Kauder vermisst Aspekte von Christenverfolgung in Regierungsbericht

Volker Kauder: Nichts ist wichtiger als Religion (= Christentum)

Der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder, hat den Bericht der Bundesregierung zur Religionsfreiheit kritisiert.

evangelisch.de

Ihm fehlten Aspekte der Christenverfolgung, sagte Volker Kauder (CDU) am Freitag in der Debatte im Bundestag. Er lese beispielsweise kein Wort darüber, dass in Pakistan mit seinem drakonischen Blasphemieverbot Christen verfolgt würden. Das sei inakzeptabel. „Ich würde mir wünschen, dass in einem neuen Bericht darüber mehr zu lesen wäre“, sagte der CDU-Politiker.

Kauder erinnerte an die in Pakistan inhaftierte Katholikin Asia Bibi, die wegen Gotteslästerung zum Tod verurteilt wurde. Er kritisierte auch, dass der Bericht nicht nach Staaten oder Ländergruppen aufgeschlüsselt Verletzungen der Religionsfreiheit dokumentiert. Der Bericht zur weltweiten Lage der Religions- und Weltanschauungsfreiheit macht vielmehr an ausgewählten Länderbeispielen deutlich, in welcher Form das Menschenrecht verletzt wird.

weiterlesen

Der Papst feiert die Reformation in Schweden

Dom, Lund, Schweden. Bild: bb
Dom, Lund, Schweden. Bild: bb
Die schwedische Erzbischöfin Antje Jackelén freut sich auf den Besuch des Papstes zum 31. Okotber 2016. Gemeinsam wollen die schwedischen Kirchen in diesem Jahr die Reformation feiern. Außerdem erzählt Jackelén, warum allgemeine religiöse Sprachlosigkeit nur den Populisten hilft.

Von Nicola Glass | evangelisch.de

Ende Oktober reist Papst Franziskus für einen Tag nach Schweden, und zwar nach Lund, anlässlich des Auftakts zum Reformationsgedenken. Wie kam es dazu?

Antje Jackelén: Es geht hier um das gemeinsame Gedenken an fünfhundert Jahre Reformation, und dieser Besuch ist eine Frucht von fast fünfzig Jahren Dialog zwischen Rom und Genf, also zwischen dem Vatikan und dem Lutherischen Weltbund (LWB). Das Ganze basiert eigentlich auf einer Schrift, die 2013 veröffentlicht wurde, und die den Titel trägt „Vom Konflikt zur Gemeinschaft„. Bei diesem Text von etwa 90 Seiten handelt es sich um die erste von Katholiken und Lutheranern gemeinsam verfasste Beschreibung der Reformation in Geschichte und Gegenwart. Und das ist, finde ich, ein Riesenschritt vorwärts.

Was mich dabei noch mehr freut ist, dass in dieser Schrift fünf gemeinsame Aufforderungen benannt werden, die wirklich auch Zukunftsperspektiven aufweisen. Dass wir uns zum Beispiel verpflichten, gemeinsam das Evangeliums zu bezeugen und Dienst an der Welt zu tun. Aus dieser Schrift ist diese Initiative erwachsen, zum Auftakt des Jubiläumsjahres am 31. Oktober 2016 einen gemeinsamen Gebetsgottesdienst abzuhalten, und es war im Grunde der Wunsch Roms, dass dieser in Lund stattfinden soll. Und der Lutherische Weltbund hatte natürlich nichts dagegen, weil der LWB ja auch 1947 in Lund gegründet worden ist.

weiterlesen

Religionskritik – wie geht das richtig? Die Freiheit sich abzuwenden

Heiner Bielefeldt, Podium, 2011. Bild: brightsblog
Heiner Bielefeldt, Podium, 2011. Bild: brightsblog
Zur Religionsfreiheit gehört das Recht, eine Religionsgemeinschaft zu kritisieren oder sie zu verlassen. Das sagte der Theologe Heiner Bielefeldt im Deutschlandfunk. Er ist(war, Anm.) Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats. Bielefeldt plädierte dafür, nicht zu verallgemeinern. Religion sei veränderbar. Auch durch Kritik.

