Kamerun: Stammesreligions-Integralisten zerstören Bergkreuz

Eine interreligiöse Begegnung in Kamerun - REUTERS
Eine interreligiöse Begegnung in Kamerun – REUTERS
Integralisten, die für eine Rückkehr zu den Stammesreligionen eintreten, haben das Holzkreuz auf dem Berg Ngock Lituba zerstört. Wie die in Kamerun erscheinende Tageszeitung „Le Messager“ berichtet, führen Mitglieder des Bassa-Stammes seit mehreren Monaten Angriffe durch, da er keine andere Religion neben der Stammesreligion tolerieren will.

Radio Vatikan

Die Zerstörung des Kreuzes auf dem Berg Ngock Lituba ist von symbolischer Bedeutung, weil der Berg als heilige Stätte der Stammesreligion betrachtet wird und viele die Aufstellung eines Kreuzes an diesem Ort abgelehnt hatten. Die neue Bewegung will nach Angeben der einheimischen Presse aber auch Kultstätten wie Kirchen und Moscheen zerstören, die in den vom Bassa-Volk bewohnten Gebieten gebaut wurden. Außerdem sollen alle Symbole entfernt werden, die für die westliche Kultur stehen, und durch Symbole der Stammestradition ersetzen werden.

„Le Messager“ befürchtet, dass auch das westlich geprägte Bildungssystem in Kamerun und die Werte der Philosophie, Wissenschaft, Religionsfreiheit sowie die säkulare Staatsform in Frage gestellt werden.

 

Schalldämpfer für Muezzin-Ruf

Verstimmung: Ein Gesetz soll eine maximale Lautstärke für den Gebetsruf festlegen. Ein Minarett in der Altstadt Jerusalems. Bild: AFP
Verstimmung: Ein Gesetz soll eine maximale Lautstärke für den Gebetsruf festlegen. Ein Minarett in der Altstadt Jerusalems. Bild: AFP
In Israel stören sich viele am lauten Gebetsruf für Muslime. Warum ausgerechnet ultraorthodoxe Juden gar nichts mit einem Lärm-Stopp anfangen können.

Von Daniel Estrin | Tages Anzeiger

Der erste Gebetsruf des Tages ertönt um fünf Uhr morgens. Damit ist für alle, die in der Umgebung einer Moschee wohnen, die Nachtruhe beendet. Nun hat ein Ministerausschuss in Israel ein Gesetz auf den Weg gebracht, das die Lautsprecher faktisch verbieten soll. Der prominenteste Unterstützer des sogenannten «Muezzin-Gesetzes» ist Ministerpräsident Benjamin Netanyahu.

«Ich kann nicht mehr zählen, wie oft sich Bürger aus allen Teilen der israelischen Gesellschaft, aller Religionen, bei mir über den Lärm beschwert haben», sagte Netanyahu in dieser Woche im Kabinett. Israel sei ein Land, das die Religionsfreiheit respektiere. «Israel ist aber auch verpflichtet, diejenigen zu schützen, die unter den übermässig lauten Rufen leiden», erklärte der Regierungschef.

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Kirche in Not: Religiöser Fundamentalismus ist verbreitet wie noch nie

Katholiban "Großstadt-Mission" in elf Städten Europas

Das katholische Hilfswerk warnt vor „islamistischem Hyper-Extremismus“ mit grausamer Behandlung der Opfer, etwa die Verbrennung von Menschen bei lebendigem Leibe, Kreuzigungen und das Herabstürzen von hohen Gebäuden

