«Religion ist das, was die Armen davon abhält, die Reichen umzubringen»

Wie schon viele Denker und Philosophen in früheren Zeiten war auch Napoleon ein Atheist.

Hugo Stamm | watson.ch/blog

Viele Gläubige reagieren ungläubig, wenn ihr Gott oder ihre Heilslehre kritisiert oder in Frage gestellt werden. Egal, ob sie an Jesus als Sohn Gottes, an Allah, Krishna, Buddha oder sonst einen Religionsführer oder spirituellen Meister glauben. Es scheint, als mache für Strenggläubige ein Leben ohne religiösen Inhalt keinen Sinn.

Ihre heftigen Reaktionen auf Kritik nähren die Vermutung, dass skeptische Fragen für sie eine existenzielle Bedrohung darstellen. Oder einen Angriff auf ihren Glauben. Kritiker werden von ihnen gern auch als moralisch bedenklich eingestuft, weil sie glauben, dass nur der Glaube an einen Gott Menschen zu wertvollen und verantwortungsbewussten Wesen machen könne.

Fromme Christen beispielsweise sehen oft den Satan am Werk, wenn Skeptiker kritische Fragen stellen. Oder gar atheistische Positionen vertreten.

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Ein Hund schafft es in die SPD, ein Religionskritiker nicht

Bild: bb
„Für eine offene, freie Gesellschaft“ kann man auf der Startseite der SPD lesen. Dass diese Offenheit nicht unbedingt Religionskritik miteinschließt, zeigt ein Fall in Augsburg: David Farago wollte in die SPD eintreten und wurde abgelehnt – wegen kirchenkritischer Äußerungen im Internet.

Von Gisa Bodenstein | hpd.de

„Bei Wahlen gibt man seine Stimme ab. Wörtlich heißt das für mich, alle vier Jahre darf der Bürger einmal mitbestimmen, dann ist die Stimme wieder weg. Dass es eine Partei gibt, in der der Bürger seine Stimme behalten darf, finde ich fantastisch“, sagt David Farago, Mitarbeiter der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) und Initiator der Kunstaktion „11. Gebot“. „Ich hatte schon länger überlegt, in eine Partei einzutreten, obwohl eigentlich keine Partei so richtig zu mir passt. Aber ich denke, nur durch die SPD wird es möglich sein, dass sich in Deutschland politisch etwas ändert“. Das anstehende Mitgliedervotum gab den Ausschlag: Alle SPD-Mitglieder sind aufgerufen, bis zum 2. März über den Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD zu entscheiden.

Am 1. Februar suchte Farago die Geschäftsstelle der SPD in seinem Wohnort Augsburg auf und stellte einen Mitgliedsantrag. Der Stichtag, um an der Entscheidung über eine Neuauflage der Großen Koalition teilzunehmen, war der 6. Februar. Genug Zeit also, um rechtzeitig aufgenommen zu werden – sollte man meinen. Eine Woche später, am 8. Februar, erhielt David Farago ein Antwortschreiben der SPD. Allerdings nicht mit einer Aufnahmebestätigung, sondern einer Ablehnung:

„Die Geschäftsstelle Augsburg-Stadt hat uns als zuständigen Ortsverein über Ihren Wunsch informiert, der SPD beizutreten. Gemäß Organisationsstatut der SPD hat der Ortsvereinsvorstand über die Aufnahme zu entscheiden und kann binnen eines Monats die Aufnahme ablehnen. In diesem Fall hat der SPD-Ortsvereinsvorstand von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht und Ihren Aufnahmeantrag abgelehnt.

Sollten Sie gegen diese Entscheidung des Ortsvereinsvorstandes Widerspruch einlegen wollen, so steht Ihnen der Weg binnen eines Monats offen. In diesem Fall müssten Sie sich an den SPD-Unterbezirksvorstand Augsburg-Stadt wenden.“

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Autoritäre Einstellungen bei Schülern

Bild: RDF
Als eine der ersten empirischen deutschsprachigen Studien in diesem Bereich wurden im Rahmen einer Masterarbeit autoritäre Einstellungen von 668 SchülerInnen mit besonderer Berücksichtigung der Religionszugehörigkeit gemessen.

Von Felix Kruppa | Richard-Dawkins-Foundation

Der Fragebogen ermittelte Einstellungen zu den Themen Minderheitenfeindlichkeit, der Bedeutsamkeit der eigenen Weltanschauung, Einstellungen zur Erziehung, Demokratie sowie Rollenbildern und Sexualität. Während die Einstellungen von SchülerInnen christlichen Glaubens und jenen ohne Religionszugehörigkeit oft nur marginal voneinander abwichen, erwiesen sich die muslimischen SchülerInnen in fast allen Bereichen als autoritärer.

Der Text kann auch unter folgendem Link als PDF-Datei heruntergeladen werden: Felix Kruppa – Autoritäre Einstellungen bei Schülerinnen und Schülern mit besonderer Berücksichtigung der Religionszugehörigkeit (Diskussionspapier)

Die komplette Masterarbeit, die u.a. alle Studienergebnisse enthält, versende ich gerne auf Anfrage.

