Schlagwort-Archive: Religionsfreiheit

Türkei: Elende Verquickungen

Ein Grundrecht in eine „positive“ und eine „negative“ Variante einzuteilen, klingt leicht missverständlich. Bei der Religionsfreiheit geht es nicht etwa darum, ob sie etwas Gutes oder etwas Schlechtes sei. Vielmehr steht dem Recht auf die freie Wahl und Ausübung einer Religion das Recht gegenüber, von Religion und vom Zugriff religiöser Autoritäten verschont zu bleiben.

Von Joachim Frank | katholisch.de

Recep Tayyip Erdogan ist kein islamischer Funktionsträger, sondern nur Politiker. Doch für den Erhalt und den Ausbau seiner Macht setzt der türkische Präsident auch auf den Faktor Religion. In der Türkei gibt der Staat vor, was in den Moscheen zu predigen sei. Und dieser Staat, das ist in unschöner Anverwandlung absolutistischer Hybris: Erdogan. So bestimmt er auch in Deutschland längst über die Köpfe der Menschen, zumindest in den Hunderten Moscheegemeinden der Türkisch-Islamischen Union DITIB. Sie ist eine staatliche Akteurin im Gewand des deutschen Vereinsrechts.

Da fällt einem gleich die eine oder andere Metapher ein. Aber Vorsicht! Tierbilder nimmt der Despot am Bosporus ausgesprochen übel. Auf juristisch sicherem Terrain dürfte sich der Grünen-Religionspolitiker Volker Beck bewegen, wenn er sagt: „Die Verbände sind keine allein religiösen Verbände, sondern gewinnen ihr jeweiliges Profil aus nationalen und politischen Prägungen. Das ist unserem Religionsrecht fremd und problematisch unter dem Gesichtspunkt der Integration. Soll etwa die DITIB quasi als Unterbehörde des türkischen Religionsministeriums in Deutschland öffentliches Recht geltend machen und ausüben können? Ich denke, nein. Schließlich ist Türkischsein kein Glaubensbekenntnis.“

weiterlesen

Grüne: »Wir stehen für Pluralität«

Bettina Jarasch, Bild: IPON/imago
Vergangene Woche kritisierte der Göttinger Jurist Hans Michael Heinig das Grundsatzpapier der Grünen zur Religion. Jetzt antwortet die Leiterin der Kommission

Von Bettina Jarasch | Christ & Welt

Was genau hat Hans Michael Heinig an dem Bericht der grünen Kommission zu Religionsgemeinschaften, Weltanschauungen und Staat eigentlich so empört? Der Bericht sei »illiberal« und »paternalistisch«, propagiere eine »relativistische Leitkultur«, tue sich mit dem Wesen von Religion schwer und sei daher nicht in der Lage, mit den Herausforderungen einer multikulturellen Gesellschaft umzugehen. Das sind Vorwürfe, die uns als eine libertäre Partei hart treffen müssten – wenn sie denn zuträfen. Tatsächlich teilt der Heinig unsere Analyse der gesellschaftlichen Veränderungen und fordert als Konsequenz Positionen ein, die er im Text finden würde, wenn ihn nicht so offensichtlich etwas anderes umgetrieben und am gründlichen Lesen gehindert hätte.

Heinigs Vorwurf, der Bericht sei Ausdruck von Illiberalität, weise ich entschieden zurück. Es ist gerade der Freiheitsgedanke, der unseren Bericht trägt. Wir verstehen Religionspolitik als Politik für Freiheit und Pluralität. Deshalb ist für uns die Verwirklichung der Religions- und Glaubensfreiheit in allen ihren drei Dimensionen maßgeblich: als individuelle Freiheit zum Glauben ebenso wie als Freiheit vom Glauben und als kollektive Freiheit, den gemeinsamen Glauben öffentlich und sichtbar zu leben.

weiterlesen

Volker Kauder: „Muslime gehören zu Deutschland – der Islam nicht“

Volker Kauder: Nichts ist wichtiger als Religion (= Christentum)

Natürlich dürften in Deutschland Moscheen mit Minaretten gebaut werden, sagt Unions-Fraktionschef Kauder und wendet sich gegen den Anti-Islam-Kurs der AfD. Aber in einem Punkt stimmt er der Partei zu.

