Religionsfreiheit am Arbeitsplatz: Der Islam wird als störend betrachtet

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Der EU-Gerichtshof ermöglicht ein Kopftuch-Verbot am Arbeitsplatz. Er gewährt damit Unternehmen mehr Freiheit als der Religion.

Von Heribert Prantl | Süddeutsche.de

Man kann die Kopftuch-Urteile des Europäischen Gerichtshofs in ihrer Bedeutung kaum überschätzen. Es sind Leitentscheidungen gegen die Religionsfreiheit. Es sind Entscheidungen, die versuchen, das Bekenntnis zur Religion am Arbeitsplatz tunlichst zu unterbinden. Sie laufen darauf hinaus, dass das Kopftuch am Arbeitsplatz verboten werden kann.

Die Richter haben die Grundregeln für ein Verbot formuliert, die nicht schwer zu erfüllen sind. Das heißt: An der Kasse im Supermarkt, an der Rezeption des Hotels und am Empfang des Konzerns wird man künftig kaum noch Frauen mit Kopftüchern finden, weil sich die Konventionen der Mehrheitsgesellschaft durchsetzen werden. Das kann dazu führen, dass muslimische Frauen aus der Arbeitswelt hinausgedrängt werden.

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Kopftuch: Türkische Nationalisten gegen „Einmischung“

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Die weltweite türkisch-nationalistische Bewegung Milli Görus hat sich in der österreichischen Kopftuchdebatte zu Wort gemeldet. Der Vorsitzende Kemal Ergün forderte, Politiker sollten sich heraushalten.

religion.ORF.at

„Muslime sind darin frei, selbst festlegen zu dürfen, was sie für ihre Glaubensausübung als verpflichtend erachten und was nicht“, meinte Vorsitzender Ergün in einer Aussendung. „Staatliche Akteure sollten sich in Fragen, in denen ihnen sowohl die rechtlichen wie auch die fachlichen Kompetenzen fehlen, zurückhaltend äußern“, machte Ergün unmissverständlich klar.

„Keine Einmischung in innere Angelegenheiten“

Muslime müssten sich nicht für die Ausübung ihres Glaubens erklären, denn: „Religionsfreiheit bedeutet insbesondere auch Definitionsfreiheit. Die Bestimmungshoheit über Glaubensinhalte obliegt den Gläubigen selbst.“ Diese Selbstverständlichkeit dürfe nicht zur Diskussion gestellt werden.

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Ägypten: Uni treibt Debatte über aufgeklärten Islam voran

Koran wörtlich nehmen oder nicht? Eine Kernfrage in Debatten über einen aufgeklärten Islam - REUTERS
Koran wörtlich nehmen oder nicht? Eine Kernfrage in Debatten über einen aufgeklärten Islam – REUTERS
Um Religionsfreiheit und staatlichen Laizismus geht es auf einer hochkarätigen interreligiösen Tagung, die die Kairoer al-Azhar-Universität Anfang kommender Woche ausrichtet.

Radio Vatikan

Auf Einladung des sunnitischen Großimams Ahmed el-Tayeb diskutieren christliche und muslimische Religionsvertreter, Wissenschaftler und Politiker am 27.-28. Februar über die zivile Natur des Staates, Staatsbürgerschaft, Gleichheit vor dem Gesetz und Respekt vor Diversität – Themen, die für das Zusammenleben der Religionen nicht nur in Ägypten von Bedeutung sind.

Die Kairoer al-Azhar-Universität gilt als höchste Lehrautorität des sunnitischen Islam. Sie wolle mit der Konferenz eine „aufgeklärten und gemäßigten Islam fördern“, fasst die Nachrichtenagentur Asianews das Anliegen der Tagung zusammen. Es gehe hier um einen gewaltfreien und authentischen Islam, der im Dialog mit der Moderne stehe. Geplant ist ein gemeinsames Abschlussdokument des Konferenzkomitees, in dem Laien und muslimische wie christliche Religionsvertreter sitzen.

