„Rebellion gegen Gott“

Darstellung des Zweiten Prager Fenstersturz aus dem Theatrum Europaeum. Bild: wikipedia.org/PD Johann Philipp Abelinus
War der Dreißigjährige Krieg ein Konfessionskrieg? 100 Jahre nach Beginn der Reformation ging es um den rechten Glauben. Aber auch um Macht. Vergleiche zu heutigen Konflikten sind schwierig, der Politologe Herfried Münkler versucht es dennoch.

Nils Sandrisser | evangelisch.de

Ein Haufen empörter Adliger zieht hinauf zur Prager Burg. Mit Degen und Pistolen in den Händen stellen die protestantischen Vertreter der böhmischen Stände die Statthalter des katholischen Königs zur Rede. Sie fürchten um die Religionsfreiheit. Die Lage eskaliert schnell: Die Adligen packen die Statthalter sowie einen Sekretär und werfen sie aus dem Fenster.

Dieser „Prager Fenstersturz“ vom 23. Mai 1618 gilt als Auslöser für den schrecklichsten aller Kriege der Frühen Neuzeit. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) stehen sich protestantische Fürsten und kaisertreue Katholiken gegenüber. Aber auch Schweden, Dänemark, Frankreich sowie das Habsburgerreich und der Papst. Am Ende sind weite Teile des Heiligen Römischen Reichs verheert, mehr als ein Viertel der Bevölkerung getötet.

Vorantreiben der Rekatholisierung

Krieg liegt schon lange in der Luft. Schon 1608 gründen protestantische Fürsten die „Union“ als Verteidigungsbündnis, die Katholiken schließen sich in der „Liga“ zusammen. In Böhmen kommt die Frage hinzu, was der Monarch entscheiden darf und was die Stände, also Adel und Städte. Als Kaiser Matthias die Rekatholisierung vorantreibt und Zugeständnisse zurücknimmt, die sein Vorgänger Rudolf II. den Protestanten in Böhmen und Österreich gemacht hat, setzen sich die böhmischen Stände zur Wehr.

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Der Prager Fenstersturz: Beginn einer europäischen Tragödie

Zeicherische Darstellung des Prager Fenstersturzes, der zum Dreißigjährigen Krieg führte. Chromolithographie von 1936. (Datum geschätzt) (imago / Leemage)
Er sollte eine der größten europäischen Katastrophen auslösen: Der Prager Fenstersturz, der sich in der kommenden Woche zum 400. Mal jährt. Der Krieg, der darauf folgte, ist auch schon von Zeitgenossen als Dreißigjähriger bezeichnet worden: ein Kampf um Macht, Religion und Wahrheit.

Von Barbara Weber | Deutschlandfunk

„Wir befinden uns hier im Museum des Dreißigjährigen Krieges.“

Wittstock an der Dosse. Die spätmittelalterliche Bischofsburg beherbergt heute das Museum. Hier besiegten die Schweden 1636 die kaiserlich-kursächsische Armee.

„Wenn ich das auslöse…“ Antje Zeiger, Direktorin des Museums, steht vor einem großen Uhrwerk aus dem 17. Jahrhundert mit vielen Zahnrädern, die ineinandergreifen. „Das ist gewissermaßen unser akustischer Fahrstuhl und damit landen wir im Jahr 1618 mit dem Beginn des 30jährigen Krieges am 23.Mai 1618.“

Mit Pistolen und Degen bewaffnete protestantische böhmische Adelige stürmen damals die Böhmische Kanzlei in der Prager Burg. Sie können und wollen nicht akzeptieren, dass die ihnen von dem katholischen Kaiser Rudolf II. zugesicherte Religionsfreiheit von seinem Nachfolger Matthias nicht gewährt wird. Nach einem hitzigen Wortgefecht mit den kaiserlichen Statthaltern werden diese aus dem Fenster geworfen.