kath.net

Der religiöse Fundamentalismus ist so verbreitet wie noch nie. Er tötet, zerstört und macht Menschen in einem nie dagewesenen Ausmaß heimatlos. Das geht aus dem „Bericht zur Religionsfreiheit weltweit 2016“ des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ (München) hervor. Im Vergleich zum vorigen Bericht 2014 habe sich die Situation hinsichtlich der Religionsfreiheit in 14 Ländern – darunter Niger, Pakistan, Indonesien und Libyen – deutlich verschlechtert. Die Organisation warnt ferner vor einem „islamistischen Hyper-Extremismus“. Zu dessen zentralen Merkmalen gehörten systematische Versuche, alle andersdenkenden Gruppen zu verjagen, eine beispiellos grausame Behandlung der Opfer – etwa die Verbrennung von Menschen bei lebendigem Leibe, Kreuzigungen und das Herabstürzen von hohen Gebäuden –, ein globales Agieren und der effiziente Einsatz der sozialen Medien, um Anhänger zu rekrutieren. In den vergangenen zwei Jahren habe es in jedem fünften Land der Welt mindestens einen gewalttätigen islamistischen Anschlag gegeben: „In Teilen des Nahen Ostens, darunter in Syrien und im Irak, zerstört der Hyper-Extremismus jegliche religiöse Vielfalt.“ Dieselbe Gefahr drohe auch in Teilen Afrikas und Asiens. Laut dem Bericht sind es häufig nicht die Regierungen, die Schuld an religiöser Verfolgung tragen. In zwölf der 23 Länder mit den schwerwiegendsten Verstößen gegen die Religionsfreiheit seien „nichtstaatliche Akteure“ dafür verantwortlich.

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Kognitive Dissonanzen beim AKP-Ableger zum Grundgesetz

Grünen stimmen ab bei der Bundesdelegiertenkonferenz in Münster 2016 © Twitter
Grünen stimmen ab bei der Bundesdelegiertenkonferenz in Münster 2016 © Twitter
In Deutschland gibt es vier große islamische Organisationen. Die Grünen beschlossen auf ihrer Bundesdelegertenkonferenz: keine einzige ist eine Religionsgemeinschaft. Murat Kayman wirft den Grünen doppelten Verfassungsbruch vor.

Von Murat Kayman | MiGAZIN

Demokratischer Sittenverfall, Hybris, Entrechtung von Bürgern müssen keine existenziell bedrohlichen Ausmaße erreichen, bevor wir uns zum Widerspruch aufgerufen fühlen. Gerade unsere deutsche Geschichte verpflichtet uns und nimmt uns in die Verantwortung, bei solchen gesellschaftlichen Entwicklungen rechtzeitig und deutlich vernehmbar die Stimme zu erheben.

Mit der gleichen Selbstgefälligkeit, mit der unsere etablierten politischen Kräfte auf die Präsidentenwahl in den USA blicken, nehmen sie offenkundig auch ihr eigenes politisches Handeln wahr. Bevor also das Super-Wahljahr 2017 anbricht, hier der Hinweis auf die aktuellen Verirrungen unserer bundesdeutschen Politik:

Die AfD gibt den Takt vor, die etablierten Parteien geben schrittweise und in tänzerischer Leichtigkeit die Errungenschaften unserer freiheitlichen Gesellschaft und Verfassungsordnung auf. Die AfD beschließt auf ihrem Parteitag, dass eine Weltreligion keine mehr ist. So kann das Selbstbild des demokratischen und zivilisierten Europäers aufrechterhalten bleiben. Weil der Islam keine Religion, sondern eine politische Ideologie sei, wolle man auch nicht die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit abschaffen, sondern bekämpfe nur eine Gefahr für unsere Demokratie.

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Warum sich Muslime trotz Trump mit den USA identifizieren

Der Koran in englischer Übersetzung (imago stock&people / ZUMA Press )
Der Koran in englischer Übersetzung (imago stock&people / ZUMA Press )
Muslime in den USA stecken zwischen Baum und Borke. Sie identifizieren sich mit ihrem Land, genießen die Religionsfreiheit. Sie werden aber auch immer wieder schief angesehen, wenn sie als Muslime erkennbar sind. Die meisten lassen sich nicht davon erschüttern – auch nicht davon, dass Donald Trump Präsident werden könnte. Zumindest in liberalen Gemeinden in Kalifornien nicht.

Von Abdul Ahmad Rashid | Deutschlandfunk

Freitagmittag in Mission Viejo, einem kleinen Ort 70 km südlich von Los Angeles. Am Ende einer Durchgangstraße, umgeben von Firmengebäuden, liegt das Gebäude der „Orange County Islamic Foundation“. Von außen ein mehrstöckiger schmuckloser Bau mit weißen Mauern und großen Fenstern, von innen geschmackvoll und üppig eingerichtet: Im Eingangsbereich Marmorboden und ein Springbrunnen, im Gebetsraum weicher Teppichboden, Klimaanlage und Monitore. Hier hat der Besucher das Gefühl, in einem großen Wohnzimmer zu sein und nicht in einer Moschee. Von allen Seiten strömen Menschen in die Moschee. Im Gegensatz zu Deutschland tragen die Männer hier durchgehend westliche Alltagskleidung. Kaftane oder andere traditionelle Bekleidungsarten sucht man hier vergeblich. Die Predigt wird hier nicht nur auf Englisch gehalten, sondern fällt auch, anders als oftmals in Deutschland, sehr intellektuell aus.

