Schottland: Missbrauch von tausenden Kindern in Ordensheimen

foto: ap photo/markus schreiber, Die schottische Kommission zur Untersuchung von Kindesmissbrauch hat einen Bericht zu Vorfällen in katholischen Kinderheimen vorgelegt. Demnach wurden Tausende Kinder Opfer von Misshandlungen.
Report zu Vorfällen in katholischen Kinderheimen zeigt Missbrauch in von Nazarethschwestern geführten Waisenhäusern in Schottland auf

derStandard.at

Die schottische Kommission zur Untersuchung von Kindesmissbrauch hat einen Bericht zu Vorfällen in katholischen Kinderheimen vorgelegt, wie Kathpress meldet.

Demnach wurden Tausende Kinder, die in von Nazarethschwestern geführten Waisenhäusern in Schottland untergebracht waren, Opfer von Misshandlungen, Demütigungen und in manchen Fällen sexuellen Missbrauchs „der schändlichsten Weise“, wie britische Medien (Freitag) aus dem Bericht zitieren.

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Für viele Kinder seien die vier Heime des katholischen Ordens in Aberdeen, Cardonald, Lasswade und Kilmarnock „Orte der Angst“ gewesen, an denen sie „ungestraft körperlich missbraucht und emotional degradiert“ wurden, erklärte die Leiterin der Untersuchungskommission, Anne Smith.

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Auf dem Weg zu einem neuen Unabhängigkeitsreferendum

Nicola Sturgeon bei ihrer Rede auf dem Parteitag.Screenshot aus dem SNP-Video
Schottische Nationalpartei unter Druck – Referendum auch ohne Zustimmung Londons, Unabhängigkeit mit neuer Währung?

Christian Bunke | TELEPOLIS

Weitgehend unbemerkt von einer breiteren Öffentlichkeit außerhalb Schottlands hat die schottische Nationalpartei SNP vom 27. bis 28. April ihren Frühlingsparteitag abgehalten. Während die Augen der meisten Medien auf den Brexit gerichtet sind, scheinen Ereignisse in Schottland auf der Dringlichkeitsskala nach unten zu rutschen. Das ist ein Fehler, denn die schottische Politik wird von der Brexit-Krise beeinflusst, während gleichzeitig Entwicklungen im Gang sind, die Auswirkungen auf das gesamte vereinigte Königreich und darüber hinaus haben könnten.

Die SNP steht unter Druck. In Schottland haben soziale Auseinandersetzungen im Laufe der letzten Monate an Fahrt aufgenommen. Sowohl im privaten Sektor als auch dem öffentlichen Dienst nehmen Streiks zu. Es gibt wachsenden Unmut in der Bevölkerung darüber, dass die SNP die Austeritätspolitik der britischen Zentralregierung zwar in Worten ablehnt, sie in der Praxis aber umsetzt.

Gleichzeitig mobilisiert der außerparlamentarische Flügel der Unabhängigkeitsbewegung mit zunehmender Vehemenz. Für den 4. Mai ist in Glasgow ein „Marsch für die Unabhängigkeit“ geplant, Demonstrationen in anderen Städten sind für den Juni angekündigt. Im vergangenen Jahr nahmen hunderttausende Menschen an solchen Demonstrationen teil, die völlig an den Strukturen der SNP vorbei organisiert werden.

Unabhängigkeitsreferendum ja, aber …

Insgesamt hat die SNP ein Glaubwürdigkeitsproblem. Sie muss beweisen, dass sie in der Lage ist, der Mehrheit der schottischen Bevölkerung wesentlich verbesserte Lebensbedingungen zu bieten, egal ob innerhalb Großbritanniens oder im Rahmen eines unabhängigen Staates. Die Debatten und Beschlüsse während des Frühlingsparteitages spiegelten dieses Dilemma wider.

Da ist zum einen die Frage eines neuen Unabhängigkeitsreferendums. Schon am 24. April hatte SNP-Parteichefin und erste Ministerin Schottlands Nicola Sturgeon im Rahmen einer Regierungserklärung zum Brexit ein solches in Aussicht gestellt, gleichzeitig eine ganze Reihe von Vorbehalten dagegen aufgebaut.