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CDU-Generalsekretärin: Religion tut unserem Land gut

Religiöse Symbole sollen nicht zu inhaltsleeren Abwehrzeichen degradiert werden, sagt Annegret Kramp-Karrenbauer. Gleichzeitig hat sie Forderungen an die muslimischen Gemeinschaften im Land.

katholisch.de

Annegret Kramp-Karrenbauer (55), CDU-Generalsekretärin, plädiert für einen selbstbewussten und souveränen Umgang mit Religion, religiösen Wurzeln und religiösen Bekenntnissen. „Aber wir müssen darauf achten, dass wir die Symbole nicht zu inhaltsleeren Abwehrzeichen degradieren“, so die ehemalige Ministerpräsidentin des Saarlandes in einem Gastbeitrag in der „Welt“ (Freitag). Das stärke am Ende die, die ein laizistisches System anstrebten.

„Religion tut unserem Land gut“

Religionsfreiheit heißt laut der Politikerin, dass Religion nicht nur einen Platz in der Gesellschaft hat, sondern auch im öffentlichen Raum „- ob das das Gipfelkreuz in den Alpen, das Glockengeläut in der Osternacht, die Synagoge oder die Moschee ist.“ Die Debatte um den Kreuz-Pflicht in bayerischen Behörden sprach Kramp-Karrenbauer nicht direkt an. Jedoch fügte sie hinzu: „Religionsfreiheit heißt eben nicht, dass jemand das Recht hätte, von Religion im öffentlichen Raum unbehelligt zu bleiben.“

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China: Regierung verbietet Kindern Gottesdienste

©KNA
China geht weiter streng gegen Christen vor: Nachdem bereits der Verkauf von Bibeln verboten wurde, folgt nun der nächste Schritt. Beamte der Religionsbehörde kontrollieren dazu sogar Gottesdienste.

katholisch.de

China droht, Kirchen zu schließen, wenn Minderjährige Gottesdienste besuchen. Das Hongkonger katholische Nachrichtenportal ucanews berichtet von wachsenden Repressionen gegen die christliche Minderheit in der Provinz Henan. Sowohl die „Katholisch-Patriotische Vereinigung“ als auch die Religionsbehörden der Provinz hätten eine Warnung veröffentlicht, in denen sie Christen auffordern, die Gesetze zur Regulierung der Religionsausübung zu beachten. Darin heißt es, dass bisher nur „Propaganda“ und Erziehung streng reguliert worden wären, nun gebe es aber eine „rote Linie“, die Christen ernstnehmen müssen, ansonsten drohe eine Schließung von Einrichtungen und strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen.

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Religionskritik unter Polizeischutz

Der Islamwissenschaftler Hamed Abdel-Samad (2015 bei einer Veranstaltung in Weil) hat ein neues Buch mit dem Titel „Integration – Ein Protokoll des Scheiterns“ veröffentlicht. Foto: Martina David-Wenk
Der Grüne Cem Özdemir und der Islamwissenschaftler Hamed Abdel-Samad diskutieren in Berlin über deutsch-türkische Erdogan-Anhänger, Religionsfreiheit und Integration durch Bildung.

Von Bernhard Walker | Badische Zeitung

Es sind nicht zwei oder drei, sondern fünf. Fünf Personenschützer des Kriminalamts sind an diesem Abend in der Berliner „Urania“ zu sehen. Mitarbeiter der 130 Jahre alten Bildungsstätte durchsuchen die Taschen der Besucher, die hören wollen, was der Islamwissenschaftler Hamed Abdel-Samad und Cem Özdemir zum Thema „Integration“ zu sagen haben. Weil Abdel-Samad über Parallelgesellschaften, salafistische Umtriebe sowie arabische Clans und Islamisten schreibt, die zusammen einzelne Stadtteile kontrollierten, steht er unter Polizeischutz: In einem Rechtsgutachten, einer Fatwa, sprach sich ein ägyptischer Geistlicher 2013 für die Tötung Abdel-Samads aus. Gegen religiöse Fanatiker, wie er sie nennt, und den türkischen Nationalismus kämpft auch Özdemir. Auch der frühere Grünen-Chef wird dafür angefeindet und von Leibwächtern begleitet. Der Abend in der „Urania“ zeichnet somit ein trauriges Bild: Religionskritik kann sich nur in einer Art Hochsicherheitszone abspielen.

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NRW-Staatssekretärin: Es geht beim Kopftuchverbot nicht um Religion

Themenbild
Die nordrhein-westfälische Integrationsstaatssekretärin Serap Güler bestreitet, dass der Vorstoß zu einem Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 die Religionsfreiheit tangiert. „Es geht hier nicht um religiöse Symbole”, sagte die CDU-Politikerin am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin”.