DIE WELT

Die rund vier Millionen Muslime hierzulande gehören nach Ansicht von Unions-Fraktionschef Volker Kauder „ganz klar“ zu Deutschland – der Islam aber nicht. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte der CDU-Politiker, Muslime dürften nicht ausgegrenzt werden, „so wie dies im Augenblick die Rechtspopulisten betreiben“. Sie genössen wie die Angehörigen anderer Glaubensrichtungen Religionsfreiheit. „Natürlich dürfen daher Moscheen mit Minaretten gebaut werden.“

weiterlesen

AfD-Grundsatzprogramm teilweise „klar verfassungswidrig“

Parteitag AfD nimmt Ablehnung von Islam ins Grundsatzprogramm auf (Video: Reuters, Foto: REUTERS)
Die AfD will Minarett und Muezzin verbieten – und vergisst dabei, dass das Grundgesetz allen Religionsfreiheit gewährt. Rechtswissenschaftler Joachim Wieland über das Grundsatzprogramm.

Interview von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Im Grundsatzprogramm, das die Alternative für Deutschland (AfD) am Wochenende beschlossen hat, finden sich etliche Punkte, die Kritiker für unvereinbar mit dem Grundgesetz halten. Vor allem, wo es um den Islam geht, sagt Joachim Wieland. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Finanz- und Steuerrecht der Universität Speyer.

SZ: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, behauptet die AfD in ihrem Grundsatzprogramm. Außerdem heißt es dort: „Ein orthodoxer Islam, der unsere Rechtsordnung nicht respektiert oder sogar bekämpft und einen Herrschaftsanspruch als alleingültige Religion erhebt, ist mit unserer Rechtsordnung und Kultur unvereinbar.“ Lässt sich eine solche Aussage mit dem Grundgesetz vereinbaren?

Joachim Wieland: Jede Religion hat das Grundrecht auf Religionsfreiheit. Das stößt erst dann auf Einschränkungen, wenn eine Religion tatsächlich konkret versucht, die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu unterwandern. Wenn also unter dem Deckmantel der Religion versucht wird, die verfassungsrechtliche Ordnung zu beseitigen, dann darf der Staat sich wehren.

Das lässt aber nicht umgekehrt die Aussage zu, dass wir eine Religion per se nicht zu respektieren bräuchten, weil wir sie so verstehen. Und eine Religion muss selbst nicht demokratisch aufgebaut sein. Das ist die katholische Kirche auch nicht.

weiterlesen

„Religionsfreiheit ist hohes Gut“

coexist

Unter dem Protest von Gegendemonstranten hat die AfD ihren Parteitag begonnen. Die rechtspopulistische Partei berät in Stuttgart über ihr Grundsatzprogramm.

evangelisch.de

Der Bundesvorsitzende der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD), Jörg Meuthen, hat die Religionsfreiheit als hohes Gut und Bestandteil der deutschen Kultur bezeichnet. Muslime hätten wie Christen in Deutschland das Recht, ihren Glauben zu leben – unter vollständiger Einhaltung der Gesetze, sagte Meuthen beim AfD-Bundesparteitag am Samstag in Stuttgart. Deutsche Leitkultur sei allerdings nicht der Islam, sondern die christlich-abendländische Kultur. Daher könnten die Rufe des Muezzin nicht denselben Stellenwert in Deutschland bekommen wie das Läuten von Kirchenglocken.

Meuthen, der zugleich AfD-Landesvorsitzender in Baden-Württemberg ist, betonte den Anspruch der AfD, eine Volkspartei zu sein, die die „Geschicke Deutschlands“ lenken wolle. Als neue konservative Größe werde sie Traditionen erhalten. Dies bedeute jedoch nicht, rückständig zu sein. Er sprach sich gegen eine „massenhafte und unkontrollierte Zuwanderung“ aus. Man wehre sich nicht gegen Menschen, die nach Deutschland kämen.“ Es sei eine „schiere Lüge“, der AfD Ausländerfeindlichkeit zu unterstellen. Allerdings wehre sich die Partei dagegen, dass „wir unser eigenes Land in ein paar Jahren nicht mehr wiedererkennen“.