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Die „neue englische Krankheit“ – Geht doch endlich, ihr nervigen Briten, und beendet Euer absurdes Brexit-Theater

„Brexit Banner“. Bild: Richard Leeming / CC BY-SA 2.0

„Unsre Unfähigkeit, die Wahrheit zu erkennen, ist die Folge unsrer Verderbnis, unsres moralischen Verfalls.“
Pascal

Rüdiger Suchsland | TELEPOLIS

Und täglich grüßt der Brexit. Jeden Tag neue Politiker- und Journalistenspekulationen, jede Woche neue Abstimmungen in dem zur Lachbude verkommenen britischen Parlament. Und jeden Morgen im Radio und Frühstücksfernsehen irgendeine neue Wasserstandsmeldung, irgendeine Korrespondenten- und Kommentatorenspekulation, ob er denn nun wirklich stattfindet, was er für Folgen hat, und ob er sich noch verhindern lässt.

Eingerahmt in Interviews mit verzweifelt flehenden Remainern und surrealistischen Brexeteers, die erklären, warum es Großbritannien nach einem EU-Austritt viel besser geht als vorher: „Wir werden endlich ein freies und unabhängiges Land sein. …“

Der Brexit wird stattfinden. Und zwar mit Pauken und Trompeten. Wir alle werden es zu unseren Lebzeiten erleben, wie ein souveränes Land sich selbst an die Wand fährt, zerlegt, zerstört. Wir werden erleben, wie Großbritannien sich abschafft. Wie Schottland das Vereinigte Königreich verlässt, wie in Nordirland der alte bürgerkriegsähnliche Konflikt wieder ausbricht, bevor die Katholiken ihn gewinnen, wie sich das verbliebene Wurmfortsatz-England in den Schoß eines längst reaktionär erstarrten Amerika flüchtet, immerhin seiner ehemaligen Kolonie.

Wir werden den Untergang einer Großmacht erleben. Den Selbstmord aus Angst vor dem Tode. Aber der Brexit wird stattfinden.

Und das ist auch gut so.

Großbritannien nervt und ruiniert die EU

Denn sie nerven. Sie wollen immer eine Extra-Sausage. Sie sind nicht mal halb so witzig, wie sie sich selber finden. In Gruppen sind sie immer besoffen und grölen den Kontinent zusammen. Sie behaupten, sie seien die „älteste Demokratie der Welt“, aber ruinieren zuerst ihren eigenen Parlamentarismus mit ihrer albernen Volksabstimmung zum EU-Austritt und haben dann aber Angst davor, ihr eigenes Volk zum zweiten Mal zu fragen, ob sie an ihrer Entscheidung festhalten wollen.

Stattdessen wird der Parlamentarismus diffamiert, sobald es passt: Dass sich die Abgeordnete dem „Willen des Volkes“ verweigern oder ihn verbiegen, plärren die europafeindlichen Blätter, als ob diese Abgeordneten nicht – übrigens nach dem Brexit-Referendum – von genau diesem Volk gewählt wurden, um ihren „Willen“ in Gesetzesform zu gießen, als ob nicht 49% „des Volkes“ gegen den Brexit gestimmt hätten. Die „älteste Demokratie der Welt“ hat längst vergessen, was Demokratie heißt.

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Schottland: Protestant bespuckt katholischen Pfarrer – Zehn Monate Haft

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Der Täter hatte im vergangenen Juli an einer traditionellen Parade des Oranier-Ordens teilgenommen. Dabei führte der Weg auch an einer katholischen Kirche vorbei. Und deren Priester wurde zum Opfer.

katholisch.de

In Schottland ist ein Protestant zu zehn Monaten Haft verurteilt worden, weil er einen katholischen Priester angespuckt hat. Der Mann habe eingeräumt, dass die Tat einen antikatholischen Hintergrund habe, berichtet der britische Sender BBC auf seiner Internetseite. Der 24-jährige Täter hatte im vergangenen Juli an einem traditionellen Marsch von Protestanten durch Glasgow teilgenommen, der sogenannten „Boyne Parade“ des Oranier-Ordens. Wie Medien berichteten, entwickelte sich im Lauf der Demonstration eine aggressive, teils gewaltbereite Atmosphäre.