Aachener Zeitung

„Das Kopftuch sollte man auch nach islamischen Brauch erst mit Anfang der Pubertät tragen. (…) Deshalb kann sich auch niemand auf die Ausübung der Religionsfreiheit berufen, wenn die Religion das in diesem Alter noch nicht mal vorschreibt”, erklärte sie.

Beim Tragen des Kopftuchs nach islamischer Sitte gehe es darum, die Reize der Frau vor Männern zu verhüllen. „Dass Mädchen im Kita- und Grundschulalter die Reize vor Männern verhüllen müssten – genau das sexualisiert das Kind.” Deshalb müsse diese Debatte geführt werden, damit die Mädchen sich frei entfalten könnten. „Wenn eine junge Frau dann sagt „Ich möchte das Kopftuch tragen”, ist das ihr gutes Recht, was wir genauso akzeptieren und respektieren müssen.”

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Dodo Käßmann: Kein Gegeneinander von Christentum und Islam

Im Sommer geht die ehemalige Landesbischöfin und Reformationsbotschafterin, Margot Käßmann, in den Ruhestand. Mit der gebürtigen Marburgerin sprach unser Mitarbeiter Dieter Hintermeier über die hessische Politik, die Freiheit von Muslimen und die Freude der letzten Lebensetappe.

Frankfurter Neue Presse

Sie sind gebürtige Marburgerin. Was verbindet Sie noch an die Stadt der Heiligen Elisabeth?

MARGOT KÄSSMANN: Ich erinnere mich gern an Marburg. Meine Schwestern und ich waren ja dort auf der Elisabethschule. Später habe ich mein Studium dort abgeschlossen, und auch meine älteste Tochter ist dort geboren. Zwei meiner Töchter haben ein paar Semester in Marburg studiert.

Sie haben lange in Hessen gearbeitet. Woran erinnern Sie sich noch gerne?

KÄSSMANN: An die waldreiche und hügelige Landschaft. Wir haben als Familie sieben Jahre im Pfarrhaus in Spieskappel gelebt und später fünf Jahre in Fulda. Meine Mutter lebte in Stadtallendorf, die meines Mannes in Obersuhl. Hessen war also sehr präsent, und die ganze Familie joggt gern. Das haben wir immer genossen.

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Politik und Religion – ein ewiger Streit

Bild: dw.com
Der Bundesinnenminister ist zugleich Religions- und Verfassungsminister. Offenbar hat er beide Aufgaben nicht verstanden, sonst würde er nicht so gezielt die Grenzen seines Amtes verletzen, meint Michel Friedman.

Michel Friedmann | Deutsche Welle

Horst Seehofer hat nicht gesagt, der „politische Islam“ gehört nicht zu Deutschland. Auch sagt er nicht, „der Islamismus“ gehört nicht zu Deutschland. Seine Worte waren klar und eindeutig: „Der Islam“ gehört nicht zu Deutschland. Das ist kein Zufall. Der Bundesinnenminister weiß, was er tut. Und er will es. Das nennt man Vorsatz.

Millionen Deutsche mit islamischen Glauben leben hier. Nicht nur dadurch ist der Islam eine Realität der Bundesrepublik Deutschland. Er ist es auch prinzipiell. Gerade ein Innenminister, der gleichzeitig auch Verfassungsminister ist, sollte Artikel 4 des Grundgesetzes kennen. In ihm ist die Religionsfreiheit definiert: Jeder Mensch kann glauben, an was er will. Jede Religion ist möglich, jeder Glaube denkbar, solange er nicht gegen das Grundgesetz verstößt. Sich als Politiker anzumaßen, einer Weltreligion ihre Existenz als Bestandteil der religiös-gesellschaftlichen Realität in Deutschland abzusprechen, zeugt von einem sehr zweifelhaften Verständnis von Religionsfreiheit.

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Neue Integrationsbeauftragte distanziert sich von Leitkultur-Begriff

Annette Widmann-Mauz (CDU), Integrationsbeauftragte der Bundesregierung © BMG
Die neue Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Widmann-Mauz, mag den Leitkultur-Begriff „nicht sonderlich“. Eine Wertedebatte begrüßt die CDU-Politikerin allerdings. Zugleich warnt sie davor, die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen mit der Fachkräftezuwanderung zu vermischen.