„Diejenigen, die predigen, gehen immer mehr weg von den trockenen, vorgestanzten Predigten, die man in den Lehrbüchern findet. Wir haben aus der Tradition gelernt und machen sie wieder relevant für die Erfahrung der amerikanischen Muslime heute.“

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Volker Beck: „Arabische Predigten sind ein Stück Heimat“

Photographer Angelika KohlmeierDer Grünen-Politiker Volker Beck rät zu mehr Entspannung, wenn in einem Stadtteil eine Sprache der Zuwanderer vorherrscht. Notfalls müssten die dort lebenden Deutschen diese Sprache lernen, sagt er im Gespräch mit n-tv Moderator Constantin Schreiber.

n-tv

Constantin Schreiber: Wie kann man für Migranten Integrationszugänge schaffen, wenn in manchen Stadtteilen inzwischen häufig kein Deutsch gesprochen wird?

Volker Beck: Andere Länder gehen damit entspannter um, dass in manchen Vierteln auch mal eine andere Sprache von einer Migrationscommunity gesprochen wird. In den USA finden Sie ihr Chinatown, da finden Sie die Gegenden, wo die Mexikaner wohnen, oder je nachdem, welche Community in der Stadt gerade stark ist. (…) Da gibt es ein bisschen ein Unwohlsein, weil man das Gefühl hat, man bekommt was nicht mit. Aber wenn einem das wirklich wichtig ist, soll man diese Sprache lernen. (…) Da, wo es Probleme mit Islamismus und Gewalt gibt, muss man mit Sozialarbeitern rein, die dann die interkulturelle Kompetenz haben.

Wäre es nicht gut, wenn es keine Predigten auf Arabisch oder Türkisch in deutschen Moscheen gibt, sondern auf Deutsch?

Das geht nicht. Wir haben Gottesdienste immer schon in der katholischen Kirche in Deutschland gehabt, seit der Gastarbeitereinwanderung, auf Kroatisch, auf Italienisch, auf Ukrainisch. Selbstverständlich gehört das zur Religionsfreiheit dazu, und es ist auch ein bisschen Heimat, dass man ein Gottesdienstangebot bekommt in der eigenen Sprache!

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Europäische Bischöfe besorgt über Zurückdrängung der Religion

Das Kreuz mit den Religionen
Das Kreuz mit den Religionen
Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE): In Europa gehen „durch diskriminierende Praktiken viele soziokulturelle Zeichen in die Richtung, dem Christentum eine marginale Rolle zuzuteilen“.

kath.net

Der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) hat zum Abschluss seiner Jahresvollversammlung am Wochenende in Moncaco einen Appell an die Regierungen gegen eine Zurückdrängung der Religion aus dem öffentlichen Leben gerichtet. Österreich war bei dem Treffen im Fürstentum durch Kardinal Christoph Schönborn vertreten. Das Thema der Religionsfreiheit und Intoleranz gegenüber Christen referierte der Wiener Historiker Martin Kugler vom „Observatory on intolerance and discrimination against Christian in Europe“. Er zeigte sich insbesondere besorgt über die Entwicklungen in Frankreich, Großbritannien, Holland und Skandinavien.

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Der erfundene Skandal

Bild: Jüdische Rundschau
Bild: Jüdische Rundschau
„Burkini“, sagte die Dame im Eissalon am Nebentisch, „ich kann das Wort nicht mehr hören“. Tatsächlich gab es im Sommer 2016 zu einer Zeit, in der Journalisten sich in der Regel über das Sommerloch beklagen, kein häufiger verwendetes Wort als dieses. Alle guten und natürlich tolerant gesinnten Menschen Europas und Nordamerikas regten sich über die „bösen Franzosen“ auf.