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Kommt die Versöhnung zwischen Vatikan und Piusbruderschaft?

logo_fsspxDer Vatikan und die Priesterbruderschaft St. Pius X. gehen offensichtlich weiter aufeinander zu. Das berichtet „Radio Vatikan“ unter Berufung auf „Vatican Insider“.

kath.net

Laut dem Bericht arbeite der Vatikan „an der Perfektionierung der kanonischen Form“. Damit könnte die Piusbruderschaft künftig wieder Teil der römisch-katholischen Kirche werden. Dies erklärt der Vatikanbeauftragten für den Dialog mit den Piusbrüdern, Guido Pozzo, in der Zeitung. Die entsprechende Form werde dann eine „Personalprälatur“ sein. Das Abkommen mit den Piusbrüdern sei in Sichtweite. Es brauche aber noch ein bisschen Zeit.

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Zwischen Pragmatismus und Verhüllungspflicht

© dpa Im Wasser ist für alle Platz: Szene aus dem Sommerbad Humboldthain im Berliner Bezirk Wedding
© dpa Im Wasser ist für alle Platz: Szene aus dem Sommerbad Humboldthain im Berliner Bezirk Wedding
Auch muslimische Mädchen müssen beim Schwimmunterricht mitmachen: Das hat ein europäisches Gericht entschieden. Bei den alltäglichen Konflikten hilft das Urteil nicht.

Von Daniela Gassmann, Michaela Schwinn | Frankfurter Allgemeine

Frau Posenenske hat den Burkini noch nie gesehen. Die Schwimmlehrerin aus Frankfurt weiß nicht einmal, wo der überhaupt ist. Keine einzige ihrer Schülerinnen wollte ihn bisher tragen. Dabei hat der Förderverein der Schule den Burkini extra bestellt, um zu zeigen: Wenn muslimische Familien ihre Töchter vor Blicken schützen wollen, dann haben wir Verständnis, dann gehen wir einen Schritt auf sie zu. Der Burkini gilt schließlich in letzter Zeit als der Kompromiss bei Integrationskonflikten schlechthin.

Einer, für den der Ganzkörper-Badeanzug keine Lösung ist, geriet am vergangenen Dienstag in die Schlagzeilen: der türkischstämmige Schweizer Aziz O. Seine Töchter, beide im Grundschulalter, hatten einst zum gemischten Schwimmunterricht gehen sollen. Sie könnten Burkini tragen, bot die Schule in Basel an. O. und seine Frau lehnten ab, sie verboten den Mädchen, zusammen mit Jungen zu schwimmen. Umgerechnet ungefähr 1000 Euro sollten sie als Bußgeld zahlen, entschied die Schulbehörde. Schließlich gelte beim Schwimmunterricht die Schulpflicht.

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Zwischen Wahrheitsanspruch und Religionsfreiheit

Darf eine Lehrerin ein Kopftuch tragen? - Die niedersächsische Lehrerin Iyman Alzayed vor dem niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg. (Hans-Jürgen Wege / dpa)
Darf eine Lehrerin ein Kopftuch tragen? – Die niedersächsische Lehrerin Iyman Alzayed vor dem niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg. (Hans-Jürgen Wege / dpa)
Wie säkular muss und kann ein Staat sein? Wie weit darf die Religionsfreiheit reichen? – Diesen Fragen geht Christian Spieß in dem Buch „Zwischen Gewalt und Menschenrechten“ nach, greift dabei aktuelle Themen wie Religionsunterricht oder Kopftuchverbot auf.

Von Anne Françoise Weber | Deutschlandradio Kultur

Wie passen Religion und Moderne zusammen? Konkreter: Wie lassen sich religiöser Wahrheitsanspruch auf der einen Seite, individuelle Freiheitsrechte und ein säkularer Staat auf der anderen verbinden? Das sind Fragen, die Christian Spieß mit seinem Buch „Zwischen Gewalt und Menschenrechten: Religion im Spannungsfeld der Moderne“ zu beantworten sucht. Und zwar sowohl theoretisch als auch empirisch-historisch.

Für die empirische Herangehensweise beschränkt sich der Autor, Professor für Christliche Sozialwissenshaften an der Katholischen Privat-Universität Linz, auf die katholische Kirche. Hier zeigt er auf, wie der ausgeprägte Antimodernismus des katholischen Lehramts mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) verschwand und „die Kirche, ihre Verbände und Vereine, karitativen Organisationen und Hilfswerke zu einem bedeutenden Teil der Bewegung für die weltweite Ausbreitung der Menschenrechte geworden sind“. Dabei ist der Autor kritisch genug, um zu betonen, dass die Modernisierung der Kirche nicht abgeschlossen ist und beispielsweise die Verweigerung der Priesterweihe für Frauen einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz darstellt.

