Schlagwort-Archive: Religionsfreiheit

US-Stadtrat verzichtet wegen Satanisten auf Gebet

Image: Matt Anderson/Friendly Atheist
Image: Matt Anderson/Friendly Atheist

Um einem satanistischen Eröffnungsgebet zu entgehen, beginnt der Stadtrat von Phoenix seine Sitzungen künftig mit einem Moment der Stille.

kath.net

Um einem satanistischen Eröffnungsgebet zu entgehen, beginnt der Stadtrat von Phoenix seine Sitzungen künftig mit einem Moment der Stille. Die Ratsmitglieder in der Hauptstadt des US-Bundesstaats Arizona beschlossen eigens dafür eine Änderung der Sitzungsordnung, wie der Sender Fox 10 (Mittwochabend) meldete. Das Gebet zu Beginn öffentlicher Ratssitzungen wurde bisher von Angehörigen unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften übernommen. Für den 17. Februar hatte sich ein Mitglied des «Satanischen Tempels» aus Tucson eingetragen.

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“Wir müssen über die Grenzen der Religionsfreiheit reden”

Petra Bahr, ehemalige Kulturbeauftragte des Rates der EKD (dpa/picture alliance/Karlheinz Schindler)
Welche Rolle spielt Religion bei der Integration von Flüchtlingen? Diese Frage beschäftigt auch die evangelische Theologin Petra Bahr. Es müsse mehr darüber geredet werden, was Muslime in entwurzelten Situationen brauchen – aber auch über die Grenzen der Religionsfreiheit. Denn gerade Christen wüssten aus ihrer eigenen Tradition, dass Religion auch über eine destruktive Dimension verfüge.

Petra Bahr im Gespräch mit Benedikt Schulz|Deutschlandfunk

Benedikt Schulz: Klären wir erstmal, Frau Bahr, was hat denn Integration von Flüchtlingen in einem säkularen Staat überhaupt mit Religion zu tun?

Petra Bahr: Religion ist einer von vielen Aspekten, den Menschen selbstverständlich mitbringen. Die Rucksäcke derjenigen, die zu uns kommen, mögen nicht besonders reich gefüllt sein. Aber die Rucksäcke an Prägungen, an Vorverständnissen, auch an sicheren Traditionen, in denen man die Welt bis jetzt versucht hatte zu entwerfen, haben auch eine religiöse Komponente. Und Religion ist, das gilt für alle Religionen, ein hoch ambivalentes Phänomen. Es kann Heimat stiften, es kann heilsam sein, es kann uns zu anderen führen. Es ist aber auch ein Ort, wo man sich von anderen abschließt, ein Ort harter Abgrenzung und der Identitätsmarker. Oder auch ganz unaufgeklärter Selbstverständlichkeiten, die erst in dem Moment, wo man mit anderen Lebensformen konfrontiert wird, relevant werden.

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Christliche Flüchtlinge in Notunterkünften: “Warum trägst du kein Kopftuch?”

Tempelhof Hangars – werden in den Notunterkünften Christen diskriminiert? (AFP / Tobias Schwarz)
Die Religionsfreiheit gilt in Deutschland überall, auch in Flüchtlingsheimen. Allerdings mehren sich Berichte, dass es dort um die Religionsfreiheit schlecht bestellt sei. Muslime gingen gegen die Minderheit der christlichen Flüchtlinge vor, heißt es. Die Behörden bestreiten das. Rede und Gegenrede aus Berlin.

Von Thomas Klatt|Deutschlandfunk

So einfach kommt man in die Hangars am früheren Flughafen Tempelhof nicht hinein. Erst muss man an der Security-Kontrolle vorbei, dann öffnet sich eine Seitentür. 2500 Menschen sind hier derzeit in Zelten und durch Leichtbauwände getrennte Zimmer untergebracht. Sascha Langenbach, Pressesprecher des Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales Lageso führt durch die gut 20 Meter hohen Hallen.