Einleitung

Die Studie zur „Autoritären Persönlichkeit“ von Adorno, Frenkel-Brunswik, Levinson & Sanford (1950) war der Beginn für die wissenschaftliche Suche nach den Erklärungsansätzen und Ursprüngen von faschistischen und antidemokratischen Einstellungen, sowie Vorurteilen und Diskriminierung. Grundlage dieser autoritären Persönlichkeit sind u.a. negative Intergruppeneinstellungen, die spätestens durch den starken Anstieg der Zuwanderung nach Deutschland seit dem Jahr 2015 wieder in Erscheinung treten. Die eigene Identität wird verstärkt ex negativo zu anderen (Gruppen-)Identitäten gebildet und findet in ihnen ihren vermeintlichen Konterpart. Bestrebungen zur Abgrenzung der eigenen Gruppenidentität und dem Versuch der Herausstellung ihrer Überlegenheit gegenüber anderen Gruppen bei gleichzeitiger Besinnung auf traditionelle, oft reaktionäre Wertegefüge, sind allerdings nicht nur einer nach rechts rückenden Mehrheitsgesellschaft zuzuschreiben.

Ein gewichtiger Faktor für die Begründung und Genese autoritärer Einstellungen scheint auch die Religion zu sein. Homophobie, Judenfeindlichkeit oder die Ablehnung der Gleichberechtigung von Mann und Frau finden oft auch religiöse Anleihen. In Bezug auf den Islam führt die Besinnung auf die eine konservative muslimische Identität in vielen Fällen dazu, dass Prinzipien wie der Säkularismus, Religionskritik, aber auch die Akzeptanz von Homosexualität und die Gleichberechtigung von Männern und Frauen nicht als Selbstverständlichkeit aufgefasst werden. Konservative bis fundamentalistische Auslegungen des Korans gewinnen an Zuspruch und der islamische Glaube gewinnt auch generell für immer mehr Muslime an subjektiver Bedeutung.[1] Aber auch die Kirche unterstützt seit ihrer Gründung traditionelle Rollenbilder und leistet u.a. einen erheblichen Beitrag zur Abwertung von homosexuellen Menschen, die sich im Katechismus, aber auch den Aussagen hoher christlicher Würdenträger wie des Papstes widerspiegeln. Der Katechismus der katholischen Kirche bezeichnet die Homosexualität als „schlimme Abirrung“ und „Prüfung“, und „keinesfalls zu billigen“, weil sie gegen das „natürliche Gesetz [verstößt]“. Deswegen sei Homosexuellen mit „Mitgefühl“ zu begegnen.[2]

Die beschriebenen gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich teilweise in Zonen diskursiver Immunität befinden, zeichnen sich oft schon in den Schulen ab. Schulklassen und die Einstellungen der SchülerInnen[3] werden zunehmend heterogener. Teilweise konfligierende Werte und Lebensmodelle sind für LehrerInnen eine besondere Herausforderung, weil sie nicht nur als Vermittlungsinstanz für Schulwissen, sondern auch als Erziehende einen großen Beitrag für die Wertebildung im Sinne einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft leisten. Schulen müssen insofern nicht nur als Spiegel für die Gesellschaft, sondern auch als wichtige Instanz ihrer Konstitution gesehen werden. Gerade deshalb ist ihre integrative Funktion und die Vermittlung demokratischer und aufklärerischer Grundprinzipien auch in Zeiten der zunehmenden Diversifizierung eine Aufgabe, die neben ihrer Qualifikationsfunktion höchste Priorität hat.

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Schweiz: Der blinde Fleck der Linken

Ärgerte sich über die Islamkritik eines Atheisten: SP-Regierungsrätin Jaqueline Fehr. (Foto: Urs Jaudas)
Ein Post-Muslim und Atheist kritisiert linke Ideologien – und wird prompt diffamiert. Aber: Religionskritik muss in einer Demokratie erlaubt sein.

Von Michèle Binswanger | Tages Anzeiger

Der Facebook-Eintrag war symptomatisch. Nachdem der marokkanische Flüchtling und Intellektuelle Kacem El Ghazzali in einem Interview mit dem «Bund» linke Organisationen wie die Juso oder die autonome Schule kritisierte, schoss die SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) zurück. Ghazzali hatte die Haltung vieler Linker bemängelt, die jegliche Kritik am Islam als rassistisch oder islamophob bezeichnen. Lieber würden religiöser Fundamentalismus und Intoleranz als kulturelle Eigenart akzeptiert, als dass man die Grenzen der Toleranz klar festlege.

Ghazzali erntete breiten Zuspruch für seine ­differenzierte und kritische Haltung. Aber nicht überall. Namentlich die Zürcher Justiz- und Polizeidirektorin Jacqueline Fehr machte ihrem Ärger Luft, als sie auf Facebook schrieb: «Warum überprüfen Journalistinnen und Journalisten die aufgestellten Behauptungen (zum Beispiel über das Verhalten der autonomen Schule) nicht? Reicht es heute einfach, als Muslim gegen den Islam zu wettern, um als Experte zu gelten?»

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Adam hat die rote Karte

© dpa TV-Moderatorin Sandra Maischberger
Sandra Maischberger diskutiert mit ihren Gästen über den Religionskrieg des „Islamischen Staates“ und das Verhältnis der Katholiken zur Abtreibung. Der Erkenntnisgewinn geht gegen null. Nur Heiner Geißler fällt aus dem Rahmen.