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Staatspreis für das Kopftuch? In Absurdistan

Religionsfreiheit ist eben nicht die Wahlfreiheit zwischen Mitgliedschaften in verschiedenen Gottsucherbanden, sondern in erster Linie die Freiheit von Religion. Eine Replik auf Farid Hafez

Von Nikolaus Dimmel, Roland Fürst | derStandard.at

Die über weite Strecken seltsame Suada Farid Hafez‘ („Ein Staatspreis für das Kopftuch“, STANDARD, 9. Jänner) bringt es herausragend auf den Punkt: Zwischen Islam und Islamismus besteht kein Unterschied.

Groteskes Szenario

Er führt uns ein groteskes Szenario vor: Für ihn gibt es christliche und nichtchristliche Religionen als Player im Spiel um den Stellenwert der Religion im öffentlichen Raum. Zu viel Pro-Erdogan-Propaganda scheint dabei seinen Blick zu trüben, denn ein Drittel der Europäer sind unreligiös. Gerade noch 25 Prozent der Österreicher sind kirchentreu. 44 Prozent sind gottlos. Sogar 25 Prozent der Muslime sind säkular.

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Fanatische Hindus in Indien: „Sie haben unsere Kirche niedergebrannt“

Anhänger der Bharatiya Janata Party (BJP) feiern den amtierenden Premierministers Indiens Narendra Modi. Seit seinem Amtsantritt im Mai 2014 hat die Zahl der Übergriffe auf religiöse Minderheiten deutlich zugenommen. (EPA/Sanjeev Gupta)
Anhänger der Bharatiya Janata Party (BJP) feiern den amtierenden Premierministers Indiens Narendra Modi. Seit seinem Amtsantritt im Mai 2014 hat die Zahl der Übergriffe auf religiöse Minderheiten deutlich zugenommen. (EPA/Sanjeev Gupta)
Indien ist ein multireligiöses Land, in dem verschiedene Konfessionen lange friedlich zusammen lebten. Das ändert sich, seit der hindu-nationalistische Premierminister Narendra Modi an der Macht ist: Übergriffe auf religiöse Minderheiten häufen sich, Christen und Muslime müssen sich zunehmend vor gewaltsamen Attacken von Hindus fürchten.

Von Ulrich Pick | Deutschlandfunk

Union-Church – Kirche des Zusammenschlusses – haben sie ihr provisorisches Gotteshaus genannt. Rund 70 Personen, meist Frauen, feiern hier am Rande der Ortschaft Raikja in der Kandhamal-Region des indischen Bundesstaates Odisha regelmäßig Gottesdienst. Was sie vereint, sind traumatische Erlebnisse als Mitglied einer religiösen Minderheit, sagt Pfarrer Nalin Kantenaik, der die Gemeinde betreut:

„Hier wohnen ausschließlich Christen und zwar Christen, die ihre ursprünglichen Dörfer verlassen haben, deren Familienmitglieder und Verwandte attackiert und umgebracht wurden. Sie haben ihr Eigentum verloren und sind daher sehr verängstigt.“

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Philosoph Michael Schmidt-Salomon: „Religionsfreiheit ist kein Freibrief“

foto: picturedesk / action press / georg hilgemann Menschen, die in Europa leben wollen, müsste vorher klargemacht werden, was das bedeute, sagt Michael Schmidt-Salomon. Etwa dass sich die Religionen hier dem Gesetz unterordnen müssen. Wer das nicht wolle,
foto: picturedesk / action press / georg hilgemann Menschen, die in Europa leben wollen, müsste vorher klargemacht werden, was das bedeute, sagt Michael Schmidt-Salomon. Etwa dass sich die Religionen hier dem Gesetz unterordnen müssen. Wer das nicht wolle, „wird sein Exil außerhalb Europas suchen“.
Michael Schmidt-Salomon, Philosoph und Religionskritiker, über die Bedrohung der offenen Gesellschaft, die Grenzen der Toleranz und das Konzept „Abschreckung durch Freiheit“

Interview Lisa Nimmervoll | derStandard.at

STANDARD: Ihr aktuelles Buch heißt „Die Grenzen der Toleranz. Warum wir die offene Gesellschaft verteidigen müssen“ (Piper). Wer sind denn derzeit die gefährlichsten Feinde der offenen Gesellschaft?