weiterlesen

Warum alle Religionen Ideologien sind

Für Religionsvertreter sind Religion natürlich keine Ideologien, sondern irgendetwas Höheres. picture alliance
Nach den islamkritischen Aussagen der AfD wurde viel über die Grenze zwischen Religion und Ideologie diskutiert. Dabei besteht da kein Unterschied. Alle Religionen versuchen, das Handeln von Menschen steuern und damit in die Gesellschaft einzugreifen

Von Alexander Grau | Cicero

In Deutschland gibt es über Parteigrenzen hinweg einen unumstößlichen Grundkonsens. Er lautet: Religionen sind keine Ideologien. Und wer Religionen ideologisiert, missbraucht sie. Da ist man sich einig, von der AfD bis zu den Grünen.

Gestritten wird lediglich darüber, als was nun der Islam zu gelten hat. Ist er eine Ideologie oder eine Religion? Oder vielleicht eine Religion, die von manchen als Ideologie missbraucht wird?

Dass auch Religionen Ideologien sein könnten, politische noch dazu, scheint geradezu ausgeschlossen. – Wenn die ganze Debatte nicht so erschütternd wäre, könnte man anfangen zu lachen.

Ideologien sind immer politisch

Denn natürlich sind Religionen Ideologien. Alle. Ohne Ausnahme. Was sollten sie bitteschön sonst sein?

Schauen wir kurz auf den Begriff „Ideologie“: Ohne die Ideologiedebatte der letzten zweihundert Jahre langatmig zu rekapitulieren, kann man vielleicht sagen: Eine Ideologie ist ein System von Überzeugungen (Ideen), deren Wahrheitsanspruch sich jeder Überprüfung entzieht. Ideologen erheben Aussagen, die bestenfalls subjektive Gültigkeit haben können, zu objektiven und allgemeingültigen Tatsachen. In der Regel handelt es sich dabei um Werte oder Normen.

weiterlesen

Die Parallelwelt der Moscheen gehört ausgeleuchtet

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Spät, vielleicht zu spät gerät die ferngesteuerte Welt der islamischen Gebetshäuser in den Fokus der deutschen Öffentlichkeit. Musste dafür erst die AfD sorgen? Der deutsche Staat ist wehrhaft genug.

Von Torsten Krauel | DIE WELT

Die Moscheen überwachen? Volker Kauder möchte mit seinem Vorschlag sicherstellen, dass manche islamische Staaten, manche islamische Bewegungen begreifen: Diese Republik lässt nicht alles mit sich machen. Extremistisch verrufene, überwachte Moscheen gibt es überall in Deutschland, gerade auch in Berlin. Sie stehen deshalb im Visier der Sicherheitsbehörden. Der Staat ist keineswegs ahnungslos, was an manchen Orten gepredigt wird.

Aber der Fraktionschef der Unionsparteien hat mit seinem Vorschlag nicht nur die Gefahrenabwehr terroristischer Umtriebe im Sinn. Gemeint sind auch Moscheen, in denen türkische Imame predigen; Moscheen, die von der Türkei oder auch Saudi-Arabien finanziert werden. Überwacht werden soll, ob die Prediger zur Abkehr von der Republik aufrufen und in ihrem Weltbild das Grundgesetz hintanstellen.

weiterlesen

Wenn der Kölner Kardinal den Unterschied zwischen Kirchturm und Minarett nicht kennt

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Wenn Bischöfe den Islam hofieren, der Kölner Kardinal den Unterschied zwischen Kirchturm und Minarett nicht mehr erkennt und der EKD-Ratsvorsitzende Mitglied eines Moscheenbauvereins ist, ist das dramatisch.