Von Hans Hütt | Frankfurter Allgemeine

Religionskritik und Amtskirchen haben etwas gemeinsam. Beide fallen gerne hinter einen erreichten Reflektionsstatus zurück. Tertullians „Credo, quia absurdum est“ („Ich glaube, weil es unvernünftig ist“) wird unter Wert gehandelt. Gottes Sohn ist sterblich. Zumutungen erscheinen heute nicht mehr zumutbar. Die Radioandachten der evangelischen und der katholischen Kirche morgens um 6:35 Uhr im Deutschlandfunk bezeugen eine bestürzende Einfalt. Es wäre eine groteske Überschätzung, traute man diesen Tönen zu, die Welt zu spalten. Der Titel der Sendung von Sandra Maischberger („Spaltet Religion die Welt?“) beschwört zudem die Idee einer einigen Welt, die nicht einmal als fromme Wunschvorstellung ernst genommen werden könnte.

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„Islamophobie kann man mit Aufklärung entgegenwirken“

„Unsere Gesellschaft hat mit Religion zunehmend ein Problem“, sagte der Intendant des Deutschlandradio, Willi Steul, im DLF. Er forderte Respekt gegenüber allen Religionen. (Deutschlandradio – Bettina Fürst-Fastré)
Die Sendung „Koran erklärt“ läuft seit nunmehr zwei Jahren im Deutschlandfunk, im Mai wird sie als Buch im Suhrkamp-Verlag erscheinen. In den Medien sei die Auseinandersetzung mit dem Islam meist durch aktuelle Ereignisse geprägt, sagte Buch-Herausgeber und DLF-Intendant Willi Steul im DLF. Das sei jedoch „zu einseitig“.

Willi Steul im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

Christiane Florin: Immer freitags um 9:55 Uhr, nach „Tag für Tag“, hören Sie im Deutschlandfunk einen Koranvers in deutscher Übersetzung. Diese Sure wird von einem Experten erläutert und am Schluss hören Sie den Vers noch einmal und sehen ihn vielleicht mit anderen Augen. Seit 2015 gehört der Fünfminüter „Koran erklärt“ zu diesem Programm, und nun gibt es das gesprochene Wort auch gedruckt. Gestern wurde das Buch zur Sendung in Berlin vorgestellt. Die Podiumsdiskussion dazu konnten Sie gestern Abend im Deutschlandfunk hören. Aus Berlin ist nun Willi Steul zugeschaltet, Intendant dieses Senders und Herausgeber des Buchs „Koran erklärt“. Guten Morgen, Herr Steul!

Mehr gelernt als in den letzten Jahren in der Moschee“

Willi Steul: Guten Morgen, Frau Florin!

Florin: Die erste Sendung „Koran erklärt“ lief am 6. März 2015. Ein halbes Jahr später kamen Hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland, vor allem Muslime. Dieser Herbst 2015 hat den Blick auf den Islam in Deutschland gravierend verändert. Wenn es „Koran erklärt“ nicht gäbe, würden Sie es nach diesen Ereignissen noch einmal so erfinden?

Steul: Aber absolut. Ganz genau wieder so. Und ich fühle mich auch bestärkt durch Reaktionen, die ich bekommen habe. Ich erinnere mich an einen Brief von einem gläubigen Muslim, der mir schrieb, er bedankt sich dafür, er habe durch diese Sendereihe, die er jeden Freitag höre und auch aufzeichne, habe er mehr gelernt als in den letzten Jahren in der Moschee.

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Muslime in Frankreich: In der Rolle der Entrechteten

© AFP Freitagsgebet: Gläubige in der Moschee im französischen Cherbourg-Octeville.
Im Westen nichts Neues: Der französische Philosoph Pascal Bruckner fragt, was an dem Vorwurf dran ist, in Frankreich grassiere Islamophobie. Er erkennt darin den Versuch, Kritik an der Religion zu unterdrücken.

Von Jürg Altwegg | Frankfurter Allgemeine

Dass der Rassismus ein schlimmes Übel ist und es in Frankreich durchaus einen Rassismus gegen die islamische Bevölkerung gibt, weiß Pascal Bruckner zur Genüge. Er ist auch keineswegs bestrebt, ihn zu verniedlichen. Doch sein Augenmerk richtet er auf den „imaginären Rassismus“, den die Islamisten dem Westen und dem laizistischen Frankreich im Besonderen unterstellten. Bruckner zielt damit auf den Vorwurf der „Islamophobie“, mit dem sich in seinen Augen weite Teile der Linken identifizieren und dabei die muslimischen Einwanderer zu den neuen Entrechteten und Unterdrückten des Systems verklären.

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Schriftstellerin Julia Franck: „Wir brauchen den säkularen Staat“

Julia Franck, deutsche Schriftstellerin aus Berlin (dpa / Foto: Erwin Elsner)
Julia Franck, deutsche Schriftstellerin aus Berlin (dpa / Foto: Erwin Elsner)
Die Schriftstellerin Julia Franck spricht sich für mehr Religionskritik aus. „Nur ein säkularer Staat, der keine der Religionen finanziell oder ideologisch befördert, kann der Gefahr des Fundamentalismus entgegenwirken“, sagte die Autorin im Deutschlandfunk. Religionskritik müsse geprägt sein von „gegenseitiger Achtung“.
 