Michael Schmidt-Salomon: Die offene Gesellschaft – sie orientiert sich an den Prinzipien der Freiheit, Gleichheit, Individualität und Säkularität – wird heute vor allem durch Islamisten und Rechtspopulisten bedroht. So unterschiedlich ihre Ziele auch sind, haben doch beide Bewegungen eine große Gemeinsamkeit: Sie wollen das Rad der Geschichte zurückdrehen und vormoderne Dogmen an die Stelle individueller Freiheitsrechte setzen. Dagegen müssen wir uns mit aller Entschlossenheit zur Wehr setzen.

STANDARD: Wie soll eine moderne, säkulare, demokratische Gesellschaft damit umgehen, dass sie nicht zuletzt durch den starken muslimischen Flüchtlingszuzug immer öfter bestimmte religiöse Forderungen „integrieren“ soll – oft unter dem Credo Religionsfreiheit?

Schmidt-Salomon: Zunächst muss man in diesem Zusammenhang feststellen, dass Religionsfreiheit selbstverständlich kein Freibrief zur Verletzung individueller Grundrechte ist. Der weltanschaulich neutrale Staat muss hier unmissverständlich klarmachen, dass die für alle geltenden Normen auch für Religionsgemeinschaften bindend sind. Unter gar keinen Umständen darf er den Eindruck erwecken, dass die Religionen in irgendeiner Weise über dem Gesetz stünden. Auf diesem Gebiet sind in den letzten Jahren leider schwerwiegende Fehler gemacht worden.

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Di Fabio: Religionen müssen staatliche Neutralität respektieren

grundgesetz

Glaubens- und Gewissensfreiheit sind absolute Freiheiten, das heißt, sie gelten für alles und jeden. Das betonte der ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio. Der Jurist mahnte aber, dass es auch für die „Religionsfreiheit“ Einschränkungen gebe.

domradio.de

Der frühere Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio plädiert für eine neue Debatte über das Verhältnis von Staat und Religion. Während die Politik das „manchmal Sperrige und Absolute der Religion“ akzeptiere, müssten Gläubige ihrerseits die Bedingungen eines gelingenden Verfassungsstaats achten, schreibt der Bonner Jurist in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Donnerstag).

„Daran gemessen, ist das Beharren auf kompromissloser Durchsetzung religiös begründeter Verhaltensgebote in öffentlichen Einrichtungen ein Rückschritt, der nicht dem Verfassungsprinzip wohlwollender Neutralität entspricht.“

Neutralitätsgebot gilt auch für Richter

Der freiheitliche Verfassungsstaat dürfe von den Religionen Respekt dafür erwarten, dass er als demokratischer Staat zur Neutralität verpflichtet sei, fügt Di Fabio hinzu. „Ist es zu viel verlangt, dass eine Muslimin, die als Richterin diese voraussetzungsvolle Rechtsordnung repräsentiert, im Gerichtssaal ihrerseits ein Zeichen der Neutralität gibt“, fragt der Jurist mit Blick auf die Kopftuchdebatte.

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Volker Kauder: „Wir Christen brauchen mehr Selbstbewusstsein“

Volker Kauder: Nichts ist wichtiger als Religion (= Christentum)Die B.Z. sprach mit Volker Kauder (CDU) über den Glauben, das Miteinander der Religionen und die weltweite Bedrohung der Religionsfreiheit.

Von Ulrike Ruppel | B.Z.

Er ist nicht nur seit elf Jahren Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag – Volker Kauder (67, CDU) ist auch engagierter Christ. B.Z. sprach mit ihm über den Glauben und die weltweite Bedrohung der Religionsfreiheit.

Herr Kauder, welche Bedeutung hat das Weihnachtsfest in einer Gesellschaft, in er sich immer weniger Menschen zum Christentum bekennen?

Die Weihnachtsbotschaft hat nichts von ihrer Bedeutung verloren. Mit der Geburt Jesu ist Gott Mensch geworden. Er teilt mit uns Freude und Leid und zeigt uns so seine Liebe. Damit verbindet sich die Hoffnung auf Frieden. Liebe und Frieden zu verwirklichen, sollten auch Menschen, die mit dem christlichen Glauben nichts zu tun haben, als Auftrag verstehen.

