Frankeich: Macrons Spiel mit dem Laizismus

Arme auf für Frankreichs Katholiken: Präsident Emmanuel Macron bei seiner Rede auf der Bischofskonferenz Bild: EPA
Der französische Präsident Emmanuel Macron will eine Aussöhnung zwischen der katholischen Kirche und dem Staat. Damit befeuert er eine Laizismus-Debatte. Doch sein Vorgehen ist taktisch klug.

Von Tom Schmidtgen | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Unweit der Kathedrale Notre Dame und der Cité, dem ältesten Teil der französischen Hauptstadt, liegt das Collège des Bernadins in der Pariser Innenstadt. Genau diesen Ort – ein ehemaliges Kolleg eines Zisterzienserordens aus dem 13. Jahrhundert – hat sich der französische Präsident Emmanuel Macron ausgesucht, um an eine der Grundfesten des französischen Staatsverständnisses zu rühren: den Laizismus.

Macron sagte am Montagabend, er wolle die katholischen Kirche und den Staat versöhnen. Der Säkularismus habe „nicht die Funktion, das Spirituelle zu leugnen“. Eine Stunde hielt der Präsident die lang erwartete Grundsatzrede über den Laizismus vor französischen Bischöfen und vierhundert geladenen Gästen. Die Fragen, die die Kirchen stellen, würden nicht nur eine Minderheit beschäftigen, sondern die Gesellschaft als Ganzes, sagte er.

weiterlesen

Advertisements

Macron will den Islam neu erfinden

Frankreich will Imame stärker kontrollieren. Das wird schwierig, schreibt Necla Kelek Quelle: picture alliance / ZB
Der französische Präsident versucht, die Ausbildung von Imamen staatlich zu kontrollieren. Ob so die anhaltende Entfremdung zwischen Muslimen und der Mehrheitsgesellschaft gestoppt werden kann, hält unsere Autorin für fraglich.

Von Necla Kelek | DIE WELT

Die Stellung des Islam in Europa ist umstritten. Die einen sagen – vor allem die maßgeblichen Politiker in Deutschland –, der Islam sei, schon allein zahlenmäßig, Teil Europas. Andere beziehen das nur auf die säkularen Muslime. In Großbritannien, Frankreich, Belgien, Holland und auch den anderen westeuropäischen Ländern hat sich in den letzten fünfzig Jahren die Zahl der Muslime, der Moscheen und der entsprechenden Verbände vervielfacht. Arbeitsmigration, Zuwanderung aus ehemaligen Kolonien oder durch Flucht stellen enorme Anforderungen an die Integrationsfähigkeit der Aufnahmegesellschaften.

In großen Teilen ist die kulturelle Integration speziell der muslimischen Migranten gescheitert. Parallelgesellschaften und -justiz, Bildungsferne, hohe Arbeitslosigkeit bis hin zu Fundamentalismus und religiös fundierter Terrorismus bestimmen die Agenda. Die Versuche, die islamischen Organisationen in einen gesellschaftlichen Diskurs einzubeziehen, sind, wie am Beispiel der Deutschen Islamkonferenz deutlich wurde, in den Anfängen stecken geblieben. Vor allem, weil es den Islamvertretern im Kern nur darum ging, dass ihre Gruppeninteressen gesellschaftliche Norm werden. Die erste Islamkonferenz diskutierte ernsthaft drei Jahre darüber, ob den Islamverbänden zuzumuten ist, dass sie die Priorität des Grundgesetzes vor dem Koran, also Allahs Gesetzen, als verbindlich ansehen.

weiterlesen

Erzapostel Bagnasco: Säkularismus ist wie „eine giftige Wolke“

Angelo Bagnasco, Bild: wikipedia.org/CC BY-SA 2.5

Auch Christen müssten wachsam bleiben, „weil wir an Gott glauben, aber ohne ihn leben“, so der Genueser Erzbischof und CCEE-Präsident

kath.net

Auch in Italien verbreitet sich ein Säkularismus wie in anderen europäischen Ländern. Dieser Ansicht ist der frühere Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco. Bei der Vorstellung eines Interviewbuches mit ihm am Montagabend in Genua, sagte er: „Aus religiöser Sicht ergeht es Italien nicht anders als anderen europäischen Ländern.“

Zwar gebe es aufgrund der Geschichte in Italien gewisse Unterschiede. Doch auch in Italien sei es leicht, „so zu leben, als ob es Gott nicht gebe“. Für den Genueser Erzbischof und Präsidenten des Rates der Bischofskonferenzen Europas (CCEE) ist der Säkularismus wie „eine giftige Wolke, die auch wir in Italien einatmen“.

weiterlesen

Arabische Debatte über Religion und Säkularismus: Keine Kollision mit religiösen Werten

Der jordanische Publizist Mousa Barhouma kritisiert die immer wiederkehrende Gleichsetzung des Säkularismus mit Apostasie und Ketzerei in den arabischen Diskursen. Dabei steht der Säkularismus gar nicht im Widerspruch zum Glauben und strebt auch nicht danach, dessen Platz einzunehmen.