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Forscher wollen den Mythos um Loch Ness entschlüsseln

Schon viele Menschen haben versucht, das Monster, das im See leben soll, zu fotografieren Quelle: AP/XSS JM RP**LON**
Gibt es das Ungeheuer von Loch Ness? Um den geheimnisvollen See in Schottland ranken sich viele Mythen. Nun wollen Forscher die Theorien erstmals überprüfen. Dabei suchen sie auch nach DNA von urzeitlichen Meeresbewohnern.

DIE WELT

Ein internationales Forscherteam will erstmals alle Lebewesen im sagenumwobenen Loch Ness erfassen. Dafür sollen in dem schottischen See auf breiter Basis DNA-Spuren gesammelt werden, teilte die Universität von Otago in Neuseeland mit. Geleitet wird das Team von dem Biomedizin-Professor Neil Gemmell. Nebenbei erhoffen sich die Forscher auch einen Hinweis darauf, ob es eine reale Grundlage für die Legende vom Ungeheuer Nessie gibt.

Von Juni an werden die Wissenschaftler Proben aus dem Wasser nach Erbgut von Lebewesen untersuchen. „Immer wenn sich eine Kreatur durch ihre Umgebung bewegt, hinterlässt sie winzige DNA-Fragmente aus Haut, Schuppen, Federn, Fell, Kot und Urin. Diese DNA kann eingefangen, sequenziert und dann verwendet werden, um diese Wesen zu identifizieren“, sagte Gemmell der Pressemitteilung zufolge.

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Warum Mindestpreise das Alkoholproblem nicht lindern

Schottland hat Mindestpreise eingeführt, damit weniger Menschen am Alkohol sterben. Das ist gut gemeint. Doch ansetzen sollte man erst an anderer Stelle. Ein Kommentar.

Von Friedhard Teuffel | DER TAGESSPIEGEL

Ein paar Kisten Bier werden aus dem Supermarkt getragen. Das kann die Aussicht auf eine beschwingte Feier sein. Mit vielen Freunden und guter Laune. Oder die Diagnose einer Sucht. Die Grenze dazwischen ist fließend.

Alkohol erzeugt wie keine andere Substanz ein ganzes gesellschaftliches und kulturelles Panorama bis hin zu religiöser Symbolik. Wer nicht auf die gute Seite sieht, die des Genusses, des Gelöstseins und der Geselligkeit, kann sich auf der anderen Seite eine imposant-traurige Schadensbilanz anschauen. Mit 20.000 Menschen, die geschätzt jedes Jahr in Deutschland an den direkten Folgen des Alkoholkonsums sterben, mit 13.000 alkoholbedingten Unfällen im Straßenverkehr, davon 225 tödlichen, und mit zehn Prozent aller Tatverdächtigen von Straftaten, die unter Alkoholeinfluss standen.

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Nun sollen die Katalanen auch schon „Terroristen“ sein

Mariano Rajoy als Karikatur-Figur (Bild: Rafa Esteve / CC BY-SA 4.0)
Spaniens Repressionspolitik wird immer absurder

Ralf Streck | TELEPOLIS

Zu den spanischen Strafrechtsreformen und der Einführung von Knebelgesetzen hatte Telepolis schon 2015 getitelt: „Meinungsfreiheit futsch und alles kann in Spanien nun Terrorismus sein.“ Wie richtig diese Einschätzung war, hat sich in den letzten Monaten deutlich gezeigt, da sogar Twitterer und Rapper schon zu höheren Haftstrafen verurteilt wurden.

Nun hagelt es gegen friedliche Demonstranten die ersten Terrorismus-Vorwürfe: So wurden heute von der paramilitärischen Guardia Civil Katalanen nicht nur wegen des – grotesken – Rebellionsvorwurfes, sondern – nicht weniger grotesk – wegen Terrorismus festgenommen.

Insgesamt wurden mindestens sieben Personen festgenommen. Von zwei Person wurde bekannt, dass ihnen „Terrorismus“ und „Rebellion“ vorgeworfen wird. Um das zu unterstreichen, zogen die Paramilitärs schwer bewaffnet, maskiert und mit etlichen Einsatzkräften auf. Den Festgenommenen wird vorgeworfen, über das Osterwochenende nicht nur Straßen blockiert zu haben, sondern auch dass Zahlstellen von Autobahnen geöffnet wurden, damit die Autofahrer umsonst die Autobahn benutzen konnten. Das scheint, weil es an den Geldbeutel des Staates geht, dann „Terror“ zu sein.