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Vatikan-Diplomat: Zunehmend antichristliche Stimmung

Vatikan-Diplomat Antoine Camilleri - RV
Vatikan-Diplomat Antoine Camilleri – RV
Vatikan-Diplomat Antoine Camilleri ortet eine zunehmend „antichristlichen Stimmung“ auch in Europa: „Unter der Maske von ‚political correctnes‘ werden der christliche Glaube und die christliche Moral als feindlich angesehen“, sagte er bei einer OSZE-Konferenz zur „Bekämpfung von Intoleranz und Diskriminierung gegenüber Christen“ am Mittwoch in Wien.

Radio Vatikan

Der Vatikan hatte Camilleris Statement erst am Donnerstag veröffentlicht. Demnach warnte der Vatikan-Vertreter vor einer zunehmend „antichristlichen Stimmung“ auch in Europa. Der Fokus der Sorge um die Zukunft der Christen liege derzeit stark auf dem Nahen Osten, zugleich dürfe man jedoch auch vor beunruhigenden Entwicklungen in Europa nicht die Augen verschließen.

Nicht nur im Nahen Osten, auch im Raum der OSZE-Staaten verschärfe sich die Situation für Christen, so Camilleri: „Vorsätzliche Zerstörung von Kirchen, Vandalismus gegen religiöse Symbole – Kreuze, Statuen-, sakraler Diebstahl und Missbrauch von dem, was Christen heilig ist“. Noch beunruhigender sei aber, dass es eine „antichristliche Stimmung“ gebe. Unter dem Vorwand der Toleranz und Nichtdiskriminierung werde Religionsfreiheit eingeschränkt. Dies sei – wie es Papst Franziskus definiert habe, eine „gebildete Form der Verfolgung von Christen, eine mit weißen Handschuhen“. Sie konkretisiere sich in der Form von Antidiskriminierungsgesetzen, die das Prinzip der Religionsfreiheit abstreiten würden.

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CSU: Der falsche Kampf gegen den „politischen Islam“

© dpa Die CSU will mit einem umfassenden Handlungskonzept auf den „politischen Islam“ und die damit verbundenen Herausforderungen reagieren.
© dpa Die CSU will mit einem umfassenden Handlungskonzept auf den „politischen Islam“ und die damit verbundenen Herausforderungen reagieren.
Die CSU hält den „politischen Islam“ für die größte aktuelle Herausforderung. Doch statt Vorurteile gegen Muslime in Deutschland zu schüren, sollten Politiker das Toleranzprinzip stärken.

Von Rudolf Steinberg | Frankfurter Allgemeine

Die CSU rühmt sich, mit ihrem beschlossenen Leitantrag „Politischer Islam“, sich als erste Partei in Deutschland mit diesem Phänomen auseinandergesetzt zu haben. Dabei will sie ihren Vorschlägen „eine differenzierte Analyse“ zugrunde legen. Das ist leider weitgehend misslungen.

Zu beklagen ist vor allem die undifferenzierte Verwendung des Begriffs des „politischen Islams“. Hierzu zählen die Verfasser zunächst einmal den muslimischen kriegerischen Terrorismus und Totalitarismus. Dass zu Letzterem auch die Ditib gerechnet und im gleichen Atemzug mit dem saudischen Wahhabismus genannt wird, lässt auf eine geringe Kenntnis schließen, auch wenn man die Reislamisierung der Türkei kritisch betrachtet. Der „politische Islam“ zeichne sich dadurch aus, dass er sich gegen den Westen und seine Werte wende. Das ist völlig richtig, wenn damit islamistische Richtungen des Islams wie der Salafismus gemeint sind.

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Wolfgang Thierse: „Die AfD ist keine konservative Partei, sie ist eine aggressive Partei“

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Der frühere Bundestagspräsident und SPD-Politiker Wolfgang Thierse warnt davor, die Anziehungskraft der AfD auf Christen zu unterschätzen. Gerade deshalb müssten die Kirchen zeigen, wo die Grenzen dessen sind, was sich mit dem Christentum vereinbaren lasse, sagte er im Deutschlandfunk. „Zum Christentum gehört auch gelegentlich klare Kante.“

Wolfgang Thierse im Gespräch mit Monika Dittrich | Deutschlandfunk

Dittrich: Herr Thierse, dürfen Christen die AfD wählen?