Von Mousa Barhouma | Qantara.de

Die Veröffentlichung einer das Wesen der Göttlichkeit beleidigenden Karikatur durch einen jordanischen Publizisten hat kürzlich den Streit um Religion und Säkularismus in der arabischen Welt wieder aufleben lassen. Die sozialen Netzwerke explodierten förmlich vor Wut und Erbitterung, Laizisten wurden als Apostaten und Ketzer verunglimpft.

Es kommt leider oft vor, dass der Säkularismus in diesen emotional geführten Debatten insgesamt mit Apostasie gleichsetzt werden. Eine Überzeugung, die zumeist von Personen vertreten wird, die sich dem islamistischen Gedankengut verpflichtet sehen.

Diese Fraktion konstruiert fortwährend und geradezu mechanisch Verbindungen zwischen Säkularismus und Ketzerei – und folgt damit einer Meinung, die sich bei vielen festgesetzt hat. Dabei steht, wie wir im Folgenden zu verdeutlichen suchen, der Säkularismus gar nicht im Widerspruch zum Glauben und strebt nicht danach, dessen Platz einzunehmen.

Notwendige weltanschauliche Neutralität des Staates

Diese „Verteidigung“ des Säkularismus wird, wie wir befürchten, nicht frei sein von einer gewissen belehrenden Tendenz und einer Re-Definition dessen, was zu definieren ist. Doch die Zusammenhänge, die diese Notwendigkeit hervorgebracht haben, erfordern dies, bei aller Vorsicht, die wir versuchen werden walten zu lassen.

weiterlesen

Das Studium der Gottlosen

Atheistische und religionskritische Teilnehmer der „Reason Rally“ („Kundgebung der Vernunft“) in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington DC. (AFP PHOTO/ Brendan Smialowski)
Die USA werden immer säkularer: Knapp ein Viertel der US-Amerikaner fühlt sich keiner Religion mehr zugehörig, unter den Jüngeren sind es sogar 35 Prozent. Universitäten antworten jetzt auf diesen Trend: mit Lehrstühlen für Atheismus und Studiengängen zu Säkularismus und Humanismus.

Von Katja Ridderbusch | Deutschlandfunk

Phil Zuckerman will nicht über die Existenz oder Nicht-Existenz von Gott diskutieren. Als Soziologe beschäftigt er sich vielmehr damit, wie Religionen das Leben von Menschen beeinflussen.

Dabei sei ihm klar geworden, dass es eigentlich keine Forschung über nicht-religiöse Menschen gibt, über Atheisten, Agnostiker oder säkulare Humanisten. Keine akademische Disziplin, die sich der Gedankenwelt eines wachsenden Teils der Menschheit widme.

Das wollte Zuckerman ändern. Der Wissenschaftler, der sich als „kulturell jüdisch, aber ansonsten agnostisch“ bezeichnet, lehrt am Pitzer-College in Kalifornien, einer Universität mit etwa 1000 Studenten. Auf Zuckermans Initiative hin führte die Privat-Uni vor sechs Jahren den Studiengang „Secular Studies“ ein – der erste in den USA und einer der wenigen weltweit. Die Universität von Miami in Florida zog nach, rief vor kurzem einen Lehrstuhl für Atheismus ins Leben.

weiterlesen

Autoritäre Einstellungen bei Schülern

Bild: RDF
Als eine der ersten empirischen deutschsprachigen Studien in diesem Bereich wurden im Rahmen einer Masterarbeit autoritäre Einstellungen von 668 SchülerInnen mit besonderer Berücksichtigung der Religionszugehörigkeit gemessen.

Von Felix Kruppa | Richard-Dawkins-Foundation

Der Fragebogen ermittelte Einstellungen zu den Themen Minderheitenfeindlichkeit, der Bedeutsamkeit der eigenen Weltanschauung, Einstellungen zur Erziehung, Demokratie sowie Rollenbildern und Sexualität. Während die Einstellungen von SchülerInnen christlichen Glaubens und jenen ohne Religionszugehörigkeit oft nur marginal voneinander abwichen, erwiesen sich die muslimischen SchülerInnen in fast allen Bereichen als autoritärer.

Der Text kann auch unter folgendem Link als PDF-Datei heruntergeladen werden: Felix Kruppa – Autoritäre Einstellungen bei Schülerinnen und Schülern mit besonderer Berücksichtigung der Religionszugehörigkeit (Diskussionspapier)

Die komplette Masterarbeit, die u.a. alle Studienergebnisse enthält, versende ich gerne auf Anfrage.

Einleitung

Die Studie zur „Autoritären Persönlichkeit“ von Adorno, Frenkel-Brunswik, Levinson & Sanford (1950) war der Beginn für die wissenschaftliche Suche nach den Erklärungsansätzen und Ursprüngen von faschistischen und antidemokratischen Einstellungen, sowie Vorurteilen und Diskriminierung. Grundlage dieser autoritären Persönlichkeit sind u.a. negative Intergruppeneinstellungen, die spätestens durch den starken Anstieg der Zuwanderung nach Deutschland seit dem Jahr 2015 wieder in Erscheinung treten. Die eigene Identität wird verstärkt ex negativo zu anderen (Gruppen-)Identitäten gebildet und findet in ihnen ihren vermeintlichen Konterpart. Bestrebungen zur Abgrenzung der eigenen Gruppenidentität und dem Versuch der Herausstellung ihrer Überlegenheit gegenüber anderen Gruppen bei gleichzeitiger Besinnung auf traditionelle, oft reaktionäre Wertegefüge, sind allerdings nicht nur einer nach rechts rückenden Mehrheitsgesellschaft zuzuschreiben.