“Im Eingangsbereich befinden wir uns direkt vor dem Kinderzimmer. Ist aufgebaut worden mit Hilfe von privaten Spenden. Jetzt da vorn ist eine Arztpraxis, wo Menschen unter der Woche behandelt werden. Das sind Freiwillige von Cabuwazi, dem Kinderzirkus, die bei der Kinderbetreuung helfen, viele Bewegungsspiele machen und kommen wahnsinnig gut an.”

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GB: Moscheegemeinden lehnen Registrierung von Glaubensschulen ab

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Erziehungsministerium will durch zwingende Registrierung Überprüfungen ermöglichen. Dies betrifft Unterrichtsinhalte, den Schutz der Kinder und um Sanktionen zu verhängen, falls die Jungen und Mädchen etwa körperlich gezüchtigt würden.

kath.net

Ein Zusammenschluss britischer Moscheegemeinden lehnt Forderungen der Regierung in London ab, islamische Glaubensschulen registrieren zu lassen. Damit werde die Religionsfreiheit bedroht, erklärte der Verband von Moscheegemeinden im Norden Großbritanniens nach einem Bericht der BBC vom Freitag. Dem Zusammenschluss gehören rund 400 Moscheen unter anderem in Manchester, Bradford oder Rochdale an. In den sogenannten Madrassen, die oft Moscheen angeschlossen sind, erhalten muslimische Kinder Glaubensunterricht und Unterweisung in arabischer Sprache.

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Frankreichs Ex-Premier will Verstoß gegen Laizität strafbar machen

laiciteJuppé fordert von Muslimen Respekt republikanischer Werte

DIE WELT

Der frühere französische Premierminister Alain Juppé will Verstöße gegen das Prinzip der Trennung von Politik und Religion im öffentlichen Dienst strafbar machen. Die Laizität “garantiert die Religionsfreiheit”, doch verlange sie im Gegenzug “den Respekt der grundlegenden Prinzipien der Republik, die Vorrang vor allen religiösen Prinzipien haben”, sagte der konservative Politiker der Sonntagszeitung “Journal du dimanche”. Als Beispiel nannte Juppé die Notaufnahme im Krankenhaus, wo Patienten “nicht ablehnen dürfen, dass ein männlicher Arzt sie behandelt”.

UNO-Beauftragter Bielefeldt: Probleme für Religionsfreiheit 2015

Der UN-Menschenrechtsexperte Heiner Bielefeldt zeigt Probleme der Religionsfreiheit auf. AFP
In Sachen Religionsfreiheit war 2015 kein gutes Jahr. In einem Interview der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) kommt der UNO-Menschenrechtsexperte Heiner Bielefeldt zu diesem Resümee.

religion.ORF.at

In vielen Ländern der Erde beobachte er „massive Einbrüche“, was ein Grund zu großer Sorge sei, sagte der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für Religionsfreiheit. Besonders schlimm sei die Lage im Nahen Osten, insbesondere in Syrien durch den „Islamischen Staat“ und in Saudi-Arabien.

Zahlreiche Länder mit Verschärfungen

Auch in Indien verschärfe sich die Situation unter der neuen hindu-nationalistischen Regierung, so Bielefeldt: „Es kommt teils zu massiven Restriktionen für die Minderheiten von Christen und Muslimen.“ In Myanmar wachse ebenfalls der Druck auf Minderheiten im Namen einer Nationalideologie, und zwar unter buddhistischem Vorzeichen. Und in Ägypten würden Anhänger des ehemaligen Präsidenten Mursi verfolgt.

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Flüchtlinge: Religionsfreiheit gilt keineswegs grenzenlos

Foto: dpa
Wer als Flüchtling in Deutschland lebt, muss akzeptieren, dass es Grenzen der Religionsfreiheit gibt. Glaubensfragen dürfen nicht mit Gewalt gelöst werden.