Thierse: Wir können es ja nicht verhindern, aber ich finde, dass das, was die AfD ausmacht, ihr Grundsatzprogramm, aber vor allem auch die vielen Äußerungen führender AfD-Politiker sich mit christlichen Grundüberzeugungen und Werten nicht wirklich vereinbaren lässt.

Dittrich: Das heißt, es ist richtig, was der Kölner Erzbischof gesagt hat, man soll im Zweifelsfall das Programm neben die Bibel legen und vergleichen?

Thierse: Das ist richtig und ich unterstütze auch den Bischof von Erfurt, der abgelehnt hat, dass der wunderbare Erfurter Dom und die Severikirche nächtens beleuchtet zum Hintergrund für hetzerische Kundgebungen der thüringischen AfD mit Herrn Höcke an der Spitze – der nun wahrlich ein Rassist ist, der hetzt, und da sollte die Kirche ganz klar zeigen, wo die Grenzen auch dessen sind, was sich mit Christentum vereinbaren lässt.

„Christen sollen aktive Verteidiger der offenen Gesellschaft sein“

Dittrich: Aber ist das richtig, dass die Kirchen sich so in Parteipolitik einmischen? Ist das ihre Aufgabe?

Thierse: Das ist nicht so sehr Parteipolitik, sondern es geht um eine Grundfrage, nämlich um die Verteidigung unsrer offenen Gesellschaft, also der liberalen Demokratie als der politischen Lebensform der Freiheit. Und eines deren wesentlichen Elemente ist die Religionsfreiheit, die Grundlage unseres Lebens. Und Christen sollten aktive Verteidiger dieser offenen Gesellschaft, dieser liberalen Demokratie sein.

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Kamerun: Stammesreligions-Integralisten zerstören Bergkreuz

Eine interreligiöse Begegnung in Kamerun - REUTERS
Eine interreligiöse Begegnung in Kamerun – REUTERS
Integralisten, die für eine Rückkehr zu den Stammesreligionen eintreten, haben das Holzkreuz auf dem Berg Ngock Lituba zerstört. Wie die in Kamerun erscheinende Tageszeitung „Le Messager“ berichtet, führen Mitglieder des Bassa-Stammes seit mehreren Monaten Angriffe durch, da er keine andere Religion neben der Stammesreligion tolerieren will.

Radio Vatikan

Die Zerstörung des Kreuzes auf dem Berg Ngock Lituba ist von symbolischer Bedeutung, weil der Berg als heilige Stätte der Stammesreligion betrachtet wird und viele die Aufstellung eines Kreuzes an diesem Ort abgelehnt hatten. Die neue Bewegung will nach Angeben der einheimischen Presse aber auch Kultstätten wie Kirchen und Moscheen zerstören, die in den vom Bassa-Volk bewohnten Gebieten gebaut wurden. Außerdem sollen alle Symbole entfernt werden, die für die westliche Kultur stehen, und durch Symbole der Stammestradition ersetzen werden.

„Le Messager“ befürchtet, dass auch das westlich geprägte Bildungssystem in Kamerun und die Werte der Philosophie, Wissenschaft, Religionsfreiheit sowie die säkulare Staatsform in Frage gestellt werden.

 

Schalldämpfer für Muezzin-Ruf

Verstimmung: Ein Gesetz soll eine maximale Lautstärke für den Gebetsruf festlegen. Ein Minarett in der Altstadt Jerusalems. Bild: AFP
Verstimmung: Ein Gesetz soll eine maximale Lautstärke für den Gebetsruf festlegen. Ein Minarett in der Altstadt Jerusalems. Bild: AFP
In Israel stören sich viele am lauten Gebetsruf für Muslime. Warum ausgerechnet ultraorthodoxe Juden gar nichts mit einem Lärm-Stopp anfangen können.

Von Daniel Estrin | Tages Anzeiger

Der erste Gebetsruf des Tages ertönt um fünf Uhr morgens. Damit ist für alle, die in der Umgebung einer Moschee wohnen, die Nachtruhe beendet. Nun hat ein Ministerausschuss in Israel ein Gesetz auf den Weg gebracht, das die Lautsprecher faktisch verbieten soll. Der prominenteste Unterstützer des sogenannten «Muezzin-Gesetzes» ist Ministerpräsident Benjamin Netanyahu.