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Guérot, Menasse: „Die Katalanen sind Europäer, die Nationalisten sitzen in Madrid“

Kundgebung am Tag der Unabhängigkeitserklärung vor dem Regierungssitz. Bild: Sandra Lázaro/eldiario.es/CC BY-SA-3.0
Die Perspektive muss aber die spanische Republik und nicht ein katalonischer Nationalstaat sein – Ein Kommentar

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Wie geht es weiter mit der katalonischen Unabhängigkeit, nachdem die Madrider Zentralregierung ihre Drohung wahrgemacht hat und mittels Aktivierung des Paragraphen 155 die katalonische Regierung abgesetzt hat? Die Bildung einer De-Facto-Exilregierung durch einen Teil dieser Regierung, von manchen auch als Flucht ins Ausland bewertet, scheint weniger ein langfristiger Plan der katalonischen Autonomieregierung gewesen zu sein. Es ist viel wahrscheinlicher, dass ein großer Teil der Bewegung überrascht war, dass die spanische Regierung in relativ kurzer Zeit die Gegenmaßnahmen umsetzte. Sie haben sich wohl eher auf einen längeren Prozess eingestellt, was den Autonomisten die Möglichkeit gegeben hätte, ihre Basis zu stabilisieren und erweitern.

Spätestens durch die Anwesenheit von Teilen der Autonomieregierung in Brüssel ist die Frage der katalonischen Autonomie zu einer europäischen Frage geworden. Genau das wollen große Teile des EU-Etablissements noch immer verhindern. Es hat sich fast unisono hinter die spanische Nationalregierung gestellt und brachte es mehrheitlich nicht einmal fertig, die Repression zu kritisieren, mit dem die Abstimmung in Katalonien eingegrenzt werden sollte.

Das ist auch ein besonderer Beweis der EU-Lebenslüge, angeblich überall im EU-Raum für die Einhaltung der Menschenrechte einzutreten. In Wirklichkeit verfolgt sie unter dem Deckmantel der Einhaltung der sogenannten Werte der EU die Interessen des Hegemons Deutschland. Deswegen reagieren die EU-Gremien gegen Menschenrechtsverletzungen der nicht besonders deutschfreundlichen polnischen Regierung zumindest auf der akklamatorischen Ebene scharf, während sie im Falle der deutschfreundlichen spanischen Regierung nicht einmal den Zeigefinger erheben

. Das kann aber nur empören, wer davon ausgeht, dass Politik von Werten und nicht Interessen bestimmt ist. Zu diesen Utopisten einer europäischen Ideologie gehören die die Publizisten Robert Menasse und Ulrike Guerot, die die europäische Autonomiebewegung in ihr Konzept eines EU-Nationalstaates einordnen wollen. Dabei kommt ihnen gelegen, dass diese Autonomiebewegung so deutlich ihre Pro-EU-Position aufrecht erhält, obwohl ihr von genau dieser EU-Bürokratie die kalte Schulter gezeigt wurde. Als Replik auf einen Beitrag des Historikers Heinrich August Winkler im Spiegel betonten Menasse und Guerot die Künstlichkeit sämtlicher Nationalstaaten, also auch derjenigen, die Teil der EU sind.

Diese Nationalismuskritik ist richtig und wichtig, würde sich natürlich aber sowohl gegen die Verfechter der bereits existierenden wie der neu zu gründenden Nationalstaaten richten, also sowohl gegen Spanien wie auch gegen Katalonien. Doch die beiden Autoren nehmen scheinbar gar nicht ernst, dass die Autonomisten einen eigenen Staat mit allen, was dazu gehört, gründen wollen. Für sie sind sowohl die autonomistischen Schotten wie die Katalonen die eigentlichen Europäer.

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Die katalanische Krise kann Europa den Rest geben

Mariano Rajoy (r.) und Carles Puigdemont zeigen sich unversöhnlich Quelle: REUTERS
Die EU hält sich aus Kataloniens Separatismus heraus – es handele sich um ein „innerspanisches Problem“. Das könnte Abspaltungsbewegungen animieren, die im Baskenland, Norditalien oder Schottland Winterschlaf halten

Von Sascha Lehnartz | DIE WELT

Wenn es die Schlafwandler waren, die Europa 1914 in den Ersten Weltkrieg haben taumeln lassen, sind es gerade die Sprachlosen, die Europa in die nächste Krise schieben. Niemand findet die Worte, das katalanische Desaster zu verhindern, das sich in Zeitlupe entfaltet. Mariano Rajoy und sein katalanischer Gegenspieler Carles Puigdemont liefern sich seit Jahren einen „diálogo de sordos“ – eine Debatte unter schwer Hörgeschädigten.