Julia Franck im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main. Nicht jeder muss sie kennen, aber viele, sehr viele haben Julia Franck gelesen. Sie ist eine der renommiertesten, erfolgreichsten Schriftstellerinnen – zumindest ihrer Generation. Ihr Roman „Die Mittagsfrau“ wurde über eine Millionen Mal verkauft und ist in fast 40 Sprachen übersetzt. Es geht jetzt hier aber nicht um Literatur, sondern um Religion. Hier und heute im Gespräch mit Julia Franck. Und weil Religion eine sensible Angelegenheit ist und Julia Franck nicht zu jenen Schriftstellern gehört, die in guter, alter Günter-Grass-Manier zu allem und jeden was sagen – aus diesem Grund zeichnen wir dieses Gespräch auf, sitzen uns hier gegenüber in unserem Berliner Funkhaus. Guten Morgen, Julia Franck!

Julia Franck: Schönen guten Morgen, Herr Main.

Main: Frau Franck, lassen Sie uns mit einer fiesen Frage beginnen. Sie sind eher zurückhaltend, was Interviews betrifft. Warum haben Sie ausgerechnet zu einem Gespräch zugesagt, in dem es um etwas so Heikles geht wie die Religion?

Franck: Vielleicht gerade deshalb. Ich denke, nicht nur wenn wir Kinder haben, auch in der Weise, wie wir aufgewachsen sind hier in Mitteleuropa, in Deutschland, ganz gleich ob im Osten oder im Westen, spielt die Religion immer auch eine Rolle in unserer Vorstellung und Geschichtserzählung von uns selbst, wie wir geworden sind, woher wir kommen, wohin wir gehen werden oder wollen. Und zwar nicht nur in Bezug auf die wirklich religiösen Inhalte, nicht in Bezug auf Rituale und Glaube, sondern natürlich auch in Bezug auf Moral und Ethik, wie ein Zusammenleben in unserer Gesellschaft funktionieren kann. Und das ist traditionell in allen abendländischen Kulturen nicht nur staatlich gelenkt, sondern der Staat hat den Auftrag, das Religiöse in sich zu akzeptieren und seinen Raum zu lassen.

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Dumm: Prälat Imkamp und Atheismus-Wahn – Christen-Proll

Respekt_Christen

Bei mancher philosophischen oder theologischen Kritik am Islam sollten gläubige Christen ein wenig genauer hinschauen, denn häufig ist Islamkritik Religionskritik.

Von Wilhelm Imkamp | Die Tagespost

Von ferne grüßt Voltaire’s Mohammed-Drama, der den Islam prügelte, aber das Christentum, näherhin den Katholizismus, meinte. Längst läuft unter dem Deckmantel der Islamkritik die Generalmobilmachung gegen die christliche Religion, gegen Gott überhaupt. Da marschieren, „die Reihen dicht geschlossen“, die alten Kampftruppen des organisierten Atheismus, begleitet von den Edelfedern des deutschen Feuilletons im Nimbus ihrer Unfehlbarkeit, eifrig begleitet vom Regietheater. Aus Schauspielerinterviews springt einen unvermittelt nun wirklich dümmlicher Atheismus an: „Mir fehlt wirklich jede Art von Glauben… für mich existiert kein Gott, wie auch immer man ihn nennen könnte“ (Ewan McGregor).

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Differenzierter, bitte – Auch bei Religionskritik keinen Kulturalismus dulden

Linke Religionskritik ist notwendig. Es ist jedoch teilweise schwierig, die Grenzen zwischen Kritik und Ressentiment in der »Islamkritik« zu erkennen. Auch Linke sind nicht davor gefeit, sich kulturalistische Argumentationsweisen zu eigen zu machen, und sollten entsprechend kritisiert werden.

Von Jonas Fedders | Jungle World

»Der Islam ist keine schützenswerte Kultur, sondern eine furchtbare, autoritäre, gnadenlose Ideologie, die durch die Verkommenheit der westlichen Intellektuellen und Politiker, durch das Versagen und die Borniertheit der Zivilisation voranschreitet.« Dieser Satz stammt nicht etwa von der »Alternative für Deutschland« oder Pegida, sondern aus dem Aufruf zur Demonstration »Es gibt kein Menschenrecht auf ­Israelkritik«, die im Sommer 2014 in Köln stattfand. Die Veranstaltung wurde von manchen Linken unterstützt und beworben – unter anderem als »Tipp der Woche« in dieser Zeitung.

Es ist nun keine besonders neue ­Erkenntnis, dass vieles, was unter dem Begriff der »Islamkritik« firmiert, schlicht Ressentiment ist. Der Islam avancierte in den vergangenen Jahren zum zentralen Feindbild für rechts­populistische und rechtsextreme Hetze. Doch auch in linken Kreisen sind seit einer Weile vermehrt Argumentationsweisen anzutreffen, die sich zwar selbst als emanzipatorische oder kommunistische Religionskritik am ­Islam präsentieren, inhaltlich aber oft an das erinnern, was die Rassismusforschung als »kulturellen Rassismus« bezeichnet. Antirassistische Linke, die darauf hinweisen, werden nicht selten als »Apologeten des Islam« verspottet.