MiGAZIN

Die neue Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), hat sich vom Begriff der Leitkultur distanziert. „Ich mag den Begriff nicht sonderlich, denn er führt uns nicht weiter“, sagte sie der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Wichtiger sei eine konkrete Verständigung darüber, was Gleichberechtigung von Mann und Frau, Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit und Gewaltlosigkeit als Grundfesten des Zusammenlebens bedeuten.

Eine Werte-Debatte begrüße sie, sagte Widmann-Mauz. Eine solche Selbstvergewisserung tue jeder Demokratie gut. Grundlage für das Zusammenleben sei das Grundgesetz, aber es gebe darüber hinaus auch ungeschriebene Regeln und Erwartungen, die anzuerkennen wichtig für ein gutes Miteinander sei, unterstrich die Staatsministerin im Kanzleramt.

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Horst Seehofer und der Islam: Warum Glaube und Politik sich nicht vertragen

Der Islam gehöre nicht zu Deutschland, sagt Horst Seehofer. Das wirft Fragen nach dem generellen Verhältnis zwischen Politik und Religion auf.

Von Georg Diez | SpON

Erinnerungspolitik ist vor allem eines, Politik. Und wenn der neue Innenminister Horst Seehofer sein Amt gleich mit einer Kampfansage beginnt und einer tiefen Verbeugung vor der AfD und wenn er das Wesen dieses Landes und seiner Demokratie auf so rasante wie gefährliche Weise auf das Christentum reduzieren will, ein Wort, das er als Spaltbegriff einsetzt, dann ist klar, dass auch Kirchenpolitik vor allem eines ist, Politik.

Der Islam, sagt Horst Seehofer, gehöre nicht zu Deutschland. Was das Problem aufwirft, dass er das Land und seine verfasste Form verwechselt, die Kultur also und die Politik. Denn im Grundgesetz steht ja klipp und klar und selbst für einen Innenminister zu lesen, dass in Deutschland, bis auf Weiteres und falls Horst Seehofer das nicht abschaffen will, die Religionsfreiheit herrscht.

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Bundesregierung schafft einen Beauftragten für Religionsfreiheit

Die neue Bundesregierung schafft das Amt eines Beauftragten für internationale Religionsfreiheit. Die Stelle werde beim Entwicklungsministerium angesiedelt sein, kündigte der Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, am Samstag in Nürnberg auf einer Kundgebung der Evangelischen Allianz an. Bereits in der kommenden Woche werde die Stelle besetzt.

evangelisch.de

Der CDU-Politiker rief vor etwa 400 Zuhörern dazu auf, überall auf der Welt genau hinzuschauen, ob Religionsfreiheit gelebt werden könne. „Wer dieses Menschenrecht verbietet, nimmt den Menschen einen Teil ihres Menschseins.“ Dabei kritisierte Kauder die Türkei. Es sei inakzeptabel, dass die türkische Armee bei ihrem Einsatz in Syrien keine Rücksicht auf bedrohte christliche Familien nehme.

Kauder forderte von den Christen in Deutschland, über solche Menschenrechtsverletzungen nicht zu schweigen. Auch in Deutschland sei die Religionsfreiheit gefährdet, wenn in Flüchtlingsunterkünften geflohene Christen von Menschen anderer Religionen angegriffen würden.

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Wo Atheisten gefährlich leben

Im Iran kann Apostasie – der Abfall vom Glauben, also auch Atheismus – mit dem Tod bestraft werden. In elf weiteren Ländern ist das ebenfalls der Fall. Im Bild ist der iranische Religionsführer Ayatollah Ali Khamenei zu sehen. Bild: epa/Leader Official Website Handout
Nicht nur Angehörige religiöser Minderheiten, sondern auch Atheisten werden in einigen Ländern unterdrückt. Eine Organisation hilft ihnen.

Von Rolf Maag | 20minuten.ch

Die Irakerin Lubna Yaseen kann einfach nicht ihren Mund halten, wie sie selbst sagt. Als Studentin bekannte sie sich in Diskussionen und auf Facebook unverblümt zu ihrem Atheismus. Bald stiessen Mitstudenten und islamistische Gruppen Todesdrohungen gegen sie aus. 2016 floh sie nach Kalifornien.