Ein gewichtiger Faktor für die Begründung und Genese autoritärer Einstellungen scheint auch die Religion zu sein. Homophobie, Judenfeindlichkeit oder die Ablehnung der Gleichberechtigung von Mann und Frau finden oft auch religiöse Anleihen. In Bezug auf den Islam führt die Besinnung auf die eine konservative muslimische Identität in vielen Fällen dazu, dass Prinzipien wie der Säkularismus, Religionskritik, aber auch die Akzeptanz von Homosexualität und die Gleichberechtigung von Männern und Frauen nicht als Selbstverständlichkeit aufgefasst werden. Konservative bis fundamentalistische Auslegungen des Korans gewinnen an Zuspruch und der islamische Glaube gewinnt auch generell für immer mehr Muslime an subjektiver Bedeutung.[1] Aber auch die Kirche unterstützt seit ihrer Gründung traditionelle Rollenbilder und leistet u.a. einen erheblichen Beitrag zur Abwertung von homosexuellen Menschen, die sich im Katechismus, aber auch den Aussagen hoher christlicher Würdenträger wie des Papstes widerspiegeln. Der Katechismus der katholischen Kirche bezeichnet die Homosexualität als „schlimme Abirrung“ und „Prüfung“, und „keinesfalls zu billigen“, weil sie gegen das „natürliche Gesetz [verstößt]“. Deswegen sei Homosexuellen mit „Mitgefühl“ zu begegnen.[2]

Die beschriebenen gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich teilweise in Zonen diskursiver Immunität befinden, zeichnen sich oft schon in den Schulen ab. Schulklassen und die Einstellungen der SchülerInnen[3] werden zunehmend heterogener. Teilweise konfligierende Werte und Lebensmodelle sind für LehrerInnen eine besondere Herausforderung, weil sie nicht nur als Vermittlungsinstanz für Schulwissen, sondern auch als Erziehende einen großen Beitrag für die Wertebildung im Sinne einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft leisten. Schulen müssen insofern nicht nur als Spiegel für die Gesellschaft, sondern auch als wichtige Instanz ihrer Konstitution gesehen werden. Gerade deshalb ist ihre integrative Funktion und die Vermittlung demokratischer und aufklärerischer Grundprinzipien auch in Zeiten der zunehmenden Diversifizierung eine Aufgabe, die neben ihrer Qualifikationsfunktion höchste Priorität hat.

weiterlesen

Kandidiert Erdogan für den Bundestag?

Video mit Wahlempfehlung von Erdogan als ADD-Wahlwerbung. Screenshot vom ADD-YouTube-Video
Migranten-Partei „ADD“ wirbt mit Plakaten mit dem Konterfei des türkischen Präsidenten – nicht zufällig, denn sie verfolgen dieselbe Agenda: Mehr Einfluss und Stärkung des Islams

Von Birgit Gärtner | TELEPOLIS

Die „Allianz Deutscher Demokraten“ (ADD) will sich vor allem für die Rechte hier lebender Menschen mit Migrationshintergrund stark machen. Dabei wartet sie mit allerhand originellen Ideen auf, wie z. B. Aufhebung des Bildungsmonopols des Staates, und ziert ihre Wahlplakate mit Fotos des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Säkularismus und Frauenförderung hält sie für Teufelswerk und die Todesstrafe für erstrebenswert.

Letzteres steht allerdings nicht im Wahlprogramm, sondern das tat der Gründer der „ADD“, Remzi Aru, im Mai 2014 im ZDF kund: „Bei Gott, wir wollen die Todesstrafe.“ Geladen war er seinerzeit als Vertreter der „Union Europäisch-Türkischer Demokraten“ (UETD), dem bundesdeutschen Ableger der türkischen Regierungspartei „AKP“ (Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung). Die UETD organisierte hierzulande den Wahlkampf von Erdoğan und auch das Referendum, das diesem die ersehnte Alleinherrschaft brachte.

Doch die Zeiten, in denen die politische Agenda sich auf die Türkei fokussiert, sind vorbei. Aru will mehr Einfluss – und zwar hier. Deshalb gründete er mit Gleichgesinnten die „ADD“. Zum Zusammenleben auf gleicher Augenhöhe gehöre, dass Menschen aus Nicht-EU-Staaten, die teilweise seit Jahrzehnten in Deutschland leben, das kommunale Wahlrecht erhalten: „EU-Bürger dürfen bei Kommunalwahlen wählen, wenn sie seit drei Monaten in Deutschland wohnhaft sind. Angehörigen anderer Staaten bleibt das Wahlrecht jedoch verwehrt, auch wenn sie seit 40 Jahren in Deutschland wohnen und pünktlich Steuern und Stromrechnungen bezahlen“, ist auf deren NRW-Webseite zu lesen.

