Rumänier, Polen und Italiener sind dieser Meinung. In Deutschland und Österreich vermutet dies jeweils die Hälfte. Nur in Schweden, Dänemark und Spanien sieht keine Mehrheit die EU am Zerfallen, aber auch hier sind diejenigen eine Minderheit, die das für unrealistisch halten.

Gefragt wurde auch nach der Stimmung der Menschen gegenüber der Zukunft. Am häufigsten genannt wurden: gestresst, ängstlich und optimistisch. Der Stress überwog bei den Italienern, Griechen und Ungarn, die Angst war bei den Franzosen, Slowaken und Tschechen am größten, in den anderen Ländern war Optimismus am stärksten. Den Dänen und Schweden geht es am besten, sie fühlen sich glücklich bzw. sicher. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass es ihnen finanziell am besten zu gehen scheint. Fast die Hälfte sagt, sie hätten am Monatsende noch Geld übrig, im Durchschnitt ist es ein Drittel wie in Deutschland, Österreich oder den Niederlanden. In Polen, Frankreich und Rumänien sind es weniger als ein Viertel und noch weniger in Ungarn oder gar in Griechenland.

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Polen: Schon über 7 Millionen Aufrufe für Missbrauchs-Film bei YouTube

Bild: © EpiskopatNews (Flickr), CC BY-NC-SA 2.0 (Archivbild)

Sie ist erst seit 48 Stunden online, wurde aber bereits von mehr als sieben Millionen Menschen angesehen: Die Missbrauchs-Doku „Nur sag es niemandem“ bewegt ganz Polen – und erhöht den Druck auf die katholische Kirche.

katholisch.de

Ein neuer Dokumentarfilm über sexuellen Kindesmissbrauch durch Priester erhöht in Polen den Druck auf die katholische Kirche. Die am Samstag im Internet veröffentlichte zweistündige Doku „Nur sag es niemandem“ des Regisseurs Tomasz Sekielski schauten sich in den ersten 48 Stunden nach Angaben der Videoplattform „YouTube“ mehr als sieben Millionen Menschen an. Der Vorsitzende der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jaroslaw Kaczynski, kündigte am Sonntag mit Blick auf den Film einen härteren Kampf gegen Pädophilie an.

Die Polnische Bischofskonferenz begrüßte den Film und bat erneut für den Kindesmissbrauch um Entschuldigung. „Im Namen der ganzen Bischofskonferenz möchte ich mich bei allen geschädigten Personen sehr entschuldigen“, sagte deren Vorsitzender, Erzbischof Stanislaw Gadecki. Er dankte dem Filmemacher für seine Arbeit. „Bewegt und traurig“ habe er sich Sekielskis Dokumentation angeschaut.

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Wann ist tot tot?

Grafik:TP

Während in Deutschland die Organspende zum Normalfall erklärt werden soll, wird in der Schweiz der Hirntod als Kriterium für den eingetretenen Tod angezweifelt

Christoph Jehle | TELEPOLIS

In Deutschland geht man zumeist davon aus, dass der Mensch mit dem Eintreten des Hirntodes sein Leben ausgehaucht hat, ein Bild, das im Übrigen aus dem Alten Testament stammt und als Geweihter Atem/Heiliger Geist die christliche Theologie bis heute beeinflusst, hatte doch der aus Lehm geformte Adam sein Leben erst durch das Einhauchen des göttlichen Atems erhalten. Mit dem Hirntod hat man in der europäischen Kultur den Tod eines Menschen definiert, auch wenn es heute möglich ist, viele lebenswichtige Körperfunktionen mit externen Mitteln anzusteuern, so dass sogar eine hirntote Frau ein gesundes Kind zur Welt bringen kann

In Deutschland will man auf der Basis der Definition des Hirntods jetzt die Entnahme von Organen zum Zwecke der Transplantation erleichtern, indem man auf die mit einem Testament vergleichbaren Einwilligung zu Organentnahme verzichten, die Organspende zum Normalfall erklären und für ihre jeweilige Ablehnung eine aktive Erklärung fordern will. Diese Widerspruchsregelung hat einigen Widerspruch herausgefordert. Dagegen gibt es in der Schweiz eine Ärzteinitiative, welche dafür plädiert, die Organentnahme bei Hirntoten zu verbieten.

Die erste Herztransplantation gelang dem südafrikanischem Chirurgen Christiaan Barnard am 3. Dezember 1967 im Groote-Schuur-Krankenhaus in Kapstadt. Zwar überlebte der 53 Jahre alte, aus Litauen stammende Gemüsehändler Louis Washkansky die Operation nur um 18 Tage, dies galt jedoch damals als großer Erfolg der Transplantationsmedizin. Das Herz stammte von der 25-jährigen Bankangestellten Denise Ann Darvall, die bei einem Verkehrsunfall tödliche Hirnverletzungen erlitten hatte.