Von Karl Pfeifer | Jüdische Rundschau

In Frankreich selbst zog der ehemalige „Le Monde“-Journalist und Gründer des „linken“ Medienkonzerns „Mediapart“, Edwy Plenel, in den Kampf, um ein von der Australierin Aheda Zanetti vor ungefähr zwölf Jahren erfundenes Kleidungsstück – die Burka für den Strand – zu verteidigen. Er erinnerte an die Badekleider der Französinnen am Beginn des 20. Jahrhunderts, nachdem er schon vor zwei Jahren „seine beiden bretonischen Großmütter“ erwähnte, „die ein Kopftuch trugen“. „Charlie Hebdo“ widmete diesem Islamismusversteher eine ganze Seite mit Karikaturen, der als „ewiger Demagoge“ predigend auf einer Kanzel dargestellt wird.

Es artikulierten sich auch all jene für „Religionsfreiheit“, die behaupteten, den Islam könne man nur dann „voll“ ausleben, wenn man sich an die strengsten Vorschriften hält und akzeptiert, dass diejenigen Frauen, die weder Burka noch Nikab tragen, schlechte Musliminnen sind.

In ihrer Beschwerde gegen das Rathaus von Cannes, hat das „Kollektiv gegen die Islamophobie in Frankreich“ (CCIF) aber nicht die Freiheit sich so zu kleiden wie es einem beliebt erwähnt, sondern die Religionsfreiheit. Als ob die Verschleierung am Strand Teil einer Religionsausübung wäre.

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Thüringen: CDU-Antrag zum besseren Schutz von Christen fällt durch

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Ein Antrag der CDU-Fraktion in Thüringen zum besseren Schutz von Christen vor religiös motivierter Gewalt hat im Landtag in Erfurt keine Mehrheit erhalten.

kath.net

Mit der Initiative unter den Titel „Interreligiöse Kompetenz und Toleranz stärken – Christliche Werte schützen und antichristliche Gewalt ächten und ahnden“ hatte die CDU die rot-rot-grüne Landesregierung aufgefordert, sich in der Innenministerkonferenz dafür starkzumachen, dass solche Gewalt gegen Christen in der Kriminalitätsstatistik künftig gesondert aufgeführt wird. Ferner sollten die Anforderungen an das Bewachungsgewerbe um „interreligiöse Kompetenz“ erweitert werden.

Linke, SPD und Grüne wiesen die Initiative mit der Begründung zurück, dass sie nur christliche Zuwanderer besser schützen wolle.

Die AfD hatte bereits im April einen ähnlichen Antrag gestellt mit dem Titel „Religionsfreiheit schützen – Übergriffe auf christliche Asylbewerber verhindern“. Er war damals sowohl von der Regierungskoalition als auch von der CDU abgelehnt worden.

Glocke oder Muezzin: Was nervt mehr?

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Moscheegemeinden dürfen in Deutschland den Muezzin laut zum Gebet rufen lassen. Die Religionsfreiheit erlaubt das – genauso wie sie es Kirchengemeinden erlaubt, ihre Glocken zu läuten. Beschwerden gibt es häufiger über Glocken als über Muezzinrufe.

Von Anne Kampf | evangelisch.de

„Allāhu akbar. Ašhadu an lā llāha lllā llāh. Ašhadu anna Muḥammadan rasūlu llāh. Ḥayya ʿalā ṣ-ṣalāt.…“. So beginnt der Gebetsruf in arabischer Sprache. Jedes rituelle islamische Gebet fängt mit diesen Worten an, ob zu Hause oder in der Moschee. „Allah (Gott) ist groß (größer als alles und mit nichts vergleichbar). Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Allah (Gott). Ich bezeuge, dass Mohammed Allahs (Gottes) Gesandter ist. Eilt zum Gebet. …“ Der muslimische Gebetsruf ist ein Glaubensbekenntnis.

Darin liegt schon der wesentliche Unterschied zum kirchlichen Geläut: Die Glocken läuten nur als Klangsignal – ohne Worte, die eine Botschaft vermitteln würden. Trotzdem sind sie nicht frei von inhaltlichen Aussagen, erläutert der Bonner Staatskirchenrechtler Ansgar Hense: Glocken können einladende, anzeigende, erinnernde oder prädikative Funktion haben, das heißt zum Gottesdienst rufen, eine Hochzeit oder Beerdigung ankündigen, zum Gebet auffordern oder Freude ausdrücken.