Da es derzeit keine deutsche Partei gebe, die die Interessen der hier lebenden Migrantinnen und Migranten vertrete, sei der Entschluss gefasst worden, eine eigene Partei zu gründen, so die Begründung. Das klingt erst einmal plausibel. Wenn da nur DIESE Partei nicht wäre – und deren Protagonisten. Zum Beispiel Orhan Erdoğan, Vorsitzender des Hamburger Landesverbandes der „ADD“ , ein Anhänger antisemitischer Verschwörungstheorien. Andere Unterstützer der Partei sind z. T. bekennende Antisemiten, was ein Blick auf deren Facebook-Profil offenbart.

weiterlesen

Säkularismus – „eine andere Ideologie“?

Bild: Qantara.de
In seinem Essay räumt der syrische Publizist und Schriftsteller Hammud Hammud mit gängigen islamistischen Vorurteilen gegen das Konzept des Säkularismus auf und geht der Ambivalenz von politischem Islam und arabischem Nationalismus auf den Grund.

Von Hammud Hammud | Qantara.de

Schon während des gesamten 20. Jahrhunderts lebte die arabische Welt entweder in einem islamistischen oder in einem nationalistischen Bezugsrahmen. Es wurde zwar die Frage nach einem „dritten Weg“ oder nach einem entsprechenden Diskurs unter Mitwirkung arabischer Intellektueller gestellt, aber die Antwort darauf war selten positiv. Im Allgemeinen bewegen sich alle arabischen Ideologien innerhalb der beiden genannten Pole.

Trotz der politischen Divergenzen und Konflikte zwischen beiden Konzepten – bisweilen auch blutig ausgetragen – ist die Existenz des einen unweigerlich mit der des anderen verbunden. Tatsächlich ist die aktuelle missliche Lage in der arabischen Welt und vor allem in der Levante eine Folge dieser Dynamik. Auf den Abfall von der nationalistischen Ideologie folgte die Hinwendung der Araber zum Islamismus. Das sehen selbst die Islamisten so.

Doch das soll nicht Gegenstand meiner Betrachtung sein. Vielmehr sind es die mutwillig falschen Behauptungen der Islamisten, die arabisch-nationalistische Diktatur sei ein Kind der Moderne und folglich des Säkularismus.

Die „islamistische Alternative“

Die Islamisten bieten sich immer wieder als alleinige Alternative zu politischen Regimen an, die auch noch an der Verbreitung dieser irreführenden Behauptungen mitwirken. (Nicht selten heißt es, die islamistische Ideologie sei eine „naturgegebene Alternative“. Warum? Weil wir Araber sind, geht man davon aus, wir seien instinktiv islamistisch!)

Aus islamistischer Sicht ist mit dem Sturz der Diktatur des tunesischen Präsidenten Ben Ali auch die Ideologie des jakobinischen Laizismus gescheitert, die die Basis seiner Diktatur bildete, wobei unterstellt wird, dass diese auf der Moderne beruhte. Bald darauf stürzten weitere Regime anderer arabischer Staaten, was die Richtigkeit dieser Behauptung anscheinend belegte.

weiterlesen

Dodo Müller: Säkularismus schränkt den Horizont des Menschen ein

Gerhard L. Müller links im Bild
Christen haben ihren Blick auf die Zukunft gerichtet. Sie leben im Licht Christi, betont der Präfekt der Glaubenskongregation.

kath.net

Das Christentum bietet die „beste Alternative“ zur „Kultur des Todes“, weil es „die Kultur des Lebens und der Hoffnung“ verbreitet. Das sagt Gerhard Ludwig Kardinal Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation in einem Interview mit Edward Pentin, dem Romkorrespondenten des National Catholic Register anlässlich der Veröffentlichung der englischen Ausgabe des Buches „Die Botschaft der Hoffnung“.

Der Säkularismus sei eine große Herausforderung für die Moderne Welt, weil er den Horizont des Menschen und seine intellektuelle Orientierung eingrenze. Christen seien keine „Relikte der Vergangenheit“, sondern hätten ihren Blick auf die Zukunft gerichtet. Sie leben nicht in „apokalyptischer Dunkelheit“, sondern im Licht Christi. Durch seine Auferstehung habe Christus den Menschen das Leben gegeben und die Tür zur Überwindung von Sünde und Tod geöffnet. Auf diesem Weg könne der Mensch seine durch die Erbsünde innewohnende Tendenz zur Selbstzerstörung überwinden, sagte Müller.

weiterlesen

Facebook sperrt regelmäßig Seiten von Ex-Muslimen

Bild. mena-watch.com
„Facebook hat gestern den Zugang zu den öffentlich zugänglichen Seiten von ‚Ex-Muslims of North America‘ (mit 24.000 Followern) und ‚Atheist Republic‘ (mit 1.6 Mio Followern) – Gruppen, die sich für den Säkularismus einsetzen und ‚Apostaten‘ unterstützen, also Menschen, die den Islam ablegen und deswegen oft Verfolgung erleiden – zunächst restringiert und die Seiten dann geschlossen.