Am vergangenen Sonntag gipfelte das Versagen der Politik darin, dass katalanische Rentnerinnen von spanischen Polizisten mit Gummiknüppeln vermöbelt wurden. Wenn die Unabhängigkeitsbewegung noch Bilder von Märtyrern benötigte, um Fahrt aufzunehmen, hat Rajoy sie geliefert. Der galizische Verwaltungsjurist Rajoy, Sohn eines Richters und Enkel eines Jura-Professors, befördert die Anarchie, indem er auf dem Recht insistiert. „Er ist fassungslos, weil die Anwendung der Gesetze nicht mehr funktioniert. Er weiß aber nicht, was er sonst machen soll“, sagt ein führendes Mitglied der konservativen „Partido Popular“.

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Katalanen sind nicht allein, Druck auf Spanien wächst

Bild: R. Streck, heise.de/TP
Zehntausende Basken stellen sich mit Schottland hinter Katalonien, Dänemark fordert von Spanien eine „konstruktive Rolle“ und „Verhandlungen“ statt Repression

Von Ralf Streck | TELEPOLIS

Der Druck auf die spanische Regierung wird im spanischen Staat und auf internationaler Bühne immer größer, eine demokratische Lösung für seine Probleme mit Katalonien zu finden. Sehr deutlich wurde das am Samstag in Bilbao, wo zehntausende Basken sich hinter das Selbstbestimmungsrecht der Katalanen gestellt haben. Die Basken fordern ebenfalls, frei über die Unabhängigkeit entscheiden zu können. Noch hat der Protest hier keine riesigen Ausmaße wie in Katalonien erreicht, doch schon jetzt haben etwa 40.000 Menschen klar gemacht, dass sie nicht zulassen werden, dass Spanien mit antidemokratischen Mitteln und Repression versucht, das Problem zu beseitigen.

In Bilbao wurde von einem breiten Spektrum die „Demokratiephobie“ der Spanier angekreidet, die nicht nur von der rechten Volkspartei (PP) ausgeht, sondern von den Sozialdemokraten (PSOE) unterstützt wird. Es wird wieder der Slogan von der „Zweiparteiendiktatur“ einer „PPSOE“ ausgegraben, mit dem einst die Empörtenbewegung angetreten ist, das „Regime zu stürzen“. Die PSOE wird zunehmend auch von der linken Podemos (Wir können es) angegriffen. Deren Organisationssekretär Pablo Echenique fragt den PSOE-Chef Pedro Sánchez, ob er weiter den verdeckten „Ausnahmezustand“ unterstützt, womit er die Lage korrekt benennt.

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Politologin Guérot: „Wir brauchen die Nation nicht mehr“

foto: dominik butzmann Ulrike Guérot möchte ein Europa ohne den Chauvinismus, der durch die Konkurrenz der Nationalstaaten entsteht.
Ulrike Guérot über die Neuerfindung der EU als europäische Republik mit starken Regionen und ohne nationalstaatliche Konkurrenz

Interview Lisa Nimmervoll | derStandard.at

STANDARD: Sie werden in Wien zum Thema „Europa kontrovers: Wie steht es um die Wertegemeinschaft der EU?“ referieren. Auf den Punkt gebracht, sagen Sie: „Die Europäische Union ist kaputt.“ Warum?

Guérot: Ich bin mit dieser Diagnose nicht alleine. Die EU durchläuft gerade eine ganz riesige Krise, aber Europa als solches ist eine lebendige Idee, und mir geht es darum, an einem anderen Europa, das dieser Idee wieder zur Blüte verhilft, zu arbeiten.

STANDARD: Was also tun?