Heiner Bielefeldt im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Bielefeldts Grundthese: Religion ist soziale Praxis. Menschen gestalten und tragen Religion. Deshalb sind Religionen historisch offen. Die Verantwortung des Menschen werde aber negiert, wenn Religionen etwa unterstellt werde, sie seien im Kern gewalttätig. Das sei eine fatalistische Position, sagte Bielefeldt. Wer behaupte, der Islam oder das Christentum seien per se intolerant, entlasse deren Anhänger aus der Verantwortung. Religionskritik sei wichtig, müsse sich aber an die Regel halten, dass den Religionsgemeinschaften zugetraut werde, sich zu verändern.

Andreas Main: Oft überschlagen sich die Emotionen in Religionsdebatten. In einer Zeit der Schlagwörter schlagen viele mit Wörtern nur so um sich. Zum „Schlagwort-Sprech“ gehört zum Beispiel der Begriff „Generalverdacht“. Die einen sagen, Muslime würden unter „Generalverdacht“ gestellt. Die Gegenseite sagt, „Islamkritiker“ würden unter „Generalverdacht“ gestellt. Wir wollen in dieser Woche ganz nüchtern fragen: Religionskritik – wie geht das richtig? Heute geht diese Frage an Heiner Bielefeldt. Er ist Theologe, Philosoph und Historiker und Professor an der Uni Erlangen-Nürnberg. Seit sechs Jahren ist Bielefeldt bei den Vereinten Nationen Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit. Er sagt ganz klar: Zur Religionsfreiheit gehört auch die Freiheit, eine Religionsgemeinschaft zu kritisieren oder sie zu verlassen. Er ist uns jetzt live zugeschaltet in Nürnberg. Guten Morgen Herr Bielefeldt.

Heiner Bielefeldt: Guten Morgen Herr Main.

Main: Herr Bielefeldt, bevor wir später dazu kommen, wie Religionskritik richtig geht, sagen Sie uns zuerst: Welche Form von Religionskritik geht gar nicht?

Bielefeldt: Also, rechtlich ist ja fast alles erlaubt. Das muss auch so sein. Das gehört zur Meinungsfreiheit, das gehört zur Religionsfreiheit im Übrigen auch, so, wie Sie gesagt haben. Rechtlich ist ganz viel erlaubt, auch nicht nur scharfe Kritik, Häme, aber ob das dann sinnvoll ist, ob das wirklich weiter führt, ist eine völlig andere Frage. Ich denke, ein Respekt, nicht vor den Religionen, sondern vor den Menschen, die in Religionen leben, ist Voraussetzung dafür, dass das in einer demokratischen Gesellschaft auch wirklich zum Gespräch führt. Deshalb also Genauigkeit, hinhören, keine – wie soll man sagen? – so Pappkameraden aufbauen, an denen man sich abarbeiten kann. Das gehört dazu, dass Religionsfreiheit auch sinnvoll ist, weiterführt, zur Klärung der schwierigen Fragen hilft. Aber rechtlich erlaubt ist fast alles.

weiterlesen

 

Säkularität in die Verfassung

Wichtig ist nicht, dass es Freiheit für Religion gibt, sondern auch Freiheit von Religion.

Von Gerhard Engelmayer | Die Presse

Die Religionsfreiheit wird auch seitens der Kirche als wichtig empfunden, obwohl von der Aufklärung gegen den Widerstand der Kirche durchgesetzt. In der Tat ist Religionsfreiheit für die moderne Welt eine der Stützen für ein friedliches Zusammenleben, vor allem in einer globalisierten Welt, in der es viele Religionen gibt, die alle behaupten, die Wahrheit zu vertreten.

Die großen Kirchen haben sich damit arrangiert und halten Seminare ab, wie man zu einem friedlichen Zusammenleben mit anderen Religionen kommt, meist unter dem Titel „Dialog mit . . .“.