Ähnlich erging es dem marokkanischen Autor Kacem El Ghazzali. Weil er in seinem Blog die Unterdrückung in der islamischen Welt kritisiert hatte, begann eine regelrechte Hetzjagd auf ihn. 2011 floh er in die Schweiz.

Todesstrafe in zwölf Ländern

In der Verfassung des Irak ist die Religionsfreiheit zwar verankert, aber Atheisten, die von religiösen Fanatikern drangsaliert werden, können kaum mit der Unterstützung der Behörden rechnen. Ähnlich sieht es in Marokko aus.

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Islamexpertin Schröter: „Moscheen sind grundsätzlich nicht integrativ“

foto: foto: apa / hans klaus techt Für ältere Muslime seien Moscheen notwendige „Schutzräume“, sagt Susanne Schröter, für junge Muslime, aber auch Flüchtlinge „Rückzugsräume außerhalb der Gesellschaft“
Susanne Schröter über die Flucht junger Muslime in ein frommes Leben, die zwiespältige Rolle der Moscheen und kopftuchfreie Schulen

Interview Lisa Nimmervoll | derStandard.at

STANDARD: Ausgehend von Ihrem Buch „Gott näher als der eigenen Halsschlagader: Fromme Muslime in Deutschland“, für das Sie vier Jahre lang die 15 Wiesbadener Moscheegemeinschaften sowie Lebenswelten und Einstellungen strenggläubiger Musliminnen und Muslime in Deutschland untersucht haben, lautete Ihr Befund: „Es gibt Abschottung, die Religion nimmt immer stärkeren Einfluss auf die Jugendlichen – und sie spaltet.“ Ihrer Beobachtung nach werden Muslime „insgesamt frommer“. Warum ist das so?

Schröter: Wir können weltweit ein globales Erstarken des fundamentalistischen Islam beobachten. Das hängt stark mit der Zirkulation islamistischer Ideen im Internet und der Mobilität islamistischer Prediger zusammen, aber auch damit, dass junge Muslime den Islam als Instrument des Empowerments begreifen. Häufig sind das Menschen, deren Eltern gar nicht sonderlich religiös sind. Diese Jugendlichen, die sich selbst religiöses Wissen aneignen – in kleinen Koranlesegruppen, manchmal unter Führung von charismatischen Predigern, aber auch an Universitäten -, kommen auf die Idee, dass der Islam die absolut überlegene Religion ist und die Muslime die von Gott auserwählte Gemeinschaft sind.

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Island: Juden und Muslime protestieren gegen mögliches Beschneidungsverbot

Ein Urologe nimmt in einer Berliner Klinik eine Beschneidung an einem zweijährigen Jungen vor. (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)
Jüdische und muslimische Verbände haben eine Gesetzesinitiative des isländischen Parlaments für ein Beschneidungsverbot scharf kritisiert.

Dlf24

Der Gesetzesentwurf richtet sich gegen Beschneidung aus nicht-medizinischen Gründen und sieht eine sechsjährige Gefängnisstrafe vor, berichtet der britische Sender BBC. Das isländische Parlament begründet die Initiative damit, dass die Praxis das Recht des Kindes auf Unversehrtheit verletze. Der bleibende Eingriff könne schwere Schmerzen verursachen.

Jüdische und muslimische Geistliche sehen in dem Gesetz dagegen einen Angriff auf die Religionsfreiheit. Die Präsidenten der jüdischen Gemeinden Norwegens, Dänemarks, Schwedens und Finnlands betonten die Bedeutung des für ihre Religion „zentralsten Brauchs“. Das Judentum werde auf eine Art und Weise angegriffen, die Juden in der ganzen Welt betreffe. Auch ein Imam des Islamischen Kulturzentrums in Island nannte die Beschneidung einen wichtigen Bestandteil des muslimischen Glaubens. Die Bischöfin von Reykjavik warnte, Juden und Muslime könnten sich in Island unerwünscht fühlen. Das Gesetz sei geeignet, die Religionen zu kriminalisieren.

Von den knapp 350.000 Einwohnern Islands sind etwa 250 jüdischen und etwa 1.500 muslimischen Glaubens. Sollte das Gesetz beschlossen werden, wäre Island das erste europäische Land mit einem Beschneidungsverbot.