Guérot: Ich glaube, wir wollen die europäische Idee und die Werte, die wir damit verbinden, retten: Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Rule of Law, Good Governance, Marktwirtschaft, Frieden, Freiheit, Sicherheit – alles, worauf wir in Europa stolz sind, dass wir es 60, 70 Jahre bewahren konnten. Wir haben im Moment eine massive Kritik von den sogenannten Populisten an den Strukturen der EU, aber wir haben auch eine berechtigte Kritik von Nichtpopulisten. Wir haben ein Demokratiedefizit, und die Bürger sind in diesem System nicht sehr souverän. Sie haben das Gefühl, vieles, das für sie unmittelbar relevant ist, passiert, ohne dass es dafür ein Mandat vom Volk gibt. Und wir sehen ein großes Aufbegehren der Regionen, die mehr Mitsprache wollen.

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Schottische Regierungschefin ruft Brexit-Gegner zum Umzug auf

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hat britische Brexit-Gegner zu einem Umzug nach Schottland aufgerufen.

Frankfurter Rundschau

„Kommt hierher, um zu leben, zu arbeiten, zu investieren oder zu studieren“, sagte sie unter großem Beifall auf dem Frühlingsparteitag der Schottischen Nationalpartei SNP in Aberdeen. An ihren Plänen für ein Unabhängigkeitsreferendum hält sie fest. Sturgeon will das Parlament in Edinburgh nächste Woche um ein Mandat für das Referendum bitten. Es soll zwischen Herbst 2018 und Frühjahr 2019 stattfinden.

Schottlands Premierministerin glaubt „mehr denn je“ an Unabhängigkeit

Nicola Sturgeon / Bild: APA/AFP/ANDY BUCHANAN
Nicola Sturgeon / Bild: APA/AFP/ANDY BUCHANAN
Schottlands Regierungschefin Sturgeon warnt die britische Regierung vor einem schädlichen Kurs beim EU-Austritt.

Die Presse.com

Angesichts des Kurses der britischen Regierung nach dem Brexit-Votum hält die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon eine Unabhängigkeit Schottlands vom Vereinigten Königreich für wahrscheinlicher denn je: „Ich habe nie daran gezweifelt, dass Schottland eines Tages ein unabhängiges Land wird, und ich glaube daran heute stärker als je zuvor“.

Dies sagte Sturgeon am Samstag zum Abschluss des Parteitags ihrer Schottischen Nationalpartei (SNP) in Glasgow. Sturgeon führte aus, sie wolle sich dafür einsetzen, dass Schottland weiter Zugang zum europäischen Binnenmarkt habe, auch wenn Großbritannien die EU verlasse. „Aber wenn die Tory-Regierung diese Bemühungen ablehnt, wenn sie darauf beharrt, Schottland auf einen Weg zu bringen, der unserer Wirtschaft schadet, Jobs kostet, unseren Lebensstandard senkt und unserem Ruf als offenes, einladendes, vielfältiges Land schadet, dann habt keinen Zweifel“, warnte die schottische Regierungschefin mit Blick auf ein Unabhängigkeitsreferendum.

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Schottland: Hunderte Dinosaurier-Spuren entdeckt

In der Nähe dieser Bucht auf Skye wurden die Dinosaurier-Fußabdrücke gefunden © Chmee2/CC-by-sa 3.0
Spannender Fund: Auf der Insel Skye haben Paläontologen hunderte von Dinosaurier-Spuren entdeckt. Die bis zu 70 Zentimeter großen Abdrücke sind 170 Millionen Jahre alt und stammen von 15 Meter großen und mehr als zehn Tonnen schweren Pflanzenfressern. Sie sind damit die ersten Sauropoden-Spuren in Schottland. Das Spannende daran: Aus dieser Zeit gibt es bisher nur wenige Dinosaurier-Zeugnisse. Zudem liegen die Spuren dort dermaßen dicht, dass dort eine ganze Herde umhergetrampelt sein muss.

scinexx

Neben Knochen und Zähnen sind Fußabdrücke die wichtigsten Relikte ausgestorbener Tiere wie der Dinosaurier. So verrät beispielsweise eine 2009 im französischen Lyon entdeckte Dinospur, dass dort vor rund 150 Millionen Jahren 25 Meter lange Sauropoden auf Nahrungssuche waren. Und erst vor kurzem belegten in Alaska entdeckte Fußabdrücke, dass die Dinosaurier sogar bis in den Hohen Norden verbreitet waren und selbst Kälte nicht scheuten.