«Ich kann nicht mehr zählen, wie oft sich Bürger aus allen Teilen der israelischen Gesellschaft, aller Religionen, bei mir über den Lärm beschwert haben», sagte Netanyahu in dieser Woche im Kabinett. Israel sei ein Land, das die Religionsfreiheit respektiere. «Israel ist aber auch verpflichtet, diejenigen zu schützen, die unter den übermässig lauten Rufen leiden», erklärte der Regierungschef.

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Kirche in Not: Religiöser Fundamentalismus ist verbreitet wie noch nie

Katholiban "Großstadt-Mission" in elf Städten Europas

Das katholische Hilfswerk warnt vor „islamistischem Hyper-Extremismus“ mit grausamer Behandlung der Opfer, etwa die Verbrennung von Menschen bei lebendigem Leibe, Kreuzigungen und das Herabstürzen von hohen Gebäuden

kath.net

Der religiöse Fundamentalismus ist so verbreitet wie noch nie. Er tötet, zerstört und macht Menschen in einem nie dagewesenen Ausmaß heimatlos. Das geht aus dem „Bericht zur Religionsfreiheit weltweit 2016“ des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ (München) hervor. Im Vergleich zum vorigen Bericht 2014 habe sich die Situation hinsichtlich der Religionsfreiheit in 14 Ländern – darunter Niger, Pakistan, Indonesien und Libyen – deutlich verschlechtert. Die Organisation warnt ferner vor einem „islamistischen Hyper-Extremismus“. Zu dessen zentralen Merkmalen gehörten systematische Versuche, alle andersdenkenden Gruppen zu verjagen, eine beispiellos grausame Behandlung der Opfer – etwa die Verbrennung von Menschen bei lebendigem Leibe, Kreuzigungen und das Herabstürzen von hohen Gebäuden –, ein globales Agieren und der effiziente Einsatz der sozialen Medien, um Anhänger zu rekrutieren. In den vergangenen zwei Jahren habe es in jedem fünften Land der Welt mindestens einen gewalttätigen islamistischen Anschlag gegeben: „In Teilen des Nahen Ostens, darunter in Syrien und im Irak, zerstört der Hyper-Extremismus jegliche religiöse Vielfalt.“ Dieselbe Gefahr drohe auch in Teilen Afrikas und Asiens. Laut dem Bericht sind es häufig nicht die Regierungen, die Schuld an religiöser Verfolgung tragen. In zwölf der 23 Länder mit den schwerwiegendsten Verstößen gegen die Religionsfreiheit seien „nichtstaatliche Akteure“ dafür verantwortlich.

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Kognitive Dissonanzen beim AKP-Ableger zum Grundgesetz

Grünen stimmen ab bei der Bundesdelegiertenkonferenz in Münster 2016 © Twitter
Grünen stimmen ab bei der Bundesdelegiertenkonferenz in Münster 2016 © Twitter
In Deutschland gibt es vier große islamische Organisationen. Die Grünen beschlossen auf ihrer Bundesdelegertenkonferenz: keine einzige ist eine Religionsgemeinschaft. Murat Kayman wirft den Grünen doppelten Verfassungsbruch vor.

Von Murat Kayman | MiGAZIN

Demokratischer Sittenverfall, Hybris, Entrechtung von Bürgern müssen keine existenziell bedrohlichen Ausmaße erreichen, bevor wir uns zum Widerspruch aufgerufen fühlen. Gerade unsere deutsche Geschichte verpflichtet uns und nimmt uns in die Verantwortung, bei solchen gesellschaftlichen Entwicklungen rechtzeitig und deutlich vernehmbar die Stimme zu erheben.

Mit der gleichen Selbstgefälligkeit, mit der unsere etablierten politischen Kräfte auf die Präsidentenwahl in den USA blicken, nehmen sie offenkundig auch ihr eigenes politisches Handeln wahr. Bevor also das Super-Wahljahr 2017 anbricht, hier der Hinweis auf die aktuellen Verirrungen unserer bundesdeutschen Politik:

Die AfD gibt den Takt vor, die etablierten Parteien geben schrittweise und in tänzerischer Leichtigkeit die Errungenschaften unserer freiheitlichen Gesellschaft und Verfassungsordnung auf. Die AfD beschließt auf ihrem Parteitag, dass eine Weltreligion keine mehr ist. So kann das Selbstbild des demokratischen und zivilisierten Europäers aufrechterhalten bleiben. Weil der Islam keine Religion, sondern eine politische Ideologie sei, wolle man auch nicht die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit abschaffen, sondern bekämpfe nur eine Gefahr für unsere Demokratie.