In Deutschland hatte das Kölner Landgericht 2012 eine medizinisch nicht begründete Beschneidung bei neugeborenen Jungen als strafbare Körperverletzung bewertet. Das Urteil löste eine breite Diskussion aus, die mit einem Gesetz endete, das Beschneidungen von Jungen auch aus religiösen Gründen weiter erlaubt.

Religion: Feigenblatt der Rechten?

Sie haben keine Macht und bestimmen dennoch die politische Agenda. Rechte Christen sorgen in Deutschland mit dafür, dass die gesellschaftliche Polarisierung zunimmt. Freiwillig und unfreiwillig.

Von Astrid Prange | Deutsche Welle

Christenverfolgung, Religionsfreiheit, Missionierung unter muslimischen Flüchtlingen und die Unterstützung Israels  – in Deutschland gelingt es ultrakonservativen Christen zunehmend, ihre Kernthemen in den öffentlichen Diskurs einzuspeisen.

Das Thema Christenverfolgung, einst ein Randthema, steht mittlerweile auf der politischen Agenda weit oben. Angesichts der von dem Hilfswerk „Open Doors“ dokumentierten Gewalt gegen christliche Flüchtlinge in Asylbewerberheimen lässt Bundesinnenminister Thomas de Maizière zum Beispiel seit 2017 „christenfeindliche Straftaten“ gesondert erfassen.

Vorbild Trump?

Die Publizistin Liane Bednarz sieht in der Annäherung zwischen rechtskonservativen Christen und politischen Rechten eine Gefahr für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt. „Wir gehen in dieselbe Richtung wie die USA“, erklärt die liberalkonservative Christin im DW-Gespräch. Die Evangelikalen in den USA, die mehrheitlich Präsident Donald Trump gewählt haben, hätten vielfach die gleichen Feindbilder wie die gen rechts gedrifteten Christen hierzulande: Islam, Gender, Homoehe und Abtreibung.

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Sure 109: „Der Islam kennt keine religiöse Toleranz“

Bild: Deutschlandfunk
Muslimische Gläubige verweisen oft auf Vers sechs aus Sure 109, um die Toleranz im Islam gegenüber anderen Religionen zu untermauern: „Ihr habt eure Religion und ich habe meine!“ Die Bedeutung dieser Worte sei aber eine andere, erklärt der Arabist Otto Jastrow: Der Islam kenne keine religiöse Toleranz, sie sei ein Wunschbild des Westens.

Von Prof. Dr. Otto Jastrow | Deutschlandfunk

 

„Sprich: Oh ihr Ungläubigen!
Ich verehre nicht, was ihr verehrt,
Noch verehrt ihr, was ich verehre.
Und ich werde nicht verehren, was ihr verehrt,
Noch werdet ihr verehren, was ich verehre.
Ihr habt eure Religion und ich habe meine!“

In dieser Sure, die mit der Aufforderung „Sprich“ beginnt, legt Gott seinem Propheten Mohammed die Worte in den Mund, die er an seine mekkanischen Landsleute richten soll. Ihnen wird überdeutlich klargemacht, dass Mohammed einen anderen Glauben hat als sie. Der letzte Vers leitet daraus die Forderung ab: „Ihr habt eure Religion und ich habe meine!“.

Gerne wird Sure 109 herangezogen, um die religiöse Toleranz des Islams zu belegen. Es geht hier jedoch nicht um Religionsfreiheit im Allgemeinen, sondern lediglich um Mohammeds eigene Religion.

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Dodo Marx kritisiert geplantes Jungen-Beschneidungsverbot in Island

Die Beschneidung von Jungen ist ein zentrales jüdisches Ritual, und wird auch von Muslimen praktiziert. (Bea Kallo / dpa)
Der Präsident der EU-Bischofskommission COMECE, Kardinal Marx, hat das in Island vorgeschlagene Verbot der Beschneidung von Jungen kritisiert.

Dlf24

Der Gesetzentwurf sei ein gefährlicher Angriff auf die Religionsfreiheit, teilte er in Brüssel mit. Marx forderte die EU-Institutionen auf, diese Bedrohung der Grundrechte zu verhindern. Die Gesundheit von Kindern zu schützen, sei ein legitimes Ziel einer jeden Gesellschaft, aber in diesem Fall würden die Bedenken ohne jegliche wissenschaftliche Grundlage instrumentalisiert, um bestimmte Religionsgemeinschaften zu stigmatisieren. – Die Beschneidung von Jungen gehört vor allem bei Juden und bei Muslimen zum religiösen Ritus.