mena-watch

Am Montag berichtete der Präsident von ‚Ex-Muslims of North America‘ Muhammad Syed auf Twitter, dass die Facebookseite seiner Organisation und die von ‚Atheist Republic‘ nur noch begrenzt zugänglich seien. Am folgenden Morgen wurden sie geschlossen. Sie hätten gegen die von Facebook festgesetzten Regeln für Gruppen verstoßen. Um welche Verstöße es sich handeln soll, wurde nicht angegeben. Nachdem beide Gruppen Einspruch eingelegt hatten, erlangten sie am Dienstag wieder ungehinderten Zugang zu ihren Seiten. Syed nimmt an, die Seiten seien von muslimischen Fundamentalisten im Rahmen einer organisierten Kampagne angegriffen worden.

‚Ex-Muslims of North America‘ zufolge werden ähnliche Gruppen seit Jahren von Facebook behindert. Die Organisation hat einen Offenen Brief an den Sozialen-Media-Giganten geschrieben und ihn aufgefordert, die ‚intellektuelle Verfolgung‘ von atheistischen und ex-muslimischen Gruppen einzustellen und solche Gruppen vor organisierten Verleumdungskampagnen zu schützen.

weiterlesen

«Es gibt keine direkte Linie von Luther zu Hitler»

Dass manche hofften, Luther werde gar zum Judentum konvertieren, entspricht nicht dem gängigen Klischee. (Bild: Stefan Sauer / Keystone)
Für viele Juden war Luther nicht einfach Antijudaist, sondern Antisemit. Hitlers Wüten wollen sie ihm dennoch nicht anlasten. Sie sehen viel Verbindendes zwischen Protestantismus und Judentum.

Von Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Der durchschnittliche Israeli hat keine Ahnung, wer Martin Luther war, und denen, die es wissen, ist er in der Regel egal. Das Eigene, der Judaismus, ist wichtiger, die Politik dominiert, und man hat genug andere Sorgen. Die Wissenschaft allerdings beschäftigt sich intensiv mit Martin Luther und der Reformation. Im Februar erst fand in Jerusalem eine grosse Konferenz über «500 Jahre Reformation – Juden und Protestanten, Judaismus und Protestantismus» statt, ein faszinierender Anlass mit über vierzig Wissenschaftern, vor allem Religionsspezialisten, aus aller Welt.

Begriffliche Untrennbarkeit

Geschichtsbewussten Juden ist Luther selbstverständlich ein Begriff. Es gibt einen regen akademischen Streit darüber, ob der Reformator Antisemit war oder einfach nur Herold einer antijudaistischen, nicht primär rassistisch, sondern religiös geprägten Haltung. Und in diesem Kontext interessiert dann nicht weniger die Frage, ob eine direkte Entwicklungslinie von Luther zu Hitler führe, ob es Luther gewesen sei, der «den Boden bereitet habe» für jenen urdeutschen, mörderischen Antisemitismus, den etwa Daniel Goldhagen diagnostiziert hat und der in dessen Analyse den Holocaust erst möglich machte.

weiterlesen

Charles Darwin fliegt aus türkischen Lehrplänen

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB
Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Säkularismus, Wiedergeburt und Atheismus sollen in Religionsbüchern als „Krankheiten“ eingestuft werden. Mustafa Kemal Atatürk immer mehr aus den Unterrichtsinhalten verschwinden.

Die Presse.com

Säkularismus, Wiedergeburt und Atheismus sollen in Religionsbüchern als „problematische Überzeugungen“ und als „Krankheiten“ eingestuft werden. Die Evolutionstheorie von Charles Darwin muss aus den gymnasialen Lehrplänen gestrichen werden. Der Gründer der laizistischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk, soll immer mehr aus den Unterrichtsinhalten verschwinden. Diese Neuerungen in den türkischen Lehrplänen kündigte nun Bildungsminister Ismet Yilmaz an. Zwar handelt es sich noch um Vorschläge, doch geht es nach dem Willen des Bildungsministeriums, soll das Maßnahmenpaket bereits ab Februar in Kraft treten.

Damit würde dann umgesetzt werden, was Säkularisten in der Türkei schon seit langer Zeit fürchten: Die islamisch-konservative AKP-Regierung stärkt Schritt für Schritt die religiösen Inhalte in Bildungsanstalten, indem sie etwa die Theorie des Kreationismus unterstützt. Der Kreationismus lehnt die Evolutionstheorie ab und geht davon aus, dass alle Arten von Gott geschaffen wurden. „Die Beseitigung der Evolutionstheorie aus den türkischen Schulen scheint die jüngste Runde im Jahrhunderte alten Kulturkrieg zu sein“, kommentierte der regierungskritische Journalist Mustafa Akyol den jüngsten Vorstoß im Internetmagazin „Al-Monitor“.

weiterlesen

Türkei: Wenn die Regierung dem Lynchmob Tipps gibt

© Reuters Barbaros Sansal mit Models bei einer Schau 2004
© Reuters Barbaros Sansal mit Models bei einer Schau 2004
Als der türkische Modedesigner und Schwulenaktivist Barbaros Sansal aus dem Urlaub zurückkehrte, attackierten ihn Islamisten und Nationalisten. Verraten hatte ihn eine staatliche Institution.