Von Thomas Straubhaar|DIE WELT

Im Namen Gottes feiern Millionen Menschen in diesen Tagen friedlich Weihnachten und die Geburt Jesu Christi. Weltweit leisten Gläubige für Gotteslohn schon fast unmenschlich viel Gutes, um das Leben von Hilfsbedürftigen menschlicher zu machen, Armut und Elend zu überwinden und das alltägliche Dasein von Schwachen und Notleidenden zu verbessern.

Andere berufen sich seit Jahrhunderten auf Gott, um Kreuzzüge zu führen und Ungläubige zu morden. Bis in die Gegenwart scheuen sie nicht vor unmenschlichen Gräueltaten zurück, im festen Glauben, damit Gott zu gefallen.

Im Namen Gottes zu handeln rechtfertigt offenbar völlig unterschiedliches Tun. Im Guten wie im Schlechten sind Menschen unerschütterlich bis überheblich davon überzeugt, Gottes Willen zu folgen. In beiden Fällen jedoch bleibt es Glaubenssache, wer tatsächlich im Namen Gottes handelt. Weder gibt es absolute noch objektive Wahrheiten. Glaubensfragen lassen sich nicht mit wissenschaftlicher Logik beantworten.

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“Terroristen Reisen längst per Flugzeug”

Foto: Ute Schäfer Mehrmals im Jahr besucht der Islam-Experte und Orientalist Dr. Jürgen Wasella aus Aalen Länder des Nahen Ostens.
Spätestens seit den Anschlägen von Paris geht die Angst um in Europa. Das HT hat sich mit dem Islam-Experten Dr. Jürgen Wasella über die Bedrohung durch islamische Terroristen unterhalten.

Interview Mathias Bartels|Hohenloher Tagblatt

HOHENLOHER TAGBLATT: Haben Sie persönlich nach den Anschlägen von Paris Angst um die öffentliche Sicherheit in Deutschland?

DR. JÜRGEN WASELLA: Nicht mehr als vorher. Es ist doch längst bekannt, dass Hunderte von jungen und leicht zu manipulierenden Menschen nach Syrien und in den Irak gereist sind, um sich dem IS anzuschließen. Viele von ihnen sind inzwischen zurück, nachdem sie im Kampfgebiet das Töten gelernt haben. Wir haben in Deutschland bislang ganz viel Glück gehabt, dass viele Anschläge sehr unprofessionell geplant waren und rechtzeitig verhindert wurden. Was ich am meisten befürchte, sind Angriffe, wie wir sie zurzeit in Israel erleben: Fanatisierte Einzeltäter, die mit Messern oder sonstigen Waffen wahllos Unbeteiligte attackieren.

Die Dschihadisten sprechen vom “Heiligen Krieg”. Sehen Sie uns, den Westen oder Europa, im Krieg mit dem IS?

WASELLA: Ursula von der Leyen hat zu Recht darauf hingewiesen, dass dies kein Krieg gegen Staaten ist. Stattdessen haben wir es mit einer Situation der Auflösung eines ganzen Staatensystems im Nahen Osten, aber auch in Pakistan und Afghanistan zu tun. Erst dieser Verfall nachkolonialer Grenzen hat es möglich gemacht, dass Terrororganisationen wie al-Qaida und der IS in einem politischen und ideologischen Vakuum ideale Bedingungen für ihre Ausbreitung gefunden haben. Hinzu kommt, dass staatliche Akteure in der direkten Nachbarschaft den IS vor ihren eigenen ideologischen oder politischen Karren gespannt haben. Die Türkei unter Erdogan agiert hier sehr zweifelhaft. Die gefährlichste Brutstätte des islamischen Terrorismus ist schon seit Langem Saudi-Arabien. Der Westen ist tatsächlich in einem Konflikt, der mit den Auseinandersetzungen vergleichbar ist, die in den 30er- und 40er- Jahren geführt wurden. Der Dschihadismus und der Islamismus spielen nach dem Ende des Ost-West-Konflikts die Rolle, die früher der Faschismus oder der Stalinismus für Europa gespielt haben.

