Das deutsche Religionsrecht ist im Umbruch: Herausforderungen nicht nur durch den Islam

Kopftuch, Beschneidung, Schächten: Religiöse Traditionen und Gebote, die nicht christlich begründet sind, sorgen immer wieder für heftige Debatten – auch über die religionsrechtlichen Grundlagen in Deutschland.

DOMRADIO.DE

Das deutsche Religionsrecht, einst als „Staatskirchenrecht“ bekannt, steht unter Druck. Hohe Austrittszahlen stellen die gesellschaftliche Relevanz der Kirchen und damit auch deren verfassungsrechtliche Rahmenbedingungen infrage. Die wachsende Bedeutung des Islam schafft neue Probleme. Drei Jubiläen nahm die Katholische Akademie in Berlin jetzt zum Anlass, diese Fragen zu beleuchten.

Es sind 100 Jahre Weimarer Reichsverfassung, 70 Jahre Grundgesetz und 30 Jahre Fall der Berliner Mauer mit der Wiedervereinigung als Folge.

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Islamisten-Demo in Hamburg: Warum durften sich diese Frauen „vermummen“?

Teilweise waren die Frauen auf der Furkan-Demo vermummt. 
Foto: Marius Roeer

In Deutschland gilt ein Vermummungsverbot bei Demonstrationen. Doch bei der Islamisten-Demo am Samstagabend in Hamburg griff die Polizei trotz diverser verschleierter Frauen nicht ein. Die MOPO fragte bei der Polizei nach den Gründen. 

MOPO

Rund 260 Demonstranten der Furkan-Gemeinschaft liefen durch die Hamburger Innenstadt. Die Männer vorweg, die Frauen abgetrennt hinterher. Teilweise waren die weiblichen Furkan-Anhänger jedoch so verschleiert, dass nur die Augen zu sehen waren.

Eigentlich ist das gesetzlich verboten – die Polizei griff jedoch zu keinem Zeitpunkt ein. Warum die Beamten vor Ort so gehandelt haben? Das konnte die Pressestelle der Polizei auf Nachfrage der MOPO am Sonntagnachmittag noch nicht im Detail beantworten.

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Hinduextremismus: Lynchjustiz in Indien — „Kuhrächer“ freigesprochen

Seit Jahren werden in Indien Schlachthäuser geschlossen, weil das Töten von Kühen verboten wurde. Der Lynchmord durch „Kuhrächer“ ist kein Einzelfall.Foto: AP

Muslim zu Tode geprügelt – Extremistische Hindus „aus Mangel an Beweisen“ freigesprochen

DERSTANDARD

Sechs hinduextremistische „Kuhrächer“ sollen vorgeworfen werden, einen Muslim aus religiöser Ehrfurcht vor einer Kuh zu Tode geprügelt zu haben. Das berichtet die Kathpress unter Berufung auf einen Bericht des asiatischen katholischen Pressedienstes Ucanews. Die „Kuhrächer“ wurden freigesprochen, was Pius Thomas D’Souza, katholischer Bischof in Indien, schockiert.

„Das Urteil bereitet mir große Schmerzen“, sagte D’Souza, Bischof von Ajmer. „Es ist sehr traurig, weil Videoaufnahmen der Tat zur Verfügung standen“, fügte der Geistliche hinzu. Ein Gericht hatte die Angeklagten zuvor aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Das von einem Augenzeugen aufgenommene Video der Lynchjustiz war nicht als Beweis zugelassen worden.

Kühe gelten im Hinduismus als heilig. Der Regierungschef des Bundesstaates Rajasthan, Ashok Gehlot von der säkularen Kongresspartei, kündigte Berufung gegen den Freispruch an.