Keine Vorschriften

Dass es Menschen gibt, die solche Seminare gar nicht brauchen, liegt daran, dass sich diese Menschen heraushalten und anderen keine Vorschriften machen wollen, was sie zu denken und zu tun haben. In Anlehnung an Farkas könnte man formulieren, dass die Religion uns von den Problemen befreit, die wir ohne sie gar nicht gehabt hätten. Diese Menschen schwören auf Religion im stillen Kämmerlein oder überhaupt auf Religionsabstinenz. Aber sie schwören auch wie einst Voltaire darauf, dass sie ihr Leben dafür geben wollen, dass der andere seine Meinung sagen kann*, auch wenn sie diese für falsch oder vielleicht sogar für kompletten Stuss halten.

weiterlesen

*Anm.: Das Zitat ist von Evelyn Beatrice Hall und nicht von Voltaire.

Parlamentarierkonferenz wirbt für weltweite Religionsfreiheit

Hans-Gert Pöttering 2014. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/Foto-AG Gymnasium Melle
Hans-Gert Pöttering 2014. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/Foto-AG Gymnasium Melle

Der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering (CDU), hat zum Einsatz für die Religionsfreiheit aufgerufen.

evangelisch.de

„Der Druck auf die Religionsfreiheit nimmt weltweit zu“, sagte Pöttering am Montag auf der zweiten internationalen Parlamentarierkonferenz zur Stärkung von Religions- und Glaubensfreiheit in Berlin. Mehr als 70 Prozent der Weltbevölkerung lebten Umfragen zufolge in Ländern, in denen Menschen ihren Glauben nicht frei leben könnten, weil sie von Regierungen, Gruppen oder Individuen angefeindet würden.

weiterlesen

Warum ich als Atheist die Muslime verteidige

Die Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh FOTO: Christoph Sebastian
Die Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh FOTO: Christoph Sebastian
Mit Religion hat unser Autor seit Ewigkeiten nichts mehr am Hut. Trotzdem stellt er sich immer wieder gegen Kritik am Islam. Ausschließlich selbstlos ist das nicht.
 

Von Sebastian Dalkowski | RP ONLINE

Es war mir noch kein Barthaar gewachsen, da hatte ich bereits entschieden, dass es Gott nicht gibt. Seitdem betrete ich Kirchen nur noch, wenn jemand beerdigt wird oder sie im Reiseführer stehen. Ich bin nicht in der Lage, mein Leben an einem Wesen auszurichten, das ich nicht sehe.

In den vergangenen Monaten habe ich mich immer wieder dabei erwischt, wie ich den Islam gegen überzogene Kritik verteidigte. Gegen den Vorwurf, dass der Islam Terrorismus fördere. Dass das Kopftuch automatisch Unterdrückung bedeutet. Dass Islam und Demokratie sich widersprechen. Dass diese Religion nicht in unsere Zeit und schon gar nicht in unser Abendland passt.

weiterlesen

Absolute Religionsfreiheit gibt es nicht

Frauen mit Gesichtsschleier sind in deutschen Städten eine Ausnahmeerscheinung / picture alliance
Rechtsstaat oder Religionsfreiheit, was ist wichtiger? Für Alexander Grau ist die Sache klar: bereits heute steht das Strafrecht über religiösen Normen und Geboten. Der deutsche Staat sollte aufhören, sich bei Religionsgemeinschaften anzubiedern.

Von Alexander Grau | Cicero

Nun ist sie also offiziell: Die „Berliner Erklärung“, in der die CDU-Innenminister ein Verschleierungsverbot im öffentlichen Raum fordern, ein „Burka-Verbot light“, wie umgehend gespottet wurde.

Eine interessante Entwicklung, ist es doch erst wenige Tage her, dass Bundesinnenminister de Maizière ein Burka-Verbot verfassungsrechtlich für bedenklich hielt. Er betonte, man könne nicht alles verbieten, was man ablehne. Ähnlich hatte sich SDP-Chef Gabriel geäußert. Ob der sich allerdings ähnlich wendig zeigen wird wie de Maizière, bleibt abzuwarten. Sein Vize, Ralf Stegner, hatte noch letzte Woche zu Protokoll gegeben, ein Verschleierungsverbot sei mit der Religionsfreiheit nicht zu vereinbaren.

weiterlesen

Pierre Bayle über Toleranz: Toleranz ist keine Gnade, sondern Vernunft

Nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes: Der Temple de Charenton, eine protestantische Kirche, wird abgerissen. Foto: imago/Leemage
Der andere ist ein Wesen gleich uns, auch wenn er aus unserer Sicht irrt: Die Schrift des hugenottischen Philosophen Pierre Bayle über die Religionsfreiheit ist immer noch und immer wieder aktuell.
 