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Warum sich Muslime trotz Trump mit den USA identifizieren

Der Koran in englischer Übersetzung (imago stock&people / ZUMA Press )
Der Koran in englischer Übersetzung (imago stock&people / ZUMA Press )
Muslime in den USA stecken zwischen Baum und Borke. Sie identifizieren sich mit ihrem Land, genießen die Religionsfreiheit. Sie werden aber auch immer wieder schief angesehen, wenn sie als Muslime erkennbar sind. Die meisten lassen sich nicht davon erschüttern – auch nicht davon, dass Donald Trump Präsident werden könnte. Zumindest in liberalen Gemeinden in Kalifornien nicht.

Von Abdul Ahmad Rashid | Deutschlandfunk

Freitagmittag in Mission Viejo, einem kleinen Ort 70 km südlich von Los Angeles. Am Ende einer Durchgangstraße, umgeben von Firmengebäuden, liegt das Gebäude der „Orange County Islamic Foundation“. Von außen ein mehrstöckiger schmuckloser Bau mit weißen Mauern und großen Fenstern, von innen geschmackvoll und üppig eingerichtet: Im Eingangsbereich Marmorboden und ein Springbrunnen, im Gebetsraum weicher Teppichboden, Klimaanlage und Monitore. Hier hat der Besucher das Gefühl, in einem großen Wohnzimmer zu sein und nicht in einer Moschee. Von allen Seiten strömen Menschen in die Moschee. Im Gegensatz zu Deutschland tragen die Männer hier durchgehend westliche Alltagskleidung. Kaftane oder andere traditionelle Bekleidungsarten sucht man hier vergeblich. Die Predigt wird hier nicht nur auf Englisch gehalten, sondern fällt auch, anders als oftmals in Deutschland, sehr intellektuell aus.

„Diejenigen, die predigen, gehen immer mehr weg von den trockenen, vorgestanzten Predigten, die man in den Lehrbüchern findet. Wir haben aus der Tradition gelernt und machen sie wieder relevant für die Erfahrung der amerikanischen Muslime heute.“

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Volker Beck: „Arabische Predigten sind ein Stück Heimat“

Photographer Angelika KohlmeierDer Grünen-Politiker Volker Beck rät zu mehr Entspannung, wenn in einem Stadtteil eine Sprache der Zuwanderer vorherrscht. Notfalls müssten die dort lebenden Deutschen diese Sprache lernen, sagt er im Gespräch mit n-tv Moderator Constantin Schreiber.

n-tv

Constantin Schreiber: Wie kann man für Migranten Integrationszugänge schaffen, wenn in manchen Stadtteilen inzwischen häufig kein Deutsch gesprochen wird?

Volker Beck: Andere Länder gehen damit entspannter um, dass in manchen Vierteln auch mal eine andere Sprache von einer Migrationscommunity gesprochen wird. In den USA finden Sie ihr Chinatown, da finden Sie die Gegenden, wo die Mexikaner wohnen, oder je nachdem, welche Community in der Stadt gerade stark ist. (…) Da gibt es ein bisschen ein Unwohlsein, weil man das Gefühl hat, man bekommt was nicht mit. Aber wenn einem das wirklich wichtig ist, soll man diese Sprache lernen. (…) Da, wo es Probleme mit Islamismus und Gewalt gibt, muss man mit Sozialarbeitern rein, die dann die interkulturelle Kompetenz haben.

Wäre es nicht gut, wenn es keine Predigten auf Arabisch oder Türkisch in deutschen Moscheen gibt, sondern auf Deutsch?

Das geht nicht. Wir haben Gottesdienste immer schon in der katholischen Kirche in Deutschland gehabt, seit der Gastarbeitereinwanderung, auf Kroatisch, auf Italienisch, auf Ukrainisch. Selbstverständlich gehört das zur Religionsfreiheit dazu, und es ist auch ein bisschen Heimat, dass man ein Gottesdienstangebot bekommt in der eigenen Sprache!

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