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100 Jahre Weimar: Weiter Debatte um Trennung Staat und Kirche — „Juwel der Religionsfreiheit“

Weimarer Reichsverfassung in Buchform. Bild: gemeinfrei/PD

Zum 100. Jahrestag des Inkrafttretens der Weimarer Verfassung geht die Debatte um die Trennung von Staat und Religion weiter. „Wir müssen die Trennung von Staat und Religion im Geist der Kooperation weiterentwickeln.“

DOMRADIO.DE

Das forderte der Beauftragte der Bundesregierung für Religionsfreiheit, Markus Grübel. Teile der Weimarer Verfassung würden noch heute gelten, sie sei ein „Juwel der Religionsfreiheit“. Am 14. August 1919 war sie in Kraft getreten.

Die erste demokratische Verfassung Deutschlands habe das bis dahin geltende Bündnis von Thron und Altar aufgelöst, sagte der Beauftragte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin. Der Parlamentarische Rat habe dies vor 70 Jahren dann aus gutem Grund ins Grundgesetz der Bundesrepublik übernommen. „Glaubenswahrheiten können nicht durch den Staat durchgesetzt werden“, meinte Grübel. Von der Trennung profitierten beide Seiten.

An den Rand gedrängt?

In Deutschland habe sich die kooperative Trennung von Staat und Kirche bestens bewährt, erklärte der Beauftragte. Religionsfreiheit leide, wenn Religionen von Staat und Gesellschaft an den Rand gedrängt würden. Sie leide aber genauso, wenn Religionen von politischer Seite vereinnahmt würden. Das Grundgesetz gewährleiste die Freiheit von Weltanschauung und Religion auch im Interesse des Staates.

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Pew-Zentrum: Israel gehört global zu den religiös restriktivsten Staaten

Bild: phhesse/flickr

Wenn es um die Einschränkungen der Religionsfreiheit geht, befindet Israel sich in der Gesellschaft von Ländern wie Saudi-Arabien, Syrien oder Iran.

tachles.ch

Das geht aus dem jüngsten Bericht des Pew Research Centers hervor. Der Bericht spricht auch von der Zunahme der Restriktionen für jüdischen Praktiken in Europa, wie auch von der wachsenden Zahl der Angriffe gegen Juden. Laut Pew sind Juden 2017 in 87 Staaten belästigt worden. Das ist die dritthöchste Zahl für irgendeine Religion. Israel gehörte laut Pew zu den 20 religiös restriktivsten Staaten in der Welt. Es meldet auch das fünfthöchste Niveau «gesellschaftlicher Feindseligkeiten im Zusammenhang mit religiösen Normen», und das sechsthöchste Niveau der «interreligiösen Spannung und Gewalt» – ein schlechteres Ergebnis als Syrien.

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Nach Atheistenprotest entfernt US-Schule eine Zehn-Gebote-Tafel

Themenbild. The American Mirror

Atheistenprotest Zehn-Gebote-Tafel
US-Prediger Franklin Graham: „Ich schlage vor: ‚Hängt sie wieder auf!‘“

kath.net

„Ich schlage vor: ‚Hängt sie wieder auf!‘“ So kommentierte der bekannte evangelische US-Prediger Franklin Graham, Sohn von Billy Graham, die Nachricht, dass die Joseph Welty Middle School in New Philadelphia (US-Bundesstaat Ohio) eine Tafel mit den Zehn Geboten nach über 90 Jahren entfernt hat. Die Tafel war von der Abschlussklasse des Jahres 1926 aufgehängt worden. „Sie ist ein Teil der Geschichte und des Erbes der Schule, und ich hoffe, man entscheidet sich dafür, sie wieder sichtbar zu machen. Kinder müssen auch sehen und verstehen, wo die Standards für richtig und falsch kommen, nämlich von Gottes Heiligem Wort“, schrieb Graham auf seinem Facebookauftritt.


Über die Gebotstafel hatte sich die in Wisconsin ansässige Gruppe „Freedom From Religion Foundation“ beschwert, berichtete „Fox News“. Die Atheisten behaupteten, die Tafel würde die gesetzlich vorgeschriebene Religionsfreiheit beeinträchtigen.

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Staat und Religion? Nur nicht festlegen!

foto: imago images / sven simon Warum initiiert keine politische Partei die konkrete Verankerung der Trennung von Staat und Kirche in der Verfassung?