Eine Kritik am antimuslimischen Rassismus, die den Islamismus nicht bagatellisiert, scheint notwendig zu sein. Die reflexhafte, relativierende Losung »Islam ist Frieden« erweist sich als offenkundiger Unsinn: Die allermeisten Muslime und Muslimas sind friedliebende Menschen, aber man muss schon sehr große Scheuklappen aufhaben, um zu leugnen, dass im ­Namen von Allah tagtäglich zahlreiche Gräueltaten begangen werden.

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„Es gibt zu viel Selbstbeweihräucherung von Religionen“

Frieder Otto Wolf ist Präsident des Humanistischen Verbands Deutschland (Humanistischer Verband Deutschland / Arik Platzek)
Frieder Otto Wolf ist Präsident des Humanistischen Verbands Deutschland (Humanistischer Verband Deutschland / Arik Platzek)
Religionskritik habe zu wenig Raum in öffentlichen Debatten, sagte Frieder Otto Wolf, Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschland, im DLF. Sie müsse jedoch „genau und von Respekt getragen“ sein. Gefährlich werde es dagegen, wenn Religionskritik als „Mittel zur Abschottung“ diene, betonte der Leipziger Religionssoziologe Gert Pickel.

Frieder Otto Wolf und Gert Pickel im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Fast alles ist erlaubt, aber ist jede Islamkritik, jede Kirchenkritik, jede Kritik an Juden sinnvoll? Diese Frage geht an einen Konfessionslosen und an einen Religionssoziologen, auch in der Hoffnung, dass die beiden vielleicht ein wenig bündeln und bilanzieren und ein Antwort auf unsere Frage finden – „wie geht Religionskritik richtig?“

Der eine, Frieder Otto Wolf, ist Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschland, sozusagen ein organisierter Religionskritiker. Gert Pickel ist Professor für Religionssoziologie an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig. Guten Morgen, Herr Pickel.

Gert Pickel: Guten Morgen, Herr Main.

Main: Und guten Morgen, Herr Wolf.

Frieder Otto Wolf: Guten Morgen.

Main: Frieder Otto Wolf, auch ein Religionskritiker ist hoffentlich selbstkritisch. Lassen Sie uns beginnen mit der Kritik an der Religionskritik. Was geht gar nicht?

Wolf: Ja, ich denke, da ist es erst mal wichtig zu unterscheiden. Ich würde nicht sagen, dass ich ein organisierter Religionskritiker bin, sondern ich bin ein organisierter Religionsfreier. Und Religionsfreiheit ist nicht religionskritisch, sondern so, wie jemand, der so mit seinen Neurosen klarkommt, ohne eine Psychoanalyse zu machen, der guckt auch nicht auf die herab, die eine Psychoanalyse brauchen. Das ist ein tollkühnes Bild, aber die Religiösen sind irgendwie mit einer höheren Bindung in ihrem Leben versehen, glauben sich versehen – und wir Religionsfreien sind das nicht. Das werfen wir ihnen nicht vor. Das ist keine Kritik. Religionskritik ist was anderes.

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UN-Berichterstatter Bielefeldt: Keine Religions- ohne Meinungsfreiheit

Heiner Bielefeldt, Podium, 2011. Bild: brightsblog
Heiner Bielefeldt, Podium, 2011. Bild: brightsblog
Der UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit Heiner Bielefeldt sieht einen engen Zusammenhang von Meinungs- und Religionsfreiheit.

kathpress

Wer autoritär ein Verbot von Religionskritik fordere, stelle das Menschenrecht der Religionsfreiheit auf den Kopf, schreibt der deutsche Menschenrechtsexperte in einem Gastbeitrag für die Juli-Ausgabe der „Herder Korrespondenz“. Er sehe derzeit insbesondere im Islam das „Missverständnis“, Religionen könnten als solche gegen als verletzend empfundene Karikaturen oder jede Kritik geschützt werden. Derzeit „mehrten sich die Anzeichen“, so Bielefeldt weiter, dass muslimische Organisationen, aber auch Russland versuchen wollten, den Kampf gegen Religionskritik und Blasphemie in die Gremien der Vereinten Nationen zu tragen.

Aus der Religionsfreiheit als Freiheitsrecht der Menschen in den vielfältigen Fragen religiösen Glaubens und religiöser Praxis dürfe kein autoritativer „Ehrschutz“ für bestimmte Religionen werden. Strafrechtlich bewehrte Blasphemieverbote schränkten nicht nur die Meinungsfreiheit unverhältnismäßig ein, sondern bedrohten typischerweise auch religiöse Minderheiten, warnt Bielefeldt. Dies lasse sich an Beispielen aus aller Welt demonstrieren. Religionsfreiheit sei überdies „kein Privileg der Frommen“. Es komme letztlich auch Religionskritikern, Dissidenten und Skeptikern zugute.

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Christen, Muslime und die Religionskritik: So schnell wird Gott nicht zornig

Die einen lachen, die anderen kommen ins Nachdenken, andere fühlen sich persönlich getroffen. Was darf Religionskritik? (imago stock&people)
Einst haben sich Muslime auch über ihre eigene Religion lustig gemacht. Doch das ist lange her. Aus dem dicken Fell ist eine dünne Haut geworden. Die Folge: Wer Religionen kritisiert, muss mit Anfeindungen rechnen – bis hin zu Gewalt. Weniger gewalttätig, aber doch erregt – so reagieren immer wieder auch Christen auf Kritik und Spott.