Ihr Vater gab die Zustimmung für die Entnahme des Herzens. Das war damals vergleichsweise unbürokratisch möglich. Inzwischen lässt sich die Abstoßung eines transplantierten Organs besser vermeiden und somit hat sich die Lebenserwartung der Menschen, welchen ein Organ eingepflanzt wird, deutlich erhöht. Und mit der Operationsroutine nahm auch die Zahl der Transplantationen zu, was manchen Organempfängern ein neues Leben nicht nur versprochen, sondern auch ganz praktisch ermöglicht hat. Und wer Menschen kennt, deren Weiterleben von einem gespendeten Organ abhing, kann einschätzen, welche Bedeutung die Organspende für diese Menschen hat.

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Kirche in Polen kritisiert Bücherverbrennung durch Geistliche: „Diese Form ist unpassend“

In Polen hat eine von Priestern organisierte Bücherverbrennung heftige Reaktionen ausgelöst. Harsche Kritik kommt von der katholischen Kirche selbst. Die Zeit der Bücherverbrennungen sei lange vorbei.

DOMRADIO.DE

Katholische Priester haben nach einer Messe in Danzig Bücher und andere angeblich mit Okkultismus verbundene Gegenstände verbrannt. Die von Pfarrer Rafal Jarosiewicz geleitete Stiftung „SMS vom Himmel“ hatte zu der Aktion aufgerufen und Bilder der brennenden Objekte in den Sozialen Netzwerken veröffentlicht.

Dies sorgte am Dienstag für Kritik auch von kirchlicher Seite. Polnische Medien zogen Parallelen zu Bücherverbrennungen durch die Nationalsozialisten in Deutschland.

„Sache ist sehr umstritten“

„Die Zeit der Bücherverbrennungen ist lange vorbei“, sagte Ireneusz Bradtke dem Sender Radio Gdansk. „Die Sache ist sehr umstritten“, so der Geistliche. Auch das Bistum Köslin-Kolberg (Koszalin-Kolobrzeg), in dem 2012 die Stiftung „SMS vom Himmel“ gegründet wurde, missbilligte die Verbrennung.

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Erzdiözese Krakau kritisiert Missbrauchsbericht von Opferverein

Opferverein „Habt keine Angst“ beschuldigt Krakauer Erzbischof Jedraszewski sowie 23 amtierende und ehemalige Bischöfe, Missbrauchstäter gedeckt zu haben.

kath.net

Die Erzdiözese Krakau hat den Bericht eines polnischen Opfervereins über sexuellen Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche kritisiert. Der Papst Franziskus am Mittwoch im Vatikan übergebene Bericht enthalte „unwahre und manipulierte Informationen“, heißt es in einer am Samstag veröffentlichten Erklärung. Darin gibt die Erzdiözese jedoch nicht an, welche Schilderungen in dem Bericht falsch seien.

Erzbischof Marek Jedraszewski lege „besonderen Wert auf die gründliche, zuverlässige, gerechte Prüfung von eventuellen Anschuldigungen des sexuellen Missbrauchs gegen Priester“, wird in der schriftlichen Stellungnahme betont. Er engagiere sich vollkommen für die Etablierung von Mechanismen für die Prävention von Missbrauch und die Verteidigung von Opfern. Anlaufstellen für Betroffene und ihre Angehörigen nenne die Erzdiözese etwa prominent auf seiner Internetseite, hieß es.

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CO2-Konzentration in der Atmosphäre wird auch 2019 weiter ansteigen

Voraussage des Anstiegs der CO2-Konzentration in der Atmosphäre 2019. Bild: Metoffice.gov.uk

2018 haben die CO2-Emissionen weiter zugenommen, die britische Wetterbehörde erwartet auch in diesem Jahr eine beunruhigende Rekordzunahme der CO2-Konzentration

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Das Umweltbundesamt berichtete vergangene Woche, dass die Treibhausgasemissionen 2017 in Deutschland leicht gesunken seien. Mit 906,6 Millionen Tonnen seien es 4,4 Millionen oder 0,5 Prozent weniger als 2016 und 27,5 Prozent weniger als 1990. Eigentlich müssten bis 2030 die Emissionen um 55 Prozent weniger geworden sein. Angestiegen sind aber die verkehrsbedingten Emissionen, sie liegen 2 Prozent über dem Wert von 1990. Schuld seien mehr Fahrzeuge, mehr Güter auf der Straße und immer größere und schwerere Autos. EU-weit sind nach Schätzungen der EU-Umweltbehörde die Emissionen allerdings um 0,6 Prozent angestiegen, vor allem in Spanien, Polen und Frankreich, während den größten Rückgang Dänemark, Finnland und Großbritannien verzeichneten.