Von Karen Krüger | Frankfurter Allgemeine

Staatliche Nachrichtenagenturen stehen im Dienste des Staates. An Art und Inhalt der von ihnen verbreiteten Informationen lässt sich deshalb gut ablesen, welche Schwerpunkte und Ziele die jeweilige Regierung verfolgt und welche Mittel sie als legitim erachtet, um diese auch durchzusetzen. Anders gesagt: Die Arbeit staatlicher Nachrichtenagenturen ist ein guter Gradmesser für Diktatur und Demokratie. Wohin die türkische Regierung driftet, hat gerade die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu der ganzen Welt vor Augen geführt. Sie verbreitete eine Nachricht, deren schwerwiegende Folgen jedem, der um die aufgeheizte Stimmung zwischen Religiösen und Säkularen in der Türkei weiß, bewusst gewesen sein müssen – bei den türkischen Agenturjournalisten war das garantiert der Fall.

weiterlesen

Elif Shafak: Das letzte Abendmahl des türkischen Großbürgertums

© INTERTOPICS/eyevine Stellt alles in Frage: die Schriftstellerin Elif Shafak
© INTERTOPICS/eyevine Stellt alles in Frage: die Schriftstellerin Elif Shafak
Identität, Sexualität und Feminismus, Türkei, Islam und Glaube: Elif Shafak befreit in ihrem Roman „Der Geruch des Paradieses“ nicht nur die Beschäftigung mit Gott aus dem engen Griff der Religionen.

Von Fridtjof Küchemann | Frankfurter Allgemeine

Als türkischer Autor, sagt Elif Shafak, oder als nigerianischer, pakistanischer, ägyptischer Autor könne man sich den Luxus, unpolitisch zu sein, nicht leisten. Elif Shafak ist eine türkische Schriftstellerin. Der Nobelpreisträger Orhan Pamuk nennt sie, 1971 als Tochter einer Diplomatin und eines Soziologieprofessors in Straßburg geboren und heute in London und Istanbul zu Hause, die beste Autorin, die das Land in den Neunzigern hervorgebracht hat. Nationalisten indes erkennen sie nicht mehr als türkische Autorin an, seit sie vor dreizehn Jahren begann, ihre Romane zunächst in Englisch zu schreiben. Es ist nicht die einzige Anfeindung: Sie wurde wegen Verunglimpfung des Türkentums angeklagt, Erdogan-treue Medien werfen ihr vor, sie werde von westlichen Mächten als Kritikerin der türkischen Regierung gesteuert.

weiterlesen

Laizität und Islam: Ausweg Säkularismus

Bild: qantara.de
Bild: qantara.de
Der bekannte saudische Soziologe und Al-Hayat-Kolumnist Khalid al-Dakhil analysiert in seinem Essay den Stellenwert von Säkularismus und Islam im historischen Kontext.

qantara.de

In der religiös-politischen Kultur der Araber war der Säkularismus stets gleichbedeutend mit Atheismus und einem Mangel an religiösem Glauben. In der abendländischen Kultur jedoch, die am Säkularismus festhält, wird dies überhaupt nicht so gesehen. Eine der Folgen dieses Kontrastes ist, dass die Muslime in den Säkularismus eine Bedeutung projizieren, die dieser nicht nur nicht besitzt, sondern die auch nicht mit den ideologischen Voraussetzungen des Begriffs übereinstimmt.

Bisweilen wird in der islamischen Welt behauptet, dass Menschen aus dem europäischen Kulturkreis, die an das Konzept des Säkularismus glauben, dies mit der Tatsache begründeten, dass das Neue Testament verzerrt worden sei, wodurch sich das Christentum von seiner ursprünglichen Bedeutung, der Wahrheit oder der Rolle, die Gott ihm ursprünglich zugedacht hatte, entfernt habe. Und dies sei auch der Grund dafür gewesen, warum Europa in das „dunkle Zeitalter“ gefallen sei, aus dem es nur durch den Säkularismus befreit werden konnte.

Dahinter steckt ein gewisses Paradox, denn wenn es der Säkularismus war, der den Westen aus dem „dunklen Zeitalter“ in die Aufklärung geführt hat, und wenn Säkularismus gleichzeitig Atheismus und mangelnder religiöser Glaube bedeutet, war es folglich also nicht der Glauben, sondern der Atheismus und der Mangel an Glauben, der den Weg aus der Dunkelheit der Unwissenheit, Rückwärtsgewandtheit in das Zeitalter der Erkenntnis und Freiheit geführt hat. Doch hält eine solche Auffassung einer näheren empirischen Analyse wirklich stand?

weiterlesen

Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime: „Aus meiner Sicht sind alle Religionen frauenfeindlich“

Foto: brightsblog
Foto: brightsblog
Der Zentralrat der Ex-Muslime setzt sich für die Rechte derer ein, die nicht mehr glauben. Die Vorsitzende des Zentralrats, Mina Ahadi, wurde im Iran wegen Apostasie, also Abfall vom Islam, zum Tode verurteilt. Auch in Deutschland, so sagt sie, müsse mittlerweile das moderne, säkulare Leben verteidigt werden.