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SPD: Diffuse Abwehr gegen Glauben

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Bild: bb
Die SPD hat traditionell einen eher religionskritischen Ansatz: Über das Verhältnis der Sozialdemokratie zu religiösen Gruppen hat die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung ein Arbeitspapier veröffentlicht. Demnach befürwortet die Mehrheit der SPDler die Trennung von Kirche und Staat.

Von Matthias Bertsch|Deutschlandradio Kultur

Brauchen wir in Deutschland mehr oder weniger Religion, wenn zunehmend Menschen aus stärker religiös geprägten Gesellschaften zu uns kommen? Für Kerstin Griese ist die Frage klar: Auf die Ressource Religion als Quelle des gesellschaftlichen Engagements kann und darf der Staat nicht verzichten, so die Beauftragte der SPD-Bundestagsfraktion für Kirchen- und Religionsgemeinschaften.

Kerstin Griese: “Die Frage, um die es ja geht, ist, dass die Trennung von Staat und Kirche in unserem Land sehr gut geregelt ist, dass der Staat neutral ist, aber auch in einer Form einer fördernden Neutralität, Religionsfreiheit heißt nicht nur Freiheit von Religion sondern auch Freiheit zu Religion, d.h. der Staat fördert auch, dass es Kirchen und Religionsgemeinschaften gibt.”

Auch der Landesvorsitzende der SPD, Jan Stöß, hält die Neutralität des Staates für zentral, doch sein Verständnis von Neutralität ist ein anderes.

Jan Stöß: “Meine Grundüberzeugung ist: Religion ist Privatsache und deswegen ist es nach unserer Verfassung und Rechtsordnung auch nicht die Aufgabe des Staates, Religion zu fördern oder von vornherein wohlwollend gegenüber der Religion gegenüber zu sein, sondern er schuldet das gleiche Wohlwollen den Menschen, die gar nichts glauben wollen, die sagen, wir sind Atheisten, wir sind Laizisten, oder wir können mit diesen jenseitigen Glaubenserwägungen gar nichts anfangen.”

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Steuern zahlen, Terror verdammen – was denn noch?

Während eines WM-Spiels ist die Stimmung immer gut. Im Alltag wird es schwierig. (Foto: Getty Images)
Zwischen Muslimen und Nichtmuslimen ist ein paranoider Raum entstanden im Jahr des Terrors. Niemand kann dort unbeschwert reden, das Missverständnis lauert überall.

Von Matthias Drobinski|Süddeutsche.de

Das russische Fernsehen ist nach Köln gekommen, um über dieses merkwürdige Land zu berichten, das so viele muslimische Flüchtlinge aufnimmt. Bekir Alboga hat sich im dunklen Anzug so hingestellt, dass die Kamera den eingerüsteten Rohbau der großen Moschee einfängt; die Krawattennadel mit dem Emblem des türkisch-islamischen Verbandes Ditib blitzt in der Wintersonne. Alboga fröstelt, er steht ohne Mantel da. Doch tapfer erklärt der Ditib-Generalsekretär den Russen dieses Deutschland. Ob es nicht viele Probleme gebe? “Viel weniger als befürchtet,” sagt Alboga. Wie gut die Türken assimiliert seien? “Hier muss sich niemand assimilieren”. Alboga preist Religionsfreiheit, Demokratie, den Rechtsstaat und dass die Muslime sich in Deutschland zu Hause fühlen könnten. Ein Wort zum russisch-türkischen Konflikt? “Als Muslim bete ich um Frieden”, sagt er, “aber wir sind ein deutscher Verband”.

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Bedford-Strohm möchte gern in der Politik mitspielen

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, wehrt sich im Umgang mit den Flüchtlingen gegen eine Arbeitsteilung zwischen Kirche und Politik.

evangelisch.de

Man könne nicht sagen, dass die Kirchen für Humanitätspostulate zuständig seien und die Politik für konkretes Handeln, schreibt er in einem Beitrag für die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” (Montagsausgabe). Beides müsse aufeinander bezogen werden. “Wenn Politik die Humanität hintanstellt, dann verfehlt sie ihren Auftrag. Umgekehrt gilt: Wenn Kirche nicht die Dilemmata wahrnimmt, in denen Politik sich bewegt, dann redet sie über die Realität hinweg”, schreibt Bedford-Strohm.