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AfD-Mitarbeiter im Bundestag nach Berichten über Anschlag entlassen

Manuel Ochsenreiter weist den Vorwurf laut Berichten als „frei erfunden“ zurück. Quelle: picture alliance / dpa

Drei Polen sollen in der Ukraine einen Terroranschlag durchgeführt haben. Diese Staatsaffäre erreicht nun den Deutschen Bundestag. Markus Frohnmaier von der AfD trennt sich von einem engen Mitarbeiter – die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Von Alexej Hock, Uwe Müller, Pavel Lokshin | DIE WELT

Aussagen von AfD-Politikern haben mitunter eine kurze Halbwertszeit. Zuletzt hat sich das am Beispiel des Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier gezeigt. Am Montag dieser Woche schwor er seinem umstrittenen Mitarbeiter Manuel Ochsenreiter noch die Treue.

Der war in die Schlagzeilen geraten, weil ihm vorgeworfen wird, Drahtzieher eines Brandanschlags in der Ukraine zu sein, dessen Ziel es offenbar war, das Land zu destabilisieren.

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Polen und Ungarn blockieren „erfolgreich“ die „LGBTIQ-Rechte“ in der EU

Die Repräsentanten der beiden Länder legten gegen die Aufnahme des Akronyms „LGBTIQ“ in eine gemeinsame Erklärung der Minister für Arbeit und Soziales Veto ein.

kath.net

Polen und Ungarn haben die Aufnahme von „LGBTIQ-Rechten“ in eine gemeinsame Erklärung der Europäischen Union blockiert. Darüber berichtete „LifeSiteNews“. Die Repräsentanten der beiden Länder legten gegen die Aufnahme des Akronyms „LGBTIQ“ in eine gemeinsame Erklärung der Minister für Arbeit und Soziales, die „die Gleichstellung der Geschlechter im digitalen Zeitalter“ fördern soll, Veto ein. Damit verärgerten sie nach Darstellung von „LifeSiteNews“ andere EU-Mitgliedsstaaten. Zwar fügte dann Österreich dem Dokument in seiner jetzigen Funktion als Inhaber der Präsidentschaft des Europäischen Rates einen Hinweis auf „LGBTIQ“ hinzu. Dieser Zusatz wird jedoch nur als „Schlussfolgerungen des Präsidenten“ eingestuft, die nicht die rechtliche Bedeutung von formellen Schlussfolgerungen des Rates haben. Die offiziellen Schlussfolgerungen des EPSCO-Rates beziehen sich jetzt nur noch auf „Gleichstellung der Geschlechter, Jugend und Digitalisierung“.

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Ausgewiesen! Berlin, 28.10.1938

Nürnberg, Ausweisung polnischer Juden. Bild: Bundesarchiv, Bild 146-1982-174-27 / Großberger, H. / CC-BY-SA 3.0

In diesen Tagen jährt sich zum 80ten Mal eine weitgehend vergessene Aktion, mit der NS-Deutschland die Grenzen des Unrechts austestete. Heute, wo der Faschismus für die Märkte wieder eine Option ist, ist es notwendig, sich zu erinnern.

Peter Nowak | TELEPOLIS

„Die Aktion wurde von der Polizei mit großer Brutalität durchgeführt. Den unglückseligen Opfern wurde kaum Zeit gelassen, ihre Bündel mit den dürftigen Habseligkeiten zusammenzupacken…. Mütter mit kleinen Kindern stolperten und vielen die Treppe hinunter. Gepäckstücke, notdürftig in Minutenfrist zusammengebündelt, fielen auseinander und gossen ihren Inhalt über die Straße. Greise und Krüppel wurden roh in die bereitgestellten Polizeiautos gestoßen. Es war ein Bild des Grauens.“

So beschrieb ein Betroffener eine Judendeportation, die sich in diesen Tagen zum 80ten Mal jährt und doch in der Geschichtsschreibung und der öffentlichen Aufmerksamkeit weitgehend vergessen ist.

Es handelt sich um eine Aktion, die mit der falschen Bezeichnung „Polenaktion“ in die Geschichte einging, der Begriff wird heute mit Recht nur noch in Anführungsstrichen gesetzt. Denn es war das NS-Regime, das am letzten Oktoberwochenende 1938 über 17.000 Menschen aus ihren Wohnungen verschleppte und an die polnische Grenze deportierte. Die oben zusammengefasste Schilderung von Abraham Szanto zeigt deutlich, mit welcher Brutalität und Menschenverachtung diese Deportation von den willigen deutschen Vollstreckern ins Werk gesetzt wurde.