Von Lisa Dorn | Deutschlandfunk

„Wir Menschen, die aus sogenannten islamischen Ländern nach Deutschland gekommen sind, waren vorher Ausländer und im Laufe der Zeit wurden wir Muslime. Wir haben gesagt, wir haben abgeschworen, wir sind nicht mehr Muslime, wir sind Ex-Muslime und wir haben auch eine Organisation gegründet: „Zentralrat der Ex-Muslime“, sagt Mina Ahadi.

Es gibt keine Möglichkeit, formal aus der muslimischen Glaubensgemeinschaft auszutreten. Mina Ahadi hat einen anderen Weg gefunden, um nicht mehr dazu gezählt zu werden. 2007 hat sie zusammen mit anderen den Zentralrat der Ex-Muslime gegründet, heute ist sie die Vorsitzende. Sie stammt aus dem Iran, studierte dort Medizin. 1996 kam sie nach Deutschland.

weiterlesen

Es braucht mehr Religion, um Extremismus zu bekämpfen

© Picture-Alliance In einem Prozess wollte eine Frau das Tragen des Kopftuches durchsetzen.
Wenn die Religion vollkommen aus dem öffentlichen Raum verdrängt wird, stärkt das religiösen Extremismus. Um Muslime besser integrieren zu können, das zeigt das Beispiel Frankreich, muss Religion stärker sichtbar werden. Ein Kommentar.

Von Rainer Hermann | Frankfurter Allgemeine

Die Trennung von Staat und Kirche ist eine der großen Errungenschaften der abendländischen Zivilisation. Der Kampf hat Jahrhunderte gedauert – vom Wormser Konkordat im Jahr 1122 bis zur Aufklärung im 18. Jahrhundert, das die Vernunft über den Glauben stellte. Von da an wurde die Trennung vollzogen. Den einen Königsweg, wie sie zu gestalten sei, hat es indes nie gegeben.

Frankreich, das Land der Aufklärung, entwickelte die „republikanische Laizität“. Der Staat verstand sich als Agent des Fortschritts und versuchte, Religion, die so gesehen nur Aberglaube sein konnte, aus der Gesellschaft fernzuhalten. In keinem Land Europas wurde Religion so radikal aus der Öffentlichkeit verdrängt wie in Frankreich. Atatürk, der Gründer der Republik Türkei, machte sich dieses Modell zu eigen.

weiterlesen

Religionspolitiker reden über Muslime ohne Muslime

Die Teilnehmer der Diskussionsrunde (v.l.) Moderator Joachim Frank, Thomas Sternberg (CDU), Rektorin Ursula Nelles, Kerstin Griese (SPD), Volker Beck (Die Grünen), Ulrich Willems © Exzellenzcluster „Religion und Politik“/Sarah Batelka
Religionspolitiker mahnen bei einer Diskussion an der Uni-Münster offenere Debatten über und mit Religionen an. Uni-Rektorin betont Bedeutung des Dialogs. An der Diskussion ist aber kein einziger Muslim dabei.

MiGAZIN

Der Grünen-Politiker Volker Beck vermisst bei den großen Islamverbänden in Deutschland die Ausrichtung ihrer Identität nach einem religiösen Bekenntnis. „Unter dem Dach von Ditib oder Islamrat findet nicht nur Religion statt, sondern auch sehr viel türkische Politik. Politik, Sprache und Herkunft prägen stark die Identität und Grenzen der Verbände“, sagte der religionspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion Volker Beck am Dienstagabend in Münster. Zentrales Identitätsmerkmal der Verbände sei bisher nicht ein jeweiliges, theologisch begründetes Glaubensbekenntnis, sondern seien etwa ihr Verhältnis zur Türkei oder andere Herkunftsbezüge. „Voraussetzung für den Körperschaftsstatus, den die Verbände anstreben, ist aber die Organisation nach dem religiösen Bekenntnis. Dieses Recht haben nur Religionsgemeinschaften, nicht religiöse Vereine. Da müssen wir klar bleiben.“

weiterlesen

Der religionsfeindliche Hochstapler – and your whiney assed opinion would be?

atheist_horror

Der Westen feiert die atheistischen Blogger Bangladeschs. Dass es unter ihnen auch menschenfeindliche Hohlköpfe gibt, wird gerne ausgelassen. Ein Abend mit Asif Mohiuddin