Von Hubert Windisch | kath.net

Im Augenblick wird eine erregte Debatte über den Islam in Deutschland geführt. Auf den ersten Blick mag die Äußerung des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Dieter Grimm in der FAZ vom 22. April 2016 (kath.net berichtete), wonach die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre, grundgesetzlich irrelevant sei, beruhigend wirken. Jedoch nur auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen erkennt man in dieser Aussage einen einseitig rechtspositivistischen Ansatz, der rein formal von der grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit schon auf das Recht des Islams, in Deutschland Religion zu sein, schließt. Der Islam gehöre demnach zu Deutschland. Man müsse sich nur jeweils gegen extremistische Verformungen des Islams zur Wehr setzen. Denn nicht nur Islam und Islamismus seien zu trennen, sondern auch der Islam und die private Praxis dieser Religion seien zwei paar Stiefel.
Doch so einfach geht diese Gleichung nicht auf. Abgesehen davon, dass man mit Sorge beobachten muss, wie mit steigendem muslimischen Anteil in der Bevölkerung auch immer mehr grundgesetzliche Achtsamkeit gefordert ist, vergisst man dabei, grundsätzlich danach zu fragen, welche theoretischen bzw. ideologischen Grundlagen den Islam als Religion bestimmen. Jede religiöse Praxis hat ja eine theoretische Grundlage. Jede Religion hat Inhalte.

weiterlesen

Rainer Maria Woelki: „Wer Ja zum Kirchturm sagt, der muss Ja sagen zum Minarett“

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat die Aussage führender AfD-Politiker, wonach der Islam nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei, mit deutlichen Worten kritisiert.

RP ONLINE

„Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Eine ganze Religion, ja, eine der großen Weltreligionen wird hier in gehässiger Absicht an den Pranger gestellt“, sagte er am Sonntag auf domradio.de. Ein Blick ins Grundgesetz hätte gereicht, um festzustellen, dass in Deutschland Religionsfreiheit gelte. So dürfe niemand, weder Christen noch Muslime, aufgrund seines Glaubens diskriminiert oder verfolgt werden.

weiterlesen

Vielfältige Menschen zählen, nicht vielfältige Religionen

HumanismMitte April berichtete der Deutschlandfunk in seiner Sendung „Tag für Tag“ von einem französischen Projekt namens „Slam unterm Halbmond“, bei dem muslimische Jugendliche der Pariser Banlieues zu Rappern und Dichtern werden sollen. „Mit diesem Workshop reagieren wir auf ein Problem, das wir in den meisten Banlieues antreffen: Hier wachsen Kinder aus muslimischen Familien auf, die praktisch nichts über die philosophischen Grundlagen des Islams wissen. Sie gehen selten in die Moschee. Die Schule jedoch vermittelt kein Wissen über den Islam. Diese Lücke wollen wir füllen. Außerdem sollen sich die Jugendlichen persönlich ausdrücken, und zwar in einer Form, die sie mögen, nämlich Rap und Slam.“

Von Roger Letsch | Achgut.com

Nun ist gegen Rap und Slam als Ausdrucksformen nichts einzuwenden, aber warum müssen die Jugendlichen das im Zusammenhang mit ihrer Religion erfahren – und was geht dies den laizistischen französischen Staat an, dass er diese Art der Selbstfindung zum Nachhilfeunterricht in Koranfragen umdeklariert? Kaum zu glauben, dass in christlichen Gegenden Frankreichs oder Deutschlands Jugendliche aufwachsen, die noch nie von den philosophischen Lehren der frühen Kirchenväter Augustinus oder Benedikt von Nursia gehört haben und in einem Streitgespräch über die Thesen eines Thomas von Aquin jämmerlich versagen würden. Welche philosophischen Grundlagen müssen eigentlich Atheisten auf Verlangen aufsagen, um ihre Eignung als Bürger Frankreichs unter Beweis zu stellen? Es ist absurd.

Warum nicht die Religion einfach mal beiseite lassen?