Von Markus Schwering | Frankfurter Rundschau

Der eine Herr gewährte es, der andere nahm es wieder: Hatte der zum Katholizismus übergetretene König Heinrich IV. 1598 im Edikt von Nantes den calvinistischen Protestanten im katholischen Frankreich religiöse Toleranz und volle Bürgerrechte gewährt, so machte es sein Nachfolger Ludwig XIV. 87 Jahre später rückgängig.

Fixiert auf die absolutistische Uniformität seines Staatswesens und den päpstlichen Bündnispartner, beraubte er die Hugenotten sämtlicher religiöser und bürgerlicher Rechte. Das Ergebnis: Innerhalb weniger Monate flohen Hunderttausende außer Landes, unter anderem auch nach Preußen, wo sie zum entscheidenden Ferment beim wirtschaftlichen Aufbau des jungen Hohenzollernstaates wurden.

weiterlesen

Justiz im Schatten des Kreuzes?

In vielen deutschen Bundesländern gehören Kreuze in Gerichtssälen zum Alltag. (Foto: SZ.de)
Was spricht für Kreuze in Gerichtssälen, was spricht dagegen – und wie verbreitet ist das Symbol an deutschen Gerichten überhaupt? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Warum hängen in manchen deutschen Gerichten Kreuze?

In Deutschland sind Staat und Kirche dem Grundgesetz zufolge institutionell getrennt. Es gibt keine Staatskirche. Der Staat ist weltanschaulich neutral. Er ist aber nicht laizistisch.

Das heißt, es herrscht Religionsfreiheit, aber Religion ist nicht nur Privatsache, sondern auch eine öffentliche Angelegenheit: Glaubensgemeinschaften haben das Recht, im öffentlichen Raum aufzutreten, der Staat kooperiert in vielerlei Hinsicht partnerschaftlich mit ihnen. So wird die Kirchensteuer durch die staatlichen Finanzbehörden eingezogen, an Pflichtschulen gibt es Religionsunterricht, dessen Inhalt von den Glaubensgemeinschaften bestimmt wird, und Glaubensvertreter sitzen in den Ethikkommissionen.

Für die Mehrheit ist es normal, dass christliche Symbole und Bezüge zum christlichen Glauben noch immer allgegenwärtig sind. Dazu gehören Kirchen und christliche Feiertage, aber auch Kreuze in öffentlichen Gebäuden.

weiterlesen

Blasphemie-Gesetze sind schädlich – überall

In jedem vierten Land der Welt ist das Recht der Bevölkerung auf freie Religionsausübung eingeschränkt. Das geht aus einem am Mittwochabend (Ortszeit) in Washington veröffentlichten Bericht des US-Außenministeriums hervor. In den betroffenen 24 Prozent aller Länder leben den Angaben zufolge 74 Prozent der Weltbevölkerung.

kathpress

In dem Report für das Jahr 2015 heißt es, verantwortlich für die Restriktionen seien teilweise die jeweiligen Regierungen, teilweise aber auch gesellschaftliche Gruppen oder Terrororganisationen wie der „Islamische Staat“ (IS). Der Bericht dokumentiere „den Status des universellen Menschenrechts auf Religionsfreiheit in 199 Ländern“. Auch ein „Blasphemie-Fall“ aus Deutschland wird darin kurz erwähnt.

An vielen Orten der Welt gebe es Blasphemiegesetze mit teilweise tödlichen Auswirkungen, sagte David Saperstein, US-Botschafter für internationale Religionsfreiheit, bei der Vorstellung des Reports. Etwa jedes vierte Land habe Blasphemiegesetze und jedes zehnte Land Vorschriften, die einen „Abfall“ vom Glauben bestraften.