Die Aufregung um Sebastian Kurz‘ Wahlkampfauftritt bei einer religiösen Gruppe zeigt einmal mehr: Der österreichische Staat ist zwar säkular, doch hat man sich nie überwinden können, das konkret festzuschreiben

Daniela Ingruber | derStandard.at/Blog

Machen wir einen kleinen Versuch: Rufen Sie die aktuelle Version der österreichischen Verfassung auf und suchen Sie nach dem Wort Säkularität. Sie werden keinen Treffer finden. De facto steht die Trennung von Staat und Kirche nicht in der Verfassung. Indirekt findet man diese dennoch, da dem Staat lediglich weltliche, irdische Aufgaben gestattet werden. Gibt man das Wort Religion ein, stellt man fest, dass die Republik Österreich ihre Rolle gegenüber Religionen vorwiegend in einer Schutzfunktion wahrzunehmen hat. Die Religionsfreiheit wird dabei durch Individualrechte, die die einzelnen Bürger und Bürgerinnen betreffen, sowie über Korporationsrechte – diese richten sich an Religionsgemeinschaften – garantiert.

Das bedeutet: Man darf nicht nur glauben, was man möchte, man darf diesen Glauben auch offiziell ausüben, darf Gottesdienste besuchen sowie abhalten, kann Religionsunterricht erhalten und einiges mehr. Die Schutzfunktion von Religionsgemeinschaften gilt übrigens auch für Atheisten und Agnostiker, denn sie legt fest, dass niemand zur Religionsausübung gezwungen werden darf.

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Bielefeldt: Religionsfreiheit über Glaubensgrenzen hinaus verteidigen

Heiner Bielefeldt, Podium, 2011. Bild: brightsblog

Ob Christen, Juden, Muslime oder Nicht-Gläubige: Geht es nach Menschenrechtsexperte Heiner Bielefeldt, sollten sie alle gemeinsam für die Religionsfreiheit eintreten – auch wenn das zur Bewährungsprobe werden kann.

katholisch.de

Der Erlanger Theologe und Menschenrechtsexperte Heiner Bielefeldt (61) hat für mehr Dialogprojekte zwischen Vertretern „ganz unterschiedlicher religiöser und weltanschaulicher Positionen“ geworben. Dies könne dazu beitragen, die Bedeutung des Menschenrechts auf Religionsfreiheit deutlich zu machen, sagte Bielefeldt am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung in Berlin.

Die Religionsfreiheit habe dann ihre Bewährungsprobe, wenn sie von Menschen verteidigt werde, „die sich sonst inhaltlich nicht verstehen“, betonte der frühere Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Religions- und Weltanschauungsfreiheit (2010-2016). Als Vorbild nannte er ein Dialogprojekt von Mormonen und Atheisten in den USA.

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New York schafft wegen Masern religiöse Ausnahme bei Impfpflicht ab

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio rief im April den gesundheitlichen Notstandt für Teile von Brooklyn aus. Dort wüten die Masern insbesondere in der jüdisch-orthodoxen Gemeinschaft, da diese Impfungen meist ablehnt. (Bild: Shannon Stapleton/Reuters)

Angesichts der schweren Masern-Epidemie schafft der US-Gliedstaat New York Ausnahmen von der Impflicht aufgrund religiöser Motive ab. Beide Kammern des Parlaments stimmten dafür und Gouverneur Andrew Cuomo kündigte an, das Gesetz unterzeichnen zu wollen.

Neue Zürcher Zeitung

Der Bundesstaat ist seit dem vergangenen Herbst von einem schweren Masern-Ausbruch betroffen. Besonders viele Erkrankungen gibt es im New Yorker Stadtteil Brooklyn und im Landkreis Rockland. In beiden Gebieten leben zahlreiche orthodoxe Juden, die aus religiösen Gründen die Impfung ablehnen.