Der Ratsvorsitzende bezieht sich auch auf die Interpretation von Martin Luthers Zwei-Reiche-Lehre durch den ehemaligen Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio. Die Gläubigen seien keine politischen Akteure, “aber sie irritieren den Prozess”, hatte Di Fabio Mitte November vor der EKD-Synode in Bremen gesagt. Obwohl Luther das nicht gewollt habe, habe er mit seiner zentralen Zwei-Reiche-Lehre einen Beitrag zur weltlichen Rechtsentwicklung geleistet, sagte Di Fabio. “Wie und an welcher Stelle die Kirchen öffentlich Stellung nehmen, ist sorgsam abzuwägen”, schreibt nun Bedford-Strohm.

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Russisches Gericht verliert Glauben an Scientology

foto: reuters/mario anzuoni In den USA ist Scientology ein registrierter Markenname.
Die Moskauer Scientology-Kirche muss dichtmachen. Ein Moskauer Gericht hat ihr den Status als Religionsgemeinschaft aberkannt

Von André Ballin|derStandard.at

Als sich Ober-Scientologe Tom Cruise vor einigen Jahren als Hitler-Attentäter präsentierte, wurde ihm in Moskau noch der rote Teppich ausgerollt. Selbst der staatliche erste Kanal rief ihn ins Nachrichtenstudio. Gegenüber der von Cruise beworbenen Scientology-Kirche zeigten sich russische Justizbeamte weniger entgegenkommend. Das Moskauer Stadtgericht entschied, dass die Organisation die Religionsfreiheit für kommerzielle Zwecke missbrauche.

Die Richter folgten der Argumentation des Justizministeriums, wonach Scientology mithilfe seines in den USA registrierten Markennamens selbst die Religionsfreiheit eingeschränkt habe. Zudem habe die Moskauer Scientology-Kirche ihre Tätigkeit nicht – wie in der Lizenz gefordert – auf die russische Hauptstadt beschränkt. Damit wird ihr der Religionsstatus entzogen, innerhalb von sechs Monaten soll die Organisation liquidiert werden.

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Religionen als Hort von Fundamentalismus? Ein theologischer Diskurs ist nötig

Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Religionsfreiheit bedeutet nicht religionsfreie Öffentlichkeit, sondern die Freiheit Gläubiger, sich einzubringen.

Von Martin Grichting|Neue Zürcher Zeitung

Die Reaktion der Polizeikräfte auf die islamistischen Terrorattacken von Paris war beachtlich. Die Verteidigung an der gesellschaftlich-politischen «Heimatfront» erscheint weniger überzeugend. Angesichts eines auf einer bestimmten Interpretation des Islam basierenden Angriffs ist es nicht ausreichend, bloss von der Infragestellung des westlichen Gesellschaftsmodells zu sprechen. Wer den religiösen Antrieb derer nicht zum Nennwert nimmt, die sich ins Jenseits sprengen, greift zu kurz und läuft Gefahr, inadäquat zu handeln. Im Fadenkreuz der Islamisten steht nicht einfach unsere als «dekadent» diffamierte Gesellschaft, sondern ein dem Islam widersprechendes Religions- und Weltverständnis.

Darüber muss es einen theologischen Diskurs geben: Sowenig man alle Muslime in den gleichen Topf werfen darf, so wenig darf man alle Religionen als Hort von Fundamentalismus oder Irrationalismus aus der öffentlichen Debatte verdrängen. Religionsfreiheit bedeutet nicht eine religionsfreie Öffentlichkeit, sondern die Freiheit der Gläubigen, sich einzubringen. In religiösen Inhalten können Wahrheitsgehalte erkannt werden, die sich in eine religiös ungebundene Argumentation einbringen lassen (Habermas).