Als Negativbeispiele erwähnt der US-Report den Iran, wo Anhänger von Minderheitsreligionen wegen öffentlichen Eintretens für ihren Glauben hingerichtet worden sein. In Saudi-Arabien, Indonesien und Pakistan drohten Gefängnisstrafen im Falle von Gotteslästerung.

weiterlesen

Muslime lassen Staatskirchenrecht alt aussehen

Eine deutsche Fahne weht neben dem Minarett einer Moschee am Rande von Schwäbisch Hall (dpa / picture alliance / Frank Rumpenhorst)
Sich zu einer multireligiösen und zunehmend areligiösen Gesellschaft zu entwickeln, hält Staatsrechtler Hans Markus Heimann für eine Herausforderung. Verfassungsrechtlich sei Deutschland ihr aber durchaus für gewachsen.

Hans Markus Heimann im Gespräch mit Sigrid Brinkmann | Deutschlandradio Kultur

Das Grundgesetz habe den deutschen Staat religionsneutral angelegt und gewähre Religionsfreiheit. Auch wenn den Angehörigen aller Religionen gleichermaßen Freiheit und Gleichheit garantiert sei, wären beschränkende Eingriffe erlaubt – wie in anderen Grundrechtsfragen auch.

Wo nämlich Grundrechte kollidierten und entsprechend ausgeglichen werden müssten, könnte die freiheitlich-demokratische Rechtsordnung Religion und Weltanschauung relativieren. So müsse die Praxis religiöser Beschneidung am Rechtsgut der körperlichen Unversehrtheit eines Kindes gemessen werden. Dagegen sehe er keines, das mit Bekleidungsvorschriften abgewogen werden sollte. Aus diesem Grund dürfte hierzulande ein „Burka-Verbot“ verfassungsrechtlich nicht bestehen.

Weltanschauung verpflichtet nicht zu Verfassungstreue

Einerseits habe der Einzelne zu akzeptieren, dass staatliches Handeln nicht den Normen einer Religion unterworfen werden könne. Andererseits sei es erlaubt, wenn auch problematisch, ein religiöses Weltbild zu haben, das den Prinzipien des Grundgesetzes widerspreche, solange dadurch nicht Straftaten gerechtfertigt würden oder der betreffende Gläubige nicht als Beamter zu umfassender Verfassungstreue verpflichtet sei.

weiterlesen

Burka im Kopf

© dpa Besucherinnen der Ausstellung „Burquoi“ im Kunstverein Wiesbaden (Archivbild)
Ein Vollverschleierungs-Verbot mögen sich viele Deutsche wünschen. Doch sollten sich seine Unterstützer keiner Illusion hingeben.

Von Lorenz Hemicker | Frankfurter Allgemeine

Jens Spahn fehlt es nicht an Bodenhaftung. Vielleicht liegt das daran, dass er nach eigenem Bekunden auch als Bundestagsabgeordneter noch bei Ikea einkauft. Dort hat er beobachtet, dass es Menschen gibt, deren Gesichtszüge nicht zu erkennen sind, deren Kleidung ein klares „Nein“ zu jedweder Kommunikation ausstrahlt. Und andere Menschen, die den Verhüllten nachschauen – ratlos, ängstlich oder feindselig. Muss das so sein?

Die Antwort von Jens Spahn darauf ist einfach, er will ein Burka-Verbot, wie schon viele andere Unionspolitiker vor ihm. Zahlreiche Deutsche würden das unterschreiben. Es widerspricht unserer Auffassung von Menschenwürde und Gleichberechtigung, dass sich Frauen vollständig verhüllen (müssen).

weiterlesen

Obskur: Wenn Katholiken Gender-Toiletten nicht verstehen

Bild: FB
Bild: FB

In den USA hat ein Mitarbeiter der Kaufhauskette „Macy’s“ seine Stelle als Kaufhausdetektiv verloren, nachdem er sich in einem Streit um Gender-Toiletten zu seinem christlichen Glauben bekannte.