Betroffen waren vor allem jüdische Migrantinnen und Migranten, die aus Polen nach Deutschland eingereist waren. Für viele war Berlin ein Sehnsuchtsort, auch wenn sie dort überwiegend ein sehr kümmerliches, heute würde man sagen: prekäres Leben hatten, zogen viele es doch der Armut und den Verfolgungen in den osteuropäischen Ländern vor. Deswegen war Berlin der Ort, von dem vor 80 Jahren ein Großteil der Menschen deportiert wurde. Aber auch aus vielen anderen größeren und kleineren Orten Deutschlands wurden die Jüdinnen und Juden an die polnische Grenze deportiert.

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Katholische Kirche in Polen – Endlich wird das (numinose) Böse bemerkt

Der Film „Klerus“ bricht Besucherrekorde in Polen. (imago stock&people)

Sexueller Missbrauch durch katholische Geistliche war in Polen bis vor kurzem kein öffentliches Thema. Der Film „Klerus“ bricht nun das Schweigen. Die Bischofskonferenz hat für Ende November einen Bericht über das Ausmaß der Straftaten angekündigt.

Von Jan Opielka | Deutschlandfunk

„Kler“ – der Klerus, so heißt der Spielfilm des polnischen Regisseurs Wojciech Smarzowski, der derzeit an der Weichsel hohe Wellen schlägt. Das Werk prangert das zwielichtige Finanzgebaren der katholischen Kirche und Verstrickungen mit der Politik ebenso an wie den Kindesmissbrauch durch Geistliche. Vor allem Letzteres ist nun großes Thema, der Begriff „Pädophilie“ in aller Munde, auch wenn dies freilich das hinter dem Missbrauch stehende, strukturelle Machtsystem etwas verdeckt. Die Kirchenführung im Land, die anders als die Deutsche Bischofskonferenz bislang keine umfassende Untersuchung eingeleitet hat, ist in der Defensive.

Endlich, sagt die Soziologin Jolanta Klimczak von der Schlesischen Universität in Kattowitz, kämen die lange Zeit marginalisierten Themen Missbrauch und die Mechanismen missbrauchter Macht zur Sprache.

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Missbrauch in der Kirche: Ein Kinofilm, der den Tabubruch wagt

Regisseur Wojciech Smarzowski spricht vor der Polen-Premiere seines Spielfilm «Kler» (übersetzt: Klerus). Bild: Stach Leszczynski/PAP/dp

Sexueller Missbrauch durch katholische Priester war in Polen bislang nicht thematisiert. Ein Kinofilm bricht nun das Schweigen und empört viele Geistliche.

Von Gerhard Gnauck | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ein Tabu ist gebrochen, ein Land ist in Aufruhr. Die Debatte über Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche zieht in Polen immer weitere Kreise. Mit seinen fast 90 Prozent Katholiken galt das Land bisher als eine der treuesten Töchter der römisch-katholischen Kirche.

Diese Institution war – als Polen geteilt war, dann unter deutscher und sowjetischer Besatzung und schließlich in gut vier Jahrzehnten Kommunismus – die oberste Autorität, Wahrer der nationalen Identität und bis 1989 sogar eine Trutzburg, in deren Mauern frei diskutiert werden konnte. Wahrer der Identität: In dieser Rolle sehen viele Geistliche ihre Kirche auch heute.

Auch die nationalkonservative Regierungspartei PiS sieht die Kirche in dieser Funktion. Umgekehrt kann die PiS auf die wohlwollende Unterstützung eines großen Teils der kirchlichen Hierarchie zählen.

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«Mein Bauch gehört mir» war gestern

Abtreibungsgegner (vorne) und Aktivistinnen für eine freie Wahl («free choice») (hinten) bringen ihre Anliegen auf Deutschlands Strassen. (Bild: Imago)

Ein umstrittener Paragraf hat in Deutschland eine Debatte über die Selbstbestimmung der Frau entfacht. Das hat auch mit dem Erstarken der Neuen Rechten zu tun.

Valerie Zaslawski | Neue Zürcher Zeitung

Die Gebärmutter ist erneut zum Schlachtfeld geworden: Nicht nur in den USA oder in Polen, auch in Deutschland wird seit einigen Monaten wieder über den Schwangerschaftsabbruch gestritten. Dabei zanken Christen mit Feministinnen und debattieren Anhänger der AfD mit Roten und Grünen darüber, was höher zu gewichten sei: das Recht auf Leben eines Ungeborenen oder die Selbstbestimmung der Frau. Im Zentrum der Debatte steht der Paragraf 219a. Dieser verbietet Werbung beziehungsweise Information über Schwangerschaftsabbrüche. Cornelia Möhring, die für die Linke im Bundestag sitzt, möchte ihn abschaffen: «Schwangerschaftsabbrüche müssen endlich aus der Tabuzone geholt werden, denn sie sind schon lange Realität.» Im vergangenen Jahr gab es rund deren 100 000. Straffrei sind sie allerdings nur unter bestimmten Umständen (siehe Zusatz).

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