Das christlich/abendländische Wissensfundament in Frankreich oder auch Deutschland ist im Durchschnitt nicht dicker als eine Hostie, warum wird dort nicht mit ordentlich Staatskohle Abhilfe geschaffen? Die Sektiererei in den Banlieues, ihre Absonderung vom Rest der französischen Gesellschaft wird durch die Betonung des genuin muslimischen nur noch verstärkt. Man belästigt die Jugendlichen mit ausgewählten Aspekten ihrer Religion, anstatt sie zu ermuntern, diese Religion einfach mal beiseite zu lassen, um endlich ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Wer nun glaubt, das sei ein französisches Problem, der schaue auf die Arbeit der Islam-Verbände in Deutschland, ihre Forderungen und ihre Wortmeldungen. Sylvie Forestier von „Slam unterm Halbmond“ beklagt, dass es „Immer mehr private Koranschulen“ gäbe und „…Frankreich Stellen und Geld für Sozialarbeiter, Erzieher und Vereine zusammenstreiche“. Privates Engagement und private Finanzierung ist in Frankreich für alle anderen Religionen eine Selbstverständlichkeit. Was ist anders am Islam, dass man ihn staatlich anleiten und in die richtige Richtung drücken muss?

weiterlesen

Jesuit will unter Muslimen für Christentum werben – auch in Raqqa?

islam_christentum

Der Islamwissenschaftler und Jesuit Christian Troll hat dazu aufgerufen, muslimische Flüchtlinge stärker für den christlichen Glauben zu interessieren. Es gehe dabei nicht um aggressive und aufdringliche Missionierung in Flüchtlingsunterkünften, sagte er im Interview von Radio Vatikan (Samstag). Vielmehr sollten Christen mit offenen Gesprächsangeboten die Menschen erreichen, die auf der Suche nach neuen spirituellen Antworten auf ihr Leben seien.

katholisch.de

Denn in einem Land wie Deutschland mit Religionsfreiheit „bestehe für Muslime erstmals die Möglichkeit, sich frei über Jesus und seine Lehre zu informieren, und damit haben sie nun erstmals die Chance, ungehindert in Weltanschauungsfragen eine eigene Entscheidung zu treffen“, so Troll. Allerdings sehe er da auf katholischer Seite noch viele Defizite. Katholiken müssten ihren Glauben stärker als Geschenk begreifen und den Wunsch haben, ihn weiterzugeben. Wenn es darum gehe, Menschen anzusprechen, die auf Bahnhöfen stünden und kaum Ansprechpartner fänden, „ja, wozu sind wir Katholiken da?“ Nach Trolls Beobachtung gibt es „erstaunlich viele junge nichtchristliche Flüchtlinge“, die sich für das Christentum interessieren und von sich aus an Christen herantreten. „Das ist bei einigen eindeutig die Suche nach der wahren Religion, die Suche, das Evangelium kennenzulernen.“

weiterlesen

Rechtsexperte: Glaube muss nicht mit Grundgesetz vereinbar sein

Keine der Weltreligionen könnte existieren, wenn sie ihre Inhalte an den jeweiligen Staatsverfassungen ausrichten müsste.

kath.net

In der Debatte um einen Anti-Islam-Kurs der AfD weist der frühere Verfassungsrichter Dieter Grimm darauf hin, dass Religionen nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sein müssen. Diese Frage sei müßig, schreibt er in einem Gastbeitrag in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Freitag). Mehrere AfD-Politiker hatten in den vergangenen Tagen betont, bestimmte muslimische beziehungsweise islamistische Positionen seien nicht mit dem Grundgesetz vereinbar.
Dies verlange das Grundgesetz gar nicht, betont Grimm. Die Religionsfreiheit gewährleiste vielmehr, «dass die Glaubensgemeinschaft den Inhalt ihres Bekenntnisses und die daraus folgenden Verhaltensanforderungen an die Gläubigen selbst bestimmt.» Keine der Weltreligionen könnte existieren, wenn sie ihre Inhalte an den jeweiligen Staatsverfassungen ausrichten müsste: So wäre auch der Katholizismus nicht mit dem Grundgesetz vereinbar, etwa durch das Heiratsverbot für Priester.

weiterlesen

Über Religionsfreiheit darf man nicht streiten

Davon träumt die AfD.Foto: dpa
Die AfD will mit Islamfeindschaft punkten. Der Islam sei mit dem Grundgesetz nicht vereinbar. Für die Union kann das nur heißen: Kontra geben, klare Kante zeigen. Ein Kommentar.