Zwar gibt es in New York wie in fast allen US-Gliedstaaten eine Reihe verpflichtender Impfungen für Schulkinder. Bisher wurden aber Ausnahmen aus medizinischen oder religiösen Gründen zugelassen. New York ist nun einer der wenigen Bundesstaaten, welche religiöse Motive nicht mehr als Grund für eine Ausnahme akzeptieren.

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Ein Register für Moscheen?

Themenbild.

Über die Zahl der Moscheen in Deutschland existieren nur Schätzungen. Wer wo predigt, ist häufig unbekannt. Einige Politiker fordern daher ein Moscheeregister. Doch was würde das bringen?

Von Constantin Schreiber | tagesschau.de

Die Frankenstraße in Hamburg Hammerbrok liegt in einem Gewerbegebiet. In einem Eckhaus befindet sich ein Lebensmittelzulieferer. Gerade werden Kisten voller Obst und Gemüse auf einem Lkw verstaut. Neben dem Gebäudeeingang sitzt ein Mann auf dem Bordstein und raucht. „Die al-Irschad-Moschee? Kommen Sie, die ist hier“, sagt er und öffnet zunächst eine Glastür, dann eine weitere Seitentür. Und tatsächlich, dahinter befinden sich mehrere mit Teppichen ausgelegte Räume, eine Gebetsnische. Dazwischen spielen Kinder und Männer vollziehen Rekats, die religiöse Verneigung.

Leicht zu finden ist sie nicht. Aber die al-Irschad Moschee verstecke sich nicht, betont der Imam. Auf der Website der Stadtverwaltung werde sie mitsamt Adresse aufgeführt. Auch werde sie immer wieder von Vertretern der Stadt Hamburg besucht.

Andererseits führt die Moschee keine eigene Website und auf dem Schild neben dem Eingang, auf dem aufgelistet ist, wer sich alles in dem Gebäude eingemietet hat, ist sie nicht aufgeführt. Die al-Irschad-Moschee würde wohl kaum jemand finden, der nicht sehr gezielt nach ihr sucht.

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Vatikan und Bundesregierung arbeiten bei Religionsfreiheit zusammen—“Gemeinsame Sorge um die Christen“

Sowohl der Vatikan als auch die Bundesregierung sorgen sich um die Lage der Christen auf der ganzen Welt, sagt Markus Grübel, Beauftragter der Bundesregierung für Religionsfreiheit. Von einer engeren Zusammenarbeit könnten beide Seiten profitieren.

DOMRADIO.DE

Der Beauftragte der Bundesregierung für die weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU), war am Mittwoch zu Gast im Vatikan. Er führte dort Arbeitsgespräche mit dem vatikanischen Staatssekretariat und der Kongregation für die Ostkirchen. Während der Generalaudienz auf dem Petersplatz kam es auch zu einem kurzen Treffen mit Papst Franziskus.

DOMRADIO.DE: Wenn ich über das Thema Religionsfreiheit nachdenke, dann kommen mir Länder wie Syrien, der Irak und Afghanistan in den Kopf. Das letzte, woran ich denken würde, sind der Vatikan und die katholische Kirche. Warum passt das trotzdem zusammen?

Markus Grübel (Beauftragter der Bundesregierung für Religionsfreiheit): Weil Religionsfreiheit für die katholische Kirche ein wichtiges Anliegen ist. Der Papst und die katholische Kirche sind gut vernetzt sind in der Welt. Darum haben sie auch gute Informationen über die Lage der Menschenrechte und der Religionsfreiheit in den verschiedenen Ländern.

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Theologe Bielefeldt: Kopftuchverbot an Schulen unverhältnismäßig „Platz für Religionsfreiheit“

Heiner Bielefeldt, Podium, 2011. Bild: brightsblog

Österreich hat ein Kopftuchverbot an Grundschulen beschlossen. Ein Verbot stehe aus Sicht des Theologen und Experten für Menschenrechte, Heiner Bielefeldt, in keinem Verhältnis. Schule soll ein Ort für Religionsfreiheit sein.