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Ent-Christianisierung: Kauder der vorletzte Christ

Volker Kauder: Nichts ist wichtiger als Religion (= Christentum)

Der Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag, Volker Kauder (CDU), hat vor einer Ent-Christianierung Deutschlands gewarnt. Diese bereite ihm mehr Sorgen als eine Islamisierung, sagte er am Sonntag in Würzburg bei dem ökumenischen Kongress „Pfingsten 21“. „Wir sollten als Christen mehr über unsere Religion und weniger über den Islam reden“, empfahl er.

evangelisch.de

Gleichzeitig forderte er mehr Einsatz für die Religionsfreiheit und für verfolgte Christen. Eine Freiheitsdiskussion zu führen ohne das Thema Religion sei ausgeschlossen. Er kritisierte vor allem Drangsalierungen in Saudi-Arabien und China.

Kauder sprach sich klar für ein Burka- und Kopftuchverbot in den Bereichen aus, wo sich der weltanschaulich neutrale Staat zeigt, etwa bei der Polizei, in Schulen und im Gericht. Zugleich wandte er sich auch gegen populistische Reden, etwa aus der rechtskonservativen AfD. Man könne die Haltungen von Menschen kritisieren, dürfe ihnen als Christ jedoch nie an die Würde gehen.

„Der Staat muss auch Wertediskussionen führen“

as erste Mal in großer Runde: Die Teilnehmer Deutschen Islam Konferenz 2006.Foto: Wolfgang Kumm/dpa
Das erste Mal in großer Runde: Die Teilnehmer Deutschen Islam Konferenz 2006.Foto: Wolfgang Kumm/dpa
Vor zehn Jahre tagte erstmal die Deutsche Islamkonferenz. Was hat sie gebracht? Ein Gespräch mit Markus Kerber über Religion, staatliche Verantwortung und Sicherheit.

Von Andrea Dernbach | DER TAGESSPIEGEL

Herr Kerber, Sie waren in der Anfangsphase der DIK als Leiter der Grundsatzabteilung im Innenministerium der Mann hinter der DIK. Was hat sich seither geändert?

Für Wolfgang Schäuble war sie ein Lieblingsprojekt, das er ins Herz geschlossen hatte. Er ließ sich wöchentlich darüber unterrichten, er gab Input, er hatte klare Vorstellungen. Anders wäre die Sache auch nichts geworden, der Zug musste von der Spitze des Hauses kommen. Später wurde die Islamkonferenz nur noch administriert. Das soll kein Vorwurf an Schäubles Nachfolger sein, die hatten einfach andere Steckenpferde.

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Marx und Minirock

Foto: brightsblog
Foto: brightsblog
Ein Kuschelkurs in Sachen Islam wird das hier nicht. Auf die Frage, ob ich fotografieren könne, erwidert Uwe Vorberg vom Bahnhof Langendreer, er müsse erst die beiden Personenschützer von Mina Ahadi informieren, damit es keine Probleme gibt. Als er in den Abend zum Thema „Frauenrechte und Islam“ einführt, bemerkt er angesichts des vollen Studios 108 trocken „Es scheint ein brennendes Thema zu sein“.

Von Maxi Braun | Richard Dawkins-Foundation

Um die 150 Menschen sind der Einladung des Bahnhof Langendreer und der Initiative Religionsfrei im Revier gefolgt, um die Exil-Iranerin und Menschenrechtsaktivistin sprechen zu hören. Sie sitzen auf dem Boden oder stehen hinter der letzten Stuhlreihe, bis zur Tür. Mina Ahadi ist Vorsitzende des 2007 gegründeten Zentralrats der Ex-Muslime, Begründerin eines Internationalen Komitees gegen Steinigung und eines gegen die Todesstrafe.

Ihre Biografie verleiht dem Gesagten besonderen Nachdruck. Sie erzählt, wie sie in einem iranischen Dorf aufwuchs und schon als Kind auf der Straße einen Tschador tragen musste, mit niemandem sprechen durfte, wenn sie von A nach B ging. Anders war es in der Großstadt Teheran, wo sie ihren atheistischen Großvater besuchte. Das Leben dort war voller Farben, Eis und Kinobesuche. In ihrem Dorf war es schwarz hinter dem Tschador, für Ahadi ein „mobiles Gefängnis“. Das war in den 1960er Jahren, noch unter Schah Mohammad Reza Pahlavi.