Von Malte Lehming | DER TAGESSPIEGEL

Die „Alternative für Deutschland“ hat sich von einer rechtspopulistischen Partei, die ins bürgerliche Milieu schielte, zu einer islamfeindlichen Partei gewandelt. Sie sitzt in einem Boot mit Le Pen, Geert Wilders und Donald Trump. Der Islam wird von führenden AfD-Vertretern pauschal als mit dem Grundgesetz nicht vereinbar bezeichnet, als ein „Fremdkörper“ in Deutschland. Auf ihrem Parteitag in zwei Wochen in Stuttgart soll der Anti-Islamkurs festgeschrieben werden. Symbole des Islam wie Minarette, den Ruf des Muezzins und die Vollverschleierung will man verbieten. Spätestens jetzt weiß jeder, woran er mit der AfD ist.

weiterlesen

Mehr Freisinn für Republik und Religionen!

coexist

Die Republik irrlichtert gegenüber Religionen, insbesondere dem Islam. Ein klarer liberaler Kurs setzt nicht auf eine „christlich-jüdische Leitkultur“, sondern auf den Kompass eines liberal-republikanischen Ethos. Religionsfreiheit im Rechtsstaat und öffentliche Religionskritik gehören als zivilisatorische Errungenschaft zusammen.

Von Christopher Gohl | The European

Die Angst vor dem Islam erregt die Gemüter derer, die eine angeblich „christlich-jüdische Tradition“ verteidigen. Im Takt eines Kulturkampfes zündeln hitzköpfige Aufwiegler mit Ängsten vor „dem Islam“. Rastlose Groß-Rauner wie Peter Sloterdijk nutzen die Konfusion, um das Land intellektuell nach rechts zu ruckeln. Und die im Bundestag vertretenen Parteien reagieren hilflos. Ihnen fehlt der selbstbewusste Kompass der inneren Liberalität.

Während die Merkel-CDU im Durchhalte-Duktus verkündet, der Islam gehöre zu Deutschland, profiliert sich die zahnlose Seehofer-CSU gegen Merkel mit rechten Parolen statt besseren Argumenten. Der Koalitionskellner SPD sucht noch nach erkennbar sozialdemokratischen Antworten, die Grünen stecken im Reflex des unbedingten Toleranzgebots gegenüber Migranten fest. Und die Linke vermutet hinter dem Islamismus zuverlässig das Werk des neoliberalen Westens selbst. Alle starren sie zusammen mit fasziniertem Ekel auf die AfD. Deren grimmiges Programm der Verteidigung des Abendlandes kanalisiert und kapitalisiert die Ängste vor muslimischen Männern am erfolgreichsten.

weiterlesen

Gott schwächelt – Taufe unter weltlichen Polizeischutz

Der evangelische Landesbischof Frank Otfried July (Mitte) und Hanna Josua (2. von links), Pfarrer der arabischen Gemeinde, leiten in der Stiftskirche die Taufzeremonie für die zum Christentum konvertierten früheren Muslime aus Syrien und dem Irak. Foto: Schiermeyer
Acht Flüchtlinge – frühere Muslime aus Syrien und dem Irak – sind zum Christentum übergetreten und haben sich im Ostergottesdienst der Stuttgarter Stiftskirche taufen lassen. Wegen ominöser Warnungen im Vorfeld musste sich die Polizei bereithalten.

Von Matthias Schiermeyer|STUTTGARTER ZEITUNG

Die Täuflinge haben uns heute beschenkt“, sagt der evangelische Landesbischof Frank Otfried July. „Sie haben uns daran erinnert, was es heißt, getauft zu sein.“ Für die Stuttgarter Stiftskirchengemeinde war der Ostergottesdienst ein ungewöhnliches Ereignis: Acht frühere Muslime aus Syrien und dem Irak – eine Frau und sieben Männer – haben sich taufen lassen und damit offen zum Christentum bekannt. Im Vorjahr hatte es in der Kooperation mit der arabischen Gemeinde schon ein ähnliches Fest gegeben, doch der am Ostersonntag von July und Pfarrer Hanna Josua geleitete Taufakt stand angesichts der Flüchtlingskrise und der terroristischen Bedrohung durch Islamisten unter ganz besonderen Vorzeichen.