DOMRADIO.DE

Der Theologe und Menschenrechtsexperte Heiner Bielefeldt hält ein Kopftuchverbot an Schulen für unverhältnismäßig. „Die rund neunjährigen Mädchen, über die wir hier reden, sind eine kleine Gruppe, und wir sollten nicht überreagieren“, sagte er am Dienstag im Deutschlandfunk. Ein Gesetz, wie es in Österreich jetzt für Grundschulen beschlossen wurde, sei nicht angebracht. Gerade in der Schule könnten Kinder und Jugendliche die weltanschauliche Neutralität und positiven sozialen Umgang miteinander einüben.

Entfaltung der Religionsfreiheit

„In der Schule muss Platz für Religionsfreiheit sein, und die Kinder müssen diese auch entfalten können“, forderte der Wissenschaftler weiter. Dazu gehöre auch, dass nicht ausschließlich die Symbole einer Religion in der Schule vertreten seien. Religion gehöre zum Leben dazu, so Bielefeldt: „Ich lehne es aber ab, dass junge Mädchen ein Kopftuch tragen müssen, denn eigentlich soll es in Freiheit getragen werden.“

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Wieso NRW vorerst mit einem Kopftuchverbot scheiterte

Ein Mädchen mit Kopftuch steht in einer Schule vor einem Klassenzimmer. Bild: dpa

In Österreich soll das Tragen eines Kopftuchs unter 14 verboten werden. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung will das prüfen lassen. In Nordrhein-Westfalen hat man schon eigene Erfahrungen gemacht.

Von Reiner Burger | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Kann man per Gesetz verbieten, dass junge Mädchen Kopftuch tragen? Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), will einem Zeitungsbericht zufolge ein Kopftuchverbot für Schulmädchen prüfen lassen. „Dass kleine Mädchen Kopftuch tragen ist absurd – das sehen auch die meisten Muslime so“, sagte Widmann-Mauz der „Bild“-Zeitung. „Alle Maßnahmen, die Mädchen davor schützen – vom Elterngespräch bis zum Verbot – sollten geprüft und angegangen werden.“ Das österreichische Parlament hatte am Mittwoch ein Verbot von Kopftüchern an Grundschulen beschlossen. Kritiker sehen durch den Vorstoß die Religionsfreiheit in Gefahr.

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Religionsmonitor: Grenzen der Glaubensfreiheit

Die Europäer verhalten sich zur Religion insgesamt recht tolerant – außer bei einem Thema.

Von Matthias Drobinski | Süddeutsche Zeitung

Wie hältst du’s mit der Religionsfreiheit? Anlässlich des 70. Grundgesetz-Geburtstags haben die Macher des Bertelsmann-Religionsmonitors das im Februar die Menschen in Deutschland gefragt, außerdem in Österreich und der Schweiz, in Frankreich, Großbritannien und der Türkei. Die Antwort lautet: Insgesamt steht es sehr gut in Europa um die Freiheit, seinen Glauben zu leben oder unbehelligt von einem Glauben zu bleiben. Ein paar bemerkenswerte Entwicklungen aber gibt es doch. Und schwierig kann es werden, wenn einem der Glaube oder Nichtglaube des anderen nahe kommt, weil der in die Familie einheiraten möchte.

„Jeder sollte die Freiheit haben, seinen Glauben zu wechseln“ – dieser Satz findet bei fast allen Befragten Zustimmung. Nur in der Türkei liegt die Quote mit 73 Prozent deutlich niedriger als in den anderen Ländern. In diesen Ländern befürworten jedoch fast alle Muslime das Recht auf Religionswechsel; von 88 Prozent in Frankreich bis zu 96 Prozent in der Schweiz. Für die Soziologin und Islamwissenschaftlerin Yasemin El Menouar, die das Projekt leitet, ist dies ein Beleg dafür, „dass sich die Werte und Einstellungen der muslimischen Einwanderer zunehmend denen der Gesamtgesellschaft annähern.“ Muslime fänden „eigenständige, pragmatische Wege, ihren Glauben mit dem Leben in einer mehrheitlich nichtmuslimischen Gesellschaft in Einklang zu bringen.“

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Vatikan-Studie zu Religionsfreiheit und Fundamentalismus: Radikalisierung als Reaktion auf Moderne

Vatikan. Bild: Pixabay, Selim Gecer.