Von Burkhard Schäfers | Deutschlandfunk

Gott verspotten – das machen Menschen, seit es Menschen gibt:

„Du, der Du alle Geheimnisse kennst, kannst Du nicht einmal einen Esel von einer Kuh unterscheiden?“

Gott verspotten – das machen Menschen auch in Regionen und in Religionen und in Zeiten, wo wir es nicht vermuten würden.

„Du Geheimniswisser, zehn Tage hast Du gebraucht, nur um diesen Flicken zusammen zu nähen? Sind die anständigen Kleider in Deinem Schatzhaus etwa alle verbrannt, dass Du all diese Lumpen zusammenflicken musstest?“

Heißt es in Erzählungen von Fariduddin Attar, einem islamischen Mystiker. Attar verspottet Gott – scharf und bitterböse. Und das im 12. und 13. Jahrhundert in Persien. Gott verspotten – dabei ist Attar nicht allein. Dem persischen Dichter Omar Chajjam, der einige Jahrzehnte früher lebte, werden folgende Worte zugeschrieben:

„Du sagst, in den Flüssen wird Wein fließen – ist denn das Paradies eine Kneipe?“
„Ist das Paradies etwa ein wunderbares Bordell?“

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Humanismus: Grundbegriffe

„Humanismus“ ist eine kulturelle Bewegung, ein Bildungsprogramm, eine Epoche, eine Tradition, eine Weltanschauung, eine Form von praktischer Philosophie, eine politische Grundhaltung, welche für die Durchsetzung der Menschenrechte und für humanitäre Praxis eintritt.

Humanistischer Verband Deutschlands

Das neue Kompendium erfasst die einfachen und allgemeinen Begriffe in ihrem Zusammenhang und stellt den Nutzen für die Erkenntnis gegenwärtiger Probleme in Medizin, Ethik, Ökonomie, Recht und Politik dar. Der Band enthält einen systematischen Teil und einen Teil mit den Grundbegriffen. Die verschiedenen Richtungen und Institutionen der humanistischen Bewegung in Geschichte und Gegenwart werden im Umriss sichtbar gemacht und die neuen Felder und Aufgaben gezeigt, die der Humanismus-Forschung durch die Entwicklung der modernen Medizin, der Menschenrechtspolitik und der Geschlechterstudien, der digitalen Revolution und der Globalisierung entstanden sind. Das humanistische Erbe aus Antike, Renaissance und Aufklärung wird kritisch mit diesen neuen globalen Anforderungen vermittelt.

Humanismus: Grundbegriffe versammelt neben einem knappen systematischen Teil vor allem kurze und prägnante Artikel zu insgesamt 38 Grundbegriffen: Von Arbeit, Aufklärung, Feier/Fest, Glück über Humanitäre Praxis, Liebe, Menschenrechte/Menschenwürde bis zu Religionskritik, Seelsorge, Wahrheit und Zweifel. Der Band resümiert einschlägige wissenschaftliche Arbeiten der letzten Jahre und stellt eine solide Grundlage nicht nur für weitere Forschungen, sondern auch für den praktischen Humanismus dar.

Für Getränke und einen kleinen Imbiss ist gesorgt. Um Anmeldung wird gebeten: info@humanistische-akademie-berlin.de

7. Juni 2016 – 17:0020:00

Buchvorstellung mit den Herausgebern Prof. Dr. Dr. h.c. Hubert Cancik, Dr. phil. habil. Horst Groschopp und Prof. Dr. phil. habil. Frieder Otto Wolf.

Wenn der Kölner Kardinal den Unterschied zwischen Kirchturm und Minarett nicht kennt

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Wenn Bischöfe den Islam hofieren, der Kölner Kardinal den Unterschied zwischen Kirchturm und Minarett nicht mehr erkennt und der EKD-Ratsvorsitzende Mitglied eines Moscheenbauvereins ist, ist das dramatisch.

Von Hubert Windisch | kath.net

Im Augenblick wird eine erregte Debatte über den Islam in Deutschland geführt. Auf den ersten Blick mag die Äußerung des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Dieter Grimm in der FAZ vom 22. April 2016 (kath.net berichtete), wonach die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre, grundgesetzlich irrelevant sei, beruhigend wirken. Jedoch nur auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen erkennt man in dieser Aussage einen einseitig rechtspositivistischen Ansatz, der rein formal von der grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit schon auf das Recht des Islams, in Deutschland Religion zu sein, schließt. Der Islam gehöre demnach zu Deutschland. Man müsse sich nur jeweils gegen extremistische Verformungen des Islams zur Wehr setzen. Denn nicht nur Islam und Islamismus seien zu trennen, sondern auch der Islam und die private Praxis dieser Religion seien zwei paar Stiefel.
Doch so einfach geht diese Gleichung nicht auf. Abgesehen davon, dass man mit Sorge beobachten muss, wie mit steigendem muslimischen Anteil in der Bevölkerung auch immer mehr grundgesetzliche Achtsamkeit gefordert ist, vergisst man dabei, grundsätzlich danach zu fragen, welche theoretischen bzw. ideologischen Grundlagen den Islam als Religion bestimmen. Jede religiöse Praxis hat ja eine theoretische Grundlage. Jede Religion hat Inhalte.

