Die gefährlichen Konfliktlinien im Windschatten des Anti-IS-Kampfs

Im irakischen Kirkuk hält ein Vertreter der irakischen Regierung (wahrscheinlich ein iranischer Milizionär) grinsend die kurdische Fahne nach unten – als Zeichen des Sieges gegen den Peschmerga Quelle: REUTERS
Die Zerschlagung des IS in Syrien und im Irak hat den Frieden in der Region nicht näher gebracht. In Syrien und Irak brechen andere Konflikte aus. Besonders ein Land ist Zielscheibe.

Von Richard Herzinger | DIE WELT

In Syrien und im Irak scheint die Horrormiliz IS militärisch weitgehend besiegt. Und vor allem infolge der massiven Militärintervention Russlands und eines gnadenlosen Kriegs gegen die eigene Bevölkerung steht nun fest, dass das mörderische Regime Baschar al-Assads in Damaskus an der Macht bleibt, kontrolliert es doch weitgehend unangefochten wieder weite Teile Syriens.

Vom Frieden, schon gar von einem gerechten, ist die Region aber nach wie vor weit entfernt. Denn die Fixierung auf den Kampf gegen das monströse „Kalifat“ des IS und auf die falsche Alternative „Assad oder die Dschihadisten“ hat verdeckt, welche vielfältigen und verwirrenden Konfliktlinien sich im Verlauf vor allem des syrischen Krieges aufgebaut haben.

weiterlesen

Islamismus: Die Blutspur des Propheten

Von Kurt Westergaard
Von Kurt Westergaard
Von den Muslimbrüdern bis zu Isis: Der islamistische Terror verläuft an der Scheidelinie von Sunniten und Schiiten. Die Geschichte einer Entzweiung, die die Welt des 21. Jahrhunderts vor ihre bisher größte Herausforderung stellt.

Von Gilles KepelCicero

Der „Islamische Staat“ marschiert. Die sunnitischen Dschihadisten von IS, die sich bisher Isis nannten, haben die Vororte von Bagdad in Angriff genommen. Leichen pflastern ihren Weg. Die vielen Morde an schiitischen „Apostaten“ sind eine erstaunliche und erschreckende Folge jener großen Bewegung der arabischen Revolutionen, die im Frühling 2011 für so viel Begeisterung bei den Demokraten der ganzen Welt gesorgt haben. Vergessen wir aber nicht: Die IS-Gräuel finden in einer Zeit erdbebenartiger Veränderungen des geopolitischen Gleichgewichts im Mittleren Osten statt, dessen Umrisse auf die beiden großen Weltkriege im 20. Jahrhundert zurückgehen. Zu den tektonischen Verschiebungen zählt die Gründung eines kurdischen Staates im Juni dieses Jahres. Seine Truppen haben die Kontrolle über die irakische Stadt Kirkuk übernommen, von wo aus Öl in die Türkei exportiert werden kann. Nun fehlt ihm nur noch ein Sitz bei den Vereinten Nationen. Der Kurdenstaat ist jedoch nur eine der vielen Verschiebungen. Man sollte sie alle zusammen betrachten.

weiterlesen