Ihr Körper wird mit der Pubertät zunehmend zu einem Problem. Das Einsetzen der Periode sei „ein schwarzer Tag für die Familie“ gewesen. Sie beginnt, die Religion und ihren Platz darin zu hinterfragen. Will einen Freund haben, den Tschador ablegen. Die Antwort auf alles lautet immer nur „Allah“. Sie hört auf zu beten, entwöhnt sich von den religiösen Riten. „Dafür wurde ich nicht gesteinigt. Im Dorf galt das als typische Phase von jungen Leuten“.

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Kauder vermisst Aspekte von Christenverfolgung in Regierungsbericht

Volker Kauder: Nichts ist wichtiger als Religion (= Christentum)

Der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder, hat den Bericht der Bundesregierung zur Religionsfreiheit kritisiert.

evangelisch.de

Ihm fehlten Aspekte der Christenverfolgung, sagte Volker Kauder (CDU) am Freitag in der Debatte im Bundestag. Er lese beispielsweise kein Wort darüber, dass in Pakistan mit seinem drakonischen Blasphemieverbot Christen verfolgt würden. Das sei inakzeptabel. „Ich würde mir wünschen, dass in einem neuen Bericht darüber mehr zu lesen wäre“, sagte der CDU-Politiker.

Kauder erinnerte an die in Pakistan inhaftierte Katholikin Asia Bibi, die wegen Gotteslästerung zum Tod verurteilt wurde. Er kritisierte auch, dass der Bericht nicht nach Staaten oder Ländergruppen aufgeschlüsselt Verletzungen der Religionsfreiheit dokumentiert. Der Bericht zur weltweiten Lage der Religions- und Weltanschauungsfreiheit macht vielmehr an ausgewählten Länderbeispielen deutlich, in welcher Form das Menschenrecht verletzt wird.

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Der Papst feiert die Reformation in Schweden

Dom, Lund, Schweden. Bild: bb
Dom, Lund, Schweden. Bild: bb
Die schwedische Erzbischöfin Antje Jackelén freut sich auf den Besuch des Papstes zum 31. Okotber 2016. Gemeinsam wollen die schwedischen Kirchen in diesem Jahr die Reformation feiern. Außerdem erzählt Jackelén, warum allgemeine religiöse Sprachlosigkeit nur den Populisten hilft.

Von Nicola Glass | evangelisch.de

Ende Oktober reist Papst Franziskus für einen Tag nach Schweden, und zwar nach Lund, anlässlich des Auftakts zum Reformationsgedenken. Wie kam es dazu?

Antje Jackelén: Es geht hier um das gemeinsame Gedenken an fünfhundert Jahre Reformation, und dieser Besuch ist eine Frucht von fast fünfzig Jahren Dialog zwischen Rom und Genf, also zwischen dem Vatikan und dem Lutherischen Weltbund (LWB). Das Ganze basiert eigentlich auf einer Schrift, die 2013 veröffentlicht wurde, und die den Titel trägt „Vom Konflikt zur Gemeinschaft„. Bei diesem Text von etwa 90 Seiten handelt es sich um die erste von Katholiken und Lutheranern gemeinsam verfasste Beschreibung der Reformation in Geschichte und Gegenwart. Und das ist, finde ich, ein Riesenschritt vorwärts.

Was mich dabei noch mehr freut ist, dass in dieser Schrift fünf gemeinsame Aufforderungen benannt werden, die wirklich auch Zukunftsperspektiven aufweisen. Dass wir uns zum Beispiel verpflichten, gemeinsam das Evangeliums zu bezeugen und Dienst an der Welt zu tun. Aus dieser Schrift ist diese Initiative erwachsen, zum Auftakt des Jubiläumsjahres am 31. Oktober 2016 einen gemeinsamen Gebetsgottesdienst abzuhalten, und es war im Grunde der Wunsch Roms, dass dieser in Lund stattfinden soll. Und der Lutherische Weltbund hatte natürlich nichts dagegen, weil der LWB ja auch 1947 in Lund gegründet worden ist.