kath.net

Nach der Genderforschung gibt es nicht nur Mann und Frau, sondern zahlreiche geschlechtliche Orientierungen. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern seien nicht angeboren, sondern sozial konstruiert. In der Kontroverse ging es um die Frage, ob Männer, die sich als Frauen fühlen, die Damentoiletten benutzen dürfen.
Wie US-Medien berichten, war Javier Chavez seit 26 Jahren bei dem Warenhauskonzern angestellt, zuletzt als leitender Sicherheitsbeauftragter in einer Filiale im New Yorker Stadtteil Queens. Der Detektiv wurde von zwei Kunden – einer Mutter mit ihrer Tochter – darüber informiert, dass sich ein Mann zusammen mit einer Frau in der Damentoilette aufhalte. Ein Mitarbeiter von Chavez bat den Mann daraufhin, er solle die Herrentoilette aufsuchen. Er verweigerte das und erklärte, er sei eine Frau. Nach dem Vorfall informierte der stellvertretende Filialleiter Chavez darüber, dass es Transgender-Personen erlaubt sei, in Macy’s-Kaufhäusern eine Toilette ihrer Wahl aufzusuchen.

weiterlesen

Gauland: „Asylrecht für Muslime muss umgehend ausgesetzt werden“

Bild: eine-zeitung.net
Alexander Gauland auf den Spuren von Donald Trump: Der AfD-Vize fordert, dass Muslime vorübergehend kein Asyl mehr bekommen sollen. Der US-Präsidentschaftskandidat hatte damit für Aufregung gesorgt.

DIE WELT

Nach den jüngsten mutmaßlich islamistischen Anschlägen will AfD-Vize Alexander Gauland das Asylrecht für Muslime einschränken. „Wir können es uns aus Sicherheitsgründen nicht mehr leisten, noch mehr Muslime unkontrolliert nach Deutschland einwandern zu lassen“, erklärte der stellvertretende AfD-Vorsitzende am Mittwoch.

Deshalb müsse „das Asylrecht für Muslime umgehend ausgesetzt werden, bis alle Asylbewerber, die sich in Deutschland aufhalten, registriert, kontrolliert und deren Anträge bearbeitet sind“.

weiterlesen

Judendiskriminierung in der chinesischen Provinz: Kuschen in Kaifeng

Viele Juden flüchteten aus Nazideutschland nach China. (Bild: Scherl / Keystone)
Bis vor kurzem waren die Juden der chinesischen Provinzstadt Kaifeng bei der Stadtregierung wohlgelitten. Man hoffte, durch sie zu mehr Touristen zu kommen. Nun stehen die Zeichen auf Repression.
 

Von Matthias Messmer | Neue Zürcher Zeitung

Noch bis vor einem Jahr fand man nur gute Worte füreinander: ein Beamter der lokalen Stadtregierung einerseits, der die Hoffnung verströmte, mit der Symbolik des in der Provinz Henan gelegenen Ortes Kaifeng als «Klein-Israel» könnte man Investoren aus dem Heiligen Land und den USA in diese chinesische Provinzstadt locken, und anderseits die Nachfahren einer einst blühenden jüdischen Gemeinde im Reich der Mitte, die glaubten, Chinas Regierung sei heutzutage tolerant genug, wenn nicht jüdische Religion, dann zumindest ein (auf Sparflamme existierendes) jüdisches Kulturleben zu erlauben.

Ein Jahr zugewartet

Doch es kam anders, wie so oft in China – und doch nicht ganz unerwartet. Aus Kaifeng, der Hauptstadt der nördlichen Song-Dynastie (960–1126), einst ein wichtiges Handelszentrum auf der Seidenstrasse, werden Nachrichten bekannt, die aufhorchen lassen: Seit dem Sommer vorigen Jahres ist es ausländischen Gruppenreisenden (es handelt sich dabei meist um jüdische Kulturtouristen) verboten, die Stadt, in der angeblich 500 bis 1000 Nachkommen der einst 5000 Mitglieder umfassenden jüdischen Gemeinde leben, zu besuchen. Des Weiteren seien die historischen Mikwaot, die traditionellen rituellen Bäder, mit Beton aufgefüllt und der Zugang im städtischen Museum zu den berühmten jüdischen Stelen versperrt worden.

weiterlesen

Religionsfreiheit: Abtrünnige im Islam

Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) mit Fahne: Die Hinrichtung von Abtrünnigen sei nach islamischem Recht legitim, so der IS. (AFP / TAUSEEF MUSTAFA)
Im Sudan, Jemen und Iran sowie in vielen anderen Ländern kann die Abkehr vom Islam noch heute mit dem Tode bestraft werden. Besonders brutal agiert der sogenannte Islamische Staat. IS-Terroristen richten Menschen hin, weil sie anders glauben. Dabei berufen sie sich auf den Islam. Doch wie sieht es mit der Religionsfreiheit im Islam tatsächlich aus?