Ein neues Dokument aus dem Vatikan führt als Gründe für religiöse Radikalisierung einen ethischen Relativismus im modernen Staat an. Zudem wird der interreligiöse Dialog betont, der nicht im Widerspruch zum Evangelium steht.

DOMRADIO.DE

Die Internationale Theologenkommission des Vatikan hat ein umfassendes Dossier zur Religionsfreiheit vorgelegt. Darin wird für wachsenden Fundamentalismus in verschiedenen Gesellschaften auch ein liberaler Staat verantwortlich gemacht. Das rund 37-seitige Dokument wurde am Donnerstag publik. Eine zehnköpfige Unterkommission hatte es von 2014 bis 2018 erarbeitet. Papst Franziskus gab es am 21. März zur Veröffentlichung frei.

Radikalisierung als Reaktion auf Moderne

Religiöse Radikalisierung erscheine nicht nur als Rückkehr zu strengeren und traditionelleren Frömmigkeitsformen, sondern sei oft auch eine Reaktion auf den modernen Staat und dessen ethischen Relativismus, heißt es in dem Dossier. Als einen zweiten Grund für Radikalisierung vermuten die Autoren, dass der religionsneutrale Staat religiöse Bürger nicht zureichend davor schütze, aufgrund ihres Bekenntnisses in ihrer Teilhabe am kulturellen und politischen Leben behindert zu werden.

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Politologe Bielefeldt sieht Religionsfreiheit vielerorts verschlechtert

Heiner Bielefeldt, Podium, 2011. Bild: brightsblog(bb)

Mit Blick auf die Anschläge auf Kirchen und Hotels an Ostern in Sri Lanka hat der Politikwissenschaftler Heiner Bielefeldt eine Verschlechterung der Religionsfreiheit in vielen Teilen der Welt beklagt.

evangelisch.de

Dies treffe Christen, aber auch andere Glaubensgemeinschaften, sagte der Professor der Universität Erlangen am Mittwoch im WDR5-„Morgenecho“. „In absoluten Zahlen kann es durchaus sein, dass Christen die am stärksten verfolgte Gruppe sind“, erklärte er. Denn Christen seien mit Abstand die größte Religionsgruppe weltweit.

Sehr kleine Glaubensgruppen wie die Bahai würden aber proportional ähnlich oder vielleicht sogar stärker verfolgt. Dass sich die Gewalt auf Sri Lanka spezifisch gegen die dort kleine Gruppe der Christen richtete, sei jedoch in der Tat neu und unerwartet, sagte der Politologe, der von 2010 bis 2016 UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit war. Mehr als 70 Prozent der 22 Millionen Einwohner Sri Lankas sind Buddhisten, zwölf Prozent Hindus, zehn Prozent Muslime und gut sieben Prozent Christen.

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Imame-Ausweisungen: VfGH weist Beschwerden ab

Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat die Beschwerden gegen die Ausweisung von Imamen der Moscheegemeinde ATIB (Türkisch Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich) abgewiesen.

religion.ORF.at

Die Imame – türkische Staatsbürger – hatten Beschwerde gegen das im Islamgesetz 2015 geregelte Verbot der Auslandsfinanzierung von Religionsgesellschaften erhoben. Der Verstoß gegen diese Regelung hatte zur Ausweisung von Imamen geführt. Der VfGH entschied nun, dass das Verbot der Auslandsfinanzierung nicht verfassungswidrig ist.

Die Bestimmung greife zwar in die in der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) garantierte Religionsfreiheit ein, die Maßnahme sei aber „nicht unverhältnismäßig“. „Diese Bestimmung stößt im Ergebnis auf keine verfassungsrechtlichen Bedenken“, heißt es in der Begründung des Höchstgerichts.