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Religionskritik – wie geht das richtig? Die Freiheit sich abzuwenden

Heiner Bielefeldt, Podium, 2011. Bild: brightsblog
Heiner Bielefeldt, Podium, 2011. Bild: brightsblog
Zur Religionsfreiheit gehört das Recht, eine Religionsgemeinschaft zu kritisieren oder sie zu verlassen. Das sagte der Theologe Heiner Bielefeldt im Deutschlandfunk. Er ist(war, Anm.) Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats. Bielefeldt plädierte dafür, nicht zu verallgemeinern. Religion sei veränderbar. Auch durch Kritik.

Heiner Bielefeldt im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Bielefeldts Grundthese: Religion ist soziale Praxis. Menschen gestalten und tragen Religion. Deshalb sind Religionen historisch offen. Die Verantwortung des Menschen werde aber negiert, wenn Religionen etwa unterstellt werde, sie seien im Kern gewalttätig. Das sei eine fatalistische Position, sagte Bielefeldt. Wer behaupte, der Islam oder das Christentum seien per se intolerant, entlasse deren Anhänger aus der Verantwortung. Religionskritik sei wichtig, müsse sich aber an die Regel halten, dass den Religionsgemeinschaften zugetraut werde, sich zu verändern.

Andreas Main: Oft überschlagen sich die Emotionen in Religionsdebatten. In einer Zeit der Schlagwörter schlagen viele mit Wörtern nur so um sich. Zum „Schlagwort-Sprech“ gehört zum Beispiel der Begriff „Generalverdacht“. Die einen sagen, Muslime würden unter „Generalverdacht“ gestellt. Die Gegenseite sagt, „Islamkritiker“ würden unter „Generalverdacht“ gestellt. Wir wollen in dieser Woche ganz nüchtern fragen: Religionskritik – wie geht das richtig? Heute geht diese Frage an Heiner Bielefeldt. Er ist Theologe, Philosoph und Historiker und Professor an der Uni Erlangen-Nürnberg. Seit sechs Jahren ist Bielefeldt bei den Vereinten Nationen Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit. Er sagt ganz klar: Zur Religionsfreiheit gehört auch die Freiheit, eine Religionsgemeinschaft zu kritisieren oder sie zu verlassen. Er ist uns jetzt live zugeschaltet in Nürnberg. Guten Morgen Herr Bielefeldt.

Heiner Bielefeldt: Guten Morgen Herr Main.

Main: Herr Bielefeldt, bevor wir später dazu kommen, wie Religionskritik richtig geht, sagen Sie uns zuerst: Welche Form von Religionskritik geht gar nicht?

Bielefeldt: Also, rechtlich ist ja fast alles erlaubt. Das muss auch so sein. Das gehört zur Meinungsfreiheit, das gehört zur Religionsfreiheit im Übrigen auch, so, wie Sie gesagt haben. Rechtlich ist ganz viel erlaubt, auch nicht nur scharfe Kritik, Häme, aber ob das dann sinnvoll ist, ob das wirklich weiter führt, ist eine völlig andere Frage. Ich denke, ein Respekt, nicht vor den Religionen, sondern vor den Menschen, die in Religionen leben, ist Voraussetzung dafür, dass das in einer demokratischen Gesellschaft auch wirklich zum Gespräch führt. Deshalb also Genauigkeit, hinhören, keine – wie soll man sagen? – so Pappkameraden aufbauen, an denen man sich abarbeiten kann. Das gehört dazu, dass Religionsfreiheit auch sinnvoll ist, weiterführt, zur Klärung der schwierigen Fragen hilft. Aber rechtlich erlaubt ist fast alles.

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Säkularität in die Verfassung

Wichtig ist nicht, dass es Freiheit für Religion gibt, sondern auch Freiheit von Religion.

Von Gerhard Engelmayer | Die Presse

Die Religionsfreiheit wird auch seitens der Kirche als wichtig empfunden, obwohl von der Aufklärung gegen den Widerstand der Kirche durchgesetzt. In der Tat ist Religionsfreiheit für die moderne Welt eine der Stützen für ein friedliches Zusammenleben, vor allem in einer globalisierten Welt, in der es viele Religionen gibt, die alle behaupten, die Wahrheit zu vertreten.

Die großen Kirchen haben sich damit arrangiert und halten Seminare ab, wie man zu einem friedlichen Zusammenleben mit anderen Religionen kommt, meist unter dem Titel „Dialog mit . . .“.