weiterlesen

Religionsstreit an Unis über Gebetsräume

Diese Raumteiler mit Decken dienten laut Rektorat dazu, den Raum in einen größeren, hellen Bereich für Männer und einen kleineren dunklen Bereich für Frauen aufzuteilen. Foto: TU Dortmund
Diese Raumteiler mit Decken dienten laut Rektorat dazu, den Raum in einen größeren, hellen Bereich für Männer und einen kleineren dunklen Bereich für Frauen aufzuteilen. Foto: TU Dortmund
Religionsfreiheit, staatlicher Neutralität und Islam-Debatte werden an immer mehr Unis Gebetsräume zum Politikum. Die Uni-Köln will es jetzt besser machen

Von Fabian Köhler|TELEPOLIS

Im Mikrokosmos deutscher Hochschulen kommt die Raumbelegung immer ein Politikum gleich: Die Raumverwaltung erklärte schon vor drei Semestern den Überbelegungsnotstand. Die Studentengruppe protestiert, weil der Filmabend im hinterletzten Hörsaal doch der Ringvorlesung weichen muss. Daran, dass die Erstsemester oft im Gang vor anstatt im Seminarraum sitzen, haben sich ohnehin schon alle gewöhnt.

Ein besonderer Typus universitärer Raumverwendung erregt zurzeit jedoch ein Maß an Aufmerksamkeit, dass selbst in der Geschichte chronisch überbelegter deutscher Hochschulen einmalig sein dürfte: Der Gebetsraum – im säkularen Duktus ihrer Unis meist „Raum der Stille“ genannt – hat die Grenzen seiner jeweiligen Hochschule verlassen und die Debatte um Islam, Migration und deutsche Werte geentert. Und weil das so ist, stehen Nachrichten wie folgende nun in überregionalen Zeitungen und Online-Medien statt nur auf dem schwarzen Brett im Uni-Hauptgebäude: Die Uni Köln plant die Eröffnung eines „Raumes der Stille“. Dort können Studenten – sofern sie denn wollen – auch beten.

Wer dieser Tage die Diskussion um universitäre Gebetsräume verfolgt, den erinnert nicht viel daran, dass es dort laut Nutzerordnung vor allem ruhig zugehen soll. Berlin, Bochum, Dortmund, Essen und jetzt Köln: Immer länger wird die Liste jener Universitäten, die mit ihrem stillen Räumen bundesweit für ziemlich viel Lärm sorgen. In Essen habe sich im Umfeld des Gebetsraumes ein „fundamentalistischen Regime“ ausgebreitet, weiß die Lokalzeitung (nicht aber die Uni-Leitung).

In Bochum warnt ein SPD-Politiker vor dem Ansturm von Salafisten. In Berlin erinnerte sich die Uni-Leitung nach Jahrzehnten an das staatliche Neutralitätsgebot. Und in Dortmund sollen muslimische Studenten den „Raum der Stille“ zum Ort der Geschlechtertrennung gemacht haben. Das Ergebnis ist überall dasselbe: Die Räume wurden geschlossen.

weiterlesen

US-Stadtrat verzichtet wegen Satanisten auf Gebet

Image: Matt Anderson/Friendly Atheist
Image: Matt Anderson/Friendly Atheist

Um einem satanistischen Eröffnungsgebet zu entgehen, beginnt der Stadtrat von Phoenix seine Sitzungen künftig mit einem Moment der Stille.

kath.net

Um einem satanistischen Eröffnungsgebet zu entgehen, beginnt der Stadtrat von Phoenix seine Sitzungen künftig mit einem Moment der Stille. Die Ratsmitglieder in der Hauptstadt des US-Bundesstaats Arizona beschlossen eigens dafür eine Änderung der Sitzungsordnung, wie der Sender Fox 10 (Mittwochabend) meldete. Das Gebet zu Beginn öffentlicher Ratssitzungen wurde bisher von Angehörigen unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften übernommen. Für den 17. Februar hatte sich ein Mitglied des «Satanischen Tempels» aus Tucson eingetragen.

weiterlesen

„Wir müssen über die Grenzen der Religionsfreiheit reden“

Petra Bahr, ehemalige Kulturbeauftragte des Rates der EKD (dpa/picture alliance/Karlheinz Schindler)
Welche Rolle spielt Religion bei der Integration von Flüchtlingen? Diese Frage beschäftigt auch die evangelische Theologin Petra Bahr. Es müsse mehr darüber geredet werden, was Muslime in entwurzelten Situationen brauchen – aber auch über die Grenzen der Religionsfreiheit. Denn gerade Christen wüssten aus ihrer eigenen Tradition, dass Religion auch über eine destruktive Dimension verfüge.