Von Timo Al-Farooq | derFreitag Community

„Soviel Welt als möglich in die eigene Person zu verwandeln, das ist im höheren Sinn des Wortes Leben.“ So heißt es bei Wilhelm von Humboldt, doch die Universität, die seinen Namen und den seines Bruders trägt, war am 14. Dezember letzten Jahres ein Ort, an dem ein Mensch mit sehr wenig Welt in sich hemmungslos seinen mittelscharfen Senf über diese ihm fremde Welt dazugeben durfte: Die Rede ist vom mittlerweile im deutschen Exil lebenden Asif Mohiuddin, einem sogenannten „säkularen“ bzw. „atheistischen Blogger“, wie sie in Bangladesch seit geraumer Zeit von einigen religiösen Extremisten angefeindet und getötet werden, weil ihnen deren online-publizierten Schriften über den Islam und seiner Rolle in Staat und Gesellschaft Bangladeschs säuerlich aufstoßen. Mohiuddin wurde wegen seiner Blogeinträge Opfer einer Messerattacke, wurde von der säkularen Regierung Bangladeschs wegen „Blasphemie“ angeklagt, im Gefängnis nach eigenen Angaben gefoltert, und floh schließlich nach Europa. Der Sensationalismus dieser traurig anmutenden Kurzvita war für die Amnesty Hochschulgruppe der HU und „Säkularer Humanismus an Berliner Hochschulen“, der studentischen Lobbygruppe der „Giordano Bruno Stiftung, einer Organisation, die mit Leib und Seele dem „evolutionären Humanismus“ verschrieben ist, verständlicherweise Grund genug, ihn zu einem Vortrag zum Thema Meinungsfreiheit in Bangladesch einzuladen. Was dann aber folgte, war weder diskursiv erhellend noch wissenschaftlich bereichernd, sondern eine Lektion in plumpem Populismus, unverhohlener Religionsfeindlichkeit, westlichem Anbiederungsverhalten sowie den geistigen Grenzen des dogmatischen Atheismus und westlichen Menschenrechtsaktivismus. Die erfolgreichsten Hetzer sind die, denen man ihre niederen Absichten weder ansieht noch anhört. Und mithilfe seines unschuldig dreinblickenden, bebrillten Bubengesichts, seines friedlichen Grinsens, seiner sanften Stimme und einer bescheidenen Art, schaffte Mohiuddin es, im Hörsaal 2002 des Hauptgebäudes einer numerisch überschaubaren Frühabendansammlung aus jungen Studierenden und interessierten Einzelpersonen die respektlosen, herabwürdigenden und feindseligen Aussagen seiner etwa einstündigen lausbübisch vorgetragenen Tirade gegen privaten und organiserten Gottesglauben, insbesondere Islam, als legitime Religionskritik zu verkaufen: Das Publikümchen lauschte mit Anteilnahme und Anbiederung den Anekdoten dieses süßholzraspelnde Spalters, dem die Opferstilisierung kraft der Messerattacke auf ihn naturgemäß einfach fiel, und der Gottesglaube mehrfach als „stupid“ bezeichnete und religiöse Menschen für „brainwashed“ hält, als seien sie Zombies aus The Walking Dead.

weiterlesen

AfD-Forderung nach Abschaffung der Kirchensteuer

Bild: tilly
Bild: tilly
Keine Kirchensteuer mehr! Dass ein Politiker solch eine Forderung wieder einmal laut ausspricht. Darauf haben wir lange gewartet. Doch was tun, wenn diese Parole ausgerechnet aus den Reihen der AfD kommt?

Von Dennis Riehle | Richard Dawkins-Foundation

Beatrix von Storch, die zuerst auf Kinder an den Grenzen schießen lassen wollte, dann doch nur auf die Frauen – und die hinter den Kulissen die federführende Triebkraft für das Anti-Islam-Parteiprogramm gewesen sein soll, das kürzlich erst auf dem Parteitag beschlossen wurde, ausgerechnet sie ist es, die nun argumentiert, dass die Kirchen ihre Steuern gefälligst selbst eintreiben sollen.

Man könnte nun triumphieren, hört sich das doch alles nach einer areligiösen Partei an, die auf der einen Seite Minarette und den Muezzin als Machtsymbole des Islam ablehnt, andererseits den Staat verdonnern will, die Privilegien des Christentums aus Artikel 140 Grundgesetz langsam, aber sicher abzuschaffen. Daneben möchte sie auch keine Beschneidungen mehr tolerieren, kein Schächten und keine religiösen Rituale, die mit hiesigen Gesetzen nur durch Umwege vereinbar sind. Juden, Muslime, Christen, eigentlich alle müssen bluten, wenn man die Entwicklung der „Alternative für Deutschland“ in den letzten Monaten so betrachtet. Doch ist sie damit tatsächlich eine säkulare Kraft, der man als Atheist, Konfessionsloser oder Freidenker guten Gewissens seine Stimme geben kann?

Wer Kirchensteuer zahlt, ist noch nicht automatisch ein guter Christ – das hat spätestens Luther gelehrt. Und so ist auch noch kein guter Humanist, wer allein auf den Populismus hört, den selbst manch Atheist als lautes Geschrei in die Massen wirft. Denn eine Stärke hat die AfD: Taktisch klug erfasst sie eine nach der nächsten gesellschaftlichen Schicht, ohne sich dabei bei oberflächlichem Hinsehen selbst zu widersprechen. Denn es sind nicht die klassische Anhänger der römisch-katholischen Kirche oder der evangelischen Landeskirchen, die die „Alternative“ in ihren Reihen weiß – und um dessen Zustimmung sie fürchten müsste, würde sie sich nun mit Bischöfen und Finanzreferenten um die Taler anlegen.

weiterlesen