Transhumanismus: „Das sind alles sehr schlaue Leute“

In Fulda sprach der Labormediziner und Lebensrechtler, Professor Paul Cullen, über die Gefahren, die von der Neo-Religion des Transhumanismus ausgehen.

Von Stefan Rehder | Die Tagespost

Der Vorsitzende der „Ärzte für das Leben“, Professor Paul Cullen, hat eindringlich vor dem Transhumanismus gewarnt. Auf Einladung der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) und der „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA) sprach Cullen am vergangenen Freitag vor knapp 200 Zuhörern im VHS-Forum im Kanzler-Palais in Fulda. Der Vortrag mit anschließender Diskussion stand unter dem Titel „Mensch 2.0 – Homo Perfectus? Von Retortenbabys, Mischwesen und Cyborgs“.

Transhumanisten strebten danach, die „anthropologischen Grenzen des Menschen“ mit Hilfe der sogenannten GRIN-Technologien „zu überwinden“ und neue, „posthumane Wesen“ zu schaffen, erklärte Cullen. GRIN ist ein aus Anfangsbuchstaben gebildetes Akronym und steht für die Wissenschaftszweige Genetik, Robotik, Informationstechnologie und Nanotechnologie. Im Transhumanismus, den Cullen als eine „Neoreligion“ kennzeichnete, „die sich der Sprache der Wissenschaft bedient“, habe „der Mensch, wie wir ihn kennen, am Ende keinen Platz mehr“. Kurzfristige Ziele des Transhumanismus seien die Verlängerung der Lebenserwartung, die Steigerung menschlicher Intelligenz sowie die Überwindung physischer und psychischer Grenzen. Mittelfristig strebten Transhumanisten nach der Verschmelzung von Mensch und Maschine. Langfristig gehe es um das Erreichen von Unsterblichkeit.

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Technologische Allmachtphantasien

Bild: Mike MacKenzie/CC BY-2.0
In den 1970er-Jahren gelang den Biologen ein bedeutender Durchbruch: Die Entdeckung so genannter Restriktionsenzyme versetzte sie in die Lage, „Gen-Transplantationen“ durchzuführen.

Lars Jaeger | TELEPOLIS

Es war die Geburtsstunde der Gentechnik. Künstliche Gene produzierten bestimmte Proteine, mit denen sich dann entsprechende menschliche Krankheiten behandeln ließen. Mit dieser Form des „genetischen Engineering“ erregten die Biowissenschaften mit einem Schlag die Phantasie und das Interesse der Unternehmer.

Ein Pionier dieser Entwicklung war Molekularbiologie Herbert Boyer. Dieser traf sich im Jahr 1976 mit dem Manager und Finanzinvestor Robert Swanson, um ihm seine Ergebnisse zu erläutern. Das Ergebnis dieser Unterhaltung: Beide gründeten zusammen ein Unternehmen, das die Forschungsergebnisse Boyers in konkrete medizinische Produkte umsetzen sollte. Südlich von San Francisco, dort, wo zeitgleich zahlreiche neue Computerfirmen entstanden, gründeten sie die Firma „Genentech“. Nur wenige Jahre später (1982) brachte Genentech mit Insulin das erste gentechnisch hergestellte Medikament auf den Markt.

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Roboterkatze Petoi: Wie von Boston Dynamics – aber für Zuhause

(Bild: Rongzhong Li )
Schnurren und rumfläzen klappen schon, nur mit dem Springen hat es die Roboterkatze Petoi noch nicht so. Wer in dem Raspi-Projekt Amazons Alexa einbindet, könnte seinen Stubentiger bald auch das Wetter ansagen oder die Heizung einschalten lassen.

Helga Hansen | heise online

Schwarzer Kunststoff aus dem 3D-Drucker statt flauschigem Pelz – dank der markanten Silhouette erkennt man den vierbeinigen OpenCat-Roboter Petoi trotzdem schnell als Katze. Der Stubentiger soll Robotik und künstliche Intelligenz spannender machen und Kinder und Jugendliche zum Programmieren motivieren. Seine Vorbilder sind Sonys neuaufgelegter Roboterhund Aibo und die Roboterkreaturen von Boston Dynamics.

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Virtual Reality: „Ich war so erschöpft wie nach einem Langstreckenflug“

Image: Medical Realities
Image: Medical Realities
Mit 3-D-Brillen werden wir bald in fremde Welten eintauchen können. Aber was, wenn wir nicht wieder auftauchen? Über die Nebenwirkungen einer schönen neuen Welt.