Petra Bahr im Gespräch mit Benedikt Schulz|Deutschlandfunk

Benedikt Schulz: Klären wir erstmal, Frau Bahr, was hat denn Integration von Flüchtlingen in einem säkularen Staat überhaupt mit Religion zu tun?

Petra Bahr: Religion ist einer von vielen Aspekten, den Menschen selbstverständlich mitbringen. Die Rucksäcke derjenigen, die zu uns kommen, mögen nicht besonders reich gefüllt sein. Aber die Rucksäcke an Prägungen, an Vorverständnissen, auch an sicheren Traditionen, in denen man die Welt bis jetzt versucht hatte zu entwerfen, haben auch eine religiöse Komponente. Und Religion ist, das gilt für alle Religionen, ein hoch ambivalentes Phänomen. Es kann Heimat stiften, es kann heilsam sein, es kann uns zu anderen führen. Es ist aber auch ein Ort, wo man sich von anderen abschließt, ein Ort harter Abgrenzung und der Identitätsmarker. Oder auch ganz unaufgeklärter Selbstverständlichkeiten, die erst in dem Moment, wo man mit anderen Lebensformen konfrontiert wird, relevant werden.

weiterlesen

Christliche Flüchtlinge in Notunterkünften: „Warum trägst du kein Kopftuch?“

Tempelhof Hangars – werden in den Notunterkünften Christen diskriminiert? (AFP / Tobias Schwarz)
Die Religionsfreiheit gilt in Deutschland überall, auch in Flüchtlingsheimen. Allerdings mehren sich Berichte, dass es dort um die Religionsfreiheit schlecht bestellt sei. Muslime gingen gegen die Minderheit der christlichen Flüchtlinge vor, heißt es. Die Behörden bestreiten das. Rede und Gegenrede aus Berlin.

Von Thomas Klatt|Deutschlandfunk

So einfach kommt man in die Hangars am früheren Flughafen Tempelhof nicht hinein. Erst muss man an der Security-Kontrolle vorbei, dann öffnet sich eine Seitentür. 2500 Menschen sind hier derzeit in Zelten und durch Leichtbauwände getrennte Zimmer untergebracht. Sascha Langenbach, Pressesprecher des Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales Lageso führt durch die gut 20 Meter hohen Hallen.

„Im Eingangsbereich befinden wir uns direkt vor dem Kinderzimmer. Ist aufgebaut worden mit Hilfe von privaten Spenden. Jetzt da vorn ist eine Arztpraxis, wo Menschen unter der Woche behandelt werden. Das sind Freiwillige von Cabuwazi, dem Kinderzirkus, die bei der Kinderbetreuung helfen, viele Bewegungsspiele machen und kommen wahnsinnig gut an.“

weiterlesen

GB: Moscheegemeinden lehnen Registrierung von Glaubensschulen ab

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Erziehungsministerium will durch zwingende Registrierung Überprüfungen ermöglichen. Dies betrifft Unterrichtsinhalte, den Schutz der Kinder und um Sanktionen zu verhängen, falls die Jungen und Mädchen etwa körperlich gezüchtigt würden.

kath.net

Ein Zusammenschluss britischer Moscheegemeinden lehnt Forderungen der Regierung in London ab, islamische Glaubensschulen registrieren zu lassen. Damit werde die Religionsfreiheit bedroht, erklärte der Verband von Moscheegemeinden im Norden Großbritanniens nach einem Bericht der BBC vom Freitag. Dem Zusammenschluss gehören rund 400 Moscheen unter anderem in Manchester, Bradford oder Rochdale an. In den sogenannten Madrassen, die oft Moscheen angeschlossen sind, erhalten muslimische Kinder Glaubensunterricht und Unterweisung in arabischer Sprache.

weiterlesen