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Das Kopftuch ist kein Menschenrecht

Themenbild
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Wer beim Staat arbeitet, darf dies nur unverhüllt, entschied ein europäisches Gericht – mit Signalwirkung

Von Hannelore Crolly|DIE WELT

Was wiegt schwerer, die Religionsfreiheit oder das Neutralitätsgebot für Staatsbedienstete? Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hat dazu ein interessantes Urteil gefällt und entschieden: Die Interessen des Staates sind wichtiger.

Allerdings bezieht sich der Richterspruch auf den Fall einer Krankenhausangestellten in Frankreich. Und dort ist anders als in Deutschland im ersten Artikel der Verfassung klar festgehalten: Der Glaube ist ausschließlich Privatsache und deshalb auch im Privaten zu halten. Diese strikte Trennung von Kirche und Staat, der sogenannte Laizismus, gehört regelrecht zu den Grundpfeiler der französischen Nation. Religion hat auch keine öffentliche Funktion. Religiöse Symbole oder Bekenntnisse sind für Staatsdiener, wie es die in einem Krankenhaus angestellte Sozialarbeiterin war, tabu. Sogar Schüler dürfen im Klassenzimmer weder Kreuz noch Kopftuch oder Kippa tragen, ja sie dürfen nicht einmal nach ihrer Konfession befragt werden.

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Menschenrechtsgericht billigt Kopftuchverbot in Klinik

Das Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg © James Russell @ flickr.com (CC 2.0)
Kliniken in Frankreich dürfen ihren Mitarbeitern das Tragen von Kopftüchern verbieten. Das stelle keine Verletzung der Religionsfreiheit dar, entschied das Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Die Richter begründeten ihre Entscheidung mit der französischen Verfassung.

MiGAZIN

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat das Kopftuch-Verbot für Angestellte an einem französischen Krankenhaus gebilligt. Die Regelung an der öffentlichen Klinik stelle keine Verletzung der Religionsfreiheit dar, entschieden die Straßburger Richter am Donnerstag. Sie verwiesen auf die französische Verfassung, laut der der Staat säkular ist und alle Religionen gleichermaßen achtet. (AZ: 64846/11)

Geklagt hatte eine ehemalige Sozialarbeiterin des Pariser Krankenhauses, die trotz Beschwerden mehrerer Patienten ihre Kopfbedeckung nicht ablegen wollte. Die Klinikleitung hatte daraufhin entschieden, den Arbeitsvertrag der Muslimin nicht mehr zu verlängern. Dagegen hatte die Frau vergeblich vor mehreren französischen Gerichten geklagt.

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Volker Kauder: Religionsfreiheit schafft Friede

Volker Kauder: Nichts ist wichtiger als Religion (= Christentum)

Religionsfreiheit trägt nach Ansicht des Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, wesentlich zur Befriedung der Welt bei. Dieses hohe Gut sollten sich die Europäer nicht von islamistischen Terroristen kaputt machen lassen, sagte der Politiker am 15. November in Schwäbisch Gmünd bei der Eröffnung eines Kongresses über Christenverfolgungen.

idea.de

An der viertägigen Veranstaltung, zu der das Christliche Gästezentrum Schönblick und die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) in Zusammenarbeit mit rund 30 evangelischen und katholischen Hilfswerken und Menschenrechtsorganisationen eingeladen haben, nehmen rund 650 Fachleute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. Kauder zufolge strebt die verbrecherische Organisation „Islamischer Staat“ (IS) ein weltweites Kalifat (islamische Herrschaft) an, in dem allein der Islam gelten soll. Zu ihren Mitteln gehöre es, Religionen aufeinanderzuhetzen. Dies wäre dann erfolgreich, wenn Muslime in Deutschland das Gefühl bekämen, nicht akzeptiert zu sein, und wenn Deutsche Muslime pauschal als gefährlich betrachteten. Das Bewahren der Religionsfreiheit könne solche Spannungen verhindern. Ein Zeichen sei, dass Muslime in Deutschland Moscheen bauen dürfen: „Die Welt soll sehen, dass wir ein christliches Land sind, das Religionsfreiheit praktiziert, Muslime aufnimmt und Menschen, die Christen ausgrenzen, mit Barmherzigkeit begegnet.“ Dies mache den Unterschied zwischen dem Christentum und dem Islam deutlich. Zur Religionsfreiheit gehöre allerdings auch, dass sich alle an die Gesetze in Deutschland halten. Flüchtlingen müsse „vom ersten Tag an klar gemacht werden, dass sie in ein Land mit viel Menschlichkeit und großer Rücksicht auf andere Kulturen gekommen sind“.