Eingriff in Religionsfreiheit gerechtfertigt

„Die Wahrung der Selbständigkeit und Unabhängigkeit gesetzlich anerkannter Kirchen und Religionsgesellschaften vom Staat, aber insbesondere auch von anderen Staaten und deren Einrichtungen, bildet ein im öffentlichen Interesse gelegenes Ziel“, so der VfGH. Dieses Regelungsziel rechtfertige den Eingriff.

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EuGH: Kein Bio-Siegel für Halal-Fleisch

Im Kühlraum eines Schlachthofs in Hannover hängen ausgeblutete Rinder, die zuvor betäubt wurden. (Foto: dpa)

  • Schlachtmethoden, bei denen aus religiösen Gründen auf eine Betäubung des Tieres verzichtet wird, sind nicht grundsätzlich gleichwertig mit jenen Techniken mit Betäubung, wenn es um das Wohl der Tiere geht.
  • Deshalb darf Fleisch aus solchen Produktionen nicht mit dem europäischen Bio-Siegel ausgezeichnet werden, hat der Europäische Gerichtshof entschieden.

Süddeutsche Zeitung

Fleisch, das aus rituellen Schlachtungen stammt, bei denen das Tier vorher nicht betäubt wurde, darf nicht das europäische Bio-Siegel tragen. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden. Die Begründung: Diese Methoden hält das Leiden der Tiere nicht so gering wie möglich. Das jedoch sehen die Regeln für das Gütesiegel vor.

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die Betäubung die beste Technik ist, um das Tierwohl während der Schlachtung am wenigsten zu beeinträchtigen, hieß es vom Gerichtshof. Damit die Religionsfreiheit gewahrt bleibt, ist es im Rahmen ritueller Schlachtungen in der EU ausnahmsweise erlaubt, auf die Betäubung zu verzichten.

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Die Menschen erzählen der Welt von den Göttern, und die Götter erklären den Menschen die Welt

Religion kann Gemeinschaft stiften: Madonna mit dem Schutzmantel, um 1480. (Bild: Staatliche Museen zu Berlin)

In Mythen und Ritualen verständigen sich Gesellschaften über sich selber. Der Kunsthistoriker Neil MacGregor fragt in seinem neuen Buch, was es heisst, mit Göttern zu leben.

Clemens Klünemann | Neue Zürcher Zeitung

Vor über dreissig Jahren erschien ein kleines Büchlein des französischen Altphilologen Paul Veyne, der sich und seine Leser fragte: Glaubten die Griechen an ihre Mythen? Es ging Veyne natürlich nicht um ein schlichtes Ja oder Nein. Vielmehr wollte er zeigen, dass «glauben» im antiken Griechenland keine Bedeutung hatte.

Für die Griechen gab es das Wagnis des Glaubens schlichtweg nicht, denn der Mythos erzählte davon, wie die Welt war und wie sich eine Gruppe wie «die Griechen» konstituierte. Es ist dieser Identität stiftende Aspekt, der sich wie ein roter Faden durch Neil MacGregors Buch «Leben mit den Göttern» zieht – ein Buch wie ein Begleiter für eine Welt und noch mehr für eine Zeitreise.

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Glaubensfragen in Berlin Wie viel Kirche verträgt die Politik?

Bild: bb

In Deutschland darf jeder glauben, woran er möchte. Jeder hat die Freiheit, aus einer Religionsgemeinschaft auszutreten oder in eine andere überzuwechseln. So will es das Grundgesetz.

Von Tanja Brandes | Berliner Zeitung

Der Staat wiederum muss allen Glaubensrichtungen neutral und tolerant gegenüberstehen. Eine strikte Trennung von Staat und Religion aber besteht in Deutschland nicht. Und immer wieder beeinflusst die Religion auch politische Debatten.

Laut Statistischem Bundesamt leben in der Bundesrepublik rund 45 Millionen Christen und etwas weniger als 100.000 Juden. Hinzu kommen laut einer Studie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge etwa 4,7 Millionen Muslime. Außerdem gibt es etliche weitere Religionsgemeinschaften.

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