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Klimawandel verändert europäische Vogelwelt

Der Birkenzeisig wird es durch die Folgen des Klimawandels schwerer haben. © David Dillon/ BirdLife Internationa
Gewinner und Verlierer: Während einige heimische Vogelarten von wärmeren Wintern profitieren, macht das veränderte Klima vor allem Zugvögeln zu schaffen. Langzeit-Beobachtungen zeigen, wie der Klimawandel in den vergangenen Jahren bereits die europäischen Vogelbestände verändert hat. Manche Arten könnten demnach bald gar nicht mehr bei uns anzutreffen sein und brauchen besonderen Schutz, meinen Biologen im Magazin „Global Change Biology“.

scinexx

Den Birkenzeisig erkennt man leicht an seinem charakteristischen roten Fleck oberhalb des Schnabels – antreffen kann man den kleinen Vogel in Island, Skandinavien, Irland, Schottland und im Alpenraum. Im Winter kommen die Zeisige aus dem Norden nach Mittel- und Osteuropa – noch. „Wie lange der Birkenzeisig noch zu uns kommt, wissen wir nicht“, sagt Katrin Böhning-Gaese vom Senckenberg Biodiversität und Klimaforschungszentrum in Frankfurt am Main.

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Suizidhilfe: Ethikerin sieht Briten-Votum als „wichtiges Signal“

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Die eindeutige Absage des britischen Parlaments an die Suizidbeihilfe-Freigabe ist in den Augen des Instituts für Medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) ein „historisches Votum“: „Die Befürworter des gesetzlich aufrechten engmaschigen Schutzes vulnerabler, weil kranker oder alter Personen, haben nun einen entscheidenden Sieg errungen“, erklärte Susanne Kummer, Geschäftsführerin des in Wien ansässigen Fachinstituts der Bischofskonferenz, am Montag gegenüber „Kathpress“. Die Entscheidung sei auch ein wichtiges Signal für die Debatte in Österreich und Deutschland gewesen.

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Am Freitag der Vorwoche hatte das britische Parlament mit überwältigender Mehrheit einen Gesetzesvorschlag zur Freigabe der Beihilfe zur Selbsttötung in England und Wales abgelehnt: 330 Abgeordnete stimmten gegen den vom Labour-Abgeordneten Rob Marris eingebrachten Gesetzesentwurf, nur 118 dafür. Bereits im Vorfeld der Entscheidung, für die der Fraktionszwang aufgehoben worden war, hatte sich Premierminister David Cameron gegen das Gesetz ausgesprochen, das sich an der Regelung von Oregon angelehnt hätte. Volljährige mit einer Lebenserwartung von weniger als sechs Monaten können in dem US-Bundesstaat nach ärztlichem Gutachten professionelle Hilfe zur Selbsttötung in Anspruch nehmen, sofern sie freiwillig darum bitten und zwei Ärzte bestätigen, dass alle Auflagen erfüllt sind.

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Kirchliche Rechtsberater: Religionsfriede in EU braucht Verträge

Bild: fis-kirchenrecht.de
Bild: fis-kirchenrecht.de
Die Rechtsberater der europäischen Bischofskonferenzen haben bei ihrer vorwöchigen Jahreskonferenz die Notwendigkeit der Begleitung des Grundrechts der Meinungs- und Pressefreiheit durch eine „ausgewogene, vernünftige Balance“ zwischen staatlichen Grundrechten und Rechten der Religionsgemeinschaft betont.


kathweb

Sie folgten damit der Sicht der Vizepräsidentin des italienischen Verfassungsgerichtshofs, Marta Cartabia, die sich bei der Tagung für bilaterale Verträge mit den Religionsgemeinschaften aussprach. Staaten mit entsprechenden Verträgen seien in Konflikten besser gefahren, betonte sie. Damit werde gesellschaftlicher Pluralismus gewahrt, ohne Aufhebung der Unterschiede und Vereinheitlichung.

Hintergrund der vom Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) veranstalteten Tagung in Pressburg (Bratislava) waren die Anschläge auf Karikaturisten in Paris und Kopenhagen. Weitere Diskussionsthemen waren das Recht auf Gewissenvorbehalt, die Definition von „Eheschließung“ vor dem Hintergrund der Öffnung der Ehe für Homosexuelle in Slowenien, die Sicht von Papst Franziskus zu Europa sowie die Lage in der Ukraine.