Von Hüseyin Topel | Deutschlandfunk

Abtrünnige werden im Islam als „Murted“ bezeichnet. Ismet Macit, Experte im islamischen Recht, erklärt was dieser Begriff bedeutet:

„Murted bedeutet im Wörterbuch zunächst einmal Umkehrer; und nach islamischem Recht bezeichnet dieser Begriff speziell diejenigen, die aus dem Islam austreten und einen anderen oder gar keinen Glauben annehmen.“

Dieses Phänomen ist auch in anderen Religionen bekannt.

„Das ist nicht nur im Islam so. Das ist ein generelles Problem. Das gab es – in unterschiedlicher Form – auch im Judentum oder im Christentum. Religionsgemeinschaften haben Austreter stets bestraft.“

Dennoch ist dieser Begriff gegenwärtig so aktuell wie nie.

weiterlesen

Wieviel Religion verträgt Deutschland?

Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Der Jurist Hans Markus Heimann analysiert in seinem neuen Buch „Deutschland als multireligiöser Staat“ das Verhältnis zwischen Staat und Glauben in der Bundesrepublik. Auf Grundlage des Grundgesetzes stellt der Autor dabei die Gretchenfrage an die deutsche Verfassung.
 

Hamburger Abendblatt

Das Kruzifix an der Wand in öffentlichen Gebäuden oder das Kopftuch, getragen von einer Lehrerin: An religiösen Symbolen in der Öffentlichkeit entbrennen immer wieder gesellschaftliche Diskussionen.

Der Staats- und Verwaltungsrechtler Hans Markus Heimann erklärt in seinem Buch „Deutschland als multireligiöser Staat“, wie die rechtliche und gesetzliche Grundlage der Religionsfreiheit in Deutschland gestaltet ist und wie weit sie gehen kann.

weiterlesen

Streit um Schmuckkreuze in Drogeriemarkt

Verkäufern und Kassiererinnen in der Ravensburger Filiale der Drogeriekette Müller soll es verboten worden sein, religiöse Symbole wie Kruzifixe an Halsketten zu tragen.

evangelisch.de

Wie die „Schwäbische Zeitung“ berichtet, hatte sich der Bekannte einer Mitarbeiterin des Drogeriemarkts bei der Zeitung gemeldet und über das Kruzifix-Verbot informiert. Die Mitarbeiterin selbst sei „zu eingeschüchtert“ gewesen, um damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

Inzwischen hat es Boykottdrohungen von Kunden gegen das Unternehmen gegeben. Auf der Müller-Facebook-Seite gingen zahllose Beschwerden ein. Die Geschäftsführung wollte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern.

weiterlesen

„Religionsfreiheit ist kein Schutzrecht der Ehre“

Heiner Bielefeldt, Podium, 2011. Bild: brightsblog
Heiner Bielefeldt, Podium, 2011. Bild: brightsblog
Sechs Jahre war Heiner Bielefeldt der UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit. Seine globale Agenda ist quasi endlos: Diskriminierung, bedrohte Menschenrechte, „Blasphemie“-Vorwürfe und allerorten verletzte religiöse Gefühle. Aber auch die kirchlichen Strukturen in Deutschland müssten „durchlüftet“ werden.

Heiner Bielefeldt im Gespräch mit Anne Françoise Weber | Deutschlandradio Kultur

Anne Françoise Weber: Sechs Jahre lang ist er um die Welt gereist, hat mit Regierungsvertretern, Geistlichen, einfachen Gläubigen und Nichtregierungsorganisationen gesprochen und vor den Vereinten Nationen immer wieder Bericht erstattet – und das alles im Ehrenamt. Ein solches ist nämlich der Job des Sonderberichterstatters für Religions- und Weltanschauungsfreiheit bei den Vereinten Nationen. Heiner Bielefeldt hatte dieses Amt seit Sommer 2010 inne und wird es in wenigen Wochen abgeben.