Keine Vorschriften

Dass es Menschen gibt, die solche Seminare gar nicht brauchen, liegt daran, dass sich diese Menschen heraushalten und anderen keine Vorschriften machen wollen, was sie zu denken und zu tun haben. In Anlehnung an Farkas könnte man formulieren, dass die Religion uns von den Problemen befreit, die wir ohne sie gar nicht gehabt hätten. Diese Menschen schwören auf Religion im stillen Kämmerlein oder überhaupt auf Religionsabstinenz. Aber sie schwören auch wie einst Voltaire darauf, dass sie ihr Leben dafür geben wollen, dass der andere seine Meinung sagen kann*, auch wenn sie diese für falsch oder vielleicht sogar für kompletten Stuss halten.

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*Anm.: Das Zitat ist von Evelyn Beatrice Hall und nicht von Voltaire.

Parlamentarierkonferenz wirbt für weltweite Religionsfreiheit

Hans-Gert Pöttering 2014. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/Foto-AG Gymnasium Melle
Hans-Gert Pöttering 2014. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/Foto-AG Gymnasium Melle

Der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering (CDU), hat zum Einsatz für die Religionsfreiheit aufgerufen.

evangelisch.de

„Der Druck auf die Religionsfreiheit nimmt weltweit zu“, sagte Pöttering am Montag auf der zweiten internationalen Parlamentarierkonferenz zur Stärkung von Religions- und Glaubensfreiheit in Berlin. Mehr als 70 Prozent der Weltbevölkerung lebten Umfragen zufolge in Ländern, in denen Menschen ihren Glauben nicht frei leben könnten, weil sie von Regierungen, Gruppen oder Individuen angefeindet würden.

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Warum ich als Atheist die Muslime verteidige

Die Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh FOTO: Christoph Sebastian
Die Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh FOTO: Christoph Sebastian
Mit Religion hat unser Autor seit Ewigkeiten nichts mehr am Hut. Trotzdem stellt er sich immer wieder gegen Kritik am Islam. Ausschließlich selbstlos ist das nicht.
 

Von Sebastian Dalkowski | RP ONLINE

Es war mir noch kein Barthaar gewachsen, da hatte ich bereits entschieden, dass es Gott nicht gibt. Seitdem betrete ich Kirchen nur noch, wenn jemand beerdigt wird oder sie im Reiseführer stehen. Ich bin nicht in der Lage, mein Leben an einem Wesen auszurichten, das ich nicht sehe.

In den vergangenen Monaten habe ich mich immer wieder dabei erwischt, wie ich den Islam gegen überzogene Kritik verteidigte. Gegen den Vorwurf, dass der Islam Terrorismus fördere. Dass das Kopftuch automatisch Unterdrückung bedeutet. Dass Islam und Demokratie sich widersprechen. Dass diese Religion nicht in unsere Zeit und schon gar nicht in unser Abendland passt.

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Absolute Religionsfreiheit gibt es nicht

Frauen mit Gesichtsschleier sind in deutschen Städten eine Ausnahmeerscheinung / picture alliance
Rechtsstaat oder Religionsfreiheit, was ist wichtiger? Für Alexander Grau ist die Sache klar: bereits heute steht das Strafrecht über religiösen Normen und Geboten. Der deutsche Staat sollte aufhören, sich bei Religionsgemeinschaften anzubiedern.

Von Alexander Grau | Cicero

Nun ist sie also offiziell: Die „Berliner Erklärung“, in der die CDU-Innenminister ein Verschleierungsverbot im öffentlichen Raum fordern, ein „Burka-Verbot light“, wie umgehend gespottet wurde.

Eine interessante Entwicklung, ist es doch erst wenige Tage her, dass Bundesinnenminister de Maizière ein Burka-Verbot verfassungsrechtlich für bedenklich hielt. Er betonte, man könne nicht alles verbieten, was man ablehne. Ähnlich hatte sich SDP-Chef Gabriel geäußert. Ob der sich allerdings ähnlich wendig zeigen wird wie de Maizière, bleibt abzuwarten. Sein Vize, Ralf Stegner, hatte noch letzte Woche zu Protokoll gegeben, ein Verschleierungsverbot sei mit der Religionsfreiheit nicht zu vereinbaren.

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