Parlamentsmitglieder von fünf verschiedenen politischen Parteien in Island haben einen Gesetzentwurf vorgelegt. Er sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu sechs Jahren für Personen vor, die einem Kind einen körperlichen Schaden oder eine sonstige gesundheitliche Beeinträchtigung durch „das ganzheitliche oder teilweise Entfernen von Sexualorganen“ zufügt. – Island ist nicht Mitglied der EU.

Moscheebau in Regensburg löst Spam-Flut aus

Das Minarett der geplanten Moschee im Regensburger Osten wird 21 Meter hoch sein – der Dom misst 105 Meter. (Foto: Entwurf: Yilbirt Architekten)
  • Die Regensburger Rathaus-SPD wird überschwemmt von Tausenden E-Mails: Darin wird gefordert, den Neubau einer Moschee der Ditib-Gemeinde zu stoppen.
  • Mitangeheizt wurde die Diskussion von der Regensburger AfD, die mit einem Facebook-Post suggerierte, das Minarett sei höher als der Dom.
  • Bisher ist unklar, wer hinter der Flut an Protest-Mails steckt.

Von Andreas Glas | Süddeutsche Zeitung

Klaus Rappert hat nachgezählt. 10 448 E-Mails waren es, Stand Montagfrüh. Alle im gleichen Wortlaut verfasst, alle landeten im Postfach der Regensburger Rathaus-SPD, deren Fraktionschef Rappert ist. Die Absender fordern, den Neubau der Moschee „sofort zu stoppen“ und das „vom Christentum geprägte Stadtbild“ zu erhalten.

Tausende solcher E-Mails gingen in den vergangenen Tagen auch bei anderen Stadtratsfraktionen ein. Inzwischen hat die SPD reagiert und die Sache tatsächlich gestoppt. Nicht den Bau der Moschee, sondern die E-Mail-Flut. Die Protest-Mails landen jetzt nicht mehr im SPD-Postfach. Sie werden automatisch gelöscht. Es sei offensichtlich, dass es den Absendern „nicht um eine sachliche Diskussion“ gehe, sagt Rappert.

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Trump-Religiotie: „Freiheit ist ein heiliges Recht durch den Allmächtigen Gott“

Picture: Tiffany Trump/Facebook
US-Präsident Donald Trump hat den 16. Januar zum „Religious Freedom Day“ ernannt.

kath.net

US-Präsident Donald Trump hat den 16. Januar zum „Religious Freedom Day“ deklariert. Trump erinnerte daran, dass Glaube in der Geschichte, dem Geist und der Seele der Nation eingepflanzt sei. „Am Tag der Religionsfreiheit feiern wir, dass viele Glaubensformen unser Land groß gemacht haben. Unsere Gründungsväter, die bei uns Zuflucht von Verfolgung gesucht haben, glaubten an die ewige Wahrheit, dass Freiheit nicht ein Geschenk der Regierung, sondern ein heiliges Recht durch den Allmächtigen Gottes ist.“

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Halal & Koscher: Jüdische Gemeinschaft klagt gegen Schächtverbot in Belgien

Bild: dtj
Die jüdische Gemeinschaft in klagt gegen ein geplantes Verbot koscheren Schlachtens. Dieses verletze die Religionsfreiheit, erklärten die jüdische Dachorganisation CCOJB und die US-Unterstützergruppe The Lawfare Project am Dienstag.

dtj

Die Klage richtet sich gegen ein voriges Jahr beschlossenes Gesetz im Landesteil Flandern. Bereits im November hatte der Dachverband einen Antrag gegen ein ähnliches neues Gesetz in der Wallonie gestellt. Ziel ist, die Vorgaben noch vor dem Inkrafttreten 2019 zu kippen.

Die Vorgaben würden die Produktion von beziehungsweise hergestelltem Fleisch in Belgien unterbinden, argumentierten die Kläger. Damit könnten religiöse Minderheiten eine wichtigen Säule ihres Glaubens nicht mehr leben. Das verstoße gegen EU-Recht, aber auch gegen die belgische Verfassung.

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