Im Hauptberuf ist der katholische Theologe, Historiker und Philosoph seit 2009 Professor für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der Universität Erlangen-Nürnberg, davor war er Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Ich habe vor der Sendung mit Heiner Bielefeldt gesprochen und ihn gefragt, ob er im Rückblick auf diese sechs Jahre als Sonderberichterstatter denn bestimmte Entwicklungen ausmachen kann. Sind da neue Themen, neue Akteure aufgetaucht, soweit man überhaupt von einer allgemeinen Entwicklung auf globaler Ebene sprechen kann?

Heiner Bielefeldt: Ja, erst mal haben Sie vollkommen recht, dass es schwer ist, von globalen Entwicklungen zu reden, dennoch lässt sich feststellen, das Thema Religionsfreiheit ist ungemein politisiert, mehr als zuvor, und das hat viele Gründe. Das hat seinen Grund zum Beispiel auch in manchen verwirrenden Debatten, die wir in der UNO hatten, um Blasphemiegesetze – kein Anliegen der Religionsfreiheit, wie ich nebenbei vermerken möchte –, aber es liegt natürlich auch daran, dass wir ganz fürchterliche Gewalteruptionen gesehen haben, nicht nur in Middle East, aber ganz besonders eben im Nahen Osten, der Islamische Staat und viele andere Dinge. Also das Thema Religion findet ganz neue Aufmerksamkeit, auch das Menschenrecht auf Religionsfreiheit mehr Aufmerksamkeit als zuvor. Es ist ungemein politisiert.

weiterlesen

Schwimmen – Das hat mit #Religion nichts zu tun! Oder doch?

Badebekleidung 1893. Bild: wikimedia.org/Wilhelm Dreesen/PD

Verwundertes Augenreiben: Für Frauen und Männer getrenntes Schwimmen im öffentlichen Schwimmbad. Das kenne ich doch, das habe ich doch schon mal gehört. Und ich erinnere mich an meine Kindheit und Jugend

Von Angela Klassmann | fraupolitik

Mein erzkatholischer Großvater verbot uns als jugendlichen Mädchen und Jungen, gemeinsam in unserem Schwimmbad zu schwimmen. Bikini? Hatte bei uns lebenslanges Hausverbot. Ganz im Sinne einer erzkatholischen Auslegung der Schöpfungsgeschichte mitsamt Vertreibung aus dem Paradies. Es war ja nun mal eine durch diese Geschichte belegte Tatsache: Die Frau, die Verführerin! Der arme Adam fiel doch nur ahnungslos auf die böse Eva herein. Schuld war und ist immer die Frau. Steht doch so schon in der Bibel, im christlichen Alten Testament. Diese Geschichte musste bei uns zu Hause immer herhalten, wenn es um das Benehmen und die Bekleidung von Frauen und Mädchen ging. Das Christentum hat die Texte des Alten Testaments übrigens vom Judentum. Auch der Islam verweist auf diese alten jüdischen Texte.

Wie habe ich aufgeatmet, als ich endlich verstand, dass dies nur Geschichten sind, die von Menschen im Kontext einer lang vergangenen Zeit als Zeugnisse ihrer Glaubenserfahrungen erzählt wurden. Geschichten, die seit mehr als zweitausend Jahren von Männern im Interesse des eigenen Machterhalts gedeutet und von Generationen von Frauen ungeprüft weiter getragen und vorgelebt wurden. Ob deshalb heute fundamentalistische evangelische und katholische Gruppen die Klagen fundamentalistischer islamischer Gemeinden mit Interesse beobachten? Gruppen, die religiöse Partikular-Interessen in Deutschland durchsetzen wollen? Hoffen Sie auf juristische und politische Entscheidungen, die Religionsfreiheit einzelner religiöser Gruppen wieder über den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte setzen? Hoffen Sie darauf, dass auch sie dadurch wieder mehr Einfluss auf den Staat ausüben können?

weiterlesen