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„Muslime leiden unter Islamophobie“

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Terrorangst, AfD-Aufstieg, Religionskritik: Der Islam ist bei vielen Themen in aller Munde. Ist das eigentlich gerecht?
 

Augsburger Allgemeine

Herr Dr. Bekir Alboga, viele Bürger in Europa scheinen sich mittlerweile vor dem Islam zu fürchten. Sie verbinden Ihre Religion mit Terrorismus oder mit einer Unterdrückung von Freiheitsrechten. Können Sie diese Ängste nachvollziehen?

Ich kann diese Ängste insofern nachvollziehen, als unsere Öffentlichkeit ständig mit Bildern konfrontiert ist, die terroristische Attentate zeigen. Meistens fehlt der Hinweis, dass die Muslime in ihrer ausschlaggebenden Mehrheit Gewalt verurteilen. Die Bertelsmann-Studie hat erst vor Kurzem ermittelt, dass 88 Prozent der hochfrommen Muslime sich uneingeschränkt zur Demokratie und zur Verfassung in Deutschland bekennen.

Spüren Sie eine Zunahme von Islam-Feindlichkeit?

Ja, sehr. Die Angst vor dem Islam ist groß. Die Angst vor Islamfeinden noch größer. Antimuslimischer Rassismus bereitet uns Schwierigkeiten. Das ist eine sehr schlechte Entwicklung. Wir möchten ein friedliches Zusammenleben in Deutschland.

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Religionskritik ist immer noch nötig

Frieder Otto Wolf: Die kritische Auseinandersetzung mit anderen Weltanschauungen, religiösen und nichtreligiösen, bleibt eine Kernaufgabe. Bild: HVD
Frieder Otto Wolf: Humanistinnen und Humanisten müssen Tendenzen, die freiheitliche und offene Gesellschaft gesetzlich oder medial zu erodieren, entschieden Widerstand leisten.

Humanistischer Verband Deutschlands

Der Präsident des Humanistischen Verbandes spricht im Interview über die heutige Relevanz von humanistischer Religionskritik sowie seine Sicht auf Schwerpunkte bei der Arbeit an aktuellen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen.

Vor zehn Jahren ist das wohl erfolgreichste religionskritische Buch der letzten Jahrzehnte, „Der Gotteswahn“ von dem britischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins, erschienen. Die kritische Auseinandersetzung mit Religionen bildet eine der Traditionslinien unseres Humanismus-Verständnisses, obgleich sie nicht die wichtigste unter den vielen anderen ist. Trotzdem bietet solch ein Jubiläum die Gelegenheit, über einige darauf bezogene Fragen zu diskutieren: Welche gesellschaftliche, kulturelle oder politische Relevanz hat Religionskritik derzeit aus humanistischer Perspektive? Wie aktuell ist Religionskritik à la Dawkins‘ „Gotteswahn“? Zieht Säkularisierung stets unmittelbar Humanisierung nach sich?

Frieder Otto Wolf: Für einen reflektierten und der eigenen keineswegs widerspruchsfreien Geschichte bewussten Humanismus bleibt die kritische Auseinandersetzung mit anderen Weltanschauungen – darunter auch denen, die auf unterschiedliche Weise „religiös“ sind – eine Kernaufgabe. Denn nur in der Auseinandersetzung mit den Fragen und Thesen anderer kann es uns gelingen, uns selber darüber klar zu werden, was wir wirklich als sinnvoll und tragfähig in der Orientierung unserer Lebenspraxis ansehen. Außerdem hat hierfür die Kritik an den jeweiligen etablierten Religionen, die auf unterschiedliche Weise den Versuch machen, das Denken der Menschen zu reglementieren und Andersdenkende auszugrenzen und zu verfolgen, immer noch eine zentrale Bedeutung. Hier in Deutschland muss das selbstverständlich immer noch die Kritik an Privilegien der christlichen Kirchen miteinschließen, etwa im Bereich des Arbeitsrechts, der bevorzugten Einbindung durch Politik und Medien oder auch bei der Kirchensteuer.

Dawkins‘ Kritik an dem Grundgedanken des Monotheismus ist hier allerdings nur begrenzt hilfreich: Einerseits rennt er offene Türen ein – welcher gebildete Europäer behauptet denn etwa noch allen Ernstes, es gäbe wissenschaftliche Grundlagen für die theologische Konzeption des Monotheismus? Andererseits geht er an dem Phänomen der Religionen weitestgehend vorbei: Bei aller Unterschiedlichkeit – seriöse Religionswissenschaftler halten es inzwischen für unmöglich, einen allgemeinen Begriff der Religion zu formulieren – dürfte es auch keine Religion geben, für die das in ihr vermittelte „Weltbild“, und zwar als eine wissenschaftlich bestandsfähige Beschreibung der Welt, in der wir leben, wirklich von zentraler Bedeutung ist.