Zum Thema „Gewissensvorbehalt“ hielten die Teilnehmer in der Abschlusserklärung fest, es gebe in den EU-Staaten einen auffälligen Gegensatz zwischen dem Trend zur Stärkung individueller Rechte im Bereich auf Lebensanfang und Lebensende und der Schwächung des Grundrechts auf Gewissensfreiheit in ethischen Fragen, vor allem in der Medizin und dem Bildungswesen. „Die Gewissensfreiheit, ein Grundrecht, das zu den Grundlagen der Demokratie und des Rechtsstaats der europäischen Länder gehört, wird vor allem im Bereich der Medizin und der Bildung immer mehr in Frage gestellt“, so der CCEE. Der Gewissensvorbehalt sei „gegen niemanden gerichtet“ und habe „nicht das Ziel einer Aushöhlung des Rechtssystems, sondern den eines Dienstes am Gemeinwohl“.

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Glasgower Abtreibungskonflikt: Katholische Hebammen unterlagen

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Nach Auffassung des Obersten Gerichts können moralische oder religiöse Einwände nur gegen die direkte Mitwirkung an einer Abtreibung geltend gemacht werden.


kathweb

Zwei katholische Hebammen sind in einem Streit um das Verweigerungsrecht bei Abtreibungen vor dem Obersten Gerichtshof in London gescheitert. Die beiden Frauen hatten darauf bestanden, Arbeitskolleginnen nicht einmal indirekt bei Schwangerschaftsabbrüchen zu unterstützen. Nach dem Urteil des Obersten Gerichts ist dies jedoch nicht durch das Recht auf Verweigerung aus Gewissensgründen gedeckt, wie der Sender BBC am Mittwoch meldete.

Nach einhelliger Auffassung der fünf Richter können demnach moralische oder religiöse Einwände nur gegen die direkte Mitwirkung an einer Abtreibung geltend gemacht werden. Das Verweigerungsrecht lasse sich nicht auf Verwaltungs- oder Aufsichtsfunktionen oder andere Dienstleistungen wie Catering oder Reinigung ausdehnen.

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‚Homo-Ehe ist eine Art Kampfansage an das Christentum‘

Ratzinger_HomoDer homosexuelle EU-Politiker David Coburn aus Schottland kritisiert: Homo-Ehe sei „hanebüchener Unsinn“, der „seinen Spott mit dem heiligen Sakrament der Ehe“ treibe. Die Einrichtung der eingetragenen Partnerschaft habe vollkommen ausgereicht.

kath.net

Die Homo-Ehe sei „hanebüchener Unsinn“, der „seinen Spott mit dem heiligen Sakrament der Ehe“ treibe. Dies sagte David Coburn , schottische Mitglied des Europäischen Parlaments, im Interview mit der Huffington Post, wie „Freie Welt.net“ berichtete. Bemerkenswert daran ist, dass Coburn selbst homosexuell ist. Coburn kritisierte, dass Homosexuelle jetzt [Anm. d. Red.: in manchen Ländern] in den Stand der Ehe eintreten können, obwohl das Institut einer eingetragenen Partnerschaft vollkommen ausgereicht habe. Die Ehe für Homosexuelle zu öffnen, sei eine Art Kampfansage an das Christentum, stellte der EU-Politiker fest. In der Einführung der Homo-Ehe sehe er den Versuch, andere Menschen herabzusetzen und ihre Werte zu schmähen.

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Umfrage: Anglikanische Geistliche haben ein Problem mit Gott

church_of_englandZwei Prozent der anglikanischen Geistlichen in England, Schottland und Wales glauben nicht an Gott, weitere 16 Prozent gaben an, unsicher zu sein.

kath.net

Schwer zu glauben: Zwei Prozent der anglikanischen Geistlichen in England, Schottland und Wales sind der Überzeugung, dass es sich bei Gott um ein menschliches Gedankengebilde handelt. Weitere 16 Prozent gaben an, unsicher zu sein, wie die britische Zeitung «The Independent» unter Berufung auf eine YouGov-Umfrage meldet.

Je älter die Geistlichen, desto größer ist offenbar der Anteil der Zweifler. Unter den seit 2011 ordinierten Seelsorgern gaben über 90 Prozent an, an Gott zu glauben; bei den in den 1960er Jahren Geweihten lag die Quote nur bei 72 Prozent.

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