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Von der Freiheit, sitzen zu bleiben

Angetreten zum Beten: Navid Kermani in der Frankfurter Paulskirche (Foto: PA / dpa / Arne Dedert)
Der Wiener Psychoanalytiker Sama Maani plädiert für die Verweigerung von Respektsbezeugung gegenüber der fremden und der eigenen Kultur.

Von Jakob Hayner|Jungle World

Als der Schriftsteller Navid Kermani Mitte Oktober in der Frankfurter Paulskirche mit seiner Dankesrede für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zum einen um Verständnis für den Islam bei gleichzeitiger Ächtung des sogenannten falschen Islam, beispielsweise des »Islamischen Staates«, warb und zum anderen seine Rede mit einem Aufruf zum gemeinsamen Gebet beendete bot das einen Anlass, sich über das gegenwärtige Verhältnis der deutschen Gesellschaft zur Religion Gedanken zu machen. Denn gerade die Paulskirche ist eben nicht religiös bestimmt, sondern einer der wenigen Orte, den in Deutschland einmal ein Hauch von Bürgerlichkeit durchwehte. Dem Aufruf zum gemeinsamen religiösen Ritual wurde im Großen und Ganzen, wie sollte es bei der anwesenden deutschen »Kulturelite« anders sein, artig Folge geleistet, Ergriffenheit machte sich breit, erst am Ort der Rede und anschließend im Feuilleton. Wer es, wie Thierry Chervel, wagte, seine Freiheit gegen eine solche Zumutung zu behaupten (und sitzenblieb), wurde beispielsweise im sich selbst als linksliberal verstehenden Freitag des Nihilismus und der Intoleranz beschuldigt.

In Deutschland herrscht ein Unbehagen an der Säkularisierung vor, das den Begriff der Religionsfreiheit in sein Gegenteil verkehrt. Nicht die Freiheit des Individuums vor den Belästigungen der Religion wird gewünscht, sondern die Freiheit der Religion. In der Debatte um den Islam wird das neue Tabu der Religion aufgerichtet. Angetrieben wird die linksliberale Öffentlichkeit dabei von einem moralischen Antirassismus, der das Sprechen über Religion als einen Akt vorurteilsgestützter Feindseligkeit auffasst. Nicht zuletzt ist es eben jenes linksliberale Milieu, welches an der misslungenen Säkularisierung der Aufklärung leidet und sich nach Sinn und Gemeinschaft verzehrt, um letztlich die Mühen der Aufklärung gänzlich aufzugeben und sich in der neuen Barbarei recht hübsch einzurichten. Wer Interesse hat, diese Gemengelage aus moralischer Diskurskontrolle und neuer Religiosität zu verstehen, dem sei dringend das Buch »Respektverweigerung. Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten. Und die eigene auch nicht« des Wiener Psychoanalytikers Sama Maani empfohlen.

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Entwurf zum Genfer „Laizismus“-Gesetz will Beamten religiöse Symbole verbieten

religionenEine geplante Gesetzesbestimmung im Entwurf zum neuen Genfer „Laizismus“-Gesetz soll den Staatsbeamten untersagen, im Zusammenhang mit ihrer beruflichen Tätigkeit ein religiöses Symbol zu tragen. Das sei nicht verhältnismässig und ein Verstoss gegen die Religionsfreiheit, schreibt die Schweizerische Evangelische Allianz SEA.RES in einer Medienmitteilung.