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Blasphemie und Religionskritik: Gedärme auf der Jungfrau Maria

Die russische Punk-Band Pussy Riot, hier beim Budapester Szigetfestival, ist vor allem bekannt für von vielen Russen als gotteslästerlich empfundene Aktionskunst in Kirchen (picture alliance / dpa / Balazs Mohai)
Wie viel Religionskritik ist erlaubt? Gibt es überhaupt so etwas wie Gotteslästerung? Mit Filmen, Büchern, Kunstwerken und Karikaturen werden diese Fragen immer wieder aufgeworfen. Ein neuer Sammelband stellt verschiedene Werke vor – beschränkt sich aber weitgehend auf das Christentum.

Von Bernd Sobolla|Deutschlandradio|Kultur

„Da ist noch eine Sache. Ich habe mir vorgestellt, wie ich heilig werde. Wie ich aus großer Liebe zu Gott ihm mein ganzes Leben als Opfer anbiete. Und er mein Opfer annimmt.“

In dem Drama „Kreuzweg“ von Anna und Dietrich Brüggemann fühlt sich ein Mädchen zur Märtyrerin berufen und stirbt im religiösen Wahn. Es ist das Resultat einer rigiden Erziehung. Die Filmemacher verstanden ihr Werk, das 2014 erschien, als Kritik an christlichem Fundamentalismus.

Die angegriffene Piusbruderschaft reagierte ungerührt: Der Film beschreibe nicht den Geist der Bruderschaft und sei eine Karikatur, hieß es. Doch Kritik an religiösen Instanzen wurde keineswegs immer so lapidar hingenommen. So erlebte Georg Grosz wegen Gotteslästerung eine Prozesslawine, als er nach dem Ersten Weltkrieg einen Christus am Kreuz mit Gasmaske malte und mit der Unterschrift versah: „Maul halten und weiter dienen!“

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Gott und Spott

Hans Neuenfels‘ „Idomeneo“-Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin wurde 2010 abgesetzt aus Angst vor islamistischem Terror. (Foto: Drama)
Eine Oper absetzen? Eine Karikatur verbieten? Zu unserer Demokratie gehören Presse-, Meinungs- und Kunstfreiheit – inklusive Religionskritik. Das muss so bleiben.

Von Horst Dreier|Süddeutsche.de

Zu den schrecklichsten, härtesten und längsten Kriegen, die Europa und besonders Deutschland verwüstet haben, zählen die im Gefolge der Reformation ausbrechenden konfessionellen Bürgerkriege des 16. und 17. Jahrhunderts. Wie wurden diese Konflikte beigelegt? Die Friedensschlüsse in Augsburg, Münster und Osnabrück beruhten nicht etwa auf der Einsicht in die Unlösbarkeit der religiösen Wahrheitsfrage mit entsprechender Freigabe des Bekenntnisses für alle, mit der Gewährung umfassender Religionsfreiheit und – die andere Seite der Medaille – mit dem Rückzug des Staates auf eine religiös neutrale Position.

Ein König, ein Gesetz, ein Glaube

Es war vielmehr, wie der Augsburger Religionsfrieden von 1555 deutlich zeigt, gerade und allein der Gedanke strikt geschlossener konfessioneller Homogenität der Territorien, der den Frieden in den verschiedenen Herrschaftsgebieten sichern konnte. „Cuius regio, eius religio“ bedeutete, dass der Territorialherr den konfessionellen Status seines Gebietes und seiner Untertanen bestimmte. Hinter diesem sogenannten Religionsbann stand die von den Herrschern wie von den Staatstheoretikern geteilte Überzeugung, dass ein Land bei Zulassung verschiedener Glaubensrichtungen bald aufgrund innerer Zwistigkeiten dem Verfall preisgegeben sein würde. Stabilität versprach einzig das strikte Festhalten am Grundsatz „un roi, une loi, une foi“ – ein König, ein Gesetz, ein Glaube.

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Hamed Abdel-Samad auf Abwegen

abdel_samad_germaniaDer deutsch-ägyptische Politologe Hamed Abdel-Samad hat keine Berührungsängste mit rechten Parteien und Publikationen.

Von Peter Bierl|Jungle World

Religionskritik ist Aufklärung. Nichts damit zu tun hat das Ressentiment, dem es nicht um die Emanzipation des Menschen, sondern um Unterwerfung und Verwertung geht. Schopenhauer verabscheute das Christentum als jüdisch und als schuld an der Tierquälerei, Nietzsche stänkerte gegen Juden- und Christentum, die mit ihrer Sklavenmoral die Herrenmenschen gefesselt hätten, die Völkischen verwarfen »orientalische« Religionen als artfremd. Für »Neue Atheisten« wie Dawkins ist der Mensch ein von egoistischen Genen gesteuerter Roboter und der Bioethiker Peter Singer greift die humanistische Idee von der Heiligkeit des Lebens an, weil sie Euthanasie und Menschenzucht entgegensteht.

Bei aller Kritik an den Kirchen, das Heidentum war und ist kein Spaß, wie es Parolen aus den Reihen der Giordano-Bruno-Stiftung verkünden, sowenig wie die neuheidnischen Germanenkulte der Völkischen. Kritik am Judentum, die das Klischee vom blutrünstigen, patriarchalen, aggressiven Gott aufgreift, ist falsch und antisemitisch. Wer den Islam kritisiert, muss zugleich Rassisten bekämpfen, die heute Muslime statt Kanaken sagen, aber das Gleiche meinen: Ausländer raus.

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