Von Christian Weber | Süddeutsche.de

Die großen Expeditionen sind noch in Vorbereitung, erste Tauchgänge wurden bereits unternommen. Etwa von Frank Steinicke, 37 Jahre alt, 1,86 Meter groß, Gewicht: 89 Kilogramm, Rechtshänder. Blut- und Urinwerte okay, ebenso Hör- und Sehleistung, keine Störungen beim Farbensehen: Die Ärzte gaben nach dem Gesundheitscheck grünes Licht.

Am 22. März 2014 um 16:20 Uhr – das Wetteramt meldete Wolken und etwas Regen – setzte sich der Professor für Mensch-Computer-Beziehungen von der Universität Hamburg eine hochauflösende 3-D-Brille auf und begab sich für 24 Stunden in die virtuelle Welt, unterbrochen nur von wenigen kurzen Pausen. „Weltrekord“, versichert Steinicke.

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Lebt da was?

Image credit: NASA/JPL-Caltech/MSSS)
Sonnenuntergang auf dem Mars. Image credit: NASA/JPL-Caltech/MSSS)
Mit den Fortschritten bei Robotik und Biotechnologie stellt sich eine uralte Frage neu: Was ist Leben? Die Antwort ist entscheidend für die Suche nach Lebensspuren im All.

Von Birgit Herden | Technology Review

Kein Leben. Nur wüste Leere, zerfurchter grauer Fels unter einem strahlend blauen Erdenhimmel. Jean-Pierre de Vera steht in einem namenlosen Tal nahe dem Südpol, dick verpackt im Polaranzug, um ihn herum grenzenlose Weite. Viele Wochen hat der Biologe gebraucht, um hierher zu gelangen, hat sich mit den Kollegen durch Treibeis und Schneestürme gekämpft. Bei in diesem Teil der Welt sommerlichen 15 Grad unter null wandert er nun durch eine Landschaft aus erodiertem Tiefengestein, die Geologen als „Mars-Analog“ bezeichnen.

Und es scheint, als hätte hier am Ende der Welt das irdische Leben kapituliert. Erst als der Helikopter den Biologen ein zweites Mal in der eisigen Wüste absetzt, gelingt ihm die ersehnte Entdeckung: ein winziger gelber Fleck, mit dem bloßen Auge kaum auszumachen. Dann noch ein Fleck, und dann ein grünen Schleier. „Als mein Auge erst einmal geschult war, konnte ich plötzlich überall Flechten und Bakterien nachweisen“, erzählt de Vera, inzwischen von der Ganovex-11-Expedition zurückgekehrt.

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Edward O. Wilson – hoffnungslos utopisch

Edward Osborne Wilson Die Hälfte der Erde Aus dem Englischen von Elsbeth Ranke Verlag: C.H.Beck, München 2016 ISBN: 9783406697852
Edward Osborne Wilson
Die Hälfte der Erde
Aus dem Englischen von Elsbeth Ranke
Verlag: C.H.Beck, München 2016
ISBN: 9783406697852

Der halbe Planet soll unter Naturschutz gestellt werden? Nichts weniger verlangt der Biologe Edward O. Wilson, einer der Großen seines Fachs, im vorliegenden Buch. Es trägt die Forderung bereits im Titel: „Die Hälfte der Erde“. Wie diese radikale Idee Realität werden soll, ist die Frage, mit der man gespannt zu lesen beginnt.

Von Ilona Jerger | Spektrum.de

Leider ist gleich das Vorwort des Werks verunglückt. Ein Lektor hätte dies leicht vermeiden können, ebenso spätere Fehlangaben, etwa dass der Baikalsee in Europa liege. Wilson, mittlerweile 87 Jahre alt, präsentiert sich unkonzentriert, springt in der Argumentation, nimmt verwirrende Perspektivwechsel vor und bringt dann auch noch wenig gelungene Sprachbilder (der Mensch „ein denkendes Wesen, sprudelnd von Religion“). Man sollte diese ersten Seiten vielleicht überblättern.

Sieben Jahrzehnte Insektenkunde

70 Jahre lang hat Wilson seinen Blick auf den Boden geheftet, um Ameisen zu erforschen. Das tat er mit überwältigendem öffentlichen Erfolg, auch weil er großartige Prosa verfassen kann. Der mittlerweile emeritierte Professor der Harvard University bekam höchste wissenschaftliche Auszeichnungen nebst zwei Pulitzerpreisen und begründete die Soziobiologie, eine Disziplin, die das Wechselspiel von Evolution und sozialem Verhalten betrachtet.

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