APD

Am 4. November stellte der Regierungsrat von Genf den Entwurf zum Laizismusgesetz vor. Unter Laizismus versteht man eine strenge Trennung von Religion und Staat. Der Staat will demnach in religiösen und weltanschaulichen Belangen neutral bleiben.

Eine strikte Auslegung des Verbots, dass Beamte während ihrer Tätigkeit keine religiösen Symbole tragen dürfen, würde es einer Lehrperson verbieten, ein Kreuzsymbol zu tragen, schreibt die SEA. Auch islamische Symbole, wie das Kopftuch, oder solche von anderen Religionsgemeinschaften, wären vom Verbot betroffen. Nach Ansicht der Schweizerischen Evangelischen Allianz „ist ein solches Verbot unverhältnismässig und verstösst gegen die Religionsfreiheit“. Zudem würde die Umsetzung grosse Probleme hervorrufen. „Wie das umgesetzt werden soll, weiss niemand“, sagte Michael Mutzner, Generalsekretär des Westschweizer Zweiges der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA.RES.

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Raif Badawi – der Nelson Mandela des 21. Jahrhunderts

Screenshot, HuffPo
Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Berufsausübungsfreiheit sind Rechte, die uns unser Grundgesetz garantiert. Wir leben in einem Land, indem wir seit über 60 Jahren keine Angst vor willkürlicher Justiz haben müssen, wenn wir von diesen Rechten Gebrauch machen.

Von Moritz Gallenkamp|The Huffington Post

Die Alten wissen noch wie es war, Angst davor zu haben, von einem Regime bestraft zu werden, nur weil man nicht regimetreu ist. Wir jungen haben das Privileg frei zu sein, und wissen dies vermutlich gar nicht genug zu schätzen. Wir sind es gewohnt, diese Rechte zu haben.

2015 in Saudi Arabien

Ein Mensch sitzt im Gefängnis, wird gefoltert und faktisch hingerichtet, auf Zeit. Sein Name? Raif Badawi. Sein Verbrechen? Er ist ein Mensch, der sich für Freiheitsrechte einsetzt. Für Rechte, von denen wir jeden Tag Gebrauch machen. Er spricht sich dafür aus, dass Menschen gleich seien, egal welche Religion sie haben.

Die legitime Strafe in Saudi Arabien wäre die Todesstrafe, da es Blasphemie darstelle. Die gleiche Strafe im Übrigen, die der Islamische Staat aussprechen würde. Seine Strafe umfasst neben den 10 Jahren Haft noch 1.000 Peitschenhiebe. Von den ersten 50 Peitschenhieben musste er sich monatelang erholen.

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Kopftuch bleibt bei hoheitlichen Aufgaben in Berlin verboten

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Religion ist Privatsache und hat im Klassenzimmer oder Gerichtssaal nicht zu suchen. An dieser Auffassung hält das Land Berlin fest. Kopftücher sollen dort tabu bleiben.

Märkische Oderzeitung

Berlin hält an seiner strikten staatlichen Neutralität bei hoheitlichen Aufgaben fest. Also dürfen Lehrerinnen, Polizistinnen und Richterinnen bis auf wenige Ausnahmen weiterhin kein Kopftuch tragen. Der rot-schwarze Senat beschloss am Dienstag, das Berliner Neutralitätsgesetz nicht zu ändern. Der Senat billigte damit eine Vorlage von Innensenator Frank Henkel (CDU).

Henkel hatte nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes über Monate geprüft, ob das Berliner Gesetz angepasst werden müsse. Karlsruhe hatte auf die Klage zweier muslimischer Lehrerinnen hin ein pauschales Kopftuchverbot an nordrhein-westfälischen Schulen gekippt. Ein pauschales Verbot verstoße gegen die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit der Frauen, so Karlsruhe.

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